Stephan Herbert Fuchs
 

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30.01.2023

„Das Auge hört mit“ / Er ist „Mister Barfly“: der Bandleader Karsten Friedrich interessiert sich für alle Musikrichtungen

Kulmbach. „Dezent aber präsent“: das ist das Motto der Band „Barfly“. Ob Tanzschule, Vernissage, Sommerfest in der Eremitage, Abschlussfeier, Geburtstag, Neujahrsempfang, Firmenevent oder Schulball. Es wird kaum jemand geben, der noch nichts von dieser außergewöhnlichen Formation gehört hat. Ihren Ursprung hat „Barfly“ in Kulmbach. Von hier kommt auch der Bandleader Karsten Friedrich (50), Schlagzeuger, Pianist, Sänger, Musiklehrer und vieles mehr

Seit 2003 gibt es „Barfly“, seitdem ist die Band europaweit unterwegs. „Wir haben 300 bis 400 Songs im Gepäck“, sagt Karsten Friedrich und spricht von einem nahezu unendlichen Repertoire. Auch wenn der Auftritt sechs Stunden dauert: „Wir spielen keinen einzigen Titel zwei Mal.“ Von Frank Sinatra bis AC/DC, von chilliger Dinner-Musik bis hin zu Standard- und Lateintänzen, von verträumten Pop-Songs bis hin zu jazzigen Klängen. Längst ist die Band nicht mehr nur deutschlandweit gefragt, es gab Auftritte in der Schweiz Österreich oder auf Mallorca. Karsten Friedrich gibt sich trotzdem bescheiden. Der wichtigste, interessanteste und schönste Auftritt, das sei stets der aktuelle, sagt er.

Angefangen hat das alles mit zehn Jahre, als Karsten Friedrich das Klavier entdeckte. Das Schlagzeug kam drei Jahre später dazu. Musikschule Kulmbach, Jugendkapelle Kulmbach, das waren die klassischen Stationen. Nach der Schule dann ein Studium an der Musikhochschule in Nürnberg mit dem Abschluss unter anderem als Diplom-Schlagzeuger und als Diplom-Pädagoge für Schlagzeug und Jazz.

Das Unterrichten ist ihm wichtig. An der Musikschule in Kulmbach, viele Jahre auch an der Musikschule in Bayreuth, zeitweise auch an der Hochschule für Evangelische Kirchenmusik in Bayreuth. In die klassische Ecke wollte er trotzdem nicht. „Ich war stets an allen Musikrichtungen interessiert, sagt er. Und genau diese Vielfalt, die ihm so am Herzen liegt, hat er in „Barfly“ gefunden. Aktiv Werbung hat die Band nie gemacht, alles lief über Mund-zu-Mund-Propaganda. Silvesterfeiern, Firmenfeiern, Frühschoppen bei Alexander Herrmann oder Auftritte in Tanzschulen sollten schon bald folgen.

Noch so eine Besonderheit der Band: „Wir gehen nie mit einer Setlist ins Programm.“ Stets versuchten er und seine Mitstreiter Peter Groß (Klarinette, Saxophon, Querflöte und Gesang), Paul Braun (Bass und Gesang) sowie Mike Müller (Schlagzeug) ganz individuell auf das Publikum einzugehen. „Wir lassen uns da nicht festlegen.“ Doch klanglich sei der „Barfly“-Sound trotzdem unverwechselbar. Selbst die Optik ist ihnen wichtig: „Wir treten stets im Anzug und mit dem weißen Flügel auf“, denn „das Auge hört schließlich mit“.

Auf 80 bis 100 Auftritte kommt „Barfly“ pro Jahr, wenn nicht gerade Corona ist. Doch auch diese Zeit haben Karsten Friedrich und seine Musiker kreativ genutzt. „Wir sind noch intensiver in die Musik eingetaucht.“ Das gelte aber nicht nur für die Musiker, auch das Publikum nehme die Musik inzwischen intensiver wahr. Selbst der Unterricht konnte fortgesetzt werden, nur eben online.

Wer „Barfly“ in einer ganz besonderen Konzertatmosphäre einmal live erleben möchte, der hat dazu am Sonntag, 11. Juni auf der Naturbühne Trebgast Gelegenheit. Dort geben „Barfly“ ein konzertantes Gastspiel zusammen mit der Prager Geigerin Monika Romanovska.

Vita Karsten Friedrich:

Instrumente: Klavier, Schlagzeug

Ausbildung: Hochschule für Musik in Nürnberg

Abschluss: Staatlich geprüfte Orchestermusikerreife, Diplompädagoge für Schlagzeug und Jazz.

Aktuelle Tätigkeiten: Schlagzeuger, Schlagzeuglehrer, Pianist, Sänger und Bandleader.

Bilder:
1.
 Karsten Friedrich in Action.
2.
 „Barfly“ mit (von links): Paul Braun, Karsten Friedrich, Peter Groß und Mike Müller.
3.
 „Barfly“ bei einem der zahlreichen Live-Auftritte mit (von links): Karsten Friedrich, Paul Braun, Peter Groß und Mike Müller.

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23.01.2023

Von plastischen Dingen zu praktischen Arbeiten / Preisgekrönte Keramik aus Berndorf: Julia Tittmann wandelt erfolgreich auf den Spuren ihres Vaters Claus Tittmann

Berndorf. Es ist selten, dass es Vater und Tochter im gleichen Metier zur Meisterschaft gebracht haben. Bei Familie Tittmann aus Berndorf ist der Fall eingetreten. Vater Claus und Tochter Julia haben sich weit über die Grenzen des Kulmbacher Landes hinaus einen Namen gemacht. Viele Werke von Claus Tittmann sind im öffentlichen Raum zu sehen, er ist unter anderem Träger des Bayerischen Staatspreises, des Oberfränkischen Designpreises und seit wenigen Wochen auch des Kulmbacher Kulturpreises. Tochter Julia hat einen Lehrauftrag für Kunsterziehung an den beiden Kulmbacher Gymnasien und gibt ihr Wissen und Können gerne an die junge Generation weiter.

In die Wiege gelegt war die Kunst Claus Tittmann aber keineswegs. Sein Vater hatte ein angesehenes und gefragtes Architektur- und Ingenieursbüro in Düsseldorf und war für viele Kunden aus dem Bereich der Großindustrie tätig. Claus hätte das Büro eigentlich weiterführen sollen, doch es kam alles ganz anders.

„Ich hatte schon immer eine Affinität zur Kunst“, erinnert sich Claus Tittmann heute. In Leipzig geboren, in der Altmark aufgewachsen, kam er durch die Verbundenheit des Vaters mit der Ireks-Gründerfamilie Ruckdeschel mit 14 Jahren nach Kulmbach und legte am Markgraf Georg-Friedrich-Gymnasium sein Abitur ab. Danach zog es ihn erst wieder einmal ins Rheinland. In Düsseldorf absolvierte er eine Maschinenbauerlehre, danach schloss er an der Akademie für angewandte Technik in München ein Studium zum Maschinebauingenieur ab. Als Bauleiter betreute er in der Folgezeit das eine oder andere Großprojekt. Die Erfahrungen aus all diesen Tätigkeiten kommen ihm heute bei seinen Metallarbeiten wieder zugute.

Doch nebenbei widmete sich Claus Tittmann schon damals der Kunst. Am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt, der heutigen Hochschule für bildende Künste, studierte er Graphische Techniken. Dann ging es zurück nach Kulmbach. Der Vater war inzwischen verstorben, das Büro in Düsseldorf abgewickelt, als er auf Vermittlung des Malers und Keramikers Günther Stüdemann die angesehene Staatliche Berufsfachschule für Keramik in Landshut besuchte und dort seinen Meister machte. Nach einem Praktikum in einer schlesischen Töpferei in Leutershausen und einen eindrucksvollen Japan-Reise stand für Claus Tittmann die berufliche Umorientierung zum Keramiker und Plastiker fest: „Das ist es, was ich machen möchte.“

In Berndorf fing er ganz klein an. Der erste Brennofen war noch in der Garage aufgebaut. 1975 gab es eine erste kleine Ausstellung in den Räumen der hiesigen Sparkasse. Erst 1980 kam eine richtige Werkstatt dazu, die seitdem immer wieder vergrößert und erweitert wurde. Im Jahr 2000 wurde schließlich die repräsentative Galerie im ehemaligen großen Scheunengebäude eröffnet. Aktuell gibt es dort zwei Mal pro Jahr eine größere Ausstellung. Eine Frankfurter Galeristin kümmert sich um das Werk von Claus Tittmann, an vielen nationalen und internationalen Ausstellungen ist er teilweise seit Jahrzehnten beteiligt.

Angefangen hatte er mit praktischen Dingen, wie er es nennt, also Gefäße, Tassen oder Schalen. Heute macht er in der Regel nur mehr plastische Arbeiten. Allerdings längst nicht mehr nur Keramik, sondern auch Arbeiten in Metall und Bronze. Dazu gehören etwa die Jean-Paul-Denkmäler an der Rollwenzelei in Bayreuth und im Jean-Paul-Gymnasium Hof, oder das Portrait Lucas Cranachs des Jüngeren in Kronach, eine Mensch-Tier-Plastik in der Cafeteria des MGF, ein Denkmal für Thurnaus italienische Partnerstadt Positano oder eine Bronzebüste für den Komponisten Carl Maria von Weber zum 200. Jahrestag der Uraufführung seiner Oper „Der Freischütz“.

Zwei Kinder hat das Ehepaar Claus und Brigitta Tittmann: Sohn Martin ist als Fotograf in Frankfurt tätig, Tochter Julia wandelt überaus erfolgreich auf den Spuren des Vaters und hat sich längst selbst einen Namen in der Szene gemacht. „Ich war immer mit beim Vater in der Werkstatt“, sagt sie. Nach ihrer Zeit als Au-Pair-Mädchen in England bewarb sie sich ebenfalls an der Staatlichen Berufsfachschule für Keramik in Landshut und schloss nach drei Jahren als Staatlich geprüfte Keramikerin ab. In der inzwischen umgebauten alten Werkstatt des Vaters konnte sie von nun an ihre eigenen Ideen und Pläne verwirklichen.

Als Seiteneinsteigerin unterrichtet sie in der fünften bis neunten Jahrgangsstufe Kunsterziehung an den beiden Kulmbacher Gymnasien, zweitweise hatte sie auch eine Lehrtätigkeit am Frankenwaldgymnasium in Kronach und im Jahr 2000 hatte sie sogar einen Kurs im US-amerikanischen Seattle gegeben. Der Schwerpunkt von Julia Tittmann liegt neben Gefäßen vor allem auf figürlichen Objekten. Vögel, Tiere, Zirkusreiter und Artisten haben es ihr angetan. Auch Julia Tittmann hat bereits im In- und Ausland ausgestellt, Arbeiten von ihr sind unter anderem im Grassi-Museum für angewandte Kunst in Leipzig, aber auch im Thurnauer Töpfermuseum zu sehen.

Bilder:
1.
 Vater Claus und Tochter Julia Tittmann in ihrer Galerie in Berndorf bei Thurnau.
2.
 Claus Tittmann ist erst vor wenigen Wochen mit dem Kulturpreis ausgezeichnet worden.
3.
 Julia Tittmann liebt figürliche Objekte und unterrichtet Kunsterziehung an den beiden Kulmbacher Gymnasien.

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16.01.2023

Zufälle bestimmten sein Leben / Mangersreuth, München, Las Vegas: Andi Häckel hat als Musiker alles erreicht

Kulmbach. „Was ich mache und wie ich lebe, ist für mich ein Traum.“ So klingt jemand, der mit sich im Reinen ist. Andi Häckel ist mit sich im Reinen. Doch nicht nur das, der 50-Jährige ist heute dort angekommen, wo er immer hinwollte. Seit bald 25 Jahren gehört er zur Stimmungs- und Schlagerband „Münchner Zwietracht“, ist mittlerweile sogar deren musikalischer Leiter. Zuvor war Andi Häckel als Profimusiker mit vielen namhaften Künstlern des nationalen und internationalen Musikgeschäfts auf Tour, im Fernsehen und auf den verschiedensten Alben präsent und gehörte viele Jahre dem „Schwarzwald-Express“ an.

Andi Häckel ist aber auch noch etwas anderes: leidenschaftlicher Kulmbacher. „Aus Mangersreuth bringt mich keiner weg.“ Das sagt einer, der schon fast die ganze Welt bereist hat. Ob in Brasilien, Mexiko, Spanien, Südkorea oder den USA: Andi Häckel stand mit der Münchner Zwietracht auf vielen Bühnen dieser Welt. „Für mich ist Musik mein Lebensinhalt“, sagt er und lehnt sich in seinem Tonstudio zuhause entspannt zurück. Andi Häckel verspricht, alles zu geben, „damit diese wunderbare Band noch viele Jahre bestehen kann“.

Die Musik war dem jungen Andi eigentlich schon in die Wiege gelegt worden. Der Vater war als Alleinunterhalter unterwegs, zusammen mit Mutter und Tante bildeten sie das Häckel-Trio. „Ich war immer mit dabei und wusste bald, dass ich Musiker werden will“, sagt Andi Häckel heute. Zunächst musizierte er mit dem Vater, dann nahm er Klavierunterricht und in einem Alter, in dem andere noch mit Modellautos spielen, gründete er seine erste Band.

So um die zwölf dürfte er gewesen sein, als er bei Tanz- und Faschingsveranstaltungen seines Trios am Schlagzeug saß. Die Eltern fuhren ihn damals zu den Auftritten und holten ihn wieder ab. Nach der Hauptschule besuchte Andi Häckel die Berufsfachschule für Musik in Kronach mit Schlagzeug und Percussion als Hauptfach, Klavier als Pflichtfach und Posaune als Wahlfach. Ganz nebenbei machte er dann auch noch die Mittlere Reife nach und schloss als „Musikalischer Leiter Laienmusik“ und als „Staatliche geprüfter Chorleiter“.

Danach folgte mit der „Hochschule des Saarlandes für Musik und Theater“ die Musikhochschule in Saarbrücken. Dort schloss er mit einem Diplom als Orchestermusiker und einem weiteren Diplom im Fach Musikerziehung. Mit 22 Jahren, wenn andere gerade anfangen, über ihren weiteren Lebensweg nachzudenken, war Andi Häckel fertig. Eine glückliche Fügung sollte von nun an der anderen folgen. In den Schoß gefallen ist ihm aber nichts. „Da habe ich mich hochgearbeitet und musste wirklich kämpfen.“

Zunächst schloss er sich den „Franken“ an, ein damals weit über die Region hinaus bekanntes und semiprofessionelles Ensemble um den unvergessenen Kulmbacher Udo Koch. Schon bald folgte für Andi Häckel der endgültige Schritt in Richtung Profimusiker. Als Keyboarder und Akkordeonist stieg er in eine Münchner Band ein, die prominente Künstler wie Patrick Lindner, Stefanie Hertel, die Klostertaler oder auch Ivan Rebroff auf ihren Tourneen begleitete. Schon bald stellte Andi Häckel fest: „Das ist meine Welt“. In einer Zeit, in der noch jeden Abend volkstümliche Schlagersendungen im TV liefen, produzierte Andi Häckel, Marianne und Michael oder Stefan Mross. Er war auf Tournee mit Karl Moik, Ramona Leiß und Steiners Theaterstadl, einmal durfte er sogar mit Robin Gibb, einem der Bee Gees, auftreten.

Über eine Plattenfirma kam er zum „Schwarzwald-Express“, eine Gruppe, die unter anderem besonders auf Oberkrainer-Klänge setzte. Bis 1999 war er deren musikalischer Leiter, managte die Band und ging auf Tourneen durch ganz Deutschland und die Nachbarländer. Nebenbei arrangierte er ganze Alben, etwa für Captain Cook und seine singenden Saxophone, ehe wieder einer dieser Zufälle, die sein Leben bestimmten, Realität wurde. Durch Zufall erfuhr er, dass die „Münchner Zwietracht“ einen Keyboarder sucht. „Seitdem hat mich die Zwietracht gefressen“, sagt er ohne Umschweife.

Dazu muss man wissen, dass Andi Häckel schon als Student von der Partyband schwärmte. „Ihr Auftritt bei Maisels Weissbierfest hat mich damals platt gemacht.“ Sogar einen gemeinsamen Auftritt von „Schwarzwald-Express“ und „Münchner Zwietracht“ gab es irgendwo im Ruhrgebiet.

Mit der 1991 gegründeten „populärsten Oktoberfestband der Welt“ hat Andi Häckel alles erlebt, was man als Musiker erleben kann: einen Auftritt in der Welthauptstadt des Showbusiness Las Vegas, TV-Sendungen, Tourneen und die Zusammenarbeit mit dem schillernden Modeschöpfer Rudolph Moshammer. Mit ihm nah die „Münchner Zwietracht im Jahr 2000 den Titels „Mooshamma“ auf, ein Song, der sich sogar unter die TOP 100 der Single-Charts platzierte. 2001 kam es, ebenfalls zusammen mit Rudolph Mooshammer, zur Teilnahme am deutschen Vorentscheid zum Grand Prix Eurovision de la Chanson mit dem Titel Teilt „Freud und Leid“. Nicht zu vergessen: 2019 trat die „Münchner Zwietracht“ zum ersten und bislang einzigen Mal bei der Kulmbacher Bierwoche auf.

Den großen Erfolg der „Münchner Zwietracht“ führt Andi Häckel hauptsächlich darauf zurück, dass es eine Generationenband ist, wie er sagt. Und damit, dass es keinen typischen Frontman gibt, mit der die Band steht und fällt. Die Corona-Zeit haben er und seine fünf Mitstreiter genutzt, „um nicht von der Bildfläche zu verschwinden“. Heuer feierte die Band ihr 30-jähriges Bestehen, im kommenden Jahr werden Andi Häckel und „Münchner Zwietracht“ dann wieder voll durchstarten

Wenn er mal nicht mit der „Münchner Zwietracht“ unterwegs ist, dann genießt Andi Häckel das Leben, wie er sagt. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder, ist leidenschaftlicher Fan des FC Bayern München und kennt sich als ausgebildeter Diplom-Bier-Sommelier bestens mit der heimischen Wirtshauskultur aus.

Bild: Andi Häckel in Aktion. (Foto: Ernst Huber)

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09.01.2023

Tabori, Thannreuther und Taxi, Taxi / Egal ob Kinderstück, Kriminalkömödie oder Klassiker: Schauspieler Georg Mädl ist an Vielseitigkeit kaum zu überbieten

Er ist Schauspieler durch und durch: Georg Mädl (42) aus Kulmbach. Ob Buschklopfer oder Schauhaufen, Troschenreuther Mundarttheater oder Dorfbühne Marktschorgast, Studiobühne Bayreuth oder Faust Festspiele. Sein Name taucht überall auf den Programmzetteln auf. Genauso vielfältig wie sein Wirkungsbereich sind seine Vorlieben: Klassiker, Kinderstück, Boulevard oder Problemstück, Georg Mädl ist in jedem Metier zuhause, egal ob als Schauspieler oder als Regisseur. „Ich bin auf nichts wirklich festgelegt“, sagt er von sich selbst. Eine Herausforderung sei das freilich schon, aber Georg Mädl hat ein Ziel vor Augen: „Ich möchte mein Publikum unterhalten, denn dafür ist es ja ins Theater gekommen“.

Begonnen hatte die Theaterbegeisterung schon sehr früh. Es gibt ein Foto, dass den kleinen Georg zeigt, wie er in dem Märchen Dornröschen einen Prinzen spielt, als fünfjähriger Knirps im Himmelkroner Kindergarten. An die Ausflüge zu den Kinderstücken auf der Naturbühne Trebgast oder auf der Luisenburg kann er sich noch gut erinnern, ebenso an die Aufführungen des Kasperltheaters in der Schule. Später, als die Familie nach Burghaig gezogen war und Georg Mädl das Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium besuchte, sollte erweitere Theater-Erfahrungen sammeln, als ihm seine Deutschlehrerin den Grundkurs Dramaturgie und Gestalten empfohlen hatte.

Noch vor der Jahrtausendwende, Georg Mädl leistete bei der Evangelischen Jugend gerade seinen Zivildienst ab, kam er in Kontakt mit den Buschklopfern. Eine Zusammenarbeit, die bis heute hält, längst ist deren zweiter Vorstand. Der Einakter „Die schlaue Witwe“ von August von Kotzebue war das erste Abendstück, bei dem Georg Mädl mitwirkte. Die Buschklopfer seien damals ja das einzige Theaterprojekt in Kulmbach gewesen, erinnert er sich sogar noch an seine allererste Probe. Geprobt wurde im damaligen Fotostudio des heutigen Schauspielkollegen Rüdiger Baumann, gespielt wurde in der damaligen Mangersreuther Dorfschänke.

Schnell wurde auch die Naturbühne Trebgast auf Georg Mädl aufmerksam und schon durfte er einen der Studenten aus Auerbachs Keller in Goethes „Urfaust“ spielen. „Keine große Rolle, aber eine sehr schöne Erfahrung.“ „Ich war dermaßen Feuer und Flamme, dass ich alles gespielt habe, was irgendwie möglich war“, beschreibt er seine Eindrücke aus damaliger Zeit und so ging es fortan Schlag auf Schlag.

Im Rahmen seines Zivildienstes machte er in den Kindergärten den Nikolaus, mit den Buschklopfern zog er als böser Feuerdrache Mondragur von Schulaufführung zu Schulaufführung. Georg Mädl wirkte in Wiliam Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ und im „Sommernachtstraum“ mit, sammelte Boulevard-Erfahrung in Ray Cooneys Komödie „Taxi, Taxi“ und absolvierte ganz nebenbei auch noch ein Studium der Theater- und Medienwissenschaften in Erlangen, wo er sich einem Experimentiertheater anschloss.

„Dort habe ich sehr viel gelernt“, sagt er heute. Er stellt aber auch fest: „Ich wollte praktische Arbeit leisten“. Sprich. Georg Mädl zog es immer mehr auf die Bühne. Nachdem es mit einer Schauspielschule nicht klappte, erlernte er trotzdem erst einmal einen Brotberuf und schloss als Fremdsprachenkorrespondent ab, um gleich darauf bei der Studiobühne in Bayreuth große Theaterluft zu schnuppern. Mehrfach wirkte er in Wagner-Adaptionen („Thannreuther“) von Uwe Hoppe im Steingraeber-Hoftheater mit, gab zur Adventszeit 50 Mal am Stück den Peter in „Peterchens Mondfahrt“ und spielte in dem grotesken Theaterstück „Mein Kampf“ von George Tabori sogar die Figur des Adolf Hitler.

In Kulmbach waren inzwischen der „Schauhaufen“ und „Das Baumann“ dazugekommen. Längst glänzte Georg Mädl auch mit ersten Regiearbeiten, ehe er mit dem Troschenreuther Mundarttheater sogar im Nürnberger Raum auftrat, bei den Faust-Festspielen in Pegnitz gastierte und mit der Studiobühne Bayreuth auch Freilichttheater in der Eremitage und im Felsentheater von Sanspareil spielte.

„Egal ob schwerer, oder leichter Stoff, ich will die Zuschauer bewegen“, sagt Georg Mädl. Sie sollen mitfiebern, sich freuen, oder auch mal Fragen stellen. Eine Lieblingsrolle hat er nicht. „Ich habe schon so viele Rollen gespielt.“ Auch so viel erlebt, könnte man hinzufügen. Beispielsweise als bei Richard Wagners Jugendwerk „Leubald“ das Knie versagte und er in der Folge den Puck im „Sommernachtstraum“ auf Krücken verkörpern musste.

Aktuell steht mit den Buschklopfern das Kinderstück an, ehe im Januar Ray Cooneys Kriminalkomödie „Außer Kontrolle“ ansteht, in der Georg Mädl wieder einmal Regie führt.

Vita: Georg Mädl

Alter: 42

Geboren in Himmelkron

Schule: Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium Kulmbach

Zivildienst: Evangelische Jugend Kulmbach

Studium: Theater- und Medienwissenschaften in Erlangen

Gelernter Beruf: Fremdsprachenkorrespondent

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02.01.2023

Bodenständiger Typ mit Leidenschaft für die Musik / Thomas Besand leitet die Stadtkapelle Kulmbach und den Musikverein Burgkunstadt

Kulmbach. „Musik zum Anfassen“ soll es sein, keine Musik, die nur für ein Fachpublikum interessant ist. Für Thomas Besand, dem langjährigen Dirigenten der Kulmbacher Stadtkapelle  war es von Anfang an wichtig, eine große Bandbreite anzubieten. So reichen die Programme der traditionellen Neujahrskonzerte vom Klassischen bis zum Modernen, von der Ouvertüre, dem Konzertwalzer und der Polka, über konzertante klangvolle Märsche bis hin zur Filmmusik oder zum Big-Band-Sound.

Seit 32 Jahren leitet Thomas Besand die Stadtkapelle Kulmbach. Das Neujahrskonzert 2023 ist das 30. Unter seiner Stabführung. Für den 57-Jährigen ist gerade dieses Konzert das große Highlight im Jahreslauf. Auch deshalb, weil es seit vielen Jahren nicht nur in Kulmbach, sondern auch in Naila und in der Partnerstadt Saalfeld stattfindet. Man kennt die Stadtkapelle unter Thomas Besand aber auch von der musikalischen Ausgestaltung der jährlichen Bierfesteröffnung oder von der Serenade auf dem Marktplatz. 1996 schaffte es das Blasorchester sogar in die ZDF-Sendung „Lustige Musikanten“, wenige Jahre später gab es einen denkwürdigen Auftritt mit dem renommierten Landespolizeiorchester Brandenburg im Schönen Hof der Plassenburg.

1965 im nordhessischen Eschwege geboren, kam Thomas Besand 1979 mit seiner Familie ins Kulmbacher Land. Beim legendären Leopold „Poldi“ Schott und bei Hans Fiedler durchlief er eine umfassende musikalische Ausbildung und war als Hornist schon bald ein gefragter Musiker in verschiedenen Ensembles. Über die Internationale Musikbegegnungsstätte des Bezirks Oberfranken Haus Marteau war Thomas Besand mit dem damaligen künstlerischem Leiter Günther Weiß, dem Vizepräsidenten der Münchner Musikhochschule, in Kontakt gekommen. Er vertraute Thomas Besand schon bald die eigenständige Leitung von Satz- und Orchesterproben des oberfränkischen Jugendsinfonieorchesters an.

Mit 18 Jahren hatte es sich der der Stadtkapelle angeschlossen, als 1991 ein Nachfolger für den ausgeschiedenen Hans Fiedler gesucht wurde, übernahm er als junger Dirigent die Leitung. Durch purem Zufall wurde zur gleichen Zeit die Tradition der bis heute stets ausverkauften Neujahrskonzerte gegründet. „Eigentlich hätte es ein Herbstkonzert zum 140-jährigen Bestehen der Stadtkapelle werden sollen“, erinnert sich Thomas Besand. Aufgrund eines Unfalls musste das Konzert auf Anfang Januar verschoben werden. Ein Termin, der so bis heute Geltung hat.

Dabei ist die Stadtkapelle Kulmbach nicht das einzige Blasorchester, das Thomas Besand leitet. Seit 1996 steht er auch an der Spitze des Musikvereins Burgkunstadt. „Ich fühle mich beiden Orchester eng verbunden“, sagt er. Für beide sei er mit der gleichen Leidenschaft tätig.  Bei beiden Formationen ist er mittlerweile Ehrendirigent, eine Auszeichnung, die nur ganz selten während der aktiven Zeit vergeben wird.

Auch andere Auszeichnungen hat er immer wieder bekommen. 2016 erhielt er von der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände die Dirigentennadel in Gold mit Diamant. 2019 wurde er mit dem Kulturpreis des Kulmbacher Landkreises aufgezeichnet, und erst vor wenigen Monaten erhielt er mit der Stadtmedaille eine der höchsten Auszeichnungen die Kulmbach zu vergeben hat. Die größte Auszeichnung sind für ihn allerdings gut besuchte Konzerte mit einem interessierten Publikum

Für beide Blasorchester sei Corona schon ein Einschnitt gewesen, sagt der Dirigent. Corona habe schon einen personellen Neuaufbau erforderlich gemacht, der auch noch eine gewisse Zeit andauern wird. Das „Comeback-Konzert“ im Mai dieses Jahres auf der Naturbühne Trebgast und die Bierfestserenade im Juli auf dem Marktplatz hätten allerdings auch gezeigt, dass die musikalische Qualität nicht leidet. Sich selbst beschreibt Thomas Besand als „bodenständiger Typ“. Er werde unter allen Umständen weitermachen, wenn es seine Gesundheit und seine Kräfte zulassen.

Vita:

Geboren: 1965 in Eschwege

Gelernter Beruf: Industriekaufmann

Ausgeübter Beruf: Leiter des Bürgerbüros der Stadt Kulmbach

Instrument: Waldhorn

Bilder: Der Dirigent Thomas Besand leitete auch im Vorfeld der Bierwoche 2022 die Serenade mit der Stadtkapelle auf dem Kulmbacher Marktplatz.

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28.12.2022

Musik nach den bayerischen Reinheitsgebot / Blasmusik ist jung und weiblich: Daniel Richter leitet seit 14 Jahren en Musikverein Burghaig

Burghaig. Den „Böhmischen Traum“, den absoluten Mega-Hit der Blasmusik, spielt er gar nicht mehr. „Höchstens gegen eine Spende“, sagt Daniel Richter, der Dirigent des Musikvereins Burghaig, augenzwinkernd. Er macht damit auch deutlich, wofür Blasmusik steht. Für Gemeinschaft, Zusammengehörigkeit, Tradition und eben auch dafür, dass man nicht alles so bierernst nimmt. „Die Gemeinschaft ist mir wichtiger, als dass alles immer so hundertprozentig funktionieren muss“, so der 40-Jährige, der seit 2008 an der Spitze des Klangkörpers steht.

Früher in der Schule sei man schon etwas komisch angeschaut worden, wenn man erzählt hat, dass man Trompete spielt. Das habe sich aber total gewandelt. Zum viertägigen „Woodstock der Blasmusik“ im österreichischen Ort im Innkreis seien heuer 70000 Fans aus ganz Europa angereist, hauptsächlich jüngere Semester. Mitten drin: Daniel Richter und einige Mitstreiter aus dem Burghaiger Musikverein. Heute sei die Blasmusik eben gefragter denn je.

Das macht sich auch in der Zusammensetzung des Musikvereins bemerkbar. Mit seinen 40 Jahren gehört der Dirigent schon zu den Älteren. „Wir haben uns deutlich verjüngt“, sagt er. Auch wenn die Altersspanne von 14 bis 70 reicht, seien in den zurückliegenden Jahren vor Corona viele junge Musiker dazugekommen. Das liegt auch an den Bläserklassen, die der Musikverein pflegt und die das Ziel haben, Nachwuchs zu generieren. Und noch etwas fällt beim Musikverein auf: Blasmusik ist schon lange keine Männerdomäne mehr. In Burghaig ist die Hälfte der aktiven Mitglieder weiblich.

Daniel Richter hatte in der Grundschule begonnen, Trompete zu spielen. „Ich hab das nicht studiert oder so“, sagt er ganz bescheiden. Sein Lehrer war Harald Streit, der Leiter der Kulmbacher Musikschule. Mitglied des Musikvereins Burghaig war er zu diesem Zeitpunkt schon, die von Harald Streit geleitete Städtische Jugendkapelle kam schnell dazu. Im Jahr 2000 legte er das Goldabzeichen ab, als sein Vorgänger Peter Zeller als Dirigent überraschend aufhörte, sei er kurzerhand zum Nachfolger erkoren worden.

Höhepunkt im Jahreslauf des Musikvereins ist das alljährliche Frühjahrskonzert im März. 2008 leitete er es zum ersten Mal, 2019 Corona-bedingt zum vorerst letzten Mal. Die Proben für 2023 beginnen gerade in den Räumen des Musikvereins neben der Schule in Burghaig.

Weil die Geselligkeit beim Musikverein Burghaig nie zu kurz kommt, gibt es auch regelmäßig Ausflüge. In die burgenländische Partnerstadt Rust beispielsweise oder zur Partnerkapelle Böbing im Pfaffenwinkel. „Das waren immer sehr schöne Ausflüge, an die man sich gerne erinnert“, so Daniel Richter. Das war es auch, was in der Corona-Zeit am meisten gefehlt hat. Auch die Kerwas, das Maibaumaufstellen, die vielen Feste und nicht zuletzt die Bierwoche, alles sei plötzlich abgesagt gewesen. Umso glücklicher waren Daniel Richter und seine Musiker, dass die heuer wieder ihren Bierwochenauftritt hatten.

„Wir machen nun einmal 90 Prozent traditionelle Blasmusik“, sagt er, So, wie es eben auch auf den Kerwas in der Region verlangt wird. Beim nächsten Frühjahrskonzert wird es dann aber auch wieder Klassisch-Konzertantes geben, etwa von dem niederländischen Komponisten Jacob de Haan, den es ganz besonders schätzt.

Der Musikverein Burghaig ist für Daniel Richter längst nicht alles. Ab und zu macht er „Musik nach dem bayerischen Reinheitsgebot“ mit den „Kulmbocher Stollmusikanten“ oder mit der Hobbyformation „Scheinheilig fränggisch“. Darüber hinaus gehört er seit zehn Jahren der Stadtkapelle Kulmbach an, bei deren Neujahrskonzerten er auch schon Soloaufgaben übernommen hatte.

Privat geht der Musikgeschmack von Daniel Richter, der als Elektroningenieur beim Werkzeughersteller Kennametal in Mistelgau tätig ist, weit über die Blasmusik hinaus. Ska, Punk und Metal dürfen es auch ganz gerne mal sein. Nur eben nicht der „Böhmische Traum“, den gibt es noch immer „Höchstens gegen eine Spende“.

Vita.

Alter: 40

Geboren in Burghaig

Beruf: Elektroingenieur bei Kennametal in Mistelgau, Landkreis Bayreuth

Instrument: Trompete

Bild: Daniel Richter, hier im Proberaum in Burghaig, leitet den dortigen Musikverein.

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19.12.2022

Kunst zum Mitmachen / Jutta Lange: die Frau, die hinter den Sommerkunstwochen, dem „Café Clatsch und dem Kunsthandwerkermarkt steckt

Kulmbach. Sie sind längst ein fester Begriff, weit über Kulmbach hinaus: die Sommerkunstwochen, die seit mittlerweile 13 Jahren immer in den Monaten Juni bis August stattfinden. Die Frau, die hinter der Idee steckt, ist Jutta Lange. Unter dem Motto „Kunst zum Mitmachen“ bietet die frühere Redakteurin aus Kulmbach zusammen mit dem Kulturamt der Stadt Kurse und Workshops von Aquarell-Malerei über Buchbinden bis hin zum Zeichnen an. Die 72-Jährige hat sich aber auch auf anderen Gebieten der Kunst und der Kultur verschrieben. Sie hat den alljährlich stattfinden Kunsthandwerkermarkt erfunden und das „Café Clatsch“ ins Leben gerufen. Ihr Wissen gibt sie auch gerne bei Kulturreisen an Interessierte weiter.

Begonnen hatte alles mit einem Steinbildhauerkurs auf der Giechburg im Landkreis Bamberg. „Ein sehr schöner Workshop“, erinnert sich Jutta Lange. Weil der Kurs im darauffolgenden Jahr aus irgendwelchen Gründen dort nicht mehr stattfinden konnte, entschloss sie sich kurzerhand, etwas Ähnliches in Kulmbach zu veranstalten. Gesagt, getan und schon im darauffolgenden Jahr gab es einen solchen Kurs in der wunderschönen Atmosphäre des Langheimer Amtshofes. Mittlerweile finden die Workshops in der Oberen Schule statt.

Was so bescheiden begonnen hat, ist längst zu einer festen Einrichtung mit zuletzt 13 hochkarätigen Workshops für Erwachsene und sechs eigenen Jugendworkshops geworden. Zuletzt in Zusammenarbeit mit Focus Europa, dann mit dem Kunstverein und seit einigen Jahren mit der Stadt und deren Kulturamt. Von Anfang an habe sie alles selbst organisiert, Spendengelder für die kostenfreien Jugendworkshops akquiriert namhafte Referenten an Land gezogen und Teilnehmer aus ganz Bayern für Kulmbach interessiert.

An die 2000 Teilnehmer dürften es bestimmt schon gewesen sein, die seit Bestehen der Sommerkunstwochen nach Kulmbach gekommen sind. Selbst in den zurückliegenden Corona-Sommern habe es unter entsprechenden Bedingungen irgendwie geklappt und in diesem Jahr seien die Leute regelrecht gierig nach künstlerischer Betätigung gewesen. Als Renner bezeichnet Jutta Lange die Malkurse, vor allem die Aquarellmalerei. Aber auch alles, was mit Bildhauerei zu tun hat, sei sehr gefragt. Eine absolute Modeerscheinung sei die Kalligraphie, die gerade im Moment wieder stark im Kommen ist.

Die Sommerkunstwochen seien dermaßen erfolgreich gewesen, dass es heuer bereits zum zweiten Mal auch eine Winterkunstwoche gibt. In drei jeweils drei Tage dauernden Workshops zwischen dem 3. und dem 8. Januar im Oberhacken wird es um Töpfern, Kalligraphie und Buchbinden sowie um die Gestaltung von Portraits gehen. Wer teilnehmen möchte, sollte sich schon jetzt einen Platz sichern, auch der Erwerb eines Gutscheines ist möglich als außergewöhnliche weihnachtliche Geschenkidee sei denkbar, rührt Jutta Lange schon jetzt kräftig die Werbetrommel.

„Es macht einfach Spaß“, sagt Jutta Lange über ihr ehrenamtliches Engagement. Bescheiden spricht sie von einer ausfüllenden Freizeitbeschäftigung, wünscht sich allerdings auch, dass Kulmbach und die Kulmbacher ein wenig mehr Anteil an den Kunstwochen nehmen würden, und sei es nur als Zaungäste.

Menschen zusammenzubringen, das ist auch das Ziel ihrer Arbeit für das „Café Klatsch“, ein, zumindest vor Corona immer sehr gefragte Einrichtung, bei der um Kaffee, Kuchen und gute Gespräche geht. Da gab es Geschichten und Bilder aus dem alten Kulmbach, Vorträge zu aktuellen gesellschaftlichen Themen, praktische Tipps von Fachleuten, aber auch mal nur einen reinen Witzenachmittag. Jutta Lange und ein Team von sechs Mitstreiterinnen sorgen für Kaffee und Kuchen und so wurden die wunderschönen Räume des Burggutes wieder mit Leben erfüllt. Zumindest einmal pro Monat, an jedem dritten Mittwoch, findet das „Café Clatsch“ mittlerweile wieder statt.

Jutta Lange ist dabei genauso Urheberin, Organisatorin und Ideengeberin wie beim Kunsthandwerkermarkt, der in der Regel am ersten Adventswochenende (heuer am 26. und 27. November) ebenfalls in den Räumlichkeiten des Burggutes stattfindet. „Wir haben so viele interessante Kunsthandwerker in Oberfranken, von denen keiner etwas weiß“, sagt Jutta Lange. Sie alle einmal vorzustellen und ihre Produkte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, das ist das Ziel ihres Engagements für den Kunsthandwerkermarkt.

Wenn sie einmal nicht organisiert, Menschen zusammenbringt und sich um Kunst zum Mitmachen kümmert, dann begleitet sie im Auftrag eines Reiseveranstalters Kunstreisen etwa in die Hamburger Elbphilharmonie, ins Leipziger Gewandhaus, ins Salzburger Festspielhaus oder zu den Oberammergauer Passionsspielen.

Weitere Infos zu den Sommerkunstwochen gibt es im Internet unter www.kulmbacher-sommerkunstwochen.de .

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12.12.2022

Musikalischer Überflieger aus dem Kulmbacher Land / Lukas Alois Roth: Pendler zwischen Oberfranken und Dresden

Ludwigschorgast. Er ist erst 26 und gerade in der Endphase seines Studiums an der Dresdner Musikhochschule. Trotzdem hat er schon so viele Projekte und Aktionen gestartet, die bei anderen für ein ganzes Musikerleben reichen würden: Lukas Alois Roth aus Ludwigschorgast.

„Musik verbindet! Das Benefizprojekt Kulmbach e.V.“ hat ihn in der Region bekannt gemacht. Organisiert hat es Lukas Alois Roth als Vorstand und künstlerischer Leiter. Von der Corona-Zeit abgesehen hat er es Jahr für Jahr geschafft, einen Projektchor und eine Projektband auf die Beine zu stellen und mit Benefizkonzerten an die Öffentlichkeit zu treten. Rund 60000 Euro wurden seitdem eingespielt, fünf CDs aufgenommen. Die Einnahmen flossen dabei eins zu eins in wohltätige Zwecke, wie zum Beispiel an die Welthungerhilfe. Die Unkosten wurden durch Sponsoren abgedeckt.

Für das Chorprojekt zum Tag der deutschen Einheit 2020 hatte Lukas Alois Roth 35 Sängerinnen und Sänger aus Ost und West nach Kulmbach eingeladen und auf der Burgruine Nordeck ein professionelle Video produziert. Im Wettbewerb „Der ‚mit Abstand‘ beste Chor Bayerns“ wurde der Beitrag von BR-Klassik in der Kategorie Musikvideo mit dem ersten Platz ausgezeichnet.

Lukas Alois Roth macht aber noch viel mehr: In seiner Wahlheimat Dresden leitet er den Kammerchor ExSilentio, in Pillnitz bei Dresden ist er Chef des dortigen Kirchenchores und an der Musikhochschule ist er Assistent des Hochschulchores. Von der Stiftung Deutsche Wirtschaft hat er aufgrund seiner herausragenden Leistungen und seines großen Engagements ein Stipendium bekommen. „Als Künstler bin ich da zwischen vielen Betriebswirtschaftlern, Juristen und Medizinern ein richtiger Exot, kann aber toll von der Perspektive und Expertise meiner Mitstipendiaten profitieren.“

„Aus der Stille heraus“ sei der Chor „ExSilentio“ während der Pandemie mit seinen rund 25 Mitgliedern entstanden. Ziel ist es, gemeinsam, nachhaltig und auf hohem Niveau zu musizieren. Da gibt es schon auch mal eine Performance mit der Hochschule für Bildende Künste in Dresden oder bemerkenswerte Auftritte. Etwa den mit dem Bayreuther Zamirchor, einem weiteren Chor aus Israel und einem Orchester aus Italien in der Lateranbasilika in Rom im November 2021. „Wir haben uns als Chor intensiv mit den thematischen Zusammenhängen und Inhalten des Konzerts, das im Gedenken an die Novemberpogrome 1938 stattfand, auseinandergesetzt,“ erinnert sich Lukas Alois Roth. Mit der Aufführung des Chorwerks „Wir liegt die Stadt so wüst“ des ehemaligen Dresdner Kreuzkantors Rudolf Mauersberger sei auch die Botschaft verbunden gewesen, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen, auch wenn es schmerzt.

Nach dem Abitur am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium in Kulmbach besuchte Lukas Alois Roth die Berufsfachschule für Musik in Kronach mit den Hauptfächern Gesang und Chorleitung und schloss dort mit Auszeichnung der Regierung von Oberfranken als Staatlich geprüfter Chor- und Ensembleleiter ab. Das sei praktisch der Türöffner dafür gewesen, Musik zum Beruf zu machen. Familiär vorbelastet war er da längst, der Großvater etwa war Organist und so durfte der kleine Lukas während der Gottesdienste oft mit auf der Orgelbank sitzen. „Gottesdienst, das war für mich auch immer ein musikalisches Erlebnis“, erinnert sich Lukas Alois Roth heute. Auch wenn er erst später lernen durfte, dass der Beruf des Organisten nicht mit organisieren zu tun hat.

Lukas Alois Roth kann organisieren. Noch am Gymnasium gelang es ihm, seine Mitschüler zu begeistern und ein Benefizkonzert in der Kulmbacher Hedwigskirche für Kinder in Afrika zu starten. „Das hat gut funktioniert“, sagt er. Auf Anhieb seien an die 2500 Euro zusammengekommen. Daraus wurde dann auch der Verein „Musik verbindet! Das Benefizprojekt Kulmbach“, der längst Mitstreiter aus ganz Deutschland anlockt und der im kommenden Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiern kann. Die Konzerte finden dabei in der Region statt, wobei er für Kulmbach ein dickes Lob übrig hat. „Ich schätze Kulmbach total, weil wir hier riesige Unterstützung erfahren“.

Über eine Mitschülerin kam er in Kontakt zur „Hochschule für Musik Carl Maria von Weber“ in Dresden. Ein Vorbereitungskurs lief gut, die Hochschule gefiel ihm. Wenn es auch mit der Fächerkombination Musik und Theologie nicht klappte, so wurden die Fächer Schulmusik, Musikpraxis und Dirigieren daraus. In voraussichtlich zwei Jahren wird er das alles abgeschlossen haben.

Was dann kommt, steht noch nicht so genau fest. Zunächst will er den Verein „Musik verbindet“ als kulturelle Plattform in der Region manifestieren. „Dresden ist mir wichtig, meine Heimat ist mir noch wichtiger“, sagt er und wünscht sich deshalb hier eine kulturelle Instanz für Menschen mit Ideen und Visionen. Beruflich sei für ihn eine Lehrtätigkeit „nicht die schlechteste Option“. Seinem Ziel, weiterhin mit Konzerten, Events und den verschiedensten Projekten an die Öffentlichkeit zu treten, stünde dies nicht entgegen.

Vita:

Geboren: 1996 in Kulmbach

Abitur am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium in Kulmbach

Schule: Berufsfachschule für Musik Oberfranken in Kronach

Studium Seit 2017 an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden

Konzertreisen: nach Italien, Frankreich, Israel, Irland, Polen, in die Schweiz und die Ukraine

Bild: Der ExSilentio-Kammerchor, den Lukas Alois Roth (Mitte) ins Leben gerufen hatte.

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05.12.2022

Theater als wichtiges Element des Kulturgefüges / Das Künstlerehepaar Anja Dechant-Sundby und Sigurd möchte in Trebgast eine Theaterlandschaft etablieren

Trebgast. Sie haben großes vor auf dem Wehelitzer Berg: das Theaterehepaar Anja Dechant-Sundby und Sigurd Sundby. Im Umgriff der Naturbühne Trebgast soll ein festes, ganzjährig bespielbares Theater mit einer Kapazität von 200 bis 250 Zuschauern entstehen. „Eine lebendige Spielstätte im Herzen Oberfrankens“, wie die beiden es formulieren. Da es die Zeit aber gerade schlecht meint mit der Kultur, soll als eine Art Übergangslösung, wie an vielen anderen Orten auch, zunächst ein Theaterzelt errichtet werden. Wenn alles klappt, könnte es schon in einem Jahr stehen.

„Kultur lebt in uns, auch wenn die Kultur stets ihre Daseinsberechtigung immer wieder neu unter Beweis stellen muss“, sagt Sigurd Sundby. „Das Theater ist ein wichtiges Element unseres Kulturgefüges“, ergänzt Ehefrau Anja. Beide sind Theaterprofis, die es aufgrund der Herkunft von Anja wieder nach Oberfranken verschlagen hatte.

Anja Dechant-Sundby stammt aus Weismain. In Burghausen hatte sie an der ehemaligen Athanor Akademie für Film und Theater in Burghausen (heute Passau) studiert. Im Studium lernte sie Sigurd kennen, der aus einer norwegischen Schauspielerfamilie stammt und der damals im schottischen Glasgow an der dortigen Akademie für Musik und Theater studiert hat. Rund eineinhalb Jahre lebten beide zusammen in Glasgow, wo Anja erste Regiearbeiten verwirklichte.

Nächste Station war Hamburg, wo Anja als Assistentin des prominenten Regisseurs und Produzenten Dieter Wedel tätig wurde. Unter anderem arbeitete sie an dem ZDF-Mehrteiler „Die Affäre Semmeling“ mit, während Sigurd Drehbücher für die bekannte Kinderserie Sesamstraße schrieb. „Ich wollte irgendwann wieder ans Theater zurück“, erklärt Anja die Rückkehr in die Heimat 2007. Hier übernahm sie mehrere Regiearbeiten an der Studiobühne Bayreuth und anderen Theatern in der Region, während ihr Mann ein Bauingenieursstudium absolvierte und auch einige Jahre in dem Beruf tätig wurde und bundesweit unterwegs war. Dann zog es aber auch ihn wieder ans Theater zurück und so war er hauptsächlich in Klassikern unter anderem an der Studiobühne Bayreuth zu erleben. 2020 übernahm Anja dann nicht nur die Geschäftsführung und die Künstlerische Leitung der Naturbühne Trebgast, sondern auch der Rosenbergfestspiele in Kronach.

Trebgast habe sich gerade in einem Prozess der Neuorientierung befunden, sagt sie. Die 1953 gegründete Bühne hatte damals fast 40000 Zuschauer in einer einzigen Saison. Das sei alles ehrenamtlich nicht mehr zu stemmen gewesen. Deshalb hatte sich der Vorstandsvorsitzende des Vereins, der frühere Trebgaster Bürgermeister Siegfried Küspert an sie gewandt, die damals schon mehrere Stücke, unter anderem „Pension Schöller“, oder auch „Das Dschungelbuch“ auf die Bühne gebracht hatte.

Nachdem die Idee einer festen kleinen Bühne in Kulmbach gescheitert war, ließen sie die Sundbys in Trebgast wieder aufleben. „Wir lieben Freilichttheater“, sagen beide. Trotzdem könne man mit einem Ganzjahresbetrieb ganz neue Dimensionen erschließen, sowohl künstlerisch, als auch strukturpolitisch. „Aus der Mitte Oberfrankens heraus wird die ländliche Region gestärkt und die Lebensqualität der Region gesteigert“, so heißt es in einer Imagebroschüre, die sie veröffentlicht haben.

Corona, der Krieg, Preisexplosionen vor allem bei der Energie haben dieses Vorhaben derzeit ein wenig ausgebremst, so dass sich beide als Zwischenstation den Aufbau eines Theaterzelts ausgedacht haben, um erste Schritte in Richtung Ganzjahresbetrieb und auch in Richtung Theaterpädagogik gehen zu können. „Wenn alles gut geht, könnte das Zelt schon im nächsten Sommer stehen“, zeigt sich Sigurd optimistisch.

Einen „wirklichen Stillstand“ hatte die Bühne durch Corona erfahren müssen. „Wir hatten sogar schon geprobt und jede Mange Karten verkauft“, erinnert sich Anja, ehe alles komplett dicht gemacht werden musste. 2022 sei dagegen eine einigermaßen normale Saison mit stattlichen 31000 Besuchern gewesen. Nur zwei Aufführungen mussten Corona-bedingt ausfallen. Zu verdanken sei die positive Bilanz in erster Linie dem unwahrscheinlich treuen Stammpublikum. „Ältere Menschen erzählen uns oft, dass sie schon als Kind bei uns im Zuschauerraum saßen“, sagt Anja.

Die Saison 2023 sieht nicht nur fünf Eigenproduktionen, sondern auch 19 Gastspiele vor. Echte Hochkaräter sind darunter, wie die Songwriterin Rebekka Bakken, der Musiker und Moderator Götz Alsmann oder die Kabarettistin Lizzy Aumeier.

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28.11.2022

Musikschule und Messingblech / Harald Streit: Mit der Jugendkapelle bis nach Schottland

Kulmbach. Harald Streit spricht von „wahren Glücksmomenten“, wenn er an den März dieses Jahres zurückdenkt. Nach langer Zeit der Stille in den Räumen der Städtischen Musikschule lief er durch die Gänge und hinter allen Türen erklangen nach der langen Corona-Pause wieder die Instrumente. „Da war es mir ganz egal, ob richtig oder falsch gespielt wird“, erinnert sich der 58-Jährigem, der seit September 2011 als Leiter an der Spitze der Musikschule steht.

Klar, Online-Unterricht fand statt und alle Musikschüler seien froh und dankbar gewesen, dass sie überhaupt spielen durften. Trotzdem, Präsenz-Unterricht sei eben durch nichts zu ersetzen. „Schließlich war ich monatelang ganz allein hier im Haus“, so Harald Streit. Erschreckend sei das gewesen. Derzeit erlebt der Musikpädagoge, der sich auch als Solist und Kammermusiker weit über die Region einen Namen gemacht hat, genau das Gegenteil. Eine Veranstaltung jagt die andere, einen Platz im Terminkalender des engagierten Musikers zu finden, ist gar nicht so einfach, schließlich hat auch sein Tag nur 24 Stunden.

Begonnen hat das alles bei Harald Streit als er zwölf Jahre jung war. In Hegnabrunn aufgewachsen trat er dem Musikverein im nahen Ludwigschorgast bei und lernte Trompete. Die Liebe zur Musik war geweckt. Harald Streit wollte mehr, er suchte sich selbst Profis in den Nachbarstädten Bamberg, Coburg und Hof, um sein Trompetenspiel fortzuentwickeln. In den Jahren 1984 bis 1986 besuchte er die Berufsfachschule für Musik in Kronach, anschließend ging es zum Musikstudium nach Würzburg.

Parallel dazu hatte Harald Streit schon seinen ersten Vertrag als Lehrer an der Kulmbacher Musikschule in der Tasche. 1984 war das, als er mit zwei Schülern startete. In den Folgejahren wurden es immer mehr. 1990 trat er dann eine Festanstellung an der Musikschule an, die Wilhelm-Meußdorfer-Straße 1 sollte künftig sein zweites Zuhause werden. Mit dem Ziel, den Nachwuchs auf die Jugendkapelle vorzubereiten, baute er das Vororchester auf und übernahm 1995 die Leitung der Städtischen Jugendkappelle. Als sein Vorgänger Walter Schleicher 2011 in Pension ging, fiel die Wahl auf Harald Streit als neuen Chef der Musikschule. Aktuell unterrichtet er um die 30 Schüler vorwiegend im Einzelunterricht in den Fächern Waldhorn, Euphonium, Tenorhorn. Tuba und natürlich auf der Trompete. Insgesamt sind an der Musikschule aktuell 17 Lehrkräfte tätig, die zusammen rund 120 Schüler in allen gängigen Instrumenten unterrichten.

Untrennbar verbunden ist der Name Harald Streit mit dem Blechbläserensemble Culma Brass. Es sei damals so eine Art Aufbruchsstimmung gewesen, erinnert er sich an das Gründungsjahr 1985. Die Formation, die zahlreiche Rundfunk- und Fernsehauftritte hatte und von der mehrere Einspielungen auf CD vorliegen, gibt es noch immer. „Allerdings haben wir vor rund zwei Jahren zum letzten Mal zusammen musiziert“, sagt er. Das war in Bayreuth beim Richtfest zum neuen Friedrichsforum. Gerne denkt er an die Sommerfeste im Studio Franken des Bayerischen Rundfunks in Nürnberg zurück oder an das große Weihnachtskonzert in der Basilika Gößweinstein mit dem Sänger Gunther Emmerlich, das live im Fernsehen zu sehen war. „In den Hoch-Zeiten hatten wir 50 bis 60 Auftritte im Jahr“, sagt er und wundert sich, wie er das alles unter einen Hut bringen konnte.

Noch viel gäbe es über Harald Streit zu berichten. Etwa seine Tourneen mit den fränkischen Komödianten Volker Heißmann und Martin Rassau sowie der Pavel-Sandorff-Big-Band, sein Musizieren mit den Hofer Symphonikern und dem Münchner Rundfunkorchester beim Schleswig-Holstein-Festival. Zehn Jahre lang leitete er den Musikverein Ludwigschorgast als Dirigent, aktiv ist er außerdem im Nordbayerischen Musikbund und bei der Arbeitsgemeinschaft Fränkische Volksmusik. Harald Streit dürfte einer der wenigen sein, der den renommierten Kulturpreis des Landkreises gleich zwei Mal erhalten hat, einmal mit der Städtischen Jugendkapelle (1995), das andere Mal mit Culma Brass (1991). Später gab es dann auch noch Kulturpreise der Kulmbacher Serviceclubs und der Wählergemeinschaft Kulmbach obendrauf.

Als absolutes Highlight bezeichnet Harald Streit die Auftritte mit der Jugendkapelle im schottischen Kilmarnock, der Partnerstadt von Kulmbach. Aus Liebe zu Schottland habe er sogar begonnen, das Spiel mit dem Dudelsack zu erlernen. „Eine der schwersten Instrumente überhaupt“, sagt er und verweist auf die filigrane Fingertechnik, die so bei keinem anderen Blasinstrument notwendig ist. Selbst hatte er sogar professionellen Unterricht bei einem Dudelsack-Virtuosen in Nürnberg genommen. Derzeit steht die „Pipe“ allerdings nur im Schrank, zu sehr nehmen ihn seine anderen Aktivitäten in Beschlag. Wenn er dann doch mal einen Ausgleich sucht, dann greift er zur Kamera. Seine stimmungsvollen Kulmbach-Bilder sind auf seiner Facebook-Seite und auf Instagram zu bewundern. Bei Facebook ist er der „Heimatknipser“, bei Instagram „Mr.jpeg.ku.“.

Info: Das traditionelle Jahreskonzert der Städtischen Jugendkapelle Kulmbach findet am Sonntag, 11. Dezember (3. Advent) in der Sr.-Stammberger-Halle statt.

Foto: Die Trompete ist immer dabei: Harald Streit am Schreibtisch seines Büros in der Kulmbacher Musikschule.

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21.11.2022

Von der Blasmusik bis zum Fliegender Holländer / Bruckner, Mahler, Wagner: Der Trompeter Peter Weiß aus Veitlahm ist als Berufsmusiker weit über Oberfranken hinaus aktiv

Steuben-Parade New York mit dem Musikverein Marktleugast, Lohengrin am Staatstheater Nürnberg unter Stardirigentin Joanna Mallwitz und unzählige Auftritte mit der von ihm gegründeten Patersberg Combo: Peter Weiß (31) hat in seinem jungen Musikerleben schon vieles erreicht. In der Region ist er unter anderem als Dirigent des Sinfonischen Blasorchesters des Musikvereins Marktleugast bekannt.

Peter Weiß stammt aus einer Musikerfamilie in Veitlahm. Vater, Großvater, alle sind und waren irgendwie musikalisch tätig. Anfangs sei er so gar nicht begeistert gewesen, als ihm der Vater eine Trompete in die Hand gedrückt hat. Irgendwann habe er dann aber für sich das Instrument ausprobiert und blieb hängen. „Ich habe mir ganz viel selbst gelernt“, sagt er heute. Ein bisschen Talent sei wahrscheinlich schon dabei gewesen, fügt er bescheiden an.

Im Alter von 13 Jahren habe er dann das Zepter selbst in die Hand genommen und machte ernst. Irgendwann sei es dann schon cool gewesen, Gleichaltrige und Gleichgesinnte im Posaunenchor zu treffen und so gründete er in jungen Jahren kurzerhand die Patersberg Combo, eine Formation, die es noch heute gibt und die auch jetzt noch immer wieder Auftritte auf höchstem Level absolviert. Gleichzeitig war und ist er im Posaunenchor aktiv, den sein Vater leitet. Peter Weiß ist mittlerweile stellvertretender Dirigent des Zusammenschlusses mit seinen bis zu 40 Aktiven.

Unbewusst sei er immer mehr in die Musik „hineingerutscht“, so Peter Weiß, der nach dem Besuch der Wirtschaftsschule in Lichtenfels an die Berufsfachschule für Musik in Bad Königshofen wechselte. Dort schloss er nach zwei Jahren als Staatlich geprüfter Ensembleleiter, absolvierte die Aufnahmeprüfung der Musikhochschule in Nürnberg, wo er zunächst als Diplom-Musikpädagoge abgeschlossen hat und dann noch einen Master draufsetzte, was der „Konzertreife“ entspricht.

Seine Haupttätigkeit ist heute die des Musiklehrers an den Musikschulen von Nürnberg und Forchheim. Eigentlich habe er das Lehren schon im frühen Jugendalter für sich entdeckt. Bereits während des Studiums habe er einen Stamm von Schülern gehabt. Heute sind es rund 60 vom Grundschulalter bis zum Erwachsenen, die er Woche für Woche unterrichtet.

Daneben hilft er immer dort aus, wo man ihn gerade braucht. Das kann das Kulmbacher Kammerorchester sein, die Nürnberger Symphoniker, die Staatsphilharmonie Nürnberg, aber auch das Philharmonische Orchester Regensburg. In Nürnberg spielte er unter anderem in Richard Wagner „Lohengrin“ unter Joanna Mallwitz. Bei Symphonischen Konzerten sind es dann oft die Komponisten, deren Symphonien vor allem Bläser brauchen, mehr Bläser als im Orchester engagiert sind und so wundert es nicht, dass Anton Bruckner und Gustav Mahler ohnehin zu den bevorzugten Komponisten von Peter Weiß gehören.

Die beiden führt er mit dem Musikverein Marktleugast nicht unbedingt auf. „Aber Wagner Holländer-Ouvertüre haben wir schon gespielt“, sagt Peter Weiß, der das Sinfonische Blasorchester des Musikvereins genau vor zehn Jahren übernommen hatte. Schon ein Jahr später ging es auf die Fifth-Avenue nach New York zur Steuben-Parade, 2018 zum Münchner Oktoberfest. Fester Bestandteil des Musikvereins sind die Weihnachtskonzerte in der Basilika Marienweiher und das Jahreskonzert immer Ende März in der Marktleugaster Dreifachturnhalle. „Wir haben mittlerweile schon ein enormes Laienlevel erreicht“, sagt er und verweist darauf, dass auch während der Corona-Zeit der Kontakt zu seinen Musikern nie abgerissen sei. „Wir haben mit kleinen Workshops und viel Theorie einfach online weitergearbeitet“, so Peter Weiß.

Daneben tritt Peter Weiß immer wieder in Solokonzerten auf und ist Mitglied des Nürnberger Blechbläser Ensembles Lorenz Brass. Selbst ein Profi wie Peter Weiß übt noch täglich. Jeden Tag mindestens zwei Stunden, auch im Urlaub. Das gehöre einfach dazu, sagt er, der als Vorbilder natürlich den 2012 verstorbenen Weltklassetrompeter Maurice Andre, aber auch den österreichischen Trompeter Hans Gansch oder seinen Nürnberger Professor Christoph Braun nennt.

Wenn er sich ausnahmsweise einmal nicht mit Musik befasst, dann wird Peter Weiß gerne auch mal politisch tätig. Er ist nicht nur Ortssprecher von Veitlahm, sondern sitzt für die Freien Wähler auch im Gemeinderat von Mainleus.

Lebenslauf Peter Weiß

Geboren: 1988 in Bayreuth geboren.

Schulen: Wirtschaftsschule Lichtenfels, Berufsfachschule für Musik Bad Königshofen

Studium: Trompete Hochschule für Musik in Nürnberg bei Prof. Christoph Braun

Privatstudien: bei Bo Nilsson (Schweden), Prof. Hans Gansch, Lukas Beno (Gewandhausorchester Leipzig), Klaus Schuhwerk (Musikhochschulen Basel und Frankfurt) und bei Gabor Tarkövi (Berliner Philharmoniker).

Praktika: Bei den Nürnberger Symphoniker, im Theater Regensburg und als Gastsolist beim Philharmonischen Orchester Bad Reichenhall.

Haupttätigkeit: Pädagoge an den Musikschulen Forchheim und Nürnberg.

Weitere Tätigkeiten: Leiter des großen Blasorchesters des Musikvereins Marktleugast. Kammermusik in diversen Gruppierungen kammermusikalisch und regelmäßiger Gast im Staatstheater Nürnberg.

Bild: Der Trompeter Peter Weiß in der Pfarrkirche von Veitlahm.

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14.11.2022

Musik gibt Hoffnung, Zuversicht und Kraft / Von Barock bis zur Big Band: Mit der Musik hat Elke Höhn ihr Hobby zum Beruf gemacht

Kulmbach. Die Musik war ihr in die Wege gelegt, der Großvater Organist und Chorleiter, die Mutter eine bekannte Sängerin. So lag es für Elke Höhn auf der Hand, ihr Hobby zum Beruf zu machen, und einen Großteil ihres Lebens ebenfalls der Musik zu widmen. Elke Höhn ist Musikerin, Multiinstrumentalistin, Musiklehrerin und Sängerin, sie spielt mit zahlreichen Formationen und hat sich auch als Kirchenmusikerin mit der Ausgestaltung von Gottesdiensten einen Namen gemacht.

„Musik macht nicht nur Freude, sie vermittelt Hoffnung, Kraft und Zuversicht“, sagt die 56-jährige gebürtige Kulmbacherin, die heute in Burghaig zuhause ist. Schon früh habe sie gesungen und getanzt, mit sechs Jahre trat das Klavier als erstes Instrument in ihr Leben, es folgten Oboe, Saxophon, Gitarre und als „Hauptinstrument“ die Querflöte. Seit rund 25 Jahren gibt sie ihr Wissen in Sachen Querflöte an ihre Schüler weiter. Während Corona-Zeiten auch mal online, früher in der Musikschule Franz, mittlerweile in den Räumen der freien Waldorf-Schule in Wernstein.

„Musik ist die schönste Sache der Welt“, sagt Elke Höhn, die jeden Tag mindestens zwei Stunden Musik macht. Für sich, an Unterrichtstagen können es auch mal sechs Stunden sein. Dazu kommt ihr Engagement in den vielfältigsten Formationen. Stadtkapelle Kulmbach, Musikverein Burghaig, Damenorchester Cappuccino, Querflötenquartett Quattro Flauto, dazu als Gastmusikerin bei der Stadtkapelle Kupferberg, den Musikvereinen Weiher und Kasendorf, dem Kulmbacher Kammerorchester, und, und, und.

Klar, dass es Elke Höhn derzeit schon vermisst, auf der Bühne zu sein und Musik zu machen. Zumal sie auch in der Jugendarbeit überaus aktiv ist, sie teilweise sogar geleitet hat. Mittlerweile sei es schon schwierig geworden, Nachwuchs zu finden. Selbst der Probenbesuch habe nachgelassen. Nach der erzwungenen Corona-Auszeit habe gerade die Jugendarbeit sehr gelitten. Mancherorts könnten keine Bläserklassen mehr gebildet werden. Darüber hinaus sei es auch schwerer geworden, junge Leute zu motivieren. „Haben sie allerdings erst einmal den Weg zum Instrument gefunden, dann merken sie auch, was das für einen Spaß macht, besonders in der Gruppe.“

Elke Höhn wurde in Kulmbach geboren und hatte nach dem Besuch des Caspar-Vischer-Gymnasiums zunächst mal einen ganz und gar nicht musikalischen Beruf erlernt: Landwirtschaftlich-Technische Assistentin. „Ich wollte Biologie zum Beruf und die Musik zum Hobby machen.“, erinnert sie sich heute. Doch daraus wurde nichts. Die Musik war stärker. Schon im Schulchor war sie aktiv, trat bei Schulkonzerten auf und sang im Chor der Kreuzkirche. Obwohl sie in ihrem erlernten Beruf auch tätig wurde, war der Schritt zur Jugendkapelle und schließlich zur Stadtkapelle nicht mehr weit.

„Die Stadtkapelle wurde schnell zu einer Art zweiter Familie“, sagt sie, die sich musikalisch extrem breit aufgestellt sieht und der keine Musikrichtung wirklich fremd ist. Alles habe seine Berechtigung, und so gibt sie sich auch gerne mal dem Swing hin, und intoniert zusammen mit Thomas Besand, dem Dirigenten der Stadtkapelle, Songs von Frank Sinatra und anderen.

Lange hatte sie sich gesträubt, wieder selbst zu singen. Ein Unfall war es schließlich, der sie zwang, eine Zeitlang nur einhändig Klavier zu spielen. Also machte sie aus der Not eine Tugend, setzte ihre Stimme ein, eine schlanke Stimme, eine typische „Bach-Stimme“, wie sie selbst sagt. Doch Elke Höhn sang nicht einfach so drauf los, sondern nahm fortan viele Jahre lang Gesangsunterricht bei der berühmten Pädagogin Anneliese Meyer-Adam in Bayreuth.

Ein weiteres Betätigungsfeld von Elke Höhn ist die Kirchenmusik. Sie, die sich selbst als sehr gläubig beschreibt, sieht die Musik ohnehin als Geschenk, das von Gott kommt. Und so hat sie gerade während der Corona-Zeit verschiedene Programme ausgearbeitet, sei es vokal oder instrumental, im Chor oder solistisch. Vielleicht hat sie damit auch ein Stückweit dazu beitragen können, dass die Gottesdienste wieder besser besucht werden. Zu wünschen wäre es.

Trotz „Bach-Stimme“ hat sich Elke Höhn als Musikhörerin vor allem der romantischen Musik verschrieben. Richard Wagners Opern, aber auch Kompositionen des Norwegers Edvard Grieg, des französischen Impressionisten Gabriel Faure. Es darf aber auch die Musik des Barock sein, oder Big-Band-Musik, oder böhmische Blasmusik, eigentlich alles, was mit Musik zu tun hat.

Im Hause Höhn wird freilich auch weiterhin die Musik die alles dominierende Rolle spielen. Der Ehemann ist im Bereich der Unterhaltungsmusik aktiv und spielt Keyboard, Schlagzeug, Trompete und Gitarre und auch die beiden Kinder können mit Instrumenten gut umgehen. „Wir sind schon eine extrem musikalische Familie.“

Vita: Elke Höhn

Alter 56

Geboren in Kulmbach, verheiratet, zwei Kinder

Gelernter Beruf: Landwirtschaftlich Technische Assistentin

Instrumente: Querflöte, Oboe, Saxophon, Gitarre

Bild: Evergreens von Georges Gershwin bis Frank Sinatra: Elke Höhn als Sängerin beim Neujahrskonzert der Stadtkapelle Kulmbach unter der Leitung des Dirigenten Thomas Besand.

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07.11.2022

Schauspieler, Regisseur und Theater-Urgestein / Jürgen Peter ist auf den Bühnen der Region zuhause

Hegnabrunn. Naturbühne Trebgast, Fränkischer Theatersommer, Theater in der Kneipe, Theater in der Kirche: Jürgen Peter ist seit vielen Jahrzehnten auf den Theaterbühnen der Region zuhause. „Mittlerweile nimmt die Retrospektive mehr Platz ein, als die Perspektive“, sagt der 72-Jährige, der im Neuenmarkter Ortsteil Hegnabrunn lebt.

In nahezu unzähligen Aufführungen war Jürgen Peter mit kurzen Unterbrechungen zwischen 1970 und 2012 auf der Naturbühne Trebgast zu erleben. Fritz Heublein, einer der Gründerväter der Naturbühne und Patenonkel seines Bruders, war es 1970, der ihn auf der Suche nach Mitspielern ansprach. Bis dahin habe er mit dem Theater nichts am Hut gehabt, nicht mal in der Schule, erinnert sich Jürgen Peter, der bis zu seiner Pensionierung als klassischer Volksschullehrer, zuletzt in Neuenmarkt, tätig war. Doch schon bald darauf hat er Blut geleckt und von nun an ging alles Schlag auf Schlag. Zunächst in Komödien, mit 27 seinen ersten „Jedermann“ und schon bald Goethes „Faust“.

Herausragende Produktionen habe es in der langen Zeit viele gegeben. Jürgen Peter denkt an den Riesenerfolg von Bertold Brechts „Herr Puntila und sein Knecht Matti“, an die Rolle des McMurphy in „Einer flog über das Kuckucksnest“, an seine Inszenierung der „Feuerzangenbowle“, an die vielen Märchenaufführungen, für die er eigene Fassungen geschrieben hat, und, und, und.

Im Jahr 2006 fand Jürgen Peter eine neue Herausforderung beim damaligen „Theatersommer Fränkische Schweiz“ (heute „Fränkischer Theatersommer“). Vom „Verkauften Großvater“ bis zum Sancho Panda in Don Quijote, er hatte alle Rollen drauf. „Die Sternstunde des Josef Bieder“ ist ihm da in besonderer Erinnerung. Das Ein-Mann-Stück hatte er tatsächlich einmal vor nur sieben Zuschauern auf der Burg Wiesentfels bei Hollfeld gespielt.

Ein weiterer Meilenstein war dann vor exakt 20 Jahren die Gründung des TIK. Das Kürzel steht abwechselnd für „Theater in der Kneipe“ oder für „Theater in der Kirche“. Mehrere ehemalige Schauspielkollegen aus Trebgast hatten sich damals zusammengetan, einfach nur, um Theater zu spielen. Und zwar dort, wo man es am wenigsten erwarten würde, in der Kneipe und später auch in der Kirche. Mit dem Stück „Die Saupreiß´n“ von Fitzgerald Kusz fing alles an. Über 50 Mal brachte es die Truppe auf die Bühnen der Region, aber auch bis nach Weimar, Bremen oder ins Saarland.

Rund 200 Aufführungen verzeichnet das TIK mit zwölf Stücken verteilt auf die zurückliegenden 20 Jahre. Aktuell wird die Komödie „A Mordsg´schicht“ von Veronika Schütt und Olaf Köhler einstudiert, eine Geschichte von einem Gasthaus, das schließen muss. Schon 2020 sollte die Komödie aufgeführt werden, aufgrund der Corona-Beschränkungen musste es immer wieder verschoben werden. Das Besondere daran ist, bei den Aufführungen im Waldfreundehaus wird mitten im Publikum gespielt, dazu gibt es ein dreigängiges Menü. Das TIK kann aber auch ernst. In „Die Nacht von Flossenbürg“ geht es um die letzte Nacht des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer vor dessen Hinrichtung im Konzentrationslager. Keine leichte Kost. Die Inszenierung wurde bereits mit dem Wilhelm-Freiherr-von Pechmann-Preis der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ausgezeichnet.

Auch ein Ausflug ins Profigeschäft gab es für Jürgen Peter. 1983 übernahm er eine Gastrolle beim damaligen Städtebundtheater Hof. Angebote gab es mehrere, doch letztlich hatte er sich immer wieder für den Lehrerberuf und das Amateurtheater entschieden. Auch im Fernsehen war er schon zu sehen, als Herold auf der Plassenburg. Jürgen Peter war viele Jahre lang Vizepräsident des Bundes Deutscher Amateurtheater, 2016 bekam er den Kulturpreis des Kulmbacher Landkreises. Heute gibt er bundesweit regelmäßig Kurse in den Fächern rege und Dramaturgie. Auch ein Jürgen Peter hat „Vorbilder“, oder zumindest Schauspieler, deren Spiel er bewundert. Klaus Maria Brandauer gehört dazu, genauso wie Helmut Qualtinger („mein alter ego“) oder Otto Schenk. Als Lieblingsautoren nennt er neben William Shakespeare und Bertold Brecht.

Fast könnte man von einer Theaterdynastie sprechen, die aus Hegnabrunn stammt. Auch Jürgen Peters Ehefrau Inge spielte jahrelang in Trebgast Theater und inszenierte zusammen mit ihrem Mann. Beim TIK ist sie eine Art Mädchen für alles, kümmert sich um Kostüme und Requisiten und hilft, wo sie nur kann. In die Fußstapfen der Eltern sind auch die beiden Kinder Mona-Isabelle und Nicolas getreten. Mona besuchte die Theaterjugendakademie und spielte beim TIK unter anderem in der Uraufführung von Karlheinz Komms „Elisabeth von Thüringen“. Nicolas ist Mitglied der Audi-Jugendchorakademie Ingolstadt und trat bereits in Singapur, Taiwan. Montreal, im Vatikan und zuletzt zur Eröffnung der Elbphilharmonie in Hamburg auf.

Vita: Jürgen Peter

Geboren: 1950 in Buchau

Beruf: Lehrer i. R.

Berufung: Schauspieler und Regisseur

Wohnort: Hegnabrunn

Auszeichnung: Träger des Kulturpreises des Landkreises Kulmbach

Bild: Auch ein Cafe Peter gibt es, allerdings nur für private Feiern der Familie von Jürgen Peter und seiner Familie.

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07.11.2022

Lebendigkeit und Verfall: Bilder aus künstlichem Rost/ Künstler und Kunsterzieher: Andreas Schobert steht für Kunstunterricht der anderen Art

Kulmbach. „Jeder Mensch ist ein Künstler.“ So lautet ein bekanntes Zitat des Aktionskünstlers Joseph Beuys (1921 – 1986), „Kunst ist die Gestaltung des sozialen Organismus“, ein anderes. Einer, der sich diese Sätze nicht nur auf die Fahnen geschrieben, sondern sie auch verinnerlicht hat, ist der Kulmbacher Andreas Schobert. Der 48-Jährige ist bildender Künstler und Kunsterzieher, hat ein eigenes Atelier in der Oberen Stadt und ist nicht zuletzt durch sein soziales Engagement bekannt geworden.

„Meine eigene Kunst trenne ich nicht von der Kunstpädagogik“, sagt Andreas Schobert. Hier, in den Räumen der Kunsterziehung am Caspar-Vischer-Gymnasium in Kulmbach spricht mehr der Pädagoge als der Kunsterzieher. Ihm gehe es darum, Kinder und Jugendliche auf die Gesellschaft vorzubereiten. Das genau ist sein Kunstverständnis und das war auch das Verständnis eines Joseph Beuys.

Gerade in der jetzigen Zeit, in der die Demokratie in einer Krise stecke, sei das wichtiger denn je. Die Gemeinschaft habe gelitten, die „Vereinzelung“ der Gesellschaft nehme zu. Was kann da Kunst bewirken? Lohnt es sich für den Einzelnen, sich zu engagieren? Fragen, auf die Andreas Schobert mit Hilfe der Kunst versucht, Antworten zu finden. Um da alle oder zumindest möglichst viele mitzunehmen, braucht es schon packende Inhalte. Andreas Schobert hat ein Rezept gefunden. Er wählt Themen aus, die einen Bezug zum Alltag der Kinder und Jugendlichen haben, zu deren Lebensumfeld oder auch zur Region.

So haben seine Schüler der 7. Klasse beispielsweise mitgeholfen, das ehemalige Kaufplatz-Areal umzugestalten, sie entwarfen Spielgeräte, machten sich Gedanken über die Aufteilung und gründeten sogar einen eigenen Verein mit dem Namen „Liebenswertes Kulmbach“. In einem anderen Projekt sollen die Schüler Denkmäler „zum Leben erwecken“. Unter der Leitung von Andreas Schobert werden Denkmäler, das können auch Brunnen oder alte Häuser sein, erforscht, Geschichten dazu recherchiert und ins Internet gestellt. Mit Hilfe eines QR-Codes am Denkmal soll es später möglich sein, diese Geschichten mit dem Smartphone abzurufen.

Das sind nur zwei Beispiele von vielen. Mit dem Kunstunterricht von einst, mit DIN-A-3-Block, Pelikan-Farbkasten und ein paar Pinseln als Gesamtausstattung hat das alles freilich nichts mehr zu tun. Kunstunterricht hebt sich ohnehin von anderen Fächern ab, sagt Andreas Schobert. Die einzelnen Projekte würden entweder an ihn herangetragen, oder er denkt sie sich in einer stillen Stunde aus.

Geboren wurde Andreas Schobert in Neustadt an der Aisch. Dort ist er aufgewachsen, dort ging er zur Schule und legte das Abitur ab, ehe er sich für ein Sonderpädagogik-Studium in Würzburg entschied. Ein Didaktik-Fach war Kunst und so wuchs er von der Sonderpädagogik immer mehr in die Kunst hinein, bis er schließlich einen Magisterabschluss in Kunstpädagogik machte und ein Jahr lang die Nürnberger Kunstakademie besuchte. Als Referendar war er am E.T.A.-Hoffmann-Theater in Bamberg tätig, ehe er 2005 als Kunsterzieher für die 5. bis 13. Jahrgangsstufe ans Caspar-Vischer-Gymnasium kam. Seitdem arbeitet er nicht nur in Kulmbach, sondern lebt auch hier.

Nach mehreren Jahren ausschließlich kunstpädagogischen Wirkens erfolgte bei Andreas Schobert 2012/2013 ein Neubeginn der eigenen bildnerischen Arbeit, einhergehend mit dem Bezug eines Ateliers in der Oberen Stadt. Seitdem steht das künstlerische Schaffen verbinden mit einer zunehmenden Ausstellungstätigkeit im Vordergrund. Seine Werke waren unter anderem bereits im sächsischen Freiberg, in der „homeless gallery 5“ und der „Färberei“ in München, in der Sparkassengalerie in Neustadt an der Aisch, sowie in Kulmbach auf der Plassenburg, im Badhaus, im Bäckerei- und Brauereimuseum sowie im Turbinenhaus zu sehen.

Seine Arbeiten zu beschreiben ist gar nicht so einfach. Zum einen arbeitet er ausschließlich abstrakt, zum anderen hat er sich mit künstlichem Rost ein, zugegeben recht eigenwilliges Material ausgesucht. Eisenhaltige Farbe wird dabei mit Hilfe eines chemischen Prozesses so bearbeitet, dass die Eisenpartikel in der Farbe rosten. Für Andreas Schobert ein interessanter Gegensatz: Zum einen ist Eisenoxid vom Rost her betrachtet ein Verfallsprodukt. Allerdings kommt Eisenoxid auch im Blut vor und steht dort für Leben. „Eisenoxid hat in seiner Ausstrahlung aber auch etwas Lebendige, mit vielen Nuancen.“ Genau das ist es, was den Künstler interessiert.

Als Musterbeispiel für ein herausragendes soziales Engagement war vor einigen Jahren viel über Andreas Schobert zu lesen Er hatte 2017 fast ein dreiviertel Jahr lang einen Teil seines Ateliers dem syrischen Schneider Rakan Ali zur Verfügung gestellt. Rakan Ali nutzt die Räume für sein „Start up“ als Werkstatt, als Begegnungsraum sowie zum gemeinsamen gestalterischen Arbeiten. Original syrische Stoffe wurden mit gerosteter Leinwand vernäht. Rakan Ali hat sich inzwischen selbstständig gemacht, was wohl ohne die Hilfe von Andreas Schobert niemals möglich gewesen wäre.

Vita:

Geboren: 1973

Geburtsort: Neustadt an der Aisch / Mitttelfranken

Beruf: Künstler und Kunsterzieher

Ausbildung: Freie Malerei bei Prof. Diet Sayler an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, Kunstpädagogik bei Prof. Rainer Goetz an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Referendariat: E.T.A.-Hoffmann-Gymnasium Bamberg

Studienaufenthalte: Projekt Civitella d`Agliano / Italien

Gastdozent: Kunstpädagogik der PH Heidelberg

Mitgliedschaft: Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Oberfranken e. V.

Bild: Künstler und Kunsterzieher: Andreas Schobert unterrichtet Kunsterziehung am Caspar-Vischer-Gymnasium und betreibt ein eigenes Atelier in der Oberen Stadt.

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24.10.2022

„Rampensau“ mit Goldener Schallplatte / Bierfest, Blödsinn und Blasmusik: Roland Jonak ist Profimusiker und Komödiant zugleich

Kulmbach. Preisfrage: Welcher Kulmbacher hat eine Goldene Schallplatte bekommen? Antwort: Roland Jonak, bekannt als eine Hälfte des Seltsamen Paares, als Vorsitzender der Stadtkapelle aber eben auch als langjähriger Schlagzeuger des Blasorchesters Winfried Stark und seine Original Steigerwälder. 1991 gab es die Auszeichnung für das Album „Überall wo Freiheit ist“. „Ich bin schon ein wenig stolz darauf“, gibt sich Roland Jonak bescheiden.

1989 bis 1994 war er bei Winfried Stark aktiv. Sechs Spielzeiten pro Jahr mit jeweils 170 bis 180 Auftritten. Viele Fernsehsendungen waren darunter, zahlreiche Auslandsauftritte, Tourneen mit prominenten Musikerkollegen wie Marianne und Michael, Patrick Lindner, den Kastelruther Spatzen und vielen mehr. „Es war eine schöne und aufregende Zeit, die ich nicht missen möchte“, sagt Roland Jonak, der heuer seinen 60. Geburtstag gefeiert hat. Ein bisschen Wehmut schwingt schon mit, wenn er davon erzählt, dass er schließlich aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste.

Die Bühne hat ihn aber trotzdem bis heute nicht losgelassen. Sei es mit seinen Auftritten beim Gaudibrettla, bei den Buschklopfern oder als legendäres Seltsames Paar zusammen mit Manfred Spindler. Für Blödsinn sei er schon immer zu haben gewesen, erinnert sich Roland Jonak. Klar, dass er bei den Steigerwäldern für das Showprogramm verantwortlich war. Er habe stets versucht, Heiterkeit und Spaß in die Sache zu bringen. „Mein Lebensziel ist es, dass die Leute auch mal den Alltag vergessen und herzhaft lachen können“, sagt er, der sich schon irgendwie als „Rampensau“ sieht.

Begonnen hat das alles mit neun Jahren, als ihn seine Eltern zum Kulmbacher Fanfarenzug mitnahmen und er dort die Landsknechttrommel schlagen durfte. Kurz darauf folgte die Jugendkapelle, später die Stadtkapelle, wo er mittlerweile als der dienstälteste Musiker gilt. Roland Jonak war schon immer für das Schlagwerk zuständig. „Alles, was mit Stecken zu tun hat“, wie er es ausdrückt.

Das schließt aber nicht aus, dass er auch einen bürgerlichen Beruf erlernt hat. Bei der damaligen Bäckerei Dietzel absolvierte er eine Bäckerlehre, ein Jahr lang arbeitete er bei der Bäckerei Stamm, dann rief der Bund. „Ich wollte Militärmusiker werden“, sagt Roland Jonak, Tatsächlich landete er als einer von ganz wenigen Wehrpflichtigen beim damaligen Heeresmusikkorps IX in Regensburg. Für vier Jahre verpflichtete er sich dort, ein Jahr davon besuchte er das Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr im nordwestfälischen Hilden, die zentrale militärmusikalische Ausbildungseinrichtung der deutschen Streitkräfte, die eng mit der Robert-Schumann-Hochschule für Musik in Düsseldorf zusammenarbeitet.

Als er nach den vier Jahren nach Kiel oder Hannover versetzt werden sollte, war die Heimatliebe stärker. Roland Jonak ging zurück nach Kulmbach, nutzte seine Kontakte in die Szene, beschloss, Profi zu werden und erlangte mit den verschiedensten Gruppen wie den „Franken“, der „Altfränkischen Blasmusik“ oder der Oktoberfestkapelle Schwarzfischer überregional Bekanntheit. Vom Hamburger Dom bis zum Cannstatter Wasen in Stuttgart, vom Münchner Oktoberfest bis zum Bayreuther Volksfest, überall war Roland Jonak zu erleben, bis er schließlich bei den Steigerwäldern landete. Das alles sei eine „superschöne Zeit“ gewesen. Keine Sekunde möchte er davon missen.

Heute hilft er gerne bei den Musikvereinen der Region aus. „Ich spiele überall, wo ich gebraucht werde. Seit zehn Jahren steht er an der Spitze der Stadtkapelle, mit der heuer nach der Corona-Pause endlich wieder einmal das Bierfest eröffnen durfte. „Es war wieder ein großer Moment.“ Wenn alles gut geht, soll es nach der Corona-Pause auch heuer wieder ein Neujahrskonzert geben.

Offen ist dagegen die Zukunft des Seltsamen Paares. Es wäre schade, wenn es so zu Ende gehen würde, sagt er und legt großen Wert darauf, dass es im Herzen noch lange nicht beendet ist. Problem ist noch immer die fehlende Planungssicherheit. Im März 2020 habe man viele ausverkaufte Veranstaltungen absagen müssen. Kaum jemand könne sich vorstellen, was da organisatorisch alles dranhängt. Auch das Kleinkunstbrettla hat er noch lange nicht aufgegeben, auch wenn die Bühne in Untersteinach so nicht mehr zur Verfügung steht.

Trotz der Einschnitte der zurückliegenden Jahre ist Roland Jonak mit sich und der Welt zufrieden. „Meine Träume habe ich alle erleben dürfen“, sagt er. Seine Zeit als Berufsmusiker gehört dazu, wie das Spielen auf der eigenen Bühne. Sein Herz schlägt auch weiterhin für die Böhmische Blasmusik. Die Legende Ernst Mosch durfte er während seiner Zeit bei den Steigerwäldern sogar persönlich kennenlernen.

Bild: „Schon ein wenig stolz darauf“: Roland Jonak mit der Goldenen Schallplatte, die er zusammen mit Winfried Stark und seinen Original Steigerwäldern bekommen hat.

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17.10.2022

Lehrerin, Leistungssportlerin, Landschaftsmalerin: Die Malerin Helga Hopfe ist nicht nur künstlerisch eine vielseitige Persönlichkeit

Schmeilsdorf. „Für mich muss ein Kunstwerk etwas Inneres widerspiegeln“, sagt Helga Hopfe. Die in Danndorf beheimatete Malerin, die im nahen Schmeilsdorf ein eigenes Atelier hat, ist in vielen Techniken und Stilen zuhause. Ihre Lieblingsfarbe ist rot, ihr Lieblingstier ist die Katze. Kein Wunder, dass der Betrachter auch vielen ihrer Bilder Katzen entdeckt. Doch bevor sich Helga Hopfe als Künstlerin einen Namen machte, wurde sie in ihrer Heimat als Sportlerin bekannt. Bei den Europameisterschaft 1961 brachte sie es im Doppelvierer der Ruderer immerhin zu einer Bronzemedaille.

Geboren wurde Helga Hopfe 1938 im vogtländischen Oelsnitz als sogenanntes Arbeiterkind. Eigentlich wollte sie mal Teppichzeichnerin werden, doch da kam der Sport dazwischen. So besuchte sie nach der erweiterten Oberschule, heute würde man Gymnasium dazu sagen, die „Deutsche Hochschule für Körperkultur“ in Leipzig mit Sport als Hauptfach sowie die Karl-Marx-Universität mit Pädagogik, Psychologie und eben mit Kunsterziehung.

Bevor sie in den 1960er Jahren in den Schuldienst ging, widmete sie sich dem Leistungssport und konnte im Rudern recht gute Erfolge vorweisen. Die Teilnahme an den Europameisterschaften 1960 in England, bei dem sie wegen eines Steuerfehlers einer Teamkollegin disqualifiziert wurde und die Europameisterschaft 1961 in Prag, bei der es die Bronzemedaille gab, sind ihr noch lebhaft in Erinnerung.

Nach dem Ende der sportlichen Karriere unterrichtete Helga Hopfe Sport im sächsischen Plauen, und eben auch Kunsterziehung. „Das war der eigentliche Anfang meiner Arbeit mit Farben“, sagt sie. In Plauen gehörte sie zu den Mitbegründern des dortigen Kunstvereins. „Ich bin keine Einzelgängerin, ich habe schon immer die Gemeinschaft gesucht“, so Helga Hoppe, die es nicht mag, „im eigenen Saft zu schmoren“.

Dann kam das Jahr 1989 und mit ihm die Wende. Sie habe geweint, als sie zum ersten Mal im Westen war und über den Rhein gefahren sei, um ihre Schwester zu besuchen. „Das war einfach etwas, was man nicht fassen konnte.“ Die erste Zeit sei „wie ein Rausch“ gewesen, sagt Helga Hopfe, die nie in einer Partei war und die deshalb auch zu DDR-Zeiten nie irgendwelche Vorteile genießen durfte.

In das Kulmbacher Land kam sie nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes, weil einer ihrer beiden Söhne hier als Physiotherapeut tätig war. „Ich habe sofort Anschluss zur hiesigen Kunstszene gesucht“, erinnert sich Helga Hopfe. Bei verschiedenen Vernissagen habe sie erste Kontakte geschlossen. Viele Jahre lang habe sie beispielsweise an den oberfränkischen Malertagen teilgenommen, noch heute gehört sie dem Beirat des Bundes fränkischer Künstler an. Viele Kurse hatte sie seitdem besucht, um immer wieder neue Impulse zu bekommen und neue Techniken kennenzulernen. Mittlerweile gibt sie auch selbst Kurse, jahrelang arbeitete sie in Schmeilsdorf mit behinderten Menschen.

Bekannt wurde Helga Hopfe im Kulmbacher Raum durch die vielen Einzel- und Gruppenausstellungen, etwa im Badhaus oder auf der Plassenburg. Bekannt ist sie aber auch in ihrer alten Heimat. So stellte sie unter anderem im Plauener Malzhaus oder im Rathaus von Oelsnitz und im dortigen Schloss Voigtsberg aus. Aber auch international trat sie immer wieder in Erscheinung, da finden sich Ausstellungen in spanischen Malaga, im französischen Mende und sogar in Litauen.

Ihre Vorbilder sind Caspar David Friedrich, die Impressionisten wie Claude Monet und Auguste Renoir und vor allem Pablo Picasso. Auch sie habe ganz realistisch angefangen und dann immer wieder einen Wandel vollzogen. In ihrer Motivwahl wird schnell deutlich, dass sie eine Vorliebe für Tunnels, Durchgänge und Wege hat. Immer ist auch eine Prise Humor dabei, etwa wenn sie einem ihrer Bilder den Titel „Bauer sucht Frau“ gibt. „Manchmal“, so sagt Helga Hopfe, „wäre es besser, wenn man den Bildern keinen Namen geben würde“. Das gelte vor allem für ihre gegenstandlosen Bilder. Helga Hopfe vermeidet dabei den Begriff abstrakt. In ihren Frühlingsbildern, die im Winter entstanden sind, wird die Sehnsucht nach der neuen Jahreszeit direkt spürbar. Und manchmal kann sie es gar nicht begründen, warum sie gerade das und dies gemalt hat, den kleinen blauen Elefanten etwa. Helga Hopfe ist mit vielen Techniken vertraut. Dazu gehören neben Aquarellen auch Radierungen, Holzrisse, Acrylmalerei, Mischtechniken, Aquatinten und Tuschearbeiten.

Vita Helga Hopfe:

Geboren: 1938 in Oelsnitz/Vogtland

Studium: Sport und Kunst an der „Deutschen Hochschule für Körperkultur“ und an der Karl-Marx-Universität in Leipzig.

Atelier: Im Haus Schmeilsdorf in der Gemeinde Mainleus.

Einzel- und Gruppenausstellungen in Kulmbach, Oelsnitz, Münchberg, Nürnberg, Schleiz, Plauen, Auerbach, Erlangen, Rehau, Neuenmarkt, Greiz, Pegau, Kronach, Dresden, Heilsbronn, Helmbrechts, Marktredwitz, Forchheim, Coburg, Neudrossenfeld, Selb, Bad Elster, Heroldsberg , Bayreuth sowie international in Italien, Litauen, Frankreich, Spanien und Serbien.

Bild: Helga Hopfe in ihrem Atelier in Schmeilsdorf.

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10.10.2022

Faszination Theater: „Großer und wichtiger Teil des Lebens“ / Carolin Wagner steht seit fast zehn Jahren an der Spitze der Buschklopfer

Kulmbach. „Ein bisschen fühlt es sich an, wie ein Neustart“, sagt Carolin Wagner, die seit März 2013 Vorsitzende an der „Buschklopfer“ ist. Die engagierte Theatergruppe hat in Untersteinach einen neuen Saal als neue Spielstätte, in den vergangenen Monaten sind neue Leute dazugekommen und alles zusammen bietet viele neue Möglichkeiten, um Theater zu spielen.

Eigentlich hatte die gelernte Hotelkauffrau und Fremdsprachenkorrespondentin gar nichts mit dem Theater zu tun. „Ich habe während meiner Schulzeit nie einen Theaterkurs besucht“, sagt sie. Trotzdem hat es sie irgendwann gepackt. Das war im Jahr 2004, als sie von den „Buschklopfern“ die damalige Produktion der US-amerikanischen Komödie „Arsen und Spitzenhäubchen“ sah. Sie sei so begeistert gewesen, dass sie noch am gleichen Abend angerufen und nach Möglichkeiten der Mitwirkung gefragt hatte. Und schon konnte Carolin Wagner zum ersten Mal Theaterluft schnuppern, wenn auch vorerst nur hinter der Bühne als Hilfskraft zum Umkleiden der Darsteller.

Doch bald schon durfte sie nach einigen kleineren Einsätze in verschiedenen Märchenproduktionen die Bretter betreten, die die Welt bedeuten. Das war in William Shakespeares „Sommernachtstraum“ im Ruinentheater von Sanspareil in der Regie des legendären Uwe Hoppe von der Bayreuther Studiobühne. Seitdem hatte sie in fast allen Produktionen mitgewirkt. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr das Skandalstück „Wenn der Hafer sticht“, in dem schon vor Jahren das Wirtshaussterben auf dem Land thematisiert wurde, und das damals wegen verschiedener Szenen als anstößig empfunden wurde. „Es war halt anders als die üblichen Boulevardstücke“, erinnert sie Carolin Wagner.

Spielstätte der „Buschklopfer“ war damals noch der Hupfer-Saal in Ködnitz. Nachdem der nicht mehr zur Verfügung stand, hatten die Verantwortlichen alle Säle der Region abgegrast, bis sie beim „Kleinkunstbrettla“ in Untersteinach landeten. Fast zehn Jahre lang mieteten sich die Buschklopfer dort jedes Jahr für rund drei Monate ein, um ihre Winterproduktionen einzustudieren und aufzuführen. Im Sommer spielte und spielt man im Hof des Amtsgerichtes, das alljährliche Weihnachtsmärchen wurde im ehrmaligen JUZ am Busbahnhof gegeben.

Das eigentliche Theaterspiel sieht Carolin Wagner noch immer mit gemischten Gefühlen. „Ich leide extrem unter Lampenfieber“, gibt sie zu. Für sie beginnt die Faszination Theater schon in der Probenzeit, dann, wenn sich das Ensemble zusammenfindet und eine neue Produktion entsteht. „Dann entsteht auch eine wirkliche Gemeinschaft“, sagt sie und gibt offen zu, dass das Theater ein ganz großer und wichtiger Teil ihres Lebens geworden ist. Gerne würde sie zum Beispiel noch einmal die Titania in einer Art „Sommernachtstraum reloadet“ spielen. Auch Stücke wie „Mord im Orient“ oder Shakespeares „Der widerspenstigen Zähmung“ würden sie reizen. Als ihre Lieblingsschauspielerinnen nennt sie Michelle Pfeiffer und Meryl Streep.

Künftig wird das ehemalige „Kleinkunstbrettla“ die Hauptspielstätte der „Buschklopfer“ werden, denn vor wenigen Wochen har der Verein den Saal übernommen. „Es war gar nicht so einfach, das zu stemmen“, so Carolin Wagner und Georg Mädl. Er ist nicht nur zweiter Vorsitzender des Vereins, auch privat bilden Carolin Wagner und Georg Mädl ein Team. Beide appellieren an die hiesige Wirtschaft, etwa durch Sponsoring das kulturelle Leben zu unterstützen. Mitglieder sind in dem Verein natürlich auch immer herzlich willkommen, egal ob aktiv oder passiv.

Mit der spritzig-frivolen Komödie „Job Suey“ sind die Buschklopfer bereits im März nach der Corona-bedingten Pause wieder voll durchgestartet. „Unsere Mitspieler sind alle bei der Stange geblieben“, freut sich Carolin Wagner. Die acht Aufführungen seien fast alle ausverkauft gewesen und die Besucher hätten „endlich wieder einmal unbeschwert lachen“ können.

Als Produktion für den Winter steht bereits die Kriminalkomödie „Außer Kontrolle“ von Ray Cooney auf dem Programm. Carolin Wagner verspricht das „totale Boulevard-Chaos“. Die Proben dazu starten bereits im Herbst, die Premiere ist für Anfang Januar geplant. Auch das Sommerstück, das dann wieder im Amtsgerichtshof gespielt wird steht bereits fest: Es wird das Stück „Unkraut“ des fränkischen Kultautors Fitzgerald Kusz sein.

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04.10.2022

Metzger und Musiker zugleich / Als „Frankenrebell“ ist Hansi Hümmer Garant für Frohsinn und gute Laune

Stadtsteinach. Von den Amigos bis zu den Ärzten, von den Oberkrainern bis zu „Layla“: Hansi Hümmer ist musikalisch vielseitig unterwegs. Doch nicht nur musikalisch: Einst war er der jüngste Metzgermeister Deutschlands, er führte viele Jahre lang einen weit über die Grenzen des Kulmbacher Landes bekannten Gasthof, machte sich als singender Wirt einen Namen und trat mehrfach als „Frankenrebell“ im Fernsehen auf.

Hansi Hümmer (67) ist das, was man einen klassischen Alleinunterhalter nennt. So ganz stimmt das „allein“ auch nicht, denn manchmal ist er auch im Duo unterwegs zum Beispiel mit seinem Sohn Sebastian (39) oder mit dem ehemaligen „Radspitz“-Gitarristen Peter Hienert.

Er ist Vollblutmusiker durch und durch. Kein Tag, an dem er keine Musik macht, und wenn es „nur“ zu Übungszwecken ist. Hansi Hümmer ist aber auch der klassische Entertainer: „Die Leute zum Lachen zu bringen, das ist doch was Schönes“, sagt er. Und da ist er auch schon bei seinem Lieblingsthema, dem Fasching. Hansi Hümmer, das ist schlichtweg der personifizierte Fasching. Über 20 Jahre lang stand er als Vorsitzender an der Spitze der Faschingsgesellschaft Stadtsteinach, mittlerweile ist er sogar Ehrenvorsitzender. Er organisiert, managt und moderiert den Stadtsteinacher Fasching, wenn nicht gerade Corona ist. Er ist Büttenredner, Texteschreiber und Liedinterpret in einer Person.

Dabei hat Hansi Hümmer auch noch einen „ordentlichen“ Beruf. Er ist Metzger. Mit 15 schloss er bereits seine Gesellenlehre ab, noch mit 18 machte er die Meisterprüfung. Dazwischen lag ein Jahr als Kellner im prominenten Parkhotel im schweizerischen Arosa. Seine Tätigkeit im elterlichen Gasthof erfuhr 1983 einen schmerzlichen Einschnitt, als der Vater plötzlich verstarb und Hansi Hümmer den Gasthof übernehmen musste.

Parallel dazu entwickelte sich auch eine bemerkenswerte musikalische Karriere. Als Kind von den Eltern „verdonnert“, Akkordeon zu lernen, brachte er sich schon bald selbst das Gitarrenspiel bei und gründete eine Band, die „Hugo-Schneckerich-Crew“, aus der später „Hugo Sixpack“ und schließlich die „Hugo-Schneckerich-Show“ wurde.

Was lag in den folgenden Jahren näher, als Gastronomie und Musik zu verbinden? Und so wurde Hansi Hümmer als „Singender Wirt vom Frankenwald“ schon bald überregional bekannt. „Wir hatten manchmal 25 Busse im Monat, die von überall her kamen“, erinnert er sich. Doch irgendwann Anfang der 2000er Jahre ging es mit dem Gasthof bergab. Stadtsteinach verlor mehr und mehr an Bedeutung, so dass auch die Feiern weniger wurden, der Markt war lange eine Baustelle, der Gasthof war nicht mehr attraktiv und so entschloss sich Hansi Hümmer erst einmal Schluss zu machen mit der Gastronomie

Als Alleinunterhalter hatte er sich da längst einen Namen gemacht und beinahe unzählige Hochzeiten, Polterabende Familienfeiern mit seiner Kunst bereichert. Auch eine CD mit vielen eigenen Lieder und Texten war bereits auf dem Markt. Bestimmt können sich noch viele an seinen Hit „Nix amore“ erinnern. Gleichzeitig stieg Hansi Hümmer auch wieder in die Gastronomie ein und eröffnete seinen Imbiss mit Partyservice in Stadtsteinach. Drei Festangestellte und zwei Aushilfen beschäftigt er hier, der Imbiss ist weithin bekannt für Sauerbraten, Burger, Steaks und Grillplatten.

Heute ist Hansi Hümmer vor allem auf Kerwas, Weinfesten und Sommerfesten aller Art anzutreffen. Dort spielt er am liebsten die Songs von den Beatles, den Stones, den Beach Boys. Es dürfen auch gerne mal die Ärzte oder die Toten Hosen sein. Wenn er auch technisch bestens ausgerüstet ist, so legt Hansi Hümmer doch großen Wert darauf, notfalls auch ohne Strom die Menschen bestens unterhalten zu können. „Wenn der Strom ausfällt, dann spiele ich einfach mit dem Schifferklavier weiter“, sagt er. Auch im Fernsehen war er schon sehen, bei Franken Helau und gleich zwei Mal im Finale der Show „Franken sucht den Supernarr“. Dort landete er beide Male unter jeweils 80 Bewerbungen unter den ersten zehn.

Wenn Hansi Hümmer mal keine Musik macht und auch nicht am Tresen seines Imbisses steht, dann ist er meist sportlich unterwegs. Tennis hat er bis in die Landesliga gespielt, er fährt Ski, Abfahrt und Alpin und schwebt auch schon mal als Drachenflieger über seine Heimat. Mit seinem Berner Sennenhund läuft er täglich von seinem Wohnort Untersteinach zum Imbiss nach Stadtsteinach. Am liebsten sieht er sich allerdings als Witzeerzähler, wobei er darauf Wert legt, dass seine Witze nie ordinär sind. „Höchstens leicht unter der Gürtellinie“, fügt er augenzwinkernd hinzu.

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26.09.2022

Kirchenmusik in Zeiten von Corona / Von Barock bis Rock: Stadt- und Dekanatskantor Christian Reitenspieß ist vielfältig musikalisch unterwegs

Kulmbach. Ende 2019 wurde er mit einem Festgottesdienst in der Petri-Kirche als neuer Stadt- und Dekanatskantor in sein Amt eingeführt. Anfang 2020 war dann erst einmal Schluss. Corona hatte alle Pläne zunichte gemacht. Keine einfache Situation für Christian Reitenspieß (51), dem Stadt- und Dekanatskantor von Kulmbach.

Mit dem virtuosen Finale aus der Orgelsymphonie Nr. 1 in d-Moll des französischen Komponisten Alexandre Guilmant hatte er bei seiner Einführung eine überaus eindrucksvolle Visitenkarte an der großen Rieger-Orgel der Petri-Kirche abgegeben. Christian Reitenspieß hatte große Pläne. Eine Aufführung der fragmentarischen Markus-Passion von Johann Sebastian Bach war für den kommenden Karfreitag geplant. „Wir waren gerade in den Proben, als wir über den Dekanatsausschuss erfuhren, dass erst mal alles dicht ist“, erinnert sich der Kirchenmusiker.

Christian Reitenspieß ist nicht nur waschechter Franke, er kann auch auf jede Menge Erfahrung im Haupt- und Nebenamt verweisen. Geboren wurde er im mittelfränkischen Diespeck, bei Neustadt an der Aisch. Im nahen Markt Erlbach spielte er zum ersten Mal die Orgel. Schon vorher, im Alter von neun Jahren, begann er mit dem Klavierspiel, mit zehn Jahren folgte die Posaune, ehe er sich mit elf für die Orgel entschied. Noch etwas verbindet Reitenspieß mit Franken, in diesem Fall sogar Oberfranken: er hat in Bayreuth Kirchenmusik studiert und in Hof sein Berufspraktikum absolviert. Zuletzt war er 16 Jahre lang in Melsungen, südlich von Kassel, in Nordhessen und davor sechs Jahre lang im südhessischen Gelnhausen tätig.

Lieblingskomponisten hat Christian Reitenspieß keinen. An der Rieger-Orgel der Petrikirche lasse sich allerdings die Musik der französischen Romantik am besten spielen. Er besitze aber auch einen ausgeprägten Hang zu barocker und frühbarocker Orgelmusik. Eine Orgel sei aber keineswegs ein verstaubtes Instrument. Man könne sogar die Rockmusik der 50er und 60er Jahre darauf interpretieren. Rockmusik, oder auch Pop und Jazz hört er gerne auch mal privat. Neben Barock und Spätromantik liegt im Anton Bruckner sehr und wenn schon Oper dann eher Mozart als Wagner.

Mittlerweile fand mit dem Lobgesang von Felix Mendelssohn Bartholdy auch wieder ein richtig großes Konzert in der Petrikirche statt, nachdem es vorher mehrfach verschoben werden musste. „Die Anzahl der Chormitglieder ist während Corona um etwa ein Drittel geschrumpft, gleichzeitig ist die Motivation enorm gestiegen“, so Christian Reitenspieß. Ein Teil sei weggezogen, ein Teil habe aufgehört und von einem weiteren Teil habe er einfach nichts mehr gehört, bedauert er.

Dabei habe er stets versucht, per E-Mail Kontakt zu halten. Mit einem Stamm von Unentwegten habe er in den Gottesdiensten als Choralschola von der Empore gesungen, als das für die Gemeinde gar nicht mehr möglich war. Den Weihnachtsgottesdienst habe er mit dem Vokalensemble gestaltet. Zuspruch kam von allen Seiten. Die Gemeindeglieder bedankten sich, dass gesungen wurde, die Mitwirkenden dankten dafür, dass sie überhaupt singen durften. „Eine total verkehrte Welt“, wie Christian Reitenspieß im Nachhinein feststellt.

Zu seiner Arbeit gehören auch das Seniorensingen, zu dem sich mittlerweile regelmäßig rund 30 Menschen jeden Mittwochvormittag in der Spitalkirche treffen, ein Kinderchor, der im Mai sogar ein kleines Mini-Musical während des Gottesdienstes aufgeführt hatte, die Arbeit mit dem Ensemble „Tonarten“, die regelmäßige musikalische Ausgestaltung während der Gottesdienste und eine kleine Orgelreihe.

Große Pläne hat Christian Reitenspieß für die kommenden Monate. Nach den Sommerferien beginnen die Proben für John Rutters musicalhaft anmutendes „Requiem“, das im November zur Aufführung kommen soll. Für das kommende Jahr ist dann doch noch die fragmentarische Markus-Passion von Bach geplant.

Bilder:
1.
Die Kulmbacher Kantorei unter Christian Reitenspieß bei ihrem letzten großen Konzert in der St. Petri-Kirche.
2.
Stadt- und Dekanatskantor Christian Reitenspieß.
3. Christian Reitenspieß bei seinem Amtsantritt am Spieltisch der Rieger-Orgel.

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19.09.2022

Bach, Brahms und Bierzelt: Rainer Streit beherrscht die gesamte Bandbreite der Musik

Ludwigschorgast. „Ich versuche immer das Beste daraus zu machen und das Beste zu geben“. Der Tubist Rainer Streit ist Profimusiker. Orchestermitglied der Hofer Symphoniker, Lehrer an deren Musikschule, Teil des Blechbläserquintetts Rekkenze Brass, aber auch Dirigent des Musikvereins Ludwigschorgast: Trotz seiner erst 54 Jahre kann er bereits auf ein langes, reichhaltiges und vielfältiges Musikleben zurückblicken.

Das sah zunächst ganz anders aus. Nach Realschule und Mittlerer Reife folgte zunächst eine Lehre zum Elektroinstallateur. Genau ein Monat lang hat der gebürtige Kulmbacher, der in Ludwigschorgast zuhause ist, in seinem Beruf als Geselle gearbeitet, dann kam die Musik dazwischen. Das heißt, eigentlich war die Musik schon immer da. Zunächst in Form einer Heimorgel, wie sie damals modern war, und schon bald in Form der Tuba. „Ich hab die Tuba einfach mal ausprobiert und bin hängen geblieben.“ 

„Die Franken“ waren eine der ersten Formationen, mit denen Rainer Streit öffentlich aufgetreten war, von Kronach bis Nürnberg, Abstecher führten bis nach Goslar. 1985 gehörte er zusammen mit seinem Bruder Harald, dem jetzigen Leiter der Kulmbacher Musikschule, zu den Gründern des noch immer existierenden Blechbläserquintetts Culma Brass, bis er sich 1987 zum Studium am Meistersinger-Konservatorium in Nürnberg entschloss. Mit dem Hauptfach Tuba schloss er 1991 mit der Note sehr gut die „Staatliche Musikreifeprüfung“ ab, ein dreijähriges Aufbaustudium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt schloss sich an, seitdem darf sich Rainer Streit Diplom-Musiker nennen. Nicht vergessen werden soll dabei das Jahr Wehrdienst, den Rainer Streit beim Gebirgsmusikkorps 8 in Garmisch-Partenkirchen ableistete.

In die Zeit der Musikstudien in Nürnberg und Frankfurt fallen auch Rainer Streits erste Orchestererfahrungen mit den Nürnberger Symphonikern, dem Rundfunk-Symphonieorchester Frankfurt (heute hr-Sinfonieorchester) und bald auch schon den Hofer Symphonikern. 1996 dann der Einstieg bei Rekkenze Brass, dem Blechbläserquintett der Hofer Symphoniker. Mit dieser Formation erlebte Rainer Streit auch einen der vielen Höhepunkte seines Musiklebens: eine USA-Tournee mit 38 Konzerten an 30 Orten innerhalb von 42 Tagen. Das war im Jahr 1998. Konzerte in den Metropolen Boston, Chicago und Boston sollten folgen.

„Jedes Konzert ist für sich ein Highlight“, sagt Rainer Streit bescheiden. Mit den Hofer Symphonikern gehören Auftritte bei den Schlossfestspielen in Regensburg mit Weltstars wie Elina Garanca, Jonas Kaufmann, Jose Carreras oder Lucis Aliberti unwillkürlich dazu. „Mit meiner musikalischen Bandbreite decke ich nahezu alles ab“, sagt Rainer Streit. Auftritte mit den „Franken“ bei der Bierwoche oder beim Volksfest in Nürnberg genauso, wie das Musizieren in der Oper, im Symphoniekonzert, bei Standkonzerten, in Altenheimen oder vor Schulklassen.

Seit dem Jahr 2010 ist Rainer Streit außerdem auch der Leiter des Musikvereins Ludwigschorgast. Wenn nicht gerade Corona ist, findet das traditionelle Jahreskonzert immer am Ostersonntag statt, für den Herbst ist immer ein böhmischer Abend geplant. Ort des Geschehens ist in beiden Fällen die Steinachtalhalle in Stadtsteinach.

Corona hatte allerdings dafür gesorgt, dass erst einmal lange gar nichts stattfand. Bei Rekkenze Brass gibt es mittlerweile drei neue Gesichter, die Planungen laufen derzeit wieder an. Die Hofer Symphoniker hatten zunächst mit einer Art musikalischen Adventskalender auf deren Facebook-Seite Kontakt zu allen Musikfreunden gehalten, um wenigstens ein Lebenszeichen zu geben. Schon bald gab es allerdings auch wieder Kurzkonzerte im Freien, gespielt und geprobt wurde in den Räumen der Hofer Freiheitshalle. „Wir hoffen, schon bald wieder im Theater spielen zu können“, so Rainer Streit. Dort hatten zunächst aufwändige Sanierungsmaßnahmen stattgefunden, ehe ein Wasserschaden den Betrieb lahm legte.

Gefragt nach seinen Lieblingskomponisten nennt Rainer Streit spontan Johannes Brahms und Peter Tschaikowsky. Was die Bläserformation angeht, gehöre unwillkürlich auch Johann Sebastian Bach dazu. Und in Sachen Böhmischer Blasmusik komme man an Ernst Mosch einfach nicht vorbei. Es sei schon erstaunlich, wie man dabei immer wieder „neue alte Nummern“ entdecken kann. „Bei Ernst Mosch gibt es eigentlich gar ein schlechtes Stück“.

Für die Zukunft hofft Rainer Streit, endlich wieder spielen zu können. „Auch dem Publikum ging das schon sehr ab“, so musste er es immer wieder feststellen. „Wir wollen den Leuten doch auch etwas bieten“, sagt er und freut sich, dass während der zurückliegenden zweieinhalb Jahre nahezu alle Musikerkollegen bei der Stange geblieben sind.

Bild: Sein Instrument ist die Tuba: der gebürtige Kulmbacher Rainer Streit lebt in Ludwigschorgast.
Foto: Fotostudio R. Schwarzenbach Hof

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12.09.2022

Ein Freigeist in Stanich / Wolfgang Martin hat die Kultur nach Stadtsteinach gebracht

Stadtsteinach. Theatermacher, Kulturschaffender, Freigeist: Das alles und noch viel mehr ist Wolfgang Martin. Dabei steht er eigentlich gar nicht so gerne im Vordergrund: „Wenn sie Persönlichkeit suchen, dann suchen sie bei mir vergebens“, sagt er und meint damit, dass er lieber im Hintergrund bleibt. Von dort allerdings zieht er die Fäden. Ob bei der „Gründung seiner Kulturinitiative mit dem eigenwilligen Namen „Die Wüste lebt“ (nach dem gleichnamigen Walt-Disney-Film), beim Umbau des Alten Rathauses zur Verwirklichung kultureller Projekte oder bei der Umgestaltung der ehemaligen Schule zum Theaterraum. Immer ist Wolfgang Martin der Motor, die treibende Kraft.

„Für mich ist alles Kultur“, sagt der heute 75-Jährige. Dabei deutet sein Lebensweg zunächst einmal gar nicht auf kulturelles Engagement hin: geboren in Frankfurt, Studium der Werkstoffwissenschaften in Berlin, Tätigkeiten bei Porzellanherstellern wie Rosenthal oder Winterling, später ein eigenes Ingenieurbüro, das sich als erstes im Kulmbacher Raum mit dem Thema Solar beschäftigte und Photovoltaikanlagen installierte. Daneben politisches Engagement als Leiter des oberfränkischen Regionalbüros der Grünen während der ersten Bundestagsperiode Anfang der 1980er Jahre, 15 Jahre lang Stadtrat in Stadtsteinach zuletzt für die „Bunte Liste“ und viele Jahre Vorsitzender des Bundes Naturschutz vor Ort. Nicht vergessen werden soll dabei seine Tätigkeit als Wissenschaftsjournalist. Mit dem prominenten Publizisten und Zukunftsforscher Robert Jungk (1913 – 1994) hatte er sogar ein Buch veröffentlicht.

Für einen „normalen“ Lebensweg würde das alles längst reichen, nicht aber für Wolfgang Martin. Ihm ging es schon immer darum, zeitgenössische Kultur erlebbar zu machen, und zwar dort, wo man es zunächst gar nicht vermuten möchte: auf dem flachen Land. So gründete er vor mittlerweile rund 25 Jahren die Kulturinitiative „Die Wüste lebt“. „Wir verstehen uns als kreativer Entwicklungs- und zeitgenössischer Kulturzusammenschluss in einer kleinen ländlichen Struktur“, beschreibt er das oberste Ziel des „multikulturellen Vereins, der immer wieder neue Wege geht“. 

Nach Stadtsteinach war er in den 1970er Jahre durch Zufall gekommen. Nach dem Studium ging es erst einmal ein halbes Jahr lang kreuz und quer durch Australien, irgendwann kam die Tätigkeit in der Porzellanbranche dazu, die damals in der Region stark verwurzelt war. Der Umstand, dass sein Frau eine Stelle als Krankenschwester suchte und im damaligen Stadtsteinacher Krankenhaus fand, ließ Wolfgang Martin dann endgültig hier ansässig werden.

Dreh- und Angelpunkt des Vereins war das Alte Rathaus. Dort gab es Theaterabend, Kabarett, Jazzkonzerte, Auftritte von Liedermachern, Lesungen, Filmvorführungen und vieles mehr. Legendär war und ist der 500 Jahre alte Gewölbekeller („Stanischer Keller“), aber auch im neugestalteten großen Garten zur Stadtmauer hin sowie an anderen Spielorten gab es immer wieder Veranstaltungsangebote. 1997 beispielsweise konnte Wolfgang Martin die bekannte Gruppe „Saitenwynd“ in die Steinachtalhalle holen, immer wieder gab es Theater in allen Variationen und zuletzt gastierte der Liedermacher Morgan Finlay in der Alten Schule.

 „Ich mach das alles für mich“, das sei stets seine Intention gewesen, sagt Wolfgang Martin. Viel Herzblut hatte er hineingesteckt und so ist es gelungen, einen Kreis gleichgesinnter um sich zu scharen. So kaufte er später die Alte Schule und führte dort das Frankenwaldtheater weiter. 60 Plätze gibt es im Theaterraum, einem ehemaligen Klassenzimmer im ersten Stock. Wolfgang Martin setzte dabei allerdings fast ausschließlich auf Gastspiele, zunächst von der ehemaligen Freien Bühne in Bayreuth, aber auch andere Formationen und immer wieder der Fränkische Theatersommer. Mit Sequenzen aus der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht gab es aber auch schon eine Eigenproduktion, in der Wolfgang Martin die Partie des Mackie Messer übernommen hatte.

Jüngstes Kind in der Ideenschmiede von Wolfgang Martin ist die Initiative „Campus Cactus“. Deren Ziel soll es sein, überregionale und internationale Workshops in den Bereichen Kunst und Kultur anzubieten. So fanden bereits deutsch-französische Comic-Wochen statt. Auf dem Plan für die Zukunft stehen Siebdruck-, Streetart und Theaterworkshops.

Sein Lebenswerk wird Bestand haben, davon ist auszugehen. Zwei seiner Kinder leben und arbeiten in Berlin, eine Tochter in München und eine weitere Tochter ist als Betriebsleiterin bei der Naturbühne Trebgast aktiv.

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05.09.2022

Menschen zum Lachen und zum Weinen bringen / Fränkisch im Focus: Rüdiger Baumann und sein Schauhaufen bereichern seit über 20 Jahren die Kulmbacher Kulturszene

Kulmbach. Dieser Mann ist Theater pur: Er schreibt, inszeniert, probt und spielt, leitet sein eigenes Theater, in dem er auch wohnt und (fast) alles, was er macht, hat irgendwie mit Theater zu tun. Dabei ist er eigentlich gelernter Fotograf und hatte bis zuletzt ein eigenes Studio. Doch irgendwann war die Lust am Spielen größer und mittlerweile hat Rüdiger Baumann in der Szene einen echten Namen als Theatermacher aus Kulmbach.

Dabei kommt er eigentlich aus Bayreuth. Über einen Umweg durch den Landkreis Coburg, wo seine Frau eine Zeit lang als Lehrerin tätig war, landete er in Kulmbach. Anfang der 1990er Jahre gründete er hier ein Fotostudio, im Jahr 2000 erwarb er den ehemaligen „Fränkischen Hof“ in der Ziegelhüttener Straße. Ältere Kulmbacher kennen das Gasthaus noch unter dem Namen der damaligen Wirtin: „Die Hanne“.

Aus dieser Ära stammen noch ein paar nützliche Einrichtungsgegenstände. Um diese herum hat sich allerdings einiges verändert. Zunächst wurde die Gaststätte zum Fotostudio umfunktioniert, dann zum Theater. Im ehemaligen Nebenzimmer ist jetzt die Bühne und im früheren Gastraum befindet sich die Zuschauertribüne, die Platz für gut 60 Personen bietet.

Theater hat er schon immer gespielt. „Was den Menschen ausmacht ist doch die Kultur“, sagt Rüdiger Baumann. Zunächst vor Freunden und Bekannten, dann folgten erste Auftritte zusammen mit den Buschklopfern. Die Wende, wie er es selbst bezeichnet, kam dann mit der „Franken-Revue“, ein von ihm selbst verfasstes Stück, das zwischenzeitlich bereits Kultstatus hat. Über 70mal wurde die „Franken-Revue“ schon aufgeführt, im kommenden Jahr ist eine Wiederaufnahme geplant.

Die Schauspieler, die Rüdiger Baumann um sich scharen konnte, nannten sich der „Schauhaufen“, ein Zusammenschluss, der seit 2006 als eingetragener Verein existiert und der regelmäßig „Das Baumann“, so lautet der Name des Theaters, bespielt. Daneben gibt es aber auch Gastspiele, etwa auf der Dorflinde in Peesten oder in einem Schafstall in Oberdornlach, um zwei besonders kuriose Spielorte zu nennen.

Irgendwann seien die Fotoaufträge immer weniger und das Theaterspiel immer mehr geworden, erinnert sich Rüdiger Baumann. Volksstücke im ursprünglichen Sinn, etwa von Johann Nestroy („Häuptling Abendwind“), Jean-Baptiste Moliere („Der Geizige“) oder von Gerhard Hauptmann („Der Biberpelz“) kamen dazu, immer aber in eigenen Bearbeitungen und meistens im fränkischen Dialekt. „Die Figuren wirken viel authentischer, wenn sie unsere Sprache sprechen“, sagt Rüdiger Baumann.

Zuletzt, das heißt vor Corona, waren es drei bis vier Eigenproduktionen pro Jahr. An ihnen und den Stücken des kommenden Jahres habe er nicht selten gleichzeitig gearbeitet. In dieser Hinsicht kam Corona gerade recht. Wenn auch von heute auf morgen alles weggebrochen war, so konnte Rüdiger Baumann endlich wieder einmal durchatmen und neue Kreativität entwickeln.

Schon im Sommer 2021 ging es mit Abstand und ganz wenigen Zuschauern weiter und derzeit startet er wieder voll durch. Beispielsweise hat er Molieres Stück „Der Bürger als Edelmann“, auf 30 Minuten Spielzeit „eingedampft“ und möchte es als mehrsprachiges Stück aufführen. Im Sommer wird an der Ziegelhüttener Straße Hinterhoftheater gespielt. Aktuell steht auch die Komödie „Der Kredit“ des katalanischen Autors Jordi Galcerana auf dem Programm.

„Es war schon immer mein Traum, Leute zum Lachen zu bringen, manchmal auch zu Tränen zu rühren“, sagt Rüdiger Baumann. Prominente Theaterleute und Schauspieler wie etwa Heinz Erhardt, Loriot oder auch Stan Laurel und Oliver Hardy („Dick und Doof“) hätten ihn da sehr geprägt. Er sagt aber auch ganz klar: „Wir machen Amateurtheater.“ Da gehe es nicht um nur um spielerische Qualitäten, sondern auch um Miteinander und um den Spaß an der Sache.

Wenn er nicht gerade mal wieder an einem Stück schreibt, etwas Neues probt oder selbst auf der Bühne steht, tritt Rüdiger Baumann als Moderator bei Seniorennachmittagen auf, veranstaltet Schultheater oder kümmert sich um die Theatergruppe der Werkstatt für Behinderte in Melkendorf. Auch zum Präsidenten des Rotary-Clubs Kulmbach wurde er kürzlich gewählt. Und wenn Rüdiger Baumann das Theater dann doch mal zusperrt, geht er mit seiner Frau campen, bevorzugt in die nähere Umgebung, ins Fichtelgebirge, in den Frankenwald oder ins Maintal.

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22.08.2022

Aus Männermangel zum Theater / Für Konrad Sauerteig von der Laienspielgruppe Neuenmarkt ist das Theaterspielen eine Herzensangelegenheit

Neuenmarkt. „Ich schau´ mir das halt mal an“, hatte Konrad Sauerteig vor gut zwölf Jahren gesagt. Dann besuchte er mal eine Probe, mal eine Aufführung der Laienspielgruppe Neuenmarkt. Irgendwie hat er But geleckt, schon bald darauf stand er selbst als Mitwirkender auf der Bühne des Gemeindesaals. Mittlerweile ist er nicht nur der Leiter der Gruppe, sondern auch Schauspieler, Regisseur, Organisator und Koordinator. Außerdem hat er bereits bei den Sommerspielen der Studiobühne Bayreuth mitgewirkt, war auf der Naturbühne in Trebgast zu sehen, spielte für den Brandenburger Kulturstadl in Bayreuth und in anderen Formationen.

Zugegeben: Konrad Sauerteig ist vorbelastet. Schon seine Brüder und seine Eltern wirkten in der Laienspielgruppe mit. Von klein auf schnupperte der heute 38-Jährige Theaterluft. Doch 2010 wurde es ernst. „Es herrschte Männermangel“, erinnert er sich. Tatsächlich wurden für die damaligen Produktionen junge Männer gesucht. Die Boulevardkomödie „Eine himmlische Beförderung“ von Wolfgang Bräutigam war das erste Stück, in dem er aktiv mitwirkte und eine Rolle übernahm.

Konrad Sauerteigs Leistung hat offensichtlich die Theatermacher in der Region überzeugt. Zunächst wurde er von den Faschingsfreunden engagiert, dann holte ihn Urgestein Jürgen Peter auf die Naturbühne in Trebgast und gleichzeitig spielte er für das ebenfalls in Neuenmarkt ansässige TIK, was so viel heißt, wie „Theater in der Kneipe“ oder wahlweise auch „Theater in der Kirche“. Gastspiele führten Konrad Sauerteig dabei sogar bis nach Ulm oder Bremen.

An sein zweites Hobby, den Fußball, war da eigentlich schon nicht mehr zu denken. Konrad Sauerteig hatte über 13 Jahre in Lanzendorf und zuletzt beim FC Neuenmarkt als Außenverteidiger gespielt. Doch auch sein Tag hat nur 24 Stunden und seine Woche sieben Tage, so dass er sich irgendwann entscheiden musste: Er tat dies für das Theater und gegen den Sport. 2017 folgte er einem Aufruf auf Facebook, in dem die Studiobühne Bayreuth noch jemanden für das Stück „In 80 Tagen um die Welt“ nach Jules Verne suchte. Konrad Sauerteig absolvierte das Casting mit Erfolg. „13 Schauspieler in 82 Rollen, das war schon der Wahnsinn“, erinnert er sich.

Zuletzt stand er in dem Zwei-Personen-Stück „Zwei wie Bonnie und Clyde“ zusammen mit der Schauspielerin Anja Demuth auf der Bühne des Brandenburger Kulturstadls. Dann kam der Lockdown. „Wir konnten nur an sieben Abenden spielen, dann war Schluss“, erinnert er sich. Nun möchte er das Stück als eine Art Gastspiel nach Neuenmarkt bringen und zwischen Anfang September und Anfang Oktober einige Male im Gemeindesaal aufführen. Der normale Spielbetrieb startet allerdings erst wieder im Dezember, mit welchem Stück, das soll noch nicht verraten werden.

„Mir hat es eigentlich nie Schwierigkeiten gemacht, vor Leuten zu sprechen“, sagt Konrad Sauerteig. Schon immer habe er gerne Präsentationen gehalten. „Das ist wohl eine Veranlagung“. Text lernen sei für ihn kein Problem, ob beim Gassi gehen mit dem Hund, oder direkt beim Proben auf der Bühne. „Natürlich bin ich nicht Mister perfekt“, sagt er augenzwinkernd. Stabil und textsicher sei er aber in der Regel schon. Und wenn mal nicht, na dann könne man ja auch improvisieren.

Besonders freut Konrad Sauerteig, dass alle Mistreiter nach der langen Corona-Pause bei der Stange geblieben sind. „Die waren alle sofort wieder dabei“, sagt er. Das sei bei weitem nicht selbstverständlich. Sie alle fiebern schon den Proben für das neue Stück entgegen, das wohl im Dezember Premiere haben wird. „Wir wollen alle Theater spielen und wenn es den Leuten gefällt, dann freut uns das“, so Konrad Sauerteig, der auch von einer großen Gemeinschaft spricht. „Die Harmonie in der Gruppe ist uns schon sehr wichtig.“

Überflüssig ist es, an dieser Stelle zu erwähnen, dass alle Beteiligten ehrenamtlich spielen. Mit den Einnahmen werden die Unkosten gedeckt, und alles, was übrig bleibt, geht eins zu eins in die Abschlussfahrt für alle Aktiven, etwa nach Hamburg oder Berlin in ein großes Musical. Eine Traumrolle hat Konrad Sauerteig auch: er würde gerne mal den „Pfeiffer mit drei f“ in der „Feuerzangenbowle“ spielen, eine Rolle, die Heinz Rühmann unsterblich gemacht hat.

Bild: Konrad Sauerteig privat, im elterlichen Garten in Neuenmarkt.

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15.08.2022

„Um die Früchte unserer Arbeit gebracht“ / Self-Made-Man der Kleinkunst: Manfred Spindler blickt in ungewisse Zukunft

Untersteinach. Das Kulmbacher Kleinkunst-Brettla ist Geschichte. Zumindest der Saal an der Hauptstraße von Untersteinach, der in den zurückliegenden rund zwölf Jahren Heimat und Spielstätte des Vereins war. Für den Vorsitzenden Manfred Spindler ein „sehr emotionaler Abschied“, wie er offen zugibt, aber auch ein Abschied auf Raten. „Wir haben hier viel Geld, Arbeit und Energie investiert“, sagt er. Schuld an allen sei Corona, die entsprechenden Maßnahmen hatten der segensreichen Kulturarbeit, die allen Beteiligten so viel Freude gemacht hat, ein abruptes Ende bereitet.

Wenn Manfred Spindler ein letzten Mal durch den Saal geht, dann denkt er auch an seine persönlichen Anfänge zurück, an seine nahezu zahllosen Auftritte zusammen mit Roland Jonak als „Seltsames Paar“, an seine Gastspiele als „Kulmbacher Stänkerer“, an das Gaudi-Brettla und eben an das Kleinkunst-Brettla, viele Jahre lang in Untersteinach.

Schon seine Lehrerin hatte es ihm prophezeit: eines Tages werde er im Fernsehen zu sehen sein. Das war er dann auch, in verschiedensten Konstellationen. Den Beginn seiner Bühnenkarriere datiert Manfred Spindler auf das Jahr 1987. Damals lernte er Roland Jonak kennen. Schnell stellte man fest, dass man auf der gleichen Wellenlänge ist und so brachte es eine Rosenmontagslaune mit sich, dass beide sich bei einer „Fahrt ins Blaue“ mit der Eisenbahn als altes Ehepaar verkleideten und die Gäste mit ihren Scherzen spontan unterhielten. Das war die Geburtsstunde des seltsamen Paars.

Schon vorher hatte der heute 55-Jährige Theater gespielt, eine kleine Rolle in der „Lokalbahn“ von Ludwig Thoma beim damals zusammengewürfelten „Theater Kulmbach“. Aus der „Schnapsidee“ mit dem alten Ehepaar wurde schnell mehr. 1989 der erste Auftritt in der Stadthalle, Engagements für die Kulmbacher Brauerei, das ehemalige Faßmann-Fleischmann-Fest und so weiter. „Mit lokalen Themen haben wir die Leute vor Ort auf den Arm genommen“, beschreibt Manfred Spindler die Idee, die hinter dem „Seltsamen Paar“ steckt.

Irgendwann lief das Ganze dann komplett aus dem Ruder. Das Reichelfest vor 3000 Zuschauern zusammen mit Schlagerstar Stefanie Hertel, Engagements beim Kölner Karneval und eine schier endlose Zahl an Geburtstagen , Hochzeiten, Weihnachtsfeiern, Firmengalas, Wahlkampfauftritten für Bernd Protzner, und, und, und. „Wir waren meistes bayernweit unterwegs“, sogar die Freiheitshalle Hof füllte das „Seltsame Paar“, deren Späße auch auf drei CD-Veröffentlichungen dokumentiert sind.

Parallel dazu lief das Gaudi-Brettla an, ein Vorläufer des Kleinkunst-Brettlas. Politische Satire, kabarettistische Einlagen und Show, das seien die zentralen Elemente des Gaudi-Brettlas gewesen. 1995 der erste Auftritt in der Kommunbräu, danach hatte sich auch das Gaudi-Brettla verselbständigt. „Wir waren damit nicht nur im Kulmbacher Land, sondern beispielsweise auch im Hofer Land unterwegs“, erinnert sich Manfred Spindler, der auch die Programme selbst geschrieben hat. 2008 war dann Schluss mit einer großen Gaudi-Brett-Gala vor zwei Mal 800 Leuten in der jeweils ausverkauften Stadthalle.

Ziel sei fortan „etwas festes“ gewesen, etwas, wo er nicht mehr selbst ständig auf der Bühne stehen sollte, sondern auch Gastspiele veranstalten konnte. Und so landete man in Untersteinach, nannte sich künftig Kleinkunst-Brettla und eröffnete den Saal mit der legendären Altneihauser Feierwehrkapell´n. 2019 fand hier auch der (bislang) letzte Auftritt des „Seltsamen Paars“ statt. „Dann hat uns Corona um die Früchte unserer Arbeit gebracht“, sagt Manfred Spindler.

„Wenn man auf der Bühne steht, dann muss man absolut überzeugt sein, von dem, was man macht, absolut authentisch, sonst nehmen einem die Leute das nicht ab, entweder 100 Prozent, oder gar nicht.“ Notwendig seien dazu vor allem zwei Dinge: Talent und Mut. Er selbst war da so einfach reingeschlittert. Einfach so, ohne Ausbildung, jedoch mit jeder Menge Enthusiasmus.

Und den will er sich auch beibehalten, auch wenn er derzeit noch nicht so recht weiß, wie es weitergeht. Das „Seltsame Paar“ wollen er und Roland Jonak auf jeden Fall nicht einfach so durch die Hintertür beenden. Man darf gespannt sein. Und das Kleinkunst-Brettla wird ebenfalls weitergehen. Wie, das steht noch in den Sternen. Vorstellbar wären zum Beispiel Gastspiele, warum nicht im angestammten Saal in Untersteinach, der künftig von der Theatergruppe der Buschklopfer übernommen wird.

Bild: Manfred Spindler in dem bereits ausgeräumten Saal, der dem Kleinkunst-Brettla zwölf Jahre lang als Heimat diente.

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08.08.2022

An der Orgel zieht er alle Register / Trotz Corona und Kirchenaustritten: Wolfgang Trottmann wirbt unermüdlich für die Kirchenmusik“

Kulmbach. Fünf Jahre wollte er in Kulmbach bleiben, mehr nicht. 37 Jahre sind es mittlerweile geworden. „Bereut habe ich es nie“, sagt Wolfgang Trottmann. Der 62-Jährige ist seit Oktober 1985 als Regionalkantor für das Dekanat Hof zuständig, zu dem im weitesten Sinne die Landkreise Hof und Kulmbach gehören.

Sein Dienstsitz ist die Kirche „Unsere Liebe Frau“, sein Arbeitsplatz die Orgelbank hoch über dem Kirchenschiff. Hier an der 1986 neu errichteten Eisenbarth-Orgel mit ihren 27 Registern und ihren 1544 Pfeifen, und manchmal auch in anderen Kirchen des Dekanats, begleitet er die Gottesdienste an den Wochenenden musikalisch. Wolfgang Trottmann hat aber natürlich noch viel mehr Aufgaben. Im Auftrag des Amtes für Kirchenmusik erteilt er unter anderem Unterricht für die D-Ausbildung vor Ort und für die C-Ausbildung in Bamberg und Nürnberg. Er führt Fortbildungen für Organisten durch, ist daran beteiligt, Notensätze zusammenzustellen und hat bis 2008 auch einen Chor geleitet.

Wolfgang Trottmann stammt aus Amberg. Ein wenig war ihm die Kirchenmusik schon in die Wiege gelegt, schließlich war sein Vater als Lehrer damals auch für den Orgeldienst zuständig. „Musik hat mich schon immer fasziniert“, sagt er. Wolfgang Trottmann meint damit zunächst die Musik in der Amberger Stadtpfarrkirche St. Martin. So sehr hat sie ihn geprägt, dass er selbst das Klavierspiel erlernte, dann das Spiel an der Orgel. Im Chor sang er sowieso schon und so stand einem Studium der Kirchenmusik nichts mehr im Wege. Zunächst am damaligen Konservatorium in Nürnberg, dann an der Hochschule für Katholische Kirchenmusik in Regensburg.

„Irgendwie war ich immer ein Träumer, nie der knallharte Realist“, so beschreibt sich Wolfgang Trottmann selbst. Und so sah er irgendwann ein, dass er sich eine Stelle suchen müsse. Kulmbach sei gerade frei gewesen und so landete er unterhalb der Plassenburg. Hier wurde er dann heimisch und wollte fortan nie wieder weg.

Strukturbedingt nehme die katholische Kirchenmusik nicht die Breite ein, wie die evangelische, sagt Wolfgang Trottmann. Damit sie aber auch weiterhin wahrgenommen wird und den ihr gebührenden Stellenwert einnimmt, engagiert sich der Regionalkantor unter anderem als 2. Vorsitzender im Bundesverband katholischer Kirchenmusiker und als Vorstandsmitglied im Verband katholischer Kirchenmusiker. Gerade kommt er vom Katholikentag in Stuttgart zurück, wo er wieder einmal Partei ergriffen hat, für die Sache der Musik. „Die Kirchenmusik darf nicht in Vergessenheit geraten“, sagt er und spielt damit auf die vielen Umstrukturierungen an, die derzeit nicht nur bei den Katholiken vorgenommen werden. Mittlerweile gibt es nur noch drei nebenberufliche und zehn weitere nebenamtliche Organisten in Kulmbach Stadt und Land. 

Ursache für die notwendigen Umstrukturierungen sind zum einen die vielen Kirchenaustritte und zum anderen die Folgen der Corona-Politik. „Zwei Jahre Corona hat uns nicht gerade nach vorne katapultiert“, sagte Wolfgang Trottmann. Im Gegenteil: Corona habe die Kirchenmusik total ausgebremst und die Chöre nahezu lahmgelegt. Nicht nur die Besucherzahlen in den Gottesdiensten seien seitdem zurückgegangen, auch die Zahl der Aktiven in den Chören habe abgenommen, besonders darunter gelitten hätten Kinder- und Jugendchöre.

Auch wenn bei den Gottesdiensten Einbrüche zu verzeichnen sind und der Unterricht meist ausgefallen ist, blickt Wolfgang Trottmann einigermaßen optimistisch in die Zukunft. Er habe die zurückliegende Zeit zum Üben genutzt und will auf jeden Fall künftig auch wieder Konzerte anbieten. Denkbar sei etwa eine Bläserserenade im Freien oder auch das eine oder andere Orgelkonzert.

Bilder:
1. Vom Spieltisch aus bedient Wolfgang Trottmann 27 Register mit 1544 Orgelpfeifen.
2. Die 1986 neu errichtete Eisenbarth-Orgel in der Katholischen Pfarrkirche Unsere Liebe Frau“. 

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01.08.2022

Zu vielseitig für Vorbilder / Thomas Eschenbacher rockt mit dem Sinfonischen Blasorchester des Musikvereins Kasendorf alljährlich den Marktplatz

Kasendorf. 1974 war es, da ist Thomas Eschenbacher im Alter von sechs Jahren der Jugendblaskapelle beigetreten. Heute, 48 Jahre später ist er noch immer dabei, beim Musikverein Kasendorf. Nicht mehr als Klarinettist, sondern als Dirigent des Sinfonischen Blasorchesters. Wenn nicht gerade Corona ist, dann rockt er regelmäßig zur Bierfestzeit den Marktplatz. Doch das ist noch lange nicht alles.

Sein Großvater war es, der Thomas Eschenbacher zur Blasmusik gebracht hat. Erst war es die B-Klarinette, dann die Es-Klarinette, die konnte der kleine Bub besser greifen. Viele Jahre später, es war 1996 hörte der damalige Dirigent Georg Reichel auf und Thomas Eschenbacher wurde gefragt, ob er nicht die Nachfolge antreten möchte. Er sagte zu und der Rest ist Geschichte.

Das Konzert „Mai Musica“ in der Dr.-Stammberger-Halle in Kulmbach gehörte zumindest bis vor Corona zum festen Bestandteil im Konzertkalender. „Sinfonie rockt den Markt“ und das Herbstkonzert sind die anderen festen Säulen bei den Kasendorfern.

„Mit einem festen Stamm von 50 Musikern kann ich derzeit rechnen“, sagt Thomas Eschenbacher und ist froh darüber, dass die zwei Jahre Corona nicht noch tiefere Wunden in das Blasorchester gerissen haben. Zuerst habe man noch in der Turnhalle, dann im Schulhof unter freiem Himmel geprobt, doch dann sei endgültig Schluss mit den wöchentlichen Proben gewesen. Freunde und Fans der Kasendorfer mussten sich derweil mit dem letzten Herbstkonzert aus dem Jahr 2019 begnügen, dass der Sender BR Heimat damals vollständig aufgezeichnet und inzwischen mehrfach gesendet hat.

Moderne sinfonische Stücke sind Thomas Eschenbacher ein großes Anliegen. Das gibt es Pink Floyds „Another brick in the wall“ genauso wie Bob Dylans „Knocking´ on heaven´s door“ oder ein Bon-Jovi-Medley. Sogar Titel von Michael Jackson, den man jetzt nicht gerade mit Blasmusik in Verbindung bringen würde, standen schon auf dem Programm.

Alles Titel, die auch privat zu den Favoriten des passionierten Golfers gehören. Ansonsten mag es der gelernte Elektromeister und –techniker, der bei dem Multimedia-Unternehmen TMT in Bayreuth für Vertrieb, Internet und Cloud-Services tätig ist, auch gerne mal jazzig. Und er steht auf die Musik von Richard Wagner. Er schwärmt von immer vom Castorf-Ring, den er komplett im Bayreuther Festspielhaus genießen durfte.

„Wir wollen gezielt ein junges Publikum ansprechen“, sagt Thomas Eschenbacher. Die Rechnung geht auf, denn selbst im Corona-Jahr 2021 sind zwei junge Musiker zur Formation gestoßen. „Top-Leute, auf Top-Niveau“, wie der Dirigent anmerkt. Die Altersspanne des Klangkörpers reicht von 15 bis 65 Jahren. „Wir sind halt nicht das klassische Blasorchester“, begründet der gebürtige Kasendorfer seine Absicht, den Musikfreunden immer etwas Besonderes zu bieten. Seine Erwartungen setzt er dabei ganz hoch an: „Ich möchte schon wieder ein Spitzenorchester werden.“ Schon vor einigen Jahren wurde das Sinfonische Blasorchester des Musikvereins bei einem Wertungsspiel anlässlich eines Landesmusikfestes in Weilheim zum zweitbesten deutschen Blasorchester gekürt.

Auftritte führten den Klangkörper nicht nur nach Berlin, sondern auch schon mal in die kroatische Hafenstadt Split, nach Südtirol oder ins ungarische Sopron zur dortigen Partnerkapelle. Wenn Thomas Eschenbacher mal nicht mit seinem Orchester unterwegs ist, engagiert er sich im Nordbayerischen Musikbund, unter anderem als Schriftführer und stellvertretender Kreisdirigent im Kreisverband Kulmbach. Das sei schon auch wichtig, denn seitdem der Musikbund für das gesamte Prüfungswesen zuständig ist, sei das Niveau der Blasorchester deutlich angestiegen.

Vorbilder hat Thomas Eschenbacher nicht. „Da bin ich zu vielseitig“. Er beneide aber jeden Dirigent, der ein Berufsorchester leitet, weil der immer eine vollbesetzte Truppe vor sich hat, merkt er augenzwinkernd an. Für die Zukunft wünscht er sich, dass es allen Musikvereinen wieder gelingen möge, wieder spielfähige Orchester auf die Beine zu stellen. Nur so werde es möglich sein. Die Orchester auf einem Niveau weiterzuführen, wie es vor Corona einmal war.

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25.07.2022

Tausendsassa aus dem Kulmbacher Land / Vorerst keine Auftritte geplant: Für seine Fans ist Philipp Simon Goletz derzeit nur im Netz präsent

Untersteinach. Andrea Berg, Tony Christie oder Chris Norman: Stars wie diese kennen die meisten vom Radio oder vom Fernsehen. Einer der sie und viele andere nicht nur persönlich kennt, sondern auch mit ihnen zusammen gearbeitet hat, ist Philipp Simon Goletz. Der sympathische Musiker, der sich unter anderem als „Frankensima“ oder als „Bayern-1-Barde“ bei einem großen Publikum einen Namen gemacht hat, muss zurzeit krankheitsbedingt kürzer treten. Aktuelle Auftritte sind deshalb nicht geplant.

Obwohl mittlerweile im Rentenalter angekommen, zieht sich der 67-Jährige aber nicht aufs Altenteil zurück. Ganz im Gegenteil: Für den Hofer Privatsender Extra-Radio stellt er eine wöchentliche Musiksendung ausschließlich mit deutschen Schlagern zusammen, die sich größter Beliebtheit erfreut. Und auf Social-Media-Kanälen wie You Tube, Instagram und Tic Toc greift er immer wieder in seine musikalische Schatzkiste und präsentiert eigene Heimatschlager, unterlegt mit Bildern aus dem Kulmbacher Land.

„Eigentlich ist das Reklame für Kulmbach“, sagt er, der so viele Lieder über die Region geschrieben hat. „Den starken Bezug zur Heimat habe ich halt einfach und wollte ihn auch nie aufgeben“, so Philipp Simon Goletz, der in Kulmbach geboren wurde, in Kauernburg aufwuchs und heute in Untersteinach lebt. Während des knappen Jahres, das er berufsbedingt mal im Badischen wohnte, habe er vor Heimweh schon mal Tränen in den Augen gehabt.

Wenn die Bezeichnung Tausendsassa auf einen Künstler zutrifft, dann auf Philipp Simon Goletz. Er ist Musiker, Autor, Kabarettist, Komiker, Volkssängers, Mundartschriftsteller und vieles mehr. Er hat als Alleinunterhalter auf Familienfesten gespielt und zusammen mit dem österreichischen Liedermacher Reinhard Fendrich bei einem Open-Air-Konzert in Schweinfurt vor 30000 Zuhörern „I am from Austria“ gesungen“, natürlich mit einem fränkischen Spezialtext. Er hat als „Frankensima“ (Sima steht für Simon) das Wirtshaussingen im Kulmbacher Land publik gemacht und unterhielt viele tausend Radiohörer zunächst als Comedian bei Antenne Bayern, dann als „Bayern-1-Barde“.

„Den Kontakt zur Basis wollte ich nie verlieren“, sagt Philipp Simon Goletz, der sich aus als Autor, Komponist und Texter für Kinderhörspiele wie die Lillebi-Serie einen Namen gemacht hat. Dabei sah alles zunächst nach einer ganz normalen Berufslaufbahn aus. Philipp Simon Goletz machte eine Ausbildung zum Bankkaufmann und war auch mehrere Jahre in diesem Beruf tätig. Über Umwege als Musiklehrer und sogar als Journalist, machte er sich dann 1985 als Künstler mit eigenem Tonstudio und Musikverlag selbstständig.

Zwei große Erfolge hatte Philipp Simon Goletz gleich am Anfang seiner Karriere als Berufsmusiker: Er erzielte als Komponist, Texter und Produzent Spitzenplätze beim „Grand Prix der Volksmusik“ im Jahr 1988 und noch einmal 1989. Auch bei Wettbewerb „Lieder so schön wie der Norden“ wurde er 1990 zweiter Bundessieger. Für das Saxophonensemble von Captain Cook schrieb er mit „My blue memories“ das, was man einen Welthit nennt.

Vieles könnte man noch aufzählen. Schon Ende der 1970er Jahre galt Philipp Simon Goletz als erster fränkischer Gstanzl-Sänger, 1996 wurde er von SAT 1 zum „besten Alleinunterhalter Deutschlands“ gekürt. Für die Kulmbacher Brauerei war er als "Singender EKU-Postillion“ und „Bierkutscher" unterwegs, 1995 gab er im Auftrag des Deutschen Kegelbundes ein Konzeptalbum nur mit Liedern rund um den Kegelsport heraus, TV-Auftritte führten in um die Jahrtausendwende zu „Fastnacht in Franken“, mit seinem rund 1000 „Philigrammen“ war bundesweit gefragt und für die Basilika Marienweiher veranstaltete er das Benefizfestival „Klosterspitzen“.

Der Entertainer bedauert, dass dieser Open-Air-Event medienmäßig nicht so angenommen wurde, wie er es sich gewünscht hätte. Überhaupt habe es Franken, insbesondere Oberfranken nie so recht verstanden, sich die vielfältige Musiklandschaft touristisch nutzbar zu machen. „Da könnte man sich von den Österreichern vieles abschauen“, sagt Philipp Simon Goletz, der mit den Frankencasanovas die erste fränkische Schlagerband ins Leben rief. Sogar der legendäre Karl Moik habe den Titel „Bay´risch Kongo“ damals gespielt.

Die Corona-Politik sieht Philipp Simon Goletz kritisch. Viele seiner Kollegen hätten die Auswirkungen extrem schwer getroffen. „Es ist unverantwortlich, was da passiert ist“, sagt er. Viele Musikerkollegen versuchten nun verzweifelt, die Fragmente der Vergangenheit wieder zusammenzusetzen. Sein Respekt gebührt Kollegen wie Klaus Pfreundner und vielen anderen, die trotz Künstler-Repressalien unter anderem vor Seniorenheimen wenigstens für ein paar Minuten sonnige Spuren in die Gesichter der Bewohner zauberten. Er selbst verspricht: „Ich habe noch einige Schätze im Archiv, die es noch nicht geschafft haben, das Licht der Welt zu erblicken.“ Alle Freunde des „Frankensima“ dürfen gespannt sein.

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18.07.2022

Ein Theatermacher in Thurnau: Wolfgang Krebs feiert zehn Jahre Schlosstheater

Thurnau. „Wir lassen uns nicht unterkriegen von diesem Virus“, sagt Wolfgang Krebs. Der gebürtige Frankfurter kann heuer ein kleines Jubiläum feiern. Seit zehn Jahren gibt es das von ihm geleitete Schlosstheater Thurnau, für das er nicht nur als Intendant, sondern auch als Schauspieler und Regisseur tätig ist. Wenn er und seine Mitstreiter in den zurückliegenden zwei Jahren auch das Beste aus der Situation gemacht haben, so sagt er trotzdem: „Deses Hin und Her war schon ein emotionaler Stress.“

Über den Schauspielerkollegen Jan Burdinski und den Fränkischen Theatersommer war Wolfgang Krebs 2006 nach Oberfranken gekommen. Bekannt als Spezialist für die Commedia dell´arte holte ihn Burdinski, mit dem Auftrag, Carlo Goldonis Bühnenstück „Dieter zweier Herren“ zu inszenieren. Vorher war er zehn Jahre lang von 1989 bis 1999 in Italien tätig und arbeitete mit verschiedenen Theatercompagnien in Mailand, Turin, Ravenna und Verbania. Gastspiele führten ihn während dieser Zeit unter anderem in die Schweiz, nach Frankreich, Spanien, Belgien, Holland und nach Israel. Von 1998 bis 2007 war er Dozent an Schauspielschulen unter anderem in München und an der Akademie für darstellende Kunst in Regensburg.

„Ich wollte wieder auf die Bühne, ich wollte wieder spielen“, erinnert sich Wolfgang Krebs. Zunächst zog er in die Bamberger Ecke und gründete das „Theater auf Tournee“, ein Kinder- und Jugendtheater, mit dem er durch ganz Bayern zog und auch mit dem bekannten Kinderbuchautor Paul Maar („Das Sams“) zusammenarbeitete. Auf der Suche nach einem festen Standort für ein eigenes kleines Theater landete er dann eines Tages in Thurnau, einem Ort, „in dem Kunst groß geschrieben wird“, wie er anmerkt.

Zunächst eröffnete er im Torwärterhäuschen neben dem Rathaus ein kleines Theater mit 60 Plätzen, mittlerweile ist man in das zuletzt leer stehende Gebäude der Sparkasse eingezogen, das dem Markt Thurnau gehört. Von Oktober bis Ostern wird dort Theater gemacht, im Sommer zieht man in den unteren Schlosshof um.

Ideell und materiell unterstützt werden die Schlossfestspiele von einem eigens gegründeten Förderverein, der stolze 70 Mitglieder hat, darunter viele Aktive, die sich beispielswiese um die Bestuhlung oder den Ausschank kümmern. Die Schauspieler sind alle Profis, freischaffende Kollegen aktuell unter anderem aus München, Nürnberg oder Berlin.

Corona habe ihn und seine Arbeit schon sehr getroffen. „Es gab ja Zeiten, da kamen wöchentlich neue Auflagen“, sagt Wolfgang Krebs. Die Schlossfestspiele 2020 und 2021 seien komplett abgesagt, das bereits feststehende Herbstprogramm musste gecancelt werden. „Ein Riesenaufwand“, wie er sich erinnert. Alle geplanten zwölf Aufführungen waren nahezu ausverkauft. „Wir mussten alles einzeln rückabwickeln.“ Erst im zurückliegenden Herbst sei es dann ganz zaghaft wieder losgegangen, im Kutschensaal des Schloss, mit Abstand, Masken, Tests und allem, was so vorgeschrieben war.

Für die Schlossfestspiele jetzt im Sommer läuft alles auf Hochtouren. Gespielt wird die Komödie „Die Wunderübung“ von Daniel Glattauer. Regie führt die Münchner Schauspielerin Petra Wintersteller, neben ihr und Stephan Menzel-Gehrke wird Wolfgang Krebs auch selbst wieder auf der Bühne stehen. Auch das Herbstprogramm liegt bereits vor. „Wir hoffen und wir sind zuversichtlich, dass alles glatt geht.“

Auf sein Publikum kann er in jeden Fall zählen. „Sie haben uns stets unterstützt“, sagt Wolfgang Krebs. Immer wieder hätten ihn sehr positive E-Mails erreicht und es seien viele Kartengutscheine gekauft worden. Sogar Geldspenden gingen ein. Der Theatermacher spricht von einem echten Stammpublikum. Viele Menschen würden auch von Bamberg, Bayreuth oder aus der Oberpfalz anreisen. Die Werbung erfolge meist per Mund-zu-Mund-Propaganda.

Sein Lieblingsautor ist der 2020 verstorbene französische Regisseur, Autor und Dramatiker Éric Assous, dessen gesellschafts- und sozialkritischen Stücke er mehrfach gespielt und inszeniert hat, auch schon in Thurnau. Ansonsten ist er ein großer Fan des italienischen Komödiendichters Carlo Goldoni (1707 - 1793), dessen „Diener zweier Herren“ er sogar schon zwei Mal auf die Bühne gebracht hat. Überhaupt führt er am liebsten Regie: „Die Erarbeitung eines Stückes ist immer eine spannende und kreative Phase, die sehr viel Spaß macht.“

Wenn Wolfgang Krebs gerade einmal nicht auf der Bühne steht, dann erholt er sich entweder in seiner zweiten Heimat Sardinien, wo auch der älteste Sohn lebt, oder er tanzt mit seiner Frau Salsa. „Latino Music mag ich wirklich sehr“, schwärmt er.

Bilder: Wolfgang Krebs an einer seiner aktuellen Wirkungsstätten, im unteren Schlosshof in Thurnau.

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11.07.2022

Im Oberhacken ist die Farbe zurück / Malerin, Galeristin und Dozentin: Marion Kotyba arbeitet seit 2017 in ihrer eigenen Galerie

Kulmbach. Die lange Zeit des Lockdowns war für sie wenig farbig. „Das Leben hat gefehlt“, sagt Marion Kotyba, freischaffende Künstlerin, Galeristin und Dozentin aus Kulmbach. Auch die Interaktion mit den Kollegen habe sie schmerzlich vermisst. Doch Not macht erfinderisch. Das traditionelle Kunstsymposium auf der Plassenburg hatte sie trotz strengster Auflagen durchgezogen und im Internet hatte sie eine Galerie eröffnet.

„Wenn die Leute schon nicht zur Ausstellung kommen können, dann kommt eben die Ausstellung zu den Leuten“, lautete ihr Rezept. Was niemand geglaubt hätte: es ist durchaus möglich, Kunst auch online zu verkaufen. Sogar Hybrid-Ausstellungen habe sie veranstaltet. Doch jetzt ist in der Galerie am Oberhacken 3 das Leben wieder zurück. Die international renommierte Künstlerin Gabriele Schaffartzik präsentiert vom 8. Juli bis zum 2. September Werke aus ihrer Serie „terra incognita“. Zuvor waren unter dem Titel eindrucksvolle und teils farbenfrohe Bilder der Malerin Ingrid Gogela-Wondrejs zu sehen. Ein wenig stolz ist sie schon darauf, in ihrer Galerie Künstler nach Kulmbach zu bringen, die sonst wahrscheinlich nie in die Region gekommen wären.

2017 wurde die Galerie in unmittelbarer Nähe zum Rathaus eröffnet, in der Marion Kotyba meist an drei Tagen in der Woche auch selbst arbeitet und unterrichtet. Der Schwerpunkt ihrer Ausstellungen liegt auf zeitgenössischer Kunst aus den Bereichen Malerei, Grafik, Fotografie und Bildhauerei. Neben der Präsentation von etablierten Künstlern verfolgt sie mit ihrer Galerie auch das Ziel, junge Talente und Nachwuchskünstler zu entdecken und ihre Vielfalt zu zeigen.

„Alles, was kreativ war, hat mich schon immer mega-interessiert“, sagt die Malerin, die 1968 in Kulmbach geboren wurde. Da wundert es fast ein wenig, dass Marion Kotyba erst 2010 als freischaffende Künstlerin tätig wurde. Gelernt hatte sie den Beruf der Textilmaschinenführerin in der damaligen Kulmbacher Spinnerei. Danach schloss sie die Textilfachschule Münchberg als „staatlich geprüfte textiltechnische Assistentin“ ab. Später war sie bei dem Marktschorgaster Unternehmen Vitrulan, einem Hersteller für technische Textilien, tätig.

„Daher kommt auch das chemische Basiswissen“, erklärt Marion Kotyba, in deren Werk Themen wie Rost und Alterung als Stilmittel eine wichtige Rolle spielen. In dem Kontext interpretiert sie das Zusammenspiel von Farbe, Licht, Strukturen und technischer Umsetzung in künstlerischer Interpretationskraft immer wieder neu und spannend zugleich. „Kunst begleitet mich schon ein Leben lang“, sagt sie, die spontan den französischen Impressionisten Claude Monet und den britischen Romantiker William Turner als ihre Favoriten nennt. Vorbilder und Lehrmeister seien die Bayreuther Malerin Christel Gollner und ihre Mainleuser Kollegin Helga Hopfe.

Marion Kotyba malt hauptsächlich gegenstandslos, um auf einer abstrakten Darstellungsebene dem Betrachter genügend Freiraum für das Ausschweifen der eigenen Fantasie zu bieten. Derzeit arbeitet sie an einer Serie mit dem Titel „filo rosso“ („Der rote Faden“). „Da setzte ich mich gerade mit meinem eigenen roten Faden auseinander“, erklärt sie. Der Faden ihres Lebens und ihrer Kunst führte sie bereits zu Ausstellungen nach Frankreich, Italien, Malta oder Litauen. Sogar in Hongkong hat sie schon ausgestellt.

Bei ihren Malkursen ist es Marion Kotyba wichtig, dass die Schüler, egal ob Kinder, Jugendliche der Erwachsene, mit einem zufriedenen Ergebnis nach Hause gehen. Sie gibt sowohl Einzelmalkurse, als auch Workshops. In der Friedrich-Bauer-Schule in Stadtsteinach und der Max-Hundt-Schule in Kulmbach erteilt sie im Rahmen der gebundenen Ganztagsklassen projektbezogenen Kunstunterricht für die 5. bis 8. Jahrgangsstufen. „Wir machen da auch mal was Cooles oder Verrückten, was in den regulären Kunstunterricht nicht passt.“

Und als wäre das alles noch nicht genug, hilft sie als Beirätin des Bundes Fränkischer Künstler bei dessen traditioneller Jahresausstellung alljährlich im Sommer auf der Plassenburg kräftig mit. Das im Herbst stattfindende Symposium organisiert sie sogar maßgeblich und ist von der Einladung über das Versenden der Teilnahmebestätigungen bis hin zu Durchführung der Vernissage hinter den Kulissen für vieles zuständig.

Bild: „Filo Rosso“ heißt die Serie, an der die Kulmbacher Malerin Marion Kotyba in ihrem Atelier im Oberhacken gerade arbeitet.

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04.07.2022

„Meine Welt ist die Musik“ / Thomas Grünke leitet den Trebgaster St.-Johannes-Chor und das Kulmbacher Kammerorchester

Kulmbach. Corona hat schon seine Spuren hinterlassen, sagt Thomas Grünke. Der 55-Jährige, seit 1995 Organist an der St.-Johannes-Kirche in Trebgast, seit 1999 Leiter des St.-Johannes-Chors und seit 2013 Dirigent des Kulmbacher Kammerorchesters, sagt aber auch: „Ich bin glücklich, dass der Chor und das Kammerorchester Corona überhaupt überlebt haben.“

Für ein „richtiges Konzert“ reicht es momentan noch nicht, denn beide Ensembles sind personell empfindlich geschrumpft. „Das ist natürlich bitter“, so Thomas Grünke, der inständig hofft, wieder neue Sänger und Musiker gewinnen zu können. Die Ausgestaltung eines Gottesdienstes ist aber schon möglich, denn besetzt sind alle Stimmen schon noch. Die Organisation eines kompletten Konzertes steht dagegen in den Sternen. „Ich möchte realistisch planen und nicht kurzfristig wieder absagen müssen“, sagt der musikalische Leiter. Die Planungssicherheit, die man für ein Konzert braucht, sehe er momentan aber nicht. Auch nicht für das liebgewordene Weihnachtskonzert, das 2019 zuletzt stattfand.

Großen Wert legt er darauf, dass er auch während der Pandemie stets Kontakt zu den Chor- und Orchestermitgliedern gehalten hat. Wenn schon nicht mit Tönen, dann wenigstens mit Worten in Form von Rundmails. Entscheidend ist für Thomas Grünke aber schon die Kommunikation mit den Mitteln der Musik. „Musik ist meine Welt“, sagt er und denkt zurück an sein kirchenmusikalisch geprägtes Elternhaus, in dem jedes Familienmitglied mindestens ein Instrument gespielt hat. Bei Thomas Grünke war es die Geige, die er in der Musikschule seines westfälischen Heimatortes Lünen bei Dortmund zunächst erlernte. Später brachte er sich mehr oder weniger selbst das Klavierspiel bei.

Im Ruhrgebiet roch es nach Bergbau und Stahl, erinnert er sich und so lag es nahe, dass er nach dem Abitur den Beruf des Industriekaufmanns bei einem Bergbauzulieferbetrieb erlernte und auch ausübte. Doch mit dem Bergbau sollte es langsam zu Ende gehen. Erste Entlassungswellen hätten angestanden und da ergab es sich über bestehende familiäre Verbindungen zu Kulmbach, dass er zusammen mit seiner Frau 1995 vom Ruhrgebiet nach Oberfranken wechselte.

Die Musik spielte freilich schon in Westfalen eine große Rolle. Nicht nur bei den familiären Hauskonzerten, auch als Mitglied des Dortmunder Bach-Chors, als Organist und Leiter eines kleinen Kirchenchors in einer Randgemeinde von Lünen und als Leiter des Kirchenchors von Dortmund-Derne.

Beruflich fasste Thomas Grünke In Kulmbach bei der Diakonie Fuß, zunächst als Assistent der Geschäftsführung, dann als Personalverantwortlicher, eine Aufgabe, die er noch heute hauptamtlich bekleidet. Musikalisch stellte er zunächst Kontakte zum Chor der Kreuzkirche her, der Zufall führte ihn, der mittlerweile in Kasendorf wohnt, schon bald nach Trebgast, wo er 1995 die Organistenstelle und 1999 die Leitung des St.-Johannes-Chors übernahm. Beide Ämter übt er in Personalunion bis heute aus. Die Gründung eines Kinder- und Jugendchors geht dabei genauso auf sein Konto, wie der mittlerweile über 100 Mitglieder starke Förderkreis, den er 2004 ins Leben rief, um das finanzielle Risiko von der Kirchengemeinde zu nehmen.

Gleichzeitig spielte er im Kulmbacher Kammerorchester. Als 2013 Horst Degelmann die Leitung abgab, fiel die Wahl auf Thomas Grünke als neuen Dirigenten. Nach einer Probe und einem ersten Kennenlernen im September 2013 veranstaltete das Kammerorchester bereits im Dezember 2013 ein erstes Weihnachtskonzert. Die Tradition der Stadthallenkonzerte, der Junge-Solisten-Konzerte zusammen mit der Musikschule und der Weihnachtskonzerte konnten Thomas Grünke und seine Musiker bis 2019 lückenlos beibehalten.

Für Thomas Grünke stand schon immer der Text im Vordergrund. Getreu dem Zitat des italienischen Renaissance-Komponisten Claudio Monteverdi „Musik ist die Dienerin des Wortes“, sei es stets sein Ziel gewesen, den Text in den Vordergrund zu stellen. Gerade bei der Kirchenmusik sei dies besonders wichtig. „Es hängt einfach mit meinem Glauben zusammen, dass die Kirchenmusik immer meine Vorliebe bleiben wird.“ Authentizität stehe dabei immer im Vordergrund. Vorbilder im klassischen Sinn hat er nicht. „Natürlich gibt es Persönlichkeiten, die mich musikalisch und menschlich positiv beeinflusst und beeindruckt haben“, sagt er. Der Orgellehrer aus seiner Kindheit gehöre genauso dazu, wie der spätere Orgel- und Chorleitungslehrer.

Bild: Thomas Grünke leitete zuletzt im Dezember 2019 in der Johanneskirche von Burghaig beim traditionellen Weihnachtskonzert den Trebgaster St.-Johannes-Chor und das Kulmbacher Kammerorchester.

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