Stephan Herbert Fuchs
 

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23.06.2019

Laabla, Seufzerla und fränkischen „Exbresso“: Alexander von Humboldt mit allen Sinnen genießen / Regionalität im Mittelpunkt - Viele hundert Besucher beim Genussfest in Goldkronach

Goldkronach. Das runde Jubiläum „250 Jahre Alexander von Humboldt“ soll nicht nur mit geistigen Anregungen gefeiert werden, sondern auch mit handfesten Genusserlebnissen. Zumindest in Goldkronach, der Alexander-von-Humboldt-Stadt. Hier wirkte der Universalgelehrte von 1792 bis 1796 und hier wurde der Jubilar am Wochenende einmal mehr mit einem groß angelegten Genussfest rund um das Goldkronacher Schloss gebührend gefeiert.

Im Mittelpunkt stand eine deftige „Humboldt-Brotzeit“ mit „Humboldt-Laabla“ der Goldkronacher Bäckerei Beck und „Humboldt-Seufzerla“ der Bayreuther Metzgerei Parzen sowie dem „Humboldt-Trunk“, ein dunkles Export-Bier, das die Brauerei Hütten aus Warmensteinach eigens eingebraut, exklusiv ausgeschenkt und im Sechser-Pack zum Verkauf angeboten hatte.

Daneben wurde der große Universalgelehrte von den vielen hundert Besuchern mit allerhand regionalen Spezialitäten gefeiert. So steuerte die Jägervereinigung eine Wildsau am Spieß und Fischzüchter Karlheinz Herzing aus Büchenbach an die hundert Forellen bei. Neben Bäckern, Brauern und Fischzüchtern, präsentierten sich zum Alexander-von-Humboldt-Genussfest auch heimische Kräuterexperten, die Kaffeerösterei „Garten Cafe“ aus Hollfeld mit fränkischem „Exbresso“, Uwe Saßmannshausen von der Firma Bionera aus Thurnau stellte heimische Bio-Aktiverde vor und Jana-Lisa Kirsch vom Regionalmanagement Stadt und Landkreis Bayreuth lockte die Besucher mit einem Gewinnspiel an den ihren Stand.

„Unser Ziel ist es einmal mehr, die Hersteller regionalen Spezialitäten noch besser bekannt zu machen“, sagte Hartmut Koschyk, Vorsitzender des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums Schoss Goldkronach. Er freute sich besonders darüber, dass auch die Alexander von Humboldt zu Ehren geschaffenen Kreationen, die sich die Genusshandwerker eigens für das Fest ausgedacht hatten, auf so großen Zuspruch gestoßen waren und dass so viele Besucher der Goldkronacher Frühjahrskirchweih den Weg zum Genussfest fanden.

„Die Menschen interessieren sich wieder für ihr persönliches Umfeld, sie wollen zurück zur Natur“, sagt Imker Toni Herzing aus Büchenbach bei Pegnitz. Beim Genussfest des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums rund um Schloss Goldkronach hatte Herzing gleich mehrere Honigsorten mitgebracht und informierte zusammen mit seinem Imkerkollegen Gerhard Talke aus Bayreuth über die Imkerei.

Sogar der Rahmen wurde regional ausgestaltet. Neben der Nürnberger Zollkapelle sorgte das Frankenquartett unter der Leitung von Siggi Stadter für die passende Musik. Informationen über den Geopark Bayern-Böhmen durch Martina Feldmann aus Eckersdorf und eine Kellerführung mit Besichtigung der Fränkischen Linie rundeten das Programm ab.

Ein weiteres Ziel des Festes war es, alle Interessierten über den geplanten Humboldt-Museumspark zu informieren. So soll unterhalb des Schlosses auf gut 15000 Quadratmetern in den kommenden Monaten ein Park zu Ehren des Naturforschers entstehen. Hier kann man sich von Oberfranken aus anhand authentischer Pflanzen und Landschaftsbestandteilen auf die Reise nach Lateinamerika machen und damit auf den Spuren Humboldts wandeln. Mit dem Genussfest unterstützt das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum das Albert-Schweizer-Hospiz in Bayreuth.

Bilder:
1.
Fischzüchter Karlheinz Herzing aus Büchenbach steuerte rund 100 Forellen für das Genussfest bei.
2. Landrat Hermann Hübner, Jana-Lisa Kirsch von Regionalmanagement Bayreuth Stadt und Land, Bürgermeister Holger Bär und Hartmut Koschyk (von links) vom Alexander-von-Humboldt-Kulturforum rührten die Werbetrommel für regionale Spezialitäten.
3.
 Feiern für einen guten Zweck: Hartmut Koschyk (links) und Klaus Zielonka vom Albert-Schweizer-Hospiz sammelten zusammen mit der Zollkapelle Nürnberg Spenden zu Gunsten der Hospizeinrichtung in Bayreuth.

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11.06.2019

Bundespolizei-Standort ist sicher / Weitere Spezialeinheit soll in Bayreuth angesiedelt werden

Bayreuth. Der Bundespolizei-Standort Bayreuth steht entgegen mancher Ängste und Befürchtungen nicht zur Debatte. Im Gegenteil: die Einrichtung an der Christian-Ritter-von-Popp-Straße kann sogar mit einer personellen Aufwertung rechnen. Das haben die Bayreuther Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert und Abteilungsführer Dieter Hader am Dienstag bekannt gegeben.

Perspektivisch ist bis 2023/2024 die Einrichtung einer zweiten, gleich starken „Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit plus“ vorgesehen, so Launert nach eine Gespräch mit Bundespolizeipräsident Dieter Romann. Perspektivisch bedeute in diesem Zusammenhang, dass sich die Finanzplanung des Bundes nicht grundlegend ändern darf. Aufgabe der BFE-plus-Einheit ist es, die Reaktions- und Durchhaltefähigkeit der Bundespolizei im Falle eines terroristischen Anschlags zu erhöhen. Damit ist sie laut Abteilungsführer Hader ein zusätzlicher Baustein zur Terrorismusbekämpfung und unmittelbar unterhalb der GSG 9 angesiedelt. Bundesweit gibt es fünf BFE-plus-Standorte, neben Bayreuth wurden in Sankt Augustin (Nordrhein-Westfalen), Hünfeld (Hessen), Uelzen (Niedersachsen) und Blumberg (Baden-Württemberg) derartige Einheiten eingerichtet.

Außerdem werden am Standort Bayreuth 56 derzeit freie Dienstposten fortlaufend mit geeigneten Laufbahnabgängern nach Ausbildungsende in den kommenden beiden Jahren nachbesetzt. Auch dies sei von großer Bedeutung, denn die Arbeitsbelastung habe erheblich zugenommen, so Hader.

„Damit ist der Bundespolizei-Standort Bayreuth ungefährdet und sicher“, sagte die Angeordnete Dr. Launert. Bayreuth liege absolut zentral und unmittelbar an der Bundesautobahn A9. Die Bayreuther Bundespolizisten seien an allen wesentlichen Einsätzen der zurückliegenden Jahre beteiligt gewesen, trotzdem habe Bayreuth nur zwei, fast alle anderen Bundespolizeistandorte hätten mindestens drei Einsatzhundertschaften.

Von einem Meilenstein für Bayreuth sprach Abteilungsführer Hader. „Die Bemühungen von Frau Dr. Launert für eine personelle Stärkung der Bundespolizeiabteilung Bayreuth haben sich gelohnt“, so Hader, der ausdrücklich das hohe persönliche Engagement der Parlamentarierin würdigte. Er sprach von einem guten Signal für alle Dienstposten und Beschäftigten. Quantitativ wäre eine weitere Hundertschaft zwar mehr gewesen, qualitativ aber sei die BFE+ höher angesiedelt, schließlich handle es sich hier um echte Spezialisten für polizeiliche Sonderlagen.

Sollte der Bund in den kommenden Jahren weitere Stellen für die Bundespolizei beschließen, dann soll Bayreuth trotzdem mit einer weiteren Hundertschaft dabei sein, sind sich Launert und Hader einig. Launert sagte deshalb zu, auch künftig am Ball zu bleiben und sich für den Standort stark zu machen.

Der Bundespolizeistandort Bayreuth hat nach den Worten seines Abteilungsführers aktuell 573 Dienstposten, 513 davon sind Polizeivollzugsbeamte, 60 Personen arbeiten in der Verwaltung.

Bild: Der Bundespolizei-Standort Bayreuth kann mit einer personellen Aufstockung rechnen. Das haben die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert und Abteilungsführer Dieter Hader bekannt gegeben.

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02.06.2019

Bezirkschöretreffen in Bischofsgrün /
Bayreuther Landfrauenchor feierte 40-jähriges Bestehen

Bischofsgrün „Wenn mal ein falscher Ton dabei ist, dann ist es halt so“. Die Bayreuther Kreisbäuerin Angelika Seyferth bringt es auf den Punkt, was das Singen im Landfrauenchor ausmacht: Singen in der Gemeinschaft, Pflege von Tradition, Geselligkeit und Miteinander. Auch das Bezirkschöretreffen zum 40. Geburtstag des Bayreuther Landfrauenchors im Kurhaus von Bischofsgrün war kein Wettbewerb, sondern eine Zusammenkunft von allen, die Freude an der Musik haben.

40 Jahre ist der Bayreuther Landfrauenchor jung und damit der drittälteste in Oberfranken nach Wunsiedel und Kronach. Mit Anne Gubitz, Elisabeth Haupt, Erna Will und Margarethe Bauernfeind gibt es noch vier Gründungsmitglieder, von denen sich drei auch beim Chöretreffen in Bischofsgrün dabei waren. Für Margarethe Bauernfeind nahm ihre Tochter Elisabeth Raps die Urkunde aus den Händen von Landesbäuerin Anneliese Göller entgegen. Die große Urkunde zum 30-jährigen Bestehen ging an die Chorbeauftragte Helga Vogel.

Neben dem Bayreuther Landfrauenchor unter der Leitung der engagierten Kirchenmusikerin Martina Schill aus Creußen traten beim Bezirkstreffen in Bischofsgrün die Chöre aus Hof, Coburg, Bamberg und Lichtenfels aus. Letzterer ist noch älter als der Bayreuther Chor und hat die Feier zum 40. Geburtstag bereits hinter sich. Hier besteht sogar die Hälfte des Chores noch aus Gründungsmitgliedern. 30 Jahre jung wurde heuer der Coburger Chor, der in einer erneuerten Coburger Tracht auftrat. Mit 13 Jahren ist der Bamberger Chor relativ jung, dafür zählt er von der Mitgliederzahl her zu den stärksten. Bleibt noch der Hofer Chor, der erst zwei Tage zuvor ebenfalls sein 30-jähriges Bestehen gefeiert hatte. Die Liedauswahl des Bezirkschöretreffens reichte von geistlichem Liedgut über volkstümliche Weisen bis hin zu Schlagern und Pop-Songs.

Es kommt nicht auf den Ton und den Text an, wichtig sei es, dass das Singen seinen Zweck erfüllt und der ist ganz einfach die Freude, sagte Pfarrerin Beate Winkler zu Beginn des Treffens. Sie stellte auch fest: „Singen ist eine Gabe Gottes, die jedem geschenkt wurde“. Das Gefühl anderen Menschen eine Freude zu bereiten, das sei der Lohn für die vielen Singstunden, so Kreisbäuerin Angelika Seyferth. Als die sympathischen Botschafter des Berufsstandes bezeichnete Landesbäuerin Anneliese Göller die Landfrauenchöre. „Singende Bäuerinnen schlagen eine Brücke und die Landwirtschaft zeigt sich mit einem anderen Gesicht.“

Bilder oben:
1. Landfrauenchor Bayreuth.
2.
  Bezirkschorbeauftragte Karin Wolfrum (links), Dieter Heberlein von der Bezirksgeschäftsstelle und Landesbäuerin (Anneliese Göller (2. von rechts) überreichten an Helga Vogel eine Urkunde zum 40. Geburtstag des Bayreuther Landfrauenchors.

3.      

Im Uhrzeigersinn: die Landfrauenchöre Coburg. Lichtenfels, Bamberg und Hof.

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30.05.2019

Jeder ist auf Vergebung angewiesen /
Humboldt-Kultursommer mit geistlichem Impuls eröffnet

Goldkronach. Mit einem Appell zu Versöhnung und Verzeihung sowohl im zwischenmenschlichen als auch im zwischenstaatlichen Bereich hat der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien Markus Schoch am Himmelfahrtstag den Goldkronacher Kultursommer gestartet. Der Veranstaltungsreigen steht in diesem Jahr ganz im Zeichen des 250. Geburtstages des Universalgenies Alexander von Humboldt

Bischof Markus Schoch, der in Schwäbisch-Hall geboren wurde und der in der Georgischen Hauptstadt Tiflis tätig ist, rief dazu auf, sich für die Versöhnung auf unserem Kontinent und damit für die Zukunft Europas einzusetzen. „Europa scheint in Gefahr zu sein“, zeigte er sich besorgt. Nun gelte es alles dafür zu tun, dass Europa nicht an seinen Wunden zerbricht.

Die wechselvolle und dramatische Josephsgeschichte aus dem Alten Testament zeigt nach den Worten des Geistlichen, dass Versöhnung möglich ist, sowohl zwischen Menschen als auch zwischen Völkern. Dazu müsse man wissen, dass die biblische Geschichte von Joseph und seinen Brüdern einen politischen Hintergrund hat. Die zwölf Söhne symbolisierten die zwölf Stämme Israels. Deshalb habe Genesis 50 auch einen politischen Anspruch.

Als Schlüssel zur Vergebung bezeichnete es Bischof Schoch, eigenes Fehlverhalten und eigene Schuld offen anzusprechen. Leicht sei dies oft nicht, doch wo es geschieht, würden Türen geöffnet. Keinem Menschen stehe es zu, ein eigenes Urteil zu sprechen, dies könne allein nur Gott. Aber jeder sei darauf angewiesen, dass auch ihm vergeben wird.

Zuvor hatte Hartmut Koschyk Vorsitzender des Forums, die gute ökumenische Verbundenheit herausgestellt, mit der in Goldkronach zum mittlerweile 11. Mal der Kultursommer eröffnet werde. Stets sei ein geistlicher Impuls am Beginn gestanden, so auch im Jubiläumsjahr 250 Jahre Alexander von Humboldt. Bürgermeister Wieland Pietsch bedankte sich beim Kulturforum für das hochkarätige Jubiläumsprogramm und warb für die vielen  musikalischen Darbietungen, interessanten Vorträgen und kulinarischen Genüssen in den kommenden Monaten.

Das ökumenische Fürbittgebet sprachen der evangelische Pfarrer Hans-Georg Taxis und sein katholischer Amtskollege Pater Stephan Matula. Musikalisch wurden die „Gedanken zum Himmelfahrtstag“ vom Chor der Gruppe Luther aus Bayreuth unter der Leitung von Gisela Streng sowie von Paul Hofmann auf der historischen Orgel der Stadtkirche umrahmt.

Bilder:
1. Der Chor der Gruppe Luther unter der Leitung von Gisela Streng eröffnete Alexander-von-Humboldt-Kultursommer in der Goldkronacher Stadtkirche.
2.
 Hartmut Koschyk, Vorsitzender des Kulturforums, konnte den Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien Markus Schoch am Himmelfahrtstag in Goldkronach begrüßen.
3. Bschof Markus Schoch wurde in Schwäbisch-Hall geboren und ist in der Georgischen Hauptstadt Tiflis tätig.

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23.05.2019

Menschliche Zuwendung an erster Stelle / Weisser Ring sucht ehrenamtliche Mitarbeiter – Außenstelle Kulmbach ist deutlich unterbesetzt

Bayreuth. „Im Zweifel stehen wir auf Seiten der Opfer“, sagt Josef Wittmann (73), Landesvorsitzender Bayern-Nord der Opferhilfsorganisation Weisser Ring. Der Zusammenschluss sei da, um Opfern zu helfen, so der frühere Polizeibeamte aus Weiden, der seit zehn Jahren in Nordbayern an der Spitze des Weissen Rings steht und der auch Mitglied des Bundesvorstands ist. Bei einem Besuch der Bundestagsabgeordneten Dr. Silke Launert im Landesbüro in der Carl-Schüller-Straße in Bayreuth gewährte Wittmann einen Einblick in die Arbeit der Organisation und berichtete auch davon, dass der Weisse Ring im Raum Bayreuth/Kulmbach dringend auf der Suche nach ehrenamtlichen Mitarbeitern ist.

Am Anfang steht ein prominenter Name: Eduard Zimmermann. Der langjährige Moderator der TV-Serie „Aktenzeichen XY“ gilt als maßgeblicher Begründer des Weißen Rings. Heute hat der Zusammenschuss bundesweit 420 Außenstellen, 3000 ehrenamtliche und 200 hauptamtliche Mitarbeiter in 18 Landesverbänden. Gleich zwei Landesverbände gibt es in Bayern, einen für Nord-, einen für Südbayern. Zu Nordbayern gehören die drei fränkischen Regierungsbezirke und die Oberpfalz.

Bei der Betreuung der Hilfesuchenden gehe es in erster Linie um menschliche Zuwendung, erläuterte Wittmann. Erst danach gehe es auch um finanzielle Zuwendungen. Viele Opfer einer Straftat stünden nicht selten vor dem Nichts und seien auf Opferhilfe angewiesen. „Wir können unterstützen und Notlagen lindern“, so der Landesvorsitzende.

Der Weisse Ring finanziert sich über Mitgliedsbeiträge (30 Euro pro Jahr), Geldzuweisungen durch die Justiz, Spenden, Benefizkonzerte sowie zu einem großen Teil durch testamentarische Verfügungen. Finanzielle Hilfen für potentielle Opfer seien auch möglich für die Erstberatung bei einem Rechtsanwalt, für notwendige rechtsmedizinische Untersuchungen oder, wenn traumatisierte Opfer professionelle Hilfe benötigen. Als weitere Aufgaben des Weissen Rings bezeichnete Wittmann Präventionsangebote, Vorträge an Schulen und bei Elternabenden sowie eine breite Öffentlichkeitsarbeit.

Als dringendes Problem, gerade in der Region, nannte der Landesvorsitzende die Tatsache, dass es zu wenig ehrenamtliche Mitarbeiter gebe. In Bayreuth sei man mit derzeit sechs Ehrenamtlichen für Opferbetreuung und –beratung noch relativ gut aufgestellt. Ganz anders stelle sich die Situation in Kulmbach dar. Hier hatte die langjährige Leiterin ihr Amt aus persönlichen Gründen niederlegen müssen, so dass der Chef der Bayreuther Außenstelle Heinz Petri derzeit kommissarisch auch mit für Kulmbach tätig ist.

Die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert begrüßte das Engagement des Weissen Rings, der eine segensreiche Arbeit für die Gesellschaft leiste. Sie sagte zu, bei der neuen Ausgestaltung des Opferentschädigungsgesetzes darauf zu achten, dass Opfer auch künftig nicht schlechter gestellt würden, als bisher. Launert machte auch darauf aufmerksam, dass im Rahmen des neuen „Gute-Kita-Gesetzes“ Gelder für die Präventionsarbeit bereitgestellt wurden.

Bild: Im Landesbüro des Weissen Rings Nordbayern in Bayreuth informierte sich die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert beim Landesvorsitzenden Josef Wittmann über die Arbeit der Opferhilfsorganisation.

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22.05.2019

Brückenkopf mit Lotsenfunktion / Teilhabeberatung wird seht angenommen- Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert besuchte Einrichtung der Diakonie Neuendettelsau und der Regens-Wagner-Stiftung

Bayreuth. Wo bekomme ich einen Schwerbehindertenausweis her? Was muss ich alles tun, um eine Kur genehmigt zu bekommen? Wie gehe ich gegen einen meiner Meinung nach ungerechtfertigten Bescheid vor? Wo bekomme ich eine Schulbusbegleitung her und wer zahlt die medizinischen Hilfsmittel für Mutter oder Vater? Im Zusammenhang mit Krankheiten oder Behinderungen treten viele Fragen auf. Ebenso viele Beratungsstellen gibt es. Für all diejenigen, denen der Durchblick fehlt, gibt es jetzt eine Stelle, die eine Art Lotsenfunktion übernimmt: die „Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung“, kurz EUTB.

Hinter dem Wortungetüm verbirgt sich eine Einrichtung, die man kurz mit dem Slogan „Eine für alle“ beschreiben könnte. „Wir sind sozusagen der Brückenkopf“, sagte Teilhabeberater Thomas Odewald von der EUTB Bayreuth. Das Büro in der Carl-Schüller-Straße hat jetzt die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert besucht. Hintergrund ist, dass die Teilhabeberatung zu 90 Prozent vom Bundessozialministerium gefördert wird. Die restlichen zehn Prozent des Etats müssen die Träger aufbringen. In Bayreuth sind das die Diakonie Neuendettelsau und die Regens-Wagner-Stiftung.

Die EUBT sieht sich selbst als Beratungsangebot für alle Menschen mit Behinderungen, für Menschen, die von Behinderung bedroht sind und für deren Angehörige. Ganz wichtig: „Es handelt sich dabei um ein ganz niedrigschwellendes Angebot. „Wir sind unabhängig, für die Ratsuchenden ist unsere Beratung kostenlos und auf Wunsch können die Betroffenen auch gerne anonym bleiben“, so Thomas Odewald.

Neben ihm und seinen Kolleginnen Anja Pleiner und Julia Lunkenheimer gibt es auch ehrenamtliche Mitarbeiter, in der Regel selbst Betroffene oder deren Angehörige. Fachleute sprechen von „Peerberatung“, also der Beratung durch „Gleichgesinnte“. Auch sie helfen Ratsuchende dabei, sich in einer Notsituation durch den Behörden- und Beratungsdschungel zu kämpfen.

Nachdem im Herbst 2017 die Förderzusage vom Ministerium gekommen war, startete Thomas Odewald zunächst in Himmelkron in den Räumen der dortigen Einrichtungen der Diakonie Neuendettelsau, ehe das Büro in der Bayreuther Innenstadt im Februar 2018 an den Start ging. Jetzt nach rund eineinviertel Jahren ziehen die Verantwortlichen eine positive Bilanz: „Das Angebot wird sehr gut angenommen“, sagt Günter Binger von der Diakonie Neuendettelsau. Die Ratsuchenden werden entweder durch andere Stellen auf uns aufmerksam, von Hausärzten hierher geschickt oder kommen aufgrund von Mund-zu-Mund-Propaganda, so Kerstin Waldmann von Regens Wagner.

„Vor allem die Niederschwelligkeit des Angebotes ist enorm wichtig“, sagte die Abgeordnete Launert. Viele Betroffene würden nicht gleich einen Rechtanwalt nehmen oder sie scheuten die Kosten. Auch die Vielfalt der Beratungsmöglichkeiten sei enorm wichtig. Hier werde die Lotsenfunktion wirklich ernst genommen, so die Abgeordneten. Sie ging von einer weiter steigenden Inanspruchnahme aus, je bekannter die Einrichtung werde.

Beim Besuch der Politikerin sprachen die Verantwortlichen der EUBT aber auch einige Probleme an. So fehlten bislang die finanziellen Möglichkeiten ehrenamtlichen Mitarbeitern eine Basisqualifikation zu ermöglichen. Außerdem endet der erste Teil der Projektphase bereits am 31.12.2020. Mitarbeiter können deshalb bislang nur befristet beschäftigt werden, weil eben auch die Förderung befristet ist. Schließlich stellen die beiden Träger auch ihren Eigenanteil bei der Finanzierung in Frage. „Wir machen ja mit der Beratung keinen Gewinn und stehen als Non-Profit-Träger dahinter“, so Günter Binger von der Diakonie Neuendettelsau

Bild: Das Büro der „Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung“ (EUTB) ist in der Carl-Schüller-Straße in Bayreuth. Stehend von links: Teilhabeberater Thomas Odewald, Fachreferentin Barbara Günther, der ehrenamtliche Mitarbeiter David Hellmann, Günther Binger von der Diakonie Neuendettelsau, und Kerstin Waldmann von der Regens-Wagner-Stiftung, sitzend die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert (links) und Teilhabeberaterin Anja Pleiner.

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15.05.2019

Veränderungen mit Optimismus begegnen / Diakoniepräsident Ulrich Lilie beim Evangelischen Bildungswerk Münchberg

Münchberg. Das 21. Jahrhundert ist auch das Jahrhundert der großen Chancen. Diese Ansicht hat Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland, am Mittwoch (15.05.) bei einer Veranstaltung des Evangelischen Bildungswerkes Münchberg vertreten. In einer Welt, die immer unterschiedlicher wird, gebe es große Chancen zu mehr Zusammenarbeit, Zusammenhalt und Kooperation und damit zu neuer Identität, zu Vertrauen und Sicherheit, sagte Lilie im Gespräch mit dem Hofer Journalisten und Buchautor Gerd Böhm in Münchberg.

Zuvor hatte der Diakoniepräsident den tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel skizziert, in dem sich nicht nur Deutschland aktuell befinde. Ulrich Lilie rief aber auch dazu auf, allen Veränderungen mit Optimismus zu begegnen. Als Symbolfigur dieser Veränderung bezeichnete er die schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg. Allerdings sprach sich Lilie dafür aus, eine neue Integrationsbewegung und keine Protestbewegung zu starten. Als Grundpfeiler nannte er Zusammenhalt und Gerechtigkeit.

Zu den nationale Veränderungen gehörten nicht nur die Tatsachen, dass Deutschland sozial immer ungleicher und die Gesellschaft immer älter werde, zum ersten Mal überhaupt gehörten in diesem Jahr weniger als die Hälfte aller Deutschen einer christlichen Kirche an. Auch die Auswirkungen der Digitalisierung sind nach den Worten des Präsidenten noch gar nicht abzusehen. So finde immer weniger echte, „analoge“ Kommunikation statt, was dazu führe, dass konstruktive Auseinandersetzungen ausbleiben. Viele Menschen fühlten sich ausgegrenzt und glauben, sie würden nicht mehr gehört. „Wir müssen deshalb wieder neu lernen, hinzusehen und uns gegenseitig zuzuhören“, so Lilie.

Skeptisch sah der Diakoniepräsident die Einführung eines immer wieder geforderten sozialen Pflichtjahres. „Junge Leute, die ältere Menschen pflegen oder Kinder beaufsichtigen sollen, müssen das von sich aus wollen, andernfalls geht es nicht gut“, sagte er. Positiv stand er dagegen einem Bonus-System gegenüber, das diejenigen belohnt, die sich engagieren. Dies könnte etwa durch bessere Chancen beim Numerus Clausus, durch Bevorzugung bei der Bewerbung um eine Lehrstelle oder spätere bessere Förderungen geschehen.

Zuvor hatte Gunter Maasberg, Vorstandsmitglied des Evangelischen Bildungswerkes Münchberg herausgestellt, dass Protestanten immer auch politische Menschen sein sollten. „Vor dem Hintergrund von Fake News, Wutbürgern, Shit Storms und Parallelgesellschaften sind wir aufgefordert, Position zu beziehen“, so Maasberg.

Bild: Diakoniepräsident Ulrich Lilie bei einer Veranstaltung des Evangelischen Bildungswerkes Münchberg im Gespräch mit dem Hofer Journalisten und Buchautor Gerd Böhm.

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15.05.2019

Hochwertige Nahrungsmittel natürlich produziert / Kirche und Landwirtschaft: Regionalbischöfin Dorothea Greiner besuchte Milchviehbetrieb

Schollenreuth. Anfeindungen der Gesellschaft machen den Bauern derzeit schwer zu schaffen. „Vor allem das Volksbegehren zum Artenschutz hat viele Berufskollegen total verunsichert“, sagte der Hofer Kreisobmann Hermann Klug bei einem Besuch von Regionalbischöfin Dorothea Greiner auf dem Milchviehbetrieb von Bettina und Martin Riedel in Schollenreuth bei Feilitzsch im Landkreis Hof.

Neben Gemeindebesuchen, Firmenbesichtigungen und Gesprächen mit den Mitarbeitern kirchlicher Einrichtungen hatte sich die Regionalbischöfin auch Zeit für den Austausch mit Vertretern des Bauernverbandes und für den Besuch des modernen Laufstalls am Ortsrand von Schollenreuth genommen. Bettina Riedel und ihr Mann Martin führten Greiner und den Hofer Dekan Günter Saalfrank zusammen mit Kreisbäuerin Karin Wolfrum, Kreisobmann Klug und einigen Vorstandsmitgliedern durch den Stall und erläuterten unter anderem die Funktionsweise des Melkroboters.

Bettina Riedel hatte den Hof von ihren Eltern übernommen, Ehemann Martin stammt zwar auch aus der Landwirtschaft, ist aber trotzdem Quereinsteiger. Er hatte zunächst eine Ausbildung als Landschaftsgärtner abgeschlossen und dann den Abschluss zum Landwirt über Abendkurse nachgeholt. Vor acht Jahren löste der moderne Stall mit derzeit rund 80 Tieren die Anbindehaltung ab, vor zwei Jahren wurde der Stall noch einmal mit viel Platz für das Jungvieh erweitert.

„Wir produzieren auf natürlichem Weg hochwertige Nahrungsmittel“, sagte Martin Riedel. Leicht sei dies im Moment nicht. Leichtfertig würden die Bauern von großen Teilen der Gesellschaft in eine Schublade gesteckt „Wir werden als die Bösen dargestellt“, so Riedel, der offen zugab, dass dies eine große Belastung für ihn und seine Berufskollegen sei.

„Es war mein ausdrücklicher Wunsch, dass wir bei der Visitation zusammen mit den regionalen Vertretern des Bauernverbandes auch einen landwirtschaftlichen Betrieb besuchen“, sagte Regionalbischöfin Greiner. „Landwirte arbeiten oft ohne Urlaub und freie Tage, tragen mit ihrem Unternehmen oft große finanzielle Risiken, doch die Wertsteigerung ihrer Erzeugnisse bleibt in unserem Land aus“. Nach den Worten Greiners verdienen die Bauern unseren Rückhalt und unsere Wertschätzung. Landwirte mit biologischen und konventionellen Betrieben seien die wichtigsten Landschaftspfleger und erarbeiteten unsere Grundnahrungsmittel. Dabei gelten die Bauern auch als Säulen unserer Gesellschaft und unserer Kirche. Ihr sei es ein großes Anliegen gewesen, diese Botschaft zu transportieren und sie könne gegenwärtig wohl nicht oft genug vermittelt werden. Greiner: „Wir brauchen für den Schöpfungsschutz den Schulterschluss mit den Bauern“.

„Die Sorgen und Nöte der Landwirte sind uns sehr wichtig“, so Dekan Saalfrank. Hintergrund sei, dass die Landwirtschaft gerade im Raum Hof eine ganz exponierte Rolle spiele. Saalfrank zeigte sich froh darüber, dass es keinerlei Agrarfabriken in der Region  gibt  Gerade der Betrieb der Familie Riedel zeige, dass der Landwirt noch einen echten Bezug zu seinen Tieren hat und mit einem Blick erkennt, ob es ihnen gut geht oder nicht.

Bild: Auf Tuchfühlung mit den Milchkühen der Familie Riedel ging Regionalbischöfin Dorothea Greiner bei einem Stallbesuch in Schollenreuth.

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01.05.2019

Für Miteinander und gegen Individualismus / Gute Tradition: Landjugend Stockau-Lehen startet mit eigener Maikönigin in den Wonnemonat

 Gedanken zum Thema Heimat und wahre Lobeshymnen auf die Landjugend standen diesmal im Mittelpunkt des traditionellen Maibaumfestes der Landjugend Stockau-Lehen. Auch wenn der Heimatbegriff jahrzehntelang als rückständig und überholt galt: „Jeder Mensch braucht Heimat“, sagte der Bayreuther Dekan Jürgen Hacker, der diesmal die Festrede übernommen hatte.

„Wer Menschen die Heimat nimmt, der entwurzelt sie“, so Hacker. Er erinnerte daran, dass Heimat auch vergänglich sein kann, sagte er mit Blick auf die vielen Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg und auch die Millionen Menschen, die heute auf der Flucht vor Hunger, Krieg, Krankheiten und Seuchen sind. Mit ihrem Maibaumfest setze die Landjugend Stockau-Lehen ein starkes Zeichen für Miteinander und gegen Individualismus. „So eine Gemeinschaft ist zugleich die beste Demokratieschule, die man sich denken kann“, sagte Hacker.

Lobende Worte für die Landjugend fanden auch die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert, die stellvertretende Landrätin Christa Reinert-Heinz und der Weidenberger Bürgermeister Hans Wittauer. Die Landjugend Stockau-Lehen pflege damit ein Brauchtum, „das Teil unserer Heimat und unserer kulturellen Identität ist“, sagte die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert. Den großen Einsatz der Landjugend für den ländlichen Raum stellte Christa Reinert-Heinz ganz besonders heraus und Bürgermeister Wittauer würdigte den Gemeinschaftssinn, der bei der Landjugend groß geschrieben werde. Das vorbildliche Miteinander zu verschiedenen Anlässen sei ein wichtiger Bestandteil der Jugendarbeit in einer Gemeinde.

Tatsächlich wäre das Aufstellen des geschmückten Maibaumes ohne gelebtes Miteinander nicht möglich gewesen. Zum 64. Mal in ununterbrochener Reihenfolge hatte die Landjugendgruppe ihre Maifeier rund um die Großraumhalle der Obstkelterei Rauh unmittelbar an der Bundesstraße 22 Weiden-Bayreuth im Ortsteil Lehen ausgerichtet. Rund 30 starke Helfer waren notwendig, um den fast 25 Meter hohen Fichtenstamm fachmännisch aufzurichten, ohne Hilfsmittel wie etwa einem Kran, sondern ausschließlich mit Holzstangen und viel Muskelkraft.

Besinnliche Gedanken trug Maikönigin Annika Keil vor, die traditionell aus der Feder des Altmitgliedes und EKD-Synodalen Günter Meyer aus Stockau stammen. Die Maikönigin wird von der Landjugendgruppe immer schon vor Ostern in geheimer Wahl gewählt.

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25.04.2019

Landjugend pflanzt „Grundgesetzbaum“

Untersteinach. Die neue Aktion „HeimatWurzeln“ des Landjugend-Bezirksverbandes Oberfranken nimmt Fahrt auf. Zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes und zugleich zum 70. Geburtstag des Dachverbandes „Bund der Deutschen Landjugend“ sollen in ganz Oberfranken insgesamt 70 verschiedene Bäume gepflanzt werden. Den dritten der geplanten 70 „Grundgesetzbäume“ haben Vertreter der Landjugend jetzt auf dem Grundstück von Ingrid und Eduard Goller, den Eltern der Bundestagsabgeordneten Dr. Silke Launert, in Untersteinach gepflanzt.

Launert ist zugleich Patin des Pflaumenbaums. Sie hat Artikel 2, Absatz 1 des Grundgesetzes gewählt: „Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“ Ein weiterer Baum ist bereits auf dem Grundstück des ehemalige oberfränkische Bezirks- und BJB- Landesvorsitzenden Manfred Nüssel in Rimlas bei Bad Berneck gesetzt worden.

Bild: Ein Baum zu Ehren des Grundgesetzes (von links): die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert, Landjugend-Bezirksvorsitzende Chiara Hartmann aus Speichersdorf, Beisitzerin Yvonne Hohlweg von der Landjugend Kulmbach, der Sprecher für den Bereich Jugend- und Gesellschaftspolitik Michael Kießling von der LJ Oberkotzau und Bezirksvorsitzender Maximilian Raimund aus Creußen.

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27.03.2019

Topthema Landwirtschaft: Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung / Wechsel an der Spitze des Amtes in Bayreuth: Georg Dumpert folgt auf Dr. Ernst Heidrich

Bayreuth. Georg Dumpert ist der neue Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayreuth. Der 62-jährige Forstdirektor löst damit Dr. Ernst Heidrich ab, der seit November 2009 an der Spitze der Behörde stand. Bei einer Feierstunde in der Tierzuchtklause in Bayreuth verabschiedete Walter Christl, Abteilungsleiter im Bayerischen Landwirtschaftsministerium, Heidrich in den Ruhestand und führte Dumpert in sein neues Amt ein.

So neu ist das Amt für Dumpert allerdings nicht mehr. Seit November 2016 leitete er bereits den Bereich Forsten in Bayreuth und war gleichzeitig Stellvertreter des Behördenleiters. Inoffiziell steht er bereits seit 1. Februar an der Spitze des Bayreuther Amtes.

„Was lange währt wird endlich gut“, sagte der neue stellvertretende Amtsleiter Klaus Meier-Harnecker, der künftig neben der Abteilung Förderung nun auch die Abteilung Landwirtschaft übernehmen und als Leiter der Landwirtschaftsschule fungieren wird. Meier-Harnecker spielte damit auf die Tatsache an, dass Heidrich bereits im Juli seinen Ruhestand angetreten hatte. Es sei höchste Zeit geworden, dass die Stelle jetzt wieder besetzt ist, so Harald Raps von der Personalvertretung des Amtes. Es gebe Entscheidungen, die eben nur ein Behördenleiter fällen kann.

Landwirtschaftliche Themen stünden im Focus der Gesellschaft, es seien echte Zukunftsthemen, sagte Ministerialdirigent Walter Christl. Nicht umsonst habe sich die Landwirtschaftsverwaltung für dieses Jahr die Themen Artenvielfalt und Biodiversität auf die Fahnen geschrieben, und das lange vor dem Volksbegehren. Wenn sich Landwirte dadurch an den Pranger gestellt sehen, so gebe es keinen Grund dafür, sagte der Ministeriumssprecher.

Zu den Gratulanten gehörte unter anderem die Bayreuther Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert. Sie bezeichnete Landwirtschaft und Ernährung als Topthemen. Jeder glaube, plötzlich mitreden zu können, doch die wirklichen Fachleute seien die bestens ausgebildeten Bäuerinnen und Bauern und genau für die sei das Amt zuständig. Während sie begrüßte, dass in der Gesellschaft ein neues Bewusstsein für Nachhaltigkeit, für gesunde Ernährung und für die Schöpfung entstanden sei, sah sie das Volksbegehren in seiner konkreten Ausgestaltung kritisch Es sei wichtig, dass wir unsere familiengeführten landwirtschaftlichen Betriebe erhalten und, dass die Familien nicht frustriert aufgeben.

Uwe Raab, stellvertretender Bayreuther Landrat und Bürgermeister von Pegnitz, erinnerte sich an viele konstruktive, freundschaftliche und nette Begegnungen mit dem bisherigen Behördenleiter, etwa bei den regelmäßigen Tagen der Landwirtschaft oder bei den Landfrauentagen. Nachfolger Dumpert habe von 1998 bis 2005 das Pegnitzer Forstamt geleitet und gelte mit diesen sieben Jahren Einsatz bereits als halber „Bengatzer“, scherzte der der Bürgermeister.

Auf die großen Veränderungen in der Landwirtschaft, die Heidrich stets konstruktiv begleitet hatte, sprach der Bayreuther Stadtrat Thomas Hacker an. BBV-Kreisobmann Karl Lappe stellte besonders den Einsatz Heidrichs um den Erhalt des Schulstandortes heraus und Rudi Steuer vom oberfränkischen Meister- und Ausbilderverband nannte Heidrichs Leistungen für die Verbände VLF und VLM, deren Geschäftsführung Heidrich 2010 übernommen hatte und die er zu einer gemeinsamen Bezirksversammlung zusammen führte.

Bild: Wechsel an der Spitze des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayreuth (von links): Georg Dumpert, die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert , Ministerialdirigent Walter Christl und Dr. Ernst Heidrich.

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19.03.2019

Einwendungen als Eintrittskarte zum Erörterungstermin /
BBV und Bürgerinitiative machen gegen Stromtrasse mobil – Planungen nehmen an Fahrt auf

Stammbach, Lks. Hof. Es wird ernst in Sachen Süd-Ost-Link: Nachdem bis Mitte März die Verfahrensunterlagen für die geplante Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung (HGÜ-Leitung) öffentlich ausgelegen haben, sind nun bis zum 12. April Einwendungen gegen die Planungen im Abschnitt C, das ist der Bereich zwischen Hof und Schwandorf, möglich. „Die Planungen für die Trasse nehmen an Fahrt auf, sagte Jürgen Becher, Vorsitzender der Bürgerinitiative Ölschnitztal bei einer gemeinsamen Informationsveranstaltung zusammen mit dem Bauernverband in Stammbach.

Zwei Dinge wurden dabei unmissverständlich festgestellt: Wenn die Leitung tatsächlich gebaut wird, dann ist der Landkreis Hof in jedem Fall betroffen. Das bestätigte unter anderem Landrat Oliver Bär. Hauptbetroffene sind nach den Worten von Harald Köppel, BBV-Geschäftsführer für Bayreuth, Kronach und Kulmbach, die Land- und Forstwirte. Die Leitung stelle in ihrer Planung als Erdkabel eine massive Beeinträchtigung und einen Wertverlust der Fläche dar, sagte er. „Alles in allem führt die Trasse letztendlich zu Ertragsverlusten“, so Köppel.

Ganz wichtig für alle betroffenen Landwirte: Nach Ende der Einspruchsfrist wird die Bundesnetzagentur einen Erörterungstermin festsetzen. Zutritt dazu habe allerdings nur, wer eine Einwendung gemacht hat. „Einwendungen sind die Eintrittskarten für den Erörterungstermin“, sagte Köppel und ermunterte die Berufskollegen, tätig zu werden. Der Bauernverband stehe dazu jederzeit helfend zur Seite. Trotzdem sollten die Einwendungen individuell sein. Vorgefertigte Textbausteine würden kaum weiterhelfen.

Argumente gegen die Trasse gibt es aus Sicht der Land- und Forstwirtschaft genügend. Sie reichen vom Flächenverbrauch, nicht nur für die eigentliche Trasse, sondern auch für Projekt- und Ausgleichsflächen, über Beeinträchtigungen des land- und forstwirtschaftlichen Wegenetzes bis hin zu befürchteter Bodenverdichtung, Bodenerwärmung und Grundwasserbeeinträchtigung. „So ein Eingriff lässt sich nicht einfach abschütteln“, sagte Köppel. Und weiter: „Man kann sich auf keinen Fall zurücklehnen und hoffe, dass der Kelch an einem vorbeigeht.“

Auch der Hofer Landrat Oliver Bär nannte es sinnvoll, dass all diejenigen, die potentiell betroffen sind, ihre Einwände vorbringen. Auch der Landkreis werde gemeinsam mit den Kommunen wie übrigens auch der BBV Einwände gegen die Trasse vorbringen. „Wir sind in einem Verfahrensstadium, bei dem es sich lohnt zu sagen, das und das wollen wir nicht.“ Auch aus Sicht des Landkreischefs gebe es noch viele offene Fragen: Warum muss die Trasse bis zu 30 Meter breit sein? Warum wird der Verlauf nicht mit den Bundesautobahnen gebündelt? Wie entwickelt sich die Energiepolitik insgesamt weiter?

Aktuell gibt es für die Stromtrasse zwei mögliche Varianten: Eine durch das Fichtelgebirge und eine weitere grob entlang des Bundesautobahn A9. Die Entscheidung trifft die Bundesnetzagentur. Nur massive Proteste können den Trassenbau verzögern oder vielleicht auch noch verhindern“, sagte BI-Vorsitzender Jürgen Becher. Scharf ins Gericht ging er mit dem geplanten Beschleunigungsgesetz von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, das Einspruchsmöglichkeiten reduzieren soll. Becher bezeichnete die Leitung einmal mehr als unnötig. „Wir lehnen die Trasse ab, egal, wo sie gebaut wird.“

Bild: BBV-Geschäftsführer Harald Köppel ermunterte die Landwirte Einspruch gegen die Planungen für die Stromtrasse zu erheben.

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13.03.2019

Landesbischof als Linksaußen / Heinrich Bedford-Strohm besuchte Pegnitzer Dekanat – Fußballspiel mit Flüchtlingen

Pegnitz. Mit einem Besuch des Brigittenheims und einem außergewöhnlichen Fußballspiel hat der Besuch von Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm im Dekanat Pegnitz begonnen. Dabei traten Bedford-Strohm und der Pegnitzer Dekan Gerhard Schönauer zusammen mit Spielern aus Pfadfindergruppen in der Christian-Sammet-Halle gegen eine Fußballmannschaft aus Flüchtlingen, Zugereisten und Bürgermeister Uwe Raab an.

Dekan Schönauer hatte schon vor rund 40 Jahren zusammen mit Bedford-Strohm in Erlangen in einer Fußballmannschaft gespielt. Schönauer war damals Studieninspektor, der heutige Landesbischof hatte gerade sein Studium begonnen. In Erlangen seien öfter Studentenmannschaften aus den verschiedenen Wohnheimen gegeneinander angetreten, erinnerte sich Schönauer. Während der Dekan damals wie heute im Mittelfeld agierte, besetzte Bedford-Strohm die Linksaußenposition im Sturm.

Völlig zweitrangig war in Pegnitz das Ergebnis. Am Ende siegte die Kirchenmannschaft mit 8:4. Aus sportlicher Sicht interessant waren höchstens die beiden Tatsachen, dass das 1:0 für die Mannschaft des Landesbischofs schon nach rund drei Minuten durch ein Eigentor der Flüchtlingsmannschaft zustande kam und dass Bedford-Strohm sich mit dem vierten Tor für seine Mannschaft selbst in die Torschützenliste eintragen konnte. Als erfahrener Schiedsrichter fungierte dabei das örtliche Fußball-Urgestein Klaus Gebhardt vom ASV Pegnitz.

Bedford-Strohm, zugleich Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands, besuchte neben dem Brigittenheim auch das Integrationshaus, feierte einen großen Festgottesdienst in der St.-Bartholomäus-Kirche und lud zu einem Empfang in das Gemeindehaus ein. Am zweiten Tag des Besuchs standen Firmenbesuche auf dem Programm.

Im Integrationshaus machte sich der Bischof ein Bild von der dortigen Integrationsarbeit, die zusammen mit dem Arbeitersamariterbund durchgeführt wird. Nach den Worten der Integrationsbeauftragten Veronika Kobert werden dort Hausaufgabenbetreuung, Erste-Hilfe-Kurse, Yoga-Stunden und zusammen mit der Caritas auch Sprechstunden zu den Themen Flucht und Migration angeboten. „Wir haben an manchen Tagen zwischen 30 und 50 Besucher“, sagte Veronika Kobert.

Finanziert wird diese Flüchtlingsarbeit mit Fördergeldern aus der Gemeinschaftsinitiative Nationale Stadtentwicklungspolitik, privaten Spenden aus der heimischen Wirtschaft und einem Zuschuss der Evangelischen Landeskirche. Pegnitz ist eine von zehn Städten, die von der Nationalen Stadtentwicklungspolitik gefördert wurden. Dabei handelt es sich um eine Initiative von Bund, Ländern, Deutschem Städtetag und Deutschem Städte- und Gemeindebund.

Integrationsbeauftragte Veronika Kobert unterstützt die in Pegnitz lebenden Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund bei allen alltäglichen und organisatorischen Belangen, bei denen Hilfebedarf besteht. Sie ist die lokale Ansprechpartnerin für die Behörden und Vereine, Schulen und Kindergärten sowie ehrenamtliche Helferinnen und Helfer in Pegnitz.

Fotos: Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm beim Fußballspiel in der Pegnitzer Christian-Sammet-Halle.

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05.03.2019

Pfiffiger Name und gute Idee / Projekt „Auf Rädern zum Essen“ ausgezeichnet

Kulmbach. Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Kulmbach-Petrikirche ist von der Diakonie und der Landeskirche für ihr Projekt „Auf Rädern zum Essen“ ausgezeichnet worden. Das Projekt ist Teil der Initiative f.i.t („fördern-initiativ werden-teilhaben“). Jährlich werden dabei drei Gemeinden ausgezeichnet, deren Projekte ein Preisgeld von jeweils 5000 Euro erhalten.

„Wir wollen zeigen, dass auch an der Basis ganz herausragende soziale Projekte verankert sind“, sagte der Präsident der Diakonie Bayern Michael Bammessel bei der Übergabe des Preises im Evangelischen Gemeindehaus in Kulmbach. „Auf Rädern zum Essen“ bezeichnete er als ganz einfache, aber sehr gute Idee mit einem pfiffigen Namen, das vor allem von den ehrenamtlichen Helfern getragen und von der Kirche unterstützt wird.

„Wenn wir den Menschen nahe sein möchten, dann brauchen wir Kirche und Diakonie gemeinsam“, erläuterte Oberkirchenrates Detlev Bierbaum die Idee, die hinter der Auszeichnung steckt. Kirche und Diakonie seien zwei Seiten der gleichen Medaille, das werde an dem Projekt „Auf Rädern zu Essen“ exemplarisch sichtbar. Schon allein, weil die Gemeinden immer kleiner werden, wird auch die Zusammenarbeit zwischen Diakonie und Kirche immer wichtiger, so Dekan Thomas Kretschmar. Das Projekt zeige was Kirche und Diakonie ausmacht, so die stellvertretende Landrätin Christina Flauder. Immer dann, wenn Not am Menschen sichtbar wird, dann seien Kirche und Diakonie zur Stelle.

Der Mittagstisch „Auf Rädern zum Essen“, der einmal im Monat stattfindet, ist ein Angebot für ältere Menschen. Die Idee dabei ist, ältere, oft allein lebende Menschen in die Gemeinschaft einzubinden und mit einem unterhaltsamen Rahmenprogramm und einem kostengünstigen Mittagsmenü in Gesellschaft mit anderen Senioren Abwechslung in ihren Alltag zu bringen.

Als Zielgruppe bezeichnet Organisatorin Pia Schmidt von der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit der Diakonie in den Dekanaten Kulmbach und Thurnau zum einen ältere Menschen generell, aber auch ältere Menschen mit speziellen Einschränkungen, vereinsamte Menschen und ältere Menschen mit Migrationshintergrund. Die meisten seien zwischen 75 und 85 Jahre alt und kommen aus Stadt und Landkreis Kulmbach. Seit Beginn des Projektes kommt Pia Schmidt auf rund 300 Teilnehmer.

Kooperationspartner sind neben dem Diakonischen Werk Kulmbach/Thurnau und der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit (KASA), der Familienentlastender Dienst (FeD), der den Fahrdienst übernimmt, und die Menüfaktur Kulmbach als Caterer. Die Räume stellt die evangelische Kirchengemeinde St. Petri zur Verfügung, Der Fahrdienst ist dabei kostenlos, für das Mittagessen werden pauschal 7,50 Euro mit Getränken fällig.

F.i.t. ist eine gemeinsame Initiative der bayerischen Landeskirche und des Diakonischen Werks Bayern, durch die landesweit 60 Projekte finanziert werden, die unter anderem älteren Menschen zu Gute kommen. Dabei werden ausschließlich Maßnahmen gefördert, die von der örtlichen Kirchengemeinde und einer diakonischen Einrichtung gemeinsam durchgeführt werden.

Bild: Kirchenrat Detlev Bierbaum (2. von links) und Diakonie-Präsident Michael Bammessel überreichten den Preis an die Ehrenamtlichen der Initiative „Auf Rädern zum Essen“: Maria Forster (links), Waltraud Lindner (2. Von rechts) und Heidi Seidel (rechts). Mit auf dem Bild ist auch Organisatorin Pia Schmidt (3. von rechts) von der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit der Diakonie in den Dekanaten Kulmbach und Thurnau.

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27.02.2019

Vielseitig, innovativ und bestens ausgebildet / Elke Pelz-Thaller beim Hofer Landfrauentag

Köditz, Lks. Hof. Mit einer Mischung aus Trauer und Empörung haben einige Sprecher beim Hofer Landfrauentag auf den Ausgang des Volksbegehrens Artenschutz reagiert. „Das Volksbegehren hat uns völlig erschlagen“, sagte Kreisbäuerin Karin Wolfrum und Landesbäuerin Anneliese Göller stellte fest: „Wir haben so viel für den Artenschutz gemacht, aber es wird einfach nicht gesehen.

Obwohl alle Forderung des Volksbegehrens die Landwirte betreffen, werde nicht mit ihnen gesprochen, so Karin Wolfrum. Dabei seien es doch gerade die Bauern, die sich schon immer um die Artenvielfalt kümmern. Jeder Einzelne kann etwas dafür tun und mithelfen, da gebe es unzählige Möglichkeiten, aber gerade an den Landwirten bleibe alles hängen. Landesbäuerin Anneliese Göller rief die Berufskolleginnen dazu auf, sich nicht auseinanderdividieren zu lassen. „Wir müssen zusammen stehen“, sagte sie. Klar sei allerdings auch, dass viele Landwirte die freiwilligen Maßnahmen künftig nicht mehr mitmachen.

Zuvor hatte Karin Wolfrum den Berufsstand als vielseitig, innovativ und bestens ausgebildet beschrieben. „Wir begleiten die Natur, unterstützen und pflegen sie“, sagte die Kreisbäuerin. Die Landwirte müssten aber auch davon leben können. Immerhin würden im Landkreis Hof 50 Prozent der Familienbetriebe noch im Haupterwerb geführt. Hier würden Lebensmittel in bester Qualität erzeugt, leider meist nicht zum angemessenen Preis.

„Stargast“ des Landfrauentages war die Mental- und Persönlichkeitstrainerin Elke Pelz-Thaller, die selbst Bäuerin auf einem Aussiedlerhof in der Hallertau ist. Unter dem Motto „Eigheirat“ (Eigeheiratet) sprach sie in ihrem ehrlichen und humorvollen Vortrag ein brisantes Thema mit vielen Facetten und noch mehr Zündstoff an. Das mutige Thema stehe auch irgendwie für das Jahresthema der Landfrauenarbeit im BBV, die heuer unter dem Motto „Im Dialog bleiben“ steht. In der gewohnten Mischung aus Comedy, Lebens- und Überlebenstipps, charmanter Plauderei und persönlichen Erlebnissen zog die „Bäuerin mit Leib und Seele“ dabei wieder alle Register und hatte schon nach wenigen Sätzen die gesamten Zuhörerschaft auf ihrer Seite.

Das Fazit der Mentalbuerin lautete: Für ein gutes Miteinander ist zunächst ein Perspektivwechsel nötig. Notwendig sei es, sich in die vorhandenen Personen einzufühlen, ihren Standpunkt zu verstehen und Brücken zu bauen, statt einen Platz einzufordern: „Nicht der andere muss sich bewegen, damit es mir besser geht, sondern ich habe diesen Schritt zuerst zu machen“, so Elke Pelz-Thaller

Traditionell stellten sich beim Hofer Landfrauentag in der Köditzer Göstrahalle auch einige Persönlichkeiten den Zuhörerinnen vor. Dr. Henning Wendt beispielsweise, der aus Niedersachsen stammende neue Geschäftsführer und Stationstierarzt der Besamungsstation Wölsau bei Marktredwitz. Simone Baumann, gelernte Hauswirtschafterin aus Geroldsgrün im Landkreis Hof ist die neue Dorfhelferin des Maschinenrings Münchberg. Susanne Taubald ist ebenfalls beim Maschinenring Münchberg die neue Organisationskraft und der erst 25-jährige Patrick Heerdegen aus Marktschorgast im Landkreis Kulmbach der neue Geschäftsführer.

Der Landfrauentag wurde einmal mehr vom Hofer Landfrauenchor unter der Leitung von Helmut Lottes umrahmt. Der Chor wird heuer am 31. Mai mit einem großen Jubiläumskonzert mit vielen Gästen in Helmbrechts sein 30-jähriges Bestehen feiern.

Bilder:
1.
 Der Hofer Landfrauenchor unter der Leitung von Helmut Lottes feiert heuer sein 30-jähriges Bestehen.
2.
 Stellten sich beim Hofer Landfrauentag vor (von links): Dorfhelferin Simone Baumann, Landesbäuerin Anneliese Göller, Geschäftsführer Dr. Henning Wendt, Kreisbäuerin Karin Wolfrum, Maschinenring-Mitarbeiterin Susanne Taubald und Maschinenring-Geschäftsführer Patrick Heerdegen.
3. Mentaltrainerin und Bäuerin Elke Pelz-Thaller in der Köditzer Göstrahalle in Aktion.

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26.02.2019

Von Franken in die Neue Welt / Die Region feiert ihr Universalgenie – Kulturforum präsentierte Jubiläumsprogramm

Goldkronach. Ein Humboldt-Bewusstseins innerhalb Frankens zu schaffen und gleichzeitig darauf hinweisen, dass Alexander von Humboldt durch seine frühen fränkischen Jahre entscheidend geprägt wurde, das sind die Ziele des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums Schloss Goldkronach. Im Jubiläumsjahr zum 250. Geburtstag sollen diese Ziele unter anderem durch eine nie dagewesene Fülle an Veranstaltungen, Konzerten und Vorträgen, Theateraufführungen, Filmvorführungen und Lesungen sowie geistlichen Impulsen und weltlichen Festen, gefeiert werden. „Das Jubiläumsjahr ist eine echte Bewährungsprobe für unsere junge Kulturinstitution“, sagte Hartmut Koschyk, Vorsitzender des Kulturforums, bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Programms.

Im Zentrum der Veranstaltungen wird dabei die fränkische Humboldt-Stadt Goldkronach stehen. Hier startet der Kultursommer offiziell am Himmelfahrtstag in der Stadtkirche mit Markus Schoch, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien und im Südkaukasus. Bereits vorher geht der Veranstaltungsreigen mit dem traditionellen Bayreuther Fastenessen (30. März), einem Vortrag von Dr. Ulrich Päßler von der Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften an der Universität Bayreuth (5. April) und einem weiteren Vortrag von Dr. Rudolf Himpsl vom Verein Kulturerbe Bayern (9. Mai in Goldkronach) los.

Weitere herausragende Programmpunkt sind unter anderem die Wiederaufführung des Theaterstücks „Alexander von Humboldt trifft Jean Paul“ (12. Juni und 13.Juli), zwei Konzerte des Festivals Junger Künstler Bayreuth (11. und 18. August), das Bayreuther Kulturgespräch mit der Aufführung des Films „Die Besteigung des Chimborazo“ (6. August)

Zum eigentlichen Geburtstag Alexander von Humboldts am 14. September wird es einen hochkarätig besetzten Humboldt-Tag in der Stadtkirche unter anderem mit dem neuen bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber geben. An diesem und den folgenden Tagen soll nach Einbruch der Dunkelheit außerdem die eindrucksvolle Lichtinstallation von Christoph Drews an der Fassade des Goldkronacher Schlosses gezeigt werden.

Als einen der Höhepunkt kündigten die Verantwortlichen das Fränkische Genussfest am Sonntag, 23. Juni von 11 bis 18 Uhr im Barockgarten von Schloss Goldkronach an. Unter dem Motto „Humboldt mit allen Sinnen genießen“ wurde dafür eigens die Bauern-Seufzer der Bayreuther Metzgerei Parzen, die Humboldt-Labla der Goldkronacher Bäckerei Beck und der Humboldt-Trunk der Warmensteinacher Brauerei Hütten geschaffen.

Am 31. August wird es außerdem einen Rosentag mit der Rosenschule Kordes geben, die bereits im zurückliegenden Jahr die Alexander-von-Humboldt-Rose vorgestellt hatte. Am gleichen Tag soll im Dendrologischen Garten von Bad Berneck ein Humboldt-Rosenweg eröffnet werden. Geplant ist auch die erstmalige Verleihung eines Fränkischen Alexander-von-Humboldt-Nachwuchspreises, die das Kulturforum zusammen mit der Rainer-Markgraf-Stiftung durchführen wird. Sogar ein eigenes Logo gibt es. Geschaffen hat die gelungene farbenfrohe Kombination Max Döres, der an der Hochschule Hof-Münchberg Medien-Design studiert. Das Logo trägt das Motto „Von Franken in die Neue Welt“.

Überaus begeistert von dem reichen Programmangebot zeigten sich bei der Pressekonferenz sowohl die stellvertretende Bayreuther Landrätin Christa Reinert-Heinz als auch Bürgermeister Holger Bär. „Mit dem, was hier alles geschaffen wurde, ist Goldkronach ist eine echte Leuchtturmstadt“, sagte Reinert-Heinz. Bürgermeister Bär berichtete von einem intensiven Austausch mit dem kolumbianischen Falan, ebenfalls einem Humboldt-Ort, mit dem die Stadt eine Klimapartnerschaft unterhält.

Weitere Informationen zu allen Veranstaltungen gibt es in einem eigenen „Humboldt-Brief“, eine Publikation, die im April erscheinen wird, sowie unter www.humboldt-kulturforum.de.

Bild:
Vorstellung des Programms des Humboldt-Jubiläumsjahres: (von links) Patrick Nickl von der Brauerei Hütten, Metzger Helmut Parzen, Hartmut Koschyk, stellvertretende Landrätin Christa Reinert-Heinz, Designer Max Döres, Bürgermeister Holger Bär, Tobias Beck von der Bäckerei Beck, Wolfgang Nickl (Brauerei Hütten).

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14.02.2019

Völlig neuer wissenschaftlicher Ansatz / Goldkronach trifft Südamerika: Ein ganzer Park wird Alexander von Humboldt gewidmet – Förderverein Museumspark gegründet

Goldkronach. Mit der Gründung eines Fördervereins ist Goldkronach dem geplanten Alexander-von-Humboldt-Museumspark einen großen Schritt näher gekommen. 18 Gründungsmitglieder hat der Verein, der später Betreiber des Parks sein wird. Vorsitzender ist der langjährige Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, ihm zur Seite stehen Andrea Wunderlich und Bürgermeister Holger Bär als Stellvertreter.

Die Planungen für das ehrgeizige Vorhaben sind schon ziemlich konkret, wie Dieter Blase vom Planungsbüro Topos bei der Gründungsversammlung im Gasthof Alexander von Humboldt in Goldkronach berichtete. Hinter dem Museumspark, der im Barockgarten des Schlosses und einem angrenzenden, derzeit weitgehend brach liegenden städtischen Grundstück verwirklicht werden soll, wird die Verbindung Alexander von Humboldts zu Oberfranken und zu Südamerika sichtbar gemacht. Dabei werden nicht nur Tafeln aufgestellt, zahlreiche Blumen, Sträucher und Bäume, gartengestalterische Elemente, sogar eine Vulkanlandschaft soll die Verbindung zu Alexander von Humboldt herstellen. Planer Dieter Blase sprach von einem völlig neuen Ansatz, Wissenschaft zu zeigen. Trotzdem soll es auch ein Park für die Menschen in Goldkronach sein, so Blase. Seine Planungen stützen sich dabei auf ein Erschließungs- und Raumkonzept, das die beiden Landschaftsarchitekturstudentinnen Cornelia Geske und Juhye Joo von der Technischen Universität Berlin als Bachelorarbeit erarbeitet haben.

Konkret teilt sich der Park in zwei Teile: Im bisherigen Barockgarten soll das Motto „Oberfranken in Europa“ realisiert werden, in dem Nachbargrundstück lautet das Motto „Oberfranken trifft Südamerika“. Highlights werden unter anderem Mitmachbeete und –gärten, ein Weidentunnel und eine Rosenpergola sowie eine Vulkanlandschaft an einem bestehenden Hang sein. Auch an ein kleines Veranstaltungs- und Besucherzentrum mit Seminarräumen, einem gastronomischen Angebot, einem Museumsshop und Toiletten ist gedacht. Der komplette Park soll barrierefrei sein und er soll auch eingezäunt werden.

Der neue Vorsitzende Hartmut Koschyk, der in gleicher Funktion bereits an der Spitze des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums Schloss Goldkronach steht, sprach von einer einmaligen Chance für die Stadt, zumal die traumhafte Förderquote von 90 Prozent an dem auf 1,8 Millionen Euro beziffertem Vorhaben bereits feststeht. Für 70 Prozent der Kosten gibt es bereits einen Förderbescheid der Regierung von Oberfranken über Bundes-, Landes- und Europamittel. Eine weitere Förderzusage mit 20 Prozent kommt von der Oberfrankenstiftung. Bauherr des Parks wird die Stadt Goldkronach sein.

Als erste Aktivität kündigte Koschyk eine öffentliche Veranstaltung im März an, bei der sich der Förderverein mit seinen Zielen der Öffentlichkeit vorstellen und neue Mitglieder gewinnen will. Am 5. April gibt es einen Vortrag mit dem Titel „Die Natur ganz umfassen“ von Dr. Ulrich Päßler, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Baubeginn des Parks soll im Frühsommer sein, für den Herbst plant der Förderverein ein Baustellenfest.

Auch Bürgermeister Holger Bär sah die große Chance, die Erinnerung an die Aktivitäten des jungen Alexander von Humboldt in Oberfranken zentral in Goldkronach zu bündeln. Zusammen mit dem Goldbergbaumuseum, den Besucherbergwerken und einem Rundwanderweg könne der Besucher einen ganzen Tag lang in Goldkronach auf den Spuren von Alexander von Humboldt verbringen.

Die Jahresmitgliedsbeiträge des neuen Vereins liegen bei 25 Euro für Einzelmitglieder, 40 Euro für Ehepaare und 100 Euro für juristische Personen wie Vereine oder Firmen. Neben Hartmut Koschyk, Andrea Wunderlich und Holger Bär gehören dem Vorstadt Manfred Nüssel als Schatzmeister und Sebastian Machnitzke als Schriftführer an. Beisitzer sind: Wieland Pietsch, Thomas Dötsch, Annegret Läkamp, Roland Musiol und Klaus Rieß. Kassenprüfer sind Lissy Weigel und Peter Nitzsche.

Bild:
1. Sie kümmern sich künftig um den Alexander-von-Humboldt-Museumspark: der Vorstand des neu gegründeten Fördervereins mit (von links)
Bürgermeister Holger Bär, Andrea Wunderlich, Annegret Läkamp, Sebastian Machnitzke, Hartmut Koschyk, Dieter Blase, Lissi Weigel, Roland Musiol, Thomas Dötsch, Manfred Nüssel, 3. Bürgermeister Wieland Pietsch, Klaus Rieß, Peter Nitzsche.
2. Dieter Blase (links) vom Büro Topos stellte den Stand der Planungen für den Alexander-von-Humboldt-Museumspark vor.

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05.02.2019

Mit Mut und Zuversicht in die Zukunft / Scheßlitzer Bauerntag: Mit Optimismus gegen düstere Grundstimmung – "Bayern blüht auf": Leo Göller aus Hirschaid geehrt

Scheßlitz, Lks. Bamberg. Dieser Gegensatz ist mit vernünftigen Argumenten nicht zu erklären: Das Interesse an den Landwirten ist deutlich gestiegen, sie werden als zweitwichtigste Berufsgruppe überhaupt wahrgenommen, der Landwirt ist also positiv besetzt. Und trotzdem: Das „System Landwirtschaft“ wird deutlich kritischer beurteilt, es wird nicht verstanden und die meisten Menschen haben keinen Kontakt mehr dazu.

Was also tun? Dieser Frage ging der Amtschef des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums Hubert Bittlmayer beim Bauerntag in Scheßlitz nach. Er kam zu dem Ergebnis, dass die Landwirte mit Stolz und Selbstbewusstsein nach außen auftreten und die Menschen aufklären sollten. Persönlich auf dem Hof mit dem Verbraucher, aber auch über die neuen Medien sollten die Landwirte mit Mut und Zuversicht in die Zukunft gehen. Dabei dürften sie nie vergessen, dass sie nicht nur ein ganz starker Wirtschafsfaktor, sondern auch das prägende Element des ländlichen Raumes sind. „Wir Bauern, wir sind das Gesicht Bayerns“, sagte Bittlmayer.

Zuvor hatte der Bamberger Kreisobmann Edgar Böhmer einen eher düsteren Blick in die Zukunft gewagt: „Die Anforderungen, die auf uns zukommen, sind eigentlich der Wahnsinn“, sagte er. Die gesamte Branche stehe vor unheimlichen Veränderungen. Wie sollten junge Leute da noch Planungssicherheit, geschweige denn eine Zukunftsperspektive finden? Scharf griff Böhmer den Umweltpopulismus an, der viele Verbraucher total verunsichere. Dabei werde die bayerische Kulturlandschaft maßgeblich von der Nutztierhaltung geprägt. Doch die Tierhalter fühlten sich im Stich gelassen.

Mit der Ehrung von Leo Göller aus Hirschaid gab es beim Scheßlitzer Bauerntag aber doch auch einen Lichtblick. Göller hatte beim Wettbewerb „Bayern blüht auf“ auf Landesebene den dritten Platz erzielt und bekam dafür aus den Händen von Landesbäuerin Anneliese Göller und von Oberfrankens BBV-Präsident Herman Greif eine Urkunde. „ Solche engagierte Blühbotschafter brauchen wir“, sagte die Landebäuerin.

Auch die Grußwortredner waren bemüht, Optimismus zu verbreiten. Ihr sei es ein Herzensanliegen, dass die Familienbetriebe Zukunft haben, sagte die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner. „Probleme sind lösbar“, so Landrat Johann Kalb, der an alle Beteiligten appellierte, sich nicht vom Dialog zu verabschieden. Landwirte sollten versuchen mit prägnanten Bildern und einprägsamen Schlagworten die Diskussion in der Öffentlichkeit zu beherrschen, meinte der Scheßlitzer Bürgermeister Roland Kauper und Georg Hollfelder, Landesvorsitzender der bayerischen Rinderzüchter stellte fest, dass es das Grundproblem der Gesellschaft ist, dass sie satt sei. Hollfelder: „Wer Hunger hat, der hat ein Problem. Wer satt ist, findet jeden Tag ein neues Problem.“

Bilder:
1. Der Bamberger Kreisobmann Edgard Böhmer (links) bedankte sich beim Amtschef des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums Hubert Bittlmayer mit einem Korb voller Spezialitäten aus dem Bamberger Land.
2. Für den dritten Platz beim Wettbewerb Bayern blüht auf“ wurde Leo Göller aus Hirschaid geehrt. Im Bild (von links): BBV-Geschäftsführer Werner Nützel, Kreisobmann Edgar Böhmer, Landesbäuerin Anneliese Göller, Pia und Leo Göller, Landrat Johann Kalb, Amtschef Hubert Bittlmayer und der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif.
      

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05.02.2019

Messen des Wissens mitten in der Ausbildung / Rekordverdächtige Teilnahme beim Berufswettbewerb der Landjugend

Bayreuth. Nein, nicht Konrad Adenauer ist der Kanzler der Wiedervereinigung, sondern Helmut Kohl. Die Mauer ist auch nicht 1990 gefallen, sondern bereits 1989. „Beim Allgemeinwissen könnte man sich grundsätzlich noch verbessern“, sagte Hauswirtschafterin Sabine Raupach von der Berufsschule III in Bayreuth. Sie gehörte zum Prüfungsteam im Land- und Hauswirtschaftlichen Berufswettbewerb der Landjugend, bei dem diesmal rekordverdächtige 53 angehende Landwirte und zehn angehende Hauswirtschafterinnen teilgenommen hatten.

Wenn auch beim Allgemeinwissen bei dem einen oder anderen etwas haperte, im fachlichen waren alle bestens vorbereitet. Hier ging es bei den Landwirten beispielsweise darum, Getreide und Sämereien zu unterscheiden, eine Düngeberechnung anzustellen, Kenntnisse im Pflanzenbau unter Beweis zu stellen, sowie Werkstoffe und Futtermittel zu bestimmen. Wenn diese fachlichen Fragen rundum gut gelöst worden seien, so habe es bei der praktischen Aufgabe trotzdem ein Problem gegeben, sagte Fritz Asen vom Amts für Landwirtschaft in Bayreuth, der ebenfalls dem Prüferteam angehörte. Bei der Konstruktion und beim Bau eines Flaschenöffners aus Metall, zu dem auch das ziemlich komplizierte Heraussägen einer Acht-Kant-Schraube gehörte, sei nämlich meist der Arbeitsschutz vergessen worden. Gerade der sei aber wichtig, so Asen. Er wusste auch von einigen Flaschenöffnern, die einfach nicht funktionieren wollten.

Unterm Strich habe der Leistungswettbewerb der Landjugend auf Kreisebene aber beeindruckende Ergebnisse gebracht und den hohen Ausbildungsstand der jungen Leute eindrucksvoll unter Beweis gestellt, sagte BBV-Kreisobmann Karl Lappe, Die angehenden Landwirte und Hauswirtschafterinnen rief er auf, den Berufsstand selbstbewusst nach außen zu vertreten. Es gebe allen Grund dazu.

Das Messen des Wissens mitten in der Ausbildung soll auch ein Stück weit Orientierung geben, so der Bayreuther Landrat Hermann Hübner, der allen Teilnehmer persönlich seine Anerkennung aussprach. Die Verbraucher seien kritischer geworden und wollten wissen, woher die erzeugten Lebensmittel kommen, so Hübner. Nicht zuletzt deshalb sei höchste Qualität in den Grünen Berufen so gefragt.

Die drei Erstplatzierten im Bereich Hauswirtschaft sind der Reihe nach: Kordelen Esmer aus Wunsiedel, Gastschülerin Johanna Gößwein aus Wolframs-Eschenbach und Anja Herold aus Weismain. Bei den Landwirten siegte Raphael Roth aus Kupferberg, zweite wurden mit gleicher Punktzahl Lukas Haberberger aus Pegnitz und Achim Leicht aus Heiligenstadt.

Bilder:
1. Zusammen mit Ehrengästen und Verbandsvertretern präsentierten sich die jeweiligen Erstplatzierten des Berufswettbewerbs der Landjugend zum offiziellen Siegerfoto.
2.
Beim Berufswettbewerb der Landjugend siegten im Bereich Hauswirtschaft (von links): Kordelen Esmer aus Wunsiedel, Johanna Gößwein aus Wolframs-Eschenbach und Anja Herold aus Weismain.

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02.02.2019

„Wer lacht, kann nicht aggressiv sein“ / Ordensschwester Teresa Zukic beim Bayreuther Landfrauentag – Erzeuger-Verbraucher-Dialog soll gestärkt werden

Bayreuth. Zu mehr Gelassenheit hat Schwester Teresa Zukic die Bayreuther Landfrauen aufgerufen. Bei ihrem Auftritt beim Bayreuther Landfrauentag in der Tierzuchtklause rief die TV-bekannte Ordensschwester von der Kleinen Kommunität der Geschwister Jesu aus Weisendorf bei Erlangen dazu auf, mehr zu lachen, jeden Tag bewusster zu genießen und vor allem sich selbst stets treu zu bleiben.

Wenn Schwester Teresa auftritt ist der Saal voll. Auch am Samstagnachmittag. Gerade in der Region, denn vom Landkreis Bayreuth aus, genauer gesagt von Pegnitz aus, startete Schwester Teresa in den 1990er Jahren ihren Siegeszug. Hier gründete sie 1994 die Kleine Kommunität und wurde nach einem Fernsehauftritt bei Margarethe Schreinemakers als Skateboard fahrende Nonne bekannt. Egal ob Beckmann, Lanz oder Pilawa, mittlerweile ist sie in jeder TV-Sendung aufgetreten, sogar als Sängerin bei „Immer wieder sonntags“, sie hat Bücher geschrieben, neun Musicals komponiert, eine eigene Kochshow auf YouTube und hält unermüdlich Vorträge.

So auch am Samstagnachmittag beim Landfrauentag in Bayreuth. „Jeder ist normal, bis du ihn kennst“, lautete ihr Thema und nach einer guten Stunde kam sie zu dem Schluss: „Wir müssen gar nicht normal sein, denn wir sind alle Originale, Originale Gottes“. Und so tut Schwester Teresa das, was man von einer Ordensschwester kaum erwartet hätte: sie erzählt ihre Lieblingswitze. „Lachen stärkt das Immunsystem und hat keine negativen Nebenwirkungen“, sagt sie. Wer lacht, der könne auch nicht aggressiv sein.

Überhaupt seien negative Gedanken ziemlich überflüssig. „Negative Gedanken führen zu negativen Gefühlen“. Dabei sei es das meiste gar nicht wert, dass man sich darüber aufregt. Wozu Zeit verschwenden. Worauf sollen wir warten, wenn dieser Tag vorbei ist, kommt er nie wieder, gab Schwester Teresa zu bedenken. Und auch, dass jeder Mensch so seine Schönheitsfehler habe, äußerlich wie innerlich. „Jeder ist irgendwie seltsam, so will es auch die Bibel vermitteln.“

Zuvor hatte sich Kreisbäuerin Angelika Seyferth dagegen verwahrt, dass die Landwirtschaft für alles und jedes als Sündenbock herhalten muss. „Ob Feinstaub oder Insektensterben: die Landwirtschaft ist doch nicht Versucher all dieser Probleme“, sagte sie. Ganz im Gegenteil: die Bauern wirkten mit ihrer Arbeit vielen Problemen massiv entgegen.

Jeder habe seinen Anteil am Insektensterben, so die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert. Sie  ging auch auf das Jahresthema der Landfrauen „Im Dialog bleiben“ ein. Der Dialog sei gefragt: In der Partnerschaft, in der Familie, zwischen den Generationen, in der Nachbarschaft, vor Ort im Dorf genauso wie in der Gesellschaft insgesamt. „Im Dialog zu bleiben, ist keine Einbahnstraße, sondern bedeutet zuhören und aufeinander eingehen.

Gerade der Erzeuger-Verbraucher-Dialog zwischen bäuerlichen Familien und der nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung komme meist zu kurz, so die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Ein echter Austausch finde viel zu wenig statt. Dabei sei es wichtiger als je zuvor, den Menschen aufzuzeigen, was durch die Pflege der Kulturlandschaft alles entstanden ist. „Wir brauchen eine Werbekampagne im positiven Sinn, und kein Volksbegehren“, so Brendel-Fischer.

Konventionelle und ökologisch wirtschaftende Betriebe sollten sich auf Augenhöhe begegnen, denn auch die konventionelle Landwirtschaft werde zunehmen ökologischer, sagte Christa Reinert-Heinz, Stellvertreterin des Landrats und Abteilungsleiterin beim Amt für Landwirtschaft in Bayreuth. Landfrauen zeigten Flagge und würden nicht müde, die vielfältigen Leistungen der Landwirtschaft immer wieder öffentlich darzustellen, so Bayreuths dritte Bürgermeisterin Dr. Beate Kuhn.

Zum Landfrauentag gehörten diesmal auch eine Präsentation der Stadt Pottenstein durch Bürgermeister Stefan Frühbeißer, eine Trachtenmodenschau und der Auftritt des Landfrauenchors unter der Leitung von Martina Schill.

Bilder:
- Die TV-bekannte Ordensschwester Teresa Zukic von der Kleinen Kommunität der Geschwister Jesu aus Weisendorf bei Erlangen bei ihrem Auftritt beim Bayreuther Landfrauentag.
- Kreisbäuerin Angelika Seyferth (links) und ihre Stellvertreterin Doris Schmidt (rechts) bedankten sich bei Schwester Teresa für ihren Vortrag beim Bayreuther Landfrauentag.

 

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15.01.2019

Dialoge nicht ins Digitale verlagern /
Klinikseelsorger Josef Epp beim Pegnitzer Landfrauentag

Pegnitz. Dialoge sind heute weitgehend ins Digitale verlagert, echte Zwiegespräche bleiben auf der Strecke. Das hat Josef Epp, Klinikseelsorger und Religionslehrer aus dem Allgäu beim Pegnitzer Landfrauentag am Dienstagnachmittag im ASV-Sportheim bedauert. Er rief dazu auf, wieder zu echter Kommunikation zurückzukehren, denn „wir brauchen den Dialog, wenn es um unsere Zukunft geht“.

„Im Dialog bleiben“ lautet das Jahresmotto der Landfrauenarbeit im Bauernverband. Es sei wichtig, miteinander zu reden und sich auszutauschen, sagte Kreisbäuerin Angelika Seyferth. Gerade auf den Bauernhöfen, wo oft noch mehrere Generationen unter einem Dach leben. Im Dialog sollte man als Landwirt aber auch mit den Verbrauchern bleiben und immer wieder die eigene Arbeit darstellen, von der viele Menschen in den Städten überhaupt keine Ahnung mehr haben. „Klären sie auf, wenn es beispielsweise darum geht, die Leistungen der Landwirtschaft für den Naturschutz herauszustellen“, sagte Seyferth.

Zuvor hatte die Kreisbäuerin eine gemischte Bilanz über das zurückliegende Jahr gezogen. Die Erntebedingungen seien gut, die Ernte selbst sei aber schlecht gewesen, sagte sie. Aktuell würden viele Berufskollegen in Südbayern unter den großen Schneemassen leiden. Von Skifahrern und Ausflüglern werde immer wieder berichtet, von den Bauern, zu denen kein Milchwagen mehr durchkommt, sei in der Öffentlichkeit kaum die Rede. „Auf solche Wetterkapriolen müssen wir uns wohl in Zukunft noch mehr einstellen“, so Seyferth.

Im Dialog bleiben setze voraus, dass man sich überhaupt im Dialog befinde, sagte Referent Josef Epp, der auch durch seine Buchveröffentlichungen bekannt geworden war. Er bezweifelte das. Immer weniger seien Menschen bereit, sich zu öffnen und anderen wirklich mitzuteilen. Viele Entscheidungen seien von Egoismus geprägt, der Konsens gehe verloren, die Gesellschaft drifte auseinander.

Doch wer keinen Dialog mehr führt, der verweigere sich auch dem sozialen Umfeld. Gerade auf den Dörfern mache sich dies schon bemerkbar, wenn beispielsweise Vereine keine Vorstände mehr finden. „Jeder macht sein Ding, das Miteinander bleibt auf der Strecke.“ Josef Epp rief deshalb dazu auf, wieder zum Dialog zurückzukehren, eigene Positionen zu vertreten, aber nicht ohne dem Gegenüber offen, aufmerksam und mit entsprechender Wertschätzung zu begegnen. Dialog benötige Zeit, Dialog benötige Humor, dann könnte nicht nur wieder ein Miteinander der Generationen möglich sein, sondern auch ein Konsens bei wichtigen Fragen innerhalb der Gesellschaft.

Für die großartige und ehrenamtliche Arbeit der Landfrauen bedankten sich in ihren Grußworten unter anderem Landrat Hermann Hübner, Bürgermeister Uwe Raab, Christa Reinert-Heinz vom Amt für Landwirtschaft und die stellvertretende oberfränkische Bezirksbäuerin Beate Opel aus dem Landkreis Kulmbach. Landrat Hübner merkte positiv an, dass heimische Produkte wieder hoch im Kurs stünden und der Verbraucher meist auch bereit sei, den Preis dafür zu bezahlen. Bürgermeister Raab appellierte an die Landwirtschaft, immer wieder den Dialog mit der Gesellschaft zu führen und so zu einem konstruktiven Miteinander zu kommen.

Umrahmt wurde der Pegnitzer Landfrauentag einmal mehr mit den Liedern des Bayreuther Landfrauenchors unter der Leitung von Martina Schill. Neben einer Trachtenmodenschau gab es auch eine Präsentation des Marktes Weidenberg durch die 3. Bürgermeisterin und frühere stellvertretende Bayreuther Kreisbäuerin Martina Meyer-Gollwitzer.

Bilder:
1.
       Der Bayreuther Landfrauenchor unter der Leitung von Martina Schill eröffnete den Landfrauentag im ASV-Sportheim.
2.
       Die stellvertretende Kreisbäuerin Doris Schmidt (rechts) und Kreisbäuerin Angelika Seyferth bedankten sich beim Referenten Josef Epp, der eigens aus dem Allgäu zum Pegnitzer Landfrauentag angereist war.

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08.12.2018

Segensreiches Wirken für kranke, alte und schwache Mitbürger / CSU-Bürgerpreis für Pottensteiner Elisabeth-Verein

Mit dem CSU-Bürgerpreis ist der Elisabeth-Verein Pottenstein ausgezeichnet worden. Im Bild von links: die stellvertretenden CSU-Kreisvorsitzenden Markus Täuber und Franc Dierl, Heribert Trunk von der Don-Bosco-Stiftung und Bettina Borst vom Elisabeth-Verein Pottenstein.Pottenstein. Hohe Auszeichnung für den Elisabeth-Verein Pottenstein: Der Zusammenschluss erhielt am Samstag den mit 500 Euro dotierten Bürgerpreis der Bayreuther CSU. „Sie kümmern sich um die Menschen, sie geben ihnen Licht, Sonne und die Energie, die sich brauchen“, sagte der Vorstand der DON-Bosco-Stiftung und frühere IHK-Präsident Heribert Trunk bei der Übergabe des Preises an Vorstandsmitglied Bettina Borst. Der Elisabeth-Verein steht kranken, alten und einsamen Menschen helfend zur Seite, seine Mitglieder kümmern sich um pflegende und begleitende Angehörige genauso wie um trauernde Menschen.

Trunk sprach von einem herausragenden Engagement. Füreinander einzustehen, das sei heute besonders wichtig. „Sie leisten wirklich großartiges“, so der Laudator. Es sei geradezu grandios, sich dieses Themas anzunehmen. Deshalb könne er sich auch keine würdigeren Preisträger vorstellen.

„Wir alle fühlten wir uns oft ohnmächtig, hilflos und überfordert, wenn es um Krankheiten und ums Sterben geht, sagte Vorstandsmitglied und Schriftführerin Bettina Borst, die stellvertretend für die verhinderte Vorsitzende Andrea Eichmüller den Preis entgegennahm. „Wir erleben Ängste, Hilflosigkeit und Unsicherheit.“ Nicht selten übersteigen die Anforderungen unsere Kräfte. Aus diesem Hintergrund habe sich der Elisabeth-Verein in den Jahren 2007/2008 zusammen gefunden, eine Gruppe von Frauen und Männern, die in helfenden Berufen tätig sind oder selbst bereits schwere Verluste erfahren haben.

„Mit all unserem Wissen, unseren Erfahrungen, unserem Verstehen möchten wir Hilfe anbieten, Kontakte vermitteln und unterstützen, wo es nötig ist“, so Bettina Borst. So engagiere sich der Verein unter anderem in der Seniorenarbeit ermögliche es älteren Menschen, so lange wie möglich im häuslichen Umfeld zu bleiben und unterstützt pflegende Angehörige unter anderem durch eigene Schulungen, Fortbildungen und Vorträge.

Als regelmäßiger Höhepunkt im Vereinsleben gilt das „Treffen der Generationen“. Obwohl im ländlichen Raum viele noch in ihrer Familie und in der Nachbarschaft eingebunden sind, sei das Bedürfnis nach Begegnung und Gemeinschaft groß, besonders bei denen, die aufgrund einer Krankheit nicht mehr so agil und selbständig sind. Aus diesem Grund hatten die Vereinsmitglieder 2009 mit Seniorennachmittagen begonnen, die mittlerweile mit einem geselligen Nachmittag, mit Kaffee und Kuchen und einem abwechslungsreich gestalteten bunten Programm meist dreimal pro Jahr stattfinden.

Als Angebote für Trauernde sind Vereinsmitglieder zu einem persönlichen Gespräch da, bieten Andachten für Trauernde an und laden in regelmäßigen Abständen zum Gestalten von Gedenkbrettern ein, einer anderen Art der Begegnung mit der Trauer, der Erinnerung und dem Gedenken. Im Mai dieses Jahres konnte der Elisabeth-Verein mit einer Gedenk-Stele auf dem Pottensteiner Friedhof einen besonderen Ort für Trauernde einweihen.

 „Bei all unseren Veranstaltungen ist es uns ein Anliegen, dass sie nicht nur als reines Angebot für Senioren verstanden werden, sondern dass Alle kommen, die sich angesprochen fühlen, so dass sie mehr und mehr zu einem Treffen der Generationen werden können“, so Bettina Borst. Sie hatte die Vorstellung des Vereins mit nachdenklichen Worten beendet: „Wir müssen alle damit rechnen, dass wir am Ende unseres Lebens zumindest für ein paar Jahre pflegebedürftig sein werden“, sagte sie.

Ganz unterschiedliche Gruppen hätten den Bürgerpreis des CSU-Kreisverbandes Bayreuth-Land bisher erhalten, sagte der stellvertretende Vorsitzende, Franc Dierl aus Speichersdorf. Egal ob der Landjugend-Kreisverband, die Kindertagesstätte Rotmainschlümpfe, die Pegnitzer Stadtgarde Glückauf oder die Bürgerinitiative Buntes Warmensteinach: immer seien es Menschen, die sich für andere Menschen einsetzen, so Dierl, der die ebenfalls terminlich verhinderte Integrationsbeauftragte und Bayreuther Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer vertrat.

Namensgeberin des Vereins, der sich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden oder dem Verkauf von verschiedenen Dingen wie einer eigenen Schokolade oder einer kunstvollen Postkartenserie finanziert, ist die Heilige Elisabeth. Sie wurde 1207 geboren und 1212, als Fünfjährige, zur Erziehung an den Hof des Landgrafen Hermann von Thüringen verbracht. Dessen Sohn Ludwig heiratete sie auf der Wartburg, als sie 14 Jahre alt war. Bereits die heranwachsende Elisabeth war dadurch aufgefallen, dass ihr die höfische Etikette egal war, wenn es um bedürftige Menschen ging. Sie zeigte ein herzliches und vor allem persönliches Zugehen auf Hilfsbedürftige, zu denen der Adel standesgemäß möglichst große Distanz einnahm. Elisabeth gründete in Gotha ein Spital, stiftete dem Orden der Franziskaner eine Kapelle in Eisenach und ordnete während der großen Hungersnot in Deutschland an, Vorräte unter den Bedürftigen zu verteilen. Nach dem Tod ihres Mannes wurde sie von der Wartburg vertrieben und verbrachte im Jahr 1228 einige Wochen lang auf der Burg in Pottenstein.

Bild: Mit dem CSU-Bürgerpreis ist der Elisabeth-Verein Pottenstein ausgezeichnet worden. Im Bild von links: die stellvertretenden CSU-Kreisvorsitzenden Markus Täuber und Franc Dierl, Heribert Trunk von der Don-Bosco-Stiftung und Bettina Borst vom Elisabeth-Verein Pottenstein.

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04.12.2018

Gemeinschaft und gesundes Essen: Nahrung für Körper und Geist / „Auf Rädern zum Essen“: In Kulmbach gibt es einen regelmäßigen Mittagstisch für ältere und einsame Menschen

Kulmbach: Essen auf Rädern, das kennt man. „Auf Rädern zum Essen“, das ist dagegen weit mehr als ein Wortspiel. In Kulmbach ist es Realität. „Es ist eine Einladung an ältere Menschen zum Mittagessen und mehr“, sagt Organisatorin Pia Schmidt von der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit der Diakonie in den Dekanaten Kulmbach und Thurnau.

„Es ist einfach schön hier, man trifft immer nette Leute und das Essen schmeckt sehr gut“, sind sich die Senioren einig. Viele von ihnen sind von Anfang an dabei. Als Vorspeise gibt es beispielsweise Kürbiscreme- oder Griesklößchensuppe, der Hauptgang besteht aus Hähnchenbrust mit Blumenkohl und Kartoffelpüree, Schweinebraten mit Kartoffelklößen und Kaisergemüse oder Fischfilet in Dillsoße und Wildreis. Zum Nachtisch werden schließlich Obstsalat, Früchtekompott oder Quark-Creme mit Saisonfrüchten serviert.

Untersuchungen hätten gezeigt, dass sich ältere alleinlebende Menschen oft unzureichend verpflegen und wenig am sozialen Leben teilnehmen. Das sollte sich durch das ehrgeizige Projekt „Auf Rädern zum Essen“ ändern. Interessante Mittagstisch‐Angebote ermöglichten eine ausgewogene Mahlzeit, sie sorgten dafür, dass ältere Menschen durch Kommunikation wieder aktiv werden. „Aktivierung und Teilhabe, Gemeinschaft und gesundes Essen, das steht bei uns im Vordergrund“, sagt Pia Schmidt.

Ausgangspunkt für das Projekt war nach ihren Worten von der erfolgreiche Verlauf eines Café-Treffs Ladentreff des Evangelischen Gemeindehauses in Kulmbach. Dazu seien im Schnitt zwölf ältere Mitbürger jeweils ein- bis zwei Mal pro Woche zusammengekommen. „Hier finden Begegnungen statt, Menschen knüpfen Kontakte, bauen Beziehungen auf und unterstützen sich gegenseitig“, erläutert die Sprecherin.

Basierend auf dieser Erfahrung sei im Oktober 2016 die Idee entstanden, am gleichen Ort barrierefrei einen Mittagstisch anzubieten. Ehrenamtliche, die das Projekt mit unterstützen, habe man schnell gefunden. Waltraud Lindner und Heidi Seidel aus Kulmbach zum Beispiel. Beide sind von Anfang an dabei. „Wir tun, was wir können“, sagt Waltraud Lindner. Spaß mache das Ganze auf jeden Fall, so Heidi Seidel. Inzwischen sei „Auf Rädern zum Essen“ zu einem festen monatlichen Angebot geworden. Die insgesamt sechs ehrenamtlichen Helfer sind längst ein eingespieltes Team und Pia Schmidt selbst ist natürlich immer mit dabei.

Ein Rahmenprogramm rundet den gemeinsamen Vormittag ab. Dazu gehörten das Vortragen von Sagen und Märchen aus Kulmbach und Umgebung, Spiele wie etwa das überaus beliebte Bingo oder Gedächtnisübungen, Sitztänze und kleine Bewegungsübungen. Hermann Müller von der Stadt hat beispielsweise Anekdoten und Geschichten über die Esskultur auf Lager, eine Mitarbeiterin des Kulmbacher Gewürzmuseums hat Kräuter und Gewürze zum fühlen, schmecken und riechen dabei und manchmal haben die Teilnehmer sogar schon selbst etwas vorgetragen, lustige Gedichte etwa oder Geschichten aus ihrem Leben, die zu schade zum Vergessen sind.

Als Zielgruppe bezeichnet Pia Schmidt zum einen ältere Menschen generell, aber auch ältere Menschen mit speziellen Einschränkungen, vereinsamte Menschen und ältere Menschen mit Migrationshintergrund. Die meisten seien zwischen 75 und 85 Jahre alt und kommen aus Stadt und Landkreis Kulmbach.

Seit Beginn des Projektes kommt Pia Schmidt auf rund 300 Teilnehmer. Trotzdem: „Qualität ist uns wichtiger als Quantität.“ Und deshalb hören sie und ihre Mithelfer auch mal zu, wenn jemand ein Problem hat, nehmen jemanden in den Arm und suchen den Kontakt zu jedem einzelnen.

Kooperationspartner sind neben dem Diakonischen Werk Kulmbach/Thurnau und der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit (KASA), der Familienentlastender Dienst (FeD), der den Fahrdienst übernimmt, und die Menüfaktur Kulmbach als Caterer. Die Räume stellt die evangelische Kirchengemeinde St. Petri zur Verfügung, Der Fahrdienst ist dabei kostenlos, für das Mittagessen werden pauschal 7,50 Euro mit Getränken fällig.

Bilder:
1.
 Organisatorin Pia Schmidt (Mitte) mit ihren Helferinnen Waltraud Lindner und Heidi Seidel.
2.
 Der frühere Mangersreuther Pfarrer Klaus Kurau trägt Geschichten aus der Bibel vor, die von den Senioren ergänzt werden sollen.
3.
 Hier wird die Suppe vorbereitet.
4.
 Die Vorspeise wird serviert.
 

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26.11.2018

Keine Förderung nach dem Gießkannenprinzip / Vertreter von Selbsthilfegruppen diskutierten derzeitige Förderpraxis – Kontaktgespräch mit dem Zentrum Bayern Familie Soziales

Bayreuth. In Oberfranken arbeiten die Selbsthilfegruppen überaus engagiert. Während die Anträge auf staatliche Förderung bayernweit rückläufig sind, liegt die Auszahlung im Regierungsbezirk oberfrankenweit bei konstant rund 42000 Euro pro Jahr an die Selbsthilfegruppen.

„Damit entfällt 18 Prozent der Förderung auf Oberfranken, obwohl der Bevölkerungsanteil an Bayern gerade einmal bei acht Prozent liegt“, sagte Josef Greger vom Zentrum Bayern Familie Soziales (ZBFS), das für die Förderung zuständig ist. Das zeige aber auch, dass es in Oberfranken ein reges Engagement in Sachen Selbsthilfe gibt, so Greger bei einem Kontaktgespräch zwischen Ehrenamtlichen mit der Spitze des ZBFS, das auf die Initiative der Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer zustande gekommen war. In Oberfranken gibt es knapp 100 Selbsthilfegruppen mit zusammen 4600 Mitgliedern. Bayernweit sei von den Selbsthilfegruppen im laufenden Jahr rund eine viertel Million Euro abgerufen worden, sagte Greger. Dabei sei jeder Antrag in voller Höhe bewilligt worden.

Trotzdem haben die Selbsthilfegruppen auch Probleme. So bezeichneten bei der Veranstaltung zahlreiche Redner die bisherige Förderpraxis als überarbeitungsbedürftig, denn das Geld aus der parallel laufenden Förderung durch die Krankenkassen müsse erst aufgebraucht sein, um in den Genuss der Förderung durch das ZBFS zu kommen. Dies sei schon deshalb ungerecht, weil es bei der Krankenkassenförderung keine einheitlichen Regelungen gibt. Vielmehr könne jede Selbsthilfekontaktstelle ihre eigene Sondervereinbarung treffen.

Als weiteres Ärgernis sahen es die Vertreter der Selbsthilfegruppen, dass jede Gruppe pauschal mit 400 Euro pro Jahr bezuschusst wird, egal ob die Gruppe sechs Mitglieder oder 60 Mitglieder hat, egal, was sie leistet und um welche Art an Selbsthilfe es sich handelt. „Dieses Gießkannenprinzip hilft niemand“, sagte ein Sprecher. Die Förderung sei zwar eine freiwillige Leistung des Staates, aber auch die Tätigkeit der Ehrenamtliche geschehe auf freiwilliger Leistung.

Schließlich wurde auch bemängelt, dass die Zuteilung der Förderung meist erst Mitte des Jahres erfolgt. Deshalb müssten die Gruppensprecher im Verlauf des ersten Halbjahres Gelder vorstrecken, damit die Gruppe liquid bleibt. Auch die Antragsstellung selbst sollte vereinfacht werden, um Hürden abzubauen.

Die Bayreuther Landtagsabgeordnete und neue Integrationsbeauftragte der bayerischen Staatsregierung Gudrun Brendel-Fischer würdigte die ehrenamtliche Arbeit der Selbsthilfegruppen. „Das, was sie hier leisten, kann man nicht bezahlen“, sagte sie. Die Förderung könne deshalb letztlich immer nur eine Anerkennung sein. Brendel-Fischer wertete es als Alarmzeichen, wenn aktuell die Begeisterung sinkt, den Vorsitz einer Selbsthilfegruppe zu übernehmen. Sie verwies auf die in den Bundesrat eingebrachte Erhöhung der Ehrenamtspauschale und sprach sich dafür aus, diese der wesentlich höheren Übungsleiterpauschale anzunähern. Damit könnten Ungerechtigkeiten beseitigt werden, zumal viele Tätigkeiten innerhalb der Selbsthilfegruppen Übungsleitern durchaus gleichzustellen seien.

Zuvor hatte ZBFS-Präsident Norbert Kollmer den Gästen seine Behörde vorgestellt. Das Zentrum ist die größte Sozialbehörde Bayerns mit rund 1800 Beschäftigten und einem jährlichen Fördervolumen von aktuell 3,7 Milliarden Euro. Hier gehe es unter anderem um die Feststellung von Schwerbehinderungen, um die Auszahlung von Eltern-, Betreuungs- und Erziehungs- und Blindengeld, sowie um Opferentschädigung und andere soziale Entschädigungen. „Wir haben Kontakt zu jedem siebten Bürger im Freistaat“, sagte Kollmer. Zum ZBFS gehören auch das Bayerische Landesjugendamt, das Inklusionsamt und das Amt für Maßregelvollzug. Hervorgegangen war das Zentrum aus den früher acht eigenständigen Versorgungsämtern, dem Landesversorgungs- und dem Integrationsamt.

Bild: „Selbsthilfegruppen leisten unbezahlbare Arbeit“ (von links): die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer, ZBFS-Präsident Norbert Kollmer und Josef Greger vom ZBFS bei dem Kontaktgespräch in Bayreuth.

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14.11.2018

Kinderaugen sehen Frieden / Lions unterstützen Lernwerkstatt: Ausstellung im Friedensmuseum Meeder

Meeder. Welche Gedanken sich Kinder über den Frieden machen und was sie damit verbinden, das zeigt eine Sonderausstellung im Friedensmuseum Meeder (Landkreis Coburg). Dort sind fast 50 großformatige Gewinnerplakate des Lions-Friedensplakatwettbewerbs zu sehen, die von Schülern aus Frankreich, Österreich und Deutschland gestaltet und gezeichnet wurden.

Seit 1982 erzählt das Friedensmuseum Geschichte und Geschichten vom Frieden, seit 2011 im Untergeschoss der Anna-B.-Eckstein-Schule. In dem knapp 4000 Einwohner zählenden Dorf im Coburger Land wird seit 1650 mit einem jährlichen Friedensdankfest an das Ende des 30-Jährigen Krieges erinnert.

Im Museum sind unter anderem „Friedensverwandlungen“ zu sehen, wie etwa zu Kreuzen umgeschmiedete Patronenhülsen von Kindersoldaten in Afrika, aus Geschosshülsen hergestellte Krüge aus dem Ersten Weltkrieg, ein zum Küchensieb verwandelter Soldatenhelm, Blumenvasen aus Geschosshülsen oder ein Brautkleid aus einem Militärfallschirm. Außerdem dokumentiert das Museum die Auswirkungen politischer und gesellschaftlicher Ereignisse auf die Menschen in der Region und gewährt einen Einblick in die europäische Zeit- und Kulturgeschichte durch Zeitzeugenberichte Ein eigener Raum ist der Coburger Friedensaktivistin Anna Bernhardine Eckstein (1868 – 1947) gewidmet, die weltweit rund 2000 Millionen Unterschriften zur Abschaffung des Krieges gesammelt hatte und die für den Friedensnobelpreis nominiert war.

Die jetzige Ausstellung ist Teil der Museumspädgogik unter dem Motto „Lernwerkstatt Frieden“. Dabei führen Schülerinnen und Schüler, verkleidet als Anna B. Eckstein und als Caspar Wanks (ein ehemaliger Landsknecht durch das Museum.

„Frieden ist realisierbar, nicht nur auf Kinderzeichnungen, sondern auch in der Wirklichkeit“, sagte Markus Kießling aus Würzburg, Vertreter des Lions-Club International und Schirmherr der Ausstellung bei der Eröffnung. Die Initiative dazu war von den beiden Lions-Clubs aus Coburg sowie dem Club aus dem niederösterreichischen Horn und dem französischen Vesoul ausgegangen. Die Lions stünden für Toleranz, Humanität und Bildung. Deshalb unterstützten sie den Plakatwettbewerb, der Kinder die Bedeutung von Versöhnung und Völkerverständigung nahe bringen soll.

Kießling äußerte dabei auch seine Sorge über das gegenwärtige Auseinanderdriften Europas und kritisierte, dass extremen Gruppierungen durch das Schweigen der Mehrheit die Aufmerksamkeit überlassen werde. Er rief dazu auf, zusammen mit den gezeigten Bildern eine neue Sicht auf den Frieden zu entwickeln und den Optimismus der Kinder und Jugendlichen zu teilen. Deutschland-Sieger des Lions-Plakatwettbewerbes wurde der zwölfjährige Manuel Dietz aus Bad Königshofen.

Neben Augsburg sei Meeder der einzige Ort Bayerns mit einem eigenen Friedensfest, erklärte Bürgermeister Bernd Höfer. „In Meeder hat der Frieden seit Jahrhunderten sein Fest“, so Höfer, der ebenfalls seine Sorge über „erneut aufkommende Muskelspiele“ zwischen den Weltmöchten äußerte.

Um dem etwas entgegenzusetzen wurde nach der Ausstellungseröffnung eine Plakette am Kriegerdenkmal neben der evangelischen St.-Laurentius-Kirche enthüllt, die an den Elysee-Vertrag von 1963 erinnern soll. Dieser Vertrag habe das Ende der Gewalt zwischen Deutschland und Frankreich besiegelt und zur bisher längsten Friedenperiode in der Geschichte Europas geführt, so der Bürgermeister.

Die Ausstellung „Kinder plakatieren Frieden“ ist noch bis zum 10. Februar 2019 im Friedensmuseum Meeder, Schulstraße 18, 96484 Meeder zu sehen. Das Museum ist an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr, sowie nach Vereinbarung geöffnet. Weitere Information: www.friedensmuseum-meeder.de.

Bilder:
1. Großformatige Zeichnungen von Schülern aus Frankreich, Österreich und Deutschland sind in der Ausstellung „Kinder plakatieren Frieden“ im Friedensmuseum Meeder zu sehen.
2. Friede mit Fragezeichen: Pantomime-Darstellerin Maria Krumm aus Bamberg zusammen mit Louis und Elias von der „Lernwerkstatt Frieden“ zeigten bei der Ausstellungseröffnung eine nachdenklich machende Performance.
 

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03.11.2018

Monströse Maschinen und grazile Girls / Landjugend im Lokschuppen: Kalendergirlparty im Deutschen Dampflokomotivmuseum

Neuenmarkt, Lks. Kulmbach. Super Stimmung, eine perfekte Location und jede Menge sexy Mädels: nicht nur der Jungbauernkalender ist längst Kult, auch die dazugehörige „Kalendergirl-Party“. Diesmal fand sie im Deutschen Dampflokomotivmuseum (DDM) im Neuenmarkt statt. Rund 1500 Landjugendliche aus ganz Bayern fanden den Weg nach Oberfranken.

Schlanke Models und schwere Dampfrösser, grazile Girls und monströse Maschinen: die Heldinnen der Landwirtschaft hatten hier einen grandiosen Auftritt, live und in Lebensgröße, als wären sie gerade dem Kalenderblatt entstiegen. Dabei machten sie nicht nur auf den Bildern des Salzburger Fotografen Christian Maislinger eine ausgesprochen gute Figur. Sie alle haben auch einen landwirtschaftlichen Bezug: Vermessungstechnikerin Erika (28) aus Unterfranken, Fahrzeuginnenausstatterin Julia (20) aus der Oberpfalz, Agrarmanagementstudentin Sina (25) aus Schwaben, Hauswirtschafterin Theresa (22) aus Oberbayern, die tiermedizinische Fachangestellte Barbara (21) aus dem Allgäu und Physiotherapeutin Stefanie (27), ebenfalls aus der Oberpfalz. Sie alle waren sich einig und wurden nicht müde zu immer wieder zu betonen: „So vielfältig und abwechslungsreich wir die Landwirtschaft ist kein anderer Beruf.“

Beim Landjugend Bezirksverband Oberfranken freute man sich besonders, dass es die Kalendergirlparty als erste ehrenamtliche Großveranstaltung in dieser Dimension ins DDM geschafft hatte. „Wir möchten nicht nur den Kalender feiern und die Models präsentieren, sondern auch eine Lanze für die Landwirtschaft brechen“, sagte Bezirksvorsitzender Max Raimund von der Landjugend Schreez.  

Im Mittelpunkt stand natürlich der spektakuläre Kalender der Jungbauernschaft, der spätestens seit der Party die eine oder andere Stalltür schmücken wird. Auf jedem der zwölf Bilder wurden die sechs Mädels künstlerisch und höchst professionell in Szene gesetzt. Im riesigen Lokschuppen von Neuenmarkt spielte die Coverband „Blechhulza“ aus der Fränkischen Schweiz mit Sängerin Jasmin, angeheizt wurde die Stimmung durch die Cheerleadergruppe aus Kulmbach und durch Moderator Christian Höreth vom Lokalsender Radio Mainwelle.

Am Rande stellt der Landjugend-Bezirksverband erstmals seine neue Landjugend-App vor. Sie soll ein ganz neues Werkzeug der Jugendarbeit sein, alle Ortsgruppen in Bayern vernetzen und noch im Herbst allen Usern zur Verfügung gestellt werden, so Michael Kießling vom Arbeitskreis Jugend- und Gesellschaftspolitik. Allein in Oberfranken gibt es 35 Ortsgruppen.

Außerdem kündigten die Verantwortlichen das neue Großprojekt 2019 mit dem Titel „HeimatWurzeln“ an. Dabei sollen zum 70. Geburtstag der Landjugend und zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes 70 Obstbäume in ganz Oberfranken gepflanzt werden. An jedem Baum soll ein graviertes Blechschild mit einem Artikel des Grundgesetzes angebracht werden.

„Wir sind die, die draußen auf dem Dorf dafür sorgen, dass was los ist“, sagte Kießling. In Neuenmarkt hat die Landjugend einmal mehr gezeigt, was sie alles kann: eine Super-Party ehrenamtlich organisieren, der Landwirtschaft ein jugendliches, modernes Image verpassen und dabei auch noch erotisch rüberkommen. „Das schafft nur die Landjugend“, so Kießling.

Bilder:
1.
  Machen auch in Tracht eine gute Figur; die Kalendergirls des Jahres 2018.
2.
 September-Girl Julia.
3. Januar-Girl Sina..
3.
 April-Girl Teresa.

unten:.
 
o.l.:
 Wo sonst schwere Maschinen eingeheizt werden, heizten die sechs Kalendergirls der 2018er Edition ein.
o.r.:
 Die Cover-Band Blechhulza aus der Fränkischen Schweiz mit Sängerin Jasmin.
u.l.:
 Cheerleaders aus Kulmbach und Moderator Christian Höreth sorgten im DDM für Stimmung.
u.r.:
 Landjugend im Lokschuppen: das Dampflokomotivmuseum hatte Platz für 1500 Partygäste.


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08.10.2018

Schon Humboldt kannte den Klimawandel / Auf den Spuren des Universalgelehrten in Russland - Tagung an der Universität folgte dem kulturhistorischen Erbe der Russlanddeutschen

Bayreuth. Das Erbe des großen Universalgelehrten Alexander von Humboldt ist aktueller denn je zuvor. Das ist eines der Ergebnisse einer Deutsch-Russischen Tagung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur an der Universität Bayreuth. Humboldt habe schon damals gemerkt, dass es einen von Menschen gemachten Klimawandel gibt, so die Nachwuchswissenschaftlerin Daria Schmidt aus Rastatt. Leider sei diese Erkenntnis auch heute noch nicht selbstverständlich, sagte Schmidt mit Blick auf die USA, die unter ihrem Präsidenten Donald Trump aus dem Klimaabkommen ausgestiegen sind. Naturkatastrophen seien im Eingang mit dem Klimawandel tatsächlich schon bei Humboldt ein Thema gewesen.

Konkret ging es bei der Tagung unter anderem um Humboldts Russlandreise des Jahres 1829, die ihn unter anderem nach St. Petersburg, Moskau, Nischni Nowgorod, Jekaterinburg bis hin zur chinesischen Grenze und auch in die damalige deutsche Kolonie Sarepta (Wolgograd) führte. Während Humboldt seine berühmte Südamerika-Reise als Privatmann unternahm, sei er in Russland als Gast des Zaren gewesen, so Ingo Schwarz, ehemaliger Leiter der Humboldt-Forschungsstelle an der Akademie der Wissenschaften Berlin-Brandenburg. Deshalb habe sich der Humanist Humboldt auch offene Kritik an der damals geltenden Leibeigenschaft verkneifen müssen. Humboldt habe anders als in Südamerika in Russland keine spektakulären wissenschaftlichen Entdeckungen gemacht, sei aber trotzdem mit Ehrungen überhäuft worden.

Gleichwohl sei es für Humboldt wichtig gewesen, alles mit eigenen Augen zu sehen und zu erleben, so die Osteuropahistorikerin Kristina Küntzel-Witt aus Lübeck. Somit sei Humboldt im weitgespannten Feld der deutschen Gelehrten der klassisch reisende Wissenschaftler gewesen. Ausgangspunkt der Russlandreise Alexander von Humboldts war nach den Worten von Daria Schmidt eine Bitte des russischen Finanzministers Georg Graf von Cancrin, Humboldt möge zur geplanten Einführung einer Platin-Währung in Russland Stellung nehmen. Trotz Humboldts Warnung wurde die Platin-Währung verwirklicht, schon 1845 scheiterte sie allerdings wieder. Cancrin sei aber auch an dem Geologen und Bergbauexperten Humboldt interessiert gewesen, um Aufschlüsse über ausbeutbare Minenvorkommen zu erhalten. Als eine Besonderheit hielt die Referentin fest, dass der spätere russische Finanzminister Graf von Cancrin 1774 im hessischen Hanau als Sohn des Ingenieurs und Baumeisters Franz Ludwig Cancrin geboren wurde.

Weitere Vorträge der Tagung gab es zu Themen wie „Humboldt als Wissenschaftsorganisator“ oder über „Humboldt am Omsker Militärkadettenkorps“. Bei den Referaten handelte es sich teilweise um preisgekrönte Wettbewerbsbeiträge, die der Internationale Verband der deutschen Kultur ausgelobt hatte. Die Bayreuther Tagung war dabei eine Art „Vorkonferenz“ zu einer ähnlich gelagerten Tagung im kommenden Jahr im sibirischen Omsk.

Dass die Russlandreise von Alexander von Humboldt 1829 auf Einladung des Zaren auch fruchtbare Impulse für die heutige Ausgestaltung der deutsch-russischen Beziehungen vermitteln kann, darauf wies der frühere Bundestagabgeordnete Hartmut Koschyk, Vorsitzender des Humboldt-Kulturforums und der Stiftung Verbundenheit hin. Das Forum werde in kommenden Jahr auch an den geplanten Veranstaltungen in Russland mitwirken, sagte Koschyk.

Die Konzeption dafür entwirft Tatjana Ilaronowa, Professorin an der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Staatsdienst. Es habe bereits zu Humboldts Zeiten viele Wissenschaftler deutscher Abstammung gegeben, die einen großen Beitrag zur Entwicklung Russlands geleistet hätten. Neben Alexander von Humboldt und seinem Erbe soll die Tagung 2019 in Omsk auch diesen deutschstämmigen Wissenschaftlers in Russland gewidmet sein.

Die Idee zu der jetzigen Tagung wurde unter anderem im zurückliegenden Jahr auf der in Bayreuth stattfindenden Sitzungen der Deutsch-Russischen Regierungskommission für die Angelegenheiten der Russlanddeutschen und einer Deutsch-Russischen Konferenz der Hanns-Seidel-Stiftung in Omsk geboren, erläuterte Koschyk. Daraus seien auch eine Partnerschaft zwischen der Universität Bayreuth und der Universität Oms sowie eine Kooperation der Germanistischen Lehrstühle der Universität Bayreuth und der Germanistischen Abteilung der Universität Omsk sowie dem Internationalen Verband der Deutschen Kultur (IVDK) entstanden.

Bild: Tagung auf den Spuren Alexander von Humboldts in Russland (von links): Hartmut Koschyk Daria Schmidt, Valentina Smekalina, Swetlana Gaus, Elena Kisselewa, Ludmilla Schamrikowa, Kristina Küntzel-Witt, Tatjana Ilaronowa und Ingo Schwarz.

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23.09.2018

„Von den großen und kleinen Wundern erzählen“ /
Sabine Winkler neue Pfarrerin in Pegnitz

Pegnitz. Die Vakanz ist beendet: die dritte Pfarrstelle in Pegnitz ist wieder besetzt. Mit einem Festgottesdienst am Sonntagnachmittag in der St. Bartholomäuskirche ist Pfarrerin Sabine Winkler eingeführt worden. Die 51-jährige ist bereits seit 1. September im Amt, zusammen mit ihrem Mann Thomas und der Tochter Hannah ist sie bereits nach Pegnitz gezogen.

In einer Zeit, in der sich immer Menschen von der Kirche abwenden, erhalte man als Pfarrerin in Pegnitz große Unterstützung, denn hier seien die Menschen überaus engagiert, sagte Dekan Gerhard Schoenauer bei der Einführung. Sehr persönliche Worte fand die neue Pfarrerin in ihrer Predigt. Ein Religionslehrer habe in ihr noch zu Schulzeiten die Lust am Nachdenken über Gott geweckt. „Von Gott erzählen, von den großen und kleinen Wundern, das wollte ich, sagte Sabine Winkler.

Bei der feierlichen Installation der neuen Pfarrerin assistierten Gisela Schleifer aus Pegnitz, Irmgard Hoffmann, Vertrauensfrau der Gemeinde in Berndorf und Patin von Winklers Tochter, die langjährige Weggefährtin Pfarrerin Andrea Möller aus Ansbach und ihr Mentor, der frühere Pfarrer Helmut Münzer aus Erding. Kirchenmusikalisch ausgestaltet wurde der Festgottesdienst vom Pegnitzer Posaunenchor und der Kantorei St. Bartholomäus unter der Leitung von Dekanatskantor Jörg Fuhr. Zu den Gratulanten bei einem anschließenden Empfang im Gemeindehaus gehörten unter anderem die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert und der Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab.

Bilder:
1. Einzug zum Festgottesdienst in die St. Bartholomäuskirche in Pegnitz: die neue Pfarrerin Sabine Winkler (hinten, 3 von rechts) und Dr. Silke Launert (5. von rechts).
2. Dr. Silke Launert (links) gratulierte der neuen Pegnitzer Pfarrerin Sabine Winkler.

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15.08.2018

„Hoffnung und Trost haben für Christen Bestand“ / „Hammricher Frauenfest“ an Maria Himmelfahrt in Mehlmeisel

Mehlmeisel. Mit einem festlichen Gottesdienst am „Hammerkirchl“ von Unterlind, einem zünftigen Frühschoppen in der Festhalle und einem bunten Markttreiben in den Straßen haben viele hundert Besucher an Maria Himmelfahrt das „Hammricher Frauenfest“ gefeiert. Dabei handelt es sich um ein altes und traditionelles Fest der Marienverehrung, in dessen Mittelpunkt die 1686 erbaute, barocke Wallfahrtskapelle Maria Loreto („Hammerkirchl“) im Mehlmeisler Ortsteil Unterlind steht.

Als Zeichen der Hoffnung und des Trostes feiern die Christen die Aufnahme der Muttergottes Maria in den Himmel. Gleichzeitig wird im Fichtelgebirge mit der Segnung von Blumen- und Heilkräuterbüschel an die Fülle des Sommers und im übertragenen Sinne auch an die Fülle des Lebens erinnert. Hoffnung und Trost hätten für die Christen aber lange über das fröhliche Sommerfest hinaus Bestand, sagte Dekan Hans Klier aus Selb, der den Gottesdienst vor dem „Hammerkirchl“ zusammen mit dem Mehlmeisler Diakon Franz Lauterbach leitete. „Maria ist unsere treue Begleiterin durchs Leben, sie gibt Hoffnung und Trost“, so Dekan Gier, der jahrelang die Pfarreien Fichtelberg und Mehlmeisel betreut hatte.

Zuvor zogen die Vereine angeführt von der Fichtelgebirgskapelle Ebnath zusammen mit Vertretern aus Politik, darunter die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert, der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel und Bürgermeister Franz Tauber, vom Festplatz zur Pfarrkirche und von dort aus zum „Hammerkirchl“. Nach dem Festgottesdienst feierten die Gläubigen aus Mehlmeisel und Umgebung, aber auch viele Urlauber aus dem Fichtelgebirge auf dem Festplatz weiter. Ausrichter war in diesem Jahr der Soldaten- und Kameradschaftsverein Unterlind, zahlreiche Vereine aus Mehlmeisel und Umgebung sorgten mit Fahnenabordnungen für einen würdigen Rahmen.

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16.07.2018

Avalon fordert staatlichen Personalkostenzuschuss / MdB Silke Launert würdigte Arbeit der Fachberatungsstelle gegen sexuelle Gewalt

Bayreuth. Die Fachberatungsstelle Avalon gegen sexuelle Gewalt in Bayreuth muss jedes Jahr von neuem um ihre finanzielle Ausstattung kämpfen. Darauf hat die Leiterin Gabriela Gossow-Look bei einem Informationsbesuch der Bayreuther Bundestagsabgeordneten Silke Launert hingewiesen. Zwar finden die Verantwortlichen glücklicherweise immer wieder Spender, Sponsoren und Unterstützter, trotzdem klagen sie über den ausbleibenden Personalkostenzuschuss durch das Bayerische Staatsministerium. Die Notruf- und Beratungsstelle bietet Unterstützung und Hilfe für Erwachsene, Jugendliche und Kinder, die sexuelle Gewalt erleben und erlebt haben.

Während ähnliche Fachberatungsstellen in Bamberg, Coburg und Hof einen staatlichen Personalkostenzuschuss von jeweils 19000 Euro erhalten, muss Bayreuth ohne auskommen, da nicht mehr als drei pro Regierungsbezirk gefördert werden sollen. Dabei wäre der Personalkostenzuschuss gerade für eine langfristige Planung mit den derzeit sieben Mitarbeitern, in der Regel Pädagogen und Sozialpädagogen, wichtig. „Es ist schon ärgerlich, dass dieser Zuschuss so ganz an uns vorbeigeht“, sagte die Leiterin.

Avalon wird von der Stadt und dem Landkreis Bayreuth sowie dem Landkreis Kulmbach gefördert. Dazu gibt es nach den Worten von Gabriela Gossow-Look einen Sachkostenzuschuss von der Regierung von Oberfranken. Alle übrigen Kosten würden von privaten Stiftungen, Sozialinitiativen wie Aktion Mensch, der Glücksspirale oder der ARD-Fernsehlotterie sowie von Wirtschaftsunternehmen und sonstigen Spendern getragen. „Uns gebe es gar nicht, wenn nicht der starke Wille der Bürgerschaft da wäre, uns mit Spenden zu tragen“, sagt Gossow-Look, die den Gesamthaushalt auf zuletzt 176000 Euro in 2017 bezifferte.

Dabei ist Avalon voll ausgelastet. Gossow-Look sprach von zuletzt fast 540 Beratungen pro Jahr, davon 160 Beratungen von Helfern, der Rest von betroffenen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Auch sei ein regelrechter Run auf die Projektangebote in den Schulen festzustellen. „Prävention muss genauso Standard werden wie Verkehrserziehung“, fordert Gossow-Look.

Nach den Worten von Dr. Silke Launert ist die Arbeit von Avalon wichtiger denn je zuvor. Eine Überversorgung sei in Oberfranken nicht zu erkennen. Sie würdigte besonders den niederschwelligen Zugang, durch den in vielen Fällen schon weit im Vorfeld geholfen werden könne. „Ohne die gute Betreuung von Avalon würden viele Betroffene früher oder später in Arbeitslosigkeit oder Hartz IV rutschen, deshalb ist hier jeder Euro gut angelegtes Geld.“

Die Präventionsarbeit bezeichnete Launert genauso wie die Beratungs- und Informationstätigkeit als wichtige Aufgabe der Daseinsvorsorge, die genauso notwendig sei, wie ein ausreichendes Angebot von Kindergartenplätzen. Launert hatte bereits beim Besuch der Bayerischen Sozialministerin Kerstin Schreyer vor wenigen Wochen anlässlich der Klausurtagung von Unionsabgeordneten in Bayreuth eine bessere und verlässliche finanzielle Ausstattung von Fachberatungsstellen angesprochen. Derzeit werde in ihrem Haus an einem entsprechenden Konzept dazu gearbeitet, hatte die Ministerin bestätigt. Dr. Launert versicherte, an dem Thema mit Nachdruck dran zu bleiben und nicht nachzulassen, eine entsprechende Ausstattung einzufordern. „Das Thema ist einfach zu wichtig“, sagte Launert.

Bei Avalon handelt es sich rechtlich eigentlich um zwei eingetragene Vereine mit seit vielen Jahren konstant um die 100 Mitglieder. Die Notruf- und Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt ist ein eigener Verein, genauso wie Avalon Prävention e.V. Letzterer führt jährlich bis zu 40 Veranstaltungen in den Schulen der Region durch. Ein weiteres wichtiges Angebot sind Selbstbehauptungskurse für Kinder und Jugendliche. Gegründet wurde der Zusammenschluss 1991 aus bürgerschaftlichem Engagement heraus. Als Beratungsstelle ist Avalon dem Paritätischem Wohlfahrtsverband angeschlossen.

Bild: Mitarbeiterin Claudia Stöger-Müller, Vorsitzende Maria Lampl, die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert und Leiterin Gabriela Gossow-Look (von links).

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12.07.2018

Frauenhaus, Freiwilligenzentrum und Flüchtlingsfragen / Wechsel an der Spitze der Caritas Bayreuth – Bozena Schiepert folgt auf Hermann Hinterstößer

Bayreuth. Nach 36 Jahren Tätigkeit bei der Caritas, davon 32 Jahre in der Diözese hat der Caritasverband Bayreuth seinen langjährigen Geschäftsführer Hermann Hinterstößer in den Ruhestand verabschiedet. Hinterstößer war auch Geschäftsführer des Caritasverbandes Kulmbach. Gleichzeitig wurde seine Nachfolgerin in Bayreuth, Bozena Schiepert, in ihr Amt eingeführt. Sie war zuletzt Leiterin des Altenheimes St. Martin in Bayreuth.

Für die vielen Jahre seines Dienstes in Bayreuth und weit darüber hinaus bedankte sich Vorstandsvorsitzender Dieter Scholl bei Hermann Hinterstößer. Der ausscheidende Geschäftsführer habe sehr dynamische, aber auch sehr wechselvolle Jahre der Caritas miterlebt und mitgestaltet, sagte der Vorstand des Diözesan-Caritasverbandes Helmar Fexer. Heute zeichne sich der Caritasverband in Bayreuth durch seine ungewöhnlich breite Aufstellung aus, die vom Freiwilligenzentrum über das Frauenhaus und Flüchtlingsfragen bis hin zur Schuldner- und Sozialberatung reiche. Groß geschrieben werde hier das Ehrenamt, sagte Fexer.

Die Stadt wisse sehr wohl, was sie an der Caritas hat, sagte Bayreuths 2. Bürgermeister Thomas Ebersberger. Ohne derartige soziale Einrichtungen könnte man die Bevölkerung niemals so gut versorgen. Ebersberger bescheinigte der Caritas professionelle Hilfe auf vielen Ebenen und würdigte die Arbeit in den zahlreichen gut funktionierenden Einrichtungen. Lob kam dabei nicht nur von der Stadt, sondern auch vom Landkreis Bayreuth. Sprecherin Dr. Anelia Sheljaskow sprach von einer engen Verbundenheit und bezeichnete Hermann Hinterstößer als „vertraute und vertrauensvolle, kompetente und unkomplizierte sowie bekannte und bewährte Persönlichkeit. In verbindlichen und konstruktiven Verhandlungen sei man stets zu akzeptablen Ergebnissen auf beiden Seiten gekommen.

Lob und Dank kam außerdem von Regionaldekan Dr. Josef Zerndl, vom Vertreter der Kreisverbände Heinz Kestler aus Ansbach und von der Vorsitzenden der Mitarbeitervertretung Verena Porsch. Sie alle würdigten die problemlose Zusammenarbeit mit Hermann Hinterstößer, sowie das stets kollegiale und herzliche Miteinander.

Hermann Hinterstößer wurde 1955 geboren hatte Sozialwesen an der Fachhochschule Bamberg studiert und war 1982 in die Dienste der Caritas in Berlin eingetreten. Schon ein Jahr später kam er nach Bayern, zunächst zur Caritas in den Landkreis Haßberge. 1986 trat er seinen Dienst bei der Caritas in Kulmbach an, 2004 wurde zusätzlich Geschäftsführer in Bayreuth.

Hier ging es zunächst um die Sicherung der Arbeitsplätze sowie um eine wirtschaftliche Konsolidierung. Schnell hatten sich die Sozialstationen Bayreuth, Hollfeld und Pegnitz stabilisiert, die laut Hermann Hinterstößer mittlerweile alle wirtschaftlich arbeiten. Kein Caritas-Mitarbeiter habe in dieser schwierigen Zeit seinen Arbeitsplatz verloren, im Gegenteil, ab 2011 seien die Personalstellen ausgebaut und erweitert worden. Ab 2015 habe sich der Caritas-Verband durch den hohen Zuzug von Flüchtlingen so stark engagiert, dass zusätzlich drei neue Mitarbeiterinnen eingestellt wurden, um die Erstaufnahmeeinrichtungen in Bayreuth zu betreuen.

Bild: Vorstandsvorsitzender Dieter Scholl und Aufsichtsratsvorsitzende Stefanie Hellbach (von rechts) verabschiedeten den bisherigen Geschäftsführer Hermann Hinterstößer und führten Bozena Schiepert (von links) als Nachfolgerin in ihr Amt ein.

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15.05.2018

Mit eigener Akademie gegen Fachkräftemangel / Manuela Bierbaum ist neue Geschäftsführerin der Diakonie Hochfranken

Hof. Mit einer eigenen Akademie möchte die Diakonie Hochfranken etwas gegen den Fachkräftemangel unternehmen. Das hat die neue Geschäftsführerin Manuela Bierbaum bei ihrer Vorstellung angekündigt. Ziel der geplanten „Hochfranken-Akademie“ ist es, bisherige und potentielle Mitarbeiter fort- und weiterzubilden. Manuela Bierbaum steht künftig zusammen mit dem bisherigen Geschäftsführer Martin Abt an der Spitze der Diakonie Hochfranken. Sie ist die Nachfolgerin von Maria Mangei.

„Der Fachkräftemangel ist auch bei uns quer durch alle Bereiche ein großes Thema“, sagte Martin Abt und sprach von einer Riesenherausforderung. Es gäbe ja durchaus Bewerbungen, so Manuela Bierbaum, doch hätten die Bewerber oft nicht die richtige Qualifikation. Es dürfe also nicht nur darum gehen, Fachkräfte zu gewinnen, sondern sie auch auszubilden. Der neuen Geschäftsführerin zufolge gebe es bereits Gespräche mit der Fachhochschule Hof und mit der Fachakademie, um auch einen Abschluss generieren zu können. Der Zeitplan sieht vor, das genaue Konzept bis zum Jahresende vorzulegen. Ein eigener Bau sei allerdings vorerst nicht geplant. Räumlich gebe es aktuell genügend Kapazitäten

Insgesamt sieht die neue Geschäftsführerin keine Notwendigkeit für einen Kurswechsel. Veränderungen werde es immer geben, schließlich veränderten sich ja auch die Menschen und Diakonie sei keine statische Sache, sagte sie. Die bisher von ihrer Vorgängerin vorgegebene Richtung werde sie allerdings eins zu eins mittragen. „Wir sind ja schließlich für die Menschen da“, so Manuela Bierbaum.

Als konkrete Ziele für die Zukunft nannte sie unter anderem eine Umgestaltung des Wohnheims für Menschen mit psychischer Behinderung. Die Bewohner dort würden immer älter, so dass mittlerweile auch intensiver Pflegebedarf bestehe. Weitere Aufgaben seien die Einrichtung einer neuen Familienwohngruppe in der Jugendhilfe Marienberg oder der Bau einer neuen Kita in Helmbrechts. Daneben stünden mehrere Jubiläen an: die offene Behindertenarbeit könne auf 40 Jahre, der Treffpunkt Familie auf zehn Jahre zurückblicken.

Anfang Mai ist Manuela Bierbaum, die aus einem evangelischen Pfarrhaus stammt, in Ulm geboren wurde, in der Nähe von Augsburg aufwuchs und in Bamberg studiert hatte. offiziell in die Geschäftsführung der Diakonie Hochfranken eingetreten. Die Dipl.-Soziologin führt das Unternehmen gemeinsam mit Geschäftsführer Martin Abt als Doppelspitze. Manuela Bierbaum ist 35 Jahre alt, verheiratet, hat eine Tochter und wohnt in Kulmbach. Sie verantwortet künftig die Bereiche Kinder- und Jugendhilfe, Erwachsenenhilfe und Diakonie am Campus. Zuvor war sie bei einer Unternehmensberatung der Diakonie Bayern als Projektleitung tätig. Bei diakonischen Trägern der Altenhilfe wie der Jugendhilfe hatte sie bereits Geschäftsführungen auf Zeit übernommen.

Bei der Vorstellung zeigte sich der Aufsichtsratsvorsitzende der Diakonie Hochfranken, Dekan Günther Saalfrank glücklich darüber, dass mit Manuela Bierbaum und Martin Abt die Doppelspitze aufrechterhalten werden konnte. Das sei ein Erfolgsmodell, das sich bestens etabliert habe. Aufgrund der Vielfalt der Aufgaben wäre es allein gar nicht zu bewältigen. Die Diakonie Hochfranken hat rund 1600 Mitarbeiter. Bei der Weiterentwicklung der Diakonie Hochfranken gehe es ihm nicht um Wachstum um jeden Preis, sondern darum, verlässlich zu bleiben.

Foto: Dekan Günter Saalfrank (links) und Geschäftsführer Martin Abt stellten die neue Geschäftsführerin der Diakonie Hochfranken Manuela Bierbaum vor. Sie ist die Nachfolgerin von Maria Mangei.

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13.05.2018

Fränkischer Dreiklang: Bratwürste, Brot und Bier / Ein Fest für den Gaumen – Stephan Jamm aus Markt Einersheim wurde Bratwurstkönig

Pegnitz. Zunächst war es eine Schnapsidee, mittlerweile ist aus dem Fränkischen Bratwurstgipfel eines der schönsten Feste in der Region geworden: 14 Metzger, davon jeweils sechs aus Ober- und aus Mittelfranken sowie zwei aus Unterfranken, sind im Pegnitzer Wiesweiherpark zum Wettstreit um den Titel des Fränkischen Bratwurstkönigs angetreten. Alles in allem brutzelten fast 30 Bratwurstsorten auf dem Rost.

Bratwurstkönig wurde der Metzger Stephan Jamm von der Metzgerei Deininger aus Markt Einersheim in Unterfranken einmal mit seiner „Kerwa-Bratwurst“, zum zweiten mit seiner „Gyros-Bratwurst“. Erlaubt war alles, was schmeckt. Gebraten wurden in diesem Jahr in der Kategorie Kreativbratwurst unter anderem eine „Wildbretwurst mit Kraut und Beeren“, ein „Zwetschgen-Röster“; eine „Schokoladen-Eierlikör Bratwurst“ und eine „Kürbisbratwurst im Bändel“. In der Kategorie klassische Bratwurst war in diesem Jahr erstmals eine „Original Nürnberger Rostbratwurst“ mit am Start, angeboten von der Genußwerkstatt Nina Weiß aus Nürnberg.

Die Schirmherrschaft hatte die neue bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber übernommen. Jede fränkische Region habe ihre eigene Bratwursttradition, sagte sie. Kaniber überreichte an Bürgermeister Uwe Raab die Urkunde zur Auszeichnung „100 Genussorte Bayerns“.

Bei den drei Wettbewerben bewerteten drei Jurys die Bratwürste. Prominente Juroren, darunter die Bayreuther Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert, Matthias Matuschik von Bayern 3, Bürgermeister Uwe Raab und HWK-Präsident Thomas Zimmer saßen über die fränkische Wurstvielfalt zu Gericht.

Der „Gipfel“ sei längst Kult geworden, sagte Bürgermeister Uwe Raab. In der größten Stadt des Bayreuther Landkreises war vor fünf Jahren die Idee zu dem Fest entstanden. Der Dreiklang von Bratwürsten, Brot und Bier halte Leib und Seele zusammen. Organisator Michael Breitenfelder, der das Wirtschaftsband A9 aus 18 Kommunen managt, betonte die Bedeutung des Gipfels für den Wirtschaftsstandort Pegnitz. Es gehe darum, die Qualität der Erzeugnisse zu vermitteln, die täglich in den Betrieben hergestellt werden — und dies nachhaltig: „Die Wirkung des Gipfels soll nicht zu Ende sein, wenn die Holzkohlenasche im Grill verglommen ist.“

Die Ausnahmeveranstaltung sei eine Riesenchance für die Metzgerbetriebe, ihr Handwerk zu präsentieren, so Thomas Zimmer, Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken und zweiter Vorsitzender des Vereins zum Schutz der fränkischen Bratwurstkultur. Er sprach vom größten Event, den die drei fränkischen Kammern gemeinsam ausrichten. „Gewinner sind die Metzger“, sagte Zimmer. Das Motto, das er diesmal zum Bratwurstgipfel ausgab, lautete: „Erlaubt ist, was schmeckt.“.

Veranstaltet wurde der Fränkische Bratwurstgipfel vom Verein zur Förderung der fränkischen Bratwurstkultur e.V. zusammen mit den fränkischen Handwerkskammern. Erstmals wurde heuer ein Eintritt von fünf Euro erhoben, was im Vorfeld für Irritationen gesorgt hatte. Allerdings war im Eintrittspreis ein Verzehrbon von drei Euro enthalten. Trotz des umstrittenen Eintritts waren aber nach offiziellen Angaben zwischen 17000 und 18000 Besucher gekommen, nur geringfügig weniger, als in den zurückliegenden Jahren.

Bilder:
1.
       Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, die oberfränkische Bierkönigin Christina Pollnick, HWK-Präsident Thomas Zimmer, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (von links) sowie der Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab (rechts) kürten Stephan Jamm von der Metzgerei Deininger und aus Markt Einersheim zum fränkischen Bratwurstkönig.
2.
Handwerkskammerpräsident Thomas Zimmer, die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert und der Vizepräsident des Bayreuther Landgerichts Michael Eckstein (von links) testeten als Jurymitglieder die verschiedenen Bratwurstkreationen.

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09.05.2018

Fischotter: Zu spät für Kompromisse / Werbung für heimischen Fisch - Teichgenossenschaft eröffnete Fischgrillsaison

Förbau. Die Zeit des Stockfisches ist vorbei, ebenso die Karpfensaison, ab Mai ist Fisch wieder als Grillgut gefragt. Dabei sollte es natürlich heimischer Fisch sein, meinen die Akteure der Teichgenossenschaft Oberfranken. Um darauf hinzuweisen und die Vielfalt heimischen Fisches herauszustellen, haben sie zusammen mit Vertretern aus der Politik werbewirksam die Fischgrillsaison eröffnet. Diesmal in Förbau, einem Ortsteil von Schwarzenbach an der Saale im Landkreis Hof.

Dort betreiben Dana und Christoph Teschner seit knapp drei Jahren die „Herrschaftliche Gastwirtschaft“, die sich auf heimische Spezialitäten konzentriert. Zusammen mit dem jungen Teichwirt Stefan Vider, der die Fische liefert, haben sie dabei eindrucksvoll gezeigt, was man mit Fisch aus Oberfranken so alles machen kann: Saure Zipfel vom heimischen Waller beispielsweise, ein Saiblings-Filet im Bierteig oder das Forellensteak vom Holzkohlengrill mit Wildkräutersalat und Ofenkartoffeln.

Fisch ist immer ein Thema und zwar über Parteigrenzen hinweg, sagte der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Dr. Peter Thoma aus Thiersheim im Landkreis Wunsiedel. Neben Landtagsvizepräsidentin Ulrike Gote von den Grünen konnte er auch die Landtagsabgeordneten Alexander König (CSU) und Klaus Adelt (SPD) begrüßen.

Die Teichwirtschaft sei in Oberfranken nicht unbedingt der Haupterwerbszweig, aber doch ein hohes Kulturgut, sagte König. Viele Menschen wüssten es gar nicht zu schätzen was es für ein tolles Angebot an heimischen Fisch in Oberfranken gibt, so Adelt. Landtagsvizepräsidentin Gote sprach in ihrem Grußwort auch das heikle Thema Fischotter an. Er sei schon auch wichtig für die ökologische Vielfalt, meinte sie. Erst wenn sein aufkommen nicht mehr zu händeln ist, müsse man über entsprechende Maßnahmen nachdenken, so Gote. Sie appellierte an die Teichwirte, Kompromisse einzugehen.

Damit zog sich Gote den Unmut der Teichwirte zu. Für Kompromisse sei es längst zu spät, hieß es. Ein Teich nach dem anderen sei bereits leer, die Schäden seien längst viel zu massiv, entgegnete Teichwirt Vider. Die bereitgestellten Entschädigungen für Fischotterschäden seien zwar nett, doch wenn man nicht mehr liefern kann, weil der Fischotter nichts übrig gelassen hat, dann wird es für den Teichwirt problematisch, so Vorsitzender Thoma.

Der Fischotter frisst tatsächlich die Teiche leer, wusste auch Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Besonders die Landkreise Hof und Wunsiedel seien betroffen. Erst der Kormoran, dann der Biber, jetzt der Otter: „Wir können nicht zulassen, dass über Jahrhunderte gewachsene Strukturen zerstört werden“, so Denzler. Er sprach sich dafür aus, an dem Drei-Säulen Modell „Information, Prävention und gezielte Entnahme“ festzuhalten, um der Problematik Herr zu werden. Denzler wunderte sich dabei auch über den Widerstand beim Bau neuer Teichanlagen. „Wir sollten ein bisschen mehr Vertrauen in die Natur haben“, sagte er.

Bildtext:
1. Christoph Teschner von der „Herrschaftlichen Gastwirtschaft“ in Förbau bereitete zur Eröffnung der Fischgrillsaison unter anderem einen Salat vom geräucherten Saibling mit fränkischem Spargel zu.
2.
Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, Vorsitzender Dr. Peter Thoma, Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler, MdL Alexander König, der Schwarzenbacher Bürgermeister Hans-Peter Baumann, MdL Klaus Adelt, Dr. Thomas Speierl von der Fischereifachberatung des Bezirks und Landtagsvizepräsidentin Ulrike Gote (von links) haben die Fischgrillsaison in Oberfranken eröffnet.

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08.05.2018

Seelsorge wird geschätzt /
Regionalbischöfin Greiner besuchte Bundespolizei in Bayreuth

Bayreuth. Polizei und Kirche gehören eng zusammen. „Wir legen großen Wert auf ein gutes Verhältnis“, sagte Regionalbischöfin Dorothea Greiner nach einem Informationsbesuch bei der Bundespolizei in Bayreuth. Bei der Bundespolizei werde auch die Ökumene tatkräftig praktiziert, so Abteilungsführer Dieter Hader.

Die Bundespolizei leistet sich eine eigene Seelsorge. Mit Pfarrer Ingo Zwinkau, der seinen Sitz in München hat, und Pfarrer Jochen Fiedler mit Sitz in Bamberg sowie Pater Rainer Klostermann mit Sitz in Bayreuth und Pater Gabriel Wolf in Deggendorf gibt es jeweils zwei evangelische und zwei katholische Geistliche in Bayern. „Die Seelsorge genießt bei der Bundespolizei höchstes Vertrauen“, sagte Ingo Zwinkau beim Besuch der Regionalbischöfin. Analog zu Militärpfarrern seien die Geistlichen bei der Landespolizei und nicht bei der Landeskirche angestellt.

Regionalbischöfin Greiner zollte der Arbeit der Bundespolizei höchsten Respekt. Hier gehe es insbesondere darum, Gewalt zu vermeiden, bevor sie entsteht. Es gehe aber auch die Fähigkeit, entgegenschlagende Gewalt abzumildern und zu dezimieren. Sie habe Vertrauen zur Polizei, sagte Greiner und ihr Besuch habe ihr bestätigt, wie sehr dieses Vertrauen gerechtfertigt ist. Das Gespräch mit über 30 Beschäftigten habe ihr bei ihrem Besuch auch gezeigt, wie sehr das Verhältnis zu Kirche und das Angebot der Seelsorge geschätzt werden.

Hier gehe es um Menschen, die ganz besonderen Herausforderungen ausgesetzt sind, sagte Bundespolizeipfarrer Ingo Zwinkau. Ihm sei es wichtig, mit diesen Menschen unterwegs zu sein und ihnen Perspektiven aufzeigen zu können. Er bezeichnete die Seelsorge als sehr geschätzte Institution und als eine Einrichtung, der die Beschäftigen großes Vertrauen entgegenbringen. Für den Bayreuther Dekan Jürgen Hacker, der die Regionalbischöfin bei ihrem Besuch begleitete, war es das Kennenlernen einer wichtigen Institution vor Ort Er freue sich, dass der Draht schnell geknüpft werden konnte, sagte Hacker, für den der Besuch der erste Berührungspunkt mit der Bundespolizei war

Auch für Abteilungsführer Dieter Hader ist die Seelsorge ein fester Bestandteil der Bundespolizei. Er begrüßte besonders das Angebot von berufsethischen Seminaren und kirchlichen Tagungen, das regelmäßig großen Zuspruch finde, sowie die persönliche private seelsorgerische Betreuung.

Die Bundespolizeiabteilung Bayreuth ist nach den Worten von Dieter Hader eine von zehn Bundesbereitschaftspolizeiabteilungen mit fast 600 Mitarbeitern in Verwaltung und Vollzug. Neben dem Abteilungsstab gibt es unter anderem zwei Einsatzhundertschaften, eine Beweissicherungs- und Festnahmehundertschaft, eine Unterstützungseinheit und eine technische Einsatzeinheit. Aufgaben der Einheiten sind die Begleitung von Fußballspielen, Demonstrationen, Großereignissen wie dem G-20-Gipfel und die Unterstützung von Migrationseinsätzen an der Grenze zu Österreich.

Bild: Dekan Jürgen Hacker, Regionalbischöfin Dorothea Greiner, Bundespolizeipfarrer Jürgen Zwinkau und Abteilungsführer Dieter Hader (von links) bei ihrem Besuch des Bundespolizeistandorts Bayreuth.

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02.05.2018

Bogenschießen als Instrument der Selbsterkenntnis / Haringke Fugmann ist landeskirchlicher Beauftragter für geistige und religiöse Strömungen – Kurse im meditativen Bogenschießen

Bayreuth. Bogenschießen: als olympische Sportart kennt das fast jeder. Für Haringke Fugmann ist Bogenschießen aber viel mehr als bloßer Wettkampf. „Mit dem Pfeil zu treffen ist nicht ausschlaggeben, mir geht es um Anmut und Selbsterkenntnis“, sagt Fugmann. Der 45-jährige Theologe ist landeskirchlicher Beauftragter der Evangelischen-Lutherischen Kirche in Bayern für geistige und religiöse Strömungen und hat sein Büro in Bayreuth. Er ist aber auch Veranstalter von ganz besonderen Kursen, in denen es um meditatives Bogenschießen geht.

Wie viele kleine Kinder kam auch Haringke Fugmann schon in jungen Jahren mit Pfeil und Bogen in Berührung. Doch bei ihm war alles anders. Fugmann wurde 1972 in Papua Neuguinea geboren, wo sein Vater, ebenfalls evangelischer Pfarrer, für das Missionswerk tätig war. Ganz entfernte Erinnerungen hat er noch daran, als ihm die Männer aus dem Dorf einen Kinderbogen in die Hand drückten, mit dem er auf Bananenstauden schießen durfte.

Viele Jahre später, Haringke Fugmann hatte inzwischen Theologie studiert, war Vikar in Schweinfurt und Nürnberg, hat eine Zusatzausbildung „Gottesdienst und Medien“ abgelegt, war Tourismusseelsorger in der Nürnberger Lorenzkirche und machte seine Habilitation an der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau, kam er wieder mit Pfeil und Bogen in Berührung. Zunächst organisierte er in Nürnberg eine kleine Bogengruppe, ehe er sich erfolgreich auf die Stelle des landeskirchlich en Beauftragten bewarb. Eine „inhaltlich unglaublich interessante und spannende Tätigkeit“, wie er sagt.

Hier geht es ihm um alle Formen von Religiosität und Spiritualität, die sich theologisch aber nicht unbedingt greifen lassen, also Astrologie, alternative Heilverfahren, rätselhafte Phänomene, Magie, Schamanismus oder Engel. „All diese Strömungen sind präsent“, sagt er. Haringke Fugmann forscht, recherchiert, nimmt an Veranstaltungen teil, beobachtet und dokumentiert. Die Ergebnisse veröffentlicht er in Form von Publikationen und Vorträgen, er ist aber auch seelsorgerisch und beratend tätig. Konkret nimmt er zu Phänomenen Stellung, berät beispielsweise Kollegen, ob sie einen Raum an eine bestimmte Gruppe vermieten sollen, berät staatliche Stellen wie Jugendämter und Stadtverwaltung bei Problemen und letztlich auch Privatleute, die sich mit Fragen an ihn wenden können. „Meine Tätigkeit ist an der Schnittstelle zwischen Kirche und Gesellschaft angesiedelt, sagt Fugmann, der auch einen Lehrauftrag in Neuendettelsau hat.

Unter dem Dach des evangelischen Bildungswerkes leitet er derzeit auch wieder einen meditativen Bogenkurs in der Konzertscheune des Theologen und Musikers Andy Lang in Gefrees im Landkreis Bayreuth. Hier geht es nicht um sportliche Wettkämpfe, wie beim Sportschießen, sondern um traditionelles intuitives Schießen mit Holzbögen und Holzpfeilen. Das Schießen ist dabei eingebettet in geistliche Impulse, Meditationen und offene Gespräche.

Teilnehmer sind Menschen jeden Alters, beiderlei Geschlechts und mit ganz unterschiedlichen Biographien. Sogar Gehörlose seien diesmal dabei, so Fugmann. Ihnen allen geht es darum, zur Ruhe zu kommen, ein Gespür für den eigenen Körper zu bekommen, die eigenen seelische und emotionale Situation zu klären, den Alltag und die Sorgen hinter sich zu lassen.

„Ich glaube nicht, dass Bogenschießen der Heilsweg ist“, sagt Haringke Fugmann. Es sei aber auf jeden Fall eine Kunst, die in ihren hochkomplexen und sehr verdichteten Bewegungsformen auch mit Anmut und Charakter zu tun hat. Nicht umsonst hätten sich auch Metaphorismen gehalten wie: „Worauf ziele ich im Leben?“, „Aus welchem Holz bin ich geschnitzt?“, „Warum habe ich Angst, den Bogen loszulassen?“ oder „Warum schieße ich über da Ziel hinaus?“.

„Bogenschießen ist ein spannendes Instrument zur Selbsterkenntnis“, sagt Haringke Fugmann, der auch von der „Schule der Anmut“ spricht. Es habe aber auch eine spirituelle Komponente und eine kulturgeschichtliche. Bereits im Herbst soll unter dem Dach des Evangelischen Bildungswerks Bayreuth/Bad Berneck/Pegnitz ein neuer Kurs „meditatives Bogenschießen“ angeboten werden.

Bild: Haringke Fugmann, der Landeskirchliche Beauftragter der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern für geistige und religiöse Strömungen, hat seinen Sitz in Bayreuth.

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29.04.2018

Generationswechsel gelungen / Amtswechsel der Priorin in der Communität Christusbruderschaft Selbitz –
Birgit-Marie Henniger folgte auf Anna-Marie aus der Wiesche

Selbitz. Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat am Sonntag die bisherige Priorin der Communität Christusbruderschaft Selbitz, Anna-Maria aus der Wiesche, in den Ruhestand verabschiedet. Gleichzeitig führte Bedford-Strohm Schwester Birgit-Marie Henniger als deren Nachfolgerin in ihr Amt ein.

Der Landesbischof bezeichnete die Communität als „wunderbaren und unverzichtbaren Ort geistlicher Stärkung für die gesamte Kirche“. Gleichzeitig sei die Communität auch ein wichtiger Ort des Zusammenlebens und ein Platz, „um geistliche Batterien wieder aufzuladen“. Die bisherige Priorin Anna-Maria aus der Wiesche bezeichnete Bedford-Strohm als leidenschaftliche Theologin und als musischen Menschen durch und durch. Nach den Worten des Landesbischofs stand sie zusammen 18 Jahre lang an der Spitze der Christusbruderschaft. Ihre Nachfolgerin Birgit-Marie Henniger besitze die außerordentliche Fähigkeit, keine Angst vor Finanzen zu haben. Sie hatte zuletzt zehn Jahre lang das Gästehaus der Communität geleitet.

Dankbar zeigte sich Regionalbischöfin Dorothea Greiner, Kuratoriumsvorsitzende der Christusbruderschaft, darüber, dass der Generationenwechsel im Orden gelungen sei. Hier gebe es eine starke, junge Generation, der geistige und geistliche Kraft geschenkt ist. „Der Generationenverbund trägt“, sagte Greiner. Der Orden wirke in unsere Kirche stärker hinein denn je, insbesondere durch Gastfreundschaft und geistliche Begleitung.

Die Communität Christusbruderschaft Selbitz ist eine Ordensgemeinschaft innerhalb der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland. Das Zentrum liegt im oberfränkischen Selbitz. Gegründet wurde die Communität 1948 durch den Pfarrer Walter Hümmer und seiner Frau Hanna. Die Communität ist deutschlandweit verzweigt.

Bild: Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat Schwester Birgit-Marie Henniger als neue Priorin der Communität Christusbruderschaft Selbitz in ihr Amt eingeführt.

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27.04.2018

Eisenbahnerkirche wird saniert – Neues Dach, neue Fassade, neue Gauben: Neuenmarkter Christuskirche wird saniert

Neuenmarkt. Die kirchenaufsichtliche Genehmigung ist da, die Finanzierung steht, in diesen Tagen rücken die Bauarbeiter an: die Christuskirche im Eisenbahnerdorf Neuenmarkt (Dekanat Kulmbach) bekommt ein neues Dach, einen neuen Anstrich und neue Gauben.

 Mit den beiden Dachgauben ging es auch los, erinnert sich Manfred Penning, Vertrauensmann im Kirchenvorstand. Schon im Jahr 2013 sei der desolate Zustand aufgefallen. Bei genauerem Hinsehen sei dann aufgefallen, dass auch die Fassade ziemlich ramponiert war. Von der Bombardierung des Neuenmarkter Bahnhofs am Ende des Zweiten Weltkriegs hatte auch die Kirche etwas abbekommen. 1948 seien die Schäden nur notdürftig repariert worden, wovon heute noch einige rote Dachziegeln auf der ansonsten schwarzen Eindeckung zeugen. Ein neuer Anstrich im ursprünglichen rötlichen Ton der Eisenbahn folgte Anfang der 1970er Jahre und das war er dann auch.

„Seitdem ist nichts mehr gemacht worden“, so Penning. Weil es in den Dachstuhl sogar hineingeschneit hatte, beschloss der Kirchenvorstand, das Dach zu reparieren. Ein Sachverständiger der Landeskirche riet allerdings schnell zu einer kompletten Dachsanierung und die soll noch im laufenden Jahr fertiggestellt werden. Einschränkungen erwartet Pfarrer Stefan Schleicher, der von Pappenheim kommend seit Januar 2017 in Neuenmarkt tätig ist, nicht. Lediglich die Tatsache, dass die Kirche eingerüstet sein wird, daran müsse man sich gewöhnen.

Die Gesamtkosten der Maßnahme werden auf 220000 Euro beziffert. Den Löwenanteil übernimmt mit knapp 94000 Euro die Landeskirche, der Rest kommt von der Gemeinde, vom Dekanat und von der Denkmalpflege. Von den gut 110000 Euro, die von der Gemeinde selbst geschultert werden müssen, sind noch 47000 Euro offen. „Wir hoffen auf Spenden und auf das Kirchengeld“, sagt Pfarrer Schleicher. Bange ist ihm nicht, denn er kann auf eine hohe Spendenbereitschaft verweisen. „Unsere Gottesdienste sind gut besucht, wir erfahren einen hohen Zuspruch“, so Schleicher.

Das war schon immer so. Auch beim Bau der mittlerweile denkmalgeschützten Kirche vor beinahe 100 Jahren. Schon damals wurde das Gotteshaus aus Spenden finanziert. Jeder Spender, der damals mindestens 20 Pfennige gegeben hatte, erhielt einen Bon als Nachweis und als Andenken. Fünf Pfennige bedeuteten fünf Backsteine. Auf einer nachgedruckten Postkarte sind die Bons abgebildet. Dort heißt es: „In Neuenmarkt in der Kirche Wand erglänzen fünf Backstein aus meiner Hand.“

Von den knapp 3000 Einwohnern Neuenmarkts sind seinen Worten zufolge etwa 1600 evangelisch. Die Gemeinde zeichne sich vor allem durch eine lebendige Jugendarbeit aus. Einmal mit Monat gibt es an einem Sonntag um 19.07 Uhr unter dem Motto „High seven“ auch einen Jugendgottesdienst, der komplett von Jugendlichen ohne Pfarrer gestaltet wird. „Es ist uns ganz wichtig, dass die Jugend vertreten ist“, so Pfarrer Schleicher. Auch der Kirchenvorstand stehe der Jugendarbeit äußerst positiv gegenüber.

Bilder:
1.
    In diesen Tagen beginnen die Sanierungsarbeiten an der Christuskirche in Neuenmarkt.
2. Pfarrer Stefan Schleicher (links) und Manfred Penning, Vertrauensmann im Kirchenvorstand.

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20.04.2018

Glanz und Elend einer jüdischen Gemeinde / Levi-Strauss-Museum zeigt Sonderausstellung „Judentum in Buttenheim“

Buttenheim. Er ist der berühmteste Sohn des Markte Buttenheim im Landkreis Bamberg: Levi Strauss. 1848 war er in die USA ausgewandert, heute erinnert ein liebevoll gestaltetes Museum in seinem Geburtshaus an den „Erfinder“ der Blue Jeans. Levi Strauss war aber auch der berühmteste Jude von Buttenheim, ein Ort in dem jüdische Leben 500 Jahre lang blühte. Für Museumsleiterin Tanja Roppelt und dem Lehrstuhl für Judaistik der Otto-Friedrich Universität Bamberg Grund genug, vor dem Hintergrund des 900-jährigen Ortsjubiläums, in einer Sonderausstellung den Spuren jüdischen Lebens in Buttenheim nachzugehen.

„Schon im 15. Jahrhundert gab es Juden in Buttenheim“, sagt Tanja Roppelt. Zur Blütezeit im 18. und 19. Jahrhundert sei jeder fünfte Buttenheimer jüdischen Glaubens gewesen. Für einen Ort mit rund 800 Einwohnern auch damals eine Besonderheit. Während im 17. Jahrhundert genau vier jüdische Haushalte mit 16 Personen verzeichnet sind, waren es genau 100 Jahre später 47 Haushalte mit rund 200 Personen, die meisten davon „Schutzjuden“ des Freiherrn von Seefried, einem örtlichen Adelsgeschlecht. Es gab eine Synagoge, ein Ritualbad, einen eigenen Friedhof, eine Herberge, eine Religionsschule mit Lehrer und zeitweise sogar einen eigenen Rabbiner.

Mitte des 19. Jahrhunderts setzte dann eine große Auswanderungswelle ein, die Zahl der Juden nahm ab und 1892 tat sich die jüdische Gemeinde mir aus dem benachbarten Hirschaid zusammen. Mit dem Nationalsozialismus ging die Geschichte des Judentums in Buttenheim zu Ende, obwohl noch bis zuletzt viele jüdische Mitbürger bestens in das Gemeinde- und Vereinsleben integriert waren. Schon Mitte der 1920er Jahre war es zu ersten Übergriffen gekommen. 18 jüdische Bürger sind für 1933 verzeichnet, 1936 fand der letzte Gottesdienst, 1938 das letzte Begräbnis. Weil der damalige Ortspfarrer für die Juden Partei ergriffen hatte, gab es sogar einen Sprengstoffanschlag auf die Kirche. Die letzten Juden aus Buttenheim konnten über London nach New York emigrieren. Vom 2. Juni 1939 an wohnten in Buttenheim keine Juden mehr. 500 Jahre jüdische Geschichte waren zu Ende.

Noch heute erinnert der jüdische Friedhof an die große Tradition. Auch das Grab von Hirsch Strauss, dem Vater von Levi Strauss ist dort zu finden, der Grabstein sei Betreiben der Familie sogar erst vor einigen Jahren wieder hergerichtet worden, so dass die Inschrift wieder entziffert werden kann. Vom Inventar der damaligen Synagoge ist nicht übrig geblieben, wohl aber das einst so stattliche Gebäude, das heute eine Brauerei als Lagerraum nutzt.

Das alles und dazu viele grundsätzliche Informationen über das Judentum sind auf einer Vielzahl von Transparenten zu sehen. Viele historische Fotos und Dokumente sind da zu sehen, dazu ein großer Plan von Buttenheim mit allen jüdischen Wohnstätten und einige Ritualgegenstände. „Wir wollen damit zeigen, dass das Judentum lebt“, sagt Tanja Roppelt.

Die Sonderausstellung „Judentum in Buttenheim“ ist bis 6. Januar 2019 zu den normalen Öffnungszeiten des Museums, Dienstag und Donnerstag von 14 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr zu sehen. Gruppen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung willkommen. Der Eintritt kostet für Erwachsene vier Euro, für Schüler, Studenten und Schwerbeschädigte zwei Euro. Familien (2 Erwachsene und 2 Kinder ab 6 Jahre, zahlen pauschal zehn Euro. Das Levi-Strauss-Museum ist in der Marktstraße 31 – 33 in 96155 Buttenheim zu finden. Telefon: 09545/442602 (Museum) oder 09545/ 4409936 (Verwaltung), E-Mail: levi-strauss-museum@buttenheim.de.

Bild: Auf einem Ortsplan in der Sonderausstellung des Levi-Strauss-Museums zeigt Museumsleiterin Tanja Roppelt, wo sich das jüdische Leben in Buttenheim abspielte.

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11.04.2018

Schärfere Konkurrenz durch Weißenstadt / Therme Obernsees: Weniger Besucher, weniger Umsatz, aber auch geringeres Defizit

Bayreuth/Obernsees. Die Eröffnung des Siebenquell Gesundheitsresorts in Weißenstadt hat der Therme Obernsees allein im ersten Quartal 2017 mehrere tausend Besucher gekostet. Das war die schlechte Nachricht bei der Sitzung des Zweckverbandes Therme Obernsees am Mittwoch im Landratsamt. Die gute Nachricht: Ein großer Teil davon konnte in der Zwischenzeit wieder zurückgewonnen werden.

Insgesamt bezifferte Geschäftsleiter Gernot Geyer die Zahl der Besucher im zurückliegenden Jahr auf rund 258000. Das seien zwar 11000 weniger als im Jahr zuvor, aber auch rund 20000 mehr als beispielsweise 2012. „Die ursprünglichen Entwicklungen sind stets von 230000 ausgegangen“, sagte Geyer. So schlecht liege man also bei weitem nicht, im Gegenteil.

Ursache für den Rückgang sei im Wesentlichen die Eröffnung der Therme in Weißenstadt. Das hätten Postleitzahlenbefragungen an der Kasse und Auswertungen der Kfz-Kennzeichen auf dem Thermenparkplatz ergeben. „Neue Besen kehren eben gut“, so der Geschäftsleiter. Besonders zu spüren gewesen sei der Rückgang bei den Saunagästen von rund 95000 in 2016 auf 86000 in 2017.

Folgende Zahlen legte Geyer im Rahmen des vorläufigen Betriebsergebnis 2017 noch vor: Der Gesamtumsatz lag inklusive Sauna und Gastronomie mit gut drei Millionen Euro geringfügig unter dem Jahres 2016 mit gut 3,1 Millionen Euro. Die Gesamtkosten lagen bei 3,6 Millionen Euro (Vorjahr 3,7 Millionen Euro), was ein Defizit von 565000 Euro ergibt, 24000 Euro weniger als Im Jahr zuvor. Konkurrenten hätten manchmal mehr als doppelte, so der Zweckverbandsvorsitzende Landrat Hermann Hübner.

Alles in allem kommen die Verantwortlichen auf einen Deckungsgrad von 81,4 Prozent, 0,3 Prozent besser als im Jahr zuvor, aber auch über elf Prozent schlechter als 2010. Geyer: „Wir bräuchten pro Gast 2,70 Euro mehr an Erlös, um auf Kostendeckung zu kommen“. Der Geschäftsleiter sprach dabei auch von einem sehr günstigen Preisverhältnis, obwohl die Eintrittspreise erst im Dezember erhöht worden waren.

Mit rund sieben Millionen Euro sei die Therme Obernsees auch im Verhältnis zu den getätigten Investitionen nicht hochverschuldet. „So ein Bad erfordert eben auch einen entsprechenden Aufwand“, sagte Geyer. Auch andere Bäder hätten hohe Schulden. Zusätzliches Geld in die Kassen hätten außerdem der Wohnmobilstellplatz und das Feriendorf gebracht. Projektleiter Thomas Eichhorn kam auf etwa 12600 Übernachtungen auf dem Wohnmobilstellplatz sowie auf fast 1300 Gäste des Feriendorfs, die auch die Therme besucht hätten.

Eine der großen Investitionen, die im kommenden Jahr ansteht ist die auf 2,2 Millionen Euro geschätzte notwendige Neubohrung. Die bisherige Bohrung sei in die Jahre gekommen und habe ihre Dienste getan. Um auch in Zukunft das hochwertige Thermalwasser aus rund 1000 Meter Tiefe nach oben zu befördern, sei die neue Bohrung dringend notwendig. Die Verantwortlichen gehen von einer staatlichen Förderung von 60 bis 70 Prozent aus, allerdings kommen weitere Kosten dazu, da die alte Bohrung verplombt werden muss.

„Diese Maßnahme zeigt einmal mehr: wir sind in einer dauernden Investitionsphase“, sagte Landrat Hübner. Daran sei aber auch zu sehen, dass sich etwas tut in Obernsees, und, dass die Therme noch immer eine ganz wichtige Einrichtung für die gesamte Region ist. Aus genau diesem Grund soll auch vorbehaltlich der Zustimmung durch den Kreistag und auf Betreiben der Gemeinde Mistelgau, zu der Obernsees gehört, der Umlageschlüssel geändert werden. Während die Gemeinde bisher 30 und der Landkreis 70 Prozent vom Betriebsdefizit und für Kreditaufnahmen vor dem Jahr 2000 sogar 45 Prozent (Gemeinde) und 55 Prozent (Landkreis) zu tragen hatte, liegt der neue Satz einheitlich bei 23 Prozent für die Gemeinde und 77 Prozent für den Landkreis.

Mit einer Familien- einer Sauna- und einer 50-Prozent-Aktionswoche feiert die Therme Obernsees im Mai ihren 20. Geburtstag. Am 9. Juni gibt es von 14 bis 18.30 Uhr ein großes Familienfest mit vielen Attraktionen. Die Feiern beginnen bereits am 16. Mai mit einem Festakt in der Obernseeser Kulturscheune.

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28.03.2018

Gefahrlos Überholen zwischen Auerbach und Autobahn /
Dreispuriger Ausbau der B85 geplant

Auerbach. Die Bundesstraße B85 soll zwischen Auerbach und der Anschlussstelle zur Bundesautobahn A9 dreispurig ausgebaut werden. Darauf haben sich Abgeordnete und Mandatsträger aus den beiden beteiligten Landkreisen Amberg-Sulzbach und Bayreuth geeinigt. Bis Ende des Jahres soll eine Machbarkeitsstudie vorliegen. „Ein dreispuriger Ausbau würde den Verkehrsfluss erheblich verbessern, beschleunigen und komfortabler machen“, sagte Auerbachs Bürgermeister Joachim Neuß.

Gut 10000 Kraftfahrzeuge benutzen die Bundesstraße zwischen Auerbach und der A9 täglich, die Straße liegt damit über dem Durchschnitt von Bundesstraßen. Fast ein Zehntel davon sind Lkw, was bedeutet, dass die B85, die in diesem Stück gleichzeitig auch die B470 ist, überdurchschnittlich stark vom Schwerlastverkehr betroffen ist. Das Teilstück ist acht Kilometer lang, es liegt zur Hälfte auf dem Gebiet des Landkreises Amberg-Sulzbach, zur anderen Hälfte gehört es zum Landkreis Bayreuth.

Von einer Hauptverkehrsschlagader im gesamten Landkreis Amberg-Sulzbach sprach der örtliche Bundestagsabgeordnete Alois Karl. In Richtung Amberg und Schwandorf seien große Teile der Strecke bereits drei-, teilweise sogar vierspurig ausgebaut. Ziel des dreispurigen Ausbaus sei es, abwechselnd gefahrloser Überholmöglichkeiten zu schaffen und damit die Unfallzahlen zu senken.

Für die Bayreuther Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert geht es vor allem auch darum, den Raum Pegnitz zu stärken. Viele der rund 1800 Einpendler nach Auerbach kämen aus dem Bayreuther Landkreis. Gerade zu Hauptverkehrszeiten würden auch sie in erheblichem Umfang von einem Ausbau profitieren. Aktuelles Problem sei weder die Breite, noch der Zustand der Strecke, sondern schlicht und einfach die fehlenden Überholmöglichkeiten.

Bürgermeister Neuß geht für die Zukunft von einem noch stärkeren Verkehrsaufkommen aus, da in Auerbach aktuell ein weiteres Gewerbegebiet erschlossen werde. Vereinfacht werde der Ausbau dadurch, dass über weite Strecken die Bäume entlang der Straße bereits gefällt seien. Außerdem seien die Bayerischen Staatsforsten Eigentümer der anliegenden Wälder. Schließlich gibt es entlang der Trasse mehrere großangelegte Militärparkplätze, die so nicht mehr benötigt werden. Nach den Worten von Bürgermeister Neuß stellt die B85 für Auerbach die wesentliche Verkehrsachse dar, da seine Stadt über keine Schienenanbindung verfüge.

Richard Reissinger, Landrat des Landkreises Amberg-Sulzbach, nannte das Vorhaben über Auerbach hinaus bedeutsam. „Wir brauchen den Anschluss zu A9“, sagte er. Zustimmung kam bei dem Gespräch auch von Pegnitzer Seite. „Wir unterstützten das sehr“, sagte der Zweite Bürgermeister Wolfgang Nierhoff mit Blick auf die zahlreichen Aus- und Einpendler, die täglich auf der B85 zwischen Pegnitz und Auerbach unterwegs sind.

Bild: Sie diskutierten um die Zukunft der B85 (von links): Wolfgang Nierhoff, 2. Bürgermeister von Pegnitz, MdL Dr. Harald Schwarz, MdB Dr. Silke Launert, Auerbachs Bürgermeister Joachim Neuß und MdB Alois Karl.

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26.02.2018

Vor 75 Jahren an der Ostfront gefallen /
Heinersreuth erinnert an Pfarrer Peter Hupfer

Heinersreuth. Mit einem Gottesdienst und der Enthüllung einer Gedenktafel an der Versöhnungskirche hat die Gemeinde Heinersreuth bei Bayreuth an ihren ersten Pfarrer Peter Hupfer erinnert. Trotz Repression hatte Hupfer seine kritische Distanz zum NS-Regime nie verschwiegen. Er kam 1942 an der Ostfront ums Leben, er wurde nur 31 Jahre alt.

Anlass war der 75. Todestag, der genaugenommen bereits im zurückliegenden August war. Um das Gedenken an den Pfarrer nicht im Luther-Jahr untergehen zu lassen, habe sich die Gemeinde entschieden, erst jetzt an den streitbaren Geistlichen zu erinnern.

Pfarrer Hupfer war in keiner Widerstandsgruppe und auch nicht aktiv im Widerstand tätig. Er sei aber ein Bürger gewesen, von denen Deutschland damals mehr gebraucht hätte, sagte der jetzige Pfarrer Otto Guggemos. „Wir müssen bei Hupfer von innerem Widerstand sprechen.“ Trotz Propaganda habe Hupfer seine politischen Einsichten nicht für sich behalten. Er sei sich seiner Vorbildrolle als Person des öffentlichen Lebens bewusst gewesen und sei damit ein Risiko eingegangen. Die Mehrheit habe das aus Angst vor Repressalien vermieden.
In einer Diktatur, die sich im Krieg befindet, benötige es kein Gerichtsverfahren, um kritische Menschen zum Schweigen zu bringen. Während deutsch-christliche Pfarrer oft Schutz genossen und ungehindert Karriere machen konnten, sei Pfarrer Hupfer außerordentlich schnell an die Ostfront geschickt worden und dort gefallen. Von dem Mut Hupfers habe die Gemeinde erst in den zurückliegenden Jahren erfahren.

Nach den Worten des Historikers und Oberstudiendirektors Otto Hofmann war Peter Hupfer am 23. August 1942 an der Ostfront schwer verwundet worden. Beim Rücktransport in ein Lazarett sei er erneut unter Beschuss geraten und noch am gleichen Tag verstorben. Die genaue Grablage sei bis heute unbekannt. Erst knapp zwei Monate später habe seine Ehefrau in Heinersreuth die amtliche Mitteilung vom Tod ihres Mannes erhalten. „Er wäre sicher lieber bei seiner Familie geblieben, als sich am Feldzug gegen Russland zu beteiligen“, sagte Hofmann.

Hupfer war 1937 der erste Pfarrer in Heinersreuth. Im gleichen Jahr wurde die Versöhnungskirche eingeweiht. Vorher gehörte der Ort zur Stadtkirchengemeinde in Bayreuth. Hupfer sei während dieser Zeit stets standhaft geblieben und habe auch den überwiegenden Teil der Jugend auf seiner Seite gehabt. Trotzdem sei natürlich auch Heinersreuth fest im Griff der Diktatur gewesen. Im Januar 1942 hätten die Nationalsozialisten die Glocken der Kirche geholt, lediglich die kleinste Glocke, das Totenglöcklein, ließen sie zurück. Am 8. Februar 1942 habe Hupfer seine letzte Predigt in Heinersreuth gehalten.

Die Bilanz am Ende des Zweiten Weltkrieges ist bitter: 103 junge Männer aus Heinersreuth sind gefallen, darunter auch alle 20 aktiven Bläser des Posaunenchors. „Wie eine Blutspur zieht sich die Nazi-Diktatur durch unser Dorf“, sagte der Historiker. Im gesamten Kirchenkreis Bayreuth seien laut Hofmann 178 Pfarrer eingezogen worden, 24 davon sind gefallen, weitere sieben im Verlauf des Krieges verstorben.

Sie sei stolz auf die Gemeinde, die in der Zeit der Diktatur eine Kirche errichtet habe, sagte die Erste Bürgermeisterin Simone Kirschner in einem Grußwort beim Gedenkgottesdienst, an dem auch zahlreiche Vertreter aus der Politik, darunter die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert, teilnahmen. Das Gedenken an Pfarrer Peter Hupfer zeige, dass die Gemeinde über ein ausgeprägtes Geschichtsbewusstsein verfügt und sich ihrer Geschichte stellt. „Wer die Augen vor der Vergangenheit verschließt, wird blind für die Gegenwart“, zitierte Kirschner den ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.

Bilder:- Bürgermeisterin Simone Kirschner und Pfarrer Otto Guggemos enthüllten an der Außenwand der Heinersreuther Versöhnungskirche eine Gedenktafel für Pfarrer Peter Hupfer.- Zusammen mit Dekan Jürgen Hacker, Pfarrern aus der Umgebung und Kirchenvorsteher zogen die Ehrengäste in die Versöhnungskirche ein.
- Zum Gedenkgottesdienst an ihren ersten Pfarrer Peter Hupfer war die Heinersreuther Versöhnungskirche voll besetzt.

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29.01.2018

Technik, Tradition und Toleranz / Markus Söder beim Bayreuther Landfrauentag

Bayreuth. „Für mich liegt die Zukunft Bayerns auf dem Land.“ Der designierte Ministerpräsident wusste genau, was die Landfrauen von ihm hören wollten. Beim Bayreuther Landfrauentag in der Tierzuchtklause legte er ein klares Bekenntnis zur Landwirtschaft ab und sagte zu, die Landwirte zu unterstützen und nicht zu drangsalieren.

Eingeladen hatte die Vorstandschaft Markus Söder als Finanz-, Landesentwicklung- und Heimatminister. Letzteres ist wichtig, denn Heimat lautet auch das Thema der Landfrauenarbeit in der laufenden Periode. Natürlich stimmte Söder ein Loblied auf Bayern und ganz besonders auf Franken an. Dafür verantwortlich sei in ganz besonderer Art und Weise die Landwirtschaft. „Die Familienbetriebe sind die Basis für den ländlichen Raum“, sagte er. Agrarfabriken und Agrarkonzerne möchte in Bayern niemand haben. 

Die Menschen hätten die Heimat wieder entdeckt und gemerkt, wo die eigentlichen Schwerpunkte der Zukunft liegen: „Was Bayern ausmacht, findet nicht nur in den Ballungszentren statt“, so Söder. Technik und Innovation gehöre dazu genauso wie Brauchtum und Tradition. Diese Verbindung mache Bayern so unglaublich attraktiv.

Auch einige politische Botschaften hatte der designierte Ministerpräsident mitgebracht. So kündigte er die Abschaffung der umstrittenen Straßenausbausatzung („Strabs“) an, sagte gleichzeitig aber auch zu, dass die Straßen in den Gemeinden trotzdem weiterentwickelt werden sollen. Auch zum Thema Flächenverbrauch meldete sich Söder zu Wort. So nannte er die  Entwicklungen im Ausgleichsflächenmanagement hanebüchen und stellte besondere Privilegien für die Landwirtschaft in Aussicht. „Wir wollen die Landwirte schätzen und nicht dauern belasten“, so Söder.

Schließlich plädierte Söder für Toleranz. Vor dem Hintergrund des Streits um ein Kreuz im Gerichtssaal sagte er, dass das Kreuz für Nächstenliebe und Toleranz und damit für die „Kernbasis unseres Staates“ stehe. „Diese Werte müssen, wir klar und deutlich machen“, so der Minister. Wer zu uns kommt müsse sich auch unseren Sitten und Gebräuchen anpassen.

Statt Grußworte hatte Kreisbäuerin Angelika Seyferth mehrere Damen nach vorne gebeten, um zusammen mit Markus Söder über ganz private Berührungspunkte zum Thema Landwirtschaft zu plaudern. So erfuhren die Zuhörer, dass Söder früher selbst auf dem Hof seines Onkels zum Schlepperfahren war und, dass seine Tante den besten Marmorkuchen der Welt backt.

Auch die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer beherrscht das Schlepperfahren, „auch wenn die Technik immer komplizierter wird“, so Brendel-Fischer, die als Abgeordnete ständig zwischen der Fränkischen Schweiz und dem Fichtelgebirge unterwegs ist. Ihr ist das Weitergeben von Kultur und Lebensart besonders wichtig. Die stellvertretende Bezirksbäuerin Beate Opel, die aus Berlin stammt, aber seit 37 Jahren im Landkreis Kulmbach lebt, gab an, dass sie ganz besonders an Franken hängt. „Immer wenn ich in Berlin bin, vermisse ich Franken, meine Heimat“, so Opel.

Bilder:
- Markus Söder beim Gruppenbild mit dem Bayreuth Landfrauenchor.
- Kreisbäuerin Angelika Seyferth (rechts) und ihre Stellvertreterin Doris Schmidt bedankten sich beim designierten Ministerpräsidenten Markus Söder.
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 Sechs Damen und ein Herr plaudern über Landwirtschaft (von links): Pastoralreferentin Rita Grzonka, Veterinärdirektorin Iris Fuchs, Markus Söder Kreisbäuerin Angelika Seyferth, ihre Stellvertreterin Doris Schmidt, die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer und die stellvertretende Bezirksbäuerin Beate Ope
- Der Bayreuther Landfrauenchor umrahmte den Landfrauentag mit bekannten Volksliedern.
- Gespannt lauschte das Publikum in der Tierzuchtklause den Ausführungen des Heimat- und Finanzministers Markus Söder.

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17.01.2018

Kritische Töne zum Thema Heimat /
Bezirksheimatpfleger Günter Dippold beim Pegnitzer Landfrauentag

Pegnitz. „Das ist Heimat“ lautet heuer das Motto der Landfrauenarbeit im Bayerischen Bauernverband. Allerdings definiert jeder Heimat etwas anders. Für den oberfränkischen Bezirksheimatpfleger Professor Günter Dippold bedeutet Heimat unter anderem Aufgeschlossenheit, Offenheit und Neugier. Für den Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab ist Heimat da, „wo wir gerne sind“. Für den Bayreuther Kreisobmann Karl Lappe ist die Landwirtschaft die älteste Berufsgruppe, die im Laufe der Jahreszeiten schon immer Heimat mitgestaltet hat und Karin Seehofer, Ehefrau des Bayerischen Ministerpräsidenten, sagt: „Jeder, der für sich seine Heimat gefunden hat, kann sich glücklich schätzen“.

Sie alle waren am Mittwochnachmittag Gäste des Pegnitzer Landfrauentages im ASV-Sportheim und läuteten mit ihren Ansprachen einen unterhaltsamen Nachmittag ein. Kreisbäuerin Angelika Seyferth blickte dabei dankbar auf das zurückliegende Jahr, in dem sich die Erzeugerpreise ein wenig stabilisiert hätten, zugleich aber auch sorgenvoll auf das neue Jahr. „Der Milchpreis sinkt, manche meinen, er stürzt ab“, so Seyferth. Auch die Schweinemäster und Ferkelerzeuger seien alarmiert, weil die Afrikanische Schweinepest vor der Tür steht. Die Infektion ist zwar für den Menschen völlig ungefährlich, allerdings müssten betroffene Betriebe ihren gesamten Bestand keulen.

Die Kreisbäuerin hatte allerdings auch Positives zu vermelden. So könnten die Landfrauen im Bauernverband heuer ihr 70-jähriges Bestehen feiern. Ein  Jubiläum, das auch an dem Bayreuther Kreisverband nicht vorübergehen wird. Bei einer eigenen Festveranstaltung sollen unter anderem langjährige aktive Ortsbäuerinnen geehrt werden.

Hauptreferent des Landfrauentages war der oberfränkische Bezirksheimatpfleger Professor Günter Dippold, der auch einige kritische Töne zum Thema Heimat fand. Heimat ist etwas anderes, als das, wozu sie ein verkitschtes Heimatbild gemacht habe. Derzeit sei Heimat in aller Munde, sie scheine ein gutes Image zu haben. Doch Vorsicht: schon einmal, in den 50er Jahren sei der Begriff so viel benutzt worden, dass er verbraucht und verkitscht wurde.

Auch nannte es Dippold bedauerlich, dass der zur Heimat gehörende Gemeinsinn derzeit verloren gehe. Nicht nur Gesangs- und Geschichtsvereine, auch Sportvereine hätten mehr und mehr mit Mitgliedeschwund zu kämpfen. Gemeinschaft werde als Ballast empfunden, bedauerte der Heimatpfleger.

Vielen Menschen hätten vor dem Hintergrund der Globalisierung Furcht vor Veränderung und Angst vor Fremden. Vielen sei damit ein wirkliches Heimatgefühl abhandengekommen. Dabei stamme vieles, was als typisch fränkisch gilt und unsere Heimat prägt, von Auswärtigen: Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth beispielsweise von Giuseppe Galli Bibiena aus Parma, Schloss Seehof bei Bamberg von Antonio Petrini aus dem Trentino und selbst das Frankenlied hatte Viktor von Scheffel gedichtet, der aus dem Badischen kam.

Landfrauen wüssten sehr genau, wie wichtig es ist, verwurzelt zu sein, sagte Karin Seehofer, die Gattin des Bayerischen Ministerpräsidenten. Sie bezeichnete die Landfrauen als beeindruckende Vorbilder, die sich Tag für Tag in die Gemeinschaft einbrächten. Als ein Stück Tradition und damit auch als ein Stück Heimat bezeichnete der Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab die Landfrauen. „Heimat heißt für mich, Kultur zu wahren, Natur zu wertschätzen und den Boden zu achten“, so Raab.

Kreisobmann Karl Lappe rief dazu auf, sich auf sinkende Preise einzustellen. „Nach jedem Hoch kommt ein Tief“, sagte er. Zuletzt hätten die Betriebe im Landkreise diese Tiefs in den Jahren 2009 und 2014/2015 einigermaßen überstanden. Als Herausforderungen für 2018 bezeichnete er auch den Kampf gegen das Bürokratiemonster namens Düngeverordnung. Da müsse dringend nachgebessert werden, forderte Lappe.

Der Pegnitzer Landfrauentag wurde wieder vom Bayreuther Landfrauenchor, diesmal unter der Leitung von Martina Schill umrahmt. Zum Landfrauentag gehörten auch eine Vorstellung der Stadt Bad Berneck durch Florian Fraaß und einige Lieder zum Mitsingen mit der Volksmusikerin Stefanie Zachmeier.

Bilder:
1. Kreisbäuerin Angelika Seyferth (links) und ihre Stellvertreterin Doris Schmidt (rechts) bedankten sich bei Karin Seehofer, die als Ehrengast zum Landfrauentag nach Pegnitz gekommen war.
2. D
er Bayreuther Landfrauenchor wurde bei seinem Auftritt beim Pegnitzer Landfrauentag von Martina Schill geleitet.
3. Kreisbäuerin Angelika Seyferth (links) und ihre Stellvertreterin Doris Schmidt überreichten dem oberfränkischen Bezirksheimatpfleger einige Kostproben landwirtschaftlicher Erzeugnisse aus der Region.

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29.12.2017

1000 Lebensretter für Bayreuth /
BRK-Kreisverband startet „Erste-Hilfe-Kompaktseminar“

Bayreuth. Bewusstlosigkeit, Herz-Kreislaufstillstand oder eine stark blutende Wunde nach einem Unfall mit der Kreissäge: der Erste-Hilfe-Kurs ist schon lange her und viele Menschen wissen nicht mehr, was sie tun sollen, wenn sie zufällig Zeuge eines Notfalls werden. Als erster Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes startet das BRK in Bayreuth im Februar das Programm „Lebensretter 112“. Dabei sollen den Teilnehmern in 112 Minuten die wichtigsten lebensrettenden Maßnahmen vermittelt werden. Die Schirmherrschaft über die Aktion haben die beiden CSU-Abgeordneten Dr. Silke Launert und Gudrun Brendel-Fischer übernommen.

„Es gibt einige wenige, aber sehr effektive Maßnahmen, die bei einem lebensbedrohlichem Zustand von Jedermann angewendet werden können“, sagte Marcel Hauswurz vom BRK bei einem Besuch der beiden Abgeordneten in der Integrierten Rettungsleitstelle. Damit sei es meist sogar ohne Hilfsmittel möglich, Leben zu retten. Häufig komme es auf den Ersthelfer an, deshalb sollen die Menschen in die Lage versetzt werden, selbst aktiv zu werden, so BRK-Kreisgeschäftsführer Peter Herzing. Erste-Hilfe-Maßnahmen seien wesentlicher Bestandteil der Rettungskette mit entscheidenden Auswirkungen auf die medizinische Prognose des Patienten.

Die Verantwortlichen des Roten Kreuzes haben das Kurzseminar auch deshalb ins Leben gerufen, weil viele Menschen den Aufwand eines kompletten Erste-Hilfe-Kurses mit neun Unterrichtsstunden scheuen. Dieser in der Regel ganztägige Kurs ist zwar für den Führerschein notwendig, wird später aber kaum mehr aufgefrischt. Hier soll das neue Angebot „Lebensretter 112“ ansetzen.

Angesprochen sind nach den Worten von Marcel Hauswurz nicht nur Privatpersonen sondern auch Firmen, Vereine oder sonstige Gruppierungen. Für Einzelpersonen kostet der knapp zweistündige Kurs 25 Euro, für Gruppen von bis zu 20 Personen pauschal 290 Euro. Gut angelegtes Geld, wie Kreisgeschäftsführer Herzing meint, denn das Thema kann jeden betreffen. „Wenn bei einem Notfall in den ersten drei bis fünf Minuten niemand etwas unternimmt, kann der Notarzt noch so gut sein, der Patient hat eine geringere Überlebenschance.“

Sowohl die Bundestagsabgeordnete Launert, als auch die Landtagsabgeordnete Brendel-Fischer begrüßten bei dem Ortstermin in der Rettungsleistelle das neue Angebot und würdigten das Engagement des BRK. Alleine seien die Menschen schwer zu einem Erste-Hilfe-Kurs zu bewegen, deshalb sei das Angebot für Gruppen und Vereine so wichtig, sagte Launert. Der Bayreuther Kreisverband übernehme mit dem neuen Angebot, das am 9. Februar startet, eine wichtige Vorreiterrolle in Bayern und trage damit wesentlich zur Stärkung der Rettungskette bei, so Brendel-Fischer.

Bei dem Besuch der Abgeordneten warnte Kreisgeschäftsführer Herzing vor einem akuten Pflegenotstand. Es sei schon jetzt sicher davon auszugehen, dass die ambulante Versorgung in der bisherigen Form nicht mehr aufrechterhalten werden könne, weil die notwendigen Kräfte fehlen. Müssten die Menschen dann ins Heim, entsteht ein weiteres Problem, da es auch dort viel zu wenige Pflegekräfte gibt.

Herzing appellierte deshalb an die beiden Politikerinnen, den Pflegekräften mehr Kompetenzen und Entscheidungsbefugnisse zu geben sowie Kontrollen und Bürokratie abzubauen. Wichtigster Punkt sei es allerdings das Ansehen des Berufes zu stärken. Am Geld liege es nicht, man müsse junge Menschen dazu bewegen, einen Pflegeberuf zu ergreifen.

Allein durch Zuwanderung könne das Problem nicht gelöst werden, sagte die Bundestagsabgeordnete Launert. Eine größere Wertschätzung sei der entscheidende Punkt, dazu gehöre auch ein größerer Entscheidungsfreiraum für die Betreffenden.

Die Integrierte Rettungsleistelle in Bayreuth ist eine von bayernweit 26 derartigen Einrichtungen. Sie ist 2011 in Betrieb gegangen. In ihr sind 26 Mitarbeiter im Schichtdienst tätig. Die Landtagsabgeordnete Brendel-Fischer sagte zu, sich für eine gute Weiterentwicklung der Integrierten Leitstelle einzusetzen. Der Freistaat müsse hier weiterhin mit dem Zweckverband und dem Träger verantwortungsbewusst zusammenwirken. Die ILS Bayreuth-Kulmbach mit Markus Ruckdeschel an der Spitze genieße in München hohes Ansehen, so Brendel-Fischer.

Bild: BRK-Kreisgeschäftsführer Peter Herzing erläuterte zusammen mit den Verantwortlichen den beiden Abgeordneten Gudrun Brendel-Fischer (2. von links) und Dr. Silke Launert (3. von rechts) die Arbeitsabläufe der Integrierten Rettungsleitstelle Bayreuth/Kulmbach.

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18.12.2017

120 Lkw-Stellplätze auf der „Trockauer“ Höhe geplant / Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer besuchte Autobahnmeisterei Trockau

Trockau. Die Autobahndirektion Nordbayern rechnet für die geplante Parkplatz- und WC-Anlage „Trockauer Höhe“ an der Bundesautobahn  A9 bereits 2018 mit dem Baurecht. Dann könnte die Anlage zwischen den Anschlussstellen Trockau und Bayreuth-Süd mit beidseitig insgesamt  120 Lkw-Stellplätzen zügig umgesetzt werden, sagte Präsident Reinhard Pirner bei einem Besuch der Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer (CSU) in der Autobahnmeisterei Trockau.

Die vorliegende Planung umfasst den Neubau der beidseitigen, unbewirtschafteten Rastanlage mit Toiletten. Das Projekt befindet sich rund dreieinhalb Kilometer nördlich der Ausfahrt Trockau im gemeindefreien Gebiet Lindenhardter Forst und im Gemeindegebiet von Hummeltal. Zur Ver- und Entsorgung werden auch Flächen und Wege der Gemeinden Gesees, Haag und Hummeltal berührt.

Entlang der A9 seien Lkw-Stellplätze zwischen Nürnberg und der Landesgrenze Mangelware, sagte Pirner. Jeder sehe ein, dass entsprechende Parkanlagen notwendig sind, aber keiner möchte sie innerhalb seines Gemeindegebietes haben. Neben den notwendigen infrastrukturellen Baumaßnahmen für die Wasser- und Stromversorgung werde oft ein Anstieg der Kriminalität im Umfeld solcher Plätze befürchtet. Dabei konnte der Präsident Entwarnung geben. Bei keiner PWC-Anlage habe es bislang einen Anstieg der Kriminalität im Umfeld gegeben.

Unstrittig ist die Notwendigkeit der Anlage. „Wir müssen den Lkw etwas bieten, schließlich haben die Fahrer Lenk- und Ruhezeiten einzuhalten und dies dient ja vor allem auch der Verkehrssicherheit auf unseren Autobahnen“, sagte Pirner. Darüber hinaus könnten die Kommunen froh sein, da die Lastwagen andernfalls in deren Industriegebieten parken. Schlimmstenfalls seien die bestehenden Parkanlagen überlastet und die Lkw-Fahrer stellten ihren Brummis auf dem Verzögerungsstreifen ab, was zu einem erheblichen Gefährdungspotential führe.

Als weitere Projekte für das kommende Jahr kündigte der Bayreuther Dienststellenleiter Thomas Pfeifer unter anderem Deckenbaumaßnahmen auf der A9 beidseitig zwischen Pegnitz und Plech sowie entlang der Bindlacher Allee an. Außerdem soll der Lärmschutz im Bereich von Pegnitz erneuert und gemeinsam mit der Stadt Pegnitz optimiert werden. Dort sei die bestehende Lärmschutzwand noch aus den 1990er Jahren.

Trotz derzeit relativ guter Finanzausstattung befürchten die Verantwortlichen der Direktion, dass ihnen in den kommenden Jahren „Ingenieurmittel“ nicht in ausreichender Höhe für die notwendigen Planungsaufgaben zur Verfügung stehen. Dabei handelt es sich um Gelder des Freistaats, die für externe Planer und Gutachter bereitgestellt werden. „Eine Million Euro im Ingenieurbereich löst rund zehn Millionen Euro an Bauinvestitionen aus, die komplett in Bayern umgesetzt werden“, sagte Pirner. Ohne ausreichende „Ingenieurmittel“ werde die Direktion langfristig nicht das derzeitige Investitionsniveau halten können. Landtagsabgeordnete Brendel-Fischer konnte den Verantwortlichen dazu mitteilen, dass dieses Anliegen im Nachtragshaushalt 2018 auf Initiative der CSU-Fraktion ausreichend berücksichtigt wurde.

Außerdem erläuterte Pirner der Landtagsabgeordneten die  den aktuellen Stand  in Bezug auf die Reform der Autobahnverwaltung. So soll die Autobahndirektion Nordbayern ab dem Jahr 2021 in eine Infrastrukturgesellschaft Autobahn (IGA) überführt werden. Die IGA steht  im unveräußerlichen Eigentum des Bundes und neben der Zentrale in Berlin können bis zu 10 Tochtergesellschaften gegründet werden.  Ausgeprägte Organisationsstrukturen der Autobahnverwaltung sollen erhalten bleiben und für das betroffene Personal wurden im Gesetz Garantien zu Arbeitsplatz, Arbeitsort und Status verankert. Das bedeute auch, dass kein Beschäftigter gegen seinen Willen versetzt werden soll.

Die Autobahndirektion Nordbayern ist für rund 1300 Autobahnkilometer zuständig. Die Autobahnmeisterei in Trockau beschäftigt aktuell 28 Mitarbeiter.

Bilder:
- Von links: der Präsident der Autobahndirektion Nordbayern Reinhard Pirner, die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer, Jörg Stricker von der Autobahnmeisterei Trockau, Thomas Pfeifer, Dienststellenleiter der Autobahndirektion in Bayreuth und Michael Herbst von der Autobahnmeisterei Trockau.
- Die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer am Steuer eines hochmodernen Räumfahrzeuges der Autobahnmeisterei Trockau. Links der Leiter von Trockau Jörg Stricker, rechts der Präsident der Autobahndirektion Nordbayern Reinhard Pirner.

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25.11.2017

Seelsorge ohne Wenn und Aber / Jahresgottesdienst der Seelsorgestiftung: Kein Strafbefehl bei Kirchenasyl

Kulmbach. Für die Vermeidung von Strafbefehlen gegenüber Geflüchteten und Pfarrern bei Kirchenasylen hat sich Regionalbischöfin Dorothea Greiner ausgesprochen. Seelsorge sei gänzlich unpolitisch, doch wer Seelsorge betreibt, werde auch politische Anliegen haben, sagte die Regionalbischöfin beim Jahresgottesdienst der Seelsorgestiftung in der Kulmbacher Petrikirche.

Greiner plädierte dafür, dass sowohl Geflüchtete wie auch Pfarrer keinen Strafbefehl erhalten, wenn ihr einziges Vergehen darin besteht, dass sie ins Kirchenasyl gegangen sind oder es gewährt haben. Im Kirchenasyl werde keine Person versteckt. Der Aufenthalt werde den Behörden umgehend angezeigt. „Kirchenasyl ist für uns kein politischer Weg, nicht einmal ein Notweg“, sagte Greiner. Kirchenasyl sei in einer Situation, in der Gefahr für Leib und Leben des Menschen besteht, eine Ultima Ratio unter großen Opfern, um dem Staat Raum und Zeit zu verschaffen, die Gefahr für Leib und Leben dieses Menschen wahrzunehmen. „Wir raten als Kirche nicht zum Kirchenasyl.“ Wenn es in größter Opferbereitschaft einer Kirchengemeinde oder eines Klosters doch gewährt wird, so bat Greiner darum, diesen, mit den Behörden abgesprochenen Notbehelf, nicht als Rechtsbruch zu werten.

Daneben warb Greiner für Konzilianz der Ausländerbehörden bei Anträgen auf Arbeitserlaubnis und für Vertrauen hinsichtlich des Glaubens der vom Islam konvertierten getauften Christen. Oft gebe es bei Anträgen auf Arbeitserlaubnis einen Ermessensspielraum. Was das Vertrauen bei den Entscheidern auf allen Ebenen gegenüber dem Glaubensbekenntnis der ehemals islamischen Geflüchteten angeht, könne sie manche Wertung, bei der die Taufe als asyltaktisch abgestempelt wird, aus der Kenntnis der Person nicht nachvollziehen. „Unsere Pfarrer machen keine Schnelltaufen“, sagte die Regionalbischöfin. Sie prüften soweit es möglich ist, ob ein echter Wille vorhanden ist, Christus als dem Herrn des Lebens zu folgen. Dies zu prüfen, sei Sache der Kirchen, nicht von Behörden und Gerichten. In Bayreuth müssten vor der Taufe mindestens zwölf Doppelstunden Glaubensunterricht absolviert sein.

Seelsorge an Geflüchteten unterscheide nicht nach Nützlichkeit des Menschen für unsere Gesellschaft, sie  gebe es für jeden Menschen, der sie will und braucht, ohne Vorbedingungen und ohne Wenn und Aber. Christliche Seelsorge an Geflüchteten kenne auch keine Vorbedingung. Sie frage nicht, ob die betreffende Person einmal für uns arbeiten können wird, nicht einmal, ob sie ein Recht hat bei uns zu sein. Sie frage nach der Not des Menschen. „Und die Not in den allermeisten Herzen der Geflüchteten fern der Heimat und Familie im fremden Land ist groß“, so Greiner.

„Menschen, die aus der Not kommen, ist eine Aufgabe, die seit Jesus Christus gilt“, sagte der Präsident der Diakonie Bayern, Pfarrer Michael Bammessel in seiner Predigt. Die Kirche freue sich, wenn geflüchtete Menschen mehr wissen wollen über Jesus Christus und wenn sie vielleicht den Weg zum Christentum finden. Die Kirche nutze aber nicht die Not der Menschen aus, wie es manche Sekten machten und in Flüchtlingsheimen für sich Werbung betreiben.

Bammessel sprach von einer tiefen gemeinsamen Basis zwischen Muslimen und Christen, die darin besteht, dass in beiden Religionen der feste Glaube vorherrscht, dass die Welt aus der Hand eines Schöpfers stammt. Der Diakonie-Präsident plädierte auch dafür, Menschen, die zu uns gekommen sind, nicht immer nur als die Hilfsbedürftigen anzusehen und damit ein Gefälle vom Starken zum Schwachen, vom Besitzenden zum Habenichts aufzubauen. Alle brächten etwas mit und alle hätten etwas zu geben, deshalb dürfe man die Menschen auch nicht zur Untätigkeit verdammen.

Die Seelsorgestiftung wurde vor sieben Jahren gegründet. Sie verfolgt zwei Ziele: Zum einen geht es darum, die Telefonseelsorge für Mittel- und Ostoberfranken mit Sitz in Bayreuth finanziell abzusichern. „Wir wollen jährlich 20000 Euro Stiftungsmittel zum Erhalt der Leitungsstelle beitragen, die Telefonseelsorger und –seelsorgerinnen ausbildet und die Arbeit koordiniert“, sagte Greiner. Alle anderen Mitarbeitenden seien Ehrenamtliche. Sie müssten gut ausgebildet und begleitet werden. „Wir schaffen immerhin schon die Hälfte des Betrages.“

Die Regionalbischöfin bezeichnete die Arbeit der Telefonseelsorge als überaus wichtig, auch wenn sie im Stillen vor sich geht. In der Telefonseelsorge seien Seelsorger für jeden Menschen, unabhängig von Religion oder Konfession erreichbar, und das 24 Stunden jeden Tag. Die Gespräche würden in absoluter Anonymität geführt. Das bedeute eine niedrige Kontaktschwelle für die Anrufenden. Für eine Ausbildung zum Telefonseelsorger würden aktuell auch Interessenten gesucht.

Das zweite Ziel der Seelsorgestiftung ist die Förderung aller anderen Bereiche der Seelsorge im ganzen Kirchenkreis, einschließlich der Gemeindeseelsorge. Dadurch würden auch die Aus- und Fortbildung gemeindlicher Besuchsdienste unterstützt. Die Fortbildung sollte grundsätzlich auf Dekanatsebene stattfinden, angestoßen werden könne sie aber von jedem. Aus dem weiten Feld der Seelsorge wird für den Jahresgottesdienst alljährlich ein anderer Bereich ausgewählt, in diesem Jahr die Seelsorge an Geflüchteten.

Bild:
Der Swahili-Chor aus Bayreuth umrahmte den Jahresgottesdienst der Seelsorgestiftung in der Petrikirche.
 

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17.11.2017

Naturschutz und Nutzung im Widerstreit / „Forum Waldkontroversen“ an der Universität Bayreuth: Klares Bekenntnis zum Rohstoff Holz

Bayreuth. „Holz ist der Rohstoff der Gegenwart und er wird noch mehr der Rohstoff der Zukunft sein.“ Das sagt Frank Pirner, Leiter des Forstbetriebs Pegnitz der Bayerischen Staatsforsten. Nach den Worten von Götz von Rotenhan, dem 1. Vizepräsidenten des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, ist Bayern ohnehin das „Holzland Nummer 1“. Voll und ganz hinter der heimischen Holznutzung stehen die Jäger, wie Ramona Pohl, Referentin beim Bayerischen Jagdverband betont. Und selbst Ralf Straußberger, Wald- und Jagdreferent beim Bund Naturschutz in Bayern, bekennt sich zur Nutzung des heimischen Rohstoffes Holz, wenn auch klar unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit.

Eigentlich waren sich alle einig, beim „Forum Waldkontroversen“, das die Universität Bayreuth zusammen mit dem Ökologisch-Botanischen Garten, dem Zentrum für Ökologie und Umweltforschung sowie der Campus-Akademie veranstaltet hat. Unterschiedliche Standpunkte gab es trotzdem. Sie konzentrierten sich vor allem auf die Frage: „ Ökonomie oder Ökologie?“.

60 bis 80 Kubikmeter Holz würden jährlich in Deutschland eingeschlagen, das ist deutlich weniger, als nachwächst, so Gregor Aas, Leiter des Ökologisch-Botanischen Gartens (ÖBG) in Bayreuth. Gleichzeitig werde aber deutlich mehr Holz benötigt. Da sei es doch besser mehr heimisches Holz einzuschlagen, als Holz einzuführen, das in Skandinavien oder in Rumänien unter fragwürdigen Bedingungen produziert wird, so Götz von Rotenhan.

Er erntete damit den Widerspruch von Ralf Straußberger. „Wir können nicht unsere eigenen Wälder plündern mit dem Verweis auf andere Regionen, die eine schlechtere Waldwirtschaft betreiben“, sagte der der BN-Vertreter und sprach sich klar gegen eine Erhöhung der Holzeinschläge aus. „Wir müssen die Grenzen sehen, und die gibt es zweifellos“, so Straußberger.

Vor allem dann, wenn Holz zunehmend nicht mehr nur stofflich, sondern auch energetisch verwertet wird. „Es wird immer populärer, mit Holz zu schüren“, sagte Gregor Aas vom ÖBG. Holz in großem Umfang zu verbrennen, dafür sei es zu schade, so BN-Sprecher Straußberger. Da sollte man doch das Holz besser für Dämmplatten verwenden, um den Energieverbrauch in Gebäuden zu senken. Dem widersprach Frank Pirner. Holz zu verbrennen sei auf jeden Fall besser, als Erdöl zu verbrennen und Götz von Rotenhan ergänzte, dass bei jeder Waldbewirtschaftung ja auch viel Holz anfällt, das aufgrund seiner Beschaffenheit nicht in die Produktion gelangen kann und damit ideal für eine energetische Verwertung sei.

Auch das Thema Waldumbau vor dem Hintergrund des Klimawandels nahm beim „Forum Waldkontroversen“ in Bayreuth breiten Raum ein. Deutschland wäre von Natur aus überwiegend ein Laubwaldgebiet, sagte Carl Beierkuhnlein, Inhaber des Lehrstuhls für Biogeographie an der Universität Bayreuth. Tatsächlich dominierten in den Wäldern aber klar die Nadelbäume.

Das wird sich ändern, versprach Frank Pirner. Die Witterungsextreme nähmen zu, der Wald sei heute nicht mehr so widerstandsfähig, wie er sein sollte. „Der Wald von morgen wird anders aussehen“, sagte er und kündigte an, den Focus künftig immer mehr auf gemischte Wälder zu richten. So soll das Nadelholz in den kommenden Jahren im Bereich der Bayerischen Staatsforsten um zehn Prozent abnehmen, was zu Lasten von Fichte und Kiefer gehen werde. Der Tannen-Anteil soll allerdings von zwei auf fünf Prozent mehr als verdoppelt und der Douglasien-Anteil von derzeit einem auf drei Prozent erhöht werden. Laubholz soll deutlich zunehmen, wobei die Staatsforsten vor allem auf die Buche und auf Edellaubhölzer setzen wollen.

Bilder:
1. Frank Pirner (links), Leiter des Forstbetriebs Pegnitz der Bayerischen Staatsforsten und Christian Kölling vom Landwirtschaftsamt in Roth.
2. Ramona Pohl, Referentin beim Bayerischen Jagdverband, und Götz von Rotenhan, 1. Vizepräsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes.
3. Ralf Straußberger, Wald- und Jagdreferent beim Bund Naturschutz in Bayern.

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10.11.2017

„Beste Konzepte für beste Kräfte“: Rainer Nachtigall ist neuer bayerischer DPolG-Vorsitzender / MdB Dr. Silke Launert beim bayerischen Landeskongress der Deutschen Polizeigewerkschaft

Bayreuth. Der 53-jährige Polizeibeamte Rainer Nachtigall (Bild links) aus Nürnberg ist neuer bayerischer Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Nachtigall wurde beim Landeskongress in Bayreuth mit großer Mehrheit zum Nachfolger von Hermann Benker gewählt, der nach 14 Jahren in dieser Position und nach 45 Dienstjahren mit Blick auf seinen bevorstehenden Ruhestand nicht mehr kandidiert hatte. Zu den Gratulanten gehörte auch die Bayreuther Bundestagsabgeordnete Silke Launert, die an der Festveranstaltung im Arvena-Hotel teilgenommen hatte.

Neben der Wahl der neuen Gewerkschaftsspitze der mit 20000 Mitgliedern größten Berufsvertretung der Bayerischen Polizei haben die Delegierten unter dem Motto „Sicherheit – Made in Bayern“ über polizeispezifische Themen beraten und mehrere Resolutionen verabschiedet. Dabei ging es unter anderem um neue Technologien und ein zukunftsträchtiges  Personalentwicklungskonzept für die bayerische Polizei.

Die Polizei habe sich in den zurückliegenden Jahrzehnten sehr gut entwickelt, vieles habe sich zum Positiven verändert, die DPolG habe daran maßgeblichen Anteil, sagte der scheidende Vorsitzende Hermann Benker (Bild links). Was Ausbildung, Ausrüstung und auch Besoldung betrifft, hätten die Beamten heute vieles der Gewerkschaft zu verdanken. Ihm sei es aber vor allem auch darum gegangen, das Ansehen der Polizei in der Gesellschaft stetig zu verbessern.

In seiner Antrittsrede forderte der neue Vorsitzende Nachtigall „beste Konzepte für beste Kräfte“. Er wandte sich gegen den schleichenden Abbau von Tarifbeschäftigten bei der bayerischen Polizei und bot dem Ministerium einen Konsens in Sachen Arbeitszeitdiskussion an. Nachtigall plädierte für den Einsatz von Bodycams und forderte die derzeitige Erprobungsphase für Taser (Elektroschockpistolen) auszuweiten. Die derzeitige Testphase könne nur ein Zwischenschritt zur Ausweitung auf alle Dienststellen sein, sagte er.

Innenstaatssekretär Gerhard Eck (Bild links) zog eine hervorragende Sicherheitsbilanz für den Freistaat und bedankte sich bei den Beamten für deren Einsatz. Bayern sei Spitzenreiter in Sachen innere Sicherheit und anderen Bundesländern damit weit voraus. Der Freistaat treffe klare Entscheidungen, dulde keine rechtsfreien Räume und reagiere unverzüglich auf neue Entwicklungen. Eck bedankte sich auch beim scheidenden Vorsitzenden.  Benker habe die Interessen der Mitglieder engagiert, kraftvoll und sachkundig vertreten. Außerdem habe Benker die DPolG zu einem wichtigen Ansprechpartner in Fragen der Inneren Sicherheit gemacht. Nachfolger Rainer Nachtigall versprach der Staatssekretär eine weiterhin konstruktive Zusammenarbeit.

Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe bezeichnete die bayerischen Polizeibeamten als Garanten der Sicherheit. Das bedeute auch, Bürger könnten sicher sein, dass extremistischen und rassistischen Kräften kein Raum gegeben wird. Zum Ersten Stellvertretenden Landesvorsitzenden wurde der 54-jährige Jürgen Ascherl aus München gewählt. Weitere stellvertretende Landesvorsitzende sind Eduard Dosch (Königsbrunn), Michael Hinrichsen (Regensburg) und Jürgen Köhnlein (Bayreuth). Außerdem gehören dem Vorstand noch Thorsten Grimm (Würzburg), Stefan Kemptner (Ingolstadt), Thomas Lintl (Würzburg) und Reinhold Merl (Rosenheim) an.

Bild unten: Die Bayreuther Bundestagsabgeordnete Silke Launert und Innenstaatssekretär Gerhard Eck beim DPolG-Landeskongress in Bayreuth.

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15.10.2017

Brückenbauerin und Friedensstifterin / In Goldkronach soll künftig jährlich mit einer Andacht an die Heilige Hedwig erinnert werden

Goldkronach. Gut ein Jahr nach der Weihe der Hedwigsstatue im Barockgarten von Schloss Goldkronach und im 750. Jahr der Heiligsprechung Hedwigs ist ihr Gedenktag am Sonntag mit einer Andacht gefeiert worden. Künftig soll alljährlich Mitte Oktober eine Hedwigsandacht stattfinden, kündigte Hartmut Koschyk vom Alexander-von-Humboldt-Kulturforum, das seinen Sitz auf Schloss Goldkronach hat, an. Zelebrant der Hewigsandacht war Pater Stephan Matula von der Kongregation der Resurrektionisten aus Bayreuth, der in Krynica in Südpolen geboren wurde.

Die Heilige Hedwig verkörpere das Tryptichon des Mittelalters, sagte Pater Matula. Hedwig sei Friedensstifterin, Spenderin von Barmherzigkeit gegenüber Armen und Kranken und sie stehe für den Gegensatz der Sühne, um der Schuld der Sünde zu widerstehen. Koschyk nannte die Heilige Hedwig eine große Brückenbauerin innerhalb der menschlichen Gemeinschaft aber auch zwischen dem deutschen und polnischen Volk. Die Ausrichtung an solchen Persönlichkeiten, die Frieden gestiftet haben, sei besonders in einer Zeit wichtig, in der Frieden und gutes Miteinander immer wieder gefährdet sind. Damit sei die Heilige Hedwig auch heute noch ein leuchtendes Vorbild.

Im August des vergangenen Jahres hatte der Altbischof der Diözese Oppeln, der polnische Erzbischof Alfons Nossol, die Segnung der Statue vorgenommen. Die Heilige Hedwig von Schlesien stehe für ein gemeinsames Europa und ist als Symbolfigur für die ganze Welt von Bedeutung, hatte der Bischof damals hervorgehoben. Schöpfer der Statue im Barockgarten ist der Ende 2012 im Alter von 89 Jahren verstorbene Forchheimer Künstler Hans Dressel, von dem bereits die Alexander-von-Humboldt-Büste am Schloss Goldkronach stammt.

Die 1267 heiliggesprochene Hedwig (1174 – 1243) wurde im Kloster der Benediktinerinnen von Kitzingen erzogen und mit zwölf Jahren mit Herzog Heinrich von Schlesien, später auch Herzog von Polen, verheiratet. Ihrer Ehe entstammten sieben Kinder. Hedwig und Heinrich förderten die Vertiefung des christlichen Glaubens und die kulturelle Entwicklung Schlesiens. 1202 gründeten sie die Zisterzienserinnen-Abtei in Trebnitz.

Als Vorbild christlicher Nächstenliebe unterstützte Hedwig die Kirche, half den Armen und soll selbst im Winter barfuß gegangen sein. Nachdem ihr Mann 1238 verstorben war, trat Hedwig in das von ihr gegründete Kloster Trebnitz ein und musste erleben, dass 1241 ihr Sohn Heinrich II. in der Schlacht bei Wahlstatt getötet wurde. Deshalb gründete Hedwig zusammen mit Heinrichs Witwe Anna in Wahlstatt eine Benediktinerabtei. Hedwig starb im Oktober 1243 und wurde in der Trebnitzer Klosterkirche bestattet.

Die musikalische Ausgestaltung der Hedwigsandacht hatten die Wiesenttaler Blechbläser unter der Leitung von Harald Hirsch übernommen. Dabei gelangte unter anderem das Hedwigslied „Jetzt Christen stimmet ein“ aus dem Oppelner Gebetbuch zur Aufführung.

Bild oben: Vor der Statue der Heilige Hedwig (rechts) an einer Mauer im Barockgarten von Schloss Goldkronach feierten Bruder Tarsitius Lamik von den Franziskanern aus Gößweinstein, Pater Stephan Matula von der Kongregation der Resurrektionisten aus Bayreuth und Pater Flavian Michali aus Gößweinstein die Hedwigsandacht.

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05.10.2017

SCA-Forschung soll Parkinson und Demenz entschlüsseln / Weltweit führender Neurowissenschaftler sprach beim Humboldt-Kulturforum im Iwalewa-Haus

Bayreuth. Eine Heilung scheint noch nicht möglich, aber eine Linderung. Die Krankheit mit dem sperrigen Namen „Spinozerebelläre Ataxie“ ist eine Gruppe von neurodegenerativen Erkrankungen des menschlichen Nervensystems. Fünf Betroffene gibt es weltweit pro 100000 Einwohner. In einigen Ländern Lateinamerikas und speziell in Kuba sind es fast 90 Betroffene pro 100000 Einwohner. Aus Kuba kommt auch Luis Velazquez-Perez, der weltweit führende Neurowissenschaftler, der sich der Krankheit angenommen hat und sie seit Jahrzehnten erforscht. Weil Velazquez-Perez in diesem Jahr als erster Kubaner überhaupt einen Forschungspreis der Humboldt-Stiftung erhalten hatte, war er Gast bei der Kosmos-Vorlesung des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums im Iwalewa-Haus.

„Unser Ziel wäre es, die Krankheit zu behandeln, bevor sie überhaupt ausbricht“, sagte Velazques-Perez, der als bekanntester Wissenschaftler Kubas gilt. Während die Krankheit, die sich nach ihrer englischen Bezeichnung „Spinocerebellar Ataxie“ mit SCA abkürzt, in Lateinamerika ein großes Thema ist, scheint sie hier relativ unbekannt. Und das, obwohl man sich durch die Forschungsergebnisse auch Aufschlüsse für andere Krankheitssymptome wie Parkinson, ALS oder Demenz erhofft.

SCA äußert sich in Koordinations- und Bewegungsstörungen, das Sprechen fällt schwer, Reflexe sind gestört, die Augenbewegungen verlangsamt. Ursache sind nach den Worten des Wissenschaftlers degenerative Störungen des Nervensystems, wobei vor allem das Kleinhirn betroffen ist. Noch immer gibt es kein Medikament und keine Behandlungsmöglichkeit, aber dafür 43 molekulare Subtypen, also Ausprägungen der Krankheit. Warum SCA ausgerechnet in Brasilien, Venezuela, Mexiko und eben auf Kuba so oft auftritt, auch dafür gibt es noch keine schlüssige Erklärung. Trotzdem habe man auch dank der Zusammenarbeit mit deutschen Universitäten bereits Fortschritte in der klinischen Forschung erzielt, so dass Linderungen und eine Verlangsamung des Krankheitsverlaufs möglich sind, sagte Velazquez-Perez.

Zuvor hatte der bisherige Bundesbeauftragte Hartmut Koschyk für das Kulturforum erläutert, was es mit den Kosmos-Vorlesungen auf sich hat. Alexander von Humboldt selbst habe bereits ab 1826 in der Berliner Singakademie insgesamt 61 Kosmos-Vorlesungen gegeben. Sie galten damals als kultureller Höhepunkt in Berlin, in ihnen fasste Humboldt die Ergebnisse seiner Reisen und seiner Forschungen zusammen.

 „Mit den Kosmos-Vorlesungen des Kulturforums wollen wir an diese Tradition anknüpfen“, sagte Koschyk. „Humboldt sei es um die „Beschreibung der Welt“ gegangen. Aus seinen Vorlesungen heraus sei damals das fünfbändige Werk „Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung“ entstanden. Alexander von Humboldt hatte darin erstmals den Versuch unternommen, dem Leser eine Gesamtschau seiner wissenschaftlichen Welterforschung zu vermitteln. Ganz wichtig sei es dabei auch, dass Alexander von Humboldt mit seinen Kosmos-Vorlesungen auch ein Stück Sozialgeschichte geschrieben hat, denn erstmals überhaupt durften auch Frauen daran teilnehmen.

Koschyk begrüßte dabei, dass die Universität Bayreuth ihre Fühler aktuell nach Kuba ausstreckt und Wissenschaftskooperationen mit den Hochschulen in Havanna, Santiago, Santa Clara und Holguin, der Heimatuniversität von Professor Velasquez-Perez anstrebt. Steffen Mehlich von der Humboldt-Stiftung erinnerte daran, dass der aktuelle Chemie-Nobelpreisträger Joachim Frank ebenfalls Humboldt-Stipendiat war. Frank habe im Freistaat sein Diplom gemacht und 1994 den Humboldt-Forschungspreis erhalten.

Bild: Erster Humboldt-Forschungspreisträger aus Kuba und weltweit führender Neurowissenschaftler: Luis Velazquez-Perez sprach bei der Kosmos-Vorlesung des Humboldt-Kulturforums im Iwalewa-Haus.

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18.09.2017

Anerkennung, Respekt und Verbundenheit mit den Menschen /
Bayreuth-Medaille in Gold für Hans Peetz

Bayreuth. Mit der Bayreuth-Medaille in Gold ist der frühere Dekan und jetzige Beauftragte für die Markgrafenkirchen Hans Peetz ausgezeichnet worden. „Peetz habe sich als Seelsorger und Dekan über 18 Jahre hinweg für die Stadt, in herausragender Art und Weise für die Gemeinde und für die Menschen engagiert“, sagte Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe bei der Übergabe der Medaille. Die Oberbürgermeisterin würdigte besonders den Einsatz von Hans Peetz für Dialog und Zusammenarbeit von evangelischer und katholischer Kirche in der Stadt. Hans Peetz, der für eine offene und gelebte Kirche steht, habe großen Anteil daran, dass hier Ökumene gelebt wird und ein hervorragendes Verhältnis zwischen beiden Kirchen besteht.

In ganz unterschiedlichen, gesellschaftlichen Bereichen gehörten bei Hans Peetz Anerkennung, Respekt und Verbundenheit mit den Menschen und der Region zu dem, was das Leben des Dekans für die Stadt und die Region ausgemacht habe. Das sei für den früheren Dekan ebenso bezeichnend, wie seine Vorträge zu Religion, Spiritualität und Kunst. Merk-Erbe: „Hans Peetz knüpft Netze wischen Glauben, Kunst und Musik.“ Er habe auch nie erheblich widerstreitende Meinungen und entsprechend schwierige Situationen gescheut.

In die Amtszeit von Hans Peetz fallen Bauprojekte wie die Matthias-Claudius-Kapelle, das Kinderhaus und die Sanierung der Stadtkirche. Der 63-jährige war für 31 Kirchengemeinden und 26 Pfarreien zuständig. Zu seinen Aufgaben gehörte die Aufsicht über die Gesamtkirchenverwaltung und die Verwaltungsstelle, der trotz eigenem Dekanat auch Pegnitz mitangeschlossen ist. Das weitere Aufgabengebiet von Hans Peetz umfasste nach den Worten der Oberbürgermeisterin die Hochschule für evangelische Kirchenmusik, die Telefon-, Hochschul- und Krankenhausseelsorge, die Seelsorgestiftung Oberfranken, das Diakonische Werk, der Jean-Paul-Verein und das Evangelische Bildungswerk.

Über seine persönliche Ehrung hinaus werde damit auch der Beitrag der Kirche für das Gemeinwesen gewürdigt, sagte Hans Peetz. In Bayreuth sei man sich weitgehend bewusst, welchen Beitrag die Kirche für Wohlfahrt, Soziales, Bildung und Zusammenleben leisten. Große Bedeutung für die Stadt und die Region werde aber auch seine neue Tätigkeit als Beauftragter für die Markgrafenkirchen haben, sagte Peetz.

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17.09.2017

Ein Rastplatz für die Seele / In Plech ist Bayerns zweite Weidenkirche eingeweiht worden

Die nach Pappenheim zweite bayerische Weidenkirche ist am Sonntag in Plech (Dekanat Pegnitz), ganz im Süden des Bayreuther Landkreises und in Sichtweite der Bundesautobahn A9 mit einer ökumenischen Wallfahrt eingeweiht worden.

Größter Teil von den Gesamtkosten in Höhe von knapp 37000 Euro, die im Wesentlichen aus Spenden und Zuschüssen finanziert wurden, war das Metallgerüst in Form gotischer Bögen, das von den Metallbauern der Behinderteneinrichtung Lebenshilfe Münsinghof bei Velden aufgebaut wurde.

»Diese Kirche lockt, sie ist anziehend, ihre Tür ist immer offen, sie hat keine Schwelle, weder real noch symbolisch«, sagte Regionalbischöfin Dorothea Greiner in ihrer Festpredigt zur Einweihung. Nahe der Autobahn wirke die Weidenkirche wie ein »Rastplatz für die Seele«", den jeder nutzen kann.

Obwohl die Weidenkirche Plech direkt bei einer Autobahnausfahrt steht, könne sie nicht formal zur Autobahnkirche erhoben werden, weil sich in Trockau ganz in der Nähe schon eine Autobahnkirche befindet. Trotzdem sei die Weidenkirche eine Kirche nahe der Autobahn, die auch Reisende ansprechen soll, so Greiner.

Dekan Gerhard Schönauer aus Pegnitz nannte die Weidenkirche »ein starkes Zeichen für Glaube und Hoffnung«. In einer Zeit, in der Kirchen geschlossen oder verkauft würden, hätte er sich im Traum nicht vorstellen können, eine neue Kirche einzuweihen. »Das ist ein starkes Zeichen, wo-rüber sich der Himmel freut«, sagte Schönauer.

Das Besondere an der Einweihung war, dass eine ökumenische Wallfahrt des römisch-katholischen Dekanats Auerbach und des evangelisch-lutherischen Dekanats Pegnitz unter dem Motto „Gemeinsam wachsen" zur Weidenkirche führte. Das Motto soll das ökumenische Anliegen unterstreichen und natürlich den Bogen zur Weidenkirche spannen, so Pfarrer Christoph Weißmann aus Plech.

Die Wallfahrt führte in drei Zügen von Bernheck, Plech und Ottenhof aus sternförmig zur Weidenkirche, wo der feierliche Einweihungsgottesdienst mit rund 800 Gläubigen gefeiert wurde, ehe ein großes Fest Gelegenheit zur Begegnung gab. Neben Regionalbischöfin Greiner und Dekan Schönauer nahmen an der Weihe von katholischer Seite Regionaldekan Josef Zerndl, der Auerbacher Dekan Markus Flasinski und der Pfarrer der katholischen Nachbargemeinde Neuhaus Johannes Nikel. Dekanatskantor Jörg Fuhr aus Pegnitz leitete dazu die vereinigten Posaunenchöre des Dekanates.

Für die Weidenkirche im Gewerbegebiet Schönthal zwischen Ottenhof und Plech wurden 34 verzinkte Stahlsäulen, jede einzelne jeweils sieben Meter lang verbaut, die schweren Sitzsteine und der Altar stammen aus dem Altmühltal und die 350 Weidensetzlinge sind im Garten von Pfarrer Christoph Weißmann herangewachsen.

Das Modell für die Kirche hatte der Pfarrer selbst entworfen, die konkrete Planung erfolgte durch Dominik Büttner von der ortsansässigen Hausbaufirma Büttner. Dazu kommen der massive Altar, die Sitzbänke aus heimischem Naturstein, das Fundament und ein Altarbild, das eine Sonne mit einem Kreuz zeigt.

Das Projekt der Weidenkirche Plech wurde bereits seit Herbst 2015 geplant und ist ein offizieller Beitrag zum Reformationsjubiläum. Die Kirchengemeinde habe im Gemeinderat des Marktes große Unterstützung gefunden, erinnerte sich Pfarrer Weißmann. Nach den ersten Überlegungen und grundsätzlichen Beschlüssen zur Umsetzung habe es dann im Frühjahr 2016 Fahrt aufgenommen.

Zalreiche örtliche Firmen seien für die Erd- und Pflasterarbeiten gewonnen worden. Große Unterstützung für das Projekt sei außerdem vom Kirchenkreis Bayreuth, der Oberfrankenstiftung, der katholischen Kirchenstiftung Bernheck und aus der ganzen Bevölkerung gekommen.

Bild: Eine Kirche, die wächst und lebt und zum Leben im Glauben an Gott ermutigen soll: hinter dem Gewerbegebiet zwischen Ottenhof und Plech wurde die neue Weidenkirche errichtet.

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16.09.2017

Goldkronach will Humboldt-Hauptstadt 2019 werden / Alexander-von-Humboldt-Tag: Museumspark soll Universalgenie erlebbar machen

Goldkronach. Im Jahr 2019 wird der 250. Geburtstag des Universalgelehrten Alexander von Humboldt gefeiert. Bürgermeister Holger Bär ist sich sicher: „Die Alexander-von-Humboldt-Hauptstadt 2019 kann dann nur Goldkronach heißen“. Nicht nur, dass die halbe Stadt ohnehin schon nach dem Forschungsreisenden, Naturwissenschaftler und preußischen Bergbeamten benannt ist, sagte Bär beim Humboldt-Tag 2017 in der Goldkronacher Stadtkirche. Auch konkrete Planungen für die Zukunft seien schon weit fortgeschritten. So soll in Zukunft ein groß angelegter Museumspark unterhalb des Schlosses an Leben und Werk Alexander von Humboldts erinnern und den weltbekannten Wissenschaftler für Besucher erlebbar machen. „Möge der 250. Geburtstag kommen, wir sind bereit“, sagte Bär.

„Wir haben viele Pläne für die Humboldt-Stadt Goldkronach“, bestätigte auch der Mitbegründer und Motor des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums, der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk. Erst vor kurzem seien zwei große touristische Hinweisschilder entlang der Bundesautobahn A9 aufgestellt worden. Mit zahlreichen Humboldt-Stipendiaten aus aller Welt komme mittlerweile seit fünf Jahren die internationale Wissenschaftselite alljährlich für mehrere Tage nach Goldkronach. Für die Stipendiaten sei es eine herausragende Abwechslung, zum Beispiel in den Besucherbergwerken auf den Spuren Alexander von Humboldts zu wandeln.

Auch wenn der Niedergang des Bergbaus in der Region nicht aufzuhalten war, so habe Alexander von Humboldt bis heute überall in der Region seine Spuren hinterlassen, sagte die oberfränkische Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz. Die Bergbehörde etwa, die Humboldt aufgestellt hatte, existiere noch immer, und zwar als Sachgebiet 26 der Regierung von Oberfranken. Unter dem Namen Bergamt Nordbayern ist sie als Aufsichtsbehörde für die drei fränkischen Regierungsbezirke und für die Oberpfalz in den Räumen des markgräflichen Alten Schlosses in der Bayreuther Maximilianstraße untergebracht.

Humboldt, der zuvor Bergwesen, Mineralogie und Geologie studiert hatte, war 1792 auf Anweisung des preußischen Ministers Friedrich Anton von Heynitz in die damals gerade preußisch gewordenen  Fürstentümer Ansbach und Bayreuth gekommen. Seine Aufgabe sollte es unter anderem sein, den Zustand des hiesigen Bergbaus zu untersuchen und bereits stillgelegte Bergbauanlagen wieder zu beleben. Dabei schaffte er es nicht nur, die Arbeitsbedingungen unter Tage erträglicher zu gestalten sondern gründete auch eine Berufsschule für Bergleute. Die Erfindung eines Atemgerätes zur Rettung verunglückter Bergleute sowie einer Sicherheitslampe zeigten schon damals, dass sein Entdeckergeist grenzenlos gewesen sein muss. Unsterblich wurde Alexander von Humboldt mit seiner Forschungsreise durch Südamerika in den Jahren 1799 bis 1804 quer durch die heutigen Staaten Venezuela, Kuba, Kolumbien. Ecuador und Mexiko.

Damit habe Alexander von Humboldt zumindest einen Teil seines Lebens als Bergbeamter im heutigen Oberfranken verbracht, sagte Regierungspräsidentin Piwernetz. Mitte Juli 1792 habe er bei Ludwigstadt zum ersten Mal fränkischen Boden betreten, Ende Dezember 1796 sei er aus dem aktiven Bergdienst ausgeschieden und habe sich seinen Jugendtraum als Forschungsreisender verwirklicht. Piwernetz schilderte Humboldt als einen der berühmtesten Männer der Welt und als außerordentlich große Gelehrtenpersönlichkeit. Sein Wirken in der Region sei  die Generalprobe für ein vielfach größeres, weil weltumspannendes Projekt gewesen.

Der Humboldt-Tag in der Goldkronacher Stadtkirche wurde musikalisch von dem Blechbläser-Quintett Terzo-Brass umrahmt. Neben Werken des Humboldt-Zeitgenossen Felix Mendelssohn Bartholdy nahmen die Blechbläser unter der Leitung von Klaus Hammer auch Bezug zum Reformationsjubiläum und musizierten unter anderem eine moderne Version des Luther-Chorals „Eine feste Burg ist unser Gott“.

Bilder:
1. Sie wollen Goldkronach zur Alexander-von-Humboldt-Hauptstadt 2019 machen (von links): Der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, die oberfränkische Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, Vorsitzende Petra Meßbacher vom Kulturforum und Bürgermeister Holger Bär vor der Humboldt-Büste am Schloss Goldkronach.

2. „Alexander von Humboldt hat bis heute seine Spuren in Oberfranken hinterlassen“: Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz.

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14.09.2017

Wertschöpfung begreifen lernen / Aufstehen und Mitmischen: Kirchen, Landjugendverbände und Bäckereien feiern zehn Jahre „Gott-sei-Dank-Brot-Aktion“ 

Bayreuth. Zum 10. Mal haben Handwerk, Kirche und Landjugend die Aktion Gott-sei-Dank-Brot gestartet. Viele Bäckereien in ganz Oberfranken werden in den kommenden Wochen bis zum  Erntedankfest ein eigens dafür eingebackenes Brot anbieten. Ziel der Aktion ist es den Erntedank wieder in den Mittelpunkt rücken und das regionale Bäckerhandwerk zu stärken, sagte Regionalbischöfin Dorothea Greiner am Donnerstag in Bayreuth bei der Vorstellung der Aktion zusammen mit den Konfirmanden der Stadtkirche in der Backstube von Thomas Zimmer von der Bäckerei Lang. Parallel zu der Aktion gibt es Begleitveranstaltungen in vielen Kirchengemeinden, Gebetskarten und Plakate und eine eigene Facebook-Seite.

Das Motto der „Gott-sei-Dank-Brot-Aktion“ lautet heuer „Steh auf! Misch mit“, Mit dem Motto möchten alle Beteiligten die klare Botschaft aussenden, sich zu beteiligen. Egal ob es darum geht, die Stimme gegen das Bäckersterben zu erheben, für die wertvolle Jugendverbandarbeit einzutreten oder bei der Bundestagswahl seine Stimme abzugeben, sagte Greiner. Den Konfirmanden sollte es vor allem darum gehen, Wertschöpfung begreifen zu lernen.

Zu jedem Erntedank-Tisch gehört ein runder Brotlaib. Er sei von jeher ein Symbol dafür gewesen, dass Gott die Nahrung wachsen lässt und uns gibt, was wir zum Leben brauchen, sagte die Regionalbischöfin. Das bunte Emblem „Gott sei Dank“, das jeder Brotlaib der Aktion trägt, soll den Dank ausdrücken für den Einsatz der Bauern in der Feldbewirtschaftung, für das Können der Handwerker, die daraus Brot backen und vor allem dafür, dass Gott uns schenkt, was wir zum Leben brauchen.

 „Wir freuen uns, wenn die Aktion weitertragen wird, als handfeste, schmackhafte Weise Gott zu danken, die Verbundenheit mit dem Handwerk auszudrücken, den Wert regionaler Nahrungsmittel neu in Erinnerung bringen und gemeinsam das Erntedankfest zu feiern“, sagte der Bäckermeister Thomas Zimmer, der gleichzeitig Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken ist. Zimmer nannte es einen hohen Anspruch für die Genussregion Oberfranken, sowohl Traditionen zu bewahren, und gleichzeitig immer wieder neues zu wagen.

Die Bäcker waren mit ihren Innungen von Anfang an dabei, ebenso der Kirchenkreis Bayreuth und die katholischen Erzdiözese Bamberg. Erst 2014 waren auch die Evangelische Landjugend Oberfranken-Oberpfalz, die Katholischen Landjugendbewegung Bamberg und 2015 der Landjugend Bezirksverband Oberfranken dazu gestoßen.

Weitere Informationen: www.kirchenkreis-bayreuth.de/Gott-sei-Dank-Brot sowie bei Facebook unter „Gott-sei-Dank-Brot“.

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06.09.2017

Knochenjob am Menschen / Brigittenheim befürchtet Pflegenotstand – Bundestagsabgeordnete Silke Launert besuchte Pegnitzer Einrichtung

Pegnitz. Im evangelischen Brigittenheim wird vor einem Pflegenotstand gewarnt. „Wir suchen händeringend Fachkräfte“, sagte Pflegedienstleiterin Roswitha Schecklmann bei einem Besuch der Bayreuther Bundestagsabgeordneten Silke Launert. Insbesondere bei den Nachtwachen mache sich das fehlende Personal schon bemerkbar. Anderswo, etwa in Nürnberg, gebe es bereits Altenheime, auf denen wegen des Pflegenotstands Stationen dicht gemacht werden müssen.

Eine Lösung für das Problem ist nicht in Sicht. Der Markt der Fachkräfte ist leergefegt, sagte Schecklmann. Sie selbst und ihr Team werben an Schulen, in Kirchen und auf sozialen Medien. An der Bezahlung alleine könne es nicht liegen, denn die sei mit 2900 Euro brutto für eine Fachkraft, die ihren Dienst heute antritt, so schlecht auch nicht. „Ich glaube, dass es am Ansehen liegt“, sagte die Abgeordnete Launert. Der Bezug der Tätigkeit fehle vielen jungen Leuten. Dabei dürfe man auch nicht vergessen, dass die Pflege ein „Knochenjob am Menschen“ mit einer extremen psychischen Belastung ist. Launert: „Deshalb ist Mitarbeiterpflege das A und O“.

Wichtig ist der Pflegedienstleitung auch die Identifikation mit der Situation vor Ort. „Es gibt Heime, in denen genau noch eine Pflegekraft deutsch spricht, bei uns spricht jede deutsch“, sagte Schecklmann. Das sei auch wichtig, wenn man miteinander singt oder über die Heimat der Bewohner spricht. Kennen Pflegekräfte weder Lieder noch Gegend, sei es für die betreuten Menschen schwer, sich mit ihnen zu identifizieren.

Insgesamt stellte Einrichtungsleiterin Schecklmann fest, dass die Menschen heute deutlich kränker ins Heim kommen, als noch vor Jahrzehnten. Während vor 20 Jahren noch mancher Bewohner sein eigenes Auto auf dem Parkplatz stehen hatte, sei die Zahl der Hospiz- und Alzheimersprechstunden heute rapide angestiegen. Auch darunter würden die Mitarbeiter leiden. 

Das evangelische Brigittenheim des zentralen Diakonievereins im evangelisch-lutherischen Dekanatsbezirk Pegnitz als Träger beherbergt aktuell 141 Bewohner. „Wir wollen kein Ghetto, sondern ein Lebenszentrum sein“, sagte Pflegedienstleiterin Schecklmann. Ihren Worten zufolge ist das Haus seit 20 Jahren zu 99 Prozent belegt. Wird ein Zimmer frei, kommt noch in der Nacht ein hauseigene Maler, damit das Zimmer schnellstmöglich wieder vergeben werden kann.

Zur Philosophie des Hauses gehört es auch, dass es hier keine freiheitsentziehenden Maßnahmen gibt. „Wir arbeiten mit Niederflurbetten und verwenden weder Bettgitter, noch Gurte“, sagte Schecklmann. Verlässt ein Bewohner das Haus, meldet das ein Chip beim Pflegedienst. „Von außen darf keiner rein, aber von innen darf jeder raus“, so der frühere Pegnitzer Bürgermeister Manfred Thümmler bei dem Besuch der Abgeordneten. Eine weitere Besonderheit des Brigittenheims ist das große ehrenamtliche Engagement von 40 engagierten Leuten aus dem kirchlichen Bereich. Sie singen nicht nur oder lesen den Bewohnern vor, sie helfen auch mal in der Stationsküche mit. 

Das Brigittenheim konnte im laufenden Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiern, der gesamte Brigittenpark mit dem Betreuten Wohnen und der Diakoniestation nebenan wurde 20 Jahre alt.

Bild oben und unten: Der frühere Pegnitzer Bürgermeister Manfred Thümmler, Pflegedienstleiterin Roswitha Schecklmann und die Bundestagsabgeordnete Silke Launert bei ihrem Besuch im Pegnitzer Brigittenheim.

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30.08.2017

Barrierearm, behindertengerecht und jede Menge Bildungsangebote / Europaministerin Beate Merk besuchte neue Bayreuther Jugendherberge

Bayreuth. Als erste Jugendherberge in Bayern und eine der ersten in Deutschland trägt die neue Einrichtung in Bayreuth nicht nur das Prädikat Integrationsherberge, sondern auch den Titel Europa-Herberge. „Damit werden nicht nur Teilhabe, Inklusion und Persönlichkeitsentwicklung ganz groß geschrieben, sondern auch ein umfangreiches politisches Bildungsangebot mit dem Focus Europa“, sagte der Präsident des bayerischen Jugendherbergswerkes Gerhard Koller bei einem Besuch von Europaministerin Beate Merk.

Eine Tischtennisplatte und Keller und allenfalls noch ein Kicker, Dusche und WC am Gang, diese Zeiten sind für Jugendherbergen vorbei. „Auch wir spüren das veränderte Reiseverhalten ganz deutlich“, sagte Koller beim Besuch der Ministerin, die auf Einladung der Bundestagsabgeordneten Silke Launert nach Bayreuth gekommen war. Mit 1,4 Millionen Übernachtungen in den 60 bayerischen Jugendherbergen im zurückliegenden Jahr gehöre das Jugendherbergswerk zu den großen Tourismusanbietern, wenn auch vornehmlich im Bereich der sozialen Bildung und gesellschaftlichen Teilhabe.

Im Schnitt seien es zwar immer noch Vier-Bett-Zimmer, die das Motto „Gemeinsam Erleben“ gerade für Schulklassen aufrechterhalten sollen, doch seien es längst auch Familien, die bei Preisen um die 30 Euro pro Person inklusive Frühstücksbüffet zu den Stammgästen der Jugendherbergen gehören. Mittag- und Abendessen, sowie Lunchpakete können individuell zu sensationell niedrigen Preisen dazu gebucht werden.

Die neue Bayreuther Einrichtung wurde erst im Juni eingeweiht und hat rund elf Millionen Euro gekostet. Noch ist der Altbau nebenan noch nicht ganz abgerissen, trotzdem kann die Herberge bereits auf eine Auslastung von bis zu 90 Prozent in den ersten beiden vollen Monaten Juli und August verweisen. „Im Juli hatten wir rund 3600, im August 3150 Übernachtungsgäste“, so Leiterin Anja Kurth.

Neu ist Bayreuth zum einen als Bayerns erste Integrationsherberge mit einem zum größten Teil behindertenfreundlichen Gebäude in dem Gäste mit körperlichen Einschränkungen oder Lernschwierigkeiten optimale Bedingungen vorfinden. 14 von 45 Zimmern mit jeweils eigener Dusche und WC mit zusammen 180 Betten sind nach den Worten der Leiterin „barrierearm“ ein Zimmer ist komplett behindertengerecht. Dazu kommt, dass Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen in dem 21-köpfigen Mitarbeiterteam zusammen arbeiten.

Neu ist aber auch, dass es in dem schicken Haus am Rande des Campus auch mehrere inhaltliche Angebote gibt. Dazu gehören nicht nur sportliche Angebote auf dem Multifunktionsfeld, sondern auch politische Bildungsangebote und sogar die Möglichkeit zu musischer und musikalischer Betätigung. „Die Bayreuther Pianomanufaktur Steingraeber hat uns sogar ein Klavier zur Verfügung gestellt“, sagte Leiterin Anja Kurth, die auch mehrere Gitarren, Trommeln und sogar ein Didgeridoo im Angebot hat.

Zu den gesellschaftlichen und sozialen Angebotsmöglichkeiten gehören Teamtrainings, Theater- und Kunstprogramme für alle Altersstufen und Schularten, Berufsorientierungs- und Bewerbungstrainings und barrierefreie Stadtführungen. Auch museumspädagogische Angebote mit verschiedenen Kooperationspartnern oder Planspiele zur politischen Bildung in Zusammenarbeit mit der Europäischen Akademie Bayern oder dem Bezirk Oberfranken hat die Jugendherberge im Angebot.

Ab 2018 sollen nach den Worten der Leiterin nicht nur ein Beachvolleyballplatz, sondern auch ein Fahrradraum  für E-Bikes mit drei Ladestationen und Parkplätze mit Ladestationen für E-Autos dazu kommen.

Bild oben: Die bayerische Europaministerin Beate Merk (links), die Bayreuther Bundestagsabgeordnete Silke Launert und der Präsident des bayerischen Jugendherbergswerks Gerhard Koller testeten das musikalische Angebot der neuen Jugendherberge.

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22.06.2017

Die befreiende Erlösung des Barock / Kulturpolitikerin Karla Fohrbeck stellte beim Tutzinger Freundeskreis das Projekt Markgrafenkirchen vor

Kulmbach. Das Thema ist noch nicht wirklich aufgearbeitet. Doch wenn jemand Pionierarbeit geleistet hat, dann ist das die Kulturpolitikerin Karla Fohrbeck. Dabei sind die Markgrafenkirchen in der Region etwas ganz herausragendes. Ohne Karla Fohrbeck würden sie wohl weiterhin im Dornröschenschlaf liegen. Am Donnerstagabend stellte die frühere Kulturreferentin von Nürnberg die Markgrafenkirchen in der Region Bayreuth/Kulmbach beim Tutzinger Freundeskreis vor und so manch einem wurde die theologische wie kunsthistorische Bedeutung dieser Kirchen erst richtig bewusst.

Alle sprechen vom Weltkulturerbe des Markgräflichen Opernhauses in Bayreuth, dabei gebe es in der Region alle fünf bis sieben Kilometer ein Weltkulturerbe verdächtiges Objekt, sagte Karla Fohrbeck. Der Grund dafür ist: die gleichen Künstler, die das Markgräfliche Opernhaus, die Eremitage oder Sanspareil ausgestattet haben, waren auch für die Markgrafenkirchen verantwortlich. „Somit haben wir wahre Schätze vor der Haustür“, sagte die Referentin. Viele davon lohnten sich zu entdecken, wobei sie vor allem an der Basis eine unglaubliche Begeisterung für das Thema feststellen könne.

Insgesamt kommt Karla Fohrbeck auf rund 50 Markgrafenkirchen in den Städten und Landkreisen Bayreuth und Kulmbach, einschließlich der Randbereiche. Viele stünden für einen echten Überraschungseffekt. Von außen manchmal noch einer düsteren Wehrkirche gleichend, öffne sich von innen betrachtet der Blick auf die befreiende Erlösung des Barock. Ihre Blütezeit erlebten die Markgrafenkirchen, wie sollte es anders sein, unter Wilhelmine von Bayreuth. Allerdings seien die ersten Markgrafenkirchen bereits um 1700 entstanden, erste Kanzelaltäre, ein typisches Merkmal einer Markgrafenkirche, sogar schon 1682. Musterbeispiele dafür seien neben Neudrossenfeld auch die Kirchen in Himmelkron, in Bayreuth St. Georgen oder in Bad Berneck, der letzten Markgrafenkirche, die bereits unter preußischer Herrschaft im Jahr 1800 eingeweiht wurde.

Als herausragende Künstler dieser Zeit bezeichnete die Referentin die fränkische Bildschnitzerfamilie Brenck und den späteren markgräflichen Hofbildhauer Elias Räntz und dessen Söhne. Die Architekten der Markgrafenkirchen seien Freimaurer gewesen und die Stuckateure habe man eigens aus Italien geholt. Karla Fohrbeck gab dabei auch zu bedenken, dass die Markgrafen nicht nur die politische, sondern auch die geistliche Obrigkeit waren. Ihr Motiv bei Bau und Ausstattung der Kirchen sei nicht das Protzen gewesen, sondern eine tiefe christliche Verbundenheit.

Weitere Besonderheiten von Markgrafenkirche sind nach den Worten von Karla Fohrbeck Taufengel, Bildemporen, die Darstellungen des Auges Gottes und des Trinitätsdreiecks im Deckenstuck, und, wenn auch nicht überall, die Adelslogen.

Die teuerste aller Markgrafenkirchen in der Region war die von Seibelsdorf bei Marktrodach im Landkreis Kronach. Als Gegenpol zu den katholischen Kirchen aus dem Einflussreich der Bamberger Erzbischöfe gedacht, habe die Markgrafenkirche von Seibelsdorf damals 30000 Gulden gekostet. Zum Vergleich: die prächtige Dreifaltigkeitskirche von Neudrossenfeld kostete damals  „nur“ 12000 Gulden.

Ein Ziel der Initiative von Karla Fohrbeck ist es, dass die Kirchen in ihrer Gesamtheit zu festen Zeiten öffentlich zugänglich sind. Das ist längst nicht bei allen Kirchen der Fall. Bei der Kulmbacher Spitalkirche schon, wie Dekan Thomas Kretschmar versicherte. Dort kann jeder Interessierte seit Neuesten den Schlüssel gegenüber für eine Besichtigung ausleihen.

Bild: Für Bernd Matthes vom Kulmbacher Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing sind die Markgrafenkirchen ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Sie zu entdecken ist das Anliegen der Kulturpolitikerin Karla Fohrbeck.

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16.06.2017

Gegen ein falsches Bild von Israel / Deutsch-Israelische Gesellschaft Oberfranken feiert ihre Gründung mit einem Festakt

Bayreuth. „Wenn es um Israel geht, dann kochen die Emotionen oft hoch, zum Teil auch Aggressionen“, sagt Günter Beck-Mathieu. Für ihn herrscht in der Öffentlichkeit nur allzu oft ein völlig falsches Bild von Israel vor und genau dagegen wollte er mit der Gründung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft etwas unternehmen. Seit knapp einem Jahr hat Oberfranken eine Deutsch-Israelische Gesellschaft. Mit einem Festakt in der Bayreuther Zamirhalle wurde die Gründung jetzt auch offiziell gefeiert.

Anhand einiger Tatsachen rückte Beck-Mathieu, der erster Vorsitzender der Deutsch-israelischen Gesellschaft ist, das Bild Israels auch gleich zurecht. Es sei ein ganz kleines Land, kleiner als Albanien, es sei aber auch ein High-Tech-Land, das „Sillicon Valley des Nahen Ostens“. Vor allem aber sei Israel ein freies und offenes Land mit vielen unterschiedlichen Kulturen und ein demokratisches Land, „ganz im Gegensatz zur anderen Seite“, wie der Gründungsvorsitzende anmerkte.

„Wir wollen ein realistisches Bild von Israel vermitteln und die Menschen zusammenbringen“, sagte Beck-Mathieu. Ein Ziel könnte beispielsweise eine Städtepartnerschaft sein. Es gehöre leider wieder Mut dazu, Partei für Israel zu ergreifen, so der Vorsitzende. „Wir wollen den Mut dazu aufbringen.“

Die junge Generation trage keine Schuld, aber sie werde immer in der Verantwortung stehen, dass Deutschland das „Nie wieder“ an die Spitze aller politischen Bemühungen stellt, sagte der Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk. Manchmal scheine uns die Last der Geschichte zu erdrücken, doch wir sollten die Geschichte als Verantwortung für die Zukunft begreifen. Koschyk gab zu bedenken, dass Deutschland mit Israel die gleichen demokratischen Werte teile. Auch in Israel werde demokratisch um den richtigen Weg zum Frieden gerungen. Die Meinungsfreiheit in Deutschland müsse allerdings dort ihre Grenze haben, wo das Existenzrecht des Staates Israel in Frage gestellt wird. Vielmehr sollte das Existenzrecht stets von Europa verteidigt werden. Von der neuen Deutsch-Israelischen Gesellschaft erhoffte sich Koschyk viele wichtige Impulse für eine lebendige Zusammenarbeit.

Es gebe immer noch latente Formen des Antisemitismus, so Hellmut Königshaus, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und langjähriger Wehrbeauftragter des deutschen Bundestages. Natürlich könne man einiges, etwa die Siedlungspolitik, an Israel kritisieren. Doch gab der Präsident auch zu bedenken, dass außer Ägypten und Jordanien sämtliche Nachbarländer den Staat Israel tilgen möchten, die Hamas fordere sogar die Vernichtung Israels. „Israel ist ein Land, das permanent bedroht wird“, so Königshaus. Auch er erinnerte daran, dass Israel Rechtsstaat und Demokratie sei und gleichzeitig auch ein Land, das Menschen vorbildlich in Gesellschaft und Arbeitsleben integriert.

Menschliche, kulturelle und wirtschaftliche Verbindungen zu festigen und weiterzuentwickeln, das seien die Hauptaufgaben der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, so Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. Sie stellte klar, dass Antisemitismus, Ausgrenzung oder das Leugnen des Existenzrechtes des Staates Israel in Bayreuth keinen Platz hätten.

Der offizielle Festakt zur Gründung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft fand in der Zamirhalle, der Heimstätte des Zamirchores statt. Die Partnerschaft mit Israel und die Beschäftigung mit dem Holocaust seien wichtige Ziele des Chores, sagte die Gründerin und Leiterin Barbara Baier. Bereits 2008 habe das erste große Festkonzert zusammen mit einem israelischen Chor in Bayreuth stattgefunden, Höhepunkt der Chorgeschichte sei 2010 der Auftritt des Zamirchors zum Holocaust-Gedenktag bei den Vereinten Nationen in New York gewesen. „Es ist unser aller Lebensinhalt, an diesem Thema dranzubleiben“, sagte Baier.

Bild:
- Die Partnerschaft mit Israel als Leitmotiv: der Bayreuther Zamirchor beim Festakt zur Gründung der Deutsch-Israelischen Gesells
chaft.
- v.l.n.r.: Günter Beck-Mathieu (Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Bayreuth), Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, Hellmut Königshaus (Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft), Barbara Baier (Leiterin des Zamir-Chores) und Bundesbeauftragter Hartmut Koschyk MdB.

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25.05.2017

100 Jahre Oktoberrevolution überschatten 500 Jahre Reformation / Russischer Erzbischof Dietrich Brauer in Goldkronach – Kultursommer eröffnet

Goldkronach. Das Jubiläum 500 Jahre Reformation wird in Russland vom Gedenken an die Oktoberrevolution vor 100 Jahren überschattet. Daran hat der Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland Dietrich Brauer bei der Eröffnung des Goldkronacher Kultursommers im Landkreis Bayreuth erinnert. „Unsere Kirche erlebte in der Folgezeit einen echten Völkermord, leider wird er nicht so genannt, aber es war ein echter Völkermord“, sagte Brauer, der 2011 mit damals 28 Jahren als einer der jüngsten Bischöfe einer lutherischen Kirche gewählt wurde. 2015 wurde Brauer, Sohn einer russlanddeutschen Familie, zum Erzbischof geweiht.

Ein Gemeindeleben habe es nach der Oktoberrevolution nicht mehr gegeben. Kirchen seien abgerissen oder geschändet, Pastoren und Kirchenvorstandsmitglieder hingerichtet worden. Erst vor rund zweieinhalb Jahrzehnten sei die lutherische Kirche in Russland wieder entstanden. Wenn auch die Religion längst nichts Selbstverständliches mehr ist, hätten die Menschen das Evangelium als frohe Botschaft inmitten aller schlimmen Nachrichten nötiger denn je, sagte Brauer und sprach sich für einen verstärkten interkonfessionellen Dialog vor allem mit der russisch-orthodoxen Kirche aus.

Auch wir sind Jünger in der Nachfolge Jesu, sagte zuvor der Bayreuther Bundestagsabgeordnete und Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk. Diese Botschaft hätten viele Deutsche mitgenommen, als sie vor hunderten von Jahren dem Aufruf der russischen Zarin Katharina gefolgt sind, ins Zarenreich zu übersiedeln. So gehöre der christliche Glaube seit jeher zu einer entscheidenden Stütze der Identität von aktuell rund einer Million Russlanddeutscher in Russland und etwa zweieinhalb Millionen Russlanddeutscher in Deutschland.

Veranstalter des Goldkronacher Kultursommers ist das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach. Initiator ist der Bundestagsabgeordnete und Bundesbeauftragte Koschyk. Gottseidank gebe es wieder den Goldkronacher Kultursommer, so der 3. Bürgermeister Wieland Pietsch. Ohne das Kulturforum wäre es nicht möglich derart hochkarätige und außergewöhnliche Veranstaltungen anzubieten. Insgesamt stehen bis Mitte Oktober fast 20 Konzerte, Vorträge, Exkursionen, Theateraufführungen und Andachten in Goldkronach und Umgebung auf dem Programm. Der Universalgelehrte Alexander von Humboldt (1769-1859) war von 1792 bis 1795 als Preußischer Bergamtsassessor unter anderem in Goldkronach tätig.

Die Eröffnung des Goldkronacher Kultursommers wurde umrahmt von zahlreichen Musikstücken des Augsburger Vokalquartetts Rudemus. Dabei handelt es sich um die Sängerinnen Larissa Beller, Alena Heiser, Anna Hosmann und Tatjana Zier, vier Frauen russlanddeutscher Abstammung. Mit Orgelbegleitung oder A-Cappella führten die vier professionellen Sängerinnen unter anderem Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert und Sergej Rachmaninow auf. Fürbitt- und Segensgebet sprachen Pfarrer Hans-Georg Taxis und Pater Stephan Matula.




Bilder :
- Von links: Pater Stephan Matula, der Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland Dietrich Brauer und Pfarrer Hans-Georg Taxis.
- der Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland Dietrich Brauer
- Vokalensemble Rudemus

 

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09.05.2017

Sicherheit ist die Kernaufgabe des Staates / Zoll braucht mehr Personal - Bezirksverbandstag der Zoll- und Finanzgewerkschaft in Bayreuth

Bayreuth. Die Zollverwaltung braucht mehr Personal. Das war die zentrale Forderung auf dem Gewerkschaftstag der BDZ Zoll- und Finanzgewerkschaft für den Bezirksverband Nürnberg, zu dem die Regionen Nordbayern, Thüringen und Westsachsen gehören. „Das fehlende Personal ist unser größtes Problem“, sagte der Bundesvorsitzende  Dieter Dewes bei der Veranstaltung in Bayreuth. „Wir haben viele Aufgaben aber wenig Personal“, so der Bezirksvorsitzende Peter Krieger aus Nürnberg.

Nach wie vor wachse die Altersstruktur in den Zollämtern besorgniserregend an, sagte Dewes. In den kommenden 15 Jahren würden etwa 40 Prozent der Zollbeamten ruhestandsbedingt ausscheiden. Dringend notwendige Nachwuchskräfte müssten zu Gunsten anderer Arbeitsbereiche des Zolls abgegeben werden. Der berechnete Personalbedarf entspreche schon lange nicht mehr der tatsächlichen Aufgabenentwicklung des Zolls.

Wenn die Zahlen, etwa bei der Entwicklung der Rauschgiftfälle ansteigen, dann bedeute dies, dass die Zöllner gute Arbeit geleistet hätten, sagte die Bundestagsabgeordnete Silke Launert. Spürsinn, Erfahrung, Knowhow und viel Leidenschaft zeichne die Arbeit der Zöllner aus. Deshalb sagte sie den Zollbeschäftigten ihre Unterstützung bei der Forderung nach mehr Personal zu. Die äußere und die innere Sicherheit seien schließlich Kernaufgaben des Staates. Vielen Menschen werde vor dem Hintergrund der Terroranschläge der Vergangenheit jetzt erst bewusst, wie wichtig Sicherheit und Kriminalitätsbekämpfung sind.

Trotz des fehlenden Personals zogen Bundes- und Bezirksvorsitzender beim Gewerkschaftstag eine positive Einsatzbilanz. Bei der Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität erziele der Zoll regelmäßig die höchsten Sicherstellungsmengen, so Dewes. Nach den Worten des Bundesvorsitzenden haben Zollbeamte im zurückliegenden Jahr bundesweit 23 Kilogramm Crystal Meth sichergestellt. Der Konsum der Modedroge sei besonders im nordbayerischen und thüringischen Raum weit verbreitet, so der Bezirksvorsitzende Krieger. Experten schätzten, dass jährlich etwa zehn Tonnen Crystal von tschechischen Drogenküchen für den illegalen Handel in Deutschland bestimmt sind.

Ein weiteres wichtiges Betätigungsfeld ist für den Zoll die Finanzkontrolle Schwarzarbeit. Nach der Einführung des Mindestlohns beklagt der BDZ den Personalmangel in der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) des Zolls. 1600 neue Planstellen habe der der Bundestag zur Kontrolle und Überwachung der Einhaltung der Zahlung des flächendeckenden Mindestlohns genehmigt. Die gewerkschaftliche Forderung des BDZ belaufe sich dagegen auf insgesamt 2500 neue Planstellen. Aufgrund der Neuregelungen zum Mindestlohn müsse der Zoll rund fünf Millionen Beschäftigungsverhältnisse mehr im Blick haben als bisher. Die bundesweit etwa 6000 Zöllner der FKS leisteten bis zur Belastungsgrenze erfolgreiche Arbeit und hätten beispielsweise 2013 in rund 126000 Verfahren wegen Schwarzarbeit ermittelt und dabei einen Schaden von insgesamt über 813 Millionen Euro aufgedeckt.

Eine entscheidende Rolle spielt für den Zoll die Überwachung des grenzüberschreitenden Warenverkehrs. Sicherheitslücken im internationalen Warenverkehr würden immer öfter für den illegalen Handel von detailgetreu gefälschten Produkten oder für terroristische Zwecken, wie etwa Waffenschmuggel, missbraucht. Der Zoll habe im zurückliegenden Jahr etwa 3,7 Millionen Waren mit einem Verkehrswert von rund 180 Millionen Euro beschlagnahmt.

Der BDZ Deutsche Zoll- und Finanzgewerkschaft ist eine Gewerkschaft für Beschäftigte im Geschäftsbereich des Bundesfinanzministeriums und der Bundeszollverwaltung. Der BDZ ist Mitgliedsgewerkschaft des Deutschen Beamtenbunds und hat rund 25000 Mitglieder. Weitere Gewerkschaften im Bereich der Zollverwaltung sind die Gewerkschaft der Polizei und die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di.

Bild: Der BDZ-Bezirksvorsitzende Peter Krieger (links) und der BDZ-Bundesvorsitzende Dieter Dewes konnten zum Gewerkschaftstag in Bayreuth die Bundestagsabgeordnete Silke Launert begrüßen.

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08.05.2017

Ein Motiv, zwei Aufschriften / Neue touristische Hinweisschilder für Goldkronach entlang der A9

Goldkronach. Für Goldkronach ist es eine unbezahlbare Werbung: Mindestens 90000 Autofahrer passieren täglich die neuen touristischen Hinweisschilder entlang der A9, die auf Alexander von Humboldt und die Goldbergbautradition hinweisen. Enthüllt haben die großformatigen Schilder am Montag die Graphikerin Andrea Wunderlich, Goldkronachs Bürgermeister Holger Bär, der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk sowie Thomas Pfeifer von der Autobahndirektion Nordbayern und Jörg Stricker von der Autobahnmeisterei Trockau.

Ein Kuriosum in der Geschichte der touristischen Hinweisschilder ist es, dass sie ganz bewusst je nach Fahrtrichtung unterschiedliche Aufschriften tragen. Während das Schild in Fahrtrichtung Norden die Aufschrift „Goldbergbau“ trägt, steht auf dem Schild in Richtung Süden auf Höhe der Schiefen Ebene der Name des Universalgelehrten „Alexander von Humboldt“. Er lebte und wirkte von 1792 bis 1795 rund drei Jahre lang in Fichtelgebirge und Frankenwald und verhalf den Goldbergbau zu einer letzten großen Blüte. Das Motiv auf den Schildern ist das Gleiche. Es zeigt den jungen Alexander von Humboldt in historischer Bergmannsuniform vor dem Eingang zum ehemaligen Bergwerk "Mittlerer Tagesstollen Name Gottes"

Die Idee eines solchen Schildes geht zurück auf die 650-Jahr-Feier von Goldkronach vor zwei Jahren. Damals konnte der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann dafür gewonnen werden. Verantwortlich für die graphische Gestaltung des Schildes war die Goldkronacher Künstlerin Andrea Wunderlich. Die Kosten für das Schild trägt die Stadt, wobei einige Unternehmen aus Goldkronach als Sponsoren aufgetreten waren.

„Für unsere Stadt ist das Schild ein toller Erfolg“, sagte Bürgermeister Holger Bär bei der Enthüllung. Thomas Pfeifer, Leiter der Außenstelle der Autobahndirektion Nordbayern sprach von einer schönen Wegweisung entlang der vielbefahrenen A9. Hartmut Koschyk als wesentlicher Mitinitiator begrüßte besonders, dass Goldkronach künftig so großartig beworben wird. Eine Reproduktion des Schildes soll künftig auch innerhalb von Goldkronach aufgestellt werden.

Bild: Bürgermeister Holger Bär, der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, Gestalterin Andrea Wunderlich, Thomas Pfeifer von der Autobahndirektion und Jörg Stricker (von rechts) von der Autobahnmeisterei haben eines der beiden neuen touristischen Hinweisschildes an der A9 für Goldkronach am Fuße des Bindlacher Bergs enthüllt.

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01.05.2017

Maibaum für Toleranz / Landjugend Stockau-Lehen startet mit eigener Maikönigin in den Wonnemonat

Lehen. Mit einem Appell für Toleranz und Miteinander hat die Landjugend Stockau-Lehen in diesem Jahr ihr traditionelles Maibaumfest verknüpft. „Toleranz geht Hand in Hand mit Respekt“, sagte der Vorsitzende Julian Raps. Deshalb habe sich die Landjugend der Aktion „Maibaum für Toleranz“ angeschlossen, zu dem das Bayerische Bündnis für Toleranz in diesem Jahr aufgerufen hatte.

Ohne gelebtes Miteinander wäre auch das Aufstellen des geschmückten Maibaumes nicht möglich gewesen. Zum 62. Mal in ununterbrochener Reihenfolge hatte die Landjugendgruppe ihre Maifeier rund um die Großraumhalle der Obstkelterei Rauh unmittelbar an der Bundesstraße 22 Kemnath-Bayreuth im Ortsteil Lehen ausgerichtet. Rund 30 starke Helfer waren notwendig, um den fast 25 Meter hohen Fichtenstamm fachmännisch aufzurichten, ohne Hilfsmittel wie etwa einem Kran, sondern ausschließlich mit Holzstangen und viel Muskelkraft.

Besinnliche Gedanken trug Maikönigin Madeleine Krug vor, die traditionell aus der Feder des Altmitgliedes und EKD-Synodalen Günter Meyer aus Stockau stammen. Die Maikönigin wird von der Landjugendgruppe immer schon vor Ostern in geheimer Wahl gewählt.

Die Landjugend Stockau-Lehen pflege damit ein Brauchtum, „das Teil unserer Heimat und unserer kulturellen Identität ist“, sagte die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert. Die Landjugend stehe für eine lebendige Gesellschaft genauso wie für gemeinsames Erleben, für dabei sein und dazugehören. Sich aktiv zu beteiligen und gemeinsam etwas bewirken und auf die Beine stellen, das präge die Arbeit der Landjugend Stockau-Lehen in ganz besonderer Art und Weise.

Den großen Einsatz der Landjugend für den ländlichen Raum stellte der frühere Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich ganz besonders hervor. Gerade junge Menschen interessierten sich wieder mehr für ihre Heimat und suchten nach Traditionen. Aufgrund der Digitalisierung sagte Friedrich dem ländlichen Raum eine große Zukunft voraus, denn damit könne der ländliche Raum den Metropolen künftig auf Augenhöhe begegnen.

Bild oben: Während im Hintergrund der Maibaum aufgestellt wird haben sich im Vordergrund die Festdamen der Landjugend zusammen mit dem früheren Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich, Maikönigin Madeleine Krug, Vorsitzendem Julian Raps und der Bundestagsabgeordneten Dr. Silke Launert postiert.

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05.04.2017

Die Kirche lebt, wächst und verändert sich / 350 Setzlinge gepflanzt: In Plech entsteht Bayerns zweite Weidenkirche

Plech. 34 verzinkte Stahlsäulen, jede einzelne jeweils sieben Meter lang wurden verbaut, die schweren Sitzsteine und der Altar stammen aus dem Altmühltal und die 350 Weidensetzlinge sind im Garten von Pfarrer Christoph Weißmann herangewachsen: In Plech, ganz im Süden des Bayreuther Landkreises, am Eingangstor zur Fränkischen Schweiz und in Sichtweite der Bundesautobahn A9 entsteht derzeit die nach Pappenheim zweite bayerische Weidenkirche.

In den vergangenen Tagen haben Kinder der umliegenden Kindergärten, die Konfirmanden sowie Vertreter des Pegnitzer Dekanats und des Marktes Plech bei einer Pflanzaktion kräftig Hand angelegt. „Damit sind wir auf der Zielgerade“, sagt Pfarrer Christoph Weißmann. Die Kirche soll am 17. September mit einer ökumenischen Wallfahrt der Dekanate Pegnitz und Auerbach eingeweiht werden. Danach sind regelmäßige Gottesdienste und Andachten geplant.

„Das Projekt soll ein Symbol für eine Kirche sein, die lebt, wächst, sich verändert, sich mit der Schöpfung verbunden weiß, auf Jesus Christus gegründet und offen ist für alle, die eine Heimat in ihrem Glauben suchen", so Pfarrer Weißmann. Er war bei einem Besuch der Weidenkirche im mittelfränkischen Pappenheim so beeindruckt, dass er schon bald begann, für Plech ähnliche Pläne zu schmieden. Gemeinde, Kirchenvorstand und Bürgermeister standen dem Projekt von Anfang an positiv gegenüber und so ist die grüne Kirche mittlerweile der offizielle Beitrag des Pegnitzer Dekanats zum Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation.

Natürlich steckt auch in der Weidenkirche jede Menge Symbolik: Zwölf Bögen stehen für die Jünger Jesu, die vier Säulen für die Evangelisten und die drei Bögen im Altarraum für Vater, Sohn und Heiliger Geist. Die 16 Meter lange, elfeinhalb Meter breite und sechseinhalb Meter hohe Weidenkirche ergänzt hervorragend das ökologisch ausgerichtete Konzept der Gemeinde, die bereits von der Landeskirche mit dem Zertifikat „Grüner Gockel“ ausgezeichnet wurde. Dazu passt auch der Standort nahe eine Streuobstwiese, direkt neben einem Insektenhotel in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gewerbegebiet Ottenhof.

Größter Brocken bei den Gesamtkosten in Höhe von 43000 Euro, die im Wesentlichen aus Spenden und Zuschüssen finanziert werden, war das Metallgerüst in Form gotischer Bögen, das von den Metallbauern der Lebensgemeinschaft Münsinghof bei Velden, einer Behinderteneinrichtung, aufgebaut wurde. Das Modell dazu hatte der Pfarrer selbst entworfen, die konkrete Planung erfolgte durch einen Architekten der ortsansässigen Hausbaufirma Büttner. Dazu kommen der massive Altar, die Sitzbänke aus heimischem Naturstein, das Fundament und ein Altarbild, das eine Sonne mit einem Kreuz zeigen wird. Für die laufende Pflege setzt der Pfarrer auf ehrenamtliche Mitarbeit aus dem Dekanat.

Bis es soweit ist, gilt es Pflanzgräben anzulegen, die Containerpflanzen zu setzen, das Gelände zu nivellieren, Wasserleitung zu verlegen und immer wieder schaufeln und graben. Dazu waren jeweils immer einen Vormittag lang unter anderem die Kindergärten Plech und Riegelstein, die Grundschule Plech-Betzenstein, die Kindergruppe der evangelischen Kirchengemeinde, die Konfirmanden und eine Gruppe des Plecher Heimatvereins vor Ort.

Bild: Kinder des Kindergartens Riegelstein halfen in diesen Tagen kräftig mit, die Weidenkirche bei Plech zu pflanzen. Die offizielle Einweihung des außergewöhnlichen Gotteshauses ist für den 17. September geplant.

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23.02.2017

Von Franken nach Südamerika: Heimat- und Geschichtsforscher Reinhard Stelzer aus Himmelkron referierte über Alexander von Humboldt

Kulmbach. In Südamerika ist er noch viel gegenwärtiger, als in der Renaissance, die er gerade hierzulande erlebt: Alexander von Humboldt, Universalgelehrter, Naturforscher, Begründer der Pflanzengeographie und Vordenker einer globalisierten Wissenschaft. In der Region hat er seine Spuren hinterlassen. Humboldt wirkte von 1792 bis 1795 rund drei Jahre seines Lebens im Fichtelgebirge und im Frankenwald, Wirkungsstätten waren unter anderem Arzberg, Bad Steben und vor allem Goldkronach. Auf die „Alexander-von-Humboldt-Stadt Goldkronach“ soll schon bald ein touristisches Hinweisschild an der A9 hinweisen.

Einer der sich mit Leben und Wirken Alexander von Humboldts intensiv beschäftigt hat, ist der Heimat- und Geschichtsforscher Reinhard Stelzer aus Himmelkron, Leiter der Bezirksgruppe Wirsberg des Colloquium Historicum Wirsbergense. Beim Kulmbacher Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing brachte Stelzer den zahlreichen Besucher am Donnerstagabend im Martin-Luther-Haus Leben und Wirken Alexander-von-Humboldts näher.

„Er war einer der berühmtesten Männer Europas“, sagte Stelzer, der bereits in den frühen 1980er Jahren erstmals auf Alexander von Humboldt gestoßen war. Unsterblich wurde Humboldt durch seine große Südamerika-Reise in den Jahren 1799 bis 1804, die ihn zusammen mit dem Botaniker Aime Bonplant von Spanien über den Atlantik an den Orinoco-Fluss, nach Cuba, in die Anden, auf den Chimborazo, weiter nach Mexiko und schließlich sogar zum damaligen amerikanischen Präsidenten Thomas Jefferson führte. Allein rund 6000 Pflanzen soll er nach Europa mitgebracht haben, berichtete Stelzer. Die Beschreibung der Reise füllte 30 Bände.

Pläne für diese damals wie heute alle Dimensionen sprengende Reise habe Alexander von Humboldt bereits in seiner Zeit in Franken geschmiedet, sagte Reinhard Stelzer. Der preußische Staatsmann und Reformer Carl August von Hardenberg war es, der den jungen Humboldt in die Region geholt hatte. Hardenberg, nach dem auch eine Straße in Kulmbach benannt wurde, soll einen Blick für fähige Menschen gehabt haben, so der Referent. Und so holte er Alexander von Humboldt, der gerade sein Studium an der Bergakademie im sächsischen Freiberg beendet hatte, nach Goldkronach, um den darniederliegenden Bergbau wieder anzukurbeln.

In den wenigen Jahren seines Wirkens vor Ort habe Alexander von Humboldt  vieles geleistet. Er ließ sich die Akten von der Plassenburg kommen und brachte den Bergbau zumindest vorübergehend wieder voran. Nach den Worten von Reinhard Stelzer habe Alexander von Humboldt hier unter anderem eine Art Bergarbeiterunterstützungskasse gegründet, einen Vorläufer für eine Atemschutzmaske erfunden. In Bad Steben gründete er eine Bergarbeiterschule und er verfasste Lehrbücher, die er mit eigenem Geld finanzierte.

Viele Spuren deuten noch heute auf das Leben und Wirken Alexander von Humboldts in der Region hin: Gedenktafeln kennzeichneten seine Wohnstätte in Arzberg, Bad Steben, Goldmühl und Goldkronach. Büsten gibt es ebenfalls in Bad Steben und Goldkronach. Dort wurde auch von der Apotheke bis zur Schule vieles nach dem berühmten Universalgelehrten benannt. Nicht zuletzt kümmere sich dort das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum mit seinem Motor, dem Bayreuther Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk, seit vielen Jahren mit zahlreichen Veranstaltungen um das Humboldt-Gedenken.

Reinhard Stelzer ging in seinem Vortrag auch auf die späteren Jahre ein, in denen Alexander von Humboldt 60 öffentliche Vorträge in der Berliner Singakademie, die sogenannten Kosmos-Vorlesungen hielt. Bis zu 1500 Zuhörer habe er damals bei jedem einzelnen Vortrag gehabt, darunter auch Arbeiter und Handwerker und bei weitem nicht nur Gelehrte. „Damit war Alexander von Humboldt auch in Berlin der Star“, sagte der Referent.

1829 habe sich eine zweite große Reise, kreuz und quer durch Russland bis an die Grenzen Chinas angeschlossen. Am Ende seines fast 90 Jahre dauernden Lebens habe Alexander von Humboldt fast sein gesamtes Vermögen aufgebraucht und den preußischen König sogar um Begleichung seiner Schulden bitten müssen.

„Es gibt nur wenige Menschen, die so fleißig und so viel aufgeschrieben haben, wie Alexander von Humboldt“, sagte Bernd Matthes, Sprecher des Kulmbacher EAT-Freundeskreises. Es gebe bis heute keinen Menschen, nach dem weltweit mehr Tiere, Pflanzen, Plätze oder Straßen benannt sind. „Alexander von Humboldt war wirklich ein Weltenbürger“, so Matthes.

Die nächste Veranstaltung des Tutzinger Freundeskreises findet am 16. März um 19.30 Uhr im Martin-Luther-Haus statt. Dann wird die Theologin Angela Hager aus Bayreuth über den früheren bayerischen Landesbischof Hermann von Löwenich, der auch einige Jahre als Dekan in Kulmbach wirkte, referieren.

Bild: Bernd Matthes (rechts) vom Kulmbacher Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing und der Heimat- und Geschichtsforscher Reinhard Stelzer aus Himmelkron.

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12.01.2017

Interdisziplinär und niederschwellig: SPZ Hochfranken schließt Lücke bei der psychiatrischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Oberfranken

Hof. „Wichtig war für uns von Beginn an der interdisziplinäre Ansatz“, sagt Sabine Hofbeck. Sie ist leitende Oberärztin am Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) Hochfranken in Hof. Träger der Einrichtung nahe des Hauptbahnhofs der Saalestadt ist seit Anfang 2016 das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD). Der Sozial- und Bildungsträger hatte das Zentrum vor gut einem Jahr von der Integra Hof übernommen.

Interdisziplinär heißt beim SPZ Hochfranken, dass in der fachärztlich geleiteten Einrichtung Kinder- und Jugendärzte (Pädiater) zusammen mit weiteren medizinisch-therapeutischen und pädagogischen Fachkräften wie Psychologen, Logopäden, Ergotherapeuten oder Physiotherapeuten im Team arbeiten. Grundlegender Auftrag sei die Entwicklungsrehabilitation von Kindern und Jugendlichen im Altersbereich ab der Geburt bis zur Volljährigkeit, erläutert Sabine Hofbeck. Die Patienten werden von ihrem Sorgeberechtigten (Eltern oder Vormund) mit einer Überweisung durch den behandelnden Kinder- und Jugendarzt am SPZ vorgestellt.

Das SPZ engagiert sich nach den Worten seines kommissarischen Geschäftsführers Florian Ott für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit neurologischen Störungen, Entwicklungsauffälligkeiten oder schweren Erkrankungen. Ziel sei es, Entwicklungsauffälligkeiten zu überwinden oder eine größtmögliche Selbständigkeit der Betroffenen im Alltag zu erreichen. Das SPZ gilt als wichtige Anlaufstelle für Familien, die in der Region Hochfranken keine vergleichbare Diagnose- und Therapie-Einrichtung finden. Den Einzugsbereich beschreibt Florian Ott mit einem Radius von 100 Kilometern rund um Hof, die nächsten vergleichbare Einrichtungen seien in Bayreuth, Coburg sowie in Erlangen zu finden.

Zu den behandelte Erkrankungen und Störungen gehören unter anderem chronische Krankheiten und deren Folgen wie Asthma oder Adiposititas, Erkrankungen der geistigen Entwicklung  wie Intelligenzminderung oder Teilleistungsstörung, Verhaltensstörungen, orthopädische Erkrankungen, Epilepsie, Anfallsleiden, Störungen des Lernvermögens, Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS) oder psychosomatische Störungen. In der Regel erfolge als erstes eine ärztliche Anamnese mit Befragung und Untersuchung. Im Gespräch und mit Hilfe einer entwicklungsneurologischen Untersuchung erfasse der Arzt den Stand der Entwicklung und die genauer zu untersuchenden Aspekte der Entwicklung des Patienten.

Ganz wichtig ist den Verantwortlichen auch die Niederschwelligkeit des Angebotes. Sabine Hofbeck meint damit, dass es Eltern leichter fällt, mit ihren Kindern auf Anraten des Kinderarztes in einer ambulanten Einrichtung wie dem SPZ vorstellig zu werden, als gleich die Kinder- und Jugendpsychiatrie aufzusuchen. „Wir sehen uns als große Gemeinschaftspraxis“, so Sabine Hofbeck.

Wie der Arzt führen deshalb auch die einzelnen Fachbereichsmitarbeiter Gespräche mit den Eltern und berichten über die von ihnen erhobenen Befunde. Oberstes Ziel sei es, Entwicklungsauffälligkeiten zu überwinden oder zumindest abzumildern. „Somit begeben wir uns mit unserer Diagnostik neben der Suche nach Ursachen immer automatisch auch auf die Suche nach nötigen und möglichen therapeutischen Hilfen und Lösungsschritten“, so Sabine Hofbeck.

Das Sozialpädiatrisches Zentrum in Hof leiste einen wichtigen Beitrag für die psychiatrische Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Oberfranken, sagte die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml vor kurzem bei einem Besuch. Huml will sich vor allem dafür einsetzen, dass Menschen mit psychischen Leiden wohnortnah behandelt werden können. „Eine wohnortnahe Versorgung ist sehr wichtig. Denn dadurch können Patientinnen und Patienten eine Therapie annehmen und trotzdem im vertrauten Umfeld bleiben“, so Huml.

Träger des Sozialpädiatrischen Zentrums Hochfranken ist das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD), ein riesiger, aber trotzdem weitgehend unbekannter Sozial- und Bildungsträger. Das CJD bietet jährlich über 150000 jungen und erwachsenen Menschen Orientierung und Zukunftschancen. Sie werden von rund 10000 hauptamtlichen und vielen ehrenamtlichen Mitarbeitenden an über 150 Standorten in Deutschland gefördert, begleitet und ausgebildet. Grundlage ist das christliche Menschenbild mit der Vision „Keiner darf verloren gehen“".

Bild: Die leitende Oberärztlich Sabine Hofbeck und der kommissarische Geschäftsführer Florian Ott stehen an der Spitze des Sozialpädiatrischen Zentrum Hochfranken in Hof.

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16.12.2016

Bücher, Bierbänke und Bohrmaschinen: Leihen statt kaufen /
Neues Angebot der Umweltkampagne „Let’s go Mehrweg“

Bayreuth. Manche Dinge braucht man eben nur mal kurz: eine Bohrmaschine zum Befestigen des Regals, eine Bierbank für das nächste Gartenfest oder ein Kostüm für den Faschingsball. Warum also immer gleich kaufen? Diese Frage stellten sich die Verantwortlichen der gemeinsamen Umweltkampagne „Let´s go Mehrweg“ von Stadt und Landkreis Bayreuth und riefen als Antwort einen Verleihservice ins Leben. Online kann jeder Interessierte auf dem Seiten von „Let´s go Mehrweg“ nun recherchieren, wo er Dinge bekommt, die er nur kurzzeitig benötigt, so dass er sich das Kaufen eigentlich sparen kann.

Ziel der Umweltkampagne „Let’s go Mehrweg“ ist es seit fast 20 Jahren unter anderem, die Menschen anzuregen, Abfälle zu vermeiden und Ressourcen zu schonen. Dazu gehöre es auch, keine minderwertigen Billigprodukten, die schnell kaputt gehen, zu kaufen, sagt Peter-Michael Habermann, Sprecher der Umweltkampagne. Zudem würden regionale Handwerker und Unternehmen, die den Mehrweg-Gedanken mit diesem Service fördern, einen stärkeren Bekanntheitsgrad erfahren.

Ganz neu ist der Gedenke des Leihens freilich nicht: Leihbibliotheken, Kostümverleihs oder „Spülmobile“ von Gebietskörperschaften gebe es schon lange, so Mitarbeiterin Sabine Rüskamp. Die Übersicht über alle Verleihangebote einer Region soll aber dennoch ein neues Angebot sein. Dabei sieht sich die Initiative auch nicht als Konkurrenz, sondern eher als Ergänzung zu privaten Angeboten mit der gleichen Zielrichtung wie etwa der Facebook-Gruppe „Share an Care“.

Wichtigstes Ziel der Umweltkampagne ist es seit ihrer Gründung 1997 für umweltfreundliche Mehrwegsysteme zu werben. „Abfallvermeidung, Umweltschutz und die Stärkung der regionalen Wirtschaft, das waren stets unsere Ziele“, sagt Habermann, der „Let´s go Mehrweg als „älteste und in dieser Zielrichtung einzigartige Kampagne in Bayern“ bezeichnet. Anlass für die Gründung war der drastische Anstieg des Marktanteils an Einwegverpackungen vor allem im Getränkesektor seit Anfang der 90er Jahre. Das wirke sich nicht nur negativ auf die Umwelt aus, sondern bedroht auch viele kleine Brauereien im „Bierland Oberfranken“ durch den Konkurrenzdruck billiger Getränke in Einwegverpackungen.

Dabei ist sich der Sprecher sicher, dass es kaum ein leichteres, bequemeres und wirksameres Mittel gibt, einen kleinen Beitrag für den Umwelt- und Klimaschutz zu leisten, als den Griff zur Mehrwegflasche oder einem sonstigen wiederverwendbaren Behältnis wie zur Brotzeitbox oder zum Stoffbeutel. Eine Plastiktüte werde im Durchschnitt nur 25 Minuten benutz und lande dann in der Regel im Abfall. Pfandflaschen könnten bis zu 50 Mal befüllt, verkauft, ausgetrunken, eingesammelt, und gereinigt werden, somit ersetze ein Kasten mit 20 Mehrwegflaschen bis zu 1000 Einwegflaschen oder -dosen.

Um welche Dimension es dabei geht, macht Habermann an der folgenden Zahl fest: „Würden alle alkoholfreien Getränke in Mehrwegverpackungen abgefüllt, könnte Deutschland jährlich 1,1 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen“. Der Sprecher der Umweltkampagne räumt aber auch ein, dass alle Anstrengung nicht verhindern konnten, dass der Mehrweganteil alkoholfreier Getränke auf inzwischen unter 30 Prozent abgestürzt ist.

„Wir wollen die Bevölkerung trotzdem auch weiterhin sensibilisieren“, sagt Habermann, der die Arbeit für „Let´s go Mehrweg“ auch als wichtigen Beitrag zur Umweltbildung sieht. Von Anfang an wurde die Kampagne von regional bekannten Sportlern, bekannten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sowie von „Leuten wie Du und ich“ unterstützt. „Sogar Basketball-Superstar Dirk Nowitzki hatte sich schon mal für „Let´s go Mehrweg“ engagiert. „Uns geht es um Menschen, die den Mehrweggedanken vorleben und Position beziehen“, so Habermann. Dabei soll die Botschaft nach den Worten von Sabine Rüskamp sympathisch und jugendlich rüberkommen, nicht oberlehrerhaft oder mit erhobenem Zeigefinger.

Die Verleih-Angebote, die es in der Region Bayreuth gibt, sind auf der Homepage von „Let´s go Mehrweg“ (www.letsgomehrweg.de) zu finden. Es handelt sich dabei um eine erste, nicht abschließende Auflistung, Hinweise zu weiteren Angeboten nehmen Peter-Michael Habermann und sein Team unter der Telefonnummer 0921/728-440 oder unter der Mailadresse abfall@lra-bt.bayern.de entgegen.

Bild: Kaufen statt leihen: Peter Michael Habermann und seine Mitarbeiterin Sabine Rüskamp machen sich für eine Stärkung des Mehrweg-Gedankens stark

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02.12.2016

Brückenfunktion zwischen Bayern, Böhmen und Franken / Geschichtsprofessor Dieter Weiss zum 700. Geburtstag Kaiser Karl IV. – Bayerische Landesausstellung in Nürnberg

Bayreuth. Wer kennt es nicht, das berühmte Männleinlaufen im Turm der Frauenkirche auf dem Nürnberger Hauptmarkt? Sieben Kurfürsten umrunden den Kaiser. Der ist in diesem Fall mit Karl IV. eine Persönlichkeit, die viele Menschen bis heute fasziniert, die für kulturellen Austausch genauso wie für den Ausbau des Handels steht. Über Karls Beziehung zu Franken referierte Professor Dieter Weiß, Ordinarius für bayerische Geschichte an der Ludwig-Maximilian-Universität München, in einer gemeinsamen Veranstaltung des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums und des Historischen Vereins für Oberfranken am Freitagabend im Iwalewa-Haus. Anlass war die erste gemeinsame Landesausstellung Bayern-Böhmen zum 700 Geburtstag des Herrschers.

Der böhmische und römisch-deutsche König Karl IV. (1316–1378), 1355 in Rom zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs gekrönt, gehört zu den bedeutendsten und facettenreichsten Herrschern der böhmischen und deutschen Geschichte. Professor Weiß skizzierte deshalb gleich mehrere Phasen der Herrschaft Karls IV., in der Franken eine herausragende Rolle spielte.

Schon 1347 habe er sich für die Handels- und Zollfreiheit der Nürnberger Händler in Böhmen eingesetzt. Überhaupt sei Nürnberg die Stadt gewesen, in der sich Karl abgesehen von Prag, am meisten aufhielt. Nach dem Empfang der Kaiserkrone in Rom 1355 habe Nürnberg von vielen Privilegien profitiert. Karl IV. galt als Bauherr der Frauenkirche, in der er 1361 seinen Sohn Wenzel taufen ließ, genauso wie als Bauherr der Wenzelsburg in Lauf, wo er sich einen repräsentativen Sitz schuf.

Um eine sichere Reise von Prag nach Nürnberg zu garantieren, habe Karl eine kleinteilige Territorialpolitik betrieben. Viele Orte entlang der Route hätten damals eine wahre Blütezeit erlebt, erst viel später sei die Strecke als „Goldene Straße“ bekannt geworden. Später habe sich Karl auch in Unterfranken festgesetzt. Orte wie Iphofen, Heidingsfeld oder Wertheim habe er gekauft, aus Prichsendorf wurde Prichsenstadt und auch nach Schweinfurt oder ins mittelfränkische Windsheim streckte Karl seine Fühler aus. Grund sei in vielen Fällen die verkehrsmäßige Bedeutung der Orte gewesen, um sicher zur Königswahl oder zu den Reichstagen nach Frankfurt zu gelangen.

Erst gegen Ende der 60er Jahre des 14. Jahrhunderts habe sein Interesse an diesem Landstrich nachgelassen. „Nach zwei Jahrzehnten ging die Herrschaft Böhmens über Neu-Böhmen wieder zu Ende“, sagte Weiß. Grund für die Abtretung an die Wittelsbacher sei vor allem gewesen, die Wahl seines Sohnes Wenzel zum König zu sichern.

Karl IV nehme eine wichtige Brückenfunktion zwischen Bayern, Böhmen und Franken und damit zwischen Deutschland und Tschechien ein, sagte der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, Gründungsmitglied des Humboldt-Kulturforums. Damit sei Karl IV. aktueller denn je und damit sei auch das große Interesse an dieser historischen Persönlichkeit zu erklären. Nachdem Professor Dieter Weiss bereits vor Jahren bei einem Symposium über Franken zur Zeit Alexander von Humboldts referiert habe, sei er jetzt mit seinem Vortrag über Karl IV an seine langjährige Wirkungsstätte zurückgekehrt. Weiss war zehn Jahre lang als Professor für bayerische Landesgeschichte an der Universität Bayreuth tätig.

Den 700. Geburtstag Kaiser Karls IV. haben der Freistaat Bayern und die Tschechische Republik zum Anlass genommen, eine gemeinsame Landesausstellung mit internationalem Rahmenprogramm zu veranstalten. Die Ausstellung wurde in den zurückliegenden Monaten in Prag in der Wallenstein-Reithalle präsentiert und ist seit Oktober bis zum 5. März 2017 im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu sehen.

Die Ausstellung bietet eine spannungsreiche Präsentation seiner Lebens- und Regierungszeit im Spiegel des wechselvollen 14. Jahrhunderts. Die Schau versucht auch eine kritische Würdigung der Herrscherpersönlichkeit, seines Herrschaftskonzepts, seiner Bedeutung für die Residenzstädte Prag und Nürnberg sowie seiner künstlerischen Repräsentation. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Rezeption Karls IV. auf tschechischer und deutscher Seite bis in die Gegenwart, die eine jeweils sehr unterschiedliche Sicht zeigt.

Bild:
- Professor Dieter Weiss, Ordinarius für bayerische Geschichte an der Ludwig-Maximilian-Universität München.

- Prof
essor Dieter Weiss und der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk vom Alexander-von-Humboldt-Kulturforum.

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24.11.2016

Bildung als zentrales Thema / Neuer Dekan Thomas Kretschmar stellte sich beim Tutzinger Freundeskreis vor

Kulmbach. Die Bildungsarbeit der evangelischen Kirche sollte immer auch mit Glaubensinhalten zu tun haben. Diesen Anspruch hat der neue Kulmbacher Dekan Thomas Kretschmar am Donnerstagabend bei einer Veranstaltung des Freundeskreises der Evangelischen Akademie Tutzing formuliert. Allerdings müsse sich Bildung auch verändern, man benötige andere Methoden, um junge Menschen zu erreichen. Von Nachrichten, die auf Twitter-Größe reduziert werden, hält der Dekan freilich wenig.

Zu seinem Antrittsbesuch beim Freundeskreis hatte Kretschmar die Vorstellung seiner Person eng mit seinem Herzensthema Bildung verknüpft. „Die Tutzinger sind schließlich die Creme de la Creme in Sachen Bildung“, sagte er. Der Dekan stellte dazu einige Thesen und einige Forderungen auf. Eine davon lautet „Bildung muss das zentrale Thema für die Zukunft sein“, eine andere „Bildung habe immer mit Erfahrung zu tun“. Sobald eine eigene Erfahrung dahintersteht, werde es einfacher Inhalte weiterzugeben. Erst wenn die Motivation da sei, dann kommt auch die Freude an Bildungsinhalten.

Bildung habe aber auch immer etwas mit Beziehungen der Menschen untereinander zu tun. Bildung bedeute Lernen aus der Geschichte, damit die Gegenwart gelingen kann und Bildung beginne schon im Kindergarten, wobei auch das in vielen Familien längst nicht mehr selbstverständliche gemeinsame Mittagessen dazugehört.

Thomas Kretschmar wurde in Hamburg als jüngstes von vier Kindern geboren. Sein Vater hatte die Theologische Fakultät der Hansestadt gegründet. Kirche sei damals etwas ganz normales gewesen, erinnerte sich der Dekan. Im Alter von sechs Jahren war die Familie nach Oberbayern gezogen. Plötzlich waren die Katholiken immer in der Mehrzahl, was ihm damals durchaus schwer gefallen sei.

Es folgten der Besuch des Maximiliansgymnasiums in Schwabing und anschließend 15 Monate Bundeswehr als Sanitäter bei den Gebirgsjägern in Mittenwald. Eine Erfahrung, die Kretschmar heute nicht missen möchte. Aus diesem Grund plädierte er auch für ein soziales Pflichtjahr, das für junge Leute gar nicht so schlecht sei.

Bei Kretschmar kam daraufhin das Theologiestudium in München und Heidelberg, nebenbei engagierte er sich im Rettungsdienst bei den Johannitern und erteilte selbst Erste-Hilfe-Kurse, Erfahrungen, die ihm später in der Notfallseelsorge sehr zu Gute kommen sollten.

Nach dem Vikariat in Olching hatte Kretschmar dann mit 28 Jahren im Roding im Bayerischen Wald seine erste Pfarrstelle angetreten. Kontakte zu einigen seiner ersten Konfirmanden bestünden über Facebook noch heute, sagte der Dekan. Nach drei Jahren bei der Diakonie in Nürnberg habe es ihn dann wieder in den Gemeindedienst verschlagen, zunächst nach Haar bei München, zuletzt nach Kaufbeuren.

Bei der Veranstaltung gab Dekan Kretschmar auch deutlich zu verstehen, dass ihm viel an Ökumene liege. „Wenn wir keine Ökumene machen, dann fehlt in der Kirche etwas“, sagte er. Kirche sei erst mit Ökumene komplett. Ganz in diesem Sinne steht auch die nächste Veranstaltung des Freundeskreises der Evangelischen Akademie Tutzing, die laut Bernd Matthes, dem Vorsitzenden des Freundeskreises, bereits am kommenden Dienstag, 29. November um 19.45 Uhr im Pfarrzentrum der katholischen St.-Hedwig-Kirche am Galgenberg stattfindet. Zusammen mit der Katholischen Erwachsenenbildung Bayreuth wird dabei Professor Ottmar Fuchs zum Thema „Mit Luther über Luther hinaus - Ökumenisch für eine solidarische Welt“ sprechen.

Bild: Der neue Kulmbacher Dekan Thomas Kretschmar (rechts) und der Vorsitzende des Freundeskreises der Evangelischen Akademie Tutzing Bernd Matthes.

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27.10.2016

Arme Menschen können keine Impfstoffe zahlen / Weltweit führende Malaria-Forscherin kritisierte Pharmazieunternehmen – Francine Ntoumi im Iwalewa-Haus der Uni Bayreuth

Bayreuth. 214 Millionen Menschen waren laut Weltgesundheitsorganisation WHO 2015 weltweit mit Malaria infiziert, rund 438000 Menschen sind 2015 an der verheerenden Tropenkrankheit verstorben. „Es ist so, als ob jeden Tag ein vollbesetzter Airbus A380 abstürzt“, zog Prof. Dr. Francine Ntoumi einen drastischen Vergleich. Die Molekularbiologin ist nicht nur die weltweit führende Malaria-Forscherin, sondern auch eine der bedeutendsten afrikanischen Wissenschaftlerinnen überhaupt. Ntoumi ist Forschungspreisträgerin der Alexander von Humboldt-Stiftung und in dieser Eigenschaft war sie prominenter Gast der „Kosmos-Vorlesung“, die das Goldkronacher Humboldt-Kulturforums in Zusammenarbeit mit der Universität Bayreuth und der Alexander-von-Humboldt-Stiftung bereits zum 5. Mal im Bayreuther Iwalewa-Haus veranstaltet hat.

Wenn von Malaria die Rede ist, dann steht auch der afrikanische Kontinent im Focus, denn Afrika trägt die Hauptlast des Problems. „Am schlimmsten ist die Situation im südlichen Afrika“, sagt die Professorin, die an der Marien-Ngouabi-Universität in Brazzaville, der einzigen Universität der Republik Kongo lehrt. Als Gründe dafür nannte sie unter anderem die schwachen Gesundheitssysteme der afrikanischen Länder, Resistenzen der Mücken gegen Insektizide und Resistenzen der Parasiten gegen Medikamente. Aber auch das Fehlen eines zuverlässigen Impfstoffes und die geringen Mittel zur Finanzierung der Malariaforschung spielten eine wichtige Rolle.

Als Hauptproblem bezeichnete es Francine Ntoumi, dass Pharmazieunternehmen nicht bereit sind, in die Forschung zu investieren. Die Forschung sei extrem teuer und die Unternehmen hätten keine Rendite in Aussicht. Arme Menschen könnten den Impfstoff ohnehin nicht bezahlen, also lohne es sich nicht, Gelder in die Forschung zu investieren.

Deshalb habe sich auch die Bill-Gates-Stiftung eingesetzt und Gelder für die Forschung bereitgestellt. Dank einer Partnerschaft mit dem Institut für Tropenmedizin der Universität Tübingen sei auch eine hilfreiche Kooperation entstanden. Auf diesem Weg gebe es in ihrem Heimatland mittlerweile ein einziges Molekularlabor. Dort würden zwar neue Medikamente gestest, einen echten Impfstoff habe man aber aufgrund der vielen Resistenzen gegen die verschiedenen Malariastämme noch nicht gefunden.

In der Republik Kongo, einer ehemaligen französischen Kolonie mit rund 4,4 Millionen Einwohnern steht Malaria an erster Stelle als Grund für eine klinische Behandlung. Dennoch gebe es aber auch Erfolge vielfältiger Bemühungen wie der kostenlosen Bereitstellung bestimmter Medikamentenkombinationen speziell für Schwangere oder der Förderung von Insektiziden und Moskitonetzen: so sei seit dem Jahr 2000 die Sterblichkeitsrate um 66 Prozent gesunken, bei den unter fünfjährigen Kindern, die als Hauptbetroffene gelten, sogar um 71 Prozent.

Francine Ntoumi war Alexander-von-Humboldt-Stipendiatin, hat zwei Jahre in Tübingen studiert und in Frankreich promoviert. Unter anderem wurde sie erst vor kurzem als beste Wissenschaftlerin Afrikas ausgezeichnet. Die Wissenschaftlerin gehöre damit zu dem weltumspannenden Humboldt-Netzwerk, zu dem auch 54 Nobelpreisträger gehören, sagte Steffen Mehlich von der Alexander-von-Humboldt-Stiftung.

Alexander von Humboldt selbst hatte nach den Worten des Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk, Gründungsmitglied des Kulturforums, bereits ab 1826 in der Berliner Singakademie insgesamt 61 so genannte „Kosmos-Vorlesungen“ gegeben. Sie galten damals als kultureller Höhepunkt in Berlin. „Mit den Kosmos-Vorlesungen des Kulturforums wollen wir an diese Tradition anknüpfen“, sagte Koschyk. Aus Humboldts Vorlesungen heraus sei damals das fünfbändige Werk „Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung“ entstanden. Alexander von Humboldt hatte darin erstmals den Versuch unternommen, dem Leser eine Gesamtschau seiner wissenschaftlichen Welterforschung zu vermitteln. Ganz wichtig sei es dabei auch, dass Alexander von Humboldt mit seinen Kosmos-Vorlesungen auch ein Stück Sozialgeschichte geschrieben hat, denn erstmals überhaupt durften auch Frauen daran teilnehmen.

Bild: Mit Prof. Dr. Francine Ntoumi war die weltweit führende Malaria-Forscherin zu Gast in Bayreuth.

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01.10.2016

Einsatz für die Erneuerung und Einheit der Kirche / Thomas Kretschmar ist als neuer Kulmbacher Dekan in sein Amt eingeführt worden

Kulmbach. Mit einem Festgottesdienst hat Regionalbischöfin Dorotheas Greiner am Samstagnachmittag in der St. Petrikirche den neuen Kulmbacher Dekan Thomas Kretschmar in sein Amt eingeführt. Der 55-Jährige tritt die Nachfolge von Jürgen Zinck an, der bereits am 1. Mai in den Ruhestand verabschiedet wurde und der 16 Jahre lang Dekan in Kulmbach war.

Der neue Dekan, gleichzeitig Gemeindepfarrer an der Petrikirche, bringe durch seine langjährige Tätigkeit als Pfarramtsführer großer Kirchengemeinden, seine Mitarbeit in Dekanatsgremien, seine ausgeprägte theologische und liturgische Kompetenz und durch sein sehr freundliches, integratives Wesen eine außerordentliche Befähigung mit, sagte Regionalbischöfin Greiner.  Auch für den wichtigen Arbeitsbereich Diakonie sei er durch seine bisherigen Tätigkeiten gut gerüstet. „Thomas Kretschmar bringt so viele Gaben mit in dieses Amt und kann auf ein ungewöhnlich breites Spektrum an Leitungserfahrung zurückgreifen, dass er dafür mehr als geeignet ist“, so Greiner.

Allein großes Organisationstalent und ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit machten noch keinen Dekan. Dieses Amt sei ein geistliches Leitungsamt und es gelte als Dekan theologisch durchdacht zu leiten, geistliche Impulse zu setzen und zu evangelischer Frömmigkeit anzustiften. „Und das alles kann Thomas Kretzschmer“, sagte Greiner. Zum einen habe er eine große Liebe zum Gottesdienst und könne ihn in Liturgie und Predigt gehaltvoll und formvollendet gestalten. Zum anderen gehöre er als Michaelsbruder seit 2008 selbst zu einer verbindlichen geistlichen Gemeinschaft, die ihm ein zusätzliches geistliches Zuhause wurde. Ziel der evangelischen Michaelsbruderschaft ist die Vertiefung geistlichen Lebens und der Einsatz für die Erneuerung und die Einheit der Kirche.

Thomas Kretschmar war zuletzt als Pfarrer in Kaufbeuren im Allgäu tätig. Nach seinem Vikariat in Olching war er fünf Jahre Gemeindepfarrer in Roding im Bayerischer Wald, drei Jahre persönlicher Referent des Präsidenten des Diakonischen Werks Bayern und anschließend neun Jahre geschäftsführender Pfarrer der Jesuskirche in Haar nahe München. Der gebürtige Hamburger hat zusammen mit seiner Frau Sabine drei erwachsene Töchter, die in München und Nürnberg leben.

„Den Weg zum Glück schenkt uns alleine Christus“, sagte Kretschmar in seiner Antrittspredigt. Nicht Gesundheitswahn, nicht unendliche Arbeit, auch wenn sie gerne gemacht wird, und nicht das Schielen nach den großen Zahlen sorge für Lebensglück. Im Gegenteil: die wichtigen Dinge des Lebens kämen meistens zu kurz. Kretschmar sprach auch davon, dass die Zeiten vorbei sind, in denen die Hälfte der Deutschen katholisch und die andere Hälfte evangelisch war. Die demographischen Veränderungen würden auch die Kirche kleiner werden lassen. Beschwörungen der Vergangenheit seien dabei kein Heilsweg, ehe müsse es darum gehen, die Kirche der Zukunft festzumachen. Mobilität und neue Medien gehörten genauso dazu, wie neue Gemeinschaftsformen, die man sich heute vielleicht noch nicht vorstellen könne.

Er freue sich auf das Leben in der Stadt  Kulmbach und darauf, die Menschen dort und die Gemeinden im Dekanat Kulmbach begleiten zu können, sagte Kretschmar. Mit seinem Vorgänger Jürgen Zinck verbinde ihn die Geburtsstadt Hamburg, allerdings sei er in München groß geworden.

Von einem besonderen Tag der Freude für die Stadt, den Landkreis und die Kirchengemeinde St. Petri sprach der stellvertretende Dekan Holger Fischer aus Burghaig. „Wir erwarten deinen Dienst mit freudigem Herzen“, sagte Fischer zu Kretschmar.

Zum Dekanatsbezirk Kulmbach gehören 25 Kirchengemeinden mit insgesamt rund 30000 Gemeindegliedern.

Bilder:
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 Regionalbischöfin Dorothea Greiner hat Thomas Kretschmar in sein Amt als Dekan und Inhaber der Pfarrstelle Petrikirche eingeführt.
- Der neue Dekan Thomas Kretschmar bei seiner Antrittspredigt auf der Kanzel der St.-Petrikirche.
- Neben dem Bezirksposaunenchor und Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn an der Orgel umrahmte auch das Ensemble Tonart die Einführung des neuen Dekans Thomas Kretschmar in der St.-Petrikirche.
- Sie nahmen die Einführungshandlung des neuen Dekans Thomas Kretschmar (rechts) in der St. Petrikirche vor (von links): Pfarrer Traugott Burmann, die Vertrauensfrau des Kirchenvorstandes Adrienne Dörnhöfer, Thomas Wanninger vom Kirchenvorstand Kaufbeuren, Regionalbischöfin Dorothea Greiner, Peter Sachi von der Michaelsbruderschaft, der stellvertretende Dekan Holger Fischer und Christina Flauder, Mitglied der Landessynode.

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29.09.2016

Kultur, Soziales und Denkmalpflege: Preise der Oberfrankenstiftung verliehen / Kunst statt Glanz und Glamour: Kulturpreis für die Hofer Filmtage - Denkmalpflegepreis geht in das Kulmbacher Land

Ebrach. Mit dem renommierten Kulturpreis der Oberfrankenstiftung sind am Donnerstagabend in Ebrach die die Hofer Filmtage ausgezeichnet worden. Regierungspräsidentin Heidrun Piewernetz übergab den mit 15000 Euro dotierten Preis in der Klosterkirche von Ebrach im Landkreis Bamberg an Vertreter der beiden Vereine „Cine Center Hof“ und an die „Freunde der Internationalen Hofer Filmtage“. Der Sozialpreis der Oberfrankenstiftung ging an den Ebracher Gefängnispfarrer Hans Lyer, der Denkmalpflegepreis an den Restaurator Uwe Franke und dem britischen Geschäftsmann Ender Ozbek.

Regierungspräsidentin Piewernetz bezeichnete die Internationalen Hofer Filmtage als „wahren kulturellen Botschafter Oberfrankens“ und zitierte Wim Wenders, der Hof einmal als Kürzel für „Home of Films“ gedeutet hatte. Hof sei ein Name, der für alle, denen Film etwas bedeutet, einen guten Klang besitzt, und zwar weit über die deutschen Grenzen hinaus, sagte Piewernetz.

Sie erinnerte an die Anfänge, als im Mai 1967 erstmals ein Programm mit Kurzfilmen gezeigt wurde, und sie erinnerte an den Vater dieses Erfolges, den im März verstorbenen Gründer Heinz Badewitz. Der gebürtige Hofer wurde bereits 1988 mit dem Kulturpreis der Oberfrankenstiftung ausgezeichnet. „Die Lücke, die der Tod von Heinz Badewitz gerissen hat, ist breit und tief, sie wird schwer zu füllen sein“, sagte die Regierungspräsidentin.

Wer Rang und Namen hat unter den Regisseuren, der habe oft in Hof den Grundstein zu seiner Karriere gelegt, so Piewernetz. Unter anderem nannte sie die Namen Wim Wenders, Werner Herzog, Rainer Werner Fassbinder, Doris Dörrie, Sönke Wortmann und Christoph Schlingensief sowie die beiden Oskar-Preisträger Caroline Link und Florian Henckel von Donnersmark.

Das Besondere an Hof sei, dass die Kunst im Vordergrund steht, statt Glanz und Glamour. Genau deshalb besitze das Festival noch seinen familiären Charakter, der ihm einen ganz eigenen Charme verleiht. Der Zauber der Filmtage sei der Verdienst der 130 Mitglieder des „Cine Center e.V.“. Der Verein trage die Verantwortung und schultere die Last der Organisation. Die „Freunde der Internationalen Filmtage“ haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Erbe der Filmtage zu pflegen, ihren Flair durch Ausstellungen bekannt zu machen und Mittel für die Durchführung einzuwerben.

Wenn die Preisverleihung der Oberfrankenstiftung diesmal in der ehrwürdigen Klosterkirche von Ebrach stattfand, dann deshalb, weil der Gefängnisseelsorger der Ebracher Jugendhaftanstalt Hans Lyer den ebenfalls mit 15000 Euro dotierten Sozialpreis erhielt. Lyer betreut als Gefängnisseelsorger die jungen Häftlinge. Dabei gelingt es ihm immer wieder mit öffentlichkeitswirksamen Kunstprojekten, den Blick der Bevölkerung auf die jungen Straftäter zu lenken. Lyer wurde 1982 zum Priester geweiht, war von 1986 bis 1994 Rektor der Jugendbildungs- und Freizeitstätte Burg Feuerstein bei Ebermannstadt im Landkreis Forchheim und kam 1994 nach Ebrach. Zu den Kunstprojekten gehören unter anderem eine Schreibwerkstatt, ein riesiger Feuervogel aus Metall, der 2012 auf der Landesgartenschau in Bamberg  in Szene gesetzt wurde, und einen zehn Meter hohen „Turm zu Babel“, der aus Symbolen der Selbstüberschätzung bestand.

Der traditionelle Denkmalpflegepreis ging schließlich zu gleichen Teilen an den britischen Geschäftsmann Ender Ozbek und an den Restaurator Uwe Franke aus Wernstein bei Mainleus im Landkreis Kulmbach. Franke stammt aus Greifswald, lernte an der Dombauhütte in Erfurt und legte seine Meisterprüfung im Malerhandwerk ab. Noch vor dem Fall der Mauer übersiedelte er 1989 nach Kulmbach. 1991 eröffnete er einen Malerbetrieb in Veitlahm, 1994 zog er in das Wernsteiner Schloss. Franke ist in der Denkmalpflege tätig und hat sich in diesem Bereich weit über die Region hinaus einen Namen gemacht. „Wenn es um Stuck, alte Putze oder um farbige Wandfassungen geht, dann ist er eine der besten Adressen“, sagte Bezirksheimatpfleger Günther Dippold. Zu Frankes Referenzen gehört unter anderem die Sanierung des Kulmbacher Rathauses. Wenn Franke auszeichnungswürdig ist, dann deshalb, weil er weit mehr als nur seinen Job macht, sagte Dippold. Er werbe stets für denkmalgerechte Lösungen, berate private und öffentliche Eigentümer ausführlich und sei außerdem als der für den Regierungsbezirk zuständige ehrenamtliche Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz tätig.

Der zweite Preisträger Ender Ozbek hatte die heruntergekommene Lösch-Villa in der Schützenstraße in Sonnefeld bei Coburg gekauft und das im Jugendstil erbaute Haus sorgfältig restauriert. Dabei hatte er komplett auf öffentliche Zuschüsse verzichtet und konnte dennoch das Anwesen mit seinem ganz besonderen Charakter erhalten. Entstanden waren drei Wohnungen, von denen der Geschäftsmann eine bei seinen regelmäßigen Besuchen selbst nutzt.

Bilder

- Vertreter der beiden Vereine „Cine Center Hof“ und der Freunde der Internationalen Hofer Filmtage“ haben den Kulturpreis der Oberfrankenstiftung entgegengenommen (von links):  Hannes Buchta, Bezirkstagspräsident Günther Denzler, Christine Walther, Regierungspräsidentin Heidrun Piewernetz, Bezirkstagsvizepräsident Eberhard Siller, Dagmar Müller, Gerhard Lindner, Uwe Kaupenjohann und Werner Weinelt.

- Der Denkmalpflegepreis der Oberfrankenstiftung ging an Uwe Franke (2. von rechts) aus Wernstein bei Mainleus. Der Preis übergaben (von links) Bezirkstagspräsident Günther Denzler, Bezirksheimatpfleger Günther Dippold und Regierungspräsidentin Heidrun Piewernetz.

- Gefängnispfarrer Hans Lyer aus Ebrach hat den Sozialpreis der Oberfrankenstiftung erhalten.

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25.09.2016

Das Beste gegen Einfalt: Vielfalt / Interkulturelle Wochen auf der Landesgartenschau in Bayreuth eröffnet

Bayreuth. Unter dem Motto „Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt“ sind am Sonntag auf der Landesgartenschau in Bayreuth die Interkulturellen Wochen eröffnet worden. Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, Gelegenheit zur Begegnung zu bieten, miteinander ins Gespräch zu kommen, sich gegenseitigen kennenzulernen, dadurch Vorurteile zu überwinden und Brücken zu bauen. Am Beginn standen ein überkonfessionelles Eröffnungsfest sowie die Segnung eines neu gepflanzten „Baumes der Integration“.

Dieser Baum nahe des Oratoriums ist ein Kunstwerk. Ihn schmücken 130 leuchtende Pads. Auf den bunten Platten in den verschiedensten Formen sind Namen und Herkunftsland von Flüchtlingen verewigt. „Im Gegensatz zu den Blättern, die der Baum im Herbst abwirft, werden die leuchtenden Stücke, die unsere Gesellschaft zusammenführen, bleiben“, sagte Beatrice Trost vom Kunstmuseum. Sämtliche Flüchtlinge, deren Name auf den Platten steht, seien im Rahmen einer Projektarbeit des Kunstmuseums persönlich aufgesucht worden. Ein eigenes Hinweisschild vor dem Baum haben die Metallbauerklasse und eine Flüchtlingsklasse der Berufsschule I im Rahmen des Unterrichts angefertigt.

Das Motto „Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt“ gebe den vielen Millionen Menschen in unserer Zivilgesellschaft Rückhalt, die sich für ein tolerantes und friedliches Zusammenleben in Vielfalt einsetzen und damit zur erfolgreichen Integration unserer Neubürger beitragen, sagte Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. Die Integration der Neubürger bezeichnete die Oberbürgermeisterin als eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben, die alle angehe. In dieser Hinsicht bestünde in Bayreuth über alle gesellschaftlichen Gruppen, Religionen und Organisationen hinweg ein großer Zusammenhalt. Merk-Erbe: „Gerade im Hinblick auf Menschen, die bei uns Schutz vor Krieg und Terrorsuchen, ist es umso wichtiger, dass wir zusammenstehen und deutliche Zeichen der Solidarität setzen.“

Das, was die Grundnorm unserer Verfassung ausmacht, sei jeden Tag aufs Neue bedroht und müsse verteidigt werden, sagte der Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, der Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk. Hass, Intoleranz und Gewalt bedrohten die Würde des Menschen. „Als Demokraten dürfen wir dazu nicht schweigen“, sagte Koschyk. Hier setzten auch die Interkulturellen Wochen an, die auf den Grundsatz aufbauen: „Ohne Kenntnis kein Verständnis“.

Es sei schon paradox, so der evangelische Dekan Hans Peetz: Diejenigen, die Flüchtlinge raus haben wollten, kennen keinen einzigen Flüchtling persönlich. Dort, wo die Ausländerfeindlichkeit am größten ist, gebe es in der Regel die wenigsten Ausländer. Peetz appellierte, den Geist der Besonnenheit gegen blinden Hass und Ideologie zu setzen. Er gab auch zu bedenken: „Die Aufnahme von Fremden gehört zentral zum Christentum.“

Die Interkulturellen Wochen finden in Bayreuth bis zum 5. Oktober statt. Die Veranstaltungsreihe, an der zahlreiche Organisationen und Initiativen mitwirken, leistet seit Jahren einen wichtigen Beitrag zum Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Religion. Sie trägt zur interkulturellen Verständigung bei und schafft zahlreiche Gelegenheiten für Begegnung und Dialog. Das diesjährige Programm der Interkulturellen Wochen enthält über 30 Veranstaltungsangebote – Ausstellungen, Vorträge, Diskussionsrunden, Filme, Workshops, Konzerte, Sport- und Kreativangebote sowie Kinderfeste.

Zu den zahlreichen Veranstaltungen der Interkulturellen Wochen gehören unter anderem eine „Literarische Weltreise“ (27.09. – 04.10., jeweils von 14.30 bis 16 Uhr) in der Kreativwerkstatt des RW 21, Richard-Wagner-Straße 21 in Bayreuth, ein marokkanischer Koch- und Erzählabend mit Hanane Amghar im Ort: Löhehaus, 1. Stock, Bismarckstr. 3 (27.09., 19 Uhr) und eine russischsprachige Führung durch die Ausstellung Miron Schmückle (28.09., 15 Uhr) im Bayreuther Kunstmuseum. Außerdem gibt es am Freitag, 30. September um 16 Uhr unter dem Motto „Ich bin wir und wir sind du“ Songs gegen Rassismus mit Schülern der Schule St. Georgen und dem bekannten Liedermacher Sandy Wolfrum auf der Seebühne der Landesgartenschau sowie am Samstag, 1. Oktober ein Interkulturelles Strassenfest mit Streetsoccer-Turnier in der Wilhelm-Busch-Straße, veranstaltet vom Verein „Bunt statt Braun - Gemeinsam stark für Flüchtlinge e.V.“

Weitere Veranstaltungen unter: www.familien-in-bayreuth.de.

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17.09.2016

Vordenker und Vorbild für das 21. Jahrhundert / Goldkronach gedenkt Alexander von Humboldt – Vorreiter in Sachen Internationalisierung und Innovationen

Goldkronach. Der Universalgelehrte Alexander von Humboldt ist präsenter und aktueller denn je. Das hat der der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Stefan Müller aus Erlangen beim Humboldt-Tag in der Evangelischen Stadtkirche von Goldkronach festgestellt. Alljährlich um den 14. September herum erinnert das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach an den großen Naturforscher, der von 1792 bis 1795 rund drei Jahre seines Lebens im Fichtelgebirge und im Frankenwald verbrachte und längere Zeit in Goldkronach seine Wirkungsstätte hatte. Diesmal jährte sich der Geburtstag Alexander von Humboldts zum 247. Mal.

 „Von Alexander von Humboldt für Gegenwart und Zukunft lernen“ hatte Müller seinen Vortrag überschrieben und nannte Humboldt dabei nicht nur ein Vorbild, sondern auch einen Vordenker für das 21. Jahrhundert. Zum Beispiel in Sachen Interdisziplinarität. Alexander von Humboldt habe etwa zu seiner Russlandreise Mediziner genauso eingeladen wie Mineralogen oder Zoologen. Humboldt sei eben ein begnadeter Netzwerker gewesen und solche brauche man heute wieder, damit Innovationen auch den Weg in die Unternehmen finden. Der Staatssekretär kündigte dabei eine Innovationsinitiative der Bundesregierung an, die sämtliche Disziplinen ansprechen und die Hochschulen als Impulsgeber unterstützen soll. „Da ist dem Denken keine Grenze gesetzt.“

Ebenso sei Alexander von Humboldt ein Vordenker in Sachen Internationalisierung gewesen. Auch das sei heute wieder ein politisches Ziel, die Internationalisierung an den Hochschulen weiter voranzutreiben. Schon heute lehrten und forschten rund 85000 ausländische Wissenschaftler pro Jahr in Deutschland, im Gegenzug arbeiteten rund 43000 deutsche Wissenschaftler im Ausland. Die Zahl der ausländischen Studenten an deutschen Hochschulen bezifferte Müller auf etwa 320000.

Unser Ziel ist es, an das weltbekannte Universalgenie Alexander von Humboldt zu erinnern, sagte der Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, der Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk. Wäre Alexander von Humboldt in unsere Zeit hineingeboren, wäre er längst Wissenschaftsminister, sagte Koschyk. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern und Initiatoren des Kulturforums.

„In Goldkronach bin ich glücklicher, als ich es je wagen durfte zu glauben“, zitierte Koschyk den Universalgelehrten mit weltweiter Ausstrahlung. Ziel des Kulturforums sei es außerdem, ein Humboldt-Bewusstsein in der Region zu schaffen, der nicht nur in Goldkronach, sondern auch an anderen Orten in Oberfranken wie Naila, Bad Steben und Arzberg seine Spuren hinterlassen hatte.

Bürgermeister Holger Bär bedauerte zwar, dass es in Goldkronach noch immer keine Humboldt-Straße gebe („daran kann man sicher noch arbeiten“), wohl aber eine Schule, eine Apotheke, ein Landgasthof und eine Rose an vielen Plätzen der Stadt, die nach Humboldt benannt ist. Für die Zukunft sei zum einen ein Humboldt-Zentrum geplant, das weit in die Region hinausstrahlen soll, zum anderen soll schon bald ein touristisches Hinweisschild entlang der Bundesautobahn A9 auf Goldkronach und Alexander von Humboldt hinweisen. Im Gegensatz zu Goldkronach gebe es in Argentinien bereits in jeder Stadt eine „Plaza Humboldt“, sagte der Kanzler der Universität Bayreuth Markus Zanner. Auch die Universität Bayreuth sei eine gefühlte Humboldt-Universität, auch wenn sie diesen Namen nicht offiziell tragen dürfe.

Humboldt, der zuvor Bergwesen, Mineralogie und Geologie studiert hatte, war 1792 auf Anweisung des preußischen Ministers von Heinitz in die damals gerade preußisch gewordenen  Fürstentümer Ansbach und Bayreuth gekommen. Seine Aufgabe sollte es unter anderem sein, den Zustand des hiesigen Bergbaus zu untersuchen und bereits stillgelegte Bergbauanlagen wieder zu beleben. Dabei schaffte er es nicht nur, die Arbeitsbedingungen unter Tage erträglicher zu gestalten sondern gründete auch eine Berufsschule für Bergleute. Die Erfindung eines Atemgerätes zur Rettung verunglückter Bergleute sowie einer Sicherheitslampe zeigten schon damals, dass sein Entdeckergeist grenzenlos gewesen sein muss. Unsterblich wurde Alexander von Humboldt mit seiner Forschungsreise durch Südamerika in den Jahren 1799 bis 1804 quer durch die heutigen Staaten Venezuela, Kuba, Kolumbien. Ecuador und Mexiko.

Bild: Alexander von Humboldt als Vordenker für das 21. Jahrhundert: der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Stefan Müller aus Erlangen beim Humboldt-Tag in der Evangelischen Stadtkirche von Goldkronach.

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13.09.2016

Rehabilitation als Schlüssel zur Wiedereingliederung / Zentrale Veranstaltung zum Deutschen Reha-Tag in Hutschdorf

Hutschdorf. „Sucht wird gerne versteckt“, sagt Gotthard Lehner, Leiter der Fachklinik Haus Immanuel in Hutschdorf bei Thurnau. „Abhängig zu sein, ist aber keine Schande“, so die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler. Wenn den Patienten so geholfen wird, wie in der Hutschdorfer Suchtklinik, dann könne es sogar eine Chance sein, sagte Mortler bei der zentralen Veranstaltung zum Deutschen Reha-Tag, die diesmal erstmals nicht in Berlin, sondern vor Ort in der Fachklinik Haus Immanuel stattfand.

Grund dafür ist, dass heuer die Rehabilitation im Bereich von Suchterkrankungen im Focus des Aktionstages stand. „Wir wollen die Möglichkeiten, die Rehabilitation bietet, öffentlich bekannt machen“, beschrieb der Geschäftsführer des Bundesverbandes für stationäre Suchthilfe Andreas Koch das wichtigste Ziel des Aktionstages. Es soll aber auch darauf hingewiesen werden, was Rehabilitation leisten kann, besonders im Bereich von Suchterkrankungen, die sonst kaum im Focus der Öffentlichkeit stehen.

Selbst innerhalb Oberfrankens sei die unter Trägerschaft des Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverbandes stehende Fachklinik weitestgehend unbekannt, sagte Klinikchef Lehner. Als Schwerpunkte der reinen Frauenklinik nannte die ärztliche Leiterin Dr. Gabriele Hilgenstock die Behandlung von Patientinnen mit Traumafolgestörungen sowie die Behandlung von suchtkranken Müttern mit Kindern. Eine Besonderheit sei die an christlichen Werten orientierte Behandlung. Der Bezug zu Gott sei ein explizites Thema, sagte Hilgenstock. Dazu gehörten beispielsweise auch ein regelmäßiger Morgenimpuls, das Beten vor jedem Essen und die Mitarbeit einer Seelsorgerin.

Für die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler bedeutete Rehabilitation im Suchtbereich die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. „Endlich wegkommen von der Sucht, Hilfen anzunehmen und wieder ein normales Leben führen zu können, das ist das wichtigste Ziel einer jeden Reha-Maßnahme, auch im Suchtbereich“, so Mortler. Die Bundesdrogenbeauftragte bezeichnete die Rehabilitation dabei auch als zentralen Schlüssel für die Wiedereingliederung nach einer Behandlung.

Nach den Worten der Bundesdrogenbeauftragten leiden bundesweit rund 1,8 Millionen Menschen unter einer Alkoholerkrankung. Etwa 74000 Menschen sterben jährlich an den Folgen von Alkohol- und Tabakgenuss. Betroffen seien dabei Menschen aller Alters- und Gesellschaftsschichten. Mortler bedauerte allerdings auch, dass die Antragszahlen für Rehabilitationsmaßnahmen derzeit rückläufig sind. Viele Patienten würden Reha-Maßnahmen erst gar nicht antreten. An die Ärzte appellierte sie deshalb, wesentlich intensiver und schneller auf das umfangreiche, flächendeckende und qualitativ höchst anspruchsvolle Reha-Angebot in ganz Deutschland hinzuweisen.

Zusammen mit der Fachklinik Haus Immanuel in Hutschdorf gebe es in Oberfranken insgesamt neun Reha-Kliniken, sagte Regierungspräsidentin Heidrun Piewernetz. „Der Regierungsbezirk ist damit gut aufgestellt, besitzt hervorragend ausgestattete Einrichtungen und hat ein Umfeld, das alle Sinne anregt“, so die Regierungspräsidentin.

Bei der zentralen Veranstaltung zum Deutschen Reha-Tag in Hutschdorf wurde das Thema Rehabilitation in zahlreichen Fachvorträgen nicht nur aus medizinischer Sicht, sondern unter anderem auch aus Sicht der Rentenversicherung beleuchtet. Der Fachverband Sucht stellte neue Zugangswege in der Behandlung Suchtkranker vor und der Bundesverband für stationäre Suchthilfe nahm die Traumabehandlung in der Suchtrehabilitation einmal genauer unter die Lupe.

Die Fachklinik Haus Immanuel in Hutschdorf  existiert bereits seit 1907 und ist damit die nach eigenen Angaben älteste Fachklinik in Bayern. Sie ist spezialisiert auf die Therapie alkohol- und medikamentenabhängiger Frauen. Ein 2012 fertiggestellter Neu- und Erweiterungsbau bietet Platz für 60 Frauen, bis zu zwölf Patientinnen können ihre Kinder zur Therapie mitbringen. Mit einer Jahresdurchschnittsbelegung von 100 Prozent wurden nach Angaben der Klinikleitung 250 Patientinnen behandelt. Die Kosten für die Therapiezeit werden in der Regel von den Rentenversicherungsträgern oder von den Krankenkassen übernommen. Die Aufenthaltsdauer ist auf 15 Wochen begrenzt.

Bild: „Abhängig zu sein ist keine Schande“: die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler.

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22.06.2016

Verwandt mit Lenin, Schiller und Grace Kelly / Bayreuther Arbeitskreis Familiengeschichtsforschung feiert 25. Geburtstag

Bayreuth. Sie ist mit Friedrich Schiller, Eduard Mörike und mit Grace Kelly verwandt: Adele Baierlein aus Bayreuth. Freilich nicht direkt, auch nicht um tausend Ecken. Schon eher um 10000 Ecken. Deshalb spricht Adele Baierlein auch nicht von Verwandtschaft, sondern von einer Ahnengemeinschaft. Das heißt, es gibt tatsächlich gemeinsame Vorfahren. Adele Baierlein ist Mitglied des Arbeitskreises Familiengeschichtsforschung, der sich alle vier Wochen unter dem Dach des Evangelischen Bildungswerks trifft. In diesem Jahr feiert der Arbeitskreis seinen 25. Geburtstag.

Ganz so jung sind seine führenden Köpfe nicht mehr. Michael Lutz (50) und Ralf Preiß (59) sind so etwas wie die Nesthäkchen. Spiritus Rektor ist Günter Kruse (83). Er war als Psychologe beim Arbeitsamt beschäftigt. Als er 1997 in den Ruhestand verabschiedet wurde, machte er es sich nicht etwa auf der heimischen Couch gemütlich, sondern trat ein Studium der Geschichte an der Universität Bayreuth an. Einige Jahre zuvor hatte er im Zuge einer Studienreise das Baltikum besucht, genau die Region, in der sein Großvater einst ein Gut hatte. Pfarrer Norbert Kotowsky schlug Günter Kruse, der sich zeitlebens schon für Familienforschung interessiert hatte, damals vor, einen Kurs Genealogie anzubieten. Aus diesem Kreis heraus war schließlich der Arbeitskreis Familiengeschichtsforschung entstanden, der sich im Herbst 1991 zum ersten Mal traf.

Bei der Genealogie gehe es nur um den Stammbaum, um Geburts- und Todesdaten. Bei der Familiengeschichtsforschung gehe es um weit mehr. Um das Drumherum sozusagen, um die soziale Einordnung, um Lebensgeschichten, darum, die Menschen verstehen zu lernen. Dabei hört die Familiengeschichtsforschung natürlich nicht an irgendwelchen Grenzen auf. Bei Adele Baierlein zieht sie sich praktisch kreuz und quer durch Europa, über Österreich, Galizien, Russland und das ehemalige Jugoslawien. 900 Jahre könne sie ihre Familie zurückverfolgen, sagt sie. Alles mit Kirchenbüchern, Stammbüchern, Ortsfamilienbüchern lückenlos belegbar.

Es sei von Anfang an wichtig gewesen, Bildungsinhalte in das Programm aufzunehmen, sagt Günter Kruse. Vorträge von Referenten gehören dazu, Exkursionen, gemeinsame Besuche der Universitätsbibliothek oder des Lastenausgleichsarchivs. Froh sind Günter Kruse und seine Mitstreiter um die Räumlichkeiten beim Evangelischen Bildungswerk, aber auch dafür, dass sämtliche Veranstaltungen im Jahresprogramm auftauchen und somit immer wieder neue Interessenten zu der Gruppe finden.

Auch Günter Kruse kann eine spektakuläre Verwandtschaft melden: Wladimir Iljitsch Lenin (1870 – 1924). Sogar die Taz hat schon darüber berichtet. 2006 war er in Moskau und hat Lenins Nichte Olga Uljanowa besucht.

Zwei Dinge sind es, die den Familiengeschichtsforschern das Leben schwer machen: eines ist die immense Zeit, die man braucht, um sauber forschen zu können. Das andere ist die deutsche Schrift früherer Zeiten, die heute so gut wie niemand mehr beherrscht. Doch es gibt auch Dinge, die es den Forschern einfacher machen. Der Computer und das Internet. Gerhard Zahn (78) ist so etwas wie der IT-Fachmann. „Die Computergeneologie hat sich rasant entwickelt“, sagt er. In manchen Ländern, in Tschechien etwa, könne man dank ehrgeiziger EU-Projekte schon nahezu lückenlos online in den Kirchenbüchern blättern. Und gerade Kirchenbücher seien die sichersten Quellen, die in der Regel mindestens bis zum 30-Jährigen-Krieg zurückreichen. Selbst die Kirchenbücher aus den baltischen Ländern seien als Faksimile abrufbar. Natürlich kosten die Zugriffsberechtigungen Geld, doch noch vor wenigen Jahren hätten sich die Familiengeschichtsforscher diese Entwicklung nicht träumen lassen.

So manch alteingesessener Oberfranke merkt, dass seine Wurzeln eigentlich ganz woanders sind und auch er einen Migrationshintergrund hat, sagt Jürgen Wolff, Leiter des Evangelischen Bildungswerks Bayreuth/Bad Berneck/Pegnitz. Für ihn ist es das Bemerkenswerte, dass sich im Arbeitskreis Familiengeschichtsforschung ganz breite Interessen wiederfinden, dass die Sozialgeschichte auch dazugehört und dass der Kreis auch geselligen Charakter hat.

Bild: Manchmal reicht den Familiengeschichtsforschern das Papier kaum aus, um einen Stammbaum sauber auszudrucken (von links): Michael Lutz, Gerhard Zahn, Ralf Preiß, Adele und Heinz Baierlein sowie Günter Kruse.

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01.06.2016

Hier wird die Glocke noch von Hand geläutet / Eines der ältesten Gotteshäuser der Fränkischen Schweiz: Klaussteinkapelle wurde generalsaniert 

Kirchahorn. Nach rund zwei Jahren umfangreicher Renovierung wird die Klaussteinkapelle im Ahorntal (Landkreis Bayreuth) von Regionalbischöfin Dorothea Greiner wieder eingeweiht. Die Generalsanierung des Gotteshauses hoch über dem Ailsbach hat knapp eine viertel Million Euro gekostet. Die kleine Kirche war einst Teil der mächtigen Burg Ahorn. Sie befindet sich auf einem Kalkfelsen direkt über der Sophienhöhle.

Die letzte Sanierung der Klaussteinkapelle lag mehr als 50 Jahre zurück. Der jetzige Putz sei 1962 aufgetragen, das Ziegeldach letztmals 1950 gedeckt worden, sagt Peter Zeh, seit 2005 Pfarrer von Kirchahorn. An der Westseite der Außenfassade war der Pilzbefall zuletzt nicht mehr zu übersehen. An der Südseite waren sogar große Teile des Putzes abgeplatzt. Das Mauerwerk lag offen und war Wind und Wetter ausgesetzt.

Neben dem neuen Außenputz mussten auch das Dach neu gedeckt, die Bänke gestrichen, sowie Elektrik und Beleuchtung erneuert werden. Auch eine neue Blitzschutzanlage sei durch die exponierte Lage dringend notwendig geworden. Mächtig gelitten hatte das Innere der Kapelle, an mehreren Stellen war bereits Feuchtigkeit eingedrungen. Nicht zuletzt gibt es jetzt auch eine moderne Alarmanlage.

Den größten Teil der Kosten muss die Kirchengemeinde mit rund 93000 Euro aus Rücklagen, Spendenaktionen und dem Kirchgeld selbst tragen. „Das Kirchgeld werden wir noch einige Jahre dafür verwenden müssen“, sagt Pfarrer Zeh. Größter Zuschussgeber ist die evangelische Landeskirche mit 55000 Euro. Dazu kommen weitere Zuschüsse der Oberfrankenstiftung (45000 Euro), der Bayerischen Landesstiftung (21000 Euro), der Stiftung für Denkmalpflege (11800 Euro) und der politischen Gemeinde Ahorntal (10000 Euro). Beim Landkreis Bayreuth sei ebenfalls ein Zuschuss beantragt worden.

Bei der Klaussteinkapelle handelt es sich um ein wichtiges Kulturdenkmal von überörtlicher Bedeutung. Taufen und Hochzeiten werden hier gern abgehalten. „Die Klaussteinkapelle ist eine der ältesten Kirchen der Fränkischen Schweiz“, so Pfarrer Zeh. Viele Menschen aus dem Nürnberger Land kämen regelmäßig zu Trauungen und Taufen hierher, aber auch aus Brasilien und aus Shanghai seien schon Gläubige eigens zu Trauungen und Taufen angereist. Im Sommer gibt es einmal im Monat einen Gottesdienst und am Nikolaustag versammeln sich die Kinder der Umgebung in der Kapelle, um eine fröhliche Nikolausandacht zu feiern und somit dem Namenspatron der Kapelle, dem heiligen Nikolaus, zu würdigen. Auch als kleiner Konzertsaal hat sich die Klaussteinkapelle einen Namen gemacht, sie ist beispielsweise regelmäßiger Aufführungsort für Kammermusik im Rahmen der Pegnitzer Sommerkonzerte.

Das Kirchenschiff ist im Kern romanisch mit einem kleinen spätgotischen Chor im Osten, dem ursprünglichen Altarraum, der heute als Sakristei dient. Die Kapelle wurde im 18. Jahrhundert im Sinne des Barocks umgestaltet. Statt des gotischen Choraltars kam 1723 ein viersäuliger Kanzelaltar des Auerbacher Bildschnitzers Johann Michael Doser in die Kapelle.

Die Geschichte der Kapelle geht zurück bis in das Jahr 1139. In diesem Jahr wurde erstmals eine Kapelle in der Burg „derer von Ahorn“ genannt. 1272 erlosch das Geschlecht und die Herren von Rabenstein übernahmen die Kapelle. Seit 1390 gilt sie nicht mehr als Burgkapelle, sondern als eigenständiger Sakralbau. Infolge der Reformation wurde die römisch-katholische St.-Nikolaus-Kapelle 1566 unter den Rabensteinern evangelisch-lutherisch und gehört heute als Filialkirche zu Kirchahorn.

Eine Besonderheit der Klaussteinkapelle ist auch das silberne Glöcklein in dem restaurierten Glockenturm, der wie seit Jahrhunderte die Gläubigen zu Gebet und Gottesdienst ruft. Dafür ist Marga Neuner zuständig. Die 77-Jährige ist seit über 50 Jahren als Mesnerin und Kirchenführerin der Klaussteinkapelle tätig. Um in die Kapelle zu gelangen, muss jeder Besucher, erst durch das landwirtschaftliche Anwesen der Familie Neuner spazieren. „Das war schon immer so“, sagt Marga Neuner, die sich auch Dichterin und Buchautorin („Klaussteiner Horizonte“) einen Namen gemacht hat. Die Kapelle ist täglich von 9 bis 17 Uhr zu besichtigen.

Bilder:
1. Hoch über dem Ailsbach auf einem Kalkfelsen direkt über der Sophienhöhle liegt die Klaussteinkapelle.
2. Der Kanzelaltar des Auerbacher Bildschnitzers Michael Doser stammt aus dem Jahr 1723, die Orgel wurde 1739 gebaut.
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. Marga Neuner ist seit über 50 Jahren als Mesnerin der Klaussteinkapelle tätig. Mit im Bild: Peter Zeh, seit 2005 Pfarrer von Kirchahorn.

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05.05.2016

Gottes Barmherzigkeit ist grenzenlos / Auftakt des Humboldt-Kultursommers - Weihbischof Gössl würdigte Engagement von Flüchtlingshelfern

Goldkronach. Als beunruhigend hat es der Bamberger Weihbischof Herwig Gössl bezeichnet, wie schnell Solidarität und Mitmenschlichkeit zur Disposition gestellt oder ausgehebelt werden, sobald sie beginnen, etwas zu kosten. Zeit und Geld zu Beispiel, sagte Gössl in Anspielung auf die Flüchtlingsthematik beim Auftakt des Alexander-von-Humboldt-Kultursommers in Goldkronach.

Jesu und seine Botschaft stünden nicht für Friede, Freude, Eierkuchen, sagte der Weihbischof vor dem Hintergrund des von Papst Franziskus ausgerufenen Jahres der Barmherzigkeit. Er würdigte das nachhaltige Engagement so vieler Ehrenamtlicher in der Flüchtlingsarbeit und sprach von Barmherzigkeit als großes Gemeinschaftswerk.

Natürlich könne man nicht die Not der ganzen Welt schultern, aber müsse es deshalb wirklich Grenzen für gelebte Barmherzigkeit geben und wenn ja, wo sollten sie liegen? „Nicht ich allein soll die Last der Welt tragen, sondern das, was ich tragen kann“, so Gössl. Dieses Wissen nehme die Angst vor der Überforderung und Grenzen stünden dabei nicht mehr im Vordergrund.

„Gottes Barmherzigkeit ist grenzenlos und überwindet sogar die Grenze des Todes“, stellte Gössl fest. Barmherzigkeit sei dabei weder Mitleid noch Schwäche, wie das Friedrich Nietzsche gesehen hat. Gotten Barmherzigkeit sei vielmehr der Beweis seiner Stärke, auch wenn uns die Realität manchmal sagen möchte; „Das geht doch gar nicht“. Gott fordere manchmal, aber er überfordert nicht, sagte Gössl und zählte die konkreten Werke der Barmherzigkeit auf: „Hungrige speisen, Durstige tränken, Fremde beherbergen, Nackte bekleiden, Kranke und Gefangene besuchen sowie Tote begraben.“

Es sei mittlerweile eine gute Tradition, dass der Alexander-von-Humboldt-Kultursommer in jedem Jahr mit einem geistlichen Impuls gestartet wird. „Alle Kultur gründet sich auf das christliche Fundament Europas“, sagte der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, gleichzeitig Gründungsmitglied und Ideengeber des Kulturforums. Dazu gehöre auch die Kirchenmusik, die diesmal Regionalkantor Christoph Krückl und sein Vokalensemble „Tri-angel“ repräsentierten. Das Trio mit Evamaria Peter, Katharina Krückl und Rota Krückl führte unter anderem Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy und John Rutter auf. Fürbitt- und Segensgebete sprachen in ökumenischer Verbundenheit die verantwortlichen Geistlichen für Goldkronach Pater Stephan Matula und der evangelische Pfarrer Hans-Georg Taxis.

Die Gedanken zum Himmelfahrtstag waren der offizielle Auftakt zum Kultursommer des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums Schloss Goldkronach, das mit fast zwei Dutzend Veranstaltungen bis zum Ende des Jahres das Kulturleben in der Region bereichern wird.

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24.03.2016

Kriminalitätsstatistik Oberfranken: Rechte Gewalt auf Höchststand seit Beginn der Statistik / Drogentote auf Rekordniveau – Einbruchskriminalität angestiegen

Bayreuth. Was die Sicherheit angeht, ist Oberfranken ein hervorragender  Standort. Das geht aus der Kriminalitätsstatistik 2015 hervor, die der oberfränkische Polizeipräsident Reinhard Kunkel am Donnerstag in Bayreuth vorgelegt hat. „Im Ergebnis können wir eine sehr gute Sicherheitsbilanz für ganz Oberfranken vorlegen“, sagte Kunkel. „Wir stellen eine positive Gesamtentwicklung in nahezu allen Delikt Bereichen fest“, so Harald Osel, Leiter des Sachbereichs Kriminalitätsbekämpfung.

Drei Punkte gibt es, die einen Schatten auf dieses positive Gesamtbild werfen. Da ist zum einen die politisch motivierte Kriminalität. Nach Jahren des Rückgangs sei 2015 wieder ein deutlicher Anstieg festzustellen gewesen. Zurückzuführen sei dies insbesondere auf die hohen Aktivitäten im Bereich der rechten Szene, sagte Osel. Deshalb gehe die oberfränkische Polizei auch Konsequent und mit aller Entschlossenheit gegen rechte Gewalt vor, so Kunkel. Die Zahl der registrierten Straftaten in 2015 lag nach den Worten des Polizeipräsidenten bei 230. „Das ist der Höchststand in Oberfranken seit der statistischen Auswertung“, sagte Kunkel. Bei linksextremistischen Straftaten habe es dagegen einen leichten Rückgang auf 41 gegeben.

Was Straftaten im Zusammenhang mit Zuwanderern betrifft, so habe es dabei keinen signifikanten Anstieg der Gesamtkriminalität gegeben, so die Polizei. Zwar seien 5952 Fälle registriert worden, doch handle es sich bei 4267 Fällen um Verstöße gegen ausländerrechtliche Bestimmungen wie Aufenthalt ohne Pass oder Aufenthaltsgenehmigung. Bei den restlichen Straftaten handle es sich im Wesentlichen um Rohheitsdelikte meist untereinander und innerhalb der Unterkünfte sowie um Diebstähle. Auch 18 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind darunter.

Zum anderen sind es die Drogenkriminalität und die damit verbunden 31 Drogentote, so viele wie nie zuvor im Regierungsbezirk, die den Beamten große Sorgen machen. 2014 waren es noch 18, 2006 noch vier Drogentote. „Das ist eine sehr bittere Bilanz“, sagte Osel. Zwar war die Zahl der Rauschgiftdelikte insgesamt um über vier Prozent auf 3417 Straftaten zurückgegangen, doch stellte der Polizeipräsident Kunkel unmissverständlich klar: „Das Geschäft boomt.“

Da es sich bei Rauschgiftdelikten fast ausschließlich um Kontrolldelikte handelt, sei auch eine Aufklärungsquote von 97 Prozent erzielt worden. Das verdeutliche aber auch das konsequente Vorgehen der oberfränkischen Polizei, so Osel. Keine Entwarnung gab es dabei in Bezug auf die Teufelsdroge Crystal. Hier konnten die oberfränkischen Beamten 2015 knapp vier Kilogramm und damit nur geringfügig weniger als im Jahr zuvor, aus dem Verkehr ziehen. Bei Kokain und LSD-Trips seien die sichergestellten Mengen dagegen angestiegen. Große Sorgen bereiten den Beamten auch die sogenannten Legal Highs, die als „Kräutermischungen“, „Lufterfrischer“ oder „Badesalz“ angeboten werden. Trotz der harmlosen Namen: Diese Produkte enthalten Rauschmittel, Stimulanzien oder ähnliche chemische Wirkstoffe, deren Folgen unberechenbar sind und die zu erheblichen physischen oder psychischen Problemen führen können.

Dritter Bereich, der die Beamten im vergangenen Jahr auf Trab gehalten hat, ist der Bereich der Einbruchskriminalität. Im Vergleich zu 2015 habe es oberfrankenweit eine Steigerung um 24 Fälle auf 406 Straftaten gegeben. Damit stelle sich Oberfranken gegen den bayerischen Trend, wo die Einbrüche im Schnitt um fast neun Prozent gesunken waren. Harald Osel gab dabei aber auch zu bedenken, dass 50 Prozent der Einbrüche im Versuchsstadium stecken blieben und 30 Prozent geklärt werden konnten. „Trotzdem ist jeder Einbruch einer zu viel“, sagte Polizeipräsident Kunkel und kündigte an, auch im kommenden Jahr alles daran zu setzen, vor den Tätern am Tatort zu sein.  Jeder einzelne könne seinen Beitrag zur Bekämpfung der Einbruchskriminalität leisten, sagte der Polizeipräsident und appellierte an die Bevölkerung, gleich die 110 zu wählen, wenn sich in Wohngebieten Menschen herumtreiben, die sichtlich dort nicht hingehören.

Insgesamt hatte die oberfränkische Polizei im zurückliegenden Jahr 51588 Straftaten registriert. Das bedeute eine leichte Zunahme der Fallzahlen um 1,9 Prozent. Die Zunahme kommt durch die Vielzahl ausländerrechtlicher Verstöße nach dem Asyl-, Aufenthalts- und Freizügigkeitsgesetz zustande. Ohne diese Straftaten wie Aufenthalt ohne Pass oder ohne Aufenthaltsgenehmigung ist die Kriminalitätsentwicklung sogar rückläufig und liegt bei 47204 Fällen, was einen Rückgang um fünf Prozent betrifft. Besonders abgenommen hätten dabei Körperverletzungen im öffentlichen Raum um fast sechs Prozent, Kfz-Diebstähle um über 15 Prozent, schwere Diebstähle um fast neun Prozent und Sachbeschädigungen um über 13 Prozent.

Bild: Kriminalitätsstatistik mit Licht und Schatten: Polizeipräsident Reinhard Kunkel (rechts) und der Leiter des Sachbereichs Kriminalitätsbekämpfung Harald Osel.

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09.03.2016

Licht und Farbe für St. Moriz / Coburger Stadtkirche wurde zwei Jahre lang aufwändig saniert – Hier predigte schon Martin Luther

Coburg. Fast genau zwei Jahre nach Beginn der umfangreichen Sanierungsarbeiten wird die Coburger St.-Moriz-Kirche an Ostern wiedereröffnet. „Die Gemeinde wird an Ostersonntag einziehen, nachdem die Salvatorkirche zwei Jahre lang als Ausweichquartier gedient hat“, freut sich Gertrud Göpfert, seit September 2014 geschäftsführende Pfarrerin in St. Moriz.

Als sie damals kam, da sei die Baustelle schon voll in Gang gewesen. Im Kirchenschiff gab es eine aufwändige Gerüstkonstruktion, die den gesamten Innenraum umfasste und die bis zu 15 Meter hoch war. Schon zuvor hatte für die evangelische Innenstadtgemeinde St. Moriz am Ostermontag 2014 mit einer Kirchenschließandacht die jüngste Zäsur in der mehrere Jahrhunderte überspannenden Geschichte der Kirche begonnen.

Dabei ist eigentlich eine turnusmäßige Sanierung, die alle 40 bis 50 Jahre fällig wird. Die letzte Innensanierung fand in den 1970er Jahren statt. Seit 2009 gebe es Planungen des Hochbauamtes der Stadt Coburg in Abstimmung mit der Landeskirche für eine Renovierung, die veränderten liturgischen Konzeptionen und Bedürfnissen für das gottesdienstliche und kirchenmusikalische Leben gerecht wird.

Im Hinterkopf hatten die Verantwortlichen allerdings immer auch das Reformationsjubiläum 500 Jahre Thesenanschlag in Wittenberg, das 2017 unter anderem mit einer großen Landesausstellung des Hauses der bayerischen Geschichte in Coburg gefeiert wird. Weil Martin Luther eng mit Coburg in Verbindung steht, sich im Jahr 1530 mehrere Monate lang auf der Veste aufhielt und an Ostern 1530 mehrfach in der St.-Moriz-Kirche predigte, sollte auch die Kirche als authentischer Ort in neuem Glanz erstrahlen.

Drei Dinge, sind es, die dem Betrachter besonders ins Auge fallen: Die Kirche wurde vom Staub mehrerer Jahrzehnte befreit und erstrahlt wieder in hellem Weiß. Der neue Anstrich setzt auch neue farbliche Akzente. Dominierten bisher in altrosa gehaltene Flächen, wird zukünftig ein hellgelb-beiger Farbton für Abwechslung sorgen. Auch die dunkle Wandverkleidung im Altarraum, die immer an ein Chorgestühl erinnerte, ist verschwunden. Dazu ist das Stufenpodest rund um den Altar großzügig erweitert worden.

Besonders augenfällig ist auch der Altar aus Ahornholz des Münchner Künstlers Werner Mally. Der Altar ist in sich verschiebbar und kann jeweils passend zum Fest des Kirchenjahres verändert werden kann. Ein Stehpult, ein Osterleuchter und ein Kreuz ergänzen die Ausstattung. In die Mitte gerückt wurde außerdem der historische Taufstein. Modernisiert wurden unter anderem die in die Jahre gekommene Elektrik sowie die Tonanlage und die Beleuchtung. Das Lichtkonzept ist künftig auf verschiedene Szenarien ausgerichtet, die der unterschiedlichen Nutzung für kleine und große Gottesdienste und für die Kirchenmusik gerecht werden. Auch der Boden wurde gründlich gereinigt und am Haupteingang gibt es eine neue Pforte. Die Bestuhlung bleibt allerdings die alte.

Das Herzstück des Altarraums ist der Epitaph des Bildhauers Nikolaus Bergner von 1598, ein Kunstwerk, das seinesgleichen sucht, und das die beiden Restauratorinnen Jutta Minor und Cornelia Petterson in mühevoller Kleinarbeit aufwändig hergerichtet haben. Ein ganz besonderes musikalisches Schmuckstück ist auch die 1989 errichtete Schuke-Orgel mit den erhaltenen, ursprünglichen Pfeifen der Orgel von 1740. Epitaph und Orgel überdauerten die Bauarbeiten gut geschützt und teilweise komplett eingehaust in der Kirche.

Nach den Worten der geschäftsführenden Pfarrerin Gertrud Göpfert wurde der Landeskirche die Baumaßnahme mit Gesamtkosten in Höhe von 1,4 Millionen Euro zur Genehmigung vorgelegt. Davon beträgt der kirchliche Anteil 500000 Euro, die Gemeinde hat davon 170000 Euro an Eigenmitteln aufzubringen, die Landeskirche ist mit der Bedarfszuweisung von 330000 Euro beteiligt. Den Hauptanteil trägt die Stadt Coburg mit 615000 Euro, die Oberfrankenstiftung mit 200000 Euro sowie die Denkmalpflege mit 85000 Euro. Das Epitaph ist in dieser Finanzierung nicht enthalten.

Die im Besitz der Stadt Coburg befindliche Morizkirche ist Hauptkirche der evangelischen Innenstadtgemeinde St. Moriz. Der erste urkundliche Nachweis der Kirche stammt aus den Jahren 1056/1057. Ältester Teil des heutigen Kirchenbaus ist der 1330 abgeschlossene Ostchor. Die Türme und das Portal der Kirche kamen um etwa 1420 hinzu. Um 1520 wurde mit der Aufrichtung des eigentlichen Kirchengebäudes begonnen.

Die offizielle Wiedereröffnung der Str.-Moritz-Kirche in Coburg wird Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm am Sonntag, 8. Mai mit einem Festgottesdienst ab 10 Uhr vornehmen. Auch Bedford-Strohm hatte an der Kirche schon einen Dienstauftrag: Er war von 1997 bis 1999 und von 2001 bis 2004 Pfarrer an der Coburger Morizkirche.

Bilder:
- Innenraum der Coburger St.-Moriz in Richtung Bergner-Epitaph.

- Innenraum der Coburg St. Morizkirche in Richtung Schuke-Orgel.

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25.01.2016

Verstärkung für Bundespolizei in Oberfranken / Bayreuth als Standort für die Spezialeinheit „BFE Plus“ im Gespräch

Bayreuth. Der Bundespolizeistandort Bayreuth könnte schon bald durch eine neue Einheit verstärkt werden. Das hat der der beim Bundesinnenministerium angesiedelte Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk am Montag beim Neujahrsempfang der Bundespolizei-Abteilung Bayreuth bekannt gegeben. Es handle sich dabei um eine zusätzliche Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) gegen den internationalen Terrorismus, die unterhalb der GSG 9 angesiedelt ist und die ihre Aus- und Fortbildungsmaßnahmen in enger Zusammenarbeit mit der GSG 9 durchführt.

Koschyk zeigte sich dabei froh darüber, dass der Bundestag den erhöhten Anforderungen an die Bundespolizei Rechnung getragen habe und im Bundeshaushalt 2016 die Schaffung von über 1500 zusätzlichen Stellen allein für die Bundespolizei festgeschrieben hat. Unter diesen neuen Stellen sind auch 250 für die neuen Einheiten der Bundesbereitschaftspolizei „BFE Plus“ enthalten, mit denen Bundesinnenminister Thomas de Maizière auf die gewandelten Taktiken des internationalen Terrorismus, wie er sich etwa bei den schrecklichen, menschenverachtenden Anschlägen in Paris gezeigt hat, reagiert.

Angegliedert an bestehende Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten sollen diese neuen Einheiten bei multiplen, länger andauernden Lagen unter anderem die Spezialeinheiten unterstützen. Die erste „BFE-Plus“-Einheit sei bereits in Blumberg im Nordosten von Berlin aufgestellt, im Licht der dort gemachten Erfahrungen sollen nach der aktuellen Planung beginnend in diesem Jahr bis Ende 2017 vier weitere hinzukommen. Eine in St. Augustin bei Bonn, eine weitere in Bayreuth. Der Standort sei dabei bereits in die engere Wahl gefasst worden, mit einer der künftigen „BFE-Plus“-Einheiten verstärkt zu werden. Bayreuth habe die allerbesten Chancen, vor allem auch deshalb, weil es keine polizeiliche Großlage in Deutschland gibt, an der nicht Beamten aus Bayreuth beteiligt wären.

Von der augenblicklich größten Einsatzbelastung seit Gründung der Bundespolizei sprach Präsident Friedrich Eichele. Von insgesamt 2,1 Millionen Überstunden in 2015 entfielen rund 700000 und damit ein Drittel auf den Standort Bayreuth. Auch Abteilungsführer Dieter Hader sprach hinsichtlich der Gesamteinsatzstunden in Höhe von rund 400000 vom höchsten Wert seit Bestehen der Abteilung. Nicht nur die Migrationseinsätze seit Mitte September seien dafür verantwortlich, sondern auch die Pegida- und Legida- Einsätze, die Mitwirkung beim G7-Gipfel im oberbayerischen Schloss Elmau und die Einweihung der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.

Im Zusammenhang mit der Flüchtlingssituation bezeichnete Hader nicht nur die unmittelbare Konfrontation mit menschlichen Schicksalen als sehr belastend, sondern auch die wenig differenzierte Betrachtung der Öffentlichkeit. Der Abteilungsführer versicherte dabei auch, dass alle Mitarbeiter der Bundespolizei jeden Einzelfall differenziert betrachten.

Es dürfe für aber auch niemals zur Routine-Meldung verkommen, wenn wir erfahren müssen, dass bei den Einsätzen immer wieder Polizeibeamte verletzt werden, zum Teil sogar schwer, sagte der Bundesbeauftragte Koschyk. Auch Bayreuther Bundespolizisten seien im vergangenen Jahr davon betroffen gewesen. Koschyk: „Wir müssen ständig daran arbeiten, wie wir Ihren schwierigen Dienst noch besser gegen Gefahren absichern können.“

 

Bilder:
- Abteilungsführer Dieter Hader (links) und Bundesbeauftragter Hartmut Koschyk.
- Der Bayreuther Abteilungsführer der Bundespolizei Dieter Hader.
- Der Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk.

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05.01.2016

Lärmschutz statt noch mehr Verkehr / Bürgerinitiativen fordern erneut Herausnahme der Fichtelgebirgsautobahn aus dem Bundesverkehrswegeplan

Bayreuth. Die Bürgerinitiativen gegen die Fichtelgebirgsautobahn fordern einmal mehr die komplette Streichung des Vorhabens aus dem Bundesverkehrswegeplan. Sprecher Christoph Bochinger aus Metzlersreuth bei Gefrees nannte es vor der Presse in Bayreuth schizophren, dass für die Strecke östlich des Silberhauses teils drei-, teils vierspurige Ausbauten, teilweise sogar Neutrassierungen für den neuen Bundesverkehrswegeplan gemeldet wurden. Eigentlich hätte der Bundesverkehrswegeplan schon 2015 verabschiedet werden sollen. Wegen der Vielzahl der gemeldeten Vorhaben ist nun erst mit einer Verabschiedung weit bis in das neue Jahr zu rechnen.

Für Bochinger ist die Fichtelgebirgsautobahn eine „Never ending story“. Habe es bis zuletzt so ausgesehen, als dass sich die Bayerische Staatsregierung von dem Projekt verabschiedet hätte und die Fichtelgebirgsautobahn gar nicht an den Bund zur Aufnahme in den Verkehrswegeplan melden wollte, ist nun klar, dass man zumindest auf dem Gebiet des Landkreises Wunsiedel die mehrspurigen Ausbauten sowie eine Neutrassierung zwischen Silberhaus und Tröstau doch wieder angemeldet hat. Bochinger sprach von Salamitaktik, denn wenn im Osten ausgebaut wird, müsse ja auch wieder im Westen ausgebaut werden. Dies könne nicht sein, der BI-Sprecher forderte deshalb: „Wir appellieren an die Politik, dieses unsinnige Projekt endlich komplett aus den Planungen zu nehmen.“

Die Bürgerinitiativen fordern die Herausnahme aus dem Bundesverkehrswegeplan umso nachdrücklicher, als die „konstant niedrigen Verkehrszahlen“ eine Fichtelgebirgsautobahn oder auch eine Bundesstraße „B303neu“ schon lange überflüssig machen. Den amtlichen Angaben des Bayreuther Bauamts zufolge liegen die Zahlen sowohl beim Grenzübergang Schirnding im Osten als auch bei Bischofsgrün im Westen bei zwischen 5000 und 6000 Fahrzeugen pro Tag. „Das ist Kreisstraßenniveau“, sagte Kerstin Popp, Sprecherin der „Bürgerinitiative Fichtelgebirgsautobahn Ost“ aus Hohenberg an der Eger.

Schon die bestehende zweispurige Bundesstraße sei nach den Kriterien des Bundesverkehrswegeplans auf 20000 Fahrzeuge pro Tag ausgelegt. Dieser Wert werde an keiner Stelle der B303 erreicht, die bestehende B303 sei damit schon heute überdimensioniert. Auch der Titel einer „Europastraße“ habe längst keine Bedeutung mehr. Gerade in Zeiten knapper Kassen nannte es Kerstin Popp verantwortungslos, ein solches Projekt durchsetzen zu wollen.

„Wir brauchen Lärmschutzmaßnahmen und nicht noch mehr Verkehr“, sagte Peter Ille vom Bund Naturschutz in Bayreuth. Vor allem für die Menschen in Bad Berneck und Bischofsgrün, die seit Jahrzehnten an der B303 leben, seien Lärmschutzmaßnahmen unverzichtbar. Das Geld sollte lieber in den Erhalt bestehender Straßen investiert werden, so Bürgermeister Harald Schlegel aus Gefrees.

Jörg Hacker, Naturschutzreferent des Fichtelgebirgsvereins sprach sich im Namen des Vereins für zusätzliche Überholmöglichkeiten und Lärmschutzmaßnahmen aus. „Alles andere lehnen wir ab“, sagte er und nannte dabei explizit einen zweibahnigen und vierspurigen Ausbau der B303 zwischen Marktredwitz-West und der Grenze sowie den Neubau einer Südumgehung von Tröstau.

Kerstin Popp brachte auch einmal mehr die vollständige Sperrung für den Schwerlastverkehr ins Gespräch. Auch künftig könnte damit jeder Betrieb, jedes Unternehmen im Fichtelgebirge angefahren werden, sogar  ein 70-Kilometer-Radius wäre bei einer solchen Transitsperre denkbar, nahm sie allen Kritikern den Wind aus den Segeln. Was allerdings fehle sei der politische Wille. „Die Politik hat Angst, einen Präzedenzfall zu schaffen“, so Kerstin Popp.

Die Gesamtkosten der Fichtelgebirgsautobahn waren anfangs auf rund 400 Millionen Euro beziffert worden, zwischenzeitlich standen aber auch schon mal Baukosten von einer Milliarde Euro im Raum. Die aktuellen Kosten für den Ausbau des östlichen Teilstücks sollen sich nach Angaben der Bürgerinitiativen noch immer auf etwa 200 Millionen Euro  belaufen.

Bild: Kerstin Popp und Christoph Bochinger forderten vor der Presse in Bayreuth einmal mehr die komplette Streichung der Fichtelgebirgsautobahn aus dem Bundesverkehrswegeplan.

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11.11.2015

Wendig, witzig, widersprüchlich:
Frankenwürfel 2015 für Beckstein, Böhm und Busch

Thurnau. So sind sie, die Franken: wendig, witzig und widersprüchlich. Weil sie so sind, hatte der Schriftsteller Hans Max von Aufseß einen Aufsatz mit dem Titel „Der Franke ist ein Gewürfelter“ verfasst. Geboren war der Frankenwürfel, den die drei fränkischen Regierungspräsidenten 1985 erstmals an drei Persönlichkeiten aus Mittel-, Ober- und Unterfranken verliehen haben. Weil es genügend wendige, witzige und widersprüchliche Franken gibt, hält die Tradition bis heute an und so wurden auch in diesem Jahr am 11. November, dem Namenstag des Frankenheiligen Martin, zum mittlerweile 31. Mal wieder drei Frankenwürfel aus edlem Porzellan vergeben. Preisträger 2015 sind: der Coburger Landrat Michael Busch aus Ebersdorf (Oberfranken), der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein aus Nürnberg (Mittelfranken) und der ehemalige Landtagspräsident Johann Böhm aus Unsleben (Unterfranken).

Der Coburger Landrat Michael Busch sorgte für ein Novum in der Geschichte des Frankenwürfels. Er bedankte sich nach der Laudation des oberfränkischen Regierungspräsidenten Wilhelm Wenning mit dem in Mundart vorgetragenen Lied „Eduard steh auf und fang´ die Mugg“. Zuvor hatte Wenning Busch als Landrat beschrieben, der immer wieder gerne die Gitarre zur Hand nehme und damit auftrete. „Das macht ihm mehr Spaß, als jedes gesprochene Grußwort“, sagte Wenning. Busch ist seit 2008 Landrat . Zuvor war er sechs Jahre lang dritter und sechs Jahre lang zweiter Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Ebersdorf. Von 1996 bis 2002 war er außerdem Stellvertreter des Landrats.

Der mittelfränkischen Regierungspräsident Thomas Bauer hatte zuvor die Laudatio auf den früheren bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein gehalten und ihn dabei unter anderem als "obersten Polizisten Bayerns“, als „dienstältesten bayerischen Innenminister der Nachkriegszeit“ als „Botschafter Frankens in München“ und als „einzigen protestantischen und fränkischen Ministerpräsidenten des Herzens“ bezeichnet. Beckstein wurde 1974 zum ersten Mal in den Landtag gewählt und gehörte dem Gremium bis 2013 ununterbrochen an. Von 1993 bis 2007 war er Innenminister, 2007 bis 2008 Ministerpräsident. „Der fränkische Traum im höchsten bayerischen Amt währte nur kurz“, sagte Bauer.

Mit dem ehemaligen Landtagspräsidenten Johann Böhm erhielt schließlich ein gebürtiger Egerländer den Frankenwürfel aus den Händen von Unterfrankens Regierungspräsident Paul Beinhofer. Böhm habe es stets verstanden, die Menschen für sich und seine Anliegen zu gewinnen, sagte Beinhofer. Böhm wurde ebenfalls 1974 zum ersten Mal in den bayerischen Landtag gewählt. Ab 1990 war er zunächst Staatssekretär, später Leiter der bayerischen Staatskanzlei und anschließend ein Jahr lang Bevollmächtigter des Freistaats beim Bund. Von 1994 bis 2003 war er schließlich Bayerischer Landtagspräsident.

Der Frankenwürfel gilt als die höchste fränkische Auszeichnung für Menschen des typischen fränkischen Schlages. Der begehrte Würfel zeigt die drei Wappen der Regierungsbezirke und wird an Personen verliehen, in denen das Prägende des fränkischen Charakters besonders deutlich zum Ausdruck kommt: Das Wendige, das Witzige und das Widersprüchliche, wobei Witz auch für Erfindergeist und Einfallsreichtum steht. So trägt auch der Würfel die Inschrift „Sich wenden, sich drehen, im Leben bestehen, so ist der gewürfelte Franke zu sehen.“ Ideengeber Hans Max von Aufseß (1906 - 1993) gilt als einer der bedeutenden fränkischen Schriftsteller. Er lebte auf Schloss Oberaufseß und war ein Großneffe von Hans von und zu Aufseß, dem Gründer des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg.

Bild unten: Sie sind die Preisträger des Frankenwürfels 2015: der Coburger Landrat Michael Busch mit dem oberfränkischen Regierungspräsident  Wilhelm Wennng, der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein mit dem mittelfränkischen Regierungspräsidenten Thomas Bauer und der ehemalige Landtagspräsident Johann Böhm mit dem unterfränkischen Regierungspräsidenten Paul Beinhofer.

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02.10.2015

„Wollen selbstverständlicher Teil der Gesellschaft sein“ / Zentralratsvorsitzender der Sinti und Roma Romani Rose bei Interkultureller Woche in Bayreuth

Bayreuth. Als Bedrohung, nicht nur für Minderheiten, sondern für die gesamte Demokratie hat der Zentralratsvorsitzende der Sinti und Roma in Deutschland, Romani Rose, die vielen populistischen Bestrebungen der Gegenwart bezeichnet. „Wir sind derzeit Zeugen davon, dass Flüchtlingsheime brennen“, sagte Rose bei einem Vortrag im Rahmen der Interkulturellen Wochen in Bayreuth. Die Verteidigung demokratischer Werte sollte deshalb Aufgabe der Gesamtgesellschaft sein.

Der Zentralratsvorsitzende zeigte sich aber trotzdem überzeugt davon, „dass unsere gefestigte Demokratie auch die aktuellen Herausforderungen bewältigen wird“. Es gebe eben nicht nur brennende Flüchtlingsheime, sondern auch eine große Welle der Hilfsbereitschaft nahezu unzähliger haupt- und ehrenamtlicher Helfer. Höchsten Respekt zollte Rose auch Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihre von Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft getragene Haltung.

Rose beklagte aber auch die rassistische Gewalt gegen Sinti und Roma in vielen Ländern Europas. Wie keine andere Minderheit seien Sinti und Roma rassistischen Angriffen ausgesetzt. „Rassismus gegenüber unserer Minderheit ist noch immer an der Tagesordnung“, sagte er. Dieser allgegenwärtige Antiziganismus werde weder von der Politik noch von der Gesellschaft hinterfragt.

Aufgrund all dieser Vorkommnisse sei es wichtig, Aufklärungsarbeit zu leisten und dem Klischee die Wirklichkeit entgegenzusetzen. Dies sei unter anderem durch die Gründung des Zentralrats der Sinti und Roma 1982, durch die Einrichtung des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg und durch das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas in Berlin nahe des Reichstages geschehen.

„Uns geht es nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Wahrhaftigkeit, gesellschaftliche Aufklärung und historische Erinnerung“, sagte Rose. „Wir wollen aus der Opferrolle raus und selbstverständlicher Teil der Gesellschaft sein.“ Ausgrenzung dürfe keinen Platz mehr in der Gesellschaft haben. Allerdings gebe es noch immer kein ausreichendes Bewusstsein für die Verbrechen an Sinti und Roma. Über 500000 Sinti und Roma, die teilweise seit Generationen in Deutschland verwurzelt waren, sind erfasst, entrechtet, gettoisiert und schließlich ermordet worden. Der NS-Staat habe den Angehörigen der Sinti und Roma kollektiv das Lebensrecht abgesprochen, sagte Rose, dessen Großeltern und elf weitere nahe Familienangehörige in Konzentrationslagern ermordet wurden.

Weder politzisch, noch historisch habe nach dem Krieg eine Aufarbeitung dieser Verbrechen stattgefunden, noch 1956 seien Entschädigungen höchstrichterlich abgelehnt worden mit den gleichen Argumenten und der gleichen demagogischen Hetze wie von Seiten des Nationalsozialismus.

Auch Sinti und Roma seien während des Naziregimes systematisch ermordet worden, sagte der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, der Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk. Das aber sei im breiten Bewusstsein der Bevölkerung noch nicht verankert. Koschyk räumte ein, dass es lange gedauert habe, bis die Bundesrepublik ein entsprechendes Abkommen zur Anerkennung nationaler Minderheiten unterzeichnet habe. Der Bundesbeauftragte nannte es eine gesamteuropäische Verantwortung die Lebenssituation von zehn bis zwölf Millionen Sinti und Roma in ihren angestammten Ländern in und außerhalb von Europa zu verbessern.

Neben Dänen, Friesen und Sorben gelten Sinti und Roma in Deutschland als anerkannte Minderheit. Sinti und Roma sind gleichzeitig die größte nationale Minderheit in Europa ohne „Mutterland“. Der Begriff Sinti bezeichnet die Angehörigen der Volksgruppe vor allem in West-, Roma in Osteuropa. Etwa 90 Prozent der Sinti und Roma sind katholisch, der Rest protestantisch. In Bayreuth leben nach den Worten des zweiten Bürgermeisters Thomas Ebersberger rund 40 Sinti- und Roma-Familien, darunter ein großer Teil Jugendlicher.

Bildtexte:
1. „Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Wahrhaftigkeit“: Romani Rose, der Zentralratsvorsitzende der Sinti und Roma in Deutschland.
2. Der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, der Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk (links) hatte den Zentralratsvorsitzenden der Sinti- und Roma, Romani Rose, zur Interkulturellen Woche nach Bayreuth eingeladen und bedankte sich mit Buchgeschenken für sein Kommen.

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16.07.2015

Gesellschaftliches Problem: Hirndoping zur Leistungssteigerung und Stimmungsaufhellung / DAK stellte Gesundheitsreport 2015 vor – Region Bayreuth/Kulmbach hat höchsten Krankenstand in Bayern

Bayreuth. Die Region Bayreuth/Kulmbach hat den bayernweit höchsten Krankenstand im Freistaat. Das geht aus dem DAK-Gesundheitsreport 2015 hervor, den der Krankenversicherungsträger am Donnerstag in Bayreuth vorgestellt hat. Demnach war der Krankenstand in der Region zwischen 2013 und 2014 von 4,0 auf 4,2 Prozent angestiegen. Konkret bedeute diese Zahl, dass von 1000 Arbeitnehmer 42 pro Tag arbeitsunfähig sind, erklärte Matthias Gabeli, Leiter der Serviceregion Oberfranken bei der DAK (Deutsche Angestellten-Krankenkasse).

Die Zahl sei umso bemerkenswerter, als dass der Krankenstand in Bayern bei 3,4 Prozent konstant geblieben war und bundesweit sogar von vier auf 3,9 Prozent zurückging. Knapp hinter Bayreuth/Kulmbach liegen die Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld sowie Schweinfurt. Am wenigsten Krankmeldungen verzeichnet die Studie für Starnberg, München-Stadt und München Land.

Als Ursache für das schlechte Abschneiden der Region Bayreuth/Kulmbach nannte Gabeli die älter werdende Bevölkerung. Haupterkrankungen sind die des Muskel-Skelett-Systems mit fast 30 Prozent und mit jeweils fast 15 Prozent Sport- und Freizeitverletzungen sowie psychische Erkrankungen, die nach den Worten von Professor Manfred Wolfersdorf, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Bezirkskrankenhaus Bayreuth, stark auf dem Vormarsch sind und bundesweit bereits den zweiten Platz bei den Ursachen einnehmen.

Laut DAK-Gesundheitsreport ist die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen seit dem Jahr 2000 um 86 Prozent angestiegen. Dabei gehe es vor allem um Burnout, Depressionen oder Angststörungen, sagte Wolfersdorf. Besonders zugenommen hätten Ess- und Schlafstörungen. Als Gründe dafür nannte er den erhöhten Leistungsdruck, die gestiegene Mobilität, das Verlangen nach dauernder Erreichbarkeit aber auch die immer stärker werdende Selbstausbeutung. Allerdings sei zu beobachten, dass sich immer mehr Menschen outen und beispielsweise Depressionen kein Tabu-Thema mehr sind.

Besonders hatte der DAK-Gesundheitsreport diesmal das Thema Doping am Arbeitsplatz unter die Lupe genommen und dazu eigene Daten analysiert und zusätzlich 500 ausführliche Befragungen vorgenommen. Ergebnis: Der Missbrauch bestimmter Medikamente, die nur zur Therapie bestimmter Krankheiten zugelassen sind, ist weitverbreitet. Die Mediziner sprechen von Hirndoping, wenn verschreibungspflichtige Medikamente ohne medizinische Notwendigkeit eingenommen werden, so Maria Steinlein, Leiterin des Servicezentrums Bayreuth. Viele Menschen würden sich davon eine Steigerung des Erinnerungsvermögens, der Wachheit und der Konzentration sowie eine Verbesserung des psychischen Wohlbefindens versprechen.

Bundesweit habe sich seit 2008 die Zahl derer, die schon mal Hirndoping eingesetzt hätten von 4,7 auf 6,7 Prozent der Erwerbstätigen erhöht, heißt es in der Studie. Bayern liege mit 7,2 Prozent sogar noch über den Bundesdurchschnitt, wobei Experten von einer Dunkelziffer von fast 13 Prozent ausgehen. 7,2 Prozent bedeute in absoluten Zahlen immerhin 515000 Menschen, die in Bayern Medikamentenmissbrauch betreiben. Auffällig sei es, so Gabeli, dass Männer Hirndoping meist dazu einsetzten, um ihre Leistung zu verbessern, während Frauen ihre Stimmung verbessern möchten. So erschreckend all diese Zahlen auch sind, eine breite Mehrheit aller Erwerbstätigen stehe mit rund 83 Prozent dem Hirndoping (der medizinische Fachbegriff dafür lautet pharmakologisches Neuroenhancement)  ablehnend gegenüber, auch das hielten die Macher der Studie ausdrücklich fest.

Woher die Medikamente stammen, konnte auch die DAK nicht restlos aufklären. Sicher ist, dass jeder Zweite ganz legal über ein Rezept von einem Arzt die Medikamente bezogen hat. Weitere Bezugsquellen seien Freunde, Kollegen, Bekannte oder Familienmitglieder, Privatrezepte oder Internet- und Versandapotheken, meist mit Sitz im Ausland.

Bild: Wollen auf Hirndoping als gesellschaftliches Problem hinweisen: der Leiter der DAK-Serviceregion Oberfranken Matthias Gabeli, die Leiterin des DAK-Servicezentrums Bayreuth Maria Steinlein und Professor Manfred Wolfersdorf vom Bezirkskrankenhaus Bayreuth (von links).

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04.07.2015

Inklusionsprojekt mit Signalwirkung / Als erste Jugendverkehrsschule in Bayern bietet Bayreuth ein Spezialrad für Kinder mit körperlichen Einschränkungen an

Bayreuth. Rund 650 Schulkinder im Alter zwischen neun und elf Jahren nehmen jedes Jahr an den Kursen der Bayreuther Jugendverkehrsschule teil. „Manche waren bislang davon ausgeschlossen“, sagt Andreas Schreyer. Der Verkehrserzieher von der Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt spricht von körperlich Behinderten, von Kindern mit Gleichgewichtsstörungen, aber auch von Kindern, die es nie gelernt haben, Fahrrad zu fahren. So sie überhaupt mit zum Gelände der Jugendverkehrsschule an der Friedrich-Ebert-Straße in Bayreuth durften, standen sie dort mehr oder weniger herum und konnten kaum aktiv ins Geschehen eingreifen.

Das ist jetzt vorbei, denn mit tatkräftiger Hilfe einiger Unternehmen hat die Jugendverkehrsschule ein Inklusionsrad  angeschafft, das es Kindern mit körperlichen Einschränkungen möglich macht, die Fahrradausbildung genauso zu absolvieren, wie ihre Mitschüler. Bayreuth ist damit die erste Jugendverkehrsschule in ganz Bayern, die ein Spezialrad für Kinder anbietet. Verkehrserzieher Andreas Schreyer und sein Kollege Maximilian Küspert sprechen deshalb auch von  einem echten Inklusionsprojekt mit Signalwirkung.

Aktuell nehmen drei Kinder mit Körperbehinderungen und ein Kind mit einer Beinverlängerungen an den Kursen teil. Für September wurde bereits ein Schüler mit der Glasknochenkrankheit angemeldet. Sie alle hätten bislang nicht den Fahrradführerschein machen können. Der Spezialradhersteller Hase-Bikes aus dem nordrhein-westfälischen Waltrop hat genau für diese Gruppe das Liegedreirad Trix auf den Markt gebracht. Das Rad mit wenigen Handgriffen ist individuell auf seinen Fahrer einstellbar, hat einen tiefen Schwerpunkt und kann somit nicht umkippen. Weitere Extras sind ein Beckengurt, eine Gehhilfehalterung, eine Sauerstoffhalterung, Armauflagen, eine Acht-Gang-Nabenschaltung und Scheibenbremsen. Das Rad ist absolut verkehrstüchtig, darf also auf öffentlichen Straßen gefahren werden und soll dem Benutzer vor allem auch Spaß am Radfahren vermitteln.

Das Besondere an dem Bayreuther Inklusionsrad ist es, dass es komplett privat finanziert werden konnte. Fast 4000 Euro kostet das Spezialfahrrad. Fast 1200 Euro kamen aus dem sozialen Erlös des Backofenfestes, das alljährlich von der Bäckerei Lang in Bayreuth auf dem Gelände des Museums für bäuerliche Arbeitsgeräte veranstaltet wird. 1500 Euro spendierte der Betriebsrat des Bayreuther Zigarettenhersteller British-American-Tobacco aus dem Erlös seines Mitarbeiterfestes, den Rest teilten sich die Familie von Handwerkskammer-Präsident Thomas Zimmer, die Firma Reha-Team Bayreuth und das Unternehmen Baukultur Wendel. Enttäuscht waren Andreas Schreyer und Maximilian Küspert darüber, dass die Krankenkasse keine Mittel beisteuern durften, obwohl sie durchaus von dem Projekt begeistert gewesen seien.

Bild: Die Verkehrserzieher Andreas Schreyer (rechts) und Maximilian Küspert von der Polizeiinspektion Bayreuth zeigen das neue Inklusionsrad, das Kindern mit körperlichen Beeinträchtigungen eine ganz normale Fahrradausbildung ermöglichen soll.

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26. - 28.06.2015

Jugend macht Land / Eintopf mit und ohne Fleisch - Am Wochenende fand in Bayreuth der 60. Bayerische „Landeslandjugendtag“ statt

Bayreuth. „Der bayerische Landjugendtag ist als Treffpunkt für hunderte Jugendliche aus ganz Bayern unersetzlich geworden“, sagte Landesvorsitzender Martin Baumgärtner. Diesmal war Oberfranken an der Reihe: Der alle zwei Jahre stattfindende Landeslandjugendtag der Bayerischen Jungbauernschaft fand am Wochenende auf dem Gelände der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth statt. Für die Veranstalter war die Veranstaltung, die eigentlich drei Tage dauerte, einmal mehr eine „Plattform zum Kennenlernen, zum Austausch und zur Vernetzung, aber auch zum Feiern“. Um eine Veranstaltung dieser Größenordnung stemmen zu können waren allein an die 200 ehrenamtliche Helfer notwendig. Nicht alle, aber viele Teilnehmer hatten einen landwirtschaftlichen Hintergrund.

Zur 60. Auflage hatten sich die Macher aus Oberfranken ein neues Konzept ausgedacht. Der Landjugendtag sollte jünger, moderner, vielfältiger und attraktiver werden. Weniger Reden, mehr Information, weniger Theorie, mehr Praxis. Die Grundidee, Gemeinschaft, Spaß, Netzwerk, Erfahrungsaustausch und Traditionspflege an einem Wochenende zu Leben und Erleben, stand dabei aber auch weiterhin im Mittelpunkt und die Rechnung ist voll aufgegangen, wie der Landesvorsitzende Martin Baumgärtner am Ende bestätigte.

Unter dem Motto „Politiker kochen auch nur mit Wasser“  gab es beispielsweise einen ungewöhnlichen Kochevent. Ziel sollte es sein, dass Jugendliche am Kochtopf zwanglos mit Politikern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ins Gespräch kommen und Distanzen abzubauen. Die Rechnung ging auf, auch wenn die meisten Politiker kurzfristig abgesagt hatten. Mit Gudrun Brendel-Fischer aus Bayreuth war gerade mal eine echte Abgeordnete gekommen. Immerhin waren auch Landesbäuerin Anneliese Göller, zahlreiche Kommunalpolitiker, Verbandsvertreter und Ehemalige da, um die Landjugend tatkräftig zu unterstützen.

Um gesunde Ernährung ging es dabei genauso wie um Themen, die Jugendliche auf dem Land betreffen. Am Ende gab es einen leckeren Eintopf, mal vegetarisch, mal mit Fleischeinlage. Das Rezept dazu ist unter anderem auch in dem neuen Landjugendkochbuch zu finden, das beim Landjugendtag offiziell vorgestellt wurde. Es enthält 60 ganz persönliche Rezepte zum Nachkochen von Landjugendlichen und Landfrauen aus ganz Bayern, so auch von Landesbäuerin Anneliese Göller oder der Bayreuther Kreisbäuerin Katrin Lang. Das Kochbuch ist ab sofort zum Preis von fünf Euro in allen bayerischen Geschäftsstellen der Landjugend erhältlich.

Im Mittelpunkt stand neben dem traditionellen „Spiel ohne Grenzen“ der Auftakt zur bundesweiten Landjugendwettaktion „jugend.macht.land“. Die Jugendlichen wollen dabei unter Beweis stellen, was sie durch ihre Motivation und ihr Miteinander in einem bestimmten Zeitraum erreichen können, von einer Blutspendenaktion, über die bekannten 72-Stunden-Aktionen bis zu einem Kurzprojekt zum demographischen Wandel sei dabei alles möglich, so die Festausschussvorsitzende und stellvertretende oberfränkische Bezirksvorsitzende Nina Meister. „Für uns ist die bayerische Auftaktaktion zu jugend.macht.land mehr als eine Wette am Rande des Landeslandjugendtages. Es ist ein Versprechen und zugleich ein Bekenntnis für unseren ländlichen Raum.“, so Nina Meister.

Aus ganz Oberfranken hatten sich zahlreiche Gruppen an dieser Aktion beteiligt. Die Landjugend ging mit der Stadt Bayreuth die Wette ein, innerhalb von zwei Stunden etwas Nachhaltiges für die Bayreuther Bevölkerung zu schaffen. Die Aktion findet zugunsten der Bayreuther Sportler und Sportlerinnen im Waldgebiet Am Buchstein statt. Dort wurde der Trimm-Dich-Pfad an den Landwirtschaftlichen Lehranstalten binnen weniger Stunden auf Vordermann gebracht. Dazu beigetragen hatten über 40 Landjugendliche, eine Menge Holz und viel Motivation. Im Einzelnen wurden mehrere Balken gestrichen, das Umfeld der Sportgeräte mit Hilfe von Hackschnitzeln auf Vordermann gebracht und eine komplette Treppe erneuert.

Gefeiert wurde bei der Stadt.Land.Kuss-Party inklusive der Band „Highline“ einer „Schlag den Rasser-Party“ mit Bernd Rasser und Christian Höreth von Radio Mainwelle. Allein daran hatten fast 600 Landjugendliche aus allen Teilen Bayerns teilgenommen. Programmpunkte des Sonntags waren das Landjugend-Ehemaligentreffen, ein Volkstanzwettbewerb und erstmals eine Landjugendmesse. Aussteller waren dabei neben den Landjugend-Bezirksverbänden Kooperationspartner aus den Bereichen Agrar, Kultur und Ernährung. Sieger im Volkstanzwettbewerb wurde  die Landjugend Schreez gefolgt von der Landjugend Görschnitz und der Landjugend Unterkonnersreuth/Cottenbach. (alle aus dem Landkreis Bayreuth).

Zum neuen Konzept gehörte es auch, dass auf Reden und Ansprachen fast völlig verzichtet wurde. Fast, denn mit dem oberfränkischen Bezirkstagspräsidenten und Schirmherrn Günther Denzler gab es zumindest einen, der den Besuchern seine Sicht des Ehrenamtes nahe bringen konnte. Oberfranken habe die höchste Ehrenamtsquote in Bayern, sagte Denzler. Die Landjugendgruppen seien daran nicht ganz unschuldig. Mehr zu tun als seine Pflicht, das mache sich später auch bei Bewerbungen und im Beruf gut. Allerdings hätten das noch längst nicht alle Arbeitgeber erkannt, sagte der Präsident und appellierte an die Wirtschaft, das ehrenamtliche Engagement von Mitarbeitern zu fördern und nicht zu blockieren.

Die Bayerische Jungbauernschaft (BJB) ist mit rund 17000 Mitgliedern einer der größten Jugendverbände im ländlichen Raum Bayerns. Die 1953 gegründete Jungbauernschaft wird rein ehrenamtlich geführt.  Neben dem immer noch sehr stark ausgeprägten agrarischen Engagement mischt sich der Verein zunehmend stärker in das jugend- und gesellschaftspolitische Geschehen ein. So vielfältig wie die Aktivitäten sind auch die Namen der Untergliederungen. Landjugendgruppen, Bayerische Jungbauernschaften, Ringe jungen Landwirte und Landfrauen, Jungwinzer, Junggärtner und Jungzüchterclubs, sie alle sind in der BJB vereint.

Bilder:
1. Landjugend begeistert die Massen, das zeigt dieser Blick in die große Bodenhalle der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth.

2. Beste Laune bei der Eröffnung (von links): der oberfränkische Bezirksvorsitzende Stefan Walther, die stellvertretende Bezirksvorsitzende Nina Meister und die Landesvorsitzende Carolin Bezold.
3. Landfrauen wissen, wie es geht: Landesbäuerin Anneliese Göller (Mitte), die Forchheimer Kreisbäuerin Rosi Kraus (rechts) und Andreas Biedermann (links) von der Landjugend Schwarzenbach.
4. In der Bodenhalle der Landwirtschaftlichen Lehranstalten feierten die Landjugendgruppen Gottesdienst.
5. Die beiden Landesvorsitzenden Carolin Bezold und Martin Baumgärtner haben den Landeslandjugendtag in Bayreuth federführend organisiert.

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11.06.2015

Bayern driftet  weiter auseinander - Land braucht Zusammenarbeit / Fachtagung zur ländlichen Entwicklung - Landwirtschaftsminister Brunner kündigt neue Förderrichtlinie an

Hirschaid, Lks. Bamberg.  Ländliche Entwicklung ist nur zusammen mit den Bürgern möglich. Zugegeben, so neu ist diese Erkenntnis nicht, die sämtliche Redner bei der Fachtagung „Starke Gemeinden- starkes Land“ in Hirschaid bei Bamberg immer wieder betont haben. Bei der Veranstaltung, an der rund 470 Bürgermeister, Vertreter von Ämtern, des Bauernverbandes und viele Planer aus ganz Bayern teilgenommen haben, ging es aber auch um Problemstellungen wie den demographischen Wandel oder das Auseinanderdriftens Bayerns in stärker und schwächer werdende Gebiete. Außerdem hatte Landwirtschaftsminister Helmut Brunner eine neue Förderrichtlinie im Gepäck.

2036 kreisangehörige Kommunen gibt es in Bayern, rund 600 davon gehe es nicht besonders gut, „um nicht zu sagen hundsmiserabel“, so der Präsident des Bayerischen Gemeindetages Uwe Brandl. Die Schwächung des Landesentwicklungsplanes nannte er einen der größten Sündenfälle der zurückliegenden Jahre. Gerade Oberfranken mit seinen Strukturproblemen aufgrund weggebrochener Industriezweige und der weiter voranschreitenden demographischen Entwicklung benötige dringend ordnungspolitische Maßnahmen.

„Volkswirtschaftlich ist das, was da in Hochfranken passiert eine Katastrophe, sagte Brandl. Er sprach von einer entvölkerten Region und von Immobilien, die praktisch nichts mehr wert seien. Arbeitsplätze, Bildungseinrichtungen, ein funktionierender öffentlicher Personennahverkehr, das alles reiche schon nicht mehr. „Hier brauchen wir echte Lebensperspektiven“, so Brandl.

Landwirtschaftsminister Helmut Brunner hatte zuvor noch von durchwegs positiven Nachrichten aus dem ländlichen Raum gesprochen. Die Arbeitslosenquote habe sich seit 2006 mehr als halbiert, die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten sei deutlich, um 14 Prozent, gestiegen. Freilich wusste auch Brunner, dass die Geschwindigkeit des Wachstums nicht überall gleich sei. „Es gibt Gemeinden, die laufen Gefahr, den Anschluss zu verlieren“, so der Minister.

Brunner legte einen Fünf-Punkte-Katalog vor, um die Gemeinden zu stärken. Gemeindeallianzen und Stadt-Land-Partnerschaften gehörten genauso dazu wie die Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze, eine flächendeckende Daseinsvorsorge oder die Gestaltung vitaler Ortskerne. Auch die bäuerliche Landwirtschaft als wichtiger Aktivposten im ländlichen Raum, denn bäuerliche Familienbetriebe schaffen Wertschöpfung und Beschäftigung. Grundvoraussetzung sei aber auch die Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen.

Brunner nutzte das Fachforum auch, um eine neue Förderrichtlinie vorzustellen. Mit dem neuen Förderinstrument sollen Gemeinden im ländlichen Raum künftig noch gezielter und schneller bei der Umsetzung von Projekten unterstützt werden. Nach einem zügigen Auswahlverfahren an den Ämtern für Ländliche Entwicklung sollten rasch und flächendeckend Dorferneuerungs- und Infrastrukturprojekte mit 60 Prozent der Kosten aus EU-Mitteln gefördert werden. Die formelle Einleitung von Dorferneuerungen sei dazu nicht mehr erforderlich. „Dieses neue Förderinstrument punktet mit Schnelligkeit und eröffnet Freiräume“, sagte Brunner. Gefördert würden zum Beispiel Nahversorgungs- oder Gemeinschaftseinrichtungen zur Stärkung der Ortszentren oder Infrastrukturprojekte wie Verbindungs-, Wald- und Feldwege.

Keine guten Nachrichten hatte dagegen Manfred Miosga, Professor für Stadt- und Regionalentwicklung an der Universität Bayreuth im Gepäck: trotz zurückgehender Arbeitslosenzahlen und wachsender Beschäftigung habe das Auseinanderdriften Bayerns eher zugenommen, sagte der Wissenschaftler. „Die Schere der Entwicklung geht weiter auseinander“, so Miosga. Bayern sei mehr denn je geprägt von starken regionalen Unterschieden. Die Lösung liegt nach den Worten des Professors in intensiven Kooperationen der Kommunen untereinander aber auch in der Kooperation zwischen Kommunen und Freistaat.

Wie so ein Entwicklungsprozess ablaufen kann, machten Thomas Müller vom Amt für ländliche Entwicklung, Karlheinz Donner vom Planungsbüro Landimpuls in Regenstauf und Bürgermeister Stefan Frühbeißer für die Gemeinde Pottenstein in der Fränkischen Schweiz im Rahmen einer Spielszene deutlich. Ortsbegehungen, Vitalitätschecks, die Suche nach Schwerpunktprojekten, eine zweitägige Klausurtagung an der Schule für Dorf- und Flurerneuerung in Klosterlangheim, das alles gehörte dazu und immer wieder sei es darum gegangen, Bürger zur Mitarbeit zu bewegen. Am Ende seien wichtige Grundsteine für die Zukunft von Pottenstein gelegt worden, sagte Karlheinz Donner. Als Beispiele nannte er den Kulturpark Püttlachtal, ein Nutzungskonzept für die leer stehende Schule Kirchenbirkig oder die Gestaltung eines neuen Dorfplatzes in Weidenhüll. „Wichtig ist es, den Bürger nicht nur zu Wort kommen zu lassen, sondern ihn aktiv zu beteiligen“, so Bürgermeister Frühbeißer.

Bilder:
- Der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner.
- Gemeindetagspräsident Uwe Brandl.
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 Manfred Miosga, Professor für Stadt- und Regionalentwicklung an der Universität Bayreuth.
- Uwe Brandl, Helmut Brunner, Moderator Heiner Gremer vom Bayerischen Rundfunk und Manfred Miosga (von links).

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10.05.2015

Bergbau, Porzellan und Edelmetall / Auf den Spuren von Alexander von Humboldt in Franken - Humboldt-Gesellschaft tagte in Bayreuth

Bayreuth/ Goldkronach. Das Wirken des Universalgelehrten Alexander von Humboldt hat scheinbar zahllose Facetten. Eines haben alle gemeinsam: „Nahezu alle Themen, die ihm später bewegt haben, hat er in Franken aufgenommen, hier hat er alles angedacht“, sagte der Humboldt-Experte Eberhard Schulz-Lüppertz  bei der 101. Tagung der renommierten Humboldt-Gesellschaft in Bayreuth. Einzige Ausnahme: Mit der Meeresforschung habe sich Alexander von Humboldt aus naheliegenden Gründen tatsächlich erst in späteren Jahren beschäftigt, so Schulz-Lüppertz augenzwinkernd.

Eigentlich war er wegen des Bergbaus gekommen. Als damals 22-Jähriger wurde Alexander von Humboldt 1792 in die damals gerade preußisch gewordenen Fürstentümer Ansbach und Bayreuth entsandt, um den Bergbau auf Vordermann zu bringen. Bis 1795 wirkte er unter anderem in Arzberg, Bad Steben und in Goldkronach. In dem Bergbaustädtchen hatte Humboldt seinen Wohnsitz an der Stelle des heute nach ihm benannten Hotels.

Tatsächlich sei es ihm schon in kürzester Zeit gelungen, den Bergbau wieder aufzunehmen, die Gruben zu erneuern und moderne Abbaumethoden einzuführen, so Schulz-Lüppertz. Doch nicht nur das: Alexander von Humboldt habe Bergwerksschulen in Arzberg, Bad Steben und Goldkronach gegründet und sogar eine Hilfskasse für die Familien verunglückter Bergleute. Daneben sei er aber auch ganz anderen, existenziellen Fragen des Lebens nachgegangen. So habe er unter anderem umfassende Versuche zu Muskelaufbau und Nervenfasern durchgeführt, unterirdische Gasarten erforscht, eine Rettungsmaske und eine Grubenlampe konstruiert und er war der Zusammensetzung der Luft unter der Erde nachgegangen.

Einem ziemlich unbeachteten Aspekt im Schaffen Alexander von Humboldts war die Wissenschaftlerin Dagmar Hülsenberg aus Ilmenau nachgegangen, seinem Einfluss auf die Porzellanherstellung. So hatte Alexander von Humboldt unter anderem umfassende Gutachten zur Porzellanmanufaktur Bruckberg bei Ansbach angefertigt und dort einen der ersten Rundöfen zum Brennen von Porzellan einbauen lassen. Alexander von Humboldt habe sofort die Vorteile dieser wesentlich effizienteren Technik erkannt, so Hülsenberg. Auch die Gründung der noch heute existierenden und zur Weidener Seltmann-Gruppe gehörenden Königlich Privilegierten Porzellanfabrik Tettau wäre ohne die Grundlagenarbeit Alexander von Humboldts undenkbar gewesen.

Wenn Alexander von Humboldt den meisten auch als Begründer der Ökologie und als größter Geograph der Neuzeit gilt, so habe er seine Karriere dennoch als Kameralist begonnen. Auch das sei ein Aspekt, der in der Humboldt-Forschung noch immer zu kurz komme, so Ingo Schwarz aus Berlin. So habe Humboldt bereits zu Lebzeiten und bis ins hohe Alter als führender Experte im Münzwesen und in der Edelmetallstatistik gegolten. Wenn er selbst auch ein differenziertes Verhältnis zur Kameralwissenschaft (Staatswirtschaftslehre ) hatte, so habe er als preußischer Bergbeamter dennoch von seinen Kenntnissen profitierten können.

Unter dem Motto „Alexander von Humboldt“ in Franken“ gehörten zur Tagung der Humboldt-Gesellschaft auch eine Besichtigung des markgräflichen Bayreuths. Exkursionen führten nach Bad Steben und Goldkronach, der wichtigsten Wirkungsstätte während seiner Zeit in Franken, gleichzeitig Sitz des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums Schloss Goldkronach. Dort besichtigten die Mitglieder der Gesellschaft die Ausstellung über das Wirken Alexander von Humboldts in der Region, das Besucherbergwerk „Mittlerer Name Gottes“ und das Heimatmuseum.

Alexander von Humboldts Tätigkeit habe im heutigen Oberfranken seinen Anfang genommen, sagte der Bayreuther Bundestagsabgeordnete und Mitbegründer des Kulturforums Hartmut Koschyk. Fast fünf Jahre lang sollte das Wirken von Alexander von Humboldt hier dauern und zitiert werde er mit den Worten: „In Goldkronach besonders bin ich glücklicher, als ich je wagen durfte zu glauben“. Im Humboldt-Informationszentrum von Schloss Goldkronach führte Koschyk die Teilnehmer durch die Ausstellung, in den Kellergewölben konnten die Wissenschaftler unter anderem einen Blick auf die „Fränkische Linie“, eine der geologisch bedeutsamsten Bruchzonen der Erdkruste, werfen.

Am Ende der Tagung sollte auch das einstige Wohnhaus Alexander von Humboldts in Bad Steben eine Rolle spielen. Das historische Gebäude steht nicht nur seit Jahren leer, es wird auch zum Verkauf angeboten. „Das größte Problem dürften wohl die anstehenden Investitionen sein“, sagte Eberhard Schultz-Lüppertz. „Die beste Lösung wäre die Einrichtung eines kleinen Humboldt-Museums“, sagte Hartmut Koschyk, zumal dann zu dem überschaubaren Kaufpreis auch eine hohe staatliche Förderung in Aussicht gestellt werden könnte.

Bilder:
- Steht derzeit leer: Alexander von Humboldts Wohnhaus in Bad Steben.
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 An der Stelle des heutigen Alexander-von-Humboldt-Gasthofes stand das Goldkronacher Wohnhaus des Universalgelehrten. Heute erinnert dort eine Gedenktafel an Alexander von Humboldt.
- So dürfte er ausgesehen haben: Alexander von Humboldt als Büste als Büste des Forchheimer Bildhauers Hans Dressel vor dem Goldkronacher Schloss.

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09.05.2015

Katrina rockt Bayreuth: Nordbayerns größte Partymeile / Zehntausende besuchten 27. Weißbierfest der Brauerei Gebrüder Maisel

Bayreuth. Es ist das Fest der Superlative, das Weißbierfest der Brauerei Gebrüder Maisel, mit dem alljährlich die Open-Air-Saison in der Region eröffnet wird. Rockfans kommen aus ganz Deutschland, Geschäftskunden sogar aus Südkorea, um dieses Spektakel zu erleben. Am Wochenende waren es vor allem die Auftritte der beiden weltbekannten Bands Katrina and the Waves sowie Earth, Wind an Fire, zu denen Zigtausende auf das Brauereigelände pilgerten. Das Weißbierfest findet traditionell am Wochenende vor Himmelfahrt statt, kostet keinen Eintritt und galt auch diesmal wieder als Nordbayerns größter Partymeile.

Diesmal ist alles anders, sagt Michael Angerer von der Veranstaltungsagentur Nord-Süd-Programm. "Earth, Wind and Fire Experience featuring Al McKay Allstars“, so der offizielle Name waren mit 13 Musikern angereist, das bedeutet, dass hinter der Bühne in der großen Brauereihalle eine kleine Zeltstadt mit allem Drum und Dran errichtet werden musste. Im Mittelpunkt steht dabei der Gitarrist Al McKay. Über zehn Jahre lang war er festes Mitglied von Earth, Wind and Fire in der Originalbesetzung. Zusammen mit Maurice White hatte er auch einige der großen Hits geschrieben, ohne deren funky und sexy Sound Musik in den 1970er-Jahren kaum eine Disco auskam. Mit einer Mischung aus Soul, Funk, Motown, afrikanischen Elementen und modernen Pop-Rhythmen reißen Earth, Wind and Fire in der Besetzung von 2015 auch in Bayreuth die Fans mit Songs wie „Shining Star“, „Fantasy“, „Let’s groove tonight“ oder „September“ zu Begeisterungsstürmen hin.

Typisch für das Weißbierfest ist, dass es immer zwei Top-Acts gibt. Vor Earth, Wind and Fire war das diesmal Katrina and the Waves, die berühmte englisch-amerikanische Band, die im Frühjahr 1985 mit dem Song „Walking on Sunshine“ ihren großen Durchbruch hatte. Kaum ein Tag, an dieses Lied nicht auf irgendeinem Sender zu hören ist. Genauso wie „Love shine a light“, mit dem Katrina and the Waves 1997 für das Vereinte Königreich den Eurovision Song Contest gewannen. Beide Sommerhits werden natürlich auch in Bayreuth von Frontfrau Katrina Lekanich gespielt und die Fans kommen beim Tempo der US-Amerikanerin ganz schön ins Schwitzen.

Wenn das Weißbierfest auch keinen Eintritt kostet, so bilden sich spätestens ab 21 Uhr lange Schlangen an den Eingängen. Grund dafür sind die peniblen Einlasskontrollen. In dem weitläufig eingezäunten Gelände der Brauerei sind es rund 100 Helfer, alles Beschäftigte der Brauerei, die Abend für Abend dafür sorgen, dass kein Besucher das Fest durstig verlassen muss.

Das Weißbierfest lief bereits seit Donnerstag und wurde mit „“Bayreuths größer Uni-Fete“ eröffnet. Bereits zur Opening Night tanzen sich über 2000 Besucher in der großen Brauereihalle zu den Rhythmen von DJ Steve K. schon mal warm, ehe „Die Atzen“ das Brauereigelände erzittern ließen und mit ihren Tophits „Das geht ab“ und „Disco Pogo“ für ein erstes großes Highlight des Weißbierfestes sorgten. „Cover Night“ hieß es dann am Freitag mit Remedy, vier Bayreuther Jungs, die einen Mix aus Alternative und Grunge im Gepäck hatten. Außerdem traten auf: Foreigner, performed by Juke Box Hero, sowie die tschechische Cover-Band von ZZ Top mit dem Namen ZZ Top Revival.

Höhepunkt im Rahmenprogramm war mit dem 13. Maisels Fun-Run am Sonntagvormittag Bayreuths größte Laufveranstaltung, bei der auch diesmal wieder mit über 2500 Läufern ein neuer Rekord aufgestellt wurde. Sämtliche Läufer hatten sich auf einen Viertel- und einen Halbmarathon-Rundkurs durch die Innenstadt gemacht. Die Strecke führte dabei vorbei an den Sehenswürdigkeiten der Stadt, mitten durchs Gelände der Universität und wieder zurück zum Weißbierfest. „Der Spaß steht bei diesem FunRun im Vordergrund“, sagte Brauereichef Jeff Maisel. Es komme nicht nur auf Bestzeiten an, dabei sein ist alles und gerade deshalb sei der Fun-Run bei Neueinsteigern in den Laufsport so beliebt. Läufer in Kostümen, Firmen-Teams oder andere Kuriositäten sind beim FunRun seit Jahren üblich. Maisels Worten zufolge waren dazu über 200 Helfer entlang der gesamten Strecke im Einsatz, dazu kamen weitere knapp 200 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, BRK und THW. An der Strecke sorgen nicht nur die Sportbegeisterten für Motivation, es gab auch Musik mit Samba-Gruppen, ehe das Fest am Sonntag wieder mit der „Heavy Volxmusic“ von den „Troglauer Buam“, der Hausband der Brauerei Maisel, ausklang.

Bilder: Eurovision-Song-Contest-Siegerin Katrina and the Waves heizte ihren Fans beim Weißbierfest am Samstagabend in Bayreuth mächtig ein.

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30.04.2015

Humboldt sorgt für gutes Klima / Entwicklungshilfeminister Müller unterstützt Klimapartnerschaft zwischen Goldkronach und dem kolumbianischen Falán

Goldkronach. Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Gerd Müller hat der Klimapartnerschaft zwischen Goldkronach im Landkreis Bayreuth und der kolumbianischen Stadt Falán seine Unterstützung zugesagt. Bei einem Ortstermin in Goldkronach bezeichnete Bürgermeister Holger Bär das Universalgenie Alexander von Humboldt als den gemeinsamen Nenner für die Partnerschaft. Von Humboldt gingen Nachhaltigkeit und vernetztes Denken aus, so der Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk. Die Klimapartnerschaft besteht offiziell seit Anfang des Jahres und wird durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert.

Minister Müller sagte zu, beim Deutschland-Besuch des kolumbianischen Umweltministers Gabriel Vallejo López in wenigen Tagen in Berlin für die Klimapartnerschaft Goldkronach / Falán zu werben. Auch einen Besuch des kolumbianischen Ministers in Goldkronach könne sich Müller durchaus vorstellen. Kolumbien habe sich ehrgeizige Ziele im Klima- und Umweltschutz gesetzt, die Deutschland gerne unterstützt, sagte der Minister. Klar sei: „Unsere globalen Herausforderungen, wie den Klimawandel, werden wir nur gemeinsam lösen.“ Daneben gehe es in Kolumbien um nachhaltige Produktion, aber auch um fairen Bezug von Produkten wie Kaffee oder Kakao.

Grundgedanke des Projekts „50 Kommunale Klimapartnerschaften bis 2015“ ist es, die fachliche Zusammenarbeit deutscher Städte mit Kommunen im globalen Süden in den Bereichen Klimaschutz und Klimaanpassung zu stärken. Der Klimaschutz soll systematisch in die bestehende kommunale Partnerschaftsarbeit integriert werden. Dazu erarbeiten die kommunalen Partnerschaften gemeinsame Handlungsprogramme mit Zielen, Maßnahmen und zugewiesenen Ressourcen. Das Projekt zählt derzeit 33 kommunale Klimapartnerschaften. Viele davon haben bereits mit der Umsetzung ihrer Handlungsprogramme begonnen.

Die Idee der Klimapartnerschaft zwischen Goldkronach und Falán geht auf das deutsch-kolumbianische Forum 2013 zurück, so Bundestagsabgeordneter Koschyk. Verbindendes Element beider Kommunen sei das Universalgenie Alexander von Humboldt. Er lebte und arbeitete von 1792 bis 1795 in der Region und erforschte während seiner Zeit in Goldkronach intensiv den Bergbau. Einige Jahre später sei das kolumbianische Falán in der Provinz Tolima eine wichtige Station auf der Expeditionsreise Alexander von Humboldts im Jahr 1801 gewesen. Humboldt habe unter anderem die Goldminen von Santa Ana erforscht. Auch der Goldbergbau verbinde beide Städte. Während er in Goldkronach längst zum Erliegen gekommen war und nur mehr im Namen vokommt, werde er in Falán noch aktiv betrieben, befinde sich aber im Auslaufen.

Was den Klimaschutz betrifft, so sei in Goldkronach ein Nahwärmenetz mit Biogas und Hackschnitzel für kommunale Gebäude geplant. Außerdem soll die Straßenbeleuchtung auf stromsparendes LED umgerüstet werden, sagte Bürgermeister Holger Bär. Bereits realisiert worden sei ein Energiekonzept zusammen mit vier Nachbargemeinden sowie neun Bürgersolaranlagen mit einem Kapitaleinsatz von rund 250000 Euro. Die kolumbianische Stadt Falán sei unter anderem wegen ihrer extrem hohen biologischen Vielfalt und dem weltweit ersten Schutzgebiet für Amphibien ausgewählt worden. Der Bürgermeister räumte dabei auch ein, dass für die Stadt selbst keine Kosten mit Blick auf die Partnerschaft entstünden. „Sonst könnten wir das gar nicht machen“, sagte Bär.

Bundesminister Müller trug sich in Goldkronach auch in das Goldene Buch der Stadt ein und besichtigte im Schloss die Ausstellung über Leben und Wirken Alexander von Humboldts in Franken.

Bild oben: An der Büste des Universalgelehrten Alexander von Humboldt in Goldkronach trafen sich (von links) Bürgermeister Holger Bär, Bundesminister Gerd Müller und der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk. Alexander von Humboldt ist auch der gemeinsame Nenner der Klimapartnerschaft von Goldkronach mit dem kolumbianischen Falán.

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20.04.2015

Botschafterin der Bundesrepublik / USA-Stipendien für Eileen Reinsberg aus Hollfeld – MdB Koschyk übernimmt Patenschaft für USA-Aufenthalt

Hollfeld. Mit dem Kofferpacken kann sie sich noch Zeit lassen. Mitte August aber geht es Richtung Amerika, ein Jahr lang. Eileen Reinsberg, Schülerin der Staatlichen Gesamtschule Hollfeld, war nach aufwändigen Qualifizierungen und Bewerbungsgesprächen für das Parlamentarische Patenschaftsprogramm des Deutschen Bundestages unangefochten auf den ersten Platz gekommen. Die 16-Jährige darf sich nun über ein einjähriges USA-Stipendium freuen. Ihr „Pate“ wird der Bundesabgeordnete und Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk aus Bayreuth sein, er hatte die 16-jährige nominiert.

Sprachlich dürfte Eileen Reinsberg keine Probleme haben, Englisch und auch Französisch gehören ohnehin zu ihren Lieblingsfächern. In Amerika wird sie nicht nur in einer Gastfamilie leben, sondern auch die High School besuchen. Der Nominierung vorausgegangen war ein anspruchsvolles Auswahlverfahren bei dem es neben Wissen und herausragenden Sprachkenntnissen auch um Aufgeschlossenheit und Selbstständigkeit ging, um sich schnell in das Gastland und die Gastfamilie einleben zu können.

Vom Alltag in den USA wird Eileen Reinsberg ab August in einem Blog auf der Homepage der Staatlichen Gesamtschule berichten. Nach den Worten von Rektorin Christiane Scharfenberg ist Eileen Reinsberg in der über 40-jährigen Geschichte der Hollfelder Bildungseinrichtung die erste Schülerin, die am Parlamentarischen Patenschaftsprogramm teilnehmen darf.

Der Aufenthalt in den USA soll jungen Leuten zahlreiche neue Eindrücke verschaffen, die sowohl für ihre schulische, beziehungsweise berufliche, als auch für die persönliche Entwicklung von großer Bedeutung sein werden, sagte Koschyk. Alle bisherigen Stipendiaten seien mit wirklich starken Eindrücken nach Deutschland zurückgekehrt. „Sämtliche Teilnehmer sind bislang als Teenager aufgebrochen und als Erwachsener wieder gekommen.“

Alle am Patenschaftsprogramm teilnehmenden Schüler seien in Amerika nicht nur Botschafter ihrer Schule, sondern auch Botschafter einer jungen deutschen Generation, die sich um die herausragende Bedeutung guter deutsch-amerikanischer Beziehungen für die Zukunft beider Länder bewusst ist. „Zweifellos leistet das Stipendium einen dauerhaften Beitrag zur besseren Verständigung zwischen jungen Amerikanern und Deutschen“, so Koschyk.

Das Parlamentarische Patenschaftsprogramm wurde 1983 anlässlich des 300. Jahrestages der ersten deutschen Einwanderung in Nordamerika vom Kongress der Vereinigten Staaten und dem Deutschen Bundestag vereinbart. Ziel ist es, der jungen Generation in beiden Ländern die Bedeutung freundschaftlicher Zusammenarbeit auf anschauliche Art und Weise zu vermitteln.

Bild: MdB Hartmut Koschyk hat die Patenschaft für Eileen Reinsberg aus Hollfeld übernommen, die ab August ein Jahr lang in den USA verbringen wird. Mit im Bild Mutter Anita Reinsberg  und Rektorin Christiane Scharfenberg (von rechts).

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08.04.2015

Der Raum als Dialogpartner / Die Künstlerin Sabine Straub hat den Altarraum der Bayreuther Stadtkirche neu ausgestattet

Dem einen ist es zu schlicht, der andere findet die Schlichtheit geradezu genial. Kunst, auch die im sakralen Raum, kann es eben niemandem recht machen. »Es ist halt einfach kein Küchentisch, dem muss ich Rechnung tragen«, sagt Sabine Straub, bildende Künstlerin, die in Regensburg geboren wurde und die heute in München lebt. Sie hatte den Wettbewerb um die Gestaltung des Altarraums in der frisch renovierten Bayreuther Stadtkirche gewonnen.

Nun stehen sie da, Altartisch, Ambo, Kerzenständer und Taufsteinabdeckung, und werfen bei manchem Betrachter Fragen auf. Deshalb war Sabine Straub auch zu einem Künstlergespräch in die Stadtkirche gekommen, um mit Jutta Geyrhalter vom Evangelischen Bildungswerk über ihre Werke zu sprechen.

»Schweißen, Flexen, das alles war mir von Kindheit an vertraut«, sagt Sabine Straub (kleines Bild), die aus einer Schmiedefamilie kommt und deren Vater Metallbauer war. Heute arbeitet sie aber nicht nur mit Metall, sondern auch mit Beton, Bronze, Gips, Holz oder Stein.

Geradliniges Arbeiten, das ist ihr Ding, auch als Dozentin an der Technischen Hochschule in Nürnberg oder an der Hochschule Rosenheim, wo sie es hauptsächlich mit Architekten und Innenarchitekten zu tun hat. Wichtig ist für sie, »was der Ort braucht, was der Raum braucht«, aber auch ganz praktisch, »was der Etat hergibt«.

Das Praktische war aber auch bei der Ausgestaltung der Stadtkirche wichtig. Beispielsweise durfte der Altartisch nicht schwerer sein als gut 350 Kilogramm, schließlich befindet sich die Gruft der Bayreuther Markgrafen genau darunter. Aber auch grundsätzliche Überlegungen habe die Künstlerin miteinbezogen. Kein dominantes, lautes Objekt wollte sie, um den Blick auf den Taufstein im hinteren Altabereich nicht zu verstellen. Auch die Ähnlichkeit zum Taukreuz des Franziskanerordens sei durchaus gewollt, räumte Sabine Straub ein, die aus ihrem katholischen Glaubensbekenntnis keinen Hehl macht.

Aufgenommen wird diese Zeichensprache wieder im Kerzenständer und im Ambo, dem Rednerpult, in dem so viel Technik steckt. Das alles ist aus Stahl, lediglich die achteckige Taufsteinabdeckung sei wegen der auftretenden Feuchtigkeit in einem aufwändigen Verfahren aus eloxierten Edelstahl hergestellt worden. Bronzefertigungen seien nicht möglich gewesen, »sonst hätte ich den Etat um das dreifache getoppt«, so die Künstlerin.

Erst seit etwa sechs Jahren gestaltet Sabine Straub auch Kunst im sakralen Raum, viele liturgische Ausstattungen sind seitdem entstanden. Viele ihrer Werke sind aber auch in Schulen und Kindergärten zu sehen. In Obefranken gibt es im Forchheimer Klinikum eine Skulptur mit dem Titel »DNA« von Sabine Straub.

Eine Botschaft will sie trotzdem nicht mit ihren Werken verkünden. »Das ist nicht meine Aufgabe«, sagt sie. Sie sei froh und dankbar über jede Wertschätzung und nehme den Raum als Dialogpartner sehr ernst. Auch die Frage, ob man als Künstlerin im sakralen Raum auch gläubig sein muss, läßt Sabine Straub offen. Man müsse für Spiritualität offen sein, den Glauben ernst nehmen und wertschätzen. »Wenn ich eine solche Aufgabenstellung bekomme, dann muss ich mich auch darauf einlassen.

Sabine Straub hatte in Wien, London und Pforzheim studiert und war zunächst als Restauratorin in Würzburg, später wieder in Wien tätig.Sie hat bereits viele nationale und internationale Preise und Auszeichnungen erhalten, Ausstellungen veranstaltet und ist im Besitz mehrerer Lehraufträge.

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25.03.2015

Flagge zeigen gegen den Eisernen Vorhang / Friedenskirche von Wildenheid soll für eine Million Euro saniert werden - Gemeinde hofft auf Geld aus den USA

Wildenheid. „Senden sie uns ihre Dollars für den Kreuzzug der hölzernen Kirchen.“ Mit diesem Spruch beendete Anfang der 1950er Jahre der US-amerikanische Radiomoderator Fulton Lewis seine Sendungen. Ziel war damals mit Hilfe von Spenden entlang des gerade errichteten Eisernen Vorhangs in Deutschland Kirchen zu bauen, um Flagge zu zeigen gegen ein menschenverachtendes System. 48 solcher Kirchen waren damals geplant, die Hälfte wurde realisiert. Eine dieser hölzernen Kirchen, die allerdings dann doch nicht aus Holz, sondern im vertrauten Stein gebaut wurde, steht in Wildenheid, einem Stadtteil von Neustadt bei Coburg. Nun ist die Kirche in die Jahre gekommen und noch einmal wollen die Verantwortlichen versuchen, Spendengelder aus den Vereinigten Staaten zu akquirieren.

„Die Kirche hat heuer ihren 60. Geburtstag“, sagt Patricia Goldbach-Keim, die im Dekanat Coburg für das Fundraising zuständig ist. Ihren Worten zufolge ist es die erste Kirche in Oberfranken, die aus der „Company Wooden Church Crusade“ finanziert wurde. Weil das kleine Gotteshaus mittlerweile in die Jahre gekommen ist, soll es demnächst nicht nur generalsaniert, sondern auch ein wenig umgebaut, barrierefrei gemacht und modernisiert werden.

Die voraussichtlichen Kosten dafür werden mit rund einer Million Euro beziffert. Etwa ein Drittel wird die Landeskirche tragen, zehn Prozent der Freistaat. Den Rest hoffen die Verantwortlichen mit Hilfe von Stiftungen, Unternehmens- und Privatspenden und einem bescheidenem Eigenanteil der Kirchengemeinde zu schultern.

Natürlich hoffen alle Beteiligten, dass auch diesmal wieder Gelder aus Amerika kommen. „Wir wollen gezielt einige Spender in den USA finden“, so Goldbach-Keim. Kontakte zu den jeweiligen Honorarkonsuln  gibt es bereits. Sie sollen die Flyer gezielt an ausgewanderte Deutsche und deren Nachkommen verteilen. „Vielleicht findet sich ja der eine oder andere Geldgeber“, so hofft man in Wildenheid. „Jeder Cent zählt“, sagt die Fundraiserin, die auch schon kleine Spardosen in Kirchenform für Betriebe, Vereine und Stammtische ausgegeben und auf der Internetseite einen Spendenbutton angebracht hat.

Pfarrer Jörg Herrmann und Kirchenvorsteherin Eva Grempel haben mit dem Geld einiges vor. Zum einen, das war schon vor zehn Jahr bei den Feiern zum 50-jährigen Geburtstag der Kirche ein Riesenthema, soll es endlich einen rollstuhlgerechten Zugang geben. Schadstoffbelastungen habe man in einigen Fenstern, aber auch auf dem Dachboden festgestellt. Zu allem Überfluss regne es auch noch herein, so der Pfarrer.

Darüber hinaus wollen die Verantwortlichen die Bauarbeiten aber auch dazu nutzen, um im Innern der Kirche einiges zu verbessern. Der Windfang soll von drinnen nach draußen, der Altar soll ein wenig ins Kircheninnere, näher an die Gemeinde gerückt, und der Taufstein soll in Richtung Eingang versetzt werden. Wichtigste Neuerung: die Bänke sollen künftig nicht mehr klassisch wie im Theater aufgestellt, sondern der Länge nach aufgebaut werden, so dass sich die Gemeinde gegenüber sitzt. Dann wäre man auch flexibler, wenn es drum geht, zusätzliche Stühle aufzustellen, etwa für die Gottesdienste an Weihnachten und an Ostern. Nicht zuletzt sollen künftig auch an jeder Seite fünf neue Dachfenster für mehr Licht im Kirchenschiff sorgen. Schließlich sind auch im benachbarten, für heutige Verhältnisse viel zu engen Gemeindehaus einige Umbauten vorgesehen, etwa eine Vergrößerung des Gemeindesaals, der Einbau einer Behindertentoilette und eine neue Heizung.

Bild: Die Friedenskirche in Wildenheid soll zukunftsfähig werden, dafür sorgen (von links) Pfarrer Jörg Herrmann, Eva Grempel vom Kirchenvorstand und die für das Fundraising zuständige Patricia Goldbach-Keim.

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20.03.2015

Mit Cybercops gegen Ebay-Betrug und Kinderpornographie / Oberfränkische Polizei präsentierte gemischte Kriminalitätsstatistik – Nur jeder vierte Wohnungseinbruch kann aufgeklärt werden

Bayreuth. Kräutermischungen, Straftaten im Internet und Wohnungseinbrüche, das hat die oberfränkische Polizei im zurückliegenden Jahr schwer in Atem gehalten. Insgesamt berichtete Polizeipräsident Reinhard Kunkel bei der Bekanntgabe der oberfränkischen Kriminalitätsstatistik am Freitag in Bayreuth auf der einen Seite von einer Steigerung der Fallzahlen im Vergleich zu Vorjahr, auf der anderen Seite von einem Abwärtstrend im Langzeitvergleich.

Die Zahl der Straftaten im Regierungsbezirk im zurückliegenden Jahr bezifferte Kunkel auf 50645, was eine Zunahme um 2,4 Prozent im Vergleich zu 2013 bedeutet. Trotzdem liegt die aktuelle Zahl noch unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre, der bei 51630 liegt. Besonders erfreulich  sei die Aufklärungsquote, die zwar mit 69,9 Prozent um etwa einen Prozentpunkt unter dem Vorjahreswert, aber deutlich über dem Bayernwert (64,4 Prozent) liegt. Für die Statistik ist auch immer die Häufigkeitszahl von großer Bedeutung. Auch hier liege Oberfranken mit 4672 Straftaten pro 100000 Einwohner unter dem bayerischen Schnitt (5164 Straftaten pro 100000 Einwohner).  Für die Häufigkeitsziffer werden die Straftaten pro 100000 Einwohner hochgerechnet, um verschiedene Regionen miteinander vergleichen zu können.

Absolutes Schwerpunktthema in 2014 sei der Bereich der Wohnungseinbruchsdiebstähle gewesen, so Harald Osel, Leiter des Sachbereichs Kriminalitätsbekämpfung. „Die Entwicklung macht uns Sorgen“, sagte er. Lag die Zahl der Wohnungseinbrüche im Jahr 2009 noch bei 233, seien es 2014 bereits 382 Einbrüche gewesen. Ziemlich genau ein Viertel hätten die Beamten aufklären können. „Das ist steigerungsfähig“, sagte Kunkel.

Er gab aber auch zu bedenken, dass die Zahl in den 90er Jahren schon mal bei über 700 Einbrüchen lag. „Wir werden alles tun, um dieses Kriminalitätsphänomen zu bekämpfen“, so der Polizeipräsident. Bereits jetzt fahre die Polizei verstärkt Streife, vor allem zwischen 18 und 21 Uhr, der Zeit, in der die meisten Einbrüche festgestellt wurden. Freilich gibt es auch den klassischen Einbrecher nicht mehr. Im Focus stehen mittlerweile international agierende Banden. Zu den 382 Wohnungseinbrüchen kommen laut Statistik noch 172 Einbrüche dazu, die im Versuchsstadium stecken geblieben sind.

Zweites Schwerpunktthema 2014 war die Rauschgiftkriminalität mit 15 Rauschgifttoten und 3565 Einzelfällen, fast zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor. Über fünf Kilogramm Crystal seien diesmal sichergestellt worden, über eineinhalb Kilogramm mehr als noch im Vorjahr.

Eindringlich warnten die Beamten vor den sogenannten Kräutermischungen („Legal Highs“), die im Internet bestellt und dann meist geraucht oder geschnupft werden. Die Kräutermischungen würden als absolut harmlos dargestellt, haben aber meist schwerste Auswirkungen wie Herz-Rhythmus-Störungen bis hin zum Kreislaufversagen. Kräuter seien dabei lediglich der Trägerstoff, auf den psychoaktive Substanzen aufgesprüht wurden. „Das Ganze ist ein einziges Himmelfahrtskommando“, sagte Präsident Kunkel, denn selbst herbeigerufene Notärzte wüssten oft nicht, wo sie medizinisch ansetzen solle.

Von Ebay-Betrügereien bis hin zu Kinderpornos reiche schließlich die Palette der Computer- und Internetkriminalität. Hier gebe es vor allem auch eine enorme Dunkelziffer, so Kunkel, der das Internet als größten Tatort der Welt bezeichnete. Deshalb soll auch in Oberfranken das Projekt Cybercops fortgesetzt werden, und zwar mit künftig drei, statt bisher zwei Beamten, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als Straftäter im Netz zu jagen.

In diesem Zusammenhang plädierte der Polizeipräsident auch an die Politik, in Sachen Vorratsdatenspeicherung aktiv zu werden. „Wenn wir unseren Schutzauftrag erfüllen sollen, dann müssen wir auch an die Daten ran“, sagte Kunkel. Wenn die Anbieter ihre Daten nur bis zur jeweils nächsten Abrechnung speichern habe die Polizei keine Chance.  Ideal wären sechs Monate, um mit Hilfe des digitalen Fingerabdrucks dem Verbrecher auf die Spur zu kommen.

Bilder:
- Der oberfränkische Polizeipräsident Reinhard Kunkel.

- Harald Osel, Leiter des Sachbereichs Kriminalitätsbekämpfung bei der oberfränkischen Polizei.

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26.01.2015

Breite Gänge, strahlende Farben und eine nagelneue Heizung / Münchberger haben ihre Stadtkirche wieder – 4,2 Millionen teuere Generalsanierung abgeschlossen

Münchberg. Nach rund acht Jahren erstrahlt die Stadtkirche Peter und Paul wieder in neuem Glanz. Das innen und außen generalsanierte Gotteshaus wird am Sonntag, 8. Februar feierlich eingeweiht. Die Baukosten beziffert Dekan Erwin Lechner auf rund 4,2 Millionen Euro.

„Dabei ist die Kirche noch nicht ganz komplett“, sagt Lechner. Was fehlt ist die Orgel. Anstatt die alte Steinmeyer-Orgel für mehrere hunderttausend Euro aufwändig zu sanieren, muss sich die Gemeinde erst einmal mit einer elektronischen Orgel als eine Art Übergangsinstrument begnügen. Den Schaden schätzen Fachleute auf mindestens rund 250000 Euro. Also sollte es doch besser eine neue Orgel werden, die in dem historischen Prospekt eingebaut wird. Das kann aber noch drei bis vier Jahre dauern, ein breites kirchenmusikalisches Angebot werden die Münchberger trotzdem vorfinden, verspricht der Dekan.

Die Sache mit der Orgel ist aber auch schon die einzige Einschränkung, die im Zuge der Generalsanierung  hingenommen werden muss. Ansonsten werden die Gottesdienstbesucher viele neue Angebote vorfinden. Breitere Gänge, mehr Platz im Kirchenschiff und auf der Empore, eine nagelneue Fußbodenheizung statt der veralteten Dampfheizung, überall strahlende Farben, aber auch so banale Dinge, wie eine Toilette im Eingangsbereich.

Fallen gelassen hat man dagegen den Bau einer neuen, zweiten Sakristei. Während der Denkmalschutz einen modernen Anbau vorgeschrieben hatte, wollte die Stadt genau das Gegenteil, einen historisierenden Baukörper. So entstand eine Art Kompromiss, mit dem nun alle leben können: der Anbau wurde gestrichen, stattdessen gibt es ab Ende März zwei überdimensionale Schränke an der Rückwand, in denen rund 150 Stühle problemlos gestapelt und gelagert werden können und die darüber hinaus noch weitere Abstellflächen bieten.

Diese 150 Stühle könnten künftig im Notfall schnell und unkompliziert die acht Bänke ersetzen, die man herausgenommen hat, um mehr Platz für Kinderwägen und Rollstühle zu schaffen. Auch einen Beamer und eine überdimensionale ausfahrbare Leinwand wird es noch geben, auf der mal ein Bild zur Predigt gezeigt werden kann oder mit deren Hilfe das nächste Krippenspiel auch die Besucher auf den hinteren  Bänken optisch und akustisch erreicht.

Erste Erhebungen für die Generalsanierung reichten bereits zehn Jahre zurück, sagt Dekan Lechner, nachdem die letzte größere Sanierung auf 1960 datiert ist. An der Westseite der Kirche, der Wetterseite, war 2004 Wasser ins Mauerwerk eingedrungen, vom Dach tropfte es, so dass schnell klar war: „Um eine Generalsanierung kommen wir nicht herum.“ Von den Gesamtkosten in Höhe von rund 4,2 Millionen Euro trägt grob zwei Drittel der Staat. Das letzte Drittel teilen sich Oberfranken-Stiftung, Landeskirche, Bayerische Landesstiftung. Auch die Gemeinde muss einen kleinen Teil beisteuern.

Die Münchberger Stadtkirche wurde zwischen 1867 und 1872 von Karl Kaufmann als neugotischer Sandsteinquaderbau errichtet, nachdem ein Vorgängerbau 1837 abgebrannt war. In den Jahren 1893/1894 musste das ursprüngliche Steingewölbe der Decke wegen statischer Probleme durch ein leichteres Holzbalkengewölbe ersetzt werden. Bei der Untersuchung des Fundaments im Jahr 2006 stieß man auf keine Auffälligkeiten, die auf ein Sicherheitsrisiko hingewiesen hätten. Allerdings brachen in den letzten fünf Jahren mehrmals kleinere Steinblöcke aus dem Mauerwerk. Bereits vor Vollendung des Turmes wurden 1869 die Glocken, die 32 Jahre lang in einem hölzernen Glockenhaus auf dem Kirchplatz hingen, im neuen Turm installiert. Auch sie wurden mittlerweile aufwändig restauriert und konnten bereits 2010 wieder an ihren angestammten Platz zurückkehren. Höhepunkt der Einweihungsfeierlichkeiten wird ein Konzert des Windsbacher Knabenchors am Samstag, 28. Februar um 19 Uhr sein.

Bild: Knapp zwei Wochen vor der feierlichen Einweihung glich die Münchberger Stadtkirche noch immer einer Großbaustelle.

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23.01.2015

Menschlichkeit zum Standard machen / VdK kämpft für würdige Pflege - Oberfranken gilt als Hochburg des Sozialverbandes in Bayern

Bayreuth. In Sachen Pflege schlägt der Sozialverband VdK Alarm: „Das bisherige Pflegesystem wird irgendwann implodieren“, sagte der oberfränkische Bezirksausschussvorsitzende und gleichzeitig stellvertretende bayerische Landesvorsitzender Hellmut Ott aus Coburg am Freitag in Bayreuth.

Immer weniger Pflegekräfte seien bereit, unter den derzeitigen Bedingungen zu arbeiten, und immer weniger Menschen seien bereit, den Beruf zu erlernen. Gleichzeitig drängten aber auch immer mehr Pflegebedürftige in die stationären Einrichtungen, oder sie werden dahin gedrängt, weil die Pflege zu Hause nicht zu organisieren ist. Das Pflegestärkungsgesetz der Bundesregierung bezeichnete Ott bestenfalls als einen in weiten Teilen Ausdruck des guten Willens. „Von einer echten Pflegereform, wie sie der VdK zusammen mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft fordert, sind wir noch meilenweit entfernt“, so der Vorsitzende. Um endlich wieder zu einer menschenwürdigen Pflege zu kommen, habe der Sozialverband deshalb im November eine Verfassungsbeschwerde eingereicht.

Damit will der VdK nicht nur Verletzungen von Grundrechten in Pflegeheimen einen Riegel vorschieben, sondern die gesamten Rahmenbedingungen verändern. „Das Verfassungsgericht soll der Bundesregierung aufgeben, für bessere Rahmenbedingen zu sorgen“, sagte Landesgeschäftsführer Michael Pausder. Im Einzelnen fordert er im Namen des Verbandes unter anderem eine bessere Bezahlung der Pflegekräfte, eine bessere Ausbildung und vor allem mehr Ausbildung, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden.

„Unser Ziel ist es, dass in Deutschland niemand mehr Angst haben muss, ins Heim zu kommen, wenn er pflegebedürftig und hilflos ist“, sagte Ott. Der Politik stellte er ein schlechtes Zeugnis aus, weil sie die Vorgänge in den Pflegeheimen viel zu lange aus dem Ruder habe laufen lassen. „Die schlimmen Tatsachen sind seit langem bekannt, Missstände werden schon lange dokumentiert.“

Die Überlastung des Personals schlage sich auch in Studien nieder, bei denen drei Viertel der Pflegenden ihren Berufsalltag als belastend oder als sehr belastend einstufen. Viele Beschäftigte würden mehr oder minder von einer Mängelverwaltung oder einer Mängelvertuschung sprechen. Diese Entwicklung in den Pflegeheimens zeige, wohin ein System führt, das jahrelang sich selbst überlassen wurde, ohne auf die Bedürfnisse der Pflegenden  wie der Pflegebedürftigen Rücksicht zu nehmen. „Wenn wir hier ansetzen und endlich Menschlichkeit zum Standard machen, können wir einen echten Systemwechsel vollziehen, der letztlich allen hilft. Schließlich ist niemand vor gefeit, pflegebedürftig zu werden.“

Positiv bewertet der VdK sowohl die „Rente mit 63“, als auch die Einführung des Mindestlohns. Die Rente mit 63 für Arbeitnehmer  mit mindestens 45 Beschäftigungsjahren sei gerade für diejenigen ein Segen, die lange und schwer gearbeitet haben, und die jetzt Mühe haben, gesundheitlich bis zum offiziellen Renteneintrittsalter über die Runden zu kommen, sagte Landesgeschäftsführer Pausder. Auch die Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro werde vom VdK absolut begrüßt. Der Mindestlohn sei ein erster wichtiger Schritt, Einkommens- und spätere Altersarmut einzudämmen.

Nach den Worten von Bezirksgeschäftsführer Roland Sack ist Oberfranken zwar der kleinste Regierungsbezirk in Bayern, dennoch gilt Oberfranken als die VdK-Hochburg in Bayern. Grund dafür ist, dass der VdK in Oberfranken mit derzeit über 88000 Mitgliedern bei knapp 1,06 Millionen Einwohnern mit 8,3 Prozent den höchsten Organisationsgrad hat. In bloßen Mitgliedszahlen habe Mittelfranken den Regierungsbezirk Oberfranken zwar mittlerweile überholt, jedoch habe Mittelfranken auch wesentlich mehr Einwohner als Oberfranken. In der Altersgruppe der 60- bis 64-Jährigen gehöre jeder vierte Oberfranken dem Verband an. VdK-Hochburg innerhalb des Regierungsbezirks Oberfrankens ist Kulmbach mit einem Organisationsgrad von elf Prozent.

Auch die Zahlen aus dem Tätigkeitsbericht sprechen für sich: 2014 haben die Rechtsberater in den neun oberfränkischen Kreisgeschäftsstellen fast 19000 sozialrechtliche Beratungsgespräche geführt und dabei über 9000 Anträge auf Sozialleistungen bei Sozialversicherungsträgern und Behörden gestellt. In 3900 Fällen wurde Widerspruch gegen einen Bescheid eingelegt. Außerdem wurden 870 Sozialgerichtsverfahren durchgeführt und dabei zusammen mit den erfolgreichen Widersprüchen Nachzahlungen in Höhe von 3,8 Millionen Euro erstritten.

Bild: „Immer mehr Menschen suchen Hilfe beim VdK“: Landesgeschäftsführer Michael Pausder (links) und der oberfränkische Bezirksausschussvorsitzende Hellmut Ott aus Coburg.

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16.01.2015

Schwerpunktthema Flüchtlinge und Asyl: Tendenz zur Unfreundlichkeit / Nachdenkliche Worte beim Neujahrsempfang von Regionalbischöfin Greiner

Bad Alexandersbad. Eigentlich veranstaltet die oberfränkische Regionalbischöfin Dorothea Greiner keine Neujahrsempfänge. Besondere Herausforderungen erfordern allerdings auch besondere Antworten. Nachdem Greiner im abgelaufenen Jahr das Thema Flüchtlinge und Asylbewerber zu ihrem ganz persönlichen Schwerpunktthema gemacht hatte und die Zahl der Flüchtlinge dann ab dem Sommer dramatisch zunahm, bedankte sich Greiner nun mit einem Neujahrsempfang der anderen Art am Freitagabend im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum von Bad Alexandersbad bei allen ehren- und hauptamtlich Tätigen in der Flüchtlings-, Asyl- und Migrationsarbeit.

Mit bloßem Danken war es aber nicht getan. Die Regionalbischöfin ließ auch diejenigen zu Wort kommen, die an der Basis arbeiten, die tagtäglich das Leid der Flüchtlinge erfahren. Was sie zu sagen hatten, das machte nachdenklich. Sandra Windisch beispielsweise vom Helferkreis Asyl in Münchberg sagte offen: „Das Sicherheitsgefühl ist ins Wanken geraten.“ Nach zwei Vorfällen in Münchberg, bei denen Steine gegen Asylbewerbereinrichtungen geworfen wurden und Scheiben zu Bruch gegangen waren, gebe es unter den Flüchtlingen große Sorgen. Sie merke schon, dass sich die Stimmung in der Bevölkerung verändert, sagte Sandra Windisch. Es bestehe die Tendenz, dass es unfreundlicher wird. Die schlechte Stimmung werde auf die Flüchtlinge übertragen, auch wenn sie gar nichts damit zu tun haben.

Offene Worte fand auch Christa Stein von der Bayreuther Initiative „bunt statt braun“.  In Gegenwart der bayerischen Sozialministerin Emilia Müller sagte sie: „Ich wünsche mir, dass künftig aus München keine populistischen Gedankensprünge mehr kommen.“ So etwas bereitet den Ehrenamtlichen viel zusätzliche Arbeit und erschwere die Willkommenskultur ganz erheblich. Stein, die zusammen mit ihren Mitstreitern die Noterstaufnahme-Einrichtung in Bayreuth betreut, sprach auch davon, dass viele Helfer mittlerweile an der Belastbarkeitsgrenze angelangt seien. „Wir sind wirklich im Moment am Ende“, sagte sie. Ein Problem sei es beispielsweise, dass viele engagierte Studenten plötzlich wegfallen, weil sie ihre Prüfungen schreiben müssen und kein Ersatz in Sicht ist. Die Mitarbeiter von „bunt statt braun“ haben in Bayreuth unter anderem eine Kleiderkammer eingerichtet, sie organisieren die Essensausgabe, führen Fahrdienste durch oder dolmetschen.

Auch Regionalbischöfin Dorothea Greiner richtete ihre Worte direkt an die Sozialministerin und gab ihr eine dringende Bitte mit. Zwar sei die Zulassung von Flüchtlingen zum Arbeitsmarkt seit Jahresbeginn etwas erleichtert worden. Trotzdem dürften Flüchtlinge in vielen Arbeitsbereichen nur nachrangig zu Deutschen oder EU-Bürgern einen Arbeitsplatz erhalten. Faktisch seien die Vorrangprüfung und die Arbeitsmarktprüfung eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die ohnedies überlasteten Behörden und ein Verhinderungsmechanismus für die Wirtschaft angesichts historisch niedriger Arbeitslosenzahlen, fand Greiner deutliche Worte.

„Überlassen sie es doch bitte den Unternehmen, wen sie einstellen“, sagte die Bischöfin. Wenn ein geeigneter deutscher Bewerber da ist, würden die Unternehmer sowieso den Muttersprachler nehmen. Gerade der Kirchenkreis sei mit seiner besonderen Belastung durch den demographischen Wandel auf qualifizierte Arbeitskräfte von außen dringend angewiesen. „Da muss und da kann sich etwas tun“, sagte die Regionalbischöfin unter dem Applaus der vielen Helfer. Applaus gab es aber auch für den ausdrücklichen Dank der Bischöfin an die Ministerin. Dank dafür, dass es seit Amtsantritt von Emilia Müller kein einziges Mal ein abfälliges Wort über Flüchtlinge gegeben habe. Dank auch dafür, dass gleich nach Amtsantritt die Essenspakete abgeschafft wurden.

Einmal mehr sicherte Ministerin Müller zu, alles Menschenmögliche zu tun, um Asylbewerber und Flüchtlinge angemessen unterzubringen. Zu den „Montagsdemos“ in Dresden – beim Neujahrsempfang fiel kein einziges Mal das Wort Pegida – sagte Müller, dass man Ängste und Verunsicherungen dieser Menschen zwar ernst nehmen müsse, aber keinesfalls Hetze und Parolen erdulden dürfe, sondern strikt dagegen vorgehen müsse. Akzeptanz. Toleranz und Solidarität, diese Werte gelte es hochzuhalten. Vor dem Hintergrund des Terroranschlags von Paris sagte Müller, dass dies die Tat fehlgeleiteter Einzeltäter gewesen sei. Müller: „Wir dürfen nicht die islamische Religion unter Generalverdacht stellen.“

Bilder:

1. Die bayerische Sozialministerin Emilia Müller (links) und Regionalbischöfin Dorothea Greiner.

2. Der Gospelchor Wunsiedel und die St. Andrew-Singers aus Selb beim Neujahrsempfang im evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum von Bad Alexandersbad.

3. Müssen offen sein, für Menschen, die zu uns kommen und schwere Schicksale erleben mussten: die bayerische Sozialministerin Emilia Müller.

4. von links: Sandra Windisch vom Helferkreis Asyl in Münchberg, Martin Becher, Geschäftsführer des bayerischen Bündnisses für Toleranz, Ulrike Tontsch von der Initiative „Freund statt fremd“ in Bamberg, Udo Benker-Wienands, der sich für die in Selb-Erkersreuth untergebrachten Flüchtlinge einsetzt, und Christel Stein von „Bunt statt braun“ in Bayreuth.

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02.12.2014

Vorbereitung auf ein straffreies Leben / Forensik-Tagung: Fachleute begrüßen mehr Transparenz bei der Unterbringung psychisch kranker Straftäter

Bayreuth. Es hatte schon etwas von unfreiwilliger Komik, als der Chefarzt der Klinik für forensische Psychiatrie am Bezirkskrankenhauses Klaus Leipziger zu Beginn der 14. Bayreuther Forensik-Tagung ausgerechnet auf die Notausgänge verweist und später auch noch vom ziemlich erfolgreichen Tag der offenen Tür spricht. Es waren aber auch die einzigen heiteren Momente zu einem ernsten Thema, noch dazu in Bayreuth, wo die Forensik mit dem Fall Gustl Mollath ins Gerede gekommen war.

Forensik im Maßregelvollzug, das ist die zwangsweise Unterbringung psychisch kranker Straftäter auf unbestimmte Zeit. Die Spannbreite reicht von einem halben Jahr bis in Einzelfällen zu 30 Jahren, so Dieter Seifert, Ärztlicher Direktor der Christophorus-Klinik in Münster. Im Mittel seien Straftäter sechs Jahre lang untergebracht, jeder 6. bis 7. länger als zehn Jahre.

Spektakuläre Einzelfälle hätten die Forensik in das öffentliche Blickfeld gerückt, sagt Generalstaatsanwalt Thomas Janovsky ohne den Namen Mollath auszusprechen. Völlig zu Unrecht sei die forensische Psychiatrie dabei in ein schlechtes Licht geraten, denn, so gab der Generalstaatsanwalt zu bedenken: „Die Entscheidung für den Maßregelvollzug eines Straftäters bedeutet immer das Abwägen  zwischen dem Freiheitsanspruch des Individuums und des Sicherheitsanspruchs der Allgemeinheit.

Trotzdem sei es der Auftrag, der forensischen Psychiatrie, Menschen, die psychisch krank sind und straffällig geworden sind,  zu behandeln und in die Gesellschaft zurückzuführen, so Manfred Wolfersdorf, Ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses. Er spricht von großer Unkenntnis in der Bevölkerung zum Thema Forensik.

In der Klinik für forensische Psychiatrie am Bezirkskrankenhaus in Bayreuth sei die Zahl der untergebrachten Patienten aufgrund von Suchterkrankungen vor allem wegen Crystal-Speed in den zurückliegenden drei Jahren von 76 auf 123 angestiegen, sagt der oberfränkische Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Im gleichen Zeitraum sei die Zahl der schuldunfähigen oder vermindert schuldfähigen Straftäter, die aufgrund ihrer Erkrankung als für die Allgemeinheit gefährlich gelten und von denen weitere erhebliche Straftaten zu erwarten sind, um ein Drittel auf 80 gesunken.

„Das Bild der Forensik ist nach wie vor von Vorurteilen belastet“, so Denzler, der sich für mehr Transparenz in diesem hochsensiblen Bereich ausspricht. Transparenz soll auch das neue bayerische Maßregelvollzugsgesetz schaffen, das voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2015 in Kraft treten wird. Dieser Gesetzesentwurf schließe vorhandene Lücken, schaffe Rechtssicherheit, stärke die Patientenrechte, definiere mögliche Grundrechtseingriffe und sorge für mehr Transparenz, bringt es Chefarzt Leipziger auf den Punkt.

Oberstes Ziel sei es dabei nach wie vor, die untergebrachten Personen auf ein straffreies Leben vorzubereiten. so Leipziger. Aber auch viele Dinge, die bislang nicht explizit festgeschrieben waren, sind in dem Entwurf enthalten. Das beginnt beim Recht, eigene Kleidung zu tragen und hört bei der Zimmerbelegung, bei der vier Personen künftig gar nicht mehr zulässig sind, noch lange nicht auf. Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten sollen künftig vorgehalten werden, jeder Untergebrachte müsse ein Recht auf Religionsausübung haben und sogar Disziplinarmaßnahmen wie Fernsehverbot sind in Zukunft gesetzlich festgeschrieben.

Die Klinik für Forensische Psychiatrie am Bezirkskrankenhaus in Bayreuth versieht den psychiatrischen Maßregelvollzug im Regierungsbezirk Oberfranken und gliedert sich in getrennte Behandlungs-Bereiche für den allgemeinen psychiatrischen Maßregelvollzug nach Paragraph 63 des Strafgesetzbuches und die Maßregelbehandlung für Suchtkranke gemäß Paragraph 64 des Strafgesetzbuches. Die Klinik bietet auf derzeit zehn Behandlungsstationen, inklusive zwei offenen Stationen, nach therapeutischen Schwerpunkten differenzierte Behandlungsangebote für rund 180 Patienten.

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30.11.2014

Oberfrankens evangelische Hauptkirche für über 13 Millionen Euro saniert / Wiedereinweihung nach 400 Jahren: Bayreuths evangelische Christen haben ihre Stadtkirche wieder

Bayreuth. Auf den Tag genau 400 Jahre nach ihrer ersten Wiedereinweihung hat der neue Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland und bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm am Sonntag die Bayreuther Stadtkirche ein zweites Mal ihrer Bestimmung übergeben. Im Jahr 1605 war es ein großer Stadtbrand, der die Kirche zerstört hatte, neun Jahre lang dauerte damals der Wiederaufbau. Diesmal war es ein riesiger Sandsteinbrocken, der genau am 23. Mai 2006 aus dem Deckengewölbe gebrochen und zu Boden gestürzt war. Acht Jahre dauerten die Arbeiten diesmal, über 13 Millionen Euro waren für die Generalsanierung notwendig.

Es ist in diesem Jahrhundert die bisher teuerste Baumaßnahme an einer Kirche in Bayern. 90 Prozent der Kosten trägt der Freistaat. Trotzdem musste die Stadtkirchengemeinde rund eine Million Euro aus eigenen Mitteln aufbringen. Aufgrund des großen Andrangs von Interessierten waren die über 500 Platzkarten für den gestrigen Eröffnungsgottesdienst schon seit Wochen vergeben. Der Gottesdienst wurde deshalb nicht nur in die Spitalkirche übertragen sondern war auch per Livestream im Internet zu sehen. Ein zweiter Gottesdienst, mit Abendmahl und der Aufführung der Bach-Kantate hatte sich am Nachmittag angeschlossen, ehe am Abend eine Aufführung von Johann Sebastian Bachs h-Moll Messe stattfand.

Der Einsatz der öffentlichen Gelder sei durchaus gerechtfertigt, sagte der EKD-Vorsitzende und Landesbischof Bedford-Strohm. Die Bayreuther Stadtkirche habe eine große kulturhistorische Bedeutung und sei so etwas wie die Seele der Stadt. Einmal mehr verteidigte Bedford-Strohm sein Ja zum militärischen Schutz  verfolgter Christen in Syrien. Dass Menschen mit Gewalt geschützt werden müssen, das sei immer eine Niederlage. Er sprach von einer Situation, in der man sich so oder so Schuld auflade. Er appellierte aber auch an Politik und Gesellschaft, Jugendliche nicht abzuschreiben, die der IS-Propaganda auf den Leim gegangen sind und ihnen so zu zeigen, wie wunderbar es ist, in einem freien Land zu leben.

Glücklich und dankbar über die Wiedereinweihung der Stadtkirche zeigten sich zahlreiche Redner während des Gottesdienstes. Regierungspräsident Wilhelm Wenning sprach von einem der bedeutendsten Sakralbauten Oberfrankens und nannte die Generalsanierung eine echte Herkulesaufgabe. Mit dem „Stein des Anstoßes“ sei eine ganze Lawine ins Rollen gekommen, so Christoph Präg vom staatlichen Bauamt in Bayreuth. Die Kirche zeige sich künftig in einem neuen Glanz, ohne der Gemeinde fremd geworden zu sein.

Dem Baudirektor zufolge war die gotische Kirche romanischen Ursprungs 2006 akut einsturzgefährdet. Derartige Schadensbilder seien bislang unbekannt gewesen, für die Fachleute war es ein Rätsel, wie es sein konnte, dass die Kirche überhaupt noch stand. Die Statiker hatten damals die sofortige Schließung angeordnet. Stadtkirchenpfarrer Hans-Helmut Bayern erinnert sich noch daran, dass man Steine aus einem Fries an der Außenwand wie Äpfel herausbrechen konnte. Auf Jahre hinaus wurde damals die wesentlich kleinere Spitalkirche in der Innenstadt zur Heimat für die evangelischen Christen in Bayreuth. Doch das ist nun Schnee von gestern. „Nun hat die Stadt ihre Kirche zurück“, sagte Bayer.

Viel habe sich verändert, so Pfarrer Martin Kleineidamm. Die Kanzel habe einen neuen Platz gefunden, ebenso der Taufstein. Hinzugekommen seien ein Volksaltar, ein Osterkerzenständer und ein Lesepult der Münchner Künstlerin Sabine Straub. Sehr augenfällig seien die ins Kirchenschiff eingezogenen Heiligen, wie beispielsweise Maria Magdalena, ihr war der Vorgängerbau geweiht. Wie die neu ausgerichtete Kanzel so wollen auch der jetzt vorgezogene Chorraum mit seinen drei Stufen und der neu platzierte Taufstein den heutigen Menschen das Ja des dreieinigen Gottes zueignen und mit ihnen und durch sie Kirche für eine hoffnungsfrohe Zukunft bilden, so Pfarrer Kleineidamm.

Doch nicht nur das, es gibt sogar einige neue Attraktionen. So wurde beispielsweise die Grablege der Bayreuther Markgrafen unterhalb der Kirche, die Begräbnisstätte der Bayreuther Hohenzollernfürsten des 17. Jahrhunderts, gegen den Denkmalschutz mit einer gewundenen Treppe öffentlich zugänglich gemacht. Durch Glas geschützt können nun wieder die Sarkophage von 26 Mitgliedern der Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth eingesehen werden, die zwischen 1620 und 1733 hier bestattet wurden, darunter die Markgrafen Christian, Christian Ernst und Georg Wilhelm. Vollständig restauriert und für Besucher zugänglich gemacht wurde außerdem die einstige Türmerwohnung auf dem Nordturm in 50 Metern Höhe. Nicht nur komplett überholt, sondern sogar um ein zusätzliches Register ergänzt wurden die beiden Orgeln, die nach den Worten von Kantor Michael Dorn auch als Prüfungsorgeln der Hochschule für evangelische Kirchenmusik dienen.

Bilder:
1. Erster Gottesdienst im neuen Amt als EKD-Vorsitzender: Landesbischof Heinrich Bedford Strohm hielt zur Wiedereinweihung der Stadtkirche die Festpredigt.
2.
Nach über acht Jahren Bauzeit erstrahlt die Bayreuther Stadtkirche in neuem Glanz.
3. Regionalbischöfin Dorothea Greiner und EKD-Vorsitzender und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm am neuen Alter der Stadtkirche in Bayreuth.

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06.11.2014

Ersatzfamilie und erste Anlaufstelle nach der Schule / Die Nikodemus-Kirchengemeinde kümmert sich um sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche

Das Integrationsprojekt „Kids-Treff“ im Bayreuther Stadtteil Neue Heimat ist eine offene Einrichtung zur Freizeitgestaltung für Kinder und Jugendliche. Ziele sind unter anderem die Stärkung des Selbstwertgefühls, das Entwickeln einer eigenen Persönlichkeit und die Vermittlung christlicher Werte. Dazu bietet das Projekt sinnvolle Freizeitgestaltung mit Spiel- und Sportangeboten, Lernhilfen, festen Bezugspersonen und ein kostenloses Essen. Im Juni wurde das Projekt durch einen Abenteuerspielplatz erweitert, für das kommende Jahr ist die Errichtung eines eigenen Jugendtreffs geplant.

Bayreuth. „Kinder sind unsere Zukunft“, so heißt es immer. In diese Zukunft muss unsere Gesellschaft investieren. Das ist leicht daher gesagt und den guten Worten folgen oft nur halbherzig umgesetzte Taten. Auch in einer modernen Gesellschaft bleiben viele Kinder auf der Strecke, aus den verschiedensten Gründen: Alleinerziehende, schwierige familiäre Umstände, ein Migrationshintergrund, Sprachschwierigkeiten. Das alles führt dazu, dass Kinder in ihrer Entwicklung zurückbleiben und den Anschluss verlieren. Genau an dieser Stelle setzt das bereits 2006 gegründete Integrationsprojekt „Kids-Treff“ an.

„Bei uns ist alles ohne Anmeldung und kostenlos“, sagt Heike Meyer, die Leiterin der Einrichtung. „Kids-Treff“ verstehe  sich als offene kirchliche Sozialarbeit der evangelisch-lutherischen Nikodemus-Gemeinde für Kinder und Jugendliche. Wie viele genau kommen, das wisse man hier nie. Aktuell sind 15 Kinder im Haus, bis zum späten Nachmittag werden es wohl so um die 25 sein.

Einer der Ausgangspunkte für das ehrgeizige Projekt sei die Tatsache gewesen, dass in der Neuen Heimat im Vergleich zu anderen Bayreuther Stadtteilen überdurchschnittlich viele sozial schwache Menschen und auch viele Aussiedler leben. Dazu kommt ein großer Anteil von alleinerziehenden Müttern. Hier treffe man viele Kinder, die aus schwierigen familiären Verhältnissen kommen. Sie erhielten zu Hause wenig oder überhaupt keine Unterstützung. Viele Kinder und Jugendliche verbrachten bis 2006 tatsächlich ihre Zeit auf der Straße, erinnert sich Heike Meyer, die selbst am Rande des Viertels aufgewachsen ist.

Mit dem Projekt „Kids-Treff“ ist es gelungen, einen großen Teil davon von der Straße zu holen, ihnen sinnvolle Freizeitmöglichkeiten zu geben, soziale Defizite anzugehen und die Kinder in ihrem Selbstwertgefühl zu stärken. Im „Kids-Treff“ finden sie Ansprechpartner für ihre Sorgen und Nöte. Die fest angestellten Sozialpädagogen sowie über 40 ehrenamtliche Mitarbeiter kümmern sich um die Kinder und Jugendlichen im Alter von fünf bis neunzehn Jahren. Der „Kids-Treff“ hat an vier Tagen in der Woche von 15 bis 18 Uhr, der „Teen-Treff“ von 18.30 bis 21 Uhr geöffnet. Ab 13 Uhr gibt es bereits ein kostenloses Mittagessen und je nach Bedarf auch Ehrenamtliche, die bei den Hausaufgaben helfen können, die Lebensmittel von der Tafel holen oder die Wäsche waschen.

Fast 300 Kinder und Jugendliche, davon rund 70 Prozent mit Migrationshintergrund, nutzen die kostenlosen Angebote. „Wenn es uns nicht gäbe, wären sie alle auf der Straße“, so Sozialpädagoge Daniel Friedrich. Es gibt unter anderem Spiel-, Sport- und Kreativangebote sowie im Rahmen des Kids-Clubs auch Ausflüge in den Wochenenden und  in den Ferien. Gerade im Bereich der sozialen und motorischen Fähigkeiten sowie im Sprachlichen sollen die Kinder gefördert werden. Wenn es auch um die Vermittlung christlicher Werte geht, fragt niemand nach der Konfession.

Nicht immer schallt nur fröhliches Kinderlachen durch die Räume. Angst, Armut, Gewalt, miserable schulische Leistungen, Alkoholismus und Drogen bei den Eltern, das alles sind Dinge, denen sich die Mitarbeiter immer wieder stellen müssen. „Wir hatten wirklich schon üble Geschichten“, sagt Heike Meyer vielsagend. Für sie und ihre Mitstreiter ist es das wichtigste, den Kindern als feste Bezugspersonen zur Verfügung stehen zu können. „Manche blühen wirklich auf“, weiß Daniel Friedrich, der auch für den neuen Abenteuerspielplatz zuständig ist. Manchmal, wenn es gar nicht mehr anders geht,  müssten allerdings auch Jugendamt und Polizei eingeschaltet werden.

Der „Kids-Treff“ ist für viele Kinder im Stadtteil eine große Hilfestellung. Der Bezug zum pädagogischen Personal ist eng und die Einrichtung fungiert oft genug als eine Art Ersatzfamilie. Für viele Kinder ist der „Kids-Treff“ die erste Anlaufstelle nach der Schule. Da es in der neuen Heimat keine weiteren Formen der sozialen Arbeit gibt, kein Stadtteilbüro oder sonstige soziale Beratungsstellen, ist das Angebot der Nikodemus-Kirche besonders wertvoll. Finanziert wird es hauptsächlich aus Spenden, Firmenspenden, Gelder aus einem Förderkreis, Preisgelder und ein Zuschuss von der Stadt. Für Nikodemuskirchenpfarrer Dieter Opitz ist das Engagement vieler Aktiver der „Gruppe Luther“ wichtig, deren Leitungsteam er angehört.

Im Juni 2014 konnte ein weiterer Schritt gegangen werden. Da der „Kids-Treff“ im Gemeindehaus aus allen Nähten platzt, wurde in Kooperation mit der Stadt auf einem Grundstück ganz in der Nähe der Abenteuerspielplatz für Kinder und Jugendliche eröffnet. Ein niederschwelliges Angebot, das sich nach und nach zum Zentrum der Sozialarbeit im Stadtteil entwickeln soll. Hier wird gebaut, geplantscht, manche legen sich einen Garten an, und sogar einen eigenen „Steinbruch“ gibt es, aus dem sich die Kinder Versteinerungen herausschlagen können. „Wir haben mit diesem Angebot über 20 Kinder erreicht, die noch nie bei uns im „Kids-Club“ waren“, sagt Daniel Friedrich. 

Im Frühjahr 2015 soll dann ein eigener Jugendtreff in den Räumen der bisherigen Sparkassenfiliale mitten im Stadtviertel das Angebot erweitern. So haben auch die Jugendlichen, die sich in einer Einrichtung für Kinder nicht mehr aufgehoben fühlen, eine Möglichkeit, sich zu treffen. Nicht auf der Straße, sondern in einem geschütztem Raum.  „Wir haben die große Hoffnung, dass diejenigen, die ihre Kindheit hier verbracht haben, uns auch als Jugendliche erhalten bleiben“, sagt Heike Meyer. Offene Angebote, wie Café, Billard oder Darts werden ergänzt durch konkrete Angebote wie Bewerbungstrainings oder Hausaufgabenhilfe. Durch den Jugendtreff kann der Kontakt auch im Teenager-Alter gehalten und auf der positiven Basis der pädagogischen Arbeit im Kindertreff aufgebaut werden. Für den größten Teil der Finanzierung ist dabei die Benefizaktion Sternstunden des Bayerischen Rundfunks eingesprungen. Daneben gehört der Bayerische Jugendring zu den Geldgebern, einen kleinen Teil muss die Gemeinde schultern.

Drei Fragen an Dieter Opitz, Pfarrer der Nikodemuskirche:

1.            Warum engagieren Sie sich?

Die besondere Situation hier im Stadtteil ist eine Herausforderung. Wir sind keine traditionelle bürgerliche Gemeinde, denn hier im Stadtteil Neue Heimat leben viele sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche, ebenso viele mit Migrationshintergrund. Als ich 1997 hierher gekommen bin ist mir relativ schnell aufgefallen, dass hier ein besonderer Handlungsbedarf besteht.

2.            Was bringt das Projekt für die Menschen im Stadtteil?

Es bringt den Kindern ein Stück Heimat und bietet ihnen das, was sie meist zu Hause vermissen. Hier erfahren sie Familienersatz, Zuwendung, bekommen Werte vermittelt und erhalten nicht zuletzt ein richtiges Mittagessen. Es soll hier eben auch ein Stück Erziehungsarbeit bis ins Jugendalter hinein sein. Natürlich gehört auch die Vermittlung christlicher Werte dazu.

3.            Kann das Projekt ein Vorbild für andere Gemeinden sein?

In ähnlich strukturierten Lagen kann das Projekt sicher Vorbild sein. Eins zu eins wird es sicher nicht übertragbar sein, und man braucht immer auch das Personal. Aber Beratungsgespräche mit anderen Gemeinden hatten wir schon. Nicht zuletzt sind ja auch wir inspiriert worden von einem ähnlichen Projekt mit dem Namen „Stoffwechsel“, das die 2009 verstorbene Sabine Ball in Dresden aufgebaut hatte.

Bild: Die Sozialpädagogen Heike Meyer und Daniel Friedrich, Pfarrer Dieter Opitz und Martin Engelhardt von der offenen Jugendarbeit (von links) in den Räumen des „Kids-Treff“ in der Bayreuther Nikodemuskirche.
 

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15.10.2014

Stiftung leidet unter Zinstief / Soziales, Kultur und Denkmalpflege: Preise der Oberfrankenstiftung verliehen

Es ist Jahr für Jahr der einzige öffentliche Auftritt einer Stiftung die viele kennen und die in der Region überaus segensreich wirkt: die Preisverleihung der Oberfrankenstiftung. Für besondere Leistungen in den Bereichen Soziales, Kultur und Denkmalpflege werden die in jeder Kategorie mit 15000 Euro dotierten Preise vergeben.

Baunach. Diesmal gingen die Preise der Oberfrankenstiftung an das Freiwilligenzentrum Aktive Bürger in Lichtenfels und die evangelische Nikodemus-Kirchengemeinde in Bayreuth (Soziales), an die international bekannte Schriftstellerin Tanja Kinkel aus Bamberg und die Filmautorin Annette Hopfenmüller aus Coburg (Kultur) sowie an Roland und Manuela Dorscht aus Scheßlitz und Krystina und Reinhard Stegert aus Marktredwitz (Denkmalpflege).

21 Millionen Euro hat die Oberfrankenstiftung nach den Worten des Stiftungsratsvorsitzenden und Regierungspräsidenten Wilhelm Wenning im vergangenen Jahr wieder ausgeschüttet. Das klingt im ersten Moment nach sehr viel. Ist es auch, doch bedeutet die Zahl 21 auch 1,5 Millionen weniger als noch im Jahr zuvor. Grund: die miserable Zinsertragssituation auf den Finanzmärkten. „Das Tief für die Anleger kommt auch bei der Oberfrankenstiftung an“, sagte Wenning.

Während also die zur Verfügung stehenden Gelder zurückgehen, steigen aber die Förderanträge an. „Die zu verteilenden Kuchenstücke werden kleiner“, kündigte der Vorsitzende an, denn auch eine Stiftung mit unendlicher Ausrichtung habe endliche Ressourcen. Trotzdem soll es auch in Zukunft erklärtes Ziel der 1927 gegründeten Stiftung bleiben, Oberfranken ein Stück voran zubringen. Von den 21 Millionen Euro gingen nach den Worten Wennings 8,2 Millionen an oberfränkische Kultureinrichtungen, 7,6 Millionen Euro flossen in den Erhalt von Denkmälern, 3,3 Millionen Euro wurden für soziale Einrichtungen bewilligt und mit zwei Millionen Euro wurden die Hochschulen unterstützt.

Sozialpreise:


Aktive Bürger Lichtenfels (von links): Bezirksheimatpfleger Günter Dippold, Landrat Christian Meißner, Regierungspräsident Wilhelm Wenning, Vorsitzender Erhard Schlottermüller von den Aktiven Bürgern Lichtenfels und Bezirkstagspräsident Günther Denzler.


Den Sozialpreis teilen sich in diesem Jahr das Freiwilligenzentrum „Aktive Bürger Lichtenfels“ und der Kids-Treff der Nikodemuskirche in Bayreuth. Ziel des Freiwilligenzentrums ist es, das bürgerschaftliche Engagement im Landkreis Lichtenfels zu fördern. Dazu versteht sich das Zentrum als Anlaufstelle für Menschen, die sinnvolle Tätigkeiten suchen und sich ehrenamtlich engagieren möchten. Außerdem erhalten alle Vereine und Verbände im Landkreis Lichtenfels, die ehrenamtliche Arbeit anbieten, die Möglichkeit, sich und ihr Engagement zu präsentieren. Aktuell engagieren sich im Freiwilligenzentrum 270 „Aktive Bürger“, die pro Monat um die 2000 ehrenamtliche Stunden zum Beispiel als Lesepaten in Kindergärten und Schulen, in der Behindertenarbeit oder als Flüchtlingsbetreuer leisten.


Nikodemuskirche Bayreuth (von links): Regierungspräsident Wilhelm Wenning, Pfarrer Dieter Opitz, Bayreuths 3. Bürgermeisterin Beate Kuhn und Bezirkstagspräsident Günther Denzler.


Der „Kids-Treff“ der Nikodemuskirche im Bayreuther Stadtteil Neue Heimat ist eine offene Einrichtung zur Freizeitgestaltung für Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren. Geboten werden Sport, Spiel und kreative Beschäftigungsangebote. Außerdem gibt es kostenloses Abendessen und Lernhilfen. Nach den Worten von Bezirkstagspräsident Günther Denzler nutzen fast 300 Kinder und Jugendliche, davon rund 70 Prozent mit Migrationshintergrund, die vielfältigen Angebote. Erst im Junin 2014 wurde in Kooperation mit der Stadt ein Abenteuerspielplatz eröffnet. Im Frühjahr 2015 soll als Ergänzung ein Jugendtreff mit Cafeteria, Billard- und Darts-Angeboten für Jugendliche im Teenager-Alter eröffnet werden. Dort soll es dann auch Bewerbungstrainings und Hausaufgabenhilfen geben.

Kulturpreise:


Kulturpreis für Annette Hopfenmüller: Bezirkstagspräsident Günther Denzler, Annette Hopfenmüller und Regierungspräsident Wilhelm Wenning (von links).

Annette Hopfenmüller aus Coburg ist nicht nur als Filmautorin und Regisseurin bekannt, sondern auch als Kabarettistin, Musikerin und Moderatorin. Sie wurde vor allem für Filme wie „Die Korbmacher um Lichtenfels“, „Am Polstermöbelhighway 303“ oder „Hüben und Drüben – Geschichten von den Zonengrenze“ ausgezeichnet, in denen die Verbundenheit zu ihrer oberfränkischen Heimat deutlich wird. „Durch ihr Wirken ist sie zu einer Botschafterin Oberfranken geworden“, sagte Bezirksheimatpfleger Günter Dippold in seiner Laudatio.


Kulturpreis für Tanja Kinkel: Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke, Regierungspräsident Wilhelm Wenning, Tanja Kinkel und Laudator Bernd Goldmann, ehemaliger Leiter des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia (von links).

Die aus Bamberg stammende Schriftstellerin Tanja Kinkel hat unter anderem 17 historische Romane veröffentlicht, die in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt wurden. Mit diesen Übersetzungen und den vielen Taschenbuchausgaben habe ihr Werk bereits ein Millionenpublikum erreicht, sagte Laudator Bernd Goldmann, der ehemalige Leiter des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia in Bamberg. Zu Tanja Kinkels bekanntesten Werken gehören „Die Puppenspieler“, „Götterdämmerung“, „Säulen der Ewigkeit“ und „Das Spiel der Nachtigall“. Tanja Kinkel ist außerdem Schirmherrin der Bundesstiftung Kinderhospiz. 1992 gründete sie die Kinderhilfsorganisation „Brot und Bücher e.V.“

Denkmalpflegepreise:


Denkmalpflegepreis für das Ehepaar Dorscht (von links): Roland Dorscht, Regierungspräsident Wilhelm Wenning und Manuela Dorscht.

Roland und Manuela Dorscht hatten ein 1716 erbautes Fachwerkhaus in Altenbach bei Scheßlitz im Landkreis Bamberg liebevoll und aufwändig saniert. Zu den Kosten der Sanierungsmaßnahme in Höhe von 340000 Euro seien 7000 Arbeitsstunden gekommen. Der Aufwand habe sich gelohnt, das Stadtbild von Scheßlitz sei an einer vielbefahrenen Ecke spürbar aufgewertet worden, sagte Regierungspräsident Wenning. Den Bau zeichne besonders die Liebe zum Detail aus, überall dort, wo die historische Substanz nicht mehr vorhanden war, sei sie modern nachgebildet worden.


Denkmalpflegepreis für das Ehepaar Stegert (von links): Krystina und Reinhard Stegert sowie Regierungspräsident Wilhelm Wenning.

Krystina und Reinhard Stegert hatten im November 2010 die sogenannte „Geyer-Villa“ in der Thölauer Straße in Marktredwitz erworben und in beinahe unzähligen Arbeitsstunden und mit viel Liebe zum Detail aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Die Villa hatte sich der Fabrikant Hermann Geyer 1904 als „Schwarzwaldhaus“ mit weit vorgezogenem Walmdach errichten lassen. Nach dem zweiten Weltkrieg hatte es unter anderem Philip Rosenthal als Sitz der Rosenthal-Geschäftsführung genutzt. Später sei das Gebäude unter anderem als Wohnheim für Gastarbeiter genutzt worden, danach habe es leer gestanden und sei zusehends verfallen, bis Krystina und Reinhard Steger kamen und das Baudenkmal aus dem frühen 20. Jahrhundert vor dem sicheren Untergang retteten. Kosten in Höhe von rund 600000 Euro seien dabei Zuschüsse von lediglich 45000 Euro gegenübergestanden.

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08.10.2014

Seelsorge im Chatroom / Ökumenische Telefonseelsorge Bamberg mit zweitem Preis im Diakonie-Wettbewerb ausgezeichnet

Bamberg. Telefonseelsorge, das klingt wie aus dem vergangenen Jahrhundert. Ruft da wirklich noch jemand an und schüttet sein Herz aus? „Und ob“, sagt Pastoralreferentin Susanne Röhner, die Leiterin der Telefonseelsorge in Bamberg. Statistisch kommt sie auf ein Beratungsgespräch pro Stunde. Freilich gibt es längst auch modernere Angebote der Kontaktaufnahme, per E-Mail oder im Chat. Weil die Telefonseelsorge Bamberg dabei eine Vorreiterrolle übernommen hat, wurde sie jetzt mit einem der Ehrenamtlichenpreise des Diakonischen Werkes ausgezeichnet.

„Alle unsere Chatberater haben damit Neuland betreten“, sagt Susanne Röhner. Die Telefonseelsorge in Bamberg gibt es bereits seit 1979. Aktuell sind es über 70 ehrenamtliche Mitarbeiter. Sie bieten 24 Stunden am Tag und an sieben Tagen in der Woche die Möglichkeit zu einem anonymen und vertraulichen Gespräch für Menschen in Krisen und anderen schwierigen Situationen. Zum Einzugsgebiet gehört fast ganz Westoberfranken, also die Städte und Landkreise Bamberg, Coburg, Kronach und Lichtenfels.

„In der Regel geht es um Ehe- und Partnerschaftskonflikte, um psychische Erkrankungen oder um Probleme im sozialen Umfeld“, so die Leiterin. Ihr geht es vor allem darum, etwas anzustoßen, Mut zu machen und die Menschen zu stärken. „Wir können das Problem nicht lösen, wir können nur die Innere Verfassung stärken“, so die Leiterin, die schon seit elf Jahren bei der Telefonseelsorge ist und vorher unter anderem als Seelsorgerin in der JVA Bamberg tätig war.

Ins Leben gerufen wurde die Telefonseelsorge damals durch das Engagement engagierter evangelischer und katholischer Laien. „Wir sind ein Kind der Ökumene“, sagt Susanne Röhner. So arbeitet die Telefonseelsorge in Bamberg seit ihrer Gründung ökumenisch, sowohl bei der Finanzierung durch die beiden Träger (80 Prozent des Etats kommen vom Erzbistum, 20 Prozent von evangelischer Seite) als auch auf der Ebene der Mitarbeiter. „Die Mitarbeiter durchlaufen eine qualifizierte Ausbildung, sie werden unterstützt und begleitet durch regelmäßige Supervision und interessante Weiterbildungsmöglichkeiten“, sagt Susanne Röhner. Sie selbst und Gertrud Ruß als Verwaltungskraft sind hauptamtlich tätig und beim Erzbistum angestellt.

„Die Beratung am Telefon ist das Herzstück  unserer Arbeit“, so die Leiterin. Aber die Telefonseelsorge will auch anderen Medien und Beratungsformen gegenüber aufgeschlossen sein. Aus diesem Grund habe sich das Kuratorium der Telefonseelsorge  Bamberg 2011 entschlossen, in die Chatberatung einzusteigen. Dazu mussten zusätzliche Gelder in den Haushalt eingestellt werden, um die technischen Voraussetzungen zu schaffen und die Aus- und Weiterbildung der interessierten Mitarbeiter zu gewährleisten. Als Ansprechpartner für die Chatberater der Telefonseelsorge  Bamberg vervollständigte bislang Pfarrer Martin Schnurr von der evangelischen Studentengemeinde das Team der Hauptamtlichen.

Derzeit stehen in Bamberg mehrere Mitarbeiter zusätzlich zu ihrem Telefondienst für die Chatberatung zur Verfügung. In der Chatberatung ist es für die Ratsuchenden  möglich, ein Anliegen mit einem oder einer Mitarbeitenden der Telefonseelsorge in einem geschützten Chatroom zu besprechen. Technisch wird in der Internetberatung ein hohes Sicherheitsniveau gewährleistet. So wurde die Chatberatung in einen besonders sicheren Standard verschlüsselt, so dass auch von außen niemand Einblick in die Kontakte nehmen kann.

Die Chatberatung eignet sich für Menschen, die Probleme besser schriftlich formulieren können. Deutlich mehr junge Menschen wählen für sich die Beratungswege des Internets. Sie sind in einem noch höheren Maße anonym und senken damit die Hemmschwelle, Beratung und Seelsorge zu erbitten. So ist in der Chatberatung zu beobachten, dass nochmals mehr schambesetzte, schwere Themen wie selbstverletzendes Verhalten, Ängste und Niedergeschlagenheit oder Suizid angesprochen werden als am Telefon.

Unter den sieben Telefonseelsorgestellen in Nordbayern war die Ökumenische Telefonseelsorge Bamberg zum Start der Chat-Beratung 2012 die einzige und erste, die in diesem Bereich tätig wurde.

Bild: Susanne Röhner ist die Leiterin der Telefonseelsorge Bamberg.

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19.09.2014

Kindergottesdienst und Kirchencafé im Kantorat / Untersteinach weiht sein neues Gemeindezentrum ein

Untersteinach. „Als Pfarrer braucht man manchmal Visionen“, sagt Wolfgang Oertel beim Rundgang durch das neue Kantorat St. Oswald in Untersteinach (Dekanat Kulmbach). Während draußen noch die Handwerker die Wege anlegen wird drinnen schon die neue Küche eingeräumt. An diesem Wochenende findet die feierliche Einweihung der 1,2 Millionen Euro teuren Sanierung statt.

Es ist eines der ältesten Häuser in Untersteinach. Auf einem Rundbogen im Keller konnte sogar die Jahreszahl 1751 wieder freigelegt werden. „Wahrscheinlich hat man das Haus damals auf das alte Kellergewölbe aufgesetzt, denn die Grundmauern stimmen nicht mit denen des Kantorats überein“, sagt Pfarrer Oertel und zählt auf, was in dem Gebäude, das viele Jahre lang als Schule und Lehrerwohnung genutzt wurde künftig alles stattfinden soll: „Jugendarbeit, Kindergottesdienst, Jungschargruppen, Seniorenkreis, Frauenfrühstück, Posaunenchor, Bibelkreis, Konfirmandenunterricht, Kirchenvorstandssitzungen, Kirchencafé und vieles mehr.“

Wenn Wolfgang Oertel (Bild unten) vom Kantorat („da weiß in Untersteinach jeder, was gemeint ist“) spricht, dann meint er den lang ersehnten Gemeindesaal, ein Gemeindezentrum, eben einen Treffpunkt für alle. Die Lage nennt er genial, direkt neben der altehrwürdigen St. Oswald-Kirche, einem der schönsten Kirchenwehrensembles Oberfranken, das den gesamten Charme des Ortes ausmacht.

Die Zwangsschließung des ehemaligen ökumenischen Jugendheims wegen PCB- und Lindanbelastung vor sieben Jahren sei der eigentliche Grund für die Renovierung des Kantorats gewesen, denn plötzlich habe es keine Räume mehr für die kirchliche Jugendarbeit gegeben. Die Landeskirche hatte damals ihr Veto eingelegt, das alte Jugendheim zu renovieren, und so seien erste Pläne entstanden, das Kantorat umzugestalten.

Mit dem neuen Kantorat bekommt Untersteinach nicht nur einen kirchlichen Veranstaltungsraum, in dem künftig auch ganz besondere Veranstaltungen wie das ökumenische Osterfrühstück oder der Mitarbeiter-Jahresempfang stattfinden werden. Pfarrer Oertel denkt auch an weltliche Veranstaltungen wie Konzerte, ein Tango-Abend, ein Chanson-Abend oder an Vermietungen an andere Gruppen wie der Demenzgruppe der Johanniter. Auch private Veranstaltungen wie Familienfeste, Geburtstage oder Hochzeiten seien denkbar.

Möglich machen soll dies das intelligente Raumkonzept, mit einer mobilen Trennwand. Im besten Fall bietet der Raum 120 Quadratmeter Platz zusätzlich weiteren 35 Quadratmetern auf einer Empore. Von hier aus kann man auch das tolle Glasfenster sehen, das der örtliche Glaskünstler Wilfried Radtke im Stil von Marc Chagall entworfen hat und das den Stamm Naftali der zwölf Stämme Israels zeigt. Insgesamt bietet das Kantorat Platz für bis zu 150 Menschen.

Von den Baukosten in Höhe von insgesamt 1,2 Millionen Euro trägt den Löwenanteil von knapp 400000 Euro die Bayerische Landeskirche. 275000 Euro kommen von der Oberfrankenstiftung, 80000 Euro von der Bayerischen Landesstiftung. Die politische Gemeinde Untersteinach wird knapp 38000 Euro berappen und eine zum Grundstück gehörende Treppe für 6500 Euro sanieren. Von der politischen Nachbargemeinde Neuenmarkt kommen 1500 Euro, da der Neuenmarkter Ortsteil See kirchlich zu Untersteinach gehört. Den Rest stemmt im Großen und Ganzen die Kirchengemeinde etwa durch den Erlös des Jugendheimgrundstücks und durch Spenden, aktueller Stand knapp 33500 Euro.

Eine bauliche Besonderheit gibt es auch: der kleine Anbau für Küche, Treppenhaus und Toiletten wurde in eine auffallende Metallkonstruktion gesteckt. „Das war die Vorgabe des Denkmalschutzes“, sagt Pfarrer Oertel. Der Neubau sollte sich vom historischen Bau deutlich abheben, und zwar nicht nur in der Farbgebung, auch im Material und so hatte man sich für das rostfarbene Streckmetall entschieden.

Bild (oben): Zwischen Wehrkirche und Friedhof: das historische Kantorat (hier kurz vor der Fertigstellung) in Untersteinach beherbergt künftig ein modernes Gemeindezentrum.

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13.09.2014

Universalgelehrter hat bayerische Wissenschaftslandschaft geprägt /
Ex-Staatsminister Goppel beim Humboldt-Tag in Goldkronach

Goldkronach. Zahlreiche Errungenschaften der Wissenschaft in Bayern sind maßgeblich unter dem Einfluss des Universalgelehrten Alexander von Humboldt entstanden. Der Bayerische Maximiliansorden gehört  dazu ebenso wie die bayerische Begabtenstiftung oder die Internationale Ausrichtung der bayerischen Universitäten. All das und vieles mehr wurde unter der Regentschaft des bayerischen Monarchen Maximilian II. verwirklicht. Wenig bekannt ist, dass Alexander von Humboldt als eine Art Berater wesentlichen Einfluss auf den König hatte.

„Bayern sollte unter Maximilian II. nicht nur konkurrenzfähig sein, sondern tonangebend werden“, sagt Thomas Goppel, langjähriger Wissenschafts-, Forschungs- und Kunstminister im Freistaat beim Humboldt-Tag zum 245. Geburtstag des Universalgenies am Wochenende in Goldkronach. Goppel verwies auf einen ausgedehnten Briefwechsel zwischen Humboldt und dem jungen bayerischen Thronfolger, zum Beispiel wenn es darum ging, Lehrstühle an bayerischen Universitäten zu besetzen. 32 Berufungsvorschläge aus allen Gebieten der Wissenschaft hatte Humboldt dem Monarchen unterbreitet. „Heute würde man sagen, allesamt vom Rang eines Nobelpreisträgers“, so Goppel. Der Chemiker Justus von Liebig gehörte dazu, ebenso die Brüder Hermann und Adolf Schlagintweit, die für die Erforschung der Alpen bekannt wurden, oder der große Antarktis-Forscher Georg von Neumayer, der seine wissenschaftlichen Arbeiten teilweise sogar in Australien betrieben hatte.

Als eines der wichtigsten Anliegen Humboldts bezeichnete der ehemalige Wissenschaftsminister die Begabten- und Eliteförderung. Tatsächlich war es Maximilian, der die nach ihm benannte Hochbegabtenstiftung gründete. In ihrem Gebäude, dem Maximilianeum in München residiert heute der Bayerische Landtag. Hintergrund sei es gewesen, die Elite des Staates für spätere Führungsaufgaben vorzubereiten. Als weitere Überlegung Maximilians, die indirekt auf Alexander von Humboldt zurückgeht, nannte Goppel den Bayerische Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst. Das Pendant zum 1842 begründeten preußischen Orden Pour le Mérite, gilt heute als höchste Auszeichnung des Freistaats, gestiftet wurde sie 1853 von Maximilian II. Natürlich war Alexander von Humboldt einer der ersten Ordensträger.

Dokumentiert für die Ewigkeit, wenn auch nur fiktiv, ist diese Ordensübergabe auf einem monumentalen Wandfresko des Historienmalers Engelbert Seibertz aus dem Jahr 1865 im Konferenzzimmer des Maximilianeums. Es zeigt, wie Alexander von Humboldt im Kreis prominenter Wissenschaftler und Künstler aufgenommen wird. Fiktiv ist die Szene deshalb, weil Maximilian in Wirklichkeit nach Berlin gereist war, um den Orden an Alexander von Humboldt zu überreichen.

Goldkronach sei mittlerweile zur echten Alexander-von-Humboldt-Stadt geworden, sagte Bürgermeister Holger Bär. Nicht nur, dass jeder Besucher in Goldkronach Jahrhunderte alte Bergbaugeschichte live erleben kann, auch durch die Arbeit des 2008 gegründeten Alexander-von-Humboldt-Kulturforums habe sich das kulturelle Leben der Stadt ganz wesentlich hin zum Positiven verändert.

Ziel des Kulturforums sei es, ein Humboldt-Bewusstsein in der Region zu schaffen und an den großen Universalgelehrten zu erinnern, der von 1792 bis 1796 „die glücklichsten Jahre seines Lebens“ in Goldkronach, Naila, Bad Steben und Arzberg verbracht hatte, so Gründungsmitglied Hartmut Koschyk. Der Abgeordnete und Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten gilt als Motor des Humboldt-Gedenkens in Goldkronach.

Für die künstlerische Ausgestaltung des Humboldt-Tages sorgte das Bläserensemble „Athalia“ unter der Leitung des früheren Pegnitzer Kirchenmusikdirektor Roland Weiss. In der Besetzung für jeweils drei Trompeten und Posaunen und unterstützt von Roland Weiss an der Orgel der Goldkronacher Stadtkirche. Hier  führte der Klangkörper Werke von Edward Elgar, Henry Purcell, Georg Friedrich Händel und Jeremiah Clark, teilweise im Original, teilweise in eigenen Arrangements von Roland Weiss auf.

Die Vorsitzende des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums Schloss Goldkronach, Petra Meßbacher kündigte für das kommende Jahr erneut ein buntes kulturelles Programm an, mit dem das Forum den Kultursommer bereichern möchte. Im kommenden Jahr sollen die Aufführungen, Konzerte und  Lesungen Teil des Festprogrammes zum 650. Stadtjubiläum werden.

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15.08.2014

Maisfeld als Besuchermagnet / BBV Wunsiedel eröffnet wieder einen Mais-Irrgarten in Bergnersreuth

Bergnersreuth. „Wir wollen der Öffentlichkeit zeigen, was die Maispflanze alles zu bieten hat“, sagt Reinhold Wunderlich. Er ist der Leiter des Arbeitskreises Öffentlichkeitsarbeit beim BBV Wunsiedel und war auch in diesem Jahr wieder federführend tätig beim Aufbau des Mais-Irrgartens am Volkskundlichen Gerätemuseum Arzberg-Bergnersreuth.

Wunderlich war es gelungen, trotz regnerischen Wetters zur Eröffnung des Irrgartens nicht nur den Landrat und den örtlichen Bundestagsabgeordneten zu gewinnen, sondern auch die bayerische Milchprinzessin Carola Reiner. Für sie war der Termin ein ganz besonderer, schwärmte die Prinzessin von einem tollen Nachmittag. Carola Reiner war die ehrenvolle Aufgabe angetragen worden, den Mais-Irrgarten ganz offiziell mit dem Zerschneiden eines Bandes zu eröffnen. Tatkräftige Unterstützung erfuhr sie dabei von den Kindern aus Arzberg und Umgebung, die an diesem Nachmittag zum Gerätemuseum gekommen waren.

Der Mais-Irrgarten war bereits im zurückliegenden Jahr ein echter Besuchermagnet. Tagtäglich suchten sich ganze Scharen an Kindern und Erwachsenen ihren Weg durch das ungewöhnliche Labyrinth. Das Feld war Ziel für Kindergartengruppen und Schulklassen, genauso wie für Wanderer, Radler, Sonntagsspaziergänger, aus der unmittelbaren Umgebung genauso wie von weit her.

Eine romantische Veranstaltung war die nächtliche Fackelwanderung durch das Labyrinth, die auch in diesem Jahr wieder angeboten wird. Am 20. September ab 19 Uhr wird es soweit sein. Alle Besucher können dann in den dunkeln Gängen zwischen den meterhohen Maispflanzen ein kleines Abenteuer erleben und dürfen sich nach dem Rundgang bei Kartoffelgulasch aus dem Kessel und der stimmungsvollen musikalischer Umrahmung mit dem Duo Hermann und Christoph gutgehen lassen.

Wie Reinhold Wunderlich erklärte, soll der Mais-Irrgarten aber nicht nur eine Ferienattraktion für Jung und Alt sein, der Irrgarten soll auch das Image der Maispflanze verbessern. „Mais bringt die größte Ertragsleistung pro Hektar, egal ob als Futter- oder als Energiepflanze“, sagt Wunderlich und verweist auf den relativ geringen Pflanzenschutzaufwand und den guten Vorfruchtwert.

Arzbergs dritter Bürgermeister Stefan Klaubert, gleichzeitig Hornmeister der Jagdhornbläser Wunsiedel/Marktredwitz, sprach dem BBV-Kreisverband Wunsiedel und Gerätemuseum Bergnersreuth seine Anerkennung aus. Der Mais-Irrgarten sei eine ganz wichtige Aktion für die Stadt Arzberg. Der Irrgarten bringe aber auch zwei wichtige Anliegen zusammen, so der Landtagsabgeordneter Martin Schöffel: Informationen über die moderne Landwirtschaft und eine echte Touristenattraktion.

An Schautafeln und beispielhaften Anpflanzungen könne jeder interessierte Besucher erfahren, warum der Mais im Fichtelgebirge so wichtig ist, sowohl als Futterpflanze, als auch in seiner Eigenschaft als Energieträger. BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif ging auf die wichtige Bedeutung von Mais als Fruchtpflanze ein. Das negative Image habe der Mais nicht verdient, so Greif. Reinhold Wunderlich zufolge ist die Anbaufläche im Landkreis Wunsiedel während der zurückliegenden drei Jahre ohnehin gleich geblieben.

Der Mais-Irrgarten am Volkskundlichen Gerätemuseum, Wunsiedlerstraße 12 – 14 in 95659 Arzberg-Bergnersreuth hat noch bis Ende immer von Dienstag bis Donnerstag zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet. Neben der Fackelnacht am 20. September wird am 28. September ab 14 Uhr ein großes Backofenfest gefeiert. Während der gesamten Dauer der Aktion findet auch wieder ein Suchspiel statt. Auf die Teilnehmer wartet eine kleine Belohnung. Die Gewinner werden ebenfalls beim Backofenfest bekannt gegeben.

Bilder:
- Zusammen mit Kindern aus der Umgebung hat die bayerische Milchprinzessin Carola Reiner den Mais-Irrgarten eröffnet.
- Symbol für ein gutes Miteinander von Jägern und Landwirten vor Ort: die Jagdhornbläser Wunsiedel/Marktredwitz.
 

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17.07.2014

Polizei: Politik nimmt Crystal-Speed-Problematik zu wenig ernst / Bezirk und Polizei wollen künftig in der Präventionsarbeit kooperieren

Bayreuth. Der oberfränkischen Polizei fehlt ausreichendes Personal um die Crystal-Speed-Problematik besser bekämpfen zu können. Das aktuelle Lagebild im Regierungsbezirk bilde lediglich die Spitze des Eisbergs ab. Hätte die Polizei mehr Personal, dann würden auch die Zugriffszahlen deutlich nach oben gehen, sagte Polizeivizepräsident Werner Mikulasch am Donnerstag vor dem oberfränkischen Bezirkstag.

Dort hatte der Polizeivize die Crystal-Thematik ausführlich vorgestellt, nachdem deren Brisanz offensichtlich noch nicht überall angekommen ist, wie es Bayreuths 3. Bürgermeisterin Beate Kuhn (SPD) formulierte. Sie kritisierte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), die Crystal Speed jüngst als regionales Problem bezeichnet haben soll. Das sei bei weitem nicht so, sagte Werner Mikulasch. „Crystal Speed ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen, alle Alters- und Berufsgruppen sind vertreten“, so der Beamte.

Mikulasch nahm auch das Präventionskonzept des Polizeipräsidiums vor Kritik aus dem Gesundheitsministerium in Schutz. Mit den ein- bis zweitägigen Projekten habe man allein im zurückliegenden Schuljahr bei 265 Veranstaltungen an die 9000 Schülerinnen und Schüler erreicht. Das Gesundheitsministerium habe dagegen moniert, man würde mit den Präventionsveranstaltungen die Thematik für junge Leute erst interessant machen.  „Da werden die jungen Leute aber gewaltig unterschätzt“, sagte Mikulasch, der auch Leiter der Abteilung Einsatz ist.

Kritisch sah der oberfränkischen Polizeivize dagegen die Zusammenarbeit mit dem Freistaat Sachsen.“ Das läuft bei weitem noch nicht so, wie wir uns das vorstellen“ sagte er. Hintergrund ist, dass potentielle Dealer verstärkt über Oberfranken nach Tschechien ausreisen, aber mit den Drogen im Gepäck über Sachsen wieder einreisen. Somit habe die bayerische Schleierfahndung keine Chance.

Sachsen sehe die Crystal-Speed-Problematik wesentlich laxer, so Bezirkstagsvizepräsident Eberhard Siller (CSU) aus Hof. Auch harte Ahndung könne zur Prävention beitragen, sagte er, zumindest dann, wenn es sich in den  entsprechenden Kreisen herumspreche, dass beispielsweise im Landgerichtsbezirk Hof selbst geringste Mengen für eine Untersuchungshaft genügen.

Nach den Worten von Mikulasch hatte sich vor einiger Zeit sogar das Bayerische Innenministerium zur der Aussage verstiegen, dass die Crystal-Problematik wieder abebbt. Dies treffe in keinster Weise zu, so Mikulasch. Im Gegenteil, in Ober- und Mittelfranken seien die Suchtkliniken überbelegt, die Betroffenen müssten teilweise sogar abgewiesen werden.

Um noch mehr junge Leute zu erreichen und sie vor Crystal Speed warnen zu können, einigten sich Polizei und Bezirk Oberfranken darauf, künftig gemeinsame Präventionsveranstaltungen durchzuführen. Nach den Worten von Bezirkstagspräsident Günther Denzler soll dazu zum einen der Bezirksjugendring eingebunden werden, zum anderen sollen Veranstaltungsreihen wie „Rock in Oberfranken“ oder „Lernort Bezirk“ zur Prävention genutzt werden. „Damit werden wir das Thema noch stärker in die Öffentlichkeit bringen“, so Denzler.

Zuvor hatte Polizeivizepräsident Mikulasch auch die tschechische Drogenpolitik kritisiert. Im Nachbarland gilt der Besitz von bis zu 1,5 Gramm Crystal nicht wie hierzulande als Straftat, sondern als Ordnungswidrigkeit. „Auch das ist für uns ein Riesenproblem“, sagte Mikulasch.

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29.06.2014

Gleichstromtrasse vergiftet Energiewende /
Trassenaktionstag in Goldkronach: Bahnnetz für Stromleitung nutzen

Goldkronach. Die Dimension des Widerstand gegen die geplante Gleichstomtrasse von Bad Lauchstedt bis Meitingen wurde noch nie so sichtbar, wie zum Trassenaktionstag am Sonntag. Weit über 50 Bürgerinitiativen, die inzwischen in einem gemeinsamen Aktionsbündnis organisiert sind, starteten zeitgleich ihre Aktionen. Mit einem Sternmarsch zum Badesee beteiligte sich daran von fünf verschiedenen Gemeinden aus auch die Bürgerinitiativen Goldkronach und Bad Berneck, wo als prominentester Redner der Bayreuther Bundestagsabgeordneter und Goldkronacher Bürger Hartmuth Koschyk (CSU) den Schulterschluss gegen den Bau der Stromtrasse zum Ausdruck brachte. Dort am Badesee könnte einer der 75 Meter hohen Monstermasten errichtet werden, sagte Martin Förster von der Goldkronacher Bürgerinitiative.

Den faktischen Stopp der Planungen für die Gleichstromtrasse Süd-Ost durch den Netzbetreiber Amprion im Februar dieses Jahres bezeichnete MdB Koschyk als „Sieg der Vernunft“, der auch auf dem engagierten Einsatz der Bürger und der Politiker aus der Region über Parteigrenzen hinweg fußt. Ein stures Festhalten an der Trassenplanung nannte Koschyk einen „Weg in die Irre“. „Ich halte diese Trasse nicht mehr für politisch durchsetzbar“, sagte er, und weiter: „Der Landkreis Bayreuth wird alle juristischen Möglichkeiten nutzen, um gegen diese Trasse vorzugehen.“ Es sei an der Zeit, dass die Netzplanung noch einmal komplett auf den Prüfstand gestellt wird, damit nicht dieses Projekt das Klima für die Energiewende gesamt vergiftet.“

Im Zusammenhang mit dem Netzausbau brachte Koschyk eine bisher in der Öffentlichkeit noch kaum diskutierte Alternative ins Gespräch. Er schlug vor, das Netz der Bahn für den Stromtransport zu nutzen. Dazu gibt es Koschyk zufolge bereits eine Machbarkeitsstudie verschiedener Universitäten, in der das Zusammenwirken von Bahnstromnetz und Energieversorgung aufgezeigt wird. Durch eine räumliche und technische Mitnutzung sowie durch eine Bündelung bestehender Bahnstromtrassen mit neuen überörtlichen Energieleitungen ergäben sich volkswirtschaftliche Vorteile und Synergieeffekte, die weit über den geringeren landschaftlichen Flächenverbrauch hinausgehen.

Der technische, finanzielle und regulatorische Aufwand, die Bahnstromtrassen in den Netzausbau einzubeziehen, sei zwar nicht gering, aber machbar und volkswirtschaftlich vertretbar. Eine Einbeziehung des Bahnstromnetzes hätte nicht zuletzt auch für die gesamte Region großen Nutzen, da im Hinblick auf die dringend erforderliche Elektrifizierung der Franken-Sachsen-Magistrale ein Synergieeffekt geschaffen werden könnte. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrinth habe bereits versichert, dass das Bundesverkehrsministerium mit der Deutschen Bahn in die Diskussion eintreten wird, um die Frage zu klären, in welchem Umfang ihr Netz für den Ausbau des öffentlichen Stromnetzes genutzt werden kann.

Zuvor hatte Martin Förster, der Vorsitzende der fast 550 Mitglieder starken Goldkronacher Bürgerinitiative vor neuen Strommasten gewarnt, die fast doppelt so hoch sein sollen, wie der 45 Meter hohe Goldkronacher Kirchturm. Das erschreckte auch den evangelischen Goldkronacher Pfarrer Hans Georg Taxis: Es könne nicht sein, dass hier in die Landschaft etwas gebaut wird, was höher ist als unser Kirchturm und alle anderen Gebäude des Ortes. Bürgermeister Holger Bär sicherte zu, dass sich die Stadt im Kampf um unsere Heimat noch lange nicht geschlagen geben werde.

Bilder:
1. So sieht es aus, wenn die Energiewende baden geht: Mit einer spektakulären Aktion hat die Bürgerinitiative Goldkronach am Sonntag gegen die geplante Gleichstromtrasse protestiert.
2. Das Netz der Deutschen Bahn für den Stromtransport nutzen: Der Bundestagsabgeordnete und Goldkronacher Bürger Hartmut Koschyk.

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28.06.2014

Logistikpark statt Kaserne / Eigener Gedenkstein erinnert künftig an die Garnisonsstadt und den Bundeswehrstandort Bayreuth – Noch einmal scharfe Kritik an Auflösung der Markgrafenkaserne

Bayreuth. Mit einem Denkmal an der ehemaligen Hauptzufahrt erinnert ein Freundeskreis künftig an die 400 Jahre alte Tradition Bayreuths als Garnisonsstadt sowie an die ehemalige Markgrafenkaserne. Das von dem Bayreuther Architekten Michael Krug gestaltete Denkmal besteht aus drei Stelen. Sie zeigen die Wappen der Verbände in der ehemaligen Kaserne: das Panzerartilleriebataillon 125, das Panzergrenadierbataillon 102, das Verteidigungsbezirkskommando 67und das zweite Bataillon des Luftwaffenausbildungsregiments 3. Dazu wurde auf dem zehn Tonnen schweren Findling, der jahrzehntelang die Einfahrt der Kaserne zierte, der Schriftzug „1960 – 2014 - Markgrafenkaserne Bayreuth“ angebracht.

Spätestens seit dem Abbruch der Wache und den ehemaligen Kompaniegebäuden ist die Markgrafenkaserne nach 50 Jahren Geschichte. Mehrere zehntausend Frauen und Männer haben in der Einrichtung ganz im Norden der Stadt über die Jahrzehnte hin ihren Dienst getan. Dort wo einst die Bundeswehr untergebracht war, ist mittlerweile ein großer Logistikpark entstanden.

Der neue Gedenkstein soll aber auch daran erinnern, dass Bayreuth über Jahrhunderte hinweg Garnisonsstadt war. Waren es anfangs markgräfliche Haustruppen, wurden es später Verbände der preußischen Armee. Ab 1810 war dann die Königlich Bayerische Armee in Bayreuth. Bis 1935 stand das III. Bataillon des 21. (Bayerischen) Infanterie-Regiments in Bayreuth, das später in der Wehrmacht aufging.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren ab 1957 wieder Truppen der Bundeswehr vor Ort. 1960 legte der damalige Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß den Grundstein für die „Neue Kaserne“, die erst ab 1964 den Namen Markgrafenkaserne trug. „Niemand hätte sich damals vorstellen können, dass 54 Jahre später nichts mehr an diese Kaserne erinnert, sagte Gerhard Will, 1. Vorsitzender der Kameradschaft der Bayreuther Artilleristen und Oberstabsfeldwebel a. D. Will hatte 31 Jahre lang hier gedient.

Dass nichts mehr an die Kaserne erinnert, sei auch eine Auswirkung der Bundeswehrreform, bei der ohne große öffentliche Diskussion und ohne Not die Wehrpflicht abgeschafft wurde, sagte Klemens Brosig, Bezirksvorsitzender der oberfränkischen Reservisten. Vor Ort sei die Auflösung des Bundeswehrstandortes zwar sehr kritisch begleitet worden, doch letztlich konnten auch 26000 gesammelte Unterschriften für die Bundeswehr in Bayreuth nicht mehr ändern. Auch Brosig äußerte den Verdacht, nicht alle politischen Parteien hätten damals an einem Strang gezogen. „Vielleicht war auch der Geländegewinn für eine industrielle Ansiedlung zu verlockend“, sagte er.

Auch der prominente Hauptredner der Denkmalsenthüllung, der frühere Generalmajor Manfred Eisele übte noch einmal scharfe Kritik an der Auflösung des Bayreuther Bundeswehrstandortes. Eisele war von 1994 bis 1998 beigeordneter Generalsekretär bei den Vereinten Nationen und in dieser Funktion oberster Militärberater der Generalsekretäre Boutros Boutros-Ghali und Kofi Annan. Viele Jahre zuvor war Eisele aber auch von 1963 bis 1966 Hauptmann und Batteriechef im Panzerartilleriebataillon 125 in Bayreuth.

Der Standort habe alle Voraussetzungen gehabt, aber nicht die gebührende Unterstützung erfahren, weil die stärksten Argumente in den Wind geschlagen wurden. Dies alles sei ein nicht wiedergutzumachender Fehler gewesen. Traurig nannte es der Redner außerdem, dass lediglich das kleine Militärmuseum in Weidenberg, sonst aber nichts an die Bayreuther Tradition erinnere. Das neue Denkmal sei zwar ein eindrucksvolles aber gleichzeitig auch äußerst bescheidenes Ausrufezeichen.

Bilder:
1. Drei Stelen mit den Wappen und der Geschichte sowie der zehn Tonnen schwere Findling im Hintergrund erinnern künftig an die Tradition der Garnisonsstadt Bayreuth und an die Markgrafenkaserne.

2. Als eindrucksvoll, aber auch als bescheiden bezeichnete Generalmajor a.D. Manfred Eisele das neue Denkmal. Der spätere Militärberater bei den Vereinten Nationen war einer der Männer der ersten Stunde in der Markgrafenkaserne.

3. Der Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk, der Bezirksvorsitzender des Bayerischen Soldatenbundes Klaus Dieter Nitzsche und der Präsident des Bayerischen Soldatenbundes Jürgen Reichardt (von links) bei der Einweihung des neuen Denkmals in Bayreuth.

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11.06.2014

Barocke Bühnentechnik und Wilhelmines Welt /
Kulturerbe gegen Traditionscafe:  Hitzige Diskussionen um Schließung des beliebten Bayreuther Operncafes

Bayreuth. Damit hatten viele Bayreuther nicht gerechnet: Als Konsequenz der Anerkennung des Markgräflichen Opernhauses als UNESCO-Weltkulturerbe muss das traditionsreiche Operncafe im benachbarten Redoutenhaus schließen. Bei einer kurzfristig anberaumten Informationsveranstaltung machte der Präsident der Schlösserverwaltung Bernd Schreiber den Anhängern des Cafes keine Hoffnung. Er lobte stattdessen die eigenen Pläne für ein Opernhausmuseum und Weltkulturerbezentrum an der Stelle des jetzigen Cafes über den grünen Klee: „Unsere Lösung ist die Bessere, davon sind wir fest überzeugt“, so Schreiber.

Ob auf Facebook oder in den Leserbriefspalten: die Anhänger des 1966 eröffneten Cafes, das seit vielen Jahren liebevoll von der Bad Bernecker Familie Müller betrieben wird, kämpfen um die Einrichtung. Sogar eine Petition gibt es mittlerweile mit über 750 Unterschriften und auch bei der Informationsveranstaltung zeigten sich die Gegner wenig kompromissbereit: „Die Planungen sind völlig daneben“, sagte ein Besucher. „Unser Operncafe soll wegrationalisiert werden“, meinte ein anderer.

Bei der Informationsveranstaltung wurde allerdings schnell klar, das Ende des Operncafes ist bereits beschlossen. „Die Planungen laufen unausweichlich darauf hinaus, dass wir das Operncafe schließen“, sagte Schreiber. Auch der Zeitpunkt Ende 2015 stehe schon fest. Das Pächterehepaar sei frühzeitig informiert worden, bedauerlich sei lediglich, dass die Sache so frühzeitig an die Öffentlichkeit gelangt war.

Mit den Status Weltkulturerbe sah Präsident Schreiber viele Chancen für Bayreuth, aber eben auch Pflichten. Als Chance nannte er die Erwartung, dass künftig viel mehr Touristen den Weg nach Bayreuth finden, die Rede war von mindestens drei Mal so vielen Besuchern wie bisher. Zu den Pflichten gehöre es eben auch, im Rahmen eines eigenen Museums über das Weltkulturerbe zu informieren und zusätzliche Infrastruktur wie Kassen, Garderoben oder Toiletten zu errichten. Auch die barrierefreie Erschließung des gesamten Hauses habe oberste Priorität.

So stehe es schließlich auch in den UNESCO-Statuten, sagte Peter Seibert, Leiter der Bauabteilung bei der Schlösserverwaltung. Die Planungen seines Hauses sehen vor, den bereits 1722 von dem einst berühmten Baumeister Johann David Räntz errichteten dreigeschossigen Sandsteinquaderbau  komplett umzubauen. „Weitaus höhere Besucherzahlen erfordern zusätzliche Räume und vertiefte Information“, sagte er. So soll künftig die gesamte Erschließung über das Redoutenhaus stattfinden, im ersten Stock die Welt der Wilhelmine präsentiert und im zweiten Stock die barocke Bühnentechnik anhand von Nachbauten und multimedialen Installationen aufgezeigt werden.

Freilich wird es noch dauern, bis es soweit ist. Kaum war das Markgräfliche Opernhaus im Jahr 2012 zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben worden, da schlossen sich auch schon auf unbestimmte Zeit die Pforten. Für knapp 23 Millionen Euro wird das Bauwerk, das als weltweit bedeutendstes und besterhaltene Beispiel barocker Theaterarchitektur gilt, generalsaniert. Der Zeitpunkt der Fertigstellung ist völlig offen, vorher hat wohl auch ein Weltkulturerbezentrum wenig Sinn.

Kritik an der, erst einen Tag zuvor angekündigten Informationsveranstaltung ließ Präsident Schreiber nicht gelten. Er komme bereits am 25. Juni wieder nach Bayreuth, um die Pläne in der öffentlichen Stadtratssitzung erneut vorzustellen. Wenn es sein muss komme er auch gerne ein drittes oder viertes Mal, um die Planungen der Schlösserverwaltung zu erläutern. Tatsächlich war die Informationsveranstaltung erst einen Tag zuvor angekündigt worden, was zur Folge hatte, dass nur knapp 50 Zuhörer in den Balkonsaal der Stadthalle hatte gekommen waren und sowohl die Oberbürgermeisterin als auch der Regierungspräsident urlaubsbedingt der Veranstaltung fern blieben. Selbst die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer räumte ein, erst am Morgen aus der Lokalzeitung von der Veranstaltung erfahren zu haben.

Ganz am Ende der zweistündigen Informationsveranstaltung tat sich dann aber ganz überraschend ein kleiner Hoffnungsschimmer auf. Juwelier Berthold Hoffmann, Inhaber des Eckhauses gegenüber dem Opernhaus, signalisierte als letzter Redner seine Bereitschaft, über eine gastronomische Nutzung im Erdgeschoss seines Hauses nachzudenken. Sowohl Präsident Schreiber als auch Marion Resch-Heckel von der Bauabteilung der Bezirksregierung signalisierten ihr Interesse an diesem Vorschlag.

Bild: Hier im Redoutenhaus neben dem Markgräflichen Opernhaus soll das Weltkulturerbezentrum mit Opernhausmuseum untergebracht werden. Das beliebte Operncafe muss dafür wohl für immer schließen.

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01.06.2014

Gewinner sind die Metzger - Ein Fest für die Bratwurst / „Erlaubt ist, was schmeckt“: Rekordbesuch beim 4. Fränkischen Bratwurstgipfel

Pegnitz. 15 Metzgereien im Wettstreit um den Titel des Fränkischen Bratwurstkönigs, Kreativmetzger Klaus Lindner aus Pegnitz und Berufsschulklassen aus Fürth und Hof außer Konkurrenz am Grill, alles in allem über 30 Bratwurstsorten brutzelten auf dem Rost - kein Wunder, dass in diesem Jahr der Rekord von 20000 Besuchern beim 4. Fränkischen Bratwurstgipfel im Wiesweiherpark noch einmal übertroffen wurde.

Bratwurstkönig wurde der Metzger Jürgen Brunner aus Erlangen mit der klassischen Erlanger Bratwurst und einer kreativen Paprikabratwurst mit dem Namen Jalapenos. Brunner siegte auch in der Sparte klassische Bratwurst, während  bei den kreativen Würsten Volker Gagel aus Michelau vorne lag. Publikumsliebling wurde der Gesamtsieger des Vorjahres, Metzgermeister Jürgen Reck aus Erlangen mit der Bändel- und der Krautsbratwurst.

Erlaubt war alles, was schmeckt. Gebraten wurden in diesem Jahr in der Kategorie Kreativbratwurst ein Coburger Samba Griller, Erdbeer-Minz Bratwurst mit grünem Pfeffer, Bratwurst Hawaii und vielerlei mehr. In der Kategorie klassische Bratwurst gab es unter anderem Erlanger Bratwürste, Nürnberger Bratwürste und Fränkische Bratwürste im Bändel.

„Pegnitz forever“ gab Bürgermeister Uwe Raab als Losung aus und meint damit, dass die größte Stadt des Landkreises Bayreuth, in der vor fünf Jahren die Idee zu dem Fest geboren wurde, auch künftig Veranstaltungsort bleiben möchte, weil der „Gipfel“ längst Kult geworden ist. Der Dreiklang von Bratwürsten, Brot und Bier halte Leib und Seele zusammen, so Raab, der eigens zum Bratwurstgipfel eine 80-köpfige Delegation aus den Partnerstädten Slany in Tschechien und Guyancourt in Frankreich eingeladen hatte.

Organisator Michael Breitenfelder, der das Wirtschaftsband A9 aus 18 Kommunen managt, betonte die Bedeutung des Gipfels für den Wirtschaftsstandort Pegnitz. Es gehe darum, die Qualität der Erzeugnisse zu vermitteln, die täglich in den Betrieben hergestellt werden — und dies nachhaltig: „Die Wirkung des Gipfels soll nicht zu Ende sein, wenn die Holzkohlenasche im Grill verglommen ist.“

Eine Riesenchance für die Metzgerbetriebe, ihr Handwerk zu präsentieren, sei die Ausnahmeveranstaltung, lobte der Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken, Heinrich Mosler. Er sprach vom größten Event, den die drei fränkischen Kammern gemeinsam ausrichten. Sein Kollege von der oberfränkischen Kammer, Thomas Zimmer, pflichtete ihm bei: „Gewinner sind die Metzger.“ Das Motto, das Zimmer diesmal zum Bratwurstgipfel ausgab, lautete: „Erlaubt ist, was schmeckt.“.

Bei den drei Wettbewerben bewerteten drei Jurys die Bratwürste. Die Metzger beurteilen die Produkte der erstmals zum Wettstreit antretenden Berufsschulen. Prominente Juroren, darunter Bürgermeister Raab, der Bayreuther Landrat Hermann Hübner, HWK-Hauptgeschäftsführer Thomas Koller, die stellvertretende Regierungspräsidentin Petra Platzgummer Martin und die HWK-Präsidenten Thomas Zimmer und Heinrich Mosler, saßen über die klassischen Würste zu Gericht. Die ausgefallenen Kreativbratwürste wurden von den Bürgermeistern des Wirtschaftsbandes A9 verkostet. Sie seien schließlich von vielerlei Terminen her ausgewiesene Bratwurstexperten mit hohen Erfahrungswerten und ganz feinen Geschmacksnerven , so Organisator Breitenfelder.

Bilder: - Der oberfränkische HWK-Präsident Thomas Zimmer, Moderator Bernd Rasser und der mittelfränkische HWK-Präsident Heinrich Mosler kosteten zum Start des Bratwurstgipfels die ersten Würste frisch vom Grill.
- Schülerinnen und Schüler der Pegnitzer Hotelfachschule servierten durchnummerierte Bratwürste für die einzelnen Wettbewerbe.
- Der Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab (links) und der Bayreuther Landrat Hermann Hübner gehörten zu den Testessern.

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29.05.2014

Tankstelle für Körper, Geist und Seele / Alexander-von-Humboldt-Kulturforum: Schwester Mechthild Thürmer zum Start des Kultursommers

Goldkronach. Ein paar Tage so leben, wie die Benediktiner: „Wer kurz vor dem Burnout steht, dem hilft es in jedem Fall“, meint Schwester Mechthild Thürmer. Beim Auftakt des Kultursommers Schloss Goldkronach am Himmelfahrtstag in der katholischen Michaelskirche lud die Äbtissin der Benediktinerinnenabtei „Maria Frieden“ in Kirchschletten dazu ein und appellierte zum Maßhalten. „Alles Extreme hat seinen Preis“, sagte sie.

Es ist seit Jahren eine gute Tradition, dass das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum mit einem geistlichen Impuls seine Veranstaltungsreihe startet. In diesem Jahr stehen bis weit in den Herbst fast 20 Konzerte, Vorträge, Lesungen und Führungen an verschiedenen Orten innerhalb der Stadt Goldkronach auf dem Programm.

Zum Auftakt berichtete Schwester Mechthild von ihrer Kindheit in Allersdorf bei Gößweinstein, von ihrem Eintritt in die Abtei „Maria Frieden“ und von ihrem Profess (Ordensgelübde) im Jahr 1980. Heimat, das Wort rieche nach Kindheit, sagte sie, es könne aber auch eine schöne Vorstellung sein, dass der Mensch seine Heimat im Himmel habe. Schwester Mechthild berichtete vom Leben in der Abtei, in dem sie tiefe Freude, Ausgeglichenheit, Offenheit und Einfachheit gefunden habe. „Das alles wollte ich finden, deshalb bin ich Schwester geworden“, so die gelernte Krankenschwester und ausgebildete Religionslehrerin.

Der Bundestagsabgeordnete und Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk nannte die Abtei Kirchschletten eine wahre Tankstelle für Körper und Geist. „Wer wirklich etwas für die Seele tun möchte, der sollte dort Einkehr halten“, so Koschyk, Gründungsmitglied und Initiator des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums.

Kirchschletten bei Zapfendorf ist ein kleiner Ort mit rund 120 Einwohnern am nördlichen Rand des Landkreises Bamberg. 1953 hatten die Benediktinerinnen dort ein Gut erworben und das Priorat Maria Frieden errichtet. Es wurde mit philippinischen Schwestern aus der Gründerabtei Immaculate Heart of Mary besetzt.  1973 wurde das Priorat von der Mutterabtei abgetrennt und vom Heiligen Stuhl zur Abtei Maria Frieden erhoben. Die Abtei gehört zur Föderation Bayerischer Benediktinerinnen und hatte 2007 rund 20 Schwestern, die bewusst ein „Miteinander verschiedener Kulturen und Sprachen“ leben. Ihren Lebensunterhalt bestreiten die Schwestern mit Hilfe eines landwirtschaftlichen Betriebes auf Grundlage des organisch-biologischen Landbaus, eines Gästehauses, einer Kerzenwerkstatt und eines Klosterladens.

Das Fürbitt- und das Segensgebet sprachen zum Auftakt des Kultursommer in ökumenischer Verbundenheit der evangelische Pfarrer Hans-Georg Taxis aus Goldkronach und Pater Georg  Walkusz aus Bayreuth. Für die musikalische Umrahmung sorgte das Vocalensemble „Dap du Waps“, einer Gruppe aus Bayreuth, die sich seit nunmehr zehn Jahren dem Acapella-Gesang verschrieben hatte und die neben Alter Musik, Jazz und Schlagern auch auf ein umfangreiches geistliches Repertoire verweisen kann.

Höhepunkt des Kultursommers ist am 27. Juli die literarisch-musikalische Begegnung „Alexander von Humboldt trifft Jean Paul“, die mit einer Sternwanderung und die, verbunden mit Rundgängen durch die Stadt, an verschiedenen Spielorten in Goldkronach Station macht. Neben Konzerten des Festivals Junger Künstler (10. und 24. August), der Zollkapelle der Bundesfinanzdirektion Südost aus Nürnberg (30. August) und der Sängerin Ellen Müller (5. Oktober)wird zum Humboldt-Tag am 13. September der frühere bayerische Wissenschaftsminister Thomas Goppel sprechen.

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24.05.2014

Slade und Smokie rockten Bayreuth / Mehrere zehntausend Besucher beim Weißbierfest der Brauerei Gebrüder Maisel

Bayreuth. Es ist das größte Fest in der Stadt, sagt Pressekoordinator Andreas Türk. Größer als Bürgerfest oder Volksfest, das Weißbierfest der Brauerei Gebrüder Maisel in Bayreuth. Musikfans kommen aus ganz Deutschland, Geschäftskunden sogar aus Südkorea, um dieses Spektakel zu erleben. Am Wochenende lockte das Weißbierfest mehrere zehntausend Besucher nach Bayreuth.

Das Weißbierfest findet traditionell an den Tagen vor Himmelfahrt statt und gab auch diesmal wieder mit Nordbayerns größter Partymeile den inoffiziellen Startschuss zur Open-Air-Saison in Oberfranken. Höhepunkt ist seit eh und je die Rock-Classics-Nacht am Samstagabend, diesmal mit zwei Bands, die ihre größte Zeit in den späten 1970er, und frühen 1980er Jahren hatten: Slade und Smokie und beide bei freiem Eintritt.

Slade, Mitgründern des Glam Rocks, stehen für eine Erfolgsserie, wie es sie seit den Beatles nicht mehr gab: Bis 1976 landen alle ihre Singles in den Top 20, sechs davon auf Platz eins, bis heute gelten sie als erfolgreichste Band der 1970er Jahre. Ab 1980 feierten sie ein furioses Comeback, die Singles „My Oh My“ und „Far Far away“ hatten auf beiden Seiten des Atlantik Erfolg und wurden auch am Samstagabend an der Hindenburgstraße in Bayreuth regelrecht zelebriert. Mit Gitarrist Dave Hill (68) und Schlagzeuger Don Powell (67) waren immerhin noch zwei der Gründerväter dabei und ihr Auftritt büßte nichts von der Faszination früherer Zeiten ein.

Dann zu mitternächtlicher Stunde der Auftritt von Smokie, ohne Sänger Chris Norman freilich, der ist schon seit fast 30 Jahren nicht mehr dabei, aber mit Bassist Terry Uttley wenigstens ein Musiker der Originalbesetzung dieser Band, die seit 1974 ein Stück Musikgeschichte geschrieben hat. Mit Hits wie „Oh Carol“, „Mexican Girl“ und natürlich „Living Next Door To Alice” brachte Smokie die vielen tausend Besucher, darunter auch Fans, die eigens aus den Niederlanden und aus Belgien angereist waren, in der ausgeräumten Weißbierhalle zum Toben.

Das Weißbierfest lief bereits seit dem vergangenen Donnerstag als zur Opening-Party mit Roy Le Freak, Udo H. Steve K. und Oliver Veron gleich vier angesagte DJs die Brauereihalle zum Dancefloor werden ließen. Zur Cover-Night am Freitag sorgten dann „Psycho Sexy – a tribute to Red Hot Chili Peppers” dafür, dass die Grenzen zwischen Original und Fälschung fast verwischten, ehe AC/DX eine AC/DC-Tributeshow der Extraklasse präsentierten.

Zum Endspurt am Sonntag traten die Singer-Songwriterin Suzan Backer mit ihrem Gitarristen Dennis Lüddicke sowie die „Maisel’s Weisse-Hausband“, die Troglauer Buam auf. Zuvor hatten sich rund zweieinhalbtausend Läufer zum 12. Maisel’s FunRun 2014 aufgemacht. Hier gab es einen Viertel- und einen Halbmarathon sowie einen Kinder- und Bambinilauf und erstmals einen 2,5-Kilometer langen Schülerlauf für die Jahrgänge 1999 bis 2000. „Wir wollten damit ambitionierten Jugendlichen, für die der Viertel- und Halbmarathon noch zu viel ist, eine spannende Wettkampfmöglichkeit bieten“, so Edwin Bauer, der in der Brauerei für die Organisation des FunRun zuständig ist.

Seinen Worten zufolge waren dazu über 200 Helfer entlang der gesamten Strecke im Einsatz, dazu kamen weitere knapp 200 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, BRK und THW. Die große Strecke führte durch die Innenstadt, vorbei an den Bayreuther Sehenswürdigkeiten ins Uni-Gelände und zurück zum Maisel´s Weissbierfest. „Der FunRun ist ein echtes Erlebnis, und das nicht nur wegen der Streckenführung“, so einer der Läufer. Die Teilnehmer konnten sich über 3500 Liter Getränke freuen, darunter eineinhalbtausend Liter alkoholfreies Weißbier, sowie über rund 1000 Äpfel und Bananen. Auch in diesem Jahr säumten tausende begeisterte Zuschauer die Strecke, Musik-, Trommel- und Samba-Gruppen feuerten die Teilnehmer an. Trotzdem soll der Spaß im Vordergrund stehen, sagte Brauereichef Jeff Maisel. Es komme nicht nur auf Bestzeiten und Rekorde an. „Dabei sein ist alles, und gerade deshalb ist der FunRun bei Neueinsteigern in den Laufsport so beliebt“. Und auch die Kuriositäten durften nicht fehlen: Läufer in Kostümen beispielsweise oder ganze Firmen-Teams.

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20.05.2014

Fränkischer Dreiklang: Bratwürste, Brot und Bier /
4. Bratwurstgipfel am 1. Juni soll erneut 20000 Besucher nach Pegnitz locken

Pegnitz. 15 Metzger aus drei Regierungsbezirken, 30 verschiedene Bratwurstkreationen und rund 20000 Besucher: der 4. Fränkische Bratwurstgipfel am 1. Juni in Pegnitz soll einmal mehr alle Rekorde übertreffen.

Dorfmetzger Jürgen Reck aus Möhrendorf in Mittelfranken hat ein Ziel: er möchte seinen Titel als amtierender Bratwurstkönig verteidigen. „Zwei Mal hat bislang Oberfranken gewonnen, ein Mal Mittelfranken, da wäre eine Titelverteidigung schon angesagt“, meint der Metzgermeister, der sich erst vor drei Jahren selbstständig gemacht hat. Am Sonntag, 1. Juni ab 11 Uhr hat er im Pegnitzer Wiesweiherpark die Gelegenheit dazu. In der Disziplin Bratwurst klassisch tritt er diesmal mit einer Bändelbratwurst an, in der Sparte Bratwurst kreativ mit einer Krautsbratwurst, mehr verrät der Vorjahressieger nicht.

Da sind andere Teilnehmer schon offener. Frank Glumbik von der gleichnamigen Fleischerei aus Rödental bei Coburg geht in der Creativ-Sparte mit einem echten Coburger Samba-Griller an den Start. Zum einen sei Coburg die Stadt des Sambafestivals, zum anderen gehe es ihm um einen Vorgeschmack auf die Fußball-Weltmeisterschaft. Und so soll in der Bratwurst unter anderem Mango und Aprikose und sogar ein Schuss Chili zu schmecken sein. Thomas Wiesenmüller von der gleichnamigen Metzgerei in Bayreuth nennt seine Kreativ-Kreationen Bratwurst Lolly Rio und will neben Chili auch mit Schoko- und Orangenabrieb punkten.

Ein ganz anderes Geschmackserlebnis verspricht Markus Lindner von Lindners Hausmetzgerei in Weidenberg. Er nennt seine Würste „Brofis“, was für Bratwürste mit Fisch stehen soll. Auch Lammbratwürste, Bierbratwürste, Hawaiibratwürste und sogar vegetarische Bratwürste soll es geben. Bei den Klassikern sind dagegen Erlanger, Nürnberger, Bamberger, Aischgründer und  Hofer Bratwürste im Angebot. Letztere stammen einmal mehr von der Metzgerei Max in Hof, die 2011 den Titel des 1. Fränkischen Bratwurstkönigs erzielt hatte.

„Erlaubt ist, was schmeckt“, sagt der Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken Thomas Zimmer. Sein mittelfränkischer Amtskollege Heinrich Mosler sprach vom größten Event, das die drei fränkischen Kammern gemeinsam ausrichten. Der Dreiklang von Bratwürsten, Brot und Bier halte Leib und Seele zusammen, so der Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab, der eigens zum Bratwurstgipfel eine 80-köpfige Delegation aus den Partnerstädten Slany in Tschechien und Guyancourt in Frankreich eingeladen hat.

Neu ist in diesem Jahr ein eigener Nachwuchspreis, bei dem die staatlichen Berufsschulen Fürth und Hof gegeneinander antreten. Festgehalten wird dagegen an den verschiedenen Verkostungswettbewerben auf der Bühne durch Promi- und Expertenjurys. Gleichzeitig haben alle Besucher Gelegenheit, über einen Bewertungsbogen vor Ort ihre Lieblingsmetzgerei zu bestimmen.

Begleitet wird die außergewöhnliche Mischung aus Volksfest, Genussfest mit Livemusik von der Gruppe „The Rockin Lafyette“ und dem Kabarettisten Klaus Karl Kraus. Daneben gibt es jede Menge touristische Informationen und Spezialitätenstände mit regionalen Produkten, darunter Kuchen, Küchla, Spritzgebäck, Marmeladen, Biere, Säfte, Liköre oder Sekt. Unterstützt wird die Veranstaltung von der Stadt Pegnitz, dem Verein Genussregion Oberfranken, der Handwerkskammer, dem Zusammenschluss Wirtschaftsband A9 und dem Tourismusverband Franken. Schirmherr ist der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly.

Der 4. Fränkische Bratwurstgipfel wird am Sonntag, 1. Juni um 11 Uhr im Pegnitzer Wiesweiherpark eröffnet.

Bilder:
- Vor dem Altenstädter Schloss in Pegnitz stellten alle Beteiligten Metzger und die Verantwortlichen der Handwerkskammer das Programm zum 4. Fränkischen Bratwurstgipfel vor.
- Die verschiedensten Bratwurstkreationen werden am 1. Juni in Pegnitz auf dem Grill landen.
- Zwei Metzgermeister und Bratwurstkönige: Jürgen Reck (links) aus Möhrendorf holte 2013 den Bratwurstpokal, Klaus Lindner aus Pegnitz wurde 2012 an die Spitze gewählt.

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10.05.2014

Mustergültige Integrationsarbeit in Nürnberg / 30 Jahre Aussiedlerbeirat: Bundesbeauftragter Koschyk besuchte Aussiedlerkulturtage auf dem Kornmarkt

Nürnberg. Als vorbildlich hat der Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, der Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk die Integrationsarbeit in Nürnberg bezeichnet. Integration habe nichts mit Assimilation zu tun, sagte Koschyk bei einem Besuch der Aussiedlerkulturtage in Nürnberg. Richtig verstandene Integration bedeute vielmehr „ein gutes Leben in der Gemeinschaft der Bürger zu führen und dabei niemals die eigene Identität, Kultur und Tradition sowie das eigene Brauchtum zu vergessen“.

Geradezu mustergültig umgesetzt wurde dieser beispielhafte Integrationsansatz  bei den Aussiedlerkulturtagen der Stadt Nürnberg am Wochenende auf dem Kornmarkt. Nach einer Andacht mit dem evangelischen Pfarrer Werner Konnerth aus Schwabach, selbst gebürtiger Siebenbürgersachse, spielten unter anderem die Siebenbürgische Blaskapelle Nürnberg, sangen der Chor der Russlanddeutschen „Heimatklänge“ und der Chor der Siebenbürger aus Fürth und tanzten rund ein dutzend verschiedene Gruppen aller Altersstufen von traditionell bis modern. Mit einem Festakt wurde anschließend das Jubiläum „30 Jahre Aussiedlerbeirat“ gefeiert.

Gerade die kulturelle Vielfalt werde in Nürnberg mit den vielen Chören, Musik- und Tanzgruppen vorbildlich gepflegt, sagte Bundesbeauftragter Koschyk. Dem Haus der Heimat im Stadtteil Langwasser bescheinigte er eine mustergültige Arbeit. Die von dieser Einrichtung seit 25 Jahren veranstalteten Aussiedlerkulturtage seien mitten in der Stadt genau am richtigen Ort. „Nürnberg kann stolz auf sie alle sein“, so Koschyk, der das Haus der Heimat erst vor wenigen Wochen besucht hatte.

Seit 1998 haben Vertriebene und Aussiedler in Nürnberg mit dieser Einrichtung eine Heimstatt ersten Ranges. Das Haus der Heimat gilt als Bezugspunkt für eine beträchtliche Zahl der im Ballungsraum Nürnberg-Fürth-Erlangen-Schwabach lebenden Menschen. Ziel der Arbeit ist es, als Partner der Kulturpflege und der Integrationsarbeit Brücken zwischen Geschichte und Zukunft zu bauen. „Hier engagieren wir uns für eine Sache, deren Wurzeln in einem gemeinsamen Bekenntnis liegen, dem Bekenntnis zur Pflege der Tradition und Kultur des deutschen Volkes und der deutschen Stämme, die ihre osteuropäische Heimat verloren, jedoch hier im Raum Nürnberg Heimat gefunden haben“ so der Vorsitzende Horst Göbbel.

Das „Haus der Heimat“ soll der Begegnung und der Pflege von Kultur, Tradition, und Brauchtum der im Großraum Nürnberg ansässigen Landsmannschaften mit ihren Jugend- und Kulturgruppen aus den ehemaligen deutschen Ländern und Siedlungsgebieten in Osteuropa dienen. Landsmannschaften haben hier einen festen Platz und einen Bezugspunkt. Das Haus der Heimat bietet außerdem Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zusätzliche Möglichkeiten, um deutsche Sprachkenntnisse zu erwerben, zu vervollkommnen und damit die Integration in unsere Gesellschaft zu fördern.

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30.04.2014

Tradition und Zukunft mitten in Oberfranken / Kulmbacher Dekanat weiht 5,4 Millionen Euro teuren Neubau der Weihermühle ein

Weihermühle. Handy-Empfang gibt es keinen, die Weihermühle befindet sich in einem Funkloch. Das ist aber auch schon der einzige Schwachpunkt, an den sich die jugendlichen Gäste künftig gewöhnen müssen. Ansonsten bietet der 5,4 Millionen Euro teure Neubau des Jugendhauses alles, was für eine Jugendfreizeit wichtig ist: die denkbar beste Verpflegung, ein wunderbares Umfeld, jede Menge Freizeitmöglichkeiten  und vor allem 16 Vier-Bett-Zimmer, sechs Zwei-Bett-Zimmer, zwei behindertengerechte Drei-Bett-Zimmer, macht zusammen 82 großzügige und lichtdurchflutete Zimmer. Nach zehn Jahren Überlegung und Planung sowie nach drei Jahren Bauzeit ist das Jugendhaus Weihermühle des Kulmbacher Dekanats feierlich eingeweiht worden.

Geographisch liegt die Weihermühle mitten in Oberfranken, verkehrstechnisch eher abseits. Überhaupt die Lage: Die Weihermühle ist das Jugendgästehaus des Dekanats Kulmbach, sie liegt aber auf dem Gebiet des Dekanats Thurnau und gehört politisch zum Markt Mainleus. Die Gäste kamen in den zurückliegenden Jahren allerdings aus ganz Bayern und teilweise auch darüber hinaus.

Die Geschichte des Neubaus geht an die zehn Jahre zurück, damals waren alle Beteiligten noch von einer Renovierung der alten Mühle ausgegangen. Der Bayerische Jugendring habe nach den Worten von Dekan Jürgen Zinck schließlich den Ausschlag für den Neubau gegeben, denn von dort sei das Signal gekommen, dass ein Neubau auch nicht wesentlich teurer komme als die vollständige Sanierung des Altbaus. Zu den Geldgebern gehören unter anderem der Bayerische Jugendring, die Bayerische Landesstiftung, die Kulmbacher Raps-Stiftung aber auch der Landkreis Kulmbach und die Kulmbacher Bank.

Entstanden ist ein weitläufiger Atriumbau mit quadratischem Grundriss. „Der Sichtbeton mag vielleicht den einen oder anderen noch befremden“, sagte Dekan Zinck bei der Einweihung. Allerdings habe man eben mehr in das Innere als in die Fassade des Bauwerks investiert, schließlich sei die Weihermühle ja kein Hotelbau. Von einem Tag der Freude sprach Zinck, obwohl es in dem Haus auch ernsthaft zugehen soll. Zinck definierte die Weihermühle als reines Jugendhaus hauptsächlich für kirchliche Jugendgruppen und Konfirmandenfreizeiten. Die Nachfrage sei gut, für das laufende Jahr sei kein einziges Wochenende mehr frei. Ganz besonders wichtig für den Dekan ist das Miteinander: „Hier werden viele zum ersten Mal von ihren Eltern getrennt ein paar Tage verbringen und viele junge Leute werden hier zum ersten Mal ein Tischgebet sprechen“, so Zinck.

Es könne einer Gemeinde nur gut tun, wenn sie auch einen Ort hat, in dem übergemeindliches Leben möglich ist, so Oberkirchenrat Hans-Peter Hübner. Die Weihermühle habe Tradition aber nun auch eine hervorragende Zukunft, so Landrat Klaus-Peter Söllner. Als gut angelegtes Geld bezeichnete der Kulmbacher Oberbürgermeister Henry Schramm die gut eine Million Euro, die von der Oberfrankenstiftung zu den Gesamtkosten beigesteuert wurde. An die erste Einweihung 1978 erinnerte der Mainleuser Bürgermeister Dieter Adam. Er sagte dem Dekan eine finanzielle Unterstützung seitens der Marktgemeinde in Höhe von 54000 Euro für Spiel- und Freizeitgeräte zu. Der Entschluss dazu war erst in der Sitzung am Abend zuvor gefallen.

Bilder:
1. „Der Sichtbeton mag vielleicht den einen oder anderen noch irritieren“: das Jugendhaus Weihermühle des Kulmbacher Dekanats.

2. Der Schlüssel ist nur symbolisch, denn die Innentüren des Neubaus lassen sich nur mit einem Chip öffnen (von links): Weihermühle-Geschäftsführer Christian Hanf, Dekan Jürgen Zinck und Architekt Johannes Müller aus Kulmbach.

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28.03.2014

Das rechte Maß finden: Abtprimas Notker Wolf beim Bayreuther Fastenessen

Bayreuth. „Geteilte Freude ist doppelte Freude.“ Genau darum gehe es beim Fasten, sagte der Abtprimas der benediktinischen Konföderation Notker Wolf beim 6. Bayreuther Fastenessen im Festsaal des Studentenwerks Oberfranken, dem früheren Kolpinghaus.

Die Veranstaltungsreihe wurde 2009 von Bayreuther Bundestagsabgeordneten und jetzigem Bundesbeauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk ins Leben gerufen. Ziel ist es, dass Christen über Konfessionsgrenzen zusammenkommen, einen Glaubensimpuls erfahren und gleichzeitig etwa Gutes tun.

Etwas Gutes bedeutete diesmal, dass die Teilnehmer zusammen 2500 Euro für eine Fastenspeise spendeten, die vom Restaurant Eremitage zubereitet wurde. Der Erlös kommt dem „International Catholic Hospital“ des Benediktinerordens im Nordkoreanischen Rajin zu Gute. Das Krankenhaus mit seinen 190 Betten ist auf Initiative des Benediktinerordens entstanden und wird als Volkskrankenhaus geführt. Behandelt werden jährlich etwa 6000 Patienten stationär und 21000 Patienten ambulant. Mit fast 90 Ärzten ist das „International Catholic Hospital“ das größte Krankenhaus in der Region. Gerade wird mit Hilfe der deutschen Benediktiner ein neues Gebäude für ambulante Behandlungen gebaut.

Hartmut Koschyk dankte Notker Wolf, als dem höchsten Repräsentanten der Benediktiner weltweit, für seine Bemühungen, benediktinisches Wirken an den schwierigsten Orten der Erde umzusetzen. Koschyk erinnerte auch daran, dass der Abtprimas bereits vor zehn Jahren in Bayreuth gewesen sei, um damals im Rahmen eines Benefizkonzertes für das Projekt zu werben.

Zuvor sprach er aber über das Fasten und machte seinen Zuhörern klar, dass es nicht darum gehe, dass man nicht mehr essen darf oder sich nicht mehr am Leben erfreuen soll. Es gehe vielmehr darum, Fasten als wichtiges Zeichen zu sehen, dass so oder ähnlich auch in anderen Weltreligionen wie dem Islam, dem Judentum oder dem Buddhismus zu finden sei.

Fasten könne auch als Nebeneffekt des Christentums angesehen werden, wenn sich etwa auch Menschen aus gesundheitlichen oder modischen daran beteiligen, auch dann wenn sie gar nicht sonderlich religiös sind. Ein Fehler sei das nicht unbedingt, denn das Fasten sollte man nach den Worten des Abtprimas ohnehin nicht immer ganz so ernst nehmen. Es müsse vielmehr darum gehen, das rechte Maß zu finden.

Das eigentliche Fasten nach der christlichen Grundidee sei freilich etwas ganz anderes, nämlich das Geben, das Teilen und damit der Einsatz für notleidende Menschen. Das sei der Unterschied zu Vegetariern oder Veganern, die oft ideologisch argumentierten. „Solche Abstinenzler glauben manchmal, anderen Menschen etwas aufzwingen zu können“, sagte Notker Wolf und erinnerte an den Vorschlag eines „Veggie-Days“. Solche Ideologien benötige das Christentum nicht. Im christlichen Sinn gehe es vielmehr um das Miteinanderteilen, um Gemeinsamkeit und um das Helfen.

Den würdigen Rahmen erfuhr das Fastenessen durch den Auftritt des Konzertchores Musica-Vocalis Bayreuth unter der Leitung von Anna Baturina-Ringlein. Neben dem Restaurant Eremitage sorgten die Buchauer Holzofenbäckerei, die Brauerei Gebrüder Maisel sowie die Firmen Reha-Team Bayreuth und Textilreinigung Wild für das Zustandekommen der Fastenspende.

Bilder:
1. Notker Wolf ist weltweit der höchste Repräsentant des Benediktinerordens.

2. Einen Scheck in Höhe von 2500 Euro als Erlös des Bayreuther Fastenessens überreichte der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk (links) an Abtprimas Notker Wolf für das „International Catholic Hospital“ des Benediktinerordens im Nordkoreanischen Rajin.
3. Glaubensimpuls und gleichzeitig etwas Gutes tun: beim 6. Bayreuther Fastenessen trafen sich der Dekan im katholischen Dekanat Auerbach-Pegnitz Dominik Sobolewski , der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, Abtprimas Notker Wolf, der katholische Regionaldekan Josef Zerndl und der evangelische Dekan Hans Peetz (von links).

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14.03.2014

Niedrige Fallzahl – Hohe Aufklärungsquote / Polizeiliche Kriminalstatistik: Oberfranken gilt als sicherer Regierungsbezirk

Bayreuth. „In Oberfranken ist die Sicherheit in sehr hohem Maße gewährleistet.“ Davon ist Polizeipräsident Reinhard Kunkel (Bild links) überzeugt. Die Zahlen geben ihm Recht. Bei der Vorstellung der Kriminalstatistik am Freitag in Bayreuth berichtete Kunkel von einer niedrigen Fallzahl, von einer hohen Aufklärungsquote und von einer niedrigen Häufigkeitszahl.

Letztere ist entscheidend, denn in ihr werden die bekannt gewordenen Straftaten auf 100000 hochgerechnet. Die Zahl kann damit mit anderen Regionen unabhängig von der Einwohnerzahl problemlos verglichen werden. Oberfranken  stehe mit einer Häufigkeitszahl von 4672 Straftaten pro 100000 Einwohner nicht nur unter der Häufigkeitszahl von 2012 (4803), sondern auch unter dem aktuellen bayerischen Durchschnitt von 5073. „Damit haben wir einen 1a-Stand in punkto Sicherheit in der Region“, sagte Kunkel.

In absoluten Zahlen bedeutet dies: im Regierungsbezirk sind im zurückliegenden Jahr 49467 Straftaten registriert worden, was einem Rückgang um 3,5 Prozent entspricht. Die Aufklärungsquote bezifferte der Polizeipräsident auf 71,1 Prozent, das sei eine Steigerung um 1,3 Prozent zum Vorjahr. Kunkel wertete diese Zahlen als Ergebnis einer konsequenten Polizeiarbeit. „Die Sicherheitskonzepte der oberfränkischen Polizei greifen und zeigen Erfolg“, so der Präsident. Die hervorragenden Zahlen seien aber auch auf die Mitwirkung der Bürger zurückzuführen, ebenso auf die umfangreiche Begleitung der polizeilichen Arbeit durch die Medien.

Akribisch listeten Polizeipräsident Kunkel und der Leiter des Sachgebietes Kriminalitätsbekämpfung Harald Osel (Bild rechts) die einzelnen Deliktsgruppen auf, bei denen die Fallzahlen zurückgegangen waren oder bei denen die Fallzahlen zugenommen hatten. „Sorge bereitet uns der Bereich Cybercrime“, sagte Osel. Dabei geht es um alles, was irgendwie mit dem Internet zu tun hat. 1156 Fälle wurden dabei registriert, fast ein Drittel mehr als noch im Jahr davor. Dabei macht sich die Polizei keine Illusionen darüber, dass die bekannt gewordenen Fälle nur die Spitze des Eisbergs darstellen und die Dunkelziffer riesengroß ist.

„Das Internet ist der größte Tatort der Welt“, so Osel. Er wusste von Fällen, in denen der Server in Litauen stand, und das Opfer in Oberfranken saß. Vieles laufe absolut anonym ab, so dass niemand den Ausgangspunkt einer Straftat feststellen kann. Die Polizei hat darauf mit einer eigenen Cybercrime-Abteilung bei allen vier oberfränkischen  Kriminalpolizeiinspektionen reagiert, daneben gibt es drei übergeordnete „Cybercops“ und für alle Kollegen die Pflicht zur ständigen Aus- und Fortbildung auf dem Gebiet.

Zugenommen hätten 2014 auch die Wohnungseinbrüche und zwar von 277 auf 310. Das sei zwar immer noch die niedrigste Fallzahl in ganz Bayern, aber dennoch soll es auch im laufenden Jahr wieder ein Schwerpunktthema der oberfränkischen Polizei werden. Denn eines ist sicher: der Trend setzt sich fort. Allein im Januar und Februar 2014 sei an den Zahlen eine nochmalige Steigerung schon abzulesen gewesen. Die Polizei habe daraufhin ihre Kontrollen in den Wohngebieten verstärkt. Kriminaldirektor Osel appellierte auch an alle Bürger, die kostenlosen Präventionsangebote der polizeilichen Sicherheitsberater wahrzunehmen. Oft könne mit geringem finanziellem Aufwand vieles im häuslichen Umfeld verbessert werden.

Dritter großer Bereich, der die Beamten in Oberfranken besonders beschäftigt, ist die Drogenkriminalität. Mit 3263 Fällen sei die Zahl der registrierten Straftaten um fast acht Prozent angestiegen. „Wir werden die Schleierfahndungsmaßnahmen weiter ausbauen und die Zusammenarbeit mit unseren tschechischen Kollegen noch weiter intensivieren“, so Osel. Noch immer sei die Modedroge Crystal gewaltig auf dem Vormarsch, wobei die Methoden des Schmuggels immer raffinierter würden. Immer raffinierter heißt manchmal aber auch tödlich. So sind zwei der 15 Rauschgifttoten qualvoll daran gestorben, dass sie das Crystal innerhalb ihres Körpers transportierten und die entsprechenden Behältnisse innerhalb des Körpers einfach aufgeplatzt sind.

Teilweise deutliche Rückgänge bei den Fallzahlen gab es bei Gewaltdelikten, Körperverletzungen, Diebstählen oder bei der klassischen Straßenkriminalität. Wenn die Zahl der Taten auch abnimmt, so sei es aber auch einen Tatsache, dass bei vielen Tätern die Hemmschwelle sinkt. „Wenn einer am Boden liegt, dann wird noch weiter mit Stiefeln auf ihn eingetreten, obwohl er sich längst nicht mehr wehren kann“, berichtete Polizeipräsident Kunkel.

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08.03.2014

Keine Flatrates im Bordell: Politik und Polizei machen Front gegen Prostitution / Liberalisierung des Prostitutionsgesetzes von 2002 soll schnellstens korrigiert werden – Tagung der oberfränkischen Frauenunion

Bayreuth. Politik, Polizei und Opferschutzverbände üben den Schulterschluss und wollen gemeinsam gegen das Prostitutionsgesetz aus dem Jahr 2002 Front machen. Die damalige Liberalisierung habe dem Menschenhandel Tür und Tor geöffnet, sagte Soni Unterreithmeier (Bild links) von der Organisation SOLWODI (Solidarität mit Frauen in Not). „Die momentane Rechtslage ist desolat“, so Helmut Sporer, Kriminalhauptkommissar aus Augsburg und bundesweit anerkannter Experte für die Bereiche Prostitution und Menschenhandel. Carmen Benker, Frauenbeauftragte der oberfränkischen Polizei forderte: „Verschließen sie nicht die Augen und decken sie Missstände auf. Wenn niemand den Finger in die Wunde legt, wird sich nichts verändern.“

Die oberfränkische Frauenunion hatte sich im Umfeld des Internationalen Weltfrauentages am Samstag des Themas angenommen und zu der hochkarätig besetzten Diskussionsveranstaltung nach Bayreuth eingeladen. Wenn der Mensch zur Handelsware degradiert wird, dann werden auch Menschenrechte elementar verletzt“, sagte der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk aus Bayreuth. „Wenn der Staat dies in Kauf nimmt, dann versagt er“, so Koschyk, der sich für einen klaren Paradigmenwechsel in der Gesetzgebung aussprach. Der Abgeordnete nannte es völlig unverständlich, dass es so lange gedauert hat, bis das völlig fehlgelaufene Gesetz jetzt endlich korrigiert wird.

Das damalige „Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Prostituierten“ sollte die rechtliche und soziale Situation von Prostituierten zu verbessern. Gleichzeitig fand allerdings auch eine Liberalisierung statt. Kritiker monierten, dass Polizei und Justiz seitdem keine Instrumente der Kontrolle mehr haben, dass keine ärztlichen Untersuchungen mehr vorgeschrieben seien und dass sämtliche Meldepflichten aufgehoben wurden. Die wesentlichen Forderungen, die sämtliche Beteiligten bei der Tagung aufstellten, zielten vor allem darauf ab, Prostitution unter 21 Jahren generell zu verbieten, regelmäßige ärztliche Untersuchungen vorzuschreiben und eine verpflichtende Anmeldung bei Polizei und Behörden festzulegen. Außerdem sollten nur Frauen der Prostitution nachgehen dürfen, die auch einen Wohnsitz in Deutschland haben.

Silke Launert (Bild links), Bundestagsabgeordnete aus Hof und Bezirksvorsitzende der Frauenunion kritisierte unter anderem die Verharmlosung von Prostitution durch Werbung in entsprechenden Medien und durch fragwürdige TV-Beiträge in privaten Kanälen. „Wenn Beiträge über sogenannte Bordelltester gezeigt werden und Werbung für Flatrates in Bordellen gemacht wird, ist die Grenze zu menschenunwürdigen Praktiken erreicht“, sagte sie. Die oberfränkische Europaabgeordnete Monika Hohlmeier forderte, entsprechende Zeugenschutzprogramme auszubauen, die Zusammenarbeit von Polizei und Justiz innerhalb Europas zu stärken und Beweise gegenseitig verwertbar zu machen. Die Situation habe sich seit den 1990er Jahren dramatisch verschlechtert, die Prostitution ist zu einem internationalen, knallharten und brutalen Verbrechergeschäft geworden.

Vor allem die Öffnung der Grenzen und die europäischen Osterweiterungen hätten die Situation aber grundlegend verändert, sagte Helmut Sporer (Bild links) von der Kripo. Er berichtete von einem massenhaften Zustrom vor allem aus Rumänien, Ungarn und Bulgarien nach Deutschland in den zurückliegenden Jahren. Es habe sich eine regelrechte Industrie entwickelt, bei der Bordellbetreiber von Deutschland aus Frauen nach Konfektionsgröße und Haarfarbe bestellen könnten. Auch ein Trend zu immer jüngeren Frauen sei erkennbar. Sporer bezifferte die Zahl der Prostituierten in Deutschland auf rund 300000, genaue Zahlen gebe es wegen der fehlenden Meldepflicht nicht. Genau deshalb sei Deutschland auch so interessant, für alle, die mit Menschenhandel und Prostitution Geld verdienen. Nicht zuletzt forderte der Beamte auch, die Strafrahmen analog zum Betäubungsmittelgesetz generell zu erhöhen

Prostitution habe sehr viel mit Menschenverachtung zu tun, so Soni Unterreithmeier von SOLWODI. „Wenn Frauen anonym hier sind, sind sie vogelfrei und haben nicht einmal Zugang zu einer ärztlichen Untersuchung.“  Nicht gestellt werde schließlich auch die Frage, was mit den Frauen passiert, wenn sie körperlich und psychisch aufgebraucht sind. „Werden sie in ihre Heimat zuurückgeschickt, landen sie in unseren Sozialsystemen oder lässt man sie möglicherweise auch irgendwo verschwinden?, wollte Soni Unterreithmeier wissen.

Jede nicht angezeigte Straftat schützt die Täter, sagte Carmen Benker vom Polizeipräsidium Oberfranken. „Unser Auftrag lautet, die Täter ihrer gerechten Strafe zuzuführen“, so Benker. Zu den Themen Prostitution und Menschenhandel gehöre es auch, dass etwa häusliche Gewalt oder sexuelle Übergriffe noch immer einem gewissen Tabu unterliegen.

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14.02.2014

Rotes Kreuz: Ehrenamtliche Helfer gesucht / Integrierte Leistelle Bayreuth/Kulmbach hat sich bewährt – 45 Fehlanrufe pro Tag wegen nicht aktivierter Tastensperre

Bayreuth. Das Rote Kreuz klagt über einen Mangel an freiwilligen Helfern. „Wir müssen einen deutlichen Rückgang von rund 2600 auf aktuell 2457 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern im Kreisverband Bayreuth feststellen“, sagte der Vorsitzende, der frühere Bayreuther Landrat Klaus-Günter Dietel am Freitag bei der Vorlage der Jahresbilanz.

Der Rückgang entspreche einem Trend, wie er auch bei vielen anderen Vereinen und Organisationen festzustellen ist, so Dietel. Er kündigte an, in Zukunft verstärkt sowohl um engagierten Nachwuchs, als auch um ältere Mitbürger zu werben. Als Hintergrund für den Rückgang mutmaßen die Verantwortlichen unter anderem den starken Leistungsdruck an den Schulen. „Freizeit ist kostbarer geworden“, so der Vorsitzende. Wie wichtig das bürgerschaftliche Engagement im Notfall ist, habe die Flutkatastrophe im vergangenen Juni besonders eindrucksvoll gezeigt, bei der auch zahlreiche Helfer aus dem Raum Bayreuth im Einsatz waren.

Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) im Raum Bayreuth konnte in Sachen ehrenamtliches Engagement aber auch erfreuliche Entwicklungen beobachten. So sei die im Dornröschenschlaf befindliche Bereitschaft in Hollfeld durch junge und motivierte Rotkreuzler wieder reaktiviert werden. In 250 Einsatzstunden seien Lehrsaal und Küche des dortigen Heimes renoviert worden, mittlerweile gebe es vor Ort an die 30 engagierte junge Leute, die sich ehrenamtliche für das BRK engagieren.

Während die knapp 2500 ehrenamtlichen Mitarbeiter in den 16 Bereitschaften, sieben Ortsgruppen der Wasserwacht, acht Bergwachtbereitschaften und acht Jugendrotkreuzgruppen das starke Fundament des Kreisverbandes bilden, ist der Kreisverband mit 460 hauptamtlichen Mitarbeitern aber auch ein starker Arbeitgeber vor Ort. Hauptsächlich wegen der Eröffnung  der neuen Senioreneinrichtung „Altstadtpark“ war die Zahl der Mitarbeiter um 40 angestiegen. Für elf junge Leute ist das BRK im Raum Bayreuth nicht nur Arbeitgeber, sondern auch Ausbildungsbetrieb für den Beruf des Kaufmanns, beziehungsweise der Kauffrau im Gesundheitswesen und in der Pflege. Weitere sechs junge Leute befinden sich im Anerkennungsjahr zum Rettungsassistenten.

Ein positives Fazit zog die Vorstandschaft über die zurückliegenden gut zwei Jahre Vollbetrieb in der Integrierten Leitstelle (ILS) Bayreuth/Kulmbach. Dort würden mittlerweile monatlich rund 10000 Telefongespräche verzeichnet, davon über 4000 „echte“ Notrufe über die Nummer 112 oder die Vorgängernummer 19222. Die Akzeptanz der mittlerweile für alle Einsatzkräfte der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr geltenden Notrufnummer 112 steige von Monat zu Monat, sagte der Vorsitzende. Während drei Viertel aller Hilfesuchenden bereits die 112 wählen, komme lediglich ein Viertel aller Anrufe noch über die 19222. Obwohl die Zahl der Stör- und Fehlanrufe zurückgegangen sei, erreichten die Leitstelle pro Tag noch immer rund 45 solcher Anrufe, die meist durch eine nicht aktivierte Tastensperre am Handy, durch unabsichtliches Verwählen oder durch Kinder verursacht würden.

Wichtigstes Projekt für das laufende Jahr ist der Bau des Kinderhauses im Bereich des ehemaligen Städtischen Krankenhauses in Bayreuth.  Dort sollen bis September 74 Betreuungsplätze in den Bereichen Kinderkrippe, Kindergarten und Kinderhort entstehen. Das Konzept zeichne sich durch seine extralangen Öffnungszeiten von 5.30 bis 21 Uhr aus. „Damit sollen vor allem Eltern im Schichtdienst angesprochen werden“, sagte Kreisvorsitzender Dietel. Insgesamt investiert das BRK dafür rund zwei Millionen Euro, die laufenden Kosten sollen bei etwa 700000 Euro pro Jahr liegen. Die Anmeldefrist läuft bereits, die Eröffnung ist für September 2014 geplant.

Bild: Seit zehn Jahren ist der BRK-Kreisverband Bayreuth in allen Bereichen zertifiziert. Gerade hat das Rote Kreuz die im dreijährigen Turnus stattfindende Überprüfung erreicht. Der Vorsitzende und frühere Landrat Klaus-Günter Dietel (5. von links) überreichte die entsprechende Urkunde an Kreisgeschäftsführer Peter Herzing (6. von links) sowie an die Führungskräfte und Vorstandsmitglieder Karl-Herbert Unglaub, Heike Rucker, Markus Ruckdeschel (von links) und Dietmar Kasel und Richard Knorr (von rechts).

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10.12.2013

Wenn die Worte fehlen / Aphasikerzentrum Oberfranken will Infomaterial und Broschüren in „leichter Sprache“ erstellen

Bayreuth. Vor 14 Jahren hatte Reinhold Richter einen Unfall. Der ehemalige Krankenpfleger aus Hummeltal musste in der Folge immer wieder mit Ausfallerscheinungen kämpfen. „Wenn ich im Stress bin, dann fehlen mir auch heute oft noch die Worte“, sagt er. Reinhold Richter weiß aber auch: „Mir geht es noch relativ gut, gegenüber manch anderen.“

Reinhold Richter ist Aphasiker. In der Regel ist ein Schlaganfall, eine Hirnblutung, einem Hirntumor die Ursache dafür, dass die Sprache  ganz oder teilweise verloren geht. Außer der Sprache ist bei den meisten Aphasikern auch das Lesen, das Schreiben, das Rechnen und die Konzentration gestört. Sie können, obwohl sie geistig völlig fit sind, nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Selbst das Verstehen von Nachrichten im Radio oder im Fernsehen ist für sie aufgrund des schnellen Sprachtempos oft nicht verständlich.

Selbst für Reinhold Richter, den man nichts von seiner Erkrankung anmerkt,  ist es manchmal schwer, zu kommunizieren. „Wir sind halt manchmal etwas verzögert“, sagte er. „Man sieht die Worte zwar, aber sie kommen nicht raus.“ Oft werde man in der Öffentlichkeit dann dumm angesehen, oder gleich als geistig behindert abgetan.

Das Problem mit der leichten Sprache fängt für Aphasiker schon beim einfachen Flyer an. Leichtere Sprache heißt aber nicht Kindersprache, sagt die Sozialpädagogin Etelka Bailey die das neue Projekt „Gutzuhören, gutzuwissen“ betreut. Ziel dieses Projekts ist es, Menschen mit Sprach- und Wahrnehmungsproblemen besser am Leben teilnehmen zu lassen.

Leichte Sprache, das heißt, Schachtelsätze vermeiden. Langsameres Sprechen gehört dazu, möglichst wenig Nebengeräusche, oder die Verwendung von Bildern und Symbolen, statt trockener Texte. Auch Fremdwörter oder Redewendungen sollten möglichst vermieden werden. Auf diese Art und Weise könnten Hirngeschädigte auch am täglichen Leben teilnehmen, denn, so Reinhold Richter, Kommunikation ist für jeden Menschen das A und O. Reinhold Richter hatte Glück, denn er war insgesamt vier Jahre lang in den verschiedensten Kliniken und hat längst seine Sprache wieder gefunden. Er ist als Selbsthilfebeauftragter und Referent für das Aphasikerzentrum tätig und ist Vorsitzender des Behindertenbeirats in Bayreuth.

In dem neuen Projekt, das von der Aktion Mensch gefördert und von der Oberfrankenstiftung unterstützt wird, sollen Infomaterial und Broschüren von und für Aphasiker erstellt werden. Geplant sind auch Hörbücher in aphasikergerechter Sprache oder ein Buch mit Erfahrungsberichten von Aphasikern. Eine entsprechende Schulung habe bereits stattgefunden, ein erstes Gruppentreffen ist für Januar geplant. Vier Gruppen in Bamberg, Bayreuth, Hof und Lichtenfels, gibt es schon, die ihr Interesse an einer Mitarbeit bekundet haben. Als erstes konkretes Projekt solle eine Aufklärungsbroschüre über Aphasie erstellt werden. Das Projekt „Gutzuhören, gutzuwissen“ ist auf drei Jahre angelegt.

Das Zentrum betreut nach den Worten seiner Leiterin Heike Frankenberger derzeit über 1000 Aphasiker und hat seinen Sitz in der Mediclin-Klinik in der Jakob-Herz-Straße am Roten Hügel in Bayreuth. Außenstellen gibt es seit 2008 in der Schönklinik Bad Staffelstein und in der Klinik der Sozialstiftung Bamberg. „Wir sind ein kostenfreies Beratungs-, Informations-, Begegnungs- und Nachsorgezentrum für Aphasiker/innen und auch für ihre Angehörigen“, sagt Heike Frankenberger. Ziel des Zentrums ist es, Betroffene durch Gruppenangebote, Seminare, Workshops und Einzelgespräche über das Thema Aphasie zu informieren und sie in behördlichen Angelegenheiten zu unterstützen. Daneben will das Zentrum auch die Öffentlichkeit über das Thema Aphasie informieren und die sozialpolitischen Entscheidungsträger für die Bedürfnisse dieses Personenkreises sensibilisieren.

Zu den Aufgaben des Aphasikerzentrums gehört es auch, den Kontakt mit Ärzten und sozialen Diensten in Fragen der beruflichen Wiedereingliederung herzustellen, bei der Suche nach niedergelassenen Therapeuten zu helfen und über Selbsthilfegruppen in der Nähe von Betroffenen zu informieren.

Finanziert wird das Aphasikerzentrum zu zwei Dritteln vom Bezirk Oberfranken. Weitere Gelder kommen vom Freistaat und durch Spenden.

Bild: Sie kümmern sich um Aphasiker in ganz Oberfranken (von links): Etelka Bailey, Anka Ursu, Heike Frankenberger und Reinhold Richter.

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26.11.2013

Der Ruhewald schlummert / Verein hat seine Zweifel, ob sich das Projekt in Bayreuth verwirklichen lässt

Bayreuth. Alles was neu ist, hat es zunächst einmal schwer - das scheint wohl auch für die geplante letzte Ruhestätte in einem Waldgebiet  am Stadtrand Bayreuths zuzutreffen. Obgleich es der Wunsch einer ernstzunehmenden Anzahl von Bürgern ist, kann sich nicht jeder damit anfreunden, dass die Asche Verstorbener künftig am Fuße eines Baumes in einem kleinen Wäldchen am Stadtrand der Erde übergeben werden kann. „Freilich werden mindestens drei Viertel aller Menschen weiterhin ein Erdgrab auf einem der Friedhöfe in und um Bayreuth bevorzugen“, sagt Beate Wihowski, viele Jahre lang Pfarrerin in Emtmannsberg, seit September in Bischofsgrün. Doch für die anderen, möchte sie zusammen mit einem eigenen Verein mit dem Namen „Ruhewald Bayreuth und Umgebung“ die gewünschten Alternativen anbieten.

Ein Waldgrundstück stünde zur Verfügung, doch irgendwie geht es einfach nicht weiter, so Beate Wihowski. Zusammen mit ihren Mitstreitern, darunter die frühere Landtagsvizepräsidentin Anneliese Fischer, bemüht sie sich schon seit sechs Jahren um einen Ruhewald. Momentan ist die Stadt am Zug. Man wartet auf ein Gutachten, das die genauen Kosten ermitteln soll. Aber das dauert noch. Eine Eröffnung für 2014 wird immer unwahrscheinlicher.

Geplant ist ein größenmäßig angemessenes Waldstück an der Hohen Warte am Waldrand unterhalb des Siegesturms. Der Wald gehört den Bayerischen Staatsforsten, die sich das Modellprojekt eines Ruhewaldes am dortigen Standort sehr gut vorstellen könnten. Allerdings müsste die Stadt das Waldstück pachten, daran hakt es aktuell, weil im Rathaus zu hohe Kosten befürchtet werden.

Träger sollte weder die Friedwald, noch die Ruheforst GmbH, sondern ebenfalls die Stadt Bayreuth sein, um rein kommerzielle Absichten von vornherein auszuschließen. „Dann könnte man auch die Kosten relativ gering halten“, sagte Beate Wihowski. Der Verein würde die Stadt begleiten, ein entsprechendes Konzept liegt bereits vollumfänglich ausgearbeitet vor.

Auch wenn einige die Idee eines Ruhewaldes verhindern wollen: „Aufhalten wird sich das Projekt nicht lassen“, ist Beate Wihowski überzeugt. Wenn  nicht in Bayreuth, dann vielleicht im Umland oder sonst irgendwo in Oberfranken. Bislang gibt es lediglich den kommerziell betriebenen Friedwald Fränkische Schweiz in Ebermannstadt und den ebenfalls kommerziell betriebenen Ruheforst Coburger Land bei Weitramsdorf. Die Friedwald GmbH ist auch Betreiber des evangelisch-lutherisches Friedwaldes auf dem unterfränkischen Schwanberg, dem ersten Friedwald unter kirchlicher Trägerschaft.

Sollte das Projekt in Bayreuth scheitern, könnte sich Beate Wihowski auch Alternativen in der Region vorstellen, die sind aber noch nicht spruchreif. „Wir wollen Menschen, die sich für diese Art der Bestattung und Ruhestätte entschieden haben, einen geschützten Raum in unserer Gegend ermöglichen“, sagt die Pfarrerin und will nicht, dass die Kirche dabei außen vor bleibt. Für viele Menschen sei es eben ein beruhigender Gedanke, dass die Natur die Grabpflege übernimmt und die vier Jahreszeiten die letzte Ruhestätte schmücken. Aufgrund des gesellschaftlichen Wandels ist vielen Menschen auch klar, dass sich später einmal niemand um ihr Grab kümmern kann.

Derweil gibt es immerhin die Alternative einer Baumgrabstätte, die Beate Wihowski während ihres Wirkens in Emtmannsberg verwirklicht hatte. 30 solcher Baumgrabstätten sind bereits belegt, 20 weitere reserviert. Im Emtmannsberg kostet eine solche Baumgrabstätte inklusive Beisetzung und Namenstäfelchen 600 Euro für einen Zeitraum von 15 Jahren.

In den bestehenden Beisetzungswäldern sind  zwei bis drei Bäume je zehn Quadratmeter als Bestattungsbäume ausgewiesen. Einige Wege sind ganzjährig zugängig. Ausdrücklich nicht erwünscht ist Grabschmuck jeder Art, also Gestecke, Blumen oder Porzellanengel. Allerdings ist der Friedwald eine klare Alternative zur anonymen Bestattung, denn an dem bestreffenden Baum gibt es in der Regel nicht nur Namenstafeln, möglich seien sogar Sprüche oder Zitate. Auch die Angehörigen erhalten eine Urkunde mit der genauen Ausweisung des Bestattungsbaumes. Keinen Widerspruch stellt der Friedwald zur christlichen Bestattungskultur dar. „Die Auferstehung ist an keine bestimmte Bestattungskultur gebunden.“

Bilder:
- Der Friedwald auf dem unterfränkischen Schwanberg ist der erste Friedwald unter kirchlicher Trägerschaft. Das symbolisiert auch die Figur auf dem zentralen Versammlungsplatz, die den Schutzmantel Christus zeigt und für einen Ort der Geborgenheit steht.
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Pfarrerin Beate Wihowski

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05.11.2013

Kirche und Kommune ziehen an einem Strang / Prävention als oberstes Gebot: Diakonin Sabine Dresel betreibt politische Jugendarbeit

Regnitzlosau. Besondere Herausforderungen benötigen besondere Lösungen: Mit der Einrichtung einer bayernweit einmaligen Stelle wollen kirchliche und politische Gemeinde von Regnitzlosau gegen verstärkte Aktivitäten von Rechtsextremisten vorgehen. Die Stelle wurde mit der Diakonin Sabine Dresel besetzt, die aus Nürnberg stammt, zuletzt als Dekanatsjugendreferentin in Traunstein tätig war und sich am Dienstag in Regnitzlosau der Öffentlichkeit vorstellte. Die besondere Herausforderung, mit der sich die Gemeinde Regnitzlosau auseinandersetzen muss, ist die Ansiedlung von szenebekannten Neonazis im Ortsteil Oberprex.

Bayernweit einmalig ist die Konstellation der neuen Stelle. Sie wird zu jeweils einem Viertel von den folgenden Partnern finanziert: von der Gemeinde Regnitzlosau, vom Landkreis Hof, vom Hofer Dekanat sowie von der Solidaraktion „Bunt statt braun“ des oberbayerischen Dekanats Weilheim. Derartige Herausforderungen lassen sich nur vernetzt angehen, sagte der Hofer Dekan Günter Saalfrank bei der Vorstellung von Sabine Dresel. Aufgabe der Diakonin soll es in den kommenden fünf Jahren sein, Persönlichkeitsbildung durch Jugendarbeit zu leisten, jungen Leuten ein demokratisches Bewusstsein nahezu bringen und aufzuklären über den Wert der Freiheit.

Derartige politische Jugendarbeit sei auch schon bisher Schwerpunkt ihrer Tätigkeit gewesen, sagte Sabine Dresel. Auch in ihrem bisherigen Wirkungskreis habe es Ansiedlungen von Rechtsextremisten gegeben. Als ihre Hauptaufgabe sieht sie es deshalb künftig an, immun zu machen gegen rechtes Gedankengut. Initialzündung für die Schaffung der Stelle war die Herbsttagung der evangelischen Landessynode im November 2012 in Hof. Dekan Saalfrank hatte damals nicht nur von der Problematik in Oberprex berichtet, sondern war mit den Synodalen auch vor Ort.

Regnitzlosau mit knapp 2500 Einwohnern habe schon in der Vergangenheit Jugendarbeit in den rund 40 Vereinen betrieben, sagte Bürgermeister Hans-Jürgen Kropf (Freie Wähler). Hier soll die neue Stelle anknüpfen und die bestehende Jugendarbeit ergänzen und koordinieren. „Prävention ist dabei das oberste Gebot“, so Kropf. Zwar liege bislang keine konkrete Gefährdung der Regnitzlosauer Jugendlichen durch die Rechten vor, doch Gefährdungspotential sei grundsätzlich immer vorhanden. Die Veranstaltungen der Rechten in Oberprex würden bislang eher unbemerkt von der Öffentlichkeit an den Wochenenden und Abenden stattfinden. Insidern könnte allenfalls die erhöhte Polizeipräsenz im Ort auffallen.

Bislang habe es in der Gemeinde nur eine viertel Stelle für die Jugendarbeit gegeben. „Das hätte nicht so weitergehen können“, sagte Pfarrer Holger Winkler. Deshalb sei er im Namen der Gemeinde unendlich dankbar dafür, dass die neue Stelle mit Pilotcharakter geschaffen werden konnte. „Wir wollen, dass dem Ungeist, der im Haus mit der Nummer 47 in Oberprex weht, ein anderer Geist entgegenweht, nämlich der Heilige Geist“, so der Pfarrer.  Wie dies aussehen könnte machte Dekan Saalfrank schon einmal deutlich. So sei es für die Rechten völlig irritierend gewesen, als er mit einer Gruppe engagierter Christen vor das Haus gezogen war, um dort zu beten und singen.

Bild oben: Gemeinsam gegen Rechts: Bürgermeister Hans-Jürgen Kropf, Diakonin Sabine Dresel, Pfarrer Holger Winkler und Dekan Günter Saalfrank (von links).

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04.11.2013

Ringen gegen den Rassismus / Bayreuth zeigt Ausstellung über Opfer rechter Gewalt seit 1990 in Deutschland

Bayreuth. Emil Wendland aus Neuruppin schlief auf einer Parkbank, als er am 1. Juli 1992 von einer Gruppe Skindheads angegriffen wurde, die sich zum „Pennerklatschen“ verabredet hatte. Die Skinheads schlugen Emil Wendland brutal zusammen und stachen ihn mehrfach mit einem Messer in den Oberkörper. Er verblutete noch an Ort und Stelle. Emil Wendland ist einer von 169 Opfern rechter Gewalt seit 1990 in Deutschland. Ihm und all den anderen ist eine sehenswerte Wanderausstellung der Berliner Künstlerin Rebecca Forner und der Opferorganisation „Opferperspektive e.V.“ gewidmet, die derzeit in der Bayreuther Stadtbibliothek „RW 21“ zu sehen ist.

169 Tafeln sind es, nicht immer haben die Opfer ein Gesicht, denn von vielen Ermordeten ist nicht einmal ein Foto geblieben. Das Erschrecken über die Dimension rechter Gewalt und die Betroffenheit über die Einzelschicksale, das sind die häufigsten Reaktionen der Besucher. „Wir wollten schlicht und einfach aufzeigen, dass aus rechtsextremistischen Motiven in Deutschland gemordet wird“, sagte Rebecca Forner, deren erste Überlegungen für die Ausstellung bis in das Jahr 2000 zurückreichen.

Damals studierte die engagierte junge Frau, die keine Angst vor Verunglimpfungen ihrer eigenen Person auf einschlägigen rechten Internetseiten hat, noch Kommunikationsdesign in Berlin. Zur Eröffnung der Ausstellung in Bayreuth räumte sie unter anderem mit dem Vorurteil auf, dass die Rechtsextremisten ausschließlich in den neuen Bundesländern zu finden seien. Für die alten Bundesländer verzeichnete sie 80, für die neuen Bundesländer 89 Opfer.

Nach Bayreuth geholt hatte die Ausstellung die Werner-Zapf-Stiftung, die sich unter anderem den Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Gewaltfreiheit auf die Fahnen geschrieben hat. Die Ausstellung soll ganz bewusst hineinplatzen in die Wohlfühlatmosphäre einer städtischen Bücherei, so Werner Zapf. Als wichtigen Beitrag gegen das Verdrängen und Vergessen bezeichnete Bayreuths Dritte Bürgermeisterin Beate Kuhn die Ausstellung. Sie nannte das Ringen gegen den Rassismus eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Rechtsextremistische Straftaten und Ordnungsstörungen werde die oberfränkische Polizei auch weiterhin konsequent verfolgen, sagte Polizeipräsident Reinhard Kunkel. Die Polizei werde auch weiterhin Druck machen, damit Oberfranken eine weltoffene und bunte Region bleibt, so Kunkel.

Die Ausstellung  „Opfer rechter Gewalt seit 1990 in Deutschland“ ist noch bis 28. November, jeweils von Dienstag bis Freitag zwischen 10 und 19 Uhr sowie Samstag von 10 bis 15 Uhr in der „RW 21“, der Stadtbibliothek und Volkshochschule, Richard-Wagner-Straße 21 in Bayreuth zu sehen. Zu der Ausstellung gehört ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Lesungen, Vorträgen, Talkrunden, Seminaren und Konzerten, die das Evangelische Bildungswerk, das Iwalewa-Haus und die Volkshochschule anbieten. Weitere Information: www.opfer-rechter-gewalt.de

Bild: Die Künstlerin Rebecca Former (rechts) erklärt Besuchern in der Bayreuther Stadtbibliothek „RW 21“ die Konzeption der Ausstellung „Opfer rechter Gewalt seit 1990 in Deutschland“.

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02.11.2013

„Luthers Schattenseite“: Tagung über die Judenschriften Martin Luthers

Bad Alexandersbad. Martin Luthers antijudaische Schriften sind starker Tobak. Selbst Kenner müssen schlucken, wenn da in unerträglich zynischer Sprache die Rede ist von den „verblendeten Kinder Satans“, von Dämonen, Zauberern und Teufeln und wenn die Rede davon ist, Synagogen zu verbrennen und die Juden zu vertreiben, so wie etwa in dem 1543 erschienen Pamphlet „Von den Juden und ihren Lügen“.

Wenigstens als Rechtfertigung für die Reichspogromnacht habe Luther nicht herhalten müssen, sagte Axel Töllner von der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau bei der Tagung mit dem Titel „Luthers Schattenseite“ im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum Alexandersbad. Sein Einblick in die Rezeptionsgeschichte Martin Luthers während des Dritten Reichs und in der völkischen Bewegung reichte vom Rassentheoretiker Houston Stewart Chamberlain, der Luther als schwachen Theologen, aber starken Politiker bezeichnete, bis hin zum oberfränkischen Gauleiter Hans Schemm. Er präsentierte Luther als das Bindeglied zwischen einem nationalen Protestantismus und dem Nationalsozialismus.

Aber nicht nur Nazi-Größen und deren Vordenker hätten sich um Martin Luther bemüht, um ihre Ansichten zu rechtfertigen, auch Theologen, wie der thüringische Landesbischof Martin Sasse, der zur Kirchenbewegung der Deutschen Christen gehörte. Sasse nannte Luther einen „deutschen Propheten“ und einen „Warner seines Volkes wider die Juden“. Pfarrer Ernst Daum aus Haßfurt, der obersten Vertreter der Deutschen Christen in Bayern wird mit den Worten zitiert: „Luther hat sich gewehrt, so wollen auch wir uns wehren.“ Pikanterweise habe Daum bereits 1949 wieder eine Pfarrstelle angetreten, und das ausgerechnet in Dachau als Pfarrer einer Flüchtlingsgemeinschaft.

Auch heute werde Martin Luther gerne von antikirchlichen Bewegungen auf seine Schattenseiten reduziert, sagte Pfarrer Michael Fragner aus Geroldshausen. Eine Bewegung, die Luthers Schattenseiten gerne für ihre Zwecke inszeniert, sei die Sekte „Universelles Leben“. Fragner wusste, wovon er sprach, war er doch zuvor als Pfarrer in Michelrieth, einem Ortsteil der Stadt Marktheidenfeld im Landkreis Main-Spessart in Unterfranken tätig, wo die Sekte ihren Sitz hat.

Martin Luther werde vom Universellen Leben als machtbesessener Fanatiker dargestellt, der zu Mord und Totschlag aufruft, sagte Fragner, der selbst oft genug ins Schussfeld der Sekte geraten war. Deren Flugblätter bezeichnete er als Konglomerat von historischen Halbwahrheiten und historischen Lügen, etwa wenn implementiert werde, dass die sogenannte Endlösung schon bei Luther zu finden gewesen sei.

Bei der Tagung war allerdings nicht nur von den Schattenseiten Luthers die Rede, sondern auch von den Sonnenseiten, vor allem in Form der Lutherkirchen als Kristallisationsorte lutherischer Identität. Von den 1930 evangelischen Kirchen, Kapellen und Gemeindezentren mit sakralen Räumen in Bayern würden genau 32 den Namen Martin Luthers tragen, so Oberkirchenrat Hans-Peter Hübner aus München. Allein zwölf dieser Lutherkirchen seien in Oberfranken zu finden. Sie reichten von der Lutherkapelle auf der Veste Coburg, einer einstigen Wohn- und Wirkungsstätte Luthers, bis zur erst 1981 eingeweihten Lutherkirche im Bayreuther Stadtteil Roter Hügel. Aber auch die Lutherkirchen seien nicht lutherischer als andere Kirchen. Nicht das Gebäude sei wichtig, sondern auf die Inhalte komme es an. Vor dem Hintergrund des Luther-Zitats: „Ich bitte, man wollte meines Namens schweigen …“, äußerste Hübner allerdings auch Zweifel, ob Luther mit der Benennung einverstanden gewesen wäre.

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31.10.2013

Lutherstadt bekommt Lutherpfarrer / Dieter Stößlein ist künftig als theologischer Referent für die Lutherdekade tätig

Coburg. Pfarrer Dieter Stößlein vom Evangelischen Bildungswerk in Coburg ist offiziell zum theologischen Referenten für die Lutherdekade ernannt worden. Die Einführung durch Dekan Christoph Liebst in das neue Amt fand am Reformationstag im Rahmen eines Gottesdienstes in der Coburger Morizkirche statt. Martin Luther selbst hatte dort während eines Coburger Aufenthaltes im Jahr 1530 mehrfach gepredigt.

Die Coburger selbst wüssten natürlich, dass Martin Luther 1530 auf der Veste gelebt und gearbeitet hatte, sagte Dekan Liebst, allen anderen aber sollte man es sagen. Deshalb sei die Stelle eines theologischen Referenten für die Lutherdekade eingerichtet worden. Dieter Stößlein hatte sich bereits in der Vergangenheit des Themas angenommen und war maßgeblich an der Errichtung eines Lutherweges durch Oberfranken beteiligt. Der eigens ausgeschilderte Wanderweg, der im Herbst 2012 eröffnet wurde, verbindet die oberfränkischen Lutherstätten in Bad Rodach, Coburg und Neustadt bei Coburg  miteinander.

Im Lutherjahr 2017, in dem sich der Thesenanschlag Luthers an die Schlosskirche zu Wittenberg zum 500. Mal jährt, werde es nicht um einen angeblichen Triumph der evangelischen gegen die katholische Kirche gehen, sagte Liebst. Vielmehr sollte die Botschaft der Reformation herausgearbeitet werden. Dazu gehöre es auch, dass die Reformatoren nicht die strahlenden Helden waren, als die sie früher oft gefeiert wurden. Die Reformatoren seien Menschen mit hellen und mit dunklen Seiten gewesen, Menschen mit wunderbaren Erkenntnissen, aber auch mit abgründigen Gedanken.

Dieter Stößlein möchte in seiner neuen Aufgabe nicht nur die Zusammenarbeit mit den Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen suchen, sondern auch mit der Stadt Coburg, den Kunstsammlungen der Veste, dem Tourismus und dem Stadtmarketing. Ziel sei es, die Themen der Lutherdekade einer breiten Öffentlichkeit deutlich zu machen. Darüber hinaus plant er Programme für die Begleitung von Besuchergruppen und möchte bereits vorhandene Projekte wie den Lutherweg weiter betreuen und ausbauen.

Die neue Stelle des theologischen Referenten für die Lutherdekade in Coburg ist als halbe Stelle konzipiert und bis Ende 2018 befristet, die andere Hälfte seiner Arbeitszeit wird Dieter Stößlein auch weiterhin beim Evangelischen Bildungswerk tätig sein.

Coburg gilt als die bayerische Lutherstadt. So war Coburg Raststätte bei den Pilgerreisen Martin Luthers von und nach Rom 1510 und 1511, auf dem Weg zur Heidelberger Disputation vom 14. bis zum 16 April 1518, im gleichen Jahr auf dem Weg nach Augsburg zum Verhör vor Kajetan sowie Aufenthaltsort vom 15. April bis zum 4. Oktober 1530 im Zusammenhang  mit dem Reichstag in Augsburg.

Bild: Dekan Christoph Liebst (rechts) hat Pfarrer Dieter Stößlein vom Evangelischen Bildungswerk als theologischen Referenten für die Lutherdekade in Coburg in der dortigen Morizkirche in sein Amt eingeführt.

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24.10.2013

Mit der Bibel als Fundament: Identifikation mit dem ländlichen Raum / Jürgen Kricke ist neuer ELJ-Jugendbildungsreferent für Oberfranken und die Oberpfalz

Bad Alexandersbad. Flagge zeigen gegen rechts: das sieht Diakon Jürgen Kricke als einen seiner künftigen Schwerpunkte an. Der gebürtige Straubinger, der bereits seit 5 Jahren im Fichtelgebirge lebt und arbeitet, ist der neue Jugendbildungsreferent der Evangelischen Landjugend (ELJ) für Oberfranken und die Oberpfalz. Er wurde am Sonntag offiziell mit einem Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Thiersheim in sein Amt eingeführt.

Ein ungewöhnliches Zuständigkeitsgebiet, das muss der 40 jährige zugeben. Doch was die Evangelische Landjugend betrifft gehören Oberfranken und Oberpfalz eben schon immer zusammen. Etwa 25 Ortsgruppen gibt es hier mit zusammen mehreren 100 Mitgliedern, die meisten davon in Oberfranken, einige wenige, dafür aber zahlenmäßig besonders starke und aktive in der nördlichen Oberpfalz. Mit Christoph Müller aus Mantel bei Weiden steht auch ein Oberpfälzer an der Spitze. Weibliche erste Vorsitzende ist Sabine Groß aus Höchstädt/Aisch, das zwar in Mittelfranken liegt, aber bei der Landjugend sieht man Bezirksgrenzen eher von der lockeren Seite.

Was die Evangelische Landjugend von der Bayerischen Jungbauernschaft unterscheidet, ist, dass die Bibel als Fundament allen Handelns immer ausdrücklich dazugehört. Das Glaubensbekenntnis auswendig aufsagen muss freilich keiner, der mitmachen will. „Jeder ist willkommen“, so Jürgen Kricke. Evangelisch müsse man dabei auch nicht unbedingt sein. Großen Wert legt der neue ELJ-Referent auf ein gutes Miteinander mit der Bayerischen Jungbauernschaft oder der Katholischen Landjugend.

Das ist gut so, denn schließlich bearbeitet man ja auch ähnliche Themen: Von der Altkleidersammlung bis zum Quiz, von der Mithilfe bei Dorffesten über das Maibaumaufstellen bis zur Podiumsdiskussion mit den örtlichen Politiker. Eine spannende Mischung, wie Jürgen Kricke findet. Ihm geht es dabei nicht nur um die inhaltliche Arbeit, sondern auch um die konzeptionellen Möglichkeiten. Deshalb sieht er seine Aufgabe schwerpunktmäßig in der Beratung und Begleitung der Aktivitäten. Keinesfalls will er sich als Aufsicht wahrnehmen, denn in der Evangelischen Landjugend handelt der Vorstand schon von der Satzung her komplett eigenständig. Wenn es dagegen um Rechtsfragen oder um Tipps und Tricks für die tägliche Arbeit geht, dann ist er zuständig.

Was er ganz besonders an den Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 14 und 27 schätzt, ist die hohe Selbstständigkeit, mit der die Dinge angegangen werden. Auch die Vertretung und öffentliche Darstellung des ländlichen Raumes werde dabei als eine der Hauptaufgaben angesehen. „Egal, ob mit familiären landwirtschaftlichen Hintergrund oder ohne, entscheidend ist doch, dass sich die jungen Leute überhaupt dazu aufraffen, etwas zu tun“, so Jürgen Kricke.

Jürgen Kricke war zuvor fünf Jahre lang als Referent für die schulbezogene Jugendarbeit und als Geschäftsführer des Schülercafes „Oase“, das er wesentlich mitaufgebaut hat, in Selb tätig. Kricke stammt aus Straubing, ist gelernter Einzelhandelskaufmann und hat später im Rahmen seiner Ausbildung zum Diakon in Rummelsberg Sozialpädagogik studiert. Zur Evangelischen Landjugend war er über eine Ausschreibung gekommen, nachdem die Stelle des Bezirksreferenten seit über einem Jahr vakant war. Vorgänger war der jetzige ELJ-Landessekretär Manfred Walter.

Sein Büro hat Jürgen Kricke in den Räumen des Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrums in Bad Alexandersbad. Vorher war die ELJ-Bezirksstelle in Bayreuth angesiedelt. Mit der Verlagerung nach Bad Alexandersbad soll auch ein deutliches Zeichen für Nordostbayern gesetzt und die Zusammenarbeit im Verein der Bildungszentren in den Bereichen „Kirche in der Region“ und Prävention von Rechtsextremismus“ verstärkt werden.

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06.10.2013

„Nahrung ist Gabe Gottes“: Feiern mit Blaskapellen und Böllerschützen / Ausgelassene Stimmung und nachdenkliche Töne beim Zentralen Bayerischen Erntedankfest

Muggendorf, Lks. Forchheim. Seit 1973 feiert der BBV-Kreisverband Forchheim sein Erntedankfest alljährlich in Muggendorf, dem kleinen Ort mitten in der Fränkischen Schweiz, der zusammen mit Streitberg den Kern der Marktgemeinde Wiesenttal bildet. In diesem Jahr erhielt das Fest seinen Ritterschlag und durfte die Kulisse für das Zentrale bayerische Erntedankfest sein, das viele tausend Besucher aus dem gesamten Freistaat anlockte.

Blaskapellen, Böllerschützen, Fahnenabordnungen, Pferdekutschen, historische und moderne Schlepper und viele Trachtenvereine: der Festzug durch den kleinen Ort schien kein Ende zu nehmen. Festlich geschmückte Erntewagen waren dabei, genauso wie Landfrauenchöre, die Obst- und Gartenbauvereine aus der Umgebung und die Kinder der örtlichen Schulen. Der BBV-Kreisverband Forchheim war diesmal sogar mit einem eigenen Themenwagen vertreten.

In Muggendorf hat das Erntedankfest eine lange Tradition, zumal die Feierlichkeiten auch mit dem alljährlich stattfindenden Kürbisfest verbunden werden. Dem Fest voran ging bereits tags zuvor ein fränkischer Heimatabend und zum Erntedank ein ökumenischer Gottesdienst mit Dekan Günter Werner,  Pater Flavian Michali und dem Forchheimer Landfrauenchor.

Trotz der ausgelassenen Stimmung im großen Festzelt schlug der oberfränkische BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif auch nachdenkliche Töne an. „Merken denn die Menschen überhaupt noch, ob die Ernte eine Jahres gut oder schlecht war“, diese Frage stellte er in den Raum. Vor dem Hintergrund immer prall gefüllter Regale in den Supermärkten zeigte sich Greif eher skeptisch. Äpfel aus Chile, Knoblauch aus China, Spargel aus Griechenland oder Steaks aus Argentinien: was für den Verbraucher ganz praktisch ist, sei allerdings nur über den Preis geschädigter Ökosysteme möglich.

Hier setze das Erntedankfest an, denn es soll die Menschen daran erinnern, dass die Nahrung eine Gabe Gottes ist und eine ausreichende Versorgung mit Lebensmitteln nicht selbstverständlich ist. Greif rief den Menschen auch die große Bedeutung des Bauernstandes in Erinnerung. Landwirte sorgen nicht nur für hochwertige Nahrungsmittel, sondern auch für erneuerbare Energien und für eine schöne Landschaft, was besonders in Tourismusregionen wie der Fränkischen Schweiz nicht vergessen werden darf.

In der Gesamtschau seien die bayerischen Bauern mit der Ernte heuer nicht sonderlich begeistert, sagte BBV-Präsident Walter Heidl. Beim Getreide hätten die bayerischen Bauern eine leicht überdurchschnittliche Ernte einfahren können. Doch habe längst nicht jeder Landwirt auch wirklich zufrieden sein können. So gebe es aufgrund der Wetterkapriolen und der extremen Witterungsverhältnisse extreme regionale Unterschiede. Mancherorts habe es sogar Totalausfälle gegeben. Besonders hart seien dabei die Hopfenbauern getroffen worden, die seit 50 Jahren die schlechteste Ernte vermelden. Auch bei Kartoffeln werde heuer die niedrigste Erntemenge der Nachkriegszeit erwartet.

Die Bauern würden aber auch damit zurechtkommen. Was sie dringend brauchen sei allerdings die Unterstützung der Verbraucher durch einen regionalen Einkauf. Bei vielen Umfragen stehe der Wunsch nach Regionalität mittlerweile an erster Stelle, das müssten die Menschen nun auch umsetzen. Auch Landesbäuerin Anneliese Göller erinnerte daran, dass unser tägliches Brot gar nicht so selbstverständlich sei, wie wir es vielleicht in unserer Überflussgesellschaft gewohnt sind. Das Können und die Tüchtigkeit der Bauern sei wichtig, aber es liege eben nicht alles in Menschenhand, so Göller.

 

Bilder oben:
1.
Eine ganze Kolonne historischer Schlepper war beim Festzug zum Erntedankfest in Muggendorf zu sehen.

2.
 Kürbisse geschmückt und geschnitzt stehen in der Fränkischen Schweiz seit jeher bei Groß und Klein hoch im Kurs.
3.
 Mit viel Liebe und großem Geschick hatten mehrere Vereine dem Kürbis einen eigenen Themenwagen gewidmet.
4
Die Ehrengäste marschierten an der Spitze des Festzuges: links im Bild der oberfränkische BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif, rechts Kreisbäuerin Rosi Kraus, dazwischen Landesbäuerin Anneliese Göller, rechts davon BBV-Präsident Walter Heidl.
 

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Die gesamte Fränkische Schweiz war zum Landeserntedankfest in Muggendorf auf den Beinen.
 

Trachtenkapellen begegnen Themenwagen: der Festzug durch die Ortschaft bildete den Höhepunkt des Landeserntedankfestes in Muggendorf.

Erntedankbrot für die Ehrengäste: Kreisbäuerin Rosi Kraus und Bezirkspräsident Hermann Greif teilten das eigens gebackene und kunstvoll verzierte Erntedankbrot

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05.10.2013

Gratulationen in Gebärdensprache / Kulmbacher Gehörlosenverein feierte seinen 75. Geburtstag

Kulmbach. „Wetten dass“ im ZDF mit Live-Untertiteln: Das ist seit einiger Zeit eine rühmliche Ausnahme im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Gehörlose und hörgeschädigte Menschen bleiben trotz modernster Technik ansonsten aber noch immer viel zu oft außen vor. Darauf hat der Gehörlosenverein Kulmbach hingewiesen, der am Wochenende sein 75-jähriges Bestehen feierte. Dank der tatkräftigen Übersetzungen der beiden Dolmetscherinnen Claudia Dehler und Ruth Stahlmann konnten auch Hörende an dem Festakt in der Dr.-Stammberger-Halle teilnehmen.

Mit den Gleichstellungsgesetzen von 2001 und 2003 sei die Gebärdensprache endlich auch offiziell anerkannt, sagte Gerhard Jandy, stellvertretender Landesvorsitzender der Gehörlosen in Bayern. „Damit haben wir endlich auch in Bundes- und Landesbehörden die Möglichkeit, uns in unserer Muttersprache zu unterhalten.“ Barrieren gebe es freilich trotzdem noch genügend. So seien Gehörlose und Hörgeschädigte in Kindergärten, Regelschulen und Hochschulen noch immer stark benachteiligt. Es gebe keine eigene Notrufnummer, unter der sich Gehörlose mitteilen könnten, es gebe keine Rauchmelder speziell für Gehörlose und viel zu wenig Gebärdensprachen-Dolmetscher. Auch der Straßenverkehr sei eine große Barriere, so die oberfränkische Bezirksvorsitzende Christine Jandy. Zusammen mit dem bayerischen Sozialministerium arbeite der Landesverband derzeit an einer Möglichkeit, einen Notruf per Mobiltelefon an Polizei oder Rettungsdienste absetzen zu können.

Gegründet 1938 wurde der Gehörlosenverein Kulmbach am 1. Oktober 1938 als Ortsverband der Taubstummen. In schwerer Zeit habe der Zusammenschluss freilich erst nach dem Zweiten Weltkrieg ab 1946 so richtig Fahrt aufgenommen, so der Vorsitzende Ernst Dietrich. 17 Mitglieder seien es damals gewesen und mit der Zeit des Wirtschaftswunders fanden sich auch immer mehr Gehörlose und Hörgeschädigte zu den geselligen Runden zusammen. Mit dem Anwesen „Muffelhaus“ gab es ab 1976 eine eigene zentrale Begegnungsstätte. Damals gehörte das Haus der evangelisch-lutherischen Kirchenstiftung, seit 2009 gehört es dem Verein, der es inzwischen mit Hilfe zahlreicher Organisation nicht nur erworben, sondern auch umfassend renoviert hat. Mittlerweile gibt es eine Kegelgruppe, eine Skat- und Romme-Gruppe, der Verein trifft sich nicht nur zu Vorträgen und Veranstaltungen, sondern auch zum Wandern oder zu gemeinsamen Radtouren.

Oberbürgermeister und Schirmherr Henry Schramm bezeichnet den Gehörlosenverein als wertvollen Anlaufpunkt für Betroffene und deren Angehörige. „Hier kommt es nicht auf das Hören, sondern auf das Verstehen an“, sagte er. Das Stadtoberhaupt zollte allen Betroffenen großen Respekt dafür, wie sie souverän ihren Alltag meistern.

Für sechs Jahrzehnte Zugehörigkeit zum Gehörlosenverein Kulmbach wurde bei der Feierstunde Ilse Rauh mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet. Für Ilse Rauh sei es immer selbstverständlich gewesen, anzupacken und mitzuhelfen, wo es nur geht, sagte der Vorsitzende Erich Dietrich. Zu den Geburtstagsfeiern des Kulmbacher Gehörlosenvereins gehörten auch ein ökumenischer Gottesdienst in der Spitalkirche sowie verschiedene Auftritte von Tanz- und Theatergruppen.

Bilder:
- Ausgelassene Stimmung zum 75. Bestehen (von links): Landtagsabgeordnete Inge Aures, Landrat Klaus Peter Söllner, Vorsitzender Erich Dietrich, der stellvertretende Landesvorsitzende Gerhard Jandy, und Oberbürgermeister Henry Schramm.
-
Hohe Ehrung: seit 60 Jahren ist Ilse Rauh Mitglied des Kulmbacher Gehörlosenvereins. Dafür gab es eine Ehrenurkunde und einen Blumenstrauß aus den Händen von Vorsitzendem Erich Dietrich und dem stellvertretenden Landesvorsitzenden Gerhard Jandy.

Interview mit Erich Dietrich, Vorsitzender des Gehörlosenvereins Kulmbach:

Wie viele Mitglieder hat der Gehörlosenverein Kulmbach und wie hat sich die Zahl in den zurückliegenden Jahren entwickelt?

Erich Dietrich: „Wir haben aktuell 94 Mitglieder. Ich stehe seit dem Jahr 2000 als Vorsitzender an der Spitze. Damals hatten wir so um die 70 Mitglieder. Selbst bin ich schon seit 30 Jahren als Mitglied dabei. Früher nannten wir uns übrigens Ortsgruppe, jetzt Verein.“

Warum ist die Organisation in einem Verein eigentlich so wichtig?

Erich Dietrich: „Vor allem deshalb, weil viele unserer Mitglieder verstreut auf dem Land leben. In den meisten anderen Vereinen sind Gehörlose außen vor. Bei uns erleben sie Gemeinschaft.“

Haben Sie bestimmte Forderungen an die Politik?

Erich Dietrich: „Wir stoßen noch an viele Grenzen und würden uns mehr Unterstützung wünschen. Zum Beispiel im Bereich der Bildung gibt es viele Barrieren. Die Politik sollte uns allgemein stärker unterstützen, damit wir nicht ausgeschlossen werden.“

Und wie ergeht es Ihnen speziell in Kulmbach?

Erich Dietrich: „Wir sind hier sehr zufrieden und sehen uns integriert. Bei unseren Treffen bleiben wir allerdings in der Regel unter uns, viele Hörende wissen nicht, wie sie mit uns umgehen sollen.“

Aber vielen hat sich doch in den vergangenen Jahren auch zum besseren entwickelt, etwa die gesetzliche Anerkennung der Gebärdensprache?

Erich Dietrich: „Trotzdem gibt es noch zu wenige Dolmetscher, etwa bei den öffentlichen Ämtern. Man darf nicht vergessen, dass Behördengänge ohne Dolmetscher für uns unmöglich sind. Die Kontaktaufnahme ist lediglich per E-Mail oder per Fax möglich. Das ist natürlich oft sehr mühsam und aufwändig. Durch ein staatliches „Teilhabegeld" würden wir uns auch mehr Chancen in der Gesellschaft versprechen, denn für private Angelegenheiten müssen wir den Dolmetscher aus der eigenen Tasche bezahlen.“

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09.09.2013

Mehr Licht ins Dunkel des Crystal-Schmuggels / Soko Crystal: 23 Spezialisten des Zolls sind künftig in Bayern und Sachsen operativ im Einsatz

Nürnberg. Fast 38 Kilogramm der gefährlichen Droge Crystal Speed hat der Zoll in Deutschland im ersten Halbjahr 2013 sichergestellt. Das ist laut Zollkriminalamt bereits mehr als eineinhalb Mal so viel wie die sichergestellte Menge des gesamten Jahres 2012. Schwerpunkt seien dabei die deutsch-tschechische Grenze und damit die beiden Freistaaten Bayern und Sachsen gewesen. Um künftig noch effizienter gegen Schmuggler und Crystal-Kuriere vorgehen zu können, hat der Zoll zum 1. September zwei neue Sonderkommissionen eingesetzt.

Sie sollen dafür sorgen, dass die Ermittlungen noch schneller und zielgerichteter geführt werden, sagte der für den Zoll zuständige Staatssekretär aus dem Bundesfinanzministerium Hartmut Koschyk am Montag vor der Presse in Nürnberg. Vor allem sollten die Ermittlungen mit Hilfe der insgesamt 23 Beamten der „Soko Crystal“ künftig national wie international dort zusammengeführt werden, wo sich gemeinsame Bekämpfungsansätze oder Strukturermittlungen gegen eine organisierte Täterbande führen lassen. Der Aufgriff von Schmugglern und Konsumenten gehöre dazu genauso wie das ausfindig machen von Produktionsstätten, das Entdecken potentieller Kuriere und  Vertriebswege.

„Diese Ziele verfolgen wir innerhalb des gesetzlichen Rahmens mit aller Härte“, sagte Koschyk. Doch die Ermittlungen dürften nicht beim Konsumenten, Schmuggler oder Kurier enden. „Wer Hintermänner festnehmen will, der müsse sich operativer Hilfsmittel wie Telefonüberwachung, verdeckte Ermittlungen, Observationen und Kooperationsformen auf internationaler Ebene bedienen. Auch deshalb seien die beiden Sonderkommissionen „Soko Crystal“  bei der Zollfahndung in Dresden, in Nürnberg und in Weiden als neuer und zusätzlicher Ansatz beim Kampf gegen Crystal eingerichtet worden.

Koschyk zufolge handelt es sich bei den Ermittlern der beiden Sonderkommissionen um absolute Spezialisten, die künftig ausschließlich zur Eindämmung des Crystal-Schmuggels eingesetzt werden. „Wir wollen mehr Licht in das Dunkelfeld des Crystal-Schmuggels bringen, um potentielle Käufer abzuschrecken und die skrupellosen Profiteure und Hintermänner  festnehmen zu können.“

Hintergrund ist, dass der Großteil des für den deutschen Markt geschmuggelten Crystals trotz spektakulärer Großfunde auf deutschen Flughäfen weiterhin aus der tschechischen Republik kommt. Waren es anfangs meist nur Kleinmengen für den Eigenbedarf, sind derzeit wieder zunehmend größere und über den eigenen Bedarf hinausgehende Mengen des Rauschgifts festzustellen. Die Zollfahnder werten diese Tatsache als Anzeichen für professionelle und hoch organisierte Gruppierungen, die sich eigener Vertriebsstrukturen bedienen, um illegalen Handel und Verbreitung zu intensivieren.

Die beiden neuen Sonderkommissionen zur Bekämpfung des Crystal-Schmuggels werden auch weiterhin von mobilen Kontrolleinheiten, Röntgenmobilen, Zollhundeführern und Rauschgiftspürhunden unterstützt.

Bild:
- Wie der Zoll mit Rauschgiftspürhunden arbeitet demonstrierte dieser Hundeführer mit seinem Rauschgiftspürhund bei der Präsentation der neuen Soko Crystal am Montag in Nürnberg.

- Der für den Zoll zuständige Staatssekretär aus dem Bundesfinanzministerium Hartmut Koschyk

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22.08.2013

Finanzierung gesichert: Jugendwerkstatt wird auch weiterhin gefördert / Sozialministerin Haderthauer besichtigte Einrichtung der Geschwister-Gummi-Stiftung

Kulmbach. Es wäre nicht die erste Jugendwerkstatt in Oberfranken, die ihren Betrieb und damit auch ihr segensreiches Wirken hätte einstellen müssen. Doch die Jugendwerkstatt Kulmbach der Geschwister-Gummi-Stiftung konnte gerettet werden. Im Gegensatz zu einer ähnlichen Jugendwerkstatt in Bayreuth, dieses Schicksal blieb Kulmbach erspart.

Noch vor sechs Wochen sei gar nicht sicher gewesen, ob es mit dem Projekt „Arbeiten und Lernen“ überhaupt noch weitergeht, sagte die stellvertretende Leiterin Claudia Morck am Donnerstagnachmittag beim Besuch der bayerischen Sozialministerin Christine Haderthauer. Sie haba sich eingesetzt für Kulmbach und zusammen habe man neue Wege in der Finanzierung gefunden, so Morck. „Dafür sind wir froh und außerordentlich dankbar“, sagte die stellvertretende Leiterin zur Ministerin. Claudia Morck sagte aber auch: „Wir werden weiterhin ihre Unterstützung benötigen.“

Nach den Worten der Ministerin wird die Jugendwerkstatt derzeit mit 200000 Euro pro Jahr für zehn Ausbildungsplätze durch ihr Ministerium gefördert. Dazu kämen 160000 Euro im Jahr für das Projekt „Arbeiten und Lernen“. Dabei sollen arbeitslose junge Leute ab 17 Jahren, deren soziale und berufliche Integration zu scheitern droht, wichtige Schlüsselqualifikationen für Beruf und Leben erhalten. In zahlreichen Bildungsmodulen erarbeiten sich die Jugendlichen, fachtheoretische, fachpraktische und vor allem lebenspraktische Inhalte.

Viele Jugendwerkstätten standen als bayerisches Spezifikum nach der sogenannten Instrumentenreform der Bundesregierung auf der Kippe. Mit dem Gesetz zur Verbesserung der Eingliederungschancen am Arbeitsmarkt sollten weitere arbeitsmarktpolitische Instrumente zusammengefasst beziehungsweise in Pflicht- in Ermessensleistungen umgewandelt werden.

Zur künftigen Finanzierung der Kulmbacher Jugendwerkstatt gehört es laut Haderthauer, dass eine Mitfinanzierung durch das Job-Center erreicht werden konnte. Kulmbach gelte damit auch als Vorreiter für andere Jugendwerkstätten.

Wenn es um Kinder- und Jugendhilfe geht, dann ist man in Kulmbach bei der Geschwister-Gummi-Stiftung an der richtigen Adresse, sagte der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel. Er nannte die Jugendwerkstatt beispielgeben für ganz Bayern. Oberbürgermeister Henry Schramm sprach von einer außerordentlich wichtigen Einrichtung für Kulmbach. Junge Leute, die etwas mehr benötigten, als einen Ausbildungsplatz, genau denen werde hier geholfen.

Die Kulmbacher Jugendwerkstatt der Geschwister-Gummi-Stiftung gibt es bereits seit 1986. Mit ihren Projekten ist sie seitdem zu einem festen Bestandteil der Jugendhilfe und der berufsbezogenen Qualifizierung von benachteiligten Jugendlichen im Landkreis geworden. Die Werkstatt stellt im Rahmen der bestehenden Gesetze marktfähige Produkte und Dienstleistungen her und gibt sie zu Marktpreisen ab. Hier wird also im Echtbetrieb für echte Auftraggeber gearbeitet. Jugendliche sollen hier die Möglichkeit haben, ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen, dabei stehen ihnen erfahrene Handwerker und Pädagogen zur Seite. Zur Jugendwerkstatt gehören eine Schreinerei, eine Malerei und eine Wäscherei.

Bild: Die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer besichtigte zusammen mit Mandatsträgern die Wäscherei der Kulmbacher Jugendwerkstatt.

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22.08.2013

Frühkindliche Bildung verbessern / Familienministerin Haderthauer besuchte Kinderhaus St. Vincenz

Bayreuth. Mit dem Katholischen Kinderhaus St. Vinzenz hat die bayerische Familienministerin Christine Haderthauer eine der führenden Kinderbetreuungseinrichtungen in Bayreuth besucht. Das Haus bietet Kindern und Eltern nicht nur flexibelste Öffnungszeiten, sondern auch Betreuungssicherheit in den Ferien, sagte die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer, die Haderthauer nach Bayreuth eingeladen hatte.

Genau diese Vorhaben würden mit dem neuen Bildungsfinanzierungsgesetz ab dem kommenden Kindergartenjahr besonders gefördert, kündigte die Ministerin an. Bei extra langen Öffnungszeiten werde künftig eine besondere Förderung möglich sein, so Haderthauer. Ihren Worten zufolge beträgt die Abdeckung mit Plätzen in den bayerischen Kindertagesstätten für ein- bis zweijährige derzeit 50 Prozent. Ziel seien 60 Prozent, denn genau diesen Bedarf hätten Umfragen ergeben. Die Stadt Bayreuth liege dabei mit 47 Prozent gut im Rennen. Ernsthafte Probleme gebe es lediglich in den Großstädten München und Nürnberg.

Träger des Kinderhauses St. Vinzenz ist die Katholische Kirchenstiftung Unsere Liebe Frau mit dem Pfarrer Dr. Christian Steger an der Spitze. Geleitet wird das Kinderhaus von Petra Ziegler, die bereits 1997 als Gruppenleiterin in St. Vinzenz begonnen hatte.

Während das Katholische Kinderhaus St. Vinzent Kinder zwischen 0 und 12 Jahren betreut, ist der Evangelische Kindergarten Bayreuth-Saas für Kinder zwischen 2 und 10 Jahren zuständig. „Diese breite Altersmischungen hätten auch viele Tücken, sagte Leiterin Nina Hauenstein. Gerade die Betreuung von Schulkindern erfordere mehr Kräfte als derzeit vorgesehen, sagte sie. Außerdem sprach sich Hauenstein für einen Bonus für Kinderbetreuungseinrichtungen aus, die auch ausbilden.  Schließlich sollten Krankheits- oder Schwangerschaftsvertretungen besser abgedeckt werden.

Bei dem Besuch der Ministerin im Kinderhaus St. Vinzent stellte Boris Wiedenhöfer, Referent für Familiengerecht Hochschule, auch das Projekt „Ferienspaß am Campus“ vor.  Aus der Not heraus habe ein Bayreuther Netzwerk vor fünf Jahren das Vorhaben gestartet, eine eigene Betreuung für Kinder von Behördenmitarbeitern anzubieten. Heuer fand die Betreuung zum ersten Mal auf dem Gelände der Universität Bayreuth statt.

Wie bereits im zurückliegenden Jahr seien die Kinder bei den Mitarbeitern der Johanniter Unfallhilfe in guten Händen gewesen. Zum vielfältigen Programm gehörten unter anderem das spielerische Erlernen bestimmter Themenfelder sowie eine bunte Mischung aus Bewegung, Kreativität und Natur. 2009 wurde der „Ferienspaß“ durch die Gleichstellungsbeauftragten des Bezirks Oberfranken ins Leben gerufen. Der Erfolg gibt den Initiatoren des Projekts Recht: 2013 seien wieder knapp 100 Kinder zum Ferienspaß angemeldet worden. Am Behördennetzwerk Bayreuth sind beteiligt: der Bezirk und die Regierung von Oberfranken, das Amtsgericht Bayreuth, die Deutsche Rentenversicherung und die Landwirtschaftliche Sozialversicherung, das Bayreuther Landratsamt Bayreuth, die Stadt Bayreuth, die Justizvollzugsanstalt, das Staatliches Bauamt, die Universität Bayreuth, das Zentrum Bayern Familie und Soziales sowie das Verwaltungsgericht.

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09.08.2013

Flaggschiff des Tourismus im Fichtelgebirge
CSU-Bürgerpreis für Arbeitskreis Waldhaus Mehlmeisel

Mehlmeisel. Für sein herausragendes bürgerschaftliches Engagement ist der Arbeitskreis Waldhaus Mehlmeisel mit dem Bürgerpreis der CSU Bayreuth-Land ausgezeichnet worden. Bei der Übergabe der Urkunde sagte Landtagspräsidentin Barbara Stamm zu, das Waldhaus zu unterstützen, damit es offiziell als Walderlebniszentrum anerkannt und dessen Bildungsarbeit künftig gefördert werden kann.

„Wenn Staat und Kommunen investieren und sich gemeinnützige Stiftungen einbringen, dann werden auch die Bürger bereit sein, sich zu engagieren“, sagte Barbara Stamm. Das Waldhaus Mehlmeisel sei dafür das beste Beispiel. Die Einrichtung biete Naturerfahrung, Stille, Vielfalt und Entschleunigung und beziehe vor allem Kinder in die Bildungsarbeit ein.

Nach den Worten von Bürgermeister Günter Pöllmann, der gleichzeitig Vorsitzender des Arbeitskreises ist, wurde das markante Gebäude des Waldhauses zu 50 Prozent mit europäischen Mitteln und zu 25 Prozent mit Geldern der Oberfrankenstiftung gefördert. Die Betriebskosten und die Kosten für das umfangreiche Bildungsprogramm müssten dagegen alleine von der Gemeinde geschultert werden. Schon allein aufgrund des beispielhaften Bildungsprogramms sollte das Waldhaus offiziell als Walderlebniszentrum anerkannt werden, fordert der Bürgermeister.

Pöllmann erinnerte auch an die Geschichte des Hauses, das ursprünglich nur als kleine Erweiterung eines bestehenden Waldmuseums gedacht war. Nachdem ein „Spiegelprojekt“ mit dem tschechischen Städtchen Bozi Dar in die Wege geleitet werden konnte, wurde im Jahr 2004 der Grundstein gelegt. Noch im gleichen Jahr entstand auch der Arbeitskreis, zu dem sich damals 27 engagierte Bürger zusammengefunden hatten. Heute umfasst der Zusammenschluss 40 Mitglieder. Er veranstaltet unter anderem regelmäßige Ausstellungen, Vorträge, Führungen, Exkursionen, Vogelstimmenwanderungen und das alljährliche Waldhausfest. Mit dem Erlös wird die Bildungsarbeit finanziert. „Vieles könnte nicht umgesetzt, manches nicht bezahlt werden, wenn es den Arbeitskreis nicht gäbe“, sagte Pöllmann.

Seit dem Jahr 2000 habe der CSU-Kreisverband Bayreuth-Land den Bürgerpreis bereits zwölf Mal vergeben, sagte der Vorsitzende, der Parlamentarische Finanzstaatssekretär und Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk. Als bisherige Preisträger nannte er unter anderem den Landjugend Kreisverband Bayreuth, die Kindertagesstätte Rotmainschlümpfe in Heinersreuth, die Stadtgarde Glückauf Pegnitz, die Pegnitzer Tafel, die Bürgerinitiative Buntes Warmensteinach und zuletzt den Förderverein zum Bau von Spielplätzen in Betzenstein. Koschyk bezeichnete das Waldhaus als Flaggschiff, das Jung und Alt an die Waldthematik heranführe und mittlerweile auch eine große touristische Bedeutung im Umfeld des Bayreuther Hauses besitze.

Mit dem Waldhaus sei die Gemeinde Mehlmeisel auf dem besten Weg, nicht nur die Winterzeit touristisch zu nutzen, sondern auch den Sommertourismus wieder anzukurbeln, sagte die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Als weiteren Schritt dazu nannte sie die Zusammenführung der Radwegenetze Oberfrankens und der Oberpfalz, bei der Mehlmeisel eine zentrale Rolle einnimmt. Der Arbeitskreis Waldhaus Mehlmeisel ist nach den Worten der Abgeordneten eine hervorragende Wahl für den Bürgerpreis, denn der Zusammenschluss sorge dafür, dass der Betrieb des Hauses auf hohem Niveau aufrechterhalten werden könne.

Die Forderung nach stärkerer Unterstützung bekräftige der 2. Vorsitzende des Arbeitskreises Karl Kuhbandner. Das Fichtelgebirge sollte versuchen, sich dem allgemeinen Trend entgegen zu stellen, indem seine positiven Seiten stärker herausgestellt werden. „Auch unsere Nachkommen sollen hier noch leben und arbeiten und ihre Heimat wiederfinden können“, so Kuhbandner. Einrichtungen wie das Waldhaus könnten dazu entscheidend beitragen.

Bild oben: CSU-Bürgerpreis für den Arbeitskreis Waldhaus Mehlmeisel (von links): Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Bürgermeister Günter Pöllmann, der 2. Vorsitzende Karl Kuhbandner, Staatssekretär Hartmut Koschyk, Schatzmeisterin Sabine Habla, Ludwig von Lerchenfeld,, Landrat Hermann Hübner und die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer.

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04.07.2013

„Stöbern in der Geschichte hat sich gelohnt“ / Nach Jahrzehnten ist das Türmerstübchen der Bayreuther Stadtkirche wieder öffentlich zugänglich

Bayreuth. Die Eröffnung des komplett renovierten Türmerstübchens im Nordturm der Stadtkirche ist schon ein kleiner Vorgeschmack auf den 1. Advent 2014. An diesem Tag werde die Kirche keine Baustelle mehr sein, an diesem Tag könne die Gemeinde endlich wieder feierlich in das Kirchenschiff einziehen, sagte Pfarrer Hans-Helmut Bayer bei einer kleinen Einweihungsfeier in luftiger Höhe.

Das Ende ist also absehbar, sagte Bayer, der sich noch gut an den Mai 2006 erinnert, als er eines Morgens auf dem Boden mitten im Kirchenschiff herabgefallene Mauer- und Putzbrocken fand. In der Folge wurde die erste umfassende Sanierung der Gebäudesubstanz seit rund 400 Jahren notwendig. Noch immer wird zwischen Altarraum bis zur Orgelempore kräftigt gewerkelt. Planen und Baugerüste bestimmen im Inneren das Bild.

Wie gut, dass jetzt wenigstens ein winzig kleiner erster Teilabschnitt wieder der Öffentlichkeit übergeben werden konnte. Dabei handelt es sich um das einst höchste Wohnzimmer der Stadt. Bis 1934 leistete dort Johann Münch als letzter Bayreuther Türmer seinen Dienst ab. Wie schon Jahrhunderte zuvor war es Aufgabe des Türmers, vor Feuer und Tumult zu warnen, die Glocken zu läuten, die Uhren zu stellen, die Einwohner der Stadt zu wecken. In früheren Jahrhunderten war der Türmer immer auch Stadtpfeifer und Stadtmusikant. Münch wohnte zusammen mit Frau und Kindern in dem alten Sandsteingemäuer, hielt dort Hasen und andere Tiere, und als wäre das alles noch nicht genug, betrieb er auch noch eine kleine Schusterwerkstatt.

Große Verdienste um die Erinnerung an die Zeit der Türmer hat sich Turmführer Bernd Schwemmlein erworben. Er veröffentlichte nicht nur vor drei Jahren ein kleines Büchlein mit allerhand Wissenswerten um die Stadtkirche, ihre Türme und Türmer, sondern habe sich bei der Wiederherstellung des Türmerstübchens in herausragender Weise engagiert, wie Pfarrer Bayern und Bernhard Wanitzek, Vertrauensmann im Kirchenvorstand bei dem ungewöhnlichen Ortstermin feststellten.

Unter anderem richtete Schwemmlein eine Vitrine mit Fundstücken aus der damaligen Türmerwohnung im Pfarrhaus ein, kümmerte sich darum, dass teilweise die Original-Wandbemalung wieder zum Vorschein kam, und dass alles wieder so hergerichtet wurde, wie es einmal war. Seine Forschungsarbeiten stützt Schwemmlein hauptsächlich auf Gespräche mit Helmut Münch und Ursula Chromik, dem Enkel und der Urenkelin des letzten Stadtkirchentürmers Johann Münch.

„Das Stöbern in der Geschichte hat sich gelohnt“, sagte Schwemmlein, dem Vertrauensmann Wanitzek als Dank für seinen Einsatz ein historisches Signalrohr überreichte. Schwemmlein hatte es nicht nur geschafft, eine zeitgenössische Lampe aus dem Jahr 1907 VdE-gerecht in luftiger Höhe zu installieren, er hatte auch herausgefunden, dass die originale Wohnung tatsächlich dreistöckig war. Ganz unten war eine Art Schlafstube, in der Mitte eine Art Wohnküche und ganz oben unter der Turmspitze und nur mit einer Leiter zugänglich die kleine Werkstatt. Die unteren beiden Räume sind im Zuge von Turnführungen jetzt wieder öffentlich zu begehen.

Bilder:
- Turmblasen vor der einstigen Türmerwohnung mit dem Posaunenchor unter der Leitung von Dekanatskantor Michael Dorn.
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 Bernhard Wanitzek (rechts) vom Kirchenvorstand überreichte Bernhard Schwemmlein (links) ein zeitgenössisches Blasinstrument und gab zum Vergnügen von Stadtkirchenpfarrer Hans-Helmut Bayer (Mitte) gleich eine Kostprobe seines Könnens.
- Die Schlafkammer im Nordturm der Bayreuther Stadtkirche.

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04.07.2013

Optimale Voraussetzungen für Forschung und Lehre
Universität nahm rund 20 Millionen Euro teures Gebäude „Naturwissenschaften III“ in Betrieb – Kritik: Einige Firmen hätten Bauboom ausgenutzt

Bayreuth. 16,6 Millionen Euro waren veranschlagt, 19,5 Millionen Euro hat es letztlich gekostet: das neue Labor- und Praktikumsgebäude Naturwissenschaften III auf dem Campus der Universität Bayreuth. Für Kanzler Markus Zanner „sicher keine Punktlandung, doch noch lange nicht so schlimm, wie beim Berliner Hauptstadtflughafen“. Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch hingegen sagte zu der Steigerung der Kosten von rund drei Millionen: „Schön ist es nicht, das Geld fehlt jetzt woanders und wir haben schon unheimlich viele Vorhaben auf der langen Bank.“ Immerhin gebe es in Bayern allein neun Universitäten und 17 Hochschulen für angewandte Wissenschaften.

Minister Heubisch stellte bei der Einweihung aber auch klar, dass Geld, das für die Universität Bayreuth ausgegeben wird, gut angelegtes Geld ist. Bayreuth muss auch weiter „on top“ bleiben, sagte der liberale Wissenschaftsminister. Inklusive der Ersteinrichtung kam der Minister sogar auf rund 24 Millionen Euro, dafür seien aber auch optimale Voraussetzungen für Forschung und Lehre geschaffen worden.

An dem neuen Labor- und Praktikumsgebäude wurde rund zweieinhalb Jahre gebaut. Im Inneren sind die Lehrstühle Material- und Prozesssimulation sowie Mechatronik der Fakultät für Ingenieurwissenschaften und die Lehrstühle der Fachgruppe Biochemie untergebracht. Vier Büros sind für die Geowissenschaften vorgesehen. Der neue Supercomputer der Universität Bayreuth, der Linux-Cluster-Rechnerverbund, hat ebenfalls seinen Standort im neuen NW III.

„Insbesondere die Rahmenbedingungen für Forschungsaktivitäten der Wissenschaftler sowie der Studierenden werden sich dadurch weiter verbessern“, erklärt Kanzler Zanner. Das Gebäude weist 3335 Quadratmeter Nutzfläche für Büro-, Labor- und Praktikumsräume aus, einen Hörsaal mit 170 Plätzen sowie acht Seminarräume. Die Baukosten werden aus dem Ausbauprogramm „Steigende Studierendenzahlen“ des Freistaates Bayern finanziert.

Am Rande der Einweihung übte Kanzler Zanner leise Kritik an einigen Firmen, die den derzeitigen Bauboom wohl etwas ausnutzen würden. Bei einigen Dingen habe sich ein „halbschariger Standard“, also ein Standard von zweifelhafter Qualität, entwickelt. „Wir hatten alle Hände voll zu tun, um die Dinge wieder geradezurücken, sagte er.

Der Neubau stelle eine deutliche Verbesserung für die Raumsituation an der Universität Bayreuth dar, so Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. Damit stehe Bayreuth für Dynamik und Zukunft, schließlich habe erst vor wenigen Tagen ein neues Ranking der Universität Bayreuth weltweit Platz 40 unter allen Hochschulen, die nicht älter als 50 Jahre sind attestiert

An der Universität Bayreuth sind derzeit rund 11000 Studierende in rund 100 verschiedenen Studiengängen an sechs Fakultäten immatrikuliert. Mit etwa 1500 wissenschaftlichen Beschäftigten, davon 225 Professoren und rund 1000 nichtwissenschaftlichen Mitarbeitern ist die Universität Bayreuth der größte Arbeitgeber der Region.

Bilder:
- Futuristischer Baustil: das neue Gebäude Naturwissenschaften III auf dem Campus der Universität Bayreuth hat knapp 20 Millionen Euro gekostet.
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Feierliche Schlüsselübergabe zur Eröffnung (von links): Baudirektor Johann Hanfstingl vom Staatlichen Bauamt, Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch und die beiden Dekane der betreffenden Fakultäten Professor Andreas Jess und Professorin Beate Lohnert.

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23.06.2013

Königspavillon und Sonnentempel:
Neue Sonderbriefmarke mit Bayreuth-Motiv vorgestellt

Bayreuth. Wenige Wochen nach Vorstellung der Sonderbriefmarke zum 200. Geburtstag Richard Wagners steht Bayreuth erneut im Mittelpunkt einer Sonderbriefmarke. Das Bundesfinanzministerium als Herausgeber hat in diesem Jahr seine Gemeinschaftsbriefmarken den herausragenden Beziehungen zwischen Südkorea und Deutschland gewidmet. Trotz einer Millionenauflage gelten die beiden Postwertzeichen schon jetzt als philatelistische Besonderheit. Die Marken zeigen den Hyangwonjeong Pavillon des königlichen Hauptpalastes in Seoul und den Sonnentempel der markgräflichen Eremitage in Bayreuth. Dort hat der Parlamentarische Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk die Marken am Sonntag vorgestellt und wertvolle Ersttagsalben an den koreanischen Botschafter Kim Jae-shin und an den für die Eremitage zuständigen Präsidenten der Bayerischen Schlösserverwaltung Bernd Schreiber überreicht.

Die Motive der Marken seien diesmal dem Thema „Traditionelle Gärten“ gewidmet, sagte Finanzstaatssekretär Koschyk. Hintergrund sei das reiche kulturelle Erbe beider Länder, das sich in ihren historischen Gärten niederschlägt. Die beiden dargestellten Tempel hätten nicht nur jede Menge Gemeinsamkeiten, sondern stellten beide auch gute Symbole für den Brückenschlag beider Länder dar.

Botschafter Kim Jae-shin erinnerte an zwei bedeutsame Jubiläen in der Geschichte beider Länder: so sei vor 50 Jahren der Anwerbevertrag zur Gewinnung von Arbeitskräften zwischen Deutschland und Korea abgeschlossen worden. Zum anderen reiche die Unterzeichnung des ersten Deutsch-Koreanischen Handels- Schifffahrts- und Freundschaftsvertrages genau 130 Jahre zurück. Aber auch heute gebe es viele Gemeinsamkeiten zwischen beiden Ländern, bis hin zur extrem starken Exportprägung beider Länder und der Tatsache, dass jeweils starke Frauen an der Spitze der jeweiligen Regierung stehen.

Auf die „gigantische Asien-Begeisterung“, die am Hof der Bayreuther Markgrafen herrschte und die ganz besonders für die Wahl des Sonnentempels als Motiv spricht, ging der Präsident der Schlösserverwaltung Bernd Schreiber ein. Asien sei im 18. Jahrhundert von den Europäern als das „gelobte Land“ angesehen worden, in dem die Menschen in Glück und Zufriedenheit leben und die gesellschaftlichen Kräfte unter der Fürsorge des Herrschers in einem harmonischen Gleichgewicht stehen. Asiatische Darstellungen seien deshalb an den europäischen Höfen sehr beliebt gewesen. Von ihnen sei auch immer die Botschaft ausgegangen, dass der europäische Herrscher genauso für Wohlergehen, Friede und Harmonie seiner Untertanen sorgen möge. Schreiber: „Die Wahl des Motives auf dem philatelistischen Leckerbissen hätte kaum passender getroffen werden können, um die freundschaftlichen Beziehungen zur Republik Korea zum Ausdruck zu bringen.“

Der Hyangwonjeong Pavillon des Gyeongbokgung Palastes in Seoul, den die Marke mit dem postalischen Wert von 1,50 Euro zeigt, wurde bereits im Jahr 1395 vollendet. Mit der Fertigstellung wurde die Hauptstadt von Gaeseong nach Seoul verlegt. Der neue Palast erhielt den Namen Gyeongbokgung, was so viel bedeutet wie: „durch den Himmel gesegneter Palast“.

Der Sonnentempel des Neuen Schlosses der Bayreuther Eremitage ist als Motiv auf der Briefmarke mit dem postalischen Wert von 75 Cent zu sehen. Der Tempel ist Mittelpunkt der 1753 vollendeten ovalen Anlage, die reich an Verweisen auf die antike Mythologie ist. Markgräfin Wilhelmine huldigte hier dem griechischen Sonnengott Apoll, der von seinem himmlischen Palast aus das Licht in die Welt bringt. Den krönenden Abschluss des Bauwerks bildet auf dem Kuppeldach die vergoldete Figurengruppe des Sonnengottes auf seinem von vier Pferden gezogenen Wagen.

Die Motive hatte der Koreanische Grafiker Jae-Yong Shin gestaltet. Beide Marken sind ab sofort in den Filialen der Deutschen Post erhältlich.

Bild oben: Der südkoreanische Botschafter Kim Jae-shin (links) und der für die Eremitage zuständige Präsident der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung Bernd Schreiber (rechts) erhielten aus den Händen des Parlamentarischen Finanzstaatssekretärs Hartmut Koschyk Ersttagsausgaben der neuen deutsch-koreanischen Gemeinschaftsmarken.

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16.06.2013

Wissenschaft kennt keine kulturellen Grenzen
Sara Stroumsa bei erster Goldkronacher „Kosmos-Vorlesung“

Goldkronach. Die Wissenschaft kann dazu beitragen, verschiedene Religionen, Kulturen und ethnische Gemeinschaften näher zusammenzubringen. Das sagt Sarah Stroumsa, Professorin an der Universität von Jerusalem und Trägerin des Forschungspreises der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Am Sonntag war die renommierten Islamwissenschaftlerin und Judaistin bei der ersten Goldkronacher „Kosmos-Vorlesung“ in der dortigen Stadtkirche zu Gast.

Sarah Stroumsa erforscht die gemeinsame Geistesgeschichte von Juden, Muslimen und Christen. Derzeit ist die ehemalige Rektorin der Hebräischen Universität in Jerusalem als Alexander-von-Humboldt-Stipendiatin ein Jahr lang an der Freien Universität Berlin zu Gast. Ausgehend vom Beziehungsgeflecht zwischen Christen, Juden und Muslimen im Mittelalter geht es der Wissenschaftlerin um den interreligiösen Dialog und um das Zusammenleben von Juden und Palästinensern im Nahen Osten.

Ein großes Anliegen ist Sara Stroumsa der akademische Austausch über politische Grenzen hinweg.  Zu diesem Zweck hat Stroumsa mit einem palästinensischen Kollegen vor einigen Jahren eine Online-Plattform unter dem Namen „intellectual Encounters“ ins Leben gerufen, um sich gegenseitig Informationen ohne Barrieren zugänglich zu machen. Ihrer Meinung nach besteht die Hauptaufgabe einer Universität darin, Brücken zu schlagen, sagte die Professorin, die zuletzt in Berlin mit dem Forschungspreis der Alexander-von-Humboldt-Stiftung ausgezeichnet wurde.

Auf der Online-Plattform ist deshalb im Laufe der Zeit eine virtuelle Bibliothek mit philosophischen und geschichtlichen Werken entstanden, die unterschiedliche Anschauungen vertreten und die von verschiedenen ethnischen, religiösen und kulturellen Gruppen stammen. Palästinensische , israelische, amerikanische und deutsche Studenten finden sich aber nicht nur online auf dieser Plattform wieder. Es gibt auch regelmäßige reale Begegnungen in Form von Kursen oder Workshops.

Zu Alexander von Humboldt merkte Sara Stroumsa an, dass es sein oberstes Ziel gewesen sei, die Natur als großes Ganzes zu verstehen. Dabei habe er sich aber auch immer wieder mit den Notlagen der Bevölkerung beschäftigt, Missstände angeprangert, sich um die Schulbildung und den allgemeinen Wohlstand gesorgt. „Seine Erkenntnisse für ein besseres Leben der Menschen nutzbar zu machen, das war Humboldts Anliegen.“

Alexander von Humboldt selbst hatte nach den Worten des Parlamentarischen Finanzstaatssekretärs Hartmut Koschyk bereits 1826 in der Berliner Singakademie so genannte „Kosmos-Vorlesungen“ gegeben. Sie galten damals als kultureller Höhepunkt in Berlin. „Mit den Goldkronacher Kosmos-Vorlesungen wollen wir an diese Tradition anknüpfen“, sagte Koschyk. Aus Humboldts Vorlesungen heraus sei damals das fünfbändige Werk „Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung“ entstanden. Alexander von Humboldt hatte darin erstmals den Versuch unternommen, dem Leser eine Gesamtschau seiner wissenschaftlichen Welterforschung zu vermitteln.

Dr. Steffen Mehlich, Leiter der Abteilung Förderung der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, machte die große Bedeutung der Stiftung an den vielen prominenten „Humboldtianern“ fest. 49 von Ihnen seien im Laufe der Geschichte bereits mit einem Nobelpreis ausgezeichnet worden, zuletzt der französische Quantenphysiker Serge Haroche für die Entwicklung bahnbrechender experimenteller Methoden, die es ermöglichen, Quantensysteme zu manipulieren. Schon im Mittelalter habe es verschiedene Querverbindungen zwischen unterschiedlichen Denkwelten gegeben, sagte Professor Christoph Bochinger, Inhaber des Lehrstuhls Religionswissenschaft an der Universität Bayreuth. Schon damals habe die religiöse Prägung die Wissenschaft nicht daran gehindert, in den kulturellen Austausch zu treten.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung in der Goldkronacher Stadtkirche vom Bayreuther Zamirchor (Bild) mit der Sopranistin Barbara Baier und unter der Leitung von Roland Vieweg. Beim Zamirchor handelt es sich um einen 2006 gegründeten gemischten Laienchor mit rund 35 Mitgliedern, der es trotz seines relativ kurzen Bestehens schon zu Auftritten bei den Vereinten Nationen in Genf und in New York geschafft hat. Dabei steht für Barbara Baier nicht nur die Musik, sondern  auch die Völkerverständigung im Vordergrund: „Das Miteinander von Israelis und Deutschen, von Christen und Juden ist unser Hauptanliegen“, so die Leiterin.

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05.06.2013

Bisheriger Vize wird neuer Präsident / Stefan Leible steht in den kommenden sechs Jahren an der Spitze der Universität Bayreuth

Bayreuth. Der 49-jährige Jurist Stefan Leible ist neuer Präsident der Universität Bayreuth. Das hat die Spitze der Hochschule am frühen Mittwochnachmittag bekannt gegeben. Vorausgegangen war ein zwei Tage andauerndes, kompliziertes Verfahren, in dem sich Leible gegen den Bayreuther Ingenieurwissenschaftler Dieter Brüggemann und den Biochemiker Robert Seckler aus Potsdam durchsetzen konnte. Genaue Abstimmungsergebnisse gab die Universität Bayreuth nicht bekannt. Der bisherige Vizepräsident tritt nun die Nachfolge von Rüdiger Bormann an, der seit dem Jahr 2009 an der Spitze der Hochschule stand und der Anfang des Jahres tödlich verunglückt war.

Bereits am Dienstag konnten alle drei Bewerber vor Studenten und Mitarbeitern der Hochschule in einer öffentlichen Veranstaltung ihre Bewerbungsreden halten und dabei ihre geplanten Schwerpunkte vorstellen. Am Abend folgten dann Beratungen des Hochschulrates und des Senats der Universität. Am Mittwochmorgen dann fand die eigentliche Wahl in nichtöffentlicher Sitzung der beiden Gremien getrennt und geheim statt. Beide konnten sich bereits im ersten Wahlgang auf Leible einigen, das Ergebnis machte bereits am Vormittag die Runde.

Bis zur offiziellen Bekanntgabe durch den Vorsitzenden des Hochschulrates Stephan Bieri, den stellvertretenden Senatsvorsitzenden Christoph Bochinger und Universitätskanzler Markus Zanner dauerte es aber dann doch bis zum Nachmittag. Der genaue Ausgang der Wahl und die Stimmverteilung wurden dabei nicht öffentlich bekannt gegeben, um den Ruf der beiden unterlegenen Kandidaten zu wahren. Christoph Bochinger, Vorsitzender des Senats, sagte lediglich: „Alle Bewerber erhielten Stimmen.“

„Bayreuth steht bundesweit sehr gut da“, sagte der neue Präsident Stefan Leible, der im Juli seine Ernennungsurkunde erhalten und noch im Sommer seine Amtsgeschäfte aufnehmen soll. Oberstes Ziel sei für ihn, dass Bayreuth bis zum Jahr 2020 zur „absoluten Spitzengruppe deutscher Hochschulen“ gehören soll. Erreichen will er das unter anderem mit dem weiteren Ausbau der interdisziplinären Studiengänge, mit einer weiteren Internationalisierung in Forschung und Lehre sowie mit strategischen Allianzen mit den benachbarten Universitäten. Als größtes Manko in Bayreuth bezeichnete Leible das Fehlen außeruniversitärer Forschungseinrichtungen und die noch immer nicht genutzte Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaft. „Hier gibt es deutlichen Nachholbedarf“, so Leible.

Als Fachgebiete Leibles gelten das internationale Wirtschafts-, Internet- und Lebensmittelrecht. Er wurde im schleswig-holsteinischen Bad Schwartau geboren und war bereits seit 2013 Vizepräsident der Universität Bayreuth. Leible ist der erste Präsident in Bayreuth, der hier auch studiert hat, promoviert wurde und sich habilitierte. Nachdem er fünf Jahre Erfahrungen als Inhaber eines Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Zivilprozessrecht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena sammeln konnte, war er 2006 an seine Alma Mater zurückgekehrt.

Leible ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seine Amtszeit dauert sechs Jahre, eine einmalige Wiederwahl ist möglich. Bisherige Universitätspräsidenten waren bis 1991 der Jurist und gleichzeitig Gründungspräsident Klaus D. Wolff, der Physiker Helmut Büttner (1991 bis 1997), der Geograf Helmut Ruppert (1997 bis 2009) und schließlich der Physiker Rüdiger Bormann (2009 bis zu seinem Tod im Januar 2013). An der Universität sind derzeit rund 11000 Studenten eingeschrieben, zu Beginn des kommenden Wintersemesters sollen es über 12000 sein. Dazu kommen über 220 Professoren und Juniorprofessoren, die an der Hochschule forschen und lehren.

Bild: Erfolgreiche Zukunft für die Universität Bayreuth: Stefan Leible (49) ist am Mittwoch zum neuen Präsidenten der Hochschule gewählt worden.

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12.05.2013

In Pegnitz ging es wieder einmal um die Wurst:
Juxveranstaltung und ernster Wettkampf zugleich / 3. Fränkischer Bratwurstgipfel lockte erneut rund 20000 Besucher in den Wiesweiherpark

Pegnitz. 16 Metzgereien, 32 verschiedene Bratwurstsorten und um die 20000 Besucher: zum 3. Mal haben sich am Sonntag Metzger aus ganz Franken in Pegnitz (Landkreis Bayreuth) zu einem ausgeklügelten Bratwurstwettbewerb getroffen. Kaum eine andere Veranstaltung hat es jemals geschafft, für die fränkische Bratwurst als Kultobjekt und Streitpunkt zugleich so viel Aufmerksamkeit zu erreichen. Wer macht die beste Bratwurst und welche schmeckt am besten? Diese Fragen werden seit drei Jahren mit riesigem Aufwand und riesigem Zuspruch immer wieder aufs Neue geklärt.

Fein, halbgrob oder grob. Einzeln, als Paar oder im Dreierpack. In der Semmel, auf Kraut, als Beilage oder als Hauptgericht, mit oder ohne Senf. Wie kaum ein anderer Leckerbissen verkörpert die fränkische Bratwurst Vielfalt und Genuss. Jede teilnehmende Metzgerei durfte deshalb auch heuer wieder zwei Bratwurstspezialitäten ins Rennen schicken, und zwar eine sogenannte „Kreativbratwurst“ und eine klassische Bratwurst.

„Erlaubt ist, was schmeckt“, erläuterte Bernd Sauer von der Handwerkskammer. Und tatsächlich landeten in diesem Jahr auf dem Grill: eine Winzerbratwurst mit Silvaner, eine Bruschettta-Bratwurst, eine Bamberger Zwiebelbratwurst, eine vegetarische Bratwurst und viele andere verrückte Kreationen. Die Kategorie klassische Bratwurst reichte unter anderem von der Coburger Bratwurst, traditionell auf Kiefernzapfen gegrillt, über die Würzburger Bratwurst und zum ersten Mal waren auch echte Nürnberger Bratwürste im Rennen.

„Der Fränkischer Bratwurstgipfel lässt sich als Mischung aus Kulinarik, Information, Unterhaltung, Verkostung und Wettbewerb umschreiben“, sagte Sauer. Als Herzstück bezeichnete er die verschiedenen Verkostungswettbewerbe durch bunt zusammengesetzte Promi- und Expertenjurys. Sie sollten die Besucher anregen, sich intensiv mit den verschiedenen Bratwürsten zu beschäftigen. Gleichzeitig hatten die Besucher Gelegenheit über einen Bewertungsbogen vor Ort, ihre Lieblings-Metzgerei zu bestimmen.

Viele tippten dabei auf die Rödentaler Fleischerei Glumbik. Sie veredelt die fränkische Leibspeise mit Mozzarella, Tomaten und raffinierten Gewürzen und vermarktet sie als Bruschetta-Bratwürste. Nach den Worten von Metzgermeister Frank Glumbik kommen zum mittelfeinen Brät Mozzarella, getrocknete Tomatenstückchen und Gewürze dazu. Bei den klassischen Bratwürsten schickte Glumbik eine typische mittelfeine Coburger ins Rennen und erzielte damit prompt Platz 1 im der Sparte Klassische Bratwurst“. „Doch egal, ob klassisch oder kreativ: Es kommt in erster Linie auf das Fleisch und den Speck an“, so der Metzgermeister aus Rödental.

Konkurrenz bekam Glumbik unter anderem von der Metzgerei Brehm aus Dietersdorf bei Seßlach. In der Kategorie „Bratwurst klassisch“ startete Markus Brehm mit einer groben Coburger Hausmacher. In der Kategorie Kreativ mit einem Dietersdorfer Gourmet-Zipfel. Bei ihm kommen zum feinen Brät Kräuter, Spinat und Käse.

Außer Konkurrenz dabei war diesmal auch Matthias Puchtler aus Friedmannsdorf bei Zell im Fichtelgebirge mit seiner Forellenräucherei. Die Veranstalter hätten zu dem vielfältigen Bratwurstangebot auch eine Alternative bieten wollen, sagt Puchtler, deshalb sei er eingeladen worden. An einer Fischbratwurst arbeite er bereits. Puchtler war im März von der Handwerkskammer mit dem Design- und Erfinderpreis ausgezeichnet worden. Damit wurde seine Kreation gewürdigt, bei der ein Forellenfilet in ein Roggenbrötchen eingebacken wird.

Begleitet wurde die außergewöhnliche Mischung aus Bratwurstwettbewerb und Genussfest unter anderem von der Musik der „Peterlesboam Revival Band“ und dem Kabarettisten „Mäc Härder“. Organisiert wurde der Bratwurstgipfel von der Stadt Pegnitz, dem Verein Genussregion Oberfranken, unterstützt durch die fränkischen Handwerkskammern, das Wirtschaftsband A9 und weitere Sponsoren. In beiden vergangenen Jahren hatte mit der Metzgerei Max aus Hof (2011 und der Metzgerei Lindner aus Pegnitz (2012) immer Metzgereien aus Oberfranken gewonnen.

Bilder:
-   Metzgermeisterin Nina Weiss aus Nürnberg;
-   Bratwürste auf Grill;
-   Schülerinnen der Pegnitzer Hotelfachschule richteten die Probierteller her;
- 16 Metzgermeister aus drei Regierungsbezirken waren in Pegnitz beim3. Fränkischen Bratwurstgipfel an den Start gegangen.

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04.05.2013

Mit den Superstars der 80er in die Open- Air-Saison
Nordbayerns größte Partymeile: E.L.O und Mike Rutherford zogen bei Maisels Weißbierfest alle Register

Bayreuth. Trotz kühler Temperaturen haben am Wochenende mehrere zehntausend Besucher das Weißbierfest der Brauerei Gebrüder Maisel in Bayreuth besucht. Mit der britischen Rockband E.L.O (Electric Light Orchestra) und Mike & the Mechanics waren es vor allem die beiden Spitzenbands der 1980er Jahre, die bei freiem Eintritt teilweise sogar Fans aus dem Ausland anlockten und die aus dem Brauereigelände an der Hindenburgstraße Nordbayerns größte Partymeile machten.

Sowohl „E.L.O – The Orchestra“, so die offizielle Bezeichnung, als auch Mike & the Mechanics hatten ihre großen Erfolge in den 80er Jahren. Klassischer Rock, ehrlich und engagiert, war das Motto für die Rock-Classics-Nacht am Samstag. Den Auftakt machte E.L.O mit der für die Formation typischen Mischung aus orchestralen, elektronischen Klängen und typischen Streicherarrangements sowie Hits wie „Can’t geht you out of my head“, „Xanadu“  oder dem legendären „Don’t bring me down“, das erst als Zugabe erklang. Bereits 1970 wurde die Band gegründet und 1987 offiziell aufgelöst. Erst 2000 kam es zu einer Neugründung, allerdings ohne den bekannten Frontman Jeff Lynne.

Noch einen drauf setzten zur mitternächtlichen Stunde Mike & the Mechanics. Mit den damaligen Top-Ten-Hits „Silent Running“ und „All I Need Is A Miracle“ brachten Genesis-Gründungsmitglied Mike Rutherford und seine Band die ausgeräumte Weißbierhalle zum Toben. Von seiner Ausstrahlung hat Mike Rutherford in all den Jahren nichts eingebüßt, waren sich die Fans einig. Eigentlich hatte Mike Rutherford die Formation Mike & The Mechanics 1984 als reines Nebenprojekt ins Leben gerufen. Kaum jemand hätte damals ahnen können, dass die Band in den folgenden zwanzig Jahren mehr als zehn Millionen Alben weltweit verkaufen würde. Nach fast zehnjähriger Pause war im April 2011 mit „The Road“ ein neues Album der legendären Formation - in neuer Besetzung erschienen. Mit Andrew Roachford war es Mike Rutherford dabei gelungen, einen der erfolgreichsten britischen R&B-Sänger der 90-er Jahre zu verpflichten. Zusammen mit Tim Howar leiht er der Band dabei nicht nur seine Stimme, er ist auch als Co-Songwriter in die Entstehung des neuen Hitmaterials eingebunden.

Als lokale Band zwischen den Weltstars heizten am Samstag Christine Set the Scene den Besuchern ein. Vor den Auftritten hatten jeweils ein halbes Dutzend Fans die Gelegenheit, sowohl E.L.O als auch Mike & the Mechanics bei einem so genannten „Meet and Greet“ persönlich kennen zu lernen. Sämtliche Bandmitglieder schrieben fleißig Autogramme, gaben Interviews und ließen sich bestens gelaunt mit ihren Fans fotografieren.

Auch in diesem Jahr waren beim Brauereifest, das traditionell als inoffizieller Auftakt der Open-Air-Saison gilt, wieder an allen vier Abenden prominente Live-Acts zu erleben. Zum Opening gab es bereits am Donnerstag Guildo Horn und seine Band „Die orthopädischen Strümpfe“ bei Bayreuths größter Uni-Fete. Am Freitag ließen Cover-Hits mit Bonnie & Clyde, der Band Paranotes und Quarterpack, einer neuen, regionale Formation von den Gründern der Sound Xpression die Festhalle beben.

Höhepunkt im Rahmenprogramm war mit dem 11. Maisels Fun-Run am Sonntagvormittag Bayreuths größte Laufveranstaltung, bei der auch diesmal wieder mit über 2500 Läufern ein neuer Rekord aufgestellt wurde. Sämtliche Läufer hatten sich auf einen Viertel- und einen Halbmarathon-Rundkurs durch die Innenstadt gemacht. Die Strecke führte dabei vorbei an den Sehenswürdigkeiten der Stadt, mitten durchs Gelände der Universität und wieder zurück zum Weißbierfest. „Der Spaß steht bei diesem FunRun im Vordergrund“, sagte Brauereichef Jeff Maisel. Es komme nicht nur auf Bestzeiten an, dabei sein ist alles und gerade deshalb sei der FunRun bei Neueinsteigern in den Laufsport so beliebt. Läufer in Kostümen, Firmen-Teams oder andere Kuriositäten wie einem Rückwärtsläufer (!) sind beim FunRun seit Jahren üblich. An der Strecke sorgen nicht nur die Sportbegeisterten für Motivation, es gab auch Musik mit Samba-Gruppen, ehe das Fest am Sonntag wieder mit der „Heavy Volxmusic“ von den „Troglauer Buam“, der Hausband der Brauerei Maisel, ausklang.

Bilder (von oben):
- E.L.O (v.l.): Mik Kaminski, Parthenon Huxley und Glen Burtnik.
- Mike & the Mechanics – Mike Rutherford mit Gitarre
- E.L.O (v.l.): Mik Kaminski und Parthenon Huxley.
- Mike & the Mechanice – Mike Rutherford

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04.05.2013

Kirche ist wieder gesund / Festgottesdienst und Fotoausstellung: Emtmannsberger Bartholomäuskirche wiedereingeweiht

Emtmannsberg. Nach knapp zwei Jahren Bauzeit ist am Samstag die grundlegend sanierte Bartholomäuskirche in Emtmannsberg mit einem Festgottesdienst wiedereingeweiht worden.  Auslöser für die rund 1,5 Millionen Euro teure Sanierung war, dass Feuchtigkeit in das Kirchschiff und in den Kirchturm eingedrungen war und sich die morschen Dachbalken verschoben hatten. Selbst die Kirchenglocken mussten daraufhin schweigen, weil die Statik nicht mehr garantiert werden konnte. Im Zuge der Arbeiten wurden nicht nur die tragenden Balken neu ausgerichtet und das Dach neu eingedeckt, sondern auch das komplette Gemäuer wetterfest gemacht.

Der Kirchenraum sei hoch gefährdet gewesen, sagte Regionalbischöfin Dorothea Greiner. „Vielleicht gäbe es ihn schon nicht mehr, wäre der Schaden nicht festgestellt worden.“ Bei großen Schwingungen hätte der ganze Turm einstürzen und auf den Kirchenraum fallen können. Faktisch sei deshalb der gesamte Glockenturm, der sich über Sakristei und Freskenraum erhebt, über ein Jahr nicht betretbar gewesen. Die Sakristei als wichtiger Sakralraum konnte erst zum Festgottesdienst wieder neu in Gebrauch genommen werden. Nun sei die Gefahr gebannt. Die Gemeinde könne wieder ungefährdet bei Glockengeläut im Gottesdienstraum sitzen. Greiner: „Ihre Kirche ist wieder gesund.“

Pfarrerin Beate Wihowski freute sich, dass die Emtmannsberger Pfarrkirche nach vielen anstrengenden Jahren voller Planen, Sammeln, dem Abhalten von zahlreichen Veranstaltungen, wie der Verkauf von Christbäumen oder die Versteigerung von bemalten Straußeneiern, wieder wunderschön saniert werden konnte. „Glücklich sind wir auch über den neuen Anstrich, dessen freundliche Farbgebung unsere Kirche schon von aller Weite wahrnehmen lässt.“

Die Emtmannsberger Bartholomäuskirche  geht auf die Burgkapelle St. Peter aus dem 13. Jahrhundert zurück. 1666 erfolgten eine Umgestaltung und eine Erweiterung nach Nord-West. Durch Markgraf Friedrich, zugleich Patronatsherr, erhielt die Kirche 1749 als Markgrafenkirche ihre jetzige Gestalt. Damit sei der Standort der Kirche mindestens über sieben volle Jahrhunderte hinweg ein Ort des Gebets, sagte Regionalbischöfin Greiner.

Vor dem Festgottesdienst mit Regionalbischöfin Dorothea Greiner wurde in der alten Schule neben der Kirche die Ausstellung „Blumen, Blüten und Vergehen“ des Ahorntaler Fotografen Ernst Tränkenschuh eröffnet. Die Ausstellung zeigt rund 40 großformatige Fotografien, von denen die meisten zum ersten Mal öffentlich zu sehen sind. Ihm sei es ein Bedürfnis, Blumen und Blüten so schlicht und einfach wie möglich abzubilden, um so die feinsten Details dieser architektonischen Meisterwerke zu zeigen, sagte Tränkenschuh. Der Fotograf beschrieb die Blume bei der Vernisssage als Verkörperung aller Widersprüche, die im Inneren schwelgen: Von der Anmut und Grazie, über die Geschmeidigkeit und Üppigkeit bis hin zum würdevollen Verblassen, Verwelken und Sterben.

Die Ausstellung kann bis zum 9. Juni, jeweils Dienstag und Freitag von 9 bis 12 Uhr, sowie im Anschluss an den Gottesdienst besichtigt werden. Unter 09209//246 können auch Führungen vereinbart werden. Sämtliche Bilder können käuflich erworben werden, 15 Prozent des Erlöses kommen dabei der Sanierung der Fresken in der Bartholomäuskirche zugute.

Bilder:
-   Die sanierte Emtmannsberger Bartholomäuskirche.
- „Der segnende Engel“ heißt diese Fotografie von Ernst Tränkenschuh (links), die in der Ausstellung zu sehen ist. Die Großaufnahme einer Orchideenblüte wird als Geschenk des Parlamentarischen Finanzstaatssekretärs Hartmut Koschyk (rechts) dauerhaft in Emtmannsberg bleiben. Bild Mitte: Pfarrerin Beate Wihowski.

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17.04.2013

Leuchtturmprojekt gelebter Inklusion / Geheimtipp in der Bayreuther Gastro-Szene: Das Café Samocca beschäftigt 13 Mitarbeiter mit psychisch und geistiger Behinderung

Bayreuth. Es duftet nach, nein erst einmal nicht nach Kaffee, sondern nach Büchern. Viele 100000 Bände dürften es sein, hier in den Regalen des RW 21. RW steht in Bayreuth natürlich für Richard Wagner (Straße) und 21 ist die Hausnummer eines ganz besonderen Bildungszentrums, in dem vor zwei Jahren auf rund 5000 Quadratmetern Nutzfläche die Stadtbibliothek, die Jugendbibliothek, die Volkshochschule und das Stadtarchiv zusammengeführt wurden.

Zwischen den mannshohen Regalen gibt es im zweiten Stock des ehemaligen und aufwändig umgebauten Modekaufhauses aber nicht nur Hörbücher, Romane, Comics und Klassiker, sondern auch ein kleines Café, das sich in der örtlichen Gastro-Szene längst zum Geheimtipp entwickelt hat. Nur das leise Surren  der Rolltreppen erinnert hier noch an ein Kaufhaus. Ansonsten herrscht im Innen- und Außenbereich eine entspannte Atmosphäre. Kinder krabbeln auf dem Boden, Geschäftsleute aus der Umgebung genießen hier ihre Mittagspause und die Teilnehmer eines Volkshochschulkurses lassen den Vormittag bei einer heißen Schokolade entspannt ausklingen.

„Von wegen Geheimtipp“, sagt Hartmut Springfeld, Geschäftsführer der Werkstätten für behinderte Menschen Bayreuth/Kulmbach, zu der das Cafe Samocca gehört.  Nicht nur wegen Cappuccino, Latte Macchiato, Eiskaffee, der außergewöhnlichen Teesorten und Schokoladengetränke von Ghiradelli, auch nicht wegen der leckeren Kuchen und Torten, und schon gar nicht wegen der traumhaften Sommerterrasse, die den Blick weit über die Dächer der Stadt schweifen lässt. Das Café Samocca ist vielmehr ein Stück gelebte Inklusion, mitten in der Stadt und „mit einer geradezu überwältigenden Akzeptanz, mit der wir so von Anfang an nicht gerechnet hatten“, so Springfeld.

Das Team des Samocca besteht aus 13 Mitarbeitern mit psychisch und geistiger Behinderung und zwei Gruppenleitern, die im Zwei-Schicht-Betrieb tätig sind. „Das eine oder andere geht halt manchmal etwas langsamer, dafür aber auch gemütlicher und vor allem persönlicher“, so Springfeld. Aufgeteilt sind die Beschäftigten in ein Service- und ein Küchenteam, das im Heilpädagogischen Zentrum in Bayreuth angesiedelt ist. Dort werden unter Anleitung der Konditorin Nadine Bergmann die Kuchen, Snacks und kleinen Mahlzeiten frisch zubereitet.

Die Freude an der Arbeit ist den Beschäftigten deutlich anzumerken. Hinter dem Tresen wird gescherzt, geredet und gelacht, es herrscht ein ansteckendes Miteinander. Fluktuation habe es bislang so gut wie nicht gegeben, sagt Springfeld. Die meisten Mitarbeiter dieser Frühschicht arbeiten bereits seit der Eröffnung im Februar 2011 kontinuierlich hier, sagt er und macht wie alle anderen Gäste auch sein Kreuzchen auf dem Bestellschein, den die Bedienung dann zu Theke bringt, ehe der frisch aufgebrühte Kaffee den Weg zum Tisch findet. So sei es für die Mitarbeiter auch bei vollem Haus möglich, den Überblick zu behalten. Das Bestellsystem sei auch dazu da, um keine Barrieren entstehen zu lassen, auch wenn es mit dem Lesen nicht so klappt. Volles Haus, das bedeutet laut Gabriele Brud, der Fachkraft im Servicebereich, knapp 50 besetzte Plätze im Innenbereich und weitere 20 auf der Terrasse.

„Es ist eine Arbeit mitten im gesellschaftlichen Leben, eine Arbeit, die allen Mitarbeitern gefällt, denn sie fordert, sie erfüllt und schafft auch neue persönliche Ziele und Herausforderungen.“ Um auch internationalen Gästen gerecht zu werden, absolvieren drei Mitarbeiter mittlerweile sogar Englischkurse, gleich ein Stockwerk höher in der Volkshochschule, und zwei weitere Teammitglieder lassen sich in den nächsten Wochen bei einem Spezialkurs in Regensburg zum „Barista“ ausbilden, also zu jemandem, der Kaffee professionell zubereiten kann und speziell im Schaum des Cappuccino wunderbare Muster zaubert.

Mehr als 100 Gäste besuchen nach den Worten von Gabriele Brud pro Tag das Café. Allein 2011 seien hier über 23000 Stücke Kuchen verkauft und rund 75000 Tassen Kaffee ausgeschenkt worden. Durch die Anbindung an das RW21 sei das Lesecafé längst auch zu einem Generationentreffpunkt geworden, der nichts mit den gängigen Klischees eines „Sozialcafés“ gemein hat. Neben dem normalen Café-Alltag übernimmt das Samocca auch das Catering für Veranstaltungen.

Formal ist das Café Samocca eine Betriebsstätte der Werkstätten für behinderte Menschen in Bayreuth, deren Träger wiederum die Diakonie ist. Die Arbeitsplätze sind von der Anerkennungsbehörde offiziell anerkannte Werkstattarbeitsplätze. Den Löwenanteil der Kosten übernimmt der Bezirk Oberfranken.

Hartmut Springfeld von der Diakonie bezeichnet das Lesecafé Samocca als Leuchtturmprojekt gelebter Inklusion. Erfunden hatten das Konzept, das seitdem im Franchiseverfahren betrieben wird, die Samariter in Aalen. Bundesweit gibt es bereits elf ähnliche Cafes, davon nur noch eines in Bayern, und zwar in Augsburg.

Bilder:
- Ilona Schulz beim Servieren
- Gutes Miteinander (von links): Thomas Leupold, Verena Asare, Gabriele Brud und Michael Maisel.
- Der Geschäftsführer der Werkstätten für behinderte Menschen Bayreuth/Kulmbach Hartmut
  Springfeld und Service-Chefin Gabriele Brud.

- Über den Dächern von Bayreuth: die Sonnenterrasse des Cafe Samocca.

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17.04.2013

Mittagsmenüs aus der Menüfaktur
Diakonie errichtet gemeinsame Großküche als integrative Einrichtung

Bayreuth/Kulmbach. Das Projekt schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: „Wir nehmen die Essensversorgung für unsere Einrichtungen in die eigene Hand und schaffen gleichzeitig Integrationsarbeitsplätze“, sagt Hartmut Springfeld, Geschäftsführer der Werkstätten für behinderte Menschen der Diakonie Bayreuth. Unter dem Schlagwort „Menüfaktur“ soll die künftige gemeinsame Küche der Diakonie Bayreuth, der Diakonie Kulmbach, der dortigen Geschwister-Gummi-Stiftung und  der Werkstätten für behinderte Menschen an den Start gehen. „Wir werden mit 8,5 Vollzeitstellen starten und wollen im Endausbau zwölf Vollzeitstellen haben“, so der dafür zuständige Klaus Eisenstein von der Diakonie. Die Zahl der täglich frisch zubereiteten Essen ab September beziffert er auf rund 2000.

Hintergrund der ehrgeizigen Planungen ist, dass die Diakonie Kulmbach und die Geschwister-Gummi-Stiftung bislang zwei eigenständige Küchen betrieben haben, während die Diakonie in Bayreuth und die Werkstätten für Behinderte das tägliche Mittagessen von externen Anbietern, also von Caterern, zukaufen mussten. Lediglich im Matthias-Claudius-Heim sei eigenständig gekocht worden, weiß Hartmut Springfeld.

Nachdem in Kulmbach ohnehin Erneuerungen anstanden, wurde kurzerhand auch ganz neu geplant, und zwar unter Einbeziehung behinderter Menschen. „Unsere Idee war es, einen Integrationsbetrieb daraus zu machen“, so Hartmut Springfeld. Mit aktuell bereits 1600 Mittagessen pro Tag rechne sich das auch, zumal es exakt zur Philosophie passe, Menschen mit Behinderungen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.

Unter der Bezeichnung „Diako Oberfranken“ wurde kurzerhand eine gemeinnützige Gesellschaft (gGmbH) mit Sitz in Kulmbach gegründet und ein Grundstück an der E.-C.-Baumann-Straße erworben. Direkt gegenüber dem Max Rubner-Institut (der früheren Bundesanstalt für Fleischforschung) passt die neue Menüfaktur auch thematisch gut zum Lebensmittelstandort Kulmbach.

Das Gebäude soll bereits Ende Juli eingeweiht werden, dann startet eine Art Probebetrieb, ehe die Einrichtung mit Schulbeginn im September voll ans Netz geht. „Wir haben einen ganzen Pool an Unterstützern“, sagt Hartmut Springfeld, ohne die genauen Kosten zu nennen. Die Aktion Mensch, die Oberfrankenstiftung, die Bayerische Landesstiftung, das Integrationsamt und der Bezirk Oberfranken gehören zu den Einrichtungen und Organisationen, die Gebäude und Ausstattung finanziell tragen.

Größte Abnehmer der künftigen Mittagsmenüs aus Kulmbach werden die Werkstätten für behinderte Menschen in Bayreuth und Kulmbach sowie das Heilpädagogische Zentrum (HPZ) in Bayreuth sein. Als künftige externe Abnehmer stehen bereits die Gesamtschule Hollfeld und zwei Bayreuther Schulen fest. „Gerade im Bereich der Schulversorgung sehen wir noch Potential, schließlich sind wir in Zukunft gehalten, Überschüsse zu erwirtschaften.“, so der Geschäftsführer.

Bild: An der E.-C.-Baumann-Straße in Kulmbach entsteht die neue Menüfaktur, eine Großküche, die Einrichtungen in Bayreuth und Kulmbach mit Mittagessen versorgen wird.

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12.04.2013

Zusammenhalt suchen, gestalten und stärken / Regionalbischöfin Greiner und Erzbischof Schick eröffneten Woche für das Leben

Rehau. Mehr Anerkennung für Pflegeberufe haben Regionalbischöfin Dorothea Greiner und Erzbischof Ludwig Schick gefordert. Der Altenpflegeberuf sei in eine massive Krise geraten, sagte Greiner bei der Eröffnung der Woche für das Leben am Freitag in Rehau (Dekanat Hof). Die Versuche, Pflegeberufe aus der Krise zu befreien seien nicht wirksam genug. „Unser Protest gegen die Pflegemisere ist bisher zu gering, Pflegende und Gepflegte brauchen unsere wirksame Solidarität“,  so Greiner.

Mehr Anerkennung, materiell als auch immateriell, forderte auch Erzbischof Schick. Das Motto der Woche für das Leben „Engagiert für das Leben – Zusammenhalt gestalten“ nannte er ein wichtiges Zukunftsthema für Deutschland. Dabei gehe es um das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen, von Menschen, die schon immer hier leben und Migranten und Asylanten, aber auch um das Miteinander der Generationen. Beste Beispiele dafür seien die erfolgreiche Ansiedlung von Kindergärten neben Altenheimen oder die Übernahme von Patenschaften für junge Leute durch ältere Menschen, die mit ihrem Wissen aus dem Berufsleben benachteiligten Jugendlichen helfen können.

Eine Vorzeigeeinrichtung, in der das Miteinander der Generationen bestens funktioniert ist das Mehrgenerationenhaus der Diakonie Hochfranken in Rehau, in dem die Woche für das Leben diesmal eröffnet wurde. Hier gibt es unter einem Dach mehrere Wohngruppen für zusammen 35 ältere Menschen, einen Hort für 25 Kinder, eine ambulante Diakoniestation, Tagesmüttertreffs und eine Babykrabbelgruppe.

Mehrgenerationenhäuser seien eine junge Erfindung unserer Zeit, sagte Regionalbischöfin Greiner. Dass es sie überhaupt gibt, decke einen wachsenden Bedarf unserer Gesellschaft auf: Der Zusammenhalt zwischen den Generationen müsse aktiv gesucht, gestaltet und gestärkt werden. Viele alte Menschen seien in so genannten Seniorenresidenzen und Seniorenheimen häufig unter sich. „Nicht, weil sie das so wollen, sondern weil es so ist“, sagte Greiner. Dabei sei es von Anfang der Menschheit an wohl üblich, dass Familien und Sippen generationenübergreifend lebten. Erst seit wenigen Jahrzehnten sei dieses Prinzip durchbrochen.

Die Entstehung von Mehrgenerationenhäusern nannte sie eine bewusste Gegenbewegung dazu, dass immer seltener Menschen mehrerer Generationen unter einem Dach leben. Allenfalls in bäuerlichen Kontexten oder in bewahrten dörflichen Gemeinschaften sei die generationenübergreifende Gemeinschaft noch zu finden. Doch trotz der Mehrgenerationenhäuser werde niemand das familiär–generationenübergreifende Leben, so wie es einmal war, wiederbeleben können. Allein schon die allseits erwartete Flexibilität von Menschen im Berufsleben, verschiedene Lebensentwürfe und Lebensplanungen machten diesen Prozess unumkehrbar. Greiner: „ Restaurationssehnsüchte sind sinnlos, unrealistische moralische Erwartungen an Töchter und Söhne alter Menschen deprimieren und helfen nicht weiter.“

Die Woche für das Leben ist eine Aktionswoche der evangelischen und katholischen Kirchen in Deutschland mit jährlich wechselnden Themenschwerpunkten. Sie wird seit 1991 begangen und geht auf eine Initiative der katholischen Kirche zurück. Seit 1994 nimmt auch die evangelische Kirche an dieser Initiative teil.

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01.03.2013

Gerüstet für den „K-Fall“
Neues Katastrophenschutzzentrum ist im Landratsamt angesiedelt

Bayreuth. Es sind Räume, die hoffentlich nie gebraucht werden, in deren Ausstattung der Landkreis Bayreuth jetzt aber dennoch rund 120000 Euro investiert hat: die Räume des neuen Katastrophenschutzzentrums im Keller des Landratsamtes an der Markgrafenallee. Bei der offiziellen Einweihung sprach Innenstaatssekretär Gerhard Eck am Freitag von einer hochmodernen Einrichtung, die richtungsweisend für ganz Bayern sei.

Der Katastrophenschutzraum am Landratsamt Bayreuth war bereits beim Bau vor über 20 Jahren fest eingeplant. Aufgrund der damals veränderten politischen Situation betrieben die Verantwortlichen den Raum daraufhin nur mehr als Provisorium und stellten den Ausbau auf unbestimmte Zeit zurück. Übungen hatten in den zurückliegenden Jahren allerdings gezeigt, dass der Zustand für den Katastrophenfall aufgrund fortgeschrittener Technik und allen denkbaren Veränderungen gar nicht mehr ausreicht. Der letzte „K-Fall“ im Landkreis Bayreuth geht auf das Jahr 2001 zurück, als zwischen Nürnberg und dem Vogtland tausende Autofahrer auf der Bundesautobahn A9 im Schnee stecken geblieben sind.

Wahlkämpfe könne man mit solchen Einrichtungen sicher nicht gewinnen, doch der Bürger habe einen Anspruch darauf, sagte Landrat Hermann Hübner. Er erinnerte an spektakuläre Stürme, Wetterereignisse und andere Naturkatastrophen oder auch an Amokläufe oder gar terroristische Bedrohungen, die schnell einen Katastrophenfall auslösen könnten. Das neu eingerichtete Zentrum sei deswegen auch kein Luxus, sondern wichtig für effektives Katastrophenmanagement in einem Flächenlandkreis wie dem Landkreis Bayreuth.

Staatssekretär Eck bezeichnete den hohen Sicherheitsstandard als Markenzeichen des Freistaats Bayern. Auch in ländlichen Regionen könne der Katastrophenfall eintreten, nicht nur in Ballungsräumen. Deshalb seien überall klare Strukturen und schnelle Entscheidungen wichtig und genau deshalb seien Brand- und Katastrophenschutz auch im Aufgabenbereich der Landkreise angesiedelt, was sich auch längst bewährt habe.

Ganz wesentlich mitgestaltet wird die bayerische Sicherheitsarchitektur nach den Worten des Staatssekretärs von den ehrenamtlichen Kräften. Von den bayernweit 470000 Mitarbeitern bei Feuerwehr, BRK und THW seien 450000 ehrenamtlich tätig, sagte Eck. Sie alle seien der Garant dafür, dass man die innere Sicherheit auch spüren könne. „Sie alle sind die wichtigsten Garanten unseres Sicherheitssystems.“

Bild: So sieht das neue Katastrophenschutzzentrum im Keller des Bayreuther Landratsamtes an der Markgrafenallee aus. Die Räume wurden bereits vor über 20 Jahren konzipiert und jetzt technisch auf den neuesten Stand gebracht.

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20.02.2013

Musterbeispiel für intelligentes Energiekonzept im ländlichen Raum / Die oberfränkische Marktgemeinde Heiligenstadt  erzeugt deutlich mehr Strom als sie verbraucht

Heiligenstadt. Der Bürgermeister hat es schwarz auf weiß: Was die Versorgung des Marktes Heiligenstadt in der Fränkischen Schweiz mit regenerativen Energien angeht, so hat die 3600-Einwohner-Gemeinde im Landkreis Bamberg einen Selbstversorgungs-grad von rechnerisch knapp 150 Prozent. Den benötigten gut zwölf Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr stehen knapp 18 Millionen Kilowattstunden selbst erzeugter Strom pro Jahr gegenüber. Möglich machen dies 102 Photovoltaikanlagen, vier Windkraftanlagen und weitere vier Biogasanlagen, so der 1. Bürgermeister Helmut Krämer, für den das Thema Energie schon lange vor Fukushima eine große Rolle gespielt hat.

Auch wenn es den Titel so gar nicht gibt, so ist der schmucke Markt im Landkreis Bamberg, der an die Landkreise Bayreuth und Forchheim angrenzt, eine Art Musterenergiedorf. Das bestätigt auch Robert Martin, Klimaschutzbeauftragter des Landkreises Bamberg. Bei der Erzeugung erneuerbarer Energien liege Heiligenstadt schon seit Jahren an der Spitze im Landkreis Bamberg und nehme auch oberfrankenweit eine gewisse Vorreiterrolle ein. „Wir machen die Zukunft des Klimaschutzes und der nachhaltigen Energiegewinnung in Heiligenstadt sichtbar“, ist Bürgermeister Krämer überzeugt.

Die Energieversorgung der Zukunft basiert auf erneuerbaren Energiequellen, das Zeitalter der fossilen und atomaren Energiebereitstellung nähert sich seinem Ende. Viele Gründe sprechen für den Einsatz der CO2-neutralen, regenerativen Energieträger: Sie sind klimaschonend, nachhaltig, erneuerbar, stärken die Wertschöpfung vor Ort und sind preisstabil. Erneuerbare Energien sind ein Schlüssel zur Inwertsetzung des ländlichen Raumes und garantieren Arbeitsplätze vor Ort.

In Heiligenstadt wird mit Wind, Sonnenenergie und Biomasse Strom erzeugt und die Abwärme der Biogasanlagen vereinzelt dazu genutzt, Privathäuser zu heizen. „Wir setzen in Heiligenstadt Maßstäbe für intelligente Energiekonzepte im ländlichen Raum“, so Krämer. Als eine der wichtigsten Aufgaben für den Klimaschutz bezeichnet er es, Energie zu sparen. Der nächste wichtige Schritt sei dann der Umbau der Energieerzeugung auf erneuerbare Energien, der in Heiligenstadt längst Wirklichkeit geworden ist.

Bürgermeister Krämer verschweigt dabei nicht, dass der Maisanbau aufgrund der Biogasanlagen im Gemeindebereich leicht angestiegen ist. Besonders wichtig sei es allen Beteiligen auch, dass das Landschaftsbild durch die Windräder keinen Schaden nimmt. In vier in Frage kommenden Gemeindeteilen hätten sich die Bürger deshalb auch klar gegen neue Windräder ausgesprochen. Dies sei wiederum aber auch nur deshalb möglich gewesen, weil der Markt von Anfang an in die Offensive gegangen ist und in allen betroffenen Ortsteilen Bürgerversammlungen abgehalten hat. „Krämer: „Die Bevölkerung muss schon dahinter stehen, sonst hat das Ganze keinen Wert.“

Dort wo die Akzeptanz am höchsten war, im Gemeindeteil Brunn, habe der Markt vorsorglich 180 Hektar Ackerfläche unter Vertrag genommen. Vorbehaltlich der notwendigen Zustimmungen können dort bis Herbst 2014 fünf weitere Windräder entstehen, die von der Marktgemeinde zusammen mit den Stadtwerken aus dem benachbarten Ebermannstadt betrieben werden könnten. „Eigentlich könnten wir uns zurücklehnen“, so Krämer, doch es müsse auch darum gehen, Wertschöpfung vor Ort zu halten. Nicht zuletzt profitiere die Gemeinde ja auch von der Gewerbesteuer.

Bereits im Juni 2011 sei mit der Photovoltaikanlage auf dem Turn- und Schulhallendach der Grundschule Heiligenstadt mit Kindergarten, Kinderkrippe und Kinderhort eines der bedeutendsten Projekte entstanden. Im Zuge der energetischen Sanierung der Grundschule mit der Zusammenlegung Kindergarten, Kinderkrippe und Kinderhort hatte der Marktgemeinderat beschlossen, dass auf den sanierten Schuldächern die Photovoltaikanlage errichtet wird.  Die Nennleistung der Anlage wird mit rund 80 Kilowatt beziffert, die Kosten lagen bei rund 200000 Euro. Bürgermeister Krämer rechnet vor, dass jede eingespeiste Kilowattstunde Solarstrom die entsprechende konventionelle Erzeugung überflüssig macht. „Mit unserer Anlage vermeiden wir innerhalb von 20 Jahren die Emission von rund 1137 Tonnen Kohlendioxid.

Eingebettet ist das Heiligenstädter Energiekonzept in verschiedene Vorhaben des Landkreises Bamberg, der beispielsweise im Rahmen seiner „Klimaallianz“ bis zum Jahr 2035 energieautark sein möchte. Dazu soll beispielsweise auch Kohlendioxidausstoß des Kraftfahrzeugverkehrs bis 2020 um 25 Prozent verringert werden. Schon lange vor der Katastrophe von Fukushima sei im Landkreis Bamberg allen Beteiligten klar gewesen, dass man etwas tun muss, so Krämer. Insgesamt beziffert das Landratsamt die Kosten für Energie und Wärme auf insgesamt rund 800 Millionen Euro pro Jahr. Heruntergerechnet auf Heiligenstadt kommt der Bürgermeister auf 11,5 Millionen Euro , was pro Einwohner im Schnitt 760 Euro für Strom, 780 Euro für Wärme und 1720 Euro für Benzin oder Diesel ausmacht, alles Zahlen, die so nicht nur in Heiligenstadt gelten dürften.

Bild: Hier sollen neue Windräder entstehen: Bürgermeister Helmut Krämer zeigt am Flächennutzungsplan seiner Marktgemeinde Heiligenstadt die voraussichtlichen Standorte für neue Windräder.

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19.03.2013

Vom Schandfleck zum Schmuckstück
Erster Bauabschnitt der Dorferneuerung Betzenstein abgeschlossen

Betzenstein, Lks. Bayreuth. „Die kleine Stadt ist zum echten Kleinod geworden.“ Landwirtschaftsminister Helmut Brunner hatte sich trotz der widrigen Witterung viel Zeit genommen, um die Dorferneuerungsmaßnahmen in Betzenstein zu besichtigen. 3,6 Millionen Euro wurden bisher in einem ersten Bauabschnitt investiert, weitere 1,3 Millionen Euro sollen bis Ende 2014 im zweiten Bauabschnitt folgen. Den Förderbescheid über die Hälfte, also über 650000 Euro überreichte Brunner am Ende seines Rundgangs an Bürgermeister Claus Meyer. Die Federführung der Dorferneuerung Betzenstein liegt beim Amt für ländliche Entwicklung Oberfranken.

Über zehn Jahre reicht der Beschluss des Stadtrates bereits zurück. Es sei ein schwieriger Start gewesen, erinnerte sich der Bürgermeister. Hauptgrund dafür war die relativ hohe Eigenbeteiligung der Bürger. 1,2 von den 3,6 Millionen Euro habe die Stadt aufbringen müssen, für die Hälfte davon seien die Bürger direkt zur Kasse gebeten worden. Doch es hat sich gelohnt, die mit 2500 Einwohnern kleinste Stadt Frankens sei mittlerweile wieder ein Schmuckstück mit hoher Aufenthaltsqualität. Zuzüge junger Familien kann der Bürgermeister mittlerweile sogar aus dem nicht allzu fernen Nürnberg verbuchen.

Mit jedem Euro Fördergeld würden sechs bis sieben Euro an Privatinvestitionen ausgelöst, sagte Minister Brunner. Die Maßnahmen in Betzenstein zeigten beispielhaft, was im ländlichen Raum alles möglich ist, welche Entwicklungspotentiale vorhanden sind und wie mit Hilfe der Dorferneuerung auch Aufträge und Arbeitsplätze entstehen können. „Sie haben den Durchbruch geschafft, ich sehe Betzenstein auf dem besten Weg“, so der Minister.

Zu den herausragenden Beispielen und Besonderheiten, die Minister Brunner bei seinem Rundgang besichtigte gehört beispielsweise das Maasen-Haus, eines der ältesten Häuser der Stadt und die mit über einer Million bislang teuerste Einzelmaßnahme der gesamten Dorferneuerung. Bis in die 1990er Jahre sei es noch bewohnt gewesen, danach habe es lange leer gestanden und wurde zum Schandfleck, nun ist es auf dem besten Weg, zu einem zentralen Punkt an der Hauptstraße zu werden.

Mittlerweile im Besitz der Stadt sollen im Maasen-Haus künftig die Tourismus Information, eine Bücherei und ein Trauungszimmer eingerichtet werden. Das Besondere an dem denkmalgeschütztem Gebäude war es, dass in der Vergangenheit Mensch und Tier hier ganz eng beieinander gelebt hätten. Während im Erdgeschoss die Stallungen waren seien im ersten Stock die Wohn- und Schlafräume gewesen. „Eine derartige Konstellation mitten im Ort ist sehr selten“, so Architekt Manfred Witt.

Weitere Beispiele der Dorferneuerung sind die grundlegende Sanierung des Pflegamtsschlosses, die städtebauliche Entwicklung des Oberen Marktes, die Einrichtung eines Kommunikationsmittelpunktes mit einem modernen Buswartebereich am Unteren Markt sowie die Errichtung eines Hackschnitzelheizanlage mit Nahwärmenetz im Scheunenviertel. Die Anlage hinter dem Torbogen heizt versorgt neben Privathäusern auch den Kindergarten, das in privater Hand befindliche ehemalige Pflegamtsschloss, das Gemeindehaus und eine Edelbrennerei. In den folgenden knapp zwei Jahren sollen nun unter anderem ein vorbeugender Hochwasserschutz mit einem Wasserrückhaltebecken errichtet werden, zusätzliche Gehwege gebaut und weitere Gestaltungsmaßnahmen innerhalb des Stadtkerns erfolgen.

In Betzenstein habe man längst begriffen, dass das reichhaltige historische Erbe keine Last sondern eine Chance ist, so Landrat Hermann Hübner. Gerade junge Leute würden vermehrt schätzen, dass endlich etwas passiert. Bis man allerdings die Bürger aktiv zur Mitwirkung gewinnen konnte, habe man allerdings zunächst „Klingen putzen“ müssen, so der Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft Thomas Müller.

Bilder:
- Lothar Winkler vom Amt für ländliche Entwicklung Oberfranken zeigt (von links) der Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer, Landrat Hermann Hübner, dem Vorsitzenden der Teilnehmergemeinschaft Thomas Müller und Landwirtschaftsminister Helmut Brunner Bilder von der Situation vor und nach der Dorferneuerung.
- Einen Förderbescheid in Höhe von 650000 Euro übergab Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (2. von links) an den Betzensteiner Bürgermeister Claus Meyer. Mit im Bild die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer und der Bayreuther Landrat Hermann Hübner (links).

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18.02.2013

Tabea ist auf den Therapiehund gekommen / Labrador-Hündin Lilly unterstützt die Beschäftigungstherapie im Heiligenstädter Pflegezentrum

Heiligenstadt. Mit Therapiehündin Lilly hat das Tabea-Pflegezentrum in Heiligenstadt (Landkreis Bamberg) eine neue Mitarbeiterin. Die dreijährige Labrador-Hündin, die eher zufällig über einen neuen Mitarbeiter zu Tabea gekommen war, wird vor allem auf der Demenzstation eingesetzt. Ziel sei es, mit Hilfe des Hundes nicht nur den Alltag der Bewohner aufzulockern, sondern das Tier gezielt im Rahmen der Beschäftigungstherapie und in der Betreuung einzusetzen, so Heimleiter Urs Bruhn.

Schon allein die Nähe des Tieres wecke bei den meisten demenzbetroffenen Bewohnern vielfältige  Erinnerungen, sagt Vanessa Hertling, die Leiterin der Beschäftigungstherapie. Die Hündin habe als trainierter Therapiehund eine sehr hohe Toleranzschwelle, so dass die Betroffenen sie nicht nur streicheln, sondern sogar umarmen können, ohne dass sich Lilly in irgendeiner Form „wehrt“. Lilly sei nicht nur von Anfang an Gesprächsstoff gewesen, sondern habe im ganzen Haus eine derartige Wärme verbreitet, dass niemand mehr die Hündin missen möchte, so Silke Turich, die im Tabea-Pflegezentrum in der Betreuung von dementen Bewohnern tätig ist. Sie weiß sogar von einer dementen Bewohnerin zu berichten, die beim Anblick der Hündin zum ersten Mal seit vielen Monaten ihre Sprache wiedergefunden hat.

Die Hündin ist dabei nur ein Teil des Demenzkonzeptes, mit dem das Tabea-Pflegezentrum Betroffene anregen und aktivieren möchte. Ein weiterer Teil ist das Duftrepertoire, mit dem bei Demenz-Patienten Erinnerungen wachgehalten werden sollen. Egal ob Kuchen oder Schokolade, Lavendel oder Zitrone, Holz oder Leder: Eine Firma aus Hannover hat sich auf Duftstoffe spezialisiert, mit denen in Heiligenstadt gearbeitet wird. Über Gerüche werden Verknüpfungen zur aktuellen oder früheren Erlebniswelt der Menschen hergestellt, mit denen noch vorhandenes Potential der Betroffenen gehoben werden soll.

Sehr gute Erfahrungen hat Silke Turich auch mit den vielen gespeicherten Bildern auf ihrem I-Pad. Hier zeigt sie den Bewohnern Bilder, die sie selbst in der Region aufgenommen hat und zu denen selbst demente Personen noch einen Bezug herstellen können. Gerade bei Personen, die von Demenz betroffen sind, werde die eigene Biographie plötzlich wieder lebendig, sagt Silke Turich. Unter anderem hat sie alte Trachten und einen Kaufladen im Museum der Kaiserpfalz in Forchheim fotografiert, Bilder, die vor allem bei bettlägerigen Patienten auf großen Anklang gestoßen waren.

„Bei all diesen Teilprojekten geht es uns darum, unsere Bewohner am Leben teilhaben zu lassen“, erklärt Heimleiter Bruhn. Dabei spiele gerade das Thema Demenz eine große Rolle. Weit über die Hälfte der Bewohner seien in irgendeiner Form davon betroffen, die Tendenz ist eher steigend. „Als eine der größten Einrichtungen dieser Art in den Landkreisen Bamberg und Forchheim fühlen wir uns dem Thema verpflichtet.“. Ganz wichtig sei es dabei, noch vorhandene Fähigkeiten nicht abebben zu lassen. Deshalb sei auch eine Kochgruppe eigens für Demenzbetroffene gegründet worden, die bereits fünf feste Mitglieder hat. Zum Gedächtnistraining gehören auch Jahreszeitlich bedingte Veranstaltungen wie die Besichtigung von Osterbrunnen oder der Besuch des Nikolauses. Hier werde bei vielen Betroffenen immer wieder deutlich, dass das Langzeitgedächtnis noch irgendwie funktioniert.

Als weitere Projekte plant Heimleiter Bruhn die Einrichtung eines Demenz-Stammtisches für Angehörige zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch, sowie die Zusammenarbeit mit Schulen aus der Region. Letzteres geschehe nicht ganz ohne Hintergedanken, räumt Bruhn ein. Es gehe auch darum, junge Menschen für Pflegeberufe zu interessieren und langfristig den Nachwuchs zu sichern. Derzeit werden bei Tabea Leinleitertal sieben junge Leute zum Altenpfleger, zum Fachpfleger für Altenhilfe und zum Gesundheitskaufmann/-kauffrau ausgebildet. Getreu dem diakonischen Motto für Bayern im laufenden Jahr „Leben mit Sinn“ sollen gerade jungen Leuten sinnstiftende Berufe gezeigt werden.

Tabea-Leinleitertal ist aus dem bisherigen Familienzentrums der Evangelischen Freikirchlichen Gemeinden Nordbayerns hervorgegangen und eine der größten sozialen Einrichtungen in Oberfranken. Träger ist seit Anfang 2012 das Hamburger Diakoniewerk Tabea. Zur Einrichtung gehören ein Pflegezentrum mit rund 130 Betten, eine Diakoniestation, Betreutes Wohnen mit rund 100 Eigentums- und Mietwohnungen, ein Gästehaus, ein Tagungszentrum, ein Jugendhaus und mehrere Ferienwohnungen.

Bild: Silke Turich (links), Vanessa Hertling und Heimleiter Urs Bruhn stellten die neue Therapiehündin Lilly vor, die vor allem bei Demenzpatienten zum Einsatz kommt.

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31.01.2013

„Superman, Batman und Spiderman in einer Person“
Drogenexperte Peter Stenglein: Crystal Speed entspricht Trend der Zeit

Kulmbach. „Oberfranken ist schon lange keine heile Welt mehr.“ Peter Stenglein, Drogenpräventionsbeamter bei der Kriminalpolizei in Bayreuth, kennt sie, die Schattengesellschaft. Einziger Unterschied zu den Großstädten: Es gibt keine offene Drogenszene, hier spielt sich alles im Verborgenen ab, in Diskotheken, Spielotheken, bei den verschiedensten Events und hauptsächlich in Privatwohnungen.

„Uns interessiert nicht der Konsument, sondern der Dealer“, so Stenglein bei einer Veranstaltung der Kulmbacher Frauenunion. Problem dabei sei, dass die meiste Dealer selbst stark süchtig sind, und dealen, um die eigene Sucht zu finanzieren. Eigentlich bräuchten sie eher einen Therapeuten als einen Beamten, sagt der Kriminalhauptmeister, der für die Städte und Landkreise Bayreuth und Kulmbach zuständig ist.

Um die Dramatik von Crystal Speed zu verdeutlichen, berichtet Stenglein von rund 60 Dealern, die seit September letzten Jahres in Stadt und Landkreis dingfest gemacht werden konnten. Und das, obwohl das Betäubungsmittelgesetz „irre Strafen“ vorsieht. Doch egal wie hoch die Strafen auch sind, sie scheinen nicht abzuschrecken.

Entgegen landläufiger Meinung sei Crystal Speed auch keine Modedroge. Crystal sei nur momentan en vogue, weil es dem Zeitgeist „immer schneller, immer höher, immer weiter“ entspricht. Ähnlich wie bei anderen Drogen und Suchtmitteln sei der Einstieg in fehlendem Selbstvertrauen, mangelnder Anerkennung und ausbleibender Geborgenheit zu finden.  Deshalb seien meist auch Jugendliche die Hauptbetroffenen.

Als typische körperliche Zeichen eine Crystal-Speed-Abhängigen nannte Stenglein eine abgemagerte Figur, unreine Haut und meist fehlende Zähne. Im fortgeschrittenen Stadium würden nicht selten Organe angegriffen. Psychische Zeichen seien die starke Schwankung zwischen Euphorie und Depression. Schon bald sehe sich der Konsument deshalb auch gezwungen, die Dosis immer mehr zu steigern, mit fataler Wirkung. „Diese Leute sind hochgradig krank“, sagt Stenglein. Zunächst würden sie sich wie Superman, Batman und Spiderman in einer Person fühlen, danach fallen sie in ein tiefes Loch mit Schlaflosigkeit, Selbstmordgedanken bis hin zum Verfolgungswahn und Psychosen.

Um das Problem einigermaßen in den Griff zu bekommen, setzt Stenglein auf Aufklärung von frühester Kindheit an. „Wir können noch so viele Kontrollen aufbauen, wenn wir nicht an die Quellen rangehen, werden wir kaum etwas erreichen.“ Kontrollen ja, Repression auf jeden Fall, aber das Wichtigste sei es, in Schulen über Suchtmittel und Drogen aufzuklären.

Die meisten Betroffenen schafften den Ausstieg nicht und gingen körperlich wie seelisch zugrunde, so die Kreisvorsitzende der Kulmbacher Frauenunion Brigitte Soziaghi.  Vor dem Hintergrund der verheerenden Gefahren, die von Crystal Speed ausgingen, gehe das Thema jeden an. Die FU-Bezirksvorsitzende und Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer verwies auf das immens ausgebaute Hilfesystem, das von Drogenbeauftragten in den Lehrerkollegien über die Suchtberater etwa bei der Diakonie bis hin zu den polizeilichen Hilfsangeboten reicht.

Bild: „Crystal Speed ist eine verheerende Droge, die leider dem Zeitgeist entspricht“ (von links): der Drogenpräventionsbeamte der Kripo in Bayreuth Peter Stenglein, die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer und die Kreisvorsitzende der Kulmbacher Frauenunion Brigitte Soziaghi (rechts).

Interview mit Peter Stenglein

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24.01.2013

36000 Konsumeinheiten  aus dem Verkehr gezogen / Deutsch-tschechische Kontrollaktion „Speedway II“ förderte 900 Gramm Crystal Speed zutage

Nürnberg. 23 Kilogramm der hochgefährlichen Droge Crystal Speed hat der Zoll nach eigenen Angaben bundesweit im zurückliegenden Jahr sicherstellen können. Das sind sechs Kilogramm sehr als noch im Jahr zuvor. „Die Menge geht exorbitant nach oben“, sagte Gerald Busch vom Bayerischen Landeskriminalamt am Donnerstag in Nürnberg. Dort stellte der Zoll die Ergebnisse der sechsmonatigen grenzüberschreitenden und gemeinsam mit Tschechien durchgeführten Kontrollaktion „Speedway II“ vor, bei der insgesamt 900 Gramm Crystal Speed sichergestellt werden konnten.

900 Gramm, das möge zunächst nicht nach viel klingen, sagte der für den Zoll zuständige Parlamentarische Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk. Führe man sich jedoch vor Augen, dass bereits ein Gramm dieser synthetischen Droge rund 40 Konsumeinheiten bedeuten, bekämen die sichergestellten 900 Gramm eine viel größere Bedeutung. 36000 Mal könnten sich Menschen mit dieser Menge in einen lebensgefährlichen Rauschzustand versetzen, soviel, wie eine kleinere Stadt Einwohner hat.

An der Operation „Speedway II“ (Speedway I fand bereits vor einem Jahr mit einem ähnlichen Ergebnis statt), hatten sich nach Angaben des Zolls von Juli bis Dezember 130 Ermittler an 18 Kontrolltagen beteiligt. Insgesamt seien rund 10000 Personen und etwa 5000 Fahrzeuge überprüft worden. Neben den 900 Gramm Crystal Speed stellten die Fahnder zudem 3,5 Kilogramm Marihuana sowie 400 Gramm Haschisch fest. „Das ist eine ausgezeichnete Bilanz“, sagte Staatssekretär Koschyk. Der Zoll unternehme alles, um dieser gefährlichen Geisel unserer Tage beizukommen.

Die tschechische Polizei vernachlässige die Drogenproblematik auf keinen Fall, stellte Jakub Frydrych von der Polizei in Tschechien klar. Das Personal an der westlichen Grenze sei mittlerweile verstärkt worden, weil der Kampf gegen die Droge in Tschechien oberste Priorität habe. Als Hauptumschlagsplatz bezeichnete Frydrych nach wie vor die beliebten Vietnamesenmärkte, allerdings würden die Vietnamesen mittlerweile nicht mehr nur zu den Verkäufern, sondern auch zu den Herstellern gehören.

Ziel der Aktion „Speedway II“ war es nach den Worten von Miroslav Novacek von der Zollfahndung in Prag nicht nur zu zeigen, dass man den Kampf gegen die Modedroge aufgenommen habe, sondern auch, dass überführte Täter konsequent mit Strafverfolgung rechnen müssen. Dazu waren laut Pavel Hoffman von der tschechischen Zollverwaltung unter anderem auch deutsche Ermittler verdeckt auf tschechischem Gebiet tätig.

Eine deutliche Zunahme der Crystal-Fälle konnten Gerald Busch vom Bayerischen Landeskriminalamt und sein sächsischer Kollege Gerth Riemer für die grenznahen Bereiche ausmachen. Seit zwei Jahren sei aber auch verstärkt eine Entwicklung hinein ins Land auszumachen. Nürnberg sei bereits erreicht, so Busch. Als weiteres Phänomen machte Gerth Riemer vom Sächsischen Landeskriminalamt aus, dass bei Crystal im Vergleich zu herkömmlichen Drogen ganz besonders auch der ländliche Raum betroffen sei. Grund dafür könnte wiederum die Grenznähe sein.

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19.12.2012

Fränkisches Wahrzeichen soll elf Millionen Briefe schmücken
Söder und Koschyk stellten Sondermarke „Kaiserburg Nürnberg“ vor

Nürnberg. Der Wert ist noch etwas ungewohnt, doch genau 58 Cent kostet ein Standardbrief bei der Deutschen Post ab dem kommenden Jahr. Als eine der ersten Briefmarken, die den neuen Wert bereits tragen, stellten der Parlamentarische Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk und der bayerische Finanzminister Markus Söder am Mittwoch in Nürnberg die Sondermarke „Kaiserburg Nürnberg“ vor. Sie gehört zur neu aufgelegten Serie „Burgen und Schlösser“, wurde von den beiden Graphikern Nicole Elsenbach und Franc Fienbork aus Nordrhein-Westfalen entworfen und ist in einer Auflage von über elf Millionen Stück gedruckt worden.

Die Serie „Burgen und Schlösser“ soll Bauwerke zeigen, die beispielhaft für mittelalterliche Baukunst stehen und deren Bedeutung weit über Deutschland hinausragt, sagte Staatssekretär Koschyk. Die Serie knüpfe auch an eine bewährte Tradition an, denn bereits 1982 gab es eine Serie mit Burgen und Schlössern mit 18 unterschiedlichen Einzelwerten. Bei sei damals mit Schloss Neuschwanstein vertreten gewesen.

Die neue Sondermarke würdige den nationalen Charakter der Kaiserburg, so Finanzminister Söder. Historisch betrachtet handle es sich bei der Nürnberger Burg um eine ganz bedeutende Institution, schließlich gebe es keine Stadt, in der mehr Kaiser und Könige zu Gast waren als in Nürnberg. Erst nach den starken Zerstörungen in Folge des Zweiten Weltkriegs sei die Burg etwas in den Dornröschenschlaf verfallen. Deshalb habe der Freistaat aktuell 16 Millionen Euro bereitgestellt, um das gesamte Burgareal wieder herzurichten und ein Besucherinformationszentrum sowie ein Cafe zu schaffen.

Als zweite Sondermarke in der Serie Burgen und Schlösser erscheint gleichzeitig zur Nürnberger Kaiserburg eine 45-Cent-Marke, die das Wasserschloss Glücksburg an der Flensburger Förde zeigt. Beide Marken sind ab 2. Januar 2013 bei der Deutschen Post zu haben.

Bild: Der bayerische Finanzminister Markus Söder (links) und der Parlamentarische Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk stellten die neue Sondermarke mit dem Motiv der Kaiserburg Nürnberg vor.

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07.12.2012

Karate, Kampfsport und Kickboxen hinter der Kirche
Diakonie Bayreuth veranstaltet Anti-Gewalttraining für Menschen mit Handicap

Bayreuth. Gleich hinter der markgräflichen Ordenskirche hat der Fight-Club Oberfranken unter der Adresse „Hinter der Kirche 1a“ im Stadtteil St. Georgen sein Domizil. Kirche und Kampfsport, das ist nur auf dem ersten Blick ein Widerspruch, denn die Diakonie in Bayreuth hat es mit einem außergewöhnlichen Projekt geschafft, beides zusammenzubringen.

Pokale, Urkunden und Trophäen zeugen von Welt- und Europameistern, die in der kleinen Trainingshalle die Grundlagen des Kampfsports erlernt haben. Kampfkunst-Trainer Roland Rausch, der den Ehrentitel „Renshi“ und den Meistertitel „4. Dan“ trägt, hat seit rund einem Jahr jeden Freitagvormittag eine ganz besondere Gruppe zu Gast: 13 Männer und zwei Frauen mit körperlicher oder geistiger Behinderung, die normalerweise in der Werkstatt für Behinderte tätig sind. Einmal pro Woche trainieren sie eineinhalb Stunden lang das, was Trainer Rausch „3R Bushido Kampfkünste“ nennt. Selbstverteidigung und Kickboxen gehört genauso dazu wie „Power Style Karate“. Möglich macht das Ganze die Diakonie als Trägerin der Werkstätten für behinderte Menschen.

„Unter dem Motto Power ohne Wut sollen Menschen mit Handicap lernen, sich im täglichen Leben selbstbewusst und gewaltfrei zu behaupten“, sagt Bildungskoordinator Bernhard Pfeiffer von der Diakonie. Die typische Sozialisation von Menschen mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung zwinge sie zu Rücksichtnahme, Dankbarkeit und Unauffälligkeit und mache sie dabei zu „leichten Opfern”, die stillhalten und still schweigen. Selbstverteidigungs- und auch Kampfkunstkurse sollen deshalb das Selbstbewusstsein stärken und helfen, Menschen mit Handicap zu starken Persönlichkeiten werden zu lassen, die zur rechten Zeit „nein“ sagen und sich wehren können. Da ihnen die meisten Kurse nicht zugänglich sind, bleibt ihnen dieser Weg oft verwehrt.

Einen tätlichen Übergriff auf einen behinderten Menschen habe es in der Region zwar nicht gegeben, doch sei die Thematik gerade in Großstädten aktuell, so Pfeiffer. Die Teilnehmer, die alle freiwillig während ihrer Regelarbeitszeit kommen, sollen deshalb auch lernen, nach außen anders aufzutreten und sich verbal und physisch im Fall des Falles wehren zu können.

Trainer Roland Rausch hat es sich zum Ziel gesetzt, für Menschen mit Handicap nicht nur die Möglichkeit eines gleichberechtigten und integrativen Trainings zu schaffen, sondern insbesondere ihnen die Gelegenheit zu geben, ihren Körper neu kennenzulernen, die Feinmotorik auszuprägen und durch den zwischenmenschlichen Ansatz an Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein zu gewinnen. „3R Bushido Kampfkünste“  bietet dazu auch die Stärkung des Selbstbewusstseins und Schulung der Körpersprache, um diese im Falle eines Konfliktes richtig einzusetzen.

Für den Profi ist das Ganze eine absolut neue Erfahrung. Anfangs sei er durchaus auch skeptisch gewesen, doch mittlerweile sei er selbst mit Feuereifer dabei und will schon bald eine zweite Gruppe gründen. „Ein solches Projekt gibt es meiner Meinung nach nirgends anders“, sagt Rausch, der es sich auch vorstellen kann, aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen Trainer für die Arbeit mit Behinderten auszubilden, die das Projekt dann in andere Städte tragen könnten.

Das Ganze habe schließlich auch etwas mit der vielzitierten Inklusion zu tun, sagt Bildungskoordinator Pfeiffer von  der Diakonie. Schließlich kommt die Behindertengruppe in die ganz normale Trainingsatmosphäre und wird von echten Profis betreut. Nicht ausschließen möchte Trainer Rausch auch, dass einige der Teilnehmer schon bald am regulären Training mit nichtbehinderten Sportlern teilnehmen können.

Bild: Kampfkunstprofi Roland Rausch trainiert zusammen mit Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung im Fight-Club Oberfranken gleich hinter der Ordenskirche in Bayreuth.

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27.11.2012

Die gefährlichste Droge der Welt / „Crystal City Bayreuth“: Experten fordern bessere grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Bayreuth. Eine bessere Zusammenarbeit zwischen bayerischer und tschechischer Polizei sowie eine engere Abstimmung aller beteiligten Stellen, haben mehrere Redner beim großen Crystal-Speed-Kongress am Dienstag in Bayreuth gefordert. „Die Zusammenarbeit zwischen bayerischer und tschechischer Polizei ist gut, der Austausch von mehr Information wäre allerdings noch besser, um die Aufgriffszahlen weiter steigern zu können“, sagte der bayerische Gesundheitsminister Marcel Huber.

Wenn der Kongress in Bayreuth stattfand, dann deshalb, weil die Stadt in Fachkreisen auch „Crystal City“ genannt wird. Dies liege allerdings nur daran, dass hier die meisten Aufgriffe erfolgten, waren sich alle Beteiligten einig. Zudem fanden vor dem Landgericht in Bayreuth einige spektakuläre Drogenprozesse statt, die weite Kreise zogen. Dramatische Zahlen konnte Bernd Kreuzer vom Bayerischen Landeskriminalamt aber auch für die Landkreise Wunsiedel und Cham vermelden. Selbst der Großraum Nürnberg bleibe mittlerweile nicht mehr verschont.

Kriminalhauptkommissar Kreuzer wagte einen überaus düsteren Ausblick in die Zukunft. „Die ohnehin hohen Fallzahlen werden weiter dramatisch ansteigen“ ansteigen, sagte er. Kreuzer forderte unter anderem ein aktiveres Vorgehen auf tschechischer Seite: „Das wird die einzige Möglichkeit sein, denn Produktion und Verkauf  liegen auf tschechischer Seite.“ Außerdem forderte Kreuzer die tschechische Polizei auf, sich verstärkt auf deutsche Einkäufer zu konzentrieren. Grund dafür ist, dass die verkaufenden Vietnamesen die Droge nahezu ausschließlich an deutsche Käufer abgibt, tschechische Einkäufer wären den Vietnamesen viel zu verdächtig.

Was Crystal Speed (Crystal Meth) anrichten kann, dafür fanden alle Kongressteilnehmer drastische Worte. „Diese Menschen sind lebende Wracks“, sagte Minister Huber. Gerade was den körperlichen Verfall angeht, würden die Folgewirkungen noch immer völlig unterschätzt. Dr. Roland Härtel-Petri, leitender Oberarzt in der klinischen Suchtmedizin des Bezirkskrankenhauses in Bayreuth nannte Crystal Speed „die gefährlichste Droge der Welt“, binnen kürzester Zeit hätten abhängige  Menschen. immense Probleme, Dinge des täglichen Lebens zu bewältigen. Professor Dr. Manfred Wolfersdorf, der ärztliche Direktor des Bezirkskrankenhauses nannte Crystal ein Gift, das es schafft, Löcher ins Gehirn zu treiben. „Was übrig bleibt sind verelende Menschen“, so Wolfersdorf.

Was es mit der zweiten Crystalwelle, die seit 2009 auf sich läuft, machte Bernd Kreuzer vom Landeskriminalamt an den folgenden Zahlen deutlich: Während 2009 noch 38 Fälle der Einfuhr registriert wurden, seien es 2010 bereits 56 gewesen. 2011 sei die Zahl auf 156 hinausgeschnellt, im laufenden Jahr stehe man bereits bei 187. Crystal werde mittlerweile sogar per Brieftauben verschickt, wusste Kreuzer. Mit den Fallzahlen hätten sich auch die sichergestellten Mengen exorbitant vergrößert. 2010 seien noch 5,5 Kilogramm sichergestellt worden, im laufenden Jahr liege man bereits über 13 Kilogramm. Am erschreckendsten bezeichnete der Polizist allerdings den Anstieg bei den festgenommenen Erstkonsumenten: 2010 waren es 24, 2011 bereits 85 und im laufenden Jahr sei man bereits bei 283 angelengt. Bei all diesen Zahlen handle es sich natürlich nur um bekannt gewordene Fälle, die Dunkelziffer werde jeweils weitaus höher veranschlagt.

Weil für den großangelegten Kongress „Crystal-Meth“, den der Bezirk Oberfranken zusammen mit dem Bayerischen Gesundheitsministerium veranstaltet hatte, längst nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden konnten und die große Veranstaltungshalle des Krankenhauses aus allen Nähten platzte, soll nach den Worten von Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler schon bald ein Folgekongress stattfinden. Der Bezirk sei als überörtlicher Sozialhilfeträger zuständig für Suchtfragen, so Denzler. Bereits vor zwölf Jahren sei eine eigene Abteilung für Suchtmedizin mit umfangreichen Behandlungs- und Hilfemöglichkeiten eingerichtet worden. Über die Hälfte aller Menschen, die in Bayreuth zur Suchtberatung kommen, tun dies nach den Worten des Präsidenten mittlerweile wegen Crystal Speed.

Bild: „Was übrig bleibt, sind verelende Menschen“: Professor Dr. Manfred Wolfersdorf, ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses.

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16.11.2012

Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis für Klaus Töpfer
Hohe städtische Auszeichnung für den früheren Bundesumweltminister

Bayreuth. Die Stadt Bayreuth hat am Freitag den ehemaligen Bundesumweltminister Klaus Töpfer mit dem "Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis für Toleranz und Humanität in kultureller Vielfalt“ ausgezeichnet. Töpfer habe sich seit Jahrzehnten für nachhaltige Werte und  deren Vermittlung eingesetzt, sagte Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe bei der Übergabe der seit 2008 jährlich vergebenen Auszeichnung. In seiner Laudatio nannte der bekannte ZDF-Journalist und Moderator Dirk Steffens den früheren Minister einen ernsthaften und engagierten Politiker. „Klaus Töpfer ist einer der wenigen Großen, die sich über alle Parteigrenzen hinweg Anerkennung und Respekt erworben haben“, so Steffens.

Klaus Töpfer ist der fünfte Preisträger, den der Stadtrat für diese städtische Auszeichnung aufgrund seines nachhaltigen Wirkens und seines großen Einsatzes als Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen ausgewählt hat. Der frühere Bundesumweltminister ist außerdem Vorsitzender der von der Bundeskanzlerin eingesetzten Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung und leitet heute das Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam.

Damit habe Klaus Töpfer eine absolute Weltkarriere in der Umweltpolitik gemacht“, sagte Dirk Steffens. Er bescheinigte ihm politische Weitsicht und grenzüberschreitendes Denken. „Damals haben wir sie kolossal unterschätzt“, räumte der Wissenschaftsjournalist ein. Selbst die linksalternative Tageszeitung taz habe mittlerweile eingestehen müssen: „Es gibt keinen besseren Botschafter für die Umwelt als Klaus Töpfer.“

Der mit 10000 Euro dotierte Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis wurde erstmals 2008 vergeben und ist an Persönlichkeiten oder Gruppen gerichtet, die sich auf kulturellem, sozialem, politischem oder wissenschaftlichem Gebiet international um die kritische Reflektion gemeinsamer Wertvorstellungen und die interkulturelle Verständigung verdient gemacht haben. Bisherige Preisträger waren Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka (2008), der Dirigent Daniel Barenboim (2009), Prinz Hassan von Jordanien (2010) und die senegalesische Frauenrechtlerin Madjiguène Cissé (2011).

Der Preis ist nach der Bayreuther Markgräfin Wilhelmine (1709 - 1758) benannt. Die Schwester Friedrichs des Großen bescherte Bayreuth ein Ensemble von Gebäuden und Parks, das europaweit einzigartig ist und aus dem das Markgräfliche Opernhaus besonders hervorsticht. Der barocke Prachtbau wurde im Juni dieses Jahres von der UNESCO zum Weltkulturerbe erhoben. 1731 wurde Wilhelmine mit dem Erbprinzen Friedrich von Bayreuth verheiratet. Die Markgräfin widmete sich intensiv der Kunst und schuf sich einen Musenhof, der europaweit ausstrahlte und die bedeutendsten Kunstschaffenden ihrer Zeit in Bayreuth versammelte.

Die Preisverleihung fand im Rahmen des Bayreuther Zukunftsforums statt, das die Universität ebenfalls 2008 ins Leben gerufen hat. Das Zukunftsforum „Wissenschaft – Kultur – Gesellschaft“ brachte dazu Partner aus Kultur, Technik, Wirtschaft und Politik zusammen, um über das zukunftsträchtige Themen „Wasser im globalen Wandel“ zu sprechen.

Bild:
- Mit dem Markgräfin-Wilhelmine-Preis der Stadt Bayreuth hat Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe den früheren Bundesumweltminister Klaus Töpfer ausgezeichnet.

- Weltkarriere in der Umweltpolitik: der frühere Bundesminister Klaus Töpfer.
- Der Parlamentarische Staatssekretär Hartmut Koschyk, KLaus Töpfer, Universitätspräsident Rüdiger Bormann, Markus Zanner, Kanzler der Universität Bayreuth (von links)

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13.11.2012

Klare Alternative zur anonymen Bestattung
In Bayreuth soll ein Friedhofswald entstehen

Bayreuth. Die Natur übernimmt die Grabpflege, die vier Jahreszeiten schmücken die letzte Ruhestätte: für immer mehr Menschen ist das die Idealvorstellung. Sie wollen keine Gräber mehr auf Friedhöfen, die später ohnehin niemand pflegen wird. Da es in Nordbayern nur wenige Möglichkeiten der alternativen Baumbestattung gibt, bemüht sich seit dem zurückliegenden Jahr in Bayreuth der Förderverein „Ruhewald Bayreuth und Umgebung“ um die Errichtung eines solchen Friedhofswaldes. Noch habe man allerdings kein Gelände in Aussicht, sagte Dr. Gerhard Böhner, früherer Sozialreferent der Stadt und Vorsitzender des Fördervereins.

Eine, die sich in besonderer Art und Weise für die Errichtung eines Ruhewaldes stark macht und die Belange vieler Bürger Bayreuths aufgreift, ist die Emtmannsberger Pfarrerin Beate Wihowski. Es sei doch offensichtlich, dass sich die Bestattungskultur verändert, sagt sie. Während Friedhöfe in den 60er und 70er Jahren erweitert werden müssten, sind viele Grabstätten heute nicht mehr besetzt oder werden nicht mehr gepflegt. Und wenn, dann trifft der Friedhofsbesucher auf einfach zu pflegende geschlossene Grabplatten oder unkomplizierte Urnenfelder. „Ich will da niemandem einem Vorwurf machen“, sagt die Pfarrerin und verweist auf veränderte Familienstrukturen,  eine zunehmende Mobilität, die demographische Entwicklung und nicht zuletzt auch eine bei vielen Menschen schwächere Finanzkraft.

Die letzte Ruhe im Frieden der Natur ist bislang nur auf dem unterfränkischen Schwanberg, im Coburger Land und seit Juli 2010 auch im Friedwald von Ebermannstadt in der Fränkischen Schweiz möglich. Hier wird die Asche der Verstorbenen in einer biologisch abbaubaren Urne am Fuß eines Baumes der Erde übergeben. Beisetzungswälder seien in der Regel Mischwälder, wegen des stabileren Wurzelfundaments und der höheren Standfestigkeit der verschiedenen Baumarten, weiß Pfarrerin Wihowski. Sie seien in der Regel zwischen 20 und 100 Hektar groß und mit dem Auto leicht zu erreichen.

Auf der einen Seite stelle der Beisetzungswald einen ganz normalen Wald dar, in dem eben zwei bis drei Bäume je zehn Quadratmeter als Bestattungsbäume ausgewiesen werden. Auf der anderen Seite werde ein derartiger Wald aber auch parkähnlich gepflegt, so dass sämtlich Wege ständig begehbar sind. Wihowski stellte aber auch klar: „Wer auf Schmuck Wert legt, der sollte einen Friedhof wählen“. Gestecke oder Porzellanengel seien im Wald ausdrücklich nicht erwünscht und würden auch entfernt. Allerdings ist der Friedwald eine klare Alternative zur anonymen Bestattung, denn an dem bestreffenden Baum gibt es in der Regel nicht nur Namenstafel, möglich seien sogar Sprüche oder Zitate. Auch die Angehörigen erhalten eine Urkunde mit der genauen Ausweisung des Bestattungsbaumes.

Aus christlicher Sicht sieht Wihowski keinen Bruch in der Bestattungskultur: „Aus christlicher Sicht ist die Baumbestattung nicht zu verneinen.“ Die Pfarrerin plädierte eher dafür, den Trend zu alternativen Bestattungsformen als Chance und Herausforderung zu begreifen. Die Menschen hätten sich bereits entscheiden, es sei eine Chance der Kirche sie begleiten und zu führen, anstatt sie an den Pranger zu stellen. Zum einen sei der Glaube an die Auferstehung nicht an eine  bestimmte Bestattungskultur gebunden, zum anderen habe die Kirche genügend Kenntnisse in Sachen Bestattung, so dass man das Thema nicht gewinnorientierten GmbHs überlassen sollte.

Betreiber der meisten Friedhofswälder in Deutschland sind die Friedwald- und die Ruheforst GmbH. Friedwald, der Name ist gesetzlich geschützt, betreibt bundesweit über 50 Wälder mit rund 15000 Grabstätten. Die Preise seien aufgrund der unterschiedlichen Leistungen und Angebote schwer zu vergleichen, sagte Wihowski.

Auf dem kleinen Friedhof von Emtmannsberg gibt es dank des Einsatzes von Beate Wihowski bereits einige Baumplätze, die immer stärker nachgefragt werden. Man müsse nicht Einwohner von Emtmannsberg sein, um hier seine letzte Ruhestätte zu finden, sagte die Pfarerrin.  Außerdem sei die Bestattung mit rund 700 Euro deutlich günstiger als in den Friedwäldern der privat betriebenen GmbHs. Weitere Baumgrabstätten gibt es in Bindlach, ab dem kommenden Jahr sollen auch Baumgrabstätten auf den Bayreuther Friedhöfen angeboten werden.

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10.11.2012

Humboldt-Kosmos ging von Franken aus / Frank Holl und Eberhard Schulz-Lüpertz haben sich auf die Spuren Alexander von Humboldts begeben – Zum ersten Mal beschreibt ein Buch das Wirken des Universalgelehrten in der Region

Goldkronach. Alle wissenschaftlichen Arbeiten des Universalgelehrten Alexander von Humboldt haben in Franken ihren Anfang genommen. Zu diesem Schluss kommen die renommierten Humboldt-Experten Frank Holl und Eberhard Schulz-Lüpertz in ihrem neuen Buch „Ich habe so große Pläne dort geschmiedet … - Alexander von Humboldt in Franken“. Die umfangreiche Publikation ist die erste, die Humboldts Wirken in der Region detailliert beschreibt. Vorgestellt haben die beiden Autoren ihr Werk am Samstagabend in Goldkronach.

Alexander von Humboldt (1769-1859) war von 1792 bis 1797 als Bergwerkinspektor und Königlicher Oberbergmeister in den beiden Fürstentümern Brandenburg-Bayreuth und Brandenburg-Ansbach tätig. „Alle seine späteren wissenschaftlichen Arbeiten haben hier ihren Anfang genommen, alle seine Erkenntnisse gehen auf die Zeit in Franken zurück“, sagt  Eberhard Schulz-Lüpertz. Als eines der bislang von der Forschung wenig beachteten Beispiele dafür nennt der Co-Autor die Feststellung Humboldts, dass das Abholzen von Wäldern dramatische Folgen für die Umwelt und das Klima hat. Alexander von Humboldt hatte darauf bereits hingewiesen, als während seines Aufenthalts im Fichtelgebirge immer wieder große Waldflächen gerodet wurden, weil das Holz als Energielieferant benötigt wurde.

Ausführlich gehen Holl und Schulz-Lüpertz auf die drei Orte ein, die in besonderem Zusammenhang mit Alexander von Humboldt stehen: Arzberg, Bad Steben und Goldkronach. An allen drei Orten gibt es noch Spuren des einstigen Bergbaus und Hinweise auf das Wirken des Universalgelehrten. So stehe noch heute das Gebäude in Bad Steben, in dem Humboldt nicht nur gewohnt, sondern auch die erste Schule für Bergleute gegründet hatte. Das Haus steht aktuell zum Verkauf, es zeichne sich bereits eine Nutzung im Sinne des Gedenkens an Alexander von Humboldt ab, sagt Schulz-Lüpertz.

Eine besondere Rolle spiele auch Goldkronach, denn so der Autor: „Alexander von Humboldt war vom Goldfieber gepackt.“ Tatsächlich war es ihm auch hier gelungen, die Bergwerke wieder in Schwung zu bringen. Doch, so mussten beide Autoren nach ihren umfangreichen Forschungsarbeiten offen einräumen: „So richtig profitabel waren die hiesigen Bergwerke nie.“ Humboldt hatte sie zwar vorübergehend zu neuer Blüte geführt, doch wenige Jahrzehnte später gingen sie nach und nach ein. Humboldt habe vieles in Gang gebracht, doch aufgrund der letztlich doch relativ geringen Vorkommen und der weitaus größeren Produktion andernorts hätten die Bergwerke schließen müssen. Vor allem die Gruben in England, im Polen und in Amerika hätten den Bergwerken in Franken den Rang abgelaufen.

Das zurückliegende Jubiläumsjahr „220 Jahre Alexander von Humboldt in Franken“ haben die Grundlagen für ein neues gesamtoberfränkisches Humboldt-Bewusstsein geschaffen, sagte der Parlamentarische Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk bei der Buchvorstellung. „Wir hoffen, dass die Humboldt-Stätten künftig enger zusammen arbeiten“, so Koschyk. Der Politiker zog eine positive Bilanz über das Jubiläumsjahr, in dem das Humboldt-Kulturforum unter anderem eine große musikalisch-literarische Spazierfahrt, eine Lichtinstallation und einen eigenen Humboldt-Tag mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich veranstaltet hatte und das weit über die Region hinaus Beachtung fand.

Das Buch ist in der Reihe „Fränkische Geschichte“ im Schrenk-Verlag erschienen. Es enthält auf 184 Seiten unter anderem zahlreiche historische Abbildungen, Dokumente und Pläne sowie jede Menge touristische Hinweise. Der Autor Frank Holl ist ein weithin anerkannter Humboldt-Forscher und durch zahlreiche Publikationen bekannt. Er ist außerdem Leiter der Münchner Wissenschaftstage. Co-Autor Eberhard Schulz-Lüpertz hat sich ebenfalls viele Jahre mit Humboldts Wirken in Franken beschäftigt. Er ist Leiter der Forschung und Entwicklung Deutschland beim europäischen Raumfahrtunternehmen EADS.

Das Buch "Ich habe so große Pläne dort geschmiedet... - Alexander von Humboldt in Franken" von Frank Holl und Eberhard Schulz-Lüpertz kann beim Alexander von Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach e. V., Schlossweg 5 in 95497 Goldkronach bestellt werden. Das Buch hat die ISBN-Nummer: 978-3-924270-74-2 und kostet 19,90 Euro.

Bild: Zum ersten Mal wird das Wirken des Universalgelehrten Alexander von Humboldt in Franken ausführlich beschrieben. Vorgestellt wurde das Buch am Samstag vom Parlamentarischen Staatssekretär Hartmut Koschyk, Petra Meßbacher vom Humboldt-Kulturforum, den beiden Buchautoren Frank Holl und Eberhard Schulz-Lüpertz sowie dem Verleger Johann Schrenk aus Gunzenhausen (von links).

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12.10.2012

„Lebensmittel sind Mittel zum Leben“: Ministerpräsident Seehofer und Sternekoch Alexander Herrmann warben für regionale Produkte

Kulmbach. Der lockere Ausklang war gleichzeitig der Höhepunkt der ersten Bayerischen Ernährungstage des neuen Kompetenzzentrums für Ernährung in Kulmbach. Essen soll schließlich auch Spaß machen und alle Sinne ansprechen. Und so griff Ministerpräsident Horst Seehofer kurzerhand zum Kochlöffel, kritisch beäugt vom TV-bekannten Sternekoch und gebürtigen Kulmbacher Alexander Herrmann.

„Kulmbach ist der wichtigste Lebensmittelstandort Europas“, sagte Seehofer. Er rief dazu auf, Lebensmittel als Mittel zum Leben zu begreifen. Während Fleisch oder auch Schokoriegel noch zu seiner Kindheit ein seltener Genuss waren, sei dieser Genuss heute die Regel. Kein Wunder, wenn so die Wertschätzung für die Nahrung verloren gehe. Dank einer leistungsfähigen Landwirtschaft und einer breit aufgestellten Ernährungsindustrie könne man heute in Deutschland von den besten Lebensmitteln sprechen, „die wir je hatten“. Gute Lebensmittel seien dabei durchaus auch gleichbedeutend mit guter Lebensqualität. Deshalb müsse das Bewusstsein des Verbrauchers immer wieder geschärft werden und genau das sei die Aufgabe des Kompetenzzentrums für Ernährung.

Die Show im neuen Museumspädagogischen Zentrum des Bayerischen Brauerei und Bäckereimuseums zum Ende des ganztägigen Symposiums „Ernährung ist MehrWert“ hatte natürlich auch einen ernsten Hintergrund. Die Ernährung sei das Megathema des 21. Jahrhunderts, sagte Martin Neumeyer vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium. Deshalb sei es einer der wichtigsten Aufgaben, des genau vor einem Jahr eröffneten Kompetenzzentrums für Ernährung (KErn), das Bewusstsein für Nahrungsmittel aus der Region zu schärfen.

„Die regionale gesunde Basis ist unser Weg und nicht Erdbeeren aus China mitten im Herbst“, so Neumeyer mit Blick auf die Magen-Darm-Grippewelle in Ostdeutschland, als deren Verursacher mit Noroviren verunreinigt Tiefkühlerdbeeren ausgemacht wurden. Aufgabe des Kompetenzzentrums ist es, den Austausch zwischen Forschung, Ernährungswirtschaft, Produktion, Ernährungsbildung und Dienstleistern zu forcieren. „Wir sind nach einem Jahr in Kulmbach gut angekommen und werden Kulmbach weiter ausbauen“, kündigte Neumeyer an.

Gemeinsam mit Sternekoch Alexander Herrmann und Kulmbachs Oberbürgermeister Henry Schramm bereitete Ministerpräsident Seehofer im Anschluss panierte Weißwurststücke auf Roter Bete zu. Der Ministerpräsident rieb dazu die Brötchen und schlug die Eier auf, räumte aber gleich zu Beginn mit der ihm eigenen Selbstironie ein, dass er in der Küche, „wenn überhaupt, dann nur zu leichteren Hilfstätigkeiten“ zu gebrauchen sei.

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06.10.2012

Gegen City-Maut und für eigenen Bezinpreisgipfel / Regionale Verkehrstagung: ADAC-Nordbayern fordert Ertüchtigung der B303

Bayreuth. Die von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer ins Gespräch gebrachte City-Maut lehnt der ADAC kategorisch ab. „Die City-Maut wäre unsozial und kann die maroden Straßen ohnehin nicht retten“, sagte Vorstand Michael Herbst am Samstag in Bayreuth bei einer regionalen Verkehrstagung des ADAC Nordbayern.

Eine City-Maut würde eine Zwei-Klassen-Gesellschaft fördern, den ohnehin stark überlasteten Öffentlichen Personennahverkehr überfordern und in erster Linie hohe Erfassungskosten verursachen, so Herbst. Der Vorschlag aus dem Bundesverkehrsministerium sei deshalb ganz klar in die Kategorie „Wie kann ich den Autofahrer noch stärker in die Tasche greifen?“ einzuordnen.

Auch bei den hohen Kraftstoffpreisen will sich der ADAC künftig stärker einmischen. „Wir brauchen endlich Antworten statt tatenloses Zusehen“, sagte Vorstand Herbst, der einen eigenen Benzinpreisgipfel vorschlug. Hier könnten alle beteiligten zu Wort kommen, um mehr politischen Druck aufzubauen um das Oligopol aus derzeit fünf den marktbeherrschenden Konzernen aufzubrechen. Darüber hinaus sollte die Bundesregierung die Pendlerpauschale wieder erhöhen, zumindest aber die 2004 erfolgte Kürzung wieder zurücknehmen.

Als unumgänglich bezeichnete es ADAC-Vorstand Herbst, die Bundesstraße B303 zu „ertüchtigen“. Nachdem der Vollausbau vom Tisch ist, müssten die notwendigen Spuradditionen und Umfahrungen jetzt zügig vorangetrieben werden. Als weitere Brennpunkte nannte er den sechsspurigen Ausbau der Bundesautobahnen A3 und A6. Nachdem man hier schon wertvolle Zeit in den Genehmigungsverfahren verloren habe, müssten die bereits beschlossenen Ausbaumaßnahmen nun zügig umgesetzt werden.

In der Kritik des ADAC stand bei der Verkehrskonferenz schließlich auch die kommunale Verkehrsüberwachung. Der ADAC sei für die Überwachung, aber nicht um den Gemeinden ihre Haushaltskassen zu füllen. Herbst: „Wir sagen: Überwachung des fließenden Verkehrs an potentiellen Gefahrenpunkten ja, Überwachung an vermeintlich lukrativen Stellen nein.“

Bei der Tagung stellte Kurt Schnabel von dem für ganz Ostoberfranken zuständigen Staatlichen Bauamt in Bayreuth die wichtigsten aktuellen Straßenbauprojekte vor. So soll spätestens 2015 mit der Ortsumfahrung Kulmbach-Ost – Untersteinach (Bundesstraße B289) begonnen werden. Das rund fünf Kilometer lange Vorhaben soll über 80 Millionen Euro kosten und von einer imposanten Brücke über das Schorgasttal gekrönt werden. Derzeit liefen bereits erste Grunderwerbsverhandlungen. Als weitere Baumaßnahmen, die derzeit oder in naher Zukunft starten sollen, nannte Schnabel unter anderem den Ausbau der Staatsstraße zwischen Hof – Jägersruh, die Ortsumgehung von Melkendorf bei Kulmbach und die Ortsumgehung Fattigau – Oberkotzau.

Als größte aktuelle Straßenbaumaßnahme in Oberfranken bezeichnete Wolfgang Lukas von der Autobahndirektion Nordbayern die Grunderneuerung der Bundesautobahn A70 zwischen Neudrossenfeld und dem Autobahndreieck Bayreuth/Kulmbach. Auf der 7,5 Kilometer langen Trasse sollen beide Richtungsfahrbahnen in den kommenden zwei Jahren praktisch komplett neu gebaut und mit Standstreifen versehen werden. Der Abschnitt stamme noch aus den 1930er Jahren und leide deshalb unter erheblichen Mängeln, so Lukas.

Nach den Worten von Vorstand Michael Herbst hat der ADAC bundesweit über 18 Millionen Mitglieder, 8500 Mitarbeiter,  und knapp 180 Geschäftsstellen. Über 1600 sogenannte „Gelbe Engel“ hätten 2011 in rund vier Millionen Fällen Pannenhilfe geleistet. Dazu kämen die ADAC-Rettungshubschrauber, die 2011 über 47000 Mal ausgerückt seien und dabei rund 43000 Patienten versorgt haben. Überdurchschnittlich stark wachse der ADAC derzeit in Nordbayern. „Wir kommen pro Jahr auf etwa 30000 bis 35000 Neumitglieder“, sagte der Vorsitzende Herbert Behlert, der noch im laufenden Jahr das einmillionste Mitglied in Nordbayern begrüßen möchte.

Bild: „Wir lehnen die City-Maut kategorisch ab“: Michael Herbst, Vorstandsmitglied des ADAC Nordbayern für die Bereiche Verkehr und Technik.

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27.09.2012

Kirche und Handwerk in Oberfranken haben die Aktion „Gott-sei-Dank-Brot“ gestartet

Kulmbach. „Das Brot ist der Inbegriff dessen, was wir zum Leben brauchen und was Gott uns schenkt.“ Das hat Regionalbischöfin Dorothea Greiner zum Start der Gott-sei-dank-Brot-Aktion 2012 im Kulmbacher Bäckereimuseum festgestellt. Die ökumenische Aktion gibt es seit dem Jahr 2007 und wird heuer zusammen mit rund 50 Bäckereibetrieben,  der Bäckerinnung und der Handwerkskammer für Oberfranken durchgeführt. Diesmal wurde die Aktion zum ersten Mal von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum bundesweiten Projekt des Monats ausgewählt. „Das zeigt, dass wir den Nerv der Zeit getroffen haben“, sagte Greiner, die zusammen mit Kindern aus dem Kindergarten der Kulmbacher Auferstehungskirche die ersten Brote in den Museumsbackofen „eingeschossen“ hat, wie es im Bäckereijargon offiziell heißt.

Die teilnehmenden oberfränkischen Bäckereien werden in den kommenden Wochen nicht nur ein spezielles Brot verkaufen, das mit einem Siegel mit der Aufschrift „Gott sei Dank“ gekennzeichnet ist. Darüber hinaus gibt es in den Bäckereien und Kirchengemeinden auch Plakate, Prospekte und Postkarten mit Tisch- und Kindergebeten sowie ein kleiner Gebetswürfel aus Pappe. In den Kirchen soll die Aktion bis Anfang November thematisiert werden, beispielsweise durch die Einbeziehung von Bäckern in den Gottesdienst.

„Die Kirche steht zum heimischen Handwerk“, sagte Regionalbischöfin Greiner. Es wäre ein Jammer, wenn der heimische Bäcker dicht machen müsse, weil er durch die Großkonzerne ausgehungert wird. Neben dem Erhalt der Bäckereikultur geht es Kirche und Handwerk auch darum, dass man für die Lebensmittel danke sagt und dies vor dem Essen in einem Tischgebet zum Ausdruck bringt. Gerade für Kinder sei oft schon selbstverständlich, dass sich zu jeder Jahreszeit sämtliche Lebensmittel hochglanzverpackt und zu jeder Zeit in den Regalen stapeln, so Museumsleiterin Sigrid Daum. Deshalb sei ein Ziel der Aktion wie auch des Bäckereimuseums, die Menschen für den bewussten Umgang mit Lebensmitteln zu sensibilisieren.

„Wir wollen mit der Aktion das Brot als etwas ganz Alltägliches wieder mehr in das öffentliche Blickfeld rücken“, sagte der oberfränkische HWK-Präsident Thomas Zimmer. Er erinnerte an die Ursprünge der Aktion, die von einer Jugendgruppe der Evangelischen Heimvolkshochschule Bad Alexandersbad ausging. Natürlich soll mit der Aktion auch für die Vielfalt des Handwerks in der „Genussregion Oberfranken“ geworben werden. Oberfranken sei sowohl bei der Zahl der Bäckereien (rund 500), der Metzgereien (rund 700) als auch der Brauereien (rund200) jeweils bezogen auf die Zahl der Einwohner des Regierungsbezirks weltweit führend.

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18.09.2012

Ängste abbauen und Bedürftigen helfen
Oberfrankenstiftung vergab Sozialpreise 2012

Kronach. Der Hospizverein Coburg und die Benefizaktion  „1000 Herzen für Kronach“ sind mit dem Sozialpreis der Oberfrankenstiftung ausgezeichnet worden. Der Preis ist insgesamt mit 15000 Euro dotiert und wurde vom oberfränkischen Regierungspräsidenten und Stiftungsratsvorsitzenden Wilhelm Wenning sowie von Bezirkstagspräsident Günther Denzler an Barbara Brüning-Wolter und Annette Gräfin zu Ortenburg vom Hospizverein sowie an Herta und Gerhard Burkert-Mazur von der Kronacher Benefizaktion überreicht.

Der Coburger Hospizverein wurde 1995 gegründet und hat seitdem mehr als 700 Menschen und deren Angehörigen beigestanden. Der Verein kann auf über 360 Mitglieder und 64 ehrenamtliche Mitarbeiter verweisen. Neben der Begleitung Schwerstkranker und sterbender Menschen sei heute die Begleitung trauernder Menschen, gerade auch trauernder Kinder und Jugendlicher immer wichtiger geworden, sagte Bezirkstagspräsident Denzler in seiner Laudatio. Zur professionellen Trauerbegleitung gehörten in Coburg Angebote wie ein Trauercafe, Trauergruppen, Trauertage und Einzelberatungen. Mit dem Präventionsprojekt „Hospiz macht Schule“ soll außerdem auch Schulkindern das Thema Tod behutsam näher gebracht werden. Sterben, Tod und Trauer würden zu Themen im Schullalltag der 3 und 4. Klassen. Ziel dieses Schulprojekts sei es, Ängste und beängstigende Vorstellungen abzubauen.

Als zweiter Sozialpreisträger der Oberfrankenstiftung wurde die Benefizaktion „1000 Herzen für Kronach“ ausgezeichnet. Die lokale Initiative wurde 2003 anlässlich der 1000-Jahr-Feier der Stadt gegründet, Ziel ist es Spenden für unverschuldet in Not geratene Menschen aus der Stadt und dem Landkreis Kronach zu sammeln. „Wenn dringend Heizöl oder Brennholz gebraucht wird, wenn eine Stromsperrung droht, wenn eine Rente hinten oder vorne nicht ausreicht, jemand seine Lebenskosten wegen Arbeitslosigkeit nicht mehr bestreiten kann oder kein Geld für den Schulbedarf der Kinder da ist, dann helfen die 1000 Herzen“, sagte Denzler. Bedürftige müssten dazu bei der Stadt, den Gemeindeverwaltungen oder den Kirchen einen Antrag stellen, über den ein Gremium aus Sozialexperten zeitnah und ohne großen Verwaltungsaufwand entscheidet. In den zurückliegenden Jahren seit der Gründung hätten die 1000 Herzen bereits über 300000 Euro gesammelt, sagte Denzler, der das Projekt als „bürgerschaftliche Aktion im besten Sinne des Wortes, unkompliziert, schnell und regional“ bezeichnete.

Bild: Regierungspräsident Wilhelm Wenning und Bezirkstagspräsident Günther Denzler zeichneten Annette Gräfin zu Ortenburg und Barbara Brüning-Wolter vom Hospizverein Coburg mit dem Sozialpreis der Oberfrankenstiftung aus.

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17.09.2012

Auf den Spuren Martin Luthers
Teil des offiziellen Lutherweges führt künftig durch Oberfranken

Coburg. Wandern und Pilgern auf den Spuren des Reformators Martin Luther: Das ist künftig nicht mehr nur in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen möglich, sondern auch in Bayern. Am Sonntag wurde in Neustadt bei Coburg ein rund 90 Kilometer langes oberfränkisches Teilstück des offiziellen Lutherweges eröffnet.

„Mit Bad Rodach, Coburg und Neustadt bei Coburg soll der neue Weg künftig drei Stätten der Reformation verbinden“, sagt Pfarrer Dieter Stößlein vom Evangelischen Bildungswerk in Coburg. Seinen Worten zufolge geht es nicht nur um einen zusätzlichen Wanderweg „in Gottes schöner Natur“, sondern auch um die bewusste Begegnung mit sich selbst, mit Gott und den Menschen. „Der Weg soll eine Einkehr zu uns selbst sein und eine Rückbesinnung zu unseren Wurzeln“, sagt Stößlein.

Der neue oberfränkische Lutherweg führt vom thüringischen Sonneberg kommend über Neustadt bei Coburg, Fechheim und Mönchröden durch einige Gemeinden um Coburg herum direkt auf die Veste, in der sich Luther 1530 fast ein halbes Jahr lang aufhielt. Von dort aus geht es weiter in die Coburger Morizkirche, in der Luther mehrmals gepredigt hatte, ehe der Weg das Coburger Land über Wiesenfeld, Meeder, Großwalburg und Gauerstadt kurzzeitig in Richtung Heldburg in Thüringen verlässt, um gleich danach über Bad Rodach, Oettingshausen und Rottenbach noch einmal den nördlichen Landkreis zu durchstreifen und dann endgültig in Richtung Eisfeld in Thüringen weiterführt.

Nach den Worten Stößleins gilt Coburg als die bayerische Lutherstadt. Sie war Raststätte bei den Pilgerreisen von und nach Rom 1510 und 1511, auf dem Weg zur Heidelberger Disputation vom 14. bis zum 16 April 1518, im gleichen Jahr auf dem Weg nach Augsburg zum Verhör vor Kajetan sowie Aufenthaltsort vom 15. April bis zum 4. Oktober 1530 im Zusammenhang  mit dem Reichstag in Augsburg. Aus dieser Zeit sei ein wahrer Reichtum von Luthers Schaffen erhalten, so Stößlein. Als Beispiele nennt er unter anderem die Arbeiten an den Propheten Jeremia und Ezechiel, die Übersetzung der zwölf kleinen Propheten und der sogenannten Coburger Psalter (Psalm 1 bis 25). Dazu kämen zahlreiche Flugschriften und Abhandlungen in Bezug auf aktuelle politische und theologische Fragen sowie rund 120 erhaltene Briefe.

Durch Neustadt bei Coburg sei Luther mehrfach gekommen, bevor er in Coburg Station machte. Am Karfreitag 1530 soll er in der dortigen Georgskirche gepredigt haben. Bad Rodach schließlich gilt als Ort des Rodacher Abschieds, der nach dem Reichstag zu Speyer die Fortschreitung des Protestes dokumentiert und die Frage des Widerstandsrechts gegen den Kaiser behandelt habe, sagt Stößlein.

„Wir haben großes Interesse daran, Gastfreundschaft in allen beteiligten Gemeinden zu verankern“, so Stößlein. Diese Gastfreundschaft in den einzelnen Orten könnte sich unter anderem durch Kirchenführungen ausdrücken, bis hin zur Aufnahme von Pilgern. Führungen und Wanderungen will außerdem das Evangelische Bildungswerk im Dekanat Coburg anbieten.

Entlang des Weges gibt es 21 Kirchen und Kapellen, rund 500 Schilder zeigen den Pilgern, wo es lang geht. Um die künftigen Pilger noch besser zu informieren, soll noch heuer am Reformationstag ein aufwändiger Führer mit Kartenmaterial, Informationen zu allen Gotteshäusern am Weg, zu Kirchenöffnungszeiten und Gottesdiensten sowie mit Gebeten und meditativen Texten erscheinen.

Seit 2008 gibt es ein über 400 Kilometer langes Netz von Lutherwegen in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Neben dem Weg in Bayern ist auch in Hessen ein Weg entlang der historischen Strecke geplant, die Martin Luther auf seinem Weg zum Reichstag in Worms 1521 zurücklegte.

Bild: Pfarrer Dieter Stößlein zeigt am Goldbergsee den Verlauf des neuen Lutherweges der direkt auf die Veste Coburg (im Hintergrund) führt. Dort hat Martin Luther 1930 ein halbes Jahr seines Lebens gewohnt und gearbeitet.

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15.09.2012

Prägendste Jahre in Fichtelgebirge und Frankenwald / Bundesinnenminister beim Humboldt-Jubiläumsjahr - Lichtinstallation des Coburger Studenten Christoph Drews

Goldkronach. Als praktischen Visionär mit sozialem Bewusstsein hat Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich den Universalgelehrten Alexander von Humboldt bezeichnet. Viele seiner Lösungen auf Herausforderungen der Zeit seien damals wie heute aktuell, sagte Friedrich bei der Festveranstaltung zum Abschluss des Jubiläumsjahres „220 Jahre Alexander von Humboldt in Franken“ am Samstag in Goldkronach.

„Alexander von Humboldt ist heute moderner denn je“, so Friedrich. Als Beispiele nannte der Minister unter anderem Humboldts großes persönliches Engagement für die Allgemeinheit, seinen Einsatz für Bildung und Ausbildung, das Erschließen öffentlichen und privaten Kapitals für dringend notwendige Investitionen sowie die konkrete Umsetzung von Innovationen in Forschung und Entwicklung. Zudem habe Alexander von Humboldt früh die immense Bedeutung von Information und Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg in vielen Bereichen erkannt. Tatsächlich soll Humboldt zeit seines Lebens rund 30000 Briefe verfasst haben.

Die entscheidendsten Jahre für die Entwicklung zum bedeutendsten Naturforscher und Universalgelehrten seien dabei die Jahre im Fichtelgebirge und im Frankenwald gewesen. Alexander von Humboldt habe sich den Menschen verpflichtet geführt, was beispielsweise an der Gründung der Bergschule in Bad Steben und an der Gründung mehrerer Fabriken unter anderem in Tettau und in Lauenstein deutlich wird. Schließlich sei ihm auch sein eigentlicher Auftrag, die Belebung des damals wirtschaftlich eher wenig profitablen Bergbaus, gelungen, wenn auch nur für einige Jahrzehnte.

Goldkronach sei mittlerweile zur echten Alexander-von-Humboldt-Stadt geworden, sagte Bürgermeister Günter Exner. Nicht nur, dass jeder Besucher in Goldkronach Jahrhunderte alte Bergbaugeschichte live erleben kann, auch durch die Arbeit des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums habe sich das kulturelle Leben der Stadt ganz wesentlich hin zum Positiven verändert.

Ziel des Kulturforums sei es, ein Humboldt-Bewusstsein in der Region zu schaffen und an den großen Universalgelehrten zu erinnern, der von 1792 bis 1796 die glücklichsten Jahre seines Lebens in Goldkronach, Naila, Bad Steben und Arzberg verbracht hatte. Besonders in Goldkronach zeigten die Bemühungen bereits Früchte, da sich die Stadt zunehmend als Humboldt-Stadt verstehe und mittlerweile auf ganz vielfältige Art und Weise an das Wirken Humboldts erinnere. Unterstützung fänden die Humboldt-Bemühungen mittlerweile in weiten Kreisen von Wirtschaft und Wissenschaft. Genau dies sei im Sinne Humboldts, der auch als Begründer eines neuen Wissenschaftsverständnisses des interdisziplinären Forschens und Handelns gilt.

Zum Abschluss des Humboldt-Tages führte der vielversprechende Lichtkünstler Christoph Drews nach Einbruch der Dunkelheit an der Fassade des Goldkronacher Schlosses die Lichtinstallation „Humboldts Traumbilder“ vor. Der Student der Hochschule Coburg zeigte dabei in eindrucksvollen überdimensionalen Bildern Humboldts frei interpretierte Visionen in einer tatsächlich erlittenen Ohnmachtsphase, die der Forscher in einem Brief geschildert hatte.

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13.09.2012

Hier findet Leben statt:
Im Wohnhaus Laineck gibt es eine eigene Seniorengruppe

Bayreuth. Am späten Vormittag ist es relativ still in den Räumen des Wohnhauses Laineck in Bayreuth. Die meisten der rund 40 Bewohner sind zur Arbeit in der nahegelegenen Werkstatt für Behinderte. Nur im oberstes Stockwerk tut sich was. Hier sind die zehn Mitglieder der Seniorengruppe zuhause. In der Küche wird gewerkelt, auf dem Balkon wird diskutiert und im Wohnzimmer läuft das Fernsehprogramm.

„Eingliederungshilfe endet nicht mit 65“, sagt Barbara Bauer, die aus Nürnberg stammt und seit 25 Jahren das unter der Trägerschaft des Diakonischen Werks in Bayreuth stehende Wohnhaus Laineck leitet. Viele wohnten hier, sei es das Haus gibt und sie bleiben natürlich auch in Laineck, wenn sie nicht mehr in die Werkstatt können oder müssen. Die älteste Bewohnerin ist derzeit Mitte 70 und genauso wie ihre Mitbewohner und Mitbewohnerinnen den ganzen Tag im Haus.

Solange keine intensive körperliche Pflege notwendig ist, muss doch niemand ins Pflegeheim, so Barbara Bauer. Aber genau das hatte sich der Sozialhilfeträger zunächst so vorgestellt. Die Sozialpädagogin setzte mit einem eigenen Konzept dagegen und entwickelte als eine der ersten in Oberfranken ein Konzept zur Tagesbetreuung für Menschen mit geistiger Behinderung nach dem Erwerbsleben für das Wohnhaus Laineck.

Kernpunkte sind unter anderem Teilhabe am gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Leben sowie die Förderung der Selbstbestimmung. Notwendig dazu sei ein Angebot, das den Tag strukturiert, Möglichkeiten der Freizeitgestaltung anbietet und dabei auf so viel Selbstständigkeit wie möglich setzt. „Es wird gemeinsam eingekauft, gekocht und gegessen“, erklärt die Leiterin, die zusammen mit den aktuell 20 Beschäftigten versucht, individuell auf jeden Bewohner des Hauses einzugehen.

Fotos an den Wänden dokumentieren nicht nur in der Seniorengruppe, dass im Lainecker Wohnhaus ein reiches gesellschaftliches Leben stattfindet. Gerade war wieder ein Sommerfest, aber auch sonst wird jeder Geburtstag gefeiert, an lauen Abenden wird gegrillt und einige Bewohner fahren sogar zusammen in den Urlaub. „Das Haus hat längst keinen Heimcharakter mehr“, sagte Barbara Bauer. Man wohnt im Haus, nicht im Heim. Das sei ein großer Unterschied, denn wohnen bedeute auch: „Hier findet Leben statt.“

Natürlich benötigt jedes Angebot auch entsprechendes Personal. Besonders schmerzhaft war für die Leiterin deshalb der Wegfall des Zivildienstes. Da seien plötzlich so einige Lücken in den Dienstplänen entstanden, die nicht so einfach mit dem Einsatz von Hilfskräften wieder zu stopfen waren. Auch die Praktikanten der umliegenden Fachschulen für Heilerziehungspflege, derzeit zwei aus Bayreuth und jeweils eine(r) aus Himmelkron und Marktredwitz, können diese Lücken nicht schließen.

Das Wohnhaus Laineck wurde 1985 eingeweiht. Heute bietet es 44 Wohnplätze in vier Gruppen. Daneben gibt es unter dem Dach der Diakonie drei Wohngruppen in der Innenstadt mit jeweils bis zu zehn Bewohnern. Im Schnitt sind die Bewohner zwischen 40 und 50 Jahren alt.

Bild:
„Man wohnt im Haus, nicht im Heim“: Barbara Bauer, die Leiterin des Wohnhauses Laineck in Bayreuth.

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10.08.2012

Großes Jubiläum bayerischer Lebensart / Staatssekretär Koschyk stellte zum 200. Geburtstag des Straubinger Gäubodenvolksfestes neue Sondermarke vor

Straubing. Sieben Festzelte mit zusammen 26000 Sitzplätzen, 140 Schausteller und über 1,3 Millionen Besucher, die an zehn Tagen erwartet werden: das Gäubodenvolksfest in Straubing bricht viele Rekorde. Der 200. Geburtstag des nach dem Münchner Oktoberfest zweitgrößten bayerischen Volksfestes erfuhr in diesem Jahr mit einer Sonderbriefmarke eine ganz besondere Würdigung. Noch vor der offiziellen Eröffnung des Festes stellte der Parlamentarische Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk die Briefmarke im Hof des Gäubodenmuseums vor.

Koschyk sprach von einem der schönsten, größten und traditionsreichsten Volksfeste in ganz Europa. „Das Gäubodenvolksfest gehört zu den herausragenden Ereignissen in Deutschland, in Bayern sowieso“, sagte Koschyk. Bemerkenswert sei auch der Aufstieg vom regionalen kleinen Landwirtschafsfest zu einem der bedeutendsten Volksfeste überhaupt. Das Gäubodenvolksfest stehe heute für die Verkörperung bayerischer Lebensart und genau das soll sich auch auf der neuen Sonderbriefmarke wieder finden. Als Symbole dafür seien im Stil naiver Malerei der berühmte Straubinger Stadtturm, die Dreifaltigkeitssäule, die typische Gäubodentracht, ein Wagen mit Bierfässern, das Riesenrad und ein weißblaues Rautenmuster zu sehen. „Wer diese Briefmarke sieht, der weiß, was bayerische Lebensart bedeutet“, so Koschyk.

„Unser Gäubodenvolksfest ist vor allem eines: ein Ort der Begegnung von Alt und Jung, von Stadt und Land sowie von Einheimischen und Gästen“, sagte Oberbürgermeister Markus Pannermayr. Wenn das Fest künftig noch bekannter wird, dann sei dies vielleicht einem der besten Werbeträger der Welt, einer Briefmarke, zu verdanken. Das Stadtoberhaupt bedankte sich vor allem dafür, dass die Stadt Straubing heuer schon zum zweiten Mal mit einer Sondermarke bedacht werde. Bereits Anfang des Jahres war eine Marke zum 225. Geburtstag des in Straubing geborenen weltberühmten Optikers und Physikers Joseph von Fraunhofer erschienen.

Das Gäubodenvolksfest wurde erstmals am 12. Oktober 1812 als Straubinger Landwirtschaftsfest im unteren Donaukreis eröffnet. Ziel war es unter anderem, das Selbstbewusstsein der Bevölkerung zu stärken. In den folgenden Jahrzehnten fand es abwechselnd in Straubing, Passau und Landshut statt. Bis zur Jahrhundertwende nahm das ursprüngliche Landwirtschaftsfest immer mehr Volksfestcharakter an und als um diese Zeit die Stadt Straubing einmal überraschend bei der Ausrichtung übergangen wurde, stellte man kurzerhand ein eigenes Volksfest mit Umzug, Feuerwerk, Ballon- und Zeppelinfahrten auf die Beine, das fortan im Zweijahresturnus stattfand. 1938 erhielt es den Namen Gäubodenvolksfest, erst seit 1962 findet es jährlich statt.

Die Sonderbriefmarke „200 Jahre Gäubodenvolksfest Straubing“ hat einen Wert von 55 Cent und ist in der hohen Auflage von 5,7 Millionen Stück erschienen. Für den Entwurf ist das Stuttgarter Graphikerteam Regina Steiner und Professor Peter Steiner verantwortlich.

Bild: Staatssekretär Hartmut Koschyk und der Straubinger Oberbürgermeister Markus Pannermayr mit der neuen Sonderbriefmarke und umrahmt von einer Straubinger Trachtengruppe.

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09.08.2012

„Mit Volldampf für die Jugend“ / Staatssekretär Koschyk stellte Jugendwohlfahrtsmarken 2012 im Nürnberger DB-Museum vor

Nürnberg. Drei Pioniere der industriellen Revolution sollen ein Zeichen setzen, um Kinder und Jugendliche zu unterstützen: Die drei Sonderbriefmarken aus der Reihe „Für die Jugend“ zeigen in diesem Jahr drei historische Dampflokomotiven, die Schnellzuglok S3/6, die Nebenbahnlok PtL 2/2 und die Güterzuglok „Leopold Friedrich“. „Mit wenigen Cent Zuschlag können Briefmarkenfreunde und Postkunden ab sofort dazu beitragen, sinnvolle Projekte zu unterstützen“, sagte der Parlamentarische Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk bei der Vorstellung der Briefmarken im DB-Museum Nürnberg.

Staatssekretär Lutz Stroppe vom Bundesfamilienministerium zeigte bei der Präsentation auf, dass die wenigen Cent mehr auch tatsächlich echte Hilfe bewirken können. Rund 200 Millionen Euro seien in den zurückliegenden Jahrzehnten mit den auch als Jugendwohlfahrtsmarken bekannten Postwertzeichen schon zusammen gekommen. Allein seit 2005 konnten nach den Worten Stroppes in Bayern Projekte mit einer Summe von 1,8 Millionen Euro gefördert werden. Auch vor Ort, denn in Nürnberg seien beispielsweise Familienpatenschaften unterstützt, individuelle Bildungsprozesse bei Grundschülern angestoßen und vielen Jugendlichen individuelle Hilfen beim Übergang von der Lehre zum Beruf geboten worden.

Herausgeber der Marken ist das Bundesfinanzministerium. Staatssekretär Koschyk berichtete von einer ungebrochenen Faszination von Dampflokomotiven, so dass sich der Programmbeirat entschieden habe, einmal mehr historische Loks zum Motiv zu machen. Grund dafür sei die große historische Bedeutung der Loks für die technische Entwicklung in Deutschland und der ganzen Welt. Auch die Gesellschaft habe sich durch die neu gewonnene Mobilität verändert, so dass die Rolle der Personen- und Güterzüge nicht hoch genug eingeschätzt werden könne.

„Auf die riesigen Dampfloks könne man heute vielleicht verzichten, auf die Hilfe für die Jugend nicht“, schlug Koschyk den Bogen zu den neuen Sondermarken. Alle drei Motive sind in einer Auflage von jeweils 2,5 Millionen Stück erschienen und ab sofort bei allen Verkaufsstellen der Deutschen Post erhältlich. Gestaltet wurden die Briefmarken von den beiden Graphikern Stefan Klein und Olaf Neumann aus Iserlohn.

Als „wichtige Zugpferde der gesellschaftlichen und industriellen Entwicklung“ bezeichnete auch Russalka Nikolov, die Direktorin des DB-Museums die Dampflokomotiven, von denen in der Sammlung zahlreiche Exemplare zu sehen sind. Das bereits 1899 eröffnete Museum sei das Älteste seiner Art auf der ganzen Welt und biete eine Zeitreise in die Vergangenheit der Deutschen Eisenbahnen. „Unser Ziel ist es, Vergangenes zu bewahren und immer wieder neu zu präsentieren“, sagte die Museumschefin.

Staatssekretär Koschyk überreichte bei der Präsentation aufwändig gestaltete Alben mit den neuen Marken unter anderem an Staatssekretär Stroppe, an die Nürnberger Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl, an den Programmbeirat MdB Klaus Brandner, an den Geschäftsführer der Stiftung Deutsche Jugendmarke Hans-Peter Bergner sowie an Vertreter von Philiatelistenverbände aus ganz Deutschland.

Bild: Finanzstaataatssekretär Koschyk (rechts) überreichte Alben mit Ersdrucken an den mittelfränkischen CSU-Bezirksrat Norbert Dünkel und die Nürnberger Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl

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28.07.2012

Literarisch-musikalische Annäherung an ein Universalgenie / Oberfranken auf den Spuren Alexander von Humboldts: Kulturforum will verstärkt Erinnerungsarbeit leisten – Historisches Symposium

Goldkronach. In seiner Heimatstadt Berlin gibt es kaum einen authentischen Ort, der an Alexander von Humboldt erinnert, In Oberfranken reihen sich die noch vorhandenen Wirkungsstätten des Universalgelehrten dagegen wie Perlen an einer Schnur. „Solche Orte sollte man hüten und als Schatz betrachten“, sagt Ingo Schwarz, der Leiter der Alexander-von-Humboldt-Forschungsstelle an der Akademie der Wissenschaften in Berlin-Brandenburg.

Goldkronach, Bad Steben und Arzberg sind nur drei solcher Orte, wenngleich sie auch als wichtigste Wirkungsstätten in Franken gelten. Ihnen stattete das „Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach“ zusammen mit fast 60 Interessierten nicht nur einen Informationsbesuch ab, das Forum unternahm zugleich erstmals den Versuch, sich Alexander von Humboldt literarisch und musikalisch zu nähern. Literarisch dadurch, indem der Berliner Schauspieler Christoph Förster in originalgetreuer Humboldt-Uniform an den authentischen Schauplätzen aus den Briefen zitierte, die Humboldt an den jeweiligen Orten verfasst hatte.

Musikalisch kam man Humboldt näher, indem das Bläserensemble „Athalia“ unter der Leitung des früheren Pegnitzer Kirchenmusikdirektors Roland Weiss Bearbeitungen von Felix-Mendelssohn Bartholdys Liedern ohne Worte und einzelne Stücke aus Giacomo Meyerbeers Opern „Der Prophet“ und „Die Afrikanerin“ aufführte. Sowohl Mendelssohn Bartholdy als auch Meyerbeer waren nicht nur Zeitgenossen und Freunde Alexander von Humboldts, er hatte sich auch maßgeblich für sie eingesetzt, beispielsweise wenn es darum ging, führende Positionen im Berliner Musikleben einzunehmen.

Im Juli 1792, also vor genau 220 Jahren war Alexander von Humboldt erstmals nach Franken gekommen. Er sei vorsichtig optimistisch gewesen, den Bergbau zu einer neuen Blüte zu bringen, sagte Ingo Schwarz. Der Bergbau sei damals neben der Landwirtschaft die Haupteinnahmequelle der Region gewesen, so der erste Bürgermeister des Marktes Bad Steben Bert Horn. In Bad Steben hatte Alexander von Humboldt erste Pläne einer freien Bergbauschule entwickelt und realisiert, sagte Ingo Schwarz.

In Arzberg hat man in Humboldts Wohnstätte, dem heutigen Gasthof Bergbräu, einen Gedenkraum mit einigen Exponaten eingerichtet. Sogar die Original Bodenbretter, über die schon Humboldt gelaufen ist, gibt es noch, so der für die kleine Gedenkstätte verantwortliche Hans Günther Träger. Auch die Überbleibsel des nahegelegenen Bergwerks „Kleiner Johannes“ mit dem heutigen Infozentrum für Bergbau und Geologie erinnern an die reiche Bergbauvergangenheit des Städtchens. Auch wenn Alexander von Humboldt kein Sohn der Stadt war, soll in Zukunft verstärkt an sein Wirken erinnert werden, so Bürgermeister Stefan Göcking. Er kündigte an, ähnlich wie vor dem Schloss Goldkronach oder im Kurpark von Bad Steben, künftig ebenfalls mit einem steinernen Abbild an das Wirken des Universalgenies in der Stadt zu erinnern.

Ein stärkeres Bewusstsein schaffen für das Wirken des Universalgelehrten Alexander von Humboldt in Franken, ihn einzubinden in die Reihe prominenter Persönlichkeiten wie Richard Wagner, Jean Paul, Franz Liszt und Markgräfin Wilhelmine, davon war beim Historischen Symposium „220 Jahre Alexander von Humboldt in Franken“ tags zuvor in Goldkronach immer wieder die Rede. Dem Kulturforum war es gelungen, die bekanntesten Wissenschaftler aus der aktuellen Humboldt-Forschung für einen Tag nach Goldkronach zu holen, um die unterschiedlichsten Facetten seines Wirkens in der Region und auch darüber hinaus hervorzuheben. „Alle Genialität seiner Persönlichkeit war bereits während seiner fränkischen Zeit vorhanden“, sagte der Initiator des Kulturforums, der Parlamentarische Staatssekretär Hartmut Koschyk, der es bedauerte, dass Alexander von Humboldt noch nicht genug im fränkischen Bewusstsein verankert ist.

Dies könnte vielleicht daran liegen, dass von Humboldts Wirken in der Region wenig übrig geblieben sei, wie es Bezirksheimatpfleger Professor Günter Dippold von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg ausdrückte. Was blieb sei lediglich der Ruhm, dass jemand, der wenig später zur Weltberühmtheit wurde und dessen Name für naturkundliche und geographische Fortschritte steht, einst in unserer Heimat wirkte, so Dippold. Der Wissenschaftler wollte weder soweit gehen, Humboldts fränkisches Erbe als spärlich zu betrachten, noch zu behaupten, dass die Vermessung der Welt im Frankenwald und im Fichtelgebirge ihren Ausgang genommen habe. Sollte jemals wieder, aufgrund globalwirtschaftlicher Verschiebungen, Gold, Eisen oder anderes Metall in Oberfranken gefördert werden, dann werde man gewiss auf Humboldt und dessen präzise analysierenden Bestandsaufnahmen des späten 18. Jahrhunderts zurückgreifen. So unwahrscheinlich sei dies alles nicht, denn jahrzehntelange Grubenschließungen habe es in der frühen Neuzeit immer wieder gegeben.

Mit dem Vorurteil, dass Alexander von Humboldt mit Kunst und Kultur wenig am Hut hatte, räumte Professor Sieghart Döhring vom Meyerbeer-Institut Thurnau auf. Humboldt habe sich nicht nur für die beiden Komponisten Giacomo Meyerbeer und Felix Mendelssohn Bartholdy eingesetzt, er habe darüber hinaus die Stadt Berlin nach dem Vorbild von Paris zur Kulturstadt Europas machen wollen und dabei auch in der Musik große Kenntnisse gehabt. Laut Professor Döhring soll es in den 1980er Jahren auch eine Diskussion darüber gegeben haben, die Universität Bayreuth in Alexander-von-Humboldt-Universität umzubenennen, was der Senat damals mit Mehrheit abgelehnt hatte.

Bild:
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So mag er wohl ausgesehen haben: Der Berliner Schauspieler Christoph Förster in der Rolle des Alexander von Humboldt.
- Das Athalia-Bläserensemble unter der Leitung des früheren Pegnitzer Kirchenmusikdirektor Roland Weiss (rechts) hatte erstmals eine musikalische Annäherung an den Universalgelehrten Alexander von Humboldt unternommen.

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 So sah die Ausrüstung der Bergleute unter Tage zur Zeit Alexander von Humboldts aus: Dr. Norman Pohl von der Technischen Universität Bergakademie Freiberg erläuterte, mit welchen Mitteln sich die Arbeiter damals schützten.

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22.07.2012

Zwei Oberbayern für Franken / Christian Ude zeichnete Michael Lerchenberg mit dem Franken-Rechen 2012 aus

Bayreuth. Mit dem „Franken Rechen 2012“ hat die SPD-Landtagsfraktion in Bayreuth den Schauspieler und Intendanten der Wunsiedler Luisenburg-Festspiele Michael Lerchenberg ausgezeichnet. Lerchenberg sei ein hervorragender Anwalt fränkischer Belange“, sagte der Münchener Oberbürgermeister und designierte SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahlen 2013 Christian Ude. Wenn Lerchenberg auch die oberbayerische Geschichte, Literatur und Kultur geradezu personifiziere, so sei er trotzdem seit Jahren einer der erfolgreichsten Kulturorganisatoren und –manager Frankens und ein engagierter und erfolgreicher Fürsprecher, wenn es gegen den oberbayerischen Zentralismus geht.

Christian Ude, als geschliffener und intellektueller Redner weithin bekannt, ging gleich zu Beginn seiner Laudatio auf das Kuriosum ein, dass ausgerechnet ein Oberbayer aus der Hand eines anderen Oberbayerns den Frankenrechen ausgehändigt bekommt. Er nannte es „absolut auf der Höhe der Zeit“, dass einem die Herkunft nicht lebenslang zum Vorwurf gemacht wird. Gerade Franken habe sich stets durch seine multikulturelle Offenheit ausgezeichnet. Franken sei ja auch nicht feindliches Ausland, sondern seit 200 Jahren fester Bestandteil Bayerns.

„Vielleicht sind die real existierenden Franken gerade deshalb so sympathisch, weil sie eben nicht die oberbayerische Mentalität haben“, sagte Ude. Neidisch sei er auf den selbstbewussten Protestantismus der Franken auf der einen Seite und auf die Geschichte der fränkischen Sozialdemokratie auf der anderen. „Franken, du Land der Hoffnung“ rief er aus und erinnerte auch daran, dass Franken mit Bamberg, Bayreuth und Würzburg gleich drei Weltkulturerbestätten vorzuweisen habe, während es in Oberbayern mit der Wieskirche gerade mal eine solche Stätte gebe.

„Die Franken haben Humor, besitzen Selbstironie und nehmen sich selbst auch gerne mal auf die Schippe“, sagte Michael Lerchenberg und spannte einen Bogen vom großen Nürnberger Humoristen Herbert Hisel bis zu den Kabarettisten Volker Heißmann und Martin Rassau. Lerchenberg erzählte von seiner ersten Reise ins Fichtelgebirge im Jahr 1970 mit dem Alpenverein. Damals sei es eine gefühlte Ewigkeit von München bis ins Fichtelgebirge gewesen, heute sind es zweieinhalb Stunden. Er erinnerte an sein erstes Engagement 1980 und nannte die Bühne einen magischen und mystischen Ort. „Die Bühne war meine Jugendliebe“, sagte Lerchenberg. Im Jahr 2003 sei daraus eine feste Ehe geworden. Lerchenberg wäre nicht Lerchenberg, wenn er nicht auch noch eine Spitze auf Lager hätte, diesmal gegen die Bayreuther Festspielleiterin Katharina Wagner, die erst vor wenigen Tagen in einem Spiegel-Interview Bayreuth abwertend als Provinz bezeichnet hatte, um tags darauf zurückzurudern und ihre Aussage auf die schlechte Anbindung der Stadt zu reduzieren. „Im Gegensatz zur Bayreuther Kollegin bin ich mit der Erreichbarkeit meiner Festspiele sehr zufrieden“, so Lerchenberg.

Zuvor hatte der Bayreuther Landtagsabgeordnete Christoph Rabenstein auf der Bühne des Ruinentheaters in der Eremitage den Landtagsabgeordneten Josef Filser von Ludwig Thoma gegeben und sich augenzwinkernd darüber beklagt, dass die Münchner über einen fünften Konzertsaal nachdenken, während das Theater in der Weltkulturerbestadt Bayreuth zur Ruine verkomme. Darauf konterte Christian Ude postwendend. Es sei ein unverzeihlicher Fehler, München zu sagen, wenn man die Staatsregierung meine. München und die Staatsregierung sollte man nicht verwechseln, „zumindest derzeit noch nicht“, so der Oberbürgermeister, der sich anschickt Ministerpräsident zu werden.

Bild: Christoph Rabenstein und Christian Ude zeichneten Michael Lerchenberg (von links) mit dem Franken Rechen 2012 aus.

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16.07.2012

Oberfränkisch-amerikanische Erfolgsgeschichte
Erste Büste von Jeans-Erfinder Levi Strauss in Buttenheim bei Bamberg enthüllt

Buttenheim. Zu Ehren von Blue-Jeans-Erfinder Levi Strauss ist in seinem Geburtshaus in Buttenheim (Landkreis Bamberg) am Montagabend eine Portraitbüste des Forchheimer Bildhauers Hans Dressel enthüllt worden. „Damit ist Levi Strauss zum allerersten Mal auch dreidimensional zu erleben“, sagte der Buttenheimer Bürgermeister Johann Kalb bei der Enthüllung.

Levi Strauss reihe sich in die Liste großer deutscher Persönlichkeiten ein, sagte Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk bei der Enthüllung der Büste. Das Leben von Levi Strauss verkörpere wie kaum ein anderes den amerikanischen Traum. „Es ist eine oberfränkisch-amerikanische Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht“, so Koschyk, der am Gymnasium Forchheim Schüler des Bildhauers und damaligen Kunsterziehers Hans Dressel war. Das Museum, das zu den größten im Landkreis Bamberg gehört, zeige eindrucksvoll den Weg der Blue Jeans von der Arbeitshose zum Designerkleidungsstück auf, sagte Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Nicht zuletzt sei das Museum deshalb so einzigartig, weil es Buttenheim international bekannt gemacht habe, so der Bamberger Landtagsabgeordnete Thomas Silberhorn.

Levi Strauss wurde am 18. Februar 1829 unter dem Namen Löb Strauß in Buttenheim als Sohn jüdischer Eltern geboren. Nachdem sein Vater verstorben war, wanderte er zusammen mit seinen beiden Schwester und der Mutter 1847 nach New York aus, und betrieb einen Textilhandel. Strauss nannte sich fortan Levi und erwarb die amerikanische Staatsbürgerschaft. Sechs Jahre später folgte er dem Goldrausch an der amerikanischen Westküste und ließ sich in San Francisco nieder. Weil die Goldgräber bei ihrer harten Arbeit strapazierfähige Hosen benötigten, ließ er bald darauf Hosen aus Segeltuch, später aus dem Baumwollstoff Denim anfertigen, der mit Indigo blau gefärbt wurde. Zusammen mit seinem Schneider gründete er seine eigene Firma und ließ er das Verfahren patentieren. Heute ist die Levi Strauss Company ein international ausgerichteter Konzern mit über 11000 Beschäftigten, der seine Produkte in über 100 Länder liefert. Erst in den 1980er Jahren galt als gesichert, dass Levi Strauss aus dem oberfränkischen Buttenheim stammt. Im Jahr 2000 wurde das Museum in seinem Geburtshaus eröffnet.

Der Schöpfer der Portraitbüste, die Levi Strauss im Alter von 30 Jahren zeigt ist der Bildhauer Hans Dressel. Er wurde 1925 in Neunburg am Wald geboren, hatte in Nürnberg und München Kunst studiert und war viele Jahre lang als Kunsterzieher am Forchheimer Gymnasium tätig. Vor allem durch seine Skulpturen im öffentlichen Raum wurde er einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Zu seinen Werken gehören unter anderem die Skulptur „Vier Jahreszeiten“ vor dem Forchheimer Krankenhaus, die Ausgestaltung der Marienkirche im Fürther Stadtteil Burgfarrnbach oder die Alexander-von-Humboldt-Büste vor dem Schloss Goldkronach.

Bild unten: Der Bundestagsabgeordnete Sebastian Körber, Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk, Regierungspräsident Wilhelm Wenning, Bildhauer Hans Dressel, MdB Thomas Silberhorn, Bezirkstagspräsident Günther Denzler und Buttenheims Bürgermeister Johann Kalb (von links) bei der Enthüllung der Levi-Strauss-Büste im Geburtshaus des Jeans-Erfinders.

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30.06.2012

Real ist nur der Augenblick / Sonderausstellung im Wallfahrtsmuseum widmet sich der Kunst des Lebens und des Sterbens

Gößweinstein. Eine Ausstellung über den Tod: das kann doch allenfalls im November funktionieren. Doch da wird sie schon wieder vorbei sein, die Sonderausstellung, die derzeit im Wallfahrtsmuseum Gößweinstein (Dekanat Forchheim) zu sehen ist. Unter Motto „Kunst des Lebens - Kunst des Sterbens“ will Museumsleiterin Regine Urban nicht nur um den Tod thematisieren. Vielmehr will das Wallfahrtsmuseum aufzeigen, dass das Leben immer im gegenwärtigen Augenblick stattfindet. „Es ist immer fünf vor zwölf“ lautet deshalb auch der Untertitel zu der kleinen Schau, die sowohl im Museum, als auch auf der Wiese hinter der berühmten Basilika stattfindet.

Dort auf dem Areal des ehemaligen Friedhofs haben die Installationskünstlerin Bali Tollak und ihr Lebensgefährte Wolfgang Dennig, beide aus Oberbayern, rund 20 ihrer sogenannten Seelenbretter aufgestellt. Sie erinnern an die Totenbretter, die noch immer in der Oberpfalz und im Bayerischen Wald zu sehen sind und die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zum Transport der Verstorbenen üblich waren, bis die Sargbestattung aufkam. Doch auf den Seelenbrettern der beiden Künstler wurden keine Toten zu Grabe getragen. Sie wurden stattdessen farbenfroh bemalt und mit Bibelzitaten, Sinnsprüchen und Aphorismen versehen, die von Philosophen, Künstlern und Mystikern von der Antike bis heute stammen.

Bali Tollak ordnet ihre Bretter weder ausschließlich den Lebenden, noch ausschließlich den Toten zu. Ihr geht es vielmehr darum, beide Welten, die heute meist strikt getrennt werden, zu vereinen oder zumindest symbolisch wieder anzunähern. „Ich male keine Totenbretter, ich male Lebendbretter“, sagt sie, denn beides gehöre untrennbar zusammen.

Überhaupt spielt die Kunst bei der neuen Sonderausstellung in Gößweinstein eine große Rolle. Im Museum und auch davor sind mehrere Kleinskulpturen unter anderem von den Malern und Bildhauern Reinhard Klesse und Adelbert Heil zu sehen. Daneben zeigt die Schau aber auch zahlreiche Zeugnisse der Sterbenskultur und des Totengedenkens, Beispiele künstlerischer Grabgestaltung, sie geht Ritualen der Sterbestunde nach, vermittelt Illustrationen zur Auferstehung und widmet sich augenzwinkernd der Unterhaltungs- und Comicbranche, die, wie es scheint, den Tod zu ihrem Liebling erklärt habe, so Museumsleiterin Urban. In zahlreichen Comics, bei verschiedenen Events und Gruppierungen werde der Tod auch heute wieder überaus menschlich dargestellt.

Der dritte Teil der Ausstellung „Kunst des Lebens, Kunst des Sterbens“ erinnert schließlich an den ehemaligen Friedhof hinter der Basilika, von dem lediglich noch einige Gedenktafeln an der Rückfront der Basilika zu sehen sind. Dazu haben die Verantwortlichen historische Fotos alter Grabdenkmäler und Zeugnisse der Gößweinsteiner Friedhofsgeschichte zusammengetragen.

Zum Begleitprogramm der Ausstellung gehört unter anderem eine Aufführung des Fränkischen Jedermanns durch das „Theater Kuckucksheim“ im Pfarrzentrum am 29 Juli. Am 18. September wird Andreas Hölscher vom Archiv des Erzbistums Bamberg über Giovanni Bonalino, dem Baumeister der Gößweinsteiner Friedhofskirche sprechen und am 9. Oktober hält Anja Münzel vom Christlichen Palliativ- und Hospizdienst der Caritas Forchheim einen Vortrag zum Thema „Den letzten Weg gemeinsam gehen“.

Die Sonderausstellung „Kunst des Lebens - Kunst des Sterbens“ hat bis zum 14. Oktober im Wallfahrtsmuseum Gößweinstein, Balthasar-Neumann-Straße 2 - 4 (direkt neben der Basilika) täglich außer Montag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Seelenbretter hinter der Basilika sind frei zugänglich. Weitere Information: www.wallfahrtsmuseum.info.

Bild: Bali Tollak und Wolfgang Denning zeigen seit Jahren ihre „Seelenbretter“ im In- und Ausland. Jetzt sind die Kunstwerke, die Tod und Leben verbinden, im Wallfahrtsmuseum Gößweinstein zu sehen.

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22.06.2012

Wiedereingliederung als Ziel
Einmaliges Therapiekonzept für Mütter mit Kindern in Süddeutschland

Hutschdorf. Rund acht Millionen Investitionsvolumen, fast doppelt so viele Plätze als bisher und ein Rehabilitationskonzept, das in Süddeutschland bislang einmalig ist: Die Fachklinik Haus Immanuel in Hutschdorf bei Thurnau im Landkreis Kulmbach nimmt künftig auch suchtkranke Frauen zusammen mit ihren Kindern bis zum Alter von zehn Jahren zur Behandlung auf. Möglich macht dies ein großangelegter Neubau, der seit März 2011 realisiert und am Freitag offiziell eingeweiht wurde.

Nach den Worten von Klinikleiter Gotthard Lehner gibt es in Deutschland nur insgesamt zehn Kliniken, die sich ausschließlich um weibliche Suchtpatienten kümmern. Mit der Erweiterung der christlich geprägten Reha-Klinik von bisher 36 auf künftig 60 Plätze trage der Neubau auch ein Stück zu mehr Wirtschaftlichkeit bei, da die bisherige Bettenzahl keine kostendeckende Belegung mehr gewährleisten konnte.

Die zurückliegenden 15 Monate Bauzeit bezeichnete Lehner als absolut turbulent, nicht nur für Patienten und Klinikpersonal, sondern auch für die Bewohner von Hutschdorf. Das sei jetzt endlich vorbei sagte der Klinikchef. „Wir hatten außerdem dringenden Sanierungsbedarf“, so Lehner, Diakon und Sozialpädagoge, der vor 20 Jahren als Therapeut in Hutschdorf seinen Dienst angetreten hatte. Deshalb sei es ursprünglich auch um die Frage gegangen, ob man die Klinik überhaupt in Hutschdorf weiterführe, oder an einem anderen Standort neu errichten sollte. Schließlich hatten sich die Verantwortlichen doch für den Standort entschieden, mit den Bewohnern des kleinen Ortes  herrsche ein gutes Miteinander. Es gebe mittlerweile niemandem mehr im Ort, der älter ist als die Klinik.

Nach den Worten von Klinikleiter Lehner (Bild links) verfolgt das Team seines Hauses mit der Kombination von medizinischer Betreuung, Psycho-, Ergo-, Physio-, Sozial- und Arbeitstherapie eine ganzheitliche und nachhaltige Behandlung suchtkranker Frauen. Die Therapiezeit, deren Kosten in der Regel von den Rentenversicherungsträgern oder den Krankenkassen übernommen wird, ist auf 15 Wochen begrenzt und gliedert sich in eine Besinnungs-, Intensiv- und Belastungsphase, in denen jeweils ganz spezifisch auf die Bedürfnisse von Frauen eingegangen werden soll. Danach bestehe die Möglichkeit zu ambulanten Weiterbetreuungsmaßnahmen. Zentrales Ziel der Therapie ist die Wiedereingliederung in das Erwerbsleben.

Neu im Behandlungskonzept ist auch, dass künftig traumatisierte Frauen, die Opfer von körperlicher oder seelischer Gewalt wurden, aufgenommen werden. „Wir wollen an die Ursachen ran“, so Lehner. Es könne nicht sein, dass die Kinder von alkoholkranken Patientinnen auch alkoholkrank werden. „Diesen Kreislauf müssen wir durchbrechen, schon allein, um den Kindern eine Chance zu geben.“

Zu den Baukosten von rund acht Millionen Euro für den Neubau haben die Oberfrankenstiftung und bayerische Landesstiftung etwa ein Viertel beigesteuert. Das neue Kinderhaus wurde unter anderem mit Mitteln der Aktion Sternstunden des Bayerischen Rundfunks und der Aktion „Ein Herz für Kinder“ finanziert. Für das neue Spielhaus flossen weitere Mittel von der Kulmbacher Raps-Stiftung. Dies alles zeige, dass der Neubau von vielen mitgetragen und unterstützt wird, sagte Lehner. Ohne all diese Gelder wäre die Realisierung weitaus schwieriger geworden. Gleichzeitig kritisierte er aber auch, dass derart wichtige Aufgaben für die Suchttherapie nur über Spenden finanziert werden müssten und andernfalls nicht realisiert werden könnten. Man dürfe nicht an der Rehabilitation sparen, sondern mit ihr. Manchmal habe er den Eindruck, dass dies nicht mit letzter Konsequenz umgesetzt werde.

Die Fachklinik Haus Immanuel in Hutschdorf  wurde vor über 100 Jahren von dem damaligen Hutschdorfer Pfarrer Ernst Keupp gegründet und gilt als älteste bayerische Suchtklinik.  In den Kriegsjahren dienten die Gebäude als Lazarett und später als Heimstätte für die sogenannte Schullandverschickung. Prominenteste Lehrerin in Hutschdorf zu dieser Zeit war Loki Schmidt, Ehefrau des späteren Bundeskanzlers Helmut Schmidt. Seit 1961 werden ausschließlich Frauen aufgenommen. Träger der Klinik ist der Deutsche Gemeinschafts-Diakonieverband mit Sitz in Marburg. Die Klinik beschäftigt derzeit 33 Mitarbeiter, mit Eröffnung des Neubaus kamen weitere zehn Beschäftigte dazu.

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12.06.2012

Nach zehn Monaten aufwändiger Ermittlung: Oberfränkische Polizei konnte polnischer Autoknackerbande das Handwerk legen

Forchheim/Bayreuth. 43 gestohlene Fahrzeuge im Wert von fast eine halben Million Euro und sieben Festnahmen: das ist die Bilanz eines spektakulären Kriminalfalls, der in Forchheim seinen Anfang genommen und sich in der Folge durch das gesamte Bundesgebiet erstreckt hat. Jetzt hat die Polizei in Oberfranken der professionellen Autoknackerbande das Handwerk gelegt, am 24. Juli beginnt in Bamberg der Prozess.

„Wir gehen von langjährigen Haftstrafen in einer Höhe von jeweils bis zu zehn Jahren aus“, sagte der zuständige Oberstaatsanwalt Martin Dippold am Dienstag vor der Presse in Bayreuth. Die sieben polnischen Staatsangehörigen im Alter zwischen 21 und 53 Jahren müssen sich wegen schweren Bandendiebstahls vor dem Landgericht in Bamberg verantworten. Insgesamt hatten sie sich an 55 Fahrzeugen, ausschließlich der Marken VW und Audi zu schaffen gemacht. In zwölf Fällen blieb es beim Versuch, da sie das Fahrzeug entweder nicht starten konnten oder später wegen Benzinmangels liegen lassen mussten.

Die Autos seien durch Kuriere über Görlitz nach Polen verbracht und dort weit unter Wert verkauft worden, sagte der Hauptermittler Michael Enders vom Polizeipräsidium Oberfranken.  Ihren Anfang genommen hatte die Serie in Forchheim, weil die Freundin eines Täters verwandtschaftliche Beziehungen in die Fränkische Schweiz pflegte. So seien zwischen dem 28. und 30 Juni des vergangenen Jahres allein in Forchheim sieben Fahrzeuge gestohlen worden.

Nachdem sich die Spur der Autoknacker in rascher Folge über die Landkreise Bamberg, Kulmbach und Bayreuth weiter nach Thüringen, Sachsen bis nach Berlin zog, habe die oberfränkische Polizei eine der umfangreichsten Telekommunikationsüberwachungen ihrer Geschichte gestartet. Enders berichtete von allein 74 richterlichen Beschlüssen über solche Maßnahmen. Dabei seien weit über 50000 (!) Handygespräche, SMS oder Mails ausgewertet worden. Alles in polnischer Sprache, was den umfassenden Einsatz von Dolmetschern notwendig machte. Die Kosten dafür bezifferte Enders auf einen fünfstelligen Betrag.

Die Festnahme erfolgte schließlich am 6. November des zurückliegenden Jahres im westfälischen Windeck im Rhein-Sieg-Kreis. Rund 50 Beamte seien bei der spektakulären Aktion im Einsatz gewesen, berichtete der Chefermittler. Im Anschluss habe der Ermittlungsrichter am Amtsgericht Bamberg sechs Haftbefehle erlassen, gegen den siebten Mann habe bereits ein europäischer Haftbefehl eines polnischen Bezirksgerichts zur Verbüßung einer mehrjährigen Haftstrafe aus dem Jahr 2008 vorgelegen. Das Oberlandesgericht in Bamberg ordnete deshalb die Auslieferungshaft gegen den 53-Jährigen an und überstellte den Mann den polnischen Behörden.

Als Besonderheit der Tat nannte es Enders, dass die Bande absolut professionell vorgegangen war. Einer der Beteiligten habe den jeweiligen Diebstahl straff organisiert, zwei Männer seien als Kuriere zur Überführung der Fahrzeuge im Einsatz gewesen, und sogar einen eigenen Techniker habe die Bande beschäftigt. Der Mann sei nur dazu da gewesen, um mit Spezialwerkzeug die Türen zu öffnen und mit einem Diagnosetool die Wegfahrsperren zu deaktivieren. Diese Geräte kosteten gut 1000 Euro und seien über das Internet frei erhältlich.

Auch bei der Überführung seien die Männer nicht zimperlich vorgegangen. In einem Fall wurde ein ziviles Polizeifahrzeug auf der Bundesautobahn A4 gerammt, davor und danach habe es bereits mehrere Rammversuche gegeben. Die Verhandlung vor dem Landgericht in Bamberg beginnt am 24. Juli und ist auf mehrere Tage bis zum 3. August angesetzt.

Bild: Einzelheiten zu der spektakulären Festnahme einer polnischen Autoknackerbande haben Michael Enders (links) von der KPI in Oberfranken und Oberstaatsanwalt Martin Dippold aus Bamberg bekannt gegeben.

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08.06.2012

Chefin über drei Millionen Akten / Dr. Stefanie Jost ist die neue Leiterin des Lastenausgleichsarchivs in Bayreuth - Antrittsbesuch von Staatssekretär Koschyk: Zusammenarbeit mit Universität geplant

Bayreuth. Die Schätze des Bundesarchivs (Lastenausgleichsarchiv) in Bayreuth stärker zu heben, dieses Ziel soll eine geplante Kooperation zwischen der Einrichtung im Alten Städtischen Krankenhaus  und der Universität Bayreuth verfolgen. „Wir wollen die Integrationsforschung unter Einbeziehung des Archivs stärker vorantreiben“, sagte der Parlamentarische Finanzstaatssekretär und Bayreuther Bundestagsabgeordnete bei seinem Antrittsbesuch bei der neuen Leiterin Dr. Stefanie Jost. Die gebürtige Mannheimerin hat vor kurzem die Nachfolge von Dr. Ulrich Ringsdorf angetreten.

Die Arbeit der Bayreuther Einrichtung habe in den zurückliegenden Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen, sagte Jost, die in Heidelberg Latein und Geschichte studiert und anschließend eine Archivausbildung absolviert hatte. „Wir werden stark nachgefragt, die Benutzerzahlen sind sprunghaft gestiegen“, so Jost. Allerdings stehe der Bereich Wissenschaft und Forschung nicht an erster Stelle, vielmehr gehe es noch überwiegend um familiengeschichtliche Fragestellungen. Dennoch sei festzustellen, dass die Thematik Flucht und Vertreibung heute viel größere Bevölkerungskreise anspreche, als in der Vergangenheit. Während die Vertriebenenproblematik früher als Domäne einiger weniger Verbände galt, gehe man mittlerweile dazu über, die Nachkriegsgeschichte auf breiterer Basis zu erforschen, ohne den Vorwurf des Revanchismus befürchten zu müssen.

Deswegen sollte auch über eine Forschungsstelle eine Brücke zur Universität geschlagen werden, sagte Koschyk. Die Voraussetzungen dafür könnten in Bayreuth nicht besser sein. Das Thema des Lastenausgleichs umfasse historische, aber auch soziale und wirtschaftliche Forschungsschwerpunkte, die in einer Kooperation hervorragend vertieft werden könnten. Nicht zuletzt, weil immer mehr Wissenschaftler aus Mittel- und Osteuropa zunehmend auf die Bestände des Bayreuther Archivs zugreifen, sei es von großer Bedeutung, dass die Bestände stärker als bisher für die wissenschaftliche Forschung geöffnet werden.

Das Lastenausgleichsarchiv beherbergt weit über drei Millionen Akten auf 36 Regalkilometern, 22 Millionen Karteikarten des kirchlichen Suchdienstes, rund 350000 Fotografien und 8000 historische Landkarten. Damit wird in Bayreuth, von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, eindrucksvoll ein zentrales Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte dokumentiert. Der sperrige Name Lastenausgleicharchiv kommt von den Akten aus dem so genannten Lastenausgleich. Dabei handelt es sich um die Unterlagen von Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten sowie Süd- und Osteuropas, die Ausgleichszahlungen erhalten hatten. In den Akten enthalten sind unter anderem Grundbuchauszüge, Pläne und Fotos, die sämtliche Besitz- und Lebensverhältnisse der Menschen umfassend dokumentieren.

Zweiter wesentlicher Baustein der Archivarbeit sind die Heimat- und Ortskarteien der Kirchen aus dem ehemaligen Ostpreußen, Pommern, Ober- und Niederschlesien sowie einiger anderer Gebiete. Mit den Karteikarten besitzt das Archiv eine Art „Einwohnermeldeamt“ des ehemaligen deutschen Ostens. Neben den genannten Dokumenten beherbergt das Archiv außerdem rund 10000 Zeitzeugenberichte, 18000 Fragebögen und 6000 Berichte von Amtsträgern wie Kirchenmännern, Lehrern oder Bürgermeistern. Sie alle haben eines gemeinsam, sie spiegeln die Situation der Flüchtlinge und Vertriebenen detailliert wider.

Das Lastenausgleichsarchiv hatte 1989 seine Arbeit in Bayreuth aufgenommen und 1996 sein jetziges Domizil in der Dr.-Franz-Straße bezogen. Dort und in einem angrenzenden Magazinneubau wird das gesamte Archivgut auf einer Fläche von fast 6000 Quadratmetern unter klimatisch optimalen Bedingungen archiviert.

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23.05.2012

Wertvoller Vermittler deutscher Kultur und Sprache auf der ganzen Welt / Argentinisches Tageblatt wurde mit dem ersten Medienpreis der Stiftung Verbundenheit ausgezeichnet – Ehrenpreis für Prager Zeitung

Berlin. Mit dem ersten Medienpreis „Dialog für Deutschland“ hat die Stiftung „Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland“ am Mittwoch in Berlin die in Buenos Aires erscheinende Wochenzeitung „Argentinisches Tageblatt“ ausgezeichnet. Das Blatt habe sich seit seiner Gründung 1887 auch in stürmischer und gefährlicher Zeit stets den Grundsätzen der Freiheit und der Demokratie verpflichtet, sagte Christoph Lanz, Multimedia-Direktor der Deutschen Welle und Sprecher der Jury.

Ein Ehrenpreis ging an die „Prager Zeitung“, die seit 1981 erscheint und sich dabei stets aufmerksam und behutsam den Beziehungen zu den deutschsprachigen Nachbarländern gewidmet habe, sagte Lanz. Die "Prager Zeitung" sei die erste Auslandspublikation im ehemaligen Ostblock gewesen, die sich neben den Angehörigen einer deutschen Minderheit auch gezielt, zeitgemäß und mit Erfolg deutschsprachigen Geschäftsleuten und Touristen als Lesergruppen widmete.

Der Preis soll eine Ermutigung sein für die oft schwierige Arbeit deutschsprachiger Medien im Ausland sagte Stiftungsratsvorsitzende und Parlamentarische Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk bei der Übergabe des mit 5000 Euro dotierten Preises.  Koschyk kündigte deshalb die Absicht der Stiftung an, Medien aus Deutschland als Partner für deutschsprachige Zeitungen im Ausland zu gewinnen. Außerdem will die Stiftung noch im laufenden Jahr mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes ein Handbuch der deutschsprachigen Medien in aller Welt veröffentlichen, unter anderem um die Zeitungen zu stärken und sie für potentielle Anzeigenpartner interessant zu machen.

Nach den Worten von Bundestagspräsident Norbert Lammert (Bild links) gibt es im Ausland rund 2000 Periodika, die in deutscher Sprache erscheinen. Etwa 100 davon seien Zeitungen im klassischen Sinn, die meisten davon erscheinen wöchentlich, etwa zehn Prozent täglich. Daneben gebe es an die 300 Rundfunk und etwa 50 Fernsehstationen, die in deutscher Sprache ausgestrahlt werden. Sie alle zusammen erreichten ungefähr drei Millionen Menschen.

Lammert bedauerte bei der Preisverleihung, dass der Stellenwert der deutschen Sprache in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich zurückgegangen sei. Hätten beispielsweise noch 2005 fast 17 Millionen Menschen auf der ganzen Welt Deutsch als Fremdsprache gelernt, sei die Zahl im Jahr 2010 bereits um 2,7 Millionen Menschen zurückgegangen. Für die schwindende Bedeutung der deutschen Sprache machte Lammert unter anderem das „aktive und passive Verhalten der Eliten unseres Landes“ verantwortlich. So lasse man beispielsweise zu, dass Englisch als Wissenschaftssprache selbst bei Germanisten an den deutschen Hochschulen längst anerkannt sei. Vor dem Hintergrund der „Leidensgeschichte Rechtsschreibreform“ warf Lammert außerdem der Politik einen unnötigen Gestaltungsehrgeiz für Dinge vor, für die sie ganz offenkundig nicht zuständig sei.

Dem Stiftungsvorsitzenden und Geschäftsführer des Bundesverbandes der Automobilindustrie Kay Lindemann zufolge werden deutschsprachige Medien im Ausland auch im Zeiten des Internets eine Bedeutung haben. Sie seien nicht selten das Lebenswerk kleiner Familienverleger und berichteten über das aktuelle Geschehen aus ihrer eigenen Perspektive. Darüber hinaus würden sie in ihren jeweiligen Erscheinungsländern auch als wichtiger Werbeträger anerkannt. Nach den Worten Lindemanns hatten sich 28 Zeitungen und Zeitschriften aus der ganzen Welt an dem Medienpreis beteiligt. Die Jury setzte sich zusammen aus Vertretern der Deutschen Welle, der Internationalen Medienhilfe (IMH), mehrerer politischer Parteien, des Bundespresseamtes und des Auswärtigen Amtes. Prominenter Juror war außerdem der bekannte TV-Nachrichtenmoderator Dieter Kronzucker.

Die Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland wurde 2004 von dem saarländischen Unternehmer Kurt Linster gegründet. Ziel ist es, Maßnahmen zu fördern, die dem Erhalt der deutschen Sprache und Kultur sowie der Völkerverständigung dienen. Die Verleihung des Medienpreises "Dialog für Deutschland" wurde unterstützt von der Dr. Kurt Linster Stiftung, der LEO Stiftung Live 4 Each Other, der KfW Bankengruppe, dem Land Niedersachsen und der Deutschen Lufthansa AG.

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20.05.2012

Fränkisches Nationalgericht, Leibspeise und Kultprodukt / 2. Fränkischer Bratwurstgipfel lockte diesmal rund 20000 Besucher nach Pegnitz

Pegnitz. Keine Chance für Vegetarier: zum 2. Mal ging es in Pegnitz um die Wurst, genauer um die Bratwurst. 16 Metzger aus ganz Franken waren angetreten, um mit über 30 Wurstkreationen um den Titel des fränkischen Bratwurstkönigs zu kämpfen. Diesmal waren es laut Veranstalter rund 20000 Besucher, die sich das Spektakel im Wiesweiherpark mitten in der Stadt nicht entgehen ließen. Darunter auch jede Menge Prominenz, wie etwa der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (Bild rechts) und der bayerische Innenminister Joachim Herrmann.

„Die Bratwurst ist eines der Herzstücke fränkischer Kulinaristik“, erklärte der Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken Thomas Zimmer. Er beschrieb die Bratwurst als „Aushängeschild unserer fränkischen Metzgermeister“, als Nationalgericht, Leibspeise und Kultprodukt der Franken zugleich. Genau deshalb hätten die drei fränkischen Handwerkskammern, die Genussregion Oberfranken und die Stadt Pegnitz beschlossen, für die fränkische Bratwurst ein Zeichen zu setzen, ihr einen eigenen Tag und ein besonderes Fest zu widmen: den Fränkischen Bratwurstgipfel.

16 Metzgereien, je vier aus Ober-, Mittel- und Unterfranken, hatten sich diesmal mit exakt 32 Bratwurstkreationen und –sorten beteiligt. Sie alle servierten ihre Bratwurstspezialitäten nicht nur frisch vom Grill, sondern stellten sich auch mit verschiedensten Blindverkostungen und mit Hilfe von Publikumsbewertungen dem Wettbewerb. Jede Metzgerei schickte dazu zwei Bratwurstspezialitäten ins Rennen. Gegeneinander gebrutzelt wurde dabei in den zwei Kategorien „Klassische Bratwurst“ und „Kreativbratwurst“.

Der Kreativität waren dabei keine Grenzen gesetzt. Feinschmecker konnten wählen aus Sorten wie Bärlauch-, Tomate-Mozzarella-, Red-Hot-Chili-Roaster-, oder gar Schoko-Chili-Bratwurst. Es gab sie mit Spargel, Kümmel, Hickory und sogar Chili oder Mango. Aber auch die klassischen Bratwürste wurden in den unterschiedlichsten Variationen angeboten: grob, fein, dick, schmal, und sogar evangelisch und katholisch. Sogar eine „Bratwurst für Verliebte“ gab es von der Metzgerei Herpich aus Hof, genauso wie eine kreolische Bratwurst von der Metzgerei Fabis aus Bayreuth oder den Chili-Knoblauch-Griller vom Dorfmetzger Reck aus Möhrendorf.

Als echter Bratwurstkenner outete sich der frühere Ministerpräsident Günther Beckstein: Die Bratwurst eigne sich genauso als schnelle Zwischenmahlzeit im Brötchen wie als gemütliche Brotzeit zu Sauerkraut, Brot und einem Seidla Bier, sagte der bekennende Franke. Beckstein: „Keine Region hat eine solche Bratwurstkultur wie unser Franken.“  Je südlicher man nach Bayern kommt, umso schlechter schmecke die Wurst, sagte der Pegnitzer Bürgermeister Manfred Thümmler. Weißwurst sei nur weiß, bestätigte Beckstein, aber Bratwurst sei individuell, ganz wie die Franken.

Davon überzeugten sich diesmal auch internationale Gäste, wie Francois Deligne aus der französischen Partnerstadt von Pegnitz, Guyancourt bei Paris, oder Moreno Pizzoni aus Foligno, nahe dem italienischen Assisi. Pizzoni ist einer der wenigen italienischen Metzger, der auch Bratwürste herstellt. Da die Region um Assisi genauso wie Oberfranken als Genussregion gilt, soll der bereits seit zehn Jahren bestehende Jugendaustausch zwischen dem Landkreis Bayreuth und Assisi künftig als Partnerschaft auf eine breite Basis gestellt werden, erklärte der Parlamentarische Finanzstaatssekretär und Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, der den italienischen Bratwurstmetzger nach Pegnitz eingeladen hatten.

Die Veranstaltung Fränkischer Bratwurstgipfel lässt sich als Mischung aus Kulinarik, Information, Unterhaltung, Verkostung und Wettbewerb umschreiben. Wir lebten in einer Welt der Bilder, Werbung versuche, uns mit klaren und einfachen Botschaften emotional anzusprechen. Genau dasselbe müsse getan werden, um regionale Produkte wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen zu rücken, erläuterte HWK-Präsident Zimmer den ernsten Hintergrund des Bratwurstgipfels. Um regionalen Produkten eine Seele einzuhauchen, ihnen ihren Charakter zurück zu geben, vielleicht sie sogar zum Kult werden zu lassen, gehörten auch öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen dazu, die ruhig auch Eventcharakter haben dürfen. Der Fränkische Bratwurstgipfel gehe genau diesen Weg. „Es war wichtig und richtig, der fränkischen Bratwurst endlich eine eigene Veranstaltung zu geben und sie zu feiern“, zog Zimmer eine positive Bilanz der Großveranstaltung.

Am Ende blieb der Titel übrigens in Pegnitz: Klaus Lindner von der gleichnamigen Metzgerei wurde zum zweiten fränkischen Bratwurstkönig gekrönt. „Ich weiß zwar, dass ich gut bin, aber damit hab ich nicht gerechnet, ich bin sprachlos, glücklich, zufrieden und aufgeregt“, sagt Lindner nach der Verleihung der Krone. Dazu bekam er ein Zepter, gestiftet vom Vorjahressieger, der Metzgerei Max aus Hof. Bürgermeister Manfred Thümmler überreichte Lindner außerdem den Gipfel mit einer Bratwurst an der Spitze. Lindner hatte bei den drei Wettbewerben Publikumsliebling, klassische und Spezialbratwurst die meisten Punkte geholt. In der Kategorie Publikumsliebling siegte er ebenfalls. Im Bereich klassische Bratwurst kam der Pegnitzer Metzger auf Platz zwei. Hier war die Metzgerei Romuald Hoinka aus Nürnberg vorne. In der Kategorie Spezialbratwurst holte sich die Metzgerei Kalb aus Bamberg mit Kümmel-Bratwürsten den Titel.

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12.05.2012

Paul Young und Roger Chapman zogen alle Register / Eisheilige und Pokalendspiel: Weniger Besucher als in den Vorjahren bei Maisels Weißbierfest

Bayreuth. An den Stars kann es nicht gelegen haben, denn Roger Chapman (links im Bild) und Paul Young (rechts im Bild) zogen beim Weißbierfest der Brauerei Gebrüder Maisel in Bayreuth am Samstagabend alle Register. Dennoch waren in diesem Jahr deutlich weniger Besucher zu dem gigantisch angelegten Brauereifest gekommen als in den Vorjahren. Die Verantwortlichen machten dafür vor allem das DFB-Pokalendspiel verantwortlich, aber auch die Kälte hielt sicher den einen oder anderen davon ab.

Doch auch diesmal dürften es einige tausend Besucher gewesen sein, die das Brauereigelände zur größten Partylocation Nordbayern machten. Hauptsächlich wegen der jeweils fast zweistündigen Auftritte der britischen Pop- und Rockstars Paul Young und Roger Chapman waren viele teilweise auch von weither angereist. Sowohl Paul Young (56) als auch Roger Chapman (70) hatten ihre großen Erfolge in den frühen 80er Jahren. Klassischer Rock, ehrlich, englisch, engagiert, war das Motto für die Rock-Classics-Nacht am Samstag. Den Auftakt machte Roger Chapman, der nicht nur seinen großen Hit „Shadow on the Wall“ aus dem Jahr 1981 (als Zugabe) erklingen ließ sondern auch noch viele anderen Hits zum Mitsingen und Mitgrölen.

Noch einen drauf setzte zur mitternächtlichen Stunde Paul Young (Bild links). Mit „Whereever I lay my hat“, „Everytime you go away“, „Love of the common people“ oder „Love will tear us apart“ brachten Paul Young und seine Band die ausgeräumte Weißbierhalle zum Toben. Von seiner Kraft und Ausstrahlung hat Paul Young in all den Jahren nichts eingebüßt, waren sich vor allem die weiblichen Fans einig. Nicht umsonst wurde er gleich drei Mal mit dem renommierten Brit-Award ausgezeichnet. In Bayreuth erschien er im klassisch-eleganten Anzug, tänzelte im Bühnennebel und setzte dabei von Anfang an auf die bekannten Songs in absoluter Perfektion.

Als Vorgruppe heizen am Samstag die Weißbierfest-erfahrenen „Bursting Pipes“ den Besuchern ein. Zwischen den beiden Top-Acts präsentiert sich mit der Suzan Baker (Bild unten) eine bezaubernde Sängerin und Songwriterin aus der Region nur mit einem Gitarristen als Begleitung. Unplugged coverten beide bekannte Songs und waren dabei weit mehr als nur eine Pausenüberbrückung.  Davor hatte ein halbes Dutzend Fans die Gelegenheit, sowohl Paul Young als auch Roger Chapman bei einem so genannten „Meet and Greet“ persönlich kennen zu lernen. Beide schrieben fleißig Autogramme, gaben Interviews und ließen sich bestens gelaunt mit ihren Fans fotografieren.

Auch in diesem Jahr waren beim Brauereifest, das traditionell als inoffizieller Auftakt der Open-Air-Saison gilt, wieder an allen vier Abenden prominente Live-Acts zu erleben. Zum Opening gab es bereits am Donnerstag Bayreuths größte Uni-Fete unter anderem mit einem Auftritt von Kim Sanders, Zweitplatzierte der erfolgreichen TV-Show „Voice of Germany“. Am Freitag ließen „Hollywood Rose“ und „Metakilla“, die Coverbands von „Guns N´Roses“ und „Metallica“, die Festhalle beben. Mit der Gruppe „Waste“ konnte sich an diesem Tag auch eine Band aus der Region erstmals vor großem Publikum präsentieren.

Höhepunkt im Rahmenprogramm war mit dem 10. Maisels Fun-Run am Sonntagvormittag Bayreuths größte Laufveranstaltung, bei der diesmal mit über 2500 Läufern ein neuer Rekord aufgestellt wurde. Sämtliche Läufer hatten sich auf einen Halbmarathon-Rundkurs oder die Zehn-Kilometer-Strecke durch die Innenstadt gemacht. Die Strecke führte dabei vorbei an den Sehenswürdigkeiten der Stadt, mitten durchs Gelände der Universität und wieder zurück zum Weißbierfest.  An der Strecke sorgen nicht nur die Sportbegeisterten für Motivation, es gab auch Musik mit der Band „Afro Samba“, dem „Beat Percussion Ensemble“ und „Laurel und Hardy`s Marching Band“, ehe das Fest am Sonntag wieder mit der „Heavy Volxmusic“ von den „Troglauer Buam“, der Hausband der Brauerei Maisel, ausklang.

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05.04.2012

Afghanistan-Konferenz, Papstbesuch, Weltklimagipfel:
Bundespolizei als Rückgrat der inneren Sicherheit / Wechsel an der Spitze der Bundespolizei in Bayreuth: Dieter Hader folgt Carl-Ulrich Stoltz

Bayreuth. Dieter Hader ist neuer Chef der Bundespolizei in Bayreuth. Der 51-jährige Polizeioberrat löst Carl-Ulrich Stoltz ab, der zuletzt Chef der über 500 Mitarbeiter umfassenden Abteilung war und künftig die Leitung der Bundespolizeiabteilung in Blumberg übernehmen wird.

Bei der symbolischen Übertragung des Dienstpostens bezeichnete der Direktionspräsident Friedrich Eichele die Bundespolizei als das Rückgrat der inneren Sicherheit in Deutschland. Ob Afghanistan-Konferenz oder Papstbesuch, ob 1.Mai-Demo in Berlin oder Weltklimagipfel, stets seien Bundesbereitschaftspolizisten, meist auch aus Bayreuth, im Einsatz. Eichele nannte Bayreuth dabei auch einen der traditionsreichsten Abteilungen innerhalb der Bundespolizei mit inzwischen 55-jähriger Geschichte. Der Standort gehöre zu Bayreuth und sei fest in das Gefüge der Stadt verankert.

Die Bundespolizei erfülle eine wichtige Rolle in der sicherheitspolitischen Gesamtarchitektur Deutschlands, sagte der Parlamentarische Finanzstaatssekretär und Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk. Die Bundespolizei könne dabei auf eine enge Zusammenarbeit mit den Ordnungs- und Sicherheitsbehörden sowie dem Zoll aufbauen. Die Bedeutung des Standorts Bayreuth sei erst vor kurzem durch den Besuch von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich bestätigt worden.

Die Abteilung der Bundespolizei in Bayreuth ist eine von zehn Einsatzabteilungen der Bundespolizei. Nach den Worten von Präsident Eichele ist sie darauf spezialisiert, sich auf unterschiedlichste Einsätze flexibel einzustellen und andere Polizeidienststellen zu unterstützen. Die beiden stationierten Einsatzhundertschaften würden zur personellen Unterstützung im breiten Aufgabenspektrum eingesetzt. Daneben stellten sie ein geschlossenes Einsatzpotenzial zur Bewältigung polizeilicher Groß- und Sonderlagen dar.

In den zurückliegenden Jahren waren die Bayreuther Bundespolizisten nach eigenen Angaben an durchschnittlich 100 bis 120 größeren Einsätzen pro Jahr im gesamten Bundesgebiet beteiligt. Insbesondere die Einsätze anlässlich der Castortransporte, der Maikundgebungen in Berlin und Leipzig, des Weltwirtschaftsforums in Davos, der Sicherheitskonferenz in München oder des G-8-Gipfels in Heiligendamm prägten den Dienst der Polizeibeamtinnen und -beamten. Ständig befinden sich mehrere Bayreuther Bundespolizisten im Auslandseinsatz. Diese Beamten verrichten ihren Dienst im Rahmen einer Europäischen Polizeimission in Afghanistan, im Rahmen der UN-Mission im Kosovo sowie bei verschiedenen deutschen Auslandsvertretungen.

Der neue Bayreuther Abteilungsführer Dieter Hader war elfeinhalb Jahre lang Mitglied bei der Elitetruppe GSG 9, während der letzten beiden Jahre als Ausbilder. Seinen Dienst beim damaligen Bundesgrenzschutz hatte er 1979 in Coburg angetreten. Danach folgte unter anderem ein Studium bei der Polizeiführungsakademie in Münster. Zuletzt war er Einsatzleiter der Bundespolizei auf dem Flughafen in Stuttgart. Hader lebt bei Wallenfels im Landkreis Kronach, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Bild: Amtswechsel bei der Bundespolizei in Bayreuth: Auf Carl-Ulrich Stolz (links) folgt Dieter Hader (Mitte). Rechts im Bild der Parlamentarische Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk.

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21.03.2012

Wiedereingliederung als Ziel
Einmaliges Therapiekonzept für Mütter mit Kindern in Süddeutschland

Hutschdorf – Rund sieben Millionen Euro Baukosten, fast doppelt so viele Plätze als bisher und ein Rehabilitationskonzept, das in Süddeutschland bislang einmalig ist: Die Fachklinik Haus Immanuel in Hutschdorf bei Thurnau im Landkreis Kulmbach wird ab Mitte Mai auch suchtkranke Frauen zusammen mit ihren Kindern bis zum Alter von zehn Jahren aufnehmen und behandeln können. Möglich macht dies ein großangelegter Neubau, der seit März 2011 realisiert wird und der in diesen Tagen seiner Fertigstellung entgegen geht.

Nach den Worten von Klinikleiter Gotthard Lehner (Bild unten) gibt es in Deutschland nur insgesamt zehn Kliniken, die sich ausschließlich um weibliche Suchtpatienten kümmern. Mit der Erweiterung der christlich geprägten Reha-Klinik von bisher 36 auf künftig 60 Plätze trage der Neubau auch ein Stück zu mehr Wirtschaftlichkeit bei, da die bisherige Bettenzahl keine kostendeckende Belegung mehr gewährleisten konnte.

„Wir hatten außerdem dringenden Sanierungsbedarf“, sagt Lehner, Diakon und Sozialpädagoge, der vor 20 Jahren als Therapeut in Hutschdorf seinen Dienst angetreten hatte. Deshalb sei es ursprünglich auch um die Frage gegangen, ob man die Klinik überhaupt in Hutschdorf weiterführe, oder an einem anderen Standort neu errichten sollte. Schließlich hatten sich die Verantwortlichen doch für den Standort entschieden, mit den Bewohnern des kleinen Ortes  herrsche ein gutes Miteinander. Es gebe mittlerweile niemandem mehr im Ort, der älter ist als die Klinik.

Mit der Kombination von medizinischer Betreuung, Psycho-, Ergo-, Physio-, Sozial- und Arbeitstherapie verfolge das Team des Hauses eine ganzheitliche und nachhaltige Behandlung suchtkranker Frauen. Die Therapiezeit, deren Kosten in der Regel von den Rentenversicherungsträgern oder den Krankenkassen übernommen wird, ist auf 15 Wochen begrenzt und gliedert sich in eine Besinnungs-, Intensiv- und Belastungsphase, in denen jeweils ganz spezifisch auf die Bedürfnisse von Frauen eingegangen werden soll. Danach bestehe die Möglichkeit zu ambulanten Weiterbetreuungsmaßnahmen. Zentrales Ziel der Therapie ist die Wiedereingliederung in das Erwerbsleben.

Neu im Behandlungskonzept ist auch, dass künftig traumatisierte Frauen, die Opfer von körperlicher oder seelischer Gewalt wurden, aufgenommen werden. „Wir wollen an die Ursachen ran“, so Lehner. Es könne nicht sein, dass die Kinder von alkoholkrankten Patientinnen wieder alkoholkrank werden. „Diesen Kreislauf müssen wir durchbrechen, schon allein, um den Kindern eine Chance zu geben.“

Zu den Baukosten von sieben Millionen Euro für den Neubau haben die Oberfrankenstiftung und bayerische Landesstiftung etwa ein Viertel beigesteuert. Das neue Kinderhaus wurde unter anderem mit Mitteln der Aktion Sternstunden des Bayerischen Rundfunks und der Aktion „Ein Herz für Kinder“ finanziert. Für das neue Spielhaus flossen weitere Mittel von der Kulmbacher Raps-Stiftung. Dies alles zeige, dass der Neubau von vielen mitgetragen und unterstützt wird, sagt Lehner. Ohne all diese Gelder wäre die Realisierung weitaus schwieriger geworden.

Die Fachklinik Haus Immanuel in Hutschdorf  wurde vor über 100 Jahren von dem damaligen Hutschdorfer Pfarrer Ernst Keupp gegründet und gilt als älteste bayerische Suchtklinik.  In den Kriegsjahren dienten die Gebäude als Lazarett und später als Heimstätte für die sogenannte Schullandverschickung. Prominenteste Lehrerin in Hutschdorf zu dieser Zeit war Loki Schmidt, Ehefrau des späteren Bundeskanzlers Helmut Schmidt. Seit 1961 werden ausschließlich Frauen aufgenommen. Träger der Klinik ist der Deutsche Gemeinschafts-Diakonieverband mit Sitz in Marburg. Die Klinik beschäftigt derzeit 33 Mitarbeiter, mit Eröffnung des Neubaus werden weitere zehn Beschäftigte dazu kommen.

Bereits am 1. Mai ist ein Tag der offenen Tür geplant, an dem alle Interessierten die Möglichkeit erhalten sollen, den Neubau zu besichtigen und die Klinik kennenzulernen. Der eigentliche Umzug für die Patienten steht dann am 12. Mai an, am 14. Mai werden Patienten ausschließlich im Neubau aufgenommen. Die offizielle Einweihung ist für den 22. Juni geplant.

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13.03.2012

Sonnenspektrum schlägt Brücke von Vergangenheit in die Zukunft /Neue Sonderbriefmarke zum 225. Geburtstag von Joseph von Fraunhofer vorgestellt

Straubing. Die Verknüpfung von naturwissenschaftlicher Grundlagenforschung und deren praktischer Anwendung war die Grundlage seines Erfolges: Der Optiker und Physiker Joseph von Fraunhofer, dessen Name nicht nur in seinen bahnbrechenden Erkenntnissen und Erfindungen weiterlebt, sondern auch in der Fraunhofer-Gesellschaft, der größten europäischen Forschungsinstitution. Anlässlich seines 225. Geburtstages hat das Bundesfinanzministerium jetzt eine Sonderbriefmarke herausgegeben, die der Parlamentarische Staatssekretär Hartmut Koschyk jetzt an Fraunhofers Geburtsort Straubing vorgestellt hat.

Die Marke zeigt ein symbolisiertes Sonnenspektrum mit den Fraunhofer´schen Absorptionslinien. Sie hat den für einen Kompaktbrief erforderlichen Wert von 90 Cent und ist in der außerordentlich hohen Auflage von über fünf Millionen gedruckt worden. Erstausgaben der Briefmarke überreichte Staatssekretär Koschyk bei einem Festakt im Straubinger Rathaus unter anderem an das Vorstandsmitglied der Fraunhofer-Gesellschaft Professor Alfred Gossner, an den Straubinger Oberbürgermeister Markus Pannermayr und an den örtlichen Bundestagsabgeordneten und Vorsitzenden des Wirtschaftsausschusses im Bundestag Ernst Hinsken.

Die neue Marke soll vor allem auch aufzeigen, welche Erfolge auf dem Gebiet von Wissenschaft und Forschung in Deutschland erreicht wurden, sagte Koschyk. Sie soll nicht nur Joseph von Fraunhofer als Begründer der wissenschaftlichen Methodik im Bereich Optik und Feinmechanik sowie als Schöpfer der deutschen Präzisionsoptik herausstellen, sondern auch eine Brücke in die Gegenwart schlagen und auf die Erfolgsgeschichte der Fraunhofer-gesellschaft hinweisen.

Als Erfolgsrezept dieser Gesellschaft bezeichnete deren Vorstandsmitglied Professor Alfred Gossner den Dreiklang von Wissenschaftler, Erfinder und Unternehmer, den Fraunhofer vorgegeben hatte und nach deren Prinzip die Gesellschaft bis heute arbeite. „Fraunhofer ist mittlerweile zum Synonym für anwendungsorientierte wirtschaftsnahe Forschung geworden“, sagte Gossner.  Die 61 deutschen Fraunhofer-Institute beschäftigten mittlerweile über 20000 Mitarbeiter und seien in sämtlichen deutschen Bundesländern vertreten.

„Mit Joseph von Fraunhofer finden Vergangenheit und Zukunft zueinander“, so der Straubinger Oberbürgermeister Markus Pannermayr. So erinnere in Straubing nicht nur das Geburtshaus, ein Denkmal an den großen Sohn der Stadt, auch eine Schule und eine Halle tragen seinen Namen. Darüber hinaus gebe es auch eine Fraunhofer-Projektgruppe, die sich mit nachwachsenden Rohstoffen und Energiespeicherung beschäftigt.

Nach dem Maler Carl Spitzweg im Jahr 2008 erinnert nun auch eine weitere Sonderbriefmarke an einen der berühmtesten Straubinger, sagte der Bundestagsabgeordnete Ernst Hinsken. Er zeigte sich überzeugt davon, dass die Marke bei über drei Millionen Briefmarkensammlern in Deutschland und rund 70000 Mitgliedern in Philatelisten-Verbänden ihre Verbreitung finden werde.

Joseph Fraunhofer wurde am 6. März 1787 als Kind eines Glasermeisters in Straubing geboren. Nach dem Tod seiner beiden Eltern kam er im Alter von erst 12 Jahren nach München und begann eine Lehre als Glaser. Als Optiker war er später in der Werkstatt des renommierten Erfinders und Konstrukteurs Georg von Reichenbach tätig, bereits mit 22 Jahren wurde er zum verantwortlichen Leiter einer Glashütte in Benediktbeuern ernannt. Der Betrieb stellte schon bald Fernrohre, Ferngläser, Mikroskope und Lupen in einer bis dahin nicht gekannten Qualität her, so dass die Instrumente in ganz Europa vertrieben wurden. Weltruhm erreichte Fraunhofer unter anderem durch das damals leistungsfähigste Teleskop, mit dem 1846 der Planet Neptun entdeckt wurde. Fraunhofer wurde vom bayerischen König Ludwig I. in den Adelsstand erhoben und in die bayerische Akademie der Wissenschaften aufgenommen.  Im Alter von erst 39 Jahren verstarb Fraunhofer an einer Lungentuberkulose 1826 in München.

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05.03.2012

Helfer brauchen selbst Hilfe / Karin Seehofer besuchte soziale Einrichtungen im Landkreis Bayreuth und Kulmbach

Bayreuth/Kulmbach. Unterschiedliche soziale Einrichtungen an verschiedenen Standorten hat Karin Seehofer, Frau des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, am Montag zusammen mit der Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer besucht. Mit dem Mehrgenerationenhaus in Hollfeld, der Kindertagesstätte „Rotmainschlümpfe“ in Altenplos und der therapeutischen Kinderwohngruppen der Geschwister-Gummi-Stiftung in Kulmbach haben die drei Einrichtungen eines gemeinsam: sie kümmern sich um Menschen, die Hilfe brauchen.

Für den breitesten Personenkreis ist das erst im Januar in Betrieb gegangene Hollfelder Mehrgenerationenhaus in der Caritas-Sozialstation Hollfeld zuständig. Hier werden nicht nur ein mobiler Einkaufs- und Fahrdienst, „Essen auf Rädern“ sondern auch das Projekt „In der Heimat wohnen“ angeboten, das älteren und behinderten Menschen auf ehrenamtlicher Basis die verschiedensten Kontaktangebote unterbreitet. „Es läuft schon sehr viel in Hollfeld“, sagte Projektleiterin Ruth Domide, die in Zukunft verstärkt auf offene Treffs, auf den Austausch von Jung und Alt sowie auf die verschiedensten Beratungsangebote setzen möchte. Konkret seien eine Lesenacht in der Bücherei, ein Nordic-Walking-Treff sowie ein Benimmkurs speziell für Ausbildungsplatzsuchende  geplant.

Franz Schrenker, der stellvertretende Leiter der Sozialstation, beklagte den Spagat seiner Mitarbeiter, auf der einen Seite wirtschaftlich arbeiten zu müssen, auf der anderen Seite für den Menschen da sein zu wollen. „Es lastet unheimlich auf uns, wenn wir ein Drittel unserer Arbeitszeit allein für die Dokumentation aufbringen müssen“, sagte Schrenker und äußerte die Befürchtung, dass es für Pflegeberufe künftig keinen Nachwuchs mehr geben werde. „Wir müssen unbedingt ein Stück Hilfe erfahren, wenn wir anderen helfen wollen“, so Schrenker. Dem pflichtete auch Otto Rost, Heimleiter der Caritas-Hausgemeinschaft bei. Der Altenpflegeberuf müsse von Politik und Gesellschaft wahrgenommen und anerkannt werden, forderte er.

Zweite Station waren die „Rotmainschlümpfe“ in Altenplos. In der Tagesstätte mit integriertem Hort gibt es keinen kirchlichen oder kommunalen Träger, verantwortlich sei alleine der Elternverein Rotmainschlümpfe. „Das Konzept setzt auf die Mitarbeit der Eltern“, erläuterte die Leiterin Heike Hartmann. Der Verein, der anfangs vielen Anfeindungen ausgesetzt war, hat mittlerweile das alte Schulhaus von Altenplos erworben und umfassend saniert. Derzeit würden dort 19 Kinder im Alter zwischen zwei und zwölf Jahren betreut, drei Stunden Dienst für ein Elternteil pro Woche sei dabei Pflicht. Die Idee sei damals entstanden, als Kindergartenplätze knapp waren, erläuterte Heike Hartmann, die bereits seit 14 Jahren bei den Rotmainschlümpfen hauptamtlich tätig ist.

Karin Seehofer zollte vor allem all denjenigen Respekt, die sich im Ehrenamt engagieren und in die Gesellschaft einbringen. Die Bedeutung des Ehrenamts könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, sagte sie. Die besuchten Einrichtungen zeigten, dass es sich auch im ländlichen Raum gut leben lässt, sagte Gudrun Brendel-Fischer. Hier werde ein umfassendes soziales, aber auch kulturelles Angebot vorgehalten, das entscheidend zur Attraktivität „des flachen Landes“ beitrage.

Kindern und Jugendlichen ein Stück Heimat zu geben, das ist auch das Konzept der Geschwister-Gummi-Stiftung. Sie bietet in ihren therapeutischen Kinder-Wohngruppen in Kulmbach Mädchen und Jungen mit vielschichtigen Problemen ein neues Zuhause. Aus dem einstigen Waisenhaus sei mittlerweile eine moderne Jugendhilfeeinrichtung geworden, sagte Geschäftsführer Karl-Heinz Kuch. „Wir wollen vor allem die Ursachen beheben und dafür sorgen, dass die Kinder und Jugendlichen entweder wieder zurück zu ihren Eltern können oder dass eine geeignete Pflegefamilie gefunden wird. Viele Kinder stammten aus echten Krisensituationen, seien aufgrund von schweren Misshandlungen oder sexueller Gewalt schwer traumatisiert oder hätten anderweitig schlimmstes erlebt. Drei Wohngruppen mit jeweils acht Kindern gebe es mittlerweile, wobei der Einzugsbereich nicht nur ganz Oberfranken, sondern auch Teile Mittelfrankens umfasst. Den Weg nach Kulmbach finden die Betroffenen in der Regel über die jeweiligen Jugendämter. Derzeit sei die Einrichtung zu über 100 Prozent ausgelastet. „Wir können erst wieder nach den Sommerferien aufnehmen, wenn Kinder in neue Pflegefamilien entlassen sind“, so Kuch.

Bilder:
- Karin Seehofer (3. von links) stattete am Montag unter anderem der Kindertagesstätte „Rotmainschlümpfe“ in Altenplos einen Besuch ab. Links die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer, rechts die Leiterin der Kindertagesstätte Heike Hartmann.
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Kindern und  Jugendlichen ein Stück Heimat zu geben ist das Konzept der Geschwister-Gummi-Stiftung (von links): Die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer, Geschäftsführer Karl-Heinz Kuch von der Geschwister-Gummi-Stiftung, Oberbürgermeister Henry Schramm, Karin Seehofer und Dekan Jürgen Zinck.

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01.03.2012

Qualifizierte Pflegekräfte dringend gesucht
Hamburger Diakoniewerk Tabea hat Heiligenstädter Familienzentrum gerettet

Heiligenstadt. Ekkehard Becker ist eigentlich schon seit einem Jahr in Pension. Doch Ende 2011 erreichte dem 64-jährigen Rheinländer ein Anruf des Diakoniewerks Tabea (Hamburg), ob er nicht kommissarisch das seit Mai 2011 insolvente Familienzentrum der Evangelischen Freikirchlichen Gemeinden Nordbayern in Heiligenstadt (Landkreis Bamberg) übernehmen könne. Der frühere Leiter von verschiedenen Altenpflegeheimen der Diakonie in Nordrhein-Westfalen sagte zu, und so wurde die Fränkische Schweiz für einige Wochen sein Arbeitsplatz.

Gerade hat er sein Büro allerdings schon wieder geräumt, denn mit Urs Bruhn (50) steht der künftige Leiter des konfessionell gebundenen Hauses bereits in den Startlöchern. Der neue Heimleiter und Geschäftsführer kommt aus Illmensee und leitete im dortigen Landkreis Sigmaringen zuletzt eine Behindertenwerkstatt. Zuvor war er unter anderem sechs Jahre lang Geschäftsführer des Rot-Kreuz-Kreisverbandes Sigmaringen sowie Heim- und Regionalleiter von  Pflegeheimen und Seniorenwohnanlagen in Schwäbisch-Hall. Nach dem Fall der Mauer hatte er beim Aufbau der Altenhilfe in Sachsen mitgeholfen. Bruhn hat an der Fachhochschule in Ludwigsburg studiert und eine Weiterbildung zum Heimleiter in Stuttgart absolviert. Bruhn ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

Das Heiligenstädter Familienzentrum (FZ) hat derzeit rund 100 Beschäftigte im Alten- und Pflegeheim mit seinen 130 Betten sowie im Betreuten Wohnen mit etwa 100 Eigentums- und Mietwohnungen. Zum Angebot gehören außerdem eine Diakoniestation mit derzeit 50 Patienten, ein Mahlzeitendienst („Essen auf Rädern“) und die Ferien- und Tagungsstätte für Jugendgruppen und andere Zusammenschlüsse. „Wir konnten sämtliche Mitarbeiter übernehmen“, sagt Becker. Aufgabe seines Nachfolgers wird es nun sein, neue Kräfte für Heiligenstadt zu gewinnen. „Wir suchen vor allem qualifizierte Pflegefachkräfte“, so Bruhn.

Grund für die Insolvenz war eine Großinvestition in Höhe von über neun Millionen Euro für knapp 40 neue Eigentumswohnungen im Betreuten Wohnen. Ein Großteil davon konnte nicht verkauft werden, diese Tatsache habe das gesamte System zum Einsturz gebracht. Derzeit, so Becker, stünde nur noch gut ein Dutzend der teils großzügigen und luxuriösen Wohnungen mit einem überwältigenden Ausblick in die Fränkische Schweiz leer.

Um eine Insolvenz ein für alle Mal zu verhindern, habe das Diakoniewerk Tabea das gesamte Familienzentrum gekauft und die einzelnen Bereiche zu Tochtergesellschaften umgewandelt. Mit der wirtschaftlichen und rechtlichen Trennung  liege der Betrieb des Alten- und Pflegeheimes künftig ebenso in der Hand einer GmbH wie die Diakoniestation oder die Ferien- und Tagungsstätte.

Die Tabea-Gruppe plant außerdem den Pflegebereich zu sanieren. Vor allem bei den Nasszellen gebe es erheblichen Nachholbedarf, so der Heimleiter. Bei leerstehenden Zimmern soll daher nachgerüstet werden. Auch die Wohnbereiche selbst sollen sich optisch verändern und damit an den geänderten Bedarf angepasst werden. Grund dafür ist, dass eine Zunahme der demenzkranken Menschen erwartet wird. An deren Bedürfnissen sollen die Räumlichkeiten baulich angepasst werden. Dazu gehören zentral gelegene moderne Küchen in den Wohnebenen und offene Essbereiche.

Der kommissarische Heimleiter und sein Nachfolger zeigen sich überzeugt davon, dass das Familienzentrum eine Zukunft haben wird. Zum einen werde eine ortsnahe Versorgung im Alter mit unterschiedlichsten Diensten angeboten, zum anderen spreche die freikirchliche Einrichtung auch viele Auswärtige an, die aus diesem Grund im Alter nach Heiligenstadt ziehen könnten. „Die Einrichtung ist viel zu wertvoll“, sagt Bruhn, der alles tun will, um eine nochmalige Schieflage zu vermeiden. Schließlich ist das Familienzentrum, das sich über eine Fläche von 60000 Quadratmetern erstreckt, für den Markt Heiligenstadt nicht nur ortsbildprägend, sondern auch der größte Arbeitsgeber vor Ort.

Bilder:
- Der kommissarische Leiter Ekkehard Becker, der künftige Leiter Urs Bruhn und  Tabea-Hauptgeschäftsführer Matthias Frost.

- Susanne Sponsel, Fachbetreuerin in der Altenpflege, kocht zusammen mit Bewohnern des Familienzentrums Heiligenstadt.
- Ekkehard Becker hat den Schlüssel für das Familienzentrum an den neuen Leiter Urs Bruhn übergeben.

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27.01.2012

„Aufrechnung von Schuld verbietet sich“ / Das Museum Bayerisches Vogtland in Hof dokumentiert künftig die Geschichte von Flüchtlingen und Vertriebenen

Hof. Im Museum Bayerisches Vogtland in Hof ist am Freitag eine neue Abteilung über die Geschichte von Flüchtlingen und Vertriebenen eröffnet worden. Über 400 Exponate zeigen auf drei Etagen einen Ausschnitt der deutschen Geschichte am Beispiel der Stadt Hof. Mit der Einweihung am Gedenktag zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wollten die Kulturverantwortlichen der Stadt bewusst darauf hinweisen, dass Flucht und Vertreibung eine Vorgeschichte haben und nicht über Nacht gekommen sind.

Die Festrede zur Eröffnung hielt der Theater- und Literaturkritiker Hellmuth Karasek. Der in Brünn geborene Karasek hat in seiner Autobiografie „Auf der Flucht“ seine eigene Vertreibungsgeschichte beschrieben. Karasek bezeichnete Flucht und Vertreibung als großes Unrecht, das nicht dadurch aufgehoben werde, dass Generationen zuvor Verursacher dieses Elends waren. „Die Aufrechnung von Schuld verbietet sich“, so Karasek, der seine tiefe Hoffnung aussprach, dass auch mit den östlichen Nachbarländern ein so selbstverständlicher Umgang zum Alltag werde, wie er mit Frankreich inzwischen üblich sei.

Die überaus geglückt Integration von vielen Millionen Vertriebener sei bei weitem keine Selbstverständlichkeit gewesen, sagte der Parlamentarische Finanzstaatssekretär und frühere Generalsekretär des Bundes der Vertriebenen Hartmut Koschyk aus Bayreuth.  Flucht und Vertreibung der Deutschen stelle die größte Zwangsmigration der Geschichte mit über 14 Millionen Vertriebenen und rund zwei Millionen Toten dar. „Das Schicksal der Heimatvertriebenen und ihre Leistungen beim Wiederaufbau unseres Landes dürfen nicht vergessen werden“, forderte Koschyk.

Auch die Spitzenstellung Bayerns sei mit das Verdienst der Heimatvertriebenen und Aussiedler. Koschyk zufolge waren nach 1945 allein rund 2,7 Millionen Heimatvertriebene und Aussiedler nach Bayern gekommen. Diese 2,7 Millionen Deutschen hätten viel dazu beigetragen, dass Bayern zu dem geworden ist, was Bayern heute ist: das führende Land in Deutschland und eine der wohlhabendsten Regionen in Europa. Es sei auch für Bayern ein langer Weg gewesen, vom Armenhaus in Deutschland zu einem Land, das heute auf vielen Gebieten gegenüber den anderen Ländern deutliche Vorsprünge aufweist.

Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch nannte die aufwändige Erweiterung des Museums einen echten Gewinn für den gesamten Freistaat. Hier werde ein historisches Ereignis in zeitgemäßer Form präsentiert. Die neue Abteilung zeige aber auch, so der Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen Albrecht Schläger, „dass wir mit die Aufarbeitung unserer Geschichte in einem bisher vernachlässigtem Bereich begonnen haben.“ Dabei sei es ganz wichtig, dass Täter nicht zu Opfern gemacht werden. Allerdings würden die Verbrechen an Menschenrechten nicht neue verbrechen rechtfertigen.

Wenn das neue Museum in Hof angesiedelt wurde, so hat es seinen Grund darin, dass Hof nach dem Zweiten Weltkrieg zur ersten Anlaufstation für unzählige Menschen wurde, die im Zuge von Flucht, Vertreibung ihre Heimat in den deutschen Ostgebieten verloren hatten. Mehr als zwei Millionen Flüchtlinge und Vertriebene wurden bis Anfang der 1950er Jahre durch Hof geschleust, wo sie Unterkunft und Verpflegung erhielten. Im Stadtteil Moschendorf befand sich das größte bayerische Flüchtlingslager. Die Hofer Bevölkerung wuchs zudem durch den dauerhaften Zuzug von etwa 15000 Heimatvertriebenen um nahezu ein Viertel. Durch ihre mitgebrachten heimatlichen Traditionen wie auch ihre individuellen Fähigkeiten prägten sie die Entwicklung der Stadt in der Nachkriegszeit entscheidend mit.

Im öffentlichen Bewusstsein ist dieser für die Stadt Hof so bedeutende Aspekt der Zeitgeschichte inzwischen jedoch nur noch wenig präsent. Das städtische Museum Bayerisches Vogtland widmet sich deshalb dem Thema „Flüchtlinge und Vertriebene in Hof“ im Rahmen einer wissenschaftlich fundierten und zeitgemäß gestalteten neuen Abteilung seiner Dauerausstellung. Auf drei Ebenen eines in den letzten zwei Jahren aufwendig sanierten Museumsanbaus werden mehr als 400 für das Thema einschlägige Exponate von einmaligem historischem Wert präsentiert.

Die Ausstellung stellt exemplarisch am Beispiel der Hofer Region die Geschichte der Ankunft und Eingliederung der Flüchtlinge und Vertriebenen in Westdeutschland dar. Sie informiert allgemein verständlich über die Ursachen und Abläufe von Flucht, Vertreibung und Zwangsumsiedlung. Der Stellenwert der Ereignisse innerhalb des kulturellen Gedächtnisses der Bundesrepublik wird aufgezeigt. Die bayernweit einzigartige und weit über die Region hinaus bedeutende Ausstellung zeichnet sich durch eine Herangehensweise aus, die verschiedene Blickwinkel bietet. Auf eine gründliche Ausleuchtung des noch immer kontroversen Themas in seinen unterschiedlichsten Facetten wird besonderer Wert gelegt. An zahlreichen Multimedia-Stationen mit Bild- und Tondokumenten werden die Besucherinnen und Besuchern selbst tätig und können sich aktiv mit den Inhalten der Ausstellung auseinandersetzen.

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27.01.2012

„Deutschland wird amerikanischer“:  Aus Hungerlöhnen werden Hungerrenten Sozialverband kämpft gegen Altersarmut

Bayreuth. Trotz sinkender Bevölkerungszahlen steigt die Mitgliederzahl des Sozialverbandes VdK in Oberfranken unvermindert an. Der Regierungsbezirk habe in den zurückliegenden zehn Jahren fast 46000 Einwohner verloren, der VdK habe im gleichen Zeitraum weit über 15000 neue Mitglieder gewonnen, sagte Bezirksgeschäftsführer Roland Sack bei der Vorlage der Jahresbilanz am Freitag in Bayreuth. Aktuell beträgt die Mitgliederzahl des Sozialverbandesin Oberfranken knapp 86000, was einem Nettozuwachs gegenüber dem Vorjahr von 1500 entspricht.

Was in anderen Vereinen oder Verbänden puren Jubel auslösen würde, sieht der VdK aber auch durchaus kritisch. „Der Mitgliederzuwachs ist Ausdruck einer wachsenden sozialpolitischen Verunsicherung“, sagte der stellvertretende bayerische Landesgeschäftsführer Michael Pausder. Er nannte es besorgniserregend, wenn immer mehr Menschen die Hilfe des Verbandes in Anspruch nehmen müssten. Vor allem gehe es ja darum, Sozialleistungen zu erlangen, auf die ein Rechtsanspruch besteht. „Wir müssen tagtäglich dafür kämpfen, dass die Menschen das bekommen, was ihnen zusteht.“ Bayernweit hat der Sozialverband VdK nach den Zahlen Pausders bereits über 600000 Mitglieder, vier Mal so viel wie die CSU. Als unangefochtene Hochburg bezeichnete Pausder dabei den Bezirksverband Oberfranken, der bundesweit eine Sonderstellung einnimmt, weil er einen Mitgliederanteil von acht Prozent an der Gesamtbevölkerung habe. Pausder: „Oberfranken ist die VdK-Hochburg in Deutschland.“

Bezirksgeschäftsführer Sack konnte diese Aussage anhand eindrucksvoller Zahlen auch schlüssig belegen. So seien im zurückliegenden Jahr in den neun oberfränkischen Kreisgeschäftsstellen fast 34000 sozialrechtliche Beratungsgespräche durchgeführt und dabei fast 10000 Anträge auf Sozialleistungen bei Sozialversicherungsträgern und Behörden gestellt worden. Als Schwerpunkte bezeichnete Sack dabei die Renten- und Schwerbehindertenanträge. In fast 4000 Fällen hätten Mitglieder durch den VdK Widerspruch gegen einen Bescheid eingelegt, in über 1000 Fällen sei es zu Sozialgerichtsverfahren gekommen bei denen Nachzahlungen in einer Höhe von zusammen 3,9 Millionen Euro für die Mitglieder erstritten wurden.

Der VdK sieht sich aber auch als politische Interessensvertretung seiner Mitglieder und dabei habe 2011 der Kampf gegen die Altersarmut im Mittelpunkt gestanden, so der Bezirksausschussvorsitzende und stellvertretende Landesvorsitzende Hellmut Ott aus Coburg. Noch immer sei die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich ein Thema, so Ott. Er zitierte eine OECD-Studie, nach der in Deutschland das oberste Zehntel der Bevölkerung achtmal so viel verdient, wie das unterste zehntel. Noch vor 20 Jahren habe das Verhältnis 6 zu 1 betragen, was für den Bezirksvorsitzenden den Schluss nahe legt: „Deutschland wir amerikanischer.“

Gerade für Menschen mit niedrigem Einkommen sehe die Zukunft nach Ansicht des VdK düster aus, denn aus Hungerlöhnen würden irgendwann mal Hungerrenten. Lange Zeit sei das Wort Altersarmut in Deutschland tabu gewesen. Hier habe der VdK mit seinen Kampagnen manchem die Augen geöffnet und einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung herbeiführen können. Ott bedauerte, dass die Renten seit Jahren im Sinkflug seien. Mittlerweile liege die durchschnittlich Neurente für einen Mann in Bayern mit 853 Euro knapp unterhalb der Armutsschwelle von 859 Euro für einen Einpersonenhaushalt im Monat. Die durchschnittliche Frauenrente verfehle die Armutsschwelle sogar um rund 350 Euro und liege derzeit bei 503 Euro. Auch die angekündigte Rentenerhöhung für das kommende Jahr könne mit 2,3 Prozent daran nichts ändern, da sie damit nicht einmal den Inflationsausgleich erreicht.

Kein Verständnis hat der VdK auch für die Rente mit 67. Schon heute sei es doch eher die Ausnahme als die Regel, dass ein Arbeitnehmer tatsächlich bis 65 Jahren arbeitet. Wer aber nur zwei Jahre früher in Rente geht, müsse trotz real sinkendem Rentenniveau bereits Abschläge in Höhe von 7,2 Prozent hinnehmen. Ott: „Da ist Altersarmut vorprogrammiert.“

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12.01.2012

Crystal Speed: 64000 Konsumeinheiten aus dem Verkehr gezogen / Zoll und Polizei zogen positive Bilanz über bisher größte deutsch-tschechische Drogenbekämpfungsaktion

Nürnberg. Mit der „Operation Speedway“ haben deutsche und tschechische Zoll- und Polizeibeamte in ihrer bisher größten gemeinsamen Drogenbekämpfungsaktion ein deutliches Signal an alle potentiellen Täter gesandt: „Wir werden weiterhin mit aller Entschiedenheit gegen den Rauschgiftschmuggel vorgehen“, sagte der zuständige Parlamentarische Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk bei der Präsentation der Ergebnisse am Mittwoch in Nürnberg. Insgesamt hatten die Beamten bei Schwerpunktkontrollen im deutsch-tschechischen Grenzraum an 31 Tagen 1600 Gramm Crystal Speed und vier Kilogramm Marihuana aus dem Verkehr gezogen.

Allein die sichergestellte Crystal-Menge hätte ausgereicht, den illegalen Markt mit etwa 64000 Konsumeinheiten und einem Straßenverkaufswert von bis zu 225000 Euro zu versorgen, sagte Koschyk. Die enge Kooperation aller beteiligten Behörden beiderseits der Grenze habe sich dabei als hervorragendes Mittel zur wirksamen Bekämpfung des Schmuggels und damit zum Schutz der Bevölkerung besonders in der Grenzregion gezeigt. Die Kontrollen seien eng abgestimmt und unter Berücksichtigung der bisher festgestellten Täterprofile sowohl im deutschen, als auch im tschechischen Grenzgebiet durchgeführt worden.

Als weiteres hilfreiches Instrument bezeichnete Koschyk das deutsch-tschechische Zentrum in Schwandorf, in dem deutsche und tschechische Sicherheitsbehörden unter einem organisatorischen Dach eng zusammenarbeiten. Hier könnten Analysen und Erkenntnisse schnell von Kollegen zu Kollegen ausgetauscht, polizei- und zollrelevaten Informationen an die entsprechenden Stellen weitergegeben und Einsatzmaßnahmen gemeinsam gesteuert werden.

Für die Zukunft kündigte der Staatssekretär an, den Kampf gegen die Drogen unvermindert fortzusetzen. Die gemeinsame nationenübergreifende Kontrolloperation habe deutlich gemacht, dass hier der Schlüssel dafür liegt, um den Rauschgift- und insbesondere den Crystal-Schmuggel wirksam und langfristig zurückzudrängen. „Neben einem intensiven Informationsaustausch und gemeinsamen Kontrollen gilt es, das Problem an der Wurzel zu packen und die illegalen Produktionsstätten auszuheben“, so Koschyk.

Große Probleme sah Pavel Hoffmann von der tschechischen Zollverwaltung in den sogenannten Vietnamesen-Märkten. Während hier früher gefälschte Markenware und der illegale Verkauf von Zigaretten und Alkohol im Vordergrund standen, hätten sich die Märkte mittlerweile zunehmend zu einem wichtigen Umschlagplatz für Drogen und besonders für Crystal Speed entwickelt. Manche Märkte hätten zwischenzeitlich sogar eigene Schutzpersonen, was die polizeilichen Kontrollen immens erschwere.

Von einer dramatischen Entwicklung sprach bei der Bilanz auch Walter Moser vom Bayerischen Landeskriminalamt. Besonders bei Crystal würden die Fallzahlen derzeit jährlich im dreistelligen Prozentbereich ansteigen. Um das Problem weiter in den Griff zu bekommen, habe sich zwischenzeitlich sogar die bayerische Apothekerkammer einem freiwilligen Monitoringverfahren angeschlossen.  Hintergrund dafür ist, dass viele der Drogenküchen in Tschechien den Stoff Ephedrin als einen der notwendigen Grundstoffe zur Herstellung von Crystal Speed in Bayern in großen Mengen einkaufen. Ephedrin ist unter anderem in frei verkäuflichen Schmerz- und Erkältungsmitteln enthalten. „Geht bei einer Apotheke eine Bestellung für eine große Menge an solchen Mitteln ein, werden wir in der Regel sofort tätig“, sagte Moser.

Bild: Eine positive Bilanz über die bisher größte deutsch-tschechische Drogenbekämpfungsaktion „Speedway“ haben der Parlamentarische Staatssekretär Hartmut Koschyk (links) und Pavel Hoffmann von der tschechischen Zollverwaltung in Nürnberg gezogen.

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21.12.2011

Rauschgiftschmuggel dramatisch angestiegen:
Crystal in Coladosen, Cremes und Chipstüten

Selb. Der Schmuggel der Modedroge Crystal Speed aus Tschechien nach Deutschland hat in den zurückliegenden Monaten signifikant zugenommen. Allein zwischen Januar und November 2011 hätten die Beamten der in Selb stationierten Kontrolleinheit Verkehrswege 370 Mal Crystal in einer Menge von zusammen 3300 Gramm sichergestellt und rund 120 Festnahmen getätigt, sagte der zuständige Parlamentarische Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk am Mittwoch bei einem Besuch der Einheit. Noch vor zwei Jahren habe die Zahl der Fälle mit gerade einmal 21 Aufgriffen im niedrigen zweistelligen Bereich gelegen.

Oberfranken diene dabei in ganz besonderem Maße als „Einflugschneise“. Nachdem die Labors überwiegend auf tschechischer Seite zu finden sind, werde die Droge in der Regel über die Grenzübergänge in den Landkreis Wunsiedel eingeschmuggelt. Wesentlichen Anteil an verstärkten Aufgriffen von Drogenschmugglern habe dabei die hervorragende Zusammenarbeit mit den tschechischen Kontrolleuren.

Staatssekretär Koschyk forderte aufgrund der dramatischen Zunahme ein noch entschlosseneres Vorgehen gegen den Drogenschmuggel. Die Erfolge der Zöllnerinnen und Zöllner aus Selb und ihrer tschechischen Kolleginnen und Kollegen beim gemeinsamen Kampf gegen die grenzüberschreitende Kriminalität seien einerseits erfreulich. Andererseits ließen die Zahlen auch die Schlussfolgerung zu, dass eine der Hauptschmuggelrouten für „Crystal Speed“ aus Tschechien heute über den oberfränkischen Grenzraum führt. Nur im engen Schulterschluss mit den tschechischen Nachbarn, mit Polizei und Staatsanwaltschaften beider Länder könne man dieser Entwicklung wirksam begegnen.

Angetrieben würden die Drogenschmuggler im Wesentlichen von den relativ hohen gewinnspannen, sagte Achim Herkt von der Kontrolleinheit in Selb. Der Einkaufspreis für ein Gramm Crystal Speed liege in Tschechien bei rund 40 Euro, der Verkaufspreis in Bayern bei 80 bis 160 Euro. Ein Gramm reicht dabei für mindestens fünf Konsumeinheiten. Geschmuggelt werde in allen erdenklichen Gegenständen des täglichen Lebens wie Coladosen, Cremes, Chipstüten, aber auch in Fahrradlenkern, Filzstiften oder Fruchtsäften. Als Riesenproblem bezeichnete Herkt den Schmuggel innerhalb des menschlichen Körpers, da bei Verdachtsfällen aufwändige Untersuchungen in der Klinik notwendig würden.

In der in Selb stationierten Kontrolleinheit des Zolls und einer eigenen Außenstelle Agrardiesel sind derzeit 73 Personen beschäftigt. Selb gehört dabei zum Hauptzollamt Regensburg. Die Einheit in Selb arbeitet dabei eng mit den 34 Beschäftigten der tschechischen Mobilen Kontrollgruppe aus Cheb zusammen.

Auf einem völlig anderen Gebiet ist die Agrardieselstelle des Zolls in Selb tätig. Hier werden jährlich rund 30000 Anträge auf Steuervergütung für Treibstoffe bearbeitet, die für land- oder forstwirtschaftliche Zwecke verwendet werden.

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11.11.2011

Kritik an Verschärfung der Einwanderungsgesetze / Wilhelmine-Preis der Stadt Bayreuth für senegalesische Frauenrechtlerin Madjiguène Cissè

Bayreuth. Die senegalesische Frauenrechtlerin und Gründerin des Frauennetzwerks für nachhaltige Entwicklung in Afrika Madjiguène Cissé ist mit dem „Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis für Toleranz und Humanität in kultureller Vielfalt“ ausgezeichnet worden. Cissé ist nach dem Literatur-Nobelpreisträger Wole Soyinka (2008), dem Dirigenten Daniel Barenboim (2009) und Prinz Hassan von Jordanien (2010) die vierte Preisträgerin der von der Stadt Bayreuth gestifteten und mit 10000 Euro dotierten Auszeichnung.

In ihren Dankesworten übte Cissé heftige Kritik an der zunehmenden Verschärfung und Angleichung der Einwanderungsgesetze auf europäischer Ebene. Europa ergreife immer mehr schädliche Maßnahmen, um freie Mobilität zu beschränken beziehungsweise zu verhindern, sagte sie. Diese Verschärfung der Einwanderungspolitik mache sich bereits bemerkbar, noch bevor der Fremde einen Fuß auf europäischen Boden setzen kann. Nur um ein Visum für Europa zu erhalten, müsse er sich seinen Weg unter allen möglichen Ärgernissen und Demütigungen erkämpfen, die seine Würde als Mensch angreifen. „Das schafft eine Situation der Frustrationen, die die Beziehungen zwischen der EU und den Ländern des Südens nicht gerade erleichtern.“

Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck bezeichnete Madjiguène Cissé in seiner Laudatio als mutige Zeitgenossin und Mitbürgerin. Solange es derartig selbstbewusste Frauen in Afrika gebe, sei ihm nicht bange um den Kontinent, der seine große Zukunft noch vor sich hat. „Afrika hat Zukunft, weil es sie gibt“, sagte Neudeck zu Cissé. Sie habe sich mutig gegen jeden Vereinnahmungsversuch gewehrt und sich an die Spitze einer Bewegung von Menschen gestellt, die zu den schwächsten gehören.

„Mit Madjiguène Cissé würdigt die Stadt eine Persönlichkeit, die sich in besonderem Maße für Toleranz, Humanität und das Miteinander von Völkern und Kulturen einsetzt“, so Bayreuths Oberbürgermeister Michael Hohl. Ihr Engagement für die Wahrung der Menschenrechte unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, politischer oder religiöser Überzeugung sei beispielhaft für das Zusammenwachsen des europäischen und afrikanischen Kontinents in einer globalisierten Welt.

Die Senegalesin Madjiguène Cissé ist seit 2000 Direktorin der Frauenrechtsorganisation mit dem Namen „Réseau des femmes pour le développement durable en Afrique" in Dakar. Dort hat sie sich vor allem für die Verbesserung der Rechte von Frauen und somit auch für eine Verbesserung der ökonomischen Situation von Frauen in Westafrika einsetzt. Dies geschieht unter anderem durch Bildungsangebote, die Vergabe von Mikrokrediten und durch die Gründung einer Frauensiedlung. Zuvor war Cissé in Frankreich in der politisch-sozialen „Sans Papier“-Bewegung aktiv, die sich sowohl für die Aufenthaltsgenehmigung von Flüchtlingen und Migrantinnen in Westeuropa eingesetzt, als auch Missstände wie Ausbeutung in der Schwarzarbeit angeprangert hat. 2008 erhielt Cissé, die von 1974 bis 1976 im Rahmen eines Stipendiums Germanistik in Saarbrücken studierte, die Carl-von-Ossietzky-Medaille der Internationalen Liga für Menschenrechte. Mit der Preisverleihung folgt die Stadt einem Vorschlag des Instituts für Afrikastudien der Universität Bayreuth.

Der Wilhelmine-Preis wird im jährlichen Rhythmus an Personen oder Gruppen verliehen, die sich auf kulturellem, sozialem, politischem oder wissenschaftlichem Gebiet international um die kritische Reflexion gemeinsamer Wertvorstellungen und die interkulturelle Verständigung verdient gemacht haben. Der Preis ist nach der Bayreuther Markgräfin und Schwester Friedrichs des Großen Wilhelmine (1709 - 1758) benannt.

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30.10.2011

Komplexe Themen kindgerecht präsentiert / Bayreuther Studenten zeichnen Vater der „Sendung mit der Maus“ mit Vorbildpreis aus

Bayreuth. Wieso fliegt ein Flugzeug? Wo ist beim Skilift der Knoten im Seil? Wie kommt die Schololadenfüllung ins Bonbon? Der Mann, der die Antworten auf alle diese und bestimmt 1000 Fragen mehr kennt, ist am Sonntag an der Universität mit dem Bayreuther Vorbildpreis ausgezeichnet worden. ER heißt Armin Maiwald, ist Autor, Regisseur und TV-Produzent und gilt als der Erfinder der „Sendung mit der Maus“ Der Preis wird seit dem Jahr 2004 jährlich von Studenten des Studiengangs Philosophy & Economics bei den „Bayreuther Dialogen“ verliehen, zu denen Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft zu einem zukunftsentscheidenden Thema zusammengebracht werden.

Die Neugier der Kinder sei sein Erfolgsgeheimnis, sagte Maiwald. Diese Neugier sollte man wecken, anstatt eine Schulreform an die andere zu reihen. Kritik übte der Preisträger auf seine humorvolle Art vor allem an dem Fachchinesisch, das sich Wissenschaftler und sogenannte Experten gerne zu Eigen machen. Viele Wissenschaftler seien gar nicht in der Lage, selbst einen relativ einfachen Sachverhalt so zu erklären, dass er für alle nachvollziehbar ist. Wer leichte und einfache Sätze formuliert, gelte unter Akademikern schnell als unwissenschaftlich. Er habe es da wesentlich leichter: „Ich bin kein Physiker, Ingenieur oder Chemiker, sondern ein Filmemacher, der keine Ahnung hat, insofern befinde ich mich mit den Kindern in bester Gesellschaft.“

Hans Rusinek von den Bayreuther Dialogen, der den Preis zusammen mit den Projektleitern Nhat An Trinh und David Schad an Armin Maiwald verlieh, bezeichnete die Maus und den Elefanten als „Wissensvermittler der ersten Stunde“. Er reihte das orangefarbene Nagetier in eine Reihe mit Konrad Adenauer und Helmut Schmidt und nannte die Maus eine der Leitfiguren unserer Gesellschaft. Als unvergessen erinnerte sich Rusinek in seiner Laudatio an die Sendung, in der erklärt wurde, wie die Streifen in die Zahnpaste kommen. Diese Reduktion komplexer Themen auf eine verständliche Ebene sei beispielhaft. „Die Sendung mit der Maus ist eine gute Kindersendung, die zugleich auch eine sehr gute Sendung für Erwachsene ist“, sagte Rusinek.

Mit Beiträgen wie der Maus im Gefängnis sei die Sendung auch in anderer Hinsicht ein Vorbild. „Wissen auch wenn es nicht angenehm ist, weiterzugeben und dabei die jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft anzusprechen – das ist eine Leistung für die wir Armin Maiwald als Vater der Sendung mit der Maus ehren wollen“, so Rusinek. Wer könne schon so leicht verstehbar erklären wie das Internet funktioniert. „Für uns war das vermittelte Einstiegswissen, die Liberalität und die Didaktik der Sendung ein Generationserlebnis, für uns persönlich steht die Sendung mit der Maus für eine Reihe von Lach- und Sachgeschichten, die uns in unserer Kindheit begleitet haben.“

Die Sendung hieß ursprünglich „Lach- und Sachgeschichten für Fernsehanfänger“ und war im Jahr 1971 erstmals in der ARD zu sehen. Ein knappes Jahr später wurde die Reihe in „Die Sendung mit der Maus“ umbenannt. Übertragungen erfolgten in fast 100 Ländern der Erde. Die Sendung erhielt bisher mehr als 100 nationale und internationale Preise. Die Aufforderung „Frag doch mal die Maus“ gilt inzwischen als geflügeltes Wort und wurde 2006 zum Titel einer ARD-Show.

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04.10.2011

Amtschef: „Freude über Verlagerung hält sich in Grenzen“ / Erster Spatenstich für umstrittenen Neubau des Oberpfälzer Amtes für ländliche Entwicklung

Tirschenreuth. Sieben Jahre nach dem entsprechenden Kabinettsbeschluss hat Minister Helmut Brunner in Tirschenreuth am Dienstag den symbolischen ersten Spatenstich für den Neubau des Oberpfälzer Amtes für ländliche Entwicklung getätigt. Damit gab der Minister grünes Licht für die heftig umstrittene Verlagerung des Amtes von Regensburg in die nördliche Oberpfalz.

Die kritischen Töne des Obersten Bayerischen Rechnungshofes, die Kritik des Haushaltsausschusses im Landtag und auch die Petitionen der Mitarbeiter sollten nichts bewirken, der politische Wille war am Ende stärker. „Uns geht es darum, Verwaltungsarbeitsplätze in die Fläche zu verlagern“, sagte Brunner beim Spatenstich. Er wisse sehr wohl, dass die Verlagerung für viele Beschäftigte große persönliche Härten mit sich bringt. Letztlich habe aber bei jeder Ämterverlagerung am Ende die Zustimmung überwogen, so der Minister, der dabei ausdrücklich an die Verlagerung von Teilen des Bayerischen Landesamtes für Umwelt nach Hof und die Verlagerung der zentralen Bußgeldstelle nach Viechtach erinnerte.

Offen sprach Brunner an, dass bisher 21 Mitarbeiter die Behörde verlassen und weitere 80 die Möglichkeit der Altersteilzeit genutzt hätten. Speziell Teilzeitbeschäftigte und auch Schwerbehinderte, die nicht umziehen möchten, oder denen ein Standortwechsel nicht zuzumuten ist, sollen an andere Dienststellen in Regensburg und Umgebung vermittelt werden. Brunner: „Dies fällt uns sehr schwer, weil wir damit sehr gut ausgebildete und erfahrene Fachkräfte verlieren.“

Offen räumte der Minister auch ein, dass das Amt für Ländliche Entwicklung der Oberpfalz seine Sollstärke damit erst einmal unterschreiten wird. Allerdings soll schon bald gegengesteuert werden. Bereits für das kommende Jahr sei geplant, zwölf Dienstanfänger einzustellen und zu Technikern für ländliche Entwicklung auszubilden. Die Ausschreibung soll oberpfalzweit erfolgen, wobei davon auszugehen sei, dass sich in erster Linie junge Leute mit Realschulabschluss oder qualifizierendem Hauptschulabschluss aus der nördlichen Oberpfalz bewerben. „Damit schaffen wir einen wichtigen Brückenschlag zum neuen Standort und erzielen einen ersten strukturpolitischen Effekt dieser Behördenverlagerung“, so Brunner.

Er könne nicht verhehlen, dass sich bei einem Großteil der Mitarbeiter die Freude über die Verlagerung in engen Grenzen hält, sagte zuvor Amtschef Thomas Gollwitzer. Er räumte aber auch ein, dass die Würfel nun gefallen sind und appellierte deshalb an alle Skeptiker, jetzt nach vorne zu blicken. Was die Ausstattung mit Personal angehe, so stufte er sein Amt allerdings als wenig gut gerüstet ein. Gollwitzer sprach von einem dramatisch sinkenden Personalbestand, der bereits zu spürbaren Kompetenz- und Wissensverlusten geführt habe.

Voller Optimismus war dagegen beim Spatenstich der Tirschenreuther Bürgermeister Franz Stahl (CSU). Das Projekt sei ein wichtiger Meilenstein für seine Stadt, sagte er und forderte alle Gegner der Verlagerung auf, Tirschenreuth nicht länger als „Pampa“ oder gar als „Sibirien“ zu bezeichnen. Es gebe gute strukturpolitische Gründe für die Verlagerung in eine Region, in der während der zurückliegenden Jahrzehnte ganze Wirtschaftszweige wie etwa die Porzellanindustrie einfach weggebrochen seien.

Dem zuständigen Bauamt Amberg-Sulzbach zufolge kostet der Neubau auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände an der Falkenberger Straße 8,3 Millionen Euro. Er bietet Platz für bis zu 150 Mitarbeiter und soll bereits Anfang 2013 bezogen werden. Die Architekten Dr. Emil Lehner aus Weiden und Wolfgang Gerlach aus Marktredwitz haben dazu auf dem über 9000 Quadratmeter großen Grundstück einen zweigeschossigen Baukörper in Holzbauweise mit einem geschlossenen Innenhof entworfen.

Bilder:
- Mit dem symbolischen ersten Spatenstich machen die Verantwortlichen mit der Verlagerung des Amtes für ländliche Entwicklung von Regensburg nach Tirschenreuth jetzt ernst (von links): Bürgermeister Franz Stahl, Minister Helmut Brunner, die Oberpfälzer Regierungspräsidentin Brigitta Brunner, Landrat Wolfgang Lippert und Behördenchef Thomas Gollwitzer.

- So wie auf dieser Computersimulation soll der 8,3 Millionen teure Neubau des Oberpfälzer Amtes für ländliche Entwicklung nach seiner Fertigstellung Anfang 2013 aussehen.

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29.09.2011

Einen Pater als Chef und Bienenvölker als Haustiere / Theresia Brandl absolvierte ihr erstes praktisches Lehrjahr im oberpfälzischen Kloster Speinshart

Speinshart – „Manche hat es richtig in die Krise gestürzt“, sagt Prior Pater Benedikt von der Praemonstratenserabtei Speinshart im oberpfälzischen Landkreis Neustadt an der Waldnaab. Pater Benedikt spricht von den Auszubildenden zur Hauswirtschaft, die hier im Kloster tätig sind. Vor allem mit ihrer freien Zeit hätten manche Lehrlinge erhebliche Probleme, was schließlich dazu führte, dass sie nur noch weg wollten.

Nicht so Theresia Brandl aus Wiesendorf bei Weiden, die ihr erstes praktisches Ausbildungsjahr in Speinshart zum 31. Juli abgeschlossen hat. „Natürlich ist im Kloster vieles anders“, so die 17-Jährige, die sich hier merklich wohl fühlt, und die auch jetzt noch regen Kontakt hält. Nach verschiedenen Praktika, unter anderem auch in einem Kindergarten, war sie in der Faschingswoche 2010 ebenfalls im Zuge eines Praktikums auf das Kloster Speinshart gestoßen, einem der wenigen noch verbliebenen Ausbildungsbetriebe für Hauswirtschafterinnen in der nördlichen Oberpfalz.

„Schon nach drei Tagen habe ich mich hier total wohl gefühlt“, sagt sie, schwärmt vom vertrauten Umgang und vom Choralgesang, den man immer wieder auf den Gängen hören könne. Ihr Verhältnis zur Kirche ist für die gläubige Katholikin seitdem ein ganz anderes geworden: „Man lebt hier ein Stück weit mit den Patres zusammen.“ Auch den kirchlichen Jahreskreis bekomme man hier viel intensiver mit. Dies beginne bei der Feier der Namenstage, setze sich bei der Gestaltung des Altars, etwa an Fronleichnam, fort und ende in dem in Speinshart ganz besonders gefeiertem Rosenkranzfest alljährlich Anfang Oktober.

Der Klosteralltag beginnt um 6.30 Uhr mit der Zubereitung des Frühstücks für die acht Patres, zu denen sich nicht selten die einen oder anderen Gäste gesellen. Vormittags muss die Wäsche besorgt werden, ehe das Mittagessen gekocht wird. Auch einen Kaffee gibt es am Nachmittag und schließlich das Abendbrot. Insofern unterscheidet sich das Kloster gar nicht zu sehr von anderen Arbeitsstellen, außer vielleicht, dass Gemüse, Salate, Kräuter, Obst und Beeren fast komplett aus dem eigenen Klostergarten stammen.

Ein großer Unterschied freilich ist der, dass sie den Klausurbereich, also den gesamten zweiten Stock des Klosters nie betreten durfte. Dafür gibt es sogar eigene Reinigungskräfte, sagt Hauswirtschaftsleiterin Jutta Bundscherer. Zumindest gewöhnungsbedürftig war auch das Bügeln der langen weißen Habits, also der Ordenstracht. Daneben ist Theresia Brandl wohl auch die einzige angehende Hauswirtschafterin, die für die Pflege der zum Kloster gehörenden Gräber auf dem nahe gelegenen Friedhof zuständig war. Aber auch das machte ihr, die schon ein Praktikum in einem Floristik-Betrieb absolviert hatte und laut ihrer älteren Schwester Christine „super Sträuße“ binden kann, sichtlich Spaß. Und auch mit dem fast schon historischen Holzofen hatte sie sich schnell arrangiert.

„Wir sind ein ganz normaler Ausbildungsbetrieb“, bestätigt Prior Pater Benedikt. Er versichert, dass der katholische Glaube kein Kriterium bei der Ausbildung sei. Anders als bei landwirtschaftlichen Betrieben gebe es hier freilich keinen richtigen Familienanschluss. Man müsse sich halt selbst beschäftigen. Pater Benedikt bedauert, dass das Sterben der Lehrbetriebe in der nördlichen Oberpfalz so eklatant zugenommen habe. Neben dem Staatsbetrieb in Almesbach und einer Käserei sei man die einzige Stelle, die noch Hauswirtschafterinnen ausbilde. Doch auch die Zahl der Bewerbungen nimmt ab. Während man vor einigen Jahren unter mindestens zehn Anfragen auswählen konnte, müsse man heute schon froh sein, wenn sich überhaupt noch jemand bewirbt.

Zunächst als Mittel gegen Langeweile gedacht, hatte sich Theresie Brandl in Speinshart ungewöhnliche Haustiere angeschafft: Zwei Bienenvölker. Den Patres war es recht, zum einen gab es schon bald Honig, zum anderen wurde damit eine uralte Tradition wieder aufgegriffen. Das notwendige Wissen hatte sie sich angelesen, wie sie bescheiden sagt, und mit nur drei Stichen ist sie relativ glimpflich davongekommen. Den Honigsachkundenachweis hat sie mittlerweile auch erfolgreich absolviert.

Theresia Brandl stammt aus einem Nebenerwerbsbetrieb mit Milchviehhaltung, Mastschweinen, Geflügel und Feldfruchtanbau. Sie ist die jüngste von fünf Geschwistern und hat in ihrem ersten Lehrjahr die Hauswirtschaftsschule in Neustadt an der Waldnaab besucht. An der Hauswirtschaft schätzt sie vor allem die Vielseitigkeit und die reichlichen Möglichkeiten, die der Beruf bietet. „Gerade in der heutigen Zeit würde eine derartige Ausbildung vielen gut tun“, so Theresia Brandl. Viele wüssten doch gar nicht mehr, dass man die Zubereitung einer Suppe mit Gemüse beginnt und nicht mit dem Fix-Würfel. In ihrer noch verbleibenden Freizeit ist sie bei den Pfadfindern in Weiden aktiv oder geht mit Schwester Christine im Revier des Onkels auf die Jagd, auch für den Führerschein hat sie sich bereits angemeldet.

Derzeit leistet Theresia Brandl ihr zweites praktisches Ausbildungsjahr in Almesbach ab. „Wir legen in Speinshart großen Wert auf einen einjährigen Ausbildungsvertragt“, so Prior Benedikt. Die Auszubildende soll schließlich noch etwas anderes kennen lernen, nur so könne eine Lehrzeit auch wirklich etwas für die Persönlichkeit bringen.

Was für Theresia Brandl danach kommt, ist noch nicht ganz klar. Der Hauswirtschaft will sie auf jeden Fall treu bleiben und entweder die Dorfhelferinnenschule in Pfaffenhofen besuchen oder als Hauswirtschafterin auf einem landwirtschaftlichen Betrieb im Ausland arbeiten: „Neuseeland oder Australien, das wäre schon etwas.“

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23.09.2011

„Alles andere als super“: Brotautomaten und Backshops verdrängen alteingesessene Traditionsbetriebe / Kirche und Handwerk in Oberfranken haben die Aktion „Gott-sei-Dank-Brot“ gestartet

Bayreuth. Mit heftiger Kritik an der Politik der Discounter, die nur allzu oft alteingesessene Handwerksbetriebe von ihren Standorten verdrängen, haben die evangelische und die katholische Kirche sowie die Handwerkskammer für Oberfranken die Aktion „Gott-sei-Dank-Brot“ eröffnet. Rund 100 oberfränkische Bäckereien werden in den kommenden Wochen ein spezielles Brot verkaufen, das mit einer eigens kreierten Banderole und einem Siegel mit der Aufschrift „Gott sei Dank“ gekennzeichnet ist. Dazu liegen in den Bäckereien und Kirchengemeinden Plakate, Prospekte und Postkarten mit Tischgebeten und ein kleiner Gebetswürfel aus Pappe aus. Auch die Kirchen wollen in ihren Gottesdiensten die Aktion zum Thema machen.

„Die Kirche steht zum heimischen Handwerk“, sagte Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner beim Start der Aktion in der Backstube des Bayreuther Innungsobermeisters Michael Rindfleisch. Die Bäckereien seien dafür ein gutes Beispiel. „Wir möchten nicht, dass überregional operierende Ketten einen im Ort seit Generationen geführten Betrieb verdrängen“, so Greiner. Dies könne jeder einzelne durch sein Einkaufsverhalten mitsteuern. Anonyme Brotautomaten und Backshops in Supermärkten seien alles andere als super. Pfennigfuchserei beim Einkauf führe zur Verarmung der Orts- und Esskultur. Die Kirche führe die Aktion deshalb ganz bewusst mit und für die heimischen Handwerksbetriebe durch.

Auch geschmacklich gebe es einen „himmelweiten Unterschied“ zwischen dem Brot aus dem Backautomaten und dem Brot aus einer handwerklich betriebenen Bäckerei, pflichtete ihr Thomas Teuchgräber, katholischer Regionaldekan aus Kronach, bei. Er appellierte an die Verbraucher, nicht ausgerechnet an der Ernährung und noch dazu beim Grundnahrungsmittel Nummer 1, dem Brot, zu sparen.