Stephan Herbert Fuchs
 

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08.08.2022

An der Orgel zieht er alle Register / Trotz Corona und Kirchenaustritten: Wolfgang Trottmann wirbt unermüdlich für die Kirchenmusik“

Kulmbach. Fünf Jahre wollte er in Kulmbach bleiben, mehr nicht. 37 Jahre sind es mittlerweile geworden. „Bereut habe ich es nie“, sagt Wolfgang Trottmann. Der 62-Jährige ist seit Oktober 1985 als Regionalkantor für das Dekanat Hof zuständig, zu dem im weitesten Sinne die Landkreise Hof und Kulmbach gehören.

Sein Dienstsitz ist die Kirche „Unsere Liebe Frau“, sein Arbeitsplatz die Orgelbank hoch über dem Kirchenschiff. Hier an der 1986 neu errichteten Eisenbarth-Orgel mit ihren 27 Registern und ihren 1544 Pfeifen, und manchmal auch in anderen Kirchen des Dekanats, begleitet er die Gottesdienste an den Wochenenden musikalisch. Wolfgang Trottmann hat aber natürlich noch viel mehr Aufgaben. Im Auftrag des Amtes für Kirchenmusik erteilt er unter anderem Unterricht für die D-Ausbildung vor Ort und für die C-Ausbildung in Bamberg und Nürnberg. Er führt Fortbildungen für Organisten durch, ist daran beteiligt, Notensätze zusammenzustellen und hat bis 2008 auch einen Chor geleitet.

Wolfgang Trottmann stammt aus Amberg. Ein wenig war ihm die Kirchenmusik schon in die Wiege gelegt, schließlich war sein Vater als Lehrer damals auch für den Orgeldienst zuständig. „Musik hat mich schon immer fasziniert“, sagt er. Wolfgang Trottmann meint damit zunächst die Musik in der Amberger Stadtpfarrkirche St. Martin. So sehr hat sie ihn geprägt, dass er selbst das Klavierspiel erlernte, dann das Spiel an der Orgel. Im Chor sang er sowieso schon und so stand einem Studium der Kirchenmusik nichts mehr im Wege. Zunächst am damaligen Konservatorium in Nürnberg, dann an der Hochschule für Katholische Kirchenmusik in Regensburg.

„Irgendwie war ich immer ein Träumer, nie der knallharte Realist“, so beschreibt sich Wolfgang Trottmann selbst. Und so sah er irgendwann ein, dass er sich eine Stelle suchen müsse. Kulmbach sei gerade frei gewesen und so landete er unterhalb der Plassenburg. Hier wurde er dann heimisch und wollte fortan nie wieder weg.

Strukturbedingt nehme die katholische Kirchenmusik nicht die Breite ein, wie die evangelische, sagt Wolfgang Trottmann. Damit sie aber auch weiterhin wahrgenommen wird und den ihr gebührenden Stellenwert einnimmt, engagiert sich der Regionalkantor unter anderem als 2. Vorsitzender im Bundesverband katholischer Kirchenmusiker und als Vorstandsmitglied im Verband katholischer Kirchenmusiker. Gerade kommt er vom Katholikentag in Stuttgart zurück, wo er wieder einmal Partei ergriffen hat, für die Sache der Musik. „Die Kirchenmusik darf nicht in Vergessenheit geraten“, sagt er und spielt damit auf die vielen Umstrukturierungen an, die derzeit nicht nur bei den Katholiken vorgenommen werden. Mittlerweile gibt es nur noch drei nebenberufliche und zehn weitere nebenamtliche Organisten in Kulmbach Stadt und Land. 

Ursache für die notwendigen Umstrukturierungen sind zum einen die vielen Kirchenaustritte und zum anderen die Folgen der Corona-Politik. „Zwei Jahre Corona hat uns nicht gerade nach vorne katapultiert“, sagte Wolfgang Trottmann. Im Gegenteil: Corona habe die Kirchenmusik total ausgebremst und die Chöre nahezu lahmgelegt. Nicht nur die Besucherzahlen in den Gottesdiensten seien seitdem zurückgegangen, auch die Zahl der Aktiven in den Chören habe abgenommen, besonders darunter gelitten hätten Kinder- und Jugendchöre.

Auch wenn bei den Gottesdiensten Einbrüche zu verzeichnen sind und der Unterricht meist ausgefallen ist, blickt Wolfgang Trottmann einigermaßen optimistisch in die Zukunft. Er habe die zurückliegende Zeit zum Üben genutzt und will auf jeden Fall künftig auch wieder Konzerte anbieten. Denkbar sei etwa eine Bläserserenade im Freien oder auch das eine oder andere Orgelkonzert.

Bilder:
1. Vom Spieltisch aus bedient Wolfgang Trottmann 27 Register mit 1544 Orgelpfeifen.
2. Die 1986 neu errichtete Eisenbarth-Orgel in der Katholischen Pfarrkirche Unsere Liebe Frau“. 

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01.08.2022

Zu vielseitig für Vorbilder / Thomas Eschenbacher rockt mit dem Sinfonischen Blasorchester des Musikvereins Kasendorf alljährlich den Marktplatz

Kasendorf. 1974 war es, da ist Thomas Eschenbacher im Alter von sechs Jahren der Jugendblaskapelle beigetreten. Heute, 48 Jahre später ist er noch immer dabei, beim Musikverein Kasendorf. Nicht mehr als Klarinettist, sondern als Dirigent des Sinfonischen Blasorchesters. Wenn nicht gerade Corona ist, dann rockt er regelmäßig zur Bierfestzeit den Marktplatz. Doch das ist noch lange nicht alles.

Sein Großvater war es, der Thomas Eschenbacher zur Blasmusik gebracht hat. Erst war es die B-Klarinette, dann die Es-Klarinette, die konnte der kleine Bub besser greifen. Viele Jahre später, es war 1996 hörte der damalige Dirigent Georg Reichel auf und Thomas Eschenbacher wurde gefragt, ob er nicht die Nachfolge antreten möchte. Er sagte zu und der Rest ist Geschichte.

Das Konzert „Mai Musica“ in der Dr.-Stammberger-Halle in Kulmbach gehörte zumindest bis vor Corona zum festen Bestandteil im Konzertkalender. „Sinfonie rockt den Markt“ und das Herbstkonzert sind die anderen festen Säulen bei den Kasendorfern.

„Mit einem festen Stamm von 50 Musikern kann ich derzeit rechnen“, sagt Thomas Eschenbacher und ist froh darüber, dass die zwei Jahre Corona nicht noch tiefere Wunden in das Blasorchester gerissen haben. Zuerst habe man noch in der Turnhalle, dann im Schulhof unter freiem Himmel geprobt, doch dann sei endgültig Schluss mit den wöchentlichen Proben gewesen. Freunde und Fans der Kasendorfer mussten sich derweil mit dem letzten Herbstkonzert aus dem Jahr 2019 begnügen, dass der Sender BR Heimat damals vollständig aufgezeichnet und inzwischen mehrfach gesendet hat.

Moderne sinfonische Stücke sind Thomas Eschenbacher ein großes Anliegen. Das gibt es Pink Floyds „Another brick in the wall“ genauso wie Bob Dylans „Knocking´ on heaven´s door“ oder ein Bon-Jovi-Medley. Sogar Titel von Michael Jackson, den man jetzt nicht gerade mit Blasmusik in Verbindung bringen würde, standen schon auf dem Programm.

Alles Titel, die auch privat zu den Favoriten des passionierten Golfers gehören. Ansonsten mag es der gelernte Elektromeister und –techniker, der bei dem Multimedia-Unternehmen TMT in Bayreuth für Vertrieb, Internet und Cloud-Services tätig ist, auch gerne mal jazzig. Und er steht auf die Musik von Richard Wagner. Er schwärmt von immer vom Castorf-Ring, den er komplett im Bayreuther Festspielhaus genießen durfte.

„Wir wollen gezielt ein junges Publikum ansprechen“, sagt Thomas Eschenbacher. Die Rechnung geht auf, denn selbst im Corona-Jahr 2021 sind zwei junge Musiker zur Formation gestoßen. „Top-Leute, auf Top-Niveau“, wie der Dirigent anmerkt. Die Altersspanne des Klangkörpers reicht von 15 bis 65 Jahren. „Wir sind halt nicht das klassische Blasorchester“, begründet der gebürtige Kasendorfer seine Absicht, den Musikfreunden immer etwas Besonderes zu bieten. Seine Erwartungen setzt er dabei ganz hoch an: „Ich möchte schon wieder ein Spitzenorchester werden.“ Schon vor einigen Jahren wurde das Sinfonische Blasorchester des Musikvereins bei einem Wertungsspiel anlässlich eines Landesmusikfestes in Weilheim zum zweitbesten deutschen Blasorchester gekürt.

Auftritte führten den Klangkörper nicht nur nach Berlin, sondern auch schon mal in die kroatische Hafenstadt Split, nach Südtirol oder ins ungarische Sopron zur dortigen Partnerkapelle. Wenn Thomas Eschenbacher mal nicht mit seinem Orchester unterwegs ist, engagiert er sich im Nordbayerischen Musikbund, unter anderem als Schriftführer und stellvertretender Kreisdirigent im Kreisverband Kulmbach. Das sei schon auch wichtig, denn seitdem der Musikbund für das gesamte Prüfungswesen zuständig ist, sei das Niveau der Blasorchester deutlich angestiegen.

Vorbilder hat Thomas Eschenbacher nicht. „Da bin ich zu vielseitig“. Er beneide aber jeden Dirigent, der ein Berufsorchester leitet, weil der immer eine vollbesetzte Truppe vor sich hat, merkt er augenzwinkernd an. Für die Zukunft wünscht er sich, dass es allen Musikvereinen wieder gelingen möge, wieder spielfähige Orchester auf die Beine zu stellen. Nur so werde es möglich sein. Die Orchester auf einem Niveau weiterzuführen, wie es vor Corona einmal war.

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25.07.2022

Tausendsassa aus dem Kulmbacher Land / Vorerst keine Auftritte geplant: Für seine Fans ist Philipp Simon Goletz derzeit nur im Netz präsent

Untersteinach. Andrea Berg, Tony Christie oder Chris Norman: Stars wie diese kennen die meisten vom Radio oder vom Fernsehen. Einer der sie und viele andere nicht nur persönlich kennt, sondern auch mit ihnen zusammen gearbeitet hat, ist Philipp Simon Goletz. Der sympathische Musiker, der sich unter anderem als „Frankensima“ oder als „Bayern-1-Barde“ bei einem großen Publikum einen Namen gemacht hat, muss zurzeit krankheitsbedingt kürzer treten. Aktuelle Auftritte sind deshalb nicht geplant.

Obwohl mittlerweile im Rentenalter angekommen, zieht sich der 67-Jährige aber nicht aufs Altenteil zurück. Ganz im Gegenteil: Für den Hofer Privatsender Extra-Radio stellt er eine wöchentliche Musiksendung ausschließlich mit deutschen Schlagern zusammen, die sich größter Beliebtheit erfreut. Und auf Social-Media-Kanälen wie You Tube, Instagram und Tic Toc greift er immer wieder in seine musikalische Schatzkiste und präsentiert eigene Heimatschlager, unterlegt mit Bildern aus dem Kulmbacher Land.

„Eigentlich ist das Reklame für Kulmbach“, sagt er, der so viele Lieder über die Region geschrieben hat. „Den starken Bezug zur Heimat habe ich halt einfach und wollte ihn auch nie aufgeben“, so Philipp Simon Goletz, der in Kulmbach geboren wurde, in Kauernburg aufwuchs und heute in Untersteinach lebt. Während des knappen Jahres, das er berufsbedingt mal im Badischen wohnte, habe er vor Heimweh schon mal Tränen in den Augen gehabt.

Wenn die Bezeichnung Tausendsassa auf einen Künstler zutrifft, dann auf Philipp Simon Goletz. Er ist Musiker, Autor, Kabarettist, Komiker, Volkssängers, Mundartschriftsteller und vieles mehr. Er hat als Alleinunterhalter auf Familienfesten gespielt und zusammen mit dem österreichischen Liedermacher Reinhard Fendrich bei einem Open-Air-Konzert in Schweinfurt vor 30000 Zuhörern „I am from Austria“ gesungen“, natürlich mit einem fränkischen Spezialtext. Er hat als „Frankensima“ (Sima steht für Simon) das Wirtshaussingen im Kulmbacher Land publik gemacht und unterhielt viele tausend Radiohörer zunächst als Comedian bei Antenne Bayern, dann als „Bayern-1-Barde“.

„Den Kontakt zur Basis wollte ich nie verlieren“, sagt Philipp Simon Goletz, der sich aus als Autor, Komponist und Texter für Kinderhörspiele wie die Lillebi-Serie einen Namen gemacht hat. Dabei sah alles zunächst nach einer ganz normalen Berufslaufbahn aus. Philipp Simon Goletz machte eine Ausbildung zum Bankkaufmann und war auch mehrere Jahre in diesem Beruf tätig. Über Umwege als Musiklehrer und sogar als Journalist, machte er sich dann 1985 als Künstler mit eigenem Tonstudio und Musikverlag selbstständig.

Zwei große Erfolge hatte Philipp Simon Goletz gleich am Anfang seiner Karriere als Berufsmusiker: Er erzielte als Komponist, Texter und Produzent Spitzenplätze beim „Grand Prix der Volksmusik“ im Jahr 1988 und noch einmal 1989. Auch bei Wettbewerb „Lieder so schön wie der Norden“ wurde er 1990 zweiter Bundessieger. Für das Saxophonensemble von Captain Cook schrieb er mit „My blue memories“ das, was man einen Welthit nennt.

Vieles könnte man noch aufzählen. Schon Ende der 1970er Jahre galt Philipp Simon Goletz als erster fränkischer Gstanzl-Sänger, 1996 wurde er von SAT 1 zum „besten Alleinunterhalter Deutschlands“ gekürt. Für die Kulmbacher Brauerei war er als "Singender EKU-Postillion“ und „Bierkutscher" unterwegs, 1995 gab er im Auftrag des Deutschen Kegelbundes ein Konzeptalbum nur mit Liedern rund um den Kegelsport heraus, TV-Auftritte führten in um die Jahrtausendwende zu „Fastnacht in Franken“, mit seinem rund 1000 „Philigrammen“ war bundesweit gefragt und für die Basilika Marienweiher veranstaltete er das Benefizfestival „Klosterspitzen“.

Der Entertainer bedauert, dass dieser Open-Air-Event medienmäßig nicht so angenommen wurde, wie er es sich gewünscht hätte. Überhaupt habe es Franken, insbesondere Oberfranken nie so recht verstanden, sich die vielfältige Musiklandschaft touristisch nutzbar zu machen. „Da könnte man sich von den Österreichern vieles abschauen“, sagt Philipp Simon Goletz, der mit den Frankencasanovas die erste fränkische Schlagerband ins Leben rief. Sogar der legendäre Karl Moik habe den Titel „Bay´risch Kongo“ damals gespielt.

Die Corona-Politik sieht Philipp Simon Goletz kritisch. Viele seiner Kollegen hätten die Auswirkungen extrem schwer getroffen. „Es ist unverantwortlich, was da passiert ist“, sagt er. Viele Musikerkollegen versuchten nun verzweifelt, die Fragmente der Vergangenheit wieder zusammenzusetzen. Sein Respekt gebührt Kollegen wie Klaus Pfreundner und vielen anderen, die trotz Künstler-Repressalien unter anderem vor Seniorenheimen wenigstens für ein paar Minuten sonnige Spuren in die Gesichter der Bewohner zauberten. Er selbst verspricht: „Ich habe noch einige Schätze im Archiv, die es noch nicht geschafft haben, das Licht der Welt zu erblicken.“ Alle Freunde des „Frankensima“ dürfen gespannt sein.

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18.07.2022

Ein Theatermacher in Thurnau: Wolfgang Krebs feiert zehn Jahre Schlosstheater

Thurnau. „Wir lassen uns nicht unterkriegen von diesem Virus“, sagt Wolfgang Krebs. Der gebürtige Frankfurter kann heuer ein kleines Jubiläum feiern. Seit zehn Jahren gibt es das von ihm geleitete Schlosstheater Thurnau, für das er nicht nur als Intendant, sondern auch als Schauspieler und Regisseur tätig ist. Wenn er und seine Mitstreiter in den zurückliegenden zwei Jahren auch das Beste aus der Situation gemacht haben, so sagt er trotzdem: „Deses Hin und Her war schon ein emotionaler Stress.“

Über den Schauspielerkollegen Jan Burdinski und den Fränkischen Theatersommer war Wolfgang Krebs 2006 nach Oberfranken gekommen. Bekannt als Spezialist für die Commedia dell´arte holte ihn Burdinski, mit dem Auftrag, Carlo Goldonis Bühnenstück „Dieter zweier Herren“ zu inszenieren. Vorher war er zehn Jahre lang von 1989 bis 1999 in Italien tätig und arbeitete mit verschiedenen Theatercompagnien in Mailand, Turin, Ravenna und Verbania. Gastspiele führten ihn während dieser Zeit unter anderem in die Schweiz, nach Frankreich, Spanien, Belgien, Holland und nach Israel. Von 1998 bis 2007 war er Dozent an Schauspielschulen unter anderem in München und an der Akademie für darstellende Kunst in Regensburg.

„Ich wollte wieder auf die Bühne, ich wollte wieder spielen“, erinnert sich Wolfgang Krebs. Zunächst zog er in die Bamberger Ecke und gründete das „Theater auf Tournee“, ein Kinder- und Jugendtheater, mit dem er durch ganz Bayern zog und auch mit dem bekannten Kinderbuchautor Paul Maar („Das Sams“) zusammenarbeitete. Auf der Suche nach einem festen Standort für ein eigenes kleines Theater landete er dann eines Tages in Thurnau, einem Ort, „in dem Kunst groß geschrieben wird“, wie er anmerkt.

Zunächst eröffnete er im Torwärterhäuschen neben dem Rathaus ein kleines Theater mit 60 Plätzen, mittlerweile ist man in das zuletzt leer stehende Gebäude der Sparkasse eingezogen, das dem Markt Thurnau gehört. Von Oktober bis Ostern wird dort Theater gemacht, im Sommer zieht man in den unteren Schlosshof um.

Ideell und materiell unterstützt werden die Schlossfestspiele von einem eigens gegründeten Förderverein, der stolze 70 Mitglieder hat, darunter viele Aktive, die sich beispielswiese um die Bestuhlung oder den Ausschank kümmern. Die Schauspieler sind alle Profis, freischaffende Kollegen aktuell unter anderem aus München, Nürnberg oder Berlin.

Corona habe ihn und seine Arbeit schon sehr getroffen. „Es gab ja Zeiten, da kamen wöchentlich neue Auflagen“, sagt Wolfgang Krebs. Die Schlossfestspiele 2020 und 2021 seien komplett abgesagt, das bereits feststehende Herbstprogramm musste gecancelt werden. „Ein Riesenaufwand“, wie er sich erinnert. Alle geplanten zwölf Aufführungen waren nahezu ausverkauft. „Wir mussten alles einzeln rückabwickeln.“ Erst im zurückliegenden Herbst sei es dann ganz zaghaft wieder losgegangen, im Kutschensaal des Schloss, mit Abstand, Masken, Tests und allem, was so vorgeschrieben war.

Für die Schlossfestspiele jetzt im Sommer läuft alles auf Hochtouren. Gespielt wird die Komödie „Die Wunderübung“ von Daniel Glattauer. Regie führt die Münchner Schauspielerin Petra Wintersteller, neben ihr und Stephan Menzel-Gehrke wird Wolfgang Krebs auch selbst wieder auf der Bühne stehen. Auch das Herbstprogramm liegt bereits vor. „Wir hoffen und wir sind zuversichtlich, dass alles glatt geht.“

Auf sein Publikum kann er in jeden Fall zählen. „Sie haben uns stets unterstützt“, sagt Wolfgang Krebs. Immer wieder hätten ihn sehr positive E-Mails erreicht und es seien viele Kartengutscheine gekauft worden. Sogar Geldspenden gingen ein. Der Theatermacher spricht von einem echten Stammpublikum. Viele Menschen würden auch von Bamberg, Bayreuth oder aus der Oberpfalz anreisen. Die Werbung erfolge meist per Mund-zu-Mund-Propaganda.

Sein Lieblingsautor ist der 2020 verstorbene französische Regisseur, Autor und Dramatiker Éric Assous, dessen gesellschafts- und sozialkritischen Stücke er mehrfach gespielt und inszeniert hat, auch schon in Thurnau. Ansonsten ist er ein großer Fan des italienischen Komödiendichters Carlo Goldoni (1707 - 1793), dessen „Diener zweier Herren“ er sogar schon zwei Mal auf die Bühne gebracht hat. Überhaupt führt er am liebsten Regie: „Die Erarbeitung eines Stückes ist immer eine spannende und kreative Phase, die sehr viel Spaß macht.“

Wenn Wolfgang Krebs gerade einmal nicht auf der Bühne steht, dann erholt er sich entweder in seiner zweiten Heimat Sardinien, wo auch der älteste Sohn lebt, oder er tanzt mit seiner Frau Salsa. „Latino Music mag ich wirklich sehr“, schwärmt er.

Bilder: Wolfgang Krebs an einer seiner aktuellen Wirkungsstätten, im unteren Schlosshof in Thurnau.

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11.07.2022

Im Oberhacken ist die Farbe zurück / Malerin, Galeristin und Dozentin: Marion Kotyba arbeitet seit 2017 in ihrer eigenen Galerie

Kulmbach. Die lange Zeit des Lockdowns war für sie wenig farbig. „Das Leben hat gefehlt“, sagt Marion Kotyba, freischaffende Künstlerin, Galeristin und Dozentin aus Kulmbach. Auch die Interaktion mit den Kollegen habe sie schmerzlich vermisst. Doch Not macht erfinderisch. Das traditionelle Kunstsymposium auf der Plassenburg hatte sie trotz strengster Auflagen durchgezogen und im Internet hatte sie eine Galerie eröffnet.

„Wenn die Leute schon nicht zur Ausstellung kommen können, dann kommt eben die Ausstellung zu den Leuten“, lautete ihr Rezept. Was niemand geglaubt hätte: es ist durchaus möglich, Kunst auch online zu verkaufen. Sogar Hybrid-Ausstellungen habe sie veranstaltet. Doch jetzt ist in der Galerie am Oberhacken 3 das Leben wieder zurück. Die international renommierte Künstlerin Gabriele Schaffartzik präsentiert vom 8. Juli bis zum 2. September Werke aus ihrer Serie „terra incognita“. Zuvor waren unter dem Titel eindrucksvolle und teils farbenfrohe Bilder der Malerin Ingrid Gogela-Wondrejs zu sehen. Ein wenig stolz ist sie schon darauf, in ihrer Galerie Künstler nach Kulmbach zu bringen, die sonst wahrscheinlich nie in die Region gekommen wären.

2017 wurde die Galerie in unmittelbarer Nähe zum Rathaus eröffnet, in der Marion Kotyba meist an drei Tagen in der Woche auch selbst arbeitet und unterrichtet. Der Schwerpunkt ihrer Ausstellungen liegt auf zeitgenössischer Kunst aus den Bereichen Malerei, Grafik, Fotografie und Bildhauerei. Neben der Präsentation von etablierten Künstlern verfolgt sie mit ihrer Galerie auch das Ziel, junge Talente und Nachwuchskünstler zu entdecken und ihre Vielfalt zu zeigen.

„Alles, was kreativ war, hat mich schon immer mega-interessiert“, sagt die Malerin, die 1968 in Kulmbach geboren wurde. Da wundert es fast ein wenig, dass Marion Kotyba erst 2010 als freischaffende Künstlerin tätig wurde. Gelernt hatte sie den Beruf der Textilmaschinenführerin in der damaligen Kulmbacher Spinnerei. Danach schloss sie die Textilfachschule Münchberg als „staatlich geprüfte textiltechnische Assistentin“ ab. Später war sie bei dem Marktschorgaster Unternehmen Vitrulan, einem Hersteller für technische Textilien, tätig.

„Daher kommt auch das chemische Basiswissen“, erklärt Marion Kotyba, in deren Werk Themen wie Rost und Alterung als Stilmittel eine wichtige Rolle spielen. In dem Kontext interpretiert sie das Zusammenspiel von Farbe, Licht, Strukturen und technischer Umsetzung in künstlerischer Interpretationskraft immer wieder neu und spannend zugleich. „Kunst begleitet mich schon ein Leben lang“, sagt sie, die spontan den französischen Impressionisten Claude Monet und den britischen Romantiker William Turner als ihre Favoriten nennt. Vorbilder und Lehrmeister seien die Bayreuther Malerin Christel Gollner und ihre Mainleuser Kollegin Helga Hopfe.

Marion Kotyba malt hauptsächlich gegenstandslos, um auf einer abstrakten Darstellungsebene dem Betrachter genügend Freiraum für das Ausschweifen der eigenen Fantasie zu bieten. Derzeit arbeitet sie an einer Serie mit dem Titel „filo rosso“ („Der rote Faden“). „Da setzte ich mich gerade mit meinem eigenen roten Faden auseinander“, erklärt sie. Der Faden ihres Lebens und ihrer Kunst führte sie bereits zu Ausstellungen nach Frankreich, Italien, Malta oder Litauen. Sogar in Hongkong hat sie schon ausgestellt.

Bei ihren Malkursen ist es Marion Kotyba wichtig, dass die Schüler, egal ob Kinder, Jugendliche der Erwachsene, mit einem zufriedenen Ergebnis nach Hause gehen. Sie gibt sowohl Einzelmalkurse, als auch Workshops. In der Friedrich-Bauer-Schule in Stadtsteinach und der Max-Hundt-Schule in Kulmbach erteilt sie im Rahmen der gebundenen Ganztagsklassen projektbezogenen Kunstunterricht für die 5. bis 8. Jahrgangsstufen. „Wir machen da auch mal was Cooles oder Verrückten, was in den regulären Kunstunterricht nicht passt.“

Und als wäre das alles noch nicht genug, hilft sie als Beirätin des Bundes Fränkischer Künstler bei dessen traditioneller Jahresausstellung alljährlich im Sommer auf der Plassenburg kräftig mit. Das im Herbst stattfindende Symposium organisiert sie sogar maßgeblich und ist von der Einladung über das Versenden der Teilnahmebestätigungen bis hin zu Durchführung der Vernissage hinter den Kulissen für vieles zuständig.

Bild: „Filo Rosso“ heißt die Serie, an der die Kulmbacher Malerin Marion Kotyba in ihrem Atelier im Oberhacken gerade arbeitet.

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04.07.2022

„Meine Welt ist die Musik“ / Thomas Grünke leitet den Trebgaster St.-Johannes-Chor und das Kulmbacher Kammerorchester

Kulmbach. Corona hat schon seine Spuren hinterlassen, sagt Thomas Grünke. Der 55-Jährige, seit 1995 Organist an der St.-Johannes-Kirche in Trebgast, seit 1999 Leiter des St.-Johannes-Chors und seit 2013 Dirigent des Kulmbacher Kammerorchesters, sagt aber auch: „Ich bin glücklich, dass der Chor und das Kammerorchester Corona überhaupt überlebt haben.“

Für ein „richtiges Konzert“ reicht es momentan noch nicht, denn beide Ensembles sind personell empfindlich geschrumpft. „Das ist natürlich bitter“, so Thomas Grünke, der inständig hofft, wieder neue Sänger und Musiker gewinnen zu können. Die Ausgestaltung eines Gottesdienstes ist aber schon möglich, denn besetzt sind alle Stimmen schon noch. Die Organisation eines kompletten Konzertes steht dagegen in den Sternen. „Ich möchte realistisch planen und nicht kurzfristig wieder absagen müssen“, sagt der musikalische Leiter. Die Planungssicherheit, die man für ein Konzert braucht, sehe er momentan aber nicht. Auch nicht für das liebgewordene Weihnachtskonzert, das 2019 zuletzt stattfand.

Großen Wert legt er darauf, dass er auch während der Pandemie stets Kontakt zu den Chor- und Orchestermitgliedern gehalten hat. Wenn schon nicht mit Tönen, dann wenigstens mit Worten in Form von Rundmails. Entscheidend ist für Thomas Grünke aber schon die Kommunikation mit den Mitteln der Musik. „Musik ist meine Welt“, sagt er und denkt zurück an sein kirchenmusikalisch geprägtes Elternhaus, in dem jedes Familienmitglied mindestens ein Instrument gespielt hat. Bei Thomas Grünke war es die Geige, die er in der Musikschule seines westfälischen Heimatortes Lünen bei Dortmund zunächst erlernte. Später brachte er sich mehr oder weniger selbst das Klavierspiel bei.

Im Ruhrgebiet roch es nach Bergbau und Stahl, erinnert er sich und so lag es nahe, dass er nach dem Abitur den Beruf des Industriekaufmanns bei einem Bergbauzulieferbetrieb erlernte und auch ausübte. Doch mit dem Bergbau sollte es langsam zu Ende gehen. Erste Entlassungswellen hätten angestanden und da ergab es sich über bestehende familiäre Verbindungen zu Kulmbach, dass er zusammen mit seiner Frau 1995 vom Ruhrgebiet nach Oberfranken wechselte.

Die Musik spielte freilich schon in Westfalen eine große Rolle. Nicht nur bei den familiären Hauskonzerten, auch als Mitglied des Dortmunder Bach-Chors, als Organist und Leiter eines kleinen Kirchenchors in einer Randgemeinde von Lünen und als Leiter des Kirchenchors von Dortmund-Derne.

Beruflich fasste Thomas Grünke In Kulmbach bei der Diakonie Fuß, zunächst als Assistent der Geschäftsführung, dann als Personalverantwortlicher, eine Aufgabe, die er noch heute hauptamtlich bekleidet. Musikalisch stellte er zunächst Kontakte zum Chor der Kreuzkirche her, der Zufall führte ihn, der mittlerweile in Kasendorf wohnt, schon bald nach Trebgast, wo er 1995 die Organistenstelle und 1999 die Leitung des St.-Johannes-Chors übernahm. Beide Ämter übt er in Personalunion bis heute aus. Die Gründung eines Kinder- und Jugendchors geht dabei genauso auf sein Konto, wie der mittlerweile über 100 Mitglieder starke Förderkreis, den er 2004 ins Leben rief, um das finanzielle Risiko von der Kirchengemeinde zu nehmen.

Gleichzeitig spielte er im Kulmbacher Kammerorchester. Als 2013 Horst Degelmann die Leitung abgab, fiel die Wahl auf Thomas Grünke als neuen Dirigenten. Nach einer Probe und einem ersten Kennenlernen im September 2013 veranstaltete das Kammerorchester bereits im Dezember 2013 ein erstes Weihnachtskonzert. Die Tradition der Stadthallenkonzerte, der Junge-Solisten-Konzerte zusammen mit der Musikschule und der Weihnachtskonzerte konnten Thomas Grünke und seine Musiker bis 2019 lückenlos beibehalten.

Für Thomas Grünke stand schon immer der Text im Vordergrund. Getreu dem Zitat des italienischen Renaissance-Komponisten Claudio Monteverdi „Musik ist die Dienerin des Wortes“, sei es stets sein Ziel gewesen, den Text in den Vordergrund zu stellen. Gerade bei der Kirchenmusik sei dies besonders wichtig. „Es hängt einfach mit meinem Glauben zusammen, dass die Kirchenmusik immer meine Vorliebe bleiben wird.“ Authentizität stehe dabei immer im Vordergrund. Vorbilder im klassischen Sinn hat er nicht. „Natürlich gibt es Persönlichkeiten, die mich musikalisch und menschlich positiv beeinflusst und beeindruckt haben“, sagt er. Der Orgellehrer aus seiner Kindheit gehöre genauso dazu, wie der spätere Orgel- und Chorleitungslehrer.

Bild: Thomas Grünke leitete zuletzt im Dezember 2019 in der Johanneskirche von Burghaig beim traditionellen Weihnachtskonzert den Trebgaster St.-Johannes-Chor und das Kulmbacher Kammerorchester.

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