Stephan Herbert Fuchs
 

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14.11.2022

Musik gibt Hoffnung, Zuversicht und Kraft / Von Barock bis zur Big Band: Mit der Musik hat Elke Höhn ihr Hobby zum Beruf gemacht

Kulmbach. Die Musik war ihr in die Wege gelegt, der Großvater Organist und Chorleiter, die Mutter eine bekannte Sängerin. So lag es für Elke Höhn auf der Hand, ihr Hobby zum Beruf zu machen, und einen Großteil ihres Lebens ebenfalls der Musik zu widmen. Elke Höhn ist Musikerin, Multiinstrumentalistin, Musiklehrerin und Sängerin, sie spielt mit zahlreichen Formationen und hat sich auch als Kirchenmusikerin mit der Ausgestaltung von Gottesdiensten einen Namen gemacht.

„Musik macht nicht nur Freude, sie vermittelt Hoffnung, Kraft und Zuversicht“, sagt die 56-jährige gebürtige Kulmbacherin, die heute in Burghaig zuhause ist. Schon früh habe sie gesungen und getanzt, mit sechs Jahre trat das Klavier als erstes Instrument in ihr Leben, es folgten Oboe, Saxophon, Gitarre und als „Hauptinstrument“ die Querflöte. Seit rund 25 Jahren gibt sie ihr Wissen in Sachen Querflöte an ihre Schüler weiter. Während Corona-Zeiten auch mal online, früher in der Musikschule Franz, mittlerweile in den Räumen der freien Waldorf-Schule in Wernstein.

„Musik ist die schönste Sache der Welt“, sagt Elke Höhn, die jeden Tag mindestens zwei Stunden Musik macht. Für sich, an Unterrichtstagen können es auch mal sechs Stunden sein. Dazu kommt ihr Engagement in den vielfältigsten Formationen. Stadtkapelle Kulmbach, Musikverein Burghaig, Damenorchester Cappuccino, Querflötenquartett Quattro Flauto, dazu als Gastmusikerin bei der Stadtkapelle Kupferberg, den Musikvereinen Weiher und Kasendorf, dem Kulmbacher Kammerorchester, und, und, und.

Klar, dass es Elke Höhn derzeit schon vermisst, auf der Bühne zu sein und Musik zu machen. Zumal sie auch in der Jugendarbeit überaus aktiv ist, sie teilweise sogar geleitet hat. Mittlerweile sei es schon schwierig geworden, Nachwuchs zu finden. Selbst der Probenbesuch habe nachgelassen. Nach der erzwungenen Corona-Auszeit habe gerade die Jugendarbeit sehr gelitten. Mancherorts könnten keine Bläserklassen mehr gebildet werden. Darüber hinaus sei es auch schwerer geworden, junge Leute zu motivieren. „Haben sie allerdings erst einmal den Weg zum Instrument gefunden, dann merken sie auch, was das für einen Spaß macht, besonders in der Gruppe.“

Elke Höhn wurde in Kulmbach geboren und hatte nach dem Besuch des Caspar-Vischer-Gymnasiums zunächst mal einen ganz und gar nicht musikalischen Beruf erlernt: Landwirtschaftlich-Technische Assistentin. „Ich wollte Biologie zum Beruf und die Musik zum Hobby machen.“, erinnert sie sich heute. Doch daraus wurde nichts. Die Musik war stärker. Schon im Schulchor war sie aktiv, trat bei Schulkonzerten auf und sang im Chor der Kreuzkirche. Obwohl sie in ihrem erlernten Beruf auch tätig wurde, war der Schritt zur Jugendkapelle und schließlich zur Stadtkapelle nicht mehr weit.

„Die Stadtkapelle wurde schnell zu einer Art zweiter Familie“, sagt sie, die sich musikalisch extrem breit aufgestellt sieht und der keine Musikrichtung wirklich fremd ist. Alles habe seine Berechtigung, und so gibt sie sich auch gerne mal dem Swing hin, und intoniert zusammen mit Thomas Besand, dem Dirigenten der Stadtkapelle, Songs von Frank Sinatra und anderen.

Lange hatte sie sich gesträubt, wieder selbst zu singen. Ein Unfall war es schließlich, der sie zwang, eine Zeitlang nur einhändig Klavier zu spielen. Also machte sie aus der Not eine Tugend, setzte ihre Stimme ein, eine schlanke Stimme, eine typische „Bach-Stimme“, wie sie selbst sagt. Doch Elke Höhn sang nicht einfach so drauf los, sondern nahm fortan viele Jahre lang Gesangsunterricht bei der berühmten Pädagogin Anneliese Meyer-Adam in Bayreuth.

Ein weiteres Betätigungsfeld von Elke Höhn ist die Kirchenmusik. Sie, die sich selbst als sehr gläubig beschreibt, sieht die Musik ohnehin als Geschenk, das von Gott kommt. Und so hat sie gerade während der Corona-Zeit verschiedene Programme ausgearbeitet, sei es vokal oder instrumental, im Chor oder solistisch. Vielleicht hat sie damit auch ein Stückweit dazu beitragen können, dass die Gottesdienste wieder besser besucht werden. Zu wünschen wäre es.

Trotz „Bach-Stimme“ hat sich Elke Höhn als Musikhörerin vor allem der romantischen Musik verschrieben. Richard Wagners Opern, aber auch Kompositionen des Norwegers Edvard Grieg, des französischen Impressionisten Gabriel Faure. Es darf aber auch die Musik des Barock sein, oder Big-Band-Musik, oder böhmische Blasmusik, eigentlich alles, was mit Musik zu tun hat.

Im Hause Höhn wird freilich auch weiterhin die Musik die alles dominierende Rolle spielen. Der Ehemann ist im Bereich der Unterhaltungsmusik aktiv und spielt Keyboard, Schlagzeug, Trompete und Gitarre und auch die beiden Kinder können mit Instrumenten gut umgehen. „Wir sind schon eine extrem musikalische Familie.“

Vita: Elke Höhn

Alter 56

Geboren in Kulmbach, verheiratet, zwei Kinder

Gelernter Beruf: Landwirtschaftlich Technische Assistentin

Instrumente: Querflöte, Oboe, Saxophon, Gitarre

Bild: Evergreens von Georges Gershwin bis Frank Sinatra: Elke Höhn als Sängerin beim Neujahrskonzert der Stadtkapelle Kulmbach unter der Leitung des Dirigenten Thomas Besand.

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07.11.2022

Schauspieler, Regisseur und Theater-Urgestein / Jürgen Peter ist auf den Bühnen der Region zuhause

Hegnabrunn. Naturbühne Trebgast, Fränkischer Theatersommer, Theater in der Kneipe, Theater in der Kirche: Jürgen Peter ist seit vielen Jahrzehnten auf den Theaterbühnen der Region zuhause. „Mittlerweile nimmt die Retrospektive mehr Platz ein, als die Perspektive“, sagt der 72-Jährige, der im Neuenmarkter Ortsteil Hegnabrunn lebt.

In nahezu unzähligen Aufführungen war Jürgen Peter mit kurzen Unterbrechungen zwischen 1970 und 2012 auf der Naturbühne Trebgast zu erleben. Fritz Heublein, einer der Gründerväter der Naturbühne und Patenonkel seines Bruders, war es 1970, der ihn auf der Suche nach Mitspielern ansprach. Bis dahin habe er mit dem Theater nichts am Hut gehabt, nicht mal in der Schule, erinnert sich Jürgen Peter, der bis zu seiner Pensionierung als klassischer Volksschullehrer, zuletzt in Neuenmarkt, tätig war. Doch schon bald darauf hat er Blut geleckt und von nun an ging alles Schlag auf Schlag. Zunächst in Komödien, mit 27 seinen ersten „Jedermann“ und schon bald Goethes „Faust“.

Herausragende Produktionen habe es in der langen Zeit viele gegeben. Jürgen Peter denkt an den Riesenerfolg von Bertold Brechts „Herr Puntila und sein Knecht Matti“, an die Rolle des McMurphy in „Einer flog über das Kuckucksnest“, an seine Inszenierung der „Feuerzangenbowle“, an die vielen Märchenaufführungen, für die er eigene Fassungen geschrieben hat, und, und, und.

Im Jahr 2006 fand Jürgen Peter eine neue Herausforderung beim damaligen „Theatersommer Fränkische Schweiz“ (heute „Fränkischer Theatersommer“). Vom „Verkauften Großvater“ bis zum Sancho Panda in Don Quijote, er hatte alle Rollen drauf. „Die Sternstunde des Josef Bieder“ ist ihm da in besonderer Erinnerung. Das Ein-Mann-Stück hatte er tatsächlich einmal vor nur sieben Zuschauern auf der Burg Wiesentfels bei Hollfeld gespielt.

Ein weiterer Meilenstein war dann vor exakt 20 Jahren die Gründung des TIK. Das Kürzel steht abwechselnd für „Theater in der Kneipe“ oder für „Theater in der Kirche“. Mehrere ehemalige Schauspielkollegen aus Trebgast hatten sich damals zusammengetan, einfach nur, um Theater zu spielen. Und zwar dort, wo man es am wenigsten erwarten würde, in der Kneipe und später auch in der Kirche. Mit dem Stück „Die Saupreiß´n“ von Fitzgerald Kusz fing alles an. Über 50 Mal brachte es die Truppe auf die Bühnen der Region, aber auch bis nach Weimar, Bremen oder ins Saarland.

Rund 200 Aufführungen verzeichnet das TIK mit zwölf Stücken verteilt auf die zurückliegenden 20 Jahre. Aktuell wird die Komödie „A Mordsg´schicht“ von Veronika Schütt und Olaf Köhler einstudiert, eine Geschichte von einem Gasthaus, das schließen muss. Schon 2020 sollte die Komödie aufgeführt werden, aufgrund der Corona-Beschränkungen musste es immer wieder verschoben werden. Das Besondere daran ist, bei den Aufführungen im Waldfreundehaus wird mitten im Publikum gespielt, dazu gibt es ein dreigängiges Menü. Das TIK kann aber auch ernst. In „Die Nacht von Flossenbürg“ geht es um die letzte Nacht des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer vor dessen Hinrichtung im Konzentrationslager. Keine leichte Kost. Die Inszenierung wurde bereits mit dem Wilhelm-Freiherr-von Pechmann-Preis der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ausgezeichnet.

Auch ein Ausflug ins Profigeschäft gab es für Jürgen Peter. 1983 übernahm er eine Gastrolle beim damaligen Städtebundtheater Hof. Angebote gab es mehrere, doch letztlich hatte er sich immer wieder für den Lehrerberuf und das Amateurtheater entschieden. Auch im Fernsehen war er schon zu sehen, als Herold auf der Plassenburg. Jürgen Peter war viele Jahre lang Vizepräsident des Bundes Deutscher Amateurtheater, 2016 bekam er den Kulturpreis des Kulmbacher Landkreises. Heute gibt er bundesweit regelmäßig Kurse in den Fächern rege und Dramaturgie. Auch ein Jürgen Peter hat „Vorbilder“, oder zumindest Schauspieler, deren Spiel er bewundert. Klaus Maria Brandauer gehört dazu, genauso wie Helmut Qualtinger („mein alter ego“) oder Otto Schenk. Als Lieblingsautoren nennt er neben William Shakespeare und Bertold Brecht.

Fast könnte man von einer Theaterdynastie sprechen, die aus Hegnabrunn stammt. Auch Jürgen Peters Ehefrau Inge spielte jahrelang in Trebgast Theater und inszenierte zusammen mit ihrem Mann. Beim TIK ist sie eine Art Mädchen für alles, kümmert sich um Kostüme und Requisiten und hilft, wo sie nur kann. In die Fußstapfen der Eltern sind auch die beiden Kinder Mona-Isabelle und Nicolas getreten. Mona besuchte die Theaterjugendakademie und spielte beim TIK unter anderem in der Uraufführung von Karlheinz Komms „Elisabeth von Thüringen“. Nicolas ist Mitglied der Audi-Jugendchorakademie Ingolstadt und trat bereits in Singapur, Taiwan. Montreal, im Vatikan und zuletzt zur Eröffnung der Elbphilharmonie in Hamburg auf.

Vita: Jürgen Peter

Geboren: 1950 in Buchau

Beruf: Lehrer i. R.

Berufung: Schauspieler und Regisseur

Wohnort: Hegnabrunn

Auszeichnung: Träger des Kulturpreises des Landkreises Kulmbach

Bild: Auch ein Cafe Peter gibt es, allerdings nur für private Feiern der Familie von Jürgen Peter und seiner Familie.

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07.11.2022

Lebendigkeit und Verfall: Bilder aus künstlichem Rost/ Künstler und Kunsterzieher: Andreas Schobert steht für Kunstunterricht der anderen Art

Kulmbach. „Jeder Mensch ist ein Künstler.“ So lautet ein bekanntes Zitat des Aktionskünstlers Joseph Beuys (1921 – 1986), „Kunst ist die Gestaltung des sozialen Organismus“, ein anderes. Einer, der sich diese Sätze nicht nur auf die Fahnen geschrieben, sondern sie auch verinnerlicht hat, ist der Kulmbacher Andreas Schobert. Der 48-Jährige ist bildender Künstler und Kunsterzieher, hat ein eigenes Atelier in der Oberen Stadt und ist nicht zuletzt durch sein soziales Engagement bekannt geworden.

„Meine eigene Kunst trenne ich nicht von der Kunstpädagogik“, sagt Andreas Schobert. Hier, in den Räumen der Kunsterziehung am Caspar-Vischer-Gymnasium in Kulmbach spricht mehr der Pädagoge als der Kunsterzieher. Ihm gehe es darum, Kinder und Jugendliche auf die Gesellschaft vorzubereiten. Das genau ist sein Kunstverständnis und das war auch das Verständnis eines Joseph Beuys.

Gerade in der jetzigen Zeit, in der die Demokratie in einer Krise stecke, sei das wichtiger denn je. Die Gemeinschaft habe gelitten, die „Vereinzelung“ der Gesellschaft nehme zu. Was kann da Kunst bewirken? Lohnt es sich für den Einzelnen, sich zu engagieren? Fragen, auf die Andreas Schobert mit Hilfe der Kunst versucht, Antworten zu finden. Um da alle oder zumindest möglichst viele mitzunehmen, braucht es schon packende Inhalte. Andreas Schobert hat ein Rezept gefunden. Er wählt Themen aus, die einen Bezug zum Alltag der Kinder und Jugendlichen haben, zu deren Lebensumfeld oder auch zur Region.

So haben seine Schüler der 7. Klasse beispielsweise mitgeholfen, das ehemalige Kaufplatz-Areal umzugestalten, sie entwarfen Spielgeräte, machten sich Gedanken über die Aufteilung und gründeten sogar einen eigenen Verein mit dem Namen „Liebenswertes Kulmbach“. In einem anderen Projekt sollen die Schüler Denkmäler „zum Leben erwecken“. Unter der Leitung von Andreas Schobert werden Denkmäler, das können auch Brunnen oder alte Häuser sein, erforscht, Geschichten dazu recherchiert und ins Internet gestellt. Mit Hilfe eines QR-Codes am Denkmal soll es später möglich sein, diese Geschichten mit dem Smartphone abzurufen.

Das sind nur zwei Beispiele von vielen. Mit dem Kunstunterricht von einst, mit DIN-A-3-Block, Pelikan-Farbkasten und ein paar Pinseln als Gesamtausstattung hat das alles freilich nichts mehr zu tun. Kunstunterricht hebt sich ohnehin von anderen Fächern ab, sagt Andreas Schobert. Die einzelnen Projekte würden entweder an ihn herangetragen, oder er denkt sie sich in einer stillen Stunde aus.

Geboren wurde Andreas Schobert in Neustadt an der Aisch. Dort ist er aufgewachsen, dort ging er zur Schule und legte das Abitur ab, ehe er sich für ein Sonderpädagogik-Studium in Würzburg entschied. Ein Didaktik-Fach war Kunst und so wuchs er von der Sonderpädagogik immer mehr in die Kunst hinein, bis er schließlich einen Magisterabschluss in Kunstpädagogik machte und ein Jahr lang die Nürnberger Kunstakademie besuchte. Als Referendar war er am E.T.A.-Hoffmann-Theater in Bamberg tätig, ehe er 2005 als Kunsterzieher für die 5. bis 13. Jahrgangsstufe ans Caspar-Vischer-Gymnasium kam. Seitdem arbeitet er nicht nur in Kulmbach, sondern lebt auch hier.

Nach mehreren Jahren ausschließlich kunstpädagogischen Wirkens erfolgte bei Andreas Schobert 2012/2013 ein Neubeginn der eigenen bildnerischen Arbeit, einhergehend mit dem Bezug eines Ateliers in der Oberen Stadt. Seitdem steht das künstlerische Schaffen verbinden mit einer zunehmenden Ausstellungstätigkeit im Vordergrund. Seine Werke waren unter anderem bereits im sächsischen Freiberg, in der „homeless gallery 5“ und der „Färberei“ in München, in der Sparkassengalerie in Neustadt an der Aisch, sowie in Kulmbach auf der Plassenburg, im Badhaus, im Bäckerei- und Brauereimuseum sowie im Turbinenhaus zu sehen.

Seine Arbeiten zu beschreiben ist gar nicht so einfach. Zum einen arbeitet er ausschließlich abstrakt, zum anderen hat er sich mit künstlichem Rost ein, zugegeben recht eigenwilliges Material ausgesucht. Eisenhaltige Farbe wird dabei mit Hilfe eines chemischen Prozesses so bearbeitet, dass die Eisenpartikel in der Farbe rosten. Für Andreas Schobert ein interessanter Gegensatz: Zum einen ist Eisenoxid vom Rost her betrachtet ein Verfallsprodukt. Allerdings kommt Eisenoxid auch im Blut vor und steht dort für Leben. „Eisenoxid hat in seiner Ausstrahlung aber auch etwas Lebendige, mit vielen Nuancen.“ Genau das ist es, was den Künstler interessiert.

Als Musterbeispiel für ein herausragendes soziales Engagement war vor einigen Jahren viel über Andreas Schobert zu lesen Er hatte 2017 fast ein dreiviertel Jahr lang einen Teil seines Ateliers dem syrischen Schneider Rakan Ali zur Verfügung gestellt. Rakan Ali nutzt die Räume für sein „Start up“ als Werkstatt, als Begegnungsraum sowie zum gemeinsamen gestalterischen Arbeiten. Original syrische Stoffe wurden mit gerosteter Leinwand vernäht. Rakan Ali hat sich inzwischen selbstständig gemacht, was wohl ohne die Hilfe von Andreas Schobert niemals möglich gewesen wäre.

Vita:

Geboren: 1973

Geburtsort: Neustadt an der Aisch / Mitttelfranken

Beruf: Künstler und Kunsterzieher

Ausbildung: Freie Malerei bei Prof. Diet Sayler an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, Kunstpädagogik bei Prof. Rainer Goetz an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Referendariat: E.T.A.-Hoffmann-Gymnasium Bamberg

Studienaufenthalte: Projekt Civitella d`Agliano / Italien

Gastdozent: Kunstpädagogik der PH Heidelberg

Mitgliedschaft: Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Oberfranken e. V.

Bild: Künstler und Kunsterzieher: Andreas Schobert unterrichtet Kunsterziehung am Caspar-Vischer-Gymnasium und betreibt ein eigenes Atelier in der Oberen Stadt.

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24.10.2022

„Rampensau“ mit Goldener Schallplatte / Bierfest, Blödsinn und Blasmusik: Roland Jonak ist Profimusiker und Komödiant zugleich

Kulmbach. Preisfrage: Welcher Kulmbacher hat eine Goldene Schallplatte bekommen? Antwort: Roland Jonak, bekannt als eine Hälfte des Seltsamen Paares, als Vorsitzender der Stadtkapelle aber eben auch als langjähriger Schlagzeuger des Blasorchesters Winfried Stark und seine Original Steigerwälder. 1991 gab es die Auszeichnung für das Album „Überall wo Freiheit ist“. „Ich bin schon ein wenig stolz darauf“, gibt sich Roland Jonak bescheiden.

1989 bis 1994 war er bei Winfried Stark aktiv. Sechs Spielzeiten pro Jahr mit jeweils 170 bis 180 Auftritten. Viele Fernsehsendungen waren darunter, zahlreiche Auslandsauftritte, Tourneen mit prominenten Musikerkollegen wie Marianne und Michael, Patrick Lindner, den Kastelruther Spatzen und vielen mehr. „Es war eine schöne und aufregende Zeit, die ich nicht missen möchte“, sagt Roland Jonak, der heuer seinen 60. Geburtstag gefeiert hat. Ein bisschen Wehmut schwingt schon mit, wenn er davon erzählt, dass er schließlich aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste.

Die Bühne hat ihn aber trotzdem bis heute nicht losgelassen. Sei es mit seinen Auftritten beim Gaudibrettla, bei den Buschklopfern oder als legendäres Seltsames Paar zusammen mit Manfred Spindler. Für Blödsinn sei er schon immer zu haben gewesen, erinnert sich Roland Jonak. Klar, dass er bei den Steigerwäldern für das Showprogramm verantwortlich war. Er habe stets versucht, Heiterkeit und Spaß in die Sache zu bringen. „Mein Lebensziel ist es, dass die Leute auch mal den Alltag vergessen und herzhaft lachen können“, sagt er, der sich schon irgendwie als „Rampensau“ sieht.

Begonnen hat das alles mit neun Jahren, als ihn seine Eltern zum Kulmbacher Fanfarenzug mitnahmen und er dort die Landsknechttrommel schlagen durfte. Kurz darauf folgte die Jugendkapelle, später die Stadtkapelle, wo er mittlerweile als der dienstälteste Musiker gilt. Roland Jonak war schon immer für das Schlagwerk zuständig. „Alles, was mit Stecken zu tun hat“, wie er es ausdrückt.

Das schließt aber nicht aus, dass er auch einen bürgerlichen Beruf erlernt hat. Bei der damaligen Bäckerei Dietzel absolvierte er eine Bäckerlehre, ein Jahr lang arbeitete er bei der Bäckerei Stamm, dann rief der Bund. „Ich wollte Militärmusiker werden“, sagt Roland Jonak, Tatsächlich landete er als einer von ganz wenigen Wehrpflichtigen beim damaligen Heeresmusikkorps IX in Regensburg. Für vier Jahre verpflichtete er sich dort, ein Jahr davon besuchte er das Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr im nordwestfälischen Hilden, die zentrale militärmusikalische Ausbildungseinrichtung der deutschen Streitkräfte, die eng mit der Robert-Schumann-Hochschule für Musik in Düsseldorf zusammenarbeitet.

Als er nach den vier Jahren nach Kiel oder Hannover versetzt werden sollte, war die Heimatliebe stärker. Roland Jonak ging zurück nach Kulmbach, nutzte seine Kontakte in die Szene, beschloss, Profi zu werden und erlangte mit den verschiedensten Gruppen wie den „Franken“, der „Altfränkischen Blasmusik“ oder der Oktoberfestkapelle Schwarzfischer überregional Bekanntheit. Vom Hamburger Dom bis zum Cannstatter Wasen in Stuttgart, vom Münchner Oktoberfest bis zum Bayreuther Volksfest, überall war Roland Jonak zu erleben, bis er schließlich bei den Steigerwäldern landete. Das alles sei eine „superschöne Zeit“ gewesen. Keine Sekunde möchte er davon missen.

Heute hilft er gerne bei den Musikvereinen der Region aus. „Ich spiele überall, wo ich gebraucht werde. Seit zehn Jahren steht er an der Spitze der Stadtkapelle, mit der heuer nach der Corona-Pause endlich wieder einmal das Bierfest eröffnen durfte. „Es war wieder ein großer Moment.“ Wenn alles gut geht, soll es nach der Corona-Pause auch heuer wieder ein Neujahrskonzert geben.

Offen ist dagegen die Zukunft des Seltsamen Paares. Es wäre schade, wenn es so zu Ende gehen würde, sagt er und legt großen Wert darauf, dass es im Herzen noch lange nicht beendet ist. Problem ist noch immer die fehlende Planungssicherheit. Im März 2020 habe man viele ausverkaufte Veranstaltungen absagen müssen. Kaum jemand könne sich vorstellen, was da organisatorisch alles dranhängt. Auch das Kleinkunstbrettla hat er noch lange nicht aufgegeben, auch wenn die Bühne in Untersteinach so nicht mehr zur Verfügung steht.

Trotz der Einschnitte der zurückliegenden Jahre ist Roland Jonak mit sich und der Welt zufrieden. „Meine Träume habe ich alle erleben dürfen“, sagt er. Seine Zeit als Berufsmusiker gehört dazu, wie das Spielen auf der eigenen Bühne. Sein Herz schlägt auch weiterhin für die Böhmische Blasmusik. Die Legende Ernst Mosch durfte er während seiner Zeit bei den Steigerwäldern sogar persönlich kennenlernen.

Bild: „Schon ein wenig stolz darauf“: Roland Jonak mit der Goldenen Schallplatte, die er zusammen mit Winfried Stark und seinen Original Steigerwäldern bekommen hat.

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17.10.2022

Lehrerin, Leistungssportlerin, Landschaftsmalerin: Die Malerin Helga Hopfe ist nicht nur künstlerisch eine vielseitige Persönlichkeit

Schmeilsdorf. „Für mich muss ein Kunstwerk etwas Inneres widerspiegeln“, sagt Helga Hopfe. Die in Danndorf beheimatete Malerin, die im nahen Schmeilsdorf ein eigenes Atelier hat, ist in vielen Techniken und Stilen zuhause. Ihre Lieblingsfarbe ist rot, ihr Lieblingstier ist die Katze. Kein Wunder, dass der Betrachter auch vielen ihrer Bilder Katzen entdeckt. Doch bevor sich Helga Hopfe als Künstlerin einen Namen machte, wurde sie in ihrer Heimat als Sportlerin bekannt. Bei den Europameisterschaft 1961 brachte sie es im Doppelvierer der Ruderer immerhin zu einer Bronzemedaille.

Geboren wurde Helga Hopfe 1938 im vogtländischen Oelsnitz als sogenanntes Arbeiterkind. Eigentlich wollte sie mal Teppichzeichnerin werden, doch da kam der Sport dazwischen. So besuchte sie nach der erweiterten Oberschule, heute würde man Gymnasium dazu sagen, die „Deutsche Hochschule für Körperkultur“ in Leipzig mit Sport als Hauptfach sowie die Karl-Marx-Universität mit Pädagogik, Psychologie und eben mit Kunsterziehung.

Bevor sie in den 1960er Jahren in den Schuldienst ging, widmete sie sich dem Leistungssport und konnte im Rudern recht gute Erfolge vorweisen. Die Teilnahme an den Europameisterschaften 1960 in England, bei dem sie wegen eines Steuerfehlers einer Teamkollegin disqualifiziert wurde und die Europameisterschaft 1961 in Prag, bei der es die Bronzemedaille gab, sind ihr noch lebhaft in Erinnerung.

Nach dem Ende der sportlichen Karriere unterrichtete Helga Hopfe Sport im sächsischen Plauen, und eben auch Kunsterziehung. „Das war der eigentliche Anfang meiner Arbeit mit Farben“, sagt sie. In Plauen gehörte sie zu den Mitbegründern des dortigen Kunstvereins. „Ich bin keine Einzelgängerin, ich habe schon immer die Gemeinschaft gesucht“, so Helga Hoppe, die es nicht mag, „im eigenen Saft zu schmoren“.

Dann kam das Jahr 1989 und mit ihm die Wende. Sie habe geweint, als sie zum ersten Mal im Westen war und über den Rhein gefahren sei, um ihre Schwester zu besuchen. „Das war einfach etwas, was man nicht fassen konnte.“ Die erste Zeit sei „wie ein Rausch“ gewesen, sagt Helga Hopfe, die nie in einer Partei war und die deshalb auch zu DDR-Zeiten nie irgendwelche Vorteile genießen durfte.

In das Kulmbacher Land kam sie nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes, weil einer ihrer beiden Söhne hier als Physiotherapeut tätig war. „Ich habe sofort Anschluss zur hiesigen Kunstszene gesucht“, erinnert sich Helga Hopfe. Bei verschiedenen Vernissagen habe sie erste Kontakte geschlossen. Viele Jahre lang habe sie beispielsweise an den oberfränkischen Malertagen teilgenommen, noch heute gehört sie dem Beirat des Bundes fränkischer Künstler an. Viele Kurse hatte sie seitdem besucht, um immer wieder neue Impulse zu bekommen und neue Techniken kennenzulernen. Mittlerweile gibt sie auch selbst Kurse, jahrelang arbeitete sie in Schmeilsdorf mit behinderten Menschen.

Bekannt wurde Helga Hopfe im Kulmbacher Raum durch die vielen Einzel- und Gruppenausstellungen, etwa im Badhaus oder auf der Plassenburg. Bekannt ist sie aber auch in ihrer alten Heimat. So stellte sie unter anderem im Plauener Malzhaus oder im Rathaus von Oelsnitz und im dortigen Schloss Voigtsberg aus. Aber auch international trat sie immer wieder in Erscheinung, da finden sich Ausstellungen in spanischen Malaga, im französischen Mende und sogar in Litauen.

Ihre Vorbilder sind Caspar David Friedrich, die Impressionisten wie Claude Monet und Auguste Renoir und vor allem Pablo Picasso. Auch sie habe ganz realistisch angefangen und dann immer wieder einen Wandel vollzogen. In ihrer Motivwahl wird schnell deutlich, dass sie eine Vorliebe für Tunnels, Durchgänge und Wege hat. Immer ist auch eine Prise Humor dabei, etwa wenn sie einem ihrer Bilder den Titel „Bauer sucht Frau“ gibt. „Manchmal“, so sagt Helga Hopfe, „wäre es besser, wenn man den Bildern keinen Namen geben würde“. Das gelte vor allem für ihre gegenstandlosen Bilder. Helga Hopfe vermeidet dabei den Begriff abstrakt. In ihren Frühlingsbildern, die im Winter entstanden sind, wird die Sehnsucht nach der neuen Jahreszeit direkt spürbar. Und manchmal kann sie es gar nicht begründen, warum sie gerade das und dies gemalt hat, den kleinen blauen Elefanten etwa. Helga Hopfe ist mit vielen Techniken vertraut. Dazu gehören neben Aquarellen auch Radierungen, Holzrisse, Acrylmalerei, Mischtechniken, Aquatinten und Tuschearbeiten.

Vita Helga Hopfe:

Geboren: 1938 in Oelsnitz/Vogtland

Studium: Sport und Kunst an der „Deutschen Hochschule für Körperkultur“ und an der Karl-Marx-Universität in Leipzig.

Atelier: Im Haus Schmeilsdorf in der Gemeinde Mainleus.

Einzel- und Gruppenausstellungen in Kulmbach, Oelsnitz, Münchberg, Nürnberg, Schleiz, Plauen, Auerbach, Erlangen, Rehau, Neuenmarkt, Greiz, Pegau, Kronach, Dresden, Heilsbronn, Helmbrechts, Marktredwitz, Forchheim, Coburg, Neudrossenfeld, Selb, Bad Elster, Heroldsberg , Bayreuth sowie international in Italien, Litauen, Frankreich, Spanien und Serbien.

Bild: Helga Hopfe in ihrem Atelier in Schmeilsdorf.

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10.10.2022

Faszination Theater: „Großer und wichtiger Teil des Lebens“ / Carolin Wagner steht seit fast zehn Jahren an der Spitze der Buschklopfer

Kulmbach. „Ein bisschen fühlt es sich an, wie ein Neustart“, sagt Carolin Wagner, die seit März 2013 Vorsitzende an der „Buschklopfer“ ist. Die engagierte Theatergruppe hat in Untersteinach einen neuen Saal als neue Spielstätte, in den vergangenen Monaten sind neue Leute dazugekommen und alles zusammen bietet viele neue Möglichkeiten, um Theater zu spielen.

Eigentlich hatte die gelernte Hotelkauffrau und Fremdsprachenkorrespondentin gar nichts mit dem Theater zu tun. „Ich habe während meiner Schulzeit nie einen Theaterkurs besucht“, sagt sie. Trotzdem hat es sie irgendwann gepackt. Das war im Jahr 2004, als sie von den „Buschklopfern“ die damalige Produktion der US-amerikanischen Komödie „Arsen und Spitzenhäubchen“ sah. Sie sei so begeistert gewesen, dass sie noch am gleichen Abend angerufen und nach Möglichkeiten der Mitwirkung gefragt hatte. Und schon konnte Carolin Wagner zum ersten Mal Theaterluft schnuppern, wenn auch vorerst nur hinter der Bühne als Hilfskraft zum Umkleiden der Darsteller.

Doch bald schon durfte sie nach einigen kleineren Einsätze in verschiedenen Märchenproduktionen die Bretter betreten, die die Welt bedeuten. Das war in William Shakespeares „Sommernachtstraum“ im Ruinentheater von Sanspareil in der Regie des legendären Uwe Hoppe von der Bayreuther Studiobühne. Seitdem hatte sie in fast allen Produktionen mitgewirkt. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr das Skandalstück „Wenn der Hafer sticht“, in dem schon vor Jahren das Wirtshaussterben auf dem Land thematisiert wurde, und das damals wegen verschiedener Szenen als anstößig empfunden wurde. „Es war halt anders als die üblichen Boulevardstücke“, erinnert sie Carolin Wagner.

Spielstätte der „Buschklopfer“ war damals noch der Hupfer-Saal in Ködnitz. Nachdem der nicht mehr zur Verfügung stand, hatten die Verantwortlichen alle Säle der Region abgegrast, bis sie beim „Kleinkunstbrettla“ in Untersteinach landeten. Fast zehn Jahre lang mieteten sich die Buschklopfer dort jedes Jahr für rund drei Monate ein, um ihre Winterproduktionen einzustudieren und aufzuführen. Im Sommer spielte und spielt man im Hof des Amtsgerichtes, das alljährliche Weihnachtsmärchen wurde im ehrmaligen JUZ am Busbahnhof gegeben.

Das eigentliche Theaterspiel sieht Carolin Wagner noch immer mit gemischten Gefühlen. „Ich leide extrem unter Lampenfieber“, gibt sie zu. Für sie beginnt die Faszination Theater schon in der Probenzeit, dann, wenn sich das Ensemble zusammenfindet und eine neue Produktion entsteht. „Dann entsteht auch eine wirkliche Gemeinschaft“, sagt sie und gibt offen zu, dass das Theater ein ganz großer und wichtiger Teil ihres Lebens geworden ist. Gerne würde sie zum Beispiel noch einmal die Titania in einer Art „Sommernachtstraum reloadet“ spielen. Auch Stücke wie „Mord im Orient“ oder Shakespeares „Der widerspenstigen Zähmung“ würden sie reizen. Als ihre Lieblingsschauspielerinnen nennt sie Michelle Pfeiffer und Meryl Streep.

Künftig wird das ehemalige „Kleinkunstbrettla“ die Hauptspielstätte der „Buschklopfer“ werden, denn vor wenigen Wochen har der Verein den Saal übernommen. „Es war gar nicht so einfach, das zu stemmen“, so Carolin Wagner und Georg Mädl. Er ist nicht nur zweiter Vorsitzender des Vereins, auch privat bilden Carolin Wagner und Georg Mädl ein Team. Beide appellieren an die hiesige Wirtschaft, etwa durch Sponsoring das kulturelle Leben zu unterstützen. Mitglieder sind in dem Verein natürlich auch immer herzlich willkommen, egal ob aktiv oder passiv.

Mit der spritzig-frivolen Komödie „Job Suey“ sind die Buschklopfer bereits im März nach der Corona-bedingten Pause wieder voll durchgestartet. „Unsere Mitspieler sind alle bei der Stange geblieben“, freut sich Carolin Wagner. Die acht Aufführungen seien fast alle ausverkauft gewesen und die Besucher hätten „endlich wieder einmal unbeschwert lachen“ können.

Als Produktion für den Winter steht bereits die Kriminalkomödie „Außer Kontrolle“ von Ray Cooney auf dem Programm. Carolin Wagner verspricht das „totale Boulevard-Chaos“. Die Proben dazu starten bereits im Herbst, die Premiere ist für Anfang Januar geplant. Auch das Sommerstück, das dann wieder im Amtsgerichtshof gespielt wird steht bereits fest: Es wird das Stück „Unkraut“ des fränkischen Kultautors Fitzgerald Kusz sein.

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04.10.2022

Metzger und Musiker zugleich / Als „Frankenrebell“ ist Hansi Hümmer Garant für Frohsinn und gute Laune

Stadtsteinach. Von den Amigos bis zu den Ärzten, von den Oberkrainern bis zu „Layla“: Hansi Hümmer ist musikalisch vielseitig unterwegs. Doch nicht nur musikalisch: Einst war er der jüngste Metzgermeister Deutschlands, er führte viele Jahre lang einen weit über die Grenzen des Kulmbacher Landes bekannten Gasthof, machte sich als singender Wirt einen Namen und trat mehrfach als „Frankenrebell“ im Fernsehen auf.

Hansi Hümmer (67) ist das, was man einen klassischen Alleinunterhalter nennt. So ganz stimmt das „allein“ auch nicht, denn manchmal ist er auch im Duo unterwegs zum Beispiel mit seinem Sohn Sebastian (39) oder mit dem ehemaligen „Radspitz“-Gitarristen Peter Hienert.

Er ist Vollblutmusiker durch und durch. Kein Tag, an dem er keine Musik macht, und wenn es „nur“ zu Übungszwecken ist. Hansi Hümmer ist aber auch der klassische Entertainer: „Die Leute zum Lachen zu bringen, das ist doch was Schönes“, sagt er. Und da ist er auch schon bei seinem Lieblingsthema, dem Fasching. Hansi Hümmer, das ist schlichtweg der personifizierte Fasching. Über 20 Jahre lang stand er als Vorsitzender an der Spitze der Faschingsgesellschaft Stadtsteinach, mittlerweile ist er sogar Ehrenvorsitzender. Er organisiert, managt und moderiert den Stadtsteinacher Fasching, wenn nicht gerade Corona ist. Er ist Büttenredner, Texteschreiber und Liedinterpret in einer Person.

Dabei hat Hansi Hümmer auch noch einen „ordentlichen“ Beruf. Er ist Metzger. Mit 15 schloss er bereits seine Gesellenlehre ab, noch mit 18 machte er die Meisterprüfung. Dazwischen lag ein Jahr als Kellner im prominenten Parkhotel im schweizerischen Arosa. Seine Tätigkeit im elterlichen Gasthof erfuhr 1983 einen schmerzlichen Einschnitt, als der Vater plötzlich verstarb und Hansi Hümmer den Gasthof übernehmen musste.

Parallel dazu entwickelte sich auch eine bemerkenswerte musikalische Karriere. Als Kind von den Eltern „verdonnert“, Akkordeon zu lernen, brachte er sich schon bald selbst das Gitarrenspiel bei und gründete eine Band, die „Hugo-Schneckerich-Crew“, aus der später „Hugo Sixpack“ und schließlich die „Hugo-Schneckerich-Show“ wurde.

Was lag in den folgenden Jahren näher, als Gastronomie und Musik zu verbinden? Und so wurde Hansi Hümmer als „Singender Wirt vom Frankenwald“ schon bald überregional bekannt. „Wir hatten manchmal 25 Busse im Monat, die von überall her kamen“, erinnert er sich. Doch irgendwann Anfang der 2000er Jahre ging es mit dem Gasthof bergab. Stadtsteinach verlor mehr und mehr an Bedeutung, so dass auch die Feiern weniger wurden, der Markt war lange eine Baustelle, der Gasthof war nicht mehr attraktiv und so entschloss sich Hansi Hümmer erst einmal Schluss zu machen mit der Gastronomie

Als Alleinunterhalter hatte er sich da längst einen Namen gemacht und beinahe unzählige Hochzeiten, Polterabende Familienfeiern mit seiner Kunst bereichert. Auch eine CD mit vielen eigenen Lieder und Texten war bereits auf dem Markt. Bestimmt können sich noch viele an seinen Hit „Nix amore“ erinnern. Gleichzeitig stieg Hansi Hümmer auch wieder in die Gastronomie ein und eröffnete seinen Imbiss mit Partyservice in Stadtsteinach. Drei Festangestellte und zwei Aushilfen beschäftigt er hier, der Imbiss ist weithin bekannt für Sauerbraten, Burger, Steaks und Grillplatten.

Heute ist Hansi Hümmer vor allem auf Kerwas, Weinfesten und Sommerfesten aller Art anzutreffen. Dort spielt er am liebsten die Songs von den Beatles, den Stones, den Beach Boys. Es dürfen auch gerne mal die Ärzte oder die Toten Hosen sein. Wenn er auch technisch bestens ausgerüstet ist, so legt Hansi Hümmer doch großen Wert darauf, notfalls auch ohne Strom die Menschen bestens unterhalten zu können. „Wenn der Strom ausfällt, dann spiele ich einfach mit dem Schifferklavier weiter“, sagt er. Auch im Fernsehen war er schon sehen, bei Franken Helau und gleich zwei Mal im Finale der Show „Franken sucht den Supernarr“. Dort landete er beide Male unter jeweils 80 Bewerbungen unter den ersten zehn.

Wenn Hansi Hümmer mal keine Musik macht und auch nicht am Tresen seines Imbisses steht, dann ist er meist sportlich unterwegs. Tennis hat er bis in die Landesliga gespielt, er fährt Ski, Abfahrt und Alpin und schwebt auch schon mal als Drachenflieger über seine Heimat. Mit seinem Berner Sennenhund läuft er täglich von seinem Wohnort Untersteinach zum Imbiss nach Stadtsteinach. Am liebsten sieht er sich allerdings als Witzeerzähler, wobei er darauf Wert legt, dass seine Witze nie ordinär sind. „Höchstens leicht unter der Gürtellinie“, fügt er augenzwinkernd hinzu.

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26.09.2022

Kirchenmusik in Zeiten von Corona / Von Barock bis Rock: Stadt- und Dekanatskantor Christian Reitenspieß ist vielfältig musikalisch unterwegs

Kulmbach. Ende 2019 wurde er mit einem Festgottesdienst in der Petri-Kirche als neuer Stadt- und Dekanatskantor in sein Amt eingeführt. Anfang 2020 war dann erst einmal Schluss. Corona hatte alle Pläne zunichte gemacht. Keine einfache Situation für Christian Reitenspieß (51), dem Stadt- und Dekanatskantor von Kulmbach.

Mit dem virtuosen Finale aus der Orgelsymphonie Nr. 1 in d-Moll des französischen Komponisten Alexandre Guilmant hatte er bei seiner Einführung eine überaus eindrucksvolle Visitenkarte an der großen Rieger-Orgel der Petri-Kirche abgegeben. Christian Reitenspieß hatte große Pläne. Eine Aufführung der fragmentarischen Markus-Passion von Johann Sebastian Bach war für den kommenden Karfreitag geplant. „Wir waren gerade in den Proben, als wir über den Dekanatsausschuss erfuhren, dass erst mal alles dicht ist“, erinnert sich der Kirchenmusiker.

Christian Reitenspieß ist nicht nur waschechter Franke, er kann auch auf jede Menge Erfahrung im Haupt- und Nebenamt verweisen. Geboren wurde er im mittelfränkischen Diespeck, bei Neustadt an der Aisch. Im nahen Markt Erlbach spielte er zum ersten Mal die Orgel. Schon vorher, im Alter von neun Jahren, begann er mit dem Klavierspiel, mit zehn Jahren folgte die Posaune, ehe er sich mit elf für die Orgel entschied. Noch etwas verbindet Reitenspieß mit Franken, in diesem Fall sogar Oberfranken: er hat in Bayreuth Kirchenmusik studiert und in Hof sein Berufspraktikum absolviert. Zuletzt war er 16 Jahre lang in Melsungen, südlich von Kassel, in Nordhessen und davor sechs Jahre lang im südhessischen Gelnhausen tätig.

Lieblingskomponisten hat Christian Reitenspieß keinen. An der Rieger-Orgel der Petrikirche lasse sich allerdings die Musik der französischen Romantik am besten spielen. Er besitze aber auch einen ausgeprägten Hang zu barocker und frühbarocker Orgelmusik. Eine Orgel sei aber keineswegs ein verstaubtes Instrument. Man könne sogar die Rockmusik der 50er und 60er Jahre darauf interpretieren. Rockmusik, oder auch Pop und Jazz hört er gerne auch mal privat. Neben Barock und Spätromantik liegt im Anton Bruckner sehr und wenn schon Oper dann eher Mozart als Wagner.

Mittlerweile fand mit dem Lobgesang von Felix Mendelssohn Bartholdy auch wieder ein richtig großes Konzert in der Petrikirche statt, nachdem es vorher mehrfach verschoben werden musste. „Die Anzahl der Chormitglieder ist während Corona um etwa ein Drittel geschrumpft, gleichzeitig ist die Motivation enorm gestiegen“, so Christian Reitenspieß. Ein Teil sei weggezogen, ein Teil habe aufgehört und von einem weiteren Teil habe er einfach nichts mehr gehört, bedauert er.

Dabei habe er stets versucht, per E-Mail Kontakt zu halten. Mit einem Stamm von Unentwegten habe er in den Gottesdiensten als Choralschola von der Empore gesungen, als das für die Gemeinde gar nicht mehr möglich war. Den Weihnachtsgottesdienst habe er mit dem Vokalensemble gestaltet. Zuspruch kam von allen Seiten. Die Gemeindeglieder bedankten sich, dass gesungen wurde, die Mitwirkenden dankten dafür, dass sie überhaupt singen durften. „Eine total verkehrte Welt“, wie Christian Reitenspieß im Nachhinein feststellt.

Zu seiner Arbeit gehören auch das Seniorensingen, zu dem sich mittlerweile regelmäßig rund 30 Menschen jeden Mittwochvormittag in der Spitalkirche treffen, ein Kinderchor, der im Mai sogar ein kleines Mini-Musical während des Gottesdienstes aufgeführt hatte, die Arbeit mit dem Ensemble „Tonarten“, die regelmäßige musikalische Ausgestaltung während der Gottesdienste und eine kleine Orgelreihe.

Große Pläne hat Christian Reitenspieß für die kommenden Monate. Nach den Sommerferien beginnen die Proben für John Rutters musicalhaft anmutendes „Requiem“, das im November zur Aufführung kommen soll. Für das kommende Jahr ist dann doch noch die fragmentarische Markus-Passion von Bach geplant.

Bilder:
1.
Die Kulmbacher Kantorei unter Christian Reitenspieß bei ihrem letzten großen Konzert in der St. Petri-Kirche.
2.
Stadt- und Dekanatskantor Christian Reitenspieß.
3. Christian Reitenspieß bei seinem Amtsantritt am Spieltisch der Rieger-Orgel.

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19.09.2022

Bach, Brahms und Bierzelt: Rainer Streit beherrscht die gesamte Bandbreite der Musik

Ludwigschorgast. „Ich versuche immer das Beste daraus zu machen und das Beste zu geben“. Der Tubist Rainer Streit ist Profimusiker. Orchestermitglied der Hofer Symphoniker, Lehrer an deren Musikschule, Teil des Blechbläserquintetts Rekkenze Brass, aber auch Dirigent des Musikvereins Ludwigschorgast: Trotz seiner erst 54 Jahre kann er bereits auf ein langes, reichhaltiges und vielfältiges Musikleben zurückblicken.

Das sah zunächst ganz anders aus. Nach Realschule und Mittlerer Reife folgte zunächst eine Lehre zum Elektroinstallateur. Genau ein Monat lang hat der gebürtige Kulmbacher, der in Ludwigschorgast zuhause ist, in seinem Beruf als Geselle gearbeitet, dann kam die Musik dazwischen. Das heißt, eigentlich war die Musik schon immer da. Zunächst in Form einer Heimorgel, wie sie damals modern war, und schon bald in Form der Tuba. „Ich hab die Tuba einfach mal ausprobiert und bin hängen geblieben.“ 

„Die Franken“ waren eine der ersten Formationen, mit denen Rainer Streit öffentlich aufgetreten war, von Kronach bis Nürnberg, Abstecher führten bis nach Goslar. 1985 gehörte er zusammen mit seinem Bruder Harald, dem jetzigen Leiter der Kulmbacher Musikschule, zu den Gründern des noch immer existierenden Blechbläserquintetts Culma Brass, bis er sich 1987 zum Studium am Meistersinger-Konservatorium in Nürnberg entschloss. Mit dem Hauptfach Tuba schloss er 1991 mit der Note sehr gut die „Staatliche Musikreifeprüfung“ ab, ein dreijähriges Aufbaustudium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt schloss sich an, seitdem darf sich Rainer Streit Diplom-Musiker nennen. Nicht vergessen werden soll dabei das Jahr Wehrdienst, den Rainer Streit beim Gebirgsmusikkorps 8 in Garmisch-Partenkirchen ableistete.

In die Zeit der Musikstudien in Nürnberg und Frankfurt fallen auch Rainer Streits erste Orchestererfahrungen mit den Nürnberger Symphonikern, dem Rundfunk-Symphonieorchester Frankfurt (heute hr-Sinfonieorchester) und bald auch schon den Hofer Symphonikern. 1996 dann der Einstieg bei Rekkenze Brass, dem Blechbläserquintett der Hofer Symphoniker. Mit dieser Formation erlebte Rainer Streit auch einen der vielen Höhepunkte seines Musiklebens: eine USA-Tournee mit 38 Konzerten an 30 Orten innerhalb von 42 Tagen. Das war im Jahr 1998. Konzerte in den Metropolen Boston, Chicago und Boston sollten folgen.

„Jedes Konzert ist für sich ein Highlight“, sagt Rainer Streit bescheiden. Mit den Hofer Symphonikern gehören Auftritte bei den Schlossfestspielen in Regensburg mit Weltstars wie Elina Garanca, Jonas Kaufmann, Jose Carreras oder Lucis Aliberti unwillkürlich dazu. „Mit meiner musikalischen Bandbreite decke ich nahezu alles ab“, sagt Rainer Streit. Auftritte mit den „Franken“ bei der Bierwoche oder beim Volksfest in Nürnberg genauso, wie das Musizieren in der Oper, im Symphoniekonzert, bei Standkonzerten, in Altenheimen oder vor Schulklassen.

Seit dem Jahr 2010 ist Rainer Streit außerdem auch der Leiter des Musikvereins Ludwigschorgast. Wenn nicht gerade Corona ist, findet das traditionelle Jahreskonzert immer am Ostersonntag statt, für den Herbst ist immer ein böhmischer Abend geplant. Ort des Geschehens ist in beiden Fällen die Steinachtalhalle in Stadtsteinach.

Corona hatte allerdings dafür gesorgt, dass erst einmal lange gar nichts stattfand. Bei Rekkenze Brass gibt es mittlerweile drei neue Gesichter, die Planungen laufen derzeit wieder an. Die Hofer Symphoniker hatten zunächst mit einer Art musikalischen Adventskalender auf deren Facebook-Seite Kontakt zu allen Musikfreunden gehalten, um wenigstens ein Lebenszeichen zu geben. Schon bald gab es allerdings auch wieder Kurzkonzerte im Freien, gespielt und geprobt wurde in den Räumen der Hofer Freiheitshalle. „Wir hoffen, schon bald wieder im Theater spielen zu können“, so Rainer Streit. Dort hatten zunächst aufwändige Sanierungsmaßnahmen stattgefunden, ehe ein Wasserschaden den Betrieb lahm legte.

Gefragt nach seinen Lieblingskomponisten nennt Rainer Streit spontan Johannes Brahms und Peter Tschaikowsky. Was die Bläserformation angeht, gehöre unwillkürlich auch Johann Sebastian Bach dazu. Und in Sachen Böhmischer Blasmusik komme man an Ernst Mosch einfach nicht vorbei. Es sei schon erstaunlich, wie man dabei immer wieder „neue alte Nummern“ entdecken kann. „Bei Ernst Mosch gibt es eigentlich gar ein schlechtes Stück“.

Für die Zukunft hofft Rainer Streit, endlich wieder spielen zu können. „Auch dem Publikum ging das schon sehr ab“, so musste er es immer wieder feststellen. „Wir wollen den Leuten doch auch etwas bieten“, sagt er und freut sich, dass während der zurückliegenden zweieinhalb Jahre nahezu alle Musikerkollegen bei der Stange geblieben sind.

Bild: Sein Instrument ist die Tuba: der gebürtige Kulmbacher Rainer Streit lebt in Ludwigschorgast.
Foto: Fotostudio R. Schwarzenbach Hof

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12.09.2022

Ein Freigeist in Stanich / Wolfgang Martin hat die Kultur nach Stadtsteinach gebracht

Stadtsteinach. Theatermacher, Kulturschaffender, Freigeist: Das alles und noch viel mehr ist Wolfgang Martin. Dabei steht er eigentlich gar nicht so gerne im Vordergrund: „Wenn sie Persönlichkeit suchen, dann suchen sie bei mir vergebens“, sagt er und meint damit, dass er lieber im Hintergrund bleibt. Von dort allerdings zieht er die Fäden. Ob bei der „Gründung seiner Kulturinitiative mit dem eigenwilligen Namen „Die Wüste lebt“ (nach dem gleichnamigen Walt-Disney-Film), beim Umbau des Alten Rathauses zur Verwirklichung kultureller Projekte oder bei der Umgestaltung der ehemaligen Schule zum Theaterraum. Immer ist Wolfgang Martin der Motor, die treibende Kraft.

„Für mich ist alles Kultur“, sagt der heute 75-Jährige. Dabei deutet sein Lebensweg zunächst einmal gar nicht auf kulturelles Engagement hin: geboren in Frankfurt, Studium der Werkstoffwissenschaften in Berlin, Tätigkeiten bei Porzellanherstellern wie Rosenthal oder Winterling, später ein eigenes Ingenieurbüro, das sich als erstes im Kulmbacher Raum mit dem Thema Solar beschäftigte und Photovoltaikanlagen installierte. Daneben politisches Engagement als Leiter des oberfränkischen Regionalbüros der Grünen während der ersten Bundestagsperiode Anfang der 1980er Jahre, 15 Jahre lang Stadtrat in Stadtsteinach zuletzt für die „Bunte Liste“ und viele Jahre Vorsitzender des Bundes Naturschutz vor Ort. Nicht vergessen werden soll dabei seine Tätigkeit als Wissenschaftsjournalist. Mit dem prominenten Publizisten und Zukunftsforscher Robert Jungk (1913 – 1994) hatte er sogar ein Buch veröffentlicht.

Für einen „normalen“ Lebensweg würde das alles längst reichen, nicht aber für Wolfgang Martin. Ihm ging es schon immer darum, zeitgenössische Kultur erlebbar zu machen, und zwar dort, wo man es zunächst gar nicht vermuten möchte: auf dem flachen Land. So gründete er vor mittlerweile rund 25 Jahren die Kulturinitiative „Die Wüste lebt“. „Wir verstehen uns als kreativer Entwicklungs- und zeitgenössischer Kulturzusammenschluss in einer kleinen ländlichen Struktur“, beschreibt er das oberste Ziel des „multikulturellen Vereins, der immer wieder neue Wege geht“. 

Nach Stadtsteinach war er in den 1970er Jahre durch Zufall gekommen. Nach dem Studium ging es erst einmal ein halbes Jahr lang kreuz und quer durch Australien, irgendwann kam die Tätigkeit in der Porzellanbranche dazu, die damals in der Region stark verwurzelt war. Der Umstand, dass sein Frau eine Stelle als Krankenschwester suchte und im damaligen Stadtsteinacher Krankenhaus fand, ließ Wolfgang Martin dann endgültig hier ansässig werden.

Dreh- und Angelpunkt des Vereins war das Alte Rathaus. Dort gab es Theaterabend, Kabarett, Jazzkonzerte, Auftritte von Liedermachern, Lesungen, Filmvorführungen und vieles mehr. Legendär war und ist der 500 Jahre alte Gewölbekeller („Stanischer Keller“), aber auch im neugestalteten großen Garten zur Stadtmauer hin sowie an anderen Spielorten gab es immer wieder Veranstaltungsangebote. 1997 beispielsweise konnte Wolfgang Martin die bekannte Gruppe „Saitenwynd“ in die Steinachtalhalle holen, immer wieder gab es Theater in allen Variationen und zuletzt gastierte der Liedermacher Morgan Finlay in der Alten Schule.

 „Ich mach das alles für mich“, das sei stets seine Intention gewesen, sagt Wolfgang Martin. Viel Herzblut hatte er hineingesteckt und so ist es gelungen, einen Kreis gleichgesinnter um sich zu scharen. So kaufte er später die Alte Schule und führte dort das Frankenwaldtheater weiter. 60 Plätze gibt es im Theaterraum, einem ehemaligen Klassenzimmer im ersten Stock. Wolfgang Martin setzte dabei allerdings fast ausschließlich auf Gastspiele, zunächst von der ehemaligen Freien Bühne in Bayreuth, aber auch andere Formationen und immer wieder der Fränkische Theatersommer. Mit Sequenzen aus der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht gab es aber auch schon eine Eigenproduktion, in der Wolfgang Martin die Partie des Mackie Messer übernommen hatte.

Jüngstes Kind in der Ideenschmiede von Wolfgang Martin ist die Initiative „Campus Cactus“. Deren Ziel soll es sein, überregionale und internationale Workshops in den Bereichen Kunst und Kultur anzubieten. So fanden bereits deutsch-französische Comic-Wochen statt. Auf dem Plan für die Zukunft stehen Siebdruck-, Streetart und Theaterworkshops.

Sein Lebenswerk wird Bestand haben, davon ist auszugehen. Zwei seiner Kinder leben und arbeiten in Berlin, eine Tochter in München und eine weitere Tochter ist als Betriebsleiterin bei der Naturbühne Trebgast aktiv.

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05.09.2022

Menschen zum Lachen und zum Weinen bringen / Fränkisch im Focus: Rüdiger Baumann und sein Schauhaufen bereichern seit über 20 Jahren die Kulmbacher Kulturszene

Kulmbach. Dieser Mann ist Theater pur: Er schreibt, inszeniert, probt und spielt, leitet sein eigenes Theater, in dem er auch wohnt und (fast) alles, was er macht, hat irgendwie mit Theater zu tun. Dabei ist er eigentlich gelernter Fotograf und hatte bis zuletzt ein eigenes Studio. Doch irgendwann war die Lust am Spielen größer und mittlerweile hat Rüdiger Baumann in der Szene einen echten Namen als Theatermacher aus Kulmbach.

Dabei kommt er eigentlich aus Bayreuth. Über einen Umweg durch den Landkreis Coburg, wo seine Frau eine Zeit lang als Lehrerin tätig war, landete er in Kulmbach. Anfang der 1990er Jahre gründete er hier ein Fotostudio, im Jahr 2000 erwarb er den ehemaligen „Fränkischen Hof“ in der Ziegelhüttener Straße. Ältere Kulmbacher kennen das Gasthaus noch unter dem Namen der damaligen Wirtin: „Die Hanne“.

Aus dieser Ära stammen noch ein paar nützliche Einrichtungsgegenstände. Um diese herum hat sich allerdings einiges verändert. Zunächst wurde die Gaststätte zum Fotostudio umfunktioniert, dann zum Theater. Im ehemaligen Nebenzimmer ist jetzt die Bühne und im früheren Gastraum befindet sich die Zuschauertribüne, die Platz für gut 60 Personen bietet.

Theater hat er schon immer gespielt. „Was den Menschen ausmacht ist doch die Kultur“, sagt Rüdiger Baumann. Zunächst vor Freunden und Bekannten, dann folgten erste Auftritte zusammen mit den Buschklopfern. Die Wende, wie er es selbst bezeichnet, kam dann mit der „Franken-Revue“, ein von ihm selbst verfasstes Stück, das zwischenzeitlich bereits Kultstatus hat. Über 70mal wurde die „Franken-Revue“ schon aufgeführt, im kommenden Jahr ist eine Wiederaufnahme geplant.

Die Schauspieler, die Rüdiger Baumann um sich scharen konnte, nannten sich der „Schauhaufen“, ein Zusammenschluss, der seit 2006 als eingetragener Verein existiert und der regelmäßig „Das Baumann“, so lautet der Name des Theaters, bespielt. Daneben gibt es aber auch Gastspiele, etwa auf der Dorflinde in Peesten oder in einem Schafstall in Oberdornlach, um zwei besonders kuriose Spielorte zu nennen.

Irgendwann seien die Fotoaufträge immer weniger und das Theaterspiel immer mehr geworden, erinnert sich Rüdiger Baumann. Volksstücke im ursprünglichen Sinn, etwa von Johann Nestroy („Häuptling Abendwind“), Jean-Baptiste Moliere („Der Geizige“) oder von Gerhard Hauptmann („Der Biberpelz“) kamen dazu, immer aber in eigenen Bearbeitungen und meistens im fränkischen Dialekt. „Die Figuren wirken viel authentischer, wenn sie unsere Sprache sprechen“, sagt Rüdiger Baumann.

Zuletzt, das heißt vor Corona, waren es drei bis vier Eigenproduktionen pro Jahr. An ihnen und den Stücken des kommenden Jahres habe er nicht selten gleichzeitig gearbeitet. In dieser Hinsicht kam Corona gerade recht. Wenn auch von heute auf morgen alles weggebrochen war, so konnte Rüdiger Baumann endlich wieder einmal durchatmen und neue Kreativität entwickeln.

Schon im Sommer 2021 ging es mit Abstand und ganz wenigen Zuschauern weiter und derzeit startet er wieder voll durch. Beispielsweise hat er Molieres Stück „Der Bürger als Edelmann“, auf 30 Minuten Spielzeit „eingedampft“ und möchte es als mehrsprachiges Stück aufführen. Im Sommer wird an der Ziegelhüttener Straße Hinterhoftheater gespielt. Aktuell steht auch die Komödie „Der Kredit“ des katalanischen Autors Jordi Galcerana auf dem Programm.

„Es war schon immer mein Traum, Leute zum Lachen zu bringen, manchmal auch zu Tränen zu rühren“, sagt Rüdiger Baumann. Prominente Theaterleute und Schauspieler wie etwa Heinz Erhardt, Loriot oder auch Stan Laurel und Oliver Hardy („Dick und Doof“) hätten ihn da sehr geprägt. Er sagt aber auch ganz klar: „Wir machen Amateurtheater.“ Da gehe es nicht um nur um spielerische Qualitäten, sondern auch um Miteinander und um den Spaß an der Sache.

Wenn er nicht gerade mal wieder an einem Stück schreibt, etwas Neues probt oder selbst auf der Bühne steht, tritt Rüdiger Baumann als Moderator bei Seniorennachmittagen auf, veranstaltet Schultheater oder kümmert sich um die Theatergruppe der Werkstatt für Behinderte in Melkendorf. Auch zum Präsidenten des Rotary-Clubs Kulmbach wurde er kürzlich gewählt. Und wenn Rüdiger Baumann das Theater dann doch mal zusperrt, geht er mit seiner Frau campen, bevorzugt in die nähere Umgebung, ins Fichtelgebirge, in den Frankenwald oder ins Maintal.

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22.08.2022

Aus Männermangel zum Theater / Für Konrad Sauerteig von der Laienspielgruppe Neuenmarkt ist das Theaterspielen eine Herzensangelegenheit

Neuenmarkt. „Ich schau´ mir das halt mal an“, hatte Konrad Sauerteig vor gut zwölf Jahren gesagt. Dann besuchte er mal eine Probe, mal eine Aufführung der Laienspielgruppe Neuenmarkt. Irgendwie hat er But geleckt, schon bald darauf stand er selbst als Mitwirkender auf der Bühne des Gemeindesaals. Mittlerweile ist er nicht nur der Leiter der Gruppe, sondern auch Schauspieler, Regisseur, Organisator und Koordinator. Außerdem hat er bereits bei den Sommerspielen der Studiobühne Bayreuth mitgewirkt, war auf der Naturbühne in Trebgast zu sehen, spielte für den Brandenburger Kulturstadl in Bayreuth und in anderen Formationen.

Zugegeben: Konrad Sauerteig ist vorbelastet. Schon seine Brüder und seine Eltern wirkten in der Laienspielgruppe mit. Von klein auf schnupperte der heute 38-Jährige Theaterluft. Doch 2010 wurde es ernst. „Es herrschte Männermangel“, erinnert er sich. Tatsächlich wurden für die damaligen Produktionen junge Männer gesucht. Die Boulevardkomödie „Eine himmlische Beförderung“ von Wolfgang Bräutigam war das erste Stück, in dem er aktiv mitwirkte und eine Rolle übernahm.

Konrad Sauerteigs Leistung hat offensichtlich die Theatermacher in der Region überzeugt. Zunächst wurde er von den Faschingsfreunden engagiert, dann holte ihn Urgestein Jürgen Peter auf die Naturbühne in Trebgast und gleichzeitig spielte er für das ebenfalls in Neuenmarkt ansässige TIK, was so viel heißt, wie „Theater in der Kneipe“ oder wahlweise auch „Theater in der Kirche“. Gastspiele führten Konrad Sauerteig dabei sogar bis nach Ulm oder Bremen.

An sein zweites Hobby, den Fußball, war da eigentlich schon nicht mehr zu denken. Konrad Sauerteig hatte über 13 Jahre in Lanzendorf und zuletzt beim FC Neuenmarkt als Außenverteidiger gespielt. Doch auch sein Tag hat nur 24 Stunden und seine Woche sieben Tage, so dass er sich irgendwann entscheiden musste: Er tat dies für das Theater und gegen den Sport. 2017 folgte er einem Aufruf auf Facebook, in dem die Studiobühne Bayreuth noch jemanden für das Stück „In 80 Tagen um die Welt“ nach Jules Verne suchte. Konrad Sauerteig absolvierte das Casting mit Erfolg. „13 Schauspieler in 82 Rollen, das war schon der Wahnsinn“, erinnert er sich.

Zuletzt stand er in dem Zwei-Personen-Stück „Zwei wie Bonnie und Clyde“ zusammen mit der Schauspielerin Anja Demuth auf der Bühne des Brandenburger Kulturstadls. Dann kam der Lockdown. „Wir konnten nur an sieben Abenden spielen, dann war Schluss“, erinnert er sich. Nun möchte er das Stück als eine Art Gastspiel nach Neuenmarkt bringen und zwischen Anfang September und Anfang Oktober einige Male im Gemeindesaal aufführen. Der normale Spielbetrieb startet allerdings erst wieder im Dezember, mit welchem Stück, das soll noch nicht verraten werden.

„Mir hat es eigentlich nie Schwierigkeiten gemacht, vor Leuten zu sprechen“, sagt Konrad Sauerteig. Schon immer habe er gerne Präsentationen gehalten. „Das ist wohl eine Veranlagung“. Text lernen sei für ihn kein Problem, ob beim Gassi gehen mit dem Hund, oder direkt beim Proben auf der Bühne. „Natürlich bin ich nicht Mister perfekt“, sagt er augenzwinkernd. Stabil und textsicher sei er aber in der Regel schon. Und wenn mal nicht, na dann könne man ja auch improvisieren.

Besonders freut Konrad Sauerteig, dass alle Mistreiter nach der langen Corona-Pause bei der Stange geblieben sind. „Die waren alle sofort wieder dabei“, sagt er. Das sei bei weitem nicht selbstverständlich. Sie alle fiebern schon den Proben für das neue Stück entgegen, das wohl im Dezember Premiere haben wird. „Wir wollen alle Theater spielen und wenn es den Leuten gefällt, dann freut uns das“, so Konrad Sauerteig, der auch von einer großen Gemeinschaft spricht. „Die Harmonie in der Gruppe ist uns schon sehr wichtig.“

Überflüssig ist es, an dieser Stelle zu erwähnen, dass alle Beteiligten ehrenamtlich spielen. Mit den Einnahmen werden die Unkosten gedeckt, und alles, was übrig bleibt, geht eins zu eins in die Abschlussfahrt für alle Aktiven, etwa nach Hamburg oder Berlin in ein großes Musical. Eine Traumrolle hat Konrad Sauerteig auch: er würde gerne mal den „Pfeiffer mit drei f“ in der „Feuerzangenbowle“ spielen, eine Rolle, die Heinz Rühmann unsterblich gemacht hat.

Bild: Konrad Sauerteig privat, im elterlichen Garten in Neuenmarkt.

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15.08.2022

„Um die Früchte unserer Arbeit gebracht“ / Self-Made-Man der Kleinkunst: Manfred Spindler blickt in ungewisse Zukunft

Untersteinach. Das Kulmbacher Kleinkunst-Brettla ist Geschichte. Zumindest der Saal an der Hauptstraße von Untersteinach, der in den zurückliegenden rund zwölf Jahren Heimat und Spielstätte des Vereins war. Für den Vorsitzenden Manfred Spindler ein „sehr emotionaler Abschied“, wie er offen zugibt, aber auch ein Abschied auf Raten. „Wir haben hier viel Geld, Arbeit und Energie investiert“, sagt er. Schuld an allen sei Corona, die entsprechenden Maßnahmen hatten der segensreichen Kulturarbeit, die allen Beteiligten so viel Freude gemacht hat, ein abruptes Ende bereitet.

Wenn Manfred Spindler ein letzten Mal durch den Saal geht, dann denkt er auch an seine persönlichen Anfänge zurück, an seine nahezu zahllosen Auftritte zusammen mit Roland Jonak als „Seltsames Paar“, an seine Gastspiele als „Kulmbacher Stänkerer“, an das Gaudi-Brettla und eben an das Kleinkunst-Brettla, viele Jahre lang in Untersteinach.

Schon seine Lehrerin hatte es ihm prophezeit: eines Tages werde er im Fernsehen zu sehen sein. Das war er dann auch, in verschiedensten Konstellationen. Den Beginn seiner Bühnenkarriere datiert Manfred Spindler auf das Jahr 1987. Damals lernte er Roland Jonak kennen. Schnell stellte man fest, dass man auf der gleichen Wellenlänge ist und so brachte es eine Rosenmontagslaune mit sich, dass beide sich bei einer „Fahrt ins Blaue“ mit der Eisenbahn als altes Ehepaar verkleideten und die Gäste mit ihren Scherzen spontan unterhielten. Das war die Geburtsstunde des seltsamen Paars.

Schon vorher hatte der heute 55-Jährige Theater gespielt, eine kleine Rolle in der „Lokalbahn“ von Ludwig Thoma beim damals zusammengewürfelten „Theater Kulmbach“. Aus der „Schnapsidee“ mit dem alten Ehepaar wurde schnell mehr. 1989 der erste Auftritt in der Stadthalle, Engagements für die Kulmbacher Brauerei, das ehemalige Faßmann-Fleischmann-Fest und so weiter. „Mit lokalen Themen haben wir die Leute vor Ort auf den Arm genommen“, beschreibt Manfred Spindler die Idee, die hinter dem „Seltsamen Paar“ steckt.

Irgendwann lief das Ganze dann komplett aus dem Ruder. Das Reichelfest vor 3000 Zuschauern zusammen mit Schlagerstar Stefanie Hertel, Engagements beim Kölner Karneval und eine schier endlose Zahl an Geburtstagen , Hochzeiten, Weihnachtsfeiern, Firmengalas, Wahlkampfauftritten für Bernd Protzner, und, und, und. „Wir waren meistes bayernweit unterwegs“, sogar die Freiheitshalle Hof füllte das „Seltsame Paar“, deren Späße auch auf drei CD-Veröffentlichungen dokumentiert sind.

Parallel dazu lief das Gaudi-Brettla an, ein Vorläufer des Kleinkunst-Brettlas. Politische Satire, kabarettistische Einlagen und Show, das seien die zentralen Elemente des Gaudi-Brettlas gewesen. 1995 der erste Auftritt in der Kommunbräu, danach hatte sich auch das Gaudi-Brettla verselbständigt. „Wir waren damit nicht nur im Kulmbacher Land, sondern beispielsweise auch im Hofer Land unterwegs“, erinnert sich Manfred Spindler, der auch die Programme selbst geschrieben hat. 2008 war dann Schluss mit einer großen Gaudi-Brett-Gala vor zwei Mal 800 Leuten in der jeweils ausverkauften Stadthalle.

Ziel sei fortan „etwas festes“ gewesen, etwas, wo er nicht mehr selbst ständig auf der Bühne stehen sollte, sondern auch Gastspiele veranstalten konnte. Und so landete man in Untersteinach, nannte sich künftig Kleinkunst-Brettla und eröffnete den Saal mit der legendären Altneihauser Feierwehrkapell´n. 2019 fand hier auch der (bislang) letzte Auftritt des „Seltsamen Paars“ statt. „Dann hat uns Corona um die Früchte unserer Arbeit gebracht“, sagt Manfred Spindler.

„Wenn man auf der Bühne steht, dann muss man absolut überzeugt sein, von dem, was man macht, absolut authentisch, sonst nehmen einem die Leute das nicht ab, entweder 100 Prozent, oder gar nicht.“ Notwendig seien dazu vor allem zwei Dinge: Talent und Mut. Er selbst war da so einfach reingeschlittert. Einfach so, ohne Ausbildung, jedoch mit jeder Menge Enthusiasmus.

Und den will er sich auch beibehalten, auch wenn er derzeit noch nicht so recht weiß, wie es weitergeht. Das „Seltsame Paar“ wollen er und Roland Jonak auf jeden Fall nicht einfach so durch die Hintertür beenden. Man darf gespannt sein. Und das Kleinkunst-Brettla wird ebenfalls weitergehen. Wie, das steht noch in den Sternen. Vorstellbar wären zum Beispiel Gastspiele, warum nicht im angestammten Saal in Untersteinach, der künftig von der Theatergruppe der Buschklopfer übernommen wird.

Bild: Manfred Spindler in dem bereits ausgeräumten Saal, der dem Kleinkunst-Brettla zwölf Jahre lang als Heimat diente.

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08.08.2022

An der Orgel zieht er alle Register / Trotz Corona und Kirchenaustritten: Wolfgang Trottmann wirbt unermüdlich für die Kirchenmusik“

Kulmbach. Fünf Jahre wollte er in Kulmbach bleiben, mehr nicht. 37 Jahre sind es mittlerweile geworden. „Bereut habe ich es nie“, sagt Wolfgang Trottmann. Der 62-Jährige ist seit Oktober 1985 als Regionalkantor für das Dekanat Hof zuständig, zu dem im weitesten Sinne die Landkreise Hof und Kulmbach gehören.

Sein Dienstsitz ist die Kirche „Unsere Liebe Frau“, sein Arbeitsplatz die Orgelbank hoch über dem Kirchenschiff. Hier an der 1986 neu errichteten Eisenbarth-Orgel mit ihren 27 Registern und ihren 1544 Pfeifen, und manchmal auch in anderen Kirchen des Dekanats, begleitet er die Gottesdienste an den Wochenenden musikalisch. Wolfgang Trottmann hat aber natürlich noch viel mehr Aufgaben. Im Auftrag des Amtes für Kirchenmusik erteilt er unter anderem Unterricht für die D-Ausbildung vor Ort und für die C-Ausbildung in Bamberg und Nürnberg. Er führt Fortbildungen für Organisten durch, ist daran beteiligt, Notensätze zusammenzustellen und hat bis 2008 auch einen Chor geleitet.

Wolfgang Trottmann stammt aus Amberg. Ein wenig war ihm die Kirchenmusik schon in die Wiege gelegt, schließlich war sein Vater als Lehrer damals auch für den Orgeldienst zuständig. „Musik hat mich schon immer fasziniert“, sagt er. Wolfgang Trottmann meint damit zunächst die Musik in der Amberger Stadtpfarrkirche St. Martin. So sehr hat sie ihn geprägt, dass er selbst das Klavierspiel erlernte, dann das Spiel an der Orgel. Im Chor sang er sowieso schon und so stand einem Studium der Kirchenmusik nichts mehr im Wege. Zunächst am damaligen Konservatorium in Nürnberg, dann an der Hochschule für Katholische Kirchenmusik in Regensburg.

„Irgendwie war ich immer ein Träumer, nie der knallharte Realist“, so beschreibt sich Wolfgang Trottmann selbst. Und so sah er irgendwann ein, dass er sich eine Stelle suchen müsse. Kulmbach sei gerade frei gewesen und so landete er unterhalb der Plassenburg. Hier wurde er dann heimisch und wollte fortan nie wieder weg.

Strukturbedingt nehme die katholische Kirchenmusik nicht die Breite ein, wie die evangelische, sagt Wolfgang Trottmann. Damit sie aber auch weiterhin wahrgenommen wird und den ihr gebührenden Stellenwert einnimmt, engagiert sich der Regionalkantor unter anderem als 2. Vorsitzender im Bundesverband katholischer Kirchenmusiker und als Vorstandsmitglied im Verband katholischer Kirchenmusiker. Gerade kommt er vom Katholikentag in Stuttgart zurück, wo er wieder einmal Partei ergriffen hat, für die Sache der Musik. „Die Kirchenmusik darf nicht in Vergessenheit geraten“, sagt er und spielt damit auf die vielen Umstrukturierungen an, die derzeit nicht nur bei den Katholiken vorgenommen werden. Mittlerweile gibt es nur noch drei nebenberufliche und zehn weitere nebenamtliche Organisten in Kulmbach Stadt und Land. 

Ursache für die notwendigen Umstrukturierungen sind zum einen die vielen Kirchenaustritte und zum anderen die Folgen der Corona-Politik. „Zwei Jahre Corona hat uns nicht gerade nach vorne katapultiert“, sagte Wolfgang Trottmann. Im Gegenteil: Corona habe die Kirchenmusik total ausgebremst und die Chöre nahezu lahmgelegt. Nicht nur die Besucherzahlen in den Gottesdiensten seien seitdem zurückgegangen, auch die Zahl der Aktiven in den Chören habe abgenommen, besonders darunter gelitten hätten Kinder- und Jugendchöre.

Auch wenn bei den Gottesdiensten Einbrüche zu verzeichnen sind und der Unterricht meist ausgefallen ist, blickt Wolfgang Trottmann einigermaßen optimistisch in die Zukunft. Er habe die zurückliegende Zeit zum Üben genutzt und will auf jeden Fall künftig auch wieder Konzerte anbieten. Denkbar sei etwa eine Bläserserenade im Freien oder auch das eine oder andere Orgelkonzert.

Bilder:
1. Vom Spieltisch aus bedient Wolfgang Trottmann 27 Register mit 1544 Orgelpfeifen.
2. Die 1986 neu errichtete Eisenbarth-Orgel in der Katholischen Pfarrkirche Unsere Liebe Frau“. 

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01.08.2022

Zu vielseitig für Vorbilder / Thomas Eschenbacher rockt mit dem Sinfonischen Blasorchester des Musikvereins Kasendorf alljährlich den Marktplatz

Kasendorf. 1974 war es, da ist Thomas Eschenbacher im Alter von sechs Jahren der Jugendblaskapelle beigetreten. Heute, 48 Jahre später ist er noch immer dabei, beim Musikverein Kasendorf. Nicht mehr als Klarinettist, sondern als Dirigent des Sinfonischen Blasorchesters. Wenn nicht gerade Corona ist, dann rockt er regelmäßig zur Bierfestzeit den Marktplatz. Doch das ist noch lange nicht alles.

Sein Großvater war es, der Thomas Eschenbacher zur Blasmusik gebracht hat. Erst war es die B-Klarinette, dann die Es-Klarinette, die konnte der kleine Bub besser greifen. Viele Jahre später, es war 1996 hörte der damalige Dirigent Georg Reichel auf und Thomas Eschenbacher wurde gefragt, ob er nicht die Nachfolge antreten möchte. Er sagte zu und der Rest ist Geschichte.

Das Konzert „Mai Musica“ in der Dr.-Stammberger-Halle in Kulmbach gehörte zumindest bis vor Corona zum festen Bestandteil im Konzertkalender. „Sinfonie rockt den Markt“ und das Herbstkonzert sind die anderen festen Säulen bei den Kasendorfern.

„Mit einem festen Stamm von 50 Musikern kann ich derzeit rechnen“, sagt Thomas Eschenbacher und ist froh darüber, dass die zwei Jahre Corona nicht noch tiefere Wunden in das Blasorchester gerissen haben. Zuerst habe man noch in der Turnhalle, dann im Schulhof unter freiem Himmel geprobt, doch dann sei endgültig Schluss mit den wöchentlichen Proben gewesen. Freunde und Fans der Kasendorfer mussten sich derweil mit dem letzten Herbstkonzert aus dem Jahr 2019 begnügen, dass der Sender BR Heimat damals vollständig aufgezeichnet und inzwischen mehrfach gesendet hat.

Moderne sinfonische Stücke sind Thomas Eschenbacher ein großes Anliegen. Das gibt es Pink Floyds „Another brick in the wall“ genauso wie Bob Dylans „Knocking´ on heaven´s door“ oder ein Bon-Jovi-Medley. Sogar Titel von Michael Jackson, den man jetzt nicht gerade mit Blasmusik in Verbindung bringen würde, standen schon auf dem Programm.

Alles Titel, die auch privat zu den Favoriten des passionierten Golfers gehören. Ansonsten mag es der gelernte Elektromeister und –techniker, der bei dem Multimedia-Unternehmen TMT in Bayreuth für Vertrieb, Internet und Cloud-Services tätig ist, auch gerne mal jazzig. Und er steht auf die Musik von Richard Wagner. Er schwärmt von immer vom Castorf-Ring, den er komplett im Bayreuther Festspielhaus genießen durfte.

„Wir wollen gezielt ein junges Publikum ansprechen“, sagt Thomas Eschenbacher. Die Rechnung geht auf, denn selbst im Corona-Jahr 2021 sind zwei junge Musiker zur Formation gestoßen. „Top-Leute, auf Top-Niveau“, wie der Dirigent anmerkt. Die Altersspanne des Klangkörpers reicht von 15 bis 65 Jahren. „Wir sind halt nicht das klassische Blasorchester“, begründet der gebürtige Kasendorfer seine Absicht, den Musikfreunden immer etwas Besonderes zu bieten. Seine Erwartungen setzt er dabei ganz hoch an: „Ich möchte schon wieder ein Spitzenorchester werden.“ Schon vor einigen Jahren wurde das Sinfonische Blasorchester des Musikvereins bei einem Wertungsspiel anlässlich eines Landesmusikfestes in Weilheim zum zweitbesten deutschen Blasorchester gekürt.

Auftritte führten den Klangkörper nicht nur nach Berlin, sondern auch schon mal in die kroatische Hafenstadt Split, nach Südtirol oder ins ungarische Sopron zur dortigen Partnerkapelle. Wenn Thomas Eschenbacher mal nicht mit seinem Orchester unterwegs ist, engagiert er sich im Nordbayerischen Musikbund, unter anderem als Schriftführer und stellvertretender Kreisdirigent im Kreisverband Kulmbach. Das sei schon auch wichtig, denn seitdem der Musikbund für das gesamte Prüfungswesen zuständig ist, sei das Niveau der Blasorchester deutlich angestiegen.

Vorbilder hat Thomas Eschenbacher nicht. „Da bin ich zu vielseitig“. Er beneide aber jeden Dirigent, der ein Berufsorchester leitet, weil der immer eine vollbesetzte Truppe vor sich hat, merkt er augenzwinkernd an. Für die Zukunft wünscht er sich, dass es allen Musikvereinen wieder gelingen möge, wieder spielfähige Orchester auf die Beine zu stellen. Nur so werde es möglich sein. Die Orchester auf einem Niveau weiterzuführen, wie es vor Corona einmal war.

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25.07.2022

Tausendsassa aus dem Kulmbacher Land / Vorerst keine Auftritte geplant: Für seine Fans ist Philipp Simon Goletz derzeit nur im Netz präsent

Untersteinach. Andrea Berg, Tony Christie oder Chris Norman: Stars wie diese kennen die meisten vom Radio oder vom Fernsehen. Einer der sie und viele andere nicht nur persönlich kennt, sondern auch mit ihnen zusammen gearbeitet hat, ist Philipp Simon Goletz. Der sympathische Musiker, der sich unter anderem als „Frankensima“ oder als „Bayern-1-Barde“ bei einem großen Publikum einen Namen gemacht hat, muss zurzeit krankheitsbedingt kürzer treten. Aktuelle Auftritte sind deshalb nicht geplant.

Obwohl mittlerweile im Rentenalter angekommen, zieht sich der 67-Jährige aber nicht aufs Altenteil zurück. Ganz im Gegenteil: Für den Hofer Privatsender Extra-Radio stellt er eine wöchentliche Musiksendung ausschließlich mit deutschen Schlagern zusammen, die sich größter Beliebtheit erfreut. Und auf Social-Media-Kanälen wie You Tube, Instagram und Tic Toc greift er immer wieder in seine musikalische Schatzkiste und präsentiert eigene Heimatschlager, unterlegt mit Bildern aus dem Kulmbacher Land.

„Eigentlich ist das Reklame für Kulmbach“, sagt er, der so viele Lieder über die Region geschrieben hat. „Den starken Bezug zur Heimat habe ich halt einfach und wollte ihn auch nie aufgeben“, so Philipp Simon Goletz, der in Kulmbach geboren wurde, in Kauernburg aufwuchs und heute in Untersteinach lebt. Während des knappen Jahres, das er berufsbedingt mal im Badischen wohnte, habe er vor Heimweh schon mal Tränen in den Augen gehabt.

Wenn die Bezeichnung Tausendsassa auf einen Künstler zutrifft, dann auf Philipp Simon Goletz. Er ist Musiker, Autor, Kabarettist, Komiker, Volkssängers, Mundartschriftsteller und vieles mehr. Er hat als Alleinunterhalter auf Familienfesten gespielt und zusammen mit dem österreichischen Liedermacher Reinhard Fendrich bei einem Open-Air-Konzert in Schweinfurt vor 30000 Zuhörern „I am from Austria“ gesungen“, natürlich mit einem fränkischen Spezialtext. Er hat als „Frankensima“ (Sima steht für Simon) das Wirtshaussingen im Kulmbacher Land publik gemacht und unterhielt viele tausend Radiohörer zunächst als Comedian bei Antenne Bayern, dann als „Bayern-1-Barde“.

„Den Kontakt zur Basis wollte ich nie verlieren“, sagt Philipp Simon Goletz, der sich aus als Autor, Komponist und Texter für Kinderhörspiele wie die Lillebi-Serie einen Namen gemacht hat. Dabei sah alles zunächst nach einer ganz normalen Berufslaufbahn aus. Philipp Simon Goletz machte eine Ausbildung zum Bankkaufmann und war auch mehrere Jahre in diesem Beruf tätig. Über Umwege als Musiklehrer und sogar als Journalist, machte er sich dann 1985 als Künstler mit eigenem Tonstudio und Musikverlag selbstständig.

Zwei große Erfolge hatte Philipp Simon Goletz gleich am Anfang seiner Karriere als Berufsmusiker: Er erzielte als Komponist, Texter und Produzent Spitzenplätze beim „Grand Prix der Volksmusik“ im Jahr 1988 und noch einmal 1989. Auch bei Wettbewerb „Lieder so schön wie der Norden“ wurde er 1990 zweiter Bundessieger. Für das Saxophonensemble von Captain Cook schrieb er mit „My blue memories“ das, was man einen Welthit nennt.

Vieles könnte man noch aufzählen. Schon Ende der 1970er Jahre galt Philipp Simon Goletz als erster fränkischer Gstanzl-Sänger, 1996 wurde er von SAT 1 zum „besten Alleinunterhalter Deutschlands“ gekürt. Für die Kulmbacher Brauerei war er als "Singender EKU-Postillion“ und „Bierkutscher" unterwegs, 1995 gab er im Auftrag des Deutschen Kegelbundes ein Konzeptalbum nur mit Liedern rund um den Kegelsport heraus, TV-Auftritte führten in um die Jahrtausendwende zu „Fastnacht in Franken“, mit seinem rund 1000 „Philigrammen“ war bundesweit gefragt und für die Basilika Marienweiher veranstaltete er das Benefizfestival „Klosterspitzen“.

Der Entertainer bedauert, dass dieser Open-Air-Event medienmäßig nicht so angenommen wurde, wie er es sich gewünscht hätte. Überhaupt habe es Franken, insbesondere Oberfranken nie so recht verstanden, sich die vielfältige Musiklandschaft touristisch nutzbar zu machen. „Da könnte man sich von den Österreichern vieles abschauen“, sagt Philipp Simon Goletz, der mit den Frankencasanovas die erste fränkische Schlagerband ins Leben rief. Sogar der legendäre Karl Moik habe den Titel „Bay´risch Kongo“ damals gespielt.

Die Corona-Politik sieht Philipp Simon Goletz kritisch. Viele seiner Kollegen hätten die Auswirkungen extrem schwer getroffen. „Es ist unverantwortlich, was da passiert ist“, sagt er. Viele Musikerkollegen versuchten nun verzweifelt, die Fragmente der Vergangenheit wieder zusammenzusetzen. Sein Respekt gebührt Kollegen wie Klaus Pfreundner und vielen anderen, die trotz Künstler-Repressalien unter anderem vor Seniorenheimen wenigstens für ein paar Minuten sonnige Spuren in die Gesichter der Bewohner zauberten. Er selbst verspricht: „Ich habe noch einige Schätze im Archiv, die es noch nicht geschafft haben, das Licht der Welt zu erblicken.“ Alle Freunde des „Frankensima“ dürfen gespannt sein.

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18.07.2022

Ein Theatermacher in Thurnau: Wolfgang Krebs feiert zehn Jahre Schlosstheater

Thurnau. „Wir lassen uns nicht unterkriegen von diesem Virus“, sagt Wolfgang Krebs. Der gebürtige Frankfurter kann heuer ein kleines Jubiläum feiern. Seit zehn Jahren gibt es das von ihm geleitete Schlosstheater Thurnau, für das er nicht nur als Intendant, sondern auch als Schauspieler und Regisseur tätig ist. Wenn er und seine Mitstreiter in den zurückliegenden zwei Jahren auch das Beste aus der Situation gemacht haben, so sagt er trotzdem: „Deses Hin und Her war schon ein emotionaler Stress.“

Über den Schauspielerkollegen Jan Burdinski und den Fränkischen Theatersommer war Wolfgang Krebs 2006 nach Oberfranken gekommen. Bekannt als Spezialist für die Commedia dell´arte holte ihn Burdinski, mit dem Auftrag, Carlo Goldonis Bühnenstück „Dieter zweier Herren“ zu inszenieren. Vorher war er zehn Jahre lang von 1989 bis 1999 in Italien tätig und arbeitete mit verschiedenen Theatercompagnien in Mailand, Turin, Ravenna und Verbania. Gastspiele führten ihn während dieser Zeit unter anderem in die Schweiz, nach Frankreich, Spanien, Belgien, Holland und nach Israel. Von 1998 bis 2007 war er Dozent an Schauspielschulen unter anderem in München und an der Akademie für darstellende Kunst in Regensburg.

„Ich wollte wieder auf die Bühne, ich wollte wieder spielen“, erinnert sich Wolfgang Krebs. Zunächst zog er in die Bamberger Ecke und gründete das „Theater auf Tournee“, ein Kinder- und Jugendtheater, mit dem er durch ganz Bayern zog und auch mit dem bekannten Kinderbuchautor Paul Maar („Das Sams“) zusammenarbeitete. Auf der Suche nach einem festen Standort für ein eigenes kleines Theater landete er dann eines Tages in Thurnau, einem Ort, „in dem Kunst groß geschrieben wird“, wie er anmerkt.

Zunächst eröffnete er im Torwärterhäuschen neben dem Rathaus ein kleines Theater mit 60 Plätzen, mittlerweile ist man in das zuletzt leer stehende Gebäude der Sparkasse eingezogen, das dem Markt Thurnau gehört. Von Oktober bis Ostern wird dort Theater gemacht, im Sommer zieht man in den unteren Schlosshof um.

Ideell und materiell unterstützt werden die Schlossfestspiele von einem eigens gegründeten Förderverein, der stolze 70 Mitglieder hat, darunter viele Aktive, die sich beispielswiese um die Bestuhlung oder den Ausschank kümmern. Die Schauspieler sind alle Profis, freischaffende Kollegen aktuell unter anderem aus München, Nürnberg oder Berlin.

Corona habe ihn und seine Arbeit schon sehr getroffen. „Es gab ja Zeiten, da kamen wöchentlich neue Auflagen“, sagt Wolfgang Krebs. Die Schlossfestspiele 2020 und 2021 seien komplett abgesagt, das bereits feststehende Herbstprogramm musste gecancelt werden. „Ein Riesenaufwand“, wie er sich erinnert. Alle geplanten zwölf Aufführungen waren nahezu ausverkauft. „Wir mussten alles einzeln rückabwickeln.“ Erst im zurückliegenden Herbst sei es dann ganz zaghaft wieder losgegangen, im Kutschensaal des Schloss, mit Abstand, Masken, Tests und allem, was so vorgeschrieben war.

Für die Schlossfestspiele jetzt im Sommer läuft alles auf Hochtouren. Gespielt wird die Komödie „Die Wunderübung“ von Daniel Glattauer. Regie führt die Münchner Schauspielerin Petra Wintersteller, neben ihr und Stephan Menzel-Gehrke wird Wolfgang Krebs auch selbst wieder auf der Bühne stehen. Auch das Herbstprogramm liegt bereits vor. „Wir hoffen und wir sind zuversichtlich, dass alles glatt geht.“

Auf sein Publikum kann er in jeden Fall zählen. „Sie haben uns stets unterstützt“, sagt Wolfgang Krebs. Immer wieder hätten ihn sehr positive E-Mails erreicht und es seien viele Kartengutscheine gekauft worden. Sogar Geldspenden gingen ein. Der Theatermacher spricht von einem echten Stammpublikum. Viele Menschen würden auch von Bamberg, Bayreuth oder aus der Oberpfalz anreisen. Die Werbung erfolge meist per Mund-zu-Mund-Propaganda.

Sein Lieblingsautor ist der 2020 verstorbene französische Regisseur, Autor und Dramatiker Éric Assous, dessen gesellschafts- und sozialkritischen Stücke er mehrfach gespielt und inszeniert hat, auch schon in Thurnau. Ansonsten ist er ein großer Fan des italienischen Komödiendichters Carlo Goldoni (1707 - 1793), dessen „Diener zweier Herren“ er sogar schon zwei Mal auf die Bühne gebracht hat. Überhaupt führt er am liebsten Regie: „Die Erarbeitung eines Stückes ist immer eine spannende und kreative Phase, die sehr viel Spaß macht.“

Wenn Wolfgang Krebs gerade einmal nicht auf der Bühne steht, dann erholt er sich entweder in seiner zweiten Heimat Sardinien, wo auch der älteste Sohn lebt, oder er tanzt mit seiner Frau Salsa. „Latino Music mag ich wirklich sehr“, schwärmt er.

Bilder: Wolfgang Krebs an einer seiner aktuellen Wirkungsstätten, im unteren Schlosshof in Thurnau.

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11.07.2022

Im Oberhacken ist die Farbe zurück / Malerin, Galeristin und Dozentin: Marion Kotyba arbeitet seit 2017 in ihrer eigenen Galerie

Kulmbach. Die lange Zeit des Lockdowns war für sie wenig farbig. „Das Leben hat gefehlt“, sagt Marion Kotyba, freischaffende Künstlerin, Galeristin und Dozentin aus Kulmbach. Auch die Interaktion mit den Kollegen habe sie schmerzlich vermisst. Doch Not macht erfinderisch. Das traditionelle Kunstsymposium auf der Plassenburg hatte sie trotz strengster Auflagen durchgezogen und im Internet hatte sie eine Galerie eröffnet.

„Wenn die Leute schon nicht zur Ausstellung kommen können, dann kommt eben die Ausstellung zu den Leuten“, lautete ihr Rezept. Was niemand geglaubt hätte: es ist durchaus möglich, Kunst auch online zu verkaufen. Sogar Hybrid-Ausstellungen habe sie veranstaltet. Doch jetzt ist in der Galerie am Oberhacken 3 das Leben wieder zurück. Die international renommierte Künstlerin Gabriele Schaffartzik präsentiert vom 8. Juli bis zum 2. September Werke aus ihrer Serie „terra incognita“. Zuvor waren unter dem Titel eindrucksvolle und teils farbenfrohe Bilder der Malerin Ingrid Gogela-Wondrejs zu sehen. Ein wenig stolz ist sie schon darauf, in ihrer Galerie Künstler nach Kulmbach zu bringen, die sonst wahrscheinlich nie in die Region gekommen wären.

2017 wurde die Galerie in unmittelbarer Nähe zum Rathaus eröffnet, in der Marion Kotyba meist an drei Tagen in der Woche auch selbst arbeitet und unterrichtet. Der Schwerpunkt ihrer Ausstellungen liegt auf zeitgenössischer Kunst aus den Bereichen Malerei, Grafik, Fotografie und Bildhauerei. Neben der Präsentation von etablierten Künstlern verfolgt sie mit ihrer Galerie auch das Ziel, junge Talente und Nachwuchskünstler zu entdecken und ihre Vielfalt zu zeigen.

„Alles, was kreativ war, hat mich schon immer mega-interessiert“, sagt die Malerin, die 1968 in Kulmbach geboren wurde. Da wundert es fast ein wenig, dass Marion Kotyba erst 2010 als freischaffende Künstlerin tätig wurde. Gelernt hatte sie den Beruf der Textilmaschinenführerin in der damaligen Kulmbacher Spinnerei. Danach schloss sie die Textilfachschule Münchberg als „staatlich geprüfte textiltechnische Assistentin“ ab. Später war sie bei dem Marktschorgaster Unternehmen Vitrulan, einem Hersteller für technische Textilien, tätig.

„Daher kommt auch das chemische Basiswissen“, erklärt Marion Kotyba, in deren Werk Themen wie Rost und Alterung als Stilmittel eine wichtige Rolle spielen. In dem Kontext interpretiert sie das Zusammenspiel von Farbe, Licht, Strukturen und technischer Umsetzung in künstlerischer Interpretationskraft immer wieder neu und spannend zugleich. „Kunst begleitet mich schon ein Leben lang“, sagt sie, die spontan den französischen Impressionisten Claude Monet und den britischen Romantiker William Turner als ihre Favoriten nennt. Vorbilder und Lehrmeister seien die Bayreuther Malerin Christel Gollner und ihre Mainleuser Kollegin Helga Hopfe.

Marion Kotyba malt hauptsächlich gegenstandslos, um auf einer abstrakten Darstellungsebene dem Betrachter genügend Freiraum für das Ausschweifen der eigenen Fantasie zu bieten. Derzeit arbeitet sie an einer Serie mit dem Titel „filo rosso“ („Der rote Faden“). „Da setzte ich mich gerade mit meinem eigenen roten Faden auseinander“, erklärt sie. Der Faden ihres Lebens und ihrer Kunst führte sie bereits zu Ausstellungen nach Frankreich, Italien, Malta oder Litauen. Sogar in Hongkong hat sie schon ausgestellt.

Bei ihren Malkursen ist es Marion Kotyba wichtig, dass die Schüler, egal ob Kinder, Jugendliche der Erwachsene, mit einem zufriedenen Ergebnis nach Hause gehen. Sie gibt sowohl Einzelmalkurse, als auch Workshops. In der Friedrich-Bauer-Schule in Stadtsteinach und der Max-Hundt-Schule in Kulmbach erteilt sie im Rahmen der gebundenen Ganztagsklassen projektbezogenen Kunstunterricht für die 5. bis 8. Jahrgangsstufen. „Wir machen da auch mal was Cooles oder Verrückten, was in den regulären Kunstunterricht nicht passt.“

Und als wäre das alles noch nicht genug, hilft sie als Beirätin des Bundes Fränkischer Künstler bei dessen traditioneller Jahresausstellung alljährlich im Sommer auf der Plassenburg kräftig mit. Das im Herbst stattfindende Symposium organisiert sie sogar maßgeblich und ist von der Einladung über das Versenden der Teilnahmebestätigungen bis hin zu Durchführung der Vernissage hinter den Kulissen für vieles zuständig.

Bild: „Filo Rosso“ heißt die Serie, an der die Kulmbacher Malerin Marion Kotyba in ihrem Atelier im Oberhacken gerade arbeitet.

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04.07.2022

„Meine Welt ist die Musik“ / Thomas Grünke leitet den Trebgaster St.-Johannes-Chor und das Kulmbacher Kammerorchester

Kulmbach. Corona hat schon seine Spuren hinterlassen, sagt Thomas Grünke. Der 55-Jährige, seit 1995 Organist an der St.-Johannes-Kirche in Trebgast, seit 1999 Leiter des St.-Johannes-Chors und seit 2013 Dirigent des Kulmbacher Kammerorchesters, sagt aber auch: „Ich bin glücklich, dass der Chor und das Kammerorchester Corona überhaupt überlebt haben.“

Für ein „richtiges Konzert“ reicht es momentan noch nicht, denn beide Ensembles sind personell empfindlich geschrumpft. „Das ist natürlich bitter“, so Thomas Grünke, der inständig hofft, wieder neue Sänger und Musiker gewinnen zu können. Die Ausgestaltung eines Gottesdienstes ist aber schon möglich, denn besetzt sind alle Stimmen schon noch. Die Organisation eines kompletten Konzertes steht dagegen in den Sternen. „Ich möchte realistisch planen und nicht kurzfristig wieder absagen müssen“, sagt der musikalische Leiter. Die Planungssicherheit, die man für ein Konzert braucht, sehe er momentan aber nicht. Auch nicht für das liebgewordene Weihnachtskonzert, das 2019 zuletzt stattfand.

Großen Wert legt er darauf, dass er auch während der Pandemie stets Kontakt zu den Chor- und Orchestermitgliedern gehalten hat. Wenn schon nicht mit Tönen, dann wenigstens mit Worten in Form von Rundmails. Entscheidend ist für Thomas Grünke aber schon die Kommunikation mit den Mitteln der Musik. „Musik ist meine Welt“, sagt er und denkt zurück an sein kirchenmusikalisch geprägtes Elternhaus, in dem jedes Familienmitglied mindestens ein Instrument gespielt hat. Bei Thomas Grünke war es die Geige, die er in der Musikschule seines westfälischen Heimatortes Lünen bei Dortmund zunächst erlernte. Später brachte er sich mehr oder weniger selbst das Klavierspiel bei.

Im Ruhrgebiet roch es nach Bergbau und Stahl, erinnert er sich und so lag es nahe, dass er nach dem Abitur den Beruf des Industriekaufmanns bei einem Bergbauzulieferbetrieb erlernte und auch ausübte. Doch mit dem Bergbau sollte es langsam zu Ende gehen. Erste Entlassungswellen hätten angestanden und da ergab es sich über bestehende familiäre Verbindungen zu Kulmbach, dass er zusammen mit seiner Frau 1995 vom Ruhrgebiet nach Oberfranken wechselte.

Die Musik spielte freilich schon in Westfalen eine große Rolle. Nicht nur bei den familiären Hauskonzerten, auch als Mitglied des Dortmunder Bach-Chors, als Organist und Leiter eines kleinen Kirchenchors in einer Randgemeinde von Lünen und als Leiter des Kirchenchors von Dortmund-Derne.

Beruflich fasste Thomas Grünke In Kulmbach bei der Diakonie Fuß, zunächst als Assistent der Geschäftsführung, dann als Personalverantwortlicher, eine Aufgabe, die er noch heute hauptamtlich bekleidet. Musikalisch stellte er zunächst Kontakte zum Chor der Kreuzkirche her, der Zufall führte ihn, der mittlerweile in Kasendorf wohnt, schon bald nach Trebgast, wo er 1995 die Organistenstelle und 1999 die Leitung des St.-Johannes-Chors übernahm. Beide Ämter übt er in Personalunion bis heute aus. Die Gründung eines Kinder- und Jugendchors geht dabei genauso auf sein Konto, wie der mittlerweile über 100 Mitglieder starke Förderkreis, den er 2004 ins Leben rief, um das finanzielle Risiko von der Kirchengemeinde zu nehmen.

Gleichzeitig spielte er im Kulmbacher Kammerorchester. Als 2013 Horst Degelmann die Leitung abgab, fiel die Wahl auf Thomas Grünke als neuen Dirigenten. Nach einer Probe und einem ersten Kennenlernen im September 2013 veranstaltete das Kammerorchester bereits im Dezember 2013 ein erstes Weihnachtskonzert. Die Tradition der Stadthallenkonzerte, der Junge-Solisten-Konzerte zusammen mit der Musikschule und der Weihnachtskonzerte konnten Thomas Grünke und seine Musiker bis 2019 lückenlos beibehalten.

Für Thomas Grünke stand schon immer der Text im Vordergrund. Getreu dem Zitat des italienischen Renaissance-Komponisten Claudio Monteverdi „Musik ist die Dienerin des Wortes“, sei es stets sein Ziel gewesen, den Text in den Vordergrund zu stellen. Gerade bei der Kirchenmusik sei dies besonders wichtig. „Es hängt einfach mit meinem Glauben zusammen, dass die Kirchenmusik immer meine Vorliebe bleiben wird.“ Authentizität stehe dabei immer im Vordergrund. Vorbilder im klassischen Sinn hat er nicht. „Natürlich gibt es Persönlichkeiten, die mich musikalisch und menschlich positiv beeinflusst und beeindruckt haben“, sagt er. Der Orgellehrer aus seiner Kindheit gehöre genauso dazu, wie der spätere Orgel- und Chorleitungslehrer.

Bild: Thomas Grünke leitete zuletzt im Dezember 2019 in der Johanneskirche von Burghaig beim traditionellen Weihnachtskonzert den Trebgaster St.-Johannes-Chor und das Kulmbacher Kammerorchester.

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