Stephan Herbert Fuchs
 

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08.12.2019

Weihnachten mit einer Extraportion Zucker / Gelungenes Weihnachtskonzert: Ljubka Biagioni leitete das Bohemia Symphonieorchester Prag und das Vokalwerk Nürnberg in der ausverkauften Dr.-Stammberger-Halle

Kulmbach. Zugegeben, ein wenig süßlich klingt das alles schon, aber das soll es ja auch. Wünschen wir uns das nicht alle, warme wohlige Klänge, schöne opulente Melodien, eine friedvolle ungetrübte Stimmung so ganz ohne Hektik? Das alles beschert sie seit Jahren, die inzwischen in Kulmbach beheimatete Dirigentin Ljubka Biagioni zu Guttenberg, die mittlerweile zum 5. Mal zum Weihnachtskonzert in die Dr. Stammberger-Halle eingeladen und damit eine kleine aber feine Tradition begründet hat.

Lediglich die Orchester wechseln, diesmal hatte sie zusammen mit den Bohemia Sinfonieorchester Prag und dem Chor mit dem Namen Vokalwerk Nürnberg (er war im vergangenen Jahr schon dabei) einstudiert. Das Programm ist eine bunte Mischung weihnachtlicher Lieder, bestehend aus Originalkompositionen, vielen A-Cappella-Darbietungen sowie diversen Arrangements.

Was das Konzert so besonders macht: Ljubka Biagoni und ihre Musiker gehen die weihnachtlichen Werke mit der Sorgfalt und Differenziertheit an, mit dem sie auch ein Symphoniekonzert oder eine Opernaufführung bestreiten würden. So entsteht ein insgesamt faszinierendes homogenes und sinnliches Klangbild. Der souveräne Chor singt in wunderbar dezentem Piano transparent und schlank, kann aber auch im überragendem Forte überzeigen.

So spannt das populäre Programm einen weiten Bogen von barocken Sätzen wie Ausschnitten aus dem Trompetenkonzert von Giuseppe Torelli über Klassiker wie Peter Tschaikowskys „Nussknacker“ und Romantiker wie dem Zwischenspiel aus Pietro Mascagnis Verismo-Oper „Cavalleria Rusticana“ bis hin zu traditionellen deutschen und internationalen Weihnachtsliedern. Die einzelnen Werke sind abwechslungsreich ausgewählt und zusammengestellt worden, ohne dass auch nur die Spur von Langatmigkeit aufkommen könnte.

Wieder tauchen dabei viele vertraute Klänge auf, wie etwa die A-Cappella vorgetragenen Werke „Maria durch ein Dornwald ging“, „Schlaf wohl du Himmelknabe du“ oder „Es wird scho glei dumpa“. Das alles wird dargeboten auf hohem Niveau und moderiert von der Dirigentin persönlich. Ljubka Biagioni hat auch wieder ihr rotes Buch dabei, aus dem sie ernste und lustige Weihnachtkurzgeschichten vorliest, wie zum Beispiel „Die lustige Weihnacht“ von James Krüss.

Ein wenig Rührseligkeit kommt bei den ausgewählten Arrangements in seidenweichem Sound natürlich schon auf, gerade dann, wenn der Chor bemüht wird, aber es soll ja auch so sein. Da werden opulente Arrangements dargeboten („In dulci jubilo“), Wirkungsvolles und Stimmgewaltiges („The first noel“) und sogar jazzig Angehauchtes („We wish you a merry christmas“). Immer perfekt musiziert, blitzsauber intoniert und stimmgewaltig gesungen. Insgesamt bleibt das Programm wohltuend geschmackvoll und eine extra Portion Zucker darf es schon sein, schließlich ist ja bald Weihnachten.

Bilder:
Ljubka Biagioni leitete das Bohemian Sinfonieorchester aus Prag und den Chor „Vokalwerk Nürnberg“ beim eindrucksvollen Weihnachtskonzert in der ausverkauften Dr.-Stammberger-Halle.

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08.11.2019

Cash, Clapton und Cat Stevens / BäckOnStage: Robert Hönninger und musikalische Weggefährten feierten viereinhalb Stunden lang

Lichtenfels. Sein zehnjähriges Jubiläum hat Robert Hönninger alias BäckOnStage mit einem Live-Konzert im Sportheim des Turnvereins Unterwallenstadt gefeiert. Solo und zusammen mit seinen Weggefährten Sebastian Ulmann (Klavier), Martin Fischer und Markus Hümmer (beide Gesang und Gitarre) begeisterte Robert Hönninger viereinhalb Stunden lang sein Publikum. Einziger Wermutstropfen: Der versierte Musiker kündigte für die kommenden Monate eine künstlerische Schaffenspause an.

Eigentlich schade, denn die Akustikgitarre ist sein Element. Robert Hönninger präsentierte an diesem Abend in gemütlicher Runde das gesamte Spektrum seines musikalischen Schaffens als Sänger, Gitarrist, Entertainer und Moderator. Ob Neil Young („Comes a time“) oder Cat Stevens („Father and son“), Johnny Cash („Ring of fire“) oder Eric Clapton („Lay down Sally“), STS („Gö, du bleibst heut nacht bei mir“) oder Udo Jürgens („Ich war noch niemals in New York“): Die Spannweite seines Repertoires scheint schier unendlich. Doch egal ob deutsch oder englisch, Country oder Rock, Oldie oder aktuelle Charts, Robert Hönninger und seine Mitstreiter agieren immer höchst professionell sei es als Coverversion oder in eigenen Arrangements.

Und weil akustische Live-Musik so gut funktioniert herrschte im Sportheim auch von Anfang an beste Stimmung, Mitklatschen und Mitsingen war durchaus gewünscht und das Publikum ging begeistert mit. Musik, handgemacht ohne technischen Schnick-Schnack, so hat Robert Hönninger längst seine Anhänger gefunden. Dazwischen gibt es die eine oder andere Geschichte sowie Infos zu den Songs, Drinks vom Team des TV Unterwallenstadt und eigens gebackene Plätzchen in Gitarrenform für alle Zuhörer.

Bleibt zu hoffen, dass die künstlerische Pause von Robert Hönninger nicht allzu lange dauert und der Musiker bald wieder auf den Bühnen der Region mit Gitarre und Bluesharp zu erleben ist.

  

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10.10.2019

Klangvoll, kernig und klar formuliert/ Wilhelm-Kempff-Festival: Bemerkenswertes Beethoven-Programm zum Auftakt

Thurnau. Wer war die „Unsterbliche Geliebte“ von Ludwig van Beethoven. War es Josephine von Brunsvik, die einzige Frau, die Beethoven lange Zeit geliebt hatte und die seine Liebe zumindest zeitweise ganz offensichtlich auch erwiderte? Als Motto für einen konzeptionellen Abend taugt diese Episode allemal und so gab es am ersten Abend des Wilhelm-Kempff-Festivals im Kutschenhaus von Schloss Thurnau Kompositionen und Rezitationen aus der Feder Beethoven mit dem Schauspieler August Zirner als Sprecher, dem berühmten Bariton Roman Trekel sowie dem Pianisten, Festivalleiter und –gründer Ingo Dannhorn.

Seit Jahrhunderten rätseln Musikwissenschaftler über einen mysteriösen Liebesbrief des Komponisten an eben diese „Unsterbliche Geliebte“. „Mein Engel, mein alles, mein Ich", so schwärmt Beethoven an die Frau, die er so sehr begehrt. Beethoven verschweigt dabei nicht nur den Namen der Frau, auch Ort und Jahreszahl. Hundertprozentig fest steht nicht einmal, ob er den Brief überhaupt abgeschickt hat. Beim Konzertabend in Thurnau steht dieser Brief erst am Beginn des zweiten Teils.

Die scheinbare Antwort gibt es schon zuvor im ersten Teil. Der ist nämlich Beethovens Beziehung zu der zehn Jahre jüngeren Josephine Gräfin von Brunsvik gewidmet, eine Beziehung, die mit längeren Unterbrechungen von 1799 bis 1812 währte, letztlich aber doch wohl an Standesunterschieden scheiterte. Der Liederkreis „An die ferne Geliebte“ markiert das Ende aller Hoffnungen und Erwartungen, und er steht trotzdem gleich am Beginn des Abends.

Gesungen wurde er von dem phänomenalen Bariton Roman Trekel. Spätestens seit seinem Heerrufer im Lohengrin 1999 bis 2005 bei den Bayreuther Richard-Wagner-Festspielen zählt Trekel zu den ganz großen Sängern der Gegenwart. Auch als Liedinterpret hat er sich längst einen klangvollen Namen gemacht. Sein warmes, kerniges und konturenvolles Mittelregister nimmt sofort für sich ein.

Trekel gelingt es stets, die Balance zwischen Text und Musik zu wahren. Er schöpft die sprachliche Finesse seiner Darbietung aus dem, was Beethoven trotz dessen problematischer Beziehung zur Gattung Lied und der Tatsache, dass seine Lieder noch einer gewissen Übergangszeit entspringen, so anspruchsvoll musikalisch angelegt hat. Trekel beherrscht mit ausgefeilter Artikulation und größtmöglichem Verständnis den differenzierten Umgang mit dem Text und dem musikalischen Kunstwerk traumwandlerisch perfekt.

Das gilt auch für die beiden Versionen des Liedes „An die Hoffnung“. Trekel agiert auch hier mit flexibler, wohltimbrierter Baritonstimme. Sein Vortrag besticht vor allem durch das sehr ausgewogene Verhältnis zwischen detaillierter Ausgestaltung des Textes und effektvoller Wahrnehmung der rein melodischen Optionen dieses zugegeben etwas sperrigen Liedes.

Absolut ebenbürtig bei diesem anspruchsvollen Programm ist ihm Pianist Ingo Dannhorn. Er ist ein vollkommener Partner am Klavier, der in seinem gesamten Ausdrucksspektrum zusammen mit Trekel im absoluten künstlerischen Einvernehmen agiert. Dannhorn folgt Trekel in jeder Nuance und sorgt mit hingebungsvoller Präsenz geschickt für zusätzliche Spannung.

Das gilt auch für die solistischen Stücke, die in zeitlicher Nachbarschaft zum Liederzyklus „An die ferne Geliebte“ entstandene Klaviersonate A-Dur op.101 und dem 1. Satz der „Waldstein“-Sonate C-Dur op.53. Wunderbar fein phrasiert und artikuliert, poetisch geführt und klar formuliert interpretiert Ingo Dannhorn diese emotionale Komposition. Der Klang ist stets transparent, wohl ausbalanciert, wo nötig auch resolut aber niemals schroff.

Sensibel und detailverliebt agiert schließlich auch August Zirner als Rezitator. Der in den USA geborene und in Wien aufgewachsene Schauspieler liest Beethovens Briefe und Tagebucheinträge nicht nur, er spielt sie mit sonorer Stimme und eindringlichen Stimmungen. Dazu kommen sozusagen „aus dem off“, also vom Band, auch Briefe von Josephine von Brunsvik, die von der Schauspielerin und Synchronsprecherin Daniele Hoffmann, der deutschen Stimme von Julia Roberts, eingelesen wurden

Bild: Rezitator August Zirner, Pianist Ingo Dannhorn und Bariton Roman Trekel (von links) beim Beethoven-Abend im Kutschenhaus von Schloss Thurnau.

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11.08.2019

Feierlich flexibel und mit starker stimmlicher Präsenz / Gastspiel des 69. Festivals Junger Künstler

Goldkronach. Seit Jahren haben die Goldkronacher Gastspiele des Festivals Junger Künstler Bayreuth Tradition. Diesmal waren es weder Chöre, noch Orchester, sondern vier ganz herausragende Solisten, die vom Fuße des Grünen Hügels in die Evangelische Stadtkirche zum Alexander-von-Humboldt-Kultursommer gekommen waren. Unter dem Motto „Auf Flügeln des Gesangs“ präsentierten die Bayreuther Sopranistin Teresa Hoerl, der renommierte Organist und Pianist Christoph Ostendorf und das Duo „Allegria“ Werke von der Klassik bis zur Moderne.

Die Klammern, die sich um die Kompositionen von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Franz Liszt, Max Reger und Cesar Franck spannten, lauteten Leichtigkeit, Transzendenz und Freude am Dasein. Musiker und Zuhörer sollten angetrieben von den Klängen gemeinsam „Auf Flügeln des Gesangs‘‘ aufsteigen und durch die Luft schweben, die von der Musik in Schwingung gebracht wird. So beschrieben die Verantwortlichen des 69. Festivals Junger Künstler die gute Idee, die hinter dem Konzert steckte. Und tatsächlich: da Stimme und Orgel „Luftinstrumente“ sind, das heißt, mit Luft angetrieben werden, ergibt sich das Wortspiel mit der Luftigkeit; sich auf der Luft treiben lassen und zum Schwingen gebracht werden.

Teresa Hoerl, seit 2016 Artist in Residence beim Festival junger Künstler, ist eine wunderbare Sopranistin. Mendelssohns „Auf den Flügeln des Gesangs“ interpretiert singt sie ungeheuer leichtgängig, erstaunlich biegsam und flexibel, begleitet von Christoph Ostendorf am E-Piano. Den Rest des Programmes bestreiten die beiden von der Empore herab, wobei Ostendorf auf der historischen Orgel auch einige bemerkenswerte Solokompositionen aufführt.

In Händels Arie „Meine Seele hört im Sehen“ und in Bachs Arie „Die Seele ruht in Jesu Händen“, singt Teresa Hoerl nicht nur mit glasklarer Stimme, die in der trockenen Akustik des Kirchenraumes gut zur Geltung kommt, sie agiert auch überaus textverständlich. Auch in den bekannten, weihnachtlich angehauchten Stücken. „Mariä Wiegenlied“ von Max Reger, dem „Panis angelicus“ von Cesar Franck und der „Die Glocken von Marling“, ein Lied von Franz Liszt, geht sie bei der Klangproduktion vom Text her vor und kann durch eine starke stimmliche Präsenz überzeugen. Höhepunkt wr dabei sicherlich auch die Zugabe, das „Somewhere“ aus der West Side Story von Leonard Bernstein.

Christoph Ostendorf ist nicht nur ein hervorragender Begleiter sondern auch ein überzeugender Solist. Schon beim Praeludium und der Fuge C-Dur BWV 545 holt er aus der alten mechanischen Orgel der Stadtkirche alles heraus, erst recht bei Mendelssohns vierteiliger Orgelsonate Op. 65 Nr.2. Ostendorf lässt die Orgel in großer Feierlichkeit erklingen, legt eine lebendige Musikalität an den Tag und setzt die Kompositionen spieltechnisch brillant um.

Das Duo „Allegria“, das sind die vielfach preisgekrönte Lemberger Flötistin Boshena Korchynska und der ebenfalls aus Lemberg stammende Akkordeonist Bohdan Kozhushko. Die beiden Musiker aus der Ukraine steuern mit der Renaissance-Komposition „Susanne un jour“ von Giovanni Bassano nach Orlando di Lasso und einer bulgarischen Suite von Vyacheslav Semyonov ebenfalls zwei eindrucksvolle und überaus virtuos musizierte Stücke zu dem gelungenen Gastspiel bei.

Das Festival junger Künstler kann auch heuer wieder auf beeindruckende Zahlen verweisen: Insgesamt nehmen 400 junge Leute aus rund 40 Nationen daran teil. Zum Angebot gehören 25 Workshops und Meisterkurse, 60 Konzerte, 30 Vorträge, Lesungen und Talks. Für das Festival sind diesmal rund 80 Menschen tätig, davon 50 Teilnehmer des Praktikantenmodells Sprungbrett und 30 Ehrenamtliche. Das Motto lautet in diesem Jahr „Heimat. Liebe. Fremde“: Drei Wörter, Heimat Liebe Fremde, die sich in unterschiedlichen Folgen aneinander reihen lassen, sollen die jungen Künstler aus aller Welt zum Miteinander Musizieren und Sprechen, zum einander Zuhören und zum übereinander Nachdenken einladen.

Bilder:
1.
 Die Pianistin Teresa Hoerl und der Pianist Christoph Ostendorf standen im Mittelpunkt des Festivalkonzerts in der Evangelischen Stadtkirche von Goldkronach.
2. Das Duo Allegria beim Gastspiel des Festivals Junger Künstler in Goldkronach.

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21.07.2019

Klassik auf der Burg: Frisch, flott und farbig / Ljubka Biagioni leitete die Nürnberger Symphoniker

Kulmbach. Die Premiere ist gelungen: zum ersten Mal waren die renommierten Nürnberger Symphoniker bei den Plassenburg Open Airs zu erleben. Unter dem Motto „Klassik auf der Burg“ präsentierte die jetzt in Kulmbach beheimatete Dirigentin Ljubka Biagioni zu Guttenberg ein populäres und zugleich anspruchsvolles Programm. Im Mittelpunkt stand dabei unter anderem die belgischen Klarinettistin Annelien Van Wauwe als großartige Solistin im A-Dur-Klarinettenkonzert, KV 622, von Wolfgang Amadeus Mozart.

Mozarts letztes Instrumentalwerk kommt in ihrer Interpretation mal verträumt, mal abgeklärt und heiter daher. Sein Charakter ist eher lyrisch als virtuos auftrumpfend. Bei Annelien Van Wauwe und den glänzend aufgelegten Nürnberger Symphonikern zeigt sich Mozarts „Spätwerk“ allerdings eher als jugendlich frisches, flottes wie farbiges Stück. In den Ecksätzen ist ein geschmeidiges Gesamtklangbild zu hören mit einem makellos runden und obertonreichen Klarinettentimbre. Nahezu schwerelos und sphärisch zieht der langsame Satz vorbei. Sie Solistin versteht es, die großen Bögen organisch auszuspannen. Ihr Spiel ist nuancenreich und kommt faszinierend schön zur Geltung.

Faszinierend sind auch immer wieder die Opern Wagners, auch wenn der Gesang halt einfach dazugehört und bloße Konzertstücke nie die gesamte Bandbreite des Wagnerschen Kosmos wiedergeben können. Freilich mit dem Einzug der Gäste aus dem 2. Aufzug des „Tannhäuser“ haben sich Dirigentin und Musiker zweifellos eines der effektvollsten Stücke ausgesucht. Die Nürnberger Symphoniker in großer Besetzung sind brillant genug, um Wagner den Zuhörern schmackhaft zu machen. Sie musizieren edel im Klang, absolut homogen und akribisch genau, worauf es bei Wagner ganz besonders ankommt. Das ist orchestraler Wucht, die nicht nur Wagner-Fans von Anfang an gefangen nimmt.

Überhaupt sind es die Ohrwürmer, die bei einem solchen Open-Air-Konzert nicht fehlen dürfen. Peter Tschaikowsky Schwanensee-Walzer ist ein solcher Ohrwurm, ein Ballett-Schlager, den jeder irgendwann einmal zumindest zur Kenntnis genommen hat. Ein imposanter Walzer, virtuos musiziert, mit Freude am Detail und von geradezu überragender Klangschönheit.

Im zweiten Teil des Konzert folgte dann der rein britische Teil, der an die „Last Night oft he Proms“ der BBC erinnern sollte. Zur Aufführung gelangten unter anderem die von den Neujahrskonzerten bekannten „Sea Songs“ von Henry Woods. Eigentlich sind es Seemannslieder, 1905 zusammengestellt und arrangiert von dem britischen Dirigenten und Proms-Gründer Sir Henry Wood zur Hundertjahrfeier der Schlacht von Trafalgar. Viele Jahre lang waren sie festes Repertoirestück der Last Night of the Proms. Und so mancher traute seinen Ohren kaum, als das Stück „See, the Conqu’ring Hero Comes“ erklang, das bei uns als Weihnachtslied mit dem Titel „Tochter Zion, freue dich“ bekannt geworden ist,

Untrennbar mit den „Proms“-Konzerten verbunden ist schließlich Edward Elgars „Pomp and Circumstance“. Der erste Marsch, den sich Edward VII. für seine Krönungsfeierlichkeiten wünschte, ist mit den Worten „Land of Hope and Glory“ unterlegt und wurde fast beliebter als die offizielle britische Nationalhymne „God save the Queen“.

Natürlich entließ das Publikum die Musiker nicht ohne Zugaben. Als „Rausscheißer“ gab es zum Mitklatschen den bekannten „River-Kwai-Marsch“, der in der Fassung für Symphonieorchester selten zu erleben ist und dementsprechend zum Abschluss der Plassenburg-Open-Airs für Furore und Standing Ovations sorgte.

Bilder:
-
 Zum Abschluss der Plassenburg Open Airs leitete Ljubka Biagioni im Schönen Hof der Burg die Nürnberger Symphoniker.
- Die belgischen Klarinettistin Annelien Van Wauwe war die Solistin in Mozarts A-Dur-Klarinettenkonzert.

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18.07.2019

Weltmusik aus Südtirol / Plassenburg-Open-Air mit dem Ausnahmekünstler Herbert Pixner

Kulmbach. Genauso außergewöhnlich wie sein Leben ist seine Musik: Herbert Pixner, ein echter Ausnahmekünstler aus Südtirol. Zum Plassenburg-Open-Air war er mit seiner Formation Herbert-Pixner-Projekt gekommen, in dem neben seiner Schwester Heidi an der Tiroler Volksharfe auch die Musiker Manuel Randi an den verschiedensten Gitarren und Werner Unterlercher am Kontrabass mitwirken. Es war ein ganz besonderes Konzert mit einer ganz besonderen Stimmung, mal laut, mal leise, mal ernst, mal heiter, aber immer musikalisch auf allerhöchstem Niveau.

Seine Musik ist angesiedelt irgendwo zwischen Haindling und Hubert von Goisern, nur eben rein instrumental, was das Ganze nicht unbedingt leichter macht. Doch der 43-Jährige überzeugt durch sein Können, nicht nur auf den diatonischen Harmonikas, sondern vielmehr als echter Multiinstrumentalist. Unter anderem ist er ein Ass auch auf der Klarinette, dem Flügelhorn, der Trompete oder dem Saxophon. Über ein Dutzend Instrumente bevölkern die Bühne, sonst nichts. Keine Kulisse, keine Show, das alles haben Herbert Pixner und seine Musiker gar nicht nötig.

Da reichen ein wenig buntes Licht, seine charmante Moderation und seine charismatische Erscheinung. Sein Stil ist freilich ganz schwer zu beschreiben. Der ist so vielfältig wie kaum bei einem anderen populären Künstler und reicht von traditioneller Volksmusik bis hin zu Jazz, Blues und Avantgarde. Herbert Pixner und seine Musiker bringen das alles wunderbar zusammen. Sie beherrschen die Kunst, aus alpenländischen Polkas, Walzer oder „Zwiefachen“ echte Weltmusik zu machen, ohne die Wurzeln zu verraten.

Ein Sommernachtswalzer untermalt mit südlichen Klängen zum Beispiel oder der Ohrwurmverdächtige „Tango to go“, bei dem alle vier Musiker in ausgefeilten Soli ihr Können eindrucksvoll unter Beweis stellen. Auch „Morgenrot“, der erste große Erfolg der Formation darf nicht fehlen, stimmungsvoller geht es kaum. Ebenso wie die rockig schrägen Kompositionen „Electrifying Overture“ und „Serpent“ vom jüngsten Album „Lost Elysion“: alles klingt anders, aber alles ist unverkennbar Herbert Pixner.

Der sympathische und bescheidene Südtiroler ist aber auch ein Musiker, der sein Publikum zum Zuhören zwingt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn er ist ein Meister des leisen Spiels. Manchmal muss man fast den Atem anhalten, um ihn noch zu hören, wenn er gerade einmal wieder einen von seinen unglaublich wirkungsvollen Spannungsbögen aufbaut oder sich mit Gitarrist Manuel Randi ein musikalisches Duett liefert.

Einem breiten Publikum wurde er hierzulande durch die Titelmelodie der TV-Reihe „Gernstl unterwegs“ im Bayerischen Fernsehen bekannt. Ein Titel, der natürlich auch auf der Plassenburg nicht fehlen darf. Herbert Pixner arbeitete bereits als Musiklehrer, Rundfunk- und Fernsehmoderator oder als Barmusiker im US-amerikanischen Bundesstaat Colorado. Für seine Verdienste um die Weiterentwicklung der traditionellen alpenländischen Volksmusik wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet.

Bilder: Das Herbert-Pixner-Projekt am Donnerstagabend auf der Plassenburg.

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10.06.2019

Klangfülle und kammermusikalische Transparenz / Brücke nach Böhmen und Mähren: Tschechischer Jugendchor sorgte für A-cappella-Erlebnis

Bayreuth. Mit dem Konzert des Jugendchors „Motyli Sumperk“ („Schmetterlinge“) aus dem tschechischen Mährisch-Schönberg in der markgräflichen Ordenskirche in Bayreuth-St. Georgen hat das Pfingstfest am Montagabend einen würdigen Abschluss gefunden. Der Chor unter der Leitung von Helena Stjanikova zählt zur Spitzenklasse tschechischer Jugendchöre. Eingeladen wurde das namhafte Ensemble vom Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach.

Das gut eineinhalbstündige Programm umfasst viel Unbekanntes, aber auch einiges Bekannte vom ausgehenden Mittelalter bis in die Gegenwart. Ein Chorsatz von Orlando di Lasso war genauso dabei, wie eine mitreißende Komposition von George Gershwin („Clap your hands“) und sogar den Popsong „What a wonderful world ließen die jungen Sängerinnen und einige wenige Sänger erklingen.

Höhepunkt war die fünfsätze kleine Jazz-Messe des zeitgenössischen Komponisten Bob Chilcott. Äußerst feinsinnig, aber auch stimmgewaltig, homogen und intonationsrein singt der gut 42 Stimmen starke Chor. Ganz spartanisch wird er begleitet, mal vom E-Piano, das Petr Vocka spielt, mal von einer oder zwei Violinen, mal von kleinen Xylophonen, meistens aber singt der Chor a cappella.

Gleich bei mehreren Werken nutzen die Sänger die komplette Kirche aus und verteilt sich ganz geschickt im Raum. Dadurch entsteht ein ganz eigenartiges, eindrucksvolles Klangerlebnis, etwa im Echo-Satz von Orlando die Lasso. Eindrucksvoll gestalten die jungen Künstler auch den singenden Ein- und später den Auszug aus dem Gotteshaus.

Wundervoll und klanggewaltig führen die „Schmetterlinge“ Kompositionen, etwa von Miroslav Reichl, Ola Gjello oder Frode Fjelheim auf. Piano- und Pianissimo-Einsätze werden dabei wie selbstverständlich bewältigt. Stets aufs Neue begeistert der fulminante und homogene Klang des perfekt einstudierten Zusammenschlusses. Hervorragend ausbalanciert fügen sich die einzelnen Stimmen ineinander. Die jungen Sängerinnen und Sänger vereinen Klangfülle und kammermusikalische Transparenz.

Der Chor „Motyli Sumperk / Schmetterlinge“ wurde 1962 von dem Musikschullehrer Alois Motik gegründet. Während der Chor in den Anfangsjahren nur in kleiner Besetzung auftrat, fand er bald seinen Platz unter den großen nationalen Vokalensembles und entwickelte sich in über 50 Jahren musikalischer Tätigkeit zu einer anerkannten Chorschule mit derzeit über 200 Schülerinnen und Schülern. Zuhause ist sie in Sumperk (Mährisch-Schönberg), einer Kleinstadt in der Olmützer Region am Fuße des Altvatergebirges.

Das Konzert soll auch eine Brücke von Franken nach Böhmen und Mähren schlagen, sagte der Vorsitzende des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums, Hartmut Koschyk. So habe Alexander von Humboldt schon während seiner Goldkronacher Jahre mehrfach die europäischen Nachbarregionen besucht. Später sei Alexander von Humboldt Mitglied der Gesellschaft für eine große naturkundliche Sammlung geworden, ein Zusammenschuss, aus dem später das Prager Nationalmuseum entstanden ist.

Bilder: Spitzenklasse tschechischer Jugendchöre: „Motyli Sumperk“, die „Schmetterlinge“ aus dem tschechischen Mährisch-Schönberg gastierte unter der Leitung von Helena Stjanikova in der markgräflichen Ordenskirche in Bayreuth-St. Georgen.

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20.04.2019

Grotesk, grandios und glänzend aufgelegt / Oster-Tour des JSO: Borodin, Strauss und Schostakowitsch in Naila, Neustadt und Stegaurach

Naila. Mit drei umjubelten Konzerten in Naila, Neustadt bei Coburg und Stegaurach hat das Jugendsymphonieorchester Oberfranken unter seinem Dirigenten Till Fabian Weser an den Osterfeiertagen eine kleine, aber eindrucksvolle Tournee absolviert.

Till Fabian Weser, im Hauptberuf Trompeter bei den Bamberger Symphonikern und seit 2012 Chef des Jugendsymphonieorchesters, war es einmal mehr gelungen, zusammen mit namhaften Dozenten in nur einer Woche Probenzeit aus 85 jungen Musikern zwischen 12 und 24 Jahren mit den unterschiedlichsten Vorkenntnissen einen Klangkörper zusammenzuschweißen. Und das mit einem überaus anspruchsvolles Programm zum 35. Geburtstag des JSO: Neben der Sinfonie Nr. 12 von Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) als Hauptwerk gab es Alexander Borodins (1833-1887) sinfonische Dichtung „Eine Steppenskizze aus Mittelasien“ und das Hornkonzert Nr. 8 von Franz Strauss (1822-1905) mit der jungen Solistin Sophia Reuter aus Gundelsheim bei Bamberg.

Diesmal sollte es schon etwas ganz Besonderes sein und so hatte Till Fabian Weser die selten aufgeführte 12. mit dem Beinamen „Das Jahr 1917“ von Schostakowitsch ausgesucht. Dier Musik des Komponisten kann nicht losgelöst von seinem persönlichen Künstlerschicksal in Zeiten politischer Umbrüche betrachtet werden. In ihr vereinen sich Jubel und Resignation, Konformismus und Kritik, groteske und grandiose musikalische Einfälle. Dem JSO unter Till Fabian Weser gelingt es, all dies im prägnanten Tonfall, die musikalischen Strukturen aufbrechend und ohne den musikalischen Fluss zu bremsen, aufzuführen. Die glänzend aufgelegten jungen Musiker spielen dabei weite Bögen aus, vermeiden es, sich in Details zu verlieren und treiben trotzdem die einfallsreichen kompositorischen Ideen von Schostakowitsch virtuos auf die Spitze. Zwei Orchestermitglieder hatten zuvor eine kurze und prägnante Einführung in die Symphonie, ergänzt mit einigen Musikbeispielen, vorgetragen, was aufgrund der komplexen Thematik auf breiten Anklang gestoßen war und für ein besseres Verständnis sorgte.

Vom Charakter her ganz andere Musik war vor der Pause zu hören. Franz Strauss, Vater von Richard Strauss und einer der angesehensten Waldhornvirtuosen seiner Zeit, hatte mit seinem Hornkonzert op. 8 zwar ein in Fachkreisen populäres Werk geschrieben, das aber ebenfalls relativ selten zur Aufführung gelangt. Solistin bei den drei Aufführungen des JSO an Ostern war die erst 17-jährige Sophia Reuter aus Gundelsheim bei Bamberg. Für sie ist das Konzert so etwas wie eine Lieblingskomposition und das merkt man ihrem Spiel auch an. Sophia Reuter musiziert mit exzellentem, warmen Ton und bemerkenswerter Virtuosität. Sie artikuliert schlank und beweglich und verfügt über herausragenden Legato-Fähigkeiten.

Begonnen hatten die Konzertabende mit Alexander Borodins Komposition „Eine Steppenskizze aus Mittelasien“. Das Orchesterwerk entstand im Jahr 1880 zum 25. Jahrestag der Regierung von Zar Alexander II., ist Franz Liszt gewidmet und gilt als typisches Beispiel für die so genannte Programmmusik. Musikalisch ist es für die jungen Musiker des JSO eine prima Gelegenheit, ihr Können aufblitzen zu lassen, wobei insbesondere die Violinen, die Klarinette und auch das Horn ihre Virtuosität unter Beweis stellen. Wirkungsvoll inszenierte orchestrale Effekte runden die Aufführung des Werkes ab.

Auch 35 Jahre nach seiner Gründung habe das Jugendsinfonieorchester Oberfranken nichts an Attraktivität eingebüßt, sagte Bezirkstagsvizepräsident Dr. Stefan Specht zum Auftakt der Konzertreihe in Naila. Gerade die gesunde Mischung aus erfahrenen Orchestermitgliedern und jungen Talenten mache den Reiz des Klangkörpers aus. Specht bezeichnet die intensive Zusammenarbeit mit dem professionellen Dirigenten als eine einzigartige Erfahrung für die jungen Leute.

Die Konzerte des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken sind jedes Jahr aufs Neue ein echtes Highlight, sagt auch die Solistin Sophia Reuter. Sie bezeichnete es als besonders spannend, dass jedes Mal einige neue Musiker dabei sind, das Orchester also nie mehrere Jahre lang in der gleichen Besetzung spielt. Außerdem sammelten einige hier ihre ersten Erfahrungen in einem Symphonieorchester.

Das Jugendsymphonieorchester Oberfranken wurde 1984 von dem Musikpädagogen und Dirigenten Professor Günther Weiß (1933 – 2007) gegründet, der viele Jahre als künstlerischer Leiter der Musikbegegnungsstätte Haus Marteau tätig war. Seit der Gründung kommen junge Musikerinnen und Musiker aus ganz Oberfranken jeweils kurz vor Ostern zu einer Probenwoche zusammen und erarbeiten unter professionellen Bedingungen ein anspruchsvolles Konzertprogramm.

Bilder: Auftakt in der Frankenhalle Naila: Till Fabian Weser dirigiert das Jugendsymphonieorchester Oberfranken.

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14.04.2019

"Mein Credo ist die Vielfalt" / Ruhestand Stadt- und Dekanatskantor Ingo Hahn hat sein ganzes Berufsleben in Kulmbach verbracht

Kulmbach. Am Ende steht noch einmal der Messias: Unter der Leitung von Stadt- und Dekanatskantor Ingo Hahn wird die Kulmbacher Kantorei zusammen mit namhafte Vokalsolisten und dem Orchester »musica juventa« aus Halle am 19. Mai um 17 Uhr in der Kulmbacher St. Petri-Kirche das berühmte Oratorium von Georg Friedrich Händel aufführen. Genauso wir damals 1983, als Ingo Hahn gerade die Stelle in Kulmbach antrat.

Schon als Kind hatte er intensiven Kontakt mit der Musik und ganz speziell mit der Orgel gehabt. Der Vater war Organist an der Rothenburger St.-Jakobskirche, die Mutter Soloviolinistin. Ein halbes Jahr vor seinem Amtsantritt in Kulmbach im Februar 1983 war er mit dem Studium der Kirchenmusik und der Musikpädagogik in Bayreuth, Herford und Köln fertig geworden. Dann wurde er Nachfolger des damaligen Kirchenmusikdirektors Gottfried Sanke in Kulmbach. »Es ist schon sehr selten, dass jemand sein gesamtes Berufsleben an einem einzigen Ort verbringt«, sagt er.

Mehrere Meilensteine sind es, die Ingo Hahn neben dem »Alltagsgeschäft«, also der liturgischen Ausgestaltung von Gottesdiensten, mit seinem mittlerweile über 36 Jahre langen Wirken in Kulmbach verbindet. Da sind zunächst die Planung und der Bau der großen Rieger-Orgel in der Stadtkirche St. Petri. Vom ersten Tag an sei klar gewesen: Mit der alte Orgel muss etwas geschehen. Bis zur Weihe der neuen Orgel am 17. Dezember 2000 war es dann ein weiter Weg. Ingo Hahn gründete einen Orgelbauverein, gewann das damalige Stadtoberhaupt Erich Stammberger als größten Unterstützer und entwarf das Instrument schließlich zusammen mit dem Frankfurter Orgelsachverständigen Gerd Wachowski.

Zweiter Meilenstein war für Ingo Hahn die Gründung der Kulmbacher Kirchenmusiktage im Jahr 1985. Auch damals startete er mit Georg Friedrich Händel und führte neben einem Orgelkonzert dessen »Dettinger Te Deum« auf. Zahlreiche Kulmbacher Erstaufführungen und mit Carl Loewes »Sühneopfer« sogar eine Bayerische (Nachkriegs-)Erstaufführung standen auf dem Programm.

Die Zahl der namhafte Künstler die seitdem zu den Kirchenmusiktagen, immer zwischen dem Ewigkeitssonntag und dem 1. Advent in den Kulmbacher Kirchen, neben St. Petri auch in der Spital- und in der Nikolaikirche aufgetreten sind, hat niemand gezählt. Natürlich gab es immer wieder Bachs Weihnachtsoratorium, mehrfach das »Deutsche Requiem« von Johanes Brahms, Rheinbergers »Stern von Bethlehem« und natürlich den »Messias«, aber auch Seltenes, Unbekanntes, wie das Requiem von John Rutter.

Ein weiterer Meilenstein ist das Ensemble »Tonart«, das sich mittlerweile weit über Grenzen von Kulmbach hinaus einen Namen gemacht hat. Ingo Hahn selbst spricht von einem „ganz eigenen Gebilde", das das 1988 ins Leben gerufen wurde. Ursprünglich sollte es eine Art Kammerchor werden, nun ist es ein eigener Klangkörper, den seine große Konstanz und sein homogener Klang auszeichnen.

Natürlich gehört Händel zu seinen persönlichen Favoriten, »mehr als Bach«, wie er sagt. Aber auch Felix Mendelsohn Bartholdy oder Cesar Franck zählt er zu seinen Lieblingskomponisten. Dazu englische Chormusik und auch gerne mal Jazz. „Mein Credo ist die Vielfalt", sagt Ingo Hahn. Es sei ihm stets sein Anliegen gewesen, sowohl dem Chor als auch dem Kulmbacher Publikum die gesamte Bandbreite zu präsentieren.

Neben den großen Meilensteinen und dem »Alltagsgeschäft« gehörte sein musikalisches Herz den Jüngsten und den Ältesten. Es gibt einen Kinderchor und eine Seniorenkantorei, die sich 14-tägig trifft. Die älteste Mitwirkende ist immerhin schon 94 Jahre alt. Als Dekanatskantor hatte Ingo Hahn viele Orgelschüler ausgebildet, als Kirchenkreisbeauftragter von 2007 bis 2012 unzählige D-Prüfungen abgenommen.

Der Musik wird Ingo Hahn ganz sicher auch im Ruhestand treu bleiben. Dann wird man ihn wahrscheinlich in dem einen oder anderen Chor als aktiven Sänger erleben.

Das Oratorium »Der Messias« von Georg Friedrich Händel wird am 19. Mai um 17 Uhr unter Leitung von Ingo Hahn in der Evangelischen Stadtkirche St. Petri in Kulmbach aufgeführt. Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf ab 4. Mai bei Renner & Rehm in der Georg-Hagen-Straße in Kulmbach, Telefon 09221/97666.

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13.04.2019

Jugendsymphonieorchester feiert 35. Geburtstag / Osterkonzert in Naila, Neustadt bei Coburg und Stegaurach – Probenauftakt in Weißenstadt

Weißenstadt. Auch wenn der eine oder andere Einsatz zu spät kam, mancher Akzent noch nicht so ganz saß und einige Piano-Passagen etwas zu laut gespielt wurden: die hohe Qualität und das große Können der jungen Musiker des Jugendsymphonieorchester blitzen bereits beim Start der diesjährigen Arbeitsphase auf.

Mit einer Durchspielprobe der 12. Sinfonie von Dimitri Schostakowitsch hat am Samstag Kursaal des Weißenstädter Gesundheitshotels am Quellenpark das Jugendsymphonieorchester Oberfranken seine Arbeit aufgenommen. Dirigent Till Fabian Weser konnte dazu rund 70 junge Leute im Alter von 12 bis 24 Jahren begrüßen. Weil der ungewöhnliche Klangkörper auf Zeit heuer sein 35-jähriges Bestehen feiert hatte der Dirigent mit der 12. Sinfonie von Schostakowitsch (1906 – 1975) ein besonderes und etwas schwereres Orchesterwerk ins Programm genommen und dazu auch einige ehemalige Orchestermitglieder eingeladen, das JSO bei diesem Werk zu unterstützen.

Neben der Sinfonie, die den Beinamen „Das Jahr 1917 trägt, stehen die Komposition „Eine Steppenskizze aus Mittelasien“ von Alexander Borodin (1833-1887) und das Hornkonzert op. 8 von Franz Strauss (1822-1905) mit der jungen Sophia Reuter auf dem Programm.

Die einwöchige Probenphase des JSO findet traditionell in der Karwoche in Weißenstadt. Hier sind die jungen Talente untergebracht, die Proben bestimmen den Tagesablauf. Für die meisten Teilnehmer ist es eine neue Erfahrung in einer professionellen Umgebung zu proben. Dafür sorgen unter anderem namhaften Dozenten, die ihre Instrumentalgruppen an zwei Probentagen für die Tuttiproben vorbereiten werden.

Das funktioniert natürlich nur, wenn jeder Musik seine Stimme gut vorbereitet hat, erklärt der aus Amerika stammende Dirigent, der auch Mitglied der Bamberger Symphoniker ist. „Es fällt auf, wenn jemand nicht geübt hat“, so Till Fabian Weser. Bei der Arbeitsphase kommt aber auch der Spaß nicht zu kurz. Durch das gemeinsame Orchesterspiel entsteht eine Gemeinschaft, Freundschaften bilden sich, die über die Arbeitsphase hinaus andauern.

„Mit unserem ehrgeizigen Projekt eines eigenen Jugendsymphonieorchesters möchten wir jungen Nachwuchsmusikern aus der Region alljährlich zu Ostern die Möglichkeit geben, ihr Können unter professioneller Anleitung öffentlich zu präsentieren“, sagt Bezirkstagspräsident Henry Schramm. Als „Orchester auf Zeit“ setzte sich das Jugendsymphonieorchester Jahr für Jahr neu zusammen. Der Präsident bezeichnet die intensive Zusammenarbeit mit dem professionellen Dirigenten als eine einzigartige Erfahrung für die jungen Leute. Schramm: „Das oberfränkische Jugendsymphonieorchester ist das Herzstück der Jugendarbeit unserer Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau.“

Dirigent Till Fabian Weser war selbst als Jugendlicher Mitglied in vergleichbaren Klangkörpern, unter anderem im Landesjugendorchester Baden-Württemberg, im Bundesjugendorchester und in der Jungen Deutschen Philharmonie. Weser versteht das Orchester in erster Linie als eine Art Talentschmiede, in dem sich junge Musiker aus allen Teilen Oberfrankens im Bekenntnis zu ihrer Heimat zusammenfinden. „Ich sehe es aber auch als Sprungbrett“, so Weser. In dem Klangkörper hätten die jungen Talente eine hervorragende Möglichkeit, sich auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.

Das Jugendsymphonieorchester Oberfranken wurde 1984 von dem Musikpädagogen und Dirigenten Professor Günther Weiß (1933 – 2007) gegründet, der viele Jahre als künstlerischer Leiter der Musikbegegnungsstätte Haus Marteau tätig war. Seit der Gründung kommen junge Musikerinnen und Musiker aus ganz Oberfranken jeweils kurz vor Ostern zu einer Probenwoche zusammen und erarbeiten unter professionellen Bedingungen ein anspruchsvolles Konzertprogramm. „Die ersten Proben fanden damals noch im Haus Marteau, der einstigen Wohnstätte des berühmten Geigers Henri Marteau und heutigen Internationalen Musikbegegnungsstätte des Bezirks Oberfranken, statt“, erinnert sich Verwaltungsleiter Dr. Ulrich Wirz. Mittlerweile wird in Weißenstadt geprobt, ehe die kleine Oberfranken-Tournee von Naila über Neustadt bei Coburg nach Stegaurach bei Bamberg startet.

Weitere Information: www.jugendsymphonieorchester.de

Bilder: Probenauftakt am Wochenende in Weißenstadt: Till Fabian Weser dirigiert das Jugendsymphonieorchester Oberfranken.

 

Die Konzerte des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken unter Till Fabian Weser 2019:

20. April (Karsamstag), Frankenhalle Naila, 18 Uhr,
Vorverkauf: Tourist Information Naila, Bahnhofsplatz 1, Tel. 09282/6829

21. April (Ostersonntag), Frankenhalle Neustadt bei Coburg, 17.30 Uhr,
Vorverkauf: Coburger Tageblatt, Hindenburgstraße 3a, Tel. 09561/888-0, Neue Presse, Steinweg 51, Tel. 09561/850-170 oder kultur.werk.stadt, Bahnhofstraße 22, in Neustadt bei Coburg, Tel. 09568/81127

22 April 2014, (Ostermontag), Aurachtalhalle Stegaurach, 17.30 Uhr,
Vorverkauf: Rathaus der Gemeinde Stegaurach, Schlossplatz 1, Tel. 0951/99222-31 oder -32

Die Karten kosten im Vorverkauf 7 Euro, ermäßigt 4 Euro, Tickets gibt es für alle drei Konzerte voraussichtlich auch an der Abendkasse zum Preis von 9 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kinder bis 14 Jahren haben freien Eintritt.

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28.03.2019

Musikalischer Botschafter und Aushängeschild der Stadt / Kulturpreise des Landkreises für Thomas Besand und Stadtkapelle Kulmbach

Kulmbach. Die Stadtkapelle Kulmbach und ihr Dirigent Thomas Besand sind am Donnerstagabend mit dem Kulturpreis des Landkreises ausgezeichnet worden. „Beide Preisträger sind hervorragende Repräsentanten, die beispielhaft für die Qualität der kulturellen Leistungen stehen, die unseren Landkreis ausmachen“, sagte Landrat Klaus Peter Söllner bei der Übergabe der Urkunden im Festsaal der Plassenburg.

Dabei war es eher ungewöhnlich, dass ein Dirigent unabhängig von seinem Klangkörper einen eigenständigen Kulturpreis erhielt. Bei Thomas Besand sei dies allerdings schon gerechtfertigt, erläuterte Landrat Söllner. Besand leiste seit Jahrzehnten erfolgreich und mit beispielgebendem Einsatz als Dirigent der Stadtkapelle einen unverzichtbaren Beitrag zur Pflege und zum Erhalt von Musik und Brauchtum.

Thomas Besand wurde 1965 im hessischen Eschwege geboren, kam später mit seiner Familie nach Oberfranken und erlebte Kindheit und Jugend in Stadtsteinach. Er erfuhr eine umfangreiche musikalische Ausbildung. Unter anderem erlernte er bei dem schon damals legendären Leopold „Poldi“ Schott sowie an der Städtischen Musikschule Kulmbach bei Hans Fiedler Trompete und Waldhorn. Als Hornist war er bei der Städtischen Jugendkapelle Kulmbach, im Kulmbacher Kammerorchester, im Orchesterverein Bayreuth sowie im Sinfonieorchester und im Holzbläserquintett der Städtischen Musikschule Bayreuth aktiv. 1983 wurde er Mitglied der Stadtkapelle Kulmbach, deren Leitung er 1991 übernahm.

Landrat Söllner beschrieb Besand als ausgesprochen vielseitigen Dirigenten, der das musikalische Motto „Von klassisch bis modern“ von Anfang an konsequent umgesetzt habe. Als Besonderheit seines Dirigats nannte Söllner Besands Leidenschaft, seine auch für das Publikum spürbare Freude und seinen unermüdlichen körperlichen Einsatz. „Thomas Besand ist ein herausragender Repräsentant der Blasmusik in unserem Landkreis. Er hat als Dirigent seine Stadtkapelle maßgeblich geprägt und zu Höchstleistungen animiert“, so Söllner.

Die zweite Urkunde nahm Roland Jonak, Vorsitzender der Stadtkapelle, entgegen. Der Zusammenschuss sei auch im 168. Jahr seines Bestehend durch sein Engagement und seine hohe musikalische Leistungsfähigkeit eng mit den Menschen in Stadt und Landkreis verbunden, besitze aber auch überregional einen vorzüglichen Ruf..

Seit 1962 tragen die Musiker das Stadtwappen an ihrer Uniform, 1973 wurde der damalige Musikverein in Stadtkapelle umbenannt. Als Höhepunkte bezeichnete Landrat Söllner unter anderem die regelmäßigen Auftritte in der Partnerstadt Lüneburg, die Mitwirkung in der ZDF-Show „Lustige Musikanten“ 1996, ein großes Gemeinschaftskonzert mit dem Polizeiorchester Brandenburg 1999 und die Verleihung der Pro-Musica-Plakette 2006 durch den Nordbayerischen Musikbund.

Kulmbachs Oberbürgermeister und Bezirkstagspräsident Henry Schramm bezeichnete Thomas Besand als Ausnahmeerscheinung. Ohne ihn sei die Stadtkapelle unvorstellbar, sagte er. Den Klangkörper selbst nannte Schramm den musikalischen Botschafter und ein hervorragende Aushängeschild der Stadt.

Die Kulturpreisverleihung wurde eingerahmt von mehreren Stücken, die Thomas Besand zusammen mit der Stadtkapelle aufführte und die das breite Repertoire des Klangkörpers wiederspiegelten. Auf dem Programm standen unter anderem die Ouvertüre zur Operette „Indigo und die 40 Räuber“ von Johann Strauss, den Florentiner Marsch von Julius Fucik, aber auch modernes, wie den Mitternachtsblues von Franz Grothe mit Wolfgang Diehm als exzellenten Trompetensolisten.

In seinen Dankesworten nannte Thomas Besand den Preis einen Ansporn, gemeinsam weiterzumachen. „Solange ich die Kraft habe, solange meine Gesundheit mitspielt und solange es Spaß macht, werde ich gerne an eurer Seite sein“, sagte Besand zu seinen Musikern. Zuvor hatte sich auch Vorstand Jonak bedankt und dabei das dienstälteste Orchestermitglied Max Stenglein verabschiedet. Er gehörte der Stadtkapelle 56 Jahre lang an und hatte sich die Kulturpreisverleihung für seinen letzten Auftritt als aktiver Musiker ausgesucht.

Bilder:
1. Im Festsaal der Plassenburg spielte die Stadtkapelle Kulmbach unter ihrem Dirigenten Thomas Besand auf.
2. Aus den Händen von Landrat Klaus Peter Söllner nahm Roland Jonak den Kulturpreis für die Stadtkapelle entgegen. Rechts im Bild Oberbürgermeister und Bezirkstagspräsident Henry Schramm.
3. Von links: MdL Rainer Ludwig, Landrat Klaus Peter Söllner, Dirigent Thomas Besand, MdL Martin Schöffel sowie Oberbürgermeister und Bezirkstagspräsident Henry Schramm.

4. Gruppenbild der Preisträger zusammen mit den Gratulanten.

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18.02.2019

Faszinierende Formationen, Akrobatik und Ästhetik / „Magic oft he dance“ in der Dr.-Stammberger-Halle

Kulmbach. Da sage noch einer Tanz ist out. Tanz vereinigt Musik, Rhythmus, Emotion und Eleganz, Akrobatik und Ästhetik, Kraft und Leidenschaft. All das zeigte die Show „Magic oft the dance“, eine Tourneeproduktion, die am Montagabend in der etwa zur Hälfte gefüllten Dr.-Stammberger-Halle Station machte. Den Kampf zwischen Gut und Böse, tänzerisch auf die Bühne gebracht, das ist im Wesentlichen die Show, die nicht nur Freunde des Tanzes begeistert hat.  

Zu sehen war Stepptanz, Irish Dance, wie es seit den großen Shows von „Lord oft he dance“ oder „Riverdance“ heißt, mit jeder Menge Lebensgefühl von der Grünen Insel. Tatsächlich konnten die Mitwirkenden mit explosiven Stepps und Tapps auftrumpfen, dazu gab es eine Inszenierung, die faszinierenden Formationen Platz gab. Zur Show gehören neben der mitreißenden, tempo- und energiegeladenen Musik (vom Band) auch viele überraschende Bühnen- und Pyroeffekte. Offenes Feuer auf der Bühne der Stadthalle, das gibt es nicht alle Tage.

Die Tänzer waren führenden Künstler im Irish Dance, Welt- und Vize-Weltmeister der All Ireland Champions, World Irish Dance Champions, British National Champions und wie die entsprechenden Wettbewerbe alle heißen. Herausragende Protagonisten sind James Green als der Bösewicht, Megan Kerrigan als dessen Partnerin sowie allen voran Ciaran Maguire und Collette Dunne als die Verkörperung des Guten. Tanzen können sie natürlich alle, und wie, mit Tempo, Technik, absoluter Körperbeherrschung Esprit und Charme.

Und weil das Ganze auch einen Roten Faden braucht, wird zwei Stunden lang eine Liebesgeschichte erzählt, die zur Zeit der großen Hungersnot in Irland spielt. Natürlich wird dabei viel mit Klischees gespielt. Doch darum geht es nicht, es soll die ewig wahre Story von Gut und Böse, Unschuld und Intrige, Liebe, Sehnsucht und Hass sei. Erzählt wurde diese getanzte Story von der Stimme der unvergessenen Hollywoodlegende Christopher Lee.

Getanzt wird das Schicksal der irischen Auswanderer zu Anfang des 20. Jahrhunderts, die eine unwägbare und gefährliche Schifffahrt in die Neue Welt dem sicheren Tod in der Heimat vorziehen. „Es rette sich in die Neue Welt, wer es noch schafft“, heißt es im Text, während auf der Leinwand die Freiheitsstatue eingeblendet wird. Mittellos aber nicht entmutigt trotzen die Auswanderer dem Teufelspaar namens Armut und Hunger mit dem, was ihnen blieb: dem Mut und dem Tanz.

Eindrucksvoll ist das alles schon, wenngleich der zweite Teil der Show auch seine Längen hat. Besonders die Einlage, bei der sich drei Zuschauer aus den ersten Reihen auf der Bühne einen Crash-Kurs im Stepptanz unterziehen müssen, ist überflüssig und auch ein wenig albern, wenngleich die beiden Herren und eine Dame diese Herausforderung mit Bravour meistern. 

Bilder:
„Magic oft he dance“ machte in der Dr.-Stammberger-Halle Station.

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15.01.2019

Marschmusik, Mitternachtsblues und ein Medley von Joe Cocker / Umjubeltes Neujahrskonzert der Stadtkapelle Kulmbach unter Thomas Besand

Kulmbach. „Ausverkauft“, und das seit 28 Jahren. Das ist das Neujahrskonzert der Stadtkapelle Kulmbach. Obwohl heuer nicht ein einziges Plakat in der Stadt hing war die Dr.-Stammberger-Halle einmal mehr voll besetzt. Zum 28. Mal ohne Unterbrechung leitete Dirigent Thomas Besand (52) am Dienstagabend das Konzert nach den Gastspielen zuvor Naila und Saalfeld. Er tat dies wie immer auswendig.

Was die Stadtkapelle ganz besonders auszeichnet, das ist ihre Vielseitigkeit. Ob Klassik oder Pop, ob traditionell oder unkonventionell, ob ernst oder heiter: die rund 50 Musiker zwischen 15 und 85 Jahren bewältigen jede Herausforderung. Moderator Karl-Heinz Backert sorgte wie immer nicht nur für kenntnisreiche Hintergrundinformationen, sondern auch für die notwendigen Pausen, die bei Bläsern wichtig und notwendig sind.

Da ist zum einen die ernste Musik, wenn auch in Form der leichten Muse. Zum ersten Mal spielte die Stadtkapelle den Einzugsmarsch aus dem „Zigeunerbaron“ von Johann Strauß. Schon vor rund 20 Jahren stand dagegen die gleich anschließend aufgeführte, anspruchsvolle Ouvertüre zu der relativ unbekannt gebliebenen Operette „Indigo und die 40 Räuber“, ebenfalls von Johann Strauß auf dem Programm. Und später sollte es auch noch die Polka „Feuerfest“, diesmal von Johanns Bruder Joseph Strauß sein. Schnell wird unter dem Dirigat von Thomas Besand klar, dass die Ohrwürmer der Strauß-Dynastie weit mehr sind als zuckersüße Schmankerl für sonntägliche Kaffeekränzchen. Unter Besand werden die Strauß-Kompositionen vielmehr als deftig zupackende Werke, aber auch als hintersinniges Zeugnis einer eigenständigen und sorgfältig einstudierten Kunstmusik gespielt.

Dazu kommt eine gelungene komödiantische Einlage bei der „Feuerfest“-Polka. Vorstand Roland Jonak gibt den musikalischen Hufschmied an einem echten Amboss und spielt zum Schießen komisch einen faulen Handwerker, der zwischendrin auch gerne mal Brotzeit macht bis er vom Dirigenten lautstark zur Vernunft gerufen wird. So humorvoll und einfallsreich stellt sich das Publikum ein Neujahrskonzert vor und die Stadtkapelle erfüllt diesen Anspruch voll und ganz.

Ebenfalls nicht ganz so ernst ist das französische Musical „Irma la Douce“ von Marguerite Monnot, aus dem der Klangkörper ein großes Potpourri ins Programm genommen hat. Ein wunderschönes Stimmungsbild gelang der Stadtkapelle mit dem vor Jahren schon mal aufgeführten Konzertwalzer „Südseewellen“ von Peter Gerlin. Um die Stimmungen auch dramatisch auszudrücken, hatte der Komponist nicht an technischen Schwierigkeiten in den verschiedenen Registern gespart, die von den Musikern problemlos bewältigt werden. Ebenfalls um das Thema Meer ging es beim „Seeteufel-Graf-Luckner-Marsch“ von Walter Heyer, der gleich mehrere bekannte Seemannslieder in sich vereinte.

Von vielen Blasorchestern gerne ins Programm genommen, so auch von der Stadtkapelle, wird der moderne feierliche Konzertmarsch „Euphoria“ von Martin Scharnagl, den die Stadtkapelle ganz besonders effektvoll erklingen lässt. Viele Jahre nicht mehr gemacht hatte der Klangkörper den nicht unbekannten Marsch „Viribus Unitis“ („Mit vereinten Kräften“) von Josef Bach.

Unbestrittener Höhepunkt eines jeden Neujahrskonzertes der Stadtkapelle sind die Solostücke. Elke Höhn war diesmal gleich mehrfach vertreten, einmal als Flötistin in der Komposition „Die beiden kleinen Finken“ für zwei Piccoloflöten von Henry Kling zusammen mit der nicht weniger versierten Saskia Scheffold, einer Schülerin aus dem Kulmbacher Land, die der Stadtkapelle angehört. Weniger bekannt ist auch die stimmungsvolle „Romanze für Tenorhorn“ von Pavel Stanek mit Werner Kurzhals, ein echter Könner, der vom Platz aus sein Debüt als Solist gab. Den effektvollen „Mitternachtsblues“ von Franz Grothe, den Bert Kaempfert bekannt gemacht hatte, spielte einmal mehr in bewährt exzellenter Spielweise Wolfgang Diehm, diesmal mit neuer Einleitung in einem Arrangement von Norbert Studnitzky. Kaum zu glauben, dass Wolfgang Diehm der Stadtkapelle bereits seit 50 Jahren angehört. Bleibt noch der bekannte Popsong „Matrimony“ von Gilbert O´Sullivan mit Julian Scheffold, Bruder von der jungen Flötistin Saskia. Obwohl er zu den Jüngsten der Stadtkapelle gehört, spielt Julian den Ohrwurm bereits abgeklärt und mit bewundernswerter Sicherheit. Solisten wie die Geschwister Scheffold sind der beste Beweis dafür, dass die Stadtkapelle im Gegensatz zu anderen Formationen keine Nachwuchsprobleme hat.

Am Ende gab es mit dem Auftritt der fabelhaften Elke Höhn als Gesangssolistin noch einen weiteren Höhepunkt dieses überaus gelungenen Konzertes: Mit „Stardust“ interpretierte sie absolut gekonnt einen echten Evergreen. Als Dreingabe folgte dann mit „L.O.V.E.“ von Bert Kaempfert auch noch ein Duett mit Dirigent Thomas Besand, der ohne weiteres auch den Dirigentenstab mit dem Mikrofon vertauschen könnte. Zeitgemäßes für Blasorchester gab es schließlich auf ausdrücklichen Wunsch eines Orchestermitglieds und dank einer Notenspende des früheren Vorsitzenden Reinhold Franz. Das „Joe-Cocker-Medley“ mit Titeln wie „Unchain my heart“, „Up where we belong“ und natürlich „You can leave your head on“ hatte natürlich ebenfalls echte Klasse.

Als Zugaben bedankte sich die Stadtkapelle mit dem „Telefunken-Marsch“ von Johannes Evert und dem traditionellen „Radetzky-Marsch“ von Johann Strauß Vater bei ihrem Publikum für den lang anhaltenden Applaus und die Standing Ovations.

Bilder:
1.
 Die Stadtkapelle Kulmbach bei ihrem traditionellen Neujahrskonzert in der Dr.-Stammberger-Halle.
2.
 Auch mit einem Gesangsduett kann die Stadtkapelle aufwarten: Elke Höhn und Thomas Besand interpretierten den Evergreen L.O.V.E. von Bert Kaempfert.
3. Humor
istische Einlagen gehören zu jedem Neujahrskonzert. Hier kann sich Dirigent Thomas Besand nur wundern: sein Solist Roland Jonak macht Brotzeit auf offener Bühne.

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05.01.2019

Von Johann Strauß bis Joe Cocker / Neujahrskonzert der Stadtkapelle am 15. Januar in Kulmbach

Kulmbach. Operette, Musical, bekannte Popsongs und Original-Kompositionen für Blasorchester: Die Stadtkapelle Kulmbach bietet zu ihrem Neujahrskonzert am Dienstag, 15. Januar, um 19.30 Uhr in der Dr.-Stammberger-Halle wieder alles auf, was die Welt der Musik zu bieten hat. Die schlechte Nachricht: das Konzert ist offiziell bereits ausverkauft. Einen Versuch ist es trotzdem wert: eventuell zurückgegebene Tickets gibt es ab 19 Uhr an der Abendkasse.

Seit 28 Jahren findet das Neujahrskonzert ohne Unterbrechung jeweils Anfang Januar statt. Seitdem steht der Kulmbacher Dirigent Thomas Besand (53/Bild links) am Pult. Solisten sind diesmal Elke Höhn (Flöte und Gesang), Saskia Scheffold (Flöte), ihr Bruder Julian Scheffold (Posaune) und Wolfgang Diehm (Trompete). Letzterer wird auf vielfachen Wunsch einmal mehr den bekannten Mitternachtsblues von Franz Grothe interpretieren.

Aber auch viele Kompositionen stehen auf dem Programm, die Thomas Besand mit der Stadtkapelle zum ersten Mal einstudiert hat: den Einzugsmarsch aus der Operette „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauß beispielsweise oder den Konzertmarsch „Euphoria“ von Martin Scharnagl. Es gibt darüber hinaus viele zeitgemäße Arrangements für großes Blasorchester. Ein Medley mit den Hits von Joe Cocker etwa, das Posaunen-Solo „Matrimony“ von Gilbert O´Sullivan oder Pop-Song „Stardurst“, ein Jazz-Standard und Evergreen, den unter anderem Billie Holiday, Nat King Cole und Ella Fitzgerald bekannt gemacht haben. Schließlich bleibt die gute alte Blasmusiktradition bei der Stadtkapelle nicht auf der Strecke. Dafür werden unter anderem der Traditionsmarsch „Viribus Unitis“ („Mit vereinten Kräften“) oder der Konzertwalzer „Südseewellen“ sorgen.

Nachwuchssorgen gibt es bei der Stadtkapelle nicht, sagt Dirigent Thomas Besand ein gutes Beispiel dafür seien die jungen Solisten, die wie immer aus den eigenen Reihen kommen. Und so werden auch diesmal weder die jüngsten Mitwirkenden im Orchester erst 15 Jahre jung sein. Der älteste Musiker ist 85 Jahre alt.

Die Stadtkapelle gastiert mit ihrem Neujahrskonzert bereits am Donnerstag, 10. Januar, um 19.30 Uhr in der Frankenhalle Naila und am Sonntag, 13. Januar, um 15 Uhr in der Partnerstadt Saalfeld (Thüringen) im Meininger Hof.

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04.01.2019

Britischer Humor statt Dreivierteltakt / Fulminantes Neujahrskonzert der Hofer Symphoniker in der Dr.-Stammberger-Halle

Kulmbach. Zu Beginn des Jahres haben die Hofer Symphoniker schon traditionell in der Dr.-Stammberger-Halle musikalisch die Korken knallen lassen. Garanten dafür waren neben den über 50 Musikern ihr überaus charismatischer Dirigent Russell Harris, der amerikanische Tenor Randall Bills und der schottische Bariton Richard Morrison sowie ein durch und durch populäres Programm ganz nach dem Geschmack des Publikums.

Aber eben auch ein ganz anderes Programm als sonst. Kaum Dreivierteltakt, dafür typisch britischer Humor, kaum Operettenseligkeit, dafür auch mal ruhige, fast meditative Momente. Aufs mitsingen, mitsummen, mitklatschen musste dennoch niemand verzichten, sogar Fähnchen durften geschwungen werden.

Die Symphoniker hatten ihr Programm diesmal an der „Last Night of the Proms“ orientiert, dem traditionellen Abschlusskonzert der BBC-Promenadenkonzerte in der Londoner Royal Albert Hall. Alljährlich zieht dieses musikalische Großereignis ein großes und enthusiastisches Publikum an. Ein ganz persönliches „Promenadenkonzert“ hatte dazu der britische Dirigent für die Hofer Neujahrskonzerte zusammengestellt. Nach Selb und noch vor Hof und Erlangen war das Orchester diesmal in Kulmbach

Wie könnte man schöner in das neue Jahr starten als mit schwärmerischen Melodien, die so schön ins Ohr gehen und so lange dort bleiben. Carl Maria von Webers meisterhafte „Jubel-Ouvertüre“ gehört dazu, das Intermezzo aus Giaccomo Puccinis Oper „Manon Lescaut“, der Ungarische Tanz von Hector Berlioz oder auch die Ouvertüre „Girl Crazy“ von George Gershwin. Winterliche Tristesse kommt bei einem derart glitzernden Jahresanfang schwerlich auf.

Schwungvoll und kurzweilig gestaltete sich aber auch das übrige Programm mit Werken berühmter Komponisten. Die spezifische Mischung aus Präzision und Gefühl scheint den Hofer Symphonikern unter Russell Harris ganz besonders zu liegen. Das wird etwa in den Arien deutlich, für die diesmal, ungewöhnlich für ein solches Konzert, ein Tenor und ein Bariton zuständig waren, keine Sopranistin also, wie sonst üblich.

Randall Bills zeigt sich als versierter und virtuoser Belcanto-Tenor etwa in einer Arie von Gioachino Rossinis aus der Oper „La Cenerentola“. Ganz beabsichtigt setzt der flexible Tenor dabei voll und ganz auf den Effekt. Ebenso in einer weiteren Arie aus der Donizetti-Oper „Die Regimentstochter“. Mit mindestens zehn hohen C gehört das Stück eigentlich eher in den Zirkus als in auf die Opernbühne, doch Randall Bills bewältigt auch diese Herausforderung mit Bravour. „Der fliegende Schotte“ wird der Bariton Richard Morrison genannt, der seinen Einstand mit der Escamillo-Arie aus Georges Bizets „Carmen“ gab. Morrison singt nicht nur perfekt, sondern verkörpert die Partie auch absolut glaubwürdig. Bestens aufeinander angestimmt präsentieren sich die beiden herausragenden Solisten in einem Duett aus Bizets „Perlenfischern“.

Zur absoluten Überraschung wird das vom Dirigenten klug und interessant zusammen gestellte Potpourri aus Franz Lehars „Lustiger Witwe“. Nicht nur, dass die beiden Herren Ohrwürmer wie das „Vilja-Lied“ oder „Da geh ich ins Maxim“ absolut gekonnt und natürlich voller Witz wiedergeben. In dem Duett „Lippen schweigen“ wird der Tenor plötzlich zum Counter-Tenor und singt mit klarer Kopfstimme die Sopran-Partie. Sogar ein Tänzchen wagen die beiden Herren miteinander. Das hatte wirklich absolute Klasse und eifriges Mitklatschen war schon vor der Pause sicher.

„Es wird Spaß“, hatte Russell Harris zu Beginn des Konzertes versprochen. Damit meinte er ganz unweigerlich die „Fantasy on British Sea Songs“, besser bekannt als „Rule Britannia“ von Henry Wood und Thomas Arne. Der Dirigent ließ das Publikum aufstehen, Fahnen schwingen und lautstark den bekannten Songtext schmettern. Der Schotte Richard Morrison hatte dazu eigens seinen Kilt, also einen knielangen Schottenrock, angelegt. Was für ein Spaß, wenn Russell Harris das moderiert. „Kulmbach ist ziemlich rhythmisch“, freut sich der Maestro und setzt mit dem berühmten Marsch „Pomp and Circumstance“ von Edvard Elgar gleich noch eins drauf. Natürlich darf ganz am Ende der Radetzky-Marsch, dirigiert mit einem Glas Sekt in der Hand, nicht fehlen.

Dirigent Russell Harris war unter anderen schon Kapellmeister in Weimar, Generalmusikdirektor des Theaters Altenburg/Gera und Gastdirigent des BBC-Symphonie Orchesters. Er gilt als Experte für sinfonischen Jazz, leitete zahlreiche Aufführungen klassischer Musicals, Filmkonzerte sowie Crossover-Konzerte.

Bilder:
1. Fahnenschwingen und Mitsingen: Die Hofer Symphoniker gestalteten mit den beiden Solisten (im Schottenrock) und dem britischen Dirigenten Russell Harris ein furioses Neujahrskonzert in der Dr.-Stammberger-Halle.

2. Tenor und Bariton: Die beiden Gesangssolisten Randall Bills (links) und Richard Morrison.

3. Charismatischer Dirigent: Russell Harris sorgte beim Neujahrskonzert für so manche Überraschung.

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16.12.2018

Farbig, furios und faszinierend / Weihnachtskonzert mit Rossinis „Missa da Rimini“ in der St. Bartholomäus-Kirche in Pegnitz

Pegnitz. Als Opernkomponist war er ein zuverlässiger Lieferant von Ohrwürmern. Ob „Barbier von Sevilla“, „Wilhelm Tell“ oder die „Diebische Elster“, zumindest die Ouvertüren gehören zu den Standards eines jeden Orchesters. Gioacchino Rossinis Leben als Musiker und Komponist begann und endete aber mit kirchenmusikalischen Werken. Die seltene „Missa da Rimini“ ist eines davon. Der Pegnitzer Kantorei um Jörg Fuhr ist es zu verdanken, dass dieses Juwel wieder ans Licht gekommen ist. In einer glanzvollen Aufführung beim Weihnachtskonzert am Sonntag mit Musikern der Vogtland-Philharmonie Greiz-Reichenbach in der Bartholomäuskirche konnte der Dekanatskantor mit der Komposition eine echte Entdeckung präsentieren, die es noch nicht einmal auf Tonträger gibt.

Rossinin hatte sich die Messe in jungen Jahren ausgedacht. 1809 war das, als Auftragswerk für die Kathedrale in Rimini. Auch in dem Frühwerk wird der spätere Rossini durchaus hörbar. Die in die Romantik deutende Melodik und eine farbige Harmonie sind es, die an Rossinis Kompositionen so faszinieren. Überraschungseffekte mit furiosen Steigerung, rasant schneller werdende Parts, volkstümlich klingende Themen und reich verzierte, gesanglich idyllische Melodien, all das ist, für eine Messe nicht gerade typisch, bereits herauszuhören.

Sowohl die Sängerinnen und Sänger der Kantorei, als auch die vier Solisten vollbringen beim Weihnachtskonzert eine hervorragende Leistung. Dekanatskantor Fuhr und das kleine Orchester der Vogtland-Philharmonie glänzen durch Perfektion, durch selbstbewusste Dramatik und einen zupackenden Griff auf die Partitur. Die Kantorei klingt sehr homogen, elegant und unaufdringlich. Die Balance der Stimmen sorgt nicht nur bei Rossini, sondern schon zuvor bei den Werken von Mozart und Homilius für einen runden und klaren Gesamtklang.

Der Nürnberger Bassist Thomas Freund, Richard-Wagner-Stipendiat von 2011, gab seinen Part charaktervoll und mit reinen Tönen. Herausragend agierte die Pegnitzer Altistin Bernadetta Michaldo-Fuhr, die über ein warmes tiefes Register und eine Fülle von Farben in der Stimme verfügt. Eine ausdrucksstarke Stimme zeichnet die Stuttgarter Sopranistin Saskia Kreuser aus. Sie hat keinerlei Probleme mit den Koloraturen und bringt die Dramatik ihre Parts voll und ganz zur Geltung. Saskia Kreuser ist bei den Musikfreunden in der Region keine Unbekannte: Seit 2003 ist sie Mitglied des Bayreuther Festspielchores und des Chores der Bamberger Symphoniker. Bleibt noch Ewald Bayerschmidt, ehemaliger Windsbacher Knabe, der seinen Tenor-Part ebenfalls sicher und makellos bewältigt.

Zweites Werk des Abends war zuvor die bekannte und immer wieder überirdisch klingende Solomotette „Exsultate, Jubilate“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Dekanatskantor Jörg Fuhr hatte sich dabei für die erst vor vier Jahrzehnten wieder aufgetauchte zweite Textfassung aus dem Jahr 1779 entschieden, die Mozart für die Advents- und Weihnachtszeit gedacht hatte. Mit einer auf der gesamten Skala bruchlosen Stimme und einer charakteristisch intensiven Lebendigkeit führt Saskia Kreuser dieses Werk eindrucksvoll auf. In den Ecksätzen begeistert sie mit makellosen Koloraturen, sauber aufgereiht wie eine Perlenkette und dabei äußerst flexibel.

Zu Beginn des Konzerts erklang die Kantate zum Neujahrsfest „Wünschet Jerusalem Glück“ des Bach-Schülers und späteren Dresdner Frauenkirchen-Organisten Gottfried August Homilius. Vor allem aber ist Homilius der wohl bedeutendste Motettenkomponist zwischen Bach und Mendelssohn Bartholdy. Das Werk wurde am Neujahrstag 1757 erstmals aufgeführt. Ihm liegen der Luther-Choral „Verleih uns Frieden gnädiglich“ und ein Text auf Grundlage der Melodie von „Brunn alles Heils, dich ehren wir“ zugrunde. Mit der Aufführung dieser Kantate öffnete die Kantorei den Blick auf die geistig frische und zugleich empfindsam-fromme Welt des späten 18. Jahrhunderts. Die Kantorei sang dabei in innerlich bewegtem, aber nie zu schnellem Tempo, stets ausgeglichen und einheitlich.

Bild: Zum Weihnachtskonzert mit der Kantorei und der Vogtland-Philharmonie unter der Gesamtleitung von Dekanatskantor Jörg Fuhr war die Bartholomäus-Kirche auch in diesem Jahr wieder gut besucht.

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15.12.2018

Großes Welttheater aus Böhmen / Humboldt-Kulturforum in Gößweinstein: Wolfram Ster las aus Otfried Preußlers „Flucht nach Ägypten“

Goldkronach/Gößweinstein. Mit einem geographischen Abenteuer beginnt für den Hörer die Geschichte von Maria, Joseph und dem Jesuskind auf der Flucht nach Ägypten. Zumindest bei Otfried Preußler, dem Vater des „Räuber Hotzenplotz“, des „kleinen Gespenstes“ oder der „Kleinen Hexe“. Weil der 2013 verstorbene Kinderbuchautor 1920 im nordböhmischen Reichenberg, dem heutigen Liberec geboren wurde, führt bei ihm die Flucht nach Ägypten ganz zwangsläufig durch Böhmen.

Zu hören war dies am Adventswochenende bei einem literarisch-musikalischen Nachmittag in der Wallfahrtsbasilika Gößweinstein. Der Schauspieler und Rezitator Wolfram Ster aus Bayreuth hat dort Auszüge aus Otfried Preußlers Weihnachtsroman „Die Flucht nach Ägypten“ gelesen, begleitet wurde er von dem Duo Bojaz, das mit Egerländer Bauernmusik ungewöhnliche Klänge in die Basilika zauberte. Die Veranstaltung war zugleich der Abschluss des Kultursommers, den das Alexander-von-Humbolt-Kulturforum Schloss Goldkronach seit vielen Jahren in der Region veranstaltet.

Die Krippe im Stall von Bethlehem gilt heute als das Bild des weihnachtlichen Friedens. Maria, Joseph und das Jesuskind konnten sich daran freilich nur kurz erfreuen, denn der missgünstige König Herodes trachtete dem Kind nach dem Leben. Der Rest ist bekannt: Es erschien ein Engel des Herrn und trug Joseph auf, nach Ägypten zu fliehen. So steht es jedenfalls im Matthäus-Evangelium.

Bei Otfried Preußler steht, dass der Weg der Heiligen Familie mitten durch das tief verschneite Königreich Böhmen geführt hat. Und zwar quer durch den nördlichen Teil des Landes, bei Schluckenau etwa herein in das böhmische Niederland, dann nicht ganz bis zum Jeschken dann weiter im Vorland des Iser- und Riesengebirges und zuletzt auf der Alten Zollstraße hinaus ins Schlesische, „wo es dann nach Ägypten nicht mehr weit gewesen ist", so Preußler.

Der Pädagoge, Reporter und Geschichtenschreiber Preußler hat seine eigene Sicht der Dinge dazu erfunden. Das biblische Motiv bleibt erhalten, doch bei ihm bekommt König Herodes mit, dass die Heilige Familie sozusagen entkommen ist. Er schreibt dann eine Depesche an Kaiser Franz Josef in Wien, weil das Königreich Böhmen zum österreichisch-ungarischen Imperium gehörte. Von da an entfernt sich der Roman schnell und weit von der biblischen Geschichte hinein in die schier grenzenlose Fantasie Preußlers.

„Die Flucht nach Ägypten“ ist weit mehr als eine Alternative zu Ludwig Thomas „Heilige Nacht“, die wohl an der Spitze der Lesungen in der Vorweihnachtszeit steht. Preußlers Story ist eine ziemlich pfiffige Geschichte, mit viel Witz aber auch mit ernsten Einwürfen. Es gibt viele Anspielungen in alle möglichen Richtungen. Auf ihrer Flucht zieht die Heilige Familie zugleich durch jenes kleine „Große Welttheater“ mit einer prächtigen barocken Fülle, der Freude am Detail der nordböhmischen Alltagswelt und zuweilen auch mit skurrilem Humor. Rezitator Wolfram Ster, bekannt durch die Studiobühne Bayreuth, lässt dies alles, der widrigen Akustik zum Trotz, mit sonorer, sympathischer Stimme absolut textsicher immer wieder aufblitzen. Er baut immer wieder neue Spannungsbögen auf, nimmt seine Zuhörer mit auf die Reise und lässt sie Anteil haben an den witzigen Geschichten.

Wolfram Ster wurde begleitet von böhmischer Musik durch das Duo Bojaz. Das sind Gerhard und Andrea Ehrlich, ein Musikerehepaar aus Stuttgart, das sich seit Jahren in eindrucksvoller Weise der Kultur seiner Vorfahren verschrieben hat. Mit zum Teil selbst gebauten typischen Instrumenten, wie einem Böhmischen Dudelsack, musizieren beide Egerländer Volksmusik und weihnachtliche Klänge auf höchstem Niveau.

Bilder:
1. Schauspieler und Rezitator Wolfram Ster erzählte einige Kapitel aus Otfried Preußlers „Flucht nach Ägypten“.
2. Das Duo Bojaz aus Stuttgart spielte Egerländer Bauernmusik in der Gößweinsteiner Basilika.
3. Musiker Gerhard Ehrlich, der Vorsitzende des Alexander-von Humboldt-Kulturforums, der frühere Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, Pater Flavian Michali, Musikerin Andrea Ehrlich und Rezitator Wolfram Ster beim musikalisch-literarischen Abend in der Wallfahrtsbasilika Gößweinstein (von links).

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22.11.2018

Countrysongs mit den Cashbags / “A Tribute to Johnny Cash”: Coverband um US-Sänger Robert Tyson gastierte in der Dr.-Stammberger-Halle

Kulmbach. Er ist sich selbst treu geblieben, so wie er es in einem seiner größten Hits „I walk he line“ singt: Johnny Cash. Nicht immer geradlinig, eher als Außenseiter, musikalisch und manchmal auch auf der Bühne. Mit der Coverband „The Cashbags“ um US-Sänger Robert Tyson gibt es eine Formation, die den mitreißenden „Boom-Chicka-Boom-Sound“ seit über zehn Jahren perfekt auf die Bühne bringt. Am Donnerstagabend gastierten die „Cashbags“ nach ihrem Auftritt Anfang 2017 bereits zum zweiten Mal in der Dr.-Stammberger-Halle. Diesmal mit einer völlig neu konzipierten Show, aber trotzdem mit fast allen großen Cash-Songs über das Land, über Patriotismus, über Ehebruch und Trennung, über gute und über schlechte Zeiten.

„The Cashbags“ sind im Klang und im Erscheinungsbild sehr nah an den berühmten Vorbildern. Mit markanter Bassbariton-Stimme, Westerngitarre, Telecaster, Kontrabass und Schlagzeug spielen Stephan Ckoehler (der tatsächlich so geschrieben wird), Benny Brenner und Tobias Fuchs detailgenau Klassiker wie „Ring of Fire“, „Orange blossom special“ bis hin zu „Folsom Prison Blues“. Dazu gesellt sich immer wieder Josh Angus als Carl Perkins („Blue suede shoes“). Vieles ist angelehnt an die Originalkonzerte der späten 1960er Jahre, mal solo, mal im Duett mit Valeska Kunath als June Carter, dann als „Tennessee Two“, später als „Tennessee Three“.

Schon damals war Johnny Cash (1932 - 2003) unverwechselbar. Mord, Liebe und Gott, das waren die großen Themen, die sich durch seine Songs wie ein roter Faden ziehen. Das wird auch in der rund zweieinhalbstündigen Show der „Cashbags“ deutlich. Man bekommt danach den typischen „Boom-Chicka-Boom-Sound“ kaum mehr aus dem Kopf. Es ist der Rhythmus aus den Südstaaten der USA, mit dem Johnny Cash berühmt wurde. Und so spiegeln seine Lieder auch immer das Lebensgefühl in den Südstaaten wider.

Mittelpunkt der Show ist US-Sänger Robert Tyson, der seit Jahren in Deutschland zuhause ist. Mit großer Bühnenpräsenz, unglaublicher Lässigkeit und dem unverwechselbaren Timbre seiner markanten Bassbaritonstimme gibt er den „Man in Black“, absolut authentisch. Zwischen den Songs erzählt er Anekdoten aus dem bewegten Leben von Johnny Cash.

Über die großen Hits hinaus wird bei dem Tribute-Konzert aber auch das musikalische Spektrum deutlich, das Johnny Cash so legendär machte. Es reicht von den 1950er Jahren mit Country, Rockabilly, Blues, Folk und Pop bis hin zum Alternative Country Anfang des 21. Jahrhunderts. Über 500 Songs hat er geschrieben, mehr als 50 Millionen Tonträger verkauft und dafür 13 Grammy Awards bekommen.

Johnny Cash soll ein höflicher, sympathischer Mensch gewesen sein, aber auch ein Exzentriker. Wie der Farmersohn aus Arkansas wirklich war, das weiß keiner. In der Auswahl der Songs, mit denen die „Cashbags“ nach Kulmbach gekommen waren, wird aber deutlich, wie bedeutend Johnny Cash für die Musikgeschichte ist. Er war der erste Country-Sänger, der größer wurde, als die Grand Old Opry. Er war Patriot, später aber auch gegen den Vietnam-Krieg, er ist in St. Quentin und in Folsom, den härtesten Gefängnissen der USA, aufgetreten und zusammen mit Bob Dylan auf dem legendären Folk-Festival in Newport. Kaum eine dieser Perioden lassen die „Cashbags“ aus.

Auch einige Überraschungen haben sie im Gepäck. Valeska Kunath stilecht in Kleidung, Frisur und Bewegung als June Carter, für Johnny Cash die Liebe seines Lebens. Zusammen mit Robert Tyson interpretiert sie unter anderem das Duett „Jackson“ oder den berühmten Song „If I were a carpenter“. Außerdem spielt sie perfekt wie einst June Carter die Autoharp, ein Instrument, das einer Steel-Guitar ähnelt, aber wie eine Gitarre gespielt wird. In „Wildwood flower“ singt Valeska Kunath solo und begleitet sich dabei selbst. Wie sie das macht, hat echte Klasse. Auch hier wird klar, warum die „Cashbags als erfolgreichste Johnny-Cash-Revival-Band gelten. Der Man in Black wäre stolz auf sie gewesen.

Bilder: Mit einem Tribut to Johnny Cash gastierte die Band „The Cashbags“ um US-Sänger Robert Tyson am Donnerstagabend in der Dr.-Stammberger-Halle.

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05.11.2018

Goethe wurde für den Nationalsozialismus eingespannt / Die Goethe-Gesellschaft im Dritten Reich: „Kosmos-Vorlesung“ mit dem US-amerikanischen Germanistik-Professor Dan Wilson

Bayreuth. Ab dem Jahr 1826 hielt der Universalgelehrte Alexander von Humboldt 61 sogenannte „Kosmos-Vorlesungen“ in Berlin. Dabei handelte es sich um populärwissenschaftliche Veranstaltungen, die für ein breites Publikum gedacht waren. Die Vorlesungen galten damals als geistig-kultureller Höhepunkt der Gesellschaft.

Das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach hatte es sich bereits 2008 zur Aufgabe gemacht, mit einer eigenen Veranstaltungsreihe an diese „Kosmos-Vorlesungen“ zu erinnern. Dazu wird alljährlich ein prominenter Humboldt-Preisträger eingeladen, der aus seinem Fachgebiet berichtet. Diesmal sprach der aus den USA stammende Germanistik-Professor Dan Wilson. Er lehrt zurzeit in London an der Royal Holloway University. Erst in diesem Jahr wurde er mit dem renommierten Reimar-Lüst-Preis für internationale Wissenschafts- und Kulturvermittlung der Alexander-von-Humboldt-Stiftung ausgezeichnet.

Dan Wilson berichtete über die Rolle der Goethe-Gesellschaft im Nationalsozialismus und deren überaus widersprüchliche Instrumentalisierung in dieser Zeit. „Die Goethe-Gesellschaft genoss Privilegien, weil sie für das Regime von großer Bedeutung war“, sagte er. Goethe habe sich aufgrund seiner internationalen Ausstrahlung angeboten, viele Mitglieder kamen aus dem Ausland, darin habe die erhebliche politische Dimension gelegen. „Alles geht normal zu, im Dritten Reich, Kunst und Wissenschaft genießen hohes Ansehen“, das sollte der Welt mittels der Goethe-Gesellschaft vermittelt werden.

Trotzdem seien nach den November-Pogromen von 1938 Juden aus der Gesellschaft ausgeschlossen worden. Goethe sei von weiten Teilen der Führung als Antisemit reklamiert und für den Nationalsozialismus eingespannt worden. „Trotz oder vielleicht auch wegen ihrer großen Bedeutung habe sich diese prestigeträchtige Institution angepasst“, sagte der Germanistik-Professor. Und weiter: „Die Goethe-Gesellschaft hat das Goethe-Bild verzerrt“.

Vier Jahre lang hatte Dan Wilson vor allem deutsche Archive über die Rolle der Goethe-Gesellschaft im Nationalsozialismus durchforstet. Seine Ergebnisse hielt er in dem international beachteten Buch „Der Faustische Pakt – Goethe und die Goethe-Gesellschaft im Dritten Reich“ fest.

Auf die heutige Rolle der Goethe-Institute wies der Vorsitzende des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums und frühere Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk hin. Heute stehe Goethe längst wieder für ein anderes Deutschland, die Goethe-Institute verbreiteten ein offenes und lebendiges Bild.

Tatsächlich werde Deutschland als zunehmend attraktiverer Wissenschafts- und Forschungsstandort wahrgenommen, so Dr. Steffen Mehlich von der mitveranstaltenden Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Diese Einrichtung fördere alljährlich rund 2000 Wissenschaftler, von denen sehr viele nach Bayern, einige auch immer wieder nach Goldkronach kämen, um auf den Spuren Alexander von Humboldts zu wandeln.

Als eine Art Nachfolgerin Humboldts sieht sich auch die Regierung von Oberfranken, in deren Räumen die Kosmos-Vorlesung heuer erstmals stattfand. So sei der spätere Universalgelehrte bereits 1792 nach Oberfranken gekommen, um den hiesigen darniederliegenden Bergbau zu einer, wenn auch kurzen, aber doch neuen Blüte zu verhelfen. Heute sei das für ganz Nordbayern zuständige Bergamt bei der Regierung von Oberfranken angesiedelt, so Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz. Sie berichtete auch davon, dass die damalige Bayreuther Amtsstube Alexander von Humboldts wohl in einem Seitenflügel des markgräflichen Alten Schlosses untergebracht war, also genau dort, wo heute das Bergamt Nordbayern seinen Sitz hat.

Bilder:
1. Der US-amerikanische Germanistik-Professor Dan Wilson von der Royal Holloway University in London berichtete ü ber die Rolle der Goethe-Gesellschaft im Dritten Reich.

2. „Kosmos-Vorlesung“ im Landratssaal der Regierung von Oberfranken: der US-amerikanische Germanistik-Professor Dan Wilson von der Royal Holloway Univer
sity in London (links) und der Vorsitzende des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums Hartmut Koschyk.
3. Kulturforumsvorsitzernder Hartmut Koschyk, die oberfränkische Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, Professor Dan Wilson und Steffen Mehlich von der Alexander-von-Humboldt-Stiftung (von links).

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22.09.2018

Huml über Humboldt: „Leibhaftiger Superstar seiner Zeit / Alexander-von-Humboldt-Tag: Goldkronach feiert weltbekanntes Universalgenie

Goldkronach. Der Universalgelehrte Alexander von Humboldt hat uns auch heute noch viel zu sagen. „Humboldt ist ein Sinnbild für Offenheit und positive Neugier“, so die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml am Samstag beim Humboldt-Tag in Goldkronach. „Wir können auch heute noch viel von ihm lernen.“ Das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach lädt alljährlich im Umfeld des 14. September, des Geburtstages des weltberühmten Forschers, zu einem Humboldt-Tag mit einer prominenten Persönlichkeit aus Wissenschaft, Kultur oder Politik in der Evangelischen Stadtkirche ein.

Diesmal die Gesundheitsministerin. Für sie gilt Humboldt als eine Art Vorbild für die gesamte Gesellschaft. Humboldt sei bereit gewesen, neugierig zu sein und sich auf Fremdes einzulassen. Diese Neugierde sei uns heute trotz nie dagewesener Möglichkeiten etwa durch das Internet ein wenig verloren gegangen. Besonders stellte Huml Humboldts Betrag für die Grundlagenforschung sowie für den Artenschutz heraus. Anwendungsbezogene Forschung sei schon richtig, aber ohne Grundlagenforschung gar nicht möglich. Deshalb sei die Politik gut beraten, wenn sie die Grundlagenforschung auf weltweites Spitzenniveau voranbringe. Ähnliches gelte für den Artenschutz. „Alles hängt mit allem zusammen“, zitierte sie Humboldt und dessen Verständnis von Wechselwirkungen, für die die Vielfalt der Arten so wichtig ist.

Huml nannte Humboldt einen „leibhaftigen Superstar seiner Zeit“. Er sei zu seiner Zeit neben Napoleon der bekannteste Mensch auf der ganzen Welt gewesen. Humboldt sei aber auch als großer Humanist und wahrer Menschenfreund in die Geschichte eingegangen, beispielsweise dadurch, dass er sich schon damals öffentlich gegen die Sklaverei ausgesprochen hatte.

Große Pläne hegt das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Godkronach für das kommende Jahr. Dann wird weltweit der 250. Geburtstag des Universalgenies gefeiert. Der Vorsitzender und Initiator des Kulturforums, Hartmut Koschyk, kündigte unter anderem die Eröffnung des Alexander-von-Humboldt-Museumsparks unterhalb des Schlosses als neue Attraktion an, die Jung und Alt künftig nach Goldkronach locken soll. „Goldkronach pflegt das Humboldt´sche Erbe und plant Großes für das kommende Jahr, so der in Goldkronach beheimatete frühere Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär.

Dem pflichtete auch Bürgermeister Holger Bär bei. Er war gerade aus Falan zurückgekehrt. Mit der kleinen Stadt in den kolumbianischen Anden pflegt Goldkronach eine Klimapartnerschaft. Von dort hatte Bär nicht nur eine Avocado-Frucht mitgebracht, sondern auch ein Kaffeebäumchen, das im neuen Humboldt-Museumspark gepflanzt werden soll.

Alexander von Humboldt wirkte von 1792 bis 1796 in Goldkronach. Nachdem die zentrale preußische Verwaltung das Gebiet der bis dahin selbständigen Fürstentümer Ansbach und Bayreuth übernommen hatte, war der Goldkronacher Bergbau aufgrund stark zurückgegangener Erträge fast zum Erliegen gekommen. Die Berliner Verwaltung entsandte deshalb den damals erst 23-jährigen Alexander von Humboldt nach Goldkronach, um zu prüfen, in welchem Zustand sich Stadt und Bergwerke befanden. Er erstattete Bericht an das zuständige Ministerium und blieb in der Folge als Oberbergmeister in Goldkronach, um den Bergbau unter Anwendung neuer Technik wiederzubeleben. Seine Aktivitäten beschränkten sich allerdings nicht auf organisatorische und technische Neuerungen im Prozess der Edelmetallförderung. Humboldts Name ist in Goldkronach – wie im gesamten Fichtelgebirge – mit Verbesserungen für die Bergleute und ihre Angehörigen verbunden. 1796 trat Humboldt aus dem Staatsdienst aus, um sich auf Reisen zu begeben.

An den weltweit bekannten Universalgelehrten erinnern heute unter anderem das 2004 im ehemaligen Amtsgebäude der Staatsforstverwaltung eröffnete Goldbergbaumuseum, die beiden Besucherbergwerke „Mittlerer Name Gottes“ und „Schmutzlerschacht“ sowie das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum, das alljährlich ein hochkarätiges Programm unter anderem mit Seminaren, Vorträge, Symposien, Konzerten und Lesungen anbietet.

Den musikalischen Part des Humboldt-Tages 2018 gestalteten das Blechbläserensemble des Bayreuther Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasiums unter der Leitung von Klaus Hammer unter anderem mit Werken von Felix Mendelssohn-Bartholdy, der ein enger Freund von Alexander von Humboldt war.

Bilder:
1. Das Blechbläserensemble des Bayreuther Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasiums umrahmte den Humboldt-Tag in der Goldkronacher Stadtkirche unter anderem mit Werken des Humboldt-Vertrauten Felix Mendelssohn-Bartholdy.
2. „Neugierig sein und sich auf Fremdes einlassen“: Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml war Hauptrednerin beim Alexander-von-Humboldt-Tag in Goldkronach.

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09.09.2018

Echte Volksmusik als zentrales Anliegen /
31. Oberfränkisches Volksmusikfest in Pottenstein

Pottenstein. Acht Volksmusiker, Gruppen und Kapellen aus dem gesamten Regierungsbezirk verwandelten das Felsenstädtchen Pottenstein einen ganzen Sonntag lang zu einem einzigen Klangkörper. Hintergrund war das 31. Volksmusikfest des Bezirks Oberfranken, das bei herrlichem Spätsommerwetter viele tausend Besucher in die Fränkische Schweiz lockte.

Volksmusik ist nach wie vor beliebt und darf bei keiner Kirchweih fehlen, sagte Organisator Bertram Popp von der Arbeitsgemeinschaft Fränkische Volksmusik. Volksmusik mache allen Beteiligten Riesenspaß und habe mit Volkstümelei nichts zu tun“, so der Pottensteiner Bürgermeister Stefan Frühbeißer. Bezirkstagspräsident Günther Denzler nannte die Pflege der Volksmusik ein zentrales Anliegen der Kultur- und Heimatpflege des Bezirks. Volksmusik sei aber auch nichts Starres, sondern sie entwickle sich stetig weiter. Das haben die die Teilnehmer des 31. Volksmusikfestes eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Am Marktplatz sorgten die zwei „Gschrubbdn“ aus Seßlach für Unterhaltung. Die Fränkischen Volksmusikanten aus Bischberg im Landkreis Bamberg spielten vor dem Bürgerhaus auf und als Lokalmatadoren sorgten die Juramusikanten Hohenmirsberg unter der Leitung von Norbert Lodes vor dem Brauereigasthof Mager für Unterhaltung. Weitere Teilnehmer waren das Freie Fränkische Bierorchester Regnitzlosau in Bruckmayers Biergarten, das Rotmain-Trio in der Kellerschänke der Brauerei Hufeisen, das Familienquartett Hix Tradimix aus Feilitzsch im Landkreis Hof im Biergarten der Brauerei Hufeisen, die Gruppe „Vielsaitig“ aus Kirchenlamitz im Senivita-Seniorenhaus St. Elisabeth und Alleinunterhalter Helmut Spörl im Gasthof Haberberger im Mariental.

Bilder:
1.
 Die Fränkischen Volksmusikanten aus Bischberg spielten beim 31. Volksmusikfest des Bezirks Oberfranken auf.
2. Moderne Volksmusik auf höchstem Niveau: die Gruppe Hix Tradimis aus Feilitzsch.

 

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07.08.2018

Klassik bei Brezen, Bier und Bratwürsten / 68. Festival Junger Künstler Bayreuth: Kleine Festspiele am Fuße des Hügels

Bayreuth. 560 Teilnehmende aus 34 Nationen veranstalten in diesem Sommer beim Festival Junger Künstler Bayreuth 88 Konzerte, Events und Open Airs. Das Thema „Roots to the Future - Wurzeln in die Zukunft“ vom letzten Jahr wird dabei wegen seines großen Erfolgs wieder aufgegriffen und fortgeführt. „Musikalische Wurzeln sind miteinander vernetzt, sie bilden bisweilen ein kraftvolles Geflecht, das wir beim Festival weiter entwickeln“, erläutert Intendantin Dr. Sissy Thammer beim Bayreuther Abend. Dabei stellten sich die jungen Künstler in den verschiedensten Formationen erstmals öffentlich dem Publikum vor.

Wie in jedem Jahr gab es einen bunten Reigen von Darbietungen, Kammermusik in verschiedensten Besetzungen, Tanzmusik aus aller Welt und viele musikalische Überraschungen. Frei nach dem Motto „Mit leerem Magen studiert sich´s schlecht“ wurde auch für das leibliche Wohl gesorgt: mit fränkischen Bratwürsten, Brezeln und Bayreuther Bier.

Ziel des Abends war es einmal mehr, die freundschaftlichen Beziehungen des Festivals mit den Bürgern aus der Region zu pflegen. Neben Freunden, Gönnern und Sponsoren, hatten auch die Musikfreunde aus ganz Oberfranken ausgiebig Gelegenheit dazu, die teilweise weitgereisten Teilnehmer kennen zu lernen, mit ihnen zu plaudern und zu feiern. „Unser Ziel ist es, die Vielzahl der unterschiedlichsten Kurse zu präsentieren“, sagte Intendantin Sissy Thammer.

Die Stadt Bayreuth sei stolz ein Festival zu beherbergen, das längst zu einer festen Institution im Kulturleben der Stadt geworden ist, so Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. „Das Festival junger Künstler ist aus dem sommerlichen Leben Bayreuths nicht mehr wegzudenken“, sagte sie, schon deshalb, weil das Festival als Bühne die gesamte Innenstadt nutze und damit den Bayreuther Kultursommer ungemein bereichere. Merk-Erbe erinnerte auch an die Gründung als internationales Musikstudententreffen im Jahr 1950 durch Herbert Barth und unter der Patronage des berühmten Komponisten Jean Sibelius.

Von einem „wie jedes Jahr beeindruckenden Abend“ sprach die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert. Das Festival stehe in herausragender Art und Weise für Begegnung und Völkerverständigung und habe damit eine weit über das rein künstlerische hinausgehende Bedeutung.

Das Festival Junger Künstler dauert heuer bis zum 31. August. Einer der Höhepunkte wird die Einstudierung von Claudio Monteverdis Marienvesper unter Leitung des schwedischen Dirigenten Fred Sjöberg sein. Beim Programm „Passio – Compassio. Leidenschaft und Leiden“ – spielt die Barockzeit ebenfalls eine wichtige Rolle. Das Konzert verquirlt Passionsmusiken mit Ethnoklängen und Jazz. Johann Sebastian Bach und Kurt Weill treffen auf Lieder aus dem Morgenland. Dr. Vladimir Ivanoff, künstlerischer Leiter des Ensembles Sarband und in Personalunion Lautenspieler, Percussionist, Musikwissenschaftler, Produzent und Tonsetzer hat den musikalischen Leckerbissen mit Teilnehmern aus dem Nahen Osten und Europa arrangiert, um dem Mitgefühl, der Compassio, neues Leben einzuhauchen. Außer diesen beiden Leuchtturmprojekten setzt das Festival junger Künstler Bayreuth auch in diesem Jahr wieder auf das bewährte Miteinander unterschiedlichster Künstler und Kulturschaffender aus aller Welt – auf der Suche nach neuen ästhetischen Formaten. Qualität und das gemeinsame Erleben beim künstlerischen Schaffensprozess stehen dabei im Mittelpunkt.

Bürger und Besucher der Stadt haben in den kommenden Wochen außerdem Gelegenheit, den Ensembles des Festivals auf den Straßen und Plätzen der Stadt zu begegnen. Daneben treten die Mitwirkenden mit klassischer Musik und Folklore aus ihren Heimatländern auf den Bühnen ganz Oberfrankens und teilweise sogar weit darüber hinaus auf.

Bilder:
1. 450 Teilnehmer aus 34 Nationen nehmen in diesem Jahr am Festival junger Künstler teil, was beim „Bayreuther Abend“ durch ein Fahnenspalier eindrucksvoll dokumentiert wurde.
3. Der Knabenchor „Jazeps Medins“ aus Riga
4.. Die hohe künstlerische Qualität des Festivals stellte unter anderem dieses internationale Ensemble eindrucksvoll unter Beweis.

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22.07.2018

Fetzige Klangsprache und explosive Gestik / Ljubka Biagioni leitete zum Abschluss der Open Airs auf der Plassenburg die Sofia Symphonics

Kulmbach. Es war ein überaus ambitioniertes und anspruchsvolles Programm, mit dem die Dirigentin Ljubka Biagioni zu Guttenberg und ihr Orchester, die Sofia Symphonics, diesmal die Open Airs auf der Plassenburg abgeschlossen haben. Aktuell, feierlich, überraschend und zeitgenössisch präsentierten die bestens aufgelegten Musiker am Sonntagabend unter ihrer engagierten und vielseitigen Dirigentin eine wunderbar gelungene Sommerreise von der Alten in die Neue Welt.

Ein Ohrwurm stand mit Friedrich Smetanas „Moldau“ gleich am Anfang. Auch Menschen, die so gar nichts mit klassischer Musik im Sinn haben, können mitsummen, wenn der Komponist die Zuhörer in seine böhmische Heimat entführt und den Lauf des Flusses von der Quelle über Wälder und Flure entlang stolzer Burgen bis zu seinem Einmünden in die Elbe beschreibt. Bei Ljubka Biagioni stimmt die Dramaturgie. Das Hauptthema wird in großen Bögen immer wieder neu entwickelt, die Einschübe kommen stimmig, der Schluss pompös. Die Sofia Symphonics legen großen Wert auf einen warmen Klang, lassen die vielen Details der Partitur aufblitzen und musizieren absolut inspiriert.

Stammt die „Moldau“ aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, durfte sich das Publikum beim „Gypsy Dance“ und der Komposition „Strange Occasion“ auf zeitgenössische Werke des bulgarischen Musikers und Komponisten Teodosij Spassov freuen. Spassov zählt zu den bekanntesten Musikern und Filmkomponisten Bulgariens. Was die Kulmbacher Aufführung so besonders machte war, dass Spassov selbst als Solist an der Hirtenflöte mit dem Namen Kaval auftrat, was den jazzig angehauchten und melodiös klingenden Kompositionen, eine davon mit lautmalerisch im Sprechgesang vorgetragenen Einlagen, eine ganz besondere Bedeutung gab. „So interessant kann bulgarische Musik sein“, sagte Ljubka Biagioni, die es als Mission sieht, diese Musik bekannter zu machen.

Zweites Werk aus dem 19. Jahrhundert war Peter Tschaikowskys Fantasie-Ouvertüre „Romeo und Julia“. Die Komposition beruht auf dem gleichnamigen Werk von William Shakespeare und gilt als erstes großes Meisterwerk Tschaikowskys. „Romeo und Julia“, das bedeutet viele musikalische Kleinode, die von den Musikern gekonnt ausgespielt werden. Transparent musiziert, auch mal auf den einen oder anderen Effekt setzend, lässt die Dirigentin dieses wunderbare Werk erklingen, das schon allein aufgrund seiner Thematik wie kaum ein zweites in den schönen Hof der Plassenburg passt.

Durchaus jazzig führte die Reise nach der Pause in die Neue Welt nach Amerika: Von George Gershwin stammt die berühmte Komposition „Rhapsody in Blue“, die mit dem versierten Solisten Stefan Vrachev am zugegeben etwas minimalistisch klingenden e-Piano im Mittelpunkt des zweiten Teils des Abends stand. Bei dem Solisten klang das Stück eher nach Jazz als nach Klassik, was der Absicht Gershwins vielleicht sogar ein stückweit näher kam. Schließlich war Gershwin ein manischer Tempotreiber mit irrwitzigen virtuosen Fähigkeiten. Seine Akkorde stampfen, seine rhythmische Intensität erinnert mitunter an eine Dampfmaschine. Das Orchester peitschte mit wohldosierten, aber eindringlichen Effekten das Ganze massiv voran. Danach gab es gleich nochmal Gershwin, sein wundervolles „Summertime“ aus der 1935 uraufgeführter Oper „Porgy and Bess“, dramatisch und auf höchstem Niveau dargebracht vom Klarinettisten des Orchesters.

Zum Schluss der musikalischen Sommerreise gab es zum einen eine Erinnerung an den großen Komponisten und Dirigenten Leonard Bernstein, dessen 100. Todestag die Musikwelt heuer gedenkt. Aufgeführt wurden die Sinfonischen Tänze aus der „West Side Story“, einer der erfolgreichsten und bekanntesten Kompositionen des 20. Jahrhunderts überhaupt. Hingebungsvoll und leidenschaftlich lässt Ljubka Biagioni dieses Werk erklingen, ganz im Sinne Bernsteins in fetziger Klangsprache kombiniert mit explosiver Gestik. Auch hier gibt es wieder Anklange an echte Ohrwürmer wie „Somewhere“, „Maria“ oder „Tonight“. Am Ende gab es großen Applaus für die Musiker und ihre Dirigentin, die auch im kommenden Jahr bei den Plassenburg-Open-Airs wieder dabei sein wird.

Bilder:
1.
 Ljubka Biagioni dirigierte zum Abschluss der Plassenburg-Open-Airs die Sofia Symphonics.
2. Der bulgarischen Musiker Teodosij Spassov spielte eigene Kompositionen auf der Hirtenflöte Kaval.

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21.07.2018

Avantgarde, Ethno-Pop und Ländler / Haindling beim Plassenburg-Open-Air

Kulmbach. Liedermacher, Poet, Weltmusiker: Hans Jürgen Buchner, besser bekannt als Haindling, passt in keine Schublade. Fast schon zum Abschluss der Open Airs war der sympathische Multiinstrumentalist aus Niederbayern einmal mehr auf der Plassenburg und verzauberte zweieinhalb Stunden lang sein Publikum.

Der Jüngste ist Haindling nicht mehr, aber ein jung gebliebener. Richtig politisch wird er nicht, aber er erhebt immer wieder den Zeigefinger. Er ist keiner, der in den Charts zu Hause ist und hatte doch mit „Lang scho nimmer g´sehn“ vor über 30 Jahren einen echten Riesenhit, der als Zugabe natürlich auf der Plassenburg nicht fehlen darf. Haindling ist aber vor allem eines: ein sympathischer Mensch, der nicht nur authentisch rüberkommt, sondern der authentisch ist. Ein exzellenter Musiker, der alle möglichen Instrumente spielt ist er auch und dazu ein herrlicher Geschichtenerzähler, den man gebannt an den Lippen hängt.

Vor drei Jahren war er zuletzt auf der Plassenburg. Natürlich unterscheidet sich das Programm diesmal nicht grundlegend von damals, aber gerade das lieben seine Fans: Kontinuität in einer Zeit, in der sich alles so schnell ändert. Und Haindling bietet ihnen die Kontinuität, und das schon seit 35 Jahren. So gab es wieder die Haindling-Plastik-Müllsack-Band, zum einen aus Protest gegen Plastikverpackungen, zum anderen um zu zeigen, dass auch mit Plastiktüten Musik machen kann. Fast schon ein Klassiker ist das Verlesen der Inhaltsstoffe eines Eierlikör-Sandkuchens aus der Bordverpflegung eines Passagierflugzeuges. Man ahnt es schon, dass der Kuchen praktisch ausschließlich aus Chemie besteht. Und da ist Bund-Naturschutz-Mitglied Hans-Jürgen Buchner in gewisser Weise eben doch politisch, wenn er etwa in seinem Lied „Modelleisenbahn“ den Flächenverbrauch anprangert. Aktueller geht es kaum noch, möchte man meinen, doch das Lied ist schon vor 25 Jahren entstanden.

Es ist auch nicht unbedingt Popmusik, was Haindling macht, sondern eher eine Mischung aus bayerischem Ethno-Pop, Avantgarde, Walzer, Ländler, sogar einen Zwiefachen gibt es. Eigentlich könnte man jedes Stück anders einordnen, und es bleibt doch immer wieder eine geniale Haindling-Komposition, egal ob „Spinn i“, „Karussell“, „Du Depp“ oder „Das ewige Lied“.

Freiheit ist für ihn, den kreativen Kopf, wichtig. Progressiv, idealistisch und ohne Rücksicht auf Trends oder Zeitgeist, eher ganz bewusst dagegen. Vielleicht kommt deswegen auch im Schönen Hof der Plassenburg eine ganz eigenwillige gute Stimmung auf. Zumal das Publikum auch diesmal wieder alle Generationen abbildet: vom Kind bis zum Senior, solche Künstler sind selten.

Auch diesmal hat er wieder ein Rieseninstrumentarium dabei, vom Klangholz bis zur Maultrommel, vom Alphorn bis zum E-Piano. Mit Hilfe seiner befreundeten Musikerkollegen bringt er alle die Tasten- Blas- und Schlaginstrumente zum Klingen, bis schließlich der Haindling-Sound den Schönen Hof füllt. Richtig zur Geltung kommen hier die Filmmusiken, mit denen Haindling sich auch als ernsthafter Komponist einen großen Namen gemacht hat. Fast schon eine kleine Sinfonie ist seine Musik zum Vilsmaier-Film „Bavaria – Traumreise durch Bayern“.

Kaum zu glauben, dass der Ur-Bayer Hans-Jürgen Buchner ein gebürtiger Preuße ist, dass er als Keramiker den Meisterbrief besitzt, und dass er tatsächlich schon 1945 geboren wurde. Hoffentlich kommt Haindling noch oft hierher, Künstler wie er sind selten geworden.

Bilder:
Weltmusiker aus Niederbayern: Hans Jürgen Buchner alias Haindling am Samstagabend beim Plassenburg-Open-Air.

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31.03.2018

Akzentuiert, artikuliert und mit absoluter Leichtigkeit / „Oberfranken-Tournee“ an Ostern: JSO unter Till Fabian Weser mit Tschaikowsky, Mozart und Dvorak

Naila. Warum sollte „der Nussknacker“ immer nur an Weihnachten gespielt werden? Also setzte Dirigent Till Fabian Weser die Nussknacker-Suite von Peter Iljitsch Tschaikowsky kurzerhand auf das Programm der Osterkonzerte des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken (JSO). Und weil Tschaikowsky und Anton Dvorak so gut harmonieren, gab es nach der 9. Symphonie im Jahr 2013 jetzt die 8. Symphonie. Bleibt noch Mozart, der passt immer. Diesmal mit dem 19-jährigen Robert Schina aus Bayreuth als Solisten.

Er studiert aktuell am Royal College of Music in London und ist trotz junger Jahre bereits ein überaus versierter Solist. Schina lässt die Oboe in alle denkbaren Klangwelten vordringen, er musiziert selbstsicher, vital und mit offensiver Kantabilität, mit Liebe zum Detail und feinem Klangsinn. „Das Mozart-Konzert ist eines meiner Favoriten“ bekannte Schina im Vorfeld und das hört man auch.

Das Konzert dürfe man keineswegs unterschätzen, so der Solist. Bei Mozart sei allgemein eine absolute Leichtigkeit im Spielen das oberste Ziel. Dazu müsse man nicht nur technisch absolut sicher sein, sondern auch das komplette Werk analysieren, um alle Zusammenhänge und musikalischen Höhepunkte herauszuarbeiten. Dem Solisten ist dies gelungen. Er betrachtet das Konzert aus galanter Perspektive, musiziert hinsichtlich Phrasierung und Artikulation gut durchstrukturiert und nimmt immer wieder gerne das Tempo heraus, womit er einen ganz eigenen Spannungsbogen aufbaut. Das Jugendsymphonieorchester präsentiert sich dazu als gut eingespielter Begleiter, warm und intensiv im Klang. Ein wirkungsvoller Einfall des Dirigenten war es dabei, die Streicher im Stehen, wie zu Mozarts Zeiten üblich, im Stehen musizieren zu lassen.

Zuvor also die Nussknacker-Suite: Tschaikowsky hatte als erster Komponist Ballettmusik sinfonisch aufgebaut. Trotzdem spielt man immer wieder gerne die Suite als eine Art „Best of“. Die einzelnen Nummern sind aber auch einfach zauberhaft, ganz egal ob der charakteristische Marsch, der „Tanz der Zuckerfee“ oder der „Blumenwalzer“, der am Ende nochmal als Zugabe erklingt, das JSO musiziert farbig und leuchtend, akzentuiert und raffiniert.

Bleibt noch Dvoraks vorletzte Symphonie, die Achte, ein gefühlsstarkes Stimmungsbild, nicht ganz so populär wir die Neunte, aber dennoch überaus wirkungsvoll und frei im Spiel der Themen und Motive. Unter Till Fabian Wesers Stabführung kümmert sich das Jugendsymphonieorchester um die vielen Details der Partitur und lässt so den melodischen Erfindungsreichtum Dvoraks vollends zur Geltung kommen. Vor allem im Schlusssatz gibt es ein Feuer an rhythmischen Drive. Doch schon zuvor im wehmütigen Walzer-Thema des Allegretto grazioso merkt man die phänomenale Detailarbeit, die das Orchester in den zurückliegenden sieben Tagen geleistet hat.

Dirigent Till Fabian Weser leitet das Jugendsymphonieorchester Oberfranken seit 2013, im „Hauptberuf“ spielt er die Trompete bei den Bamberger Symphonikern. Der 52-Jährige bezeichnet das JSO gerne auch als Talentschmiede für junge Musiker aus allen Teilen Oberfrankens und würdigt das herausragende Engagement des Bezirks, das in dieser Form bayernweit einmalig sei. Die Arbeitsphase ging auch in diesem Jahr wieder im Schullandheim von Weißenstadt über die Bühne, die Tutti-Proben samt Generalprobe fanden im Kurhotel von Weißenstadt statt.

Zum Auftakt in Naila hatte Bürgermeister Frank Stumpf das abwechslungsreiche Repertoire des Konzerts und den hohen Qualitätsstandard des Orchesters gewürdigt. Organisatorin Maria Lindl vom Bezirk Oberfranken stellte das Jugendsymphonieorchester als wichtiges Projekt der Jugendarbeit der Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau vor. Ein wichtiges Anliegen des einst weltberühmten Geigers Henri Marteau sei es gewesen, Musik an junge Leute weiterzugeben. Damit werde der Geist Marteaus im Jugendsymphonieorchester spürbar.

Bild:
1. Till Fabian Weser von den Bamberger Symphonikern leitete das Jugendsymphonieorchester Oberfranken bei seinen kleinen Tournee durch den Regierungsbezirk.
2. Das Jugendsymphonieorchester Oberfranken unter seinem Dirigenten Till Fabian Weser und mit dem Solisten Robert Schina beim Auftakt der Osterkonzerte am Samstagabend in Naila.

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24.03.2018

Orchester auf Zeit startet Oberfrankentournee / Jugendsymphonieorchester: Probenauftakt in Weißenstadt

Weißenstadt. Anton Dvoraks achte Symphonie bildete den Auftakt: Mit einer Durchspielprobe hat am Samstagmittag im Schullandheim von Weißenstadt im Landkreis Wunsiedel die Übungsphase des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken begonnen. Zum siebten Mal in Folge steht dabei Till Fabian Weser am Pult. Seine Aufgabe ist es, die jungen Talente aus allen Teilen des Regierungsbezirks in nur einer Woche zu einem einzigen Klangkörper zusammenzuführen. Unter der Stabführung des aus Amerikas stammenden Dirigenten werden die gut 60 Musikerinnen und Musiker über Ostern zu einer kleinen Oberfranken-Tournee aufbrechen.

Nicht nur das Hauptwerk ist mit der Dvorak-Symphonie spektakulär, auch Tschaikowskys „Nussknacker-Suite“ hat außerhalb der Weihnachtszeit ihren ganz besonderen Reiz. Daneben steht das Oboenkonzert C-Dur KV 314 von Wolfgang Amadeus Mozart auf dem Programm. Solist ist der 19-jährige Robert Schina aus Bayreuth. Er war schon in den zurückliegenden Jahren beim JSO dabei studiert derzeit am Royal College of Music in London.

Dafür, dass viele der jungen Leute zum ersten Mal miteinander musizieren, klappt das Zusammenspiel schon ganz gut. Ziel von Till Fabian Weser ist freilich eine nahezu perfekte Aufführung, und daran wird in den kommende Tagen intensiv gearbeitet. Zunächst in kleinen Gruppen mit den Dozenten, dann wieder im großen Orchester, bis am Freitag ebenfalls in Weißenstadt im dortigen Kurhotel die Generalprobe über die Bühne geht.

„Mit unserem ehrgeizigen Projekt eines eigenen Jugendsymphonieorchesters möchten wir jungen Nachwuchsmusikern aus der Region alljährlich zu Ostern die Möglichkeit geben, ihr Können unter professioneller Anleitung öffentlich zu präsentieren“, sagte Bezirkstagspräsident Günther Denzler zum Probenauftakt. Als „Orchester auf Zeit“ setze sich das Jugendsymphonieorchester Jahr für Jahr neu zusammen. Der Präsident nannte die intensive Zusammenarbeit mit dem professionellen Dirigenten eine einzigartige Erfahrung für die jungen Leute. Denzler: „Das oberfränkische Jugendsymphonieorchester ist das Herzstück der Jugendarbeit unserer internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau.“

Dirigent Till Fabian Weser war selbst als Jugendlicher Mitglied in vergleichbaren Klangkörpern, unter anderem im Landesjugendorchester Baden-Württemberg, im Bundesjugendorchester und in der Jungen Deutschen Philharmonie. Weser versteht das Orchester in erster Linie als eine Art Talentschmiede, in dem sich junge Musiker im Alter zwischen 14 und 23 Jahren aus allen Teilen Oberfrankens im Bekenntnis zu ihrer Heimat zusammenfinden. „Ich sehe es aber auch als Sprungbrett“, so Weser. In dem Klangkörper hätten die jungen Talente eine hervorragende Möglichkeit, sich auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.

Ein Sprungbrett war das Jugendsymphonieorchester unter anderem für die heute prominente Geigerin Sornitza Baharova und den Dirigenten Axel Kober. Beide musizierten jeweils mehrere Jahre lang mit dem Jugendsymphonieorchester, heute ist Sornitza Baharova Mitglied der Staatsphilharmonie Nürnberg, Axel Kober ist Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein und debütierte im Sommer 2013 mit Richard Wagners Tannhäuser bei den Bayreuther Festspielen.

Das Jugendsymphonieorchester Oberfranken wurde 1982 von dem Musikpädagogen Professor Günther Weiß gegründet, der viele Jahre als künstlerischer Leiter der Musikbegegnungsstätte Haus Marteau tätig war. Seit der Gründung kommen junge Musikerinnen und Musiker aus ganz Oberfranken jeweils kurz vor Ostern zu einer Probenwoche zusammen und erarbeiten unter professionellen Bedingungen ein anspruchsvolles Konzertprogramm.

Die Konzerte des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken finden statt: am Karsamstag, 31. März um 18 Uhr in Naila (Frankenhalle), am Ostersonntag, 1. April um 17.30 Uhr in Coburg (Kongresshaus Rosengarten) und am Ostermontag, 2. April um 17.30 Uhr in Stegaurach (Aurachtalhalle).

Bilder: Probenauftakt am Wochenende in Weißenstadt: Till Fabian Weser dirigiert das Jugendsymphonieorchester Oberfranken.

Die Konzerte des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken 2018:

Karsamstag, 31. März, 18 Uhr, Frankenhalle Naila

Ostersonntag, 1. April, 17:30 Uhr, Kongresshaus Rosengarten Coburg

Ostermontag, 2. April, 17:30 Uhr Aurachtalhalle Stegaurach

 

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09.02.2018

„Das Glück wohnt überall“: Sängerisches Können gepaart mit schauspielerischen Leistungen / Emmerich Kalmans „Csardasfürstin“ in der Dr.-Stammberger-Halle

Kulmbach. Offiziell wird das Wort nicht einmal ausgesprochen, aber darum geht es: um Standesdünkel. Deshalb hat Emmerich Kalmans Operette „Die Csardasfürstin“ bis heute nichts an Aktualität verloren. Hier die Welt der Künstler, dort die Welt der Adeligen, hier die Tingel-Tangel-Sängerin, dort die Aristokratie. Natürlich steigt eine Tourneetheaterproduktion wie die der Johann-Strauß-Operette-Wien am Freitag in der Dr.-Stammberger-Halle da nicht tiefer ein, doch Kalmans Werk, und vor allem seine Musik sprechen für sich. Nahezu jeder Titel ist ein Welterfolg geworden. 

Glanz, Glitter und K.u.K.-Prunk: "Die Csardasfürstin" wird in der Regie von Andrea Schwarz als Varieté-Glitzerwelt in einem entsprechenden Bühnenbild des aus Graz stammenden und im österreichischen Burgenland beheimateten Künstlers Norbert Art-Uro gezeigt. Spektakuläre Neudeutungen, wie vor einigen Monaten am Mainfrankentheater in Würzburg darf man da nicht erwarten, immerhin tourt die Produktion bereits seit Weihnachten allabendlich durch Deutschland, was schon allein eine große Leistung ist.

Wildes Varieté auf der engen Kleinkunstbühne - das ist die Welt der Sylva Varescu. Große Kostüme werden im Palast von Edwins Vater Fürst Lippert-Weylersheim aufgetragen und es schimmert noch der Glanz der alten K.u.K.-Zeit durch. Der Standeskonflikt zwischen Edwin und Silva, der ihrer Liebe im Weg steht, bildet das Zentrum dieser Liebesgeschichte.

Die Akteure beweisen alle sängerisches Können, gepaart mit schauspielerischen Leistungen. Allen voran die Wiener Sopranistin Sevana Salmasi als Csardasfürstin Sylva Varescu. Sie darf als perfekte Besetzung gelten, wenn sie auch gerne mal zum forcieren neigt. Sevana Salmasi spielt authentisch, vielschichtig, farbig und glaubwürdig. Der kanadische Tenor Dan Chamandy, der auch schon als Wagner-Interpret in Erscheinung getreten war, überzeugt das Publikum als Edwin mit famoser Stimme und einer authentisch gespielten Liebe zu Sylva. Dan Chamandy hat Charme, Schmäh und die Schneidigkeit des jungen Fürstensohnes.

Der Wiener Bariton Dieter Kschendt-Michel hat als Graf Boni sowieso die meiste Komik im Textbuch und avanciert schnell zum Publikumsliebling. Ihm ist in jeder Szene eine große Spielfreude gepaart mit ausdrucksvollem Gesang und einer glaubwürdigen Darstellung anzumerken. Ihm ebenbürtig als Partnerin ist Angela Wandraschek als Anastasia, kurz „Stasi“, mit hervorragender Stimme, Textverständlicheit und ebenso überzeugendem Spiel.

„Das Glück ist überall, denn überall wohnt Liebe“ ist eines der berührendsten Duette der Operette und auch dieser Aufführung. Besonders witzig und romantisch zugleich ist die Szene, in der die vier Liebenden in vertauschter Paarung aufeinandertreffen und verhandeln müssen, wer nun mit wem eigentlich zusammen sein will. Witzig auch ist der Moment, als Fürst von und zu Lippert-Weylersheim (Josef Pechhacker) erkennen muss, dass auch seine Gattin Anhilte, die fabelhaft von der TV-bekannten Schauspielerin Manuela Miebach hervorragend verkörpert wird, eine bürgerliche Vergangenheit hat und er seinem Sohn die Hochzeit mit Sylva nicht verbieten kann.

In weiteren Rollen überzeugten Martin Ganthaler als Eugen Rhonsdorff und Giorgio Valenta als Feri. Beide absolut präsent und nicht nur sängerisch, sondern auch darstellerisch hervorragend. Die Balletteinlagen mit den vier Tänzerinnen und einem Tänzer in der Choreographie von Nera Nicol hätte man sich gerne ein bisschen flotter und weniger altbacken gewünscht, dafür konnte das kleine Orchester unter der Stabführung des griechischen Dirigenten Vasilis Tsiatsianis vollends überzeugen. Zügige Tempi kennzeichneten das Dirigat, effektvoll, energiegeladen und energisch waren die Musiker stets präsent. Am Ende gab es riesigen Applaus, wenn auch die Dr.-Stammberger-Halle nur gut zur Hälfte gefüllt war.

Bilder:
1.
Am Ende finden die richtigen Paare zusammen, hier sind sie allerdings noch nicht soweit (von links): Anastasia (Angela Wandraschek), Edwin (Dan Chamandy), Boni (Dieter Kschwendt-Michel) und Sylva (Sevana Salmasi).
2.
Die große Szene gehört bei der Operette immer dazu: „Die Csardasfürstin“ von Emmerich Kalman zeigte das Ensemble des Johann-Strauss-Theaters-Wien am Freitagabend in der Dr.-Stammberger-Halle.

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25.01.2018

Wundervolle Stimmen und witzige Geschichten / Kulmbach liegt am Broadway: „Musical Moments“ in der Dr.-Stammberger-Halle

Kulmbach. Sie gelten als Amerikas Antwort auf Europas Musiktheater, Weltstars feierten mit ihnen ihre großen Triumphe und jedes hat seinen eigenen, ganz unverwechselbaren Ohrwurm: Musicals. Irgendwann war ihr Siegeszug nicht mehr aufzuhalten. Ein „Best of“ zeitgenössischer Musicals hat ein international besetztes Showensemble mit großer Bühnen-Erfahrung am Donnerstagabend in der einigermaßen gut besetzten Dr.-Stammberger-Halle unter dem Titel „Musical Moments“ dargeboten. Der norwegische Musical-Darsteller Espen Nowacki, der die Aufführung zusammengestellt und inszeniert hat, nahm das Publikum dabei mit auf eine Reise von „Evita“ und „Elisabeth“ bis hin zum „Tanz der Vampire“ oder dem Queen-Musical „We will rock you“.

Die zweieinhalbstündige Show mit 20 der aktuell erfolgreichsten Musicals in der tempogeladenen Choreographie von Dominik Halamek war abwechslungsreich, farbenprächtig und fantasievoll. Hier treffen große Emotionen auf witzige Geschichten, wundervolle Stimmen auf prächtige Kostüme. Dazu gibt es eine raffinierte Lichtregie mit eindrucksvollen Fotoprojektionen. Alles in allem beste Unterhaltung auf hohem Niveau, wenn auch die Musik vom Band kam und die Stimmen zumindest anfangs übersteuert waren.

Die Sängerinnen und Sänger waren ebenfalls durch die Bank Klasse. Man merkte ihnen schon an, dass sie absolute Profis sind und noch jede Menge Spaß an der Sache haben. Einzelne hervorzuheben wäre unfair, singen sie doch alle mal abwechselnd im gesamten Ensemble, mal übernehmen sie solistische Aufgaben. Außerdem sind es gerade die großen „Massenszenen“, die das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreißen.

Ihre Namen sollen an dieser Stelle trotzdem nicht ungenannt bleiben: Lina Hampel aus Hamburg, Judith Seibert aus München, Nadine Hammer aus Thüringen, die Österreicherin Stefanie Kock, Anna Carave aus der Ukraine, Zoltan Tombor aus Ungarn sowie Choreograph Dominik Halamek und der Kopf der Truppe Espen Nowacki.

Studiert man das Programmheft, stellt man fest, dass alle eine professionelle Gesangs- und Tanzausbildung hinter sich und die eine oder andere Rolle an namhaften Bühnen übernommen haben. Das spricht auch für die Wandlungsfähigkeit der Sänger und Darsteller und für ihr großes schauspielerisches und tänzerisches Talent. Dazu kommen bunte, glitzernde Roben und tolle, meist an das Original angelehnte Kostüme.

Pech hatte das Publikum in der ersten Reihe und an den Außenplätzen, denn es wurde immer wieder mit in die Show einbezogen. Die Darsteller suchten den Kontakt zum Publikum, sei es, dass sie immer wieder von der Bühne stiegen oder gleich aus dem Publikum heraus auftraten. Mal hieß es mitsingen, dann wieder mittanzen, mal wurden einzelne erschreckt, ein Zuhörer musste sogar auf die Bühne, um bei dem Titel „Zahnarzt“ aus dem „Kleinen Horrorladen“ von Alan Menken eine Statistenrolle zu übernehmen.

Das achtköpfige Ensemble hat das Publikum den ganzen Abend lang gut und originell mit einer mitreißenden und witzigen Show unterhalten und dabei den Nerv der Kulmbacher Musical-Fans getroffen. Am Schluss beim Udo-Jürgens-Musical „Ich war noch niemals in New York“ und beim anschließenden Abba-Musical „Mamma mia“ war die ganze Halle aus dem Häuschen, alle tanzten und sangen mit. Die Zeit verging wie im Flug und man hätte noch ewig so zuhören und zusehen können.

Bilder:
-
Mit dem Queen-Musical „We will rock you“ rockten die Musical-Stars die Dr.-Stammberger-Halle.
- Cats mit Ballett zu Andrew Lloyd Webbers „Mondlicht“.
- Sissi und Kaiser Franz Joseph tanzen Walzer bei dieser Szene aus dem Musical „Elisabeth“.

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05.01.2018

Hauch von Hollywood mit den Hofer Symphonikern / „Magic movie moments“: Zum Neujahrskonzert mit Stargast Carry Sass gibt es fulminante Soundtracks

Kulmbach. Hollywood ohne Musik, das wäre undenkbar. Ob Marlene Dietrich, „Die glorreichen Sieben“ oder die „Tribute von Panem“ und der James-Bond-Titelsong „Skyfall“, Musik verstärkt Emotionen und macht Gefühle hörbar. „Magic movie moments“ war das Neujahrskonzert der Hofer Symphoniker unter Hannes Ferrand mit Stargast Carry Sass überschrieben und der Freitagabend in der Dr.-Stammberger-Halle brachte das alles überaus effektvoll und überzeugend auf die Bühne.

„Was wäre ein Film ohne Musik?“, diese Frage stellte die Sängerin und Moderatorin gleich zu Beginn, um selbst die Antwort zu geben: „Nichts!“. Und so  bringt Carry Sass am Anfang mit dem Soundtrack zur Oskar-Verleihung einen Hauch von Hollywood nach Kulmbach. Von den Klassikern der Filmgeschichte wie der Star-Wars-Melodie von John Williams bis hin zu Fantasie- und Action-Filmen wie „Game of thrones“ war diesmal alles vertreten, was ins Ohr geht.

Carry Sass, charmanter Bühnenstar aus Berlin, ist die perfekte Interpretin für das, was man auch als heitere Muse oder leichte Klassik bezeichnen könnte. Dabei lag manches im Programm Welten auseinander, Norbert Schultzes „Lilli Marleen“ etwa und Adeles „Skyfall“. Doch die Entertainerin, der Dirigent aus Weimar und die Musiker aus Hof schaffen den großen Bogen in einem Programm, das voller Überraschungen steckte.

Jede Komposition für sich ist ein wahres Meisterwerk, das viel mehr Beachtung verdient hätte. Manches steckt voller Dramatik, anderes strotzt nur so vor Witz. Die Symphoniker musizieren dabei mitreißend und voller Spielfreude. Auch in den rein orchestralen Kompositionen, Elmer Bernsteins fulminante Filmmusik zu den „Glorreichen Sieben“ ragt dabei besonders heraus, die fantastische Filmmusik zu „Das Boot“ von Klaus Doldinger und natürlich die in manchen Passagen fast schon kammermusikalisch anmutende Suite zu Nino Rotas „Der Pate“.

Der Sängerin Carry Sass scheint irgendwie alles zu liegen, mal ist sie Marlene Dietrich im Blauen Engel, dann wieder Edith Piaf in „La vie en rose“. Sie nimmt die Zuhörer auf die Filmreise mit, erinnert in ihrem Auftreten an Liza Minelli, manchmal auch an Ute Lemper, besitzt eine fantastische Ausstrahlung, kann auf eine ausgebildete Musicalstimme verweisen und beweist vor allem eines: Vielseitigkeit.

Cary Sass hatte an der Hochschule für Musik Hanns Eisler im damaligen Ost-Berlin studiert und war in der Folge unter anderem im Berliner Theater des Westens, im Deutschen Theater in München und am Opernhaus Graz engagiert. Ihre Paraderolle ist, wie könnte es auch anders sein, die der Sally Bowles im Musical „Cabaret“.

Das stand diesmal allerdings nicht auf dem Programm, dafür gab es bei den Zugaben Irvin Berlins „There is no business like showbusiness“ aus dem Musical „Annie get your gun“.  Interessant waren beim Neujahrskonzert auch die ständig wechselnden Outfits der Solistin. Ihr Markenzeichen sind die Pailletten und der lange Schlitz im Kleid. Aber auch in alle anderen Outfits macht die Sängerin eine gute Figur.

Bild: Stargast des Neujahrskonzerts mit den Hofer Symphonikern unter dem Dirigenten Hannes Ferrand in der Dr.-Stammberger-Halle war die Berliner Entertainerin Carry Sass.

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05.01.2018

Junge Musiktalente gesucht /
JSO Oberfranken startet an Ostern seine Oberfranken-Tournee

Bayreuth. Highlights der Konzertliteratur verspricht Till Fabian Weser, Dirigent des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken (JSO), für die Auftritte des Klangkörpers Ende März und Anfang April in Naila, Coburg und Stegaurach. Neben der Nussknacker-Suite von Peter Iljitsch Tschaikowsky stehen das Oboenkonzert C-Dur KV 314 von Wolfgang Amadeus Mozart sowie die 8. Symphonie von Anton Dvorák auf dem Programm. Noch haben junge Leute zwischen 14 und 21 Jahren die Chance, im Orchester mitzuspielen. Bewerbungsschluss ist der 25. Januar.

Till Fabian Weser spricht von einem traditionellem Programm, das wunderbar zusammenpasst. Warum sollte der „Nussknacker“ immer nur an Weihnachten gespielt werden, so der Dirigent, der das Stück seiner 15-jährigen Tochter widmet. Sie mag die Komposition ganz besonders mag und spielt selbst zum wiederholten Mal als Geigerin im Orchester mit. Tschaikowsky und Dvorak harmonieren besonders gut, sagt Till Fabian Weser, nach der 9. Symphonie zu seinem Einstand beim  JSO im Jahr 2013 hatte er deshalb für heuer die 8. Symphonie aufs Programm gesetzt.

Bleibt noch das Oboenkonzert von Mozart. Dafür konnte der Dirigent den jungen Solisten Robert Schina aus Bayreuth gewinnen. Der 19-Jährige studiert am Royal College of Music in London. Er war in den zurückliegenden Jahren nicht nur im Bayerischen Landesjugendorchester aktiv, sondern wirkte auch schon im Jugendsymphonieorchester Oberfranken mit. „Das Stück ist technisch gut zu realisieren, aber musikalisch sehr anspruchsvoll“, sagt Till Fabian Weser. Nicht nur für den Solisten, auch für die Streicher sei es ein großartiges Werk, um viele Aspekte des Zusammenspiels zu erlernen.

Till Fabian Weser leitet das Jugendsymphonieorchester Oberfranken seit 2013, im „Hauptberuf“ spielt er die Trompete bei den Bamberger Symphonikern. Der 52-Jährige bezeichnet das JSO gerne auch als Talentschmiede für junge Musiker aus allen Teilen Oberfrankens und würdigt das herausragende Engagement des Bezirks, das in dieser Form bayernweit einmalig sei.

„Das JSO steht im Zentrum der Arbeit unserer Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau“, sagt der oberfränkische Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler. „Ich bin sehr froh, dass wir mit Till Fabian Weser einen so außergewöhnlichen Dirigenten haben", so Denzler. Das Jugendsymphonieorchester Oberfranken wurde 1984 von dem Dirigenten und Musikpädagogen Professor Dr. Günther Weiß gegründet. Weitere Dirigenten waren Howard Golden und Raoul Grüneis.

Die Arbeitsphase beginnt diesmal am Samstag, 24. März im Schullandheim von Weißenstadt (Landkreis Wunsiedel). Dort werden nicht nur die ersten Proben stattfinden, auch die Nachwuchsmusiker sind dort bis zum Karfreitag untergebracht. Der Großteil der Tutti-Proben findet dann im Kurhotel von Weißenstadt statt. Dort wird am Karfreitag auch die öffentliche Generalprobe  über die Bühne gehen, ehe die kleine Orchestertournee durch Oberfranken startet.

Weitere Information und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es im Internet unter www.jso-oberfranken.de. Die Teilnahmegebühr beträgt 190 Euro, Geschwister zahlen jeweils 130 Euro. Unterkunft und Verpflegung im Schullandheim Weißenstadt sind inklusive.  

Die Konzerte des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken 2018:

Karsamstag, 31. März, 18 Uhr, Frankenhalle Naila

Ostersonntag, 1. April, 17:30 Uhr, Kongresshaus Rosengarten Coburg

Ostermontag, 2. April, 17:30 Uhr Aurachtalhalle Stegaurach

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08.12.2017

Wohlfühlklänge zum Weihnachtsfest / Gelungene Einstimmung auf das Fest: Ljubka Biagioni leitete Chor und Orchester der Sofia Symphonics in der ausverkauften Dr.-Stammberger-Halle

Kulmbach. Nichts von seinem Zauber verloren hat das Weihnachtskonzert mit Chor und Orchester der Sofia Symphonics unter der Leitung von Ljubka Biagioni, das mittlerweile schon im dritten Jahr in Folge stattfand und wieder für eine ausverkaufte Halle sorgte.

Weihnachten ohne Musik, das ist undenkbar. Nicht nur die ernste auch die feierliche und besinnliche Musik soll es sein. Sie vereint die ganze Familie, wie sonst während des Jahres nicht und sorgt für die perfekte Weihnachtsstimmung.

Mit einer geschickten Mischung von bekannten und selten gespielten Werken sorgten Musiker, Sänger und Dirigentin am Freitagabend für die perfekte Einstimmung auf das Fest. Wieder tauchen viele vertraute Klänge auf, wie etwa die Weihnachtslieder „The first noel“, „In dulci jubilo“ oder „Adeste Fideles“, dargeboten auf höchstem Niveau und moderiert von der Dirigentin persönlich.

Bei diesem hochkarätigen wie stimmungsvollen Konzert glaubt man beinahe, den Duft von Äpfeln und Nüssen zu vernehmen. So spannt das populäre Programm einen weiten Bogen von barocken Sätzen aus Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium, dem berühmten „Air“ aus der drittten Orchestersuite, oder Georg Friedrich Händels Messias“, über Klassiker und Romantiker wie Tschaikowskys „Nussknacker“ bis hin zu traditionellen deutschen und internationalen Weihnachtslieder, alles in wunderbaren Arrangements, bei denen sich Chor und Orchester abwechseln. Mit seinem hell timbriertem Tenor glänzt dabei der Michail Michailov in der Arie „Ich will nur dir zu ehren leben“ aus Bachs Weihnachtsoratorium. Die halsbrecherischen Koloraturen bewältigt er mühelos, genauso wie später die Arie „Tröste dich, mein Volk“ aus Händels Messias.

Diesmal hatte die Dirigentin mit einem geistlichen Teil begonnen, dem Gloria von Antonio Vivaldi. Eine kleine Messe für kleines Orchester, Chor und Solisten. Das musikalisch-technische Niveau des Orchesters ist dabei durchgängig hoch. Der souveräne Chor singt in wunderbar dezentem Piano transparent und schlank. Das ist Musik, die eigentlich in die Kirche gehört, aber gerade in der Adventszeit auch in den Konzertsaal passt.

Nach der Pause dann eher die optimistisch fröhlich stimmende Tempi mit großer emotionaler Wirkung, aber stets in makelloser Interpretation, auch wenn die mal etwas jazzig klingt, wie bei „Stille Nacht“ oder improvisiert, wie beim Solo des Pianisten. Während im ersten Teil nur etwa 25 Musiker auf der Bühne waren, wächst das Orchester im zweiten Teil auf rund 40 Musiker an.

Bild: Ljubka Biagioni leitete die Sofia Symphonics beim eindrucksvollen Weihnachtskonzert in der ausverkauften Dr.-Stammberger-Halle.

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03.12.2017

„Jauchzet, frohlocket!“: Hörbares Licht in der Winterzeit / Gelungene Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium in der Petrikirche

Kulmbach. Für Ludwig van Beethoven stand es fest: „Nicht Bach, Meer müsste er heißen“, Hector Berlioz meinte: „Bach ist Bach, wie Gott Gott ist“ und selbst Papst Benedikt XVI. bekannte, Johann Sebastian Bach sei das größte Geschenk der evangelischen Kirche an die Menschheit. Bei derart prominenter Fürsprache kann man eigentlich nichts falsch machen, mit einer Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium an einem 1. Adventssonntag. Und so setzte auch Dekanatskantor Ingo Hahn mit der Kulmbacher Kantorei wieder einmal die Kantaten 1 bis 3 und 6 auf den vorweihnachtlichen Spielplan. Eine trotz der Wetterkapriolen am frühen Sonntagabend gut gefüllte Petrikirche war ihm sicher und zusammen mit den rund 25 Musikern des Orchesters „Musica Juventa“ aus Halle und überaus versierten  Solisten gab es eine gelungene Aufführung des Werkes, das die Herzen berührt und das auszusprechen vermag, was durch Worte nur schwer gesagt werden kann.

„Wer singt, betet doppelt“, das war die Überzeugung von Kirchenvater Augustinus. Ganz unmittelbar berührt die Musik die Seele und bringt die Menschen in Resonanz. Musik wird damit zum Gottesdienst, weil sie die Kirche zum klingenden Raum macht. Noch dazu, wenn die Musik vom „Spielmann Gottes“ kommt, oder vom fünften Evangelisten, wie Bach auch oft bezeichnet wird. „Bachs Weihnachtsoratorium ist ein Synonym für Hoffnung, Freude, Glanz und gewissermaßen ein hörbares Licht in der Winterzeit“, sagt Ingo Hahn.

Johann Sebastian Bachs populäre Komposition erzählt die Weihnachtsgeschichte, wie sie im Lukas- und im Matthäus-Evangelium nachzulesen ist. Jede der insgesamt sechs Kantaten des Weihnachtsoratoriums hat seinen von den anderen Abschnitten unabhängigen Platz im Kirchengeschehen zwischen Weihnachten und Epiphanias, verstreut über die Festtage zweier Wochen. Die Bestimmung der Kantate, wie sie sich aus der Leipziger Praxis zu Bachs Zeit ergab, bestand darin, im Gottesdienst aufgeführt zu werden. Damit war die komponierte Musik Bestandteil des religiösen Ablaufs und mit diesem unlöslich verbunden.

Im jetzt und heute hat sich Bachs Musik freilich von ihrem liturgischen Kontext gelöst. Eine Konzertaufführung fügt das, was zu Bachs Zeiten in der Liturgie verankert und auf mehrere Feiertage verteilt war, zu einem neuen Ganzen zusammen. Das Weihnachtsoratorium hat längst unabhängig von seiner gottesdienstlichen Funktion ein Eigenleben als eigenständiges Oratorium entwickelt.

In der bestens ausgewogenen Aufführung fügten sich unter dem Dirigat von Ingo Hahn sämtliche Nummern der vier aufgeführten Kantaten nahtlos und in natürlichem Fluss ineinander. Einmal mehr musizierte das Orchester „Musica Juventa“ aus Halle überaus engagiert, absolut perfekt und nahe am barocken Originalklang. Sehr schön war dies beispielsweise in der stimmungsvollen Passage der langsamen, konzertanten Hirtenmusik zu Beginn der zweiten Kantate zu erleben. Dem Ensemble gelang es durchaus auch, den barocken Klang mit lebendiger, zeitgemäßer Gestaltung zu verknüpfen und vor allem mit der einzigartigen Bläservielfalt den verborgenen Geist des Werkes aufzuspüren. Dynamische Differenzierung und polyphone Abläufe kamen bestens zur Geltung, was an der hohen Transparenz liegt, die sowohl Chor, als auch Instrumentalisten auszeichneten.

Mit festlichem Schwung triumphierte die Kantorei nicht nur in den relativ zügig genommenen prächtigen Eingangschören etwa der ersten und sechsten Kantate auf. Vielmehr gelang es den Sängerinnen und Sängern, das vorgegebene Niveau während der gesamten vier Kantaten durchzuhalten. Neben den mit natürlicher Frische gesungenen Chorälen waren auch die großen Chorsätze in ihrer Präzision durchwegs bestens gelungen. Insgesamt wirkt die Interpretation nie unangemessen forciert, sondern folgt einfach dem musikalischen Impetus Bachs.

Trefflich besetzt waren die Partien der Solisten mit Nina Dörfler (Sopran), Carolina Bruck-Santos (Alt), Christoph Rösel (Tenor) und Markus Simon (Bass), die alle vier ein hohes Niveau erreichen. Eine zentrale Stellung nahm dabei Tenor Christoph Rösel ein, der die Rezitative des Evangelisten mit lockerer Tongebung und vorzüglich deklamierend sang. Halsbrecherische Koloraturen und einen wunderbaren Dialog mit der Flöte präsentiert er in seiner Bravourarie „Frohe Hirten“. Auch der Alt-Partie hat Bach einige eindrucksvolle Höhepunkte wie etwa die Arie „Schlafe, mein Liebster“ in die Noten geschrieben, die Carolina Bruck-Santos ausdrucksvoll und überzeugend interpretierte. Besonders gelungen war der Dialog mit der Ersten Geige in ihrer Arie „Schließe mein Herz“ aus der dritten Kantate. Vom Umfang her fällt die Sopranpartie am bescheidensten aus, doch konnte Nina Romy Dörfler mit ihrer schlanken Stimme ihren Arien ebenfalls Profil verleihen.  Mit strahlender und tragfähiger Stimme interpretierte schließlich Markus Simon seine Basspartien. Für einen Höhepunkt der Aufführung sorgte er mit der eindrucksvoll interpretierten Arie „Großer Herr, o starker König“.

Die Aufführung am Sonntag entließ die Zuhörer nicht nur froh gestimmt in die Weihnachtszeit, sondern hinterließ auch großen Eindruck, was am lange andauernden Beifall deutlich wurde. Zum Dank dafür wiederholten die Beteiligten noch einmal den Choral aus der sechsten Kantate.

Bild: Immer wieder ein eindrucksvolles Bild: Die Kulmbacher Kantorei und das Orchester „Musica Juventa“ bei der Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium am Sonntag in der Petrikirche.

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04.10.2017

Klug ausgewählte Kompositionen und passende Texte / Klavierabend mit Ingo Dannhorn und dem Rezitator Max Müller zu Ehren von Wilhelm Kempff

Thurnau. Es war ein überaus gelungener Auftakt für ein vielversprechendes Projekt: der Klavierabend mit dem Münchner Pianisten Ingo Dannhorn am Mittwochabend im Kutschenhaus von Schloss Thurnau. Dort wo in den Nachkriegsjahren Wilhelm Kempff, einer der größten Pianisten des 20. Jahrhunderts,  für fast zehn Jahre ein Zuhause fand, möchte Dannhorn, Professor an der Yonsei University Seoul, ein Kempff-Festival ins Leben rufen. Die Termine für das kommende Jahr stehen bereits und auch prominente Unterstützung ist gesichert. Neben Landrat Klaus-Peter Söllner hatte auch Mechthild Freifrau von Künßberg, eine Tochter von Wilhelm Kempff, die Schirmherrschaft übernommen.

Ingo Dannhorn setzt in seinen Interpretationen vor allem auf sensibles Gestalten mit einem warmen und runden Ton. Wichtig sind ihm Details und Nuancen, mit denen er dem Zuhörer einen Blick unter die Oberfläche ermöglichen möchte. Wilhelm Kempff hätte schon an der Programmauswahl seine wahre Freude gehabt. Das Publikum – es mussten alle verfügbaren Stühle herbeigeschafft werden, so groß war der Andrang - sitzt derweil im Halbdunkel, während die Protagonisten angestrahlt werden und so eine ganz eigenartige Stimmung entsteht.

Hauptwerk des Abends war zweifellos die Chaconne d-Moll (BWV 1004) von Johann Sebastian Bach in der Bearbeitung von Ferruccio Busoni. Ursprünglich für Solovioline komponiert hatte Busoni das vielleicht berühmteste Arrangement geschrieben, ohne sich von Bachs Vorlage zu weit zu entfernen. Er hatte die Virtuosität des Streichersatzes auf die Gegebenheiten des Tasteninstrumentes übertragen und Ingo Dannhorn schafft es in seiner Interpretation die Möglichkeiten des modernen Steingraeber-Flügels kongenial auszureizen und in atemberaubender Virtuosität zu Gehör zu bringen.

Virtuosität ist natürlich erst recht bei der Rigoletto-Paraphrase von Franz Liszt gefragt. Auch das kann Ingo Dannhorn, wenngleich auch hier Details eine wichtige Rolle spielen. Doch welch ein Gegensatz zu Ludwig van Beethovens d-Moll-Sonate op.31//2 mit dem Beinamen „Der Sturm“. Fast ein wenig unspektakulär geht Ingo Dannhorn hier zu Werke und lässt die Sätze ineinander übergehen. Wohltuend unaufgeregt ist das auf jeden Fall, ähnlich wie beim ersten Satz aus Mozarts G-Dur-Sonate, KV 283, gleich zu Beginn.

Fehlt noch der Choral aus der Bach-Kantate „Schafe können sicher weiden“ in der Bearbeitung von Egon Petri, die Ingo Dannhorn mit bemerkenswerter Leichtigkeit und in mildes Licht getaucht musiziert sowie das Impromtu op. 90/3 von Franz Schubert, in ruhigen, klaren Tempi, bedachtsam gespielt.

Der österreichische Schauspieler und Sänger Max Müller, hierzulande bekannt unter anderem aus der TV-Serie „Die Rosenheim-Cops“ steuerte dazu mit baritonaler Sprechstimme einige Originalschriften von Wilhelm-Kempff bei. Klug ausgewählte Texte aus seiner Autobiographie „Unter dem Zimbelstern“, aus seinem Reisetagebuch „Was ich hörte, was ich sah“, einen kaum bekannten „Brief aus Thurnau“ aus dem Jahr 1945 und einen Bericht über ein Treffen mit Albert Schweizer. Überaus passend ist das alles, zumal sich die folgende Komposition immer exakt auf den Text bezieht und Max Müller mit sympathischer Sprechstimme nicht nur liest, sondern intelligent gestaltet.

Bemerkenswert und nachdenklich lassen die beiden Künstler den Abend auch zu Ende gehen. Max Müller liest Wilhelm Kempffs berühmte Ansprach aus dem Jahr 1954 in der Friedenkirche zu Hiroshima und Ingo Dannhorn spielt darauf Kempffs stille und nachdenkliche Bach-Bearbeitung der  der berühmten „Siciliana“.

Ingo Dannhorn hatte bereits mit fünf Jahren begonnen, Klavier zu spielen. Noch als Kind wurde er am Salzburger Mozarteum in eine Hochbegabtenklasse aufgenommen. Nach Studien in München, Wien und Winterthur arbeitete er später als Solist und Kammermusiker arbeitete unter anderem mit den Sängern Francisco Araiza und Jose Cura sowie den Instrumentalisten Christian Altenburger und Maxim Vengerov zusammen. Selbst lehrte Dannhorn als Musikdozent für Klavier in Bremen, München, Augsburg und Wiesbaden sowie seit 2016 in Seoul.

Bilder: Ingo Dannhorn und Max Müller beim Auftaktkonzert zum Wilhelm-Kempff-Festival am Mittwochabend auf Schloss Thurnau.

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01.10.2017

Beruhigend, beschwingt und zutiefst empfunden / Marien-Erntedankkonzert mit Ellen Spiegel und Christoph Barth zum 50. Weihejubiläum von St. Michael

Goldkronach. Eigentlich gilt der Mai als Marienmonat. Doch marianische Vertonungen passen auch zum Erntedank. Das haben die Kölner Sängerin Ellen Spiegel und der Musiker Christoph Barth mit ihrem Marien-Erntedankkonzert zum 50. Weihejubiläum der katholischen St.-Michael-Kirche in Goldkronach am Sonntag eindrucksvoll bewiesen. Das Besondere an dem außergewöhnlichen Konzert war, dass die beiden Protagonisten Werke von der Gregorianik bis zur Moderne zur Aufführung brachten, darunter allein sieben „Ave-Maria“-Vertonungen verschiedener Komponisten.

Ellen Spiegel und Christoph Barth gelang es, die Zuhörer mit ihrer künstlerischen Virtuosität zu bezaubern. Mit ihrer schönen, vollen, raumfüllenden Stimme sang Ellen Spiegel zunächst ein „Salve Regina“ ohne Begleitung alleine als gregorianischer Gesang. Das „Ave Maria“ von Franz Schubert ist eines der bekanntesten Marienvertonungen, das Ellen Spiegel sehr bewegend und gefühlvoll vortrug. Viel dunkler, trotzdem sehr berührend klang das Ave Maria von Camille Saint-Saens ganz am Ende. Dazwischen gab es „Ave-Maria”-Vertonungen von Giulio Caccini, Gabriel Faure, Jehan Alain, Franceso Tosti und Cesar Franck, die jeweils eine andere Stimmungslage hatten und interessant zu vergleichen waren, zumal Ellen Spielegel und Christoph Barth in ihren Interpretationen auf viele Details achten.

Der volle Stimmumfang der Sängerin kam schließlich auch in den drei Kompositionen „Ave Generosa“ von Hildegard von Bingen, „Gabriels Greeting“ des zeitgenössischen Komponisten Barry Seaman und „Tota pulchra es“ von Robert Schumann sehr gut zur Geltung. Aufgelockert wurde der ungewöhnliche Konzertabend mit zwei Solostücke für Laute: einer „Toccata seconda arpeggiata” und der Komposition „Canario“ des italienischen Komponisten und prominentesten Vertreter von Kompositionen für Laute, Giovanni G. Kapsberger (1580 – 1651).

„Marianischen Vertonungen, egal welchen Jahrhunderts sind auf ihre eigene Art bezaubernd, beruhigend, beschwingt, aufbrausend, warmherzig, licht und, was sicher am Geist liegt, der ihnen innewohnt und alle Aspekte zusammenfasst: mütterlich“, sagt Ellen Siegel. Man hört deutlich, dass marianische wie auch andere christliche Werke von ihr nicht einfach nur musikalisch sehr gut vorgetragen, sondern zutiefst empfunden werden. Dadurch macht Ellen Spiegel ihre ganz persönliche und spirituelle Herzensverbindung spürbar.

Ellen Spiegel steht seit ihrem 14. Lebensjahr auf der Bühne. Aufgewachsen ist sie in einer Familie, in der das Erhalten von deutschen Volkstänzen und Volksliedern eine große Rolle gespielt hat. Auf Reisen hat sie in vielen Ländern Musik und Lieder gesammelt und eigene Arrangements geschrieben. „Meine Musik ist schlicht und leicht“, sagt sie selbst. Nicht nur Liebhaber der Volksmusik oder Folklore, sondern auch Zuhörer verschiedenster Genres wie Jazz, Chansons, Weltmusik oder Singer-Song-Writer lauschen ihr gerne.

Begleitet wurde die Sängerin von Christoph Barth auf der Theorbe, ein Lauteninstrument, deren bautechnisches Kennzeichen der zweite Wirbelkasten an einem verlängerten Hals ist. Er hatte Laute, Theorbe, Schulmusik und Philosophie studiert, war mehrmals Preisträger im Bundeswettbewerb „Schüler komponieren“ und spielt als Solist oder Mitglied von verschiedenen Ensembles Konzerte in ganz Europa. 2008 hatte er den „Förderpreis Alte Musik“ des Saarländischen Rundfunks erhalten.

Von einem Geschenk des Forums an die St.-Michaels-Gemeinde sprach Hartmut Koschyk, Gründungsmitglied und Motor des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums Schloss Goldkronach. Alle, die das Jubiläum mitgestaltet hatten, sollten sich eine Woche nach dem großen Festgottesdienst einmal entspannt zurücklehnen können.

Bilder oben: Ellen Spiegel und Christoph Barth führten zum Marien-Erntedankkonzert in Goldkronach allein sieben verschiedene “Ave-Maria“-Vertonungen auf.

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26.09.2017

Ausrufezeichen in der Kulturlandschaft Oberfrankens / Klangwunder für Lichtenberg: Haus Marteau bekommt für 3,2 Millionen Euro einen eigenen Konzertsaal

Lichtenberg. Der Konzertsaal in Blaibach im Bayerischen Wald hat weltweit für Furore gesorgt. Nun hat sich der renommierte Münchner Architekt Peter Haimerl daran gemacht, ein ähnliches Klangwunder für die Internationale Musikbegegnungsstätte Haus Marteau des Bezirks Oberfranken in Lichtenberg (Landkreis Hof) zu schaffen.3,2 Millionen Euro wird das ehrgeizige Vorhaben kosten, die ersten Konzerte sollen bereits Ende des kommenden Jahres stattfinden, jetzt trafen sich die Verantwortlichen zum ersten Spatenstich.

Es wird nicht irgendein Konzertsaal, das wurde einmal mehr bei der Präsentation der Pläne deutlich. Der Saal entsteht praktisch unterirdisch, ohne das Haus anzutasten. 80 bis 100 Zuhörer werden darin Platz finden. Und wenn schon einmal eine Baustelle eingerichtet und der Kurs- und Konzertbetrieb ausgelagert ist, dann werden auch gleich vier neue Übungsräume in bisherigen Lager- und Heizräumen im Untergeschoss der ehemaligen Künstlervilla sowie ein Aufzug eingebaut, um das Haus barrierefrei zu gestalten

Oberstes Ziel für den Architekten war es, das denkmalgeschützte Gebäude und auch den Park unangetastet zu lassen. „Das Haus Marteau wird in seiner Ursprünglichkeit erhalten“, sagte Haimerl. Der Saal werde sich der wunderbaren Landschaftsarchitektur unterordnen und aufgrund einer geschickten Oberflächenkonstruktion dennoch mit natürlichem Licht durchflutet werden.

Bisher fanden die Abschlusskonzerte der Kurse im Speisezimmer und in der Bibliothek des Hauses statt. Oft reichte der Platz nicht aus, manche Besucher hatten keine Sicht auf die Musiker und Zuhörer in angrenzenden Räumen klagten über die schlechte Akustik klagen.

„Das soll sich jetzt ändern“, versprach der oberfränkische Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Mit einem Bauwerk, das aus international wahrgenommen werden soll und das in Form eines Stollens unterirdisch gebaut wird. „Damit wollen wir ein Ausrufezeichen in der Kulturlandschaft Oberfrankens setzen“, so Denzler. Für den neuen künstlerischen Leiter Christoph Adt ist der Konzertsaal keine einfache Erweiterung, sondern eine totale Neuentwicklung. „Aus künstlerischer Sicht entsteht da ein völlig neuer Organismus“, so Adt, der sich besonders auf die starke Wirkung der Musik in völlig neuartiger Architektur freut.

Von einem Kleinod, das weithin ausstrahlt, sprach der Hofer Landrat Oliver Bär. Es sei bei weitem nicht selbstverständlich, dass der Bezirk das Haus in den 1980er Jahren erworben hat, als seine einzige Kultureinrichtung weiterbetreibt und sogar weiterentwickelt. „Durch das Haus Marteau kommt Leben in die Stadt“, sagte der Lichtenberger Bürgermeister Holger Knüppel und nannte das Haus eine in seiner Art und Weise bayernweit einzigartige Einrichtung.

Die internationale Musikbegegnungsstätte Haus Marteau gibt es seit 1982. Damals hatte der Bezirk Oberfranken die ehemalige Künstlervilla des weltberühmten Geigers und Komponisten Henri Marteau in Lichtenberg von Marteaus Tochter Mona Linsmayer-Marteau erworben. Nach umfassender Sanierung wurde in dem kurz vor dem Ersten Weltkrieg erbauten Landhaus eine Förderstätte für den hochqualifizierten internationalen Musiknachwuchs geschaffen. Seit mittlerweile 30 Jahren finden in dem stattlichen Anwesen, das bis zur „Wende“ einen Steinwurf vom damaligen Eisernen Vorhang lag, Meisterkurse für nahezu alle klassischen Musiksparten mit namhaften Dozenten statt.

Bilder:
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 Spatenstich für ein Millionenprojekt: direkt neben der Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau entsteht größtenteils unterirdisch ein neuer Konzertsaal.
- Architekt Peter Haimerl aus
München stellte die Pläne für den neuen Konzertsaal vor, der im Laufe des kommenden Jahres im Park der Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau realisiert wird.

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21.09.2017

Reformator statt Revolutionär / Frank Piontek beim Kulmbacher Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing über „Luther und die Musik“

Kulmbach. Wer kennt sie nicht: das Weihnachtslied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“, oder den Choral „Eine feste Burg ist unser Gott“. Den Schöpfer dieser und  vieler anderer Lieder feiert derzeit die ganze Welt. Er heißt Martin Luther und ist eigentlich eher für seine Sprachgewalt bekannt. Doch Luther hat auch eine nicht unbedeutende musikalische Seite. Ihr ist der Bayreuther Kulturpublizist Frank Piontek in einem eigenen Vortrag mit vielen Musikbeispielen am Donnerstagabend im Martin-Luther-Haus beim Kulmbacher Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing näher auf den Grund gegangen.

35 Lieder hat Luther gedichtet oder selbst komponiert. Für 14 hat er die Originalmelodien geschrieben, bei den restlichen 21 hat er eigene Texte auf fremde Melodien verfasst. Soweit die trockenen Fakten, die Piontek exakt recherchiert hat. Musik sei für Luther eine lebenslange Beschäftigung gewesen, er habe eine musikalische Ausbildung genossen, Lieder. Tänze, aber auch Kirchenmusik seiner Zeit kennengelernt und selbst Laute gespielt, wie das Erfurter Luther-Denkmal eindrucksvoll zeigt.

„Wer die Musica verachtet, …, mit dem bin ich nicht zufrieden.“ So ist ein Zitat Luthers überliefert, für den „die lieben Engelein“ Musikanten waren. Theologie sei für Luther nicht ohne die Musik denkbar gewesen, beides gehörte eng zusammen, so Piontek, der schon mehrfach beim Tutzinger Freundeskreis referiert hatte und für den der Luther-Vortrag eine echte Premiere war.

Eines habe Luther auf keinen Fall gehabt: Verständnis für mangelnde Musikalität bei Pfarrern, sagte Piontek. Luther habe Musik als Therapeutikum empfunden, auch wenn er manchen Text einfach nur auf einen gregorianischen Choral gesetzt hatte und damit nicht gerade zu den revolutionären Komponisten und Textdichtern gehörte. Doch Luther sei eben Reformator gewesen, sagte Piontek, kein Revolutionär. Deshalb sei es ihm auch nicht darum gegangen, die lateinische Messe abzuschaffen.

Wie aktuell die Komposition „Eine feste Burg ist unser Gott“ tatsächlich ist, machte Piontek daran fest, dass sie zahlreiche prominente Komponisten aufgegriffen und weiterverarbeitet haben. Johann Sebastian Bach etwa in seiner Reformationskantate, Bachwerkeverzeichnis 79, Felix Mendelssohn Bartholdy im Finale der Reformationssymphonie, Giacomo Meyerbeer zu Beginn des 5. Aktes seiner Oper „Die Hugenotten“, Max Reger in einer Vaterländischen Ouvertüre und Richard Wagner gleich zweimal: zu Beginn seiner Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ und im 1871 komponiertem Kaisermarsch zur Gründung des Kaiserreiches. Wagner sei Lutheraner gewesen, sagte Piontek. Luther sei für Wagner eine der herausragendsten Persönlichkeit überhaupt gewesen. Deshalb habe er nicht nur bei den Meistersingern den Choral versteckt, sondern ihn auch in seinem Kaisermarsch zum Angriffstext umfunktioniert.

Frank Pionteks Vortrag zum Ende der Luther-Dekade zeige, dass der Reformator viele Eigenschaften gehabt habe, sagte Bernd Matthes, Sprecher des Kulmbacher Arbeitskreises der Evangelischen Akademie Tutzing. Die nächste Veranstaltung des Zusammenschlusses findet am 12. Oktober um 19.30 Uhr, ebenfalls im Martin-Luther-Haus in der Waaggasse statt. Der frühere Dekan Jürgen Zinck wird unter dem Motto „Die vermessene Welt“ die Entwicklung von Weltkarten vorstellen.

Bild: Luthers Lieder stellte der Bayreuther Kulturpublizist Frank Piontek (rechts) beim Kulmbacher Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing zusammen mit dem Sprecher Bernd Matthes vor.

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20.09.2017

Country-Herzen schlugen höher / Konzert der Extraklasse: Mit den Bellamy Brothers gastierten echte Weltstars in der Dr.-Stammberger-Halle

Kulmbach. So gut wie kein Plakat, keine Werbung, nichts, und trotzdem ein seit Monaten ausverkauftes Haus mit Fans aus ganz Süddeutschland und dem benachbarten Ausland: das können nur echte Weltstars. Ausgerechnet in der Dr.-Stammberger-Halle gaben die Bellamy Brothers am Mittwochabend nahezu unbemerkt von der Kulmbacher Öffentlichkeit ihr derzeit einziges Deutschland-Konzert. Der Weidenberger Veranstaltungsagentur mit dem Namen „Kulttreff Zum Hans“, die wohl ein besonderes Verhältnis zu den Bellamys hat, war das es verdanken, ein Konzert auf derart hohem Niveau erleben zu dürfen, wie es sonst vielleicht in der Münchner Olympiahalle stattfinden würde.

Keine amerikanische Country-Gruppe hat so oft und so erfolgreich Countrymusik in Europa gespielt wie die Bellamy Brothers. Seit 1976 gehören sie zu den beliebtesten Country-Acts im deutschsprachigen Raum. Spätestens dann, wenn aus den Boxen „Let your love flow“ dröhnt, schlagen Country-Herzen höher. Die Bellamys gelten als Inbegriff des populären Country-Pop. Rund zwei Stunden dauerte der Kulmbacher Auftritt des US-amerikanischen Country-Duos mit Songs aus den vergangenen Jahrzehnten, aber auch das ein oder andere neue Stück war dabei.

Von Anfang an ging es Schlag auf Schlag mit den bekanntesten Liedern: „Beautiful body“, „Let your love flow“, „Redneck girl“, „Some broken hearts never mend“, „More of you“ oder ganz am Schluss „Crossfire“. Teilweise lassen die Bellamys die Songs ineinander übergehen, Moderation oder große Ansage, das gibt es bei den Bellamys nicht. Howard singt und spielt meist mit geschlossenen Augen, und David hat seinen Cowboyhut so tief ins Gesicht gezogen, dass man ihm kaum in die Augen blicken kann.

Der Sound war bestens, vor allem die Perfektion der aus Florida stammenden Musiker war überwältigend. Nicht nur für Country-Fans ein Konzert der Extraklasse. Den Hitreigen hatten die Bellamys mit dem Welthit „Feeling the feeling“ eröffnet und schon war das Eis in Kulmbach gebrochen: das Publikum sang nahezu jeden Song mit, klatschte, tanzte im Takt und feierte ausgiebig. Insgesamt klingen die meisten Titel heute moderner, leicht rockiger, als auf den Platten von damals. Kein Fan muss aber auf den typischen „Bellamy-Brothers-Sound“ verzichten, dafür sorgt schon die ausgezeichnete Band im Hintergrund.

Über 40 Jahre stehen die Bellamy Brothers auf den Bühnen dieser Welt, aktuell gibt es ein Doppelalbum, das 20 der guten alten Hits mit 20 neuen Songs kombiniert. Seit das Duo in den 1970er Jahren mit dem Megahit „Let Your Love Flow“ (wer denkt in Deutschland nicht an die deutsche Coverversion „Ein Bett im Kornfeld“ von Jürgen Drews?) in ganz Europa für Furore sorgte und auf Platz 1 der Billboard 100 landete, haben sie sich kontinuierlich eine feste Fangemeinde aufgebaut. Fast jedes Jahr sind sie irgendwo auf einem Country- oder Trucker-Festival in Deutschland unterwegs und spielen bei unzähligen Konzerten ihre großen Hits. Heute können sie unter anderem auf etwa 30 Studioalben und insgesamt rund50 Songs in der Country-Hitparade blicken, von denen acht die Nummer 1 erreichten.

Mit 71 Jahren (Howard) und 67 (David)  gehören die Bellamys übrigens noch lange nicht zum alten Eisen. Das bewies eindrucksvoll die Show, das zeigen die neuen Songs und sogar eine Autobiografie gibt es unter dem Titel: „Let Your Love Flow – The Life & Times of the Bellamy Brothers“. David Bellamy beschreibt darin seinen Bruder und sich als von der Countrymusik geprägt. Auch die derzeitige Tour hat es in sich: da geht es auf die Faröer-Inseln, in die Schweiz, nach Dubai, Singapur und Irland und nächste Woche schon wieder nach Texas.

Zuvor gab es die Band „Texas Heat“ aus Oldenburg als Vorgruppe. Die vier Musiker plus Frontfrau spielten aktuelle Texas Music und Country Rock aber auch schon mal ein Johnny-Cash-Tribute und einige eigene Songs. Bandleader Bernd Wolf und Sängerin Elisabeth „Elli“ Erlemann legten sich dabei mächtig ins Zeug und bewiesen, dass sie durchaus großes Format in der modernen Country-Szene haben.

Bilder: Country-Musik im Weltklasseformat: die Bellamy-Brothers bei ihrem Auftritt in der Kulmbacher Dr.-Stammberger-Halle.

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13.08.2017

Außergewöhnliche Klangerlebnis auf landestypischen Instrumenten /
Standing Ovations für Thailändisches Sean-Quartett

Goldkronach. Unter dem Motto „Das Licht des Lampion“ ist es dem Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach erneut gelungen, für einen musikalischen Höhepunkt im Jahreslauf zu sorgen. Vier herausragende Musiker, die zusammen das E-Sean Quartett der Madihol Universität Thailand bilden, gastierten am Sonntagabend in der Evangelischen Stadtkirche mit Ethnomusik und traditionellen Tanzliedern aus dem Nordosten Thailands. Das Quartett nimmt derzeit am 67. Festival Junger Künstler in Bayreuth teil.

So ungewöhnlich wie Musik, Gesang und Tanz waren auch die Instrumente. Sie heißen Kaen (asiatische Mundorgel), Pong Lang (eine Art Xylophon), Pin (Laute) und Glong (Trommel). Zusammen sorgen sie für ein fremdartiges, aber überaus mitreißendes Klangbild, das einen lebendigen Eindruck vom kulturellen Leben in Thailand abseits der touristischen Zentren vermittelt.

Das E-Sean-Quartett wurde von Dozenten und Studenten des College of Music der Madihol Universität und der Konkaen Universität gegründet. Alle vier Mitglieder sind zusätzlich solistisch tätig und haben schon zahlreiche Preise für ihre Interpretation der thailändischen Volksmusik in Asien erhalten. Die Musiker heißen Sanong Klangprasri, Tiontrakul Kaewyong und Niramit Seehanoo, Molamsänger, also Interpret der traditionellen Volkslieder, ist Chirayu Sutrachai. Organisatorischer Leiter des Ensembles ist Pawar Ouppatjumchua.

Sie alle brachten den Zuhörern lebhafte und beschwingte Melodien auf den landestypischen Instrumenten näher, wie sie hierzulande kaum live zu erleben sind. Das Publikum in der vollbesetzten Stadtkirche honorierte das außergewöhnliche Klangerlebnis am Ende mit Bravo-Rufen und Standing Ovations.

Zuvor hatte Goldkronachs 2. Bürgermeister Klaus-Dieter Löwel das Festival Junger Künstler als ganz herausragende Veranstaltung bezeichnet, weil es hier möglich sei, dass junge Leute aus der ganzen Welt miteinander friedlich Musik machen. Am 67. Festival Junger Künstler nehmen in diesem Jahr nach den Worten von Intendantin Sissy Thammer 450 junge Musiker aus 30 Nationen teil. Zusammengerechnet werden sie rund 80 Konzerte in der Region veranstalten.

Gast in Goldkronach war auch der thailändische Botschafter Dhiravat Bhumichitr zusammen mit der Kulturbeauftragten der thailändischen Botschaft Manusavee Monsakul. Der Botschafter hatte alle Besucher des außergewöhnlichen Konzerts im Anschluss zu einem Empfang in das Meister-Bär-Hotel eingeladen. Dazu gab es thailändische Spezialitäten, die ein Berliner Koch vor Ort zubereitete.

Botschafter Bhumichitr machte den Gästen dabei sein Land im wahrsten Sinne des Wortes schmackhaft. Er pries allerdings nicht nur die kulinarischen Köstlichkeiten oder die schönen Strände und Inseln im Süden des Landes an, sondern auch die außergewöhnliche kulturelle Vielfalt mit Gesang und Tanz, die sich mit Geschichte und Volkskultur zu einer ganz besonderen Form der Musik vereint.

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11.07.2017

Plateauschuhe, Schlaghosen und die Hits der 70er / Abbafever bringen die schwedische Kultband auf die Plassenburg

Kulmbach. Mit Songs wie „Mamma Mia“, Dancing Queen“ oder „Super Trouper“ haben Agnetha, Anni-Frid, Benny und Björn als Kultband Abba weltweit die Charts erobert. Zum Auftakt der Plassenburg-Open-Airs 2017 ließ die Hamburger Formation „Abbafever“ vier Jahre nach ihrem letzten Auftritt in Kulmbach am Dienstagabend die Kultsongs der 70er Jahre wieder lebendig werden.

180 Millionen verkaufte Platten und 21 Top-Ten-Hits allein in Deutschland: in den rund zehn Jahren ihres Bestehens hat Abba alle Rekorde gebrochen, vergleichbar allenfalls noch mit den Beatles oder mit Elvis Presley. Genauso wie bei den Beatles und bei Elvis der Fankult ungebrochen ist, war auch Abba eigentlich nie richtig weg. Seit mittlerweile über 15 Jahren hat Abbafever in wechselnden Besetzungen das Erbe dieser einzigartigen Formation angetreten. Mit mehr als 100 Konzerten pro Jahr im In- und Ausland entwickelte sich die Show der sieben Hamburger vom Geheimtipp zur absoluten Nr. 1 der Abba Tribute Shows.

So etwa muss es gewesen sein: ein Live-Konzert des legendären Pop-Quartetts. Über zweieinhalb Stunden lang interpretierte „Abbafever“ fast alle großen Hits der vier Schweden gekonnt, perfekt und vor allem so mitreißend, dass es schon nach wenigen Minuten keinen mehr auf seinem Sitz hielt. Mitmachen, mitsingen und mittanzen sind angesagt, und schon ist die Lebensfreude aus den 70ern wieder zurück. Stundenlang hätte es noch so weitergehen können, das Abba-Repertoire hätte das hergegeben und langweilig ist keine einzige der Nummern.

Große Titel wie „Gimme, Gimme, Gimme“ oder „Money, Money, Money“ gaben Abbafever zum Besten und führte die Zuhörer auf eine kleine Zeitreise. Emotional, rockig und poppig, auch das grelle Bühnenbild und die an Abba angelehnten Disko-Outfits der Akteure sollte so richtig zum Flair passen. Nette Einfälle hatten die Musiker auch: da erklangen seltene Titel wie „Nina Pretty Ballerina“, späte Nummern wie „One of us“, da gab es leuchtend bunte Disko-Stäbchen für alle und kaum war der letzte Ton von „Thank you for the music“ verklungen, schrieb die Band sogar noch Autogramme.

Hinter Abbafever stecken die beiden Sängerinnen Anja Bublitz als Agnetha und, neu, Isobel Davies als Anni-Frid. Stimmlich nah am Vorbild können die beiden gut mit den Originalen mithalten. Doch darauf kommt es eigentlich gar nicht so an, denn die beiden interpretieren die zeitlosen Abba-Songs wie „Eagle“, „S.O.S.“ oder „Does your mother know“ musikalisch perfekt und mit mitreißender Energie. Man sieht der Band an, dass ihr der Auftritt Spaß macht und man merkt die Spielfreude auf der Bühne.

Ergänzt werden die beiden Frontfrauen von einer fünfköpfigen Band mit Keyboarderin Merih Aktoprak, den Gitarristen Johannes Beetz, der tatsächlich aus Kronach stammt, und Axel Roesler, dem Drummer Rainer Brockmann sowie den Bassisten Heiko Behrendt. Natürlich sind alle wahre Könner auf ihren Instrumenten. Sie alle waren bereits in den verschiedensten Formationen aktiv und haben sich mittlerweile komplett mit dieser Musik identifiziert. Freilich, eigene Interpretationen der Abba-Songs gibt es kaum, Abba Fever ist eine reine Cover-Band, deren Ziel es ist, möglichst nah am Original zu sein, und das sind sie allemal.

Bilder: Abbafever rockte zum Auftakt der Open-Airs die Plassenburg.

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22.05.2017

Russlanddeutsche feiern 500 Jahre Reformation / Historische Zeitreise mit Dichtern und Musikern in der Bayreuther Stadtkirche

Bayreuth. Eigentlich ist es ein Weihnachtslied, aber es ist gleichzeitig auch eines der bedeutendsten Lieder Martin Luthers und ein Lied mit einer zutiefst evangelischen Botschaft: „Vom Himmel hoch, da komm ich her“. Der Titel des Liedes war gleichzeitig auch das Motto für ein außergewöhnliches Konzert, das der Internationale Verband der deutschen Kultur zum 500. Jahrestag der Reformation am Montagnachmittag in der Stadtkirche veranstaltet hat.

In einer Zeit der großen Verunsicherung ist die frohe Botschaft des Luther-Liedes wichtig und zeitlos, sagte Stadtkirchenpfarrer Martin Kleineidam. „Vom Himmel hoch“ stehe aber auch für deutsches Kulturgut mit völkerverbindendem Charakter. Genau das bestätigte auch Olga Martens, erste stellvertretende Vorsitzende des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur. „Der Glaube hat uns geholfen, unsere Identität als Deutsche zu erhalten“, sagte sie. Damit sei der Glaube auch ein wichtiger Teil der russlanddeutschen Identität und deshalb werde das Jubiläum 500 Jahre Reformation auch von Russlanddeutschen so herausgehoben gefeiert.

Das Reformationsgedenken sei eine wichtige Brücke zwischen Deutschland und Russland sagte Hartmut Koschyk, Bayreuther Bundestagsabgeordneter und Bundesbeauftragter für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten. „Der christliche Glaube ist, war und bleibt eine ganz wichtige Stütze für die Identität der Russlanddeutschen“. Besonders hob Koschyk hervor, dass das Reformationsgedenken auch in Russland im ökumenischen Geist gefeiert werde, sowohl mit der katholischen, als auch mit der russisch-orthodoxen Kirche.

Bereits zu Lebzeiten Martin Luthers war in Moskau die erste protestantische Kirche entstanden. Noch zu Beginn des 20 Jahrhunderts hatte es in Russland vier Millionen Lutheraner und rund 2000 Lutherkirchen gegeben. Mit der Revolution 1917 wurde das lutherische Leben verboten, die Kirchen wurden abgerissen oder als Getreidelager, Viehställe und Clubs genutzt.

Beim Literatur- und Musikabend anlässlich des Jubiläums 500 Jahre Reformation gab es zeitgenössische und klassische Kompositionen sowie Lyrik russlanddeutscher und deutscher Poeten. Ausführende waren bekannte und ausgezeichnete russlanddeutsche Künstler wie der Akkordeonspieler Friedrich Lips, die Pianistin Julia Kuzmina, das Trio des Komponisten und Pianisten Kirill Richter, das Quartett „Rudemus“ aus Augsburg sowie die Opernsängerin Natalie Ritter auf. Sie alle waren bereits Preisträger internationaler Musikwettbewerbe, Für den poetischen Rahmen sorgten die russlanddeutschen Schauspielerinnen Irina Lindt und Anastasija Alexandrowa, die Moderation übernahmen die russlanddeutschen Schauspieler Anna Bagmet und Jurij Diz.

Um die Reformation geht es auch in dem Buch „Vom Himmel hoch, da komm ich her“, das eindrucksvoll Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der lutherischen Kirchen in Russland dokumentiert. In dem stattlichen Bildband sind in Form von künstlerisch bedeutsamen zeitgenössischen Gemälden russlanddeutscher Künstler und wertvollen Dokumentarfotos lutherische Kirchen oder das, was davon übrig blieb, aus Moskau, St. Petersburg und anderen Regionen Russland jeweils mit kurzen Erklärungen auf Russisch und auf Deutsch zu sehen.

Sämtliche Gemälde waren im Rahmen eines großangelegten Projektes entstanden, das durch den Internationalen Verband der deutschen Kultur realisiert wurde. Das „Art-Laboratorium  russlanddeutscher Künstler“ hatte im zurückliegenden Jahr eine Expedition ins Wolgagebiet unternommen und Anfang des laufenden Jahres die Großstädte besucht. Das „Art-Laboratorium“ gehört zur Künstlervereinigung der Russlanddeutschen, die mit Unterstützung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur gegründet wurde. Sämtliche Gemälde sind derzeit auch in einer kleinen Ausstellung in der Stadtkirche zu sehen. Die Schau wurde bereits in Moskau gezeigt.

Olga Martens (Hrg.), Olga Litzenberger: „Vom Himmel hoch, da komm ich her …“, 120 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen, ISBN 978-5-9907537-5-4

Bilder oben:
- Nur von der Orgel begleitet sang das Ensemble „Rudemus“ mit Aljona Geiser, Larissa Beller und Tatjana Zieher Wolfgang Amadeus Mozarts „Laudate Dominum“.
- Der Maler Dmitri Geweiler, Olga Martens, erste stellvertretende Vorsitzende des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur und Herausgeberin der Moskauer Zeitung, der Bundesbeauftragte Hartmut Koschyk und Stadtkirchenpfarrer Martin Kleineidam (von links) stellten das Buch „Von Himmel hoch, da komm ich her“ vor und eröffneten die gleichnamige Ausstellung.

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21.05.2017

Luthers Katechismus in Wort und Ton / Bezirksposaunenchor, Dekan Thomas Kretschmar und Ingo Hahn an der Orgel gestalteten feierliches Programm zum Kleinen Katechismus

Kulmbach. Posaunenchöre und evangelische Kirche, das gehört untrennbar zusammen. „Es ist unser Markenzeichen“, sagt Dekan Thomas Kretschmar. Genauso wie der Kleine Katechismus das Markenzeichen der evangelischen Kirche ist. Um den Kleinen Katechismus, eine Einführung in den christlichen Glauben, die Martin Luther 1529 verfasst hatte, ging es bei einem ganz besonderen Bläserkonzert am frühen Sonntagabend in der St.-Petri-Kirche. Kompositionen aus der späten Renaissance bis in die Gegenwart für Bläserformationen und für die Orgel wechselten sich ab mit Wortbeiträgen, in denen Dekan Kretschmar Ausschnitte aus Luthers Erklärungen zu den Hauptstücken des Katechismus erläuterte.

Das feierliche Bläserkonzert zeigte aber auch, dass die Reformation immer etwas mit Musik zu tun hat. Ihr Gelingen hing entscheidend davon ab, wie Luthers Ideen einer breiten Öffentlichkeit vermittelt werden. So zum Beispiel durch erste Liedsammlungen und Gesangbücher in deutscher Sprache. Einzelne Lehrstücke wurden dabei in gedichteter Form dargestellt. Der Katechismus etwa, den Luther für die Einübung des Glaubens als Großen Katechismus für Geistliche und als Kleinen Katechismus für „Hausväter und Hausmütter“ herauszugab.

„Mit dem Kleinen Katechismus sollten alle den neuen Glauben lernen“, sagte Dekan Kretschmar. Er erinnerte auch daran, dass die Reformation in Kulmbach 1528 eingeführt wurde, ein Jahr später hatte Luther den Katechismus verfasst. Nach den Worten des Dekans wollte Luther, dass alle Gläubigen den Katechismus auswendig beherrschen. Doch heute, so bedauerte Kretschmar, lernten junge Leute kaum noch etwas auswendig, sie könnten ja auch googeln.

Erste Drucklegungen des Kleinen Katechismus waren als Plakate zum Aushang in Kirchen und Schulen gestaltet. Sie umfassten die Kernstücke des Glaubens, also die zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser, die Taufe, das Abendmahl und als Anhang  die Beichte. Luther formulierte diese Hauptstücke des Glaubens in knappen Darlegungen anhand wichtiger Bibelzitate als Fragen und Antworten.

Der Bezirksposaunenchor des Kulmbacher Dekanats unter Leitung von Andreas Dietz wurde bei dem Konzert von Dekanatskantor Ingo Hahn an der Orgel unterstützt. Andreas Dietz hatte ganz besondere Kompositionen herausgesucht, viel Zeitgenössisches, etwa die wuchtige Reformationsfanfare von Dieter Wendel, die mit mächtigen Hammerschlägen eingeleitet wurde, die schwungvoll mitreißende Vertonung des 139. Psalms „Ich sitze oder stehe“ des Ansbacher Kirchenmusikers Helmut Lammel, oder den kuriosen „Tango aferado“ von Thomas Riegler, der den Zusammenhang von Tanz und Glaube zeigt. Wann gibt es schon mal einen Tango in der Kirche zu hören?

Das alles und noch viel mehr musizierten die 25 Bläser des Bezirksposaunenchors, der eigentlich ein gemischtes Bläserensemble ist, absolut souverän, homogen und transparent. Auch höchst anspruchsvolle Kompositionen wie etwa die eindrucksvollen Klangwelten eines Hans Leo Haßlers aus der späten Renaissance bewältigen die Musiker überaus professionell. Leiter Andreas Dietz lässt dabei keinen Leerlauf aufkommen und gestaltet die Übergänge vom Orgel-Solo auf den Posaunenchor nahezu lückenlos. Der Bezirksposaunenchor ist ein projektorientierter Zusammenschluss verschiedener Posaunenchöre des Dekanats Kulmbach. Andreas Dietz ist seit 2004 aktiver Bläser im Posaunenchor Wirsberg, den er seit 2005 leitet.

Die ausgesuchten Orgelkompositionen musiziert Dekanatskantor Ingo Hahn eindrucksvoll. Unter den Kompositionen ragt besonders ein spirituell unterlegtes Werk des estnischen Komponisten Arvo Pärt mit dem Titel „Pari intervallo“ hervor. Aber auch in den Klassikern, wie den Choralsätzen von Johann Sebastian Bach oder Johann Pachelbels Choralvorspiel zu Luthers Text von „Ein feste Burg ist unser Gott“, lässt Ingo Hahn virtuos und subtil artikuliert die Klangpracht der Rieger-Orgel von St. Petri erklingen.

Bilder:
1. Der Bezirksposaunenchor des evangelischen Dekanats Kulmbach unter Andreas Dietz bestritt das Katechismus-Konzert in der St.-Petri-Kirche.
2. Dekan Thomas Kretschmar erläuterte Luthers Kleinen Katechismus mit zahlreichen Wortbeiträgen.

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11.05.2017

Europäischer Bogen von Assisi nach Bayreuth / Eindrucksvolle Aufführung des Musicals Chiara di Dio“ im Zentrum

Bayreuth. Seine Musicals und sein gesamteskünstlerisches Schaffen stehen im Zeichen der christlichen Botschaft. Carlo Tedeschi, Komponist, Autor und Leiter der von ihm gegründeten Akademie für Kunst und berufliche Bildung. 2004 hatte er das Musical „Chiara di Dio“ über die Heilige Klara, die den Heiligen Franz von Assisi unterstützte und als Begründerin des Klarissen-Ordens gilt, geschrieben. Das erfolgreiche Musical wird regelmäßig im „Teatro Metastasio“ in Assisi gezeigt, fast eine halbe Million Menschen haben es bereits gesehen. Am Donnerstag machte es Station im „Zentrum“ von Bayreuth. Das Ensemble ist zum gerade zum ersten Mal auf Konzerttour in Deutschland und gastiert neben Bayreuth gleich zwei Mal im Pfefferberg-Theater in Berlin. Das Gastspiel in Bayreuth war durch den Verein „Gesellschaft für Kultur und Begegnung der Freunde der Region Assisi“ zustande gekommen.

Die Bayreuther Aufführung bestach vor allem durch ihre aufwändige Choreographie, die tänzerischen Einlagen, die raffinierte Lichttechnik und die zahlreichen Projektionen. Wenn die Musik auch vom Band kam, so sangen sämtliche Darsteller des fast 25-köpfigen Ensembles live mit hervorragenden Musical-Stimmen, allen voran die 23-Jährige Albatea Internulla als Chiara und der 27-jährige Francesco Troilo als Franziskus. Immer wieder gab es vor allem nach den großangelegten Ensembleszenen begeisterten Zwischenapplaus, am Ende sogar Standing Ovations.

Musikalisch besteht das Werk aus einfühlsamen Songs, gängigen Pop-Nummern und mitreißenden Chorszenen. Dem Komponisten ging es dabei weniger um Effekte - die ergaben sich von selbst -  sondern vielmehr um historisch belegbare Quellen des Glaubens. Auch ohne Italienisch-Kenntnisse war es möglich, den Handlungssträngen zu folgen, lediglich bei den zahlreichen Dialogen musste man ohne entsprechende Sprachkenntnisse Abstriche machen. Die Sprache der Musik ist ohnehin international und wird nahezu überall verstanden.

Das Musical soll einen europäischen Bogen von Assisi nach Bayreuth spannen, sagte der Mitinitiator, Bundestagsabgeordneter Hartmut Koschyk. Neben zwei Schulpartnerschaften des Gymnasiums Pegnitz, sowie der Gesamtschule Hollfeld, jeweils mit Schulen in Assisi habe sich der Verein vor allem auch den kulturellen Austausch auf die Fahnen geschrieben. Für die Realisierung der Aufführung in Bayreuth waren vor allem Michael Benz, Thomas Konhäuser und Patrick Lindthaler, alle vom Verein „Gesellschaft für Kultur und Begegnung der Freunde der Region Assisi“, verantwortlich.

Komponist Carlo Tedeschi erzielte 1986 mit dem von ihm geschriebenen und auch aufgeführten Musical „Sicuramente amici“ einen großen Erfolg. Im gleichen Jahr verstarb der Italiener Leo Amici, Förderer zahlreicher sozialer Projekte in Italien. Tedeschi setzte dessen soziales und humanitäres Werk gemeinsam mit Maria Di Gregorio fort und leitet seitdem die Stiftung „Fondazione Leo Amici“, die ihren Sitz in Monte Colombo bei Rimini hat. Dieser Ort wurde geschaffen, damit junge Menschen, die aus einem schwierigen sozialen Umfeld stammen, dort ihr Potenzial entfalten können. Er beruht auf den Werten Frieden, Liebe und Brüderlichkeit und umfasst verschiedene soziale Einrichtungen.

Der Verein „Gesellschaft für Kultur und Begegnung der Freunde der Region Assisi“ wurde 2012 auf Initiative des Bayreuther Landrats Hermann Hübner und des Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk gegründet. Ziel ist die Förderung der Beziehungen zwischen der Stadt und dem Landkreis Bayreuth mit der Stadt und der Region Assisi auf allen Gebieten, insbesondere im politischen, wirtschaftlichen, religiösen, kulturellen und wissenschaftlichen Bereich. Ebenso sollen die Beziehungen zwischen Oberfranken und der Region Umbrien gefördert werden. Auch ist es Vereinszweck, regelmäßige Begegnungen zwischen Vertretern beider Städte und Regionen vorzubereiten und durchzuführen.

Bilder: Eine aufwändige Choreographie, viele tänzerische Einlagen und die raffinierte Lichttechnik zeichneten die Aufführung des Musicals „Chiara di Dio“ in Bayreuth aus.

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06.05.2017

Champions-League der jungen Stargeiger / Lorenz Chen aus Freiburg gewinnt 6. Henri-Marteau-Violinwettbewerb

Hof/Lichtenberg. 134 junge Geiger aus 25 Ländern hatten sich angemeldet, 102 sind angetreten, zwölf von ihnen haben sich in einer viertägigen ersten Runde durchgesetzt. Nach dem Finale stehen die drei Sieger fest: Den 1. Platz erreichte Lorenz Chen aus Freiburg. Der 23-Jährige erhält damit als Sieger des  6. Internationalen Violinwettbewerbs Henri Marteau für seine außergewöhnliche und überzeugende Leistung ein Preisgeld von 10000 Euro, gestiftet von der Wilo-Foundation, sowie eine CD-Produktion mit dem Bayerischen Rundfunk.

Auf den 2. Platz spielte sich Yukino Nakamura aus Japan. Die 21-jährige kann sich über 7500 Euro Preisgeld freuen, das von der Oberfrankenstiftung zur Verfügung gestellt wurde. Den 3. Platz belegt der 24-jährige Stepan Starikov aus Russland, der 5000 Euro, gestiftet vom Freundeskreis Haus Marteau, für seine hervorragende Leistung erhielt.

Bei dem Wettbewerb wurden außerdem mehrere Sonderpreise vergeben, die mit jeweils 1000 Euro dotiert waren: Den Magister-Wilfried-Schönweiß-Preis für die beste Interpretation einer Komposition von Max-Reger gewann Tatjana Roos aus Großbritannien, die sich auch den Sonderpreis für die beste Mozart-Interpretation sichern konnte. Den ebenfalls mit 1000 Euro dotierten Publikumspreis erspielte sich der Erstplatzierte Lorenz Chen. Der Dr.-Günter-Bendorf-Gedenkpreis für die beste Henri-Marteau-Interpretation ging an Marie-Astrid Hulot aus Frankreich und der Wolfgang-Winkler-Gedenkpreis für die beste Bach-Interpretation an Moritz König aus Deutschland.

Über einen ganz besonderen Preis darf sich Martin Zayranov aus Bulgarien freuen: er bekommt als Leihgabe für drei Jahre eine Kopie der berühmtem Maggini-Geige Henri Marteaus. Auch elf Violinschüler der Musikschule der Hofer Symphoniker durften während der Endrunden einmal richtige Jury sein und wählten unter den sechs Finalisten ihren Favoriten. Den Jugendjurypreis, der mit 500 Euro versehen ist, erspielte sich dabei die Zweitplatzierte Yukino Nakamura.

Der Gewinner Lorenz Chen, Schüler von Julia Fischer und Ana Chumachenco an der Hochschule für Musik und Theater in München, zeigte beim Abschlusskonzert mit den Hofer Symphonikern unter der Leitung von Elias Grandy, dass er völlig zu Recht den Gesamtsieg davon trug. Er hatte sich dazu das Violinkonzert D-Dur op. 35 von Peter Tschaikowsky ausgewählt, das er hochkonzentriert und absolut virtuos musizierte und dabei viele Feinheiten und Details kenntnisreich herausarbeitete. Mit großem künstlerischen Ernst, echter Zuneigung und großer Sorgfalt musiziert Lorenz Chen kraftvoll zupackend und erhält dafür schon nach dem ersten Satz Bravo-Rufe.

Zwei lange und anstrengende Vorrunden lagen hinter den Teilnehmern, ehe der Juryvorsitzende Gilbert Varga die Finalisten am Freitagabend bekannt gegeben hatte. Die Vorrunden fanden im Haus Marteau, der Internationalen Musikbegegnungsstätte des Bezirks Oberfranken und früheren Wohnstätte des berühmten Geigers und Komponisten Henri Marteau, in Lichtenberg statt. Marteau hatte sich dort auch immer wieder der Lehre verschrieben und gab Unterricht und Meisterkurse.

Der Intension nachgehend hatte der Freundeskreis der Musikbegegnungsstätte Haus Marteau 1999 beschlossen, dem Meister zu Ehren einen Violinwettbewerb im dreijährigen Turnus auszutragen. Und so fand der Wettbewerb zunächst ehrenamtlich organisiert, seit 2005 unter der Leitung der Hofer Symphoniker und unter der Trägerschaft des Bezirks Oberfranken mittlerweile zum 6. Mal in Lichtenberg, beziehungsweise in Hof statt.

Bezirkstagspräsident Günther Denzler nannte den Wettbewerb einen kulturellen Glanzpunkt, der weit in die Welt hinausstrahle. „Es ist uns wichtig, dass der Wettbewerb in der Region verankert ist“, sagte Denzler. So sei es eine der Besonderheiten, dass sämtliche Teilnehmer in Gastfamilien untergebracht sind. Das sei für einen derartigen Wettbewerb einmalig. Auf eine andere Besonderheit wies Juryvorsitzender Gilbert Varga hin. So sei es üblich, dass alle ausgeschiedenen Teilnehmer nicht einfach davongeschickt werden, sondern ein umfangreiches Feedback aus den Reihen der Jury bekommen.

Allein schon die Besetzung der zehnköpfigen Jury zeigte das große Format des Wettbewerbs: Die bulgarische Geigerin Albena Danailova oder der österreichische Geiger Michael Frischenschlager  gehörten genauso dazu, wie die renommierten Lehrmeister Igor Ozim oder Ilya Kaler. Auch die Klavierbegleiter Lauma Skride und Tomoka Nishikawa sind vielen Musikfreunden aus aller Welt ein Begriff.

Bilder:
- Unter 64 Teilnehmern setzte sich der junge Geiger Lorenz Chen aus Freiburg durch und gewann damit den 1. Preis des Henri-Marteau-Violinwettbewerbs.
- Hans Jörg Bullinger von der Wilo-Foundation (rechts) überreichte einen Scheck mit dem Preisgeld in Höhe von 10000 Euro an den Gewinner des 6. Internationalen Henri-Marteau-Violinwettbewerbs, an Lorenz Chen aus Freiburg.
- Für die Oberfrankenstiftung überreichte der oberfränkische Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler das Preisgeld in Höhe von 7500 Euro an die Zweitplatzierte Yukino Nakamura aus Japan.

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25.04.2017

Oberfranken ist zwei Wochen lang das Zentrum der Geigenwelt / Teilnehmerrekord beim 6. Internationalen Henri-Marteau-Violinwettbewerb

Lichtenberg. Mit einem Eröffnungskonzert am Abend und der Auslosung der Reihenfolge ist der 6. Internationale Henry-Marteau-Violinwettbewerb in Lichtenberg eröffnet worden. Mit 1134 Teilnehmern aus 25 Ländern haben sich dazu so viele junge Nachwuchsmusiker wie nie zuvor angemeldet. Träger des Wettbewerbs, der noch bis zum 6 Mai dauert, ist der Bezirk Oberfranken. Die künstlerische und organisatorische Gesamtleitung liegt bei den Hofer Symphonikern.

„Dieser Erfolg war bei der letzten Auflage vor drei Jahren noch in keiner Weise absehbar“, sagte die Intendantin der Hofer Symphoniker Ingrid Schrader. Damals hatten knapp 70 Geiger teilgenommen. Nach den Worten der Intendantin wird der Wettbewerb nicht nur weltweit beobachtet, er gehört seit 2012 auch zum Weltverband der Musikwettbewerbe. Das sei zur Gründung 2002 durch den Freundeskreis der Musikbegegnungsstätte Haus Marteau längst nicht absehbar gewesen.

„Lichtenberg und Hof wird damit zum Zentrum der internationalen Geigenwelt“, so der künstlerische Berater und Juryvorsitzende, der Dirigent Gilbert Varga, der von 1980 bis 1985 als Chefdirigent an der Spitze der Hofer Symphoniker stand. Der Wettbewerb zeichne sich nicht nur durch Professionalität und Anspruch aus, sondern auch durch die ganz besondere Atmosphäre des Hauses Marteau sowie durch die Herzlichkeit und die Gastfreundschaft der Menschen vor Ort, so Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler.

Der Bezirk verfolge mit dem Wettbewerb die Ziele, hochbegabte Musiker zu fördern, die Bedeutung der musischen Bildung zu unterstreichen und Oberfranken als einen Ort kulturellen Wirkens auf allerhöchstem Niveau herauszustellen, sagte Denzler. Ulrike Brett-Einsiedel vom Freundeskreis Haus Marteau nannte das Kennenlernen der Teilnehmer untereinander als wichtiges Ziel, aber auch die Stärkung von Selbstvertrauen und Charakter gehörten dazu, wenn junge Menschen bereit sind, sich einem solchen Wettbewerb zu stellen. 

Der Wettbewerb startet in der Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau des Bezirks Oberfranken in Lichtenberg, die Finalrunden finden in der Freiheitshalle in Hof statt. Die jüngste Teilnehmerin ist den Anmeldungen zufolge erst 14 Jahre alt und kommt aus Japan. Die Altersgrenze des Wettbewerbs liegt bei 25 Jahren. Die Bandbreite der Teilnehmer reicht von jungen Musikern aus Taiwan, Ecuador und Chile, Studenten der Juilliard School New York bis zu Geigern aus ganz Europa.

Der Wettbewerb wird in drei Runden durchgeführt. Alle Teilnehmer wetteifern mit der Interpretation von Werken Bachs, Mozart und Paganinis um ein Weiterkommen. Übrig bleiben 16 Halbfinalisten, die ihr Können in einem 45-minütigen Recital unter Beweis stellen müssen. Dazu gehört ein Pflichtstück aus der Feder von Henry Marteau, der erste Satz einer Beethoven-Sonate, ein Präludium von Max Reger und die Auftragskomposition von Sören Nils Eichberg. Die sechs Finalisten stellen sich dann der Jury mit der Interpretation eines großen Violinkonzerts, bei dem sie von den Hofer Symphonikern begleitet werden.

Insgesamt spielen die Teilnehmer um Preisgelder in Höhe von 35000 Euro, um Stipendien und zahlreiche Sonderpreise. Sämtliche Wertungsrunden sind öffentlich. Bei den Finalrunden ist das Publikum eingeladen, aktiv teilzunehmen und über die Gewinner des Publikumspreises abzustimmen. Medienpartner ist der Bayerische Rundfunk, der mit dem ersten Preisträger eine Rundfunkaufnahme und eine CD produzieren wird. Zum Abschluss findet am 6. Mai im Festsaal der Hofer Freiheitshalle ein Galakonzert statt, bei sich die Preisträger zusammen mit den Hofer Symphonikern unter Elias Grandy vorstellen werden.

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15.04.2017

Transparent, tragisch und tiefempfindsam / „Oberfranken-Tournee“ an den Osterfeiertagen: Jugendsymphonieorchester unter Till Fabian Weser mit Mendelssohn, Weber und Tschaikowsky

Naila. Unter dem Motto „Schicksalsträume“ hat das Jugendsymphonieorchester Oberfranken unter seinem Dirigenten Till Fabian Weser in diesem Jahr ein überaus anspruchsvolles Programm einstudiert. Nach einer Woche intensiver Probenphase und einer Generalprobe in Weißenstadt gastierte der „Klangkörper auf Zeit“ an Ostern in Naila, Frohnlach und Stegaurach. Hauptwerk war dabei Peter Tschaikowskys 5. Symphonie, die „Schicksalssymphonie“. Auf dem Programm standen außerdem vier Sätze aus Felix Mendelssohn Bartholdys Schauspielmusik „Sommernachtstraum“, sowie das 1. Klarinettenkonzert von Carl Maria von Weber.

Mendelssohns zauberhafter „Sommernachtstraum“ lassen Till Fabian-Weser und die jungen Musiker im filigranen Zauberton der Elfen, Feen, Kobolde und verliebt streitenden Paaren erklingen. Vier Sätze wurden dazu ausgewählt: der Elfenmarsch, die beiden Intermezzi nach dem zweiten und nach dem dritten Aufzug sowie der berühmte Hochzeitsmarsch. Da die Komposition eigentlich ein Melodram ist, in dem Musik und Text zu einer Einheit verschmelzen sollen, hatte die Regisseurin Doris Sophia Heinrichsen von der Musikhochschule München mit einigen der jungen Musiker kurze Rezitationen als Zwischentexte einstudiert. Der Mendelssohnschen Zauberkomposition tat dies ganz gut, zumal auch die Art und Weise des Musizierens die Magie des frühromantischen Märchenspuks deutlich machte.

Voller Romantik ist auch das 1. Klarinettenkonzert von Carl Maria von Weber mit Jonathan Weimer als Solisten. Weimer gehört dem Jugendsymphonieorchester bereits seit 2013 an, ist erfolgreicher Preisträger bei Jugend musiziert und spielt im Bayerischen Landesjugendorchester. Er kommt aus Bamberg und ist Schüler von Christoph Müller, dem Soloklarinettisten der Bamberger Symphoniker. Jonathan Weimer besticht durch ein nahezu schwereloses Musizieren, durch eine nahezu unglaubliche Perfektion, aber auch durch das notwendige Gespür für das Tragische und Tiefempfindsame dieser Musik. Mit lieblichem Ton nimmt er die Zuhörer mit in das Paradestück des Konzertrepertoires, während sich das Jugendsymphonieorchester als exakter Begleiter empfiehlt.

Leidenschaftlich und voller Pathos schließlich Tschaikowskys 5. Symphonie e-Moll: Till Fabian Weser macht nicht den Fehler Dynamik und Tempi bis zum letzten martialisch auszureizen, er lässt das Werk fließen, die Musik kommt bei ihm nicht zum Stillstand. Die Gefühle des zerrissenen Komponisten bleiben deshalb aber nicht auf der Strecke. Das liegt an der Detailgenauigkeit und an der disziplinierten Klangkultur, mit der Till Fabian Weser musizieren lässt, etwa in den Andante-Einleitungen der ersten beiden Sätze oder in der sehnsuchtsvollen Hornmelodie des zweiten Satzes. Da werden den Bläsern wunderbare Legati entlockt, der gesamte Klangkörper musiziert präzise und transparent vom ersten bis zum letzten Ton.

Viele junge oberfränkische Schüler hätten auch diesmal wieder die Chance wahrgenommen, unter der Leitung eines professionellen Dirigenten Orchestererfahrung zu sammeln, sagte zuvor der Nailaer Bürgermeister Frank Stumpf, der das Konzert als bedeutendes kulturelles Ereignis in seiner Stadt würdigte. Vom Herzstück der musikalischen Jugendarbeit des Bezirks Oberfranken sprach Dr. Ulrich Wirz, Verwaltungsleiter der Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau. Fortgeschrittene junge Musiker nicht zu Unterfordern und Einsteiger nicht zu überfordern, das sei die Gratwanderung, die Dirigent Till Fabian Weser in herausragender Art und Weise gemeistert habe.

Das Jugendsymphonieorchester Oberfranken wurde 1984 von dem Dirigenten und Musikpädagogen Professor Dr. Günther Weiß gegründet. Weitere Dirigenten waren Howard Golden und Raoul Grüneis. Die Dozenten kommen unter anderem von den Hofer Symphonikern und von der Berufsfachschule für Musik in Kronach. Till Fabian Weser leitet das Jugendsymphonieorchester seit 2013, im „Hauptberuf“ spielt er die Trompete bei den Bamberger Symphonikern. Am Ende zeigte sich Till Fabian Weser selbst ganz überwältigt davon, welch emotionale Momente das Orchester erzeugen konnte. Als Zugabe gab es zum Dank für den nicht enden wollenden Applaus noch einmal den Hochzeitsmarsch von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Bilder: Das Jugendsymphonieorchester Oberfranken unter seinem Dirigenten Till Fabian Weser und mit dem Solisten Jonathan Weimer beim Auftakt der kleinen Oberfranken-Tournee am Samstagabend in Naila.

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08.04.2017

Auftakt mit Tschaikowsky / Jugendsymphonieorchester Oberfranken ist in Weißenstadt in seine heiße Phase gestartet – Konzerte in Naila, Frohnlach und Stegaurach

Weißenstadt. Zum Auftakt gab es den ersten Satz aus Peter Tschaikowskys 5. Symphonie e-Moll: Mit einer Durchspielprobe des populären Werkes hat am Wochenende im Schullandheim von Weißenstadt im Landkreis Wunsiedel die Übungsphase des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken begonnen. Noch klang die eine oder andere Sequenz etwas schräg, noch waren nicht alle da, hier fehlte ein Notenständer, dort mussten sich die vielen neuen Musiker erst orientieren, doch eines hatten alle gemeinsam: die Liebe zur Musik und das Ziel, das anspruchsvolle Programm nahezu perfekt zu bewältigen.

Am Pult steht wieder Till Fabian Weser von den Bamberger Symphonikern. Seine Aufgabe ist es, die jungen Talente aus allen Teilen des Regierungsbezirks in nur einer Woche zu einem einzigen Klangkörper zusammenzuführen. Unter der Stabführung des Dirigenten werden die gut 60 jungen Musiker zwischen 11 und 21 Jahren über Ostern zu einer kleinen Oberfranken-Tournee aufbrechen. Auf dem Programm stehen vier Sätze aus dem „Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, das Klarinettenkonzert Nr. 1 f-Moll von Carl Maria von Weber und als Hauptwerk die 5. Symphonie von Peter Tschaikowsky. Solist im Klarinettenkonzert ist Jonathan Weimer aus Bamberg, Schüler von Christoph Müller, dem Soloklarinettisten der Bamberger Symphoniker.

Im Weißenstädter Schullandheim finden dabei nicht nur die ersten Proben statt, die Nachwuchsmusiker sind dort auch untergebracht. Der Großteil der Tutti-Proben wird dann im Kurhotel von Weißenstadt über die Bühne gehen. Dort gibt es am Karfreitag um 16 Uhr auch die öffentliche Generalprobe, ehe die Oberfranken-Tour startet. Die Konzerte finden diesmal in Naila (Ostersamstag, 15. April), Frohnlach (Ostersonntag, 16. April) und in Stegaurach (Ostermontag, 17. April) statt.

Dirigent Till Fabian Weser versteht das Orchester in erster Linie als eine Art Talentschmiede, in dem sich junge Musiker aus allen Teilen Oberfrankens im Bekenntnis zu ihrer Heimat zusammenfinden. „Ich sehe es aber auch als Sprungbrett“, so Weser. In dem Klangkörper hätten die jungen Talente eine hervorragende Möglichkeit, sich auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.

„Mit unserem ehrgeizigen Projekt eines eigenen Jugendsymphonieorchesters möchten wir jungen Nachwuchsmusikern aus der Region alljährlich die Möglichkeit geben, ihr Können unter professioneller Anleitung öffentlich zu präsentieren“, sagte Bezirkstagspräsident Günther Denzler zum Probenauftakt. Als „Orchester auf Zeit“ setzte sich das Jugendsymphonieorchester Jahr für Jahr neu zusammen. Denzler: „Das oberfränkische Jugendsymphonieorchester ist das Herzstück der Jugendarbeit unserer Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau.“ 

Das Jugendsymphonieorchester Oberfranken wurde 1984 von dem Musikpädagogen und Dirigenten Professor Günther Weiß (1933 – 2007) gegründet, der viele Jahre als künstlerischer Leiter der Musikbegegnungsstätte Haus Marteau tätig war. Seit der Gründung kommen junge Musikerinnen und Musiker aus ganz Oberfranken jeweils kurz vor Ostern zu einer Probenwoche zusammen und erarbeiten unter professionellen Bedingungen ein anspruchsvolles Konzertprogramm.

Weitere Information: www.jugendsymphonieorchester.de oder auf Facebook unter www.facebook.com/jugendsymphonieorchester.

Die Konzerte des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken 2017:
Ostersamstag, 15. April, 18 Uhr, Frankenhalle Naila
Ostersonntag, 16. April, 17.30 Uhr, Kultur- und Sporthalle Frohnlach
Ostermontag, 17. April, 17.30 Uhr, Aurachtalhalle Stegaurach


Bilder:
Probenauftakt am Wochenende in Weißenstadt: Till Fabian Weser dirigiert das Jugendsymphonieorchester Oberfranken.

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20.03.2017

Haus Marteau: „Kulturklangwunder“ in der einstigen Künstlervilla / Internationale Musikbegegnungsstätte des Bezirks Oberfranken soll für 3,2 Millionen Euro ausgebaut werden

Lichtenberg. Mit einem finanziellen Aufwand von 3,2 Millionen Euro wird die Internationale Musikbegegnungsstätte Haus Marteau des Bezirks Oberfranken modernisiert und ausgebaut. Herzstück der geplanten Maßnahmen in Lichtenberg (Landkreis Hof) ist ein neuer unterirdischer Konzert- und Übungssaal mit Platz für 80 Personen. Daneben sollen vier neue Übungsräume im Untergeschoss der einstigen Künstlervilla entstehen. Auch der Einbau eines Aufzuges ist geplant, um das Haus behindertengerecht und barrierefrei zu gestalten. Baubeginn ist im August dieses Jahres, mit der Fertigstellung rechnen die Verantwortlichen für Oktober 2018.

„Damit setzen wir ein ganz großes Ausrufezeichen in der lebendigen und vielseitigen Kulturlandschaft Oberfrankens“, sagte Bezirkstagspräsident Günther Denzler bei der Vorstellung der Baupläne. Der neue künstlerische Leiter Christoph Adt zeigte sich begeistert über die Maßnahmen, mit denen die hohe Qualität der Einrichtung weiterentwickelt werden kann. Von einem Glücksfall für die Region und einem Leuchtturm mit internationaler Ausstrahlung sprach der Hofer Landrat Oliver Bär und der Lichtenberger Bürgermeister Holger Knüppel freute sich schon jetzt, dass Kultur und Tourismus in der Stadt künftig noch mehr von der Einrichtung profitieren werden.

Für den Münchner Architekten Peter Haimerl war es von besonderer Bedeutung, sowohl das unter Denkmalschutz stehende Haus als auch den Park unangetastet zu lassen. „Das Haus Marteau wird in seiner Ursprünglichkeit erhalten“, sagte Haimerl, der unter anderem für die Realisierung des Konzertsaals in Blaibach im Bayerischen Wald verantwortlich war und dafür mehrfach ausgezeichnet wurde. Der Saal werde sich der wunderbaren Landschaftsarchitektur unterordnen und aufgrund einer geschickten Oberflächenkonstruktion dennoch mit natürlichem Licht durchflutet werden. Die vier neuen Übungsräume sollen in bisherigen Lager- und Heizräumen eingebaut werden.

Als Grund für die Maßnahmen nannte Bezirkstagspräsident Denzler unter anderem die große Nachfrage nach den Abschlusskonzerten der Meisterkurse. Sie finden bisher im Speisezimmer und in der Bibliothek des Hauses statt. Oft reiche der Platz nicht aus, manche Besucher hätten keine Sicht auf die Musiker und Zuhörer in angrenzenden Räumen würden über die schlechte Akustik klagen. „Das soll sich jetzt ändern, der Neubau soll ein besseres Musikerlebnis möglich machen“, so Denzler, der auch von einem „Kulturklangwunder“ sprach. Was die Finanzierung angeht, so hofft der Bezirk auf Unterstützung durch die Oberfrankenstiftung und den Bayerischen Kulturfonds. Entsprechende Förderanträge seien gestellt.

Die internationale Musikbegegnungsstätte Haus Marteau gibt es seit 1982. Damals hatte der Bezirk Oberfranken die ehemalige Künstlervilla des weltberühmten Geigers und Komponisten Henri Marteau in Lichtenberg von Marteaus Tochter Mona Linsmayer-Marteau erworben. Nach umfassender Sanierung wurde in dem kurz vor dem Ersten Weltkrieg erbauten Landhaus eine Förderstätte für den hochqualifizierten internationalen Musiknachwuchs geschaffen. Seit mittlerweile 30 Jahren finden in dem stattlichen Anwesen, das bis zur „Wende“ einen Steinwurf vom damaligen Eisernen Vorhang lag, Meisterkurse für nahezu alle klassischen Musiksparten mit namhaften Dozenten statt.

Namensgeber ist der Geiger und Komponist Henri Marteau. Er wurde 1874 im französischen Reims geboren und hatte bereits im Alter von fünf Jahren mit dem Violinspiel begonnen. Bereits 1893 unternahm er Konzerttourneen in den USA. 1908 wurde Marteau Nachfolger des berühmten Geigers Joseph Joachims als Professor für Violine an der Hochschule für Musik in Berlin. Künstlerfreundschaften verbanden ihm unter anderem mit Charles Gounod, Jules Massenet, Peter Tschaikowsky, Anton Dvorak, Edward Grieg, Béla Bartok, Camille Saint-Saens und besonders mit Max Reger. Ihm widmete er nicht nur sein Streichertrio Opus 12 aus dem Jahr 1907, sondern brachte im Jahr darauf auch sein Violinkonzert zur Uraufführung. Neben seiner Tätigkeit als Violinvirtuose ist Marteau auch als Komponist hervorgetreten. Sein Schaffen umfasst 45 mit Opus-Zahlen versehene Werke, darunter Vokal- und Kammermusik sowie Orchesterwerke, außerdem mehrere Kompositionen für Orgel. Henri Marteau starb am 4. Oktober 1934 in Lichtenberg und fand im Park seiner Künstlervilla seine letzte Ruhestätte.

Bilder:
- An der Südseite der Internationalen Musikbegegnungsstätte des Bezirks Oberfranken soll der neue unterirdische Konzert- und Übungssaal entstehen.

- Sie stellten die Baupläne in den Räumen des Hauses Marteau der Öffentlichkeit vor (von links): der Hofer Landrat Oliver Bär, Verwaltungsleiter Ulrich Wirtz, Künstlerischer Leiter Christoph Adt, Bezirkstagspräsident Günther Denzler und Architekt Peter Haimerl.

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15.02.2017

Cashbags begeistern nicht nur Countryfans /
A Tribute to Johnny Cash: Coverband  um US-Sänger Robert Tyson gastierte in der Dr.-Stammberger-Halle”

Kulmbach. Er war und ist immer noch die Country-Legende schlechthin: Johnny Cash. Der „Man in Black“ war die Stimme der Entrechteten und hatte selbst einen mehrfach gebrochenen Lebenslauf. Das kam in seinen Liedern zu Ausdruck, die zugleich auch immer das Lebensgefühl in den Südstaaten der USA widerspiegelten. Mit der Coverband „The Cashbags“ um US-Sänger Robert Tyson tourt derzeit eine Formation durch Europa, die sich die Erinnerung an Johnny Cash, der in diesem Jahr 85 Jahre alt geworden wäre, auf die Fahnen geschrieben hat. Am Mittwochabend gastierten die Cashbags in der ganz gut gefüllten Dr.-Stammberger-Halle und tatsächlich gelang es dem Quartett, den mitreißenden „Boom-Chicka-Boom-Sound“ auch hier unglaublich gut auf die Bühne zu bringen.

„The Cashbags“ sind im Klang und im Erscheinungsbild sehr nah an den berühmten Vorbildern. Mit markanter Bassbariton-Stimme,  Westerngitarre, Telecaster, Kontrabass und Schlagzeug spielen Stephan Ckoehler, Benny Brenner und Tobias Fuchs detailgenau Klassiker wie „Ring of Fire“, „I walk the Line“, Orange blossom special“ bis hin zu „Folsom Prison Blues“, „St. Quentin“ und als Zugaben „Ghostriders in the sky“ und „Bonanza“. Vieles ist angelehnt an die Originalkonzerte der späten 1960er Jahre mit der Band „Tennessee Three“.

Mittelpunkt der Show ist US-Sänger Robert Tyson, der seit Jahren in Deutschland zuhause ist.  Mit nahezu unglaublicher Bühnenpräsenz, atemberaubender Lässigkeit und dem unverwechselbaren Timbre seiner markanten Bassbaritonstimme gibt er den „Man in Black“, sehr authentisch und nahe am Original. Zwischen den Songs, die nur so Schlag auf Schlag kommen, manchmal sogar ineinander übergehen, gibt er Anekdoten aus dem bewegten Leben von Johnny Cash zum Besten und lässt hinter die Kulissen blicken. Auch von ihm selbst erfährt man etwas, dass er aus Miami stammt, 1969 geboren wurde und mit fünf Jahren seine ersten Johnny-Cash-Songs hörte, aus der Plattensammlung des Vaters.

Über die großen Hits hinaus wird bei dem Tribute-Konzert aber auch das musikalische Spektrum deutlich, das Johnny Cash so legendär machte. Es reicht von den 1950er Jahren mit Country, Rockabilly, Blues, Folk und Pop bis hin zum Alternative Country Anfang des 21. Jahrhunderts. Über 500 Songs hat er geschrieben, mehr als 50 Millionen Tonträger verkauft und 13 Grammy Awards hat er bekommen.

Auch einige Überraschungen haben die Cashbags im Gepäck. Musikalische Gäste beispielsweise: Valeska Kunath stilecht in Kleidung, Frisur und Bewegung als June Carter. Zusammen mit Robert Tyson interpretiert sie unter anderem das Duett „Jackson“ oder den berühmten Song „If I were a carpenter“. Außerdem spielt sie perfekt wie einst June Carter die Autoharp, ein Instrument, das einer Steel-Guitar ähnelt, aber wie eine Gitarre gespielt wird. In „Wildwood flower“ singt Valeska Kunath solo und begleitet sich dabei selbst. Wie sie das macht, hat echte Klasse.

Im Lauf der Show lassen die Cashbags noch zwei weitere Gäste auftauchen: Einmal gibt Stephan Ckoehler den Rockabilly-Pionier und Cash-Weggefährten Carl Perkins unter anderem mit „Blue suede shoes“, ein anderes Mal den Folk-Sänger Bob Dylan mit „Like a rolling stone“. Ckoehler, der die Band auch managt und der sich wirklich mit „Ck“ und „oe“ schreibt, beweist dabei durchaus auch komisches Talent, etwa wie er den etwas linkischen Perkins nachahmt oder den exzentrischen Dylan samt Mundharmonika fast schon ein wenig parodiert 

Dazu gibt es auch einige spätere Songs aus den berühmten „American Recordings“ von Johnny Cash, die Frontman Robert Tyson solo nur mit Gitarre in einem speziellen Akustikteil zelebriert. Für einen Moment dachte man, da sitzt wirklich Johnny Cash.

Bilder:
Mit einem Tribut to Johnny Cash gastierte die Band „The Cashbags“ um US-Sänger Robert Tyson am Mittwochabend in der Dr.-Stammberger-Halle.

- Valeska Kunath als June Carter und Robert Tyson als Johnny Cash.

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09.02.2017

Gediegen klassisch bis museal / Gelungene Aufführung von Carl Millöckers Operette „Der Bettelstudent“ in der Dr.-Stammberger-Halle

Kulmbach. Zugegeben, so ganz taufrisch ist die Operette „Der Bettelstudent“ wirklich nicht mehr. Die Handlung ist kaum mehr nachzuvollziehen, die zur Schau gestellte Operettenseligkeit passt so gar nicht mehr in die Gegenwart, Liebe und Intrige funktionieren heute irgendwie anders als bei der Uraufführung 1882. Wenn es das Werk dennoch verdient hat, aufgeführt zu werden, dann hauptsächlich wegen der wundervollen und mitreißenden Musik des Wiener Komponisten Carl Millöcker.

Natürlich bietet ein Tourneetheater wie die „Johann-Strauß-Operette-Wien“ keine bahnbrechende Neudeutung des Stückes. Die Inszenierung von Regisseur Peter Widholz und die Choreographie von Nera Nicol sind gediegen klassisch bis museal, die Kostüme aus dem Wiener Bundestheaterfundus ebenfalls und das Bühnenbild von Norbert Art-Uro ist so, dass es vor allem möglichst schnell auf- und wieder abgebaut und zum nächsten Spielort transportiert werden kann.

Auch musikalisch gilt es zunächst einmal einige Abstriche zu machen. Das Orchester ist auf kammerorchestrale Größe dezimiert. Unter der musikalischen Leitung der italienischen Dirigentin Petra Giacalone gelingt es den verbliebenen Musikern aber doch den Zauber der Kompositionen von Carl Millöcker und vor allem dessen hervorragender Instrumentierung ganz gut rüberzubringen. Dirigentin und Musiker haben die Partitur konsequent im Griff, dazu kommt ein winziger Chor, der präzise synchronisiert und dynamisch ganz gut ausbalanciert.

Nahezu Volksgut sind sie über Generationen geworden, Ollendorfs Strophenlied „Ach ich hab sie ja nur auf die Schulter geküsst“, Paradestücke der klassischen Operettenära wie „Ich knüpfte manche zarte Bande“ oder „Ich hab´ kein Geld, bin vogelfrei“ und schließlich die großen Duette wie „Ich setz´ den Fall“ und „Nur das eine bitt´ ich dich“ und das Ensemble schafft es erstaunlich gut, diese mitreißende Melodien auf die Bühne zu bringen.

Allen voran findet Angela Wandraschek als kapriziöse Laura eine glänzende Vertreterin ihres Charakters. Mühelos kam sie stimmlich über die Rampe und verstand sich über die Situationskomik hinaus als Liebende darzustellen. Auch Christine Holzwarth als ihre Schwester Bronislawa wirbelt stets verliebt in Jan über die Bühne und kam nicht nur in dem Duett „Nur das eine bitt´ ich dich“ sängerisch bestens zur Geltung. Silberhell timbriert und mit ausladender müheloser Höhe wetteifern die beiden Sopranistinnen im Belkanto.

Stimmlich als auch darstellerisch absolut auf der Höhe agiert Camillo dell´Antonio in der Titelrolle des Bettelstudenten Symon. Dell´Antonio ist ein kultivierter jugendlicher Tenor mit baritonalen Anklängen, aber auch mit großem Volumen und Potenzial. Mit seinem etwas dunkel gefärbten Tenor versteht es der Bulgare Hristofor Yonov sowohl seine Stimme als auch sein Spiel in den Dienst seiner Rolle als Student Jan zu stellen.

Mit dunklem Timbre kennzeichnet Maida Karisik als Gräfin Palmatica ihr Standesbewusstsein. Ein Oberst Ollendorf nach Maß wird von Giorgio Valenta köstlich auf die Bühne gestellt. Ob bestrafter Schulterkuss oder sein Couplet „Schwamm drüber“, Karisik beherrscht die Szene. Josef Pechhacker schwankte schließlich herzerfrischend als Gefängnisaufseher Enterich, offenbar ein sächselnder Verwandter des Frosch aus der „Fledermaus“, über die Bühne.

Bestens besetzt waren auch die kleineren Rolle, nicht zu vergessen die vier Tänzer, die im ersten Akt Carl Millöckers Steckbrief-Polka und im zweiten Akt seinen Traum-Walzer gekonnt in Bewegung umsetzten.

Bild: Jetzt haben sie es schwarz auf weiß (von links): Laura (Angela Wandraschek) und Symon (Camillo dell´Antonio) sind ein Paar. Darüber  freuen sich Jan (Hristofor Yonov) und die Gräfin Nowalska (Maida Karisik).

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06.02.2017

Oberfranken wird zum Zentrum der Geigenwelt / Teilnehmerrekord beim 6. Internationalen Henri-Marteau-Violinwettbewerb

Hof. Mit einem Teilnehmerrekord startet der Internationale Henry-Marteau-Violinwettbewerb vom 25. April bis zum 6 Mai in seine sechste Auflage. 134 junge Talente aus 25 Ländern haben sich diesmal angemeldet, so viele wie noch nie zuvor. „Dieser Erfolg war bei der letzten Auflage vor drei Jahren noch in keiner Weise absehbar“, sagte die Intendantin der Hofer Symphoniker Ingrid Schrader bei der Bekanntgabe der Zahlen. Damals hatten knapp 70 Geiger teilgenommen. Träger des Wettbewerbs ist der Bezirk Oberfranken, die künstlerische und organisatorische Gesamtleitung liegt bei den Hofer Symphonikern.

Der Wettbewerb startet in der Internationalen Musikbegegnungsstätte des Bezirks Oberfranken Haus Marteau in Lichtenberg, die Finalrunden finden in der Freiheitshalle in Hof statt. „Lichtenberg und Hof werden damit zum Zentrum der internationalen Geigenwelt“, sagte der künstlerische Berater und Juryvorsitzende, der Dirigent Gilbert Varga, der von 1980 bis 1985 als Chefdirigent an der Spitze der Hofer Symphoniker stand.

Die jüngste Teilnehmerin ist den Anmeldungen zufolge erst 14 Jahre alt und kommt aus Japan. Die Altersgrenze des Wettbewerbs liegt bei 25 Jahren. Die Bandbreite der Teilnehmer reicht von jungen Musikern aus Taiwan, Ecuador und Chile, Studenten der Juilliard School New York bis zu Geigern aus ganz Europa.

Der Wettbewerb wird in drei Runden durchgeführt. Alle Teilnehmer wetteifern mit der Interpretation von Werken Bachs, Mozart und Paganinis um ein Weiterkommen. Übrig bleiben 16 Halbfinalisten, die ihr Können in einem 45-minütigen Recital unter Beweis stellen müssen. Dazu gehört ein Pflichtstück aus der Feder von Henri Marteau, der erste Satz einer Beethoven-Sonate, ein Präludium von Max Reger und die Auftragskomposition von Sören Nils Eichberg. Die sechs Finalisten stellen sich dann der Jury mit der Interpretation eines großen Violinkonzerts, bei dem sie von den Hofer Symphonikern begleitet werden.

Der Bezirk verfolge mit dem Wettbewerb die Ziele, hochbegabte Musiker zu fördern, die Bedeutung der musischen Bildung zu unterstreichen und Oberfranken als einen Ort kulturellen Wirkens auf allerhöchstem Niveau herauszustellen, sagte Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler. Den Henri-Marteau-Violinwettbewerb bezeichnete Denzler dabei als „kulturelles Flaggschiff des Bezirks“. Der Wettbewerb stelle auch die perfekte Ergänzung zu den Meisterkursen in der Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau dar, die dort schon seit vielen Jahren regelmäßig mit ständig steigendem Zuspruch stattfinden.

Nach den Worten von Intendantin Ingrid Schrader werde der Wettbewerb nicht nur weltweit beobachtet, er gehört seit 2012 auch zum Weltverband der Musikwettbewerbe. Das sei zur Gründung 2002 durch den Freundeskreis der Musikbegegnungsstätte Haus Marteau längst nicht absehbar gewesen, so die Intendantin. Damit sei ein weiterer Schritt zur globalen Ausrichtung des Wettbewerbs gelungen.

Insgesamt spielen die Teilnehmer um Preisgelder in Höhe von 35000 Euro, um Stipendien und zahlreiche Sonderpreise. Sämtliche Wertungsrunden sind öffentlich. Bei den Finalrunden ist das Publikum eingeladen, aktiv teilzunehmen und über die Gewinner des Publikumspreises abzustimmen. Medienpartner ist der Bayerische Rundfunk, der mit dem ersten Preisträger eine Rundfunkaufnahme und eine CD produzieren wird. Zum Abschluss findet am 6. Mai im Festsaal der Hofer Freiheitshalle ein Galakonzert statt, bei sich die Preisträger zusammen mit den Hofer Symphonikern unter Elias Grandy vorstellen werden.

Eines wissen die Verantwortlichen allerdings noch nicht: wie sie es schaffen wollen, 134 junge Musiker bei Gastfamilien in der Region unterzubringen. Deshalb suchen die Hofer Symphoniker noch aktuell Gastfamilien, die bereit sind, junge Menschen bei sich aufzunehmen. Interessierte Familien können sich im Wettbewerbsbüro unter 09281/7200-13 melden.

Der 6. Internationale Henri-Marteau-Violinwettbewerb beginnt am Montag, 24. April um 19 Uhr mit einem Eröffnungskonzert in Haus Marteau in Lichtenberg. An gleicher Stelle findet tags darauf um 11 Uhr die Eröffnungsfeier mit der Vorstellung der Jury und der Auslosung der Teilnehmerreihenfolge statt.

Bilder:
- Der Juryvorsitzende und künstlerische Berater Gilbert Varga.
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Die Intendantin der Hofer Symphoniker Ingrid Schrader.
- Von links: die Intendantin der Hofer Symphoniker Ingrid Schrader, Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler und der Juryvorsitzende Gilbert Varga.
- Von links: Ulrike Brett-Einsiedel vom Freundeskreis, der Juryvorsitzende Gilbert Varga,  Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler, die Intendantin der Hofer Symphoniker Ingrid Schrader, Peter Nürmberger Kulturfachbereichsleiter der Stadt Hof sowie Susan Löschner-Döhler und Ulf Keller von den Hofer Symphonikern.

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04.02.2017

Töne schweben schwerelos durch den Raum / Strukturell durchsichtig und satztechnisch vollkommen: Eindrucksvolles Benefizkonzert des Windsbacher Knabenchors in der Sankt-Petri-Kirche

Kulmbach. Geistliche Werke vom Barock bis zur Neuzeit a capella von einfachen vierstimmigen bis zu komplexen doppelchörigen Besetzungen hat der Windsbacher Knabenchor unter der Leitung von Martin Lehmann beim Benefizkonzert des Lions-Clubs Bayreuth-Kulmbach am Samstag in der Sankt-Petri-Kirche in absoluter Vollendung dargeboten.

Völlig zu Recht wird der Windsbacher Knabenchor immer wieder wegen seiner nahezu unglaublichen Homogenität, seiner fein nuancierten Dynamik und seines perfekten Auftretens gewürdigt. Selbst in kompliziertesten Sätzen bietet dieser Chor absolute Transparenz. Dazu kommt die enorme Textverständlichkeit und die Homogenität des etwa 60-köpfigen Ensembles, die den Auftritt zu einem Höhepunkt im Kulmbacher Konzertkalender werden ließ.

Die Präzision, mit der hier gesungen wird, kommt schon in Leonhard Lechners Mottete „Beati omnes“ zum Tragen. Der Chor stellt das Werk dieses Tonsetzers aus dem 16. Jahrhundert nahezu schwerelos in den Raum. Akribisch folgen die Jungs ihrem Dirigenten, der sichtlich um jede Note und um jede klangliche Nuance ringt und so ein geradezu sensationelles Klangbild schafft. Gleiches gilt für Johann Staden. Lupenrein intoniert offenbart auch sein „Deutsches Magnifikat“ durchwegs hohe Stimmkultur. Überhaupt setzten die Windsbacher aus Komponisten aus dem fränkischen Raum, im Fall von Johann Staden gibt es sogar eine Kulmbacher Verbindung, denn der gebürtige Nürnberger war hier Anfang des 17. Jahrhunderts zeitweise als Organist tätig.

In der Komposition „Gott ist unsere Zuversicht und Stärk“, des seinerzeit berühmten barocken Tonsetzers Johann Pachelbel gelingt es den Windsbachern, den musikalischen Reiz als auch die satztechnische Vollkommenheit erlebbar zu machen. Auch hier ist es wieder die homogene Gesamtleistung des Klangkörpers, die den Hörer in Staunen versetzt.

Das hohe technische Niveau des Chores wird schließlich bei den beiden Motteten „Herr Gott, du bist unsere Zuflucht für und für“ und „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ sowie bei dem Choral „O lux beata, trinitas“ von Felix Mendelssohn Bartholdy deutlich. Anders als bei den barocken Kompositionen ist hier der eher gefühlsbetonte Ansatz mit zarten und sensiblen Ansätzen zu spüren. Der Windsbacher Knabenchor glänzt auch hier mit hoher Klangqualität, souveräner Sprachbehandlung und struktureller Durchsichtigkeit auf allen Ebenen.

Ganz kraftvoll erklingt schließlich auch noch zeitgenössisches: die Mottete „Miserere mei deus“ des litauischen Komponisten Vytautas Miskinis und das „Pater noster“ des Spaniers Javier Busto. Emotional, textverständlich und präzise differenziert in der Dynamik und einfühlsam gesungen, erschließt der Chor mit diesen Raritäten noch einmal ganz neue Klangwelten.

Bei einer Komposition werden die Zuhörer kurzfristig zur Gemeinde: bei dem Satz „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“, die Hans Leo Haßler und Leonhard Lechner auf einen Text von Martin Luther geschrieben haben, wechseln sich in den fünf Strophen Chor und Gemeinde ab. Sogar eine Zugabe hatten die Knaben mit Max Regers spätromantischem Lied „Die Nacht ist kommen“ im Gepäck.

Es sei gar nicht so einfach gewesen, einen Termin mit dem Windsbacher Knabenchor zu finden, sagte zuvor  Dekan Thomas Kretschmar. Er bedankte sich ganz besonders bei Gerhard Endsberger, einem ehemaligem Mitglied des Chors, der das Konzert eingefädelt hatte. Nach den Worten von Lions-Clubpräsident Dieter Bordihn werden mit dem Erlös des Konzertes internationale und regionale Projekte, unter anderem auch das SOS-Kinderdorf in Immenreuth, unterstützt. 

Die Gesänge wurden gerahmt mit Kompositionen von Josef Gabriel Rheinberger, Johannes de Lublin, Max Reger und Louis Vierne, eindrucksvoll musiziert und absolut perfekt gespielt von der Stadt- und Dekanatskantorin aus Selb, Constanze Schweizer-Elser auf der Rieger-Orgel der Sankt-Petri-Kirche. Schweizer-Elser war kurzfristig für den erkrankten Ingo Hahn eingesprungen.

Bild: Der Windsbacher Knabenchor unter der Leitung von Martin Lehmann bei seinem Konzert am Samstag in der Sankt-Petri-Kirche.

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23.01.2017

Henri Marteau soll zurück ins internationale Musikleben / Eigene Wege, eigener Stil: CD mit kammermusikalischen Kompositionen von Henri Marteau erschienen

Lichtenberg. Bach, Beethoven, Mozart: all ihre Werke wurden in den vergangenen Jahrzehnten viele hundert Male eingespielt, jeder Klassikinteressierte kennt die Tonträger. Doch wie steht es um das kompositorische Schaffen von Henri Marteau, den zu seiner Zeit weltberühmten Geiger mit Wahlheimat Frankenwald? Seine Musik wieder populär zu machen, das ist das Ziel einer geplanten CD-Reihe, die schon in wenigen Jahren komplett vorliegen soll. Die erste CD mit dem Titel „Entdeckung eines Romantikers“ wurde jetzt in Haus Marteau, dem einstigen Wohnsitz des Geigers, heute Internationale Musikbegegnungsstätte des Bezirks Oberfranken, vorgestellt. Schon im laufenden Jahr sollen die CDs Nummer zwei und drei auf den Markt kommen.

„Henri Marteau hat als Komponist eigene Wege beschritten und einen eigenen Stil gefunden“, sagt der Verwaltungsleiter der Internationalen Musikbegegnungsstätte und Marteau-Kenner Dr. Ulrich Wirz. Ziel der CD-Reihe, die weltweit vertrieben wird, ist es auch, die Musik Marteaus nicht nur am Leben zu erhalten, sondern ins internationale Musikleben zurückzuführen. Marteaus Schaffen als Komponist umfasst 45 mit Opus-Zahlen versehene Werke, darunter Vokal- und Kammermusik sowie Orchesterwerke, außerdem mehrere Kompositionen für Orgel.

Bei der CD-Präsentation erinnerte der oberfränkische Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler auch an den langjährigen künstlerischen Berater von Haus Marteau, den im zurückliegenden Jahr überraschend verstorbenen Schlagwerker und Percussionisten Peter Sadlo, auf dessen Initiative die Aufnahmen im Wesentlichen zurückgehen. Sadlo hatte unter anderem den Kontakt zu den Musikern und zum Label Solo Musica hergestellt. Mit Hilfe der geplanten CD-Reihe soll auch die Musikbegegnungsstätte in Lichtenberg in der internationalen Musikwelt noch präsenter werden, als sie es ohnehin schon ist.

Eingespielt haben die neue CD die Flötistin Andrea Lieberknecht, die Sopranistin Julie Kaufmann, der Cellist Reiner Ginzel, die Pianistinnen Gitti Pirner und Yumi Sekiya, die Bratscher Hariolf Schlichtig und Jürgen Weber sowie die Geigerin Yi Li und der Geiger Hans Kalafusz. Fast alle sind sie langjährige Dozenten von Haus Marteau. In unterschiedlichen Besetzungen haben sie Henri Marteaus Stücke für Violine und Klavier, für Viola und Klavier, die fünfsitzige Partita für Querflöte und Viola Opus 42 Nr. 1 sowie die 1906 erschienenen acht Lieder für Singstimme und Streichquartett aufgenommen. Ergänzt wird die CD durch drei Kompositionen für Violoncello und Klavier des Marteau-Freundes Max Reger.

Für die zweite CD kündigte Wirz neue Einspielungen von Marteaus Klarinettenquintetts und seines dritten Streichquartetts an. Ausführende werden Musiker des Bayerischen Staatsorchesters sein. Ein ganz besonderer Leckerbissen verspricht die dritte CD zu werden. Dafür konnten die Verantwortlichen die prominente Mezzosopranistin Vesselina Kararova gewinnen. Fast schon als musikalische Sensation gelten historische Aufnahmen des Norddeutschen Rundfunks, auf denen der Bariton Dietrich Fischer Dieskau Lieder von Henri Marteau eingesungen hat. Auch diese Aufnahmen sollen wieder veröffentlicht werden.

So wie die erste vorliegende CD werden auch die folgenden Veröffentlichungen bei dem Münchner Independent Label Solo Musica erscheinen. „Solche Sachen bekannt zu machen, das ist genau unsere Aufgabe“, sagt Hubert Haas von Solo Musica. Auch wenn es ein kleines Label ist, so sei der Vertrieb in Deutschland, Österreich und der Schweiz über Sony Music und für den Rest der Welt über Naxos gesichert. Über die Naxos Music Library hätte außerdem sämtliche Musikhochschulen Zugriff auf die Aufnahmen, die auch über Streaming-Dienste und in Studioqualität zum Download angeboten werden. Für Spezialisten denkt Hubert Haas sogar über eine Veröffentlichung auf Vinyl nach. Erhältlich ist die neue CD aber auch ganz traditionell im Handel, über Amazon oder über die Kultur- und Heimatpflege des Bezirks Oberfranken (Telefon 0921/604-1608 oder info@haus-marteau.de).

Bild: Unter dem berühmten Bildnis von Henri Marteau in dessen ehemaliger Villa in Lichtenberg stellten Verwaltungsleiter Ulrich Wirz, Bezirkstagspräsident Günther Denzler und Hubert Haas von Solo Musica die neue Marteau-CD vor.

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22.01.2017

Musik für den Frieden / Bayreuther Sänger gestalten Holocaust-Gedenkstunde der Vereinten Nationen in Genf

Bayreuth. Zum Internationalen Tag des Erinnerns an die Opfer des Holocaust und zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau haben die Vereinten Nationen einen eigenen Gedenktag eingeführt. Mit einem ganz besonderen Konzert beteiligte sich am Wochenende der Bayreuther Zamirchor an diesem Gedenken. Das Konzert am Sonntagabend in der Zamirhalle bildete gleichzeitig den Auftakt zu einer internationalen Konzertreise des Bayreuther Chores. Die Sängerinnen und Sänger werden in den kommenden Tagen unter anderem bei der offiziellen Gedenkstunde der Vereinten Nationen in Genf, im neuen Kulturzentrum im schweizerischen Lugano sowie im französischen Faverges auftreten.

Auf dem Programm standen die drei zeitgenössischen Kompositionen „Mount Sinai“, „Vaetchanan“  und „Nachamu Ami“ des israelischen Komponisten, Dirigenten und Pianisten Isaak Tavior. Der Musiker wird den Chor auch auf seiner Reise nach Genf begleiten. Taviors Musiksprache ist schwer einzuordnen, sie bewegt sich zwischen traditionellen und zeitgenössischen Klängen, ist voll von überraschenden Dynamik- und Tempo wechseln, langen rhythmischen Chorpassagen sowie lyrisch-melodiösen Zwischenspielen. Weitere Programmpunkte waren unter anderem einige Chöre des österreichischen Komponisten Viktor Ullmann, der 1944 in Auschwitz ermordet wurde, und die Arie „Du sollst der Kaiser meiner Seele sein“ von Robert Stolz, gesungen von der erst 15-jährigen Sopranistin Scarlet Rani Adler.

Das Gedenken an den Holocaust müsse seinen festen Platz haben, denn nur aus der Erinnerung heraus könne auch Versöhnung entstehen, sagte der Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, der Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk . Eine Kollektivschuld gebe es nicht, aber auch die junge Generation stehe in der Verantwortung, dass sie so etwas wie der Massenmord an den Juden und anderen Bevölkerungsgruppen niemals wiederholt. Koschyk appellierte an die gesamte Gesellschaft nicht zuzulassen, dass auf leisen Sohlen Intoleranz, Hass und Fanatismus wieder Raum gewinnen.

Auch Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats der deutschen Sinti und Roma, rief die Menschen dazu auf, keine Spaltung der Gesellschaft zuzulassen. „Lassen wir nicht durch Hetzer unsere Herzen vergiften und unsere Köpfe vernebeln“, sagte Rose. Die Gesellschaft werde von Rassismus und Populismus gespalten, das Fundament unseres Zusammenlebens werde damit zerstört. Dagegen stehe das demokratische Wertesystem für mehr als 70 Jahre Frieden, für die deutsche Wiedervereinigung und für eine Zukunft für alle Menschen. Zu Wachsamkeit rief schließlich Peter Jacobi, Präsident des Deutschen Sängerbundes auf. Die Verhöhnung von Menschen, die unsägliches Leid erlitten haben, dürfe keinen Platz in einer freien Gesellschaft haben. Wer hier wegschaut mache sich mitschuldig, sagte Jacobi.

Der Zamirchor ist nach 2011 und 2014 bereits zum dritten Mal eingeladen worden, die offizielle Gedenkstunde der Vereinten Nationen zum Internationalen Holocaust-Gedenktag  in Genf musikalisch zu gestalten. Für den kleinen Laienchor aus Bayreuth ist es einer seiner bisher größten Auftritte, wenngleich der Zamirchor bereits mehrfach in Israel, 2010 sogar vor der UN-Vollversammlung in New York, aber auch immer wieder in der Region aufgetreten ist. In Genf werden diesmal der Misgav Hagalil Choir aus Israel, die knapp 70 Musiker des Deutschen Radio Orchesters, die beiden Solisten Joanna Sachryn (Cello) und Walter Schreiber (Geige) dabei sein.

Der Zamirchor engagiert sich seit 2006 für die israelisch-deutsche Beziehung. Die rund 30 Chormitglieder im Alter zwischen 15 und 80 Jahren sehen ihr Engagement auch als Beitrag zum Frieden. Bei dem Chor handelt es sich um einen 2006 gegründeten gemischten Laienchor mit rund 30 Mitgliedern. „Bei uns geht es um Musik und um Völkerverständigung“, sagt Barbara Baier, die bereits an vielen Bühnen in Deutschland feste Engagements hatte. Mittlerweile ist der Zamirchor als Verein organisiert, seine Mitglieder sind Hausfrauen, Schüler und Studenten genauso wie Krankenschwestern, Lehrer oder Schauspieler.

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10.01.2017

Standing Ovations für die Stadtkapelle / Umjubeltes Konzert des Kulmbacher Klangkörpers zum Jahresauftakt

Kulmbach.  Überschwängliche Lobeshymnen für Thomas Besand und die Stadtkapelle Kulmbach, das ist schon fast normal. Und so war es auch in diesem Jahr wieder ein fulminantes Neujahrskonzert am Dienstagabend in der Dr.-Stammberger-Halle, ganz nach dem Geschmack des Publikums, Blasmusik auf höchstem Niveau, mit Können, Musizierfreude und jeder Menge Spaß.

Die musikalische Begrüßung des neuen Jahres ist nicht nur ein schöner Brauch, sondern auch ein Ritual, das niemand mehr missen möchte. Gerade in Kulmbach, wie sonst wäre es zu erklären, dass das Neujahrskonzert der Stadtkapelle bereits seit Wochen ausverkauft ist und gar keiner Werbung mehr bedarf. Auch diesmal hatte es der Klangkörper unter seinem Dirigenten Thomas Besand wieder geschafft, die über 50 Musiker hervorragend zu motivieren und viele hundert Zuhörer schwungvoll und anspruchsvoll zweieinhalb Stunden lang zu unterhalten.

Es sind vor allem die populäre Werke, die ein Neujahrskonzert ausmachen. Franz Lehars Konzertwalzer „Gold und Silber“ zum Beispiel, der erst vor wenigen Tagen am gleichen Ort von den Hofer Symphonikern aufgeführt wurde. Ein bekannter und bewährter Walzer, bei dem der Dirigent sämtliche Verzögerungen und Beschleunigungen aufs Beste auskostet. Kein Wunder, dass Teile der Stadtkapelle fröhlich im Takt mitwippen.

Kein Neujahrskonzert ohne Johann Strauss. Diesmal hatte Thomas Besand die „Tritsch-Tratsch-Polka“ aufs Programm gesetzt, bei deren Tempo höchste Virtuosität gefordert ist. Ebenso bei der Ouvertüre zur Operette „Frau Luna“ von Paul Lincke, die passgenau auf den Klangkörper zugeschnitten scheint und bei dem das Publikum in Ohrwürmern wie „Schlösser, die im Monde liegen“ schwelgen darf.

Komplett neu im Programm war die Ouvertüre zu der Märchenoper „Wenn ich König wär“ von Adolphe Adam. Tiefromantisch komponiert und trotzdem spritzig aufgeführt, lassen Thomas Besand und seine Musiker das wahre Meisterwerk der französischen Romantik erklingen. Schon dieser Auftakt war nicht nur ein strahlendes Beispiel für den Glanz des französischen Musiktheaters, sondern auch für die hohe Professionalität der Stadtkapelle.

Die Vielseitigkeit moderner konzertanter Blasmusik zeigen Kompositionen wie das auf Tempo und im Big-Band-Stil gespielte Chanson „La Mer“ des Interpreten Charles Trenet oder ein Medley der bekanntesten Melodien des legendären amerikanischen Filmkomponisten Henry Mancini auf. Von „Moon River“ bis zum „rosaroten Panther“ war alles dabei. Von den Musikern wurde dies alles großartig zum Klingen gebracht, zumal die Stadtkapelle auch hier absolut transparent, homogen und exakt spielt. 

Da passt auch die „German Folk Fantasy“ gut dazu, ein Geschenk der befreundeten Lüneburger Stadtorchester an die Kulmbacher Musiker. Stefan Schwalgin hatte diese Fantasie im Big-Band- Sound über Norddeutsche Volkslieder arrangiert. Diese durchaus ungewöhnliche Zusammenstellung erklingt dynamisch und rhythmisch schlüssig differenziert, was für die Musiker der Stadtkapelle alles kein Problem ist.

Trotz aller Ausflüge ins Zeitgenössische haben freilich auch traditionelle  Marschkompositionen ihren festen Platz. Diesmal setzte Thomas Besand den Konzertmarsch „Abel Tasman“ von Alexander Pfluger, den in atemberaubendem Tempo musizierten „UNO-Marsch“ von Robert Stolz und „Die Regimentskinder“ von Julius Fuczik aufs Programm. Klangvoll und schmissig wird dies alles gespielt. In den Interpretationen der Stadtkapelle schimmern dabei aber auch wahre Kleinode der Musikliteratur durch. Die Marschmusik lebt eben vor allem von der Homogenität ihrer Aufführung, das wird wieder einmal deutlich.

Höhepunkte eines jeden Neujahrskonzertes sind traditionell die Auftritte von Solisten. Diesmal gab es den Erfolgstitel „You raise me up“, fabelhaft gesungen von Elke Höhn. Ebenso den Song „On the sunny side oft he street“, den Elke Höhn als Duett zusammen mit Thomas Besand interpretierte. Jens Schieder und Mutter Monika waren die beiden Flügelhornsolisten in der Polka „Max und Moritz“ von Guido Henn und beide musizieren dabei blitzsauber. Stadtkapellenvorstand Roland Jonak schließlich greift wieder einmal zum Xylophon im „Csárdás“ von Vittorio Monti und trumpfte dabei in altbewährter Art und Weise auf, so dass er wahre Jubelstürme entfacht und sofort eine Zugabe geben muss.

Informativ und unterhaltsam zugleich mit interessanten Hintergrundinfos führte auch diesmal wieder Karl Heinrich Backert durch das Programm und verschafft den Musikern damit die notwendigen Atempausen. Wehmut kommt auf, als Vorstand Jonak gleich am Anfang verkündet, dass es für Ehrenmitglied Heinz Geiger, der seit 1965 an der Tuba aktiv ist, das letzte Konzert sein soll. Kein Neujahrskonzert ohne Zugaben: Neben den „Alten Kameraden“, Oberbürgermeister Henry Schramm zum 10-jährigen Amtsjubiläum gewidmet, gab es natürlich wieder einen munteren „Radetzky-Marsch“ von Strauss Vater in der Wiener Originalfassung für Blasorchester als Schlusspunkt, der mit seiner fröhlichen Nonchalance die Zuhörer zu ausgelassenem Mitklatschen ermunterte. Am Ende eines langen Blasmusikabends gab es tosenden Applaus und Standing Ovations für die Stadtkapelle und ihren Dirigenten.

Bilder:
1. Mit viel Schwung ins neue Jahr: Thomas Besand und die Stadtkapelle Kulmbach am Dienstagabend in der Dr.-Stammberger-Halle.
2. Jens und Monika Schieder am Flügelhorn als Max und Moritz.
3. Stadtkapellenvorstand Roland Jonak spielte den Csárdás von Vittorio Monti am Xylophon.
4. Wahre Multitalente: Elke Höhn und Thomas Besand interpretierten den Song „On the sunny side oft he street“.

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07.01.2017

Beliebig aber voller Fantasie / Schwungvoll und sentimental zugleich: Neujahrskonzert der Hofer Symphoniker unter Johannes Klumpp

Kulmbach. Zugegeben, in das Konzertmotto „Wünsche und Träume“ lässt sich so ziemlich alles das packen, was früher, als es noch Plattenläden gab, in der Abteilung „Leichte Klassik“ zu finden war. Man muss freilich auch eingestehen, dass dieses Motto wie kaum ein anderes für ein Neujahrskonzert passt. Erst recht für das Neujahrskonzert der Hofer Symphoniker am Samstagabend in der Dr.-Stammberger-Halle. Einmal mehr gab es dabei unter dem Stuttgarter Dirigenten Johannes Klumpp eine musikalische Fantasiereise durch die Jahreszeiten.

Das war aber auch schon die einzige Klammer, die das Konzert irgendwie zusammenhielt. Die einen werden sagen, das Programm ist gut gemixt aus bekannten und wohlklingenden Werken. Andere werden die Beliebigkeit bemängeln, mit der Johannes Klupp Walzerseligkeit von Johann Strauss und Franz Lehar an impressionistische Klänge von Claude Debussy und Romantisches von Peter Tschaikowsky reiht, dazwischen immer wieder mal einen barocken Satz aus den vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi und am Schluss, nach der „schönen blauen Donau“ nicht etwa gleich der Radetzky-Marsch - der kommt erst ganz am Ende - sondern erst einmal Engelbert Humperdincks Abendsegen. Kurzweilig ist das alles schon, aber eben auch ein wenig beliebig, um nicht zu sagen belanglos, aber zumindest unverbindlich.

Schwungvoll und einschmeichelnd lässt Johannes Klumpp, seit 2013 Chefdirigent des Folkwang Kammerorchesters Essen, und gleichzeitig künstlerischer Leiter des Festivals der Sommermusikakademie Schloss Hundisburg in Sachsen-Anhalt, den Frühlingsstimmen-Walter von Johann Strauss und später dessen Walzer „Wein, Weib und Gesang ertönen. Lehars Gold-und-Silber-Walzer hat er beinahe verinnerlicht und führt ihn raffiniert „schwankend“ im Dreiertakt, sentimental und sogar mit ein wenig Schmiss auf.

Effektvoll auch die anderen Kompositionen, dazu waren die Hofer Symphoniker eigens mit ganz großen Apparat nach Kulmbach gekommen, Cembalo, Harfe und jede Menge Schlagwerk eben. So erklingen Emil Waldteufels Schlittschuhläufer, der erste Satz aus Tschaikowsky Wintersymphonie, Felix Mendelssohn Bartholdys Scherzo aus dem „Sommernachtstraum“, Debussys wundervolles „Claire de lune“ oder eben Humperdincks Abendsegen in romantisch bunten Bühnenfarben. Alles kurze aber sehr effektvolle Stück, die auch so klingen, liebevoll und voller Fantasie.

Hauptwerk des Neujahrskonzert waren freilich „Die vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi, oder besser jeweils ein eingestreuter Satz aus allen vier Einzelkonzerten. Das passt zu den Häppchen des übrigen Konzertes, mit großer Lust am Auskosten der zahlreichen Details, die Johannes Klumpp nicht nur gestaltet, sondern zuvor auch ausführlich erklärt. Die Hofer Symphoniker stellen dabei unter Beweis, zu welch klangfarblichen Möglichkeiten ihre Streicher fähig sind. Vor allem im jeweils dritten Satz aus dem Frühling und dem Sommer blitzen die außerordentliche Musikalität und das Können  von Konzertmeister Lorenzo Lucca als Sologeiger auf.

Bild: Die Hofer Symphoniker unter Johannes Klumpp bei ihrem Neujahrskonzert in der Kulmbacher Dr.-Stammberger-Halle.

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20.12.2016

Weihnachtliche Akzente und volkstümliche Schlager / Geraldine Olivier, Judith und Mel sowie Captain Freddy begeisterten bei der PS-Gala ihr Publikum

Kulmbach. Seit vielen Jahren lässt die Sparkasse Kulmbach-Kronach den Schlager hochleben. Es ist es guter Brauch, die Gewinnübergabe des PS-Sparens in den Tagen vor Weihnachten mit einer hochkarätigen Gala zu feiern und der Publikumszuspruch gibt der Sparkasse recht. Einmal mehr war die Dr.-Stammberger-Halle gut gefüllt. Garanten dafür waren diesmal die Schweizer Grand-Prix-Siegerin der Volksmusik Geraldine Olivier, das norddeutsche Schlagerduo Judith und Mel sowie der Saxophon-Solist Captain Freddy.

Weihnachtliche Akzente und volkstümliche Schlager standen im Mittelpunkt der traditionellen PS-Gala. Nach dem offiziellen Teil gab es drei Stunden lang Unterhaltung pur. In wechselnder Reihenfolge traten die Künstler auf, zunächst in einem reinen Showteil, dann in einem besinnlichen Teil mit ruhigen und nachdenklichen Liedern.

Die Schweizer Sängerin Geraldine Oliver (oben) wurde vom Publikum mit einem besonders vielseitigen Repertoire gefeiert. Mit dem Titel „Nimm dir wieder einmal Zeit“ hatte sie bereits 1995 den Grand Prix der Volksmusik gewonnen. Klar, dass ihr Hit auch in Kulmbach nicht fehlen durfte. Mit ihrer wunderbaren Stimme aber auch mit ihrer schwungvollen und herzlichen Ausstrahlung erobert sie das Publikum im Sturm.

Mit Liedern wie „Seemann lass das Träumen“ oder „Der weiße Mond von Maratonga“ erinnerte Geraldine Olivier an die Schlagerlegende Lolita. Aus der französischsprachigen Schweiz stammend hatte sie kürzlich auch ein Album auf Französisch veröffentlicht, daraus gab es den Titel „Qui saura“. Weil die Luft so trocken ist, trinkt Geraldine Olivier auf der Bühne Wasser, hätte aber gerne Champagner, bis Sparkassenchef Weiss endlich ein Kulmbacher Bier bringt, an dem sie freilich nur etwas nippt. Ihren Erfolgstitel „Champagner fürs ganze Lokal“ singt sie trotzdem.

„Musik ist seine Leidenschaft“, das glaubt man Captain Freddy (rechts) sofort. Der Instrumental-Solist und Ex-Bandleader der Erfolgsformation „Captain Cook und seine singenden Saxophone“ hatte viele Traummelodien für sein Instrument, das Saxophon mitgebracht. Schon vor Jahren hatte er die Segel seiner Solokarriere gesetzt und war allein auf große Fahrt gegangen. Seitdem formten hunderte von Auftritten in ganz Europa und Übersee seine Entertainer-Qualitäten.

Captain Freddy startet mit „Junge komm bald wieder“, gibt aber gleich zu, dass er eigentlich aus dem bayerischen Günzburg stammt. Genauso wie mit den „Singenden Saxophonen“ spielt er auch alleine Evergreens wie „Rote Korallen“ oder „Unter fremden Sternen“. Bei „Aber dich gibt´s nur einmal für mich“ singt Captain Freddy auch mit sonorer Stimme. Höhepunkt ist ein Duett, bei der er Geraldine Oliver auf dem Saxophon begleitet. Zu hören gibt es dabei eine wunderschöne Version des Heidi-Brühl-Klassikers „Wir wollen niemals auseinandergeh´n“.

Dritter Show Act des Abends sind schließlich Judith und Mel Jersey (links). Sie stehen schon seit über 30 Jahren gemeinsam auf der Bühne und gelten als eines der erfolgreichsten, deutschen, volkstümlichen Schlagerduos. Auch sie wurden durch den Grand Prix der Volksmusik bekannt, wo sie 1990 mit dem Lied „Land im Norden“ international auf den 5. Platz kamen. Insgesamt waren die beiden neun Mal beim Grand Prix der Volksmusik dabei und erreichten jedes Mal das internationale Finale.

Judit und Mel sind seit bald 50 Jahren auch privat ein Paar und da nimmt man es ihnen ab, wenn sie Titel interpretieren wie „Bis ans Ende der Zeit“, „Du hast mich, du hast meine Liebe“ oder „Ticket für zwei“ aus der Jubiläums-CD „30 Jahre gemeinsam auf der Bühne“. Höhepunkt ihres Weihnachtsprogramms ist zweifellos die deutsche Version des Cliff-Richard-Klassikers „Christmas time, mistletoe and wine“, der bei Judith und Mel „Weihnachtszeit, schönste Zeit“ heißt.

Sowohl Geraldine Olivier, als auch Judith und Mel sowie Captain Freddy zeigten sich bei der Gala als Stars zum Anfassen, die schon in der Pause ins Foyer gekommen waren, unermüdlich Autogramme schrieben und sich gutgelaunt mit ihren Fans fotografieren ließen.

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18.12.2016

Perfekt, packend und fein phrasiert / Stimmungsvolle Weihnachtskonzerte mit dem Kulmbacher Kammerorchester

Kulmbach. Zu allen Zeiten haben Komponisten Musik für die Weihnachtszeit geschrieben, teils zur Aufführung im Gottesdienst, teils für Konzerte. Eine wahre Blütezeit erlebte die Weihnachtskantate im Barock. Dort ist auch der norddeutsche Komponist und Organist Arnold Melchior Brunckhorst (1670 – 1725) einzuordnen, der eine Weihnachtsgeschichte vertont hat, die heute nahezu in Vergessenheit geraten ist.

Wäre da nicht Thomas Grünke mit seinem Kulmbacher Kammerorchester und dem St.-Johannes-Chor aus Trebgast. Dirigent, Musiker und Sänger haben die Weihnachtsgeschichte von Arnold Melchior Brunckhorst aus den Archiven geholt, bestens einstudiert und zu ihren Weihnachtskonzerten am Sonntagnachmittag in Burghaig und am Abend in der Katholischen Kirche „Unsere Liebe Frau“ in Kulmbach aufgeführt. In Burghaig ist die Kirche dabei so überfüllt, dass Pfarrer Holger Fischer im Vorfeld schon mal vorsorglich auf die Notausgänge hinweist.

Mit ihrem lebensvollen musikantischen Impuls und den chortechnisch wie besetzungsmäßigen Anforderungen bietet die Weihnachtsgeschichte nach Brunckhorst eine ideale Weihnachtsmusik. Sie ist das Ergebnis eines handwerklich brillanten und in der Wirkung sehr effektiven Stils, eine Art „Weihnachtsoratorium light“, was schon an der Länge, beziehungsweise Kürze von einer knappen halben Stunde deutlich wird. Nichts desto trotz, die Komposition ist nicht nur absolut wirkungsvoll, sie ist es auch wert, aufgeführt zu werden. Hier zeigt sich die Qualität des Kulmbacher Kammerorchesters und des Trebgaster St.-Johannes-Chores. Imposant und kompakt erstrahlen die Chorsätze, wobei sich Männer- wie Frauenstimmen durch einen angenehm zupackenden, klanglich sehr charaktervollen Duktus auszeichnen. Sorgfältig und stimmig spielt das Orchester unter dem Dirigat Grünkes.

Auch mit dem Solistenquartett hat der Dirigent eine gute Wahl getroffen. Mit silbrigem anschmiegsamen Klang, glasklar und glockenhell kann die Sopranistin Marion Schmid, bekannt vom Gesangsquartett Vocalisto, überzeugen. Flexibel in der Stimmgebung und hervorragend disponiert ist Altistin Melina Meschkat. Der amerikanische Tenor James Clark, in der Region längst kein Unbekannter, meistert seinen Part perfekt, routiniert und mit großer stimmlicher wie atemtechnischer Kapazität, während Bassist Tobias Freund aus Nürnberg eine hervorragende stimmliche Grundlage, angenehm timbriert und durchaus voluminös bildet. Sein Bass(bariton) kommt in der warmen Akustik der Burghaiger Kirche besonders gut zum Tragen. Alle vier Solisten haben eine herausragende Textverständlichkeit gemeinsam.

Zuvor führte das Kammerorchesters den ersten Satz aus Carl Philipp Emanuel Bachs „Magnifikat anima mea dominum“ und Johann Sebastian Bachs Orchestersuite Nr. 3 D-Dur auf. Die Musiker werden dabei den Ansprüchen einer fast schon mustergültigen Wiedergabe dieser wertvollen Stücke gerecht; gerade weil fast immer auf sehr hohem Niveau musiziert wird. Im  „Magnifikat“  von Carl Philipp Emanuel, dem berühmtesten der Bach-Söhne, kommen der Farbenreichtum und die packende Spielfreude gleich zu Beginn des Konzertes so richtig zum Tragen.

In der Orchestersuite blitzt so manch feine Phrasierung auf und das Kammerorchester spielt einmal mehr virtuos. Höhepunkt ist natürlich der mit „Air“ (Arie) überschriebene Satz, sicher eine der bekanntesten Bach-Kompositionen. Hier schweigen Trompeten, Oboen und Pauken, allein Streicher und Cembalo spielen den liedhaften Satz im Vier-Viertel-Takt mit seiner ausladenden Oberstimmenmelodie und dem in regelmäßigen Achteln schreitenden Bass.

Bleiben noch ein wundervolles Weihnachtslied des zeitgenössischen englischen Komponisten John Rutter mit dem Titel „Christmas Lullaby“ und die Arie „O du, die Wonne verkündet in Zion“ aus dem „Messias“ von Georg Friedrich Händel, die von der Altistin Melina Meschkat mit überaus tragfähiger Stimme und großer Textverständlichkeit hervorragend interpretiert wird. Natürlich gab es am Ende einen Riesenapplaus, das Weihnachtslied „Engel bringen frohe Kunde“ sowie ein gemeinsam gesungenes „Tochter Zion“ als Zugabe.

Bilder:
- Das Kulmbacher Kammerorchester und der Trebgaster St.-Johannes-Chor bei seinem Weihnachtskonzert am Sonntag in der total überfüllten Burghaiger Johanneskirche.
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Mit einer Arie aus dem „Messias“ von Georg Friedrich Händel konnte die Altistin Melina Meschkat beim Weihnachtskonzert des Kulmbacher Kammerorchesters überzeugen.

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16.12.2016

Ästhetik der goldenen Tanzkultur / Märchenhaft und museal: St. Petersburg Festival Ballett gastierte mit Tschaikowskys „Schwanensee“ in der Dr.-Stammberger-Halle

Kulmbach. Für die Sparte Ballett ist es abseits der Metropolen schwer geworden. Ein junges Publikum gibt es kaum noch, viele kennen die Kunstgattung gar nicht mehr. Im Zuge vieler Sparmaßnahmen werden die Produktionen auch an großen Häusern weniger und so könnte man fast glauben, dass die Ballettkunst langsam ausstirbt. Wenn, ja wenn es nicht Tourneetheater gäbe, die zwar nicht gerade mit bahnbrechenden, sondern eher mit konservativen, um nicht zu sagen musealen Inszenierungen aufwarten, aber dennoch etwas von der großen Faszination Ballett vermitteln. Das St. Petersburg Festival Ballett ist so eine Truppe, die Jahr für Jahr um die Weihnachtszeit entweder mit Peter Tschaikowskys „Nußknacker“, mit „Dornröschen“ oder mit dem „Schwanensee“ durch die Lande zieht. Mit „Schwanensee“ machten sie am Freitagabend in der Dr.-Stammberger-Halle in Kulmbach Station. Wenn auch viele Plätze leer blieben, so war es doch ein erstaunlich junges, aufmerksames und sachkundiges Publikum, das diesen „Schwanensee“ sehen wollte.

Die romantische märchenhafte Geschichte um Macht und Liebe, in der sich der junge Prinz Siegfried in die verzauberte Schwanenprinzessin Odette verliebt und sie vom bösen Zauber des Magiers Rothbart befreit, das ist der Stoff, aus dem Ballettträume sind. „Schwanensee“, das ist fast schon ein Synonym geworden für die Eleganz des klassischen Balletts auf höchstem Niveau.

Das St. Petersburg Festival Ballett gilt als eines der besten Ballett-Ensembles der Petersburger Schule und es steht für strenge klassische Eleganz und für Tanzleistung in Perfektion. Die Macher haben dazu ganz traditionelle opulente Kostüme und kitschig-schöne Bühnenbilder geschaffen. Hier wird die Ästhetik der goldenen Tanzkultur großgeschrieben. Alle Tänzerinnen und Tänzer agieren in Kulmbach auf sehr hohem Niveau und überzeugen mit Können und einer blitzsauberen Tanzleistung.

Wie gesagt, bahnbrechende Choreographien wird ernsthaft niemand erwartet haben. Ganz traditionell setzen die Macher auf geometrische Figuren, da laufen Tänzerreihen wunderbar ineinander, da werden immer wieder bewegte Ornamente, Kreise, Dreiecke, Quadrate und Winkel gebildet, ganz mit Revue-Charakter und das alles bei der wunderbaren Musik Tschaikowskys, die freilich vom Band kommt. Der Zauber der perfekten Show stellt sich trotzdem ein.

Irina Borisova, Absolventin der Kiew-Ballett-Akademie, vereint in der Doppelrolle als weißer Schwan Odette und als schwarzer Schwan Odile Eleganz mit Pathos, ganz in alter russischer Schule. Mit graziöser Eleganz und athletischer Sprungfertigkeit tanzt Ivan Sitnikov, bis 2014 Solotänzer am Mariinski-Theater in St. Petersburg, als Siegfried. Den Zauberer Rothbart gibt ein stets präsenter Arseni Islamov perfekt und im fantasievollen Kostüm, den Hofnarr tanzt in ebenfalls überragender Manier Sergeij Dubrovin. Höhepunkte sind zweifellos die Charaktertänze und Solovariationen, die Pas de deux Siegfrieds mit dem weißen Schwan im zweiten Akt und mit dem schwarzen Schwan im 3. Akt.

Insgesamt besteht das St. Petersburg Festival Ballett aus über 40 Tänzern, 32 sind pro Abend auf der Bühne, alle sind Absolventen renommierter russischer Ballett-Schulen. Sämtliche Tänzer haben bereits an führenden Ballett-Theatern Russlands gearbeitet und zahlreiche Preise bei internationalen Ballett-Festivals und -Wettbewerben gewonnen. Zusammen bilden sie im St. Petersburg Festival Ballett eine der ästhetisch und technisch besten Ballett-Kompanien nicht nur Russlands. Die künstlerische Leitung lag in den Händen der beiden Choreographen von Margarita Kamysh und Nikolai Boyarchikov, beide große Namen der renommierten Tanzszene.

Natürlich krönte am Ende ein großer Schlussapplaus mit Jubel, Bravo-Rufen und sogar einem Blumenstrauß für die Hauptdarstellerin den russischen Ballettabend in der Dr.-Stammberger-Halle. Stephan Herbert Fuchs

Bilder:
- Irina Borisova und Ivan Sitnikov tanzten die beiden Hauptpartien des Prinzen Siegfried und der Odette.
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Die Interpretation ist traditionell, klassisch, fast museal. Dennoch konnte das St. Petersburg Festival Ballett mit Tschaikowskys Schwanensee am Freitagabend in der Dr.-Stammberger-Halle überzeugen.

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09.12.2016

Effektvoll, zupackend und geschmackvoll: Ljubka Biagioni und ihre Sofia Symphonics stimmten in der ausverkauften Dr.-Stammberger-Halle auf Weihnachten ein

Kulmbach. Vertrautes und nicht so bekanntes Weihnachtsrepertoire in prächtigen Arrangements, wunderbar gespielt und eindrucksvoll wiedergegeben, das ist die „Magie von Weihnachten“. Chor und Orchester der Sofia Symphonics unter der Leitung von Ljubka Biagioni zu Guttenberg sind die Überbringer dieser frohen Botschaft am Samstagabend in der Dr.-Stammberger-Halle. Einmal mehr ist es ein hochkarätiges wie stimmungsvolles Konzert mit einem populären Programm, das die perfekte Einstimmung auf das Weihnachtsfest ist und sich völlig zu Recht mit dem Prädikat „Die Magie von Weihnachten“ schmücken durfte.

Auch diesmal spannt das Programm wieder einen weiten Bogen von klassischen Weihnachtslieder wie „In dulci jubilo“ über festliche Klassik, mit Ausschnitten aus Tschaikowskys Nußknacker-Suite, bis hin zu amerikanischen Christmas Songs wie „White Christmas“ oder Rudolph the red nosed reindeer“. Höhepunkte des Abends sind klassische Acapella-Sätze, zum Beispiel Max Regers „Schlaf wohl du Himmelsknabe du“, aber auch die raffinierte Orchester- und Chor-Arrangements, etwa von „The first noel“ oder von „Stille Nacht, heilige Nacht“. Wie bei festlicher Weihnachtsmusik dieser Art üblich darf es gerne mal auch ein wenig kitschig sein, da tragen die Arrangements schon mal dick auf, klingen manchmal mehr amerikanisch als europäisch und der Klangkörper musiziert mit großer Spielfreude glamourös im Breitwandformat.

Als nicht angekündigten Überraschungsgast hatte die Dirigentin den bulgarischen Jazz- und Popsänger Vassil Petrov mitgebracht, der in bester Frank-Sinatra-Manier und mit prägnanter sonorer Gesangsstimme einige Weihnachtslieder zum Besten gibt. Vassil Petrov ist in seiner Heimat ein echter Star und sorgte auch schon weit darüber hinaus mit seinen Sinatra-Shows für Aufsehen. Petrov, der mit Mikrofon singt und aus dem Publikum heraus auftritt, klingt wie Frank Sinatra und hat eine unglaubliche Bühnenpräsenz. Mit seiner samtenen Stimme und seiner außergewöhnlichen Ausstrahlung wird er zu Recht gefeiert.

Natürlich ist das Niveau des Orchesters durchgehend hoch, technisch gibt es keinerlei Mängel und Ljubka Biagioni hat das alles frisch und zupackend im Griff. Gerne zielt sie auch mal auf den einen oder anderen Effekt ab, aber genau das ist es ja auch, was man bei einem solchen Konzert mit einem derart populären Programm erwartet. Das Orchester musiziert trotzdem von Anfang bis Ende mit größter Sorgfalt und Differenziertheit und stets wohltuend geschmackvoll.

Das gleiche gilt für den Chor, der vor allem durch ein wunderbares Piano und einer besonderen Textverständlichkeit auffällt. Etwa in der Acapella-Version von „Maria durch ein Dornwald ging“ fällt nicht nur das Piano so positiv auf, sondern auch das wunderbar austarierte Gleichgewicht der Männer- und Frauenstimmen. Musikalisch besonders bemerkenswert wird es immer dann, wenn Chor und Orchester im Wechselspiel musizieren und dabei zu enormen Klangsteigerungen fähig sein, die bei vielen Zuhörern nicht nur für Staunen sorgen, sondern ein echtes Gänsehaut-Gefühl auslösen.

Moderiert wird der Abend von der Dirigentin mit Wahlheimat Kulmbacher Land, die mit ihrem Charme und ihrer Herzlichkeit die Zuhörer verzaubert. „Kulmbach ist meine musikalische Heimat“, sagt sie. Zwei Mal wird sie auch zur Rezitatorin, einmal mit Hermann Hesses „Weihnachtsabend“, später mit „Fern im Osten wird es helle“ des frühromantischen Schriftstellers Novalis. Ein Novum sorgte schon vor dem Konzert für Aufmerksamkeit: eine Bläsergruppe aus dem Orchester spielte im Foyer einige festliche Bläsersätze und stimmte die Besucher hervorragend auf den Abend ein.

Am Ende gibt es einen nicht enden wollenden Beifall, Standing Ovations und Worte des Dankes von Oberbürgermeister Henry Schramm, die lediglich durch einen Zwischenruf („Sie verderben die Weihnachtsstimmung“) unterbrochen werden. Das Stadtoberhaupt spricht von einem wunderbaren Abend und von einer großen Fangemeinde, die Ljubka Biagioni zu Guttenberg mittlerweile in Kulmbach gewonnen hat. Die Musik habe an diesem Abend die Herzen der Menschen nicht nur erreicht, sondern auch verzaubert.

Bilder:
- Ljubka Biagioni leitete die Sofia Symphonics am Samstagabend beim eindrucksvollen Weihnachtskonzert in der ausverkauften Dr.-Stammberger-Halle.
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Mit Vassil Petrov hatte die Dirigentin einen Sänger mit sonorer Stimme nach Kulmbach gebracht, der einige Weihnachtslieder in bester Frank-Sinatra-Manier zum Besten gab.

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07.12.2016

Ernste Musik muss gar nicht ernst sein / Außergewöhnliche Musikstunden mit Rekkenze Brass an der Pestalozzi- und an der Meußdoerffer-Grundschule

Kulmbach. Noch etwas schüchtern wippen die Schüler zunächst im Takt mit, doch schon nach wenigen Takten ist das Eis gebrochen und die über 80 Dritt- und Viertklässer der Pestalozzi-Grundschule klatschen begeistert mit. „Die Musik war auch schon vor ein paar hundert Jahren ganz schön rockig“, sagt Trompeter Benjamin Sebald. Er ist Profimusiker und seit Jahren beim Hofer Blechbläserquintett Rekkenze Brass dabei, wo der gebürtige Pegnitzer die Trompete spielt. 

Nach Hof, Baunach und Bamberg waren die fünf Profimusiker von Rekkenze Brass am Mittwoch nach Kulmbach zur Pestalozzi-Grundschule und in die Meußdoerffer Grundschule gekommen, um eine Musikstunde der besonderen Art zu geben. Kaum hatten sie die Aula der Musikschule betreten, zogen sie die meist rock-, pop- und hip-hop verwöhnten Kids auch schon in ihren Bann. Ein mittelalterlicher Tanz von Michael Preatorius begeisterte das junge Publikum ebenso wie George Gershwins „Bindin my time“. Das besondere an den Musikhörstunden mit Rekkenze Brass ist, dass die fünf Musiker die Kompositionen nicht nur mit  viel Witz erklären, sondern das junge Publikum auch aktiv einbeziehen.

Am meisten Applaus bekommt dabei der zehnjährige Andre, den Rekkenze Brass kurzerhand zu einem Triangel-Solo in Leroy Andersons Triangle-Song verpflichtet, was der Viertklässer, mit Bravour bewältigt. Aber auch für seinen Mitschüler Dokan ist es kein Problem, das höchste und das tiefste Instrument zu erkennen. Natürlich kommt die Nummer mit dem Gartenschlauch immer wieder gut an. Den Schlauch hat Hornistin Debra Luttrell mit einem Mundstück am einen und einem Trichter am anderen Ende präpariert, um ihn über die erstaunten Köpfe kreisen zu lassen und dabei auch noch richtige Musik zu machen.

Das hätten sie sich die Kinder der Pestalozzi-Grundschule, nicht träumen lassen, dass klassische Musik so spannend und so witzig zugleich sein kann. In einer Zeit, in der es längst nicht mehr selbstverständlich ist, dass Kinder mit dieser Art von Musik konfrontiert werden, hat es sich das renommierte Hofer Blechbläserquintett Rekkenze Brass seit Jahren zur Aufgabe gemacht, Musik in die Schulen zu bringen und jungen Leuten klar zu machen, dass die sogenannte ernste Musik nicht unbedingt auch immer ernst sein muss.

Rekkenze Brass, das ist das berühmte Blechbläserquintett aus Hof, das seit vielen Jahren mit seinen Konzerten Musikfreunde in aller Welt zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Rekkenze Brass ist aber auch eine Formation, die mit großer Leidenschaft besonders bei jungen Leuten immer wieder für die Faszination der Musik wirbt.

„Uns geht es mit den Musikhörstunden aber nicht nur darum, den Kindern die klassische Musik nahe zu bringen, sondern auch darum, ihr Interesse und Verständnis für Musik zu wecken“, sagt Rainer Streit, der aus Kulmbach stammt und der bei Rekkenze Brass die Tuba spielt. Viele von den Schülern seien noch nie in einem klassischen Konzert gewesen. „Sie kennen das Erlebnis gar nicht, der Musik einmal leise zuzuhören und sie einfach so auf sich wirken zu lassen“, sagt Rainer Streit. „Wenn wir dann bei dem einen oder anderen Kind etwas bewirken können, hat sich unser Engagement schon gelohnt.“ Noch besser wäre es natürlich, wenn die eine oder der andere in den nächsten Tagen bei Streits Bruder Harald in der Musikschule vorbeischauen und sich für ein paar Schnupperstunden auf einem Instrument anmelden würden. „Dann hätte sich unser Einsatz absolut gelohnt“, sind sich die Musiker von Rekkenze sicher.

Die Musikhörstunden von Rekkenze Brass werden im Rahmen der Jugendförderung vom Bezirk Oberfranken und seiner Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau in Lichtenberg (Landkreis Hof) veranstaltet und von der Oberfrankenstiftung unterstützt. Während anderswo Musikstunden gekürzt werden, sollen die Schüler unterstützt durch die Oberfrankenstiftung davon profitieren, ein derart renommiertes Ensemble vor Ort zu haben, das sich wie kaum ein zweites der musikalischen Förderung verschrieben hat. Erklärtes Ziel ist es, Schüler unterschiedlichen Alters zur eigenen musikalischen Betätigung anzuregen und diejenigen, die selbst schon ein Instrument spielen, auf die Arbeit des Hauses Marteau und das Oberfränkische Jugendsymphonieorchester aufmerksam zu machen.

Auch Oberbürgermeister Henry Schramm hat es sich an diesem Morgen nicht nehmen lassen, die Musikhörstunde mitzuerleben. Für Schramm, der selbst dem Bezirkstag von Oberfranken angehört, ist es wichtig, dass der Bezirk Geld in die Hand nimmt, um Kinder an die Kultur heranzuführen und sie mit Musik zu konfrontieren. Weitere Musikhörstunden stehen in diesen Tagen in Gräfenberg und Pottenstein auf dem Programm.

Bilder:
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Das Hofer Blechbläserquintett Rekkenze Brass bei seiner Musikhörstunde in Kulmbach.
- Trompeter Benjamin Sebald auf Tuchfühlung mit dem Publikum.

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 Hornistin Debra Luttrell lässt einen Gartenschlauch mit Trichter und Mundstück über den Schüler kreisen.
- Der z
ehnjährige Andre spielt die Solo-Triangel zusammen mit den Musikern von Rekkenze Brass.

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28.10.2016

Die Arche Noah als Geschichte der Gegenwart / Bayreuther Chöre der Hochschule für evangelische Kirchenmusik führen Kinderoratorium „Archenspiel“ auf

Bayreuth. Es ist das größte Projekt in der 25-jährigen Geschichte des Kinder- und Spatzenchors an der Hochschule für evangelische Kirchenmusik in Bayreuth. Sogar ein Rap soll vorkommen in dem Kinder-Oratorium „Archenspiel“, das Gerti Richter mit ihren 110 Schützlingen im Alter zwischen fünf und elf Jahren seit Monaten einstudiert. Außerdem ist es eine echte Uraufführung des Werkes, das auf Betreiben von Regionalbischöfin Dorothea Greiner und der Förderstiftung der Hochschule bei dem Autor Maximilian Ponader und den Komponisten Karsten Leykam und Marko Zdralek in Auftrag gegeben wurde. Am Samstag, 12. November, und am Sonntag, 13. November, wird das Werk jeweils um 17 Uhr in der Bayreuther Stadtkirche zu erleben sein.

Gesamtleiterin Gerti Richter, Dozentin an der Hochschule für evangelische Kirchenmusik, verspricht Spektakuläres. 40 bis 50 Scheinwerfer sollen die Stadtkirche in das rechte Licht rücken, ein riesiges Segel wird die Arche aus der biblischen Arche-Noah-Geschichte symbolisieren und neben verschiedenen Musikstilen wird es auch Elemente des Schauspiels, des Tanzes und des Musicals geben, alles kindgerecht und altersgerecht, so dass schon Kinder im Vorschulalter eingeladen sind.

Im Gegensatz zur biblischen Arche-Noah-Geschichte ist beim „Archenspiel“ jeder eingeladen, mit in die Arche zu kommen. Die Vielfalt der Tiere wird zu einer Vielfalt aller menschlichen Lebewesen. „Gegen die Fluten der Belanglosigkeit und Kurzlebigkeit zimmern sie sich eine Arche mit einem festen Grund aus Mitmenschlichkeit und der aktiven Auseinandersetzung mit den Wahrheiten jenseits unserer Verstandeswelt“, heißt es im offiziellen Einführungstext. Damit wird auch klar, dass dieses „Archenspiel“ mitten im jetzt und hier stattfindet und eigentlich eine Geschichte aus der Gegenwart ist. Eine Geschichte, in der es beispielsweise um Konsum oder Entfremdung geht und bei der am Ende Werte wie Wahrheit und Aufrichtigkeit zählen.

Bunt ist das Produktionsteam, das bis zuletzt unter Hochdruck gearbeitet hat. Als Autor fungiert der in Bayreuth aufgewachsene Regisseur und Schauspieler Maximilian Ponader. Komponisten sind der Nürnberger Kirchenmusiker Karsten Leykam, der an der Bayreuther Hochschule studiert hatte und der Marko Zdralek, der als Professor für Theorie und Komposition an der Hochschule lehrt. Dazu kommt noch Jens Hübner, der sich für die Ausstattung, das Lichtkonzept und nicht zuletzt auch für Gestaltung des bunten und vieldeutigen Plakats auszeichnet.

Nach den Worten von Pfarrer Wolfgang Böhm, er ist der Fundraiser, also Mittelbeschaffer für die Förderstiftung der Hochschule, reicht der erste Impuls für den Kompositionsauftrag bereits zwei Jahre zurück. Ein religiöses Stück, verbunden mit einem großen Auftrag sollte es werden. Dank zahlreicher Sponsoren konnten die Kosten im fünfstelligen Bereich abgedeckt werden.

Unter der Gesamtleitung von Gerti Richter werden der Bayreuther Kinder- und Spatzenchor, der Jugendchor, dazu Gesangssolisten aus den Chören sowie sieben Jugendliche, die an der Hochschule unterrichtet werden auftreten. Begleitet werden die Sängerinnen und Sänger von einem 16-köpfigen Kammerorchester unter der Leitung von Nikolaus Richter.

Karten für die beiden Aufführungen am 12. und 13. November, jeweils 17 Uhr, in der Stadtkirche Bayreuth gibt es im Vorverkauf an der Theaterkasse, Opernstraße 22 in Bayreuth, Telefon 0921/69001. Eintrittskarten kosten acht Euro in der ersten Kategorie und drei Euro in der zweiten Kategorie, Kinder sechs, beziehungsweise zwei Euro.

Bild: Gerti Richter und Pfarrer Wolfgang Böhm werben mit diesem Plakat für die Uraufführung des Kinder-Oratoriums „Archenspiel“ am 12. und 13. November in der Bayreuther Stadtkirche.

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15.10.2016

Innig und introvertiert, flexibel und furios / Beethoven pur: Hofer Symphoniker mit Tobias Feldmann und unter Ljubka Biagioni zu Guttenberg in Kulmbach

Kulmbach. Mehr Beethoven geht nicht, zumindest an einem Konzertabend. Unter der Leitung von Ljubka Biagioni zu Guttenberg führten die Hofer Symphoniker am Samstag in der Dr.-Stammberger-Halle neben Beethovens „Egmont“-Ouvertüre  sein Violinkonzert D-Dur op. 61 und die dritte Symphonie Es-Dur op. 55 mit dem Beinamen „Eroika“ auf. Alles Werke mit visionärem Charakter, wahre Meilensteine der Musikgeschichte. Prominenter Solist im Violinkonzert war der junge Geiger Tobias Feldmann. Er war 2001 Sieger des 4. Internationalen Violinwettbewerb Henri Marteau, der alle zwei Jahre unter der Trägerschaft des Bezirks Oberfranken stattfindet.

Das anspruchsvollste aller Violinkonzerte hatte sich Tobias Feldmann herausgesucht, der trotz junger Jahre völlig zurecht auch international zu den vielversprechendsten Talenten unter den Geigern zählt. In seiner Interpretation wechseln sich  furioses Passagenspiel, introvertiertes Innehalten und innig ausgekostete Kantilenen ab. Natürlich musiziert er fabelhaft präzise, flexibel in der Bogenführung und mit atmender Phrasierung. Tobias Feldmann besitzt ein außergewöhnliches Gestaltungsvermögen. Die Töne fließen bei ihm, als wäre es das Natürlichste der Welt. Mit perfekter Technik verleiht er jeder Note ein Eigenleben, verliert aber nicht das große Ganze aus dem Blick und macht melodische Zusammenhänge hörbar. Bemerkenswert sind auch seine Kadenzen, die trotz manch zeitgenössischen Anklangs und der ungewöhnlichen Paukenbegleitung tatsächlich so von Beethoven komponiert wurden. Überaus gelungen ist auch seine Solo-Zugabe, das Stück „Recuerdos de la Alhambra“ des spanischen Komponisten Francisco Tarrega.

Nüchtern und gelassen wird er beim Violinkonzert von den Hofer Symphonikern unter Ljubka Biagioni begleitet. Die Musik fließt ganz selbstverständlich mit großen Bögen. Die Dirigentin führt den Klangkörper mit breiten Strichen, kostet die orchestralen Passagen aus, besonders im Larghetto, dem eigentlichen Zentrum der Komposition. Immer wieder räumt sie Tobias Feldmann seinen Platz als Solisten großzügig frei, sie setzt auf weiche Übergänge und dynamische Ausgewogenheit, am Ende des zweiten Satzes auch auf einen wunderbaren Dialog zwischen Solisten und Orchester.

Überaus eindrucksvoll erklingt auch Beethovens dritte Symphonie, das Es-Dur-Werk mit der Opuszahl 55. Ljubka Biagioni, die Dirigentin aus dem Kulmbacher Land, die vor wenigen Tagen mit der Ehrenmedaille des Bezirks Oberfranken ausgezeichnet wurde, fügt die Symphonie souverän absolut logisch zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Die überschwängliche Begeisterung, mit der Beethoven die Komposition anging, als sie noch als Hommage an Napoleon gedacht war, ist in dieser Interpretation zu spüren. Bekanntlich revidierte Beethoven seine Meinung über Napoleon später und kratzte die Widmung aus der Partitur.

Schroffe und filigrane Klänge wechseln sich im ersten Satz ab, ein liebevoll gestalteter, fast schon kammermusikalisch durchleuchteter Trauermarsch „Marcia funebre“ im zweiten und viel tänzerischen Schwung im Finale, das alles macht Ljubka Biagionis Interpretation aus. Es ist eine Deutung in erstaunlich transparentem Klangbild. Viele Details der Partitur hat man so akkurat selten gehört. Sämtliche Motive werden ganz logisch in Stimmungen umgesetzt, mit großer Detailtreue und einem glänzend aufgestelltem Orchester.

Begonnen hatte der Klangkörper den Abend mit der „Egmont“-Ouvertüre, die Beethoven 1809/1810 nach Motiven zu Johann Wolfgang von Goethes gleichnamigem Trauerspiel komponiert hatte. Auch hier gelingt es den Hofer Symphonikern die Zuhörer von Anfang an durch stilistische Gradlinigkeit und Konsequenz zu fesseln. Perfekt austariert musizieren die Hofer diese Komposition zwischen bühnenhafter Dramatik und musikalischem Einfallsreichtum.

Bild: Tobias Feldmann war der Solist in Beethovens Violinkonzert, das die Hofer Symphoniker unter Ljubka Biagioni zu Guttenberg am Samstagabend in der Dr.-Stammberger-Halle aufführten.

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06.10.2016

„Mikrokosmos europäischer Geschichte“ / Intendant Marcus Rudolf Axt ließ beim Kulmbacher Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing die Geschichte der Bamberger Symphoniker Revue passieren

Kulmbach. Das Vor-Vorgängerorchester spielte 1787 die Uraufführung von Mozarts „Don Giovanni“, das Vorgängerorchester 1914 die erste Aufführung von Wagners „Parsifal“ außerhalb von Bayreuth und der jetzige Klangkörper hatte bereits Mahlers-Symphonien auf dem Programm, als von der Mahler-Renaissance in Deutschland noch lang keine Rede war: Die Bamberger Symphoniker sind in jeder Hinsicht ein außergewöhnliches Orchester. Um das alles den Kulmbacher Musikfreunden nahe zu bringen, war Intendant Marcus Rudolf Axt zum Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing gekommen.

 Viele Kulmbacher besuchten regelmäßig die Konzerte der Bamberger Symphoniker in der Domstadt und so lag es nahe, einmal den Mann einzuladen, der künstlerisch und wirtschaftliche für das Orchester verantwortlich ist. Axt sprach von einem Schlüsselpunkt, an dem der Klangkörper aktuell angelangt sei. So habe das Orchester im März seinen 70. Geburtstag gefeiert und erst vor wenigen Tagen konnten sich Musiker und Publikum über den gelungenen Einstand des neuen Chefdirigenten Jakob Hrusa freuen. Der aus Brünn stammende 35-Jährige habe zunächst einen Vertrag für fünf Jahre, frühere Chefdirigenten seien aber in der Regel mindestens 15 Jahre in Bamberg geblieben, sagte Axt.

Schon der berühmte Dirigent Hans Knappertsbusch habe die Bamberger bereits 1948 eines der bedeutendsten Orchester Europas genannt. Da lag die Gründung des „Bamberger Tonkünstlerorchesters“ gerade einmal zwei Jahre zurück. Ab 1950 wurden die Bamberger unter ihrem Chefdirigenten Joseph Keilberth in aller Welt zum Kulturbotschafter der neuen Bundesrepublik. Keilberth war nicht nur Chefdirigent bis zu seinem Tod 1968, er war auch Chefdirigent des Deutschen Philharmonischen Orchesters Prag, aus dem die Bamberger Symphoniker hervorgegangen waren.

Warum ausgerechnet von Prag nach Bamberg? Viele Musiker aus Prag hätten Anfang Mai 1945 in den Wirren der letzten Kriegstage flüchten müssen und hätten dies in Richtung Westen getan, denn hier habe sich die amerikanische Besatzungszone befunden. Viele davon seien deshalb in Bamberg geblieben, weil die Domstadt etwa im Gegensatz zu Nürnberg oder zu Städten ähnlicher Größenordnung weniger zerstört war und Bamberg mit dem Domberg und der Altstadt irgendwie an Prag erinnert habe. Vielleicht hatten sich die Musiker hier heimisch gefühlt“, sagte Axt, zudem Bamberg damals wohl auch genügend Platz und Unterkunftsmöglichkeiten für Flüchtlinge gehabt habe.

Auch den Spuren des vielgepriesenen böhmischen Klangs mit seinen warmen Holzbläsern, homogenen Streichern, dem romantischen Blech und einem so ausgewogenen orchestralem Klangbild ging Intendant Axt nach. Der Klangcharakter sei trotz ständiger Fluktuation im Orchester und mehrfachen Wechsels des Chefdirigenten die Frucht langjährigerer Zusammenarbeit, sagte er. Exakt 350 Musiker stünden für die ersten 50 Jahre, 50 davon spielten mehr als 30 Jahre in Bamberg

Der Intendant sah in der Geschichte der Symphoniker einen „Mikrokosmos der europäischen Geschichte“, der geprägt sei von Krieg, Flucht und Vertreibung. „Heute sind die Bamberger Symphoniker eine feste Größe in der deutschen Orchesterlandschaft“, sagte Intendant Axt. International präsent, aber dennoch verwurzelt in einer Region, „die süchtig nach Musik ist“. Nach den Worten des Intendanten hätten die Symphoniker bis heute weit über 7000 Konzerte in 512 Städten und 62 Ländern gespielt. Axt: „Auf diese Bilanz kann unser Orchester zu Recht stolz sein.“

Bild: Der Vorsitzende des Freundeskreises der Evangelischen Akademie Tutzing Bernd Matthes (rechts) bedankte sich beim Intendanten der Bamberger Symphoniker Marcus Rudolf Axt für seinen Vortrag im Martin-Luther-Haus.

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06.10.2016

Musik für den Frieden / Bayreuther Zamirchor gestaltet Holocaust-Gedenkstunde der Vereinten Nationen in Genf

Bayreuth. Nach 2011 und 2014 ist der Zamirchor aus Bayreuth zum dritten Mal eingeladen worden, die offizielle Gedenkstunde der Vereinten Nationen zum Internationalen Holocaust-Gedenktag  am 26. Januar 2017 in Genf musikalisch zu gestalten. „Wir sind schon alle fleißig am Üben“, sagt Chorleiterin Barbara Baier, die das Mammutprojekt bereits seit Monaten organisiert.

Für den kleinen Laienchor aus Bayreuth ist es einer seiner bisher größten Auftritte, wenngleich der Zamirchor bereits mehrfach in Israel, 2010 sogar vor der UN-Vollversammlung in New York, aber auch immer wieder in der Region aufgetreten ist. Zuletzt gastierte der Klangkörper im Sommer 2015 zum 50. Jahrestag des Freundschaftsabkommens zwischen Israel und Deutschland in der Hofer Freiheitshalle.

In Genf werden diesmal der Misgav Hagalil Choir aus Israel, die knapp 70 Musiker des Deutschen Radio Orchesters, die beiden Solisten Joanna Sachryn (Cello) und Walter Schreiber (Geige) und der bekannte israelische Komponist, Dirigent und Pianist Isaak Tavior dabei sein. Auf dem Programm stehen neben einigen höchst anspruchsvollen zeitgenössischen Kompositionen Taviors auch Werke von Giuseppe Verdi und das berühmte Thema aus dem Film Schindlers Liste von John Williams.

„Ich kann nicht anders“, antwortet Barbara Baier auf die Frage, was sie antreibt. In ihrer Bayreuther Wohnung laufen alle Fäden zusammen. Hier entstand das Programm, hier werden die Bustransfers organisiert, Probenpläne terminiert und hier wird die Finanzierung geklärt. Die  Sopranistin, Gesangslehrerin und Gründerin des Zamirchors hat dabei nicht locker gelassen und rund 100000 Euro zusammengetrommelt.

„Das Ganze ist ja kein Selbstläufer“, sagt die Leiterin und ist froh, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier als Schirmherr gewonnen zu haben. Eingefädelt habe das der Präsident des Fränkischen Sängerbundes Peter Jacoby. Einer der größten Mitfinanziers ist demnach auch das Auswärtige Amt mit rund 10000 Euro. Sponsoren werden freilich noch immer gesucht, allein der Eigenanteil des Zamirchors liegt derzeit bei knapp 8000 Euro. Das bedeutet auch, dass jedes Chormitglied 350 Euro aus der eigenen Tasche für Fahrt und Unterkunft berappen muss.

Trotzdem seien alle mit Feuereifer dabei, sagte Barbara Baier. Die rund 30 Chormitglieder im Alter zwischen 15 und 80 Jahren sehen ihr Engagement auch als Beitrag zum Frieden. Der Holocaust werde mittlerweile von anderen Themen überlagert. „Man hat es einfach nicht mehr so auf dem Schirm“, sagt Barbara Baier. Doch Antisemitismus gebe es immer noch und den könne man genauso auf den Umgang mit Flüchtlingen hierzulande übertragen. Neben UN-Generalsekretär Ban Ki-moon werden bei der Gedenkstunde ein Holocaust-Überlebender sowie der israelische und der deutsche Botschafter sprechen.

Der Zamirchor engagiert sich seit 2006 für die israelisch-deutsche Beziehung. „In der jahrelangen Zusammenarbeit mit unseren Freundschaftschören aus Israel haben wir realisiert, dass der ständige Kontakt außerordentlich wichtig ist und dass es ein ganz großes Bedürfnis nach Austausch gibt, so Barbara Baier.“  Bei dem Chor handelt es sich um einen 2006 gegründeten gemischten Laienchor mit rund 30 Mitgliedern. „Bei uns geht es um Musik und um Völkerverständigung“, sagte Barbara Baier, die bereits an vielen Bühnen in Deutschland feste Engagements hatte. Sie sucht auch immer wieder neue Mitstreiter für den Chor, der wie alle derartigen Zusammenschlüsse einer ständigen Fluktuation unterworfen ist. Mittlerweile ist der Zamirchor als Verein organisiert, seine Mitglieder sind Hausfrauen, Schüler und Studenten genauso wie Krankenschwestern, Lehrer oder Schauspieler. Geprobt wird mindestens einmal pro Woche in der eigenen Zamirhalle, einer kleinen ehemaligen Fabrikhalle in Bayreuth, die von den Mitgliedern in liebevoller Kleinarbeit zum Veranstaltungsort umfunktioniert und ausgestattet wurde.

Vor dem Auftritt in Genf wird der Zamirchor ein A-Cappella-Konzert in Bayreuth (21. Januar), nach dem Genfer Auftritt ein zweites Konzert im neuen Kulturzentrum in schweizerischen Lugano sowie ein weiteres A-Cappella-Konzert im französischen Faverges veranstalten. Ein weiteres Chorkonzert am 9. November 2016 in der Bayreuther Zamirhalle ist dem Gedenken an die Reichskristallnacht  gewidmet.

Bild: Große Ehre für kleinen Chor: der Bayreuther Zamirchor wird im Januar die offizielle Gedenkstunde der Vereinten Nationen zum Internationalen Holocaust-Gedenktag  in Genf musikalisch ausgestalten.

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02.10.2016

Blasmusik umsonst und draußen /
Stadtkapelle Kulmbach feierte 165. Geburtstag

Kulmbach. Es war ein gelungenes Open-Air-Konzert, ein hervorragender Auftakt für das Grünzugfest und eine rauschende Geburtstagsfeier: Der 165. Geburtstag der Stadtkapelle Kulmbach. Zur Feier gehörten zunächst ein Empfang der Stadt in der Dr.-Stammberger-Halle und schließlich ein Konzertnachmittag unter freiem Himmel. Ein paar Regentropfen konnten dem musikalischen Familienfest nichts anhaben, viele hundert Besucher waren gekommen, um die Stadtkapelle umsonst und draußen zu hören.

Zu einer richtigen Geburtstagfeier gehören natürlich auch prominente Gratulanten. Die wichtigsten waren sicher das Lüneburger Stadtorchester unter seinem Dirigenten Volker Masemann und die Kupferberger Stadtkapelle unter Valerij Efremov. Während des rund 90-minütigen Konzerts der Stadtkapelle, die zunächst alleine, dann zusammen mit dem befreundeten Orchester aus der Partnerstadt Lüneburg aufspielte, gab es freilich auch die eine oder andere Überraschung.

Da war zunächst der Kulmbacher Markgrafenspielmannszug, der die Musiker begrüßte und mal traditionell, mal modern („Puppet on a string“) aufspielte. Ein weiterer Gratulant war der Kulmbacher Büttnereiverein, den die Stadtkapelle seit 1992 bei der Eröffnung der Bierwoche begleitet. Die Büttner hatten ein Fass Kulmbacher Bier dabei, das der Vorsitzende Roland Jonak anstechen durfte. Assistiert wurde er dabei von Oberbürgermeister Henry Schramm, der genaueste Erläuterungen gab, so dass Jonak für den ersten Fassanstich seines Lebens gerade einmal drei Schläge brauchte. Schließlich hatte auch die Feuerwehr im Grünzug nicht nur einen dekorativen Oldtimer mit ausgefahrener Leiter samt Kulmbacher Stadtflagge ausgestellt, die Stadtkapelle bekam von Benno Pieger auch eine Handsirene geschenkt. Auf der Bühne war es dann Bernhard Nehring, der das Sirenensolo beim Marsch der Feuerwehr von Hans Ahrens spielen durfte.

„Per Aspera ad Astra“ („Auf rauen Pfaden zu den Sternen“) lautete der Konzertmarsch von Ernst Urbach, mit dem die Stadtkapelle das Programm eröffnete und der symptomatisch für die Geschichte des Klangkörpers steht. Die Geschichte lässt sich übrigens auch in der neuen, absolut lesenswerten und 80 Seiten starken Jubiläumschronik nachblättern, die Helmut Rogler eigens für das Jubiläum verfasst hatte.

Auch konzertante Stücke funktionieren unter freiem Himmel, das zeigte eindrucksvoll die Ouvertüre zu „Orpheus in der Unterwelt“ mit dem berühmten Can-Can von Jacques Offenbach. Weitere Titel, die typisch für die Stadtkapelle sind und die Thomas Besand für das Jubiläum ausgesucht hatte waren unter anderem die Titelmelodie der früheren TV-Show „Musik ist Trumpf“, ein Frank-Sinatra-Medley und der amerikanische National-Emblem-March.

Zuvor hatte Oberbürgermeister Henry Schramm die Geschichte der Stadtkapelle bei einem Festakt in der Dr.-Stammberger-Halle Revue passieren lassen, von ihren Anfängen 1851 als Gründung aus einer Stammtischgesellschaft heraus über die Gründung der Kulmbacher Knabenkapelle 1901 durch die schweren Kriegszeiten hindurch bis in die Gegenwart. Heute bestehe die Stadtkapelle aus 251 Mitgliedern von denen 55 aktiv im Orchester musizieren.

Das breit gefächerte Repertoire reiche von Traditionsmärschen über bayerische und böhmische Blasmusik bis hin zu Oper, Operette, Filmmusik, Musical, Dixie und Swing.“ Mit diesem abwechslungsreichen und vielseitigen Repertoire bereitet uns die Stadtkapelle bei den verschiedensten Veranstaltungen und Festen in unserer Stadt sehr viel Freude“, sagte Schramm. Die Konzerte der Stadtkapelle seien aus dem Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Schramm: „Was wäre ein Auftakt zum Bierfest und der Einmarsch ins Bierzelt ohne die musikalische Begleitung der Stadtkapelle?“

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24.09.2016

15 Jahre Bandgeschichte und 50 Jahre Rockgeschichte / Alles andere als eine reine Coverband: Bayreuther Band Huebnotix  gastierte in der Dr.-Stammberger-Halle

Kulmbach. Rock-Klassiker, Kultsongs der Rock- und Popgeschichte, und das alles in ausgefeilten Arrangements und eigenwilligen sowie stets perfekten Interpretationen: das ist Huebnotix. Rund drei Stunden lang begeisterte die Bayreuther Band am Samstagabend mit einem stimmungsvollen Jubiläumskonzert in der gut zur Hälfte gefüllten Dr.-Stammberger-Halle ihr Publikum.

Es war ein Streifzug durch 15 Jahre Bandgeschichte und durch 50 Jahre Rockgeschichte mit reichlich Bühnennebel und einer raffinierten Lightshow. 15 Jahre sind es schon, dass Andy Sack (Gesang und Percussions), Andi Hübner (Gesang, Gitarre und Mundharmonika), Joe Greiner (Keyboards) sowie Markus Burucker (Gesang, Gitarre und Bass) bundesweit für Furore sorgen. Dazu kommt der langjährige Weggefährte Mike Müller an den Percussions und Jonas Roßner, der das neunköpfige Streicherensemble, sieben elektrisch verstärkte Geigen und zwei Celli, leitet. Die Streicher kommen aus Nürnberg, München und anderen Städten und spielen gemeinsam nur mit Huebnotix. Ganz besonders tritt mehrfach Sologeigerin Rebekka Wagner hervor, eine exzellente Musikerin aus dem klassischen Fach, der diese Art von Crossover ganz besonders liegt.

Huebnotix ist dabei alles andere als eine Coverband, der es auf ein möglichst genaues Nachspielen der Originale ankommt. Die Musiker interpretieren die Stücke vielmehr in einem unverwechselbaren Akustik-Stil und mit viel Liebe zum Detail, so wie es sonst nur in der klassischen Musik üblich ist. Huebnotix bevorzugen dabei besonders Peter Gabriel (Solsbury Hill”), Paul Simon („You can call me Al“), die Beatles (“Here comes the sun”), Supertramp (“Ain´t nobody but me”) oder auch Jamie Cullum (“I´m all over it”).

Man merkt den Huebnotix-Leuten an, dass sie die gemeinsame Lust verbindet, Lieder neu zu interpretieren. Frank Zappas „Bobby Brown“ steht dafür genauso wie Marvin Gayes „Heard it through the grapevine“. Im Mittelpunkt steht das Miteinander, das gemeinsame Spiel, keiner drängt sich nach vorne, dazu sind alle zu sehr exzellente Instrumentalisten. Doch auch der Wechsel im Leadgeasang steht für sich. Egal ob Markus Burucker, Andi Hübner und Andy Sack, sie alle klingen verschieden und doch jeder für sich ausdrucksstark und mitreißend.

Den zweiten Teil des Abends startet Huebnotix zunächst ohne das Streicherensemble mit einigen neuen Songs, doch schon bald wird die Musik wieder durch die Strings veredelt.2013 waren die Musiker von Huebnotix erstmals zusammen mit klassischen Streichern aufgetreten, um die Brücke von Rock-Klassikern zu Klassik-Rock zu schlagen. Vorbilder gibt es genug. Die Arrangements dazu stammten aus den eigenen Reihen. Alle Facetten kamen dabei zum Tragen: die stillen, langsamen Lieder genauso wie mitreißenden rockigen Songs.

Dabei spielen Huebnotix Popmusik eher für den Kopf, weniger für die Beine. Mitklatschen, Mitsingen und Mitwippen gehören trotzdem dazu. Am Ende des tollen Jubiläumskonzertes applaudierten die Zuhörer so lange und intensiv, bis Huebnotix noch mehrere Zugaben, darunter Bob Dylans „Like a rolling stone“ präsentierte.

Bilder: Huebnotix and Strings gastierten am Samstagabend in der Der.-Stammberger-Halle.

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22.09.2016

165. Geburtstag: Vom Musikverein zur Stadtkapelle / Jubiläumsfeier mit musikalischen Gästen aus Kupferberg und Lüneburg am 2. Oktober im Grünzug

Kulmbach. Zugegeben: 165 Jahre, das ist nicht unbedingt ein rundes Jubiläum. Wenn die Stadtkapelle Kulmbach ihren 165. Geburtstag dennoch zum Anlass für ein großes Jubiläumsfest nimmt, dann deshalb, weil es auch um ein Wochenende der Begegnung geht. Der Begegnung mit dem befreundeten Stadtorchester Lüneburg und mit der Stadtkapelle Kupferberg. Gefeiert wird am Sonntag, 2. Oktober von 13 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt im Grünzug hinter der Dr.-Stammberger-Halle. Das Fest findet bei jedem Wetter statt, sollte es regnen, werden die Auftritte einfach in die Halle verlegt.

Seit 165 Jahren ist die Stadtkapelle der musikalische Botschafter der Stadt, zunächst als Musikverein, ab 1973 als Stadtkapelle. Eigentlicher Geburtstag ist der 3. Dezember 1851, als drei Herren mit den Namen Grampp, Spindler und Meußdoerffer den „Musikverein zu Kulmbach“ ins Leben riefen. Sogar einen hauptamtlichen Dirigenten gab es ab 1869, der als „Stadtmusikus“ fest angestellt war. Mit dem ersten Weltkrieg begann für den Verein, der nicht nur für die Blasmusik, sondern für alle musikalischen Anlässe in Kulmbach die erste Adresse war, eine Zeit der Krisen. Während des Zweiten Weltkriegs verlieren sich sämtliche Spuren einer musikalischen Betätigung.

1945 waren es zunächst einige Mundharmonikaspieler, die sich der Tradition erinnerten. Später kamen ein Kammerquartett, ein Streichorchester, ein Salonorchester und sogar eine Schrammelmusik dazu. Unter Dirigenten wie Willi Kühn, Alfons Pohl und Walter Hörning fuhren die Bläser Erfolge bei Wertungsspielen ein und seit 1961 trägt der Musikverein das Stadtwappen in an der Uniform. Heute hat die Stadtkapelle 251 Mitglieder, davon 55 aktive Musiker.

Gut 50 Musiker zwischen 16 und 86 Jahren werden auch beim Jubiläumsfest mitwirken. „Zu unserer Jubiläumsfeier werden wir das schöne Ambiente des Grünzugs und die Bühne des Grünzugfestes nutzen“, freut sich Dirigent Thomas Besand auf das große Jubiläumsfest. Besand steht bereits seit Januar 1991 als Nachfolger von Hans Fiedler an der Spitze der Stadtkapelle. Unter Besands Leitung entstanden die beliebten Neujahrskonzerte in Saalfeld, Naila und Kulmbach, 1992 hatte die Stadtkapelle auch die offizielle Eröffnungszeremonie der Bierwoche samt Büttnertanz übernommen.

In lockerer Atmosphäre werden beim Jubiläumsfest am Sonntag, 2. Oktober ab 13 Uhr zunächst die Stadtkapelle, dann das Lüneburger Stadtorchester unter seinem Dirigenten Volker Masemann und schließlich die Kupferberger Stadtkapelle unter Valerij Efremov aufspielen. Thomas Besand verspricht, die gesamte Bandbreite des Klangkörpers vorzustellen, Märsche. Polkas, Ausschnitte aus Operetten und Opern gehören genauso dazu, wie die klassische konzertante  Blas- und Unterhaltungsmusik.

Bilder:
- In den Räumen der Musikschule probt die Stadtkapelle Kulmbach unter ihrem Dirigenten Thomas Besand für das Jubiläumsfest am 2. Oktober.

- Thomas Besand hatt
e 1991 die Leitung der Stadtkapelle Kulmbach übernommen.

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22.09.2016

Die Magie von Weihnachten / Festliche Konzerte mit den Sofia Symphonics unter Ljubka Biagioni zu Guttenberg am 10. und 11. Dezember

Kulmbach. Es war das musikalische Ereignis der Vorweihnachtszeit 2015 in Kulmbach: das Weihnachtskonzert mit Chor und Orchester der Sofia Symphonics unter der Leitung von Ljubka Biagioni zu Guttenberg in der Dr. Stammberger-Halle. Auch heuer wird es wieder ein solches vorweihnachtliches Konzert geben, und zwar am Samstag, 10. Dezember um 19 Uhr. Doch damit nicht genug: mit einer eigenen Weihnachtsmatinee tags darauf am Sonntag, 11. Dezember um 11 Uhr will die prominente Dirigentin aus dem Kulmbacher Land ganz neue Maßstäbe setzen.

„Die Magie von Weihnachten“, so lautet das Motto der beiden Konzerte. Das genaue Programm wollte Ljubka Biagioni am Donnerstag vor der Presse in Kulmbach noch nicht verraten. Nur so viel: die Matinee soll einen intimeren Charakter haben, zur Aufführung soll dabei auch barocke Musik kommen, während der Abend, so wie im vergangenen Jahr auch, eher glamourös sein wird.

„Kulmbach ist meine Heimat, mein geistiges Zuhause, meine Musikstadt“, geriet die Dirigentin bei der Ankündigung der Konzerte ins Schwärmen. Tatsächlich hat sie heuer Ende Juli nicht zum ersten Mal das Plassenburg-Klassik-Open-Air geleitet, bereits am 15. Oktober veranstaltet sie mit den Hofer Symphonikern einen reinen Beethoven-Abend, ebenfalls in der Dr.-Stammberger-Halle und im Dezember dann folgt an gleicher Stelle das weihnachtliche Doppelkonzert.

Das Konzert werde von vielen Menschen bereits sehnlichst erwartet, sagte Oberbürgermeister Henry Schramm. Selten habe er so viele positive Rückmeldungen erfahren, wie auf das Weihnachtskonzert des vergangenen Jahres. „Es waren der Charme und die Herzlichkeit, der die Menschen verzaubert hat“, sagte Schramm. „Die Sofia Symphonics unter der Leitung von Ljubka Biagioni zu Guttenberg könnten überall auf der Welt spielen, sie tun es in der Vorweihnachtszeit aber in Kulmbach“, so das Stadtoberhaupt. Schramm stellte den immensen persönlichen Einsatz der Dirigentin heraus, der das Konzert erst möglich mache. Immerhin gelte es Flüge und Unterkünfte für 90 Sänger und Musiker sowie mehrere Begleitpersonen zu organisieren und zu bezahlen.

Dirigentin Ljubka Biagioni zu Guttenberg wird deshalb auch noch im Oktober für ihre Verdienste um die Region mit der Ehrenmedaille des Bezirks Oberfranken ausgezeichnet. Die Baronin gelte längst als Dirigentin von internationalem Ruf und als Ausnahmeerscheinung in einem überwiegend von Männern besetzten Berufsbild, heißt es im einstimmigen Beschluss des Bezirkstages. Seit Anfang 2016 ist sie First Guest Conductor beim Sofia Philharmonic Orchestra und beim National Philharmonic Choir „Svetoslav Obretenov“. Seit 2013 ist sie außerdem Chefdirigentin der Sofia Symphonics. Geboren wurde sie als Tochter eines italienischen Politikers in Rom. 1977 heiratete sie den Dirigenten Enoch zu Guttenberg.

Beide Konzerte, aber ganz besonders die Matinee, seien auch für Kinder geeignet, sagte Ljubka Biagioni. Schließlich sei es ihr auch ein ganz besonderes Anliegen, junge Leute an die Musik heranzuführen. Deshalb möchte die Dirigentin auch die Generalprobe am Freitag, 9. Dezember für Schüler aller Kulmbacher Schulen öffnen.

Tickets gibt es bei der Tourist-Information Kulmbach (09221/9588-0). Das Samstagskonzert kostet zwischen 27 und 39 Euro (ermäßigt 22 bis 34 Euro). Tickets für die Sonntagsmatinee gibt es für 19 bis 29 Euro (ermäßigt 14 bis 24 Euro). Karten für beide Konzerte können auch als Paket erworben werden. Der Preis liegt bei 42 bis 64 Euro (ermäßigt 32 bis 53 Euro). Aufgrund der Großbaustelle am Zentralparkplatz bestehen ausreichend Parkmöglichkeiten im Kaufplatz-Parkhaus.

Bild: Dirigentin Ljubka Biagioni zu Guttenberg und Kulmbachs Oberbürgermeister Henry Schramm rührten bereits die Werbetrommel für die Weihnachtskonzerte mit den Sofia Symphonics am 10. und 11. Dezember in der Dr. Stammberger-Halle.

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25.08.2016

Brückenschlag nach Korea / Höchstmaß an Dramatik: Koreanische Sopranistin Hyue-Sun Kim gastierte im Altenstädter Schloss

Pegnitz. Ein ganz besonderer Liederabend ist dem Deutsch-Koreanischem Forum zu verdanken: die koreanische Sopranistin Hyue-Sun Kim gastierte am Donnerstagabend im Altenstädter Schloss in Pegnitz und am Freitagabend in der Kirche St. Georg in Streitau bei Gefrees.  Neben Liedern von Wolfgang Amadeus Mozart und Richard Strauss brachte die Sängerin auch einige Kompositionen aus ihrer Heimat mit. Begleitet wurde sie dabei von der jungen Pianistin Shihyun Lee.

Im Zentrum des Abends standen freilich die Wesendonck-Lieder von Richard Wagner, fünf berühmte Lieder, die Wagner nach Gedichten seiner Muse und Gönnerin Mathilde Wesendonck 1862 veröffentlichte. Zumindest zwei der Lieder gelten ganz offiziell als Studien zur Oper „Tristan und Isolde“. Das dritte Lied „Im Treibhaus“ enthält Passagen aus dem Vorspiel zum dritten Aufzug des „Tristan“, das fünfte Lied mit dem Titel „Träume“ verweist auf das Liebesduett im zweiten Aufzug.

Für die koreanische Sopranistin Hyue-Sun Kim, die in Deutschland unter anderem bei Erika Köth studiert hatte, ist es schon erstaunliche, wie sehr sie sich in Wagners Klangwelten eingefunden hat. Leidenschaftlich und ausdrucksorientiert präsentiert die Künstlerin mit ihrer wunderschön timbrierten Stimme die fünf kurzen Lieder voller leuchtender und strahlender Farben. Die Sopranistin agiert absolut intonationssicher und textverständlich.

Die Pianistin Shi-Hyun Lee, Klavier-Stipendiatin an der Seoul National University und erste Preisträgerin beim Beethoven-Klavierwettbewerb 2010 in Seoul, ist dabei mehr als eine Begleiterin am Steingraeber-Flügel. Sie bringt den Wagner-Kosmos zum Klingen und versteht es, die Komposition zu einem Erlebnis zu machen, zumal die Fassung für Klavier die Original-Fassung von Richard Wagner ist. Die meist aufgeführten Orchestrierungen teilweise von Wagner, teilweise von Felix Mottl kamen erst viel später dazu.

Ebenso perfekt erklingen auch die Kompositionen Mozarts. Die drei überzeugenden Lieder „Das Veilchen“, „An Chloe“ und „Abendempfindung“ interpretiert sie mit opernhafter Riesenstimme, mit enormer Strahlkraft, voluminös und bis in die tieferen Register absolut sicher. In der Musik von Richard Strauss findet sie zu einem innigen, dunkel-samtigen Timbre; so kann sie beweisen, dass ihr auch die lyrischen Nuancen liegen. Hier standen die Lieder „Die Georgine“, „Allerseelen“ und „Morgen“ auf dem Programm. In allen drei Kompositionen präsentiert Hyue-Sun Kim eine große dynamische Bandbreite mit durchgehend dramatischen Gestus.

Eine ganz andere musikalische Welt sind dagegen die Kompositionen aus ihrer Heimat. Das beliebteste Volkslied der Koreaner, das es in unzähligen Variationen gibt, heißt dabei ganz lautmalerisch „Arirang“. Die Sopranistin brachte drei grundverschiedene Variationen davon, aber auch zeitgenössische Kompositionen mit Titeln wie „Die Bergblumen“ oder „An die Sterne und Vögel.

Ganz so fremd ist diese Musik dann doch nicht. Sie erklingt melodiös und ist dramatisch aufgebaut. Hier kann Hyue-Sun Kim ihre bemerkenswerte Tiefe, aber auch extreme Höhe beweisen, wobei immer auch ein Höchstmaß an Dramatik dazugehört. Die charakterliche Vielschichtigkeit, die diese Kompositionen von einer Sopranistin verlangen, wird überzeugend eingelöst, von klaren und wohldosierten Vibrato getragenen, Stimmungen und Zwischentöne werden ideal zum Klingen gebracht.

Zuvor hatte der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe Hartmut Koschyk auf die Partnerschaften zwischen der Regierung von Oberfranken und der koreanischen Gangwon-Provinz sowie zwischen dem Landkreis Bayreuth und dem koreanischen Landkreis Goseong hingewiesen. Zwischen der koreanischen Tourismusschule und  der Pegnitzer Hotelfachschule gebe es bereits seit vielen Jahren einen regen Austausch. Außerdem existiere es in Goseong einen Bayreuth-Platz und in Pegnitz einen Goseong-Platz, was das Verhältnis zwischen den beiden Regionen eindrucksvoll widerspiegelt.

Eine große Ehre für Pegnitz nannte Bürgermeister Uwe Raab den Auftritt der koreanischen Sopranistin im Altenstädter Schloss. Pegnitz unterhalte in vielfacher Hinsicht internationale Beziehungen, für rund 50 verschiedene Nationalitäten sei die Stadt mittlerweile zum Lebensmittelpunkt geworden. Da passe es gut dazu, dass auch das kulturelle Leben von internationalen Angeboten profitiert.

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21.08.2016

Chormusik auf höchstem Niveau / Festival Junger Künstler: Knabenchor Mukachevo gastierte in der Goldkronacher Stadtkirche

Goldkronach. Das ist es, was das Festival Junger Künstler in Bayreuth Jahr für Jahr ausmacht: die beteiligten Formationen präsentieren klassische europäische Kompositionen, aber auch traditionelle Musik aus ihrer Heimat. Bestes Beispiel dafür ist der Knabenchor Mukachevo unter der Leitung seines Dirigenten Volodymyr Volontyr. Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel gehören genauso zum umfangreichen Repertoire des Klangkörpers, wie Werke ukrainischer Komponisten, Adaptionen ukrainischer Volkslieder und sogar zeitgenössische Kompositionen aus der Feder des Dirigenten.

Beim Auftritt des national wie international bereits mehrfach ausgezeichneten 36-köpfigen Ensembles, das bereits in fast 20 europäischen Ländern aufgetreten ist, gab es geistliche Musik vom Barock bis zur Gegenwart und Lieder aus der Heimat der jungen Sänger, meist a-cappella, teilweise aber auch von Kristina Volontyr an der elektrischen Orgel begleitet. Der Knabenchor Mukachevo wurde 1983 gegründet. Sein Leiter ist der ukrainische Komponist und Pädagoge Volodymyr Volontyr, der zugleich an der Spitze der namhaften Chorschule Mukachevo steht.

Eindrucksvoll vorgetragene Bearbeitungen von Bach („Befiel du deine Wege“) und Händel („Dank sei die Herr“) stellte der Chor an den Anfang seines Auftritts. Ob die jungen Leute wissen, was sie da singen? Sie tun dies aber in jedem Fall perfekt. Ein Höhepunkt des Konzertes war die kleine Messe „facile e melodica“ des in Vergessenheit  geratenen italienischen Komponisten Giuseppe Zelioli. Der Knabenchor intoniert das alles mit einer exakten Präzision, bei der die genaue Handschrift des engagiert mitgehenden Chorleiters immer wieder deutlich wird. Selbst von den jüngsten Chorsängern wird das Werk trotz seines komplexen Aufbaus souverän zu Gehör gebracht.

Bei Werken der ukrainischen Komponisten wie Mykola Lysenko oder Dmitri Bortnjanskyj zeigt der Chor, dass er ein absolut homogenes Ensemble ist. Manchmal vielleicht ein bisschen zu viel ins Forte gehend, aber immer mit großer Hingabe und Leidenschaft gesungen, Chormusik auf höchstem Niveau eben. Auch bei den ukrainischen Volksliedern mit Titeln wie „Kozaka nesut“ oder Shchedryk“ demonstriert der Knabenchor Mukachevo eindrucksvoll, dass ihm sein transparentes Klangideal gut zu Gesicht steht.

Ein weiterer Höhepunkt sind schließlich die beiden Gospelsongs am Ende „I´m his child“ von Moses Hagen und „Praise his holy name“ von Keith Hampton. Hier kann die Formation ihr ganzes Können und die überragende Stilistik aufzeigen.

Der Auftritt fand im Rahmen des 66. Festivals Junger Künstler statt. Veranstalter waren das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum und die Stadt Goldkronach. Nie zuvor habe es beim Festival einen derartigen Reichtum an Kulturen gegeben, wie in diesem Jahr, sagte Intendantin Sissi Thammer. Jeder Förderer sei herzlich willkommen, denn ohne die finanzielle Unterstützung zahlreicher öffentlicher und privater Partner wäre das Festival gar nicht möglich, so Patrick Lindthaler vom Alexander-von-Humboldt-Kulturforum. Bürgermeister Klaus-Dieter Löwel bedankte sich bei den Verantwortlichen, dass die Stadt Goldkronach mit zwei Gastspielen auch heuer wieder ein fester Spielort des Festivals war.

Das Festival Junger Künstler in Bayreuth steht heuer unter dem Generalthema „Kultur ist Verständigung“ und dauert noch bis 31. August. Das Festival zeichnet sich auch in diesem Jahr nicht nur durch Quantität, 460 Teilnehmer aus 30 Nationen, Musiker und Sänger, Tänzer und Nachwuchsmanager, sondern auch durch seine hohe Professionalität und Qualität aus. In über 80 Veranstaltungen und Konzerten sind junge Künstler aus aller Welt zu erleben.

Bild: Der Knabenchor Mukachevo gastierte unter der Leitung von Volodymyr Volontyr in der Goldkronacher Stadtkirche.

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14.08.2016

Ausbalanciert und aufeinander abgestimmt / Festival junger Künstler: Turkmenisches Kammerorchester gastierte in der Goldkronacher Stadtkirche

Goldkronach. Als Musiknation ist  Turkmenistan nicht gerade ein Begriff. Der Binnenstaat in Zentralasien direkt am Kaspischen Meer grenzt an den Iran, Afghanistan, an Usbekistan und Kasachstan und hat knapp sieben Millionen Einwohner. Auch wenn Turkmenistan keine Musikmetropole ist, kommt von dort ein erstklassiges Kammerorchester, das nun schon zum wiederholten Mal am Festival Junger Künstler in Bayreuth teilnimmt und das nach einem Jahr Pause am Sonntagabend wieder ein Gastspiel in der Goldkronacher Stadtkirche gab.

Musik von Tomaso Albinoni, Edvard Grieg, Giuseppe Tartini, Carl Maria von Weber, Gustav Holst und Astor Piazolla stand diesmal auf dem Programm, aber auch traditionelle turkmenische Kompositionen. Das Kammerorchester erwies sich einmal mehr als hoch talentierter Klangkörper mit ausgezeichneten Musikern und einem breiten Repertoire.  Das Orchester unter der Leitung des jungen Dirigenten Rasul Klychev, setzt sich aus Studenten und vor allem Studentinnen des Konservatoriums zusammen. Zwei Drittel der Musiker sind weiblich.

Sehr exakt traf das Ensemble gleich zu Beginn mit Tomaso Albinonis dreisätzigem d-Moll-Concerto den barocken Ton. Stimmungsvoll, dynamisch sorgsam ausbalanciert und aufeinander abgestimmt erklangen zwei elegische Melodien op. 34 von Edvard Grieg, wobei die Musiker durch ihr zupackendes Spiel einen wundervollen Klangteppich schufen.

Hemdsärmelig im wahrsten Sinne des Wortes spielte der erste Geiger des Ensembles, Samir Rizayev als Solist Giuseppe Tartinis g-Moll-Sonate, die auch unter dem Namen „Teufelstriller“ bekannt ist. Absolut sicher im Griff, beeindruckend im Ton und lässig in der Ausführung, aber stets exakt im Spiel lotete er die Grenzen seines Instruments aus. Natürlich konnte er dabei auf den begleitenden Orchesterpart hervorragend aufbauen.

Noch einen herausragenden Solisten hat das Ensemble mitgebracht, den Klarinettisten Ovezov Yusup. Er spielt den Solo-Part im 1. Satz des Klarinettenquintetts von Carl Maria von Weber. Die Musiker hatten dabei eine Version für Kammerorchester im Gepäck. Auch der Klarinettist ist ein wahrer Meister seines Faches und spielt die selten aufgeführte Komposition routiniert und absolut professionell.

Zwei Stücke aus ihrer Heimat haben die Musiker mitgebracht, die Komposition „Schmetterling“ von Aleksandr Ilyinskiy und ein „Lied ohne Worte“ von Aman Agadjikov. Für unsere Ohren klingt beides wie Musik an der Schwelle zur Moderne, gerade noch melodiös, aber doch schon in die Zukunft weisend. Die Kompositionen überraschen in ihrer wechselvollen Dynamik und im raschen Tempo.

„Kultur verbindet und eint“, sagte Festivalintendantin Sissy Thammer zur Begrüßung. Dem Festival gehe es darum, neue Grenzen zu erreichen und auch zu überschreiten. Goldkronachs 2. Bürgermeister Klaus-Dieter Löwel schwärmte von dem außerordentlich vielfältigen Repertoire der Musiker, die schon zahlreiche Preise erhalten hätten. Initiator des Konzertes war das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach mit seinem Gründungsmitglied, dem Bundesbeauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk. Er würdigte die wunderbare Friedens- und Verständigungsarbeit, die das Festival nunmehr seit vielen Jahrzehnten leiste. Das Festival Junger Künstler stehe für Versöhnung unter Völkern und Nationen, für Verständigung, Toleranz und Miteinander.

Das 66. Festival Junger Künstler in Bayreuth steht heuer unter dem Generalthema „Kultur ist Verständigung“ und dauert noch bis 31. August. Das Festival zeichnet sich auch in diesem Jahr nicht nur durch Quantität, 460 Teilnehmer aus 30 Nationen, Musiker und Sänger, Tänzer und Nachwuchsmanager, sondern auch durch seine hohe Professionalität und Qualität aus. In über 80 Veranstaltungen und Konzerten sind junge Künstler aus aller Welt zu erleben.

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31.07.2016

Augenblicke eines Avantgardisten / Das Klavierduo Edit Klukon und Dezsö Ränki interpretierte Liszts Dante-Symphonie und seine Kreuzweg-Vertonung

Bayreuth. 1879 hatte Franz Liszt seine Vertonung des Kreuzwegs Jesu „Via crucis“ vollendet, im Jahr 1929 wurden die 14 Szenen in Budapest uraufgeführt, die vierhändige Version wurde sogar erst 1986 veröffentlicht. Zum Gedenken an seinen 130. Todestag interpretierten die beiden ungarischen Pianisten Edit Klukon und Dezsö Ränki die Klaviertranskription für Klavier zu vier Händen ohne Soli und ohne Chor am Sonntagabend in der Bayreuther Schlosskirche.

Franz Liszt als Avantgardist? Gerade in der Komposition „Via crucis“ deutet einiges daraufhin: die collageartige Zusammenstellung verschiedener Stile beispielsweise. So erklingt mitten im Werk Hans Leo Haßlers Kirchenlied "Mein G’ müt ist mir verwirret …", das später in Bachs Matthäuspassion unter dem Titel „O Haupt voll Blut und Wunden“ " wiederauftaucht. Ganz einfach macht es Liszt dem Hörer mit der Vertonung der übrigen Kreuzwegstationen aber nicht, erst recht in der Fassung für Klavier zu vier Händen. Seine Musik steht für Ausweglosigkeit und Schmerz, die karge Melodie befindet sich oft kurz vor dem Verstummen. Die traditionelle Geschichte der Kreuzigung wurde nie zuvor in derart neu klingenden Tönen dargestellt. Kaum ein Komponist ist vor Liszt so an die Grenzen musikalischer Möglichkeiten gegangen.

Trotzdem ist "Via crucis" mehr als eine musikalische Meditation über die vierzehn Stationen des Kreuzwegs, mehr als ein faszinierendes Klangerlebnis. „Via Crucis“ ist auch in der Fassung für Klavier zu vier Händen, ein ungeheuer beeindruckendes Werk. Noch dazu wenn es von derart hervorragenden Pianisten wie Edit Klukon und Dezsö Ränki interpretiert wird. Sie haben „ihren“ Liszt verinnerlicht, sie schaffen es immer wieder Spannungsbögen aufzubauen, so dass die Musik nie zum Stillstand kommt.

Wie fantasievoll das symphonische Werk von Franz Liszt auf zwei Klavieren klingen kann, zeigt die Aufführung seiner Dante-Symphonie durch Edit Klukon und Dezsö Ränki. Farbenreich und transparent ersetzt das Pianistenehepaar ein komplettes Orchester. Schon beim spektakulären Beginn mit der Höllenfahrt wird klar, dass die beiden jeden Augenblick des Stückes mit Leben erfüllen und der kompletten Symphonie eine selten gehörte Dichte geben. Liszts Dante-Symphonie erschien bereits 1859 in Druckform und ist Richard Wagner gewidmet.

Veranstaltet wurde der außergewöhnliche Klavierabend zusammen mit dem ungarischen Ministerium für Kultur. Franz Liszt verbinde jedes Volk und jede Nation, sagte Minister Zoltan Balog. Liszt verbinde auch verschiedene Zeiten und Kulturen. Vor allem aber stehe Liszt für die Aussage, dass nationale und europäische Identität kein Widerspruch sein muss.

Der Bayreuther Bundestagsabgeordnete und Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk sah in dem Konzert das Gedenken an einen großen Europäer, der bleibendes hinterlassen hat, das für uns heute Erbe und Auftrag ist. Obwohl Franz Liszt eher zufällig beim Besuch seiner Tochter Cosima in Bayreuth verstorben ist, sei seine Grabstätte in Bayreuth eine Verpflichtung, sagte Stadtpfarrer Christian Steger. Er beschrieb Liszt als einen glaubenden Menschen ohne jegliche Ressentiments, der vor allem die Sprache des Christentums gesprochen habe.

Auf die Initiative der Pianistin Edit Klukon ist auch die rund 50 Zentimeter hohe Bronzestatue der Heiligen Jungfrau Maria zurückzuführen, die 2011 zum 200. Geburtstags von Franz Liszt im Inneren seiner Grabkapelle feierlich enthüllt wurde. Edit Klukon und Dezsö Ränki hatten auch diesmal im Vorfeld des Konzertes der letzten Ruhestätte des Komponisten einen Besuch abgestattet und Kränze niedergelegt. Einen weiteren Kranz legten Minister Balog und der Abgeordnete Koschyk im Vorfeld des Konzertes nieder.

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31.07.2016

Einigkeit in kultureller Vielfalt / Gedenken an den 130. Todestag von Franz Liszt – Ungarischer Superminister in Bayreuth

Bayreuth. Der ungarische Minister Zoltan Balog hat in Bayreuth an den 130. Todestages des Pianisten und Komponisten Franz Liszt erinnert. Balog, der in seiner Funktion als Minister für Humanressourcen auch Kulturminister seines Landes ist, nahm unter anderem an einem Gedenkgottesdienst für Franz Liszt teil, legte einen Kranz an der Grabstätte des berühmten Musikers nieder und präsentierte ein außergewöhnliches Klavierkonzert mit zwei der berühmtesten ungarischen Pianisten. Franz Liszt wurde im damals ungarischen, heute österreichischen Raiding geborgen und war am 31. Juli 1886 in Bayreuth verstorben.

Höhepunkt des Gedenkens war ein Konzert in der Schlosskirche mit den beiden ungarischen Pianisten Dezső Ránki und seiner musikalischen Partnerin Edit Klukon. Mit der Dante-Symphonie und dem Zyklus „Via Crucis“ hatten die beiden Konzertbearbeitungen für zwei Klaviere von Franz Liszt im Gepäck. Bereits am Vormittag gestaltete das Renner-Ensemble, ein Chor mit 16 kraftvollen Stimmen, alle ehemalige Mitglieder der Regensburger Domspatzen, den sonntäglichen Gedenkgottesdienst mit der 1848 in Weimar komponierten Messe für Männerchor von Franz Liszt, der Komposition „In veni David“ von Anton Bruckner, „Preghiera“ von Gioacchino Rossini sowie dem „Te Deum“ von Max Reger.

Dieser Gottesdienst geht zurück auf eine Stiftung, in der Liszts Tochter Cosima Wagner bestimmt hatte, dass alljährlich am Todestag des Vaters eine Messe in der Bayreuther Schlosskirche gelesen werden soll. Liszts letztem Willen entsprechend fand er in der Stadt seine letzte Ruhestätte, in der ihm der Tod ereilte.

Kein Geringerer als der österreichische Komponist Anton Bruckner spielt ihm auf Bitten von Cosima in der Totenmesse am 4. August 1886 in der Schlosskirche den Abschied. Diese historischen Begebenheiten nimmt die Schlosskirchenmusik regelmäßig zum Anlass um am Todestag mit Gottesdiensten und Konzerten an den Komponisten, Klaviervirtuosen, Dirigenten, Theaterleiter, Musiklehrer, Schriftsteller und Kosmopoliten Franz Liszt zu erinnern.

Bereits am Abend zuvor hatte das Renner-Ensemble aus Regensburg seine neue CD mit einer Einspielung von Liszts „Messe für Männerchor“ vorgestellt. Die Aufnahmen für die CD, die in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk bei dem renommierten Label Ars-Production erschienen ist, fanden in der Schlosskirche statt.

Ein weiterer Höhepunkt des Wochenendes war eine Gedenkstunde an der Grabstätte von Franz Liszt auf dem Bayreuther Stadtfriedhof. Dort legte der ungarische Minister zusammen mit dem Bayreuther Bundestagsabgeordneten und Bundesbeauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk einen Kranz nieder. Auch die beiden Pianisten Edit Klukon und Dezső Ránki erwiesen Liszt dabei ihre Referenz. Edit Klukon hatte bereits vor fünf Jahren zum 200. Geburtstag von Franz Liszt eine hochwertige Bronzeskulptur für die Grabkapelle auf dem Stadtfriedhof gestiftet.

Zoltan Balog ist nicht nur Politiker sondern auch Pastor. Als Minister für Humanressourcen ist er seit Mai 2012 neben der Kultur auch für die Bereiche Gesundheit, Soziales, Jugend, Bildung und Sport zuständig. Er studierte unter anderem an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Von 1983 bis 1987 arbeitete er in seiner Heimat als Gemeindepfarrer, anschließend ging er für weitere theologische Studien nach Tübingen. 1989 benannte ihn der Ökumenische Rat der Kirchen in Ungarn als Seelsorger für die Flüchtlinge aus der DDR im Flüchtlingslager Budapest-Csilleberc. Von 1989 bis 1991 war er Dozent für Neues Testament an der Reformierten Universität in Budapest. Von 1996 bis 2006 war er als Pfarrer der deutschen reformierten Gemeinde in Budapest tätig. Bei den Parlamentswahlen2006 hatte er ein Mandat im Ungarischen Parlament erhalten.

Bilder:
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Der ungarische Kulturminister Zoltan Balog (4. von rechts) hat zusammen mit dem Bayreuther Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk (links) einen Kranz an der letzten Ruhestätte von Franz Liszt auf dem Bayreuther Stadtfriedhof niedergelegt.
- Das Renner-Ensemble aus Regensburg in der Schlosskirche Bayreuth.
- Die Grabstätte von Franz Liszt auf dem Stadtfriedhof Bayreuth.

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29.07.2016

Zum Bierfestauftakt: Blasmusik goes Heavy Metal / Von Adele bis Metallica: Sinfonisches Blasorchester Kasendorf „rockte“ den Markt

Kulmbach. Sie sind eine schöne Tradition, die Blasmusikserenaden an den Vorabenden der Bierwocheneröffnung. Am Freitagabend „rockte“ das Sinfonische Blasorchester Kasendorf den Marktplatz und viele hundert Besucher ließen sich das Gratis-Open-Air-Konzert nicht entgehen.

Kurz vor halb neun ist der Marktplatz gut gefüllt. An der Eisdiele gibt es schon lange keinen freien Platz mehr, nur die Bratwurstbuden bleiben geschlossen. Viele bringen sich ihre Camping-Stühle selbst mit, eine ganze Reihe an Sitzmöglichkeiten hat auch der Musikverein aus Kasendorf herbeigeschafft. „Let me entertain you“ heißt das Robbie-Williams-Medley mit dem das Sinfonische Blasorchester unter der Leitung seines Dirigenten Thomas Eschenbacher den Abend beginnt. Klassiker aus Swing und Rock sind es, die auch diesmal wieder auf den Pulten liegen und das Konzept geht auf. Unter den Besuchern sind Touristen und Passanten, die zufällig vorbeigekommen waren, genauso wie Musikfreunde, die gezielt auch von weiter angereist sind, Decken und sogar einen Imbiss dabei hatten.

„Altes bewahren, Neues erfahren“, das ist einer der Leitsätze in der Blasmusik und kaum eine Formation setzt ihn so konsequent um, wie das Sinfonische Blasorchester, das seit Jahren in der Höchststufe spielende Große Blasorchester des Musikvereins Kasendorf. Musik, die swingt, die man kennt und bei der man automatisch im Takt mitwippt, gibt es. Beispielsweise Stevie Wonders „Sir Duke“ oder Adeles „Skyfall“, wunderbar interpretiert, blitzsauber intoniert und sorgsam ausbalanciert und  von der Sopranistin Marion Schmid, die sich später auch noch eine Ballade der britischen Sängerin Leona Lewis vornimmt. Das Blasorchester zeigt dabei eindrucksvoll, was Klangkultur bedeutet.

Einer der Höhepunkte von „Sinfonie rockt den Markt“ war sicher das Rock-Classic-Medley mit Titeln unter anderem von Michael Jackson, Cindy Lauper, Survivor und Elton John. Man mag es gar nicht glauben, wie gut das alles mit dem richtigen Arrangements für Blasorchester und unter der sorgsamen Einstudierung von Dirigent Thomas Eschenbacher funktioniert.

Fast schon ein Klassiker ist Glen Millers flott und mitreißend sowie mit bester Bigband-Qualität musizierte Komposition „Pennsylvania 6-5000“. Ein Urgestein an der Gitarre ist auch Wolfgang Diem. Er hat nicht nur beim eindrucksvollen und mit hohem Wiedererkennungswert aufgeführten Carlos-Santana-Medley seinen großen Einsatz.

Zweiter Gesangssolist ist Andreas Kasper, unter anderem mit „Another brick in the wall“ von Pink Floyd. Unglaublich gut klingt an diesem Abend auch der Heavy-Metal-Schmachtfetzen  „Nothing else matters“ von Metallica im blitzenden Blech und vollendeten Klang. Natürlich gab es auch Zugaben, etwa „Knockin´ on heavens door“ von Bob Dylan.

Sogar ein Vorprogramm stand diesmal auf dem Plan. Es war der Gegenbesuch der befreundeten Musikkapelle aus dem ungarischen Agendorf. Das Treffen stand im Zeichen des gegenseitigen Kennenlernens, des kulturellen Austausches und der Vertiefung freundschaftlicher Beziehungen. Dabei passten sich die Ungarn wunderbar dem Motto der Freunde aus Kasendorf an und spielten Hits von Abba bis Michael Jackson, aber auch die Blasmusikklassiker, die man auch hierzulande nur allzu gut kennt: den Konzertmarsch „Die Sonne geht auf“ von Rudi Fischer oder den „Böhmischen Traum“ von Norbert Gälle als Zugabe.

Bilder: Das Sinfonische Blasorchester Kasendorf unter der Leitung von Thomas Eschenbacher „rockte“ am Vorabend des Bierfestauftakts den Kulmbacher Marktplatz.

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27.07.2016

Kirchenmusik und koreanische Lieder: Südkoreas Sängerknaben in Oberfranken / Domchor aus Seoul gastierte in der Basilika Gößweinstein

Gößweinstein. Ein Knabenchor darf das: Rossinis witziges Katzenduett ungeniert mit Mozarts „Ave Verum“ in ein und demselben Konzert zu präsentieren. Genauso wie Schuberts „Lindenbaum“ mit „Panis Angelicus“ von Cesar Franck oder Beethovens „Die Himmel rühmen“ mit dem „Pie Jesu“ des Musical-Komponisten Andrew Lloyd Webber, alles in einem Konzert. Wie gesagt, ein Knabenchor darf das und es war ja nicht irgendein Knabenchor, der da am Mittwochabend in der Basilika von Gößweinstein und in der Folge in der Bayreuther Schlosskirche und der Pfarrkirche St. Johannes in Mehlmeisel gastierte. Es war der „Musica sacra boys choir“ aus der südkoreanischen Hauptstadt Seoul mit seinen 30 Mitgliedern im Alter zwischen acht und 13 Jahren. Die Südkoreanischen Sängerknaben sozusagen, die in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feiern konnten und dieses kleine Jubiläum zu einem Trip nach Deutschland nutzten.

Der Knabenchor gestaltet an jedem Sonntag einen Gottesdienst in der katholischen Myeongdong-Kathedrale von Seoul und hat sich durch zahlreiche Auftritte und Konzerte in seiner Heimat und vielen anderen Ländern einen Namen gemacht. Neben Stationen im Benediktinerkloster St. Ottilien, in Dresden, Berlin und im Münsterland kam der Chor also gleich dreimal in die Region. Zu verdanken war das dem Bayreuther/Forchheimer Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk und der Vertretung der Hanns-Seidel-Stiftung in der Republik Korea, dessen Leiter Bernhard Seliger mit der Region Bayreuth schon zahlreiche Projekte der Zusammenarbeit gestaltet hat.

In zwei unterschiedlichen Konzertabschnitten schufen die höchst konzentrierten und ausnahmslos auswendig singenden Chorknaben ein unter die Haut gehendes Klangerlebnis in dem eindrucksvollen Gotteshaus. So waren es im ersten Teil geistliche Kompositionen, im zweiten Teil unterhaltsame Klassik und koreanische Lieder. Getrennt wurden die beiden Teile von Mozarts Andante in F-Dur KV 660, meisterhaft interpretiert an der Mathis-Orgel von der koreanischen Organistin Soo-Jeong Jeong.

Exzellente Stimmen sind es, die der Chorleiter Jun-Young Jesung mit nach Deutschland gebracht hat. Das wird gleich zu Beginn in den beiden „Ave verum“-Vertonungen von Wolfgang Amadeus Mozart und Edward Elgar deutlich. Der Dirigent verstand es, die jungen Sänger mit viel Einfühlungsvermögen anzuleiten. Aus dem Chor heraus bildete Jun-Young Jesung sogar einen kleinen Kammerchor mit nur zwölf Sängern, die beispielsweise das „Pie Jesu“ aus dem Requiem des britischen Musicalkomponisten Andrew Lloyd Webber strahlend klar intonierten.

Weitere Höhepunkte waren die koreanischen Lieder „Arirang“, ein Synonym für koreanische Volkskultur, „Boribat“, ein Lied, das für Sehnsucht nach Frieden steht, sowie „Bukcheon Sjachum“, das den traditionellen Löwentanz zum Inhalt hat. So fremd diese Kompositionen auch klingen mögen, so gut passen sie in das kirchliche Umfeld der päpstlichen Basilika. Die Lieder, immer von Soo-Jeong Jeong an der Orgel begleitet, zeigten nicht nur die ungemeine Bandbreite des Ensembles auf, sie stehen auch in der Jahrhunderte überspannenden Tradition des Chorgesangs. Hier, und vor allem in der Zugabe eine koreanischen Liedes, das übersetzt „Du bist geboren, um geliebt zu werden“, stimmt der vielzitierte Satz Joseph Haydns von der „Musik als der Sprache, die man auf der ganzen Welt versteht“.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen freilich eine überaus romantische Version von Franz Schuberts „Lindenbaum“ und das berühmte Katzenduett von Giacomo Rossini, das die Opernsängerin Montserrat Caballe jahrzehntelang als Zugabe gesungen hatte, und das die jungen Koreaner auch mit dem notwendigen Humor präsentieren.

Pater Flavian Michali bezeichnete den Auftritt des Chores aus Seoul als eine große Auszeichnung für die Basilika. Hartmut Koschyk nannte es „schön zu spüren, wie wir uns diesen jungen Sängern verbunden fühlen“. Zumal der Chor nicht nur die hohe Kunst der Kirchenmusik, sondern auch die koreanischen Lieder und das deutsche Liedgut beherrsche.

Fotos: Der Domknabenchor „Musica Sacra“ aus Seoul unter der Leitung von Jun-Young Jesung trat mit einem anspruchsvollen Programm in der Basilika von Gößweinstein auf.

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17.07.2016

Schwelgerisch und mit viel Schmiss / Ljubka Biagioni gastierte mit den Sofia Symphonics zum Abschluss der Open-Airs auf der Plassenburg

Kulmbach. Da hat sich der Satiriker Kurt Tucholsky geirrt: Puccini, so schrieb er, sei „der Verdi des kleinen Mannes“ und Franz Lehar „dem kleinen Mann sein Puccini“. So viel Irrtum gab es selten. Noch dazu bei Tucholsky. Sowohl Giacomo Puccini, als auch Franz Lehar sind absolut herausragende Komponisten, Meilensteine der Musikgeschichte. Wer es nicht glauben mochte, der musste sich am Sonntagabend das Plassenburg-Open-Air mit dem Orchester der Sofias Symphonics unter Ljubka Biagioni zu Guttenberg anhören, schon war alles klar.

Zumindest die ersten Minuten standen allerdings unter keinem guten Stern. Auf die Sekunde genau  um halb Neun öffnete der Himmel seine Schleusen, wer konnte, stellte sich an den Arkaden unter, Schirme sprangen auf, Regenumhänge wurden ausgepackt. Das war es dann, konnte man im ersten Moment glauben. Doch der Spuk war zehn Minuten später vorbei und es blieb den ganzen Abend über trocken und mild.

Unter dem Motto „Canti d´ amore“ – „Lieder an die Liebe“ stand die Klassik auf der Burg diesmal und die prominente Dirigentin aus dem Kulmbacher Land hatte neben italienischen Opernarien und –duetten von Giacomo Puccini, Gaetano Donizetti, Giuseppe Verdi, einem Querschnitt aus Franz Lehars berühmtester Operette „Die lustige Witwe“ auch Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Johann Strauss im Gepäck. Zum dritten Mal stand Ljubka Biagioni nach einem Jahr Pause wieder bei einem Open-Air am Pult. Mit den Sopranistinnen Nely Kravchenko, Emilia Kircheva, Maria Pavlova und Angelina Marcheva den beiden Tenören Michail Michailov und Alexander Baranov sowie dem Bariton Nikola Ivanov, hatte sie auch namhafte bulgarische Solisten, alles herausragende Stimmen,  mitgebracht.

Die Musik bot genügend Italianita und Theatralik. Was Ljubka Biagioni und ihre fabelhaft einstudierten Symphoniker aus Sofia hier an Musik von Puccini, Donizetti und Verdi aufführten, zeugte von elegischem Schmelz und großem Bühnen-Pathos. Und genau dafür ist die Dirigentin zu haben. Sie setzt auch gerne mal einen Effekt, nur um des Effektes willen, was in einem sommerlichen Konzert unter freiem Himmel in lockerer Atmosphäre auch absolut erlaubt ist.

Schwelgerische Töne etwa gab es von dem fabelhaften Tenor Michail Michailov in Donizettis berühmter Arie „Una furtiva Lacrima“ aus der Oper „Der Liebestrank. Klangfarbige Reize setzten Emilia Kircheva, Maria Pavlova und Alexander Baranov gleich zu Beginn im Terzett „Oje, Oje, wie rührt mich dies“ aus der Fledermaus von Johann Strauss. Blitzsauber, spannend und mitreißend musizierten die Symphoniker Puccinis Zwischenspiel aus der Oper „Manon Lescaut“.

Musikalisch von höchster Qualität ist auch der Ausflug in die Operette „Die lustige Witwe“. Dazu hatte die Dirigentin einen aussagekräftigen Querschnitt zusammengestellt und fast wie bei einer halbszenischen Aufführung auf die Bühne gebracht. Mit Sorgfalt und Leidenschaft sind Ljubka Biagioni und ihre Sofia Symphonics bei der Sache. Schwungvoll und einschmeichelnd klingt das alles, auch wenn die Stimmen mikrofonverstärkt wurden und manchmal eine Spur zu aufdringlich rüberkamen. „Da geh ich ins Maxim“, „Lippen schweigen“, das „Vilja-Lied“, das alles und viel mehr sind die Hits dieses Glanzstücks der Silbernen Operettenära. Die Dirigentin versteht die Operette als deftig zupackende, weniger als psychologisch hintersinnige Kunst. Man hört, wie die Musiker die Komposition Lehars verinnerlicht haben, mit viel Schmiss, ansonsten aber auch schon mal straff und unsentimental.

„Sogar den Vögeln hat es gefallen“, sagte Oberbürgermeister Henry Schramm am Ende, als er der Dirigentin einen Blumenstrauß überreicht und sich für den wundervollen Abend bedankte. Ljubka Biagioni schaffe es immer wieder, eine familiäre Atmosphäre herzustellen, in der sich alle Zuhörer wohl fühlen können. Mittlerweile habe sich schon eine kleine Fangemeinde gebildet. „Sie sind eine von uns, das schmeichelt und Kulmbacher schon ein bisschen“, sagte das Stadtoberhaupt zur Dirigentin. Sie und das Orchester bedankten sich am Ende mit dem wunderschönen Lied „Non Ti Scordar Di Me“ des neapolitanischen Komponisten Ernesto de Curtis und mit dem Trinklied „Libiamo“ aus „La Traviata“, bei dem noch einmal alle sieben Solistenstimmen aufblitzen durften.

Am Rande des letzten Plassenburg-Open-Airs dieses Sommers zog Matthias Mayer von der Motions Kommunikations-GmbH ein erstes positives Fazit über die sechs Abende. Zusammen rund 7000 Zuschauer seien ein Rekord, sagte Mayer. Vor allem für das Klassikkonzert habe man heuer eine deutliche Nachfragesteigerung feststellen können, was zeige, dass sich die Marke „Klassik auf der Burg“ mittlerweile etabliert habe. Obwohl die Plassenburg-Open-Airs ein regionales Festival sind, habe man speziell zum Konzert der Ersten Allgemeinen Verunsicherung auch Zuschauer aus Frankfurt oder aus Freiburg begrüßen können. Damit und mit der Rekordbesucherzahl würden die Open-Air-Konzerte auch verstärkt zu einer Auslastung der Hotellerie und Gastronomie in der Stadt beitragen. Auch im kommenden Jahr seien wieder sechs Konzerte geplant.

Bilder:
1. Ljubka Biagioni am Sonntagabend im Schönen Hof der Plassenburg und ihr Orchester, die Sofia Symphonics, mit den Solisten Maria Pavlova, Alexander Baranov und Emilia Kircheva.
2. „E strano“: die berühmte Arie aus Verdis „La Traviata“ sang die junge Sopranistin Nely Kravchenko (rechts) unter der Leitung von Ljubka Biagioni.

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16.07.2016

Kabarett, kunstvoller Wortwitz und eingängige Popmusik / Umjubeltes Konzert vor 1500 Besuchern: die Erste Allgemeine Verunsicherung bei den Plassenburg-Open-Airs

Kulmbach. Obwohl kein einziges Plakat aufgehängt, wahrscheinlich nicht einmal gedruckt wurde, war das Konzert der Ersten Allgemeinen Verunsicherung bei den Plassenburg-Open-Airs lange im Vorfeld ausverkauft. Die großen Hits liegen alle schon Jahrzehnte zurück, trotzdem ist die EAV nach wie vor existent und hat mit „Werwolf-Attacke“ sogar ein neues Album auf dem Markt. Selten wurde ein Konzert so bejubelt, wie das am Samstagabend. Das Publikum aus ganz Nordbayern und vereinzelt auch darüber hinaus, war praktisch ein riesiger Fanclub. Einziger möglicher Kritikpunkt: nach knapp zwei Stunden ohne Pause war auch schon wieder Schluss.

Dabei hätte es ewig so weitergehen können, denn wer kennt sie nicht: „Ba-Ba-Banküberfall“, „Der Märchenprinz“, „Fata Morgana“, „Geld oder Leben“, und, und, und. Die Hits der Kultband aus Österreich sind längst Allgemeingut, die Band um Frontman und Multitalent Klaus Eberhartinger gilt als eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Formationen. Die Mischung aus Kabarett, kunstvollen Wortwitz und eingängiger Popmusik konnte bislang keine andere Gruppe nachahmen. Lediglich die Bühnenshow, wie man sie von früheren Konzerten mit den vielen Kostümen kannte, ist mittlerweile etwas auf der Strecke geblieben. Was bei der EAV bei oberflächlicher Betrachtung als Kalauer daherkommt, erweist sich bei näherer Betrachtung als bitterböse Satire, mit der Themen wie Alkoholsucht , Atomkraft oder Sextourismus geschickt verpackt werden.

Freilich hat sich die EAV seit ihrer Gründung 1977 immer wieder neu erfunden. Die Liste der ehemaligen Bandmitglieder ist lang, geblieben sind nur Klaus Eberhartinger und Thomas Spitzer. Letzterer, Gitarrist, Komponist und Textdichter war in Kulmbach leider nicht mit von der Partie. Gitarren und Keyboards bedient mittlerweile Kurt Keinrath, seit 2001 ist Franz Kreimer, Saxofon und ebenfalls Keyboards dabei. Ganz neu sind seit 2014 Alvis Reid am Bass und Aaron Thier am Schlagzeug.  

„Was ist los“, heißt es auf dem neuen Album. Es ist das Erfolgsgeheimnis der Band, dass Gesellschaftskritik bitterböse und so, dass einen meist das Lachen im Halse stecken bleibt, in mitsingbare Popmusik verpackt wird. „Neandertal“ ist überall und es ist auch der Hit, mit dem die Band das Konzert startet. Die Fans sind auch in Kulmbach wieder schwer begeistert, wobei natürlich jeder die alten Hits hören möchte. „300 PS“ oder die Geschichte vom „Sandlerkönig Eberhard“. Jedes EAV-Konzert ist auch so etwas wie ein „Best of“, kein Wunder, bei einer Band, die fast 40 Jahre auf dem Buckel hat und deren Frontman mit seinen 65 Jahren alles gibt.

Einem Conferencier gleich, verpackt Eberhartinger auch zwischen den Titeln ernste Themen in witzigen Weisheiten. Beinahe sarkastisch widmet er sich der Flüchtlingskrise, um daraufhin zu „Mach nie die Tür auf“ überzuleiten. Auch wieder so ein Moment, in dem man erst einmal den Atem anhält. Wenn es doch mal ein Flüchtling bis an die Nordsee schaffen würde, er würde dann zwar nicht Asyl bekommen, wohl aber einen Sponsorenvertrag von Red Bull. Das sind die Witze vom Schlage einer EAV und jeder spürt die beißende Kritik am System.

Kein Thema wird ausgelassen. Eberhartinger nimmt Oktoberfeste im Frühjahr aufs Korn, geißelt den Trachtenlook („Lederhosen-Zombie“) und spielt den „Alpen-Rap“ mit einem riesigen Geweih auf dem Kopf. Überhaupt die Kopfbedeckungen wechselt er ständig, mal trägt er eine weißen, mal einen schwarzen Frack.

Traditionell endet jedes EAV-Konzert mit dem witzigen Song „Morgen fang ich ein neues Leben an“, das Eberhartinger auf einem Barhocker sitzend zum Besten gibt, die Band und alle Mitwirkenden gruppieren sich drum herum und jeder genießt ein Kulmbacher Bier.

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12.07.2016

Pathetische Gesten und pompöser Rock / Gefeierter Auftakt der Plassenburg-Open-Airs mit Queen-Coverband „God save the Queen“

Kulmbach. Nur wenigen ganz Großen der U-Musik des 20. Jahrhunderts wiederfährt das, was auch die klassische Musik ausmacht: sie werden interpretiert, nachgespielt, immer wieder aufgeführt. Bei Elvis Presley ist das so, bei Abba, natürlich bei den Beatles und bei der englischen Rockband Queen. Zahlreiche Ensembles touren um die Welt, um die Musik des englischen Quartetts am Leben zu halten und immer wieder neu aufzuführen. So auch bei dem Queen-Tribute mit dem witzigen Namen „God save the Queen“, eine fabelhafte Revival-Band rund um Frontman Harry Rose, der den charismatischen Freddie Mercury gibt. Das Queen-Tribute am Dienstagabend war zugleich der Auftakt zu den Plassenburg-Open-Airs, die heuer an sechs Abenden hintereinander mit einem überaus abwechslungsreichen Programm auf einen neuen Besucherrekord zusteuern.

1970 gegründet, hatte das englische Quartett Queen um den Gitarristen Brian May, dem Schlagzeuger Roger Taylor, dem Bassisten John Deacon und Sänger Freddie Mercury mit großem technischen Aufwand eine Mischung aus Led Zeppelin, Black Sabbath und Yes-Versatzstücken präsentiert , die mit der Attitüde des Glamrocks vermischt wurde. Unumstrittener Mittelpunkt der Queen-Shows war freilich Freddy Mercury, der die Songs mit operettenhafter, oftmals pathetischer Geste unverwechselbar performte. Die perfekte Show stand dabei stets im Vordergrund. Queen nutzten für die Liveaufführung ihres pompös arrangierten Kunstrocks die jeweils neuesten Techniken für Akustik und Licht. Die Musiker übertrafen dabei mit Gespür für den richtigen dramatischen Zeitpunkt stets alle anderen Bands in der Größe der Ton– und Lichtanlagen und Spezialeffekte.

Das alles ist für eine Coverband schwer nachzumachen. Doch das Konzept von „God save the Queen“ ging auf, mit einer Mischung aus täuschend echt interpretierten Queen-Songs und eigenen kreativen Stilistiken. Die Vollblutmusiker überzeugten selbst eingeschworene Fans und luden zu einem außergewöhnlichen, über zweieinhalbstündigen Konzerterlebnis ein. Als Freddy Mercury überzeugte Frontman Harry Rose nicht nur optisch im typischen Mercury-Outfit, sondern auch stimmlich gerade in den anspruchsvollen Passagen, und da gibt es bei Queen einige. „Who wants to live forever“ ist so eine Ballade, bei der Rose seine opernhafte Stimme voll aussingen kann. Aber auch die typischen Angewohnheiten von Freddie Mercury hat sich Harry Rose längst zu eigen gemacht. Der Mikrofonständer ist für ihn Spielzeug, Tanzstange und Luftgitarre zugleich, die (englischen) Ansagen hat er sich von „Queen live at Wembley 1986“ abgehört und die linke Faust reckt er beinahe bei jedem Song pathetisch gen Himmel.

„God save the Queen“ gab das her, was Queen ausmachte: die ersten Songs, die noch deutlich vom Hardrock der frühen 1970er Jahre beeinflusst waren, aber auch die Queen-Ära ab 1975 als die Band das Album „A night at the opera“  veröffentlichte. Darauf war unter anderem der Song „Bohemian Rhapsody“ zu finden, der nun die neue Richtung vorgab und auch in Kulmbach hervorragend interpretiert, nicht fehlen durfte. Queen wurden damals glatter und stellten das hymnenhafte Pathos in den Vordergrund.  All das hatte die Cover-Band hervorragend realisiert und umgesetzt. Genau das brachten sie auf die Open-Air-Bühne des Schönen Hofes der Plassenburg: eine gelungene Kombination von brillantem Sound, einer aufwändigen Lichtshow und schrillen Kostümen. Auch und besonders bei „I want to break free“: Wie im Originalvideo kommt Frontman als Frau verkleidet auf die Bühne und tänzelt mit einem Staubsauger.

Auch die dritte Queen-Periode fehlte nicht, als sie Band ab den 1980er Jahren wohl auch als Reaktion auf Punk und New Wave, ihren zuckrigen Sound sparsamer einsetzte, und stattdessen Funk und Disco-Einflüsse zuließ. Ihre Singles und LPs belegten damals durchgängig die höchsten Chart-Positionen und live war das Quartett ein unvergleichliches Erlebnis. All das brachte die Coverband hervorragend rüber inklusive eines fulminanten Schlusses mit den Hymnen „I want it all“, „We will rock you“ und „We are the champions“. Queen lebt und wird überleben, das hat dieser Abend deutlich gemacht.

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08.07.2016

Wünsche an die Welt / Kulturpreise für Axel Luther und die Weidenberger Grund- und Mittelschule

Bayreuth. Zwischen den beiden Preisträgern gibt es eine Verbindung: 2004 hatte der Maler und Bildhauer Axel Luther aus Bayreuth die Idee, bei einem Aktionstag Schulklassen zu motivieren, ihre Zukunftswünsche auf Tafeln in einer von ihm erdachten, angedeuteten meterhohen Erdkugel aus Metall zu einem großen Kunstwerk zusammenzufügen. Die Kugel wurde damals in einem Innenhof des Landratsamtes aufgestellt. Zwölf Jahre waren die Tafeln Wind und Wetter ausgesetzt und dementsprechend warten sie in einem schlechten Zustand. Unter der Anleitung des aus Israel stammenden Pädagogen Sagy Cohen hatten deshalb Flüchtlingskinder der Weidenberger Schule die Tafeln neu gestaltet.

Beim Landkreisempfang wurden die ersten Tafeln in der Weltkugel installiert, gleichzeitig erhielten Axel Luther und die Grund- und Mittelschule Weidenberg die Kulturpreise des Landkreises. Axel Luther wurde für seine besonderen Verdienste auf dem Gebiet der bildenden Kunst ausgezeichnet, der Förderpreis ging an die Grund- und Mittelschule Weidenberg mit Sagy Cohen für herausragende Verdienste auf dem Gebiet der interkulturellen Verständigung.

Als etablierter und weithin anerkannter Künstler habe sich Axel Luther auf dem Gebiet der bildenden Kunst große Verdienste im kulturellen Bereich weit über die Grenzen unserer Region hinaus erworben, sagte Landrat Hermann Hübner bei der Übergabe des mit 3000 Euro dotierten Hauptpreises. Axel Luther wurde 1951 in Bayreuth geboren. Nach dem Zivildienst und einer längeren Asienreise ist er seit 1986 al freischaffender Künstler tätig. Seit 1994 mit eigenem Atelier im Blauen Turm von Hollfeld. Im Zentrum seines Schaffens stehen Tierfiguren und Portraits aus Stein, Beton, Keramik, Terrakotta, Stahl, Bronze, Treibholz und mit Alufolie. Er malt auf Fassaden, Wänden und auf Holz.

Seine ersten künstlerischen Versuche bestanden im Formen von Tieren mit Stanniolpapier und Alufolie, eine Besonderheit, der er bis heute treu geblieben ist, in der er es zur absoluten Meisterschaft gebracht hat und dessen Videoclips darüber auf Youtube Abonnenten auf der ganzen Welt haben. Er gehört auch zu den zehn Künstlern aus dem In- und Ausland, die sich seinerzeit an dem vom Landratsamt ausgelobten Projekt „Naturkunstraum Neubürg“ mit einer Bronze-Stele beteiligt haben. Zu seinen Werken zählen unter anderem die Wandbemalung eines Turms der früheren Brauerei Weiße Taube in Hollfeld oder das Denkmal für die Fischart Äsche in Waischenfeld.

Förderpreisträger ist die Grund- und Mittelschule Weidenberg für ihre außergewöhnlichen Integrations- und Kulturangebote. „In Sachen Migration wird bei der Kinder- und Jugendarbeit Herausragendes geleistet“, sagte Landrat Hübner. Dieses vorbildliche und für den Landkreis beispielhafte Engagement wirke weit über Weidenberg in die gesamte Region hinaus, so Hübner.

Neben Schwimmkursen, Fahrradunterricht, der Aufführung eines Theaterstücks und gemeinsamen Besuchen auf der Landesgartenschau  wurde auch ein Film über die tief bewegenden Lebensgeschichten von Flüchtlingskindern und .jugendlichen gedreht und als Unterrichtsmaterial anderen Schulen zur Verfügung gestellt. Dreh- und Angelpunkt ist dabei der aus Israel stammende Pädagoge Sagy Cohen der an der Mittelschule eine Übergangsklasse betreut und Integrationshilfe für Kinder und Jugendliche aus Weidenberg, Warmensteinach und Fichtelberg leistet.

Bild:
In der stilisierten Weltkugel von Kulturpreisträger Axel Luther brachten Landrat Hermann Hübner und der Pädagoge Sagy Cohen (von links) Tafeln mit Zukunftswünschen von Flüchtlingskindern an.

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04.06.2016

Lyrischer Schmelz und berückendes Timbre / Ein Abend zu Ehren der Rose – „Femmes Vocales“ und Wolfram Ster huldigten der Königin der Blumen

Goldkronach. Sie ist die Königin der Blumen: die Rose. Ihr zu Ehren hatten das Vocalensemble „Femmes Vocales“ und der Schauspieler Wolfram Ster einen Abend zusammengestellt, an dem ausnahmslos die Rose gewürdigt werden sollte. Die Rose ist der Favorit in deutschen Gärten, sie erfreut den Gärtner und Betrachter den ganzen Sommer bis in den Herbst hinein mit ihrer Blütenpracht. Aber auch in der Kunst hat die Rose ihre Spuren hinterlassen. Das demonstrierten die Sängerinnen und der Rezitator eindrucksvoll. Der Abend zu Ehren der Rose in der Evangelischen Stadtkirche war der Höhepunkt der Goldkronacher Rosentage.

So spannten die Sängerinnen einen weiten Bogen von Franz Schuberts „Heidenröslein“ über Wolfgang Amadeus Mozarts Rosenarie aus der Oper „Die Hochzeit des Figaro“ bis hin zu Bette Midlers „The Rose“ oder dem Titel „Kiss from a rose“ des britischen Popstars Seal. Das Ensemble verfügt über ein breites vokales Ausdrucksspektrum. Es kann sich zu großer Intensität steigern, ohne dabei aufdringlich zu werden. Die Solistinnen Jakoba Siller, Stefanie Fremuth und Christina Jüttner verstanden durch gute Textverständlichkeit, lyrischen Schmelz und berückendes Timbre zu punkten

Von Robert Schumann gab es mit „Die Rose, die Lilie, die Taube“ und „Erste Begegnung“ gleich zwei Lieder. Mitreißend interpretiert zeigen die Sängerinnen, dass sie nicht nur außergewöhnlich schöne Stimmen besitzen, sondern sie auch mit Stilgefühl und Geschmack einsetzen können. Mit einer „Ode an die Rose“ gab es auch eine Komposition von Giuseppe Verdi und selbst Volkslieder wie „Rosestock, Holderblüh“ oder „Tausendguldenkraut“ gehörten zum Programm. Was bei einem Abend zu Ehren der Rose natürlich nicht fehlen darf, ist die Arie „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ aus der Operette „Der Vogelhändler“ von Carl Zeller, strahlend in den Sopranen, flexibel in der Kolorierung und ausbalanciert im Vibrato. Perfekt die Richtung an gab bei einigen Kompositionen Andrew Tessmann am E-Piano.

Dichter und Literaten haben sich zu allen Zeiten mit der Rose beschäftigt. Das zeigte Rezitator Wolfram Stern mit seiner Textauswahl. Da gab es einige Verse des römischen Dichters Petronius Gajus Arbiter, eine „Rosen- und Nachtigallengeschichte“ des mittelalterlichen persischen Dichters und Mystikers Hafis genauso wie die großen Dichter und Denker des 18. und 19. Jahrhunderts wie Heinrich Heine, Theodor Storm, Rainer Marie Rilke, Friedrich Rückert oder Friedrich Nietzsche.

Was alle gemeinsam haben, egal ob Prosa oder Lyrik: die Rose wird als Sinnbild der Schönheit, der Liebe, der Weiblichkeit, der Erotik, aber auch der Vergänglichkeit dargestellt. Ihr Duft wird genauso beschrieben, wie ihre Dornen. Das alles trug Wolfram Ster in größtmöglicher Perfektion, mit sympathischer, sonorer Stimme und mit großer Präsenz vor. Ster war im Hauptberuf Sprachheillehrer. Seit 1997 gehört er zum Ensemble der Studiobühne Bayreuth. In dem Theaterstück „Alexander von Humboldt trifft Jean Paul” von Frank Piontek hatte er bereits mehrfach Humboldt verkörpert.

Der Abend habe gezeigt, dass es Rosen nicht nur in der Natur gibt, sondern auch Liedern und Gedichten seien der Königin der Blumen viele Denkmäler gesetzt worden, sagte der Initiator der Rosentage, der Bundestagsabgeordnete  Hartmut Koschyk.

Zu dem 2009 gegründeten Frauenvocalensemble „Femmes Vocales“ unter der Leitung von Jürgen Nennemann gehören derzeit 9 Sängerinnen aus Bayreuth und Umgebung. Die Mitglieder sind: Henrike Begemann, Uschi von Chiari, Petra Dötsch, Stefanie Fremuth, Heike Hirsekorn, Kristina Jonak, Christina Jüttner, Jakoba Siller und Kerstin Weber.

Bilder: Das Vokalensemble „Femmes Vocales“ gestaltete die Rosensoiree in der Goldkronacher Stadtkirche.

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09.04.2016

Rockoper reflektiert Passionsgeschehen / Chor „Lingua musica“ mit „Jesus-Christ-Superstar-Projekt“ beim Alexander-von-Humboldt-Kulturforum

Goldkronach. Nach den Erfolgen der Aufführungen im vergangenen Jahr hat sich der Kirchen- und Konzertchor „Lingua musica“ unter der Leitung des Pegnitzers Michael Starke noch einmal sein Musical-Projekt „Jesus Christ Superstar“ vorgenommen. Nach Ahorntal, Creußen und Pegnitz erklangen Ausschnitte aus dem 1971 uraufgeführten Musical „Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd Webber am Samstagabend auch in der in der St.-Michael-Kirche in Goldkronach als eine Art inoffizieller Auftakt des Goldkronacher Kultursommers mit dem Alexander-von-Humboldt-Kulturforum als Veranstalter.

Zur Musical-Legende wurde „Jesus Christ Superstar“ vor allem wegen seines unkonventionellen Umgangs mit dem biblischen Stoff. Andrew Lloyd Webber und seinem Texter Tim Rice war es schon damals, hervorragend gelungen, die Passionsgeschichte zu entmystifizieren und in eine moderne Version auf die Bühne zu bringen. Das Musical erzählt von den letzten sieben Tagen Jesu aus der Sicht des Judas.  Jesus, von Anhängern wie Gegnern zur Kultfigur erhoben, wird dabei als verletzlicher Held, fast schon als Zweifler beschrieben.

Einen Schritt weiter geht Michael Starke in seiner Version, die zum einen nur Ausschnitte zeigt, zum anderen halb szenisch, halb konzertant auf die Bühne, beziehungsweise in den Altarraum der katholischen Kirche, kommt. Das Musical, das vom Komponisten wie vom Texter auch als Rockoper eingeordnet wird, wurde bei der Goldkronacher Aufführung aber nicht nur auf seine zentralen Szenen reduziert, sondern auch mit bekannten Spirituals wie „Nobody knows the trouble I´ve seen“ angereichert. Sie reflektieren und vertiefen die Szenen des Musicals aus der Sicht des Glaubens und fragen nach der Bedeutung der Geschichte von Jesu Christi für uns heute. Außerdem beleuchteten und kommentierten Texte aus den Prozessakten Jesu von Nazareth das Passionsgeschehen. Ganz im Sinne eines klassischen Rezitativs trieben diese vom Band eingespielten Texte auch die Handlung voran und ließen komprimiert die Szenen anklingen, die Starke außen vorgelassen hatte.

Der Chor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Pegnitz „Lingua musica“ mit seinen rund 30 Sängerinnen und Sängern verkörperte abwechselnd das Volk und die Jünger Jesu und war damit das zentrale Element, das die Handlung vorantreibt. Deshalb hatte sich Michael Starke eigens auch eine kleine Choreographie für seinen Chor ausgedacht.

Garant für den eindrucksvollen Abend waren die Solisten mit Martin Dechet aus Nürnberg in der Partie des Jesus und mit dem Briten Stuart Summer als Judas. Beiden war ganz deutlich anzumerken, dass sie bereits Bühnenerfahrung gesammelt und auf großen Musicalbühnen aufgetreten sind. Stuart Summer zuletzt mit der gleichen rockigen Stimme im Queen-Musical „We will rock you“. Das Solistenquartett vervollständigten Astrid Haas aus Würzburg und Rebecca Brinkmann aus Pegnitz als Maria Magdalena und Simon Zealotes. Alle vier verfügen über nahezu perfekte Musicalstimme. Nichts Aufgeplustertes oder Übersteuertes trübt da die Performance.

Die Band bestand aus Markus Wieding (E-Bass), Christian Steinlein (Drums und Percussion) sowie Michael Starke. Er spielte nicht nur das E-Piano, sondern leitete auch den Chor, hatte sich das Ganze musikalisch wie szenisch so ausgedacht und gab am Anfang der beiden Akte einer Einführung.

Michael Starke, sein Chor, die Musiker und Solisten hätten es in ganz hervorragender Art und Weise verstanden, die Musik zur Sprache des Herzens und zur Sprache der Verkündigung zu machen, sagte der Bundestagsabgeordnete und Bundesbeauftragte Hartmut Koschyk vom Alexander-vom-Humboldt-Kulturforum. Er überreichte am Ende zusammen mit Anton Eichenmüller von der Kirchengemeinde nicht nur Geschenke für die Solisten und Musiker, sondern hatte für jedes Chormitglied auch eine Rose parat.

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26.03.2016

Opulente Klangbilder und berauschende Klangfarben / Jugendsymphonieorchester Oberfranken startete in Naila seine Ostertournee

Naila. Mit einem fulminanten Konzert in der Frankenhalle in Naila hat das Jugendsymphonieorchester Oberfranken am Karsamstag seine kleine Ostertournee durch Oberfranken gestartet. Weitere Stationen waren das Kongresshaus Rosengarten in Coburg am Ostersonntag und die Aurachtalhalle in Stegaurach am Ostermontag. Einmal mehr war es dabei dem Dirigenten Till Fabian Weser von den Bamberger Symphonikern gelungen, die rund 70 jungen Musiker zwischen 13 und 20 Jahren aus allen Teilen Oberfrankens zu einem Klangkörper zusammenzuschweißen.

Am deutlichsten wurde dies bei den wohl berühmtesten Bildern der Musikgeschichte, den „Bildern einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski in der Orchestrierung von Maurice Ravel. Es ist eine einzigartige Bilderschau, die der russische Bürgerschreck Mussorgski seinem verstorbenen Malerfreund Viktor Hartmann gewidmet hatte und die seit ihrer Uraufführung aufgrund des programmatischen Ansatzes gerade auch junge Musiker immer wieder fasziniert. Die Komposition bildete zugleich das Hauptwerk des Konzerts.

Till Fabian Weser lässt die Bilder herb und scharfkantig erklingen und die jungen Musiker, alle keine Profis, arbeiten die raffinierte Klangfarbenkunst dieser Orchesterfassung prima heraus. Details dieses Ohrwurms der klassischen Musik treten auf einmal hervor, wie man sie so noch nie vorher gehört hat. So gespielt, sind diese Bilder nicht nur zu hören, sie tauchen vielmehr vor dem geistigen Auge des Zuhörers auf: der schauderhafte „Gnomus“  etwa, die skurrile Charakterisierung des Samuel Goldenberg und des Schmuyle oder der pompöse Triumphzug durch „Das große Tor von Kiew“, die auch als Zugabe erklingt. Über sechs Stunden habe man jeden Tag geprobt, erklärte der Dirigent im Vorfeld, und das merkt man auch, denn schließlich kam jeder der 70 Musiker mit einem anderen Kenntnisstand nach Weißenstadt, wo diesmal wieder die Probenphase stattfand.

Eine Besonderheit der diesjährigen Konzerte war das selten aufgeführte Flötenkonzert D-Dur op. 283 von Carl Reinecke. Der Hamburger Komponist war ein Protegé von Felix Mendelssohn Bartholdy, befreundet mit Schumann und Brahms, ohne seine Komposition wäre das 19. Jahrhundert ein ziemlich weißer Fleck auf der Repertoire-Landkarte der Gattung Flötenkonzert, so heißt es. Die fabelhafte Solistin stammte dabei aus den eigenen Reihen, es war die erst 18-jährige Margarethe Geigerhilk aus Kronach, die das Konzert hingebungsvoll leicht, frisch und verspielt präsentiert. Sie habe sich ganz bewusst für dieses romantische Konzert entschieden, sagte sie im Vorfeld. Recht hat sie, zeigt das Konzert doch ganz klar, dass Reinecke ein virtuoser Bläserkomponist war. Sowohl die Solistin als auch das Orchester gingen mit spürbarem  Engagement zur Sache, wobei sich der Klangkörper ganz klar in die Rolle des geschmeidigen Begleiters zurückzog.

Gerade so, als ob das alles nicht schon schwer genug wäre, hatte Dirigent Till Fabian Weser den Mitgliedern des Jugendsymphonieorchesters auch noch eine Wagner-Ouvertüre auf die Pulte gelegt. Mit dem Vorspiel zur Oper „Der fliegende Holländer“ gab es ein weiteres opulentes Bild, ein prächtiges orchestrales Klangbild, das die Musiker gut bewältigten. Die jungen Musiker lassen den Zuhörer in Klangbildern schwelgen, wobei auch hier besonders wieder die Bläser gefordert waren.

Die Konzerte des Jugendsymphonieorchesters sind seit über drei Jahrzehnten fester Termin im Konzertkalender der Stadt und des Regierungsbezirks, sagte der Nailaer Bürgermeister Frank Stumpf. Damit sei Naila auch Basis für die musikalische Jugend Oberfrankens, so Dr. Ulrich Wirz, Verwaltungsleiter der Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau.

Das Jugendsymphonieorchester Oberfranken wurde 1984 von dem Dirigenten und Musikpädagogen Professor Dr. Günther Weiß (1933 – 2007) gegründet, der viele Jahre als künstlerischer Leiter der Internationalen Musikbegegnungsstätte des Bezirks Oberfranken, Haus Marteau, tätig war. Seit der Gründung kommen junge Musikerinnen und Musiker aus ganz Oberfranken jeweils kurz vor Ostern zu einer Probenwoche zusammen und erarbeiten unter professionellen Bedingungen ein anspruchsvolles Konzertprogramm.  Das Jugendsymphonieorchester ist ein Projekt des Hauses Marteau, der Internationalen Musikbegegnungsstätte des Bezirks Oberfranken.

Bild: In der Frankenhalle in Naile starteten Till Fabian Weser und das Jugendsymphonieorchester Oberfranken ihre kleine Ostertournee.

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23.03.2016

Absolute Konzentration für die „Bilder einer Ausstellung“ / Jugendsymphonieorchester Oberfranken gastiert an den Osterfeiertagen in Naila, Coburg und Stegaurach

Weißenstadt. Es ist ein ungewöhnliches Orchester, das auf eine außergewöhnliche Tournee geht: das Jugendsymphonieorchester Oberfranken probt derzeit im Kurzentrum von Weißenstadt (Landkreis Wunsiedel) für seine kleine Ostertour. Stationen sind Naila am Samstag, Coburg am Sonntag und Stegaurach am Montag.

Noch muss Dirigent Till Fabian Weser von den Bamberger Symphonikern häufig unterbrechen. Meist sind es aber nur Kleinigkeiten, die er moniert. Ansonsten klappt das Hauptwerk, die „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky in der Orchestration von Maurice Ravel, schon bestens. „Wir brauchen absolute Konzentration“, ruft der Dirigent und lässt immer wieder einzelne Stellen wiederholen, bis die Takte sitzen.

Lange dauert das nicht, denn die jungen Musiker im Alter zwischen 13 und 20 Jahren proben bereits seit Samstag täglich bis zu sechs Stunden, alles freiwillig und das auch noch in den Schulferien. „Wo sonst haben die jungen Leute Gelegenheit, die Bilder einer Ausstellung oder Richard Wagners Holländer-Ouvertüre zu spielen“, sagt Till Fabian Weser. Das gebe es in keinem Musikschulorchester.

Der Dirigent möchte die jungen Musiker nicht nur fördern, sondern auch fordern, und so gibt es einige Leistungsträger, die schon seit Jahren dabei sind. Margarethe Geigerhilk ist eine davon. Die Flötistin spielt in diesem Jahr nicht nur im Orchester mit, sie tritt auch als Solistin in Erscheinung und zwar beim Flötenkonzert D-Dur op. 283 von Carl Reinecke. Margarethe Geigerhilk ist 18 Jahre jung, kommt aus Kronach und musiziert auch im Bayerischen Landesjugendorchester.

Die junge Musikerin sieht es vorrangig als einmalige Chance und Möglichkeit, Erfahrungen als Solistin zu sammeln und ihr musikalisches Können unter Beweis zu stellen. Wegen ihres Abiturs sei sie zunächst schon etwas skeptisch gewesen, ob sie das alles schaffen würde. Nun sei sie aber doch sehr froh, das Angebot angenommen zu haben. „Denn es ist natürlich auch eine große Ehre, schon in meinem Alter diese Position einzunehmen“, so die Solistin.

Nach den Worten von Dr. UIrich Wirz, dem Verwaltungsleiter der Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau, wurde das Jugendsymphonieorchester Oberfranken 1984 von dem Dirigenten und Musikpädagogen Professor Dr. Günther Weiß (1933 – 2007) gegründet, der viele Jahre als künstlerischer Leiter der Internationalen Musikbegegnungsstätte des Bezirks Oberfranken, Haus Marteau, tätig war. Seit der Gründung kommen junge Musikerinnen und Musiker aus ganz Oberfranken jeweils kurz vor Ostern zu einer Probenwoche zusammen und erarbeiten unter professionellen Bedingungen ein anspruchsvolles Konzertprogramm. Weitere Dirigenten waren Howard Golden und Raoul Grüneis. Oberstes Ziel sei es, dass die jungen Leute Freude an der Musik haben, so Dr. Wirz. Mit über 70 Musikern habe der Klangkörper diesmal eine rekordverdächtige Größe erreicht.

Weitere Information: www.jso-oberfranken.de oder auf Facebook unter www.facebook.com/Jugendsymphonieorchester.

Bilder:
Im Kurzentrum von Weißenstadt proben Till Fabian Weser, die Flötensolistin Margarethe Geigerhilk und das Jugendsymphonieorchester Oberfranken für die drei Konzerte, die an den Osterfeiertagen in Naila, Coburg und Weißenstadt stattfinden.

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19.03.2016

"Orchester auf Zeit und Talentschmiede für junge Musiker“ / Probenauftakt: Jugendsymphonieorchester Oberfranken startet mit anspruchsvollem Programm in die heiße Phase

Weißenstadt. Die „Bilder einer Ausstellung“ waren der Auftakt: Mit einer Durchspielprobe der populären Komposition von Modest Mussorgski in der Instrumentierung von Maurice Ravel hat am Wochenende im Schullandheim von Weißenstadt im Landkreis Wunsiedel die Übungsphase des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken begonnen. Noch klang die eine oder andere Sequenz etwas schräg, noch waren nicht alle Musiker da, hier fehlte ein Notenständer, dort mussten sich die vielen neuen Musiker erst orientieren, doch eines hatten alle gemeinsam: die Liebe zur Musik und das anspruchsvolle Programm nahezu perfekt zu bewältigen.

Am Pult steht wieder Till Fabian Weser von den Bamberger Symphonikern. Seine Aufgabe ist es, die jungen Talente aus allen Teilen des Regierungsbezirks in nur einer Woche zu einem einzigen Klangkörper zusammenzuführen. Unter der Stabführung des aus Amerika stammenden Dirigenten werden die gut 60 jungen Musiker zwischen 11 und 21 Jahren über Ostern zu einer kleinen Oberfranken-Tournee aufbrechen.

Im Weißenstädter Schullandheim finden dabei nicht nur die ersten Proben statt, die Nachwuchsmusiker werden dort untergebracht sein. Die Generalprobe soll dann am Karfreitag im Kurhotel von Weißenstadt über die Bühne gehen. Auftakt der Konzertreihe ist am Karsamstag, 26. März um 18 Uhr in der Frankenhalle in Naila. Weitere Konzerte finden am Ostersonntag, 27. März um 17.30 Uhr im Kongresshaus Rosengarten in Coburg  und am Ostermontag, 28. März um 17.30 Uhr in der Aurachtalhalle in Stegaurach statt.

Das Programm steht in diesem Jahr unter dem Motto „Bilder“: Hauptwerk sind deshalb die überaus populären „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky in der Orchestrierung von Maurice Ravel. Schon die erste Durchspielprobe am Samstag zeigte, dass dabei die Bläser und die Schlagwerker ganz besonders gefordert sein werden. Ein musikalisches Bühnenbild ist für Till Fabian Weser auch Richard Wagners Ouvertüre zu der Oper „Der fliegende Holländer“.

Der Dirigent spricht vor allem wegen der Seefahrerthematik von einer Art Fortsetzung der „Sheherazade“, die das Orchester im zurückliegenden Jahr eingespielt hat. Wieder wird es eine Komposition sein, die von den Bläsern getragen wird. Die jungen Musiker sollen einfach Lust bekommen, so etwas zu spielen, sagt Till Fabian Weser und ist sich sicher, dass alle Beteiligten diese Herausforderung auch meistern werden. Drittes „Bild“ im Programm des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken ist das selten aufgeführte Flötenkonzert D-Dur op. 283 von Carl Reinecke. Solistin wird dabei Maggy Geigerhilk (18) aus Kronach sein. Sie gehört dem Jugendsymphonieorchester Oberfranken bereits seit mehreren Jahren an und musiziert auch im Bayerischen Landesjugendorchester.

„Mit unserem ehrgeizigen Projekt eines eigenen Jugendsymphonieorchesters möchten wir jungen Nachwuchsmusikern aus der Region alljährlich die Möglichkeit geben, ihr Können unter professioneller Anleitung öffentlich zu präsentieren“, sagte Bezirkstagspräsident Günther Denzler zum Probenauftakt. Als „Orchester auf Zeit“ setzte sich das Jugendsymphonieorchester Jahr für Jahr neu zusammen. Denzler: „Das oberfränkische Jugendsymphonieorchester ist das Herzstück der Jugendarbeit unserer Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau.“ 

Dirigent Till Fabian Weser versteht das Orchester in erster Linie als eine Art Talentschmiede, in dem sich junge Musiker aus allen Teilen Oberfrankens im Bekenntnis zu ihrer Heimat zusammenfinden. „Ich sehe es aber auch als Sprungbrett“, so Weser. In dem Klangkörper hätten die jungen Talente eine hervorragende Möglichkeit, sich auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.

Das Jugendsymphonieorchester Oberfranken wurde 1984 von dem Musikpädagogen und Dirigenten Professor Günther Weiß (1933 – 2007) gegründet, der viele Jahre als künstlerischer Leiter der Musikbegegnungsstätte Haus Marteau tätig war. Seit der Gründung kommen junge Musikerinnen und Musiker aus ganz Oberfranken jeweils kurz vor Ostern zu einer Probenwoche zusammen und erarbeiten unter professionellen Bedingungen ein anspruchsvolles Konzertprogramm.

Weitere Information: www.jugendsymphonieorchester.de

Bilder: Probenauftakt am Wochenende in Weißenstadt: Till Fabian Weser dirigiert das Jugendsymphonieorchester Oberfranken.

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14.03.2016

Fränkischer Theatersommer zeigt Giganten der Weltliteratur / Landesbühne Oberfranken präsentierte Programm für die Spielzeit 2016

Hollfeld. William Shakespeare und Miguel de Cervantes, der englische Dramatiker und der spanische Nationaldichter: diesen beiden Giganten des Welttheaters hat der Fränkische Theatersommer (früher Theatersommer Fränkische Schweiz) seine neue Spielzeit gewidmet. Hintergrund ist der jeweils 400 Todestag sowohl von Cervantes als auch von Shakespeare. „Beide sind für die Weltliteratur und das Welttheater ziemlich wichtig geworden, deshalb sind sie für uns auch eine besondere Herausforderung“, sagte Intendant Jan Burdinski bei der Vorstellung des Programms.

Der spanische Klassiker „Don Quichotte“ (der Theatersommer hat sich bewusst für die französisch-deutsche Schreibweise entschieden) von Cervantes habe seinen Autor weltberühmt gemacht. „Wir wollen das Publikum nach allen Regeln der Kunst verzücken und gleichzeitig in Erstaunen versetzten“, so Intendant Burdinski, der gleichzeitig die Textversion mit erstellt hat. Die komisch-grotesken Abenteuer des Ritters „von der traurigen Gestalt“ und seines gutmütigen Knappen Sancho Pansa sollen dabei nicht im Kampf gegen Windmühlen und den Geheimnissen um die sagenhafte Schönheit der Dulcinea von Toboso enden, sondern weit über die bekannten Episoden hinaus führen. Zu sehen ist Don Quichotte“ in der Inszenierung von Amelie Auer unter anderem im Historischen Museum in Bayreuth( 5. Juni), im Rosenthal-Theater Selb (24. Juni), im Förderzentrum St. Katharina in Lichtenfels (23. Juni), am Marktplatz in Betzenstein (20. August) und im Evangelischen Gemeindehaus in Pegnitz (21. August).

Zweite Neuinszenierung ist Shakespeares eher selten gespielter Liebesreigen „Verlorene Liebesmüh“. Heidi Lehnert will in ihrer Inszenierung dieses wohl sprachwitzigsten Stückes des berühmten britischen Poeten zeigen, wie lebendig Shakespeare auch nach 400 Jahren noch immer ist. Intendant Burdinski spricht vom „Phänomen Shakespeare“ und von einem unglaublichen und auch unerreichten Menschenkenner mit einem frappierenden Blick auf die menschliche Psyche. Aufführungen gibt es unter anderem im Burggut in der Waaggasse in Kulmbach (8. Mai), im Historischen Museum in Bayreuth (22. Mai), in der Kulturscheune Eggolsheim (19. Juni), im neuen Heckentheater auf der Landesgartenschau in Bayreuth (3. Juli), im Burghof von Egloffstein (9. Juli, im Hofer Landratsamt (21. Juli) und auf Schloss Kühlenfels (6. August).

Auch in Sachen Musiktheater hat der Theatersommer diesmal wieder viel Neues zu bieten. Zum einen gibt es Frederick Loewes „My fair Lady“ als „Kammermusical“, was bedeutet ohne großes Orchester, aber mit viel Witz und Selbstironie, das Musiktheater „Orangenmädchen“ nach Jostein Gaardner und das Tanztheater „Wenn wir über Schatten tanzen“ von und mit Michaela Duhme und Alexander von Hugo. Dieses Stück basiert auf Interviews mit älteren Menschen und soll deren Erinnerungen an Krieg und Nachkriegszeit mit Hilfe von Jazz- und Swingelementen lebendig werden lassen.

Daneben stehen in dieser Spielzeit auch wieder zahlreiche Wiederaufnahmen auf dem Programm, darunter die Komödie „Zwei wie Bonnie und Clyde“ von Sabine Misiorny und Tom Müller, die Komödie „Mondscheintarif“ von Ildiko von Kürthy und das Musikstück „Der Blues der Lady“ nach der Autobiographie von Billie Holiday. Es gibt mehrere buchbare Angebote, unter anderem ein Bild- und Musiktheater zu Lucas Cranach sowie Stücke, die sich um Themen wie Sucht und Depression drehen. Nicht vergessen haben die Theatermacher das junge Publikum: in dem Kinderstück Lilli und der Raabe von Wilfried Grote soll es darum gehen, was Freundschaft wirklich bedeutet.

Insgesamt besteht das Ensemble heuer aus fast 40 Aktiven, die an über 70 Spielorten in Ober-, Mittel- und Unterfranken sowie vereinzelt auch darüber hinaus auftreten werden. Insgesamt hat der Fränkische Theatersommer  im zurückliegenden Jahr knapp über 16000 Zuschauer verzeichnen können. „Damit haben wir ein Rekordjahr hinter uns“, so Burdinski. Vom Gesamtetat in Höhe von rund 450000 Euro erwirtschaftet der Theatersommer rund zwei Drittel selbst durch Einnahmen und Sponsorengeldern. Das übrige Drittel setzt sich aus öffentlichen Zuwendungen durch den Bezirk Oberfranken, das Bayerische Kultusministerium und dem Landkreis Bayreuth zusammen. Den Theatersommer gibt es seit 1994, im Jahr 2007 erhielt er den Status „Landesbühne Oberfranken“ und die Bezeichnung „Fränkischer Theatersommer“.

Sämtliche Termine dieses Jahres sind im neuen Programmheft zu finden, das druckfrisch an vielen Auslagestellen in der Region erhältlich ist. Weitere Information gibt es auch im Internet: www.theatersommer.de.

Bild: Peter Ackermann und Heike Fick vom Betriebsbüro des Theatersommers sowie Intendant Jan Burdinski (von links) freuen sich auch eine erfolgreiche Spielzeit 2016.

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09.03.2016

Musikalisches Glaubensbekenntnis mit Überzeugung und Hingabe / Gospel-Konzert der Extraklasse: Schwarzacher Main Line Gospelchor konzertierte mit Deborah Woodson in Burghaig

Kulmbach. Gospel, das ist nicht nur mitreißende, meist rhythmische und immer sehr emotionale Kirchenmusik zum Lob Gottes, sondern auch ein Stück weit pures Entertainment und genau darin liegt wohl das Erfolgsgeheimnis dieser Sparte. Die US-amerikanische Sängerin Deborah Woodson hat ihre aktuelle Tournee so konzipiert, dass engagierte Chorsänger aus dem jeweiligen Auftrittsort mit den Profis aus der Branche zusammenkommen, und das ohne große Vorbereitung. Beim „Black & White“-Gospel-Konzert in der Johanniskirche von Burghaig mit Deborah Woodson und dem Schwarzacher Main-Line-Gospelchor ist dieses Konzept hervorragend aufgegangen.

Der Schwarzacher Gospelchor unter der Leitung von Heinz Bittermann ist weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt für seine bunte Mischung aus modernen und traditionellen Gospels sowie mitreißenden Pop-Songs. Mit der Sängerin Sängerin Deborah Woodson aus dem US-amerikanischen Georgia und deren „Gospel Mates“, eine Background-Sängerin und ein Background-Sänger sowie zwei Keyboarder, hatten die Schwarzacher Sänger diesmal echte Profis an ihrer Seite.

Kein Wunder, dass der Funke auch in Burghaig schnell übersprang, die Zuhörer klatschen mit, sangen mit und tanzen am Ende mit. „Wir singen, weil es uns Spaß macht und wir singen das, was uns Spaß macht.“ Das ist das Motto der Profis aus den USA, das ist aber auch das Motto des Klangkörpers aus dem Kulmbacher Land. Vielleicht ist es auch das Erfolgsgeheimnis der Sparte überhaupt, denn ist schon eine ganz eigene und dennoch wohl die populärsten Facette des geistlichen Musikschaffens.

Musikalisch kamen die Zuhörer in der Johanniskirche jedenfalls voll auf ihre Kosten. Die professionell agierenden Sängerinnen und Sänger zauberten eine beeindruckend fröhliche Atmosphäre in das nahezu ausverkaufte Gotteshaus. Fast zweieinhalb Stunden lang gab es eine bunte und erfrischende musikalische Mischung aus altbekannten Gospelstandards, zeitgenössischen, modernen Klänge, swingende Liedern und beliebten Spirituals.

Natürlich gab es die weltbekannten und zeitlosen Traditionals wie „Amazing grace“, „Oh happy day“, „Oh when the saints“, geistliche Lieder, die längst zu Evergreens der Popmusik wurden. Was auch immer die charismatische Deborah Woodson sang, sie zelebrierte ihr musikalisches Glaubensbekenntnis mit großer Überzeugung und viel Hingabe. Auch einige ungewöhnliche Lieder sind dabei: „Ich weiß, wo ich war“ aus dem Erfolgsmusical „Hairspray“ beispielsweise auf deutsche gesungen, den Klassiker „Stand by me“ von Ben E. King, oder den Sister-Act-Song „I will follow him“.

Zu Beginn hatte der Main-Line-Gospelchor einen eigenen Block, bei dem eher unbekannte Gospels zelebriert wurden, wunderbar homogen, mit ständig wechselnden solistischen Einlagen, mal A-Capella mit geklatschtem Rhythmus und stets dynamisch sorgsam ausbalanciert. Am Ende gab es einen zweiten Block, bei dem Deborah Woodson zusammen mit den Schwarzachern sang, nein sie zelebrierte die Stücke, darunter Michael Jacksons „We are the world“ fast schon in Form eines mitreißenden Happenings. „Dabei haben wir gar nicht zusammen geübt“, sagt die Sängerin.

Deborah Woodson singt seit klein auf Gospel, sie begann ihre Musikkarriere mit Gospelmusik in der Baptistenkirche ihres Großvaters. Ihr Musikstudium absolvierte sie an der North Carolina University, Auftritte in mehr als 40 Ländern folgten, unter anderem auch in verschiedenen Musical-Rollen am Broadway.

Wer Deborah Woodson zusammen mit den Gospelmates und jeweils einem regionalen Gospelchor noch einmal erleben möchte, hat dazu die Gelegenheit am 19. März um 19.30 Uhr in der Kirche St. Konrad in Hof und einen Tag später, am 20. März um 17 Uhr in der Kirche St. Peter in Tirschenreuth.

Bilder:
Deborah Woodson und ihre Gospelmates sangen zusammen mit dem Main Line Gospelchor aus Schwarzach und begeisterten das Publikum in der Burghaiger Johanneskirche.

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03.02.2016

Kulmbach wurde für zweieinhalb Stunden zur Musical-Metropole / Produktion „Best of Musical Star Nights“ in der Dr.-Stammberger-Halle

Kulmbach. So viele Musicals gibt es und irgendwie hat jedes seinen ganz eigenen Ohrwurm. Ein „Best of“ davon präsentierte ein international besetztes Showensemble am Mittwochabend in der einigermaßen gut besetzten Dr.-Stammberger-Halle unter dem Titel „Best of Musical Star Nights“ und nahm das Publikum dabei mit auf eine Reise von Afrika („König der Löwen“), über Paris (Les Miserables“) und Wien („Elisabeth“) bis nach Transsylvanien („Tanz der Vampire“).

Das Kreativteam um die beiden Choreographen Murray Grant und Greg J. Davidson hatte sich viel Mühe gegeben, eine abwechslungsreiche, farbenprächtige und fantasievolle Show auf die Beine zu stellen und sie wurden diesem Vorhaben größtenteils auch gerecht. Schöne Stimmen, prächtige Kostüme und eine raffinierte Lichtregie mit modernen 3D-Foto- und Videoprojektionen lieferten beste Unterhaltung auf hohem Niveau und machten Kulmbach für zweieinhalb Stunden zur Musical-Metropole.

Freilich müssen derartige Tourneeproduktionen, die heute in Kulmbach, morgen in Zürich und nächste Woche schon wieder in Nürnberg zu sehen sind, die gerade aus Bozen kommt und erst vor wenigen Wochen auch in Bayreuth gastierte, immer auch irgendwo Abstriche machen. So gab es kein richtiges Bühnenbild, lediglich eine Showtreppe, einige wenige Requisiten, dafür aber die großen Bilder, mal im Hintergrund, mal auf einen halb durchsichtigen Vorhang vor der Bühne projiziert.

Die Sängerinnen und Sänger sind jedenfalls durch die Bank klasse, man merkt ihnen an, dass sie absolute Profis sind und noch jede Menge Spaß an der Sache haben. Einzelne hervorzuheben wäre unfair, singen sie doch alle mal abwechselnd im gesamten Ensemble mal übernehmen sie solistische Aufgaben. Außerdem sind es gerade die großen „Massenszenen“, die das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreißen, etwas bei „One day more“ aus „Les Miserables“, beim Medley aus dem Udo-Jürgens-Musical „Ich war noch niemals in New York“ oder bei dem erotischen „Cell Block Tango“ aus „Chicago“. Trotzdem, Abigail Steinhouse, Alina Arenz, Benedikt de la Bedoyere, George Grey und Kyle Herbert, alle aus England, Christopher Dederichs aus Deutschand, Nina Monschein aus Österreich, Leanne Howell aus Neuseeland, sie alle haben eine professionelle Gesangs- und Tanzausbildung hinter sich und bereits die eine oder andere Rolle an namhaften Bühnen übernommen.

Tolle Kostüme hatte sich Carol Attenburgh für die Sängerinnen und Sänger sowie für das sechsköpfige Tanzensemble einfallen lassen, meist angelehnt an das Original, wie bei „Starlight Express“ auf Rollschuhen, bei „Elisabeth“ in großer Robe“ oder besonders fantasievoll beim beim „König der Löwen“. Sparen können hätte man sich dagegen die Moderation, die, wenn man sie überhaupt verstand, wenig Sinn ergab und vermutlich nur dazu da war, um den Akteuren die notwenigen Umzieh- und Verschnaufpausen zu geben.

Überhaupt war die Technik nicht unbedingt bestens eingestellt. Manch ein Head-Set zeige Ausfallserscheinungen, die eine oder andere Stimme ploppte und kam damit immer wieder leicht knallig daherkam. Daran wiederum konnte man leicht feststellen, dass tatsächlich live gesungen wurde. Die Musik kam dagegen vom Band.

Wer noch mehr Lust auf Musical hat, die Show „Best of Musical Star Nights“ gastiert am 10. Februar in der Nürnberger Meistersingerhalle, am 19. Februar im König-Albert-Theater in Bad Elster, am 20. Februar in der Freiheitshalle Hof und am 23. Februar im Kongresshaus Rosengarten in Coburg.

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12.01.2016

Kulmbachs erstaunlichster Klangkörper / Zum 25. Mal: Fulminantes Neujahrskonzert der Stadtkapelle

Kulmbach. Vom Traditionsmarsch bis zur großen Konzertouvertüre, von der Operette bis zum Musical, von der Polka bis zum Jazz-Standard: in das Neujahrskonzert der Stadtkapelle Kulmbach hat Dirigent Thomas Besand auch diesmal wieder viel Entdeckenswertes hineingepackt. Und für Besand selbst war das Konzert ein ganz Besonderes, denn es war sein 25. in Folge. Der50-jährige Vollblutmusiker hat seit seinem Amtsantritt programmatisches einiges auf den Weg gebracht. Doch damit nicht genug, er hat es geschafft aus Kulmbachs erstaunlichstem Klangkörper ein nahezu professionelles Orchester zu formen.

Wer es nicht glauben wollte, konnte sich am Dienstagabend in der, wie stets, ausverkauften Dr.-Stammberger-Halle selbst ein Bild davon machen. Zweieinhalb Stunden lang gab es symphonische Blasmusik von höchster Qualität. Nach Naila am vergangenen Donnerstag und Saalfeld am Sonntag gaben die rund 55 Musikerinnen und Musiker im Alter von 15 bis 85 Jahren zuhause in Kulmbach noch einmal alles. Das Programm sollte dabei auch eine Art Rückschau sein, auf die Erfolgstitel der zurückliegenden zweieinhalb Jahrzehnte.

Thomas Besands größter Verdienst ist es sicherlich, dass er die Tradition des Klangkörpers über so viele Jahre zeitgemäß weitergeführt hat. Die Stadtkapelle besitzt trotz einer natürlichen Fluktuation ein ausgeprägtes Gefühl für jedes musikalische Genre. Im Kulturleben Kulmbachs ist die Stadtkapelle fest verwurzelt und nicht mehr wegzudenken. „Die Musiker der Stadtkapelle und ihr Dirigent Thomas Besand sind die besten Botschafter der Stadt“, sagte auch Oberbürgermeister Henry Schramm in seiner launigen Gratulation. Er bescheinigte dem Klangkörper nicht nur älter als die Berliner Philharmoniker zu sein, auch stellte er Besand augenzwinkernd in eine Reihe mit Karajan oder Simon Rattle.

Mehrere Komponisten zogen sich diesmal wie ein roter Faden durch das Programm: Johann Strauss der Jüngere, der „Walzerkönig“ zu Beispiel, von dem die Stadtkapelle genauso wie beim allerersten Konzert vor 25 Jahren den Kaiserwalzer musizierte. Als weiteres Stück von Johann Strauss gab es die Schnellpolka „Vergnügungszug“. Thomas Besand ließ es sich dabei nicht nehmen, ganz bewusst in raschen Tempi zu musizieren, der Dirigent hatte auch ein echtes Messinghorn eines Eisenbahner-Streckenpostens aufgetan, mit dem er die Signale ausgab. Besand und seine Musiker haben das alles bestens im Griff, locker und leicht, aber zugleich auch prächtig und glanzvoll.

Zweiter großer Komponist war der tschechische Militärmusiker Julius Fucik. Seine Konzertouvertüre „Marinarella“ wurde ebenfalls schon beim allerersten Neujahrskonzert der Stadtkapelle aufgeführt. Von Fucik hatte Thomas Besand diesmal auch den großen italienischen „Florentiner Marsch“, eine von Fuciks bekanntesten Kompositionen ins Programm genommen. An exaktem Spiel kaum mehr zu überbieten gestalteten Besand und seine Musiker die beiden hochkarätigen Kompositionen dynamisch sorgsam und raffiniert.

Dritter großer Musiker, dem die Stadtkapelle diesmal ihre Referenz erwies ist der Entertainer Frank Sinatra. Aus seinem Song „The Lady is a tramp” von Richard Rodgers machte die Stadtkapelle kurzerhand ein humorvoll swingendes Duett mit Elke Höhn und Thomas Besand, nicht nur am Dirigentenstab, sondern auch Mikrofon. Gleich darauf folgte der Love-Song „I´ ve got you under my skin” von Cole Porter, mit sonorer Stimme, text- und tonsicher vorgetragen ebenfalls vom Dirigenten.

Zu den Klassikern gehörte die Ouvertüre zur Operette „Orpheus in der Unterwelt“ von Jacques Offenbach mit brillanten Soli und einem flotten Cancan zum Mitklatschen. Freilich auch etwas wehmütig, denn der Marsch erklang im Gedenken an die Opfer der Terroranschläge von Paris, der Stadt der Lebensfreude. Größte musikalische Herausforderung des gesamten Konzertes war sicherlich der Teufelstanz von Josef Hellmesberger mit seinen Takt- und Tempowechseln, die von allen Beteiligten bestens bewältigt wurden. Immer wieder hörenswert sind die kurzen und originellen Konzertstücke des US-Amerikaners Leroy Anderson. Diesmal gab es „Bugler´s Holiday“ aus dem Jahr 1954, ein Solo für drei Trompeten von Leroy Anderson, wundervoll und witzig gespielt von Daniel Richter, Maximilian Schaller und Hans-Christian Leuschner

Ihre erste Aufführung bei einem Neujahrskonzert der Stadtkapelle erlebte die Arie „Ich gehör´ nur mir“ aus dem Musical „Elisabeth“ von Silvester Levay und Michael Kunze kraftvoll und mit viel Pep gesungen von Elke Höhn.  Noch zwei Solisten hatte das Neujahrskonzert zu bieten: Udo Koch, der mit seiner Posaune in einwandfreiem Staccato die „Bayerische Polka“, eine eigentlich als Zugabe gedachte populäre Miniatur des Magdeburgers Georg Lohmann, spielte.  Schließlich Wolfgang Diehm mit dem durch Bert Kaempfert bekannt gewordenem eindrucksvoll musizierten Trompetensolo „Wunderland bei Nacht“ von Klaus-Günter Neumann.

Weil es ein Jubiläumskonzert war, blieben natürlich auch Ehrungen nicht aus: so erhielt Thomas Besand von der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände beziehungsweise vom Nordbayerischen Musikbund die Dirigentennadel in Gold mit Diamand, von OB Schramm gab es neben einem üppigen Präsentkorb auch einige Utensilien, die der frischgebackene Hundebesitzer sicher gut gebrauchen kann, von Landrat Klaus Peter Söllner einen Scheck und von den Musikern ein, von keinem geringeren als von dem bekannten niederbayerischen Musiker und Komponisten Franz Gerstbrein arrangiertes Medley der Lieblingsmärsche Besands.

Nicht zuletzt dank der liebevollen, kenntnisreichen und kurzweiligen Moderation von Karl-Heinrich Backert waren die zweieinhalb Stunden wieder einmal wie im Flug vergangen. Als Zugabe hatten die Musiker und ihr Dirigent den weltberühmten „Radetzky-Marsch“ von Johann Strauss Vater, so wie beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker zum Mitklatschen ausgesucht.

Bilder:
- „The lady is a tramp“: Elke Höhn und Thomas Besand sangen den Sinatra-Klassiker im Duett.
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Klassisch und modern: die Kulmbacher Stadtkapelle unter ihrem Dirigenten Thomas Besand begeisterte einmal mehr das Publikum in der ausverkauften Dr.-Stammberger-Halle.3.
- „Buglers holiday“ musizierte das Trompetentrio Daniel Richter, Maximilian Schaller und Hans-Christian Leuschner zusammen mit der Stadtkapelle unter Thomas Besand.
- Mit der goldenen Dirigentennadel in Gold zeichnete der stellvertretende Bezirksvorsitzende des nordbayerischen Musikbundes Thomas Kolb den Dirigenten der Stadtkapelle Thomas Besand aus.

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05.01.2016

Mitreißende Melodien, Musicalhits und Medleys / Fantastisches Neujahrskonzert der Hofer Symphoniker mit Sängerin Carry Sass

Kulmbach. Der Prater in Wien ist ein Vergnügungsareal im zweiten Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt. Der Broadway, das ist ein Theaterviertel am Times Square in New York. Prater und Broadway stehen für Lebensfreude, Unterhaltung und vor allem für Musik. Was liegt also näher, als Prater und Broadway musikalisch zu verbinden und in einem Neujahrskonzert schwungvoll zu vereinen. Die Hofer Symphoniker und ihr Gastdirigent Hannes Ferrand aus Weimar haben am Dienstagabend in der Dr.-Stammberger-Halle genau das getan und sich mit der Berliner Entertainerin Carry Sass, eine außergewöhnliche Sängerin dazu eingeladen.

Das schwungvolle Konzerterlebnis verband musikalisch das Beste aus zwei Welten: Wiener Operettenmusik mit Walzerschmäh und die mitreißenden Broadwaymelodien im zweiten Teil des Programms mit Musicalhits, temperamentvolle Medleys und einer gelungenen Moderation. Einen Zwischenstopp legten Sängerin, Dirigent und Musiker in Berlin ein, der Stadt, die in den Goldenen Zwanzigern für musikalischen Einfallsreichtum, für Witz, Temperament und Lebensfreude stand. Natürlich sind das alles Klischees, aber wenn nicht bei einem Neujahrskonzert, wann dann sollte man diese Klischees einmal ausleben.

Die Reise begann in Wien, der Stadt, die wie kaum eine andere für Walzer und populäre musikalische Pretiosen steht. Die Hofer Symphoniker präsentierten Wien unter anderem mit Operettenseligkeit von Johann Strauss und den wundervoll akkurat und exakt musizierten „Gold-und-Silber“-Walzer von Franz Lehar. Entertainerin Carry Sass hatte sich auf die meistens total unterschätzten Kompositionen von Robert Stolz wie „Servus Du“ oder „Adieu, mein kleiner Gardeoffizier“ konzentriert. Jedes Stück für sich ist ein wahres Meisterwerk, das viel mehr Beachtung verdient hätte. In sich schlüssig, überaus tempogeladen und vor allem mit den notwendigen Verzögerungen und Beschleunigungen dirigiert Maestro Ferrand die Symphoniker. Carry Sass interpretiert beispielsweise das Stolz-Lied „Servus Du“ nicht wie irgendein belangloses Chanson, sondern wir eine Komposition, die voller Dramatik steckt.

Für den Zwischenstopp Berlin hatten sich alle Beteiligten zwei echte Gassenhauer von Theo Mackeben („Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“) und die Ballade von Mackie Messer aus der berühmten „Dreigroschenoper“, die ja bekanntlich alles andere als eine Oper ist, ausgesucht. Mackie Messer zum Mitmachen sozusagen, denn hier bekommt das Publikum die Gelegenheit kräftig mitzusingen. Überraschend ins Programm genommen hatte Carry Sass den Schlager „Für mich soll´s rote Rosen regnen“ von Hildegard Knef, der so wundervoll zum Beginn des neuen Jahres passt.

Im zweiten Teil dann New York, die Stadt, in der die berühmten Musicals ihren Ursprung haben. Dirigent Ferrand hatte dazu Ohrwürmer aus Musicals wie der „West Side Story“, „Cabaret“  oder „Annie get your gun“ ausgewählt. Mit den mitreißend musizierten Selections aus der West Side Story von Leonard Bernstein schufen die Hofer unter Hannes Ferrand ganz großes Broadway-Feeling mit allen Hits des berühmtesten Musicals aller Zeiten von „America“ bis „Tonight“, und von „Cool“ bis „I feel pretty“. Das Arrangement aus „Cabaret“ war Carry Sass ohnehin auf dem Leib geschrieben und bei der Schlussnummer „There´s no business like show business“ gab die Entertainerin noch einmal alles. Gerade die beiden letztgenannten Titel sang Carry Sass nicht nur, sie lebte sie förmlich aus und ging total in ihnen auf.

Carry Sass, im Auftreten irgendwo zwischen Liza Minelli und Ute Lemper angesiedelt, schaffte es während des gesamten Abends nicht nur, sich mit fantastischer Ausstrahlung und einer ausgebildeten Musicalstimme virtuos in Szene zu setzen, sondern auch mit Witz, Witzen und Charme durch das Programm zu führen. Cary Sass hatte an der Hochschule für Musik Hanns Eisler im damaligen Ost-Berlin studiert und war in der Folge unter anderem im Berliner Theater des Westens, im Deutschen Theater in München und am Opernhaus Graz engagiert. Ihre Paraderolle ist, wie könnte es auch anders sein, die der Sally Bowles im Musical „Cabaret“.

Beim Neujahrskonzert präsentierte sie sich in ständig wechselnden Outfits, deren Markenzeichen die Pailletten und der lange Schlitz im Kleid waren. Immerhin zwei Zugaben konnten das Publikum den Künstlern entlocken: Carry Sass interpretierte Frank Sinatras „New York, New York“ und Hannes Ferrand und die Hofer Symphoniker schlossen mit dem berühmten Radetzky-Marsch zum Mitklatschen.

Bilder: Stargast des Neujahrskonzerts mit den Hofer Symphonikern unter dem Dirigenten Hannes Ferrand in der Dr.-Stammberger-Halle war die Berliner Entertainerin Carry Sass.

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23.12.2015

Faszination Musik: Außergewöhnliche Musikstunde in der Grundschule Herzoghöhe / Hofer Blechbläserquintett Rekkenze Brass hat sich der Nachwuchsförderung verschrieben

Rekkenze Brass, das ist das berühmte Blechbläserquintett aus Hof, das seit vielen Jahren mit seinen Konzerten Musikfreunde zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Rekkenze Brass ist aber auch eine Formation, die mit großer Leidenschaft besonders bei jungen Leuten immer wieder für die Faszination der Musik wirbt. Dazu haben die fünf Musiker die spezielle Form der Musikhörstunde erfunden: eine Schulstunde, in der sie mit ihren Instrumenten in die Klassenzimmer gehen und Kindern und Jugendlichen zeigen, dass die oft als ernste Musik bezeichnete Klassik so ernst gar nicht ist. Im Gegenteil, sie kann jede Menge Spaß machen. Die Schüler der Grundschule Herzoghöhe in Bayreuth kamen am letzten Tag vor den Ferien in den Genuss einer solch außergewöhnlichen Unterrichtsstunde.

„Uns geht es nicht nur darum, den Kindern die klassische Musik nahe zu bringen, sondern auch allgemein ihr Interesse und Verständnis für Musik zu wecken“, sagt Rainer Streit, der aus Kulmbach stammt und bei Rekkenze Brass die Tuba spielt. Viele von den Schülern seien noch nie in einem klassischen Konzert gewesen. „Sie kennen das Erlebnis gar nicht, der Musik einmal leise zuzuhören und sie einfach so auf sich wirken zu lassen“, sagt Rainer Streit. „Wenn wir dann bei dem einen oder anderen Kind etwas bewirken können, hat sich unser Engagement schon gelohnt.“

Das international gefeierte Blechbläserquintett, das bereits zahlreiche CDs auf den Markt gebracht hat, engagiert sich dabei im Auftrag des Bezirks Oberfranken, der mit den Musikhörstunden seiner kulturellen Verpflichtung zum Wohl des musikalischen Nachwuchses gerecht wird. Während anderswo Musikstunden gekürzt werden, sollen die Schüler unterstützt durch die Oberfrankenstiftung davon profitieren, ein derart renommiertes Ensemble vor Ort zu haben, das sich wie kaum ein zweites der musikalischen Förderung verschrieben hat. Weitere Bausteine zur Förderung des musikalischen Nachwuchses in Oberfranken sind das Jugendsymphonieorchester, das sich alljährlich an Ostern trifft und die Internationale Musikbegegnungsstätte Haus Marteau mit rund 40 hochkarätigen Meisterkursen pro Jahr.

Soweit sind die Grundschüler der Herzoghöhe in Bayreuth freilich noch nicht, wenngleich auf die Frage, wer denn ein Instrument spielt, ungewöhnlich viele Finger in die Höhe schnellen. „Der Musikunterricht hat an unserer Schule einen hohen Stellenwert“, sagt Schulleiterin Sybille Hutzler und verweist auf den Chor, eine eigene Arbeitsgemeinschaft Percussion, den Instrumentalunterricht und eine Flötengruppe.

Noch etwas schüchtern wippen die Jüngsten zunächst im Takt mit, wenn Rekkenze Brass zunächst den „Jingle Bells Rock“ und dann einen Jahrhunderte alten Bläsersatz des Komponisten Johann Pezel erklingen lässt. „Die Musik war auch schon vor ein paar hundert Jahren ganz schön rockig“, sagt der Trompeter Benjamin Sebald. Auch er ist Profimusiker und seit Jahren bei Rekkenze Brass dabei. Dort spielt der gebürtige Pegnitzer die Trompete. Immer wieder bezieht er die Schüler aktiv mit ein. Am meisten Applaus bekommt dabei der sechsjährige Paul Müller, den Rekkenze Brass kurzerhand ein Triangel-Solo spielen lässt, was der Erstklässer, der eigentlich Gitarre spielt mit Bravour bewältigt. Aber auch für seinen Mitschüler Achmed ist es kein Problem, das höchste und das tiefste Instrument zu erkennen. Grundschüler Anton schafft es sogar, der Trompete ein paar Töne zu entlocken.

Einfach so mucksmäuschenstill da zu sitzen, die Augen zu schließen und sich nicht zu bewegen, das ist für einige gar nicht so einfach. Dafür kommt die Nummer mit dem Gartenschlauch immer wieder gut an. Den Schlauch hat Trompeter Peter Knudsvig mit einem Mundstück am einen und einem Trichter am anderen Ende präpariert, um ihn über die erstaunten Köpfe kreisen zu lassen und dabei auch noch richtige Musik zu machen. Den Musikern kommt es darauf an, den Schülern etwas mitzugeben von der Faszination der Musik, denn Musik, und davon sind alle fünf überzeugt, ist für die Persönlichkeitsbildung eines jeden Kindes von enormer Bedeutung.

 

Bilder: Rekkenze Brass bei einer Musikhörstunde in der Grundschule Herzoghöhe in Bayreuth.

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13.12.2016

Traditionelle Weihnachtsgeschichte zeitgenössisches musiziert / 50 Jahre Chorleiter: Koschyk zeichnete Rüdiger Bauriedel aus Gesees aus

Gesees. Mit einem ganz besonderen Weihnachtskonzert hat der frühere Leiter der Pegnitzer Hauptschule und ehemalige Kulmbacher Schulamtsdirektor Rüdiger Bauriedel aus Gesees sein 50-jähriges Jubiläum als Chorleiter gefeiert. In der Kirche „St. Marien zum Gesees“ brachte er zusammen mit dem Singkreis Gesees, dem Gesangverein 1864 Untersteinach und einem eigens zusammengestellten Kammerorchester mit Musikern aus Bayreuth und Kulmbach den polnischen Weihnachtsliederzyklus „Cicha Noc“ (Stille Nacht) des zeitgenössischen polnischen Komponisten Maciej Malecki zur Aufführung. Am Rande des Konzertes zeichnete der Bayreuther Bundestagsabgeordnete und Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk den Chorleiter für seine fünf Jahrzehnte andauernde Tätigkeit aus.

Der 14-teilige Konzertzyklus wurde zumindest in dieser Fassung wohl zum ersten Mal aufgeführt, denn die beiden Chorleiter Rüdiger Bauriedel und Werner Beyer aus Untersteinach hatten mit Hilfe von Barbara Sabarth von der deutsch-polnischen Gesellschaft eine eigene deutsche Textfassung erstellt. Nur an einigen wenigen Stellen wird klar, dass es sich um eine zeitgenössische Komposition handelt. Ansonsten basiert das Werk durchaus tonal auf die traditionelle Weihnachtsgeschichte.

Im Zentrum der Komposition steht Franz Xaver Grubers weltbekanntes Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“, das man in Polen unter dem Titel „Cicha Noc“ kennt. Drumherum hat der 1940 in Warschau geborene Komponist erst vor wenigen Jahren einen facettenreichen Weihnachts-Zyklus geschaffen, der  traditionelle und bekannte Weihnachtsmelodien in neuem harmonischem Gewand vor.

Die beiden Chöre aus der Region brachten das Werk in wunderbarer Art und Weise zum klingen, kraftvoll in allen Stimmlagen, immer wieder unterbrochen von hervorragend gemeisterten solistischen Einwürfen und vor allem wunderbare dezent in den vielen Piano-Stellen. Das kleine Streichorchester ist dabei ein durchaus gleichwertiger Partner und nimmt sich nicht nur in den mit rein instrumentalen Zwischenspielen der Musik Maciej Maleckis gekonnt und einfühlsam an.

Eingerahmt wurde der polnische Konzertzyklus von einer „Missa breve“ von Philipp Steiger, und  von dem Chorsatz „Heil´ge Nacht im Frankenland“ von Franz Biebl, den Maciej Malecki als eine Art Dankeschön an Rüdiger Bauriedel und seine Musiker eigens für Chor und Streicher eingerichtet hatte.

Komponist Maciej Malecki jedenfalls war überaus angetan von der Aufführung, die er von einer der vordersten Reihen aus verfolgte. Er freue sich ganz besonders, dass sein Werk in dem Jahr erstmals in Deutschland aufgeführt wird, in dem sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 70. Mal jährt. Möglich wurde das Konzert durch die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, dessen Stiftungsrat der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk angehört.

Rüdiger Bauriedel hatte sich vor allem durch sein Wirken in der Chorszene großes Ansehen erworben. Unter anderem leitet er den Singkreis des Hummelgauer Heimatbundes und den Männergesangsverein. Er ist außerdem Gründer der Gesangsgruppe „G´seesa Bäsla“ und der „Klann Hummln“. Nach dem Abitur hatte Bauriedel an der Pädagogischen Hochschule in Bayreuth studiert. Danach war er als Lehrer in Bayreuth, Creußen und Gesees tätig. Später wirkte er als Ausbildungslehrer und Seminarleiter. 1997 wurde er zum Schulamtsdirektor ernannt. Bauriedel war außerdem als Kreisheimatpfleger tätig, gehörte dem Geseeser Gemeinderat an und war Kirchenvorstandsmitglied und Vertrauensmann in der evangelischen Kirchengemeinde Gesees.

Bauriedel wurde unter anderem bereits mit dem Ehrentitel „Chordirektor“ durch den Deutschen Sängerbund, mit dem Förderpreis des Landkreises Bayreuth und mit dem Titel „Staatlich anerkannter Chorleiter im Laienmusizieren“ durch das Bayerische Kunstministerium ausgezeichnet. 1995 erhielt er das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten.

Fotos:
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 Zusammen mit dem Singkreis Gesees unter der Leitung von Rüdiger Bauriedel wurde der Weihnachtsliederzyklus „Cicha Noc“ aufgeführt.
 

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12.12.2015

Stille Nacht im Breitwandformat / Standing Ovations: Ljubka Biagioni stimmte in der ausverkauften Dr.-Stammberger-Halle auf das Weihnachtsfest ein

Kulmbach. Jetzt kann Weihnachten kommen: Chor und Orchester der Sofia Symphonics unter der Leitung von Ljubka Biagioni haben mit einem hochkarätigen wie stimmungsvollen Konzert am Samstagabend in der ausverkauften Dr.-Stammberger-Halle die perfekte Einstimmung auf das Fest gegeben. Zu hören war ein absolut populäres Programm, liebevoll zusammengestellt, dargeboten auf höchstem Niveau und moderiert von der Dirigentin persönlich

Freilich nicht nur irgendwie moderiert, Ljubka Biagioni macht immer auch ihren Bezug zur jeweiligen Komposition deutlich, sie spricht von Weihnachten in Bulgarien und in Italien und bekennt gleich zu Beginn: „Kulmbach ist meine musikalische Heimat geworden.“ Manchmal etwas außer Puste erzählt sie von den Hirten und den Engeln an der Krippe, trägt die tiefsinnige Weihnachtsgeschichte von den vier Kerzen Frieden, Glaube, Liebe und Hoffnung oder das witzige Gedicht „Wo man Geschenke verstecken kann“ vor und zwinkert auch schon mal den Zuhörern in der ersten Reihe zu.

Das Programm spannt einen weiten Bogen von barocken Sätzen eines Georg Philipp Telemann über Klassiker wie Wolfgang Amadeus Mozart, Romantiker wie Peter Tschaikowsky bis hin zu traditionellen deutschen und internationalen Weihnachtslieder. Letztere sind überhaupt die Höhepunkte des Abends: „Stille Nacht“, „Adeste Fideles“, „Still, still, still“. Alles in wunderbaren Arrangements, bei denen Chor und Orchester abwechseln, der Klangkörper gerne auch mal im Breitwandformat musizieren darf und bei denen der souveräne Chor im wunderbar dezenten Piano transparent und schlank singt. Manch einer mag das kitschig finden, Ljubka Biagioni zeigt damit aber auch, welch ungeheure musikalische Substanz in den scheinbar einfachen Weihnachtsliedern steckt und so wie sie es musizieren lässt, hat sie das Publikum sofort auf ihrer Seite. Nur das mit dem Mitsingen mag einfach nicht klappen.

Frisch zupackend und trotzdem feierlich gibt es zu Beginn zwei Sätze aus der Nußknacker-Suite von Peter Tschaikowsky. Ihr Wille zur perfekten Proportion wird im zweiten Satz „Air“ aus der dritten Orchestersuite von Johann Sebastian Bach deutlich, den die Musiker in rhythmischer Schärfe präsentieren. Manche Lieder sind hierzulande zu wenig bekannt, wie etwa das wunderbare „Loves comes down at christmas“, das Chor und Orchester einmal mehr frisch und geradlinig präsentieren. Durchwegs dramatisch erklingen dagegen die bekannten „In dulci jubilo“ oder „The first noel“. Fast schon meditativ wird es mit dem zweiten Satz aus dem Klarinettenkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart, ehe die Klangkörper zu den Weihnachtsliedern ansetzen.

Das alles sind nicht nur zweieinhalb abwechslungsreiche Stunden Musik, sondern auch deutlich artikulierende Sing- und Spielfreude, die man gerne mit weihnachtlicher Musik verbindet. Das musikalisch-technische Niveau von Chor und Orchester Ensembles ist durchgängig hoch, an Stilkompetenz und aufführungspraktischer Reife mangelt es da wirklich nicht. Zumal Ljubka Biagioni gerne auch mal auf Effekte setzt. Etwa im bulgarischen Vaterunser, eine A-Capella-Zugabe, die komplett im Dunkeln gesungen wird. Wunderbar gelingt auch das Halleluja aus Georg Friedrich Händels „Messias“, der Hymne an den lieben Gott, wie die Dirigentin das Werk ankündigt. Am Ende gibt es einen nicht enden wollenden Beifall, Standing Ovations und OB Henry Schramm, der nicht nur Blumen überreicht, sondern Ljubka Biagiona auch das Versprechen abtrotzt, dass sie im nächsten Jahr in der Vorweihnachtszeit wiederkommt, vielleicht sogar zu zwei Konzerten. Bereits am 17. Juli wird die Dirigentin mit Orchester und Chor bei den Open Airs auf der Plassenburg zu erleben sein.

Bild: Ljubka Biagioni leitete die Sofia Symphonics am Samstagabend beim eindrucksvollen Weihnachtskonzert in der ausverkauften Dr.-Stammberger-Halle.

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05.12.2015

Festliche Musik in farbiger Folge:
Sächsische Bläserweihnacht in St. Bartholomäus

Pegnitz. Es war ein unumstrittener Höhepunkt im vorweihnachtlichen Konzertreigen der Region: die „Sächsische Bläserweihnacht“ mit dem weltbekannten Startrompeter Ludwig Güttler und seinem Ensemble am Samstagabend in der St.-Bartholomäus-Kirche.

Der Trompetenvirtuose und seine Musiker begaben sich dabei auf eine Zeitreise durch mehrere Jahrhunderte, führten Instrumentalsätze verschiedenster Herkunft und Entstehungszeit auf und ließen festliche Musik in farbiger Folge erklingen. Abseits vom Weihnachtskitsch und Hektik lud der barocke Glanz von verschiedenen Posaunen, Trompeten, Hörnern, einer Tuba und von Pauken zur Besinnung, zur Einstimmung und Vorfreude auf das Weihnachtsfest ein.

Den Weg vom Advent bis Weihnachten flankieren in dramaturgisch kluger Wahl fast zwei Dutzend Stücke, die Ludwig Güttler für sein Ensemble eingerichtet hatte. Einige der aus der Barockzeit und dem ersten Jahrhundert nach der Reformation stammen Kompositionen haben längst den Charakter von zeitlosen Volksliedern angenommen. Advents- und Weihnachtslieder wie „Es ist ein Ros entsprungen“, „In dulci jubilo“, „Vom Himmel hoch“ oder „Nun komm der Heiden Heiland“ wurden in vielfältigen Variationen von den unterschiedlichsten Komponisten aufgegriffen. So standen bei der „Sächsischen Bläserweihnacht“ in Pegnitz Werke aus der Renaissance- und Barockzeit auf dem Programm. Bekannte Komponisten  wie Antonio Vivaldi, Georg Friedrich Händel oder Michael Praetorius waren genauso vertreten, wie heute weniger bekannte Namen wie Johann Crüger, William Brade oder Andreas Raselius.

Ludwig Güttler spielte dabei meist nicht nur selbst überaus geschmeidig und technisch erstklassig die führende Stimme auf der Trompete oder dem, aus dem Jagdhorn hervorgegangenen Corno da caccia, das Güttler selbst wiederentdeckt und perfektioniert hatte. Vielmehr leitete er auch mit sparsamen Bewegungen sporadisch das Ensemble. Höchst akkurat und mit größtmöglicher Perfektion musizieren die elf erstklassigen Bläser mit Ludwig Güttler als „Primus inter pares“. Wohl wissend, dass er der Weltstar ist, spielt er weder die dominante Solo-Hauptrolle noch gibt es den Hochglanzvirtuosen. Stattdessen erklingt ein perfekt ausgewogenes Wechselspiel zwischen Soli- und Tuttiblöckenmit einem noblen Klangreichtum und einer Ausdrucksskala, die von brillantem Spiel bis ins Lyrische hinein reicht.

Für Händels „Tochter Zion“ etwa gab es einen spontanen Applaus, ebenso für die fünf Variationen, die Ludwig van Beethoven darüber geschrieben hatte. Mit drei Spirituals des Kölner Komponisten Adolf Busch zeigte das Ensemble, dass Weihnachten auch swingen kann und mit einer Komposition für zwei Pauken demonstrierte Güttler, dass er nicht auf seine Trompeten festgelegt ist. Auch bei den Zugaben gab es eine Überraschungen: Die Bläser legten ihre Instrumente beiseite und sangen gleich mehrstimmig im Chor.

Durch seinen vielseitig angelegten Wirkungskreis hat sich Ludwig Güttler einen weltweiten Ruf nicht nur als Trompeter, sondern auch als Dirigent, Veranstalter und Förderer erworben. Er ist heute auf mehr als 50 Tonträgern zu hören, wobei sein besonderes Interesse der Wiederbelebung der sächsischen Hofmusik des 18. Jahrhunderts gilt. Als Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Dresdner Frauenkirche erhielt er 1997 den ersten Nationalpreis der Deutschen Nationalstiftung.

Das 1978 durch Ludwig Güttler ins Leben gerufene Blechbläserensemble vereinigt führende Solisten der Sächsischen Staatskapelle und der Dresdner Philharmonie. In den über 35 Jahren seines Bestehens hat sich der Zusammenschluss zu einem Brass-Ensemble der Superlative entwickelt. Sensationelle Erfolge bei Konzerten im In- und Ausland sowie viele gefeierte Einspielungen belegen die außergewöhnliche Interpretationskunst des Dresdner Ensembles mit Sven Barnkoth, Volker Stegmann, Johann Clemens, Erich Markwart, Olaf Krumpfer, Guido Ulfig, Hans-Werner Liemen, Christian Langer, Rainer Regner, Edgar Mayak und Jörg Lehmann.

Den Kontakt zu dem Superstar der klassischen Musik hat der Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk hergestellt. Er hat auch die Schirmherrschaft für das Konzert übernommen. Sein Abgeordnetenkollege Klaus Brähmig aus Pirna bei Dresden ist Vorsitzender des Trägervereins beim dortigen Musikfestival „Sandstein und Musik“, dessen künstlerischer Leiter wiederum Ludwig Güttler ist. Koschyk sprach von einer wunderbaren Einstimmung in den Advent und von einem einmaligen Konzerterlebnis.

Dekan Gerhard Schönauer hatte in seiner Begrüßung bekannt, dass er sich eine so gut gefüllt Kirche öfter wünschen würde. „Musik möge uns anrühren in dieser Adventszeit und vorbereiten auf das große Fest“, sagte Schönauer.

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29.11.2015

Souveräne Balance zwischen Chor, Orchester und Solisten / Mit dem zweiten Teil des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach sind die 31. Kirchenmusiktage zu Ende gegangen

Kulmbach. Wer kennt es nicht, Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium, ein Zyklus von sechs Kantaten, den der Komponist für den Jahreswechsel 1734/35 zusammengestellt hatte. Während bei fast allen Aufführungen nur die Kantaten 1 bis 3 gespielt werden, hat sich Stadt- und Dekanatskantor Ingo Hahn zum Abschluss der Kirchenmusiktage am Sonntag in der Petrikirche wieder einmal für die Teile 4 bis 6 entschieden. bestimmt für Neujahr, den Sonntag danach und für Epiphanias. Auch hier gibt es prachtvolle Eröffnungschöre, Choräle sowie Arien, in denen die Gesangssolisten mit einzelnen Instrumenten dialogisieren. Zuletzt waren die Kantaten 4 bis 6 im Jahr 2011 in Kulmbach erklungen. Ebenfalls mit dem Hallenser Orchester und teilweise mit den gleichen Solisten.

Bachs populäre Komposition erzählt die Weihnachtsgeschichte, wie sie im Lukas- und teilweise auch im Matthäus-Evangelium nachzulesen ist. Jede der insgesamt sechs Kantaten des Weihnachtsoratoriums hat seinen, von den anderen Abschnitten unabhängigen Platz im Kirchengeschehen zwischen Weihnachten und Epiphanias (Dreikönig), verstreut über die Festtage zweier Wochen. Die Bestimmung der Kantate, wie sie sich aus der Leipziger Praxis zu Bachs Zeit ergab, bestand darin, im Gottesdienst aufgeführt zu werden. Damit war die komponierte Musik Bestandteil des religiösen Ablaufs.

In Zeiten der modernen Aufführungspraxis und einer nahezu unbegrenzten Reproduzierbarkeit von Musik hat sich das Werk von seinem liturgischen Kontext gelöst. Eine Konzertaufführung, wie die in Kulmbach, fügt das, was zu Bachs Zeiten in der Liturgie verankert und auf mehrere Feiertage verteilt war, zu einem neuen Ganzen zusammen. Das Weihnachtsoratorium hat längst unabhängig von seiner gottesdienstlichen Funktion ein Eigenleben als eigenständiges Oratorium entwickelt.

Die Kulmbacher Kantorei, das Orchester „Musica juventa“ aus Halle, Organist Thomas Rothert und die vier Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Ingo Hahn interpretieren das beliebte Werk auch diesmal frisch und geradlinig, mit schlankem transparentem Klang. Das musikalisch-technische Niveau von Solisten und Ensemble ist durchgängig hoch. “Musica juventa” musizieren überaus gelöst, spieltechnisch und artikulatorisch brillant. Ingo Hahn lässt der Musik den Raum, den sie braucht. Alles klingt natürlich, die Musik fließt und atmet.

Dabei setzt er auch auf eine souveräner Balance zwischen Chor, Orchester und Solisten. Seine Tempi sind oft eine Kleinigkeit rascher als bei vielen Aufführungen und Einspielungen üblich, was einerseits gut zu dem transparenten Klangbild und den Chorstimmen der Kulmbacher Kantorei passt. Ganz besonders fällt diesmal auf, dass Ingo Hahn nicht nur die Tempi rasch nimmt, auch zwischen den einzelnen Nummern und sogar zwischen den Kantanten bleibt wenig Zeit. Diese Art des komprimierten Musizierens lässt konzentriertes Hören zu jedem Zeitpunkt zu.

Sämtliche Ecksätze werden beim Wort genommen und sind zumindest in der sechsten Kantate mit stampfenden Pauken und hellen schmetternden Trompeten fast eine Aufforderung zum Tanz. Chor und Orchester folgen dem musikantischen Impuls der Stücke, niemals gibt es ein bedeutungsschwangeres Dahinschleppen, ohne dass dies zu Kosten der Empfindsamkeit geht. Keine Frage, dass dieses hohe Niveau unter Ingo Hahns Leitung über alle drei Kantaten bestehen bleibt.

Vollends überzeugen kann auch die Besetzung der Solopartien. Schlanke, aber dennoch farbige Stimmen, die die Weihnachtsgeschichte mit Gefühl und Lebendigkeit, aber ohne rhetorische Mätzchen oder übertriebene Theatralik erzählen. Tenor Christopher Rösel verbindet stimmliche Schönheit mit erzählerischer Aussagekraft. Er gestaltete nicht nur die halsbrecherischen Tenorarien eindrucksvoll, sondern deklamierte auch die Rezitative des Evangelisten mit lockerer Tongebung und stets textverständlich. Das gilt auch für die Münchner Sopranistin Stephanie Krug, die mit ihrer schlanken aber trotzdem markanten und den Raum ausfüllenden Stimme ihren Arien bestens Profil verleihen konnte.

Bassist Markus Simon bringt seine Parts sehr textverständlich und mit hoher Empfindsamkeit dar. Weniger solistische Aufmerksamkeit hatte Bach der Altistin geschenkt. Katharina Heiligtag gestaltet ihre Parts trotzdem ausdrucksvoll und überzeugend. Ein ganz kurzer solistischer Auftritt kommt auch Tanja Schaller aus den Reihen der Kantorei zu, die in der Echo-Arie mit ja und nein auf die Sopranistin antworten darf.

Bild: Eine eindrucksvolle Aufführung vom zweiten Teil des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach erlebten die Besucher zum Abschluss der Kirchenmusiktage in der gut besetzten Petri-Kirche unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn.

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27.11.2015

Kraftvoll, kompetent und klanglich brillant /
Händel-Hommage bei den Kirchenmusiktagen

Kulmbach. Kammermusikalisches Können der Extraklasse, das war der zweite Abend der Kulmbacher Kirchenmusiktage am Freitag in der Spitalkirche. Ein Komponist und fünf Musiker, die einige seiner Werke in den verschiedensten Besetzungen detailreich und nuanciert ausleuchteten, standen dabei im Mittelpunkt. Der Komponist war der große Georg Friedrich Händel, die Musiker Stephanie Krug (Sopran), Hannah Liebler (Querflöte), Ernst-Marin Eras (Oboe), Johanna Eras (Cello) und Dekanatskantor Ingo Hahn an der Orgel.

Die „Händel-Gala“ stellte weder den Komponisten des „Messias“ noch den genialen Opernschöpfer in den Vordergrund, sondern den Erfinder herausragender Kammermusik mit sechs der „Neun Deutschen Arien“ im Zentrum und jeweils zwei Solo- und zwei Trio-Sonaten. Eine erfreuliche, eine wirklich wohltuende Hörerfahrung, denn dabei kommt eine große musikalische Bandbreite zu Tage, wie man sie von Georg Friedrich Händel normalerweise kaum kennt.

Dazu kommen aber auch die herausragenden Musiker, die Ingo Hahn zusammengetrommelt hatte. Allen voran die aus München stammende Sopranistin Stephanie Krug. Voller Enthusiasmus und Begeisterung meistert sie ihren Part in den Arien mit den eigenwillig anmutenden Texten von Heinrich Brocke. Stephanie Krug packt den Zuhörer nicht nur mit ihrer Virtuosität und ihrem kraftvollen Zugriff sondern auch mit schönem Legato, einem breiten Ausdrucksspektrum sowie einem schlanken und durchsichtigen Klang in den Kantilenen.

Die Flötistin Hannah Liebler aus Bad Neustadt glänzt mit ihrem vollen, warmen und dunklen Ton sowie mit der beständigen Ruhe ihres souveränen Spiels in drei Sonaten sowie in drei der Arien. Verzierungen bringt sie gezielt, aber keineswegs im Übermaß. Stattdessen überrascht sie immer wieder mit ihrem durch und durch professionellen Klang voller Leichtigkeit.

Auch der Oboist Ernst-Martin Eras, ehemaliger Dozent am Würzburger Konservatorium,  kann mit gesanglichem Ton und elegantem Legato überzeugen und den Händel-Kompositionen Leben einhauchen, so gleich zu Beginn in dem exponierten und solistischen Instrumentalspiel der obligaten Oboe in „Das zitternde Glänzen der spielenden Wellen”.

Klanglich brillant musiziert die Cellistin Johanna Eras, die das Geschehen von der Bassseite her feinsinnig stützt und vorantreibt. Die viersätzige Solo-C-Dur-Sonate, bei der sie nur von der Orgel begleitet wird, ist schließlich einer der Höhepunkt des Konzertes mit den für Händel so typisch festlichen, aber auch beschwingten und tänzerischen Sätzen, die Johanna Eras auf dem stimmführenden Cello mit großem Engagement faszinierend und mitreißend aufführt.

Mit Ingo Hahn an der kleinen Truhenorgel haben die Musiker einen kompetenten und einfühlsamen Begleiter gewonnen, der das ganze breite Spektrum dieser Kunst zum Erlebnis zu machen versteht. Am Ende gab es großen Applaus von dem zahlreich erschienen Publikum in der für Kammerkonzerte idealen Spitalkirche.

Bild: Hommage an Händel (von links): Hannah Liebler (Querflöte), Stephanie Krug (Sopran), Johanna Eras (Cello) und Dekanatskantor Ingo Hahn (Orgel) beim zweiten Abend der Kulmbacher Kirchenmusiktage in der Spitalkirche.

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22.11.2015

Farbig, flexibel und feierlich gediegen: „Simple Music for five“ und der Pianist Egmont Gabler haben die 31. Kulmbacher Kirchenmusiktage eröffnet

Kulmbach. Es ist ein klangvolles Ensemble, gut aufeinander eingespielt, in sich stimmig und harmonisch: Das um den Münchner Pianisten Egmont Gabler ergänzte Holzbläserquintett „Simple Music for five” mit dem Kulmbacher Peter Blania eröffnete am frühen Sonntagabend in der Spitalkirche die 31. Kulmbacher Kirchenmusiktage. Dabei standen unter dem Motto „Holzbläserquintett und Tastenvirtuose“ Werke der Klassik, der Romantik und der Moderne auf dem Programm. Die 1990 gegründete Formation besteht aus Heike Kindermann (Flöte), Inga Däubner (Oboe), Jeanette Höfer (Klarinette), Markus Fromm (Fagott) und Peter Blania (Horn).

Seine Stärken zeigt der Zusammenschluss gleich zu Beginn im B-Dur-Quintett op. 56 Nr. 1 von Franz Danzi (1763 - 1826), ein etwas in Vergessenheit geratener und wenn, dann ausschließlich auf seine Bläserquintette reduzierter Komponist zwischen Klassik und Romantik. Virtuos und mit Belcanto-Anklängen, dann wieder sehnsüchtig romantisch  oder klassisch idealistisch, all dies fügen die Interpreten mit klarem Formbewusstsein bei detailreicher Artikulation und einem feinen Gespür für harmonische Schattierungen zu einem Ganzen. An dem aufgeführten Quartett lässt sich die Brückenposition des Komponisten zwischen und Klassik und Romantik in nahezu jedem Satz vernehmen. In das romantische Jahrhundert weist vor allem der langsame Satz, während die Ecksätze und das Menuetto noch höfischen Barock erahnen lassen

Mit einer zeitgenössischen Eigenkomposition des Münchner Komponisten, Fagottisten, Autor, und Verlegers Klaus Obermayer (1943 – 2009) lässt „Simply music for five“ im zweiten Programmpunkt aufhorchen: „Reminiszenzen für Klavier und Holzbläserquintett“ heißt seine eigenwillige Komposition. Witzige Wendungen, Takt- und Dynamikwechsel bestimmen das Bild der eher ernsten Komposition mit ihrer ganz eigenen Tonsprache. „Ein typischer Obermayer eben“, so kündigte Klarinettistin Jeanette Höfer die „Reminiszenzen“ an , die das Quintett zusammen mit Egmont Gabler wunderbar realisieren. Aufhorchen lässt dabei ein Klaviersolo im zweiten Satz, ein Hornsolo im jazzig angehauchten dritten Satz und einer „Vorstellungsrunde“ im vierten Satz, bei der sämtliche Musiker mit ihren Instrumenten das Thema aufgreifen.

Im zweiten Teil gibt es dann mit August Friedrich Martin Klughardt (1847-1902) zunächst wieder einen ziemlich vergessenen Komponisten. Auch sein Quintett op. 79 ist in der Interpretation der Formation „Simply music for five“ überaus hörenswert und berührt vor allem durch seine ausdrucksvollen Sätze. Die fünf Musiker pflegen einen flexiblen und gesanglichen Ansatz. Der Ton ist gerade, die Übergänge werden grandios gestaltet. Überhaupt ist das Quintett des Liszt- und Wagner-Verehrers Klughardt das farbigste und das abwechslungsreichste von allen vier Werken dieses Abends.

Am Ende dann noch einen echten Klassiker, das Quintett Es-Dur op. 16 von Ludwig van Beethoven. In der feierlich gediegenen und aufs äußerste akkurat musizierten Komposition zeigen die fünf Musiker noch einmal, dass sie bestens aufeinander eingespielt sind. Das Aufblitzen der Oboe, die Ausdrucksstärke der Klarinette und der dunkle Ton des Fagotts verbanden sich mit der Klangpracht des Horns und der Noblesse des Klaviers zu einem homogenen Klangbild. Am Ende bedankten sich die Musiker bei dem zahlreich erschienen Publikum in der Spitalkirche mit einem Satz aus einem Quintett von Klaus Obermayer.

Bild: Das Holzbläserquintett „Simple Music for five“ und der Pianist Egmont Gabler haben am Sonntag in der Spitalkirche die 31. Kulmbacher Kirchenmusiktage eröffnet. Im Bild von links: Egmont Gabler, Heike Kindermann, Inga Däubner, Peter Blania, Markus Fromm und Jeanette Höfer.

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06.11.2015

Klangschön und virtuos: Beeindruckendes „Jugend-musiziert“-Preisträgerkonzert  / Musikalischer Nachwuchs aus Oberfranken präsentierte in Kulmbach sein Können

Kulmbach. Einmal mit einem professionellen Sinfonieorchester zu musizieren, das ist der Traum vieler angehender musikalischer Talente. Die Hofer Symphoniker, ihr Dirigent Howard Golden und der Bezirks Oberfranken machen diesen Traum im Rahmen eines bayernweit einmaligen Projekts bereits seit 1988 einmal pro Jahr wahr. Das außergewöhnliche Preisträgerkonzert der erfolgreichen oberfränkischen Teilnehmer  von „Jugend musiziert“ auf Landes- und Bundesebene fand diesmal in der Dr.-Stammberger-Halle in Kulmbach statt und einmal mehr wurde klar, welch herausragende Talente in der Region zu finden sind.

Jüngste Teilnehmer waren Sonja Lindner, elf Jahre, aus Litzendorf und Jonas Beckmann, zwölf Jahre, ebenfalls aus Litzendorf. Sie präsentierten Sätze aus Fagottkonzerten von Antonio Vivaldi: quirlig, und sprunghaft, aber auch aufmerksam und präzise. Auffallend ist das dunkle und warme Fagotttimbre, ganz zu Recht haben die beiden jungen Musiker ihre Preise erhalten, das macht der Kulmbacher Auftritt mehr als deutlich.

Den ersten Satz aus dem Klavierkonzert Nr. 1 F-Dur KV 37 des elfjährigen Wolfgang Amadeus Mozart interpretierte die 15-jährige Annika Landgraf aus Bayreuth. Geschmeidig und elegant gibt sie dieses Virtuosenstück, ein selten aufgeführtes Frühwerk, wieder. Zwei Nummern aus dem „Karneval der Tiere“, dem populärstem Werk von Camille Saint-Saens, spielten die Zwillinge Hanna und Jonah Petrahn aus Hof höchst lebendig, mit lockerem und frischen Ton vierhändig und sorgten damit für den sicher ungewöhnlichsten Auftritt des Abends.

Einen Satz aus dem wundervollen Concertino Nummer 1 von Dietmar Ungerank hatte der 16-jährige Gitarrist Daniel Schreivogel aus Hof ausgewählt. Der Komponist, der bei dem Konzert auch anwesend war, ist Dozent für Zupfinstrumente an der Musikschule der Hofer Symphoniker und hat das Werk eigens für die Preisträgerkonzerte geschrieben, eine echte Entdeckung, gerne hätte man das ganze Konzert gehört. Ein überaus kunstfertiges, versiertes und gefühlvolles Spiel sowie eine brillante Technik ist dem Gitarristen zu bescheinigen, mit der auch er völlig zu Recht die Konkurrenz übertrumpft hat.

Nochmal ein Fagott brachte Anna Ernst aus Naila mit, klangschön und mit lyrischen Qualitäten musiziert die 17-Jährige den ersten Satz samt kunstvoller Kadenz aus dem Fagottkonzert B-Dur KV 191 von Wolfgang Amadeus Mozart, ein Werk, das die technischen Möglichkeiten des Instruments auf vorbildliche Weise bündelt und zur Geltung bringt. Anna Ernst ist fast schon Profi, denn sie ist bereits seit 2013 Mitglied des Bundesjugendorchesters.

Wie vielfältig der Wettbewerb „Jugend musiziert“ ist, zeigt am Ende der Bariton Lorenz Kauffer (20) aus Pettstadt mit der Arie „Ein Mädchen oder Weibachen“ aus Mozarts Oper „Die Zauberflöte“  eindrucksvoll auf. Überzeugend gesungen, mit Sinn für Details, das ist der junge Bariton, der mit der bekannten Arie einen eindrucksvollen Schlusspunkt  setzt und zeigt, welch unterschiedliche Klangfarben der Wettbewerb „Jugend musiziert“ zu bieten hat.

Stets präsent, einfühlsam und überaus professionell agierten an diesem Abend einmal mehr die Hofer Symphoniker unter Howard Golden, die das Programm noch mit Werken von Gioacchino Rossini, Sergej Prokofieff und der „Fantasia of Greensleeves“ von Ralph Vaughan Williams umrahmten.

Von einer ganz hervorragenden Leistung aller Solisten sprach Kulmbachs Oberbürgermeister Henry Schramm. Schirmherr war der oberfränkische Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Er nannte das Konzert ein großartiges Ereignis und war stolz auf die „Stars von morgen“. Geld für junge Menschen, die musizieren auszugeben, sei gut angelegtes und in die Zukunft investiertes Geld, sagte er und überreichte zusammen mit der Intendantin der Hofer Symphoniker Ingrid Schrader Gutscheine an sämtliche Solisten.

Bilder:
1. Mit elf Jahren war Sonja Lindner aus Litzendorf die jüngste Preisträgerin bei Jugend musiziert. Sie spielte einen Satz aus einem Fagottkonzert von Antonio Vivaldi.
2. Daniel Schreivogel aus Hof präsentierte eine Komposition für Gitarre und kleines Orchester aus der Feder des Hofer Gitarrendozenten Dietmar Ungerank.

3. Mit der Arie des Papageno aus Mozarts Zauberflöte setzte der junge Bariton Lorenz Kauffer aus Pettstadt einen eindrucksvollen Schlusspunkt.

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08.10.2015

„Ich hätt´ auf Tönen davon schweben mögen …“ / Schauspieler Hans-Jürgen Schatz sprach beim Kulmbacher Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing über „Jean Paul und die Musik“

Kulmbach. Jean Paul war musikalisch. Davon ist der Schauspieler Hans-Jürgen Schatz fest überzeugt. So fest, dass er dem Thema „Jean Paul und die Musik“ gleich einen ganzen Abend widmete. Zusammen mit dem Berliner Pianisten Hendrik Heilmann war er damit zum Kulmbacher Freundeskreis der evangelischen Akademie Tutzing ins Martin-Luther-Haus gekommen, um die Musik vorzustellen, die Jean Paul ganz sicher gekannt und gehört hat und die er immer wieder in Briefen und in seinen Werken erwähnte.

Hans-Jürgen Schatz ist nicht nur durch zahlreiche Fernsehfilme und TV-Serien bekannt geworden. Er machte in den vergangenen Jahren immer wieder auch als Rezitator auf sich aufmerksam.  Schatz war es auch, der vor etwa 20 Jahren eine Art Jean-Paul-Renaissance einleitete. „Jean Paul ist mein Thema“, sagt er. Nicht nur hier in der Region, wo der Schriftsteller gelebt und gewirkt hat, sondern bundesweit. Zum zweiten Mal veranstaltet er gerade eigene Jean-Paul-Tage in Bad Berneck. Was lag da näher, als auch bei seinem Kulmbacher Auftritt den Zuhörer des Tutzinger Freundeskreises Jean Paul ein wenig näher zu bringen.

„Jean Paul ist ja so schwierig“, dieses Vorurteil geistert durch die meisten Köpfe und Hans-Jürgen Schatz ist angetreten, dieses Vorurteil zu kippen. „Schwierig? Stimmt ja gar nicht“, sagt er. Es sei eben eine andere Zeit gewesen, die Menschen hätten ein ganz anderes Wissen gehabt. Sein Tipp, um Jean Paul kennen zu lernen lautet: sich Zeit zu nehmen. Man müsse sich Zeit und Ruhe nehmen, sagt er, und: „Der Puls schlug damals langsamer.“

Jean Pauls musikalische Welt hatte sich der Schauspieler ursprünglich für einen Abend bei den Jean-Paul-Tagen 2014 erarbeitet und schon damals war er zu dem Schluss gekommen, dass der Schriftsteller eine große Affinität zur Musik gehabt haben muss. In Kulmbach gibt Hans-Jürgen Schatz zu bedenken, dass Musik zu Jean Pauls Zeit nur in höfischen Theatern und in den Theatern der großen Städte zu hören war. Nicht jeder sei befugt gewesen, dort Musik zu hören. Jean Paul schon, denn er war bereits zu Lebzeiten regelrecht  prominent. In Zeiten von You Tube, wo jeder Art von Musik rund um die Uhr verfügbar ist, sei dies alles kaum noch vorstellbar.

Jean Paul sah und hörte dagegen die ganz großen seiner Zeit, Mozarts Opern „Cosi fan Tutte“ und „Don Giovanni“ am Weimarer Theater unter dem damaligen Intendanten Johann Wolfgang von Goethe. „In jedem seiner Romane spielt Musik eine große Rolle“, sagte Hans Jürgen Schatz. Im „Hesperus“  nimmt er auf Georg Anton Bendas „Romeo und Julie“ Bezug, in den „Flegeljahren“ auf Joseph Haydn. In Briefen rühmt er Joseph Haydns „Schöpfung“ oder Gaspare Spontinis „Vestalin“, und das mit so pathetischen Worten wie „Ich hätt´ auf Tönen dahinschweben mögen, aus dem Leben.“ Nicht zuletzt war Jean Paul die Musik regelrecht in die Wiege gelegt, schließlich war sein Vater Johann Christian Christoph Richter Organist in Wunsiedel.

Pianist Hendrik Heilmann, der als Liedbegleiter eher die großen Steinways gewohnt ist, holte an diesem Abend so ziemlich alles aus dem kleinen Klavier im Martin-Luther-Haus heraus, was nur irgendwie geht. Triumphierend führte er Mozarts Cosi-fan-Tutte-Ouvertüre  auf, gewitzt das eigentlich für Mandoline gedachte Ständchen aus dem „Don Giovanni“ und ein beeindruckendes Arrangement hatte er auch für die Bildnisarie aus der „Zauberflöte“ ausgewählt. Überhaupt war Wolfgang Amadeus Mozart der Komponist, der bei Jean Paul am meisten Erwähnung fand, genauso wie die Flöte damals das beliebteste Instrument war, zum einen wegen der „Zauberflöte“, zum anderen wegen des Flöte spielenden Preußenkönig Friedrich II. Höhepunkt im Spiel des Pianisten war sicherlich Franz Schuberts „Erlkönig“ am Ende in einer reinen Pianofassung mit großer Empfindungstiefe, plastisch ausgedeutet und durchaus auch Schuberts Ausdruckextreme hervorhebend.

Auch wenn Hans-Jürgen Schatz noch am Anfang betont hatte, dass er keine Vorträge halten könne, so erwies er sich am Ende doch als wahrer Vortragskünstler. Mal ist er der charmante, humorvolle und sympathische Plauderer, mal legt er in ein einziges Wort so viel Emotion und Empfindung, so dass er viel mehr als einen bloßen Text vermitteln kann. Dazu untermalt er seine oder andere Aussage aktiv mit vielen Handbewegungen, und klopft auch schon mal auf das Pult, so dass schon eine Freude ist, ihm nur zuzusehen. Bei all dem schafft er es doch immer wieder, das das Publikum unterhaltsam mitzunehmen.

Bild: Pianist Hendrik Heilmann, Bernd Matthes vom Kulmbacher Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing, Dekan Jürgen Zinck und der Schauspieler Hans-Jürgen-Schatz (von links).

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27.08.2015

Mühelose Eleganz und südliches Feuer/ Abschlusskonzert des 65. Festivals Junger Künstler in Bayreuth

Bayreuth. Ein wichtiges Ziel des Festivals junger Künstler in Bayreuth ist die Verbindung von großem Symphonieorchester und von kammermusikalischen Besetzungen. Während beispielsweise das Kammerorchester der Renmin Universität Peking als „Artist-in-Residence“-Orchester in den vergangenen Wochen durch die Region tourte und allerorts für Beifallsstürme sorgte, gliederten sich die Musiker am Ende des Festivals in das Symphonieorchester ein. Dort erarbeiteten sie zusammen mit vielen anderen internationalen Nachwuchstalenten aus 17 Ländern unter der Leitung des britischen Dirigenten Peter Stark vom Royal College of Music in London ein populäres aber nicht minder schwieriges Programm mit Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy und Carl Maria von Weber. Bei einem herausragenden Abschlusskonzert am Donnerstagabend in der Bayreuther Stadthalle stellten die jungen Musiker die Ergebnisse der Öffentlichkeit vor.

Hoffnung, Fernweh und Sehnsucht, das ist die große Klammer, die alle drei Kompositionen miteinander verbindet. Südliches Feuer in Mendelssohns „Italienischer“, erstklassige Landschaftsmalerei, die sogar Richard Wagner in der Hebriden-Ouvertüre entdeckt hatte, und virtuose Romantik im 2. Klarinettenkonzert von Carl Maria von Weber.

Felix Mendelssohn-Bartholdys Symphonie Nr. 4 A-Dur op. 90, die berühmte „Italienische“ und zugleich die populärste Mendelssohn-Symphonie, präsentieren die jungen Musiker pointiert, in einem weichen und abgerundetem Klang, schlank und geschmeidig. Erstaunlich ist es schon, wie treffend die jungen Musiker, die zum Teil aus ganz anderen Kulturkreisen kommen, diese Musik bewältigen. Es ist sicher die technische Versiertheit, etwa in der elegischen Melodik des dritten Satzes, die zu der mühelosen Eleganz führt, in der das Werk erklingt.

Sehr präzise und in einem schlüssigen klanglichen Ansatz führt das Orchester unter Peter Stark Mendelssohn Bartholdys eindrucksvolle Hebriden-Ouvertüre op. 26 auf. Bratschen, Celli und Fagott spielen das Hauptthema transparent und so mitreißend, dass auch in dieser rund zehnminütigen Konzertouvertüre keine Wünsche offen bleiben.

Überaus virtuos interpretieren dazwischen das Orchester unter Peter Stark und der junge französische Solist Benjamin Christ das 2. Klarinettenkonzert Es-Dur op. 74 von Carl Maria von Weber. Für Benjamin Christ war es gleichzeitig sein Deutschland-Debüt als Soloklarinettist. Er meistert die technischen Herausforderungen hervorragend, ohne aber die Poesie zu vernachlässigen, die bei Webers Solokonzerten immer dazugehört. Es ist eine anspruchsvolle und häufig unterschätzte Musik, die sich Carl Maria von Weber ausgedacht hatte und die adäquate Musiker braucht, um so richtig zur Geltung zu kommen. Weber setzte mehr auf einen Reichtum an Motiven und auf harmonische Effekte als auf eingängige Melodien, und Klarinettist Benjamin Christ und das Orchester unter Peter Stark setzen das mit dem richtigen Sinn für die Details der Partitur, etwa in den lyrischen Bögen des langsamen Mittelsatzes, hervorragend um. Wie Benjamin Christ das Ende dieses Satzes gestaltet und dabei rhythmisch und dynamisch die Grenzen auslotet ist nahezu atemberaubend.

Als Zugabe hatte Maestro Peter Stark übrigens noch einmal den 4. Satz der „Italienischen“ aufs Pult gelegt und dabei tatsächlich tempomäßig noch einen Gang zugelegt.

Bilder:
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 Der britische Dirigent Peter Stark leitete das Symphonieorchester des 65. Festivals Junger Künstler in Bayreuth. Das Bild entstand bei der Generalprobe in der Bayreuther Stadthalle.
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 Dirigent Peter Stark und Klarinettist Benjamin Christ.

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16.08.2015

Südchina trifft Franken / Kunstaustausch zwischen China und Deutschland – Ausstellung „Zwei Zustände der Kunst“ in der Bayreuther Eremitage eröffnet

Bayreuth. In vielen Bereichen des Lebens ist die Volksrepublik China in den zurückliegenden Jahren zum wichtigen Partner der westlichen Industrienationen geworden. Auch im Bereich der Kunst hat China eine führende Rolle übernommen. Das zeigt sich nicht nur im Bau vieler neuer Museen, sondern auch in vielen Kunstpartnerschaften. Einen solchen Austausch hat auch der Kunstverein Bayreuth in die Wege geleitet, und zwar mit der Yunnan Arts University in der Stadt Kunming im Bezirk Chenggong ganz im Süden des Landes. Im Frühjahr haben Künstler aus der Region im Art Museum Kunming ausgestellt, derzeit zeigen Maler, Graphiker und Bildhauer aus China im Neuen Schloss der Bayreuther Eremitage ihre Werke. Eine gemeinsame Ausstellung schließt sich daran im Erlanger Kunstmuseum an.

Unter dem Motto „Zwei Zustände der Kunst“ zeigen 20 Künstler aus Kunming derzeit ihre Werke in Bayreuth. Klassische und traditionelle Gemälde sind darunter, aber auch zeitgenössische Graphiken und Skulpturen. Insgesamt ist ein Ausschnitt aus Chinas kultureller Vielfalt zu sehen, der manchmal aufgrund einer eigenwilligen Formen und Zeichensprache ungewöhnlich erscheint, der sich in anderen Bereichen aber kaum von der europäischen Bildersprache unterscheidet.

Die Voraussetzungen könnten unterschiedlicher nicht sein, so Hans-Hubertus Esser, Vorsitzender des Kunstvereins Bayreuth und Kurator der Ausstellung. In der Sieben-Millionen-Stadt Kunming ein staatliches Kunst-Institut mit 70000 Studenten, hier ein ehrenamtlich geführter Kunstverein mit 270 Mitgliedern. Und doch seien die Exponate für den Betrachter nicht unverständlich, sie seien durchaus zu entziffern und stellten eine Kommunikationsebene dar, die das Trennende überwindet.

Besonders gut passt die Schau in den Westflügel der markgräflichen Eremitage. Schon zu Zeiten der berühmten wie kunstsinnigen Markgräfin Wilhelmine hatte man in Bayreuth ein besonderes Faible für chinesische Kunst. Wilhelmine ließ sich im nahegelegenen Alten Schloss sogar ein chinesisches Spiegelkabinett einrichten, in dem sie später auch ihre Memoiren verfasst hatte.

Die Ausstellung symbolisiere das Zusammenwachsen der Welt auf vielen Ebenen, wobei die Kunst das ideale Medium dazu sei, so der oberfränkische Regierungspräsident Wilhelm Wenning, der die Schirmherrschaft für den Kunstaustausch übernommen hatte. Kunst sei das ideale Medium für dieses Zusammenwachsen, zumal Bilder und Graphiken keine Übersetzung benötigen, sondern stets für sich sprechen.

Der Kunstverein Bayreuth ist nach den Worten von Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe schon immer eine wichtige Plattform gewesen, wenn es darum ging, den Blick über den Horizont zu werfen. Diesmal gehe die Ausstellung aber weit über alles bisherige hinaus, denn sie eröffne viele neue Sichtweisen in alle Lebensbereiche des anderen Landes und ermögliche damit mannigfaltige Begegnungen.

Von chinesischer Seite hofft man bereits auf eine Fortsetzung des Austausches. „Wir möchten die Verbundenheit der verschiedenen Kulturen und den Austausch der verschiedenen Nationen fördern“, so Professor Guo Hao, stellvertretender Präsident der Yunnan Universität in Kunming. Er hoffe, zum Aufbau eines weiteren Austauschprogramms beitragen zu können, um die die chinesische Kultur weiter bekannt zu machen.

Die Ausstellung „Zwei Zustände der Kunst“ ist noch bis zum 13. September täglich zwischen 10 und 18 Uhr im Südflügel des Neuen Schlosses in der Bayreuther Eremitage zu sehen. vom 20. September bis zum 18. Oktober wird die Schau dann im Kunstmuseum in Erlangen gezeigt.

Bilder:
- Diese chinesischen Ziegelkatzen aus Ton gehören zur Ausstellung „Zwei Zustände der Kunst“, die derzeit in der Eremitage in Bayreuth zu sehen ist.

- Sie sind die Architekten des chinesisch-fränkischen Kulturaustausches: Professor Gu
o Hao, stellvertretender Präsident der Yunnan Universität in Kunming, und Hans-Hubertus Esser, Vorsitzender des Bayreuther Kunstvereins. Im Hintergrund sind zwei großformatige Druckgraphiken von Guo Hao  zu sehen.

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13.08.2015

Musik trifft Handwerk: Qualität und Meisterschaft / Chinesisches Kammerorchester gastierte in der Bauhalle der Handwerkskammer

Bayreuth. Das Experiment ist gelungen: Eine Bauhalle des Berufsbildungs- und Technologiezentrums haben Mitarbeiter der Handwerkskammer kurzerhand zum Konzertsaal umfunktioniert. Wunderbar geschmückt mit jeder Menge handwerklichen Accessoires, bei Kerzenschein und vor allem einer umwerfenden Akustik gastierte das Kammerorchester der chinesischen Renmin-Universität  aus Peking, das derzeit am Festival Junger Künstler in Bayreuth teilnimmt.

Der Klangkörper unter der Leitung von Fang Thao ist in diesem Jahr als „Artist-in-Residence-Orchestra“ nach Bayreuth eingeladen worden, um Einblicke in die reiche Kultur Chinas zu bieten. Die Musiker touren derzeit durch die Region und gliedern sich am Ende des Festivals in das große Symphonieorchester ein, das unter der Leitung des britischen Dirigenten Peter Stark Werke von Carl Maria von Weber und Felix Mendelssohn Bartholdy einstudieren wird.

Mendelssohn Bartholdy stand auch beim Konzert der Handwerkskammer auf dem Programm, allerdings nicht orchestral. Vielmehr haben die Cellistin Ying Wang, der Geiger Yawei Cheng und der Pianist Fang Zhang den ersten Satz „molto allegro et agitato“ aus Mendelsohns erstem Klaviertrio d-Moll op. 49 aufgeführt. Hier zeigte sich bereits das Können der chinesischen Musiker, die in diesem vielfarbig schimmernden Glanzstück der Romantik sowohl intime Spannungsmomente zulassen als auch gerne im gemeinsamen Forte aufspielen.

Auch einen Bariton haben die chinesischen Musiker dabei: Er heißt Yi Yang und führte zusammen mit dem Pianisten Fang Zhang die ganz selten zu hörenden Michelangelo-Lieder aus der letzten Schaffensphase von Hugo Wolf auf. Die Tonsprache des Komponisten bedient sich einer großen Palette von Ausdrucksnuancen, harmonischen Raffinessen und melodischen Feinheiten, die der kraftvolle Bariton überaus textverständlich und der Pianist sehr einfühlsam darstellen.

Höhepunkt waren freilich die mongolischen und uighurischen Volkslieder „Swans and Gooses“, „A Glass of Fine Wine“ und als Zugabe „Schmetterling Jasmin“. Allesamt melodiös, gediegene Stücke, die mit ihren vielen Takt- und Tempowechseln auch als Filmmusik eingeordnet werden könnten. Die (instrumentalen) Lieder beginnen meist langsam und haben eine schnellen zweiten Teil, wobei einmal das Cello, ein anderes Mal die Geige als Soloinstrument eine große Rolle spielt. Die Streicher des Kammerorchesters übernehmen dazu eine Begleitfunktion.

Neue Orte und eine neue Akustik sollten Inspiration für alle Zuhörer sein, sagte Intendantin Sissy Thammer. Dazu gehöre es auch, dass Musik aus anderen Kulturkreisen aufgeführt wird. Sowohl in der Kunst, als auch im Handwerk sind nach den Worten von Sissy Thammer zwei Dinge entscheidend: Qualität und Meisterschaft“. Qualität war auch Kammerpräsident Thomas Zimmer wichtig: Wenn Musik auf Handwerk trifft, dann sei das kein Gegensatz, sondern ein neuer Weg auf der Suche nach Kreativität und nach Qualität, so Zimmer. HWK-Hauptgeschäftsführer Thomas Koller hob den großen Stellenwert des Festivals Junger Künstler hervor, das zum einen wichtige grenzüberschreitende Kulturarbeit leiste und zum anderen der Jugendarbeit wertvolle Impulse gebe.

Bilder: Das Kammerorchester der chinesischen Renmin-Universität  aus Peking gastierte in der Bauhalle des Berufsbildungs- und Technologiezentrums der Handwerkskammer für Oberfranken in Bayreuth.

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09.08.2015

Seltene Instrumentalmusik und prächtige Chöre / Kultursommer: Konzert des Festivals Junger Künstler in Goldkronach

Goldkronach. Sie sind seit Jahren ein Höhepunkt im Goldkronacher Kultursommer: die Konzerte des Festivals Junger Künstler. Zum ersten von zwei geplanten Konzerten gastierte am Sonntagabend auf Einladung des Alexander von Humboldt-Kulturforums Schloss Goldkronach das Consort. Amabile und der Kammerchor der Ionischen Universität Korfu in der Stadtkirche. Nicht, dass schlechtes Wetter einen Freiluftauftritt verhindert hätte. Im Gegenteil: bei Temperaturen von bis zu 37 Grad Celsius war es den Sängerinnen und Sängern und vor allem den Musikern und ihren teils historischen Instrumenten einfach zu heiß im Freien.

Der Freude an der Musik tat der Ortswechsel keinen Abbruch. Vielleicht war die Kirche sogar der bessere Platz für die besinnlich-meditativen Sätze des Kammerchors und die kammermusikalischen Beiträge des Consort. Amabile. Sommerlich leicht und trotzdem überaus anspruchsvoll waren die Auftritte der beiden Ensembles, zumal alles geboten war, vom Sologesang bis hin zum großen Chor mit instrumentaler Begleitung.

Consort. Amabile unter der Leitung von Boshena Korchynska stand beim Goldkronacher Auftritt für ausgefallene Instrumentalmusik, für seltene Instrumente und einigen Werken mit Gesang. Die Capriol-Suite des englischen Komponisten Peter Warlock beispielsweise entstammten allerdings nicht der Renaissance, wie man zunächst meinen könnte, sondern wurden 1926 komponiert. Freilich hatte Warlock die Suite nach einem bereits 1588 entstandenen französischen Werk geschrieben. In der Interpretation des Consort. Amabile wird schnell deutlich, dass die Suite in jeder Hinsicht als selbstständiges Werk betrachtet werden kann, das viel zu selten aufgeführt wird. Auch die chinesische Komposition mit dem Titel „Jasmin“ war eine echte Entdeckung. Mit zeitgenössischen Anklängen aber auch populären Wendungen überzeugten die Musikerinnen und Musiker dabei die Zuhörer.

In höchster Perfektion, klang- und stimmgewaltig präsentierte sich der Kammerchor der ionischen Universität Korfu unter seinem Dirigenten Miranda Caldi. Die Damen und Herren aus Griechenland verstanden es prächtig, Stimmungen zu transportieren, etwa bei den beiden byzantinischen Hymnen, die fast  ein wenig an europäische Weihnachtslieder erinnerten. Beim zweiten Chorauftritt präsentierten sich in Goldkronach ausschließlich die Frauenstimmen unter anderem mit einem Wiegenlied, das durchwegs meditativen Charakter hatte. Vor allem bei den Volksliedern „Kleiner Zitronenbaum“ oder den griechischen Schäferliedern waren die einzelnen Stimmen und Stimmungen gut durchhörbar und transparent. Welche Vielseitigkeit in beiden Ensembles steckte, zeigten die Künstler bei der Zugabe. Hier musizierten sie zusammen und erfüllten die Stadtkirche mit wahrer Klangpracht.

Das 65. Festival Junger Künstler in Bayreuth, das früher Jugendfestspieltreffen hieß, steht in diesem Jahr unter dem Motto: „Kultur. Krisenzeit. Frieden?“. Kunst könne sehr viel bewirken, sagte Intendantin Sissy Thammer. Die Suche nach Frieden habe Tradition beim Festival. Künstler dürften dabei nicht aus der Verantwortung für die gesellschaftliche und politische Wirkung ihrer Arbeit entlassen werden. Thammer: „Wir stehen für beides, für die Ideale der Kunst und für die Ideale der Freiheit und des Friedens.“

Insgesamt erarbeiten in diesem Jahr rund 300 junge Künstler aus 30 Nationen bis zum 31. August ein anspruchsvolles Programm, das in über 100 Konzerten, Events, Open Airs, Workshops, Symposien und Werkstattgesprächen der Öffentlichkeit präsentiert wird. Höhepunkte des Festivalsommers 2015 sind das große Chorwerk „Requiem for Peace“, das Symphonieorchester mit Werken von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Carl Maria von Weber, das Projekt „Orient meets Occident“ und Konzerte mit der „Siam Sinfonietta“.

Das nächste Konzert mit dem Festival Junger Künstler in Goldkronach findet bereits am Sonntag, 16. August um 19.30 Uhr statt.

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09.08.2015

Von Bach bis Bond: Brass im Frankenwald / Blasmusik-Profis und –Amateure begeisterten die Besucher im Kulmbacher Mönchshof

Kulmbach. Blasmusik im Biergarten, so ungewöhnlich ist das nicht. Das Konzert, das am Sonntagmittag mehrere hundert Besucher bei freiem Eintritt in den Kulmbacher Mönchshof lockte, hatte allerdings eine ganz andere Dimension: Blasmusik auf allerhöchstem Niveau, wie man sie sonst nur im Konzertsaal geboten bekommt. Zu erleben waren die international renommierte Formation Rekenzze Brass aus Hof, das Ithaca College Brass Quintett aus der Nähe von New York, die Concordia College Brass Band aus Moorhead in Minnesouta , die amerikanische Spitzenmusikerin Deanne Swoboda sowie Teilnehmer von Meisterkursen, zu denen in den vergangenen Tagen zahlreiche Laien und Profis in den Frankenwald gekommen waren. Kurzum: ein „international Happening“, wie es Trompeter Peter Knudsvig von Rekkenze Brass bezeichnete.

Es hat fast schon Tradition, das kleine Festival „Brass im Frankenwald“, das der Bezirk Oberfranken mit seiner Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau“ seit dem Jahr 2001 veranstaltet. Die Kurse selbst finden in der Villa des einstigen Stargeigers Henri Marteau in Lichtenberg statt. Neben dem Abschlusskonzert im Garnlager der dortigen Firma Liros jeweils am Vorabend gehört der Kulmbacher Mönchshof seit sechs Jahren zur festen Spielstätte. Aus dem Kulmbacher Kulturkalender ist die Blasmusikmatinee jedenfalls schon jetzt nicht mehr wegzudenken.

Prominenteste Musikerin der Matinee war Deanne Swoboda. Sie ist „Assistant Professor“ für Musik an der Arizona State University und Dozentin für Tuba, Euphonium und Kammermusik. Es gebe kaum eine Instrumentengattung, die für das Miteinander von Profis und Amateuren besser geeignet ist, als die Blasmusik, waren sich sämtliche Dozenten einig. Und wahrscheinlich gibt es auch kein Ensemble, das wie Rekkenze Brass schon immer für seine Grenzgänge zwischen E- und U-Musik bekannt ist. Das Blechbläserensemble mit Rene Jamben, Benjamin Sebald, Peter Knudsvig und Rainer Streit diesmal verstärkt durch den Amerikaner Nat Dickey begeisterte das Publikum unter anderem mit Mozart und Bach.

„Unser Ziel ist es, die Grenzen zwischen Amateuren und Profis aufzuheben“, sagte Verwaltungsleiter Ulrich Wirz von der Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau.  „Brass im Frankenwald“, möchte drei musikalische Leistungsebenen zusammenführen: die der Laien und Amateure, die der Musikstudenten und die der Profis mit einem Solisten der absoluten Weltspitze wie Deanna Swoboda.

Das Konzert in Kulmbach machte dabei deutlich, dass dieses Ziel einmal mehr gelungen ist, vor allem im zweiten Teil des Konzerts, wenn sich die festen Formationen unter die Kursteilnehmer mischen, zum „No-Name-Ensemble“ werden, wie Teilnehmerin Anne Müller erläutert. Das gibt es Bach-Choräle („Jesu bleibet meine Freude“), Unbekanntes wie die „Hymne an die Musik“ vom fränkischen Benediktinerkomponisten Valentin Rathgeber arrangiert für Sprecher und Blasorchester, aber auch Jazz-Standards oder ein Scott-Joplin-Medley.

Wunderbar hat Peter Knudsvig Roy Orbisons Schlager „Crying“ oder das „James-Bond-Theme“ arrangiert und das Ensemble, das sich erst vor einer knappen Woche kennen gelernt hat, spielt mit einer Exaktheit, die kaum zu übertreffen ist. Natürlich darf John Philipp Sousa, der amerikanische Marschmusikkönig, nicht fehlen, ebenso Fritz Kreisler „Liebesleid“, das Deanne Swoboda kurzerhand zu einer Komposition für Blasorchester und Solotuba umfunktioniert. Welche herausragenden Entertainer-Qualitäten die US-Amerikanische Musikerin hat, zeigt sie auch bei einer Solo-Zugabe, bei der sie auf Tuchfühlung zum Publikum geht und die Zuhörer zum begeisterten Mitmachen animiert.

Bilder:
1. Rekkenze Brass spielten im Mönchshof-Biergarten auf.
2. + 3. Hier spielen Profis und Laien gemeinsam Miteinander: die No-Name-Brass-Band stellte das Ergebnis des Meisterkurses für Blechbläser vor.

4. Sie spielt nicht nur virtuos auf der Tuba, sondern hat auch wahre Entertainer-Qualitäten: Deanne Swoboda von der Ariziona State University.

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19.07.2015

„Klassik auf der Burg“: Vivaldi meets Piazzolla / Senta Berger und die Münchner Kammerphilharmonie gastierten zum Abschluss der Open-Airs auf der Plassenburg

Kulmbach. Eine hübsche Idee: Die Kompositionen der Vier Jahreszeiten des Barockkomponisten Antonio Vivaldi und des zeitgenössischen Tango-Königs Astor Piazzolla an einem Abend zu spielen. Freilich, andere haben das auch schon gemacht, aber lange nicht in einem solch stimmungsvollen Umfeld wie dem Schönen Hof der Plassenburg. Mit „Klassik auf der Burg“ sind gleichzeitig am Sonntagabend die Plassenburg-Open-Airs 2015 zu Ende gegangen und zum Abschluss zeigte das Wetter dann doch noch einmal seine Unberechenbarkeit.

Immer wieder fielen einige Tropfen, immer wieder kamen starke Winde auf und am Ende wurde es tatsächlich kühler. Schon bei dem ersten kleinen Schauer noch vor der Pause kam Unruhe auf,  Schirme wurden aufgespannt, einige suchten Unterschlupf in den Arkaden oder zogen den Regenschutz über. Senta Berger nahm das Wetter gelassen und ging souverän damit um: „Ich sehe, sie sind tapfer“, sagte sie einmal, „Regnet es? Mein Gott, was mach ma denn jetzt?“, ein anderes Mal.“

Dabei hatten die Musiker der Kammerphilharmonie da capo München unter ihrem Dirigenten Franz Schottky interessante Kompositionen im Gepäck. Nicht nur geographisch, auch historisch unterscheiden sich beide Werke fundamental. Hier Venedig, dort Buenos Aires, hier frühes 18. Jahrhundert, dort späteres 20. Jahrhundert. Um es gleich vorwegzunehmen: die Musiker der Kammerphilharmonie bewältigten diesen Spagat hervorragend, auch wenn nicht jeder Tempowechsel, in sich logisch war, und man sich die eine oder andere stärkere dynamische Differenzierung gewünscht hätte.

Die Musiker, allen voran der kroatische Violinsolist Mario Korunic, lassen die jeweils dreisätzigen Violinkonzerte Vivaldis atmosphärisch erklingen. Die Stärke des Solisten liegt in diesem Fall in der Lust des sinnlichen Auskostens von Kontrasten, in der artikulatorischen und agogischen Gestaltung. Dazu kommt ein ausgeprägter Sinn für die eminente Bildlichkeit von Vivaldis musikalisierten Jahreszeiten-Impressionen, etwa in den Wetterphänomenen wie Sturm, Wind, Blitz und Donner, im Rufen der Vögel, in der Ernte oder in der Jagd.

Ganz anders, und doch irgendwie ähnlich ist die Musik von Astor Piazzolla. Der argentinische Komponist gilt, indem er Elemente der Klassik, der argentinischen Folklore, der Neuen Musik und auch des Jazz in den Tango einfließen ließ, als großer Erneuerer des Tango. Ein beeindruckendes Beispiel für dieses Verfahren sind die zwischen 1967 und 1970 entstandenen „Cuatro Estaciones“, in denen sich Piazzolla auf vielfältige Weise auf Vivaldi bezieht.

Sein Frühling klingt strahlend und hell ganz wie bei Vivaldi. Der Sommer ist in besonderer Weise geprägt von der Verbindung von Tango und Barockzitaten. Den Sommer Vivaldis aber zitiert Piazzolla im Winter, beginnt der Winter in Argentinien doch, wenn in Venedig der Sommer Einzug hält. Auch hier beweist sie Münchner Kammerphilharmonie und der Geiger Mario Korunic eindrucksvoll, zu welch variablen klangfarblichen Möglichkeiten die Musiker fähig sind. Die verschobenen Akzente in der Melodik, das Pulsieren der Musik, all das macht Piazzollas Komposition aus und die Musiker geben das an diesem Abend überaus transparent und mit hörbar großer Lust am Musizieren wider.

Und dann ist da noch Senta Berger, die weltberühmte Schauspielerin, die den Abend mit einer ganzen Reihe stimmiger Texte bereichert. Man lernt die Lebensläufe von Antonio Vivaldi und Astor Piazzolla kennen, Vivaldis Sonette liest Senta Berger zunächst auf Italienisch, dann auf deutsch. Vivaldi hatte diese Sonette  seinem Werk als eine Art Inhaltsangabe beigestellt. Aber auch Tango-Texte interpretiert Senta Berger, ebenfalls zunächst in der Originalsprache dann in der Übersetzung.

Bilder:
- Die Münchner Kammerphilharmonie interpretierte am Sonntagabend im Schönen Hof der Plassenburg die Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi und die gleichnamige Komposition von Astor Piazzolla.
- Die weltberühmte Schauspielerin Senta Berger trug beim  Plassenburg-Open-Air Texte von Antonio Vivaldi und Astor Piazzolla vor.
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Der Geiger Mario Korunic und Dirigent Franz Schottky.

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18.07.2015

Weltmusik aus Niederbayern: Haindling macht den Moonwalk / Hans-Jürgen Buchners „Haindling“ gastierte im Schönen Hof der Plassenburg

Kulmbach. Den Begriff „Alpenpop“ mag er gar nicht: Hans-Jürgen Buchner, einer der bekanntesten Musiker Deutschlands und ein eigenwilliger wie erfolgreicher Komponist.  Zum einen liegt das 130-Seelen-Dorf Haindling nicht in den Alpen, sondern in Niederbayern. Zum anderen ist es nicht unbedingt Popmusik, was Buchner macht, sondern eher eine Mischung aus bayerisch angehauchter Weltmusik, Ethno-Pop, Avantgarde, Walzer, Landler. Eigentlich könnte man jedes Stück anders einordnen, und es bleibt doch immer wieder eine geniale Haindling-Komposition

Am Samstagabend gastierte Hans-Jürgen Buchner bei den Plassenburg-Open-Airs, zehn Jahre nach seinem letzten Auftritt in Kulmbach, und es ist schon bezeichnend, dass dieses Open Air schon seit Wochen restlos ausverkauft war, so beliebt und bekannt ist Haindling auch im Fränkischen. Vom Kleinkind bis zum Senior, solche Künstler sind selten, die alle Generationen ansprechen.

Freiheit ist für ihn, den kreativen Kopf, wichtig. Progressiv, idealistisch und ohne Rücksicht auf Trends oder Zeitgeist, eher ganz bewusst dagegen. Vielleicht kommt deswegen auch im Schönen Hof der Plassenburg eine ganz eigenwillige gute Stimmung auf.

Der musikalische Einzelgänger Hans-Jürgen Buchner ist freilich untrennbar mit dem Wallfahrtsort Haindling verbunden. „In Haindling hat sich die Musik erfunden“, sagt er. Dort hatte er, der Multi-Instrumentalist, alle erdenklichen Blas- und Tasteninstrumente, Glocken, Klangschalen, Trommeln auf ein Mehrspurtonband eingespielt und so den typischen Haindling-Sound erfunden. Das riesige Instrumentarium, vom Klangholz bis zur Maultrommel, bevölkert auch in Kulmbach die Bühne. Dort bedient er sich der Hilfe befreundeter Musiker: Michael Braun, Michael Ruff, Peter Enderlein, Reinhold Hoffmann und Wolfgang Gleixner. Sie alle können, genauso wie ihr Meister, so ziemlich jedes Tasten-, Blas- oder Schlaginstrument spielen und geben den typischen Haindling-Sound ganz im Sinne Hans-Jürgen Buchners wider.

Noch eine Spur politischer scheint er geworden zu sein, zumindest aber direkter. Hans-Jürgen Buchner wettert gegen Plastik-Müll und setzt das Haindling-Müllsack-Plastik-Orchester dagegen. Die chemischen Inhaltsstoffe eines einfachen Kuchens aus dem Flugzeug liest er vor, unterlegt das Ganze mit einer Haindling-Komposition und schlägt Perfekt die Brücke zum geplanten Freihandelsabkommen TTIP. Und natürlich die letzten 70 Kilometer freifließende Donau zwischen Straubing und Vilshofen, sein Lieblingsthema. Seit Jahren kämpft er zusammen mit dem Bund Naturschutz dagegen und es scheint tatsächlich so als habe die Donau dank Haindling gewonnen.

 „Lang scho nimmer g´sehn“, dieser Titel brachte ihm 1984 den Durchbruch, auch im Norden der Republik. Beim Konzert in Kulmbach ist das die letzte Zugabe. In den zurückliegenden Jahren ist Hans Jürgen Buchner aber auch immer mehr als ernsthafter Filmkomponist in Erscheinung getreten, unverwechselbar etwa seine Tonmalereien in der TV-Serie „Cafe Meineid“, „Irgendwie und sowieso“ oder „Madame Bäuerin“. In Kulmbach gibt es beides: die Haindling-Hits aber auch die verträumt melancholischen Filmklänge, fast schon kleine Sinfonien, die an diesem Abend im Schönen Hof der Plassenburg so richtig zur Geltung kommen.

Kaum zu glauben, dass der Ur-Bayer Hans-Jürgen Buchner ein gebürtiger Preuße ist, dass er als Keramiker den Meisterbrief besitzt, und dass er tatsächlich schon 1945 geboren wurde. Über zweieinhalb Stunden spielt er, gibt sich witzig, selbstironisch, nachdenklich, spornt das Publikum zum Mitschnippen, Mitklatschen und sogar zum Mitschunkeln an. Der musikalische Botschafter des modernen Bayern lädt zu einer musikalischen Traumreise durch den Freistaat, sorgt für Gänsehautstimmung mit dem Titel „Das ewige Lied“ und rockt ab beim Haindling-Medley, zu dem er sogar den Moonwalk macht.

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17.07.2015

Prinzen rockten Plassenburg /
Witzig und kreativ - Songs ohne erhobenen Zeigefinger

Kulmbach. Früher waren sie Chorknaben, heute sind sie Popstars und das schon seit 25 Jahren: Die Prinzen, Kultband und erfolgreiche A-Capella-Künstler aus Leipzig, gehören mit fast sechs Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten deutschen Bands. Sie haben schon in Kirchen gespielt, auf der Berliner Waldbühne, in der Dresdner Semperoper, sie füllten Hallen in ganz Deutschland und am Freitagabend mit einer Art Best-Of-Programm auch den Schönen Hof der Plassenburg.

Drei Dinge machen die Prinzen live aus: Perfektion, Perfektion und Perfektion. Da ist nichts dem Zufall überlassen, jedes Arrangement ist bestimmt hundertfach einstudiert. Für Improvisation ist da kein Platz, selbst die Bewegungen, alles stimmt, alles ist auf den Punkt gebracht. So perfekt, dass man es schon bewundern muss, wie es die Prinzen da auch noch schaffen die über 1000 Besucher des Open Airs vom ersten Ton an mitzureißen. Da wird mitgeklatscht, mitgesungen und spätestens bei „Ich wär so gerne Millionär“ hält es keinen mehr auf den Sitzen, dicht gedrängt säumen die Fans die Bühne bis zur letzten Zugabe in dem knapp zweistündigen Programm ohne Pause.

Songs aus ihrer neuen Doppel-CD „Familienalbum“  haben sie im Gepäck, aber auch unzählige „alte Hits im neuen Gewand:  „Du musst ein Schwein sein“, Alles nur geklaut“ wer kennt diese Hits nicht? Charismatiker Sebastian Krumbiegel, Blondschopf Tobias Künzel, Bariton Henri Schmidt und der musikalische Chef Wolfgang Lenk sowie Keyboarder Jens Sembdner, Bassist Mathias Dietrich und Schlagzeuger Ali Zierner, ihre Markenzeichen sind Songs ohne erhobenen Zeigefinger, aber auch nie nur seichte oder plumpe Unterhaltung, und immer witzig und kreativ. „Wichtig ist es, eine eigene Linie zu haben und sich selbst treu zu bleiben“, sagt Frontmann Sebastian Krumbiegel. Genau das macht die Erfolgsgeschichte der sieben Leipziger aus. Augenzwinkern und Selbstironie gehören dazu. Dazu kommt, dass die Prinzen eine Boy Group sind, die gerne live spielt und deren Mitglieder so richtig gut singen können.

Schon vor Jahren waren sie mal auf der Plassenburg, damals hat es geregnet, diesmal hat es selbst nach Anbruch der Dunkelheit noch fast 30 Grad. Vielleicht ist deshalb manch einer etwas enttäuscht, dass schon nach knapp zwei Stunden Schluss ist. Dafür gibt es viele Lieder, die sie noch nie live im Programm hatten. Ruhige Nummern, wie „Angst, dass du gehst“, die man so gar nicht mit den Prinzen in Verbindung bringen möchte, aber auch echte Kracher wie „Mann im Mond“, „Mein Fahrrad“, „Gabi und Klaus“ oder das damals so umstrittene Lied „Deutschland“, mit dem sie schon vor über zehn Jahren kritisch den Finger am Puls des Zeitgeistes hatten. Augenzwinkernd singen sie auch „Es war nicht alles schlecht“, in dem so manche Ostalgie auf die Schippe genommen wird.

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06.07.2015

Große Geister ohne Zeit und Raum / Fiktive Begegnung: Alexander von Humboldt traf auf Jean Paul – Frank Pionteks Theaterstück in der Bayerischen Landesvertretung in Berlin aufgeführt

Berlin. Fiktive Begegnungen berühmter Persönlichkeiten gibt es in der Literatur einige. Mit dem Universalgelehrten Alexander von Humboldt (1769 – 1859) und dem Dichter Jean Paul (1763 – 1825) gibt es eine solche Spitzenbegegnung, die sich die Bayreuther Kulturschaffenden Karla Fohrbeck als Ideengeberin und Frank Piontek als Autor ausgedacht hatten, und die von der Regisseurin Marieluise Müller gekonnt in Szene gesetzt wurde. Am Montag wurden die vier Szenen mit großem Erfolg in der Bayerischen Landesvertretung in Berlin aufgeführt. Initiator war das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach.

Theoretisch hätten sie sich eigentlich begegnen können, sowohl zeitlich als auch räumlich wäre das möglich gewesen. Während der eine, Alexander von Humboldt, vor allem in Arzberg, Bad Steben und Goldkronach wirkte, hatte der andere, Jean Paul, um 1795 herum seinen Lebensmittelpunkt in Hof. Trotzdem ist nichts überliefert, dass darauf hinweist, ja nicht einmal, dass sich beide überhaupt gekannt hätten. Für Berlin dagegen steht es fest, hier konnten sie sich nicht über den Weg laufen, denn Jean Paul hatte Berlin schon 1804 verlassen, während Humboldt erst ein Jahr später in die Hauptstadt zurückgekehrt war.

So setzt Frank Piontek seine vier Spielszenen gekonnt ohne Zeit und Raum an und lässt beide Hauptakteure auf ihr irdisches Leben zurückblicken und ihr Wirken einordnen, das von gegenseitigem Respekt und von Bewunderung geprägt ist. Als ein Ergebnis der fiktiven Begegnung ist festzuhalten: beide sind erstaunt, dass sie von der Nachwelt so geschätzt und verehrt werden. Aber auch, dass sie der Nachwelt tatsächlich noch so viel zu sagen haben.

Dem Produktionsteam ist es zu verdanken, dass sämtliche Rollen erstklassig mit bekannten Akteuren der Bayreuther Studiobühne besetzt wurden: mit Wolfgang Ster als Alexander von Humboldt und  Marcus Leclaire als Jean Paul. Michaela Bachhuber spielte die Rolle des kommentierenden Engels, des Schankburschen und des Schlossfräuleins und die Flötistin und Cellistin Sybille Fritz umrahmte die Szenen gekonnt musikalisch. Seine Uraufführung hatte das Stück vor knapp einem Jahr in Goldkronach, damals als Wandertheater an verschiedenen Stationen erlebt. Neu waren diesmal ein umfangreicherer musikalischer Part sowie ein gesprochenes Intro, mit dem das Publikum in der Gegenwart abgeholt und auf Alexander von Humboldt sowie Jean Paul vorbereitet wird.

Es habe ihm großen Spaß gemacht, die Dialogszenen zu verfassen, sagte der Autor, der Bayreuther Kulturpublizist Frank Piontek. Er beschreibt sowohl Alexander von Humboldt als auch Jean Paul als „große Geister, die bis heute wirken und die der Welt noch etwas zu sagen haben“. Obwohl sich beide in Ethos und Arbeitsweise ungemein ähnlich sind, so seien sie doch auch unverwechselbare Charaktere. Beide hätten nicht auf den Tag, sondern auf eine gewisse Ewigkeit hingearbeitet. Piontek: „Mir sind diese beiden Herrschaften sehr sympathisch.“

Alexander von Humboldt habe im Fichtelgebirge Großes geleistet, so der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, Mitbegründer und Ideengeber des Kulturforums. Koschyk erinnerte an die fünf überaus erfolgreichen Jahre Alexander von Humboldts in Franken, von denen unter anderem sein Erfindungsreichtum, seine wissenschaftliche Tätigkeit und sein Einsatz für den Goldbergbau in Erinnerung geblieben seien. Alexander von Humboldts Leben sei wahrlich ausgeleuchtet, gleichwohl gebe es immer noch neue Facetten für die Forschung. Beide Persönlichkeiten hätten noch mehr Aufmerksam verdient, sagte Koschyk.

Alexander von Humboldt war von 1792 bis 1797 als Bergwerkinspektor und Königlicher Oberbergmeister in den beiden Fürstentümern Brandenburg-Bayreuth und Brandenburg-Ansbach tätig. Fachleute sind sich einig, dass alle seine späteren wissenschaftlichen Arbeiten hier ihren Anfang genommen haben. Fast sein ganzes Leben lang verbrachte dagegen der Dichter Jean Paul, geboren in Wunsiedel, gestorben in Bayreuth, in der Region. Wer Jean Paul gelesen hat, der weiß, dass die Gegend um Bad Berneck, Goldkronach und Bindlach in mehrfacher Weise literarisch verewigt wurde.

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12.06.2015

Plädoyer für den Frieden und gegen den Krieg / „Frauen, verweigert euch!“: Naturbühne Trebgast zeigt die antike Komödie „Lysistrata“

Trebgast. Mit der Komödie „Lysistrata“ hat die Naturbühne heuer einen echten Klassiker der Weltliteratur auf dem Spielplan. Am Freitagabend war Premiere und die überaus gelungene, nicht ganz ausverkaufte  Aufführung hat einmal mehr gezeigt, dass dieses, fast 2500 Jahre alte Werk des griechischen Dichters Aristophanes nichts an Aktualität verloren hat.

Im Gegenteil: ein solches Plädoyer gegen den Krieg ist aktueller denn je. In der Komödie, die ursprünglich zur Zeit des Peloponnesischen Kriegs zwischen Athen und Sparta über 400 Jahre vor dem Beginn unserer Zeitrechnung spielt, sind es die Frauen, die einen ausgeklügelten Plan entwickeln und damit einen jahrzehntelangen Krieg beenden. Der letztlich auch erfolgreiche Plan ist einfach und wirkungsvoll zugleich: Die Frauen streiken und verweigern sich ihren Männern so lange, bis sie Frieden schaffen.

Wenn das alles nur so einfach wäre. Aristophanes gilt als der griechische Komödienschreiber par excellence. Dabei sind seine Werke niemals oberflächlich, es ging ihm viel mehr immer um Politik und Gesellschaftskritik. Unter dem Motto „Frauen, verweigert euch!“ war „Lysistrata“ von Anfang an als Protest gegen den Krieg gedacht.

Die Titelfigur Lysistrata wird von Christine Kammerer mit absoluter Bühnenpräsenz und darstellerischer Überzeugungskraft verkörpert. Sie ruft Frauen von überall her zusammen, um durch die einzig effektive Maßnahme, die ihr zur Verfügung steht, dem Krieg ein Ende zu bereiten und den Frieden zu erzwingen. Darstellerinnen sind  mit viel Witz und Spielfreude Henrike Reineke (Lampito), Sabrina Schmitt (Myrrhine), Julia Krolak (Kalonike), Annika Ködel (Daita), Melanie Eheim (Philippa), Silke Ködel (Skythe), Andrea Vießmann (Prytane), Georgia Lauterbach (Ekklesia) und Hilde Volkmann (Xanthia). Sämtliche Darstellerinnen setzen das alles mit viel Klamauk um, sorgen gleichzeitig aber auch dafür, dass ihr Spiel nie zur reinen Klamotte verkommt. Auch dann, wenn sie die Kriegskasse standhaft verteidigen, mit Nudelhölzern, Teppichklopfern und Pfannen.

Die männlichen Partien spielen Gerd Kammerer (Chremes), Daniel Ganzlleben (Kinesias), Jochen Böhm (Georgias), Florian Heise (Kleon) und Paul Konrad (Demos) ebenfalls voller Komik, mit viel Witz sowie darstellerischer Sicherheit. Natürlich gibt es einige Verwicklungen und Rückschritte, doch am Ende zeichnet sich ab, dass Lysistrata und ihr inszenierter Liebesentzug auf der ganzen Linie siegen wird.

Überhaupt das Ende: der Regisseur fügt dem Stück den eindrucksvollen Epilog des Dichters Erich Fried an, in dem alle zehn Frauen, jede einzeln im Spotlicht, ein Plädoyer gegen den Krieg und für den Frieden halten, das hat schon fast Gänsehautcharakter, was sich Regisseur Rainer Streng da hat einfallen lassen, auch wenn er ganz am Ende ein augenzwinkerndes Ausrufezeichen setzt und alle Darstellerinnen ihre Hände zur berühmte Merkel-Raute formen.

Trotzdem stellt der Regisseur in seiner Inszenierung zumindest gleichwertig zum Verlangen nach Frieden den Kampf der Geschlechter heraus. Die Erwartungshaltung des Publikums an die klassische Komödie durchkreuzt er dabei völlig, indem er eine eigene, ganz moderne Textfassung präsentiert. Die Sprache kommt so zeitgemäß rüber, die Handlung wird schlüssig vorangetrieben, und auch wenn der Original-Text recht derb ist, ein bisschen weniger Schlüpfriges und Zweideutiges wäre vielleicht mehr gewesen.

Zumal sich Rainer Streng ja komplett auf den Wortwitz verlässt. Eine zeitliche Einordnung gibt es bei ihm nicht. Trotz Peace-Fahne und den Flower-Power-Kostümen in Regenbogenfarben (von Wolfram Müller-Bröder) auch nicht ins Zeitgenössische, was so manche Inszenierungen immer wieder gerne machen. Rainer Streng verzichtet dabei auch weitestgehend auf Ausstattung und Bühnenbild, er lässt die Naturbühne abgesehen von der angedeuteten Burg für sich alleine stehen.

Die antike Komödie „Lysistrata“ des griechischen Dichters Aristophanes steht bis zum 14. August insgesamt noch neun Mal auf dem Spielplan. Die nächsten Aufführungen sind am 20. und 25. Juni, sowie am 1, 2, 18. Juli, jeweils um 20.30 Uhr.

Bild: „Make love, not war“: Lysistrata, gespielt von Christine Kammerer (sitzend) und ihren Mitstreiterinnen bei der Premiere der antiken Komödie auf der Naturbühne Trebgast.

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03.06.2015

Zeit für Begegnung / Kunststadt Kulmbach: Bund Fränkischer Künstler verwandelt Hofstube der Plassenburg in riesiges Atelier

Kulmbach. Es ist wie eine kleine Familienfeier: 19 bildende Künstler, teilweise aus ganz Deutschland, haben in diesen Tagen die Große Hofstube der Plassenburg in ein riesiges Atelier verwandelt. Zum 6. Mal schon veranstaltet der Bund Fränkischer Künstler dieses Symposium. Die hier entstandenen Werke sind ab Samstag, 6. Juni bis Samstag 13. Juni eine Woche lang zu sehen. Danach werden sie in Selb im Rosenthal-Theater ausgestellt.

„Viele Künstler kennen sich gegenseitig gar nicht“, beschreibt Angelika Kandler-Seegy die Situation. Die Nürnbergerin ist seit 2009 Ehrenpräsidentin des Bundes Fränkischer Künstler, Kuratorin des Künstlersymposiums auf der Plassenburg und wird bei der Ausstellung auch selbst mit ihren Werken vertreten sein. Das Klischee vom Maler, der in seinem stillen Kämmerlein mit Pinsel und Staffelei sitzt, sei so falsch nicht. Deshalb seien alle Beteiligten froh, sich im Rahmen des Symposiums einmal austauschen zu können, über Ideen, Motive, Techniken, aber auch über Persönliches. Über Schicksale zum Beispiel, oder über Ängste und Erfolge. „Wenn sich Motive beispielsweise durch eine Krankheit verändern, dann könne das durchaus ein Thema sein, über das ein Teilnehmer mit den anderen sprechen möchte, denn die Gesamtverfassung eines Menschen spiegle sich immer auch in seinen Werken wider.

Soweit der interne Part des Symposiums. Angelika Kandler-Seegy spricht von einem Urbedürfnis eines jeden Künstlers, seine Werke auch öffentlich zu zeigen. Deshalb die Ausstellung, die am Samstag, 6. Juni mit einer Vernissage eröffnet wird, und die eine Woche lang im Rahmen des üblichen Museumsrundgangs und zu den üblichen Eintrittspreisen zugänglich ist.

Die Plassenburg ist schon immer so etwas wie das Hauptquartier des Bundes Fränkischer Künstler. Vor über 75 Jahren fand hier die erste Gemeinschaftsausstellung statt, seitdem kommt die bildende Künstlerelite Frankens und auch darüber hinaus immer wieder gerne hierher. „Kulmbach wird dadurch zu einem kulturellen Zentrum in Franken“, schreibt Oberbürgermeister Henry Schramm in seinem Grußwort zum Symposium. Tatsächlich ist die Plassenburg für einige der Teilnehmer so etwas wie ein Zuhause geworden. „Hier haben wir Platz, hier werden wir unterstützt und hier haben wir alle Möglichkeiten“, so Marion Kotyba, neben Detlev Röse einzige Kulmbacherin unter den Teilnehmern, die zusammen mit Hans-Dieter Jandt aus Eckental und Helga Hopfe aus Mainleus kräftig an der Organisation gearbeitet hat.

Außer Öl sind diesmal wieder alle Techniken, von Acryl über Collagen bis hin zur Mischtechnik vertreten. Manch einer malt eine Woche lang an einem einzigen Bild, andere, wie etwa die bekannte Bayreuther Malerin Christel Gollner, hat schon zehn Werke fertig. Eines bunter als das andere, einige Stillleben sind dabei, aber auch ein kleiner Zyklus zum Thema „Begegnungen“.

„Durch die Bündelung entsteht ein unheimliches Energiefeld“, sagt Angelika Kandler-Seegy und freut sich besonders darüber, dass es unter den Künstlern keinen Neid gibt. „Jeder freut sich über die Erfolge des anderen, Ellenbogendenken gibt es hier nicht“, so die Ehrenpräsidentin.

Nach elf Teilnehmern im vergangenen Jahr, haben sich heuer wieder 19 Malerinnen und Maler auf der Plassenburg gefunden. Fünf davon waren schon beim ersten Künstlersymposium 2010 dabei. Die Teilnehmer mit der weitesten Anreise sind Rose Meerwein aus Berlin und der gebürtige Oberfranke Klaus Klein, der mittlerweile bei Bingen lebt und arbeitet. Sie sind in der Regel durch Ausschreibungen auf das Symposium aufmerksam geworden.

Die teilnehmenden Künstler sind: „Ursula Bock (Eckental), Margot Brünig (Nürnberg), Christel Gollner (Bayreuth), Elke Handtke (Pleinfeld), Helga Hopfe (Mainleus), Hans-Dieter Jandt (Eckental, Angelika Kandler-Seegy (Nürnberg), Martina Karsch (Altenplos), Klaus Klein (Bingen), Heike Knoll (Nürnberg), Marion Kotyba (Kulmbach), Marianne Kriegel (Erlangen), Rose Meerwein (Berlin), Jutta Perrey (Nürnberg), Anneliese Raab (Nürnberg), Ute Röse (Elmshorn), Detlev Röse (Kulmbach), Eva Schreppel (Karlsruhe), Monika Stock (Weidenberg).

Bilder:
- Teilnehmer des Künstlersymposiums verwandeln die Große Hofstube der Plassenburg derzeit in ein Maleratelier.
- Die Bayreuther Malerin Christel Gollner arbeitet beim Symposium des Bundes Fränkischer Künstler auf der Plassenburg bereits an ihrem zehnten Bild.
- Sie sorgen dafür, dass organisatorisch alles funktioniert: Marion Kotyba, Angelika Kandler-Seegy und Hans-Dieter Jandt vom Bund Fränkischer Künstler.

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01.06.2015

Musik in Alten- und Pflegeheimen: Blechbläserquintett Rekkenze Brass startet ungewöhnlich Konzerttournee durch Oberfranken

Bamberg/Bayreuth. Unter dem Motto „Mit Tönen Brücken schlagen“ hat das prominente Blechbläserquintett  Rekkenze Brass aus Hof eine Tour mit Sozialkonzerten gestartet. Im Auftrag des Bezirks Oberfranken und mit Unterstützung der Oberfrankenstiftung geben die fünf Musiker in diesen Wochen zahlreiche Konzerte in Alten- und Pflegeeinrichtungen der Region. „Wir wollen klassische Musik zu den Menschen bringen, die sonst nicht so ohne weiteres in ein Konzert kommen können“, sagt der Trompeter Benjamin Sebald.

Der gebürtige Pegnitzer bezieht die teilweise hochbetagten Herrschaften immer in seine Moderationen mit ein, animiert sie zum mitklatschen und mitsingen. Eine Dame darf sogar die Triangel schlagen und bekommt als Lohn eine CD dafür. Freilich ist es kein schweres und ernstes Programm, mit dem Christy Belicki und Rene Jamben (beide Posaune), Benjamin Sebald und Peter Knudsvig (beide Trompete) sowie Rainer Streit (Tuba) ihr Publikum begeistern. Zur Aufführung kommen vor allem Volkslieder wie „Am Brunnen vor dem Tore“, „Horch, was kommt von draußen rein“ oder „Weißt du wieviel Sternlein stehen“. Fränkische Kerwa-Musik („Wo ist denn des Gergla“) hat das Blechbläserquintett der Hofer Symphoniker genauso im Gepäck wie Ohrwürmer aus der Oper, die Barcarole aus „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach, oder einen barocken Choral.

Im Rahmen kulturellen Arbeit des Hauses Marteau, der Internationale Musikbegegnungsstätte des Bezirks Oberfranken, gestaltet Rekkenze Brass alljährlich unter der Schirmherrschaft des Bezirkstagspräsidenten Dr. Günther Denzler derartige Sozialkonzerte in Alten- und Pflegeeinrichtungen, aber auch Musikhörstunden  in den oberfränkischen Schulen. Durch dieses besondere Angebot wollen der Bezirk als Veranstalter und Rekkenze Brass für Konzerte der besonderen Art sorgen und auf die musikalische Arbeit des Hauses Marteau in Lichtenberg aufmerksam machen.

„Uns geht es darum, bei den Menschen unterschiedlichsten Alters Interesse und Verständnis für Musik zu wecken“, sagt Rainer Streit, der aus Kulmbach stammt und bei Rekkenze Brass die Tuba spielt. Auch bei älteren Menschen seien viele ihr Leben lang in keinem klassischen Konzert gewesen. „Sie kennen das Erlebnis gar nicht, Live-Musik einfach so auf sich wirken zu lassen“, sagt Rainer Streit. Nach knapp einer Stunde müssen sich die fünf Musiker schon wieder verabschieden, denn in der nächsten Einrichtung warten die Bewohner schon mit freudiger Spannung auf das nächste Konzert

Bild: Rekkenze Brass bei seinem Sozialkonzert im Hof den Franz-Ludwig-Seniorenwohnzentrum in Bamberg.

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04.04.2015

Energisch, emotional und effektvoll: Jugendsymphonieorchester Oberfranken absolvierte erfolgreiche Ostertournee

Naila. Es ist schon ein eigenwilliger Klangkörper, dieses Jugendsymphonieorchester Oberfranken. Alljährlich treffen sich an Ostern seit mittlerweile über 30 Jahren bis zu 70 begabte junge Musiker zwischen 13 und 21 Jahren und studieren eine Woche lang unter der Leitung eines profilierten Dirigenten ein hochkarätiges Programm ein. Till Fabian Weser, im Hauptberuf Trompeter bei den Bamberger Symphonikern, ist dabei nicht nur Dirigent, sondern auch Pädagoge, Kollege und ein Musiker, der es versteht die jungen Leute zu fordern. In seiner kleinen Oberfranken-Tournee am Osterwochenende hat das Jugendsymphonieorchester gezeigt, was es heißt, unter professionellen Bedingungen ein anspruchsvolles Konzertprogramm einzustudieren und aufzuführen. Die Ergebnisse konnten sich bei vielbeachteten und nahezu ausverkauften Konzerten in der Frankenhalle von Naila (Landkreis Hof), in der Bayernhalle Bad Rodach (Landkreis Coburg) und in der Aurachtalhalle von Stegaurach (Landkreis Bamberg) sehen lassen.

Hauptwerk war dabei Nikolay Rimsky-Korsakoff viersätzige sinfonische Dichtung „Sheherazade“, die Geschichte vom tyrannischen Sultan, der sich von Sheherazade und ihren Geschichten aus Tausendundeiner Nacht besänftigen lässt. Für Sheherazade steht dabei eine tiefbewegende Melodie, die von der Solovioline interpretiert wird und diese Solovioline spielte die junge Geigerin Sornitza Baharova, einst selbst Mitglied des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken, mittlerweile Konzertmeisterin der Nürnberger Symphoniker. Beschwörend umrankt die Solistin das zornige Blech des Sultans. Wer würde da nicht weiterhören wollen, so zupackend musiziert Sornitza Baharova.

Vier Episoden hat diese prächtige Tondichtung, das Meer und Sindbads Schiff, die Geschichte vom Prinzen Kalender, die Geschichte vom jungen Prinzen und der jungen Prinzessin, sowie das Zerschellen des Schiffes an einer Klippe. Das alles ist unglaublich lyrisch-poetische Musik, aber gleichzeitig auch Schwerstarbeit, vor allem für die Blechbläser. Überhaupt ist Sheherazade eine orchestertechnische Prüfung. Nicht zufällig stammen die meisten Beispiele in Rimsky-Korsakows berühmter Instrumentationslehre aus dieser Suite. Ihr Prinzip ist das Auffächern einzelner Stimmgruppen und kontrastierend dazu ein immer wieder eindrucksvolles Tutti. Till Fabian Weser hat es dabei nicht nur geschafft, das gesamte Orchester entsprechend perfekt einzustudieren, sondern auch, die Geschichte in großen Bögen zu erzählen und dabei die vielen Takt- und Tempowechsel höchst imponierend und geradezu phänomenal zu bewältigen.

Gleiches gilt für das 1. Violinkonzert von Sergej Prokofieff, bei dem, wie sollte es anders sein, Sornitza Baharova den Solopart gibt. Natürlich spielt sie technisch absolut souverän, mit energischem Vorwärtsdrängen, aber auch emotional und mitreißend. Das Jugendsymphonieorchester geht dabei sogar ein wenig über die Begleitfunktion hinaus und bietet durchaus auch mal Reibungsflächen, die dem Konzert die notwendige Spannung verleihen. Das Violinkonzert gilt als Schwellenwerk in der Biografie Prokofjews, indem es eher trotzig als lyrisch zugeht, und genau das demonstrieren alle Beteiligten mit nahezu unglaublicher Energie.

Bleibt noch die „Festliche Ouvertüre“, von Dimitri Schostakowitsch, mit der das Jugendsymphonieorchester das Programm eingeleitet und als Zugabe auch beendet hat. Eine unglaublich schwere Komposition. Till Fabian Weser und die jungen Musiker lassen dabei keinen Effekt aus und die dynamische Bandbreite der Aufführung ist riesig.

Neu war in diesem Jahr Bad Rodach als Spielort. Während das Orchester im vergangenen Jahr noch in der Stadt Coburg gastiert hatte, ging es also diesmal in den Landkreis. Dafür kehrt der Klangkörper nach einem Jahr Pause wieder von Hof nach Naila zurück. Die Arbeitsphase ging wie immer im Schullandheim und im Kurhotel von Weißenstadt (Landkreis Wunsiedel) über die Bühne. Im Kurhotel gab es bereits am Freitag eine öffentliche Generalprobe.

Froh über die Rückkehr nach Naila zeigte sich am Karsamstag Bürgermeister Frank Stumpf. Er dankte dem Bezirk für die Verbundenheit und nannte das Konzert eines der großartigsten Ereignisse im kulturellen Jahreslauf der Stadt. Die Trägerschaft des Jugendsymphonieorchesters liegt beim Bezirk Oberfranken und seiner Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau. Dessen Verwaltungsleiter Dr. Ulrich Wirz bestätigte, dass der Bezirk fest zu Naila stehe, schließlich sei die Frankenhalle eine „Urzelle“ des Klangkörpers und der vor wenigen Monaten verstorbene langjährige Nailaer Bürgermeister Robert Strobel Mitinitiator des Orchesters gewesen.

Bilder: Till Fabian Weser dirigiert das Jugendsymphonieorchester Oberfranken mit Solistin Sornitza Baharova in der Frankenhalle Naila.

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31.03.2015

Super Stimmung im Orchester / „Klangkörper auf Zeit“ - Jugendsymphonieorchester Oberfranken geht auf Oster-Tour

Weißenstadt. Nach nur wenigen Probetagen fühlen sie sich schon als kleine oberfränkische Familie, die Mitglieder des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken, die in diesen Tagen im großen Saal des Weißenstädter Kurhotels ihr Programm für die kleine Ostertournee einstudieren. Nach der Probenphase startet die Tour am Karsamstag in Naila und führt über Bad Rodach (Ostersonntag) bis in den Landkreis Bamberg nach Stegaurach (Ostermontag).

Dirigent Till Fabian Weser von den Bamberger Symphoniker hat für die Osterkonzerte diesmal ein rein russisches Programm mit Musik von Dimitri Schostakowitsch (Festliche Ouvertüre), Sergej Prokofieff (Violinkonzert Nr. 1 D-Dur) und Nicolai Rimsky-Korsakoff („Scheherazade“) ausgewählt. Er selbst spricht von einem schweren Programm, ist aber gleichzeitig auch optimistisch, denn die jungen Musikerinnen und Musiker im Alter zwischen 13 und 21 Jahren seien exzellent vorbereitet.

Die Kompositionen, die Till Fabian Weser ausgewählt hat, sind aber nicht nur anspruchsvoll, sondern auch „grandios und mitreißend“. Es seien eher Seelenlandschaften, sagt der Dirigent und ist froh, mit der jungen Geigerin Sornitza Baharova eine Künstlerin gewonnen zu haben, die nicht nur als Konzertmeisterin und Solistin im Violinkonzert von Prokofieff auftritt, sondern auch als Dozentin vor Ort die Probenarbeit des Jugendsymphonieorchesters begleitet. Sornitza Baharova war selbst von 1997 bis 2004 Mitglied im Symphonieorchester Oberfranken und startete von hier aus eine Karriere als Profimusikerin. Mittlerweile ist sie festes Mitglied der Staatsphilharmonie Nürnberg.

Die jungen Musiker selbst sprechen von einer großartigen Sache. David Hamann (15), Hornist aus Bischberg beispielsweise wollte unbedingt mitspielen, als er über Freunde auf das Jugendsymphonieorchester gestoßen war. Für ihn ist es eine riesige Chance unter solch professionellen Bedingungen mitspielen zu dürfen. Auch die junge Flötistin Maggy Geigerhilk (17) aus Kronach ist begeistert und schwärmt von der „super Stimmung im Orchester“. Beide Nachwuchsmusiker sind auch Mitglieder des Bayerischen Landesjugendorchesters und mit diesem Klangkörper nicht nur in der Bamberger Konzerthalle, sondern auch schon in Italien oder in Japan aufgetreten.

„Das Jugendsymphonieorchester Oberfranken ist eine Talentschmiede für junge Musiker aus allen Teilen Oberfrankens“, sagt der oberfränkische Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler. Er spricht auch vom „Herzstück der Jugendarbeit des Hauses Marteau.“ Denzler schwärmt nicht nur vom hohen Leistungsstand des Orchesters, sondern auch von seinem Dirigenten Till Fabian Weser, der mittlerweile zum dritten Mal am Pult des „Klangkörpers auf Zeit“ steht: „Ich bin sehr froh, dass wir mit Till Fabian Weser einen so engagierten Dirigenten haben, der den erfolgreichen Weg des Orchesters führt", sagt Denzler.

Nach den Worten von Dr. UIrich Wirz, dem Verwaltungsleiter der Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau, wurde das Jugendsymphonieorchester Oberfranken 1984 von dem Dirigenten und Musikpädagogen Professor Dr. Günther Weiß gegründet. Weitere Dirigenten waren Howard Golden und Raoul Grüneis. Oberstes Ziel sei es, dass die jungen Leute Freude an der Musik haben, so Dr. Wirtz. Mit über 70 Musikern habe der Klangkörper diesmal eine rekordverdächtige Größe erreicht.

Die Konzerte des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken unter Till Fabian Weser 2015:

04. April 2015 (Karsamstag), Naila, Frankenhalle, 18 Uhr

05. April 2015, (Ostersonntag), Bad Rodach, Bayernhalle, 17.30 Uhr

06. April 2015, (Ostermontag), Stegaurach, Aurachtalhalle, 17.30 Uhr

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21.03.2015

Meditation und mittelalterliche Dichtung / Kulmbacher Erstaufführung: Buxtehudes Passionszyklus „Membra Jesu Nostri“ in der St.-Petri-Kirche

Kulmbach. „Membra Jesu nostri“ von Dietrich Buxtehude gilt als Musterbeispiel der hochbarocken Concerto-Aria-Kantate: formal geschlossen, stark expressiv. Als Kulmbacher Erstaufführung war der Kantatenzyklus am frühen Samstagabend in der St.Petri-Kirche zu hören. In einer Co-Produktion mit dem evangelischen Kirchenchor Bad Steben führte die Kulmbacher Kantorei unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn das für Vokalsolisten, gemischten Chor und Kammerorchester konzipierte Werk erstmals vor Ort auf.

Der dänisch-deutsche Barockkomponist Dietrich Buxtehude schuf seine Passionsmusik in sieben Teilen um das Jahr 1680. Zu dieser Zeit war er bereits zwölf Jahre Organist an der Lübecker St.-Marien-Kirche. Buxtehude galt als einer der führenden Orgelvirtuosen seiner Zeit. Seine Komposition, die im vollen Titel „Membra Jesu Nostri Patientis Sanctissima“ heißt, was so viel bedeutet wie „Die allerheiligsten Gliedmaßen unseres leidenden Jesus“ ist ein Zyklus von sieben Passionskantaten. Inhaltlich werden jeweils die Füße, Knie, Hände, die Seite, die Brust, das Herz und das Gesicht des gekreuzigten Christus betrachtet.

Wenn ein solches Werk einen Zeitraum von über 330 Jahren überdauert, dann muss es inhaltlich schon einiges zu bieten haben. Der durchwegs poetische Text kombiniert Bibelverse mit Versen einer mittelalterlichen Andachtsdichtung und basiert auf das Werk „Salve mundi salutare“ („Gegrüßest seist du, Heil der Welt“) von Arnulf von Löwen (um 1200 - 1250). Die Schöpfung dieses dichtenden Mönches aus Belgien war im 17. Jahrhundert nicht nur bei Katholiken, sondern auch bei Protestanten weit verbreitet.

Bei der Kulmbacher Erstaufführung gaben drei Vokalsolisten ihr Kulmbach-Debüt: die Leipziger Sopranistin Susen Schneider, die Dresdner Altistin Alexandra Jakob und der aktuell in Gießen engagierte Tenor Andreas Kalmbach. Die Bass-Partie übernahm Markus Simon, der den Kulmbachern von verschiedenen Oratorienkonzerten her bereits bestens bekannt ist. Alle vier sind ganz schön beschäftigt, denn in allen sieben Kantaten gibt es mindestens zwei Solonummern und jeweils eine Nummer, bei der sich drei Solisten zum Trio vereinen. Das sind auch die stärksten Stellen der Komposition und der Aufführung.

Sopranistin Susen Schneider singt klar und wunderschön, hat aber mit dem starken Nachhall im Kirchenschiff zu kämpfen. Das gilt auch für die Altistin Alexandra Jakob, die ihren Part hervorragend  gestaltet. Besonders trumpfen Tenor Andreas Kalmbach und Bassist Markus Simon auf. Kalmbach singt die Höhen makellos aus und kommt dabei überaus textverständlich rüber, was ebenso für den Bassisten gilt, der auch mal so richtig kraftvoll auftritt und seinen Arien eine damit einen ganz eigenen Glanz verleiht.

Durchwegs barocken Wohlklang präsentierten die Sängerinnen und Sänger des evangelischen Kirchenchors Bad Steben und der Kulmbacher Kantorei, die so viel zu singen haben, dass sie sich während der knapp 75-minütigen Aufführungsdauer kaum setzen können. Natürlich sind die Damen wieder einmal in der Überzahl, während sich die Tenöre und Bässe über weite Strecken zurückhalten. Insgesamt aber haben Stefan Romanciewicz und Ingo Hahn die beiden Chöre hervorragend einstudiert. Auch hier ist die Textverständlichkeit  gegeben, wobei glücklicherweise der lateinische Text auch als ausgedrucktes Programm mit Übersetzung auf allen Plätzen zum Mitlesen lag.

Dirigent Ingo Hahn wählt bei allen Nummern ein gesetztes, gut zum meditativen Charakter passendes Tempo. Zwischen den Nummern allerdings drückt er aufs Tempo und lässt fast eine Arie in die andere nahtlos übergehen. Selbst zwischen den Kantaten geht es zügig weiter. Nur das Läuten der Kirchenglocken genau zwischen der sechsten und der siebten Kantate sorgt für eine ebenso meditative Ruhepause. Die neun Streicher des Orchesters Musica Juventa aus Halle mit Stefan Romankiewicz an der Orgel als Basso Continuo hatten eine reine Begleitfunktion, die sie zuverlässig erfüllten, Platz für rein solistische Aktivitäten boten jeweils die kurzen Sonaten am Beginn einer jeden Kantate.

Schade nur, dass in etwa so viele Aufführende, also Mitglieder der beiden Chöre, Musiker und Solisten, in der Kirche waren wie Zuhörer auf den Bänken. War es der ungewöhnliche Termin am frühen Samstagabend oder das außergewöhnliche Werk, das die Kirchenmusikfreunde vom Besuch abhielt. Am Sonntagabend war „Membra Jesu Nostri“ in der gleichen Besetzung, nur mit Stefan Romankiewicz als Leiter und Ingo Hahn als Organisten noch einmal in der Lutherkirche in Bad Steben zu erleben. In Kulmbach war der Applaus kurz, aber herzlich.

Bild: „Membra Jesu Nostri“: In der St.-Petri-Kirche in Kulmbach führten der evangelische Kirchenchor Bad Steben und die Kulmbacher Kantorei den Passionszyklus von Dietrich Buxtehude auf.

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15.03.2015

Melancholie und mitleidende Empfindungstiefe / Hofer Symphoniker gastierten mit reinem Schubert-Programm in der Dr.-Stammberger-Halle

Kulmbach. Schauspielmusiken haben es schwer, vor allem, wenn das Schauspiel zur Musik kein Mensch mehr kennt. So ist das bei Schuberts „Rosamunde, Fürstin von Zypern“, von dem die Hofer Symphoniker unter der Leitung von Arn Goerke, dem Musikdirektor des Hofer Theaters, am Sonntag in der Dr.-Stammberger-Halle zwei Bühnenmusiken aufgeführt haben. „Schubert pur“ lautete etwas reißerisch das Motto des ungewöhnlichen Konzertes, bei dem neben Schuberts Zauberharfen-Ouvertüre und vier bekannte Liedern in selten gespielten Orchesterfassungen auch die 4. Symphonie auf dem Programm stand. Der Saal blieb leider halbleer, doch der Spielfreude der Hofer Symphoniker tat dies keinen Abbruch.

Das romantische Schauspiel „Rosamunde“ war von Anfang an ein Misserfolg, zumindest für die Dichterin Helmina von Chezy. Schuberts Musik dagegen, die ursprünglich nur zur Überleitung gedacht war, hat überlebt und wird bis heute immer wieder mal aufgeführt. Ein wenig belanglos ist das Werk schon, auch wenn die Hofer Symphoniker anmutig und gefühlvoll und vor allem überaus exakt musizieren. Genauso ist das mit der Ouvertüre zu dem Melodram „Die Zauberharfe“ nach dem verschollenen Text von Georg von Hofmann. Die „Zauberharfe“ wurde lange Zeit fälschlicherweise als Ouvertüre zu dem Schauspiel „Rosamunde“ bezeichnet. Insofern könnte die Programmauswahl kaum treffender sein.

Mit hohem Maß mitleidender Empfindungstiefe, geschmeidig und dunkel timbriert interpretiert der Berliner Bariton Peter Schöne überaus sensibel die vier Goethe-Lieder „Geheimes“, „An Schwager Kronos“ und die bekannte und nicht ganz unumstrittene Ballade vom „Erlkönig“ sowie das Lied „Greisengesang“ nach Friedrich Rückert. Schubert-Spezialist Peter Schöne agiert dabei als singender Erzähler im besten Sinne artikulationsgenau und deutet die Texte plastisch aus.

Zumindest teilweise setzt Peter Schöne auch auf Schuberts Ausdrucksextreme, Pathos und Melancholie bleiben deshalb nicht immer außen vor. An Dramatik und Aufregung fehlt es in der Interpretation also nicht, so differenziert deutet Peter Schöne die selten aufgeführten Orchesterfassungen von Johannes Brahms und Hector Berlioz („Erlkönig“) aus. Stimmlich wirkt der Bariton am besten in den Mittellagen. Das alles ist nicht nur „Schubert pur“, sondern auch „Tragik pur“.

Da muss praktisch die frühe 4. Symphonie folgen, die den Beinamen die „Tragische“ trägt, die aber abgesehen von der düsteren Adagio-Einleitung eher pathetisch klingt. Akzentuiert und in ausgereizter Dynamik musizieren die Hofer Symphoniker, wobei Dirigent Arn Goerke den Focus auf die aufwühlenden Momente der Komposition legt. Die Vierte ist neben der „Unvollendeten“ Schuberts einzige Symphonie in c-Moll. Kontrastierend zum Beinamen der Sinfonie gibt es aber auch strahlende Momente, die der Dirigent gekonnt heraushebt. Die Interpretation zeichnet sich besonders im ersten Satz durch ein vom Dirigenten vorgegebenes atemberaubendes Tempo aus. Aber auch in den anderen Sätzen musizieren die Symphoniker fein sauber aufeinander abgestimmt und höchst motiviert.

Bild: Die Hofer Symphoniker mit dem Bariton Peter Schöne unter Arn Goerke in der Dr.-Stammberger-Halle in Kulmbach.

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04.03.2015

Tanztheater, Blues und das Moliere-Projekt 2015 / Fränkischer Theatersommer startet in die neue Spielzeit

Neudrossenfeld. Heuer soll die 15000er Marke geknackt werden, sagt Intendant Jan Burdinski. Im zurückliegenden Jahr war der Fränkische Theatersommer (früher Theatersommer Fränkische Schweiz) mit exakt 14910 Zuschauern haarscharf daran vorbeigeschrammt.

Damit die Theatermacher ihr Ziel erreichen, haben sie sich für dieses Jahr einiges vorgenommen. Was, das ist in einem druckfrischen 60-seitigen Programmheft nachzulesen, das Burdinski zusammen mit dem Vorsitzenden des Trägervereins Bernd Matthes und dem neuen Büroleiter Bernd Ackermann in Neudrossenfeld der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Im Mittelpunkt steht einmal mehr der große französische Dramatiker Jean-Baptiste Moliere. Insgesamt kommt der Spielplan bis Anfang Dezember auf 221 Aufführungen an 80 Spielorten in Unter-, Mittel- und Oberfranken. Die Hälfte der Aufführungen ist als Open-Air-Theater geplant.

Offizieller Saisonauftakt ist diesmal am 2. Mai in Memmelsdorf mit der Komödie Don Juan von Moliere. Bis zum 22 August soll das Hauptstück an insgesamt 15 Spielstätten zu sehen sein, unter anderem auch in Wernstein (13. Juni), Aufseß (25. Juni), Auerbach (18. Juli), Forchheim (14. August), Betzenstein (15. August) und Kühlenfels (21. August). Zweite große Neuproduktion ist Molieres Komödie „Der eingebildete Kranke“, die am 20. Mai in Hollfeld startet und unter anderem in Kupferberg (23. Mai), Pegnitz (20. Juni), Waischenfeld (3. Juli, Hof (7. Juli), Aufseß (26. Juli) und in Kulmbach (30. Juli) zu sehen sein wird. Mit der Komödie „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist gibt es außerdem eine attraktive Wiederaufnahme, die am 12. Juli in Weismain startet und auch in Selb (19. Juni) und Ebermannstadt (2. August) gastiert.

Daneben gibt es wie in jedem Jahr eine ganze Reihe von Sonderproduktionen, Musicals, Literatur- Musik- und Kleinkunstabende und besondere Theaterprojekte, beispielsweise gezielt für Schulen. Insgesamt stehen heuer 14 Neuproduktionen und etliche Wiederaufnahmen auf dem Spielplan. Darunter auch das Depressionsstück „Drum ist mir alle Freud entrissen“ zusammen mit dem Bündnis gegen Depression und dem evangelischen Bildungswerk, oder das Jugendstück „Voll in Ordnung“, das zusammen mit dem Bayreuther Kreisjugendring und der Polizei die Alkohol- und Drogenproblematik behandelt.

Mit dem Stück „Frau Lot und ihr Kampf gegen die Engel“ von Senouvo Agbota Zinsou gibt es auch erstmals ein Stück eines afrikanischen Autors. Zinsou lebt mittlerweile im Landkreis Bayreuth. Premiere des als Tanztheater angelegten Abends ist bereits am 23. April in Bayreuth. Weitere Aufführungen gibt es am 29. April in Hollfeld, am 12. Juni in Presseck, am 14. Juni in Veitlahm, am 3. Juli in Forchheim und am 24. Juli in Neudrossenfeld. Als absolutes Schmankerl kündigte Intendant Burdinski die Auftritte von Georg Schroeter und Marc Breitfelder an. Dabei handelt es sich um zwei Musiker aus Kiel, die 2011 als erste Deutsche Preisträger des renommierten Bluesfestivals von Memphis/Tennessee geworden sind. Beide treten unter anderem am 1. August in Auerbach und am 5. August in Hollfeld auf.

„Wir haben bereits in den vergangenen Jahren feststellen dürfen, dass es gar nicht so schwer ist, mit den Möglichkeiten des Schauspiels junge Leute zu erreichen“, so Matthes. Nicht zuletzt soll sich damit auch das Theater den Problemen unserer Zeit öffnen. Primärer Anspruch soll es aber dennoch trotz aller Problemstücke bleiben, dass der Zuschauer zwei Stunden freudiges Theater erlebt und, wenn möglich, mit einem Lachen nach Hause geht.

„Wir haben eine gute Saison hinter uns“, bilanzierte Trägervereinsvorsitzender Matthes. Er verschwieg aber nicht, dass der Theatersommer die Saison mit einer „leichten roten Null“ abschließen musste. Trotzdem besteht auch wieder das gesamte Ensemble, Schauspieler wie Regisseure, aus echten Profis.

Bildtext: Intendant Ja Burdinski, Büroleiter Bernd Ackermann und der Vorsitzende des Trägervereins Bernd Matthes (von links) stellten das Programm des Fränkischen Theatersommers vor.

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01.02.2015

Heiter-besinnliche Texte treffen auf jazzige Arrangements/ Klez´amore und die Sopranistin Ann-Kathrin Schneider gastierten in der Spitalkirche

Kulmbach. Lieder und Texte zum Jahresanfang und zur Winterzeit in eigenwilligen Interpretationen, ausgefallenen Arrangements, meditativ-melancholisch und heiter-besinnlich: „Mitten im kalten Winter“ ist das Programm übertitelt mit dem das Ensemble Klez´amore aus Würzburg und Sopranistin Ann-Kathrin Schneider am Sonntag in der Spitalkirche gastierten.

Bekanntes neu entdecken und sich von neuen Klängen aus der ganzen Welt überraschen lassen, das möchte das Ensemble Klez´amore erreichen und tatsächlich sind es vor allem die Arrangements, die an diesem frühen Abend aufhorchen lassen. Klez´amore, das sind Konrad Zellmer, Ernst-Martin Eras, Armin Höfig und Stefan Kraneburg. Ziel der Musiker ist es, einen neuen Zugang zur „stillen Zeit“ zu schaffen. Hauptinstrumente sind dabei die Klarinette, die Oboe, die Gitarre und der Kontrabass und natürlich beherrscht das Quartett nicht nur die Hauptinstrumente, sondern auch mal eine Melodica, ein Akkordeon, ein Krummhorn, oder ein Hackbrett, und das alles meisterhaft.

Mit einem ganz anderen, als dem bekanntem Rhythmus und in einem jazzig-angehauchten Arrangement erklingt das bekannte Weihnachtslied „Es ist ein Ros entsprungen“, das eigentlich aus dem 16. Jahrhundert stammt. Im Folk-Pop-Stil und teilweise auf englisch gesungen geben die Protagonisten das ebenfalls nicht unbekannte österreichische Weihnachtslied „Still, still, still“ zum Besten, das sich in der Version von Klez´amore schon bald als flotter Schlager entpuppt. Die englische Weihnachtsweise „Winter day in the morning“  erhält neue, instrumentale Improvisationsteile. Daneben gibt es auch katalanische Weihnachtslieder und ein Instrumentalstück aus Galizien.

Wenn manche Kompositionen bis in das 16. Jahrhundert zurückreichen, so klingt das Ensemble dennoch modern und erzeugt einen höchst professionellen Wohlklang. Manch bekanntes Stück erkennt man anfangs gar nicht, manch andere Komposition kommt einen vor, als hätte man sie schon tausend Mal gehört, das jiddische „Sheyn vi di levone“ etwa, ein Klezmer-Tanz, bei dem die Klarinette und die Oboe im Mittelpunkt stehen. Die Zuhörer applaudieren spontan, so mitreißend musizieren Klez´amore. Wie breit das Repertoire tatsächlich ist, zeigt das Stück „Es ist ein Schnee gefallen“, von Franz Josef Degenhardt, das Gitarrist Armin Höfig in bester Degenhardt-Manier intoniert.

Unterstützt werden die Musiker von Klez´amore von Anne-Kathrin Schneider, die nicht nur mit einer reinen und makellosen Sopranstimme aufhorchen lässt, sondern auch mit ihrer ganz eigenen, mitreißenden Art, Texte mit weicher-sanfter Stimme zu interpretieren. Heiter-besinnliche Texte treffen somit auf alte und neue Winter- und Weihnachtslieder aus aller Welt. Zu den herausragenden Texten, die Ann-Kathrin Schneider mit ihrer bezaubernden Lesestimme ausgesucht hat, gehörten unter anderem Joseph von Eichendorffs „Mondnacht“ oder Erich Kästners „Parade am Weihnachtstisch“.

Ganz besonders eindrucksvoll war dabei das gegen Ende des Auftritts zitierte Neujahrsgebet des Münsteraner Pfarrers Hermann Kappen aus dem Jahr 1883. Sätze wie „Herr, setze dem Überfluss Grenzen und lass die Grenzen überflüssig werden“ oder „Bessere solche, die im öffentlichen Leben wohl tätig, aber nicht wohltätig sind“ und schließlich augenzwinkernd „Herr sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen, aber  bitte nicht sofort“ sind auch heute so treffend wie vor rund 130 Jahren.

Die Frage, warum ein Konzert mit weihnachtlichen Weisen Anfang Februar stattfindet, ist schnell beantwortet. Ursprünglich hätte Ann-Kathrin Schneider und Klez´amore bereits Ende November zu den Kirchenmusiktagen auftreten sollen. Ein Teil des Ensembles war damals mit allen Instrumenten stundenlang im Stau stecken geblieben und so musste das Konzert ganz kurzfristig abgesagt werden. Die Musiker machten nun ihr Versprechen wahr, zum nächstmöglichsten Termin erneut nach Kulmbach anzureisen. Das Programm hatten sie dabei nur unmerklich modifiziert. Schließlich gab es sogar zwei Zugaben in der gut besetzten Spitalkirche: ein katalanisches Weihnachtslied und ein Neujahrslied zum Mitsingen.

Bild: Das Ensemble Klez´amore mit (von links) Konrad Zellmer und Ernst-Martin Eras sowie (von rechts) Stefan Kraneburg, Armin Höfig und Ann-Kathrin Schneider gastierte in der Spitalkirche.

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13.01.2015

Beste Unterhaltung auf höchstem Niveau / Fulminantes Neujahrskonzert der Stadtkapelle Kulmbach

Kulmbach. Typische traditionelle Marschmusik, herausragende Kompositionen der leichten Klassik, Bravour-Stücke für Solisten oder auch einmal etwas Außergewöhnliches: das Repertoire der Stadtkapelle Kulmbach ist breit gefächert. Beim Neujahrskonzert am Dienstagabend in der Dr.-Stammberger-Halle zogen die gut 50 Musiker unter ihrem Dirigenten Thomas Besand einmal mehr alle Register ihres Könnens und bescherten dem Kulmbacher Publikum fast drei Stunden lang beste Unterhaltung auf höchstem Niveau.

Das Neujahrskonzert ist für die Stadtkapelle der Höhepunkt im musikalischen Jahreslauf. Dirigent Thomas Besand leitete das Konzert zum 24. Mal in Folge und auch diesmal wurde er wieder dem Motto „Von klassisch bis modern“ vollends gerecht. Die Dr.-Stammberger-Halle war schon lange vorher ausverkauft und Besand hatte den Klangkörper wie immer perfekt einstudiert. Einmal mehr war es auch Karl Heinrich Backert, der zwischen den Stücken allerhand Wissenswertes beisteuerte und so gleichzeitig den Musikern die notwendigen Verschnaufpausen ermöglichte.

Ein Markenzeichen der Stadtkapelle ist es, dass sämtliche Titel entweder in der Originalausgabe oder in absolut authentischen Bearbeitungen gespielt werden. Das gilt natürlich auch für die sogenannte leichte, aber dafür umso anspruchsvollere Klassik wie etwa bei der Ouvertüre zur komischen Oper „Der Barbier von Sevilla“, dem bekanntesten Werk von Gioacchino Rossini. Die Spritzigkeit, die eingängigen und doch so raffinierten melodischen Einfälle, sie machen diesen Geniestreich zur Buffa-Krönung schlechthin und der Stadtkapelle gelingt es hervorragend, Witz und Heiterkeit dieses Stückes zu transportieren. Ja mehr noch, indem der Dirigent das Tempo drosselt, wird das Spiel derart exakt, wie man es bei symphonischen Blasorchestern selten findet.

Eng verbunden mit der Faszination der Neujahrskonzerte sind die Namen der Strauss-Dynastie. Diesmal hatte die Stadtkapelle die Polka francaise „Im Krapfenwaldl“ von Johann Strauss Sohn ausgewählt, eine amüsante Tonmalerei, in der ein Kuckuck ruft und die Vögel herrlich jubeln. All das hatte Johann Strauss Sohn in Noten gesetzt und die Musiker der Stadtkapelle spielten die Polka so wunderbar locker und leicht. Für beschwingt gute Laune sorgten außerdem die lyrisch poetisch musizierte Lustspielouvertüre von Albert Kéler-Béla oder die bekannte und gleichsam rasant musizierte „Petersburger Schlittenfahrt“ von Richard Eilenberg.

Unverwechselbar amerikanisch erklingt das Medley mit den schönsten Melodien von George Gershwin. Bärbeißiges Blech versetzt den Hörer mühelos in die swingende Atmosphäre der Goldenen golden zwanziger Jahre, während zuvor im Potpourri aus der Operette „Im weißen Rössl“ von Ralph Benatzky Operettenseligkeit und Wiener Schmäh das mitreißende Spiel der Stadtkapelle dominieren.

Neben der leichten Klassik kamen freilich auch diesmal Freunde traditioneller Blasmusik nicht zu kurz. Die dem Blasorchester ureigenste Musikgattung bewältigte die Stadtkapelle spielend, manchmal euphorisch donnernd, manchmal mit viel Sinn für die feinen Zwischentöne, aber immer schmissig und mit den so typischen Schlussritardandi. Etwa beim 92er Regimentsmarsch „Aller Ehren ist Österreich voll“ samt Kaiserhymne von Johann Nowotny, beim Potsdamer Jubiläumsmarsch von Hans Ahrens, den die Stadtkapelle aus den handschriftliches Stimmen des Komponisten spielt, beim Konzertmarsch „Schneidig voran“ von Willi Löffler oder beim „Graf-Luckner-Marsch“ von Walter Heyer.

Ein weiterer Höhepunkt des Neujahrskonzertes sind die Solo-Stücke, von denen diesmal gleich zwei auf die Pulte kamen: Der Bravour-Walzer „Für Michaela“ des Burgenländers Johann A. Steiner für zwei Flügelhörner mit den hervorragend aufgelegten Solisten Reiner Popp und Wolfgang Diehm und die Solistenpolka Hoffmannstropfen für drei Posaunen von Ernst Hoffmann mit Christine Schergun Werner Schneider und Udo Koch. Alle drei musizierten hervorragend mit flexiblem Ton und perfektem Ansatz und verstanden es damit, ihr Spiel brillant in Szene zu setzen. Zuvor durfte natürlich eine kleine Gaudi-Einlage mit Vorstand Roland Jonak in der Hauptrolle nicht fehlen.

Bleibt noch der Slow-Rock „Summerflight“ von Hans Kaufmes, indem der fünfköpfige Saxophonsatz zeigen durfte, dass er dem Ensemble von Captain Cook in nichts nachsteht, und das hervorragend vom Vizedirigenten Werner Scheider einstudierte und dirigierte Tongemälde „Highland Cathedral“ der Komponisten Michael Korb und Uli Roever, eines von vielen Höhepunkten in einem Neujahrskonzert, das der Tradition entsprechend mit dem Radetzky-Marsch von Johann Strauss Vater als Zugabe zum Mitklatschen zu Ende ging.

Bilder: Die Kulmbacher Stadtkapelle unter Thomas Besand beim Neujahrskonzert am Dienstagabend in der Dr.-Stammberger-Halle.

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21.12.2014

Entspannt, aber nicht ohne Spannung /
Weihnachtskonzerte des Kulmbacher Kammerorchesters

Kulmbach. Es ist eine schöne Tradition: die stimmungsvolle musikalische Einstimmung auf die Weihnachtsfeiertage, kurz vor dem Heiligen Abend durch das Kulmbacher Kammerorchester, diesmal in der Kirche „Unsere liebe Frau“ am Sonntagnachmittag und wieder in der Kreuzkirche am Sonntagabend.

Dirigent Thomas Grünke hatte erst im vergangenen Jahr mit dem Kulmbacher Kammerorchester sein Debüt gegeben. Grünke kommt aus Kasendorf und ist als Organist und Chorleiter in Trebgast tätig. Wie immer bei derartigen populären Weihnachtskonzerten waren auch diesmal gleich beide Kirchen überfüllt, zusätzliche Stühle mussten herbeigeschafft werden, um alle Zuhörer unterzubringen. „Bitte rücken sie noch etwas zusammen“, appellierte Grünke schon am Nachmittag in der Kirche „Unsere liebe Frau“. Trotzdem mussten viele Zuhörer stehen. Einmal mehr war das barocke weihnachtliche Programm bestens dazu geeignet, die Herzen der Zuhörer zu berühren und die Menschen auf das Fest einzustimmen.

Den Chor von der St. Johannes-Kirche in Trebgast, hatte Thomas Grünke auch heuer wieder mitgebracht und diesmal das Gloria D-Dur RV 598 von Antonio Vivaldi als Hauptwerk einstudiert. Das ist eine echte Entdeckung, denn Vivaldi hat tatsächlich nicht nur hunderte von Konzerten und viele Opern, sondern tatsächlich auch packende Kirchenmusik geschrieben. Die Aufführung durch Kirchenchor und Kammerorchester unter der Leitung von Thomas Grünke lässt den opernhaften barocken Überschwang deutlich werden, der in allen Kompositionen des venezianischen Meisters zu Tage tritt. Die unaufdringlich versierten Sängerinnen, die Sopranistin Marion Schmid und die Mezzosopranistin Birgit Muzzolini, gestalten dabei ihre kleinen aber anspruchsvollen Arien brillant und zupackend, der Chor singt fein abgestuft und das Kammerorchester spielt gekonnt und virtuos.

Eine herausragende Leistung ist der Geigerin Lena Schaefer im spielerischen Violinkonzert E-Dur, BWV 1042 von Johann Sebastian Bach (1685 - 1750) zu bescheinigen. Sie zeichnet sich durch ein expressives Musizieren aus, das die virtuose Seite deutlich hervorkehrt: Wesentlich entspannter, dabei aber in keinem Moment spannungslos, agiert die Solistin im 2. Satz Adagio, in dem das Kammerorchester über seine bloße Begleitfunktion hinauswächst. Doch auch in den Ecksätzen agiert der Klangkörper alles andere als schmal und bietet eine rundum gelungene Interpretation.

Mal nicht das bekannte Weihnachtskonzert von Francesco Manfredini (1684-1762), das sonst immer gespielt wird, sondern sein „Concerto in D-Dur für zwei Trompeten und Streicher“ hatte Thomas Grünke ausgewählt. Die beiden Solisten sind mit Harald Streit und Norbert Lodes keine Unbekannten in der Region. Natürlich muszieren beide überaus zupackend und zeigen welche Virtuosität in den spätbarocken Kompositionen des italienischen Meisters stecken. Bei Harald Streit und Norbert Lodes klingt das alles nicht nach Technik, sondern nach purer Spielfreude. Die perlenden Figurenketten musizieren die beiden Trompeter makellos und die dynamischen Steigerungen gelingen bis ins Fortissimo mühelos. Das Kammerorchester begleitet dabei ganz subtil, setzt aber durchaus auch eigene Akzente.

Natürlich gehören die Lieder zur Advents- und Weihnachtszeit zu den Konzerten, Thomas Grünke hatte diesmal „Nun jauchzet all, ihr Frommen“ von Bartholomäus Gesius, „Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich“ von Johann Herman, „Freuet euch, ihr Menschenkinder“ von Felix Mendelssohn Bartholdy und das wunderbar stimmungsvolle „Weihnacht in den Bergen“ von Michael Schmoll ausgesucht. Schon Tradition ist es, dass am Ende Georg Friedrich Händels “Halleluja” aus dem Oratorium „Der Messias” erklingt, genauso wie der gemeinsamer Schlussgesang: „O, du fröhliche“.

Bilder: Das Kulmbacher Kammerorchester unter seinem Dirigenten Thomas Grünke bei seinem Weihnachtskonzert in der Kirche „Unsere liebe Frau“.

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30.11.2014

Von der Ankunft bis zur Apotheose: Kirchenmusiktage sind mit großartiger Aufführung von Händels Oratorium „Der Messias“ zu Ende gegangen

Kulmbach. Kaum ein geistliches Oratorium ist so aufwühlend, farbig und kontrastreich wie der „Messias“ von Georg Friedrich Händel. Am Sonntag erklang das kurzweilige und auch gekürzte Werk zum Abschluss der 30. Kulmbacher Kirchenmusiktage in der leider nicht ausverkauften St.-Petri-Kirche.

Die Weissagungen von der Ankunft des Messias, sein Leidensweg und seine siegreichen Apotheose wie sie Händel interpretiert hat, bewegen seit Jahrhunderten die Zuhörer. Doch jenseits aller romantisierender Frömmigkeit und opernhafter Opulenz ist der „Messias“ auch eine Komposition, die zu den ganz großen Werken der Musikgeschichte gehört. Kaum zu glauben, dass Händel sein Werk in nur dreieinhalb Wochen geschaffen hatte.

„Ich glaubte“, so schrieb Händel damals im Sommer 1741, „ich sähe alle Himmel offen vor mir und Gott selbst. “ Diese Begeisterung hörbar zu machen, dass ist das Ziel einer jeden Aufführung des „Messias“. Dekanatskantor Ingo Hahn, der Kulmbacher Kantorei, dem Orchester „Musica Juventa“ und den vier Gesangssolisten ist es gelungen, den melodisch-packenden Schwung aufzugreifen und Händels berühmteste Komposition lebendig zu machen.

Der „Messias“ ist im Gegensatz zu anderen großen Oratorien, etwa Johann Sebastian Bachs Passionen, an keinen festen kirchlichen Termin gebunden, weil es von Jesu Geburt bis zu seiner Auferstehung reicht. Gleichwohl wird das Werk in den zurückliegenden Jahren immer öfter in der Adventszeit aufgeführt.  Zuletzt in der Petri-Kirche übrigens genau vor zehn Jahren bei den 20. Kirchenmusiktagen, ebenfalls mit der Kantorei und dem Orchester „Musica Juventa“ unter Ingo Hahn. Damals wie heute hatte Ingo Hahn mehrere Rezitative, Arien und Chöre und auch einige Wiederholungen in den Arien gestrichen. Bei der Vielfalt kursierender Fassungen von Händels Messias soll das aber nicht weiter ins Gewicht fallen.

Die Kulmbacher Kantorei unter Ingo Hahn wird den Anforderungen des „Messias“ mit seiner musikalischen Rhetorik und seinen Koloraturpassagen mehr als gerecht. Jugendlich schlank und ohne großes Pathos erklingt der Chor beispielsweise in Nummern wie „Denn es ist uns ein Kind geboren“ oder im berühmten „Halleluja“, dem Klassik-Hit schlechthin, der am Schluss als Zugabe wiederholt wird. Ingo Hahn hat es wieder einmal geschafft, aus den vielen Stimmen innerhalb eines viertel Jahres Probenzeit ein homogenes Ensemble zu machen. Kernige Bässe, helle Tenöre und glänzende Frauenstimmen machen die Aufführung aus.

Voll und opulent, dabei aber auch höchst agil spielt das etwa 20-köpfige Kammerorchester „Musica Juventa“ aus der Händelstadt Halle auf, mit dem Ingo Hahn eine 25 Jahre andauernde musikalische Zusammenarbeit verbindet. Die Musiker werden in sämtlichen Arien zu gleichwertigen Partnern der Solisten und des Chores. Akzente setzt der Klangkörper erst recht in seinen Solonummern, der Einleitung oder in der „Pifa“, der Hirtenmusik. Verstärkt werden die Instrumentalisten vom früheren Wunsiedler Dekanatskantor Hermann Bohrer an der Orgel.

Das Solistenensemble hätte mit Ausnahme der Altistin Dorothea Zimmermann durchaus etwas kraftvoller auftreten können. Vor allem im ersten Teil wirken die Meininger Sopranistin Anna Gann, der aus Gera stammende Tenor Christoph Rösel (er war schon bei der Aufführung vor zehn Jahren dabei) und der Bassbariton Tobias Freund aus Wendelstein bei Nürnberg etwas farblos, was nicht heißen soll, dass sie nicht schön, intensiv und ausdrucksvoll gesungen hätten. Nur kam in der ansonsten recht guten Akustik der St.-Petri-Kirche manchmal recht wenig an, etwa auf der ersten Empore. Zumindest steigern sich alle drei während der Aufführung noch merklich

Eine brillante Leistung ist dagegen der Altistin Dorothea Zimmermann aus Dresden zu bescheinigen, die ihre Passagen virtuos und überaus textverständlich vorträgt. Plastisch, kontrastreich gestaltet sie ihre Arien, absoluter Höhepunkt, vielleicht der gesamten Aufführung, ist die Nummer 21 „Er ward verschmähet und verachtet“. Wie sie zum Beispiel das Wort „verachtet“ mit einer kleinen Pause in den Raum haucht, das berührt tief und führt dem Zuhörer die Leiden des Erlösers plastisch vor Augen. Die Passage zeigt auch, dass Dorothea Zimmermann den sicheren Zugriff auf alle Details ihres Textes hat.

Bild: Mit dem „Messias“ führte die Kulmbacher Kantorei und das Orchester „Musica Juventa“ aus Halle Georg Friedrich Händels berühmteste Komposition zum Abschluss der 30. Kulmbacher Kirchenmusiktage in der Petri-Kirche auf.

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26.11.2014

Spitalkirche wird zum magischen Raum / Jubiläumskirchenmusiktage: „Lobgesang und Harfenspiel“ mit Alena-Maria Stolle und Julia Pritz

Kulmbach. Melancholische November-Stimmung zwischen Totensonntag und 1. Advent: mit dem Programm „Lobgesang und Harfenspiel“ haben zwei herausragende Musikerinnen ihr Publikum am Mittwochabend in der Spitalkirche im Rahmen der 30. Kulmbacher Kirchenmusiktage zu einem eindrucksvollen Dialog zwischen Harfe und Sopranstimme eingeladen. Lyrisch, stimmungsvoll und vielseitig präsentierte Alena-Maria Stolle aus Leipzig und Julia Priz aus Wetzlar Lieder, Arien und Instrumentalkompositionen der verschiedensten Epochen und aus den unterschiedlichsten Ländern.

Beide sind Wahl-Thüringerinnen und haben sich beim Musikstudium in Weimar kennengelernt. Sopranistin Alena-Maria Stolle, Bayreuther Wagnerstipendiatin des Jahres 1997, kann bereits auf feste Engagements und Gastverträge am Deutschen Nationaltheater Weimar, an der Oper Leipzig und der Semperoper Dresden verweisen. Die Lieder und Arien des Kulmbacher Programms, die vom Barock über Klassik und Romantik bis ins 20. Jahrhundert reichen, gestaltet sie durchwegs expressiv, manchmal melancholisch, aber immer stimm- und stimmungsintensiv.

Wunderbar schmachtend erklingt Georg Friedrich Händels Arie „Ombra mai fu“ aus der Oper „Xerxes“ mit einem himmlisch arrangierten Vorspiel, ungemein spannend baut sie die Arie „Podrugije milüje“ aus „Pique Dame“ von Peter Tschaikowsky auf. Aber auch die vielen, nicht so bekannten Lieder wie Christoph Willibald Glucks „Sommernacht“ nach dem Gedicht von Friedrich Gottlieb Klopstock oder Franz Schuberts „Nähe des Geliebten“ nach Johann Wolfgang von Goethe gestaltet Alena-Maria Stolle fabelhaft mit ihrem kernigen und fülligem Sopran. Fünf Mal wechselt sie innerhalb des Programms die Sprache und singt auf italienisch, englisch, französisch , russisch und deutsch.

Harfenistin Julia Pritz musiziert bereits mit den verschiedensten Ensembles und Orchestern unter anderem in der Thüringenphilharmonie Gotha-Suhl, in der Mannheimer Bläserphilharmonie oder bei den Thüringer Symphonikern Saalfeld-Rudolstadt. Wenn sie Georg Friedrich Händels anspruchsvolles dreisätziges Konzert für Harfe B-Dur (HWV 294) bravourös aufführt und dabei die Melodieführung dynamisch sorgsam hervorhebt, wird die kleine Spitalkirche zum magischen Raum.

Bei den Liedern und Arien ist die Instrumentalistin viel mehr als eine Begleiterin. Etwa in den mysteriösen und selten aufgeführten Songs „Lemady“, „The False night upon the road“ und “David of the white rock” von Benjamin Britten oder in Gabriel Faures impressionistischen Kompositionen „Apres un reve”, „Clair de lune” und „En priere” setzt sie durchwegs eigene Akzente an ihrem Instrument. Besonders bei den Kompositionen Benjamin Brittens geht der Harfenpart weit über die reine Begleitfunktion hinaus, während Alena Maria Stolle zwischen den verschiedensten Schattierungen wechselt und dabei die unterschiedlichsten Stimmungen wie Trauer, Hoffnung oder Glück glaubhaft verkörpert.

Mit Wolfgang Amadeus Mozarts sehr textverständlich gesungenem Lied „Abendempfindung” nach dem Dichters Johann Heinrich Campe, Edvard Griegs ergreifendem wie bekanntem „Solveigs Lied“ aus der Schauspielmusik zu „Peer Gynt“ und Vincenco Bellinis Weihnachtslied „Angiol die pace“ geht das etwa 75 Minuten dauernde Programm in der Spitalkirche zu Ende. Dekanatskantor Ingo Hahn und seine Kirchenmusiktage haben damit wieder einmal einen ganz besonderen Akzent in der Zeit zwischen Totensonntag und 1. Advent gesetzt.

Das nächste Konzert im Rahmen der 30. Kulmbacher Kirchenmusiktage findet heute, 28. November, um 20 Uhr in der Spitalkirche statt. Auf dem Programm stehen vorweihnachtliche Lieder und Texte mit der Sängerin Ann-Kathrin Schneider und dem Ensemble Klez´amore aus Würzburg. Schlusspunkt und zugleich Höhepunkt der Kirchenmusiktage wird die Aufführung von Georg Friedrich Händels „Messias“ am Sonntag, 30. November, um 17 Uhr in der St.-Petri-Kirche sein.

Bild: Die Sopranistin Alena-Maria Stolle (rechts) und die Harfenistin Julia Pritz gestalteten das zweite Konzert der Kirchenmusiktage in der Spitalkirche.

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23.11.2014

Melodiös und meditativ musiziert / „Die 12 Saxofonisten“ haben die 30. Kirchenmusiktage eröffnet

Kulmbach. Wenn die Herren beim Sopran und die Damen beim Bariton zu finden sind, dann kann es sich eigentlich nur um ein Instrumentalensemble handeln. Beim Eröffnungskonzert der 30. Kulmbacher Kirchenmusiktage am Sonntag in der St.-Petri-.Kirche war es mit den „12 Saxofonisten“ aus Nürnberg nicht irgendein Ensemble, sondern ein ganz besonderer Klangkörper, der in dieser Zusammensetzung eher selten zu erleben ist. Den Musikern unter der Leitung von Franz Killer gelang es dabei in der durchaus schwierigen Kirchenakustik eindrucksvoll, neue Klangerlebnisse zu schaffen und das breite Spektrum der Saxofonfamilie vom Bass bis zum Sopranino vorzustellen.

„Die 12 Saxofonisten“, beziehungsweise Saxofonistinnen, das sind Sandra Engel, Uschi Dittus, Anja Meiler, Jürgen Faas, Heymo Hirschmann, Dirk Eidner, Markus Riesbeck, Gerhard Buchloh, Stefan Frank, Elke Beer, Johannes Neuner und Bernd Aschmoneit. Sie alle sind Profimusiker meist aus Orchestern des fränkischen Raums, die sich 2001 mit großem Erfolg zu dem ehrgeizigen Projekt zusammengefunden hatten. Ihr Chef Franz Killer ist gleichzeitig Leiter der Pocket Opera Company in Nürnberg. Ein Markenzeichen des Ensembles ist das Musizieren an ungewöhnlichen Orten. Immerhin haben die Instrumentalisten auch schon in Tretbooten auf dem Wöhrder See, auf dem Nürnberger Volksfest oder in der Pottensteiner Teufelshöhle gespielt.

Gar so ungewöhnlich war es in der Petri-Kirche dann doch nicht. Das Programm erstreckt sich von der Renaissance bis in die Moderne. Höfische Musik, wie etwa die Kompositionen von Giovanni Gabrieli können beispielsweise, aufgeteilt in drei Quartette, ganz fetzig klingen, auch wenn das Saxofon im 16. Jahrhundert noch lange nicht erfunden war. Einen runden harmonischen Klang präsentieren die Musiker auch beim 2. Brandenburgischen Konzert, aus dem die Formation das wunderbare Allegro erklingen lässt. Wäre das Saxofon damals schon erfunden gewesen, Bach hätte bestimmt dafür komponiert.

Ganz andere Töne gibt es dann mit dem Moderato und Allegro des  spätromantischen schwedischen Komponisten Erland von Koch. Man könnte meinen, diese Musik wäre für die zwölf komponiert worden, in einer solchen Perfektion spielt das Ensemble auf. Das gleiche gilt für die französischen Komponisten, von Maurice Ravel erklingen drei Fantasiestücke, von Darius Milhaud „Le Boeuf  sur le toit“, was soviel heißt wie „Der Ochse auf dem Dach“. Das war eine berühmte Pariser Künstlerkneipe, in der Milhaud Stammgast war. Die Musiker breiten trotz der vielen Taktwechsel einen wunderbaren Klangteppich aus, der die gesamte Petri-Kirche durchströmt, mal heiter melodiös, mal schräg und fetzig, mal meditativ und ernst.

Nach den drei Novetten im orchestralen Klang von Louis Hardin hatten die Saxofonisten dann ein ganz besonderes Stück im Gepäck: In “Mozart goes to town” hatte der Arrangeur Jürgen Fraas Motive aus Mozart-Kompositionen zu einem beschwingtem Potpourri zusammengefügt. Jazz-Elemente, Swing und ein wenig Dixieland klingen hier durch.  Auch hier ist es wieder absolute Perfektion und das exakte aufeinander eingehen, mit denen die Musiker ihr Publikum überraschen. Ureigenste Musik für das Saxofon gab es dann zum Schluss mit Welthits von George Gershwin (“The Man I love“, „Liza“, „I got plenty of nothing“, „I got rhythm“) oder bei einem Ragtime von Jean Matitia. Hier kamen die Saxofone vollends zur orchestralen Geltung und verbreiteten ihren strahlenden Glanz.

Wie gut, dass Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn angesichts „der fortgeschrittenen Temperaturen“ gleich am Anfang verkündet hatte, dass man auf die eigentlich eingeplante Pause gerne verzichten würde. Die Zustimmung aus dem Auditorium war ihm trotz der Sitzheizungen in der Kirche bei Außentemperaturen um die null Grad an diesem Abend gewiss.

Das nächste Konzert im Rahmen der 30. Kulmbacher Kirchenmusiktage findet am Mittwoch, 26. November, um 20 Uhr in der Spitalkirche statt. Unter dem Motto „Lobgesang und Harfenspiel“ werden dabei die Sopranistin Alena-Maria Stolle und die Harfenistin Julia Priz auftreten. Am Freitag, 28. November, ebenfalls um 20 Uhr in der Spitalkirche gibt es dann vorweihnachtliche Lieder und Texte mit Ann-Kathrin Schneider und dem Ensemble Klez´amore aus Würzburg. Schlusspunkt und zugleich Höhepunkt der Kirchenmusiktage wird die Aufführung von Georg Friedrich Händels „Messias“ am Sonntag, 30. November, um 17 Uhr in der St.-Petri-Kirche sein.

Bild: „Die 12 Saxofonisten“ aus Nürnberg haben am Sonntag in der St.-Petri-Kirche die 30. Kulmbacher Kirchenmusiktage eröffnet.

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08.11.2014

Schräg und schrill – Herb und derb: / Die Altneihauser Feierwehrkapell ´n gastierte in der ausverkauften Dr.-Stammberger-Halle

Kulmbach. Sie sind ein echtes Phänomen: die neun Aktiven der Altneihauser Feierwehrkapell ´n aus Windischeschenbach in der Oberpfalz: als Musiker eher zweit- bis drittklassig, als Spaßmacher zwischen herb und derb, als Showtruppe im wahrsten Sinne des Wortes schwerfällig, aber als Gesamtpaket allererste Klasse. Wenn sie die Bühne betreten, rußgeschwärzt und in zerschlissener Uniform, dann gibt es kein halten mehr. Es gibt keine Kabarettgruppe, die ihnen auch nur annähernd das Wasser reichen könnte. So auch am Samstagabend beim Auftritt der Altneihauser Feierwehrkapell ´n in der ausverkauften Dr.-Stammberger-Halle.

Dreh- und Angelpunkt dieser unglaublichen Bühnenpräsenz ist „Frontman und Feuerwehrkommandant“ Norbert Neugirg. Wenn er den verknüllten Zettel aus seiner Hosentasche fischt, dann toben die Zuhörer. Zu treffsicher sitzen die Pointen des Cheftexters, kein Thema, das er nicht zum Aberwitz treiben könnte, kein Sachverhalt und keine Persönlichkeit, die vor ihm sicher wäre. Ob Musikantenstadl, CSU, Frankenwein oder Inge Aures: nichts und niemand lässt er aus.

Viele lokale Dinge finden immer wieder Eingang in seinen perfekt gereimten Vortrag und seine kunstvoll gedrechselten Verse. Die große Politik sowieso und die vielen kleinen Dinge, die man teilweise zwar schon kennt, etwa aus dem TV-Klassiker „Fastnacht in Franken“, die man aber gerne auch noch ein viertes oder fünftes Mal hören könnte, so urkomisch ist das, was Neugirg immer wieder einfällt.

„Kulmbach, das ist Frankens Segen, Bayreuth ist da nichts dagegen“, sagt Norbert Neugirg, allerdings erst, als er darauf aufmerksam gemacht wurde, dass man an diesem Abend in Kulmbach und nicht in Bayreuth zu Gast sei. Zuvor lautete der Reim noch anders herum. Gleich mehrere Lokalgrößten bekommen an diesem Abend ihr Fett wett, Henry Schramm, Klaus Peter Söllner, immer wieder Inge Aures und auch Hagleitenwirt Günther Limmer. Das Kulmbacher Oberland besteht für Neugirg aus unendlichen Weiten, „da ist der erste erst am zweiten“. E-Mails, so meint er, würden dort noch mit der Hand abgeschrieben, in einem Umschlag gesteckt und dem Milchfahrer mitgegeben. Natürlich alles in gereimter Form und irgendwie urkomisch dargebracht.

Geradezu phänomenal ist natürlich die Kenntnis vieler Dinge vor Ort, der Streit um die Umgehung von Kauerndorf und Untersteinach etwa, zu dem Neugirg folgende Sätze eingefallen sind: „Weil jeglicher Verkehrsfluss durch das Kaff durch muss“ und „Die Planung begann konkret im letzten Jahr – als Augustus Kaiser war“. Weiter heißt es: „Man wird sich mit den Umgehungsplänen am Berliner Flughafen anlehnen.“

Basis des gereimten Frohsinns ist und bleibt der Krieg zwischen den Oberpfälzern und den Franken. Davon leben Neugirg und seine Mannen. Wie gut, dass die Franken so viel Mitleid kennen und die Kapelle immer wieder einladen. „Schön blöd“, würde Norbert Neugirg jetzt sagen, um sich sofort zu korrigieren und von der großen Ehre zu schwärmen, in Franken spielen zu dürfen. Seit 2006 führen die Oberpfälzer diesen Krieg, ohne ihn bislang für sich entscheiden zu können. Zu groß ist die Toleranz und Offenherzigkeit der Franken auch an diesem Abend.

Doch auch Besucher aus anderen Gegenden Deutschlands müssen die Bosheiten der desaströsen Blaskapelle über sich ergehen lassen. „Die Bayern lieben die Hessen, solange sie das Heimfahren nicht vergessen“, meint Neugirg. Einer seiner beliebten Running Gags ist die übertrieben nasale Aussprache des Wortes „Ensemble“. Ein anderer ist, dass die große Trommel mehrfach zu Boden fällt und Trommler Reinhard Stummreiter sie jedes Mal umständlich wieder aufbauen muss, bis schließlich ein kaputter Stuhl und ein Bierkasten als Halterung dienen.

„Die Musiker sind ausnahmslos Amateure und werden dieser Tatsache stets gerecht“, sagt Kommandant Neugirg immer wieder und hat dabei natürlich nicht ganz Recht. Das schräge Spiel von Stefan Schricker (Horn), Rupert Beer (Tuba), Ludwig Schieder (Knopfharmonika), Dominik Knott (Kleine Trommel), Reinhard Stummreiter (Große Trommel), Peter Fuhrmann (Tenorhorn), Josef Treml (Trompete) und Thomas Kießling (Klarinette), kurz dem „Glanz der Oberpfalz“, ist gewollt komisch und anarchisch, fast schon eine eigene Kunstform, die von der Kapelle geschaffen wurde und die wohl deshalb auch ein Geheimnis des großen Erfolgs ist.

„Sieht man der Mannschaft den Elan und die Lust zum Spielen an“, reimt Norbert Neugirg, um gleich daraufzusetzen: „Wir sind beliebt in Franken und so gern geseh´n, wie die Merkel in Athen.“ Auch von der Leyen bewundere die Kapelle angeblich sehr, denn so Neugirg: „Wir sind besser als die Bundeswehr“.

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25.10.2014

Markante Rhythmen und eindrucksvolle Kompositionen /
Pop, Jazz und Filmmusik: Fulminantes Herbstkonzert des Musikvereins Thurnau

Thurnau. Beim Musikverein Thurnau und seinem Dirigenten Heimo Bierwirth steht die zeitgenössische Blasmusik an erster Stelle: „Piraten der Karibik“ statt „Leichte Kavallerie“, Herb Alpert statt Ernst Mosch und „Utopia“ statt „Unter dem „Rautenbanner“. Beim Herbstkonzert in der Turnhalle der Grundschule zog der Dirigent zusammen mit dem Jugendorchester und dem Hauptorchester einmal mehr alle Register und demonstrierte eindrucksvoll, dass Blasmusik alles andere als verstaubte Tradition ist.

Sinfonische Blasmusik setzt hohe künstlerische Anforderungen voraus und die rund 50 aktiven Musiker des Hauptorchesters können diese Anforderungen auch prima erfüllen. Das Besondere am Musikverein ist die große Bedeutung der Jugendarbeit. So liegt nicht nur das Durchschnittsalter des Hauptorchesters bei unter 20 Jahren, es gibt auch ein eigenes kleineres Jugendorchester, das sich mit fünf überaus gelungenen Stücken und einer Zugabe dem Publikum vorstellen durfte.

„Das Herbstkonzert ist für uns der absolute musikalische Höhepunkt im Jahreslauf“, sagte Vorsitzender Martin Koslowsky zu Beginn des Abends und die Musikerinnen und Musiker sollten das Publikum nicht enttäuschen: Filmmusik, moderne sinfonische Kompositionen, Bekanntes, Unbekanntes und auch einige Raritäten hatten sie ausgesucht.

Für beschwingt gute Laune sorgte etwa ein lyrisch, voller Poesie und trotzdem mit schärfenden Kontrasten musiziertes Concerto d´amore, angekündigt als Mischung aus Barock, Jazz und Pop des niederländischen Komponisten Jacob de Haan. Er tauchte im Programm gleich drei Mal auf. So auch mit seinem Hauptwerk „Utopia“, für das sich Dirigent Heimo Bierwirth eine interessante Einführung ausgedacht hatte. Er stellte die wichtigsten Rhythmen vor und ließ den Musikern die markantesten Themen des über zehn Minuten andauernden Werkes kurz anspielen, um sie anschließend zu erläutern. Auch die „Easy Pop Suite“, die das Jugendorchester gekonnt aufführte, stammte aus der Feder von Jacob de Haan, er hatte sie allerdings unter dem Pseudonym Dizzy Straford veröffentlicht.

Perfekt einstudiert und absolut professionell aufgeführt erklang die Filmmelodie zu „Pirates oft he Caribbean“, die der deutsche Komponist Klaus Badelt geschrieben hatte. Nicht nur die Piratenflagge wurde gehisst, auch die blutrünstigen Schlachten, in die Kapitän Jack Sparrow verwickelt wurde, machten die Musiker hörbar. Die beinahe unzähligen Taktwechsel wurden dabei spielend bewältigt, ebenso der intensive Schlagwerkeinsatz und die messerscharfen Trompetensätze.

Dynamisch sorgsam und raffiniert gespielt erklang die eigenwillige Komposition „Children of Sanchez“ des US-amerikanische Komponisten Chuck Mangione, die der japanische Musiker Naohiro Iwai eigens für sinfonisches Blasorchester arrangiert hatte. Umsichtig begleitet der Klangkörper Nele Arlt am Flügelhorn, die damit ihr Debüt als Solistin gegeben hatte. Mit dem Herp-Alpert-Medley „Golden Hits“ mit Ohrwürmern wie „Spanish Flea“, „Tijuana Taxi“ oder „So What’s New“ stellte der Klangkörper einmal mehr seine hohen musikalischen Qualitäten unter Beweis.

Von Leichtigkeit und Beweglichkeit geprägt war schließlich auch der Auftritt des 20-köpfigen Jugendorchesters unter anderem mit Alan Menkens „Under the sea“ aus dem Disney-Film „Arielle die Meerjungfrau“ oder dem Hauptthema aus „Pomp and Circumstance“ von Edvard Elgar.

Während des Konzerts wurden Jasmin Lauterbach (Querflöte) und Fabian Einwag (Trompete) mit dem Leistungsabzeichen in Gold des Bordbayerischen Musikbundes ausgezeichnet. Beide hatten die D3-Prüfung mit Erfolg abgelegt. Dabei handelt es sich nicht um irgendeine Prüfung, das Musikerleistungsabzeichen D3 stellt die höchste instrumentale Qualifikation in der Fortbildungsstruktur der Blasmusikverbände dar. Eine mehrjährige intensive Instrumentalausbildung ist die Voraussetzung für das Bestehen dieser Prüfung.

Bilder:
- Klassisch und modern, bekannt und unbekannt: Der Musikverein Thurnau unter seinem Dirigenten Heimo Bierwirth begeisterte einmal mehr das Publikum beim Herbstkonzert in der Grundschule.
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Die Flötistin Jasmin Lauterbach und der Trompeter Fabian Einwag wurden mit dem Leistungsabzeichen in Gold des Nordbayerischen Musikbundes ausgezeichnet. Links im Bild der Vorsitzende des Musikverein Martin Koslowsky, rechts Dirigent Heimo Bierwirth.

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26.09.2014

Vom Olymp der Violinliteratur /
Meisterklasse des Geigers Markus Wolf konzertierte in Thurnau

Thurnau/Lichtenberg. Eine Woche lang haben sie von früh morgens bis spät abends geprobt. Immer wieder das gleiche Stück, immer wieder dieselbe Stelle. Zum Ende des Meisterkurses für Violine mit dem prominenten Geiger Markus Wolf vom Bayerischen Staatsorchester in München konnten die acht Meisterschüler bei einem Abschlusskonzert auf Schloss Thurnau Ergebnisse präsentieren, die es in sich hatten. Herausragende Kompositionen vom Olymp der Violinliteratur, aufgeführt von jungen Geigerinnen und Geigern, deren Namen man sich schon jetzt merken sollte. Der Meisterkurs von Markus Wolf fand in der Internationalen Musikbegegnungsstätte des Bezirks Oberfranken Haus Marteau in Lichtenberg statt.

Gemeinsam ist den sechs jungen Damen und zwei Herren, dass sie alle bereits im Vorschulalter begonnen haben, Geige zu lernen, manche schon mit drei Jahren. Gleich mehrere stammen aus Musikerfamilien, sie alle traten souverän und professionell auf und haben das Zeug zum herausragenden Solisten.  Er glaube, er könne den jungen Geigerinnen und Geigern helfen, und gegebenenfalls neue Wege aufzeigen, sagte Markus Wolf im Vorfeld. Der Echo-Klassik-Preisträger wusste auch, dass die Studenten immer auf der Suche sind, sei es in technischer oder in musikalischer Hinsicht.

Zumindest eine Zwischenetappe haben die jungen Musiker in ihrer Karriere erklommen, das stellten sie alle mit dem Abschlusskonzert in der Reihe „Haus Marteau auf Reisen“ unter Beweis. Iris Günther beispielsweise, 20 Jahre jung, stammt aus der Nähe von Landshut und hatte sich den 1. Satz aus dem bekannten Violinkonzert in A-Dur KV 219 von Wolfgang Amadeus Mozart ausgesucht. Zupackend musizierte sie mit vollem Ton und nahm dabei wunderbar die opernhafte Stimmung des Werkes auf.

Die Österreicherin Sara Mayer aus Ried im Innkreis war die jüngste Teilnehmerin und hatte sich mit dem Andantino-Satz aus dem D-Dur-Violinkonzert von Sergej Prokofieff eine ganz außergewöhnliche Komposition vorgenommen. Mit ihrem abgeklärten Spiel reizt sie die Dynamik des Stückes voll aus und musiziert so energisch, dass sogar eine Saite reißt. Nach einer kurzen Pause, setzt Sara Mayer ihr Spiel dennoch unbeirrt fort.

Die Königsdisziplin des Violinspiels sind die Solostücke von Johann Sebastian Bach, alles Bravourstücke wie die Chaconne aus der Partita Nr. 2 in d-Moll. Christian Zahlten aus München bewältigt diese Herausforderung absolut sauber und sicher und zeigt dabei nicht die kleinste Spur von Nervosität. Im Gegenteil, er meistert die vielen schwierigen Figuren mit Bravour und legt dabei ein atemberaubendes Tempo vor. Auch Severin Schmid aus Regensburg, der bei der Stargeigerin Julia Fischer in München studiert, geht in seiner Aufführung von Bachs Partita Nr. 3 in E-Dur keine Kompromisse ein. Dynamisch auf das Feinste abgestimmt, impulsiv zupackend und spontan spielt er die beliebten Zugabestücke sogar auswendig.

Katharina Haffner aus der Nähe von Dresden ist eigentlich schon ein Profi. Die 26jährige kann auf Orchesterpraktika bei den Nürnberger Symphonikern und bei der Bayerischen Orchesterakademie verweisen. Für Thurnau hat sie sich den 1. Satz aus dem einzigen Violinkonzert von Jean Sibelius ausgesucht. Sie musiziert dabei nicht nur überlegen und routiniert, sondern auch ziemlich detailversessen, ohne den großen Bogen aus den Augen zu verlieren. Keine Angst vor großen Kompositionen hat auch Jördis Bergmann aus Murnau. Die 20-Jährige musiziert den langen 1. Satz aus dem Beethoven-Violinkonzert ganz im Sinne des Komponisten, energisch drängend und im flotten Tempo.

Lilian Heere schließlich hatte sich den nicht minder gewaltigen 1. Satz aus dem Violinkonzert von Max Bruch ausgesucht, bei dem die 19-Jährige scheinbar selbstvergessen den Ton angibt, schwebend leicht, etwa bei den vielen Trillern und Verzierungen, dann aber doch wieder mit der nötigen Schwere bei den tragenden Teilen der Komposition. Bleibt noch die junge Geigerin Dorit Essaadi aus Berlin mit dem ersten Satz aus dem selten zu hörenden Violinkonzert von Camille Saint-Saens, den sie hervorragend gestaltet und besonders mit gekonnt muszierten Crescendi und Decrescendi auffällt.

Natürlich hatten die Geiger in Thurnau kein Orchester zur Verfügung, dafür aber Julian Riem, den Ausnahmepianisten, der auf dem Steingraeber-Flügel im Ahnensaal viel mehr als ein Klavierbegleiter war. Riem ging auf alle Solisten feinfühlig ein, nahm sich gekonnt zurück, hatte aber auch seine großen Auftritte, immer dort, wo das Klavier führende Solopassagen übernimmt, die der Pianist meisterhaft beherrscht und so durchaus auch eigene Akzente setzt.

Bild: Der Geiger Markus Wolf (links) und der Pianist Julian Riem (rechts hinten) zusammen mit den Meisterkursteilnehmern beim „Haus-Marteau-auf-Reisen-Konzert“ in Thurnau.

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11.09.2014

Wilhelmine im Rausch der Farben / Privaträume der Bayreuther Markgräfin sind wieder für die Öffentlichkeit zugänglich

Bayreuth. Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth gilt nicht nur als besonders kunstsinnig, sie malte Bilder, spielte Cembalo, schrieb ganze Opern, sprach mindestens ein halbes dutzend Sprachen, gilt als Literatin und schuf in Bayreuth eine Musenhof von europäischem Rang. Der Platz, an dem sich die berühmte Schwester Friedrichs des Großen verwirklichte, die Arbeits- und Privaträume im Alten Schloss der Eremitage in Bayreuth, sind jetzt nach grundlegender Überarbeitung wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Gearbeitet hat sie hier tatsächlich, die Markgräfin, die zunächst so unglücklich war über die Zwangsehe mit dem Bayreuther Erbprinzen Markgraf Friedrich. Von der Arbeit zeugt ein kleiner Tisch mit einem Reibestein. „Hier hat sie ihre Farben selbst zusammengestellt und die Farbpigmente entsprechend verkleinert“, sagt Peter Krückmann von der Schlösserverwaltung. Er ist nicht nur der Initiator der Wiedereinrichtung der Räumlichkeiten, er gilt auch als ausgewiesener Experte, wenn es um die Bayreuther Markgräfin geht.

„Heute würde man vielleicht von einem Atelier sprechen, oder von einem Creativ-Studio“, so Sabine Heym, ebenfalls von der Schlösserverwaltung und dort für die Museumsabteilung zuständig. Auch sie ist froh, dass das historische Inventar endlich wieder am historischen Ort im Ostflügel der Eremitage zu finden ist.

Sabine Heym nennt es ungewöhnlich, dass die eigentlichen Arbeitsräume, schlicht und ohne jeden Schmuck gleich neben den Repräsentationsräumen wie dem prunkvollen Marmorsaal, dem reich ausgestatteten Musikzimmer oder dem japanischen Kabinett mit seinen vielen Lacktafeln zu finden sind. Doch auch hier gibt es eine Verbindung, denn viele der kunstvollen Lacktafeln hat Wilhelmine zumindest entworfen, vielleicht sogar selbst angefertigt. Eine entsprechende eigenhändige Signatur der Markgräfin hat Peter Krückmann auf einer der bunten Tafeln, die heute von unschätzbarem Wert sind, schon entdeckt. Auch wenn die Signatur mit bloßem Auge kaum zu erkennen ist, für Krückmann stellt die Tafel eine absolute Sensation dar.

Zumindest ein Originalbild von Wilhelmine ist auch in den neuen Räumen auf einer Staffelei zu sehen. „Sie hat auch selbst zum Pinsel gegriffen und war eine echte Farbfanatikerin“, so Thomas Rainer, Sprecher der Schlösserverwaltung. Das Pastellbild aus den Händen der Markgräfin wurde erst vor einigen Jahren auf dem Kunstmarkt entdeckt und von der Schlösserverwaltung in Ansbach angekauft.

Das Alte Schloss der Eremitage ist nur noch bis zum 15. Oktober geöffnet, bis Ende September täglich von 9 bis 18, vom 1. bis zum 15. Oktober von 10 bis 16 Uhr. Über die Wintermonate ist das Alte Schloss nicht zugänglich, erst im März öffnen die Räume wieder.

Die Präsentation der neuen Räume bildete zugleich den Auftakt der 10. Bayreuther Residenztage an den beiden Wochenenden  13. und 14. sowie 20. und 21. September, bei denen alle Besucher in Vorträgen, Workshops, Konzerten und Themenführungen mehr über die Welt der Markgräfin Wilhelmine erfahren können.

Bilder:
1. Christine Maget, die Leiterin der Schloss und Gartenverwaltung Bayreuth betrachtet einige Bilder, die in den ehemaligen Arbeitsräumen der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth hängen.
2. Hier zogen sich die Markgrafen des Bayreuther Hofes zurück, wenn sie des Repräsentierens müde geworden sind: der Innenhof des Alten Schlosses der Eremitage in Bayreuth.
3. Eine echte Sensation: Peter Krückmann von der Schlösserverwaltung zeigt ein Bild, das die Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth gemalt hatte und das vor wenigen Jahren auf dem Kunstmarkt in Ansbach entdeckt wurde.
4. Hier spielte die Markgräfin Cembalo: das Musikzimmer im Ostflügel des Alten Schlosses der Eremitage in Bayreuth.

5. Viele der Lacktafeln im japanischen Kabinett des Alten Schlosses der Eremitage in Bayreuth hat Markgräfin Wilhelmine selbst entworfen, vielleicht sogar gefertigt.


 

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30.08.2014

Kultursommer Goldkronach: Swing, Schlager und Sau am Spieß /
Big-Band der Zollkapelle musizierte zu Gunsten des Albert-Schweitzer-Hospizes

Goldkronach. „In the Mood“, „A String of Pearls“, „Quando, Quando“, „Moon River“ oder „Liebeskummer lohnt sich nicht“: Beim Open-Air-Konzert der Big-Band der Zollkapelle aus Nürnberg  im Barockgarten von Schloss Goldkronach zogen die Musiker am Samstagabend alle Register. Veranstalter des Benefizkonzerts zu Gunsten des Albert-Schweitzer-Hospizes in Bayreuth war das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach.

Die Zollkapelle gilt als ein ganz besonderer Sympathieträger der Bundesfinanzdirektion Südost. Die musikalische Einheit des Zolls hat sich seit ihrer Gründung 1956 durch beinahe unzählige Auftritte einen Namen gemacht. Bei Messen, an Tagen der offenen Tür, Kurkonzerten, internen Veranstaltungen des Zolls und immer wieder auch mit Benefizkonzerten unterhalten die Musikerinnen und Musiker ihr Publikum auf hohem musikalischem Niveau. In Goldkronach konzertierte die Big-Band der Zollkapelle nach 2012 bereits zum zweiten Mal.

Und das mit einer Perfektion die ihresgleichen sucht. Ob jazzig oder im James-Last-Sound, ob Schlager der 50er und 60er oder moderne Klänge, hier sind hochprofessionelle Musiker am Werk, die eigentlich gar keine Profis sind. Die Mitglieder der Formation sind, anders als bei der Bundeswehr, keine Berufsmusiker. Trotzdem ist die absolute Professionalität das Markenzeichen der Kapelle, die neben den typischen Swing-Klängen auch Schlager, Oldies und Jazz-Standards im Repertoire hat. Der Klangkörper tritt regelmäßig in ganz Nordbayern und auch darüber hinaus auf. Sogar bei internationalen Engagements ist die Kapelle gern gehört und gesehen und begeistert immer wieder ihr Publikum.

„Die Zollkapelle vereint Musiker aus Leidenschaft, die tagtäglich den anspruchsvollen Dienst als Zollbeschäftigte nachgehen“, sagte der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk stellvertretend für das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum. Mit dem Präsidenten der Bundesfinanzdirektion Südost Jürgen Hartlich konnte er unter anderem einen der obersten Repräsentanten des Zolls beim Goldkronacher Kultursommer begrüßen.

Hier spielten die Zöllner zu Gunsten des Albert-Schweitzer-Hospizes in Bayreuth, einer Einrichtung, die sich der Pflege sterbender Menschen widmet. Unheilbar kranke Personen sollen dort in ihrer letzten Lebensphase eine respektvolle, umfassende und kompetente Betreuung erfahren. Das Hospiz wird in Form einer gemeinnützigen GmbH vom Diakonischen Werk zusammen mit dem Hospizverein und der Hospizstiftung betrieben. Zehn Prozent des Etats müssen über Spenden erwirtschaftet werden. Damit möchte der Gesetzgeber unter anderem verhindern, dass ein Hospiz mit Gewinnabsichten betrieben werden könnte. Und genau um dieses Geld aufzutreiben, leistete die Goldkronacher Swing-Night einen wichtigen Beitrag.

Sehen lassen konnte sich am Samstag aber auch das Rahmenprogramm des Kulturforums. Vor allem das gigantische Barockfeuerwerk, das Niklas Stoeber zusammen mit Tobias und Patrick Stoeber sowie Thomas Hagen aus Pegnitz arrangieren hatte, war ein ganz besonderer Glanzpunkt. Nicht nur das Schloss, die ganze Stadt tauchten die farbenprächtigen Raketen in ein ganz besonderes Licht.

Bilder:
1. Die Big-Band der Zollkapelle vor dem Alexander-von-Humboldt-Denkmal in Goldkronach.
2. Hospiz-Initiator und Pfarrer Jochen Fähler, Hospizleiterin Angelika Eck, Mitarbeiterin Stefanie Hellbach und der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk (von links) beim Benefizkonzert zu Gunsten des Albert-Schweitzer-Hospizes in Bayreuth.

3. Ein gigantisches Barockfeuerwerk hatte Niklas Stoeber aus Pegnitz für den Goldkronacher Kultursommer initiiert.

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10.08.2014

Klangschön und stimmgewaltig: Liebe, Lust und Lebensfreude / Alexander-von-Humboldt-Kulturforum und Festival Junger Künstler präsentierten Chöre aus China und Portugal

Goldkronach. Zwei weltweit tätige und vielfach preisgekrönte Chöre machten am frühen Sonntagabend Station in Goldkronach: der Chor der Fudan Universität aus Shanghai und der Tuna-Chor der technischen Universität Lissabon. Die beiden Chöre, die Teilnehmer des 64. Festivals Junger Künstler in Bayreuth sind, könnten vom Charakter her gegensätzlicher nicht sein. Gemeinsam sind ihnen die Klanggewalt und die packende Präsentation der Klangkultur ihres Landes.

Veranstalter des außergewöhnlichen Konzertes war das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach. Im dortigen Garten fand das Konzert aufgrund der unsicheren Wetterlage und der vorliegenden Gewitterwarnung allerdings nicht statt, die Veranstalter waren kurzerhand in die Stadtkirche ausgewichen. Nachdem das Wetter aber dann doch aushielt, hatte sich der portugiesische Chor dann aber doch kurzerhand auf den Stufen vor der Kirche aufgebaut und zumindest sein Auftritt wurde doch noch zum Open-Air-Konzert.

Zuvor gab es traditionell chinesische als auch westliche Lieder und Musikstücke mit dem Chor der renommierten Fudan-Universität. Populäre Lieder ihres Landes über die Heimat und über die Liebe gehören zum Standardrepertoire des 20 Sängerinnen und Sänger starken Klangkörpers, der mit drei Instrumentalisten angereist war. Neben einem E-Piano waren es drei eigenwillige, typisch chinesische Instrumente, wie der Bambusflöte mit dem Namen Dizi, einem mandolinenähnlichen Zupfinstrument mit dem Namen Liuqin und einer Art Geige mit zwei Saiten, die Erhu genannt wird. Sämtliche dieser Instrumente wurden von den Musikerinnen  auch solistisch dargeboten.

Die traditionellen Lieder trugen dabei Namen wie „Die wunderschöne Weite“, gemeint ist die Weite der Tundra, oder einer Romanze, die zwar die typischen fernöstlichen Tonfolgen enthielt, aber auch etwas an die Violinsonaten Ludwig van Beethovens erinnerte. Für Aufsehen sorgten allerdings mehr die bekannten Songs, etwa in einem traditionellen Medley amerikanischer Spirituals oder das mexikanische „La Cucaracha“. Dann forderten die Sängerinnen und Sänger das Publikum auf, mit ihnen gemeinsam durch den Seiteneingang der Stadtkirche zum Hauptportal auszuziehen und zum Hauptportal zu gehen, wo sich bereits der portugiesische Chor postiert hatte.

Viele Musikfreunde erinnerten sich noch an das vergangene Jahr, als der „Tuna Universitaria de Instituto Superior Tecnico“, so heißt der Chor offiziell, schon einmal in Goldkronach gastierte und seine Lieder vom portugiesischen Lebensgefühl, von Sehnsucht, Liebe und Emotionen zum Besten gab. Die 26 jungen Männer, alle Studenten und Absolventen der technischen Universität Lissabon  kommen aus allen Teilen Portugals und gelten als eine der bekanntesten auf die Tradition des Fado spezialisierten Klangkörper des Landes.  Ihr Fado-Gesang handelt von Sehnsüchten, Heimweh, von unglücklicher Liebe, vergangenen Zeiten und der Sehnsucht nach besseren Zeiten. Nach Goldkronach hatte die Formation allerdings eher die lustigen Lieder mitgebracht, in denen es um überschäumende Lebensfreude, um das Studentenleben und um Lust und Liebe geht.

In eigenwilliger Besetzung mit vielen Gitarren und Mandolinen, einem Kontrabass, einen Akkordeon, einiger Schlag- und Rhythmusinstrumenten sowie den prägnanten Stimmen gelang es dem Zusammenschluss hervorragend, das Publikum mitzunehmen und die Freude an der Musik zu übertragen.  Für besonderes Aufsehen sorgten auch diesmal die tänzerischen und akrobatischen Einlagen einiger Chormitglieder Vor allem die gekonnten Spagatsprünge sollten das Publikum immer wieder zu wahren Begeisterungsstürmen hinreißen.

 „Wenn wir nach Goldkronach kommen, dann kommen wir nach Hause“, hatte die Intendantin des Festivals Sisi Thammer zur Begrüßung verkündet und viele Besucher aus der Stadt freuten sich, dass Goldkronach einmal mehr Teil des Festivals Junger Künstler war. Initiator des Konzertes war das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum mit seinem Gründungsmitglied, dem Bundesbeauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten  Hartmut Koschyk. Der Abgeordnete hatte den Chor vor Jahren bei einem Besuch in Lissabon entdeckt und den jungen Sängern das Festival Junger Künstler in Bayreuth empfohlen. Tatsächlich hatte sich der außergewöhnliche Chor beworben und ist bereits im vergangenen Jahr zum ersten Mal auch eingeladen worden.

Das 64. Festival Junger Künstler in Bayreuth dauert noch bis zum 31. August. Heuer nehmen exakt 288 junge Leute aus 34 Nationen daran teil. Insgesamt stehen über 80 Konzerte, Symposien, Workshops und Events auf dem Programm.

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01.08.2014

Kirchenmusik und Kameras  / Landkreis zeichnete Pegnitzer Kantorei unter Jörg Fuhr und Trockauer St.-Thomas-Chor unter Ottmar Schmitt aus – Förderpreis für Deutsches Kameramuseum Plech

Bayreuth. „Wer in Pegnitz in der Kantorei ist, der braucht kein anderes Hobby mehr, denn dafür hätte er ohnehin keine Zeit.“ Dekanatskantor Jörg Fuhr brachte es in seiner Dankesrede augenzwinkernd auf den Punkt, was die hohe Qualität der Kantorei St. Bartholomäus ausmacht. Weil das genauso auch für den St.-Thomas-Chor und seinen Leiter Ottmar Schmitt aus Trockau gilt, wurden beide mit dem Kulturpreis des Landkreises ausgezeichnet. Landrat Hermann Hübner  überreichte die beiden mit zusammen 3000 Euro dotierten Preise beim Landkreisempfang an die beiden Chorleiter. Der Kulturförderpreis ging an das Deutsche Kameramuseum in Plech, initiiert  durch die „Stiftung Kameramuseum Kurt Tauber“ und vertreten durch den „Förderverein Deutsches Kameramuseum in Plech“.

Die Pflege der Kirchenmusik genießt seit jeher in Pegnitz als Mittelpunkt zwischen den Musikstädten Bayreuth und Nürnberg einen hohen Stellenwert. So ist es kein Zufall, dass mit der Kantorei unter Jörg Fuhr und dem St.-Thomas-Chor unter Ottmar Schmitt zwei Formationen geehrte wurden, die den Namen von Pegnitz, beziehungsweise von Trockau, weit in die Welt hinaus tragen.

„Die Kantorei St. Bartholomäus Pegnitz mit ihrem Leiter Jörg Fuhr ist als Botschafter der Stadt Pegnitz und unseres Landkreises, weit über die Grenzen hinaus bekannt, Garant für hohes musikalisches Niveau und leistet einen bedeutenden Beitrag zur kulturellen Lebendigkeit in unserer Region“, sagte Landrat Hübner. Die Liebe zum Chor und zur Kirchenmusik stellten die Sängerinnen und Sänger schon dadurch eindrucksvoll unter Beweis, dass sie der Kantorei oft über Jahrzehnte die Treue halten. Dekanatskantor Fuhr leiste eine engagierte, weit über das normale Maß hinaus gehende kulturelle Arbeit, indem er jährlich zwei Oratorienaufführungen und mehrere Konzerte im Dekanat engagiert, sowie den Gospelchor „Bartl Singers“, den Posaunenchor und Kinderchöre für verschiedene Altersgruppen leitet. Fuhr ist außerdem Bezirkschorleiter für die Posaunenchöre des Dekanats.

Noch relativ jung ist dagegen der St.-Thomas-Chor aus Trockau. Diese Formation wurde von ihrem Leiter Ottmar Schmitt 1989 gegründet. Schmitt habe sich mit Ablegung der D- und schließlich der C-Prüfung ein fundiertes musikalisches Wissen erworben, das er seitdem mit einer ansteckenden Begeisterung an die Chormitglieder weitergibt. „Ottmar Schmitts Können, aber vor allem seine Leidenschaft  für die Musik tragen entscheidend zum hohen musikalischen Niveau des St.-Thomas-Chores bei“, sagte Landrat Hübner. Immer wieder bearbeite Schmitt Noten, die er aus alten Archiven ausgegraben hat und die darauf warten neu geweckt zu werden. Als Beispiel dafür nannte der Landrat die Aufführung der seltenen Humboldt-Kantate von Felix Mendelssohn Bartholdy im September des vergangenen Jahres, die der Bundestagsabgeordnete und Kreisrat Hartmut Koschyk angeregt hatte.

Ottmar Schmitt und der St.-Thomas-Chor hatten bereits im Jahr 2001 den Kulturförderpreis des Bayreuther Landkreises erhalten. Diesmal ging der Förderpreis zwar ebenfalls in den südlichen Landkreis, aber nicht an eine musikalische, sondern museale Einrichtung. Als Förderpreisträger wurde das Deutsche Kameramuseum in Plech ausgezeichnet. Den Preis nahm Karlheinz Escher, Bürgermeister von Plech und gleichzeitig Vorsitzender des Fördervereins  für den erkrankten Museumsinitiator Kurt Tauber entgegen. Tauber habe mit der nach ihm benannten Stiftung die Gründung dieser einmaligen Einrichtung in Plech ermöglicht, die inzwischen weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt ist und einen ausgezeichneten Ruf genießt, sagte Landrat Hübner. Nach Auskunft von Fachleuten gilt das Museum als größte Einrichtung dieser Art in Deutschland. Zu sehen sind rund 15000 Exponate rund um die Fotografie, historische Fotos und Filme, Großbild- und Studiokameras, ein komplettes Fotofachgeschäft aus den 1950er Jahren sowie Reminiszenzen an die fränkische Fotoindustrie mit den Marken Franka, Foto-Quelle, Porst und Braun.

Bilder:
1. Landrat Hermann Hübner, Jörg Fuhr.
2. Landrat Hermann Hübner Ottmar Schmitt.
3. . Landrat Hübner und Karlheinz Escher, Bürgermeister von Plech und gleichzeitig Vorsitzender des Fördervereins Deutsches Kameramuseums.

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27.07.2014

Universalgelehrter und Literat: Alexander von Humboldt traf auf Jean Paul / Fiktive Begegnung als Wamdertheater in Goldkronach uraufgeführt

Goldkronach. Was wäre wenn? Fiktive Begegnungen berühmter Persönlichkeiten gibt es in der Literatur einige. Mit dem Universalgelehrten Alexander von Humboldt (1769 – 1859) und dem Dichter Jean Paul (1763 – 1825) gibt es nun eine neue Spitzenbegegnung zweier Persönlichkeiten, die sich die Bayreuther Kulturschaffenden Karla Fohrbeck und Frank Piontek ausgedacht hatten und die von der Regisseurin Marieluise Müller gekonnt in Szene gesetzt wurde. Am Sonntag wurden die vier Szenen in Form eines Wandertheaters an vier verschiedenen Stationen mit großem Erfolg in Goldkronach uraufgeführt. Initiator war das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach.

Theoretisch hätten sie sich eigentlich begegnen können, sowohl zeitlich als auch räumlich wäre das möglich gewesen. Trotzdem ist nichts überliefert, dass darauf hinweist, ja nicht einmal, dass sich beide überhaupt gekannt hätten. So setzt Frank Piontek seine vier Spielszenen ohne Zeit und Raum an und lässt beide Hauptakteure auf ihr irdisches Leben zurückblicken und ihr Wirken einordnen, das zwar von gegenseitigem Respekt und von Bewunderung geprägt ist, aber auch die unterschiedlichen Charaktere deutlich werden lässt. Als ein Ergebnis der fiktiven Begegnung ist festzuhalten: beide sind erstaunt, dass sie von der Nachwelt so geschätzt und verehrt werden.

Dem Produktionsteam ist es zu verdanken, dass sämtliche Rollen erstklassig mit bekannten Akteuren der Bayreuther Studiobühne besetzt wurden: mit Wolfgang Ster als Alexander von Humboldt und  Marcus Leclaire als Jean Paul. Michaela Bachhuber spielte die Rolle des kommentierenden Engels und die Flötistin und Cellistin Sybille Fritz umrahmte die Szenen gekonnt musikalisch.

Aufführungsorte waren im ersten Bild der wunderbar sakrale Raum der Stadtkirche, dann setzte sich der Tross aus Mitwirkenden und Publikum zum benachbarten Gasthof „Alexander von Humboldt“ in Bewegung, wo sich Humboldt und Jean Paul, wie könnte es anders sein, zu einem Bier trafen. Die eindrucksvollste und auch witzigste Szene spielte dann an der Humboldt-Büste auf der Terrasse des Goldkronacher Schlosses, ehe die fiktive Begegnung mitten im Goldkronacher Bergbaumuseum endete.

Alexander von Humboldt habe im Fichtelgebirge Großes geleistet, sagte der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, der zu den Gründern des Kulturforums gehört  und der mit den Veranstaltungen des Forums Goldkronach mittlerweile zu einer kleinen Kunst- und Kulturmetropole im Bayreuther gemacht hat. Koschyk erinnerte an die fünf überaus erfolgreichen Jahre Alexander von Humboldts in Franken, von denen unter anderem sein Erfindungsreichtum, seine wissenschaftliche Tätigkeit und sein Einsatz für den Goldbergbau in Erinnerung geblieben seien. Alexander von Humboldt war von 1792 bis 1797 als Bergwerkinspektor und Königlicher Oberbergmeister in den beiden Fürstentümern Brandenburg-Bayreuth und Brandenburg-Ansbach tätig. Fachleute sind sich einig, dass alle seine späteren wissenschaftlichen Arbeiten hier ihren Anfang genommen haben.

Fast sein ganzes Leben lang verbrachte dagegen der Dichter Jean Paul, geboren in Wunsiedel, gestorben in Bayreuth, in der Region. Wer Jean Paul gelesen hat, der weiß, dass die Gegend um Bad Berneck, Goldkronach und Bindlach in mehrfacher Weise literarisch verewigt wurde. Die fiktive Begegnung war eingebettet in eine ganze Reihe von Aktivitäten wie mehreren Auftritten der Biedermeier-Tanzgruppe aus Bad Steben (genauso wie Goldkronach auch eine Alexander-von Humboldt- und eine Jean-Paul-Stadt) unter der Leitung von Kathrin Grießbeck und der Drehorgelspielerin Daniela Weber,

Christian Kreipe vom Naturpark Fichtelgebirge hatte eine Johann-Helfrecht-Ausstellung in das Goldkronacher Rathaus gebracht. Der Pädagoge Helfrecht (1753 – 1819)war ein Lehrer Jean Pauls. Außerdem war eine ganze Reihe von Wanderern unter der Leitung der Geopark-Rangerin Isabelle Stickling und Bad Bernecks 2. Bürgermeister Alexander Popp aus Bindlach und Bad Berneck aufgebrochen, um das Goldkronacher Humboldt-Spektakel mitzuerleben.  Hermann Deinlein vom Fichtelgebirgsverein hatte außerdem eine Rundwanderung um Goldkronach angeboten. Zur Kunst- und Kulturmetropole Goldkronach gehört untrennbar schließlich auch das Atelier von Andrea und Volker Wunderlich im Alten Feuerwehrhaus, die dort einiger ihrer Werke zeigten.

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24.07.2014

„Wunderbare Botschafter Kulmbachs“
Stadtkapelle stimmte mit großer Serenade auf die Bierwoche ein

Kulmbach. Es war keine Serenade, es war ein komplettes Konzert mit dem die Stadtkapelle Kulmbach ihr Publikum am Donnerstagabend traditionell auf die Bierwoche eingestimmt hat. Kein Standkonzert, sondern ein hochklassiges Open Air, umsonst und draußen, das zeitweise mehrere hundert Zuhörer auf dem Marktplatz und rundum in der Gastronomie verfolgten.

Die einen mit einem Eisbecher, die anderen mit einem Cappuccino , wieder andere mit einem Weißbier. Wenn sich viele einen Campingstuhl mitnahmen, dann zeigt das, dass sie schon öfter die Serenaden der Stadtkapelle erlebt haben. Diesmal zwei Stunden lang, fast bis in die Dunkelheit hinein erfüllte der Klangkörper die Innenstadt mit seinen perfekt einstudierten Klängen.

„Das einzige, was plätschert ist der Brunnen“, sagte Dirigent Thomas Besand in Anspielung auf das vergangene Jahr, bei dem es bereits während des zweiten Stücks zu regnen begonnen hatte. Diesmal war keine Regenwolke in Sicht und so gab es das ganz große Programm.

Traditionelle Märsche und Polkas, wie der Laridah-Marsch von Max Hempel oder die Antonia-Polka von Franz Watz, gehören genauso dazu, wie breite Symphonik mit Bela Kelers Lustspielouvertüre oder große Oper mit bekannten Arien und Chören von Giuseppe Verdi. Auch der Mega-Hit der Blasmusik, Norbert Gälles Böhmischer Traum, der bekannte Münchner-Kindl-Walzer von Karl Komzak oder ganz Traditionelles wie der Große Kurfürsten-Reitermarsch mit Daniel Richter als Solisten an der Trompete hatte die Stadtkapelle im Gepäck.

Eine Überraschung machten der Stadtkapelle Jörg Naumann, Michael Pfitzner und Günter Heidenreich vom Lions-Club Bayreuth-Kulmbach. Sie hatten einen Scheck in Höhe von 1000 Euro dabei, mit dem die Kapelle Notenmaterial für den Nachwuchs anschaffen möchte. „Wir unterstützen die Stadtkapelle nicht zum ersten Mal“, sagte Lions-Distrikt-Gouverneur Jörg Naumann bei der Übergabe des Schecks an den Vorsitzenden Roland Jonak und an Dirigent Thomas Besand.

Die Stadtkapelle sei aus dem kulturellen Leben Kulmbachs nicht mehr wegzudenken, so Michael Pfitzner, und weiter: „Ohne Stadtkapelle kein richtiges Bierfest.“ Auch Oberbürgermeister Henry Schramm hatte Komplimente im Gepäck: „Ihr gehört untrennbar zu unserer Stadt“, so Schramm zu den Musikern, die er als wunderbare Botschafter Kulmbachs bezeichnete. Dirigent Thomas Besand nannte das kulturelle Engagement des Lions Club eine großzügige Geste. „Wir freuen uns, dass unser Engagement so angenommen wird“, sagte er.

Bilder:
Die Stadtkapelle Kulmbach bei der traditionellen Bierfestserenade am Donnerstagabend auf dem Marktplatz (oben).

Mit 1000 Euro für neues Notenmaterial überraschte der Lions-Club die Stadtkapelle (von links): Günter Heidenreich, Henry Schramm, Michael Pfitzner, Thomas Besand, Roland Jonak und Jörg Naumann (unten).

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20.07.2014

Tosca im Donnergrollen / Ljubka Biagioni zu Guttenberg dirigierte zum Abschluss der Plassenburg Open Airs das Sofia Philharmonic Orchestra

Kulmbach. Dem Regentanz zum Trotz: nicht ein Tropfen war gefallen, beim Klassik-Open-Air am Sonntagabend auf der Plassenburg. Und das, obwohl Ljubka Biagioni zu Guttenberg und ihr Sofia-Symphonics-Orchester so mutig waren, den Regentanz des bulgarischen Komponisten Marin Goleminov aufzuführen.

Fast auf den Tag genau ein Jahr nach ihrem Debüt auf der Plassenburg setzte die prominente Dirigentin am Sonntag zum zweiten Heimspiel an. „Jetzt bin ich auch musikalisch in Oberfranken angekommen“, sagte sie mit Blick auf das Plassenburg-Open-Air im Interview. Zusammen mit dem Sofia Philharmonic Orchester, dem Chor „Svetoslav Obretenov“ und den Solisten Marta Torbidoni (Sopran), Sarah Ferede (Mezzosopran), Michail Michailov (Tenor) und Vladimir Sazdovski (Bariton) trat die Musikerin zum Abschluss der Freilichtkonzerte auf und überraschte ihr Publikum erneut mit einer ganz ungewöhnliche Programmkonstellation.

„Die Plassenburg hat ein ganz besonderes Ambiente“, sagte die Dirigentin mit italienisch-bulgarischen Wurzeln. Der schöne Hof sei groß und repräsentativ, aber auch gemütlich. Und damit genau das Richtige für eine „Best-of-Classic“-Programm, was bei einem sommerlich leichten Open-Air-Konzert auch völlig in Ordnung ist.

Wenn da nicht der dunkle Himmel und die schlechten Wetteraussichten gewesen wären. Schon eine halbe Stunde vor Beginn machte sich bei den Veranstaltern Nervosität breit. Regenponchos lagen bereit und die Technik verschanzte sich vorsichtshalber schon mal hinter dicken Planen. Punkt 20 Uhr hebt Ljubka Biagioni, Ehefrau des Dirigenten Enoch zu Guttenberg, den Taktstock zu Peter Tschaikowskys wundervollem Capriccio Italiano.

Später wird sie in ihrer charmanten Art verkünden: „Wir müssen auf die Pause verzichten, es sei denn, sie wollen nass werden.“ Und so bleiben die Steaks und Bratwürste auf dem Grill liegen und das Orchester zieht unter der Stabführung der Dirigentin das Programm im Eiltempo durch. Die Arie „E lucevan le stelle“ aus Puccinis Tosca, meisterhaft interpretiert von dem Tenor Michail Michailov, ein Chor aus Puccinis Madame Butterfly, eine Arie aus Verdis Macbeth, eindrucksvoll gesungen von Sarah Marta Torbidoni und die Habanera aus Bizets Carmen, lupenrein intoniert von der Mezzosopranistin Sarah Ferede.

Auch Abstriche am ursprünglich geplanten Programm werden gemacht, als man meint, ein Donnergrollen aus der Ferne zu vernehmen und sich der Himmel zusehends verfinstert. Ljubka Biagioni verzichtet auf die für sie typischen Ansagen und entschuldigt sich: „Es ist nicht so, dass wir unhöflich sein wollen und ihren Applaus nicht annehmen, aber wir möchten nicht, dass sie nass werden“, sagt sie und blickt besorgt nach oben. Die große Ensembleszene aus Verdis La Traviata erklingt trotzdem in einer solchen Perfektion, wie man sie aufgrund der äußeren Umstände nie erwartet hätte.

Am Ende bleibt es allen Vorhersagen zum Trotz trocken und außer einigen wenigen Windstößen konnte nichts dem Open-Air etwas anhaben. Da stand auch zwei Zugaben nichts im Wege, zumal die über 1000 Besucher die Musiker gar nicht mehr von der Bühne lassen. Ljubka Biagioni liebt die große Geste und da muss es schon Beethovens Schlusschor aus der 9. Sinfonie mit allen vier Solisten und dem großen Chor sein, dem sie auch noch das Trinklied aus La Traviata draufsetzt.

Bilder:
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Das hat man selten, den Schlusschor aus Beethovens 9. Sinfonie als Zugabe mit dem Sofia Philharmonic Orchester und Chor sowie den Solisten Marta Torbidoni, Sarah Ferede, Michail Michailov und Vladimir Sazdovski unter der Leitung von Ljubka Biagioni zu Guttenberg.
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Zusammen mit dem Sofia Philharmonic Orchestra gastierte Ljubka Biagioni beim Open Air im Schönen Hof der Kulmbacher Plassenburg.
- Banger Blick gen Himmel: das Donnergrollen glaubte man schon zu vernehmen, doch am Ende blieb es trocken.

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19.07.2014

Spider Murphy back to the roots / Umjubeltes Konzert mit den bayerischen Rock´n Rollern auf der Plassenburg

Kulmbach. Kaum zu glauben, eine echte Rock`n Roll Band wie die Spider Murphy Gang kann auch ein Akustik-Konzert geben, unplugged und ohne Strom spielen. Naja, so ganz stimmt das freilich nicht mit dem Strom, aber Frontman Günther Sigl und seine fünf Musiker hatten zu ihrem schon lange vorher ausverkauften Auftritt am Samstagabend auf der Plassenburg ausschließlich akustische Instrumente mitgebracht, das heißt vor allem keine E-Gitarren. Der Auftritt war aber trotzdem genauso dynamisch und mitreißend wie viele andere Auftritte auch, von denen es in den zurückliegenden Jahren in der Region immer wieder welche zu erleben gab.

Das Open-Air auf der Plassenburg war freilich mehr als ein Konzert. Günther Sigl scherzte zwischen den Songs voller Ironie, nahm sich und die Gang kräftig aufs Korn, schwelgte in den Anfangsjahren der Band und spannte einen großen Bogen von Elvis Presley und Chuck Berry bis hin zu Peter Kraus und Rocco Granata. Das alles brachte er so sympathisch rüber, dass schon allein dieser Part das Eintrittsgeld wert war. Musikalisch sind freilich alle Hits dabei, und da gibt es viele in über 35 Jahren Bandgeschichte.

„Skandal im Sperrbezirk“ von 1981 wurde zum größten Hit der Spider Murphy Gang. Weil das Wort „Nutten“ drin vorkam, wurde es vom Bayerischen Rundfunk damals nicht gespielt. Heute undenkbar. Die ersten Platten der Band „Rock‘n Roll Schuah“ und „Dolce Vita“ hatte jeder im Schrank oder auf Kassette. Die Münchner Band setzte auf bayerische Mundart zu Rock‘n’Roll, ein absolutes Novum so um das Jahr 1980 herum.

Und so steppten auch am Samstagabend die „Rock´n Roll Schuah“, bei tropischen Temperaturen schwärmte man vom „Sommer in der Stadt“ und vom „Kastanienbaum“, mit „Peep Peep“ gab es eine Reminiszenz an die Neue Deutsche Welle. Günther Sigl sang „Pfüati Gott, Elisabeth“ und widmete den Song „Die schöne Münchnerin“ dem Schauspieler Helmut Fischer. Man kennt sie einfach alle, die Lieder der Spider Murphy Gang, und so springt, wenn auch etwas verzögert, der Funke über, 1400 Zuschauer wippen im Takt, klatschen, jubeln, tanzen Rock´, Roll und feiern die Spiders.

Neben all den Hits gab es am Samstagabend aber vor allem auch die Klassiker des Rock´n Roll, die von besonderem Einfluss auf die Band waren. Und da gibt es viele, Hank Wiliams, Chuck Berry und natürlich Elvis Presley, aus dessen Song Jailhouse Rock der Bandname stammt. „Ganz besonders die Stücke von Elvis lassen sich sehr gut unplugged verarbeiten“, sagt Günther Sigl. Songs wie „That´s alright Mama“ oder Johnny B. good“ durften deshalb freilich nicht fehlen. Schließlich dürfe man nicht vergessen, dass der Rock´n Roll am Anfang gar nicht so elektrisch war. Damals seien ja lediglich die Gitarren verstärkt worden. Deshalb sei der Abend immer auch ein Stückweit „back to the roots“.

Gegründet hatte die Band Günther Sigl bereits 1977 zusammen mit dem Gitarristen Barny Murphy, der eigentlich Gerhard Gmell heißt. Er reißt noch immer seine Witze, kommentiert trocken die Moderation von Günther Sigl und raucht auch gerne mal eine Zigarette auf offener Bühne. Das ist wirklich selten geworden. Die Gründungsmitglieder Michael Busse (Keyboard) und Franz Trojan (Schlagzeug) sind dagegen schon lange nicht mehr dabei. Letzterer, viele wissen es noch, war nicht nur der erste Schlagzeuger der Spider Murphy Gang, sondern auch gebürtiger Kulmbacher. Komplettiert wurde die Band mittlerweile mit dem Gitarristen Willie Duncan, Otto Staniloi am Saxophon, Paul Dax am Schlagzeug und Ludwig Seuss am Piano. Letzterer ist nicht nur ein ausgezeichneter Pianist, sondern auch ein vielseitiger Musiker, was er solo und ganz alleine auf der Bühne nach der Pause eindrucksvoll mit einem rasanten Boogie-Woogie unter Beweis stellt.

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02.07.2014

Opernreformator aus der Oberpfalz / Sonderpostwertzeichen zum 300. Geburtstag von Christoph Willibald Gluck vorgestellt

Erasbach. An seinem Denkmal unweit des Geburtshauses in Erasbach bei Berching ist am Mittwoch die Sonderbriefmarke zum 300. Geburtstag des Komponisten Christoph Willibald Gluck vorgestellt worden. Der Gluck-Freundeskreis und die Stadt Berching, zu der Erasbach gehört, feierten den runden Geburtstag  mit einem kleinem Bürgerfest und einem Festkonzert in der Kirche Maria Heimsuchung.

Im Ortsteil Erasbach wurde Christoph Willibald Gluck 1714 geboren und im benachbarten Weidenwang getauft. So jedenfalls ist es Stand der Dinge, noch vor wenigen Jahrzehnten ging die Musikwelt von Weidenwang als Geburtsort aus. Ein „Berchinger“ ist Christoph Willibald Gluck erst seit 1972 mit der Gemeindereform geworden. Doch nach den Worten des Musikwissenschaftlers und renommierten Gluck-Experten Gerhard Croll aus Salzburg, ist es gar nicht entscheidend, wo er geborgen wurde. Wichtig sei es vielmehr, dass Gluck Teil unserer Heimat und Teil der Metropolregion Nürnberg ist.

Heute werde in allen Ortsteilen an den großen Sohn der Gemeinde gedacht, sagte der Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, der Bundestagsabgeordnete  Hartmut Koschyk (Bild links) aus Bayreuth. So hätten beide Orte ihr Denkmal: Erasbach eine Steinstele und Weidenwang eine gegossene Büste des Komponisten auf einem Steinsockel. Wer mehr über Christoph Willibald Gluck erfahren möchte, sei es seine Geburt, die Herkunft der Familie aber auch den weiteren Lebensweg und seine Bedeutung als Komponist von europäischem Rang, der könne dies auf einem eigens angelegten Rundwanderweg, der mit zehn Informationstafeln ausgestattet ist, selbst erwandern.

Christoph Willibald Gluck gehöre zu den Persönlichkeiten, die durch ihr Schaffen oder ihre Wirkung auf die Menschen die geschichtliche und gesellschaftliche Entwicklung weit über die Grenzen unseres Landes hinaus nachhaltig beeinflusst haben, sagte Koschyk. Er würdigte den Komponisten als einen der bedeutendsten Söhne der Oberpfalz und Bayerns. Gluck zähle zu den herausragende Persönlichkeiten in der europäischen Musikgeschichte und sei als „der große Opernreformator des 18. Jahrhunderts” weltweit anerkannt. Gluck habe Bühnenwerke geschaffen, die von traditionellen Operntypen bis hin zur Erneuerung des französischen Musikdramas reichen und durch seinen individuellen Kompositionsstil geprägt sind.

„Unser Ziel ist es, Gluck modern und erlebbar zu machen“, sagte die Vorsitzende des „Freundeskreises Christoph Willibald Gluck e.V.“ Ursula Lindl. Wenn es schon zwei Geburtshäuser und zwei Denkmäler gebe, dann gebe es aber auch einen Weg, der die beiden Orte Erasbach und Weidenwang miteinander verbindet, so der Berchinger Bürgermeister Ludwig Eisenreich. Die Sonderbriefmarke schlage ein neues Kapitel auf, um Christoph Willibald Gluck noch bekannter zu machen, so der Landrat von Neumarkt in der Oberpfalz Willibald Gailler.

Hans Peter Schmidt, Aufsichtsratsvorsitzender der Nürnberger Versicherungsgruppe, nannte Gluck das musikalische Gesicht der Metropolregion Nürnberg. Nordbayern sei eine Kulturregion ersten Ranges, die noch viel stärker als bisher mit ihren Pfunden wuchern sollte. Neben Persönlichkeiten wie Albrecht Dürer Jean Paul oder Alexander von Humboldt sei Gluck gehöre Christoph Willibald Gluck unbedingt zu den kulturellen Aushängeschildern.

Herausgeber der Sondermarke ist wie bei allen deutschen Briefmarken das Bundesfinanzministerium. Verkauft werden die Marken in Lizenz von der Deutschen Post. Die Sondermarke zeigt das Wort Oper in den Gläsern einer zeitgenössischen Opernbrille, Darunter ist ein Scherenschnittprofil von Christoph Willibald Gluck angebracht. Der Entwurf stammt von dem Grafiker Matthias Beyrow aus Berlin. Die neue Briefmarke mit dem Wert von 90 Cent, was dem Porto eines Kompaktbriefs bis 50 Gramm entspricht ist ab sofort in den Verkaufsstellen der Deutschen Post erhältlich. Die Auflage beträgt 4,8 Millionen.

Eine Vergrößerung der Marke überreichte Koschyk an Bürgermeister Ludwig Eisenreich, wertvolle Ersttagsalben erhielten unter anderem der örtliche Bundestagsabgeordnete Alois Karl, Bürgermeister Eisenreich, Landrat Willibald Gailler, der bedeutende Gluck-Forscher Gerhard Croll aus Salzburg, der Aufsichtsratsvorsitzende der Nürnberger Versicherung Hans-Peter Schmidt sowie die Vorsitzende des Freundeskreises Ursula Lindl.

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31.05.2014

Kraftvoll, klangschön und gekonnt /
Puerto-ricanischer Pianist Samuel Perez eröffnete Himmelkroner Kultursommer

Himmelkron. Was den puerto-ricanischen Pianisten Samuel Peréz auszeichnet, ist die gewaltige Bandbreite seines Repertoires sowie sein unglaubliches pianistisches Können. Was er etwa in George Gershwins Soloversion der „Rhapsody in Blue“ auf engstem Raum an Anschlagsveränderungen bewältigt, wie er jedes schon verhauchende Pianissimo mit einem Decrescendo ins Verstummen führt, das alles hört man selten so intensiv, wie am Samstagabend bei der Eröffnung des Himmelkroner Kultursommers.

Tempokonstanz kennt Perez dagegen nicht unbedingt, er variiert gerne, aber immer im Zusammenhang, schlüssig und nachvollziehbar und für den Zuhörer vor allem ungemein spannend. Auch nach den expressivsten Ausbrüchen setzt er sein Spiel geradezu unberührt fort. Was für Gershwins Rhapsody gilt, das betrifft bei Perez ganz besonders auch die impressionistische Musik eines Claude Debussy oder die donnernden Kompositionen eines Sergej Rachmaninoff. Bei Rachmaninoffs „Glocken von Moskau“, dem Prelude Nr. 3, Nr. 2, arbeitet er die Themen plastisch heraus und beim verträumten Clair de Lune von Debussy zeigt Samuel Perez, dass er seinen Ruf als Supervirtuose nicht umsonst hat.

Kraftvoll, aber nicht unangemessen donnernd, spielt der 61-Jährige am Yamaha-Flügel der Begegnungsstätte an der Autobahnkirche auf. Die Stärke von Samuel Perez ist weniger die akribisch durchdachte Interpretation. Aufgesetzte Effekte in Klang und Diktion hat der Pianist nicht nötig, was etwa seine Interpretation von so populären Kompositionen wie dem Liebestraum von Franz Liszt oder zwei der „Lieder ohne Worte“ von Felix Mendelssohn Bartholdy zeigen.

Rein technisch ist das Spiel des Puerto-Ricaners zweifellos von hoher Qualität. Doch der Pianist möchte mehr. Er moderiert den Abend auf deutsch und vermittelt so immer auch etwas an  musikalischem Wissen an seine Zuhörer. Aber auch damit nicht genug. Zunächst stellt er Franz Liszts „Bagatelle ohne Tonart“ vor, eine vergessene und späte Komposition Liszts. Das Stück ist freilich nicht atonal, wie die Musik Arnold Schönbergs, verläuft aber extrem chromatisch, so dass selbst Experten beim ersten Hören kaum auf Liszt tippen würden. In der Interpretation von Samuel Perez zielt der Pianist auf einen freien deklamierenden Stil ab, und dort, wo Effekte in den Noten stehen, spielt sie Perez auch gerne aus.

Immer wieder fasziniert der virtuoser Zugriff von Samuel Perez bei gleichzeitiger scheinbar außergewöhnlich pianistischer Leichtigkeit, so auch in der Komposition mit dem Titel: „Partita Jibara“ des zeitgenössischen puerto-ricanischen Komponisten Luis Manuel Alvares. Der ist ein Freund von Samuel Perez und genauso wie er an der dortigen Musikhochschule tätig. Nach den Worten des Pianisten erklingt das tonale, fast schon melodiöse Drei-Minuten-Stück zum ersten Mal in Deutschland. Ob Himmelkron damit in die Musikgeschichte eingeht, werden spätere Generationen zu beurteilen haben.

Lebendig, flüssig, drängend, um sein Spiel zu charakterisieren gäbe es viele geeignete Adjektive. Der Pianist besitzt aber in jedem Fall die perfekte Technik, eine glasklare Artikulation und eine beeindruckende Musikalität, so auch bei den beiden Zugaben, Gershwins „That certain feeling“ und des Folksongs „El Coqui“ seines Landsmannes Jose Quinton.

Samuel Peréz studierte und promovierte unter anderem im US-amerikanischen Michigan. Drei Jahre war er Rektor des Konservatoriums von Puerto Rico. Er konzertierte bislang unter anderem in den Vereinigten Staaten, Europa, in der Karibik und in seiner Heimat Puerto Rico. Neben seinem internationalen Repertoire widmet sich Pérez auch immer wieder der Klaviermusik seines Landes. Pérez ist Professor an der Universität von Puerto Rico.

Bürgermeister Gerhard Schneider, der den Kultursommer zuvor offiziell eröffnet hatte, erinnerte am Ende noch einmal daran, dass der Yamaha-Flügel im Begegnungszentrum ausdrücklich dem Pianisten Samuel Perez zu verdanken sei. Perez, der seit vielen Jahren in der Region regelmäßige Kontakte zu Musikfreunden pflegt, hatte zur 725-Jahr-Feier der Gemeinde eine Spendensammlung für ein derartiges Instrument angeregt, nachdem das alte überhaupt nicht mehr zu gebrauchen war, was Perez zugleich amüsant vorführte.

Bild: Liebestraum und Lieder ohne Worte: der puerto-ricanische Pianist Samuel Peréz bei seinem Klavierabend am Samstagabend in Himmelkron.

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30.05.2014

Eifersucht, Intrigen und Liebesleid / Dritte Premiere auf der Naturbühne mit William Shakespeare Komödie „Viel Lärm um nichts“

Trebgast. Liebe und Intrigen stehen im Mittelpunkt von William Shakespeares 1600 erschienen Komödie „Viel Lärm um nichts“. Auch wenn es vier Jahrhunderte sind, sie uns heute von Shakespeares Werk trennen, die Thematik hat doch nichts an Aktualität eingebüßt, so dass der Klassiker als einer der beliebtesten und meist gespielten Stücke Shakespeares gilt. Zu Recht, wie es die brandneue Inszenierung von Michal Sykora auf der Trebgaster Naturbühne gezeigt hat. Am Freitagabend war Premiere und trotz der kühlen Temperaturen gab es nicht nur am Ende großen Jubel, sondern auch immer wieder herzlichen Zwischenapplaus.

Bei Shakespeare, dessen 450. Geburtstag die Theaterwelt in diesem Jahr feiert, geht es um Liebe und Intrigen, um Eifersucht und Liebesleid und um das Spiel mit dem Schein und Sein. Regisseur Michal Sykora setzt dies gekonnt mit allerhand witzigen Einfällen um. Besonders sticht die ironische Darstellung der höfischen Selbstinszenierung hervor. Auch so etwas gibt es heute noch, will uns der Regisseur sagen und Recht hat er. Eine herausragende Idee Michal Sykoras und seines Kostümbildners Wolfram Müller-Broeder war es, die adelige Gesellschaft ausschließlich in schwarz-weiß Kostüme zu stecken, die Damen gepunktet, die Herren gestreift, und alles selbst genäht, wie Müller-Broeder im Vorfeld verraten hatte.

Der florentinische Graf Claudio und Benedikt, ein Edelmann aus Padua, kehren von einem erfolgreichen Feldzug nach Messina zurück und werden von Leonato, dem Gouverneur, empfangen und beherbergt. Claudio hält um die Hand von Leonatos Tochter Hero an und wird auch bald verlobt. Benedikt wirbt dagegen zunächst vergeblich um Leonatos Nichte Beatrice, da sich diese als männerfeindlich erweist. Nach scheinbar endlosen, aber für Shakespeare so typischen Wirrungen kommt es zum Happy End und das Stück endet mit einer fröhlichen Doppelhochzeit.

Was Shakespeares Werk noch immer so interessant macht, ist unter anderem das amüsante Paar Beatrice und Benedikt mit seinen vielen spitzzüngigen Kommentaren und boshaften Dialogen. In der Regie von Michal Sykora wird die Komödie zu großen Teilen mit Synthie-Pop-Klängen unterlegt, was das ganze etwas zeitgemäßer macht, aber nicht immer passt. Opulent sind die maskierten Szenen, gekonnt die tänzerischen Einlagen bis hin zu einer kleinen Moonwalk-Einlage. Sehr gut genutzt hat der Regisseur die Naturbühne mit all ihren Spielebenen. Sogar der Felsen im Hintergrund wird als Projektionsfläche für die Schattenspiele eingesetzt.

Regisseur Michel Sykora hat Shakespeares Klassiker bereits vor zehn Jahren im Römischen Theater der Eremitage, und damit ebenfalls auf einer Freilichtbühne inszeniert. Diesmal beherrschen Bäume und Hecken das Bühnenbild von Andre Putzmann. Sie werden ständig bewegt, schaffen immer neue Räume und werden so zum Teil der Inszenierung.

Einzelne Schauspieler hervorzuheben wäre den anderen gegenüber ungerecht. Das gesamte Ensemble agiert mit höchster Spielfreude und identifiziert sich stets zu 100 Prozent mit dem nicht immer leicht zu durchschauenden Stoff in einer auch nicht immer einfachen Sprache.

Martin Besold als Claudio und Frank Ziegler als Benedikt sind dabei in jeder Hinsicht so etwas wie Idealbesetzungen. Sie bringen die verschiedenen Gefühlsebenen teils witzig, teils ernsthaft rüber und sind zu jeder Sekunde absolut präsent. Nicht minder glanzvoll agieren Mona-Isabell Peter als Hero und Patricia Wagner als Beatrice. Die beiden Damen sind in den Dialogen besonders gefordert und können sprachlich wie darstellerisch geradezu glänzen. In weiteren Rollen sind Philipp Gehringer als heldenhafter Don Pedro, Rainer Dohlus als ein über den Dingen stehender Leonato und Tobias Kolloch als boshafter Don Juan zu erleben. Außerdem spielen Benedikt Lehmann den Borachio, Julia Krolak den Konrad, Melanie Ehaim und Lea Fischer die „Kammerfrauen“ Margarethe und Ursula sowie Kilian Roskopfs den Pater Franziskus. Als tölpelhafte und einfältige Gerichtsdiener Holzapfel und Schlehwein sind David Ganzleben und Linda Wagner zu erleben, die ihre Sache bestens machen, doch hier wäre offen gestanden weniger mehr gewesen.

William Shakespeares  Komödie „Viel Lärm um nichts“ steht bis zum 15. August noch insgesamt zwölf Mal auf dem Spielplan.

Bilder:
1. Maskenball bei Shakespeare: Mit der Komödie „Viel Lärm um nichts“ wurde auf der Naturbühne Trebgast die dritte Premiere gefeiert.
2. Männerfeindin und Frauenverächter Beatrice und Benedikt, auf der Naturbühne Trebgast gespielt von Patricia Wagner und Frank Ziegler, finden sich am Ende doch.
3. Gepunktet und gestreift sind die Kostüme in der Komödie „Viel Lärm um nichts, die derzeit in Trebgast auf dem Spielplan steht.

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10.05.2014

Champions-League der jungen Stargeiger / Fédor Roudine aus Frankreich gewinnt 5. Henri-Marteau-Violinwettbewerb

Hof/Lichtenberg. Über 100 junge Geiger aus 26 Ländern hatten sich gemeldet, 64 davon sind zur ersten Runde angetreten, zwölf haben sich in einer viertägigen ersten Runde durchgesetzt. Nach dem Finale stehen die drei Sieger fest: Den 1. Platz erreichte Fédor Roudine aus Frankreich. Der 21-Jährige erhält damit als Sieger des  Internationalen Violinwettbewerbs Henri Marteau für seine außergewöhnliche und überzeugende Leistung ein Preisgeld von 10000 Euro, gestiftet von den Sparkassen in Oberfranken, sowie eine CD-Produktion mit dem Bayerischen Rundfunk.

Auf den 2. Platz spielte sich die Japanerin Misako Akama. Die 21-jährige kann sich über 7500 Euro Preisgeld freuen, das von der Oberfrankenstiftung zur Verfügung gestellt wurde. Den 3. Platz belegt der 18-jährige Minkyum Kim aus Südkorea, der 5000 Euro, gestiftet vom Freundeskreis Haus Marteau für seine hervorragende Leistung erhielt.

Bei dem Wettbewerb wurden außerdem mehrere Sonderpreise vergeben: Den mit 1000 Euro dotierten Magister-Wilfried-Schönweiß-Preis für die beste Interpretation eines Max-Reger-Präludiums sowie den ebenfalls mit 1000 Euro dotierten Publikumspreis gewann der Spanier Francisco Garcia Fullana (23). Der Preis für die beste Henri-Marteau-Interpretation ging an Celina Kotz (19) aus Polen und der Preis für die beste Mozart-Interpretation an die Zweitplatzierte Misako Akama. Auch elf Violinschüler der Musikschule der Hofer Symphoniker durften während der Endrunden einmal richtige Jury sein und wählten unter den sechs Finalisten ihren Favoriten. Den Jugendjurypreis, der mit 500 Euro versehen ist, erspielte sich dabei der Gesamtsieger Fédor Roudine.

Fédor Roudine, der Franzose ist, russische Wurzeln hat und in Köln lebt, zeigte beim Abschlusskonzert mit den Hofer Symphonikern unter der Leitung von Christoph Poppen, dass er völlig zurecht den Gesamtsieg davon trug. Er hatte sich dazu das Violinkonzert in d-Moll op. 40 ausgewählt, das er hochkonzentriert, aber auch absolut routiniert musizierte und dabei viele Feinheiten und Details kenntnisreich herausarbeitete. Es sieht ganz danach aus, als würde man noch viel von diesem Talent hören.

Zwei lange und anstrengende Vorrunden lagen hinter den Teilnehmern, ehe der Juryvorsitzende Gilbert Varga die Finalisten am Freitagnachmittag bekannt gegeben hatte. Die Vorrunden fanden im Haus Marteau, der Internationalen Musikbegegnungsstätte des Bezirks Oberfranken und früheren Wohnstätte des berühmten Geigers und Komponisten Henry Marteau, in Lichtenberg statt. Marteau hatte sich dort auch immer wieder der Lehre verschrieben und gab Unterricht und Meisterkurse. Für Henri Marteau war es wichtig, dass der Geist der Musik an junge Künstler weiter getragen wird.

Der Intension nachgehend hatte der Freundeskreis der Musikbegegnungsstätte Haus Marteau 1999 beschlossen, dem Meister zu Ehren einen Violinwettbewerb im dreijährigen Turnus auszutragen. Und so fand der Wettbewerb zunächst ehrenamtlich organisiert, seit 2005 unter der Leitung der Hofer Symphoniker und unter der Trägerschaft des Bezirks Oberfranken mittlerweile zum 5. Mal in Lichtenberg, beziehungsweise in Hof statt.

Bezirkstagspräsident Günther Denzler nannte den Wettbewerb einen kulturellen Glanzpunkt, der weit in die Welt hinausstrahle. „Es ist uns wichtig, dass der Wettbewerb in der Region verankert ist“, sagte Denzler. So sei es eine der Besonderheiten, dass sämtliche Teilnehmer in Gastfamilien untergebracht sind. Auf eine andere Besonderheit wies Juryvorsitzender Gilbert Varga hin. So sei es üblich, dass alle ausgeschiedenen Teilnehmer nicht einfach davongeschickt werden, sondern ein umfangreiches Feedback aus den Reihen der Jury bekommen.

Allein schon die Besetzung der zehnköpfigen Jury zeigte das große Format des Wettbewerbs: Die jungen Geigerinnen Fanny Clamagirand oder Lena Neudauer gehörten genauso dazu, wie die renommierten Lehrmeister Walter Forchert, Igor Ozim oder Ilya Kaler. Auch die Klavierbegleiter sind vielen Musikfreunden aus aller Welt ein Begriff: Lauma Skride, Tomoka Nishikawa und Nigel Clayton. Lichtenberg und Hof spielten mit dem Henri-Marteau-Violinwettbewerb in der ersten Liga der Musikwettbewerbe, so Gilbert Varga. Dies unterstreiche nicht zuletzt die Aufnahme des Wettbewerbs in die „World Federation of International Music Competitions“.

Bild:
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 Michael Maurer (links) vom Bezirksverband der Sparkassen überreichte einen Scheck mit dem Preisgeld in Höhe von 10000 Euro an den Gewinner des 5. Henri-Marteau-Violinwettbewerbs, an den jungen Franzosen Fédor Roudine. Rechts im Bild der Moderator des Abschlusskonzertes Tobias Föhrenbach.
- Unter 64 Teilnehmern setzte sich der französische Geiger Fédor Roudine durch und gewann damit den 1. Preis des Henri-Marteau-Violinwettbewerbs.

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08.05.2014

Bier und Bratwürste in Bayreuth / Eine Genießerregion auf 256 Seiten und 450 Bildern: Buchneuerscheinung: „Lebensart genießen – in und um Bayreuth“

Bayreuth. Es gibt verschiedene Bayreuth-Bücher, in denen mal Kunst und Kultur, mal Essen und Trinken, mal andere Themen wie Architektur oder Ausflugsziele im Vordergrund stehen. Doch ein Bayreuth-Buch, in dem all diese Aspekte umfassend beleuchtet werden, gab es bislang nicht.  „Lebensart genießen – in und um Bayreuth“ ist das erste Werk dieser Art: ein reich bebildertes, hochwertiges Genuss-Buch, wie geschaffen, um sich selbst und anderen eine Freude zu machen.

Für Touristen, die nur einige Stunden in Bayreuth halt machen ist das Buch nichts, sagt Herausgeber Oliver van Essenberg aus Bamberg. Ähnliche Bücher hat er bereits mit großem Erfolg über Bamberg, Würzburg und Nürnberg herausgegeben, die verkaufte Auflage lag jeweils bei bis zu 10000. Nun also ist Bayreuth am Zug und die Planungen für einen weiteren Band über das Fichtelgebirge haben bereits begonnen. Dann wäre eine Oberfranken-Trilogie komplett, so Regierungspräsident Wilhelm Wenning bei der Buchvorstellung in Bayreuth.

Herausgeber Essenberg stellt nicht nur viele empfehlenswerte Adressen vor, sondern lässt auch etliche Kenner der Region zu Wort kommen. Die Kabarettistin und gebürtige Bayreutherin Mia Pittroff etwa, sie beschreibt in ihrem Leitartikel die Wonnen der oberfränkischen Gemütlichkeit, speziell in Bayreuth. Der Spezialitätenkenner Georg Lang nimmt sich auf humorvolle Weise der Heiligtümer Bier und Bratwürste an, während Uta Hengelhaupt Anliegen und Angebote der „Genussregion Oberfranken“ darstellt.

Handwerkskammerpräsident Thomas Zimmer liefert einen erhellenden Beitrag zur Geschichte des oberfränkischen Handwerks. Peter Krückmann, Museumsdirektor bei der Bayerischen Schlösserverwaltung, wandelt auf Wilhelmines Spuren, die frühere Kulturreferentin Karla Fohrbeck auf den Wegen von Jean Paul. Nicht minder prominent vertreten ist Richard Wagner und die Geschichte der Festspiele, mit denen sich die Autoren Frank Piontek, Stephan Müller und Monika Beer auseinandersetzen. Der Musikstadt Bayreuth mit ihren vielfältigen Festivals hat der Journalist Stephan Herbert Fuchs einen eigenen Beitrag gewidmet.

Interviews mit Regierungspräsident Wilhelm Wenning und mit dem Leiter des Fränkischen Theatersommers, Jan Burdinski, erweitern das Spektrum. Abgerundet wird das Kompendium mit einem ebenso informativen wie anregenden Streifzug durch die Fränkische Schweiz und hinein in den Nachbarlandkreis Kulmbach. Da geht es dann unter anderem um die Naturbühne Trebgast, das Theater „Das Baumann“, um Thurnau als Ausflugsziel, um das Schloss Neudrossenfeld oder um die Kulmbacher Kommunbräu.

Bei der Auswahl der Adressempfehlungen wurden besonders handwerklich arbeitende Betriebe und Hersteller berücksichtigt, wobei auch Händler mit entsprechendem Know-how vorgestellt werden. Als weiteres Kriterium spielte das Angebot beziehungsweise das Programm eine Rolle, in diesem Zusammenhang vor allem Aspekte wie Regionalität, Naturnähe und Vielfalt. Zu guter Letzt waren auch Faktoren wie die Atmosphäre und der Service entscheidend.

Info:

Herausgeber: Oliver van Essenberg. Mit Beiträgen von: Monika Beer, Inge Eggers, Oliver van Essenberg, Karla Fohrbeck, Stephan Herbert Fuchs, Uta Hengelhaupt, Peter Krückmann, Cornelia Masel-Huth, Stephan Müller, Frank Piontek, Mia Pittroff, Eric Waha, Thomas Zimmer u.a. Preis: 19,80 Euro. 256 Seiten, ca. 450 Abbildungen. Verlag: selekt, Bamberg. Erscheinungstermin: ISBN: 978-3981379952

Bild: Nicht nur um Richard Wagner geht es in dem neuen Buch „Lebensart genießen – in und um Bayreuth“, das im Bamberger selekt-Verlag erscheinen ist und das Oliver van Essenberg herausgegeben hat.

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29.04.2014

Geigerelite der Welt zu Gast in Oberfranken / 5. Henri-Marteau-Violinwettbewerb gestartet

Lichtenberg. Mit 64 Teilnehmern aus 25 Ländern ist am Dienstag in Lichtenberg (Landkreis Hof) der 5. Internationale Henri-Marteau-Violinwettbewerb gestartet worden. Nach der offiziellen Eröffnung durch den stellvertretenden Bezirkstagspräsident Eberhard Siller, der künstlerische Berater, Jury-Vorsitzende und frühere Chefdirigent der Hofer Symphoniker Gilbert Varga und der Vorsitzenden des Freundeskreises Haus Marteau Ulrike Brett-Einsiedel wurden die Startnummern der Teilnehmer ausgelost. Noch vor dem Eröffnungskonzert am Abend ging es mit der Probenarbeit los.

Die Besetzung der zehnköpfigen Jury zeigt bereits das große Format des Wettbewerbs: Die jungen Geigerinnen Fanny Clamagirand oder Lena Neudauer gehören genauso dazu, wie die renommierten Lehrmeister Walter Forchert, Igor Ozim oder Ilya Kaler. Auch die Klavierbegleiter sind vielen Musikfreunden aus aller Welt ein Begriff: Lauma Skride, Tomoka Nishikawa und Nigel Clayton.

Im Mittelpunkt aber stehen die 64 Teilnehmer, die sich am Mittwoch im Haus Marteau versammelten. Sie kommen aus Japan, China, Korea, aus Mexiko und Ecuador sowie von der Juillard School in New York. Die jüngste Teilnehmerin ist 14 Jahre alt die Altersgrenze nach oben liegt bei 25 Jahren.

Der Wettbewerb habe sich seit seiner ersten Auflage 2002 zu einem richtig großen, anerkannten und internationalen Wettbewerb gemausert, sagte der stellvertretende Bezirkstagspräsident Edgar Siller. Lichtenberg und Hof spielten mit dem Henri-Marteau-Violinwettbewerb in der ersten Liga der Musikwettbewerbe, so Dirigent Gilbert Varga. Dies unterstreiche nicht zuletzt die Aufnahme des Wettbewerbs in die „World Federation of International Music Competitions“.

Durchgeführt wird der Wettbewerb in drei Runden. Sämtliche Teilnehmer wetteifern mit Interpretationen von Werken Bachs, Mozarts und Paganinis um den Einzug ins Halbfinale. Dort müssen die übrig gebliebenen zwölf Teilnehmer ihr Können in einem einstündigen Recital unter Beweis stellen. Gespielt werden muss als Pflichtstück unter anderem eine Komposition von Henri Marteau sowie ein Auftragswerk des US- Amerikaners Steven Mackey. Die übrigen sechs Finalisten werden sich schließlich mit einem großen Violinkonzert zusammen mit den Hofer Symphonikern der Jury stellen. Am Ende geht es um Preisgelder von zusammen rund 30000 Euro, eine Rundfunkaufnahme, eine CD-Produktion sowie mehrere Sonderpreise.

Der Violinwettbewerb Henri Marteau wurde vom Freundeskreis Haus Marteau 1999 ins Leben gerufen und 2002 erstmals durchgeführt. Seitdem findet er im dreijährigen Turnus statt, bis 2005 ehrenamtlich organisiert, ab 2005 unter der Trägerschaft des Bezirks und unter der künstlerischen und organisatorischen Gesamtleitung der Hofer Symphonikern.

Benannt wurde der Violinwettbewerb nach dem Geiger und Komponisten Henri Marteau. Er ist auch der Namensgeber der Internationalen Musikbegegnungsstätte des Bezirks Oberfranken in Lichtenberg. Henri Marteau starb am 4. Oktober 1934 in seiner Wahlheimat in Lichtenberg. Seine dortige Künstlervilla hatte der Bezirk Oberfranken 1982 erworben. Neben dem Violinwettbewerb finden dort seit mittlerweile 30 Jahren Meisterkurse für nahezu alle klassischen Musiksparten mit namhaften Dozenten statt.

Der Violinwettbewerb 2014 endet am 10. Mai um 19.30 Uhr mit einem Galakonzert unter der Leitung des prominenten Dirigenten Christoph Poppen in der Hofer Freiheitshalle. Sämtliche Wertungsrunden dazwischen sind öffentlich und können bei freiem Eintritt besucht werden.

Bilder:
- Der britische Geiger und Dirigent Gilbert Varga ist künstlerischer Leiter des Henri-Marteau-Violinwettbewerbs und Vorsitzender der Jury.
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Ganz im Zeichen des Henri-Marteau-Violinwettbewerbs steht in den kommenden Tagen und Wochen dessen ehemalige Künstlervilla in Lichtenberg (Landkreis Hof).

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19.04.2014

Musikalischer Botschafter Oberfrankens / Perfekt, populär und pointiert: Jugendsymphonieorchester feierte 30. Geburtstag

Hof. Mit drei Konzerten in Hof, Coburg und Stegaurach bei Bamberg hat das Jugendsymphonieorchester Oberfranken an Ostern seinen 30. Geburtstag gefeiert. An musikalischer Durchschlagskraft mangelt es dabei vor allem einem nicht: dem Dirigenten Till Fabian Weser. Er hat es bereits im zweiten Jahr in Folge geschafft, aus 70 jungen Musikerinnen und Musikern zwischen 11 und 21 Jahren mit unterschiedlichem Kenntnisstand und unterschiedlicher Motivation einen homogenen Klangkörper zu formen. Und das in nur sieben Tagen konzentrierter Arbeit in der Abgeschiedenheit des Weißenstädter Schullandheims und mit der Hilfe einiger namhafter Orchesterdozenten, unter anderem von den Bamberger und den Hofer Symphonikern.

Aaron Coplands imposante und blitzsauber intonierte „Fanfare for the Common Man“ machte den Anfang in einer äußerst populären, aber nicht minder anspruchsvollen Programmauswahl. Coplands lyrisch nostalgische Komposition „Letter from home” musizierte das Orchester überaus transparent, ruhig und völlig unaufgeregt, so dass die vielen kleinen Einzelheiten, die Coplands Werk zu bieten hat wunderbar zum Tragen kamen. Auch George Gershwins klangmalerischer Spaziergang durch Paris mit dem Titel „Ein Amerikaner in Paris“ gelingt den jungen Leuten hervorragend. Orchestral wolkiger Big-Band-Sound, ganz so wie von Gershwin beabsichtigt, trifft auf schmiegsame Leichtigkeit und Eleganz. Gershwins Welterfolg zwischen Klassik und Jazz erklingt verblüffend perfekt und ungemein engagiert musiziert.

Höhepunkt der Konzerte waren die Ausschnitte aus der populärsten und am meisten gespielten Oper der Musikgeschichte, aus Georges Bizets „Carmen“. Fesselnd zügig musizierte das Orchester, ebenso pointiert und verführerisch mit aufregenden Steigerungen. In der Habanera der Carmen zeigte die junge Münchner Mezzosopranistin Idunnu Münch, dass sie stimmlich und darstellerisch riesiges Potenzial hat. Nicht minder wusste der fabelhaft disponierte thailändische Tenor Nutthaporn Thammathi in der Blumenarie des Don Jose  zu überzeugen. Beim Duett Micaele/Don Jose aus dem 1. Akt gesellte sich die aus Bamberg stammenden Sopranistin Victoria Kunze als Micaela dazu, die ihre Partie ebenfalls blitzsauber intonierte. Mit der Auswahl der Gesangssolisten war dem Dirigenten Till Fabian Weser ein echter Coup gelungen, völlig zurecht feierte das Publikum frenetisch die drei Solisten. Alle drei sangen kraftvoll und doch überaus natürlich und legten eine große Bühnenpräsenz an den Tag. Die Namen der drei Gesangssolisten kann man sich schon mal getrost merken, den von allen dreien wird man sicherlich noch viel hören.

Das „Feuerwerk der Klassik“ zum 30. Geburtstag des Orchesters endete mit dem berühmten spanischen Bolero, dem Tanz aller Tänze mit hypnotischer Wirkung von Maurice Ravel. In rituell spanischer Ruhe beginnend und sich, nur nicht zu rasch, zur flammenden Ekstase steigernd, dafür stand Till Fabian Weser mit seinem eindrucksvollen Dirigat. Weser setzte die Akzente scharf und die jungen Musiker folgten ihm. Von Takt zu Takt wurde das Orchester immer ein klein wenig lauter und die jungen Musiker schafften es, ganz wie ein Profiorchester dem leisesten Pianissimo zu Beginn das lauteste Fortissimo am Ende folgen zu lassen.

Mit dem berühmten Lied „Summertime“ von Georges Gershwin gesungen von der fabelhaften Idunnu Münch und dem Trinklied aus der Verdi-Oper „La Traviata“ mit Victoria Kunze und Nutthaporn Thammathi hatte Till Fabian Weser mit dem Orchester zwei Zugaben einstudiert, die  so recht zum Programm passten und große Lust auf das machten, was der Dirigent zuvor angekündigt hatte, einem Auftritt des Jugendsinfonieorcesters außerhalb des Regierungsbezirks als musikalische Botschafter Oberfrankens.

Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler bezeichnete das Jugendsymphonieorchester Oberfranken beim Festakt in Hof als musikalisches Aushängeschild der musikalischen Nachwuchsförderung in Oberfranken. Denzler sprach von einer tollen Plattform für die jungen Musikerinnen und Musiker, Orchestererfahrung zu sammeln und sich gegenseitig auszutauschen. Er erinnerte auch an den allerersten Auftritt am 21. April 1984, damals noch unter dem Namen „Marteau-Orchester“ in der Frankenhalle in Naila.

Das Jugendsymphonieorchester Oberfranken wurde auf Initiative des ersten Künstlerischen Leiters des Hauses Marteau, Professor Dr. Günther Weiß gegründet. Ziel war es damals, ein verbindendes Element zwischen der musikalischen Elitebildung in Haus Marteau und der musikpädagogischen Arbeit in der Region zu fördern. Andererseits sollten jungen Musiktalenten aus Oberfranken die Möglichkeit eröffnet werden, Orchestererfahrung in einem Repertoire zu gewinnen, das Schul- oder Musikschulorchester nicht oder nur äußerst selten bieten können.

Weiß stand zehn Jahre lang an der Spitze des Klangkörpers. Nachfolger waren Howard Golden von den Hofer Symphonikern und der aus Kulmbach stammende Dirigent Raoul Grüneis. Seit 2013 steht Till Fabian Weser am Pult des Jugendsymphonieorchesters. Der aus Amerika stammende Dirigent ist außerdem Trompeter bei den Bamberger Symphonikern und künstlerischer Leiter der Sommeroper Bamberg.

Bilder:
1. Das Jugendsymphonieorchester Oberfranken unter der Leitung von Till Fabian Weser beim Festkonzert zu seinem 30. Geburtstag am Karsamstag im Festsaal der Hofer Freiheitshalle.
2. Die berühmte Habanera aus Carmen sang die Münchner Mezzosopranistin Idunnu Münch, begleitet wurde sie vom Jugendsymphonieorchester Oberfranken unter Till Fabian Weser.
3. Bereits im zweiten Jahr in Folge schaffte es der Dirigent Till Fabian Weser aus 70 jungen Musikerinnen und Musikern zwischen 11 und 21 Jahren einen homogenen Klangkörper zu formen.

4. Großer Applaus für das Jugendsymphonieorchester Oberfranken, den drei Gesangssolisten und Dirigent Till Fabian Weser im Festsaal der Freiheitshalle Hof.

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12.04.2014

Orchester auf Zeit feiert Geburtstag / Jugendsymphonieorchester Oberfranken: Probenauftakt in Weißenstadt

Weißenstadt. Aaron Coplands Komposition „Letters from home“ und George Gershwins „Amerikaner in Paris“ bildeten den Auftakt: Mit einer Durchspielprobe hat am Wochenende im Schullandheim von Weißenstadt im Landkreis Wunsiedel die Übungsphase des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken begonnen. Während das Orchester heuer seinen 30. Geburtstag feiert, steht der Dirigent Till Fabian Weser dabei erst zum zweiten Mal am Pult. Seine Aufgabe ist es, die jungen Talente aus allen Teilen des Regierungsbezirks in nur einer Woche zu einem einzigen Klangkörper zusammenzuführen. Unter der Stabführung des aus Amerika stammenden Dirigenten werden die gut 70 jungen Musikerinnen und Musiker zwischen 11 und 21 Jahren über Ostern zu einer kleinen Oberfranken-Tournee aufbrechen.

Im Weißenstädter Schullandheim finden nicht nur die ersten Proben statt, auch die Nachwuchsmusiker werden dort untergebracht sein. Die Generalprobe soll dann am Karfreitag im Kurhotel von Weißenstadt über die Bühne gehen. Auftakt der Konzertreihe ist am 19. April (Ostersamstag) in der Hofer Freiheitshalle, am 20. April (Ostersonntag) im Coburger Kongresshaus Rosengarten sowie am 21. April (Ostermontag) in der Aurachtalhalle von Stegaurach bei Bamberg. Prominente Gratulanten werden zum Auftakt in Hof der oberfränkische Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler und der Präsident des Bayerischen Musikrates und frühere Staatsminister Dr. Thomas Goppel sein.

Neben Coplands „Letters from home“ und Gershwins „Amerikaner in Paris“ werden Ausschnitte aus Georges Bizets Oper „Carmen“, Coplands bekannte “Fanfare for the common man” und Maurice Ravels „Boléro“ auf dem Programm stehen. Gesangssolisten sind die Sopranistin Victoria Kunze, die Mezzosopranistin Idunnu Münch und der Tenor Nutthaporn Thammathi. Vitoria Kunze ist gebürtige Bambergerin, sie gab im Oktober 2013 ihr Operndebut als Zerlina bei der Sommer Oper Bamberg. Idunnu Münch aus München wirkte 2013 in Mendelssohns „Sommernachtstraum“ bei den Salzburger Festspielen mit. Dritter im Bunde der herausragenden Solisten ist der 1988 in Thailand geborene Tenor Nutthaporn Thammathi, der seit 2011 Salzburger Mozarteum studiert.

„Mit unserem ehrgeizigen Projekt eines eigenen Jugendsymphonieorchesters möchten wir jungen Nachwuchsmusikern aus der Region alljährlich zu Ostern die Möglichkeit geben, ihr Können unter professioneller Anleitung öffentlich zu präsentieren“, sagt Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Als „Orchester auf Zeit“ setzte sich das Jugendsymphonieorchester Jahr für Jahr neu zusammen. Der Präsident bezeichnet die intensive Zusammenarbeit mit dem professionellen Dirigenten als eine einzigartige Erfahrung für die jungen Leute. Denzler: „Das oberfränkische Jugendsymphonieorchester ist das Herzstück der Jugendarbeit unserer Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau.“

Dirigent Till Fabian Weser war selbst als Jugendlicher Mitglied in vergleichbaren Klangkörpern, unter anderem im Landesjugendorchester Baden-Württemberg, im Bundesjugendorchester und in der Jungen Deutschen Philharmonie. Weser versteht das Orchester in erster Linie als eine Art Talentschmiede, in dem sich junge Musiker aus allen Teilen Oberfrankens im Bekenntnis zu ihrer Heimat zusammenfinden. „Ich sehe es aber auch als Sprungbrett“, so Weser. In dem Klangkörper hätten die jungen Talente eine hervorragende Möglichkeit, sich auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.

Ein Sprungbrett war das Jugendsymphonieorchester unter anderem für die heute prominente Geigerin Sornitza Baharova, die zum Probenauftakt die Geigen verstärkte. Sornitza Baharova musizierten mehrere Jahre lang mit dem Jugendsymphonieorchester, heute ist sie Konzertmeisterin der Staatsphilharmonie in Nürnberg. Eigens zum 30. Geburtstag des Orchesters ist Sornitza Baharova zurückgekehrt und wird während der Probephase als Orchesterdozentin mitwirken. Ein weiterer prominenter Ehemaliger ist der Dirigent Axel Kober, Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein und aktueller Tannhäuser-Dirigent bei den Bayreuther Festspielen.

Das Jugendsymphonieorchester Oberfranken wurde 1984 von dem Musikpädagogen und Dirigenten Professor Günther Weiß (1933 – 2007) gegründet, der viele Jahre als künstlerischer Leiter der Musikbegegnungsstätte Haus Marteau tätig war. Seit der Gründung kommen junge Musikerinnen und Musiker aus ganz Oberfranken jeweils kurz vor Ostern zu einer Probenwoche zusammen und erarbeiten unter professionellen Bedingungen ein anspruchsvolles Konzertprogramm. „Die ersten Proben fanden damals noch im Haus Marteau, der einstigen Wohnstätte des berühmten Geigers Henri Marteau und heutigen Internationalen Musikbegegnungsstätte des Bezirks Oberfranken, statt“, erinnert sich Verwaltungsleiter Dr. Ulrich Wirz. Mittlerweile wird in Weißenstadt geprobt, ehe die kleine Oberfranken-Tournee von Hof über Coburg nach Stegaurach bei Bamberg startet.

Bilder: Probenauftakt am Wochenende in Weißenstadt: Till Fabian Weser dirigiert das Jugendsymphonieorchester Oberfranken

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31.03.2014

Alltägliches aus jüdischen Landgemeinden / Fränkische-Schweiz-Museum zeigt Genisa-Funde aus fränkischen Synagogen

Pottenstein. Es ist keine einfache Ausstellung, denn sie fordert den Betrachter schon ein wenig heraus. Projektleiterin Martina Edelmann vom Jüdischen Kulturmuseum in Veitshöchheim weiß, dass nicht jeder mit den Papierfetzen etwas anfangen kann, die derzeit im Fränkische-Schweiz-Museum in Tüchersfeld bei Pottenstein zu sehen sind. Wer allerdings bereit ist, sich in die Ausstellung „Genutzt – Abgelegt – Gefunden“ ein wenig zu vertiefen, der wird mit Hilfe der gezeigten und bislang verborgenen Schätze aus fränkischen Synagogen einen Blick in die Vergangenheit werfen können, einen Blick in den Alltag jüdischer Landgemeinden, wie er heute nicht mehr existiert.

Zunächst war es ganz normaler Dachbodenschutt, der bei Sanierungsarbeiten nun mal anfällt. Bis irgendjemand 1986 in Veitshöchheim mal genauer hinschaute und eine Genisa entdeckte. Dabei handelt es sich um Schriftstücke, die aus religiösen Gründen nicht einfach weggeworfen werden dürfen. Das Wort Genisa steht dabei für Depot oder Speicher und meint einen Aufbewahrungsort nicht mehr benötigter jüdischer liturgischer Schriften, also nicht mehr lesbare Torarollen oder andere Texte. So haben wichtige Schriftstücke der jüdischen Liturgie, der jüdischen Geschichte aber auch profane Schriftstücke die Zeit überdauert.

Weil solche Schriften nicht nur in Veitshöchheim sondern auch in vielen anderen Synagogen Frankens verwahrt wurden, startete das Jüdische Kulturmuseum ein Genisa-Projekt, das alles Erhaltenswerte archiviert, katalogisiert, auswertet und der Öffentlichkeit in Form von Ausstellungen wie der jetzigen im Fränkische-Schweiz-Museum zugänglich macht.

„Natürlich können wir nicht jeden einzelnen Papierfetzen archivieren“, sagt Martina Edelmann. Trotzdem seien zu den meisten Funden Inventarblätter angelegt worden, auf denen alles festgehalten wurde, was zu dem jeweiligen Objekt bekannt ist. Die Historikerin sprach von einer ganz neuen Quellengattung, die über das innerjüdische Leben informiert. Nicht über besondere Vorgänge, sondern über ganz alltägliche Dinge.

Zu sehen sind unter anderem fragmentarische Gebetsbücher, Warenlisten, private Notizen, medizinische Rezepte oder Schulmaterialien. Sie alle stammen aus Genisa-Funden von Altenkunstadt, Altenschönbach, Lichtenfels, Memmelsdorf, Reckendorf, Veitshöchheim und Wiesenbronn. Ein Höhepunkt der Schau ist eine Pergamenthandschrift, die aus der Genisa von Dormitz bei Forchheim stammt. Sie stammt aus der Zeit vor 1600 und  enthält Gebete aus allen Lebenslagen, Liturgien für die hohen Feiertage und religiöse Belehrungen.

Die Ausstellung ist in Tüchersfeld am richtigen Ort, sagte der Pottensteiner Bürgermeister Stefan Frühbeißer bei der Eröffnung. Als Grund dafür nannte er die Tatsache, dass in den Räumlichkeiten während des 18. Jahrhunderts die örtliche jüdische Gemeinde ansässig war und deren einstige Landsynagoge bei einem Rundgang noch heute besichtigt werden kann. „Die Synagoge ist das Kernstück der Präsentation“, so Museumsleiter Rainer Hofmann. Er versprach tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, in das religiöse, aber auch in das kulturelle und geschäftliche Leben.

Die Ausstellung „Genutzt – Abgelegt – Gefunden, Verborgenen Schätze aus fränkischen Synagogen“ ist noch bis einschließlich 11. Mai täglich, außer Montag, zwischen 10 und 17 Uhr im Fränkische-Schweiz-Museum Tüchersfeld in 91278 Pottenstein zu sehen.

Bilder:
1. Erstmals öffentlich zu sehen ist bei der Ausstellung im Fränkische-Schweiz-Museum dieser Pergamentband mit über 200 Seiten, der aus Dormitz stammt und aus der Zeit vor 1600 stammt.

2. Martina Edelmann vom Jüdischen Kulturmuseum in Veitshöchheim und Museumsleiter Rainer Hofmann haben eine ganze Reihe fränkischer Genisa-Funde zusammengetragen und für die Sonderausstellung in Tüchersfeld aufbereitet.

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24.03.2014

Professionalität, Ernsthaftigkeit und Ehrgeiz / 5. Henri-Marteau-Violinwettbewerb vom 29. April bis 10. Mai in Lichtenberg und Hof

Hof/Lichtenberg. Tobias Feldmann denkt noch immer an das Jahr 2011: „Ich erinnere mich heute noch sehr gerne an die tolle Zeit in Lichtenberg und Hof vor drei Jahren und möchte mich noch einmal ganz herzlich beim Freundeskreis und meiner Gastfamilie bedanken“, sagt Tobias Feldmann, Sieger des Henri-Marteau-Violinwettbewerbs 2011. Er habe schon an vielen Wettbewerben teilgenommen, die herzliche und familiäre Atmosphäre beim Henri-Marteau-Wettbewerb sei jedoch wirklich einzigartig, so Feldmann, der mittlerweile zahlreiche nationale und internationale Preise erspielt hat und weltweit mit großen Orchestern und namhaften Dirigenten auftritt. Beim Henri-Marteau-Violinwettbewerb wurde sein erster Preis unter anderem mit einer CD-Produktion und einem Preisgeld in Höhe von 10000 Euro honoriert. Zweiter wurde damals Edouard Mätzener aus der Schweiz, dritte die junge koreanische Geigerin Ji Young Lim.

In seiner mittlerweile fünften Auflage ist der Henri-Marteau-Violinwettbewerb gefragt wie nie zuvor. Über 100 Anmeldungen aus 25 Ländern konnten der Bezirk Oberfranken und die Hofer Symphoniker mittlerweile verzeichnen. „Damit haben wir echte Rekordzahlen erreicht“, sagt Ingrid Schrader, Intendantin der Hofer Symphoniker. Der Wettbewerb bringe Menschen aus der ganzen Welt nach Oberfranken und trage den Namen des Regierungsbezirks weit in die Welt hinaus, so Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler.

Der Wettbewerb füge sich auch wunderbar in das Gesamtkonzept der Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau des Bezirks Oberfranken ein, bekräftigt Denzler. Dabei sollen nicht nur junge Musiker aus der ganzen Welt von dem Wettbewerb profitieren, sondern auch junge Talente aus der Region, entweder durch ihre Teilnahme oder durch den Besuch der zahlreichen Wertungsspiele und Konzerte. Durch die Unterbringung der Teilnehmer bei Gastfamilien entstünden immer wieder wertvolle Kontakte, die teilweise über viele Jahre hinweg halten.

Lichtenberg und Hof spielten mit dem Henri-Marteau-Violinwettbewerb in der ersten Liga der Musikwettbewerbe, sagt der britische Dirigent Gilbert Varga, künstlerischer Leiter des Wettbewerbs und Juryvorsitzender. Anmeldungen liegen den Verantwortlichen unter anderem bereits aus Japan, China, Korea, aus Mexiko und Ecuador sowie von Absolventen der Juillard School New York vor. Die jüngste Teilnehmerin ist 14 Jahre alt und kommt aus Deutschland. Die Altersgrenze nach oben liegt bei 25 Jahren.

Mit der Aufnahme des Violinwettbewerbs in die „World Federation of International Music Competitions“ gehöre die Veranstaltungsreihe mittlerweile zur ersten Liga der Musikwettbewerbe auf der ganzen Welt, so Gilbert Varga, der von 1980 bis 1985 als Chefdirigent an der Spitze der Hofer Symphoniker stand. International wie die Teilnehmer seien auch die zehn Juroren, die aus acht verschiedenen Nationen kommen. Varga sprach von einem ganz besonderen Wettbewerb, der wie kaum ein anderer auf Professionalität, Ernsthaftigkeit und Ehrgeiz setze.

Der Violinwettbewerb Henri Marteau wurde vom Freundeskreis Haus Marteau 1999 ins Leben gerufen und 2002 erstmals durchgeführt. Seitdem findet der Wettbewerb im dreijährigen Turnus statt, bis 2005 ehrenamtlich organisiert, ab 2005 unter der Trägerschaft des Bezirks und unter der künstlerischen und organisatorischen Gesamtleitung der Hofer Symphonikern. Benannt wurde der Violinwettbewerb nach dem Geiger und Komponisten Henri Marteau. Er ist auch der Namensgeber der Internationalen Musikbegegnungsstätte des Bezirks Oberfranken in Lichtenberg. Henri Marteau starb am 4. Oktober 1934 in seiner Wahlheimat in Lichtenberg. Seine dortige Künstlervilla hatte der Bezirk Oberfranken 1982 erworben. Neben dem Violinwettbewerb finden dort seit mittlerweile 30 Jahren Meisterkurse für nahezu alle klassischen Musiksparten mit namhaften Dozenten statt.

Der Violinwettbewerb 2014 beginnt mit einem Eröffnungskonzert am 29. April um 19 Uhr im Haus Marteau in Lichtenberg und endet am 10. Mai um 19.30 Uhr mit einem Galakonzert unter der Leitung des prominenten Dirigenten Christoph Poppen in der Hofer Freiheitshalle. Sämtliche Wertungsrunden dazwischen sind öffentlich und können bei freiem Eintritt besucht werden.

Bild: „Professionalität, Ernsthaftigkeit und Ehrgeiz“: der britische Geiger und Dirigent Gilbert Varga ist künstlerischer Leiter des Henri-Marteau-Violinwettbewerbs und Vorsitzender der Jury.

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11.03.2014

Drei Komponisten und ein Universalgelehrter: Humboldt und die Musik
Von Goldkronach nach Berlin: Musikalisch-literarische Soiree über Mendelssohn, Meyerbeer, Wagner und Alexander von Humboldt

Goldkronach / Berlin. Alexander von Humboldt war musikalisch. Davon ist nicht nur Professor Dr. Sieghart Döhring vom Meyerbeer-Institut Thurnau fest überzeugt. Bei einem musikalisch-literarischen Abend in der Berliner Sophienkirche zeigte des Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Goldkronach anhand von Briefen und Kompositionen am Dienstagabend eindrucksvoll auf, dass zwischen dem Universalgelehrten Alexander von Humboldt und den drei bedeutende Komponisten Giacomo Meyerbeer, Felix Mendelssohn Bartholdy und Richard Wagner ein reichhaltiges Beziehungsgeflecht besteht.

Ordnung in dieses Beziehungsgeflecht brachte der Musikwissenschaftler Sieghart Döhring: Humboldt und Meyerbeer hätten sich nachweislich 1825 in Paris kennen gelernt. Humboldt sei auch mit der Bankiersfamilie Mendelssohn eng befreundet gewesen und hatte ab 1842 in einem Haus in der Berliner Oranienburgerstraße gewohnt, das den Mendelssohns gehörte. Später sei Alexander von Humboldt die treibende Kraft für die königliche Berufung sowohl Meyerbeers als auch Mendelssohns zum preußischen Generalmusikdirektor in Berlin gewesen.

Sicher nicht persönlich gekannt habe Humboldt dagegen Richard Wagner. Nicht auszuschließen sei allerdings, dass Humboldt eine der frühen Aufführungen des Fliegenden Holländers in Berlin gesehen hat. Allerdings war es auch Richard Wagner, der in seiner 1850 erstmals erschienen und 1869 stark erweiterten Hetzschrift „Das Judentum in der Musik“ gerade Mendelssohn als auch Meyerbeer angriff, sie schwer diffamierte und beiden jegliche Fähigkeit zu künstlerischen Aktivitäten absprach. Noch wenige Jahrzehnte zuvor habe Wagner beide als künstlerische Vorbilder bezeichnet und besonders an Meyerbeer unterwürfige Briefe verfasst. Sowohl Mendelssohn als auch Meyerbeer waren zum Erscheinungszeitpunkt der Hetzschrift bereits tot.

Überzeugt ist Döhring davon, dass Alexander von Humboldt musikalisch war. So habe Humboldt beispielsweise die Uraufführung von Meyerbeers Oper „Die Hugenotten“ 1836 in Paris besucht und sich noch vor Erscheinen der Kritiken in Briefen fundiert  dazu geäußert. Darüber hinaus sei Humboldt die Nachwuchsförderung ein Herzensanliegen gewesen, auch von jungen Musikern.

Ihre Sicht auf Mendelssohn, Meyerbeer und auch auf Richard Wagner stellten bei dem musikalisch-literarischen Abend das vor zwei Jahren gegründete Bläserensemble Athalia unter der Leitung des früheren Pegnitzer Kirchenmusikdirektors Roland Weiss sowie das Berliner Jazz-Duo Nouveau mit Matti Klein am Klavier und Philipp Sindy an der Trompete vor. Der Schauspieler Wolfram Ster von der Studiobühne Bayreuth rezitierte dazu aus Briefen und Tagebucheinträgen. Wenn bei der Aufführung auch ausschließlich Bearbeitungen erklangen, so hatte dies durchaus einen eigenen ästhetischen Wert und einen eigenen musikalischen Reiz, wird doch die Kunst der Bearbeitung gerade wieder neu entdeckt.

„Das Wirken Alexander von Humboldts ist auch heute noch von größtem Interesse und hat nicht an Aktualität verloren“, sagte Hartmut Koschyk, Beauftragter der Bundesregierung für nationale Minderheiten und Bundestagsabgeordneter aus Bayreuth. „Alexander von Humboldt und auch sein Bruder Wilhelm von Humboldt haben für Deutschland und die Welt großartiges bewirkt. Auf die Initiative des Politikers geht nicht nur der literarisch-musikalische Abend in Berlin, sondern auch das „Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach“ zurück. Der Zusammenschluss wurde 2008 gegründet und hat es sich zu Ziel gesetzt, an Leben und Werk Alexander von Humboldts zu erinnern, der von 1792 bis 1795 im Fichtelgebirge und vor allem im Goldkronach gewirkt hatte.

Bilder:
- Das Bläserensemble Athalia mit hatte mehrere Kompositionen Mendelssohns und Meyerbeers neu arrangiert.
- Das Berliner Duo Nouveau mit Matti Klein am Klavier und dem Trompeter Philipp Sindy an der Trompete verjazzten unter anderem Richard Wagners „Lied an den Abendstern“.
- Dem frühere Pegnitzer Kirchenmusikdirektor Roland Weiss
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04.02.2014

Internationale junge Geigerelite kommt nach Oberfranken / Bezirk und Hofer Symphoniker starten heiße Phase des 5. Henri-Marteau-Violinwettbewerbs

Hof. Mit 105 Anmeldungen aus 25 Ländern haben der Bezirk Oberfranken und die Hofer Symphoniker die heiße Phase des 5. Violinwettbewerbs Henri Marteau gestartet. „Damit haben wir echte Rekordzahlen erreicht“, sagte Ingrid Schrader, Intendantin der Hofer Symphoniker. Der Wettbewerb bringe Menschen aus der ganzen Welt nach Oberfranken und trage den Namen des Regierungsbezirks weit in die Welt hinaus, so Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler. Lichtenberg und Hof spielten mit dem Henri-Marteau-Violinwettbewerb in der ersten Liga der Musikwettbewerbe, so der britische Dirigent Gilbert Varga, künstlerischer Leiter des Wettbewerbs und Juryvorsitzender.

Anmeldungen liegen den Verantwortlichen unter anderem bereits aus Japan, China, Korea, aus Mexiko und Ecuador sowie von Absolventen der Juillard School New York vor. Die jüngste Teilnehmerin ist 14 Jahre alt und kommt aus Deutschland. Die Altersgrenze nach oben liegt bei 25 Jahren. Der Violinwettbewerb beginnt mit einem Eröffnungskonzert am 29. April um 19 Uhr im Haus Marteau in Lichtenberg und endet am 10. Mai um 19.30 Uhr mit einem Galakonzert unter der Leitung des prominenten Dirigenten Christoph Poppen in der Hofer Freiheitshalle. Sämtliche Wertungsrunden dazwischen sind öffentlich und können bei freiem Eintritt besucht werden.

Der Wettbewerb füge sich wunderbar in das Gesamtkonzept der Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau des Bezirks Oberfranken ein, sagte Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler. Dabei sollen nicht nur junge Musiker aus der ganzen Welt von dem Wettbewerb profitieren, sondern auch junge Talente aus der Region, entweder durch ihre Teilnahme oder durch den Besuch der zahlreichen Wertungsspiele und Konzerte. Durch die Unterbringung der Teilnehmer bei Gastfamilien entstünden immer wieder wertvolle Kontakte, die teilweise über viele Jahre hinweg halten. Denzler bezeichnete es als einmalig, dass ein Violinwettbewerb in der ehemaligen Künstlervilla eines ehemals weltberühmten Geigers stattfindet.

Mit der Aufnahme des Violinwettbewerbs in die „World Federation of International Music Competitions“ gehöre die Veranstaltungsreihe mittlerweile zur ersten Liga der Musikwettbewerbe auf der ganzen Welt, so Gilbert Varga, Künstlerischer Berater und Juryvorsitzender. Der Geiger und Dirigent war von 1980 bis 1985 Chefdirigent der Hofer Symphoniker. International wie die Teilnehmer seien auch die zehn Juroren, die aus acht verschiedenen Nationen kommen. Varga sprach von einem ganz besonderen Wettbewerb, der wie kaum ein anderer auf Professionalität, Ernsthaftigkeit und Ehrgeiz setze.

Durchgeführt wird der Wettbewerb in drei Runden. Sämtliche Teilnehmer wetteifern mit Interpretationen von Werken Bachs, Mozarts und Paganinis um den Einzug ins Halbfinale. Dort müssen die übrig gebliebenen zwölf Teilnehmer ihr Können in einem einstündigen Recital unter Beweis stellen. Gespielt werden muss als Pflichtstück unter anderem eine Komposition von Henri Marteau sowie ein Auftragswerk des US- Amerikaners Steven Mackey. Die übrigen sechs Finalisten werden sich schließlich mit einem großen Violinkonzert zusammen mit den Hofer Symphonikern der Jura stellen. Am Ende geht es um Preisgelder von zusammen rund 30000 Euro, eine Rundfunkaufnahme, eine CD-Produktion sowie mehrere Sonderpreise.

Der Violinwettbewerb Henri Marteau wurde vom Freundeskreis Haus Marteau 1999 ins Leben gerufen und 2002 erstmals durchgeführt. Seitdem findet der Wettbewerb im dreijährigen Turnus statt, bis 2005 ehrenamtlich organisiert, ab 2005 unter der Trägerschaft des Bezirks und unter der künstlerischen und organisatorischen Gesamtleitung der Hofer Symphonikern.

Bild: Sie haben den 5. Violinwettbewerb Henri Marteau auf die Beine gestellt (von links): Dr. Ulrich Wirz, Verwaltungsleiter des Hauses Marteau, der künstlerische Berater Gilbert Varga, Ulf-Martin Keller und Susan Löschner-Döhler von den Hofer Symphonikern, Intendantin Ingrid Schrader, Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler, Ulrike Brett-Einsiedel vom Freundeskreis und Peter Nürmberger, Fachbereichsleiter Kultur bei der Stadt Hof.

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19.01.2014

Romantik, Emotion und schräger Humor /
„Phantom der Oper“: Opulente Ausstattung und ausgezeichnete Darsteller

Kulmbach. Wer die weltberühmten Ohrwürmer von Andrew Lloyd Webber hören wollte, der war sicher enttäuscht. Wer zweieinhalb Stunden anspruchsvolle Unterhaltung mit ausgezeichneten Sängern und Schauspielern suchte, der war am Sonntagabend in der Stadthalle beim „Phantom der Oper“ genau richtig.

Die Version tourt schon seit einiger Zeit kreuz und quer durch Europa. „Morgen sind wir in Basel, so der Manager, später geht es weiter nach Italien, sagt Deborah Sasson. Die US-amerikanische Sopranistin ist so etwas wie der Dreh- und Angelpunkt der Produktion. Deborah Sasson singt und spielt nicht nur die Hauptrolle der Christine, von ihr stammt auch der größte Teil der Musik, sie hat das Buch geschrieben und die künstlerische Gesamtleitung inne. Dazu kommt der Münchner Sänger, Tänzer und Choreograph Jochen Sauter als Textdichter und das legendäre Produzententeam Roland Heck und Gerd Köthe, das als „musikalischer Ideengeber“ genannt wird. Sie alle schufen aus dem Roman von Gaston Leroux eine Version des Phantoms, die nahe an der Romanvorlage ist, viele Opernzitate enthält und die hauptsächlich von Romantik, Emotion und einer Prise schrägen Humors lebt.

Die Geschichte des Phantoms ist die des Titelhelden Eric, der mit verunstaltetem Gesicht in den Gewölben der Pariser Oper lebt und das Haus in einen Ort des Schreckens verwandelt. Anders als im Musical von Andrew Lloyd Webber orientiert sich die vorliegende Version inhaltlich geschlossener an der Bestseller-Vorlage und stellt die Rivalität zwischen dem Phantom und dem Grafen Raoul um die Chorsängerin Christine in den Mittelpunkt. Auch wenn die Textverständlichkeit aufgrund der technischen Verstärkung manchmal etwas litt, so kam die Handlung dennoch absolut schlüssig und nachvollziehbar rüber, was vor allem auch an den vielen aufwändigen Projektionen, Videozuspielungen sowie Licht- und Toneffekten lag.

Wenn die Aufführung auf jeden Fall einen Besuch wert war, dann sicherlich vor allem wegen der ausgezeichneten Sängerdarsteller, allesamt langjährige Musical-Profis von den bedeutendsten europäischen Bühnen. Allen voran Deborah Sasson in der Hauptrolle der Christine. Sie hatte im Laufe ihrer über 30-jährigen Deutschland-Karriere bereits den Grünen Hügel in Bayreuth erklommen und eine beispiellose Bühnen-, Platten- und TV-Karriere folgen lassen. Stimmlich wie darstellerisch kann Deborah Sasson auch in der „Phantom“-Aufführung auf eine beeindruckende Bühnenpräsenz verweisen, zumal das Musical ohnehin immer ihr Schwerpunkt war. Nuancenreich und modulationsfähige ist ihre Stimme, wenngleich auch hier etwas weniger Mikrofon-Verstärkung mehr gewesen wäre.

Ganz Profi erläuterte Deborah Sasson entspannt in der Pause, dass sie bewusst eine ganz andere Fassung, als die von Andrew Lloyd-Webber schreiben wollte. „Manche Menschen glauben ja, Lloyd-Webber habe den Roman geschrieben“, sagt die Sängerin. In Wirklichkeit war es natürlich der französische Schriftsteller Gaston Leroux. Ein Grund für die eigene Fassung sei es auch gewesen, dass die Version von Lloyd-Webber nicht verändert werden dürfe. Aber Theater lebe nur einmal non Veränderung und Neuinterpretation, gerade eine derartige Tourneeproduktion. Also schuf man sich ganz einfach eine eigene Version, die auf jeden Fall das Zeug zum Klassiker hat.

Die Partie des Phantoms verkörperte Axel Olzinger, der als „Grease“-Darsteller und in der „West Side Story“ bei den Bregenzer Festspielen bekannt wurde. Auch Olzinger ist ein absoluter Bühnenprofi in darstellerischer wie gesanglicher Hinsicht, der die Partie des Phantoms glaubhaft rüberbringt und schauspielerisch stimmlich in allen Lagen stets bestens präsent ist. In weiteren tragenden Rollen des fast 50-köpfigen Ensembles waren Textdichter Jochen Sautter als leidenschaftlicher Graf Raoul und Annette Kuhn als überdrehte Charlotta, sowie Niels Schwarzenbeck und Thomas Hartkopf als herrlich komische, rivalisierende Operndirektoren zu erleben. Ihnen allen merkte man in Spiel, Tanz und Gesang an, dass sie auf viele Jahre Bühnenerfahrung zurückblicken können.

Kammermusikalisch mit nur rund 15 Musikern besetzt, aber kräftig mit Keyboard, Bassgitarre, Schlagzeug und Percussion aufgepeppt, erklang das Orchester unter der Leitung des polnischen Dirigenten Piotr Oleksiak ziemlich rockig und perfekt aufeinander abgestimmt. Zu den Höhepunkten gehörten immer die Szenen, bei denen sich das Arrangement einzelne Nummern großer Komponisten wie Giacomo Puccini, Charles Gounod Giuseppe Verdi oder Johann Strauss ausleiht, die dann geschickt mit den modernen Songs verwoben werden

Die Zuschauer in der fast ausverkauften Dr.-Stammberger-Halle dankten am Ende mit einem langen und herzlichen Applaus, so dass sich das Team mit einer kleinen Szene aus der Fledermaus von Johann Strauss und Deborah Sasson mit der Habanera aus Georges Bizets Oper Carmen verabschiedeten.

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14.01.2014

Blitzendes Blech und vollendeter Klang /
Fulminantes Neujahrskonzert mit der Stadtkapelle Kulmbach – Elke Höhn und Thomas Besand überraschten als Gesangssolisten

Kulmbach. Für Überraschungen ist die Stadtkapelle Kulmbach immer gut. Was sich die Musiker und ihr Dirigent Thomas Besand diesmal zum Neujahrskonzert einfallen ließen, das war allerdings die ganz große Klasse. Als Gesangssolisten bewiesen Flötistin Elke Höhn und Dirigent Besand wahre Entertainerqualitäten. Elke Höhn legte kurzerhand ihr Instrument beiseite und Dirigent Besand steckte den Taktstock weg, beide ergriffen die Mikrofone und gaben Nancy und Frank Sinatra mit „Something stupid“ und zuvor Gershwins „They can´t take that away from me“, die Stadtkapelle lieferte dazu die dezente Begleitung. Die Zuhörer tobten, klatschten frenetisch, der Jubel kannte kaum Grenzen.

Dabei war das Neujahrskonzert auch ohne die Gesangseinlagen schon einsame Spitze. Von klassisch bis modern, so lautet seit jeher das Motto der Stadtkapelle. Natürlich war die Dr.-Stammberger-Halle auch diesmal wieder ausverkauft und natürlich gab es auch heuer traditionelle Marschmusik, leichte Klassik, anspruchsvolle Solostücke aber auch Jazziges, Dixieland, Filmmusik und moderne Popsongs. Alles in trefflichen Arrangements, in der perfekten Einstudierung von Thomas Besand und exzellent dargebracht von den rund 50 Musikerinnen und Musikern. Thomas Besand (49) leitete das Konzert seit 1991 ohne Unterbrechung zum 23. Mal und wie immer, so dirigierte er auch diesmal das gesamte Programm auswendig.

Die Palette der Ideen scheint bei der Stadtkapelle schier unerschöpflich. Auch wenn einige der Stücke schon in den zurückliegenden Jahren immer mal wieder auf dem Programm standen. Gilbert O Sullivans „Matrimony“ etwa, eigentlich ein Popsong, im Arrangement von Erwin Jahreis zum Posaunensolo umfunktioniert und im Konzert hervorragend intoniert von Marco Hofmann.

Die klassischen Märsche, wie etwa Carl Teikes „Observier-Marsch“, der „Admiral-Stosch-Marsch“ des Thüringer Militärtmusikmeisters Carl Latann oder Johannes Everts berühmter „Telefunken-Marsch“, beherrschen die Musiker natürlich exzellent. Einer alten Tradition folgend wurde auch diesmal wieder ein Stück von Vizedirigenten Werner Schneider geleitet: „Adventure“, die Musik zu einem nicht existierenden Film  von Markus Götz. Auch der Vizedirigent hat den Klangkörper bestens vorbereitet, so dass ihm glatt der Taktstock aus den Händen schießt. Manche Formation würde sich glücklich schätzen, zwei derartige Musiker wie Besand und Schneider an der Spitze zu haben, bei der Stadtkapelle Kulmbach ist dieser Umstand seit Jahren an der Tagesordnung.

Bestens besetzt waren auch die anderen beiden Solostücke, das "Concertino für Klarinette“, von Carl Maria von Weber, blitzsauber intoniert und dynamisch sorgsam ausbalanciert vom Solisten Roland Schaller sowie der berühmte Präsentiermarsch mit dem Titel „Der alte Dessauer“ von Alvin Franz, ein Solo für Trompete, das Daniel Richter so exakt umsetzte, das es an Exaktheit selbst von langjährigen Profis wohl kaum zu überbieten sein wird. Ehrensache, dass alle Solisten zu Zugaben gebeten wurden. Höchste Klangkultur und sensibles Musizieren, das macht die Stadtkapelle aus und erst recht ihre Solisten, die stets aus den eigenen Reihen kommen, für einen derartigen Zusammenschluss ebenfalls keine Selbstverständlichkeit.

Ein Markenzeichen der Stadtkapelle Kulmbach ist es, dass sämtliche Titel entweder in der Originalausgabe oder in absolut authentischen Bearbeitungen gespielt werden. Das gilt natürlich auch für die sogenannte leichte, aber dafür umso anspruchsvollere Klassik wie etwa bei Franz von Suppes dramatischer Ouvertüre zur komischen 0per „Leichte Kavallerie“ oder bei der Annenpolka von Johann Strauss. Gerade bei derart „klassischen Evergreens“, auch Franz Lehars Ouvertüre zu seinem sehr anspruchsvollen „Früh-)Werk „Wiener Frauen“ gehört dazu, schafft es die Stadtkapelle immer wieder, symphonisches Gewicht und kammermusikalische Tugenden miteinander zu verbinden, so dass etwa die Ouvertüre im vollendeten Mischklang von blitzendem Blech und klarem Holz ertönt.

Mitreißend und flott musiziert die Stadtkapelle schließlich auch die wunderschöne Melodienfolge mit Werken von Cole Porter oder John Warringtons „Original Dixieland Concerto“, mit einigen gelungenen Kalauern, für die in der Regel Vorstand Roland Jonak zuständig ist. Bleiben noch die Titelmelodie zu „Police Academy” von Robert Folk und der „Colonel Bogey March“ (Die Brücke am Kwai“) von Kenneth J. Alford, ebenfalls zwei echte Juwelen der Blasmusikliteratur. Einmal mehr war es Karl Heinrich Backert, der zwischen den Stücken allerhand Wissenswertes beisteuerte und gleichzeitig den Musikern die notwendigen Verschnaufpausen ermöglichte.

Bilder:
- Symphonisches Blasorchester der Extraklasse: Die Stadtkapelle Kulmbach unter ihrem Dirigenten Thomas Besand beim Neujahrskonzert am Dienstagabend in der Dr.-Stammberger-Halle.
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Wahre Entertainerqualitäten: Elke Höhn und Thomas Besand als Nancy und Frank Sinatra.

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02.01.2014

Musik im Dienst der Freundschaft /
Von der Hofer Freiheitshalle zu den Vereinten Nationen nach Genf: Bayreuther Zamirchor startet ehrgeiziges Tourneeprojekt zum Holocaust-Gedenktag

Bayreuth. Nach dem Auftritt im Jahr 2010 vor der UN-Vollversammlung in New York will der Zamirchor aus Bayreuth auch in diesem Jahr Maßstäbe setzen. Im Umfeld des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar startet die erst 2006 gegründete Vereinigung zusammen mit befreundeten Chören aus Israel eine fünfteilige Konzertreihe. Neben Auftritten in Bad Steben,  Bayreuth und Hof werden die rund 25 Sängerinnen und Sänger auch die zentrale Gedenkfeier des Bayerischen Landtags im Nürnberger Dokumentationszentrum ausgestalten, die der Bayerische Rundfunk live im Fernsehen überträgt. Höhepunkt und Abschluss ist ein Konzert mit dem Deutschen Radioorchester unter Walter Schreiber am 28. Januar bei den Vereinten Nationen in Genf.

„Für mich ist das Ganze absolute Friedensarbeit“, sagt die Sopranistin Barbara Baier aus Bayreuth, Gründerin, Leiterin und Organisatorin des Zamirchors. Ihr geht es darum, Musik in den Dienst der Freundschaft zu stellen. Zur anstehenden Konzertreihe ist es der Künstlerin gelungen, den Jerusalem Chamber Oratorio Choir und den Tivon Chamber Choir zu gewinnen. Von den zusammen über 60 aktiven Sängerinnen und Sängern wird ein Teil zum ersten Mal in Deutschland sein. Die meisten Chormitglieder werden nicht im Hotel übernachten, sondern wollten bewusst den Alltag in deutschen Gastfamilien kennenlernen.

Während die Konzerte in Bad Steben und Bayreuth reine Acapella-Konzerte sind, bei denen die jeweiligen Chöre zunächst einzeln, später gemeinsam die verschiedensten Werke aufführen werden, gastieren sie in Hof zusammen mit den Hofer Symphonikern, in Nürnberg mit den Nürnberger Symphonikern und in Genf mit dem Deutschen Radioorchester. „Die gesamten Planungen haben über ein Jahr gedauert, sagt Barbara Baier, die für die Gäste aus Israel auch ein touristisches Programm unter anderem mit Stadtführung in Bayreuth und Thermenbesuch in Bad Steben ausgearbeitet hat.

Gespielt und gesungen werden Werke unter anderem von Felix Mendelssohn Bartholdy, Johannes Brahms und Joseph Haydn. Daneben gibt es eine Uraufführung des zeitgenössischen israelischen Komponisten Isaak Tavior mit dem Titel „In your blood life“ für Chor und großes Orchester. Isaak Tavior ist dem Zamirchor seit Jahren eng verbunden und hat den Klangkörper bereits mehrfach dirigiert. So auch seine Komposition „“The vision oft the dry bones“, die auch diesmal wieder zur Aufführung gelangt und für die Isaak Tavior 2012 aufgrund einer CD-Einspielung mit dem Zamirchor den Kulturpreis der israelischen Regierung erhalten hat.

Bei den Acapella-Konzertenhaben die israelischen Sängerinnen und Sänger vor allem deutsche Chorliteratur ausgewählt, während der Zamirchor  unter anderem Lieder des in Auschwitz ermordeten österreichischen Komponisten Viktor Ullmann singen wird. In Bayreuth gibt es außerdem eine Begleitveranstaltung zusammen mit der Wilhelm-Leuschner-Stiftung, bei der die Holocaustüberlebende Ayala Gabay und Jackie Metzger von der Gedenkstätte Yad Vashem zusammen mit Bayreuther und Pegnitzer Schülern in der Zamirhalle diskutieren werden. Termin ist der 24. Januar um 10.30 Uhr.

Schirmherren des Konzertprojektes sind der neue Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich aus Hof und der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk aus Bayreuth. Finanziert wird das Großprojekt unter anderem über den Bayerischen Kulturfond, die Oberfrankenstiftung, dem Bayerischen Landtag, der Bertl-Müllerstiftung Hof, den Verein Pro Hof, dem Hofer Lionsclub, den Städten Bayreuth und Hof, der Sparkasse Bayreuth und den Botschaften der Schweiz, Israels, der USA, Großbritanniens, Polens und Kanadas sowie von mehreren Firmen und Einzelpersonen aus der Region.

Bild: Der Zamirchor aus Bayreuth bei einem Auftritt in der Goldkronacher Stadtkirche.

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28.12.2013

Mit Bach, Brahms und Bruckner in den Jahreswechsel /

Kammermusikalisch besinnliches Konzert zum Stiftungstag in Himmelkron

Himmelkron. Musik berührt die Herzen und vermag das auszusprechen, was durch Worte nicht gesagt werden kann. Ganz unmittelbar wird diese Erkenntnis bei besinnlichen Klängen deutlich, wie sie beim Weihnachtskonzert zum Stiftungstag in der Himmelkroner Stiftskirche St. Maria am Samstagabend zum Tragen kamen.

Unter dem Motto „Laudate Dominum – Lobet den Herren“ hatten die Sopranistin Stephanie Simon, die Cellistin Ulrike Gossel und der Organist Julian Horn ein ganz besonderes und vor allem hochkarätiges Programm zusammengestellt, das bereits am Vortag in Küps erklungen war. Das Programm passte aufgrund seiner populären und doch anspruchsvollen Zusammenstellung nicht nur exakt in die Zeit „zwischen den Jahren“ sondern auch zum Himmelkroner Stiftungstag, einer Art Geburtstag des ehemaligen Klosters.

So geht die alljährliche Erinnerung an den Stiftungstag auf die Gründung des einstigen Himmelkroner Klosters durch Graf Otto III. von Weimar-Orlamünde im Jahr 1279 zurück. Die Stiftungsurkunde trägt das Datum 28. Dezember 1279, in dem Stiftungsbrief wird der Name Himmelkron erstmals für das neue Kloster genannt. Das will natürlich gefeiert werden, gerade jetzt in den Tagen kurz vor dem Jahreswechsel. Zusammen mit der Volkshochschule Himmelkron und der evangelischen Kirchengemeinde taten das die Künstler freilich nicht laut und krachend, sondern kammermusikalisch besinnlich, doch nicht minder eindrucksvoll.

Stephanie Simon, die in Würzburg bei Cheryl Studer Gesang studiert hat, verbindet mit Ulrike Gossel, die ihre musikalische Ausbildung unter anderem am Salzburger Mozarteum erfuhr, seit vielen Jahren eine musikalische und private Freundschaft, die durch regelmäßige Konzerttätigkeit unterstützt wird. Mit Julian Horn haben die beiden einen jungen Organisten an ihrer Seite, der in Freiburg seine Ausbildung zum C-Musiker absolviert und in mehreren Gemeinden als Organist tätig ist. Musiziert wurde von der Orgelempore herab, womit die ohnehin exzellente Akustik, praktisch ohne Nachhall bestens zur Geltung kam.

Den Künstlern gelang es etwa mit einer Nummer aus dem Oratorium „Die Jahreszeiten“ von Joseph Haydn, den barocken Klang mit lebendiger, zeitgemäßer Gestaltung zu verknüpfen und vor allem mit einer einzigartigen Vielfalt den verborgenen Geist der Werke aufzuspüren. Mal in der Kombination Orgel, Cello und Sopran, mal Orgel und Sopran, Cello und Orgel oder die Orgel solo, die drei jungen Musiker waren in jeder Zusammenstellung überzeugend. Höhepunkt für viele Zuhörer war das meditative Weihnachtslied „In the bleak midwinter“ des englischen Spätromantikers Gustav Holst, bei dem der Organist Julian Horn zum Bariton wurde und zusammen mit der Sopranistin absolut gekonnt zweistimmig sang.

Insgesamt wirkte die Interpretation der Sopranistin Stephanie Simon nie unangemessen forciert, vielmehr folgte sie stets dem musikalischen Impetus des jeweiligen Komponisten. Mit absolut wandelbarer Stimme, jederzeit textverständlich sehr kraftvoll im Forte und glasklar im Piano bewältigt die Sängerin beispielsweise die wunderbaren aber nicht unbedingt gängigen Weihnachtslieder von Peter Cornelius oder das beeindruckende Schubert-Lied „Du bis die Ruh“.

In Anton Bruckners Ave Maria-Bearbeitung gelang den Ausführenden, diesmal wieder Orgel, Cello und Sopran, eine lebendige, spannende und anspruchsvolle Wiedergabe. Ganz geheimnisvoll erklang die Bearbeitung des Largo aus dem „Winter“ der Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi, eigentlich der langsame Satz eines Violinkonzert, das auch in der Cello-Version nichts an Attraktivität eingebüßt hatte. Zumal mit Ulrike Gossel eine Künstlerin am Werk war, die absolut akzentuiert spielt, jeden Ton wunderbar kontrolliert und so Momente innigster Spannung schafft. So auch Julian Horn, der sich als zuverlässiger und vielseitiger Begleiter und Solist an der Orgel erweist. Zurückgenommene Tempi, hohe Virtuosität und technische Versiertheit, das sind die Markenzeichen des gekonnt aufspielenden Organisten, etwa beim Choralvorspiel von Johannes Brahms zu dem bekannten Weihnachtslied „Es ist ein Ros entsprungen“.

Das Weihnachtskonzert in der nur knapp zur Hälfte besetzten Himmelkroner Stiftskirche entließ die Zuhörer nicht nur froh gestimmt in den Jahreswechsel, sondern hat es auch vermocht, die Herzen zu berühren, was am großen und lange andauernden Beifall deutlich wurde. Sogar eine Zugabe gab es mit Cesar Francks bekanntem Weihnachtslied „Panis Angelicus“.

Bild: Stephanie Simon (rechts), Ulrike Gossel und Julian Horn gestalteten das Weihnachtskonzert zum Stiftungstag in der Himmelkroner Stiftskirche St. Maria

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28.12.2013

Pfefferkuchen an der Ölschnitz /
Bad Berneck veranstaltet eigene Jean-Paul-Festtage

Bad Berneck. Das Jean-Paul-Jahr 2013 zum 250. Geburtstag des Dichters ist vorbei. Das Comeback, das Jean Paul dank des engagierten Einsatzes unermüdlicher Fürsprecher erfahren durfte, soll aber nicht wieder abebben, wie das so oft nach Gedenkjahren passiert. In Bad Berneck etwa plant die Stadt schon für Herbst 2014. Ideengeber der ersten Jean-Paul-Tage und Garant dafür, dass die Sache auch wirklich realisiert wird, ist Hans Jürgen Schatz, Schauspieler aus Berlin und einer, der sich seit Jahrzehnten um Jean Paul verdient gemacht hat. Hans-Jürgen Schatz hat die Leitung der Jean-Paul-Tage vom 10. bis 12. Oktober 2014 übernommen, die Werbung dafür startet in diesen Tagen.

Wie gut, dass Hans-Jürgen Schatz nicht nur für Jean Paul schwärmt, sondern auch für Bad Berneck. Seit 25 Jahren kommt er bereits regelmäßig hierher. „Bad Berneck ist für mich zur zweiten Heimat geworden“, sagt er. Der Schauspieler hatte bereits 1992 in der Bayreuther Markgrafenbuchhandlung seine allererste Jean-Paul-Lesung gegeben, seitdem zahlreiche CDs mit dem Werk Jean Pauls aufgenommen und sich in herausragender Art und Weise für den Ausbau des Dichterstübchens in der Bayreuther Rollwenzelei stark gemacht. „Wer sich mit Jean Paul beschäftigt, der weiß, der Weg ist das Ziel“, sagt Schatz.

Einen Jean-Paul-Platz und einen Jean-Paul-Rundweg gibt es schon in der Kurstadt, die in den zurückliegenden Jahren immer wieder mal Federn lassen musste und bei Gästen wie Touristen an Anziehungskraft verloren hatte. Doch wenn es mit der Kultur aufwärts geht, dann kommen auch die Gäste, so glaubt man, und will deshalb verstärkt als Jean-Paul-Ort wahrgenommen werden. „Die Jean-Paul-Tage sollen auch den Kulturtourismus ankurbeln“, sagt Hans-Jürgen Schatz.

Jean Paul soll in Bad Berneck hoch oben über dem Ölschnitztal mehrfach Station gemacht haben. Die Stadt selbst beschreibt er als einladend und freundlich. Bemerkenswert ist, dass neben Jean Paul, auch schon die Dichter der Romantik, Ludwig Tieck und Wilhelm Heinrich Wackenroder, die Bayreuther Markgräfin Wilhelmine, das Universalgenie Alexander von Humboldt, der Biedermeier-Schriftsteller Nikolaus Lenau und der Lyriker Joseph von Eichendorff von der idyllischen Lage und dem romantischen Gepräge der Stadt angetan waren und sie als verstecktes Paradies beschrieben haben.

Namentlich genannt wird Bad Berneck bei Jean Paul in dem Roman „Siebenkäs“, wo sonst möchte man fast schon sagen: „In Berneck übernachteten sie zwischen den hohen Brückenpfeilern von Bergen, zwischen welchen sonst die Meere schossen, die unsere Kugel mit Gefilden überzogen haben“ heißt es da. Eine besondere Vorliebe soll Jean Paul auch für die Bernecker Pfefferkuchen gehabt haben. Im September 1820 bat er seinem Sohn Max in einem Brief, zusammen mit dem Freund Emanuel Osmund nach Berneck zu fahren, um neue Pfefferkuchen einzukaufen: „„Schon seit drei Monaten sitz' ich an meinem Schreibtische ohne einen Bissen Bernecker Pfefferkuchen; denn eine Maus in meinem Koffer hatte allen Vorrat, um ihn gut auszukernen, fein zersiebt.“

Die historischen Verbindungen sind also tatsächlich belegt, so dass den Jean-Paul-Festtagen eigentlich nicht mehr im Weg stehen sollte. Ehrensache ist, dass sich Hans-Jürgen Schatz auch selbst einbringen wird, ein entsprechender Vertrag zwischen der Stadtspitze und dem Schauspieler wurde bereits unterzeichnet, die Flyer sind gedruckt und ein Antrag auf Fördergelder beim Kulturfonds Bayern ist positiv beschieden.

Die ersten Bad Bernecker Jean-Paul-Festtage werden vom 10. bis zum 12. Oktober 2014 über die Bühne gehen, ein Zeitraum, der ganz bewusst außerhalb der Ferien- und Festspielzeiten liegt und zu dem ganz gezielt auch Besucher von außerhalb anreisen und ein paar Tage im herbstlichen Fichtelgebirge verweilen sollen. „Es geht nicht um ein Event, es geht um ein kulturelles Alleinstellungsmerkmal“, sagt der Schauspieler, der bereits für 2015 plant. Die ersten Jean-Paul-Tage in Bad Berneck sollen also keine Eintagsfliege sein.

Höhepunkt der 1. Bad Bernecker Jean-Paul-Festtage ist eine Konzertlesung mit Hans-Jürgen Schatz und dem Ensemble Berlin, dem mehrere Mitglieder der weltberühmten Berliner Philharmoniker angehören, am Samstag, 11. Oktober in der der evangelischen Dreifaltigkeitskirche. An gleicher Stelle wird Hans-Jürgen-Schatz im Festgottesdienst am Sonntag, 12. Oktober die „Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei“ lesen. Dekan Hans-Martin Lechner wird seine Predigt diesem Text widmen.

Unter dem Motto „Hoppelpoppel und Schnepfendreck“ werden die Kulturjournalistin Cosima Lutz und die Köchin Beate Roth bereits am Freitag, 10. Oktober im Gemeindehaus einen Einblick in die Esskultur zur Zeit Jean Pauls geben. Außerdem stehen ein Vortrag über den Maler und Zeichner Ludwig Richter und eine Märchenlesung auf dem Programm.

Bilder:
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Hans-Jürgen Schatz, Ideengeber und künstlerischer Leiter der ersten Bad Bernecker-Jean-Paul-Festtage.
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Marktplatz Bad Berneck.
- Der Jean-Paul-Weg führt mitten durch den Bad Bernecker Kurpark.
- Die Evangelische Dreifaltigkeitskirche mit der Hey-Orgel aus dem Jahr 1991 ist Schauplatz des zentralen Konzerts der Jean-Paul-Festtage in Bad Berneck.

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22.12.2013

Klanggewaltige Einstimmung auf das Fest / Thomas Grünke gab gelungenes Debüt bei den Weihnachtskonzerten des Kulmbacher Kammerorchesters

Kulmbach. Es war ein überaus gelungenes Debüt, das Thomas Grünke am Sonntag bei zwei Konzerten mit dem Kulmbacher Kammerorchester geboten hat. Das traditionelle  Weihnachtskonzert fand diesmal bereits am Nachmittag in der Bartholomäuskirche in Ludwigschorgast und am Abend dann in der Kreuzkirche statt und zum ersten Mal stand der neue Dirigent aus Kasendorf bei den Auftritten am Pult. Thomas Grünke ist seit rund zwei Jahrzehnten als Organist in Trebgast tätig und leitet dort auch den Kirchenchor, den er gleich bei seinen Debütkonzerten in das Programm integriert hat.

„Unsere Kirche platzt aus allen Nähten“, sagte Pfarrer Martin Wolff, und tatsächlich mussten schon lange vor Beginn zusätzliche Stühle in den Kirchenraum gebracht werden, um alle Zuhörer unterzubringen. Orchester und Chor war aber auch mit einem populären, barocken weihnachtlichen Programm angetreten, das bestens geeignet war, die Herzen der Zuhörer zu berühren und die Menschen auf das Fest einzustimmen. So gleich zu Beginn mit dem Eingangschor und dem Sopransolo aus Georg Philipp Telemanns Kantate „Machet die Tore weit“, bei dem zunächst der hervorragend disponierte Trebgaster Kirchenchor und dann die junge Kulmbacher Sopranistin Lisa Stenglein stimmgewaltig die frohe Botschaft verkündeten.

Musikalischer Höhepunkt war sicherlich Georg Friedrich Händels D-Dur-Suite für Trompete und Orchester mit dem jungen und bereits international gefeierten Solisten Moritz Görg, der schon öfter in der Region zu erleben war. Klar durchgestuft und differenziert phrasierend spielte er das fünfsätzige Werk, das auch vom begleitenden Orchester fein gegliedert und in der Struktur gut durchhörbar aufgeführt wird. Der Ton des aus Ulm stammenden Trompeters ist in allen Bereichen fein ausbalanciert und seine Linienführung elastisch und präzis, so dass Händel an diesem Abend in einem ganz wunderbaren und kräftigen Glanz erstrahlte.

Fünf Weihnachtslieder, acapella von dem über 60 Frauen und Männern starken Chor aufgeführt, standen im Zentrum des Konzertes, darunter auch das so bekannte „Es ist ein Ros entsprungen“, dessen vierstimmiger Chorsatz von dem protestantischen Kirchenkomponisten Michael Praetorius stammt. Kraftvoll in den Frauenstimmen, vielleicht etwas dünn bei den Tenören und Bässen erklang der Chor, der von zahlreichen Gastsängern des Plassenburg Singkreises und des Untersteinacher Chores Verstärkung erfuhr.

Angenehme Tempi und ganz der Partitur entsprechend ein Gleichgewicht zwischen Solisten und Orchester: das ist es, was die Aufführung des Doppelkonzerts für zwei Violinen von Johann Sebastian Bach ausmachte. Bachs Konzert war nie auf den solistischen Effekt ausgerichtet und so verstanden es die Solisten Katharine und Albert Huber auch bestens, sich nicht etwa in den Vordergrund zu spielen, sondern auch dem umsichtig geleiteten Orchester genügend Raum zur Entfaltung zu lassen. Richtiges Teamwork sozusagen, dazu ein Bach mit Vitalität und ein Orchester, das durchaus mehr bot als die Übernahme einer reinen Begleitungsfunktion.

Zwei Chorsätze und ein Instrumentalsatz aus Händels „Messias“ rundeten das Programm ab, wobei Chor und Orchester die Kontraste hervorragend herausarbeiteten, dabei rhythmisch präzise und dynamisch lebendig musizierten. Bei Händels Weihnachtslied „Tochter Zion“ durften schließlich alle mitsingen, ein Angebot, das auch gerne angenommen wurde.

Am Ende dann gab es nicht nur eine Zugabe aus Händels „Messias“, sondern auch viele Worte des Dankes an den neuen Dirigenten und vor allem an seinen Vorgänger Horst Degelmann, der 35 Jahre lang an der Spitze des Orchesters stand. Oberbürgermeister Henry Schramm berichtete von genau 269 Auftritten Degelmanns, davon fast 100 Orchesterkonzerte unter Degelmanns Leitung. „Für sie  war es mehr als ein Job, für sie war es eine Herzensangelegenheit“, sagte der zu Degelmann und überreichte ihm ein Ehrenwappen der Stadt.

Bilder:
- Das Kulmbacher Kammerorchester und Thomas Grünke bei seinem traditionellen Weihnachtskonzert in der Kulmbacher Kreuzkirche.

- Der neue Dirigent des Kulmbacher Kammerorchesters Thomas Grünke und sein Vorgänger Horst Degelmann, dem Oberbürgermeister Henry Schramm (von links) ein Ehrenwappen der Stadt überreichte.

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09.12.2013

Brass statt Pauken und Musik statt Mathe / Rekkenze Brass auf Tour durch oberfränkische Schulen

Hof. Dennis spielt kein Instrument. Dennis spielt Fußball, so sagt er. „Aber Fußball kann doch jeder“, entgegnet Benjamin Sebald an diesem Morgen in der Grundschule am Schlosspark in Konradsreuth bei Hof. Benjamin Sebald ist Profimusiker. Beim Blechbläserquintett Rekkenze Brass spielt der gebürtige Pegnitzer die Trompete. In einer sogenannten Musikhörstunde, einer außergewöhnlichen Schulstunde, gelingt es Benjamin Sebald schnell, den Grundschüler für die Musik zu begeistern. Für sein engagiertes Spiel auf der Triangel bekommt Dennis sogar eine CD, die sich die Klasse in der nächsten Musikstunde bestimmt noch einmal genauer anhören wird.

„Uns geht es nicht nur darum, den Kindern die klassische Musik nahe zu bringen, sondern auch allgemein ihr Interesse und Verständnis für Musik zu wecken“, sagt Rainer Streit, der aus Kulmbach stammt und bei Rekkenze Brass die Tuba spielt. Viele von den Schülern seien noch nie in einem klassischen Konzert gewesen. „Sie kennen das Erlebnis gar nicht, der Musik einmal leise zuzuhören und sie einfach so auf sich wirken zu lassen, sagt Rainer Streit. „Wenn wir dann bei dem einen oder anderen Kind etwas bewirken können, hat sich unser Engagement schon gelohnt.“

Das Engagement, von dem der Musiker spricht, das sind die Schulstunden ganz besonderer Art, für die sich die international bekannte Formation mehrmals im Jahr Zeit nehmen. Sie tut dies im Auftrag des Bezirks Oberfranken, der mit den Musikhörstunden seiner kulturellen Verpflichtung zum Wohl des musikalischen Nachwuchses gerecht wird. Während anderswo Musikstunden gekürzt werden, sollen die oberfränkischen Schüler davon profitieren, ein derart renommiertes Ensemble vor Ort zu haben, das sich wie kaum ein zweites der musikalischen Förderung verschrieben hat. Weitere Bausteine zur Förderung des musikalischen Nachwuchses in Oberfranken sind das Jugendsymphonieorchester, das sich alljährlich an Ostern trifft und die Internationale Musikbegegnungsstätte Haus Marteau mit rund 40 hochkarätigen Meisterkursen pro Jahr.

Soweit sind die Grundschüler in Konradsreuth freilich noch nicht, wenngleich auf die Frage, wer denn ein Instrument spielt, schon einige Finger in die Höhe schnellen. Noch etwas schüchtern wippen die Jüngsten zunächst im Takt mit, wenn Rekkenze einen Jahrhunderte alten Bläsersatz des Komponisten Michael Prätorius erklingen lässt. „Die Musik war auch schon vor ein paar hundert Jahren ganz schön rockig“, sagt der Trompeter Benjamin Sebald. Immer wieder bezieht er die Schüler aktiv mit ein, etwa wenn es gilt, das höchste und das tiefste Instrument zu erkennen, an den richtigen Stellen zu Klatschen oder den verschiedensten Trompeten selbst einmal einen Ton zu entlocken.

Eine Minute lang tatsächlich mucksmäuschenstill zu sitzen, das ist für einige gar nicht so einfach. Dafür kommt die Nummer mit dem Gartenschlauch immer wieder gut an. Den Schlauch hat die Hornistin Debra Lutrell mit einem Mundstück am einen und einem Trichter am anderen Ende präpariert, um ihn über die erstaunten Köpfe kreisen zu lassen und dabei auch noch richtige Musik zu machen. Das Weihnachtslied „Es ist ein Ros entsprungen“ kennt an diesem Morgen niemand, dafür bringt einer, warum auch immer, die bekannte Volksweise „Muß i denn zum Städtele hinaus“ mit Benjamin Blümchen in Verbindung. Den Musikern ist das diesmal egal, ihnen kommt es darauf an, den Schülern etwas mitzugeben von der Faszination der Musik, denn Musik, und davon sind alle fünf überzeugt, ist für die Persönlichkeitsbildung eines jeden Kindes von enormer Bedeutung.

Nach gut einer Stunde müssen sich die fünf Musiker schon wieder verabschieden, denn im Nachbarort steht bereits die nächste Musikhörstunde auf dem Programm. Die Schüler sind begeistert, die Konzentration auf Mathe und Deutsch fällt in den verbleibenden Unterrichtsstunden sicher schwer. Und die fünf Blasmusikstars sind froh, dass sie wieder ein bisschen dazu beitragen konnten, Schwellenängste zur klassischen Musik abzubauen. Bei entsprechender Motivation und am Besten in einer Gruppe könne man die Schüler für fast alles begeistern, glaubt Rainer Streit. „Wenn sie dann aber einmal andere Kinder oder uns spielen hören, kann das mitunter ein riesiger Ansporn sein das selber einmal auszuprobieren.“

Bilder: Rekkenze Brass bei einer Musikhörstunde in der Grundschule am Schlosspark in Konradsreuth.

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03.12.2013

Beatles Cover mit den Cavern Beatles /
Fab Four in Kulmbach: Tribute-Show erweckte Aura der Pilzköpfe zum Leben

Kulmbach. Mit Cover-Bands ist das so eine Sache: Erstens kommen sie sowieso nicht an das Original heran und zweitens wirkt das Ganze halt doch meist wie ein billiger Abklatsch. Mit der Band „The Cavern Beatles“, die am Dienstagabend die Dr.-Stammberger-Halle gerockt hat, ist das ganz anders. Die 1989 gegründete Gruppe, die inzwischen mehrfach ihre Besetzung änderte, gilt als eine der besten, bekanntesten und beliebtesten Beatles-Coverbands der Welt. Das kommt natürlich nicht von ungefähr: Die vier Mitglieder stammen tatsächlich aus Liverpool, atmeten also auch die Luft, die schon John, Paul, George und Ringo geatmet hatten. Außerdem dürfen sie sich auch ganz offiziell mit dem Prädikat „Cavern“ schmücken. So heißt der Club, in dem die echten Beatles ihre ersten Auftritte hatten.

Steve White (Gitarre und Gesang), Paul Tudhope und Craig Gamble (beide Bass und Gesang) sowie Simon Ramsden (Schlagzeug) kommen tatsächlich ganz nah an das Original heran, zumindest so, wie man sich einen Auftritt der Beatles heute vorstellt, denn die wenigsten dürften einen echten Beatles-Auftritt erlebt haben. Kreischende Mädels und zertrümmertes Mobiliar gibt es freilich nicht mehr, aber auch in Kulmbach tanzt und klatscht das begeisterte Publikum mehr, als es auf den Stühlen sitzt. Schade nur, dass einige Plätze ganz leer blieben.

Akustisch kommen die vier absolut authentisch rüber, optisch zeigen sie eine verblüffende Ähnlichkeit zu ihren Vorbildern. Die vier Jungs von „The Cavern Beatles“ haben ihre Vorbilder genau studiert. Mimik und Gestik, Gesang und Bewegungen - alles stimmt bis ins kleinste Detail. Doch nicht nur das, „The Cavern Beatles“ schaffen es, das wahre Wesen der Künstler und die Stimmung der Zeit zu erfassen, und dies dem Publikum zu vermitteln.

Das Konzert war zweigeteilt, entsprechend der beiden bekannten Best-Of-Alben. Das Besondere an dem Auftritt war es dabei, dass nicht nur die Songs der ersten Beatles-LPs zu hören waren, sondern im zweiten Teil auch Stücke wie „Strawberry Fields Forever“, „Lucy in the sky with diamonds“ oder „Let it be“.  Die späteren Lieder hatten die echten Beatles nie live auf der Bühne gespielt, denn ab Sommer 1966 gab es keine Tournee mehr. Für wahre Beatles-Fans kommt es deshalb einer Offenbarung gleich, wenn ausgerechnet diese Songs so echt, so gekonnt und so tief berührend  plötzlich live erklingen.

Doch auch ohne das Spätwerk: das Repertoire der Band war eine einzige Hitparade, live zu hören in der ersten Hälfte. Fast alle Nummer-Eins-Singles hatten die Cavern Beatles im Gepäck: „I wanna hold your hand“, „She loves you“, „A hard days night“, „I feel fine“, „Eight days a week“, „Help“, „We can work it out“ bis „Paperback Writer“. Die gesamten geradlinigen Yeah-Yeah-Yeah-Rock‘n‘Roll-Nummern eben, die das Publikum noch immer von den Sitzen reißen. Wie eine Schülerband stehen sie zunächst da, in eng sitzenden Anzügen der Zeit und rocken mächtig los.

Nach der Pause dann die bunten Fantasiekostüme aus Yellow Submarine, und schließlich die „Peace- & Revolution“-Zeit mit einem weiß gekleidetem John Lennon mit Nickelbrille. Stehend forderte das Publikum am Ende des rund zweieinhalbstündigen Power-Konzerts mit authentischer Technik, Instrumenten und Kostümen und ohne jeglichem „Schnick-Schnack“ mehrere Zugaben ein. Für alle Beatles-Fans, die den Abend in Kulmbach verpasst haben, ist der Auftritt der Cavern-Beatles am 21. Januar im Zentrum in Bayreuth ein absolutes Muss.

Bild: Absolut echt und authentisch: „The Cavern Beatles“ auf der Bühne der Dr.-Stammberger-Halle in Kulmbach.

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30.11.2013

Von der Hoffnung und der Sehnsucht auf Freiheit / In Bayreuth erklang am Wochenende mit der Polonia-Ouvertüre eine absolute Wagner-Rarität

Bayreuth. Zum Abschluss des Richard-Wagner-Jahres in Bayreuth war es dem Städtischen Musikschulorchester unter der Leitung von Nicolaus Richter gelungen, mit der Polonia-Ouvertüre eine absolute Rarität von Richard Wagner aufzuführen. Dem Ereignis entsprechend platzte der Musikschulsaal aus allen Nähten, ein Großteil der Besucher konnte nur noch einen Stehplatz ergattern oder musste auf den Gängen Platz nehmen. Eigens nach Bayreuth war für die Aufführung auch der polnische Botschafter Jerzy Marganski gekommen, der seit über 20 Jahren enge Verbindungen zur hiesigen Deutsch-Polnischen Gesellschaft und zum Bundestagsabgeordneten und Parlamentarischen Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk pflegt.

Die Polonia-Ouvertüre in C-Dur hatte Richard Wagner 1836 in Berlin geschrieben. Ob die Uraufführung noch unter Wagners Leitung im selben Jahr in Königsberg stattfand ist nicht gesichert, sicher ist dagegen, dass die Ouvertüre am 2. Januar 1905 und damit lange nach dem Tod Wagners in der Queens Hall von London gespielt wurde. Die Anregung zu der Komposition soll Wagner von seinem polenbegeisterten Freund, dem Schriftsteller, Kritiker und Theaterleiter  Heinrich Laube erhalten haben.

Die Aufführung markierte gleichzeitig den Höhepunkt der Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen der Deutsch-Polnischen Gesellschaft in Bayreuth und die Finissage der Wanderausstellung „Frühling im Herbst - Vom polnischen November zum deutschen Mai. Das Europa der Nationen 1830-1832“. Gegenstand der Ausstellung war der polnischen Aufstand im russisch besetzten Teil Polens im November 1830 bis zum Hambacher Fest im Mai 1832, das als Geburtsstunde der deutschen Demokratie gilt.

Hier setzt auch Richard Wagner Polonia-Ouvertüre an. „Ohne Polens Freiheit keine deutsche Freiheit!“ lautet eine der Forderungen des Hambacher Fests, bei dem deutsche Patrioten um mehr Demokratie und Pressefreiheit in deutschen Ländern warben. Sie haben sich dem polnischen Volk verbunden gefühlt, welches gerade im Novemberaufstand 1830/1831 seine politische Freiheit zu gewinnen versuchte – und den Kampf verloren hatte. Nach dem gescheiterten Aufstand mussten viele Polen ins Exil flüchten. Begeistert wurden sie auf ihrem Weg durch einige deutsche Staaten von der Bevölkerung empfangen, worauf eine große Welle der Polenbegeisterung, deren Zeuge auch Richard Wagner in Leipzig wurde, folgte.

Seine Polonia-Ouvertüre ist stark von jenen Ereignissen und Eindrücken geprägt. „Es geht um die Hoffnung, und die Sehnsucht auf Freiheit“, hatte die Vorsitzende des Deutsch-Polnischen Gesellschaft Barbara Sabarth im Vorfeld erläutert. Das knapp 15-minütige Werk beginnt düster, endet aber im Triumph, in der Komposition finden sich auch Motive polnischer Volkslieder jener Zeit wieder.

Die Deutsch-Polnische Gesellschaft (DPG) von Bayreuth wurde im Herbst 2003 gegründet. Zweck und Aufgabe des Vereins ist die Förderung der Verständigung zwischen den Menschen in Polen und Deutschland durch die Pflege zwischenmenschlicher Beziehungen in kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Bereichen. Sämtliche Aktivitäten kommen durch das ehrenamtliche Engagement  und durch Spenden von Mitglieder und Sponsoren zustande, so auch das Konzert in der Musikschule, bei dem außerdem Wagner Festouvertüre zum Neujahrsa sowie die Meistersinger-Ouvertüre in einer Bearbeitung für Jugendorchester und die Ballettmusik „Don Juan von Christoph Willibald Gluck erklangen.

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27.11.2013

Schlicht und erhaben: Hörner und Orgel in der Spitalkirche /
Zweites Konzert der Kulmbacher Kirchenmusiktage

Kulmbach. Zum zweiten Konzert der Kulmbacher Kirchenmusiktage waren am Mittwochabend in der Spitalkirche zwei denkbar unterschiedliche Instrumente zu hören. Der Oberhausener Solohornist Reiner Cwienczek hatte unter anderem neben seinem Waldhorn ein stattliches Alphorn mitgebracht und neben einigen Solostücken zusammen mit Dekanatskantor Ingo Hahn auch einige Werke für die ungewöhnliche Konstellation Horn und Orgel ausgewählt.

Das Alphorn ist schon ein seltsames Instrument: ein fast vier Meter langes archaisches Blasinstrument. Archaisch klingt es auch und füllt den Raum der Spitalkirche eindrucksvoll aus. Weil Ventile, Klappen oder Grifflöcher fehlen, können auch nur Natur- oder Obertöne gespielt werden. Melodik und Harmonik beschränken sich auf einige wenige Dur-Dreiklänge und die daraus abgeleiteten einfachen Harmonien. Das allerdings erhebt das Instrument nicht nur im kirchlichen Raum zu großer Schlichtheit und Erhabenheit. Trotzdem ist es gerade hier der denkbar größtmögliche Gegenpart zur „Königin der Instrumente“, der Orgel.

Solohornist Reiner Cwienczek musizierte unter anderem das  „Rezitatif pour cor des Alpes solo“ des Komponisten Etienne Ysoz (1905 – 1986) und zusammen mit Ingo Hahn an der Orgel mehrere traditionelle volksmusikartige Alphornmelodien, die natürlich aus dem Land des Alphorns stammen, aus der Schweiz. Eine ganz besondere Komposition ist das „Giocoso“ des Schweizer Alphornvirtuosen Hans-Jürg Sommer. Dann leuchtete Ingo Hahn auf der Ott-Orgel Johann Sebastian Bachs berühmtes Choralvorspiel „Nun komm der Heiden Heiland“ virtuos aus, ehe die beiden wieder zusammen musizierten. Allerdings nicht mit dem Alphorn, sondern von der Orgelempore herab mit einem klassischen Waldhorn.

Auf dem Programm standen von Andre Babinec, einem langjährigen Hornisten aus dem Bayreuther Festspielorchester, ein „Gebet für Waldhorn und Orgel“ sowie von Camille Saint-Saens, bekannt für ungewöhnliche Konstellationen, die sehr introvertierte Romanze für Waldhorn und Orgel in F-Dur op.3. Reiner Cwienczek und Ingo Hahn gelang es bestens sowohl die unterschiedlichen Stimmungen und Charaktere der Musik lebhaft wiederzugeben als auch die ganz eigenen Klangfarbenspiele, zu denen diese Besetzung fähig ist, schattierungsreich auszuspielen.

Abschließend standen zwei Stücke des von Franz Liszt geschätzten Dirigenten und Organisten Theodor Kirchner auf dem Programm Reiner Cwienczek überzeugte mit meist kernigem Ton, auch in den höheren Lagen, so wie der Solist überhaupt ein Meister der Flexibilität ist. Mit einfühlsamen Spiel auf der Orgel gelingt es Ingo Hahn, die beiden so gegensätzlichen Instrumente fast schon zu verschmelzen, wobei Solist und Dekanatskantor abwechselnd den Part des Impulsgebers einnehmen.

Bild: Auf zwei Instrumenten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, musizierten der Oberhausener Solohornist Reiner Cwienczek und Dekanatskantor Ingo Hahn an der Ott-Orgel der Spitalkirche.


24.11.2013

Totenmesse am Totensonntag: Kulmbacher Erstaufführung: 29. Kirchenmusiktage mit Aufführung des Salieri-Requiems eröffnet

Kulmbach. Der Komponist Antonio Salieri (1750 – 1825) gilt fälschlicherweise als Rivale Mozart. In Wirklichkeit ist er der Lehrer unter anderem von Ludwig van Beethovens und Franz Schubert. Schon allein deshalb hat er eine wichtige musikhistorische Bedeutung. Umso erstaunlicher, dass sein Requiem so selten gespielt wird. Der Kulmbacher Dekanatskantor Ingo Hahn hat das Werk zum Auftakt der Kirchenmusiktage aus der Schublade geholt und es zusammen mit der Kantorei und dem Orchester Musica Juventa aus Halle einstudiert. Die Kulmbacher Erstaufführung der Totenmesse am Totensonntag in der St.-Petri-Kirche markierte nicht nur den Beginn der 29. Kirchenmusiktage sondern gab auch eindrucksvolles Zeugnis von der Qualität des Werkes ab.

Ein Grund dafür, dass dieses Requiem so selten gespielt wird, ist sicher seine relativ kurze Aufführungsdauer von nur rund 40 Minuten. Der unsicher einsetzende Beifall und die Tatsache, dass viele Zuhörer noch lange im Kircheninneren verweilten, machten deutlich, dass viele auf ein abendfüllendes Werk eingestellt waren. Dabei hatte das Orchester Musica Juventa aus der Händel-Stadt Halle eigens noch ein kleines Oboenkonzert ihres Genius loci mitgebracht, das Ulrich Hellem als Solist hervorragend musizierte. Daneben ist das Saliere-Requiem aber auch für die Gesangssolisten äußerst undankbar. Es erfordert vier herausragende Solisten, doch keiner davon darf ein wirkliches Solo singen. Trotzdem hat es das c-Moll-Requiem durchaus verdient, aufgeführt zu werden.

Salieris Lebenswerk galt dem Theater, erst spät hat er sich der Kirchenmusik zugewandt und das großartige Requiem, und zwar für seine eigene Trauerfeier, so makaber das auch klingen mag. Salieri überlebte sein Werk allerdings über 20 Jahre lang. In seiner sakralen Musik führte er den typisch biedermeierlichen Tonfall des frühen 19. Jahrhunderts ein, der später einen besonders starken Einfluss auf die geistlichen Werke seines Schülers Franz Schubert ausüben sollte.

Konzeptionell, wie auch interpretatorisch klar und schlüssig führten die rund 25 Musiker des Orchesters Musica Juventa und die 60-köpfige Kulmbacher Kantorei unter der Gesamtleitung von Ingo Hahn  die Komposition auf. Starke dynamische Kontrastsetzungen in den Chorsätzen ließ Ingo Hahn aufgrund der doch relativ kleinen Orchesterbesetzung kaum zu. Ruhig und fließend erklang das Requiem, alle Hektik in den Tempi wurde unter der Stabführung des Dekanatskantors konsequenterweise vermieden.

Der stets präsente, in gewohnter Klangkultur agierende und ständig geforderte Chor sowie das perfekt aufspielende Orchester erschienen in der ohnehin prächtigen Akustik der St.-Petri-Kirche ausgewogen. Die Kantorei befand sich in sehr guter Verfassung und bot ein in sich geschlossenes Klangbild sowie eine dichte Gestaltung. Dezent zwar, doch als aufmerksame und sichere Begleiter erwiesen sich die Mitglieder der Musica Juventa. Ingo Hahn dirigiert in lockerer Führung, lässt die Musik atmen und sich flexibel entfalten. Homogen erklang das Solistenquartett mit Maria van Eldik (Sopran), Katharina Heiligtag (Alt), Stefan Romankiewicz (Tenor) und Rudolf Hillebrand (Bass ). Aufgrund der Struktur des Werkes und der fehlenden Soloarien blieben die vier Solisten naturgemäß allerdings im Hintergrund.

Bild: Zum Auftakt der Kirchenmusiktage führte Ingo Hahn in der St.-Petri-Kirche mit der Kulmbacher Kantorei und dem Orchester Musica Juventa aus Halle das Requiem von Antonio Salieri auf.

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08.11.2014

Konzert zum 250. Geburtstag von Jean Paul: Barock und Zeitgenössisches – Banalität und Philosophie

Kulmbach. Größer könnte die Bandbreite kaum sein: Da treffen die „Daily songs“ des 1956 in Hamburg geborenen Komponisten Michael Maierhof aus dem Jahr 2012 auf Flötenmusik von Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788). Ein anderes Beispiel: Flötenmusik von Johann Joachim Quantz (1697-1773) wird in Bezug gesetzt zur „Musik durch bratende Äpfel“, eine Komposition, die tatsächlich so heißt und die der 1987 geborene Rouven Emanuel Hoffmann aus Limburg geschaffen hat. Die Aufführung in Kulmbach war sogar die offizielle Uraufführung.

Hinter all dem steckt der Dichter Jean Paul, an dessen 250. Geburtstag die literarische Welt heuer erinnert. In einer gemeinsamen Veranstaltung der Stadt und des Vereins „Jean Paul 2013 e.V“ mit dem Titel „Ton-Dichtungen“ am Freitagabend in der Kulmbacher Musikschule war es das Ziel, Verbindungslinien zwischen Jean Paul und der Musik aufzuzeigen.

„Daily songs“ etwa war im Rahmen des Kompositionswettbewerbs „Wär‘ ich ein Ton“ entstanden und wurde im März 2013 in Bayreuth uraufgeführt. „Musik durch bratende Äpfel“ entstand ebenfalls im Rahmen dieses Kompositionswettbewerbs. Alltagstauglich sind die Kompositionen sicher nicht und sie werden wahrscheinlich auch schnell wieder in Vergessenheit  geraten. Das liegt schon daran, dass die Aufführung dieser Stücke eher einer Performance als einem Konzert gleicht. Außerdem sind die Bezüge zu Jean Paul weit hergeholt.

Trotzdem, die Komponisten haben sich viele Gedanken gemacht, die sich beim bloßen Hören nicht so ohne weiteres erschließen. „Daily songs“ beispielsweise soll sich auf zwei Textstellen aus Jean Pauls berühmten Roman „Siebenkäs“ beziehen. Präsent ist der Text nur durch eine verzerrte und bruchstückhafte Zuspielung, die eher an eine defekte Tonanlage, als an eine Textkomposition erinnert. Überhaupt geht es in der Komposition Maierhofs mehr um verschiedene Geräusche, denn um Musik.

Alles was Musik ausmacht, also Rhythmus, Dynamik oder eine tonale oder auch atonale Linie bleiben außen vor. Stattdessen setzt der Komponist auf allerhand Schnickschnack wie Sonic-Motoren, nichts anderes als das, was man von modernen elektrischen Zahnreinigungsgeräten kennt. Dazu brauchte es gut 25 Minuten, bis die Technik für das zwölf-Minuten-Stück bereit war. Alle Achtung den Ausführenden, dem Bariton Christos Pelekanos, der seine Stimme mit Hilfe eines Plastikbechers verfremdet und dem Pianisten Jacob Bussmann, der allerhand Objekte in die Saiten des kleinen Flügels einarbeitet, die da gar nicht hingehören, aber den Klang verfremdet erscheinen lassen.

Die zweite moderne Komposition „Musik durch bratende Äpfel“ vereint, wie bei Jean Paul so oft, Banalität und Philosophie und bezieht sich auf Trinksprüchen oder die Beschreibung von Traumgeschehen, wie sie in einigen Aphorismen des Dichters vorkommen. Die beiden Gesangsstimmen, zu Bariton Christos Pelekanos gesellt sich nun noch die Sopranistin Marie Link,  tragen die Aphorismen wie in einem Melodram vor, das heißt, sie singen nicht in klassischer Art und Weise, sondern deklamieren den Text, so wie man es aus Arnold Schönbergs Komposition „Pierrot lunaire“ kennt.

Was die beiden Gesangssolisten wirklich können, das konnten sie in den Lieder der der größtenteils in Vergessenheit geratenen Komponisten Gottlob Wiedebein (1779-1854), Johann Friedrich Kittl (1806-1868), Carl Reinecke (1824-1910), Heinrich Werner (1800-1833), Theodor Bradsky (1833-1881) und Ernst Friedrich Kauffmann (1803-1856) unter Beweis stellen. All diese Tonsetzer haben eines gemeinsam: sie haben einen Text von Jean Paul vertont, wobei man im Gesamtwerk Jean Paul das Lyrische suchen muss wie die Stecknadel im Heuhaufen. Jean Paul war schließlich Romancier und hat nur in ganz wenigen Stellen, wie etwa in den Flegeljahren Lyrik in sein Prosa-Schaffen einfließen lassen. Christos Pelekanos und Marie Link singen beide kraftvoll und empfindsam zugleich und  bestechen durch eine klare Textverständlichkeit.

Bleibt noch die Flötistin Betty Nieswandt, die zwei Solo-Sätzen des Bach-Sohnes  Carl Philipp Emmanuel und einigen kleinen Kompositionen von Johann Joachim Quantz virtuos spielte. Sie sollten auf Jean Pauls Affinität zur Flöte hinweisen, die gleich in mehreren seiner Romane in den verschiedensten Ausprägungen vorkommt.

Bild: Jean Pauls musikalische Reminiszenzen führten der Pianist Jacob Bussmann, die Sopranistin Marie Link, die Flötistin Betty Nieswandt und der Bariton Christos Pelekanos (von links) im Saal der Musikschule auf.

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17.09.2013

Sams-Erfinder Paul Maar ausgezeichnet / Kulturpreis der Oberfrankenstiftung für den renommierten Kinderbuchautor aus Bamberg

Bayreuth. Der „Vater des Sams“, der Bamberger Kinderbuchautor Paul Maar ist am Dienstagabend in Bayreuth mit dem Kulturpreis der Oberfrankenstiftung ausgezeichnet worden. Maar habe die deutsche Literatur reicher gemacht, sagte Bezirksheimatpfleger Günter Dippold, der die Laudatio auf den 75-Jährigen hielt.

Dippold bezeichnete Maar als „meistgespielten lebenden Dramatiker deutscher Zunge“. Maar werde nicht nur gelesen und aufgeführt, er wird auch übersetzt und verfilmt. „Paul Maar ist Gemeingut im deutschen Sprachraum“, sagte Dippold. Dank der Filme würden Sams und Bello auch diejenigen kennen, die den Namen ihres Schöpfers noch nie gehört haben. Dippold bezeichnete Maars Sprache als einfach, aber nie banal und als zeitlos schlicht, aber nicht zeitgebunden modern. Dippold: „Paul Maar erzählt ruhig, aber ohne Längen, er fabuliert vor sich hin, dass einem die Bilder nur so in den Kopf schießen.“

Paul Maar wurde 1937 in Schweinfurt geboren. Er studierte Malerei und Kunstgeschichte und unterrichtete später als Kunsterzieher in Baden-Württemberg. Als erster größerer Erfolg gilt seine 1966 ausgestrahlte Funkerzählung „Der Turm im See“. Sein erstes Kinderbuch „Der tätowierte Hund“ erschien zwei Jahre später, 1970 folgte Maars erstes Kindertheaterstück mit dem Titel „Der König in der Kiste“. Bereits 1973 erschien erstmals das Sams, Fortsetzungen folgten, zuletzt 2011. Seit 1976 ist  Paul Maar als freier Autor tätig.

Die Oberfrankenstiftung verleiht traditionell in jedem Jahr jeweils mit 15000 Euro dotierte Preise in den Kategorien Soziales, Kultur und Denkmalpflege. Statt eines Sozialpreises wurde heuer erstmals ein Förderpreis vergeben, den das Projekt „Kul(tur)-Kids“ der Universität Bamberg erhielt. Bei dem Projekt betreuen Studenten Kinder mit Migrationshintergrund. Die Denkmalpflegepreise gingen an Heidemarie und Hans Gerdes in Bamberg, Stephan Schütz in Bad Staffelstein und Petra Dierl in Hirschaid.

Nach den Worten des oberfränkischen Regierungspräsidenten und Vorsitzenden des Stiftungsrates Wilhelm Wenning hat die Oberfrankenstiftung im zurückliegenden Jahr trotz rückläufiger Erträge aufgrund der niedrigen Zinsen rund 22,5 Millionen Euro an Zuschüssen für Projektförderungen ausgegeben. Der Löwenanteil davon ging mit rund acht Millionen Euro in die Denkmalpflege, mit etwa acht Millionen Euro seien kulturelle Veranstaltungen und Ereignisse gefördert worden. Weitere sechs Millionen Euro flossen in soziale Einrichtungen, mit gut zwei Millionen Euro seien die vier oberfränkischen Hochschulen bedacht worden.

Die Oberfrankenstiftung wurde 1927 als unabhängige und eigenständige Stiftung gegründet. Das Stiftungsvermögen beläuft sich laut Stiftungsratsvorsitzenden Wenning auf rund 500 Millionen Euro.

Bild: Der prominente Kinderbuchautor Paul Maar (Mitte) ist vom oberfränkischen Regierungspräsidenten Wilhelm Wenning (links) mit dem Kulturpreis der Oberfrankenstiftung ausgezeichnet worden. Rechts im Bild: Laudator und Bezirksheimatpfleger Günter Dippold.

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14.09.2013

Streit und Harmonie der Elemente / Trockauer St. Thomas Chor führte kompositorische Rarität von Felix Mendelssohn Bartholdy auf

Goldkronach. Mit der Aufführung einer echten kompositorischen Rarität von Felix Mendelssohn Bartholdy ist am Samstag in der Goldkronacher Stadtkirche an den 244. Geburtstag des Universalgelehrten Alexander von Humboldt erinnert worden. Von dem 1828 uraufgeführten Werk sind weltweit nur ganz wenige Aufführungen verzeichnet. Erst seit 2009, dem 200. Geburtstag Mendelssohns, findet das Oratorium allmählich wieder Eingang in das allgemeine Konzertrepertoire. Für den Humboldt-Tag des Kulturforums Schloss Goldkronach hatte der St. Thomas-Chor Trockau das rund 30 Minuten dauernde Werk mit namhaften Gesangssolisten unter der Leitung von Ottmar Schmitt einstudiert.

Streit und Harmonie der Elemente, mit diesem Thema hatte sich Alexander von Humboldt zeitlebens auseinandergesetzt und Felix Mendelssohn Bartholdy sollte es sein, der dieses Thema in Töne verwandelt. Die Humboldt-Kantate (MWV D 2) komponierte Mendelssohn Bartholdy als 19jähriger 1828 für eine internationale Tagung von Naturforschern und Ärzten in Berlin. Festredner war damals Alexander von Humboldt, der die Komposition auch in Auftrag gegeben hatte. Humboldt hatte damals  an den Gemeinschaftsgeist der wissenschaftlichen Forschung appelliert, was auch im Kantatentext des Berliner Dichters und Musikkritikers Ludwig Rellstab thematisiert wird.

Nach der Uraufführung durch die Berliner Sing-Akademie wurde die Kantate erst über hundert Jahre später wiederentdeckt und im Rahmen einer Versammlung von Naturforschern und Ärzten 1930 in Königsberg aufgeführt. In der ehemaligen DDR erklang die Kantate am 2. Mai 1959 zur Staatsfeier der Regierung anlässlich des 100. Todestages von Alexander von Humboldt

Bei der Humboldt-Kantate, die den ursprünglichen Titel „Begrüßung“ trägt handelt es sich um ein weltliches Chorwerk, das ursprünglich für Männerchor, vier Gesangssolisten und Orchester komponiert wurde. Für die Goldkronacher Aufführung hatte Ottmar Schmitt eine Bearbeitung für gemischten Chor erstellt, die original Instrumentierung aber beibehalten. Dabei setzt Mendelssohn Bartholdy mit lediglich jeweils Klarinetten, Trompeten, Hörnern, tiefen Streichern und Pauken eine ungewöhnliche Orchesterbesetzung voraus und verzichtete auf hohe Registerstimmen wie Flöten, Oboen oder Violinen.

Erst 2009 zum 200. Geburtstag von Felix Mendelssohn Bartholdy führte das Leipziger Gewandhausorchester unter Riccardo Chailly die Kantate als erstes Profiorchester auf. Weitere vereinzelte Aufführungen folgten in unter anderem in Polen, in den USA und in der Schweiz. In Goldkronach waren als Gesangssolisten die Sopranistin Julia Jurgasch, die Altistin Adelheid Lang, der Tenor Sven Vogl und der Bassist Thomas Höhn zu hören.

Zuvor hatte Professor Dr. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin, seine Visionen für das geplante Humboldt-Forum im Berliner Schloss vorgestellt. Das Forum soll künftig der Vielfalt und den Werten der Weltkulturen gerecht werden, sagte er. „Damit wird das neue Forum ein Universalmuseum ganz im Sinne Alexander von Humboldts.“ Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz werde die einzigartigen außereuropäischen Sammlungen ihrer Staatlichen Museen künftig an einem zentralen Ort zusammenführen. Die Grundgedanken Alexander von Humboldts würden damit in eine moderne Konzeption überführt. In Verbindung mit der Welterbestätte Museumsinsel entstehe so in der Mitte Berlins ein wahrer Ort der Weltkulturen. Deutschland widme damit die Mitte seiner Hauptstadt dem wesentlichen Beitrag, den die Kultur zur Bewältigung der globalisierten Wirklichkeit leisten kann.

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29.08.2013

Hofer Filmtage: Internationaler Glanz für Oberfranken /
Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler zeichnete Heinz Badewitz mit Ehrenmedaille aus

Bayreuth/Hof. Zum großen Bundesverdienstkreuz, zum Bayerischen Verdienstorden und zur Ehrenbürgerschaft der Stadt Hof kommt jetzt noch eine ganz besondere oberfränkische Auszeichnung dazu: die Ehrenmedaille des Bezirks. Für seine hohen Verdienste um Oberfranken ist der Gründer und Leiter der Internationalen Hofer Filmtage Heinz Badewitz am Donnerstagabend in Bayreuth mit der Ehrenmedaille des Bezirks ausgezeichnet worden.

Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler nannte die Filmtage bei der Übergabe der Auszeichnung eine „unbezahlbare Imagewerbung für Oberfranken“. Durch das Schaffen von Heinz Badewitz bekomme auch immer der Regierungsbezirk ein wenig vom Internationalen Glanz ab. Obwohl die Filmtage ohne Glamour und roten Teppich auskämen, seien sie eines der renommiertesten und traditionsreichsten Festivals in Deutschland, wenn nicht sogar in Europa.

Hof zähle in der Filmwelt neben so großen Namen wie Cannes, Venedig und Berlin zu den bedeutendsten Präsentationen nationalen und internationalen Filmschaffens in Europa. Mit Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit sei es Heinz Badewitz dabei gelungen, ein Filmfestival abseits der Metropolen zu inszenieren und zu institutionalisieren. „Heinz Badewitz ist der Garant für die Beibehaltung der hohen künstlerischen Qualität ebenso wie für die Bewahrung des speziellen Flairs des Festivals“, so der Bezirkstagspräsident.

Die Geburtsstunde der Hofer Filmtage schlug 1967. Mehr aus der Not geboren und zufällig war Badewitz zusammen mit anderen jungen Filmemachern auf der Suche nach einem Kino und wurde in Hof fündig. In seiner Heimatstadt organisierte er das 1. Hofer Kurzfilm-Festival, das später in Internationale Hofer Filmtage umbenannt wurde. Heinz Badewitz gilt damit als dienstältester Festivalleiter in Europa. „Von Amtsmüdigkeit kann keine Rede sein“, sagte Bezirkstagspräsident Denzler und zitierte den Geehrten mit den Worten: „Solange ich eine Filmrolle tragen kann, denke ich nicht ans Aufhören.“

Die Hofer Filmtage verstehen sich heute als Plattform für junge Talente, die in Hof eine Chance bekommen, sich bei Vertretern der Filmbranche und dem Publikum bekannt zu machen. Eine ganze Reihe namhafter Regisseure habe Heinz Badewitz in Hof ein Sprungbrett zur internationalen Karriere geboten, darunter klangvolle Namen wie Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog, Doris Dörrie, Wim Wenders, Sönke Wortmann oder Oscar-Preisträgerin Caroline Link.

Heinz Badewitz wurde 1941 in Hof geboren. 1963 war er nach München gegangen. Um Kameramann zu werden studierte er am Deutschen Institut für Film und Fernsehen. Ab 1965 arbeitete er als Kamera-Assistenz, später als Kameramann und verwirklichte eigene Regiearbeiten für Kurzfilme. Später arbeitete er als Regieassistenz, als Aufnahme und Produktionsleiter bei zahlreichen deutschen Spielfilmproduktionen. Erfolgreich habe er sich auch für die Wahrnehmung des deutschen Films in Cannes eingesetzt, Seit 1977 ist er zudem verantwortlich für das Programm „German Cinema“ bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin.

Der Bezirk Oberfranken gehört unter anderem zu den Unterstützern der Hofer Filmtage. Vorgeschlagen wurde Heinz Badewitz von der SPD-Fraktion.

Bild: Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler (links) zeichnete Heinz Badewitz mit der Ehrenmedaille des Bezirks Oberfranken aus.

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10.08.2013

Festival Junger Künstler: Fado in Franken
Chor der Technischen Universität Lissabon begeisterte Goldkronacher Publikum

Goldkronach. Portugiesisches Lebensgefühl, Sehnsucht, Liebe und Emotionen: das alles spiegelt sich in den Liedern und Songs des Chores „Tuna Universitaria de Instituto Superior Tecnico“ wider. Die 26 jungen Männer aus Portugal sind derzeit beim Festival Junger Künstler in Bayreuth zu Gast und haben am frühen Samstagabend bei einem Open-Air-Konzert vor dem Schloss Goldkronach über 150 Besucher restlos begeistert.

Sie sind schon jetzt die Stars des 63. Festivals Junger Künstler, die Sänger der Technischen Universität Lissabon, die aus allen Teilen Portugals kommen und die traditionelle Musik auf traditionellen Instrumenten spielen. Ihr Fado-Gesang handelt von Sehnsüchten, Heimweh und Lebensfreude aber auch von unglücklicher Liebe, vergangenen Zeiten oder der Sehnsucht nach besseren Zeiten.

In eigenwilliger Besetzung mit vielen Gitarren und Mandolinen, einem Kontrabass, einen Akkordeon, einiger Schlag- und Rhythmusinstrumenten sowie den prägnanten Stimmen gelang es dem Zusammenschluss hervorragend, jenes Gefühlsleben auszudrücken, dass die Portugiesen miteinander verbindet und mit dem sie als herausragende Kulturbotschafter ihres Landes den Fado in die Welt, in diesem Fall nach Franken, tragen.

Für besonderes Aufsehen sorgten allerdings die tänzerischen und akrobatischen Einlagen der drei Frontmänner des Chores. Vor allem immer wieder die gekonnten Spagatsprünge sollten das Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hinreißen. Aber auch die leisen Töne, die Lieder von Amália Rodrigues, der „Königin des Fado“ etwa versprühten ihre ganz eigene Melancholie und zeigten eindrucksvoll die große Bedeutung der hierzulande wenig bekannten Musikgattung des Fado.

 „Wir freuen uns, dass wir in Goldkronach Teil des Festivals Junger Künstler Bayreuth sind und dass dieses Festival nicht nur in der Stadt, sondern auch in der Region stattfindet“, sagte Bürgermeister Günther Exner. „Wie man neben einem technischen Studium auch noch so künstlerische Darbietungen liefern kann, das ist schon etwas ganz Besonderes“, so Professor Jochen Sigloch vom Vorstand des Festival in seiner Einführung.

Den würdigen Rahmen für das Konzert bot Hausherrr Hartmut Koschyk. Der Parlamentarische Finanzstaatssekretär hatte den Chor bei einem Besuch in Lissabon entdeckt und den jungen Sängern das Festival Junger Künstler in Bayreuth empfohlen. Tatsächlich hatte sich der außergewöhnliche Chor beworben und ist schließlich auch eingeladen worden.

Das 63. Festival Junger Künstler in Bayreuth dauert noch bis zum 31. August. Heuer nehmen über 400 junge Leute aus 30 Nationen daran teil. Insgesamt stehen über 100 Konzerte, Symposien, Workshops und Events auf dem Programm.

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27.07.2013

Humboldt war musikalisch / Konzert und Symposium über Mendelssohn, Meyerbeer, Wagner und Alexander-von-Humboldt

Goldkronach. Ein großer Naturwissenschaftler und drei bedeutende Komponisten: Um das Beziehungsgeflecht zwischen Alexander von Humboldt, Giacomo Meyerbeer, Felix Mendelssohn Bartholdy und Richard Wagner zu beleuchten, war das Who is Who der deutschen Humboldt-Forschung einen Tag lang in die Humboldt-Wirkungsstätte Goldkronach gekommen. Während bei einem, vom Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach veranstalteten, historischen Symposium die Fakten vorgestellt wurden, gab es bei einem musikalisch-literarischen Abend Kostproben aus Briefen und Kompositionen.

Ordnung in das Beziehungsgeflecht brachte Professor Dr. Sieghart Döhring vom Meyerbeer-Institut in Thurnau. Alexander von Humboldt und Giacomo Meyerbeer hätten sich nachweislich 1825 in Paris kennen gelernt, sagte Döhring. Humboldt sei später auch die treibende Kraft für die königliche Berufung sowohl Meyerbeers als auch Mendelssohns zum preußischen Generalmusikdirektor in Berlin gewesen.

Sicher nicht persönlich gekannt habe Humboldt Richard Wagner, der in der frühen ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Gegensatz Mendelssohn und Meyerbeer ein „absoluter Nobody“  gewesen sei. Nicht auszuschließen sei allerdings, dass Humboldt eine der frühen Aufführungen des Fliegenden Holländers in Berlin gesehen hat. Allerdings war es auch Richard Wagner, der in seiner 1850 erstmals erschienen und 1869 stark erweiterten und als Buch erschienen Hetzschrift „Das Judentum in der Musik“ gerade Mendelssohn als auch Meyerbeer angriff, sie schwer diffamierte und beiden jegliche Fähigkeit zu künstlerischen Aktivitäten absprach.

Noch wenige Jahrzehnte zuvor habe Wagner beide als künstlerische Vorbilder bezeichnet und besonders an Meyerbeer unterwürfige Briefe verfasst. Sowohl Mendelssohn als auch Meyerbeer waren zum Erscheinungszeitpunkt der Hetzschrift bereits tot. Döhring bezeichnete Wagners Argumentation vor allem deshalb als rassistisch, weil Mendelssohn bekanntlich als Christ getauft wurde und sich ein Leben lang als Christ verstand.

Fest überzeugt ist Döhring davon, dass Alexander von Humboldt musikalisch war. So habe Humboldt beispielsweise die Uraufführung von Meyerbeers Oper „Die Hugenotten“ 1836 in Paris besucht und sich noch vor Erscheinen der Kritiken in Briefen fundiert  dazu geäußert. Darüber hinaus sei Humboldt die Nachwuchsförderung ein Herzensanliegen gewesen, auch von jungen Musikern.

Von einer weiteren Beziehung Alexander von Humboldts zur Familie Mendelssohn wusste Dr. Ingo Schwarz, der Leiter der Alexander-von-Humboldt-Forschungsstelle an der Akademie der Wissenschaften Berlin-Brandenburg zu berichten. So habe Humboldt ab 1806 in Berlin geomagnetische Messungen unter anderem im Garten des Hauses von Abraham Mendelssohn Bartholdy, dem Vater von Felix und Fanny, durchgeführt. Humboldt sei mit der Bankiersfamilie Mendelssohn Bartholdy nicht nur eng befreundet gewesen, sondern habe ab 1842 in der Berliner Oranienburgerstraße in einem Haus gewohnt, das den Mendelssohns gehörte.

Schwarz sprach von wichtigen wissenschaftlichen Untersuchungen, die unter anderem den Einfluss der Sonne auf das Magnetfeld der Erde nachweisen sollten. Ähnliche Messungen wie im Garten der Mendelssohns an der Leipziger Straße, unternahm Humboldt auch an anderen Teilen der Erde, unter anderem in Russland. Ein Terracotta-Fries am „Roten Rathaus“ von Berlin zur Geschichte der Stadt zeige noch heute zahlreiche Geistesgrößen der damaligen Zeit, darunter auch Alexander von Humboldt, Felix-Mendelssohn Bartholdy und Giacomo Meyerbeer. Das Fries habe wahrscheinlich nur deshalb die Nazi-Zeit unbeschadet überstanden, weil damals niemand die abgebildeten Persönlichkeiten erkannt habe, so Schwarz.

Nach den Worten von Dr. Thomas Lackmann, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Mendelssohn-Gesellschaft, steht die Humboldt-Familie, Alexander, sein Bruder Wilhelm und dessen Ehefrau Caroline, mit ihrer Haltung zum Judentum exemplarisch für einen Teil deutscher Geschichte. Während Alexander von Humboldt als „Judenfreund“ eine absolut liberale Haltung an den Tag legte, habe Bruder Wilhelm diese Haltung nur in der Theorie gelebt. In der Praxis habe Wilhelm eher Abstand genommen. Ganz anders dessen Ehefrau Caroline von Humboldt, geborene von Dacheröden. Von ihr seien „richtig schlimme Vorstellungen“ überliefert, während sie konkret auf unterschiedlicher Ebene mit Juden in Kontakt gewesen sei. Über Humboldts vielfältigen Blick auf die Kulturen der Welt sprach schließlich der renommiert e Historiker und Humboldt-Kenner Frank Holl, der erst im vergangenen Jahr das Buch „Alexander von Humboldt in Franken“ veröffentlicht und damit erstmals eine Publikation zum Wirken des Universalgelehrten in der Region vorgestellt hatte.

Das Historische Symposium mündete in der Goldkronacher Stadtkirche in einen musikalisch-literarischen Abend bei der das im vergangenen Jahr gegründete Münchner Bläserensemble Athalia unter der Leitung des früheren Kirchenmusikdirektors Roland Weiss sowie das Berliner Jazz-Duo Nouveau mit Matti Klein am Klavier und Philipp Sindy an der Trompete ihre Sicht auf Mendelssohn, Meyerbeer und auch auf Richard Wagner vorstellten. Wolfram Ster rezitierte dazu aus Briefen und Tagebucheinträgen, Professor Döhring sorgte für die Einordnung in den historischen Kontext.

Bilder:
- Das Berliner Duo Nouveau mit Matti Klein am Klavier und dem Tromper Philipp Sindy an der Trompete verjazzten unter anderem Richard Wagners „Lied an den Abendstern“.
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 „Alexander von Humboldt war musikalisch“: Professor Dr. Sieghart Döhring vom Meyerbeer-Institut in Thurnau.
- Das im vergangenen Jahr gegründete Ensemble Athalia mit dem früheren Pegnitzer Kirchenmusikdirektor Roland Weiss (2. von links) hatte mehrere Kompositionen Mendelssohns und Meyerbeers neu arrangiert.

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25.07.2013

Investition in die Zukunft Oberfrankens: Bezirk fördert junge Talente / 5. Henri-Marteau-Violinwettbewerb findet vom 28. April bis 10. Mai 2014 statt

Bayreuth/Lichtenberg. Mit der Vertragsunterzeichnung zwischen dem Bezirk Oberfranken und den Hofer Symphonikern ist der Weg frei für den 5. Internationalen Violinwettbewerb Henri Marteau, der vom 28. April bis zum 10. Mai 2014 stattfinden wird. „Wir werden alles daran setzen, dass auch die fünfte Auflage des Wettbewerbs wieder ein großer Erfolg wird“, sagte die Intendantin der Hofer Symphoniker Ingrid Schrader. Der oberfränkische Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler bezeichnete den Wettbewerb als Aushängeschild für ganz Oberfranken mit einer weltweiten Ausstrahlung.

Der Bezirk werde mit dem Wettbewerb einmal mehr dem Erbe des weltberühmten Geigers und Wahl-Oberfranken Henri Marteau gerecht. „Der Wettbewerb hat international hohe Anerkennung erfahren und Oberfranken bei Musikfreunden auf der ganzen Welt bekannt gemacht“, sagte Dr. Denzler, der auch künftig an dem dreijährigen Turnus festhalten möchte.

Bei dem Wettbewerb stehen traditionell technische Perfektion und musikalische Ausdrucksstärke im Vordergrund. Für den Bezirk geht es vor allem darum, junge Talente nachhaltig zu fördern. „Wir möchten jungen Musikern Lust machen, sich den Herausforderungen eines solchen Wettbewerbs zu stellen“, so der Bezirkstagspräsident. Gleichzeitig sollten aber auch alle Musikfreunde und Nachwuchsmusiker aus der Region davon profitieren, indem sie als Zuhörer die öffentlichen Wertungsspiele besuchen können. „Kunst und Kultur sind eine Investition in die Zukunft Oberfrankens“, sagte Dr. Denzler, dem der Wettbewerb ein echtes Herzensanliegen ist.

Sieger des Henri-Marteau-Violinwettbewerbs 2011 war Tobias Feldmann aus Würzburg, der mittlerweile zahlreiche nationale und internationale Preise erspielt hat und weltweit mit großen Orchestern und namhaften Dirigenten auftritt. Beim Henri-Marteau-Violinwettbewerb wurde sein erster Preis damals unter anderem mit einer CD-Produktion und einem Preisgeld in Höhe von 10000 Euro honoriert. Zweiter wurde im vergangenen Jahr Edouard Mätzener aus der Schweiz, dritte die junge koreanische Geigerin Ji Young Lim.

Die ersten beiden Internationalen Henri-Marteau-Violinwettbewerbe wurden 2002 und 2005 noch vom Freundeskreis der Musikbegegnungsstätte Haus Marteau durchgeführt. 2008 und 2011 wurde der Wettbewerb dann bereits in Trägerschaft des Bezirks Oberfranken und in enger Kooperation mit der Hofer Symphoniker realisiert. Juryvorsitzender und künstlerischer Leiter wird diesmal der britische Dirigent Gilbert Varga sein. Bei den Abschlusskonzerten wird der langjährige Chef des Münchner Kammerorchesters Christoph Poppen am Pult der Hofer Symphoniker stehen.

Benannt wurde der Violinwettbewerb nach dem Geiger und Komponisten Henri Marteau. Er ist auch der Namensgeber der internationalen Musikbegegnungsstätte des Bezirks Oberfranken in Lichtenberg. Henri Marteau starb am 4. Oktober 1934 in seiner Wahlheimat in Lichtenberg (Landkreis Hof). Seine dortige Künstlervilla hatte der Bezirk Oberfranken 1982 erworben. Neben dem Violinwettbewerb finden dort seit mittlerweile 30 Jahren Meisterkurse für nahezu alle klassischen Musiksparten mit namhaften Dozenten statt.

Bild: Die Intendantin des Hofer Symphoniker Ingrid Schrader und der oberfränkische Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler haben mit der Vertragsunterzeichnung die Weichen für den 5. Internationalen Henri-Marteau-Violinwettbewerb gestellt.

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24.07.2013

Pocket-Ring in Bayreuth: Wagners Gesamtkunstwerk im Zeitraffer

Bayreuth. In diesem Ring ist alles drin, obwohl er von 16 Stunden auf vier und von vier Abenden auf einen reduziert wurde: Am Tag vor Eröffnung der Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele hatte am Fuße des Hügels, im gerade generalsanierten Jugendkulturzentrum Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ in einer „Pocket“-Fassung des britischen Dirigenten David Seaman aus dem Jahr 1990 Premiere.

Keine Persiflage oder Parodie sollte es sein, die Musiker spielten Original-Wagner, nur eben, dass David Seaman die Partituren für ein Kammerorchester mit neun Streichern, sieben Bläsern sowie Harfe und Schlagwerk reduziert hatte. Die Fassung war bereits 1990 von der Pocket Opera in Nürnberg gezeigt und im Jahr 2006 in Bayreuth aufgeführt worden. Übrigens damals wie heute unter dem Dirigat des städtischen Kulturbeauftragten und Bayreuther Musikschulchefs Nikolaus Richter sowie in einer Inszenierung des international renommierte Opernregisseur Philippe Arlaud.

Alter Wein in neuen Schläuchen könnte man meinen, doch Arlaud hatte sich zumindest eine neue Inszenierung ausgedacht. Damals wie heute ist in dieser Ring-Fassung fast alles drin: Vom Raub des Rings bis zum sektkorkenknallenden Einzug der Götter in Walhall, über den Feuerzauber aus Walküre, Brünnhildes Erwachen aus Siegfried sowie Siegfrieds Tod und der Trauermusik aus der Götterdämmerung. Der Kenner wird etwas abstrahieren müssen, denn die „Winterstürme“ oder den Walkürenritt sucht er vergebens. Der Ring-Neuling dagegen wird Appetit auf Mehr bekommen, trägt das Arrangement doch das Prädikat „für Wagner-Einsteiger bestens geeignet“.

Arlauds Inszenierung ist dabei vor allem zeitlos und sparsam. Ein richtiges Bühnenbild gibt es gar nicht, vielmehr zeichnet sich Arlaud auch für „Raum und Konzeption“ verantwortlich. Stellwände und sparsame Requisiten deuten lediglich an. Gezeigt wird eine tragische Familiengeschichte, weniger mit Göttern, Riesen und Nibelungen, mehr mit Menschen, Typen und sonderbaren Gestalten. Einige gute Regieeinfälle gibt es zwar, dafür aber auch einige unfreiwillig komische Momente, etwa wenn Fafner Fasolt erschlägt oder Wotan umständlich Brünnhilde im angedeuteten Feuer einschließt.

Von den Sängerinnen und Sängern übernehmen einzelne bis zu fünf Partien. Tillmann Unger vom Gärtnerplatztheater als Siegfried, Siegmund und Froh ragt dabei ganz besonders heraus. Der kraftvolle Tenor gestaltet seine Rollen mitreißend und mit großer Leidenschaft. Er hält nicht nur gut durch, sondern kann mit großer Textverständlichkeit auftrumpfen. Stimmlich ebenso bestens präsent ist die schwedische Sopranistin Magdalena Bränland als Brünnhilde und Wellgunde. Sie hat besonders in den lyrischen und liedhaften Szenen ihre stärksten Momente. Der amerikanische Bariton Gary Martin  glänzt als kraftvoller dreifacher Wotan sowie als Gunther und der französische Bariton Jean-Marc Salzmann besticht stimmlich wie darstellerisch als Alberich und Fasolt. Daneben sind Melinda Heiter, Albrecht Kludszuweit, Stefanie Rocco-Jonas und Matthias Wippich in den verschiedensten Rollen zu erleben, alle sind am Premierenabend gut disponiert und empfehlen sich mit ihrer Leistung als kommende Wagner-Stimmen.

Obwohl der eigens zusammengestellte und als „Bayreuther Wagner Kammerorchester“ benannte Klangkörper mit 18 Musikern alles andere als Wagner-mäßig besetzt ist, bietet die gespielte Fassung puren Musikgenuss: Dirigent Nicolaus Richter stellt Höhepunkte und Akzente klar heraus und bringt Ordnung in Töne, Leit- und Personenmotive. Abstriche am Wagner-typischen Klang gibt es überraschend wenig, auch die Pocket-Version erklingt voll und bringt Wagners Klangbild identisch rüber. Was in den ersten Takten noch gewöhnungsbedürftig erscheint, lässt einem schnell nichts mehr vermissen.

Weitere Aufführungen: 26., 28., und 30. Juli sowie  01. und 03. August jeweils 18 Uhr im Internationalen Jugendkulturzentrum („Zentrum“) in Bayreuth.

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21.07.2013

Von Beethoven bis Sinatra: Überschwang der Klänge /
Ljubka Biagioni zu Guttenberg dirigierte zum Abschluss der Plassenburg Open Airs das Sofia Philharmonic Orchestra

Kulmbach. Lange hat es gedauert, das erste Heimspiel der Dirigentin Ljubka Biagioni zu Guttenberg. Am Sonntagabend war es endlich soweit: Zusammen mit dem Sofia Philharmonic Orchestra trat die Musikerin, Ehefrau des Dirigenten Enoch zu Guttenberg, beim Plassenburg Open Air auf und überraschte ihr Publikum gleich mit einer ganz ungewöhnliche Programmkonstellation. Im ersten Teil ganz klassisch Ludwig van Beethovens 3. Sinfonie, im zweiten Teil ganz populär, Ohrwürmer der leichten Klassik plus romantische Songs der U-Musik mit dem fabelhaften bulgarischen Sänger Vasil Petrov als Überraschungsgast. Besser könnte man ein sommerliches Open-Air-Konzert nun wirklich kaum zusammenstellen.

Dabei ist eigentlich Beethovens Dritte schon eine ganz populäre Komposition. Zumindest so, wie sie Ljubka Biagioni aufbaut, sinnfällig und zu einem harmonischen Ganzen zusammengefügt. Die überschwängliche Begeisterung, mit der Beethoven die Komposition anging, als sie noch als Hommage an Napoleon gedacht war, ist in dieser Interpretation durchaus zu spüren. Filigrane Klänge im ersten Satz, ein liebevoll gestalteter Trauermarsch im zweiten und viel tänzerischen Schwung im Finale, das alles macht Ljubka Biagionis Interpretation aus. Es ist eine souveräne Deutung in erstaunlich transparentem Klangbild. Sämtliche Motive werden ganz logisch in Stimmungen umgesetzt, mit großer Detailtreue und rhythmischer Akkuratesse. Da macht es auch nichts, dass zwischen den Sätzen applaudiert wird, Ljubka Biagioni ist zu sehr Profi, als dass sie das Klatschen ernsthaft stören könnte.

Dann die Ohrwürmer, eine Art „Best of Classic“, was bei einem Open-Air-Konzert auch völlig in Ordnung ist. Georges Bizet Ouvertüre zur Oper „Carmen“ etwa, mit beinahe ungezügelten Tempi, doch nicht minder Detailversessen. Das Sofia Philharmonic Orchestra musiziert mit Hingabe, auch beim Pietro Leoncavallos Intermezzo aus seinem Welterfolg „Cavalleria Rusticana“ als Gegengewicht zur schmissigen „Carmen“-Ouvertüre. Wunderbar opernhaft, mit breiten Tempi und einer Betonung auf die lyrischen Schönheiten der Partitur spielen die Musiker, die noch am Abend zuvor in Schloss Herrenchiemsee aufgetreten waren. Neue Perspektiven in der unerschöpflichen Vielschichtigkeit zu erschließen ist an diesem Abend nicht Sinn und Zweck der Aufführung. Trotzdem spielen die Musiker atmosphärisch-dicht und dabei enorm klangschön.

Temperament und Musizierlust lassen die Musiker unter Ljubka Biagiotti auch bei der Ouvertüre zur „Fledermaus“ von Johann Strauss zur Geltung kommen. Strauss strotzt nur so vor Energie und Witz und Ljubka Biagiotti weiß genau, wie man diese Lebenslust im Drei-Viertel-Takt fühlbar und den Überschwang der Klänge hörbar macht. Zugegeben ein wenig fremd sind da die weihnachtlichen Klänge von Peter Tschaikowskys „Nussknacker-Suite“. Doch stets perfekt und eindrucksvoll musiziert die Dirigentin, so dass Tschaikowsky auch zum lauen Sommerabend im Schönen Hof taugt.

Absoluter Höhepunkt waren freilich Songs wie das Love-Story-Thema „Where do I begin“, „Killing me softly with this song“, oder „My Way“. Der Jazz- und Popsänger Vasil Petrov, der in seiner Heimat ein Star ist, klingt wie Frank Sinatra und hat eine unglaubliche Bühnenpräsenz. Mit samtener Stimme und seiner außergewöhnlichen Ausstrahlung wird er zu Recht als bulgarischer Sinatra gefeiert, der bereits weltweit aufgetreten ist. Ljubka Biagioni leitet dazu den riesigen Klangkörper, als wären derartige Cross-Over-Projekte ihr ureigenstes Anliegen. Davon würde man gerne noch mehr hören.

 „Diese musikalische Vielfalt ist nicht nur für die Besucher spannend, sondern erlaubt es auch dem Orchester, seine Stärken und seinen Facettenreichtum unter Beweis zu stellen“, hatte Ljubka Biagioni im Vorfeld gesagt. Und genau diese Vielfalt war es auch, die von diesem außergewöhnlichen musikalischen Abend noch lange in Erinnerung bleiben wird. Wie bei den legendären Neujahrskonzerten in Wien musizierte das Orchester als letzte Zugabe den Radetzky-Marsch zum Mitklatschen, ein weiteres Beweis für die ungeheure musikalische Bandbreite der Dirigentin

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20.07.2013

Glitzer-Outfits und Plateau-Stiefel / Abba-Fever auf der Plassenburg

Kulmbach. So etwa muss es gewesen sein: ein Live-Konzert des legendären Pop-Quartetts Abba. Am Samstagabend gastierte die Coverband Abba Fever bei den Plassenburg-Open-Airs und interpretierte dabei zweieinhalb Stunden lang alle großen Hits der vier Schweden gekonnt, perfekt und vor allem so mitreißend, dass es schon nach wenigen Minuten keinem mehr auf seinem Sitz hielt.

180 Millionen verkaufte Platten und allein 21 Top-Ten-Hits in Deutschland: in den rund zehn Jahren ihres Bestehens hat Abba alle Rekorde gebrochen, vergleichbar allenfalls noch mit den Beatles oder mit Elvis Presley. Genauso wie bei den Beatles und bei Elvis der Fankult ungebrochen ist, war auch Abba eigentlich nie richtig weg. Seit mittlerweile zehn Jahren hat Abba Fever das Erbe dieser einzigartigen Formation angetreten. Mit mehr als 100 Konzerten pro Jahr im In- und Ausland entwickelte sich die Show der sieben Hamburger vom Geheimtipp zur absoluten Nr. 1 der Abba Tribute Shows.

Mit Abba zurück in die 70er: vieles aus dieser Zeit ist geblieben, doch Abba ist vielen absolut gegenwärtig. Sei es durch das Musical und den Film „Mamma Mia“, durch immer wieder neue Fernsehdokumentationen oder durch Soloaktivitäten, wie der jüngsten CD von Abba-Mitglied Agnetha. Und dann gibt es noch die Tribute-Shows und Coverbands, von denen Abba-Fever mit Sicherheit zu den Besten gehört. Würde Abba heute noch auf der Bühne stehen, dann würde die Gruppe wahrscheinlich auch so klingen wie das Konzert von Abba Fever.

Bereits bei den ersten Songs rissen die Stars auf der Bühne auch den letzten noch sitzenden Zuschauer vom Hocker. Große Nummern wie „Gimme, Gimme, Gimme“ oder „Super Trouper“ gaben Abba Fever zum Besten und führte die Zuhörer auf eine kleine Zeitreise. Emotional, rockig und poppig, auch das grelle Bühnenbild und die an Abba angelehnten Disko-Outfits der Akteure sollte so richtig zum Flair passen. Nette Einfälle hatten die Musiker auch: einige langsamere Lieder wurden „unplugged“ an der vorderen Bühnenkante zelebriert, später gab es leuchtend bunte Disko-Stäbchen für alle und kaum war der letzte Ton verklungen schrieb die Band unermüdlich Autogramme.

Hinter Abba Fever stecken die beiden Sängerinnen Anja Bublitz und Barbara Vorbeck. Stimmlich nah am Vorbild und optisch können die beiden gut mit Agnetha und Anafrid mithalten. Doch darauf kommt es eigentlich gar nicht so an, denn die beiden interpretieren Abba-Songs wie „One of us“, „Dancing Queen“ oder „Quiquitita“ auf ihre ganz eigene Art: nah am Original, aber doch mit dem ganz eigenen etwas.

Ergänzt werden die beiden Frontfrauen von einer fünfköpfigen Band mit Keyboarder Tom Aeschbacher, den Gitarristen Sebastian Treu, Axel Roesler, dem Drummer Rainer Brockmann sowie den Bassisten Henning von der Lippe und Heiko Behrendt. Natürlich sind alle wahre Könner auf ihren Instrumenten. Sie alle waren bereits in den verschiedensten Formationen aktiv und haben sich in den rund zehn Jahren Abba Fever komplett mit dieser Musik identifiziert. Freilich, eigene Interpretationen der Abba-Songs gibt es kaum, Abba Fever ist eine reine Cover-Band, deren Ziel es ist, möglichst nah am Original zu sein, und das sind sie allemal.

„Mir fiel ziemlich früh auf, dass bei der Musik von ABBA Menschen ganz unterschiedlichen Alters immer ganz besonders reagierten! Ende der 70ziger Anfang der 80ziger Jahre wollte ich natürlich nicht zugeben, dass auch ich Abba  gut finde“!, sagt Gitarrist Axel Roesler und spricht das aus, was viele so oder ähnlich erlebt haben dürften. Schließlich musste es doch eher AC/DC, Kiss oder Police sein, aber bestimmt niemals Abba. Viel später erst habe er verstanden wie intelligent die Musik von Abba ist und warum die Menschen so besonders reagierten.

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06.07.2013

Humoristisch und historisch: „Der Anfang einer langen Reise“ /
Premiere des Theaterstück über Alexander von Humboldt auf Teneriffa in Bayreuth und Goldkronach

Goldkronach. Mit einer Open-Air-Aufführung des Theaterstücks „Der Anfang einer langen Reise“ im Barockgarten von Schloss Goldkronach hat das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum am Wochenende den Kultursommer 2013 fortgesetzt. Das Stück, das den einwöchigen Aufenthalt des Universalgenies Alexander von Humboldts auf der Kanareninsel thematisiert wurde bereits am Freitag im Gymnasium Christian Ernestinum (GCE) in Bayreuth vor rund 150 Schülern gezeigt.

In dem Zwei-Personen-Stück lässt die spanische Theatergruppe Jasteatro unter der Leitung von Antonia Jaster den einwöchigen Aufenthalt Alexander von Humboldts auf Teneriffa im Jahr 1799 aufleben. Kurz darauf hatte Humboldt damals zusammen mit dem französischen Naturforscher Aimé Bonpland seine Südamerika-Reise angetreten. Die Dialoge des bekannten Forschers und seines kanarischen Begleiters Domingo basieren zum Teil auf Originaltexten von Alexander von Humboldt. Sie sind gleichermaßen historisch interessant wie humoristisch unterhaltsam. Verkörpert werden Alexander von Humboldt und seine Zeitgenossen auf Teneriffa von Antonia Jaster und Ulises Hernández, die auch gleichzeitig Autoren und Regisseure des Theaterstücks sind, dessen wichtigstes Ziel es ist, Kulturen zu verbinden.

Die bisher bereits rund 60 Vorstellungen auf Teneriffa und den anderen Kanareninseln zeugen von der Qualität dieses Stücks, urteilte der Kanaren-Express im vergangenen Jahr. Das Kleine Ensemble war bereits an mehreren Orten in Deutschland und in Madrid zu Gast. Mittlerweile hat der Verlag Baile del Sol das Stück auch als Buch verlegt.

Es lebt vor allem von den historischen Fakten und der zweisprachigen Präsentation. Es ist ein Schauspiel an sich, wie die Dialoge auf der Bühne in Deutsch und Spanisch das Publikum für sich gewinnen: Dabei muss man nicht einmal beide Sprache sprechen. Wer beide kann, hat das volle Vergnügen, aber auch wer nur eine der beiden Sprachen beherrscht, konnte dem Geschehen auf der Bühne folgen und es genießen.

Für die 150 Kollegiaten des GCE stellte die Aufführung am Freitag nicht nur eine willkommene Abwechslung im Schulalltag dar, die Schüler konnten außerdem ihre Spanischkenntnisse aufbessern. Sowohl im schulischen Umfeld, als auch im Goldkronacher Barockgarten konnte das Stück durch Wortwitz, Szenenkomik, tiefgründigen Humor und vor allem durch die schauspielerische Leistung von Antonia Jaster und Ulises Hernandez  begeistern. Ulises Hernandez kam  in zahlreichen wechselnden Rollen mächtig ins Schwitzen und fand auf seiner Forschungsreise sogar fremdartige Moose (in den Haaren der Zuschauer), Steine und vor allem seinen geliebten Drachenbaum, den er einer ausführlichen Vermessung unterzog.

Alexander von Humboldt habe eine neue Dimension der Wissenschaft begründet, das werde in dem Theaterstück deutlich, sagte Hartmut Koschyk, Parlamentarischer Finanzstaatssekretär und Motor des Humboldt-Kulturforums Schloss Goldkronach. Unter den zahlreichen Zuschauern, die bei hochsommersommerlichen Temperaturen in den Barockgarten gekommen waren, konnte der Abgeordnete unter anderem Jose Franco, den Präsidenten der Akademie der Wissenschaften in Mexico, den früheren niedersächsischen Landtagsabgeordneten Alfred Reckhmann aus Schaumburg und Professor Dr. Richard Nebel, den Vorsitzenden der Deutsch-Spanischen Gesellschaft Bayreuth begrüßen. Auch die beiden Buchautoren Frank Holl und Eberhard Schulz-Lüpertz waren nach Goldkronach gekommen. Beide hatten erst vor wenigen Monaten ihr Forschungsergebnisse über Alexander von Humboldts Wirken im Fichtelgebirge unter dem Titel “Ich habe so große Pläne dort geschmiedet - Alexander von Humboldt in Franken” vorgestellt.

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21.04.2013

Superstar der Geige: Bezirk Oberfranken führt in Lichtenberg das Erbe von Henri Marteau fort / Freundeskreis Haus Marteau feierte 30-jähriges Bestehen mit Konzert und Tag der offenen Tür

Lichtenberg. Unter dem Motto „Kunst braucht Freunde“ hat der Freundeskreis Haus Marteau am Wochenende sein 30-jähriges Bestehen gefeiert. Nach einem Festkonzert in der Lichtenberger Kirche nutzten am Sonntag zahlreiche musikinteressierte Ausflügler die Möglichkeit, einmal hinter die Kulissen der Internationalen Musikbegegnungsstätte des Bezirks Oberfranken zu blicken.

Der Freundeskreis wurde auf den Tag genau vor 30 Jahren gegründet: am 21. April 1983. Nur ein Jahr zuvor war die Villa des einst weltberühmten Geigers Henri Marteau als Musikbegegnungsstätte des Bezirks Oberfranken wiedereröffnet worden. „Andere Städte und Länder beneiden uns um diese Einrichtung“, sagte Brett-Einsiedel. In Lichtenberg seien die Chancen  durch den Gedanken Henri Marteaus Wirklichkeit geworden. „Gastfreundschaft und Mitmenschlichkeit werden hier großgeschrieben.“ Der Vorsitzenden zufolge habe der Freundeskreis in den vergangenen 3o Jahren das Haus Marteau mit rund 200 000 Euro gefördert und weitere 65.000 Euro zu den Wettbewerben beigesteuert.

Ulrike Brett-Einsiedel erinnerte auch an den Gründungsvorsitzenden des Freundeskreises Dr. Günter Bendorf, der zehn Jahre lang bis zu seinem Tod an der Spitze des Zusammenschlusses stand. Nachfolger wurde der Pfarrer Wilfried Schönweiß, Initiator des Internationalen Violinwettbewerbs Henri Marteau und heutiger Ehrenvorsitzender. Mit dem Engagement des 240 Mitglieder zählenden Zusammenschlusses würden nicht nur junge Talente unterstützt, es gehe vielmehr auch um ein herausragendes kulturelles Angebot für die Region und nicht zuletzt auch um das Vermächtnis des weltberühmten Musikers Henri Marteau, einem „Superstar der Geige“, wie ihn Verwaltungsleiter Dr. Ulrich Wirz bezeichnete.

Noch zur Eröffnung  der Internationalen Musikbegegnungsstätte 1982 hätten es sich viele nicht vorstellen können, dass überhaupt jemand zu Meisterkursen nach Lichtenberg kommen würde, sagte Wirz während seiner Führung durch das Haus. Heute veranstalte der Bezirk regelmäßig zwischen 35 und 40 Meisterkurse. Dozenten sind namhafte Musiker, Studenten hoffnungsvolle Nachwuchstalente aus der ganzen Welt. Sie alle profitieren nach den Worten des Verwaltungsleiters von der Ruhe und Abgeschiedenheit der Villa, in der sie sich jeweils fünf Tage lang ausnahmslos auf die Musik konzentrieren können. „Es gibt nicht einmal einen Internetanschluss im Haus“, sagte Wirz.

Ziel des vom Dirigenten, Musikpädagogen und langjährigen künstlerischen Leiter Professor Dr. Günther Weiß (1933 - 2007) entworfenen Konzeptes sei es von Anfang an gewesen, das Haus im Sinne von Henri Marteau weiterzuführen. Wirz erinnerte daran, dass Henri Marteau selbst Meisterschüler in seinem Lichtenberger Zuhause unterrichtet hatte und die Bevölkerung genauso wie heute auch zu Konzerten eingeladen war. „Das ist die Idee, die wir heute fortführen“, so der Verwaltungsleiter.

Beim Festkonzert in der Lichtenberger Kirche konnte die Vorsitzende des Freundeskreises Ulrike Brett-Einsiedel die folgenden Gründungsmitglieder mit einer Miniatur-Porzellangeige der Künstlerin Barbara Flügel auszeichnen: Johanna Bendorf, Günter Findeiß, Adolf Markus, Erika Munzert, Reinhard Strößner und Roswitha Hagemann. Darüber hinaus wurden zahlreiche weitere Einzelpersonen sowie Vertreter von Kommunen, Institutionen und Unternehmen für ihr, seit 25 Jahren andauerndes Engagement im Förderkreis Haus Marteau ausgezeichnet.

Bilder:
- Verwaltungsleiter Dr. Ulrich Wirz führte alle musikinteressierten Besucher durch die einstigen Wohnräume des Geigers Henri Marteau
- Die Vorsitzende des Freundeskreises Ulrike Brett-Einsiedel, der Pianist Alan Brown von der Royal Academy of  Music London und die Geigerin Sophie Wang beim Tag der offenen Tür in der Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau des Bezirks Oberfranken.

 

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19.04.2013

Musik als Chance für den Glauben / Mareile Schmidt und Matthias Neumann sind die jüngsten Orgelprofessoren Deutschlands

Bayreuth. Mit 30, beziehungsweise 29 Jahren sind sie die beiden jüngsten Orgelprofessoren Deutschlands, doch als Überflieger sehen sie sich nicht: Mareile Schmidt und Matthias Neumann. Beide kommen aus dem Norden, beide unterrichten an der Hochschule für evangelische Kirchenmusik in Bayreuth.

Professoren in dem Alter, das habe es doch schon immer gegeben, beschwichtigt Matthias Neumann bescheiden. Er stammt aus Hamburg und wird demnächst sein Antrittskonzert geben. Mareile Schmidt kommt aus Westfalen und lebte zuletzt in Köln. Zumindest das kirchliche Umfeld wurde beiden in die Wiege gelegt: Neumann ist der Sohn eines Pastors, Schmidt die Tochter eines Religionslehrer-Ehepaars.

Mareile Schmidt war bereits 1999 als Jungstudentin an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf eingeschrieben. Von 2001 bis 2008 studierte sie an der Hochschule für Musik in Köln die Fächer Kirchenmusik, Orgel, Cembalo und Klavierpädagogik. Ihren ersten Lehrauftrag nahm sie von 2008 bis 2012 im Fach Orgelimprovisation an der Hochschule für Musik in Köln wahr, ein zweiter Lehrauftrag kam zwischen 2009 und 2010 im Fach Orgelimprovisation an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart dazu. Seit 2010 ist sie Professorin in Bayreuth.

Matthias Neumann studierte Kirchenmusik und Dirigieren in Hamburg und Wien. Seit Oktober 2009 war er Kantor an St. Marien in Fuhlsbüttel/Ohlsdorf in Hamburg, 2012 bekam er den Bach-Preisträger der Stadt Leipzig und seit dem Wintersemester 2012 ist er Professor in Bayreuth.

An ihren ersten Gottesdienst erinnern sich beide noch sehr genau. Matthias Neumann denkt an die schöne Orgel in der winzigen Dorfkirche im Weserbergland und für Mareile Schmidt war es sogar ein katholischer Gottesdienst in einer kleinen Kirche nahe der holländischen Grenze, bei dem sie aushelfen durfte. Nervös seien sie damals beide gewesen, längst klar war es zu diesem Zeitpunkt für beide aber auch, dass die Musik später ihr Leben bestimmen werde.

„Ich will die erste Frau bei den Wiener Philharmonikern werde“, habe sich Mareile Schmidt gedacht, als noch die Geige ihr Hauptinstrument war. Das Klavier fand sie dann doch spannender und schließlich landete sie bei der Orgel. Bei Matthias Neumann war das Klavier das erste Instrument, über den Umweg der Trompete kam auch er zur Orgel. Neumann hätte sich schon vorstellen können, Dirigent zu werden. Ein Erlebnis, an das er gerne denkt, war ein Konzert mit dem 2002 verstorbenen Dirigenten Günther Wand in Lübeck. Auf dem Programm damals: Bruckners Neunte.

Man müsse nicht gläubig sein, um Kirchenmusik zu hören, sagt Matthias Neumann. Kirchenmusik habe schließlich auch etwas Spirituelles, außerdem sei Glaube ja auch nicht messbar. Für ein Studium sei der Bezug zum Glauben und zur Kirche allerdings schon wichtig, schon allein deshalb, weil die Kirche ja in den meisten Fällen der spätere Arbeitsplatz sein wird. Mareile Schmidt beobachtet während ihrer regen Konzerttätigkeit aber auch, dass immer wieder Leute in die Kirche kommen, die normalerweise nicht in einen Gottesdienst gehen würden. Mareile Schmidt: „Damit liegt in der Musik auch die große Chance, die Leute anzusprechen und neugierig zu machen.“

Keine Berührungsängste haben die beiden Kirchenmusiker mit der Popularmusik im Gottesdienst. Im Gegenteil: Beide sind froh darüber, dass die Hochschule mittlerweile auch in diesem Bereich eine professionelle Ausbildung anbietet. Die Professionalität ist Matthias Neumann wichtig, denn gerade die Popularmusik benötige ein hohes Niveau, wenn sie Eingang in die Gottesdienste finden will.

Während Mareile  Schmidt zum Abschalten auch gerne mal gar keine Musik hört, hat Matthias Neumann während seiner Studienzeit in Wien die Oper für sich entdeckt. Puccini, Richard Strauß, Wagner und Verdi, das alles hat er in höchster Vollendung von den berühmten Stehplätzen der Wiener Staatsoper erlebt.

An der Hochschule für evangelische Kirchenmusik in Bayreuth sind derzeit rund 50 Vollzeit- und Gaststudenten eingeschrieben. „Gerade diese Größe macht die Schule für viele Studenten attraktiv“, sagt Mareile Schmidt. Die Arbeit sei angenehm, man kennt sich eben. Aktuell kommen die Studenten nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Ungarn, Rumänien, Korea und Taiwan.

Wie es sich gehört, rühren beide auch kräftig die Werbetrommel für die kleine, aber feine Bayreuther Hochschule. Die Aussichten für Kirchenmusiker seien derzeit bestens. Noch nie sei es einfacher gewesen, eine Stelle zu bekommen. Grund dafür ist die riesige Pensionswelle, die auf die Verantwortlichen derzeit zukommt. Beide beziffern die Zahl der Stellen bundesweit auf rund 1000. „Es muss also nicht immer die Schulmusik sein“, sagt Mareile Schmidt.

Die Hochschule für evangelische Kirchenmusik in Bayreuth ist die einzige Hochschule in Bayern, die in kirchlicher Trägerschaft und staatlicher Anerkennung evangelische Kirchenmusiker ausbildet.

Matthias Neumann wird am 15. Mai 2013 um 20 Uhr sein offizielles Antrittskonzert in Bayreuth geben. Unter dem Motto des Pfingsthymnus „Veni creator spiritus“ hat er dazu ein Programm mit Werken von Matthias Weckmann, Johann Sebastian Bach, Olivier Messiaen und Maurice Duruflé zusammengestellt. Karten gibt es zum Preis von 10 Euro (ermäßigt fünf Euro) an der Abendkasse.

Bild: Mareile Schmidt und Matthias Neumann von der Hochschule für evangelische Kirchenmusik in Bayreuth sind die jüngsten Orgelprofessoren Deutschlands.

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30.03.2013

Tiefgründig und technisch perfekt – Musikalischer Botschafter des Regierungsbezirks / Jugendsymphonieorchester Oberfranken absolvierte erfolgreiche Ostertournee

Es waren die Veranstaltungshöhepunkte an Ostern: die Konzerte des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken in Coburg, Naila und Stegaurach. Drei Mal hieß es ausverkauft und drei Mal ließ das Publikum die jungen Musiker nicht ohne Zugabe von der Bühne. Einen spektakulären Einstand konnte dabei der neue Dirigent Till Fabian Weser feiern.

Ihm war es gelungen, die exakt 65 jungen Musiker zwischen 13 und 24 Jahren in nur einer Woche Probenzeit im Schullandheim von Weißenstadt zu einem fulminanten Klangkörper zusammenzuführen. „Eine Woche gemeinsames Musizieren, das schweißt zusammen“, sagte Weser. Gestärkt werde aber auch das Selbstbewusstsein der jungen Teilnehmer. Till Fabian Weser, im Hauptberuf Trompeter bei der Bayerischen Staatsphilharmonie der Bamberger Symphoniker, weiß wovon er spricht. Er habe selbst auch prägende Erfahrungen „menschlicher und musikalischer Art“ in Jugendorchestern gemacht, so der Dirigent. Die Probewoche sei schon anstrengend gewesen, aufgrund der ausgezeichneten Qualität aber auch sehr beglückend.

Der professionelle Anspruch, den Till Fabian Weser an die jungen Musiker stellte, wurde bereits in der Programmauswahl deutlich. Nach einer blitzsauber intonierten einleitenden Fanfare „La Péri“ für großes Blechbläserensemble des französischen Impressionisten Paul Dukas hatte zunächst die junge Cellistin Verena Obermayer, wie Till Fabian Weser ebenfalls Mitglied der Bamberger Symphoniker, als Solistin in Camille Saint-Saens 1. Cellokonzert a-Moll ihren großen Auftritt. Bei Saint-Saens geht es weniger um eine tiefgründige Interpretation als um Eleganz, die wiederum technisch Perfektion voraussetzt. Verena Obermayer meisterte die spieltechnischen Hürden absolut gekonnt und Till Fabian Weser ließ das Orchester diskret begleiten. Sogar eine Zugabe hatte die gebürtige Münchnerin im Gepäck: zusammen mit der Cellogruppe des Jugendsymphonieorchesters musizierte Verena Obermayer den Schwan aus dem „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saens.

Höhepunkte des Konzertes waren die spektakuläre „Rienzi“-Ouvertüre von Richard Wagner und Anton Dvoraks 9. Sinfonie mit dem Beinamen „Aus der neuen Welt“. Langsam und subtil beginnend steigert Till Fabian Weser die „Rienzi“-Ouvertüre nach und nach ins Dramatische und schafft es dabei die Spannung bis zur letzten Note intensiv zu halten. Voller Effekte musiziert das Orchester auch das Hauptwerk des Abends, Dvoraks Neunte. Unter der Stabführung Till Fabian Weser gelingt es, die sinfonischen Qualitäten des Werks zu betonen, nicht ohne die vielen folkloristischen Anklänge herauszuarbeiten. Bei allem Melodienreichtum ist diese Neunte auch ein dramatisches Werk zumal es Till Fabian Weser und den jungen Musikern gelingt, große Spannungsbögen aufzubauen und so eine schlüssige Interpretation vorzustellen. Bei allen drei Konzerte bedankte sich das Orchester mit dem Slawischen Tanz Nummer 7 von Dvorak.

„Mit diesem Konzert ist das Jugendsymphonieorchester Oberfranken seiner Rolle als musikalischer Botschafter des Regierungsbezirks mehr als gerecht geworden“, freute sich Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler über die erfolgreichen Konzerte. Die Aufführungen hätten gezeigt, dass in Oberfranken viele junge Talente zu Hause sind, die unter der Stabführung des phänomenalen Till Fabian Weser zu einem grandiosen Klangkörper zusammengeführt werden konnten. Das Orchester steht im Zentrum der Jugendarbeit des Hauses Marteau in Lichtenberg (Landkreis Hof), das als Internationale Musikbegegnungsstätte des Bezirks Oberfranken im In- und Ausland nicht nur in Fachkreisen einen ausgezeichneten Ruf als Aus- und Weiterbildungsstätte genießt.

Gegründet wurde das Jugendsymphonieorchester Oberfranken 1984 von dem Musikpädagogen Professor Günther Weiß gegründet, der viele Jahre als künstlerischer Leiter der Musikbegegnungsstätte Haus Marteau tätig war. Seit der Gründung kommen junge Musikerinnen und Musiker aus ganz Oberfranken jeweils kurz vor Ostern zu einer Probenwoche zusammen und erarbeiten unter professionellen Bedingungen ein anspruchsvolles Konzertprogramm.

Bilder: Das Jugendsymphonieorchester Oberfranken unter Till Fabian Weser bei seiner Konzertpremiere an Ostern in der Frankenhalle in Naila.

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19.01.2013

„Der Weg ist das Ziel“: Jean-Paul-Jubiläumsjahr mit Festakt eröffnet / Markgrafenbuchhandlung bietet ein Jahr lang täglich eine Jean-Paul-Lesung

Bayreuth. „Mehr Mut zu Jean Paul“, fordert der Bayreuther Buchhändler Rolf J. Geilenkirchen. Er habe vom Dichter selbst den Auftrag bekommen, Bayreuth zu „jean-paulisieren“, so der Chef der Markgrafenbuchhandlung augenzwinkernd. An den kommenden rund 250 Werktagen bis Jahresende werden deshalb er, seine Mitarbeiter und eventuell auch Gäste jeden Tag jeweils zehn Minuten öffentlich aus dem Werk Jean Pauls vorlesen. „Wir rechnen mit einer reinen Lesezeit von insgesamt etwa 42 Stunden“, sagte der Buchhändler, der das Jubiläumsjahr zum 250. Geburtstag des Dichters am Samstag in Eigenregie mit einem hochkarätigen Festakt in seiner Buchhandlung eröffnet hatte.

Prominentester Gast war der Berliner Schauspieler und bundesweit bekannte Jean-Paul-Rezitator Hans Jürgen Schatz. Der Schauspieler hatte im März 1992 in der Bayreuther Markgrafenbuchhandlung seine allererste Jean-Paul-Lesung gegeben, seitdem zahlreiche CDs mit dem Werk Jean Pauls aufgenommen und sich in herausragender Art und Weise für den Ausbau des Dichterstübchens in der Rollwenzelei stark gemacht. „Wer sich mit Jean Paul beschäftigt, der weiß, der Weg ist das Ziel“, sagte Schatz.

Einen ähnlichen Vergleich wählte auch Buchhändler Geilenkirchen. Bei Jean Paul sei der Gipfel nur über Etappen zu erreichen, sagte er. Umso erhabener sei allerdings dann das Gefühl, wenn man das Dach der Jean-Paulschen-Gedankenwelt erklommen hat. Bis es soweit ist, wird es jeweils von Montag bis Freitag immer um 17 Uhr, Samstag um 11 Uhr zehn Minuten Jean Paul geben. Geilenkirchen hofft damit, den einen oder anderen Zuhörer zum Anhänger Jean Pauls werden zu lassen. Die ganze Aktion sei als Würdigung gedacht, die vielleicht auch notwendig ist.“ Denn nicht nur das Verhältnis der Bayreuther zu Jean Paul sei gespalten, auch andersherum sei das Verhältnis durchaus ambivalent gewesen.

Unter dem Titel „Das Schreibwunder aus der Friedrichstraße“ hatte Geilenkirchen eine Würdigung für Jean Paul verfasst, in der er den Dichter neben Johann Wolfgang von Goethe als umfassendstes Talent seiner Zeit bezeichnete. Jean Paul sei weder der Klassik noch der Romantik zuzuordnen, sei schnell zu einem der meist gelesenen Autoren seiner Zeit  aufgestiegen und zeitweise in Vergessenheit geraten. „Vielleicht ist es unserer heutigen Spaßgesellschaft zuwider, schwierige Literatur zu lesen“, sagte Geilenkirchen. Doch das Eintauchen in die Welt Jean Pauls kann eines der beglückendsten und erfüllendsten Erlebnisse sein.

Zwei, die bereits einen beachtlichen Beitrag zum Jean-Paul-Jubiläumsjahr geleistet haben sind die Kulturwissenschaftlerin Karla Fohrbeck und der Kulturpublizist Frank Piontek. Unter den Titeln Jean Paul in Oberfranken“ und „Jean Paul in und um Bayreuth“ haben sie zwei stattliche Bildbände herausgegeben, die den von ihnen entscheidend mit ins Leben gerufenen Jean Paul-Weg von Joditz bis Sanspareil sowie innerhalb Bayreuths von der Eremitage bis Schloss Fantaisie nachzeichnen. Für ihre Idee des Jean-Paul-Wegs haben Fohrbeck und Piontek 22 Gemeinden, vier Landkreise und unzählige Freunde und Förderer gewinnen können. Ihr Ziel sei es von Anfang an gewesen, „Jean Paul in  die Köpfe der Menschen zu bekommen.“

Bild: Schauspieler und Rezitator Hans-Jürgen Schatz, Buchhändler Rolf J. Geilenkirchen und der Parlamentarische Staatssekretär Hartmut Koschyk (von links), der Ende April eine großangelegte Veranstaltung für Jean Paul in Berlin organisiert, haben das Jean-Paul-Jubiläumsjahr in der Bayreuther Markgrafenbuchhandlung eröffnet.

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15.11.2012

Altes Werk neu rekonstruiert
Verschollen geglaubtes Violinkonzert von Henri Marteau liegt wieder vor

Lichtenberg. Fast 100 Jahre nach seiner Entstehung und Jahrzehnte nach seinem ominösen Verschwinden liegt das Violinkonzert des einst weltberühmten Geigenvirtuosen Henri Marteau (1874 – 1934) in neuer Orchestrierung wieder vor. Vertreter der Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau, des Bezirks Oberfranken und des Steingräber-Musikverlages aus Offenbach haben eine Partitur des Werkes in Lichtenberg bei Hof an den berühmten Münchner Geiger Ingolf Turban überreicht. Turban sagte zu, sich in den kommenden Jahren dem Werk zu widmen und sowohl eine Aufführung als auch eine CD-Einspielung realisieren zu wollen.

Henri Marteau hatte sein Violinkonzert, das die Opus-Zahl 18 trägt, 1916 inmitten der Wirren des Ersten Weltkriegs und während einer persönlichen Lebenskrise geschrieben. Als Halbfranzose und zudem französischer Leutnant der Reserve hatte Marteau wegen des Krieges neben seiner Professur in Berlin alle Möglichkeiten des Konzertierens verloren und wurde in der Folge mehrmals inhaftiert.

Das Autograph der Partitur gilt heute als verschollen, ebenso die damals erschienenen Originalpartituren sowie sämtliche Einzelstimmen. Zuletzt gab es lediglich einen Klavierauszug und eine Tonaufnahme aus den 1970er Jahren. Die jetzt endlich wieder vorliegende Partitur hatte der in Würzburg geborene Dirigent Raoul Grüneis rekonstruiert. Grüneis ist in der Region kein Unbekannter, er leitete zwischen 2005 und 2012 das Jugendsymphonie-Orchester Oberfranken. Seit 2010 steht er an der Spitze der Türkischen Staatsoper in Istanbul. Das nicht vorhandene Aufführungsmaterial sieht Raoul Grüneis auch als den Hauptgrund dafür, dass „die spätromantisch-üppige Schöpfung“ bislang noch nicht den Weg ins Repertoire der großen Geiger gefunden hatte.

Das Violinkonzert hat eine Aufführungsdauer von gut 50 Minuten und wird von Musikwissenschaftlern in eine Reihe mit den Violinkonzerten des Marteau-Freundes Max Reger aus dem Jahr 1908 und des Violinkonzertes des Briten Edvard Elgar aus dem Jahr 1910 gestellt. Es ist in drei Sätze (Allegro risoluto/Allegro energico – Adagio - Rondo) aufgegliedert und für ein Solokonzert in den Bläsern (Englischhorn, Bassklarinette, Kontrafagott) ungewöhnlich groß besetzt.

Die Komposition hebt zu Beginn bereits nach wenigen Orchestertakten mit zwei kurzen Kadenzen des Solisten an. Sprüht der erste Satz nur so vor Vitalität, verrät erst der zweite, in welch depressiver und aussichtsloser Lage Marteau sich in dieser Zeit befunden habe, so Raoul Grüneis. „In memoriam“ überschrieben, entfalte sich ein Adagio von großem Ernst. Die Fähigkeit Marteaus, rhythmisch prägnante, charakteristische Themen zu entwerfen, zeige auch der Beginn des Finales (Rondo): über ungestümen Orchestertriolen spannt sich ein sechstaktiger Gedanke, der sofort den Charakter des ganzen Satzes bestimmt.

Erschienen ist das Notenmaterial in dem heute in Offenbach angesiedeltem Steingräber Musikverlag, dem Henri Marteau persönlich bereits zu Lebzeiten eng verbunden war. Neben zahlreichen Kompositionen Marteaus hatte der Verlag viele Werke der Violinliteratur herausgegeben, darunter auch die Ausgabe der Sonaten und Partiten für Solovioline von Johann Sebastian Bach, in der noch heute erhältlichen und gespielten Bearbeitung von Henri Marteau. Firmengründer des Verlages ist der 1830 geborene Theodor Leberecht Steingräber, ein Cousin von Eduard Steingraeber, dem Gründer der heute in Bayreuth ansässigen gleichnamigen Pianofabrik.

Von einem ganz besonderen Werk sprach Verwaltungsleiter Dr. Ulrich Wirz. Henri Marteau sei nicht nur ein sehr guter Interpret, sondern auch ein hervorragender Techniker gewesen. Dies sei auch im bislang verschollen geglaubten Opus 18 zu spüren. „Hier werde dem Solisten einiges abverlangt“, sagte Wirz und drückte seine Hoffnung aus, dass mit dem vorliegenden Violinkonzert Henri Marteau auch als Komponist wieder bekannter werde.

Geiger Ingolf Turban, der im Haus Marteau einen Meisterkurs gegeben hatte, bezeichnete es als große Ehre, dass er als Interpret für das wiederentdeckte Werk auserkoren worden sei.  Die Komposition endlich wieder in Händen halten zu können, sei auch für ihn ein großer Moment. Turban gilt nicht nur als Kenner Henri Marteaus, sondern auch als Spezialist für verloren geglaubte Werke der Musikliteratur. Von seinen bislang rund 40 CD-Einspielungen sind etwa die Hälfte Ersteinspielungen.

Bild: Im einstigen Musikzimmer von Henri Marteau ließ der Münchner Geiger Ingolf Turban nach Jahren des Dornröschenschlafs das wiederentdeckte Violinkonzert  erklingen. Erste Zuhörer waren der Verwaltungsleiter der Internationalen Musikbegegnungsstätte Dr. Ulrich Wirz, der Sprecher des Steingräber-Musikverlages Joachim Schröder und der künstlerische Leiter des Hauses Marteau Professor Dr. Dr. h.c. Peter Sadlo (von links).

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18.09.2012

Ausnahmemusiker und Weltstar:
Kulturpreis der Oberfrankenstiftung für Peter Sadlo

Kronach. Mit dem Kulturpreis der Oberfrankenstiftung ist am Dienstag in Kronach der international bekannte Soloschlagzeuger Peter Sadlo ausgezeichnet worden. Sadlo ist seit 2007 künstlerischer Berater der Internationalen Musikbegegnungsstätte „Haus Marteau“ des Bezirks Oberfranken. Der Preis ist mit 15000 Euro dotiert und wurde vom oberfränkischen Regierungspräsidenten und Stiftungsratsvorsitzenden Wilhelm Wenning im Festsaal des Alten Rathauses von Kronach überreicht.

In seiner Laudatio bezeichnete Bezirksheimatpfleger Günter Dippold Sadlo als Ausnahmemusiker und Weltstar. Wenn Sadlo dennoch mit einem regionalen Kulturpreis geehrt werde, dann vor allem deshalb, weil er sich auch um das oberfränkische Kulturleben verdient gemacht habe. Neben seiner Arbeit mit den Hofer Symphonikern, deren Musikschule und der Berufsfachschule für Musik in Kronach sei Sadlo in ganz besonderer Art und Weise mit dem Haus Marteau in Lichtenberg verbunden.

In der Musikbegegnungsstätte habe er nicht nur seit Januar 1989 bislang 15 Meisterkurse abgehalten, als Nachfolger des verstorbenen Günther Weiß übernahm er 2007 die künstlerische Beratung und habe seitdem eine ganze Reihe neuer Impulse gesetzt. Nach den Worten Dippolds hatte Sadlo unter anderem die Dozentenschaft mit Augenmaß und Kennerblick erneuert und verjüngt sowie den Anteil aktiver Musiker erhöht. Nicht zuletzt sei es dem hohen Ansehen Peter Sadlos in Kollegenkreisen geschuldet, dass die Dozenten für ein vergleichsweise maßvolles Honorar immer wieder gerne in den Frankenwald kommen. Nach dem Motto: „Musik muss unter die Menschen“ habe Sadlo außerdem die Reihe „Haus Marteau auf Reisen“ eingeführt, bei der die Abschlusskonzerte der Workshops nicht mehr nur in Lichtenberg, sondern an vielen Orten Oberfrankens stattfinden.

Sadlo wurde 1962 in Zirndorf geboren, besuchte bereits als Zwölfjähriger das damalige Nürnberger Meistersinger-Konservatorium und später die Musikhochschule Würzburg. Im Alter von 20 Jahren wurde Sadlo unter dem weltberühmten Dirigenten Sergiu Celibidache Solopauker bei den Münchner Philharmonikern. Ein Jahr später erhielt er einen Lehrauftrag für Pauke und Schlagzeug an der damaligen Hochschule für Musik und Theater München. Mit 28 Jahren erhielt er einen Ruf auf einen Lehrstuhl am Mozarteum in Salzburg. In München und Salzburg lehrt Sadlo noch heute als Professor.

1997 hatte Sadlo seine Stelle bei den Münchner Philharmonikern aufgegeben, um als freier Solist zu tätig zu werden. Er musizierte bereits mit vielen großen Orchestern der Welt, trat bei vielen nationalen und internationalen Musikfestivals auf und wurde unter anderem mit dem begehrten Echo-Klassikpreis als Instrumentalist des Jahres 1998 und 2006 mit dem renommierten E.ON-Kulturpreis Bayern ausgezeichnet. Daneben setzt er sich immer für zeitgenössische Musik ein, er komponiert selbst und entwarf eine eigene Schlägelserie für einen Hersteller von Schlagzeuginstrumentarien.

In der Region ist Sadlo wieder Anfang November in Naila und Stegaurach zu erleben. Sadlo wird vom 5. bis zum 9. November einen Meisterkurs im „Haus Marteau“ geben und die Ergebnisse zusammen mit den Teilnehmern bei öffentlichen Konzerten am 8. November in der Frankenhalle in Naila (Landkreis Hof) und am 9. November im Bürgersaal von Stegaurach (Landkreis Bamberg) aufführen. Beginn ist jeweils um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

Bilder:
- Live-P
erformance statt Dankesworte: Mit einer Kostprobe seines Könnens bedankte sich Peter Sadlo im Alten Rathaus von Kronach für den Kulturpreis der Oberfrankenstiftung.
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Der oberfränkische Regierungspräsident und Stiftungsratsvorsitzender Wilhelm Wenning (links) überreichte den Kulturpreis der der Oberfrankenstiftung an Peter Sadlo (Mitte). Bezirksheimatpfleger Günter Dippold hatte den künstlerischen Berater des Hauses Marteau zuvor als Ausnahmemusiker und Weltstar bezeichnet.

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15.06.2012

TV-Stars und vielversprechende Newcomer bringen den Berg zum Beben / Am 22. Juni beginnen die Luisenburg-Festspiele Wunsiedel mit Shakespeares „Romeo und Julia“

Wunsiedel. „Wir sind kein Theatermuseum“, sagt Michael Lerchenberg, Intendant der Luisenburg-Festspiele in Wunsiedel, die am Freitag (22.06.) mit William Shakespeares Tragödie „Romeo und Julia“ beginnen. Gleichwohl stehe das Regietheater nicht im Vordergrund: „Im Zentrum unserer Arbeit befinden sich die Bühne und die Schauspieler“, so Lerchenberg.

Die Bühne, das ist ein Ausläufer des benachbarten Felsenlabyrinths, das seit Millionen Jahren existiert. Die Schauspieler, das sind zum einen prominente Stars, wie der US-Entertainer Ron Williams oder die TV-Serienhelden Arthus Brauss und Gerd Lohmeyer. Zum anderen soll aber auch immer wieder bewusst ganz jungen Schauspielern eine Chance gegeben werden, so Lerchenberg mit Blick auf Hanna Plaß und Bastian Semm. Beide stehen in diesem Jahr als Romeo und als Juli auf der Luisenburg-Bühne. „Julia“ Hanna Plaß (23) ist im benachbarten Thiersheim aufgewachsen, hat in der Statisterie der Luisenburg-Festspiele ihre erste Bühnenerfahrung gesammelt und mittlerweile die renommierte Otto-Falckenberg-Schauspielschule in München absolviert. „Romeo“ Bastian Semm (33) kommt aus Bochum, hat im zurückliegenden Jahr bereits in Bad Hersfeld den Hamlet gespielt und sich vor allem als Sänger und Gitarrist mit seinem Johnny-Cash-Programm einen Namen gemacht. Eine Kostprobe davon gibt Semm am 26. Juli im Museumshof von Wunsiedel.

Beim zweiten Stück, handelt es sich mit dem Musical „Blues Brothers“ um eine Wiederaufnahmepremiere (ab 28. Juni). "Damit haben wir „den Berg zum Beben gebracht“, sagt Intendant Lerchenberg. Noch nie sei es auf der Luisenburg vorgekommen, dass das gesamte Publikum am Ende tanzt und singt. „Kein Wunder, bei der wahnsinnig geilen Musik und dem spielfreudigem Ensemble“, so der Intendant.

Mit dem dritten Hauptstück „Wast – Wohin“ von dem österreichischen Gegenwartsdramatiker Felix Mitterer will Lerchenberg auf der Luisenburg eine 2004 begonnene Reihe fortsetzen, die sich dem „anspruchsvollen, ernsten und sozialkritischem Volkstheater“ widmet (Premiere 13. Juli). Der Umgang mit behinderten Menschen sei noch immer ein topaktuelles Thema, so Lerchenberg. In dem Stück geht es um einen zurückgebliebenen jungen Erwachsenen auf einem Bergbauernhof, der von seiner Familie weggesperrt wird. Ein Knecht, der ihn fördern will, scheitert letztlich an der Dorfgemeinschaft. Das Theaterstück hatte bei der Uraufführung 1977 für Furore gesorgt, für Wunsiedel hat Mitterer eine eigene Fassung angefertigt.

Auf dem Programm der Luisenburg-Festspiele stehen als Eigenproduktionen außerdem das Kinderstück „Ritter Kamenbert“ und der Monolog „Cherubim“ des im benachbarten Waldsassen geborenen Autors Werner Fritsch (Premiere 19. Juli). Gastspiele gibt die Operettenbühne Wien mit Carl Zellers „Vogelhändler“ (ab 9. August), die Kultband Haindling (16. Juli) und das Münchner Blechbläserensemble „Blechschaden“ unter der Leitung von Bab Ross (23. Juli).

Über mangelndes Zuschauerinteresse können sich die Luisenburg-Festspiele seit Übernahme der Intendanz durch Michael Lerchenberg nicht beklagen. Zwei Zusatzaufführungen der „Blues Brothers“ wurden bereits eingeschoben, selbst für den traditionellen Opernabend zum Schluss der Spielzeit gibt es bereits eine zusätzliche Aufführung am 20. August. Mit Carl Maria von Webers „Freischütz“ stehe diesmal „die Open-Air-Luisenburg-Oper schlechthin“ (Lerchenberg) in einem Gastspiel der Landesbühne Sachsen auf dem Spielplan. Einzelkarten seien für alle Aufführungen aber immer wieder an der Abendkasse erhältlich.

Nicht rechtzeitig zu den Festspielen fertig geworden ist indes der rund 15 Millionen Euro teure Umbau des Betriebsgebäudes der Festspiele. Alles, was für den Zuschauer wichtig ist, sei aber fertig, beruhigt Bürgermeister Karl Willi Beck. Der neue, auch bei Regen, rutschfeste Bühnenbelag gehöre genauso dazu, wie die Generalüberholung der exakt 1898 Sitze. Die Qualität eines Stuhles sei schließlich für den Wert einer Theateraufführung nicht zu unterschätzen, so Lerchenberg.

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28.04.2012

„Suchet der Stadt Bestes“ / Wagner, Wilhelmine, Jean Paul: Die „Bayreuther Geister“ der Kulturwissenschaftlerin und Kulturpolitikerin Dr. Karla Fohrbeck

Bayreuth. Markgräfin Wilhelmine, Jean Paul, Richard Wagner: Für Karla Fohrbeck sind es die „Bayreuther Geister“, denen sie seit ihrem Eintritt in den „Un-Ruhestand“ mit den verschiedensten Projekten ihr Engagement schenkt. In den Vordergrund treten, das ist nicht ihre Sache, sie stößt lieber an, ist für kulturpolitische Visionen und die Initialzündung zuständig, recherchiert, vernetzt, organisiert, hilft Weichen stellen und Finanzen besorgen und freut sich, wenn das eine oder andere später eine eigene Dynamik entwickelt.

Wenn Karla Fohrbeck von Bayreuth spricht, dann ist das ihre Heimatstadt. „Ich bin eine engagierte Bayreutherin – schon in der 3. Generation“, sagt sie, die während der letzten Kriegsjahre in Aachen geboren wurde. Beim Spiegel-Verlag in Hamburg begann nach den Universitätsjahren ihr Berufsleben, siebzehn Jahre leitete sie das noch immer existierende Zentrum für Kulturforschung, erst in Hamburg, später in Bonn, das unter anderem die empirischen und strukturellen Grundlagen für den Aufbau der Künstlersozialversicherung, einer Bundeskulturpolitik oder den Deutschen Kulturrat  erarbeitete, aber auch auf europäischer und internationaler Ebene tätig war. Von 1990 bis 1996 sorgte sie als parteilose und relativ unkonventionelle Nürnberger Schul- und Kulturreferentin auch überregional für Schlagzeilen.

Heute lebt sie in einem alten Bauernhaus in Neudrossenfeld, hat aber seit 2007 ihr Büro in Bayreuth bei der Agentur KulturPartner, wo ein Projekt nach dem anderen erfindet. Karla Fohrbeck war unter anderem am Wilhelmine-Doppeljubiläum beteiligt, ist verantwortlich für den 200 Kilometer langen Jean-Paul-Weg quer durch Oberfranken und kümmert sich um ein würdiges Gedenken an den Aufenthalt Richard Wagners im Hotel Fantaisie in Donndorf.

Ihr bislang wichtigstes Projekt hat indirekt auch mit den „Bayreuther Geistern“ zu tun: der Wiederaufbau der jüdischen Infrastruktur in Bayreuth. Von Ende 2007 bis Herbst 2010 habe sie dafür viel Zeit investiert und eine Gesamtvision realisieren helfen, die überfällig war. Entstanden ist während dieser Zeit unter anderem ein Stadtplan mit sämtlichen jüdischen Stationen, ein umfangreiches Buch („Jüdisches Bayreuth“), eine Sonderausstellung sowie eine Bestandsaufnahme der rund 1000 Gräber des jüdischen Friedhofs. Auch für die jetzt laufenden Bauprojekte, wie die Errichtung einer „Mikwe“ (rituelles Tauchbad), die Restaurierung der barocken Synagoge an der Münzgasse und die Errichtung eines jüdischen Kultur- und Gemeindezentrums im Iwalewa-Haus hat sie die Grundlagen schaffen helfen und  die vielen Projektpartner vom Schreibtisch ihres Büros aus koordiniert. Nebeneffekt einer dadurch notwendigen und erfolgreichen Gebäuderochade in der „Kulturmeile Münzgasse“ sei die Wölfelstraße 2 als künftiges neues Afrika- und Iwalewa-Zentrum der Universität.

All dies geschieht ehrenamtlich, sagt Karla Fohrbeck wie selbstverständlich. Nach dem Motto „Suchet der Stadt Bestes“ möchte sie etwas an die Gesellschaft zurückgeben, „aus Liebe zu ihrer Heimatstadt und der Region“, wie sie sagt. Die drei „Bayreuther Geister“ spielten dabei schon in ihrer Kindheit eine Rolle. Beim Blick aus dem Fenster der ersten elterlichen Wohnung in der Ludwigstraße auf das Neue Schloss etwa, oder beim späteren Schulweg vom Luitpoldplatz durch die barocke Kanzlei- und die Friedrichstraße zur Oberrealschule (heute Richard-Wagner-Gymnasium), wo sie 1962 das Abitur ablegte.

„Wilhelmine war die erste, mit der ich zu tun hatte“, so Karla Fohrbeck. Ihre Parks und das Neue Schloss seien ihr Spielplatz gewesen. „Früh“ habe aber auch schon das Interesse für Jean Paul begonnen, „vor allem für seine Doppelgänger“. Völlig selbstverständlich habe sie seine Werke aus der großen Bibliothek ihres Elternhauses verschlungen. Schwieriger sei da schon der Zugang zu Richard Wagner gewesen. Für den im Widerstand aktiven Vater sei Wagner tabu gewesen. Dafür gab es zuhause Anton Bruckner, Hugo Wolf oder Max Reger. Mit den Kindern Wolfgang und Wieland Wagners sei sie befreundet gewesen, aber die Verbindung zum Werk Richard Wagners, die sie in den prägenden Jahren Neu-Bayreuths in nahezu alle Proben und Generalproben führte, geschah eigenständig.

Wagner sei auch ausschlaggebend für ihr Mythologie-Studium gewesen, sagt Karla Fohrbeck, die in Freiburg, Frankfurt, London und Paris außerdem Soziologie, Philosophie, Anthropologie, Religionswissenschaften und Volkswirtschaft studiert hatte. „Die umfassende Weltsicht der Bayreuther Geister – wozu auch Vater (Arzt) und Großvater (Ingenieur) gehörten - war die Vorstufe für alle diese Fächer“, so die promovierte Wissenschaftlerin, die auch in den zurückliegenden Jahrzehnten kontinuierlich die Festspiele besuchte und die ihre Karten für den Chereau-Ring von Spiegel-Gründer Rudolf Augstein persönlich bekam.

Die Ideen gehen Karla Fohrbeck nicht aus. Noch in diesem Jahr sollen zwei groß angelegte, reich illustrierte Bände über Jean Paul in Bayreuth und Jean Paul in Oberfranken erscheinen. Sie unterstützt Pläne für einen Umzug des Jean-Paul-Museums in das Dichterhaus in der Friedrichstraße. Ein Stadtplan zum Thema „Richard Wagner in Bayreuth“ ist in Vorbereitung. Für das sogenannte Chamberlain-Haus in der Wahnfriedstraße hat sie gerade Stichworte für ein Dokumentationszentrum in der Achse München-Nürnberg-Bayreuth ausgearbeitet, das sich nicht nur historisch, sondern auch aktuell mit Antisemitismus und Rassismus  auseinandersetzen könnte.

Es gäbe auch schon einen vierten „Bayreuther Geist“, dem sie gerne später einmal ihre Aufmerksamkeit schenken würde: der in Bayreuth geborene und mittlerweile mehr oder weniger in Vergessenheit geratene Philosoph Max Stirner.

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25.04.2012

Musik als Brücke zwischen Christen und Juden / Völkerverständigung im Vordergrund: Bayreuther Zamirchor gastierte zum wiederholten Mal in Israel

Bayreuth. „Das ganze Projekt ist ein Abenteuer“, sagt Barbara Baier, Sopranistin und Gesangslehrerin aus Bayreuth. Die Künstlerin, die bereits an mehreren Bühnen in Deutschland fest engagiert war und unter anderem mit der Partie der Eliza Doolittle in dem Musical „My Fair Lady“ Triumphe an vielen Häusern Europas feierte, spricht dabei nicht von ihrer beachtlichen Karriere, sondern von ihrem Projekt, dem „Zamirchor“. Dabei handelt es sich um einen 2006 gegründeten gemischten Laienchor mit 30 bis 40 Mitgliedern, der es trotz seines relativ kurzen Bestehens schon zu Auftritten bei den Vereinten Nationen in Genf und in New York geschafft hat. Dabei steht für Barbara Baier nicht nur die Musik, sondern  auch die Völkerverständigung im Vordergrund: „Das Miteinander von Israelis und Deutschen, von Christen und Juden ist unser Hauptanliegen.“

Die Erfolgsgeschichte des Zamirchores ist eng mit vielen Zufällen verbunden. Beim Skifahren in der Schweiz lernte die in ihrer Freizeit auch als Skilehrerin tätige Künstlerin den israelischen Dirigenten und zeitgenössischen Komponisten Issak Tavior kennen. „Wir wollten zusammen Musik machen“, erinnert sich Barbara Baier, aber Isaak Tavior wollte nicht unbedingt nach Deutschland. Wieder in Bayreuth angekommen, gründete Barbara Baier einen Projektchor aus Schülern und Freunden und studierte zwei Kantaten aus der Feder von Isaak Tavior ein. Noch im gleichen Jahr wurde die Komposition „Chazon Ha Azamot“ („Auferweckung des Volkes“) uraufgeführt, und zwar in Bayreuth unter der Leitung des Komponisten zum Internationalen Holocaust-Gedenktag.

„Es war zum ersten Mal in der Geschichte, dass Israelis und Deutsche, Juden und Christen ein gemeinsames Gedenkkonzert veranstalteten“, sagt Barbara Baier. Es war aber auch die Geburtsstunde des Zamirchors, der bis heute ohne öffentliche Fördergelder auskommt und sich komplett über Spenden und Sponsoren finanziert. „Uns geht es um das völkerverbindende Element“, so Barbara Baier, die sich schon immer für andere Kulturen und deren Geschichte interessiert hat.

Nächstes großes Projekt war ein Konzert zum 60. Gründungsjubiläum des Staates Israel zusammen mit den Hofer Symphonikern und dem Israel Oratorio Chamberchoir. Auch in Israel war man inzwischen auf den Chor aus Bayreuth aufmerksam geworden und so übernahm der israelische Botschafter die Schirmherrschaft. In Bayreuth sei das Engagement mit offenen Armen aufgenommen worden, erinnert sich Barbara Baier, auch wenn der Aufwand damals gigantisch gewesen sei. Der israelische Chor habe während seines Aufenthaltes in Deutschland rund um die Uhr unter Polizeischutz gestanden, sogar Spürhunde mussten die Stadthalle vor dem Konzert durchkämmen.

Absoluter Höhepunkt in der Geschichte des Zamirchors war freilich der Auftritt vor der Vollversammlung der UN anlässlich des Holocaust-Gedenktages 2010 in der Assembly-Hall in New York und 2011 in Genf unter anderem mit Werken von Isaak Tavior aber auch mit Ausschnitten aus dem Requiem von Johannes Brahms. „Es war ein Riesenakt mit vielen schlaflosen Nächten“, bringt es Barbara Baier auf den Punkt. Die Organisatoren hatte damals eine DVD des Chores überzeugt. Es war das erste Mal, dass sich Deutschland und Israel gemeinsam daran beteiligten, und damit ein historisches Konzert.

Auch die jetzige, erste Israel-Tournee, von der Barbara Baier (Bild) und ihre Mitstreiter gerade zurückgekommen sind, war zusammen mit dem Israel Oratorio Chamberchoir für alle Beteiligten ein großes Erlebnis. „Wir schweben noch immer auf Wolke sieben“, so Barbara Baier. Wieder einmal sei festzustellen gewesen, welche völkerverbindende Kraft in der Musik liegt und wie wertvoll für alle Beteiligten der deutsch-israelische sowie der christlich-jüdische Dialog sein kann. Mit dabei war diesmal das Israel Chamber Orchestra unter der Leitung von Ronen Borshevsky, einem Assistenten des weltberühmten Dirigenten Zubin Mehta. Die Konzerte fanden unter anderem im Theater Jerusalem und im Auditorium in Herzliya statt. Ein A-Cappella-Konzert bestritten beide Chöre außerdem in der Christchurch von Jerusalem.

Heute ist der Zamirchor längst als Verein organisiert, seine Mitglieder sind Hausfrauen, Schüler und Studenten genauso wie Krankenschwestern, Lehrer, Schauspieler und Erfinder. Die Altersspanne reicht von 15 bis 75 Jahren. Geprobt wird mindestens einmal pro Woche in der eigenen Zamirhalle, einer kleinen ehemaligen Fabrikhalle in Bayreuth, die von den Mitgliedern in liebevoller Kleinarbeit zum Veranstaltungsort umfunktioniert und ausgestattet wurde. Und Barbara Baier selbst ist unermüdlich am Planen, Organisieren und Managen: „Ich sitze jeden Tag sechs bis sieben Stunden an unserem Chorprojekt“ sagt sie, die noch immer jede Menge Gesangschüler unterrichtet und auch eigene Liederabende gibt und an neuen Programmen arbeitet.

Aber auch mit dem Zamirchor stehen ehrgeizige Vorhaben an. Im Oktober gastiert der Zamirchor erneut in Haifa und wird Isaak Taviors neues Oratorium „König David“ zur Aufführung bringen. Im kommenden Jahr sind Auftritte unter anderem in Warschau, Breslau und Auschwitz geplant. “Es geht immer weiter mit den Ideen“, sagt Barbara Baier. Der Name des Chores kommt übrigens aus dem Hebräischen: Zamir heißt Nachtigall.

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27.11.2011

Flott, lebendig und zeitgemäß: Adventliches Konzertereignis von hoher Qualität / Glanzvolle Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium in der Petri-Kirche

Kulmbach. Es war eine ausgesprochen gute Idee von Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn, einmal die Kantaten vier bis sechs und damit den zweiten Teil von Johann Sebastian Bachs ohnehin fast schon inflationär gespieltem Weihnachtsoratorium aufzuführen. Das Abschlusskonzert der Kulmbacher Kirchenmusiktage am Sonntag in der Petri-Kirche war dennoch, oder gerade trotzdem, ein musikalischer Höhepunkt zum ersten Advent. Alle Nummern der drei Kantaten fügten sich in natürlichem Fluss ineinander. Die Aufführung durch die Kulmbacher Kantorei und das Orchester „musica juventa“ aus Halle an der Saale war aufs Beste ausgewogen und unter der Leitung von Ingo Hahn markierten die Ausführenden immer wieder neue Höhepunkte.

Bachs überaus populäre Komposition erzählt die Weihnachtsgeschichte, wie sie im Lukas- und teilweise auch im Matthäus-Evangelium nachzulesen ist. Jede der insgesamt sechs Kantaten des Weihnachtsoratoriums hat seinen von den anderen Abschnitten unabhängigen Platz im Kirchengeschehen zwischen Weihnachten und Epiphanias, verstreut über die Festtage zweier Wochen. Die Bestimmung der Kantate, wie sie sich aus der Leipziger Praxis zu Bachs Zeit ergab, bestand darin, im Gottesdienst aufgeführt zu werden. Damit war die komponierte Musik Bestandteil des religiösen Ablaufs.

In Zeiten der modernen Aufführungspraxis und einer unbegrenzten Reproduzierbarkeit von Musik hat sich das Werk von seinem liturgischen Kontext gelöst. Eine Konzertaufführung, wie die in Kulmbach, fügt das, was zu Bachs Zeiten in der Liturgie verankert und auf mehrere Feiertage verteilt war, zu einem neuen Ganzen zusammen. Das Weihnachtsoratorium hat längst unabhängig von seiner gottesdienstlichen Funktion ein Eigenleben als eigenständiges Oratorium entwickelt.

Ingo Hahn lässt die „musica juventa“ in der Kulmbacher Aufführung in authentischer instrumentaler Besetzung musizieren und schlägt dabei durchwegs überraschend schnelle Tempi an. Der Zusammenschluss musizierte perfekt, ohne falsches Pathos und zu viel feierlicher Erhabenheit. Dem Ensemble gelang es unter der Leitung des Kirchenmusikdirektors dadurch, das Bach´sche Klangbild mit einer lebendigen und zeitgemäßen Gestaltung zu verknüpfen und so dem verborgenen Geist des Werkes aufzuspüren. Dynamische Differenzierung und polyphone Abläufe kamen bestens zur Geltung, was an der hohen Transparenz liegt, die sowohl die Kantorei, als auch Instrumentalisten auszeichneten.

Der Kantorei gelang es, abgesehen von dem offensichtlich krankheitsbedingt stark dezimierten Tenören, ihr hohes Niveau präzise und mit natürlicher Frische während der gesamten drei Kantaten durchzuhalten. Insgesamt wirkte die Interpretation nie unangemessen forciert, sondern folgte einfach dem musikalischen Impetus Bachs. Dies wird vor allem im fließenden Gesangstempo deutlich, das Empfindsamkeit zulässt aber auf bedeutungsschwangere Theatralik verzichtet.

Trefflich besetzt waren die Partien der Solisten mit Gabriele Rösel (Sopran), Katharina Heiligtag (Alt), Christoph Rösel (Tenor) und Rudolf Hillebrand (Bass), die alle vier ein hohes Niveau erreichen. Eine zentrale Stellung nahm dabei Christoph Rösel ein, der nicht nur die zum Teil halsbrecherischen Tenorarien, sondern auch die Rezitative des Evangelisten mit lockerer Tongebung und vorzüglich deklamierend sang. Vom Umfang her fällt auch die Sopranpartie in den Kantaten IV bis VI reichhaltig aus, Gabriele Rösel konnte mit ihrer schlanken Stimme ihren Arien ebenfalls bestens Profil verleihen und überzeigte zudem durch beste Textverständlichkeit. Genauso wie Rudolf Hillebrand, für den die Partitur zwar nur eine Solo-Arie, dafür aber zahlreiche Rezitative vorsah, die er bestens gestaltete. Auch für die Altstimme hat Bach in den Kantaten IV bis VI relativ wenige Arien und Rezitative komponiert, die Katharina Heiligtag aber ausdrucksvoll und überzeugend interpretierte.

Die Aufführung am Sonntag in der voll besetzten Petri-Kirche entließ die Zuhörer nicht nur froh gestimmt in die Vorweihnachtszeit, sondern hinterließ auch einen überwältigenden Eindruck, was am großen Beifall deutlich wurde.

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25.11.2011

Von „Sister Act“ bis „Happy Day“
Thurnauer Gospelchor „Voices of Joy“ begeisterten bei den Kirchenmusiktagen

Kulmbach. Mit dem Auftritt des Thurnauer Gospelchores „Voices of Joy“ haben sich die Kulmbacher Kirchenmusiktage am Freitagabend in der St. Petri-Kirche erstmals einer ganz eigenen und der dennoch wohl populärsten Facette des geistlichen Musikschaffens gewidmet. Der abgesehen von der Chorleiterin, der Bayreuther Sopranistin Iris Meier komplett aus Laiensängern bestehende und dennoch absolut professionell agierende Chor zauberte eine beeindruckend fröhliche Atmosphäre in das Gotteshaus, die rund 150 Zuhörer kamen dabei musikalisch voll auf ihre Kosten.

Gospel, das heißt nicht nur pure Kirchenmusik zum Lob Gottes, sondern immer auch ein Stück Entertainment und genau darin liegt wohl das Erfolgsgeheimnis dieser Sparte. „Wir singen, weil es uns Spaß macht und wir singen das, was uns Spaß macht.“ Das ist das Motto von „Voices of Joy“, dem Chor aus dem Kulmbacher Land, den es bereits seit fünf Jahren gibt. Freilich sind die Sängerinnen und Sänger keine Profis. „jeder kann mitmachen, auch wenn er behauptet, er könne nicht singen, denn bei uns lernt man es“, sagte Chorleiterin Iris Meier. Tatsächlich hat sich der diesmal krankheitsbedingt stark dezimierte und nur mit gut 30 Mitwirkenden angetretene Chor seit seinen ersten Auftritten immens weiterentwickelt und wird mit jedem Konzert besser. Wesentlicher Bestandteil des Erfolges ist schließlich auch Florian Mehling, der den kompletten Auftritt souverän am E-Piano begleitet hat.

 „Voices of Joy“ bot gut 90 Minuten lang eine bunte und erfrischende musikalische Mischung aus altbekannten Gospelstandards, zeitgenössischen, modernen Klänge, swingende Liedern und beliebten Spirituals. Und wie bei Gospelkonzerten üblich, klatschte das Publikum am Ende begeistert mit. Höhepunkt des Auftritts war sicher das bekannte „I will follow him“ aus dem Film „Sister Act“, das Traditional „Down by the riverside“ oder das Lied „Halleluja“, eigentlich ein Schlager, mit dem die Gruppe „Milk and Honey“ 1979 den Grand Prix gewonnen hatte.

Bemerkenswert waren dabei auch die vielen hervorragenden Stimmen aus dem Chor, die immer wieder solistisch in Erscheinung traten. Hervorzuheben ist auch, dass Chor fast das komplette Programm auswendig konnte. Für viele Besucher ging der Abend viel zu schnell vorbei und so gab der Chor gerne noch zwei Songs als Zugabe, den Ohrwurm „Glory Land“ und den bekannten Weihnachtspopsong  „Rudolph The Red Nosed Reindeer“, ehe das Publikum die Sängerinnen und Sänger mit großem Applaus verabschiedete.

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10.11.2011

Karfreitag im Advent / Michael Lipperts Oratoriums „Der 4. König“ wird in der Bayreuther Ordenskirche uraufgeführt

Bayreuth – Mit der Uraufführung seines Oratoriums „Der 4. König“ am 3. und 4. Dezember in der Bayreuther Ordenskirche schließt sich für den Komponisten Michael Lippert ein Kreis. Sieben spartenübergreifende kirchenmusikalische Werke hat er seit 1998 geschaffen, das erste war ein Weihnachtsmusical, „Der 4. König“ wird ein Weihnachtsoratorium sein.

„Wer Harmonie und Beschaulichkeit erwartet, wird allerdings enttäuscht sein“, sagt Lippert, der seit fünf Jahren hauptberuflich als Kirchenmusiker an der Ordenskirche tätig ist. Zwar gebe es viele Choräle mit alten Texten, aber eben mit neuer Musik. Inhaltlich sollte der Zuhörer trotz der Adventszeit bereit sein, sich auch auf die Karfreitagsthematik einzulassen.

Lippert verknüpft in seinem Werk das Märchen „Die Sterntaler“ von den Gebrüdern Grimm mit der alten russischen Legende vom vierten König. „Nur wer bereit ist, sein letztes Hemd zu geben, kann die Sterne vom Himmel holen“, heißt es im Märchen. Der König aus der Legende ist sogar bereit sein Leben zu geben, kommt dafür aber nach schier endlosen Irrfahrten über 30 Jahre zu spät ins Heilige Land. Nun wird er nicht mehr Zeuge der Geburt Jesu Christi sondern der Kreuzigung, des Todes und der Auferstehung.

„Es wird das aufwändigste Stück, das wir je hatten“, ist sich Lippert sicher. Neben den Hofer Symphonikern wirken ein zehnköpfiges Djemben-Ensemble, die Kantorei Bayreuth St. Georgen, die Sopranistin Jasmin von Brünken, die Pianistin Anne Schneider und Silvia Guhr als Erzählerin mit. Zumindest andeutungsweise in Szene gesetzt wird das Werk unter anderem durch Lipperts Bruder Matthias, der die Handlung mit aufwändig gedrehten Videosequenzen und überraschende Lichtstimmungen visualisiert. Die Vorbereitungen haben nach den Worten des Komponisten, der auch die Gesamtleitung übernimmt, rund ein Jahr gedauert, die Chorproben laufen bereits seit der Sommerpause.

Lippert verspricht beim Blick in seine Partitur eine sehr einfache elementare Musik mit vielen archaischen Elementen für die vor allem das Djemben –Ensemble mit seinen Trommeln steht. „Sie symbolisieren das Erdverbundene, das heidnische, vielleicht auch Dämonische“, erklärt der Komponist. So soll beispielsweise die Kreuzigung als eine Art heidnisches, dämonisches Ritual dargestellt werden.

Für die beiden Aufführungen und die Generalprobe wird die Ordenskirche aufwändig umgestaltet. So gibt es in der Mitte der Kirche einen angedeuteten Golgatha-Hügel mit drei Kreuzen, der Alter wird verhüllt und am Ende soll es sogar Sterne von der Decke regnen. Für den regulären Sonntagsgottesdienst muss die Gemeinde in die Stiftskirche ausweichen, zu groß wäre der Aufwand die Aufbauten samt Orchesteraufbau und Beleuchtung zu beseitigen.

Lipperts bisherige Werke waren stets irgendwo zwischen Oratorium, Kirchenoper und Musical angesiedelt und umfassten Elemente der klassischen E-Musik genauso, wie Elemente der Avantgarde, der Pop- und der Weltmusik. Spartenübergreifendes Arbeiten und Denken habe ihn schon immer interessiert. Festlegen lassen wollte sich der aus Kirchenlamitz stammende langjährige Stadt- und Bezirkskantor von Naila noch nie. Nach seinem Studium an der heutigen Hochschule für evangelische Kirchenmusik in Bayreuth war er Stipendiat des Bayerischen Musikrats und wirkte drei Jahre lang im Sonderchor der Festspiele mit.

Neben seinen großen Werken, die Namen tragen wie „Der Mönch am Meer“, oder „Träumende Bäume“ und die existenzielle religiöse und philosophische Fragen durchaus unterhaltsam aufgreifen, gestaltet der Vater von drei Kindern auch den ganz normalen kirchenmusikalischen Alltag, Gottesdienste, Hochzeiten oder Beerdigungen. „Seine“ Kantorei beschreibt Lippert als bunte, Generationen übergreifende Mischung mit rund 80 Sängerinnen und Sängern, auch ein eigener Kinderchor für das Grundschulalter steht unter seiner Leitung.

Gegen die traditionelle Kirchenmusik hat er nichts, im Gegenteil, Gabriel Faures „Requiem“, Mozarts „Krönungsmesse“ und natürlich immer wieder Johann Sebastian