Stephan Herbert Fuchs
 

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06.12.2019

Humboldt-Portrait für Humboldt-Schule / Goldkronacher Kulturforum beschenkte Bayreuther Realschule mit einem Bildnis des Universalgenies

Bayreuth. Im Rahmen ihrer Weihnachtsfeier ist die Alexander-von-Humboldt-Realschule an der Bürgerreuth in Bayreuth mit einem großformatigen und aufwändig gerahmten Humboldt-Portrait beschenkt worden. Die Replik eines Gemäldes, dessen Original aus dem Jahr 1802 stammt und von dem südamerikanischen Maler José Cortes angefertigt wurde, soll nun an prominenter Stelle in dem weitläufigen Schulgebäude einen ansprechenden Platz finden, kündigte Schulleiterin Heike Gürtler an.

Überreicht hatte das Bild mit dem Titel „Humboldt in Quito“ der Vorsitzende des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums Schoss Goldkronach der frühere Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär Hartmut Koschyk. Er war bereits beim letzten Schulfest eingeladen und hatte damals feststellen müssen, dass es kein adäquates Bildnis des Namensgebers in der Humboldt-Realschule gibt.

Vor dem Hintergrund des 250. Geburtstags Alexander von Humboldts im laufenden Jahr hatten die Schüler damals ein umfangreiches Festprogramm zusammengestellt, mit dem sie das Universalgenie würdigten. Um die Zusammengehörigkeit zu Alexander von Humboldt zu unterstreichen, hatte Koschyk für die Schule ein Gemälde ausgesucht, dessen Original in der Werkstatt von José  Cortes  entstanden war. Es zeigt den noch jungen Alexander von Humboldt in bergmännischer Kleidung, vermutlich die Uniform, die ihm sein Freund Carl Freiesleben 1795, also in seiner Goldkronacher Zeit, geschenkt hatte. Er habe das Bild bewusst ausgewählt, weil es den Humboldt zeigt, der zwischen 1792 und 1797 als junger Bergassessor in der Region, unter anderem auch in Bayreuth, Goldkronach Arzberg und Bad Steben wirkte.

Alexander von Humboldt wäre stolz auf die nach ihm benannte Realschule in Bayreuth, so Koschyk, der sich bei der Weihnachtsfeier ein Bild vom breiten schulischen Angebot machen konnte. Abseits des üblichen Fächerkanons blieb dabei noch genügend Raum für Kreativität, wie ein eigens einstudiertes Weihnachtsmusical sowie die Auftritte mehrerer Schülerinnen mit vorweihnachtlichen Weisen an der Gitarre, der Querflöte und am Klavier zeigten.

Bild: Gerade noch rechtzeitig im Jubiläumsjahr zum 250. Geburtstag des Universalgenies überreichte der Vorsitzende des Alexander von Humboldt-Kulturforums Hartmut Koschyk ein Portrait des jungen Humboldt an Schulleiterin Heike Gürtler.

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02.12.2019

„Rauschen im Gehirn“ / Humboldt-Kulturforum: Kosmos-Vorlesung mit weltweit führenden Neurophysiologen Hans-Christian Pape

Bayreuth. Jeder fünfte Mensch entwickelt im Laufe seines Lebens eine behandlungsbedürftige Angststörung. Das sagt Professor Dr. Hans-Christian Pape, einer der weltweit führenden Experten in der Erforschung der neurophysiologischen Grundlagen des Verhaltens. Weil der prominente Wissenschaftler seit 2018 auch Präsident der Alexander-von-Humboldt-Stiftung ist, hatte ihn das Humboldt-Kulturforum diesmal zur „Kosmos-Vorlesung“ in den Landratssaal der Regierung von Oberfranken nach Bayreuth eingeladen. Ziel dieser Reihe, die Alexander von Humboldt 1826 begründet hatte, ist es, „Wissenschaft für jedermann greifbar zu machen“, so formulierte es Hartmut Koschyk, Vorsitzender des Kulturforums.

Das Thema ist in der gesamten Gesellschaft omnipräsent, in der Mythologie wie in den Medien, in der Politik wie in der Religion. Ob angebliche Klimakatastrophe oder US-Präsident Trump: „Die Erlebnisse von Angst und Streß scheinen zuzunehmen“, sagt Professor Pape. Dabei seien Angst und Furcht zunächst einmal wichtige Mechanismen, die unser aller Wohlbefinden garantieren, das hatte schon der Evolutionstheoretiker Charles Darwin herausgefunden. Angst sichere unser Leben und Überleben.

Trotzdem ist Angst im Gegensatz zu anderen Kulturen wie etwa der chinesischen hierzulande negativ unterlegt. Man denke nur an den Angsthasen aus dem Kinderbuch. Ein grundlegendes Fazit des Vortrages von Professor Pape lautete deshalb auch: „Man kann Angst überwinden, durch Neubewertung und Erfahrung“. Trotzdem führten viele exzessiven Entwicklungen zu Angsterkrankungen wie etwa posttraumatische Belastungsstörungen.

In seiner Vorlesung schlüsselte der Wissenschaftler exakt auf, wo die Angst im Gehirn angesiedelt ist und welche Nervenzellen dafür verantwortlich sind. Der zuständige Teil des Gehirns heißt Amygdala und ist unter anderem für Autismus, Depression, Belastungsstörungen oder Phobien verantwortlich. Pape sprach von rund 100000 Nervenzellen mit 100000stel Millimeter kleinen Dornenfortsätzen, die das „Rauschen im Gehirn“ auslösen.

Die gute Nachricht von Professor Pape: Schlaf sorgt für eine Konsolidierung des Gedächtnisses und überführt Lerninhalte vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis. Das können Ängste sein, aber eben auch deren Bewältigung und darauf kann eine Therapie aufbauen.

Der Wissenschaftler wäre nicht Präsident der Humboldt-Stiftung, wenn er nicht gleich zu Beginn seines Vortrages einen Bogen zu Alexander von Humboldt geschlagen hätte. Auch Humboldt habe bereits in seinen Goldkronacher Jahren Versuche zur Physiologie über die Reizung von Muskeln und Nervenfasern an Fröschen und Froschschenkeln durchgeführt und dabei durchaus brauchbare Ergebnissee erzielt.

Zuvor hatte Kulturforums-Vorsitzender Koschyk als Instrument internationaler Wissenschaftspolitik der Bundesrepublik bezeichnet. Die noch zu Lebzeiten Alexander von Humboldts gegründete Stiftung betreue heute weltweit gut 50000 Stipendiaten und könne bereits auf rund 50 Nobelpreisträger verweisen. Die Bedeutung und die Leistung Alexander von Humboldts seien außerordentlich, so Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz. Humboldt habe das vernetzte Denken erfunden und sei dabei aktueller denn je zuvor. Piwernetz bedankte sich auch bei den Verantwortlichen des Kulturforums. Der Zusammenschluss halte die Erinnerung an das Wirken Alexander von Humboldts in der Region in beispielhafter Art und Weise wach. Humboldt und Oberfranken, das mache nicht zuletzt deutlich, dass die Region auch außerhalb der Ballungsräume viel zu bieten habe und keinen Vergleich zu scheuen braucht.

Das neue „Alexander von Humboldt Centre for International Excellence“ an der Universität Bayreuth stellte die leitende Direktorin, Professor Dr. Anna Köhler, vor. Die zum 250. Geburtstages Alexander von Humboldts gegründet Einrichtung hat das Ziel, die Hochschule dabei zu unterstützen, in der Forschung und in ihren vielseitigen Netzwerken starke Verbindungen zu knüpfen. Das „Bayreuth Humboldt Centre“ soll dazu beitragen, neue Beziehungen dieser Art einzugehen sowie bestehende Bindungen zu stärken und zu vertiefen, indem es herausragende internationale Gastwissenschaftler an die Universität Bayreuth einlädt, Forschungsaufenthalte an der Universität finanziert und strategische Workshops ermöglicht, die Bayreuther Forscher mit internationalen Partnerinstitutionen durchführen. Damit werde das Erbe Alexander von Humboldts auch über das Jubiläumsjahr zu dessen 250. Geburtstag hinauswirken, sagte Köhler.

Bilder:
1. Professor Dr. Hans-Christian Pape, einer der weltweit führenden Experten in der Erforschung der neurophysiologischen Grundlagen des Verhaltens und seit 2018 Präsident der Alexander-von-Humboldt-Stiftung.
2. Das neue „Alexander von Humboldt Centre for International Excellence“ an der Universität Bayreuth stellte die leitende Direktorin, Professor Dr. Anna Köhler, vor.

3. „Kosmos-Vorlesung“ in Bayreuth (von links): Anna Köhler von der Universität, Präsident Hans-Christian Pape vn der Alexander-von Humboldt-Stiftung, Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz und Hartmut Koschyk vom Humboldt-Kulturforum.
4. Kosmos-Vorlesung 2020 im Landratssaal der Regierung von Oberfranken in Bayreuth.

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06.11.2019

Positive Bilanz zum Humboldt-Jahr: Wissenschaft für alle / Tagung über Alexander von Humboldt und seine Russland-Reise vor 130 Jahren

Bayreuth. Etwas wirklich Neues über das Universalgenie Alexander von Humboldt in Erfahrung zu bringen ist gar nicht so einfach. Die Wissenschaft versucht es trotzdem immer wieder, denn, so Alexandr Dyuldenko von der Higher School of Economics in Moskau: „Eine so große Persönlichkeit wie Alexander von Humboldt wird nie ganz zu erforschen sein.“

Aus Anlass von Humboldts 250. Geburtstag, seiner großen Russland-Reise vor genau 190 Jahren und der Aufführung des Theaterstücks „Was die Welt Im Innersten Zusammenhält“ trafen sich jetzt unter dem Motto „Das russische Abenteuer“ renommierte Wissenschaftler einen ganzen Tag lang im Iwalewa-Haus. Ziel war es, Wirkung und Aktualität Humboldts Russland-Reise von April bis Dezember 1829 näher zu ergründen.

Alexander von Humboldt habe der gesamten Forschung und Wissenschaft einen ganz neuen Auftrieb gegeben, sagte Tatiana Ilarinowa, Generaldirektorin an der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Öffentlichen Dienst in Moskau Fest machte sie das an der Russland-Reise. Damals habe Alexander von Humboldt den Grundstein dafür gelegt, dass Wissenschaft nicht mehr nur das Privileg eines kleinen Kreises Intellektueller ist, sondern offen für alle. Öffentliche Vorlesungen gibt es heute noch, sie sind sogar richtig in Mode gekommen, auch und gerade in Russland.

Einen ganz besonderen Zusammenhang der Russland-Reise Alexander von Humboldts zur Region stellte Hartmut Koschyk, Vorsitzender des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums bei der Tagung her. Seinen Worten zufolge war eine Bitte des russischen Finanzministers Georg Graf von Cancrin Ausgangspunkt der Reise. Humboldt sollte zur geplanten Einführung einer Platin-Währung in Russland Stellung nehmen. Trotz Humboldts Warnung wurde die Platin-Währung verwirklicht, schon 1845 scheiterte sie allerdings wieder. Dieser 1774 im hessischen Hanau geborene Graf von Cancrin sei der Sohn des Ingenieurs und Mineralogen Franz Ludwig Cancrin gewesen, der 1782 kurzzeitig in den Bergbaugebieten im Bayreuther Land tätig war. Sohn Georg war es dann 1829, der im Auftrag von Nikolaj I. von Russland Humboldts große Expedition zum Ural und zum Altai organisierte. Humboldt habe den Minister in Montan- und Währungsfragen beraten und von ihm Material für seine eigenen Untersuchungen erhalten.

Eine erste Bilanz über das zu Ende gehende Jubiläumsjahr 250 Jahre Alexander von Humboldt zog Olga Martens, erste stellvertretende Vorsitzende des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur und Herausgeberin der „Moskauer Deutschen Zeitung“. Der Bekanntheitsgrad Alexander von Humboldts sei zumindest in Russland enorm gewachsen. Die zahlreichen Aktivitäten in Russland, von Humboldt-Konferenzen und –Lesungen über die Enthüllung von Gedenktafeln bis hin zu einem Humboldt-Marathon habe man eine breite Öffentlichkeit erreicht.

Auch das Theaterstück „Was die Welt im Innersten zusammenhält“ von der Autorin Monika Gossmann, das bislang vier Aufführungen in Omsk, Moskau, Berlin und eben Bayreuth erlebte, habe vielen Humboldt erschlossen. Über den Internationalen Verband der Deutschen Kultur soll das Werk jetzt auch publiziert werden. Vorstellbar wäre das Stück auch als Grundlage für eine Verfilmung.

Die Tagung war auch ein Beleg für die gute Zusammenarbeit der Universität Bayreuth mit der Dostojewski-Universität in Omsk und dem dortigen Deutsch-Russischen Haus. Eine weitere Kooperation sei mit der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Öffentlichen Dienst in Moskau geplant, so Julian Fink von der Universität Bayreuth. Er kündigte auch ein Projekt mit dem Bayreuther Masterstudienjahrgang Philosophy and Economics 2021 in Omsk an.

Wie sehr die Universität Bayreuth die Humboldt-Aktivitäten unterstützt wird auch an der Eröffnung des neuen „Alexander von Humboldt Centre for International Excellence“ deutlich, das Univizepräsidenten Martin Huber zu Beginn der Tagung vorgestellt hat. Die zum 250. Geburtstages Alexander von Humboldts gegründet Einrichtung hat das Ziel, das Streben der Hochschule zu unterstützen, in der Forschung und in ihren vielseitigen Netzwerken starke Verbindungen zu knüpfen. Das „Bayreuth Humboldt Centre“ soll dazu beitragen, neue Beziehungen dieser Art einzugehen sowie bestehende Bindungen zu stärken und zu vertiefen, indem es herausragende internationale Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler an die Universität Bayreuth einlädt, Forschungsaufenthalte an der Universität finanziert und strategische Workshops ermöglicht, die Bayreuther Forscher mit internationalen Partnerinstitutionen durchführen.

Die Tagung „Alexander von Humboldt - Das russische Abenteuer“ war ein Kooperationsprojekt der Universität Bayreuth, des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur in Russland (IVDK) und des Alexander von Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach.

Bild: Tauschten sich über den Universalgelehrten Alexander von Humboldt und dessen Russland-Reise 1829 aus (von links): Alexandr Dyuldenko, Hartmut Koschyk, Olga Martens, Julian Fink, Monika Gossmann, Martin Huber und Tatiana Ilaronowa.

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05.11.2019

Momentaufnahmen aus dem Leben eines Genies / „Was die Welt im Innersten zusammenhält“: Theaterstück zur Russlandreise Alexander von Humboldts

Bayreuth. Die Russlandreise Alexander von Humboldts von Mai bis November 1829 ist weit weniger spektakulär als seine berühmte Süd- und Mittelamerika-Reise. Dennoch hat sie ihren Platz in den Geschichtsbüchern gefunden. Im Jubiläumsjahr zum 250. Geburtstag des Universalgenies wurde der Reise sogar ein eigenes Theaterstück mit dem Titel „Humboldt. Was die Welt im Innersten zusammenhält“ gewidmet, das jetzt auf der Reichshof-Kulturbühne gezeigt wurde.

Doch eigentlich ist das Stück der Autorin Monika Gossmann eine Biographie Alexander von Humboldts, die viele Momentaufnahmen seines Lebens chronologisch im Zeitraffer zeigt. Viel Authentisches ist darunter, oft kommt Humboldt in Form von Zitaten aus seinen beinahe unzähligen Briefen selbst zu Wort. Oft auch mit in Dialogen mit seinem Bruder Wilhelm. Die Russlandreise zeigt dabei nur eine Facette, auch die Südamerika-Reise wird gestreift und sogar die Zeit in Franken kommt nicht zu kurz.

Im Zentrum der Russlandreise steht wiederum die Schriftstellerin Karolina Pawlowa, eine wahre Begegnung, die in der allgemeinen Betrachtung Alexander von Humboldts bislang zu kurz gekommen ist. Humboldt begegnete ihr 1829 tatsächlich in Moskau bei einer Soiree, und soll sie zu weiterem literarischen Schaffen ermuntern haben. Das Stück beschreibt, wie sie Humboldt einen Teil des von ihr aus dem Polnischen ins Deutsche übersetzten Versepos „Konrad Wallenrod“ des von ihr verehrten Polnischen Nationaldichters Adam Mickiewicz mitgab, mit der Bitte, es an Johann Wolfgang von Goethe weiterzureichen. Alexander von Humboldt traf Karolina Pawlowa tatsächlich noch einmal kurz vor seinem Tod in Berlin. Auch das kommt in dem Theaterstück vor.

Dem Alexander von Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach ist es zu verdanken, dass die Aufführung des Stücks „Humboldt. Was die Welt im Innersten zusammenhält“ auch in Bayreuth zu sehen war. Hier war zusammen mit dem Internationalen Verband der Deutschen Kultur in der russischen Föderation und der „Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland“ auch die Idee zu einer Aufführung entstanden. Mit der Beratung von Dr. Ingo Schwarz, dem früheren Leiter der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, konnte die russlanddeutsche Regisseurin und Drehbuchautorin Monika Gossmann gewonnen werden, das Werk zu dieser Thematik zu schreiben.

Die Premiere fand bereits im Juni dieses Jahres in Omsk im Rahmen der internationalen wissenschaftlich-praktischen Konferenz „Lebendiges Erbe Alexander von Humboldts“ statt. Nach einer Aufführung in Moskau wird das Stück in diesen Tagen auch noch in Berlin gezeigt.

St. Petersburg, Moskau, Nischni Nowgorod, Jekaterinburg bis hin zur chinesischen Grenze und auch in die damalige deutsche Kolonie Sarepta (Wolgograd). Das waren die Stationen der Reise, bei der Alexander von Humboldt rund 1600 Kilometer zurückgelegt hat. Das Stück beschreibt detailgenau auch den Ausgangspunkt der Russlandreise. Sie geht auf eine Bitte des aus Hessen stammenden russischen Finanzministers Georg Graf von Cancrin zurück, Humboldt möge zur geplanten Einführung einer Platin-Währung in Russland Stellung nehmen. Trotz Humboldts Warnung wurde die Platin-Währung verwirklicht, schon 1845 scheiterte sie allerdings wieder.

Unter der Regie der Autorin Monika Gossmann agierten  Armin Marewski als Alexander von Humboldt, Marina Weis als Mutter Maria Elisabeth von Humboldt und als Karolina Pawlowa, Patrick Schlegel als Wilhelm von Humboldt und Johann Wolfgang von Goethe, Alexej Staer als Friedrich Schiller und Georg Graf von Cancrin. „Humboldt. Was die Welt im Innersten zusammenhält“ wird musikalisch umrahmt von Ashia Bison Rouge (Cello und Gesang) und Alexej Waker (Klavier). Sie präsentieren eine bunte Mischung verschiedenster Kompositionen, die von Franz Schuberts Winterreise über Ausschnitte aus der „Humboldt-Kantate“ von Felix Mendelssohn Bartholdy bis hin zu populären Songs reicht. Auf ein Bühnenbild wird weitgehend verzichtet, dafür gibt es interessante und einfallsreiche Projektionen von Natalia Schwarz.

Gefördert wurde die Aufführung von der Kultur- und Medienbeauftragten der Bundesregierung Monika Grütters und von der Oberfrankenstiftung. Unterstützung kam auch vom SeniVita-Konzern.

Bild oben: Alexander von Humboldt (Armin Marewski) trifft während seiner Russlandreise auf die Schriftstellerin Karolina Pawlowa (Marina Weis): Szene aus dem Theaterstück „Humboldt. Was die Welt im Innersten zusammen hält“, das auf der Reichshof-Kulturbühne gezeigt wurde.


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06.10.2019

Meister der leisen Töne / Stimmungsvoller Erntedank mit Andy Lang

Goldkronach. Erntedank ist eine gute Gelegenheit, um einmal innezuhalten, zurückzublicken und für alles das, was gelungen ist zu danken. Die Besucher in der vollbesetzten katholischen St.-Michaels-Kirche in Goldkronach haben das am Sonntag zusammen mit dem Theologen, Poeten und Sänger Andy Lang getan. In Texten, Liedern und Instrumentalkompositionen lud er dazu ein, aus dem Alltag auszusteigen, sich fallen zu lassen und nachzudenken.

Nachdenken über die Mühe und Arbeit des Alltages, dabei aber auch zu wissen, dass der Mensch nicht alles alleine erreichen kann, darauf kam es Andy Lang bei der Veranstaltung des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums Schloss Goldkronach an. So gab es Texte der Schöpfungsfreude, ein Gebet aus Westafrika und den Aufruf, mit Gott in dieser Welt kreativ zu sein. Zu Andy Lang gehören neben seiner sonoren Stimme aber auch die wundervollen und filigran musizierten Harfen- und Gitarrenarrangements, in denen lautes und aufdringliches kaum einen Platz hat. Ihm kommt es auf die leisen und nachdenklichen Töne an. Sie erzeugen Stimmungen und Gefühle und entführen den Hörer fast schon meditativ zu sich selbst.

Der Musiker und Theologe berichtete von der Gezeiteninsel Holy Island (Lindisfarne) in Nordengland und verglich deren Ebbe- und Flutereignisse mit dem menschlichen Leben. Zeiten der Ruhe sind lebensnotwendig, ein beständiges Wachstum gibt es nicht, so der Künstler. Drei Lieder hatte Andy Lang dem Thema Freundschaft gewidmet, in denen er die Dankbarkeit für echte Freundschaft ausdrückte. Freundschaft, das bedeutet für ihn die Quelle der Liebe. Weitere Texte stammten unter anderem von Hildegard von Bingen und von Fjodor Dostojewski.

Zuvor hatte der Vorsitzende des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums Hartmut Koschyk daran erinnert dass Andy Lang heuer nicht nur sein 30-jähriges Bühnenjubiläum feiern konnte, sondern auch daran, dass dies bereits sein dritter Auftritt beim Kulturforum in Goldkronach war.

Bilder: Theologe, Poet, Musiker und Sänger: Andy Lang gastierte zum Erntedankfest beim Alexander-von-Humboldt-Kulturforum in der St.-Michaels-Kirche von Goldkronach.

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02.10.2019

Humboldt-Uraufführung in Bayreuth /
Neues Theaterstück über das Universalgenie

Bayreuth. Berlin im Frühjahr 1859: Alexander von Humboldt sitzt an seinem Schreibtisch und lässt sein Leben noch einmal Revue passieren. So beginnt das Stück „Humboldts letzte Reise“ mit dem Untertitel „Von Franken in die Neue Welt“, das der Bayreuther Autor Frank Piontek verfasst hat. In der Black Box des RW21 in Bayreuth wurde die Auftragsarbeit zum Humboldt-Jubiläumsjahr jetzt aus der Taufe gehoben. Das Stück wurde vor allem deshalb begeistert aufgenommen, weil es ganz eindringlich viele Facetten des Universalgelehrten anspricht und dem Zuschauer dabei eine gelungene Rundumbetrachtung Humboldts vermittelt.

„Man müsste noch einmal jung sein“. Gleich mehrfach spricht Alexander von Humboldt an seinem Lebensende diese Worte aus und sie sollen wohl daraufhin weisen, dass seine Ideen und Einfälle sicher für mehrere Leben gereicht hätten. Dem Autor Frank Piontek ist es mit diesem Stück gelungen, in Form von Rückblenden viele Ereignisse und Begebenheiten anzusprechen, die wie eine Collage das zeigen, was Humboldt heute ausmacht und was von ihm geblieben ist.

Natürlich gehörten die Besteigung des Chimborazo dazu, genauso wie die Zeit in Goldkronach, der Selbstversuch im Stollen und die Erfindung der Atemmaske. Piontek zeigt aber auch einen Humboldt, der sich eingemischt hat, der Sklaverei und Kolonialherrschaft verurteilte und der – ganz aktuell – den Raubbau an den Wäldern kritisch betrachtete. Ein Forscher, Wissenschaftler und Gelehrter, der alles andere als im Elfenbeinturm sitzt, einer der zeitlos aktuell ist und der sich bestimmt auch heute für den Klimaschutz stark machen würde.

Unter der gekonnten Regie von Marieluise Müller wirkten Wolfgang Rieß als „der alte Humboldt“ und Jürgen Fickentscher als „der junge Humboldt“ mit. Weitere Rollen verkörperten Sibylle Fritz, unter anderem als Humboldts Gefährte Aime Bonpland, sowie Carolin Dix und Florian Kolb. Sie alle überzeugten mit großem Einsatz, absoluter Präsenz und enormer Wandlungsfähigkeit. Die Darsteller ließen dem Zuschauer fast vergessen, dass außer einem Tisch und einem Stuhl kaum etwas auf der Bühne stand. Für die Projektionen und vor allem die aufwändigen Toneffekte sorgte Wolfgang Rieß, die Kostüme stammten von Heike Betz

Dem Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach und dem Regionalmanagement Stadt und Landkreis Bayreuth ist es zu verdanken, dass sich Autor Frank Piontek nach dem großen Erfolg seines ersten Humboldt-Stückes „Alexander von Humboldt und Jean Paul“ noch einmal dem Thema gewidmet hat.

Vom „Höhepunkt des Humboldt-Jahres in der fränkischen Region“ sprach der Vorsitzende des Kulturforums Hartmut Koschyk. Auch überregional habe sich mittlerweile die Erkenntnis durchgesetzt, dass die fränkischen Jahre für Alexander von Humboldt prägend waren, zog Koschyk eine erste Bilanz des Jubiläumsjahres.

Autor Frank Piontek legte großen Wert darauf, dass sein Stück kein Dokumentardrama sein soll. Theater sei immer irreal und damit erfunden. So stelle auch „Humboldts letzte Reise“ eine ganz besondere Phantasiewelt dar. „Ohne die Studiobühne Bayreuth wäre die Produktion unmöglich gewesen“, sagte Piontek. So seien alle Beteiligten auch an der Studiobühne aktiv.


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14.09.2019

Faszinierender Flora und Fauna im architektonischen Kontext / Sonderbriefmarke, Lichtkunst, Nachwuchspreis: Goldkronach feierte 250 Jahre Alexander von Humboldt

Goldkronach. Mit Kunst am Schloss und einem Festakt in der Stadtkirche ist in Goldkronach am Wochenende der 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt gefeiert worden. Höhepunkt der Festveranstaltungen waren die Vorstellung der neuen Sonderbriefmarke und Sondermünze sowie die Auslobung des ersten Alexander-von-Humboldt-Nachwuchspreises. Nach Einbruch der Dunkelheit wurde die Fassade es Schlosses durch den Greifswalder Lichtkünstler Christoph Drews mit Lichtprojektionen ganz im Sinne von Humboldt fantasievoll illuminiert.

Mit einem Standkonzert der Jugendbergmannskapelle Pegnitz vor der Evangelischen Stadtkirche startete das Humboldt-Gedenken. Das mit den Bergmännern passt, war Alexander von Humboldt doch von 1792 bis 1797 in der Region als Oberbergmeister tätig, um den damals darniederliegenden Bergbau wieder auf Vordermann zu bringen. In der Kirche umrahmte dann das Bläseroktett Speinshart den Festakt eindrucksvoll mit Ausschnitten aus der „Schöpfung“ von Joseph Haydn.

Prominente Gäste waren die Parlamentarische Arbeits- und Sozialstaatssekretärin Anette Kramme aus Bayreuth und der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber aus Forchheim. Kramme stellte die neue Sonderbriefmarke und die Sondermünze zu Ehren Alexander von Humboldts vor, Glauber würdigte den Universalgelehrten unter anderem als Ökopionier, Prophet des Klimawandels, als Weltenerforscher und Weltenentdecker sowie als „Shakespeare der Wissenschaften“.

Glauber entdeckte sogar eine Wahlverwandtschaft Humboldts mit Greta Thunberg, denn Humboldt habe den Klimawandel überhaupt erst entdeckt. Was die Fridays-für-Future-Bew2egung betrifft, so sprach der Umweltminister von wichtigen Aspekten, die von der Jugend an die Politik herangetragen würden. Sich für die Natur und für den Klimaschutzstark zu machen, das sei ganz im Sinne von Humboldt.

Die Worte des Ministers lockten später beim Bayreuther Landrat Hermann Hübner vorsichtigen Widerspruch hervor. Humboldt würde zwar heute auch an der Spitze einer derartigen Bewegung stehen, er würde aber nicht nur anprangern, sondern auch Lösungsvorschläge hervorbringen, so Hübner. Humboldt sei eben auch ein Verfechter des ökologischen-ökonomischen Kompromisses gewesen, so der Aufsichtsratsvorsitzende des Hauptsponsors BayWa, Manfred Nüssel.

Eine ganz andere Facette von Humboldts Wirken stellte die Sozialstaatssekretärin Anette Kramme in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. Alexander von Humboldt hätte die heutigen populistischen Entwicklungen nicht toleriert und wäre ihnen entscheiden entgegengetreten. Für Humboldt hätten ausschließlich Fakten und die wissenschaftliche Erkenntnis gezählt und nicht Vorurteile“, so Kramme. Sie forderte: „Wir brauchen mehr Humboldt´schen Geist in Bildung und Politik.“

Die neue Sonderbriefmarke, die Kramme vorstellte, wurde von Horst F. und. Gerda M. Neumann aus Wuppertal gestaltet. Sie hat einen Wert von 80 Cent und ist bereits seit 5. September in den Verkaufsstellen der Deutschen Post AG erhältlich. Die neue Silbermünze hat einen Wert von 20 Euro.

Die Auslobung des Alexander-von-Humboldt-Nachwuchspreises nahm anschließend der Vorsitzende des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums Schloss Goldkronach Hartmut Koschyk vor. „Mit diesem Preis wollen wir die für Franken bedeutsame Beschäftigung mit dem Wirken Alexander von Humboldts in unserer Region zwischen 1792 und 1797 durch Einzelpersonen oder Gruppen im Alter von 15 bis 35 Jahren würdigen“, sagte Koschyk. Humboldt habe sich als Bergbeamter nicht nur für die ökonomische Entwicklung seiner Reviere interessiert, ihm sei auch der sorgsame und nachhaltige Umgang mit den natürlichen Ressourcen besonders am Herzen gelegen. Dabei habe er aber auch nicht das Wohlergehen und die Bildung der Bergleute und derer Familien vergessen. Die kollegiale Zusammenarbeit mit den einheimischen Beamten und Bergleuten sei dabei selbstverständlich gewesen.

Die Befassung mit den fränkischen Jahren Alexander von Humboldts im Rahmen des Nachwuchspreises kann dabei auf dem Gebiet der Wissenschaft, der Technik sowie aller Formen der Kunst erfolgen. Die Preisbewerbungen können schriftlich, gegenständlich oder filmisch eingereicht werden und müssen nachhaltig ausgerichtet sein. Dies bedeutet, dass die Auseinandersetzung mit dem fränkischen Erbe Alexander von Humboldts nicht nur kurzfristige Impulse setzen soll, sondern eine Langzeitwirkung entfalten muss. Wettbewerbsbeiträge können sowohl von Einzelpersonen als auch von Gruppen erstellt und eingereicht werden. Die Einzelpersonen und Mitglieder der Gruppen müssen mindestens 15 Jahre und dürfen höchstens 35 Jahre alt sein. Die Wettbewerbsbeiträge sind bis zum 1. März 2020 beim Alexander von Humboldt Kulturforum Schloss Goldkronach einzureichen. Der 1. Preis ist mit 5000, der 2 Preis mit 3000 und der dritte mit 2000 Euro.

Einen besonderen Akzent am Abend setzte schließlich die knapp zehnminütige Lichtinstallation von Christoph Drews. Der Künstler hatte sein Innenarchitektur-Diplom an der Fachhochschule Coburg abgelegt und ist bereits zum dritten Mal in Goldkronach tätig. Die unglaubliche Energie, die Alexander von Humboldt aufbringen konnte und für die er berühmt war, galt Zeit seines Lebens vorrangig einem Thema - der Natur. Daher habe Drews den 250. Geburtstag zum Anlass genommen, den Zauber der Natur ins Zentrum seiner Videoinstallation an der Schossfassade zu stellen. Dies ist ihm mit atemberaubenden Bildern, einfühlsamen Videosequenzen aus bisher kaum gekannten Perspektiven auch bestens gelungen. Seine Hommage an Humboldt war ein Aufruf, die Natur zu achten, zu schützen und zu erhalten und sich immer wieder der Wunder der Schöpfung bewusst zu werden.

Bilder:
1.
 Einen Blick durch ein Mikroskop riskiert der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber bei einer Sonderausstellung zum 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt im Goldbergbaumuseum von Goldkronach.
2.
 Der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber (links) und Klaus-Dieter Nitzsche vom Goldbergbaumuseum Goldkronach vor einem Portrait Alexander von Humboldts.
3.
Sie gestalteten des Festakt zum 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt in Goldkronach (von links): Bürgermeister Holger Bär, Landrat Hermann Hübner, Kulturforumsvorsitzender Hartmut Koschyk, Umweltminister Thorsten Glauber, Staatssekretärin Anette Kramme und BayWa-Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Nüssel.
4.
Mit einem Standkonzert der Jugendbergmannskapelle Pegnitz vor der Evangelischen Stadtkirche startete das Humboldt-Gedenken.
5. In der Kirche umrahmte dann das Bläseroktett Speinshart den Festakt.

Unten: Das Schloss Goldkronach, eine einstige Wirkungsstätte von Alexander von Humboldt wurde zum 250. Geburtstag des Universalgenies in eine fantasievolle Licht-Kunst-Illumination getaucht.

 

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14.09.2019

Alexander von Humboldt zum 250. Geburtstag: Fränkische Dimension weltumspannenden Wissens / Annäherungen an ein Universalgenie

Superstar der Wissenschaft, Weltreisender, wandelndes Wikipedia, „zweiter Kolumbus“, Visionär mit sozialem Bewusstsein, bekanntester Deutscher in vielen Teilen der Welt: wenn es um Alexander von Humboldt geht, kennen die Superlative kaum Grenzen. Er kannte sich in der Astronomie genauso aus, wie in der Zoologie, war Geologe und Geograph, Botaniker, Chemiker, Physiker, ein Universalgelehrter eben, wie die Wissenschaft kaum einen weiteren kennt. Meeresströme sind nach ihm benannt, ebenso Gebirge und sogar ein Mondkrater. Alexander von Humboldt kannte Felix-Mendelssohn Bartholdy genauso wie Giacomo Meyerbeer, Johann Wolfgang von Goethe oder den südamerikanischen Unabhängigkeitskämpfer Simón Bolívar. Alexander von Humboldt hat bis heute einen Status, der unerreicht ist. In diesem Jahr gedenkt die Welt seines 250. Geburtstages. Auf vielen Teilen der Erde hat der Sohn eines preußischen Offiziers Spuren hinterlassen. Er war in Südamerika genauso wie in Russland, in Mexiko, am Ural, am Orinoco und am Kaspischen Meer.

Kaum zu glauben, dass Alexander von Humboldts Bedeutung im Fichtelgebirge seinen Ausgangspunkt genommen hat. Von 1792 bis 1796 wirkte er im Dreieck zwischen Arzberg im Landkreis Wunsiedel, Bad Steben im Landkreis Hof und Bayreuth. Zentraler Ort war dabei das damalige Bergbaustädtchen Goldkronach, heute die deutsche Alexander-von-Humboldt-Stadt schlechthin.

Nachdem die zentrale preußische Verwaltung das Gebiet der bis dahin selbständigen Fürstentümer Ansbach und Bayreuth übernommen hatte, war der Goldkronacher Bergbau aufgrund stark zurückgegangener Erträge fast zum Erliegen gekommen. Die Berliner Verwaltung entsandte deshalb den damals erst 23-jährigen Alexander von Humboldt nach Goldkronach, um zu prüfen, in welchem Zustand sich Stadt und Bergwerke befanden. Er erstattete Bericht an das zuständige Ministerium und blieb in der Folge als Oberbergmeister hier, um den Bergbau unter Anwendung neuer Technik wiederzubeleben.

Es war ihm durchaus gelungen, den Bergbau, neben der Landwirtschaft damals die Haupteinnahmequelle in der Region, zu einer neuen, zugegeben aber auch vorerst letzten Blüte zu führen, denn so richtig profitabel waren die hiesigen Bergwerke nie. Alexander von Humboldt hatte zwar vorübergehend für Schwung gesorgt, doch wenige Jahrzehnte später ging eine Grube nach der anderen ein. Aufgrund der letztlich doch relativ geringen Vorkommen und der weitaus größeren, vielleicht auch billigeren Produktion andernorts mussten die Bergwerke schließen. Vor allem die Gruben in England, in Polen und in Amerika hatten den Bergwerken in Franken den Rang abgelaufen. Musste nicht die Porzellanindustrie hierzulande viel viel später ein ähnliches Schicksal erleiden?

Alle Genialität seiner Persönlichkeit war bereits während seiner fränkischen Zeit vorhanden, sind sich die Experten sicher. Alle seine späteren wissenschaftlichen Arbeiten haben hier ihren Anfang genommen, alle seine Erkenntnisse gehen auf die Zeit in Franken zurück. Diese Jahre sollen die prägendsten gewesen sein. Hier hatte er zum Beispiel das Potenzial des Goldes erkannt, das ihn in späteren Jahren als Goldbergbauexperte bis nach Russland führte. Auch ein Aufsatz aus den 1830er Jahren über das durchaus auch heute noch aktuelle Thema der „Schwankungen der Goldproduktion“ ist bekannt. Daraus wird auch ersichtlich, dass der internationale Handel schon für Humboldt ein wichtiges Thema war.

Alexander von Humboldts Aktivitäten beschränkten sich allerdings nicht auf organisatorische und technische Neuerungen im Prozess der Edelmetallförderung. Humboldts Name ist in Goldkronach, wie im gesamten Fichtelgebirge, mit Verbesserungen für die Bergleute und ihre Angehörigen verbunden. Dazu gehörte das Büchsengeld für Witwen verunglückter Bergmänner ebenso wie deutlich sicherere und gesundheitsverträglichere Arbeitsbedingungen in den Gruben und Stollen. Die Erfindung eines Atemgerätes zur Rettung verunglückter Bergleute sowie einer Sicherheitslampe zeigten schon damals, dass sein Entdeckergeist grenzenlos gewesen sein muss. „In Goldkronach besonders bin ich glücklicher, als ich je wagen durfte zu glauben“, ist als Zitat aus dieser Zeit überliefert. 1796 trat Humboldt aus dem Staatsdienst aus.

In seiner Heimatstadt Berlin gibt es kaum noch einen authentischen Ort, der an Alexander von Humboldt erinnert, In Oberfranken reihen sich die noch vorhandenen Wirkungsstätten des Universalgelehrten dagegen wie Perlen an einer Schnur. In Goldkronach erinnern heute unter anderem das 2004 im ehemaligen Amtsgebäude der Staatsforstverwaltung eröffnete Goldbergbaumuseum, die beiden Besucherbergwerke „Mittlerer Name Gottes“ und „Schmutzlerschacht“, eine Tafel an dem nach ihm benannten Gasthofs, wo einst das Wohnhaus stand, oder auch Schloss Goldkronach als ehemaligen Amtssitz der Markgräflichen Verwaltung an die große Persönlichkeit und deren Wirken. In diesem Jahr wird der Humboldt-Erlebnis-Park unterhalb des Schlosses als neue Attraktion dazukommen.

In Arzberg gibt es sogar noch seine Wohnstätte, den heutigen Gasthof Bergbräu. Die Original Bodenbretter, über die schon Humboldt gelaufen ist, können dort in der kleinen Gedenkstätte besichtigt werden. Auch die Überbleibsel des nahegelegenen Bergwerks „Kleiner Johannes“ mit dem heutigen Infozentrum für Bergbau und Geologie erinnern an die reiche Bergbauvergangenheit des Städtchens.

Vor seiner fränkischen Zeit war Alexander von Humboldt 1791 und 1792 der wohl prominenteste Student der Technischen Universität Bergakademie Freiberg in Sachsen. Davor hatte er unter anderem bereits Kameralistik in Frankfurt an der Oder und Technologie in Berlin studiert und die Handelsakademie Hamburg besucht.

Was danach kam ist Geschichte: Alexander von Humboldt wurde unter anderem mit seiner Forschungsreise durch Südamerika in den Jahren 1799 bis 1804 quer durch die heutigen Staaten Venezuela, Kuba, Kolumbien. Ecuador und Mexiko unsterblich. Hier hatte er zusammen mit dem Botaniker Aime Bonpland unermüdlich Daten und Proben zusammengetragen, schließlich mehr als 12000 Pflanzen beschrieben und 42 Kisten mit Pflanzen, Muscheln, Steinen und Insekten nach Europa gebracht. Daneben erforschte er Kultur und Sprache der Ureinwohner, protestierte gegen die Unterdrückung der Indios und machte sogar vor dem damaligen amerikanischen Präsidenten Thomas Jefferson gegen die Sklaverei mobil. Nach seiner Rückkehr lebte er zunächst zwei Jahrzehnte lang in Paris und wertete seine Südamerikareise aus. Auf das Jahr 1829 ist eine weitere große Expedition datiert, diesmal nach Russland. Seinen Lebensabend verbrachte er am preußischen Hof in Berlin, wo er hochbetagt am 6. Mai 1859 verstarb.

Man hat ihm Denkmäler erreichtet, viele Gedenktafeln erinnern an sein Wirken. Ein sichtbares Zeichen in Goldkronach ist beispielsweise die Bronzebüste vor dem Schloss, die der Forchheimer Künstler Hans Dressel geschaffen hatte. Aber auch im New Yorker Central Park oder auf dem Campus der Universität von Havanna erinnern Büsten an Alexander von Humboldt. Straßen und Plätze sind nach ihm benannt, viele Länder der Erde haben Sonderbriefmarken oder Gedenkmünzen ihm zu Ehren herausgebracht. 2017 wurde sogar ein ICE nach Alexander von Humboldt benannt. Nur die Bayreuther Universität konnte mit ihm nicht so recht etwas anfangen. Verbürgt ist, dass es in den 1980er Jahren eine Diskussion darüber gegeben hat, die Hochschule in Alexander-von-Humboldt-Universität umzubenennen. Der Senat hatte das damals mehrheitlich abgelehnt, die Gründe dafür lassen sich heute nicht mehr so richtig nachvollziehen.

Viel wichtiger ist aber, dass zahlreiche seiner Gedanken damals wie heute aktuell sind. Sein großes persönliches Engagement für die Allgemeinheit beispielsweise, sein Einsatz für Bildung und Ausbildung, das Erschließen öffentlichen und privaten Kapitals für dringend notwendige Investitionen sowie die konkrete Umsetzung von Innovationen in Forschung und Entwicklung. Kaum zu glauben, aber auch der Klimawandel war Alexander von Humboldt nicht fremd. Er hielt schon damals fest, dass das Abholzen von Wäldern dramatische Folgen für die Umwelt und das Klima hat. Alexander von Humboldt wies darauf hin, als während seines Aufenthalts im Fichtelgebirge immer wieder große Waldflächen gerodet wurden, weil das Holz als Energielieferant benötigt wurde.

Die eigentliche Aktualität Alexander von Humboldts liegt aber darin, dass Humboldt als erster eine Art Globalisierungstheorie entwickelt hatte. Dazu gehört die Vernetzung sämtlicher Disziplinen von der Anatomie bis zur Zoologie, von Botanik und Bergbau genauso wie Geographie, Geologie oder Geschichte. Nur durch die Vernetzung sämtlicher Wissenschaften ist die wachsende Komplexität zu bewältigen, damals wie heute.

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11.09.2019

Goldkronach, Goldbergbau, Goldsaibling: Ein Fisch zu Ehren von Alexander von Humboldt / Palette der kulinarischen Humboldt-Kreationen erweitert

Goldmühl/Büchenbach. Meeresströme, Gebirge und sogar ein Mondkrater sind nach Alexander von Humboldt benannt. Zu seinem 250. Geburtstag am 14. September hat es nun erstmals auch ein Speisefisch geschafft, nach dem bedeutenden Universalgenie benannt zu werden: der Humboldt-Goldsaibling.

„Gold, das passt“, sind sich die Verantwortlichen vom namensgebenden Alexander-vom-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach einig. War Alexander von Humboldt doch von 1792 bis 1795 im Dreieck zwischen Arzberg, Bad Steben und Bayreuth damit beschäftigt, den damals darniederliegenden Bergbau und speziell den Goldbergbau, auf Vordermann zu bringen. Zentrum seines Wirkens war dabei das Städtchen Goldkronach, heute Zentrum des Humboldt-Gedenkens in der Region.

„Mit dem Goldsaibling wird die breite Palette unserer kulinarischen Humboldt-Kreationen wunderbar erweitert“, sagt der Vorsitzende des Humboldt-Kulturforums, der frühere Finanzstaatsseketär und langjährige Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk. So gibt es mit dem Humboldt-Trunk bereits ein dunkles Exportbier von der Brauerei Hütten aus Warmensteinach, mit dem Humboldt-Laabla und dem Humboldt-Laib Bötchen und Brot von der Goldkronacher Bäckerei Karl-Heinz Beck und mit den Humboldt-Seufzerla eine Rauchwurst von der Bayreuther Metzgerei Parzen.

Die Ursprungsgene des Goldsaibling stammen vom Bachsaibling,der vor rund 150 Jahren über den großen Teich zu uns gekommen ist, erläutert der Teichwirt Karl-Heinz Herzing aus Büchenbach. In kalten Quellbächen und Teichen fühle sich der Bachsaibling wohl und werde auch dort zur weiteren Arterhaltung gezüchtet. Beim Ablaichen der Fische sei die Anzahl der befruchteten Eier, die die Gene eines Goldsaibling haben, sehr gering. Es könne vorkommen, dass man bei 100.000 Eiern nur zwei bis drei Eier findet, die befruchtet sind um einen Goldsaibling zu bekommen. „Somit ist es sehr mühsam und zeitaufwendig, den Goldsaibling vom Ei bis zum Speisefisch zu züchten“, so Herzing. Der Humboldt-Goldsaibling besitze eine sehr edle und feine goldgelbe Farbe, wachse wesentlich langsamer als der Bachsaibling, sei aber vom Geschmack her viel feiner und zarter.

Angeboten werden die Humboldt-Saiblinge exklusiv im Landgasthof Schwarzes Roß im Bad Bernecker Ortsteil Goldmühl. Der Ort ist insofern historisch, als dass Alexander von Humboldt am Lindenplatz in Goldmühl in unmittelbarer Nähe zum Schwarzen Roß Quartier bezogen hatte. Bis Ende September wartet der Chef, Jens Wolfrum dort mit besondere Saibling-Kreationen auf. „Der Humboldt-Saibling wird als Ganzer rein in der Pfanne in schäumender Butter gebraten, um die schöne goldgelbe Farbe zu erhalten“, erläutert Wolfrum. Dazu gibt es Blattspinat und fränkische Kartoffeln. Wolfrum: „Der Humboldt-Goldsaibling soll wirklich etwas Besonderes sein“.

Bild: Sie präsentierte die ersten Humboldt-Goldsaiblinge (von links): der Büchenbacher Teichwirt Karl-Heinz Herzing, der Wirt des Landgasthofes Schwarzes Roß in Goldmühl und der Vorsitzende des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums Hartmut Koschyk. (Foto: Max Döres)

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06.09.2019

Humboldts Beitrag zum Fortgang der Menschheit / Der prominente Historiker Adrian Roßner eröffnete mit einem Vortrag die Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag des Universalgenies

Goldkronach. „Wenn sich ein Landstrich als die Alexander-von-Humboldt-Region bezeichnen darf, dann ist das unsere Gegend“, das hat der Heimatforscher, Kreisarchivpfleger und Landeshistoriker Adrian Roßner festgestellt. Nahezu jeder noch so kleine Ort in der Region werde in den Briefen Alexander von Humboldt explizit genannt. Andere Orte würden alles dafür geben, wenn eines der größten Genies der Geschichte überhaupt Notiz von ihnen genommen hätte.

Adrian Roßner, der vielen Zuschauern durch seine Reihe „Adrians G´schichtla“ im Bayerischen Fernsehen bekannt wurde, hatte in Goldkronach mit seiner Sicht auf Alexander von Humboldt die Festwoche zum 250. Geburtstag des Universalgenies eröffnet. In wenigen Tagen, am 14. September, wird Humboldt von Goldkronach, Deutschland und der ganzen Welt gefeiert“, sagte der Vorsitzende des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums Hartmut Koschyk. Roßners Vortrag war dabei eine Gemeinschaftsveranstaltung des Kulturforums zusammen mit dem Historischen Verein für Oberfranken und der Stadt Goldkronach.

In seiner unnachahmlichen Art schaffte es Adrian Roßner, die Zuhörer im vollbesetzten Saal des Humboldt-Gasthofes zwei Stunden lang für Alexander von Humboldt zu gewinnen. Er verknüpfte geschickt Leben und Wirken des großen Forschers mit witzigen Anekdoten, stellte Humboldts Leistungen immer wieder in den geschichtlichen Kontext und ging besonders auf die fränkischen Jahre des Jubilars ein. Einen wie Roßner hätte man sich als Geschichtslehrer gewünscht, einen der statt trockener Jahreszahlen auch mal einen Witz erzählt, der mit fränkischem Lokalkolorit arbeitet und auch mal die Dinge beim Namen nennt, etwa wenn er von der extremen Verschwendungssucht der Markgräfin Wilhelmine berichtet.

Für Adrian Roßner war Alexander von Humboldt ein ausgewiesener Experte auf den verschiedensten Gebieten, ein aufgeklärter Wissenschaftler, der schon früh Netzwerke in seine Arbeit eingebracht hat. „Er lebte einfach dafür, nicht nur für den Bergbau, sondern für die Wissenschaft im Allgemeinen“, so Roßner. Er beschrieb Humboldt als bescheidenen Menschen, der wohl gar nicht gewusst habe, welch großes Genie er eigentlich ist. Dabei sei es ihm nie darum gegangen, reich und berühmt zu werden. Vielmehr habe für ihm im Mittelpunkt gestanden, einen Beitrag zum Fortgang der Menschheit zu leisten.

Adrian Roßner berichtete in seinem Vortrag von Humboldts Wirken in der Region in den Jahren 1792 bis 1795. Dazu gehören auch die Gründung der selbstfinanzierten Bergbauschulen in Bad Steben, Arzberg und Goldkronach, seine Forschungen, Erfindungen und teils lebensgefährliche Experimente, sowie von seinen Verdiensten um die Porzellanindustrie in Tettau, die ausgerechnet jetzt im Jubiläumsjahr geschlossen werden musste.

Zwei Dinge stellte er dabei besonders heraus: Humboldts Entdeckung des Magnetbergs bei Zell sowie Humboldts Verdienste um die Reaktivierung des Kreidebergwerks „Hülffe Gottes“ an der Saalequelle am Waldstein. Alexander von Humboldt hatte den natürlichen Magnetismus des knapp 700 Meter hohen Haidbergs bei Zell entdeckt und der Erhebung den Namen Magnetberg gegeben. Tatsächlich ist der dort vorkommende Magnetismus aufgrund des Serpentinit-Gesteins bis heute nachweisbar. In einem Brief bezeichnete Humboldt den Berg als „die größte Entdeckung meines Lebens“. Der Haidberg war für ihn so bedeutend, dass er sogar Eingang in sein großes Monumentalwerk „Kosmos“ fand.

Um das einstige Kreidebergwerg „Hülffe Gottes“ im Münchberger Stadtwald hatte sich schließlich nicht nur Humboldt, sondern auch Adrian Roßner große Verdienste erworben. Hatte Humboldt einst dazu beigetragen, das Bergwerk zumindest für einige Jahre wieder in Betrieb zu nehmen, war es Adrian Roßner zusammen mit Mitstreitern, der nach rund 200 Jahren den alten Stollen nach den Aufzeichnungen Humboldts wieder entdeckte und Einblicke in den noch erhaltenen knapp 60 Meter langen Schacht ermöglichte. „Das kann man durchaus als kleine Sensation bezeichnen“, so Roßner. Ob das vergessene Bergwerk an der Quelle der Saale jemals wieder öffentlich zugänglich wird, steht derzeit allerdings in den Sternen.

Bild oben: Adrian Roßner bei seinem Vortrag im Saal des Gasthofs "Alexander von Humboldt" in Goldkrtonach.
Bild unten:
Der Geschäftsführer des Historischen Vereins für Oberfranken Norbert Hübsch, Adrian Roßner, Goldkronachs Bürgermeister Holger Bär und Kulturforumsvorsitzender Hartmut Koschyk (von links) beim Auftakt zu den Humboldt-Feierlichkeiten in Goldkronach.

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05.09.2019

Humboldt für 70 Cent /
Sonderbriefmarke und Gedenkmünze erscheinen am 5. September

Auch wenn die E-Mail den handgeschriebenen Brief im Wesentlichen abgelöst hat und sich neue Formen der Kommunikation wie Facebook, Twitter oder WhatsApp mehr und mehr durchsetzen: in Sammlerkreisen hat die Briefmarke nichts von ihrer Faszination verloren. Zum Briefmarken-Jahrgang der Deutschen Post 2019, den das dafür zuständige Bundesfinanzministerium bereits im November 2018 vorgestellt hat, gehört auch eine Sondermarke zum 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt. Dafür hatte sich das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach mit seiner Vorsitzenden Petra Meßbacher und seinem Motor und Gründungsmitglied, der ehemaligen Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk in entsprechenden Schreiben an den damaligen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble schon im Jahr 2015 stark gemacht.

Mit Erfolg: Zum erlauchten Kreis der Jubilare wie etwa der Pianistin und Komponistin Clara Schumann (200. Geburtstag), der Dichterin Else Lasker-Schüler (150. Geburtstag) oder des Schriftstellers Theodor Fontane (200. Geburtstag) gehört auch Alexander von Humboldt. 52 Briefmarken umfasst der Jahrgang voraussichtlich. Anspruchsvolle Serien gehören dazu, wie etwa Panoramen (Rothenburg ob der Tauber), Leuchttürme (Campen) oder Design (Bauhaus), Marken für den Sport und für die Wohlfahrtspflege oder auch Reminiszenzen an bedeutende Ereignisse wie die Mondlandung vor 50, die Gründung der Volkshochschulen vor 100 oder die Gründung des Deutschen Alpenvereins vor 150 Jahren. Und eben der 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt, für den die Deutsche Post eine der besonders stark verbreiteten 70-Cent-Marken vorgesehen hat.

Unauslöschlich sei der Name Alexander von Humboldts in das Ehrenbuch großer Menschen und Gelehrter eingeschrieben, hieß es in dem Vorschlag des Kulturforums. Sein ganzes Leben habe Alexander von Humboldt uneigennützig in den Dienst von Wissenschaft und Forschung gestellt. Viele seiner Erkenntnisse bildeten die Grundlage für die Entwicklung der modernen Naturwissenschaften und begleiteten uns noch heute.

„Alexander von Humboldt war ein deutscher Naturforscher mit weit über Europa hinausreichendem Wirkungsfeld“, so Petra Meßbacher und Hartmut Koschyk in ihrem Schreiben. In seinem über einen Zeitraum von mehr als sieben Jahrzehnten entstandenen Gesamtwerk habe Alexander von Humboldt einen „neuen Wissens- und Reflexionsstand des Wissens von der Welt“ geschaffen und sei zum Mitbegründer der Geografie als empirischer Wissenschaft geworden.

Das Kulturforum wies auch darauf hin, dass 2019 die Eröffnung des Humboldt-Forums im Berliner Schloss ansteht. Mit diesem einzigartigen Schatzhaus der Kulturen werde erfahrbar gemacht, wofür der Name ‚Humboldt‘ steht: für die Tradition der Aufklärung, die Idee der selbstbewussten, weltoffenen Annäherung der Völker, das Ideal eines friedlichen Dialogs. Diese Neugier auf das Andere, das Fremde, das Neuartige soll im Humboldt-Forum Gestalt annehmen. Neuartige Kultur- und Kunsterfahrungen sollen den Blick schärfen für unterschiedliche, gleichberechtigte Weltkulturen; sie sollen einladen zu Diskussionen über Europa und die Welt und über die großen Themen menschlicher Existenz, die uns über alle kulturelle Grenzen hinweg verbinden.

Neben der Briefmarke wird ebenfalls am 5. September 2019 eine offizielle Gedenkmünze anlässlich des 250. Geburtstages von Alexander von Humboldt im Jahr 2019 herausgegeben. Während für die Herausgabe der Gedenkmünzen ebenfalls das Bundesfinanzministerium, diesmal in Abstimmung mit der Deutschen Bundesbank zuständig ist, liegt das Vorschlagsrecht für die Motive der Münzen traditionell bei der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur- und Medien. Petra Meßbacher und Hartmut Koschyk hatten sich deshalb auch an Beauftragte der Bundesregierung für Kultur- und Medien, Staatsministerin Monika Grütters gewandt.

Ebenfalls mit Erfolg: Die Münze soll aus Sterlingsilber bestehen. Sie wird 18 Gramm schwer sein, einen Durchmesser von 32,5 Millimeter haben und in den beiden Prägequalitäten Stempelglanz und Spiegelglanz hergestellt. Die Münzen in der Prägequalität Stempelglanz werden zum Nennwert von 20 Euro in den Verkehr gebracht. Der Entwurf stammt von dem Künstler Carsten Theumer, aus Salzatal / Höhnstedt.

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01.09.2019

Vom Dschungel ins Hochgebirge auf wenigen Quadratmetern / Neue Attraktion für Naturfreunde, Schulklassen und Touristen: Ein Park für Alexander von Humboldt

Bergbau und Alexander von Humboldt, das sind die beiden touristischen Trümpfe der Stadt Goldkronach. Ein Goldbergbaumuseum und zwei Besucherbergwerke gibt es bereits, sie heißen „Mittlerer Name Gottes“ und „Schmutzlerschacht“ und haben sich in den zurückliegenden Jahren mehr und mehr zu Besuchermagneten entwickelt. Zum 250. Geburtstag des Universalgenies kommt nun ein weiteres, in dieser Form einmaliges Projekt dazu: Alexander von Humboldt bekommt seinen eigenen Museumspark.

Sein Wirken beinhaltet viele Überraschungen. Welcher Hobbygärtner hätte beispielsweise gewusst, dass etwa die Dahlie oder die Tagetes (Studentenblume) erst durch Alexander von Humboldt nach Europa gekommen sind? Neben der Botanik beschäftigte er sich insbesondere bei seinen mehrjährigen Forschungsreisen unter anderem nach Lateinamerika, in die USA, nach Russland und Zentralasien aber auch mit der Geologie, Geomorphologie (Landformenkunde) und der Mineralogie.

Standort des neuen Museumsparks ist das weitläufige Gelände unterhalb des Schlosses, als ehemaliger Amtssitz der Markgräflichen Verwaltung eine ehemalige Wirkungsstätte von Alexander von Humboldt. Ausgangspunkt für das ehrgeizige Vorhaben war ein landschaftsarchitektonischen Erschließungs- und Raumkonzept. Das haben die beiden engagierten Landschaftsarchitekturstudentinnen Cornelia Geske und Juhye Joo von der Technischen Universität Berlin erarbeitet. Es war gleichzeitig die Bachelorarbeit der beiden Studentinnen im Studiengang Landschaftsarchitektur und –planung.

Der Park bildet nicht nur das Leben von Alexander von Humboldt in Franken, Deutschland und der Welt an Infostationen mit Stelen, Kästen und Tafeln chronologisch ab, sondern geht vor allem auch auf die Naturräume ein, die sein Forschen bestimmt haben. So werden die durch ihm beschriebenen Pflanzen und Gesteine soweit klimatisch möglich entlang eines befestigten Rundweges präsentiert, der durch verschiedene Landschaftstypen führt.

Auch der geologische Reichtum der Region wird eine Rolle spielen. Anhand einer Gabionenwand wird etwa die Fränkische Linie erläutert, eine absolute geologische Besonderheit, die mitten durch Goldkronach, ja sogar mitten durch den Keller des Schlosses führt.

Der Museumspark wird geteilt in einen Südamerika-Bereich mit Dschungel, Grasland und Hochgebirge, sowie einen Europa-Bereich. Vor allem was die Vegetation angeht, haben sich die Verantwortlichen einiges einfallen lassen. So wurde der heimische Teil des Parks mit einer Obstbaumallee und Staudenpflanzungen aufgewertet, im Südamerika-Bereich erfolgten zahlreiche Gehölzpflanzungen. Alle bereits vorhandenen Bestandsbäume und –sträucher wurden erhalten, ebenso die beiden Stillgewässer im südwestlichen Bereich, die kurzerhand in das Konzept integriert wurden.

Der Museumspark ist vor allem auch als niederschwelliges Bildungsangebot für Kinder, Jugendliche, Studenten und Familien gedacht. Er soll durch eine aktive Beteiligung zur Förderung und Vertiefung des Umweltbewusstseins und -verhaltens und dem richtigen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen beitragen. Gleichzeitig soll er geschichtliches Identitätsbewusstsein vermitteln. Angesprochen sind nicht zuletzt auch Erholungssuchende. Für sie soll der Ort der kulturellen, wissenschaftlichen und heimatkundlichen Information dienen, um das Bewusstsein zur Natur in seiner ursprünglichen Schönheit und einen nachhaltigen Umgang mit unserer Umwelt zu fördern

Geplant sind unter anderem umweltpädagogische Maßnahmen („Grünes Klassenzimmer“) in Zusammenarbeit mit Schulen und Lehrern. Dazu soll auch eine professionelle Lehrerhandreichung erarbeitet werden. Für Erwachsene wird es geologische Führungen zu vulkanischen Gesteinen und Mineralien geben. Deshalb soll der Museumspark künftig auch in die Arbeit des Geoparks Bayern- Böhmen eingebunden werden. Bereits seit 2011 ist das Schloss Goldkronach einer von fünfzehn Geopunkten.

Das Projekt wird mit Mitteln der Europäischen Union gefördert, ein weiterer Geldgeber ist die Oberfrankenstiftung. Die Stadt selbst ist ebenfalls beteiligt. Bürgermeister Holger Bär stand dem Projekt von Anfang positiv gegenüber. Auch der Stadtrat war von der Idee angetan, da der Museumspark eine weitere Attraktion für Goldkronach bedeutet.

Zur Unterstützung des Humboldt-Museumspark konnte das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach eine Reihe von namhaften Wissenschaftlern und Experten gewinnen, die das Projekt fachlich und wissenschaftlich betreuen. Dem wissenschaftlichen Beirat gehören von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften die Humboldt-Experten Tobias Kraft, Ulrich Päßler und Ingo Schwarz an. Weiterhin der Leiter des Instituts für Fränkische Landesgeschichte Martin Ott, die Direktorin des Botanischen Museums Berlin-Dahlem, Patricia Rahemipour, Gregor Aas vom Ökologisch-Botanischen Garten der Universität Bayreuth, Andreas Peterek vom Geopark Bayern-Böhmen und vom Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung (ILAUP) der TU Berlin Cordula Loidl-Reisch zusammen mit den beiden Studentinnen Jihye Joo und Cornelia Geske.

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01.09.2019

Die Humboldt-Region als attraktiver Kultur-, Wissenschafts- und Genussstandort / Zehn Jahre Alexander von Humboldt Kulturforum Schloss Goldkronach

Goldkronach. Kunst und Kultur, Information und Wissenschaft, Politik und Kulinarik: Mit ganz unterschiedlichen Veranstaltungen bereichert das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach seit genau zehn Jahren das gesellschaftliche Leben in der Region. Ganz im Sinne von Alexander von Humboldt ist das Themenfeld breit gefächert. Ziel des Kulturforums ist es, neben dem Andenken an Leben und Werk des Universalgelehrten auch, die Geschichte von Schloss Goldkronach als ehemaligen Amtssitz der Markgräflichen Verwaltung zu erforschen und zu dokumentieren. Sichtbares Zeichen ist eine Bronzebüste Alexander von Humboldts vor dem Schloss, die der Forchheimer Bildhauer Hans Dressel (1925 – 2013) geschaffen hatte und die ebenfalls vor zehn Jahren im September 2009 enthüllt wurde.

Motor des Kulturforums und damit auch der Wiederentdeckung Alexander von Humboldts in der Region ist der langjährige Bayreuther Bundestagsabgeordnete und frühere Parlamentarische Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk. Das Wirken Alexander von Humboldts sei auch heute noch von größtem Interesse und habe nichts an seiner Aktualität verloren, sagt Koschyk. Er macht sich seit Jahren dafür stark, dass neben den großen Komponisten Richard Wagner und Franz Liszt sowie der kunstsinnigen Bayreuther Markgräfin Wilhelmine auch Alexander von Humboldt als vierte herausragende Persönlichkeit der Geistesgeschichte im Bayreuther Land wahrgenommen wird. Dazu trägt auch eine Plakatausstellung im Schloss von Goldkronach bei. „Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, das Fichtelgebirge und die Region Bayreuth als innovativen Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort sowie als Kultur- und Genussregion für alle Sinne zu präsentieren“, heißt es von den Verantwortlichen.

Höhepunkt im Jahreslauf des Kulturforums ist der Humboldt-Tag immer so um den 14. September herum, mit dem das Kulturforum den Geburtstag des Universalgenies feiert. Prominente Redner machen sich dabei Gedanken zu Leben und Werk Alexander von Humboldts. Bisherige Gäste waren unter anderem die damaligen Bundesminister Karl Theodor zu Guttenberg und Hans-Peter Friedrich, die Staatsminister Melanie Huml oder Joachim Hermann, die damalige Thüringer Landtagspräsidentin Dagmar Schipanski, Persönlichkeiten aus der Region wie Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz oder Humboldt-Experten aus der Wissenschaft wie Professor Ottmar Ette von der Universität Potsdam und Professor Dr. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Ein weiterer Höhepunkt ist die „Kosmos-Vorlesung“. Alexander von Humboldt selbst hatte 1826 in der Berliner Singakademie so genannte „Kosmos-Vorlesungen“ gegeben. Sie galten damals als kultureller Höhepunkt in Berlin. Aus diesen Vorlesungen heraus ist das fünfbändige Werk „Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung“ entstanden. Alexander von Humboldt hatte darin erstmals den Versuch unternommen, dem Leser eine Gesamtschau seiner wissenschaftlichen Welterforschung zu vermitteln. Redner sind in der Regel aktuelle Humboldt-Forschungspreisträger, die aus ihren Fachgebieten berichten. Bisherige Gäste waren unter anderem Vladimir Tsukruk vom Giorgia Institute of Technology Atlanta/USA, Sarah Stroumsa, Professorin an der Universität von Jerusalem, Oliver Renaud von der Ecole des Huates Etudes en Sciences Sociales in Paris, Vladimir Salac aus Prag, die weltweit führende Malaria-Forscherin Francine Ntoumi oder der aus den USA stammende Germanistik-Professor Dan Wilson.

Auch musikalisch und künstlerisch hat das Kulturforum bereits Akzente gesetzt. Der Geheimtipp im Reigen der Veranstaltungen sind die alljährlichen Konzerte des Festivals Junger Künstler Bayreuth im Barockgarten von Schloss Goldkronach oder in der Evangelischen Stadtkirche. Ausführende waren bisher unter anderem so klangvolle Ensembles wie das Turkmenische Kammerorchester, der Kammerchor der Ionischen Universität Korfu oder der Tuma-Chor der Technischen Universität Lissabon. Auch der weltberühmte Schweizer Dirigent Karl Anton Rickenbacher (1940 – 2014) leitete im Rahmen eines Open-Air-Konzertes im Barockgarten von Schloss Goldkronach bereits ein Bläserensemble des Festivals.

Neben zahlreichen weiteren Konzerten mit prominenten Solisten im Gewölbesaal des Schlosses und den Goldkronacher Kirchen gab es eine Uraufführung des Werkes „Traum eines Forschers“, einer fünfteiligen Komposition für Klavier, Viola und Harfe des Bayreuther Musikers Peter Cervenec. Das Werk ist Alexander von Humboldt gewidmet und beschreibt seinen unermüdlichen Forscherdrang. Musikalisch näherte sich auch das Bläserensemble „Athalia“ unter der Leitung des früheren Pegnitzer Kirchenmusikdirektors Roland Weiss mit Bearbeitungen von Felix-Mendelssohn Bartholdy und von Giacomo Meyerbeer dem Universalgeie an. Beide Komponisten waren nicht nur Zeitgenossen und Freunde Alexander von Humboldts, er hatte sich auch maßgeblich für sie eingesetzt, beispielsweise wenn es darum ging, führende Positionen im Berliner Musikleben einzunehmen.

Bisheriger musikalischer Höhepunkt war die Aufführung der „Humboldt-Kantate“, einer echten kompositorischen Rarität von Felix Mendelssohn Bartholdy in der Goldkronacher Stadtkirche. Von dem 1828 uraufgeführten Werk sind weltweit nur ganz wenige Aufführungen verzeichnet. Erst seit 2009, dem 200. Geburtstag Mendelssohns, findet das Oratorium allmählich wieder Eingang in das allgemeine Konzertrepertoire. In Goldkronach hatte der St. Thomas-Chor Trockau das rund 30 Minuten dauernde Werk mit Gesangssolisten unter der Leitung von Ottmar Schmitt einstudiert.

Neben der Musik spielt auch das Theater eine große Rolle. 2013 gab es das Theaterstück „Der Anfang einer langen Reise“, ein Zwei-Personen-Stück, in dem die spanische Theatergruppe Jasteatro unter der Leitung von Antonia Jaster den einwöchigen Aufenthalt Alexander von Humboldts auf Teneriffa im Jahr 1799 aufleben lässt. Zum absoluten Renner hat sich mittlerweile das vom Kulturforum angestoßene Theaterstück „Alexander von Humboldt trifft Jean Paul“ entwickelt. Dabei geht es um eine fiktive Begegnung der beiden Persönlichkeiten, die sich die Bayreuther Kulturschaffenden Karla Fohrbeck und Frank Piontek ausgedacht hatten und die von der Regisseurin Marieluise Müller gekonnt in Szene gesetzt wurde. Die vier Szenen wurden bereits mehrfach mit großem Erfolg in Goldkronach, Bayreuth und auch in Berlin gezeigt.

Dazu kommen alljährliche geistige Impulse, Lesungen, Symposien („220 Jahre Alexander von Humboldt in Franken“), ein kleiner Weihnachtsmarkt sowie die regelmäßigen Besuche von Humboldt-Stipendiaten auf Schloss Goldkronach. Zünftig geht es seit einigen Jahren beim Genussfest zu. Unter dem Motto „Natur – Genuss – pur“ präsentieren zahlreiche Anbieter heimischer Spezialitäten ihre schmackhaften Produkte einem breiten Publikum. Ziel ist es, die Hersteller regionalen Spezialitäten noch besser bekannt zu machen. Zu Ehren von Alexander von Humboldt gibt es mittlerweile auch einige Kreationen, die sich die Hersteller eigens für das Genussfest ausgedacht haben, darunter einen „Humboldt-Trunk“ der Brauerei Hütten aus Warmensteinach sowie „Humboldt-Laabla“ und „Humboldt-Seufzerla“.

Bild: Schloss Golödkronach, Sitz des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums

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06.08.2019

Eindrucksvolle Bilder von einer DEFA-Legende / Bayreuther Kulturgespräch: In Vergessenheit geratener Humboldt-Film wiederentdeckt

Bayreuth. Alexander von Humboldt wäre ohne seine fränkischen Jahre nicht denkbar. Das bestätigt eindrucksvoll der Spielfilm „Die Besteigung des Chimborazo“, eine deutsch-deutsche Produktion aus dem Jahr 1989. Im Jubiläumsjahr zum 250. Geburtstag des weltberühmten Universalgenies hat das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloß Goldkronach die Produktion wiederentdeckt. Beim Bayreuther Kulturgespräch wurde der Streifen im Bayreuther Cineplex in Anwesenheit von Regisseur und Drehbuchautor Rainer Simon gezeigt.

Der Spielfilm ist eine echte Entdeckung. Obwohl es ein überaus authentischer Humboldt-Film mit dem heute berühmten Schauspieler Jan Josef Liefers in der Hauptrolle ist, geriet er in Vergessenheit. Grund dafür ist die Tatsache, dass die Premiere am 7. September 1989 im Ost-Berliner Kino International stattfand, einem Zeitpunkt, in dem sich die DDR bereits im Ausnahmezustand befand, schließlich fiel nur gut acht Wochen später die Mauer. Für Alexander von Humboldt interessierte sich damals kaum jemand.

Dennoch ist der mehrsprachige und teilweise mit Untertiteln unterlegte Streifen gleich in vielfacher Hinsicht bemerkenswert. Regisseur Rainer Simon ist eine echte Legende unter den Filmschaffenden der DDR, der sogar mit einem Goldenen Bären auf der Berlinade ausgezeichnet wurde. Zum anderen wurde der Film an Originalschauplätzen, hauptsächlich in Ecuador gedreht, was für DDR-Produktion bei weitem keine Selbstverständlichkeit war, aber für überaus eindrucksvolle Bilder sorgte. Schließlich enthält der Film, der nicht chronologisch, sondern in mehreren zeitlichen Ebenen aufgebaut ist, auch Sequenzen, die in der von Alexander von Humboldt gegründeten Bergbauschule Bad Steben spielen und die seine Versuche im Alaunbergwerk von Bad Berneck zeigen, bei denen er beinahe ums Leben gekommen wäre. Nicht einmal alle Biographen gehen auf diese fränkischen Jahre des Universalgenies ein. Alexander von Humboldt wirkte von 1792 bis 1797 in der Region, zentraler Ort war das damalige Bergbaustädtchen Goldkronach.

Jan Josef Liefers wäre gerne zum Kulturgespräch nach Bayreuth gekommen, war aber terminlich verhindert. Man habe aber das Gefühl, dass Jan Josef Liefers bis heute stolz auf den Film ist und sich damit durchaus identifiziert, sagte Hartmut Koschyk, Vorsitzender des Kulturforums, der den berühmten Schauspieler nach Bayreuth eingeladen hatte. Dafür war mit Rainer Simon eine echte DEFA-Legende zu Gast. Dem heute 78-Jährigen aus Potsdam war zuvor ein Film über das gegenwärtige Leben in der DDR von den Zensurbehörden verboten worden, so dass er sich zu historischen Stoffen hinwenden musste und per Zufall auf Alexander von Humboldt kam.

Rainer Simon erinnerte sich noch gut an die Dreharbeiten in Südamerika. Nie zuvor habe er eine derartige Armut und gleichzeitig eine derartige Herzlichkeit erlebt, berichtete er jetzt in Bayreuth. Aus dieser Zeit rühre auch sein Interesse für indigene Völker her, mit denen er sich später in weiteren Dokumentarfilmen und Büchern beschäftigt hatte. Mittlerweile waren seine Produktionen auch auf 3SAT und ARTE zu sehen.

Sehr gute Erinnerungen hat Simon auch noch an Jan Josef Liefers, der mit der „Besteigung des Chimborazo“ sein Kinodebüt gegeben hatte. „Zum Glück hab ich den genommen“, sagte Rainer Simon. Jan Josef Liefers, der damals gerade mit der Schauspielschule fertig war, habe während der dreimonatigen Dreharbeiten stets das Besondere an der Figur Alexander von Humboldts gesucht.

Der Chimborazo ist ein 6267 Meter hoher Vulkan in Ecuador, der von dem damals 32-jährigen Alexander von Humboldt wenige Jahre nach seinem Wirken in Franken mit zwei Freunden unter größten Mühen bestiegen wurde und auf dem er unzählige Messungen vorgenommen sowie Gesteins- und Pflanzenproben gezogen hat.

Bilder: Hartmut Koschyk vom Alexander-von-Humboldt-Kulturforum bedankte sich beim Regisseur des Spielfilms „Die Besteigung des Chimborazo“, der DEFA-Legende Rainer Simon.

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23.06.2019

Laabla, Seufzerla und fränkischen „Exbresso“: Alexander von Humboldt mit allen Sinnen genießen / Regionalität im Mittelpunkt - Viele hundert Besucher beim Genussfest in Goldkronach

Goldkronach. Das runde Jubiläum „250 Jahre Alexander von Humboldt“ soll nicht nur mit geistigen Anregungen gefeiert werden, sondern auch mit handfesten Genusserlebnissen. Zumindest in Goldkronach, der Alexander-von-Humboldt-Stadt. Hier wirkte der Universalgelehrte von 1792 bis 1796 und hier wurde der Jubilar am Wochenende einmal mehr mit einem groß angelegten Genussfest rund um das Goldkronacher Schloss gebührend gefeiert.

Im Mittelpunkt stand eine deftige „Humboldt-Brotzeit“ mit „Humboldt-Laabla“ der Goldkronacher Bäckerei Beck und „Humboldt-Seufzerla“ der Bayreuther Metzgerei Parzen sowie dem „Humboldt-Trunk“, ein dunkles Export-Bier, das die Brauerei Hütten aus Warmensteinach eigens eingebraut, exklusiv ausgeschenkt und im Sechser-Pack zum Verkauf angeboten hatte.

Daneben wurde der große Universalgelehrte von den vielen hundert Besuchern mit allerhand regionalen Spezialitäten gefeiert. So steuerte die Jägervereinigung eine Wildsau am Spieß und Fischzüchter Karlheinz Herzing aus Büchenbach an die hundert Forellen bei. Neben Bäckern, Brauern und Fischzüchtern, präsentierten sich zum Alexander-von-Humboldt-Genussfest auch heimische Kräuterexperten, die Kaffeerösterei „Garten Cafe“ aus Hollfeld mit fränkischem „Exbresso“, Uwe Saßmannshausen von der Firma Bionera aus Thurnau stellte heimische Bio-Aktiverde vor und Jana-Lisa Kirsch vom Regionalmanagement Stadt und Landkreis Bayreuth lockte die Besucher mit einem Gewinnspiel an den ihren Stand.

„Unser Ziel ist es einmal mehr, die Hersteller regionalen Spezialitäten noch besser bekannt zu machen“, sagte Hartmut Koschyk, Vorsitzender des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums Schoss Goldkronach. Er freute sich besonders darüber, dass auch die Alexander von Humboldt zu Ehren geschaffenen Kreationen, die sich die Genusshandwerker eigens für das Fest ausgedacht hatten, auf so großen Zuspruch gestoßen waren und dass so viele Besucher der Goldkronacher Frühjahrskirchweih den Weg zum Genussfest fanden.

„Die Menschen interessieren sich wieder für ihr persönliches Umfeld, sie wollen zurück zur Natur“, sagt Imker Toni Herzing aus Büchenbach bei Pegnitz. Beim Genussfest des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums rund um Schloss Goldkronach hatte Herzing gleich mehrere Honigsorten mitgebracht und informierte zusammen mit seinem Imkerkollegen Gerhard Talke aus Bayreuth über die Imkerei.

Sogar der Rahmen wurde regional ausgestaltet. Neben der Nürnberger Zollkapelle sorgte das Frankenquartett unter der Leitung von Siggi Stadter für die passende Musik. Informationen über den Geopark Bayern-Böhmen durch Martina Feldmann aus Eckersdorf und eine Kellerführung mit Besichtigung der Fränkischen Linie rundeten das Programm ab.

Ein weiteres Ziel des Festes war es, alle Interessierten über den geplanten Humboldt-Museumspark zu informieren. So soll unterhalb des Schlosses auf gut 15000 Quadratmetern in den kommenden Monaten ein Park zu Ehren des Naturforschers entstehen. Hier kann man sich von Oberfranken aus anhand authentischer Pflanzen und Landschaftsbestandteilen auf die Reise nach Lateinamerika machen und damit auf den Spuren Humboldts wandeln. Mit dem Genussfest unterstützt das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum das Albert-Schweizer-Hospiz in Bayreuth.

Bilder:
1.
Fischzüchter Karlheinz Herzing aus Büchenbach steuerte rund 100 Forellen für das Genussfest bei.
2. Landrat Hermann Hübner, Jana-Lisa Kirsch von Regionalmanagement Bayreuth Stadt und Land, Bürgermeister Holger Bär und Hartmut Koschyk (von links) vom Alexander-von-Humboldt-Kulturforum rührten die Werbetrommel für regionale Spezialitäten.
3.
 Feiern für einen guten Zweck: Hartmut Koschyk (links) und Klaus Zielonka vom Albert-Schweizer-Hospiz sammelten zusammen mit der Zollkapelle Nürnberg Spenden zu Gunsten der Hospizeinrichtung in Bayreuth.

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30.05.2019

Jeder ist auf Vergebung angewiesen /
Humboldt-Kultursommer mit geistlichem Impuls eröffnet

Goldkronach. Mit einem Appell zu Versöhnung und Verzeihung sowohl im zwischenmenschlichen als auch im zwischenstaatlichen Bereich hat der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien Markus Schoch am Himmelfahrtstag den Goldkronacher Kultursommer gestartet. Der Veranstaltungsreigen steht in diesem Jahr ganz im Zeichen des 250. Geburtstages des Universalgenies Alexander von Humboldt

Bischof Markus Schoch, der in Schwäbisch-Hall geboren wurde und der in der Georgischen Hauptstadt Tiflis tätig ist, rief dazu auf, sich für die Versöhnung auf unserem Kontinent und damit für die Zukunft Europas einzusetzen. „Europa scheint in Gefahr zu sein“, zeigte er sich besorgt. Nun gelte es alles dafür zu tun, dass Europa nicht an seinen Wunden zerbricht.

Die wechselvolle und dramatische Josephsgeschichte aus dem Alten Testament zeigt nach den Worten des Geistlichen, dass Versöhnung möglich ist, sowohl zwischen Menschen als auch zwischen Völkern. Dazu müsse man wissen, dass die biblische Geschichte von Joseph und seinen Brüdern einen politischen Hintergrund hat. Die zwölf Söhne symbolisierten die zwölf Stämme Israels. Deshalb habe Genesis 50 auch einen politischen Anspruch.

Als Schlüssel zur Vergebung bezeichnete es Bischof Schoch, eigenes Fehlverhalten und eigene Schuld offen anzusprechen. Leicht sei dies oft nicht, doch wo es geschieht, würden Türen geöffnet. Keinem Menschen stehe es zu, ein eigenes Urteil zu sprechen, dies könne allein nur Gott. Aber jeder sei darauf angewiesen, dass auch ihm vergeben wird.

Zuvor hatte Hartmut Koschyk Vorsitzender des Forums, die gute ökumenische Verbundenheit herausgestellt, mit der in Goldkronach zum mittlerweile 11. Mal der Kultursommer eröffnet werde. Stets sei ein geistlicher Impuls am Beginn gestanden, so auch im Jubiläumsjahr 250 Jahre Alexander von Humboldt. Bürgermeister Wieland Pietsch bedankte sich beim Kulturforum für das hochkarätige Jubiläumsprogramm und warb für die vielen  musikalischen Darbietungen, interessanten Vorträgen und kulinarischen Genüssen in den kommenden Monaten.

Das ökumenische Fürbittgebet sprachen der evangelische Pfarrer Hans-Georg Taxis und sein katholischer Amtskollege Pater Stephan Matula. Musikalisch wurden die „Gedanken zum Himmelfahrtstag“ vom Chor der Gruppe Luther aus Bayreuth unter der Leitung von Gisela Streng sowie von Paul Hofmann auf der historischen Orgel der Stadtkirche umrahmt.

Bilder:
1. Der Chor der Gruppe Luther unter der Leitung von Gisela Streng eröffnete Alexander-von-Humboldt-Kultursommer in der Goldkronacher Stadtkirche.
2.
 Hartmut Koschyk, Vorsitzender des Kulturforums, konnte den Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien Markus Schoch am Himmelfahrtstag in Goldkronach begrüßen.
3. Bschof Markus Schoch wurde in Schwäbisch-Hall geboren und ist in der Georgischen Hauptstadt Tiflis tätig.

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01.05.2019

Der Humanist in den Tiefen des Russischen Reiches / Vor 190 Jahren: Alexander von Humboldt in Russland

Sie ist weit weniger spektakulär als die Süd- und Mittelamerika-Reise, sie hat auch nicht so lange gedauert, aber sie hat trotzdem ihren Platz in den Geschichtsbüchern gefunden: Alexander von Humboldts Russlandreise von Mai bis November 1829, während der er mehr als 15000 Kilometer zurücklegte.

St. Petersburg, Moskau, Nischni Nowgorod, Jekaterinburg bis hin zur chinesischen Grenze und auch in die damalige deutsche Kolonie Sarepta (Wolgograd): Während Alexander von Humboldt seine berühmte Südamerika-Reise als Privatmann unternommen hatte, war er in Russland Gast des Zaren. Schließlich waren die Beziehungen zwischen den gekrönten Häuptern Preußens und Russlands gerade besser denn je. Zar Nikolaus I. hatte die Reise so großzügig finanziert, dass Humboldt am Ende sogar ein Drittel der rund 2000 Gulden zurückgab.

Offene Kritik an der damals geltenden Leibeigenschaft gab es von Seiten Humboldt wahrscheinlich schon deshalb nicht. Ganz im Gegensatz zur seiner Amerika-Reise, wo Humboldt, der Humanist, auch mit dem damaligen US-Präsidenten Thomas Jefferson zusammengetroffen war, und die Sklaverei kritisierte. Anders als in Südamerika konnte der Naturforscher Humboldt auf dem ersten Blick auch nicht mit spektakulären wissenschaftlichen Entdeckungen aufwarten. Höchste Ehrungen für ihn als Wissenschaftler gab es trotzdem und während er zum Antritt der Südamerika-Reise noch keine 30 Jahre alt war, fiel in die Zeit der Russland-Expedition immerhin schon sein 60. Geburtstag

Ausgangspunkt der Russlandreise Alexander von Humboldts war eine Bitte des russischen Finanzministers Georg Graf von Cancrin (1774 im hessischen Hanau geboren), Humboldt möge zur geplanten Einführung einer Platin-Währung in Russland Stellung nehmen. Trotz Humboldts Warnung wurde die Platin-Währung verwirklicht, schon 1845 scheiterte sie allerdings wieder.

Cancrin war aber schon auch an dem Geologen und Bergbauexperten interessiert, um Aufschlüsse über Minenvorkommen zu erhalten. Daraufhin war zumindest die ursprüngliche Reiseroute ausgerichtet. Die reichsten Erzlagerstätten und die damals bedeutendsten Zentren des Eisen-, Silber- und Kupfer-Bergbaus sowie der Hüttenindustrie des Ural und Altai gehörten dazu. Der Grund dafür war, dass Russland um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert der führende Eisen- und Silberproduzent Europas war. Mit der Industriellen Revolution in Westeuropa sollte sich das ändern und so stand der russischen Montanindustrie eine Modernisierung bevor, für die sich die Verantwortlichen den Rat des Bergbaufachmanns Alexander von Humboldt erhofften. Auch die Entdeckung neuer Goldvorräte in Sibirien spielte dabei eine Rolle

Alexander von Humboldt reiste nicht alleine. Mit dabei waren diesmal zwei Professoren aus Berlin: der Mediziner, Zoologe und Botaniker Christian Gottfried Ehrenberg und der Chemiker und Mineraloge Gustav Rose. Dazu kamen ein Koch und ein Diener sowie die drei gefederten Wagen, die von Pferden gezogen wurden. Das Reisen war eben damals so ganz anders als heute. Noch dazu weitete Alexander von Humboldt die vorher abgesprochene Reiseroute zwei Mal eigenmächtig aus, so dass er bis zum Altai-Gebirge und zur chinesischen Grenze und später zum Kaspischen Meer gelangte.

Wie gefährlich das Reisen war, macht auch die folgende, heute völlig unvorstellbare Anekdote deutlich: Für die Fahrt nach Orenburg hatte Alexander von Humboldt eine stärkere Kosaken-Eskorte zum Schutz bekommen. Die Grenze von Orsk bis Orenburg galt als eine der unsichersten Russlands. Kirgisen sollen oft in das russische Gebiet eingefallen sein und Menschen und Vieh geraubt haben. Die Menschen seien dann nach China als Sklaven verkauft worden, heißt es.

Solchen Widrigkeiten zum Trotz sammelte Alexander von Humboldt geologisches Material und inspizierte Silbergruben unter anderem in Altai. Am Ende der Reise stand dennoch kein derart monumentales Reisewerk wie bei seiner Amerika-Expedition. Eigentlich gibt es gar kein Werk, das ausschließlich die russische Reise zum Inhalt hat. Dennoch existieren eine Reihe größerer und kleinerer Publikationen Humboldts und auch der beiden Berliner Professoren Rose und Ehrenberg, in denen sich die Ergebnisse der russischen Reise in unterschiedlichster Form aufgearbeitet finden

Und dann wartete er gleich nach seiner Rückkehr doch noch mit einer aus heutiger Sicht mehr als bemerkenswerten Erkenntnis auf. „Ein Land, das sich über mehr als 135 Längengrade erstreckt, von der fruchtbaren Zone der Olivenbäume, bis zu den Landstrichen, wo der Boden nur noch mit flechtenartigen Pflanzen bedeckt ist, kann mehr als jedes andere das Studium der Atmosphäre, die Erkenntnisse über die durchschnittliche Jahrestemperatur und, was noch wichtiger für den Zyklus der Vegetation ist, das Studium der Verteilung der Jahreswärme auf die verschiedenen Jahreszeiten vorantreiben.“, sagte er in einem Vortrag unmittelbar nach der Reise vor Vertretern der russischen Wirtschaftselite. „Wenn die variierenden Isothermen oder Linien gleicher Wärme auf Grund präziser Beobachtungen aufgezeichnet werden und dies mindestens fünf Jahre lang im europäischen Russland und in Sibirien fortgeführt wird, wenn sie verlängert werden bis zu den westlichen Küsten Amerikas, …,  dann wird die Wissenschaft von der Verteilung der Wärme auf der Erdoberfläche und in den Schichten, die unserer Forschung zugänglich sind, auf soliden Grundlagen basieren.“

Hatte Humboldt schon damals gemerkt, dass es einen Klimawandel gibt, der vom Menschen gemacht ist? Namhafte Experten beantworten diese Frage heute mit einem klaren Ja. Tatsächlich ließ die russische Regierung in der Folge ein Netz von Messstationen anlegen, die unter anderem Luftdruck, Temperatur, Windrichtung und Niederschlagsmengen erfassten. Diese Daten dienten Humboldt dann als Grundlage für die einschlägigen Betrachtungen in seinem 1843 erschienenen Werk über Zentralasien.

Späte Aufmerksamkeit erfuhr die Russland-Expedition Alexander von Humboldts erst vor wenigen Jahren durch ein Forscherteam aus deutschen und russischen Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen. Sie folgten der damaligen Expedition entlang der „Humboldt-Route“ mit dem Ziel, die Reise aus unterschiedlichen Sichtweisen näher zu untersuchen und Humboldts Erfahrungen mit den gegenwärtigen Verhältnissen in Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur zu vergleichen. Höhepunkt war die Benennung der höchsten Erhebung auf dem Hauptkamm des Nördlichen Ural als Gora Gumboldta („Humboldt-Berg“), mit der Alexander von Humboldt eine späte Ehrung im Russland des 21. Jahrhunderts zu Teil wurde.

Bild: Die Büste Alexander von Humboldts vor dem Schloss Goldkronach.

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05.04.2019

„Alles ist Wechselwirkung“ / Dr. Ulrich Päßler über Humboldts Pflanzengeographie – Schwerpunkt am ÖBG der Uni Bayreuth

Bayreuth. Rund 6000 Pflanzen hat Alexander von Humboldt von seiner Reise durch Amerika in den Jahren 1799 bis 1804 mit nach Europa gebracht. Etwa die Hälfte davon wurde zum ersten Mal überhaupt beschrieben. „Doch diese Neuentdeckungen waren ihm gar nicht so wichtig, Humboldt kam es darauf an, die Dinge zusammenzubringen und Wechselwirkungen zu erforschen“, sagte der Politikwissenschaftler und Historiker Dr. Ulrich Päßler von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften bei einem vielbeachteten Vortrag an der Universität. Päßler war anlässlich des Jubiläumsjahres zum 250. Geburtstag des Universalgenies auf Einladung des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums, des Vereins Alexander-von-Humboldt-Museumspark sowie der Hanns-Seidel-Stiftung nach Bayreuth gekommen.

„Alles ist Wechselwirkung“, so lautete Päßler zufolge einer der Grundsätze Alexander von Humboldts. Die Natur als Ganzes darzustellen, das sei sein Ziel gewesen. Vegetationen zu beschreiben und zu vergleichen, das sei für die damalige Zeit etwas völlig neues gewesen.

Päßler beschrieb Alexander von Humboldt als Übergangsfigur zwischen der Naturgeschichte der Aufklärung und den modernen Naturwissenschaften des 19. Jahrhunderts. Und als „Instrumentenfetischist“: schließlich habe Alexander von Humboldt mit Hilfe von Lastenträgern 35 schwere Instrumente auf seiner Reise mitgeschleppt, unter anderem um Ortsbestimmungen vorzunehmen, aber beispielsweise auch ein Cyanometer, um die Himmelbläue zu erfassen,

Sämtliche gesammelte Pflanzen habe Alexander von Humboldt noch an Ort und Stelle vermessen, nummeriert, ihnen einen vorläufigen Namen gegeben und alles Erdenkliche zum Fundort schriftlich festgehalten. Trotzdem sei es ihm mehr auf Verbindungen der Pflanzen untereinander als um einzelne Pflanzen gegangen. Wo kommen die Pflanzen vor, welchen Vegetationstypen sind sie zuzuordnen, welchen Charakter haben die Pflanzen. Diese und andere Fragen versuchte Alexander von Humboldt zu beantworten, was für die Botanik damals ein völlig neuer Ansatz gewesen sei.

Nach dem Vortrag hatten die über 100 Humboldt-Interessierten Zuhörer aus der Region die Gelegenheit zu einer „Nachtführung“ unter der Leitung von Dr. Marianne Lauerer durch den Ökologisch-Botanischen Garten der Universität Bayreuth. Dort gebe es einen Schwerpunkt von Pflanzen aus Ländern, die Alexander von Humboldt auf seinen Reisen beschrieben, gesammelt, nach Deutschland verschifft und gezeichnet hatte, so Hartmut Koschyk vom Humboldt-Kulturforum. Zuvor hatte Sabine Habla, Regionalbeauftragte der Hanns-Seidel-Stiftung das Bildungswerk der Stiftung und dessen großen Strauß an Themen vorgestellt.

Nicht fehlen durften beim anschließenden Imbiss in der Ausstellungshalle des Ökologisch-Botanischen Gartens die eigens zum Jubiläumsjahr herausgebrachten Spezialitäten wie der Humboldt-Trunk der Brauerei Hütten aus Warmensteinach, die Humboldt-Laabla der Bäckerei Karl-Heinz Beck aus Goldkronach und die Humboldt-Seufzerla der Metzgerei Parzen aus Bayreuth.

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25.03.2019

Prestigeprojekt für ganz Oberfranken /
Humboldt-Park in Goldkronach wirft seine Schatten voraus

Goldkronach. Der geplante Alexander-von-Humboldt-Museumspark ist ein absoluter Gewinn für Goldkronach, eine große Chance für die Region, ein Prestigeprojekt für ganz Oberfranken und weit darüber hinaus. Zahlreiche Redner gerieten bei einer Bürgerinformationsveranstaltung in Goldkronach ins Schwärmen und zeigten sich zuversichtlich, noch offene Fragen wie die Lenkung der Besucherströme oder die Parksituation schon bald lösen zu können.

„Keine Stadt in Franken, in der Alexander von Humboldt zwischen 1792 und 1797 seine Spuren hinterlassen hat, ist sich seines Erbes so bewusst wie Goldkronach“, sagte Initiator Hartmut Koschyk, langjähriger Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des eigens gegründeten Fördervereins. Das ohnehin schon breite Angebot, in Goldkronach auf den Spuren Alexander von Humboldts zu wandeln, werde mit dem Park eine ideale Abrundung erfahren. Ziel ist ein ganzheitliches Informationsangebot zu Alexander von Humboldt, wie es bundesweit einmalig ist.

Auf einem eineinhalb Hektar großen Areal unterhalb des Schlosses soll die Natur Frankens und Südamerikas exemplarisch dargestellt, in engen Bezug zu Alexander von Humboldt gesetzt und ausführlich über dessen Leben und Werk informiert werden. Der größtenteils barrierefreie Park werde ein abgeschlossenes und umzäuntes Areal sein, das nur in der Vegetationszeit der Pflanzen, also von März bis Oktober, geöffnet wird, berichtete Dieter Blase vom Büro Topos. Seine Planungen stützen sich dabei auf ein Erschließungs- und Raumkonzept, das die beiden Landschaftsarchitekturstudentinnen Cornelia Geske und Juhye Joo von der Technischen Universität Berlin als Bachelorarbeit erarbeitet haben.

Geplant sind unter anderem Spielangebote und Ruhebereiche, Weidentunnels und Rosenpergolas, Nachbildungen einer Steppenlandschaft und ein kleines Vulkangebirge. Alpakas sollen den Park bevölkern, traditionelle alte Obstsorten werden eine Renaissance erfahren und in einer eigenen „Casa Humboldt“ sollen Seminarräume, Infoangebote, ein Museumsshop und Toiletten untergebracht werden. Sogar zwei Bienenvölker werden in dem Park eine neue Heimat finden. „In Bezug auf Alexander von Humboldt ist so etwas einmalig“, sagte Hartmut Koschyk.

Für das Vorhaben rechnet Bürgermeister Holger Bär mit Investitionskosten von 1,8 Millionen Euro, die zu 90 Prozent gefördert werden sollen. 70 Prozent kommen aus einem Europäischen Programm, das mit Bundes- und Landesmitteln kofinanziert wird, mit 20 Prozent will sich die Oberfrankenstiftung beteiligen. „Diese Förderung ist überaus attraktiv“, sagte Bär, der auch von einer großen Chance für die kleine Stadt sprach und sich neue Impulse für Gastronomie und Hotellerie erwartet

Nach den Worten von Hartmut Koschyk rechne man mit 15000 Besuchern jährlich. Eine vorsichtige Schätzung, die sich am Wildpark und am Waldhaus im nahen Mehlmeisel orientiere. Auch dort habe man anfangs mit 15000 Besuchern kalkuliert, mittlerweile sei man beim vierfachen angelangt. Baubeginn des Parks soll im Frühsommer sein, für den Herbst plant der Förderverein ein Baustellenfest.

Während die öffentliche Hand für die Investition zuständig ist, wird der Förderverein für den Unterhalt verantwortlich sein. Das Geld soll unter anderem aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und aus Eintrittsgeldern stammen. Vorgesehen sind fünf Euro Eintritt für Erwachsene, drei Euro für Kinder. Über ein spezielles Angebot für Einheimische werde bereits nachgedacht. Ein Gärtner soll fest angestellt werden, Parkführer und Betreuer sollen auf geringfügiger Beschäftigungsbasis tätig werden.

Bilder: Dieter Blase vom Planungsbüro Topos bei der Vorstellung in Goldkronach.

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26.02.2019

Von Franken in die Neue Welt / Die Region feiert ihr Universalgenie – Kulturforum präsentierte Jubiläumsprogramm

Goldkronach. Ein Humboldt-Bewusstseins innerhalb Frankens zu schaffen und gleichzeitig darauf hinweisen, dass Alexander von Humboldt durch seine frühen fränkischen Jahre entscheidend geprägt wurde, das sind die Ziele des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums Schloss Goldkronach. Im Jubiläumsjahr zum 250. Geburtstag sollen diese Ziele unter anderem durch eine nie dagewesene Fülle an Veranstaltungen, Konzerten und Vorträgen, Theateraufführungen, Filmvorführungen und Lesungen sowie geistlichen Impulsen und weltlichen Festen, gefeiert werden. „Das Jubiläumsjahr ist eine echte Bewährungsprobe für unsere junge Kulturinstitution“, sagte Hartmut Koschyk, Vorsitzender des Kulturforums, bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Programms.

Im Zentrum der Veranstaltungen wird dabei die fränkische Humboldt-Stadt Goldkronach stehen. Hier startet der Kultursommer offiziell am Himmelfahrtstag in der Stadtkirche mit Markus Schoch, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien und im Südkaukasus. Bereits vorher geht der Veranstaltungsreigen mit dem traditionellen Bayreuther Fastenessen (30. März), einem Vortrag von Dr. Ulrich Päßler von der Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften an der Universität Bayreuth (5. April) und einem weiteren Vortrag von Dr. Rudolf Himsl vom Verein Kulturerbe Bayern (9. Mai in Goldkronach) los.

Weitere herausragende Programmpunkt sind unter anderem die Wiederaufführung des Theaterstücks „Alexander von Humboldt trifft Jean Paul“ (12. Juni und 13.Juli), zwei Konzerte des Festivals Junger Künstler Bayreuth (11. und 18. August), das Bayreuther Kulturgespräch mit der Aufführung des Films „Die Besteigung des Chimborazo“ (6. August)

Zum eigentlichen Geburtstag Alexander von Humboldts am 14. September wird es einen hochkarätig besetzten Humboldt-Tag in der Stadtkirche unter anderem mit dem neuen bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber geben. An diesem und den folgenden Tagen soll nach Einbruch der Dunkelheit außerdem die eindrucksvolle Lichtinstallation von Christoph Drews an der Fassade des Goldkronacher Schlosses gezeigt werden.

Als einen der Höhepunkt kündigten die Verantwortlichen das Fränkische Genussfest am Sonntag, 23. Juni von 11 bis 18 Uhr im Barockgarten von Schloss Goldkronach an. Unter dem Motto „Humboldt mit allen Sinnen genießen“ wurde dafür eigens die Bauern-Seufzer der Bayreuther Metzgerei Parzen, die Humboldt-Labla der Goldkronacher Bäckerei Beck und der Humboldt-Trunk der Warmensteinacher Brauerei Hütten geschaffen.

Am 31. August wird es außerdem einen Rosentag mit der Rosenschule Kordes geben, die bereits im zurückliegenden Jahr die Alexander-von-Humboldt-Rose vorgestellt hatte. Am gleichen Tag soll im Dendrologischen Garten von Bad Berneck ein Humboldt-Rosenweg eröffnet werden. Geplant ist auch die erstmalige Verleihung eines Fränkischen Alexander-von-Humboldt-Nachwuchspreises, die das Kulturforum zusammen mit der Rainer-Markgraf-Stiftung durchführen wird. Sogar ein eigenes Logo gibt es. Geschaffen hat die gelungene farbenfrohe Kombination Max Döres, der an der Hochschule Hof-Münchberg Medien-Design studiert. Das Logo trägt das Motto „Von Franken in die Neue Welt“.

Überaus begeistert von dem reichen Programmangebot zeigten sich bei der Pressekonferenz sowohl die stellvertretende Bayreuther Landrätin Christa Reinert-Heinz als auch Bürgermeister Holger Bär. „Mit dem, was hier alles geschaffen wurde, ist Goldkronach ist eine echte Leuchtturmstadt“, sagte Reinert-Heinz. Bürgermeister Bär berichtete von einem intensiven Austausch mit dem kolumbianischen Falan, ebenfalls einem Humboldt-Ort, mit dem die Stadt eine Klimapartnerschaft unterhält.

Weitere Informationen zu allen Veranstaltungen gibt es in einem eigenen „Humboldt-Brief“, eine Publikation, die im April erscheinen wird, sowie unter www.humboldt-kulturforum.de.

Bild:
Vorstellung des Programms des Humboldt-Jubiläumsjahres: (von links) Patrick Nickl von der Brauerei Hütten, Metzger Helmut Parzen, Hartmut Koschyk, stellvertretende Landrätin Christa Reinert-Heinz, Designer Max Döres, Bürgermeister Holger Bär, Tobias Beck von der Bäckerei Beck, Wolfgang Nickl (Brauerei Hütten).

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14.02.2019

Völlig neuer wissenschaftlicher Ansatz / Goldkronach trifft Südamerika: Ein ganzer Park wird Alexander von Humboldt gewidmet – Förderverein Museumspark gegründet

Goldkronach. Mit der Gründung eines Fördervereins ist Goldkronach dem geplanten Alexander-von-Humboldt-Museumspark einen großen Schritt näher gekommen. 18 Gründungsmitglieder hat der Verein, der später Betreiber des Parks sein wird. Vorsitzender ist der langjährige Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, ihm zur Seite stehen Andrea Wunderlich und Bürgermeister Holger Bär als Stellvertreter.

Die Planungen für das ehrgeizige Vorhaben sind schon ziemlich konkret, wie Dieter Blase vom Planungsbüro Topos bei der Gründungsversammlung im Gasthof Alexander von Humboldt in Goldkronach berichtete. Hinter dem Museumspark, der im Barockgarten des Schlosses und einem angrenzenden, derzeit weitgehend brach liegenden städtischen Grundstück verwirklicht werden soll, wird die Verbindung Alexander von Humboldts zu Oberfranken und zu Südamerika sichtbar gemacht. Dabei werden nicht nur Tafeln aufgestellt, zahlreiche Blumen, Sträucher und Bäume, gartengestalterische Elemente, sogar eine Vulkanlandschaft soll die Verbindung zu Alexander von Humboldt herstellen. Planer Dieter Blase sprach von einem völlig neuen Ansatz, Wissenschaft zu zeigen. Trotzdem soll es auch ein Park für die Menschen in Goldkronach sein, so Blase. Seine Planungen stützen sich dabei auf ein Erschließungs- und Raumkonzept, das die beiden Landschaftsarchitekturstudentinnen Cornelia Geske und Juhye Joo von der Technischen Universität Berlin als Bachelorarbeit erarbeitet haben.

Konkret teilt sich der Park in zwei Teile: Im bisherigen Barockgarten soll das Motto „Oberfranken in Europa“ realisiert werden, in dem Nachbargrundstück lautet das Motto „Oberfranken trifft Südamerika“. Highlights werden unter anderem Mitmachbeete und –gärten, ein Weidentunnel und eine Rosenpergola sowie eine Vulkanlandschaft an einem bestehenden Hang sein. Auch an ein kleines Veranstaltungs- und Besucherzentrum mit Seminarräumen, einem gastronomischen Angebot, einem Museumsshop und Toiletten ist gedacht. Der komplette Park soll barrierefrei sein und er soll auch eingezäunt werden.

Der neue Vorsitzende Hartmut Koschyk, der in gleicher Funktion bereits an der Spitze des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums Schloss Goldkronach steht, sprach von einer einmaligen Chance für die Stadt, zumal die traumhafte Förderquote von 90 Prozent an dem auf 1,8 Millionen Euro beziffertem Vorhaben bereits feststeht. Für 70 Prozent der Kosten gibt es bereits einen Förderbescheid der Regierung von Oberfranken über Bundes-, Landes- und Europamittel. Eine weitere Förderzusage mit 20 Prozent kommt von der Oberfrankenstiftung. Bauherr des Parks wird die Stadt Goldkronach sein.

Als erste Aktivität kündigte Koschyk eine öffentliche Veranstaltung im März an, bei der sich der Förderverein mit seinen Zielen der Öffentlichkeit vorstellen und neue Mitglieder gewinnen will. Am 5. April gibt es einen Vortrag mit dem Titel „Die Natur ganz umfassen“ von Dr. Ulrich Päßler, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Baubeginn des Parks soll im Frühsommer sein, für den Herbst plant der Förderverein ein Baustellenfest.

Auch Bürgermeister Holger Bär sah die große Chance, die Erinnerung an die Aktivitäten des jungen Alexander von Humboldt in Oberfranken zentral in Goldkronach zu bündeln. Zusammen mit dem Goldbergbaumuseum, den Besucherbergwerken und einem Rundwanderweg könne der Besucher einen ganzen Tag lang in Goldkronach auf den Spuren von Alexander von Humboldt verbringen.

Die Jahresmitgliedsbeiträge des neuen Vereins liegen bei 25 Euro für Einzelmitglieder, 40 Euro für Ehepaare und 100 Euro für juristische Personen wie Vereine oder Firmen. Neben Hartmut Koschyk, Andrea Wunderlich und Holger Bär gehören dem Vorstadt Manfred Nüssel als Schatzmeister und Sebastian Machnitzke als Schriftführer an. Beisitzer sind: Wieland Pietsch, Thomas Dötsch, Annegret Läkamp, Roland Musiol und Klaus Rieß. Kassenprüfer sind Lissy Weigel und Peter Nitzsche.

Bild:
1. Sie kümmern sich künftig um den Alexander-von-Humboldt-Museumspark: der Vorstand des neu gegründeten Fördervereins mit (von links)
Bürgermeister Holger Bär, Andrea Wunderlich, Annegret Läkamp, Sebastian Machnitzke, Hartmut Koschyk, Dieter Blase, Lissi Weigel, Roland Musiol, Thomas Dötsch, Manfred Nüssel, 3. Bürgermeister Wieland Pietsch, Klaus Rieß, Peter Nitzsche.
2. Dieter Blase (links) vom Büro Topos stellte den Stand der Planungen für den Alexander-von-Humboldt-Museumspark vor.

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08.10.2018

Schon Humboldt kannte den Klimawandel / Auf den Spuren des Universalgelehrten in Russland - Tagung an der Universität folgte dem kulturhistorischen Erbe der Russlanddeutschen

Bayreuth. Das Erbe des großen Universalgelehrten Alexander von Humboldt ist aktueller denn je zuvor. Das ist eines der Ergebnisse einer Deutsch-Russischen Tagung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur an der Universität Bayreuth. Humboldt habe schon damals gemerkt, dass es einen von Menschen gemachten Klimawandel gibt, so die Nachwuchswissenschaftlerin Daria Schmidt aus Rastatt. Leider sei diese Erkenntnis auch heute noch nicht selbstverständlich, sagte Schmidt mit Blick auf die USA, die unter ihrem Präsidenten Donald Trump aus dem Klimaabkommen ausgestiegen sind. Naturkatastrophen seien im Eingang mit dem Klimawandel tatsächlich schon bei Humboldt ein Thema gewesen.

Konkret ging es bei der Tagung unter anderem um Humboldts Russlandreise des Jahres 1829, die ihn unter anderem nach St. Petersburg, Moskau, Nischni Nowgorod, Jekaterinburg bis hin zur chinesischen Grenze und auch in die damalige deutsche Kolonie Sarepta (Wolgograd) führte. Während Humboldt seine berühmte Südamerika-Reise als Privatmann unternahm, sei er in Russland als Gast des Zaren gewesen, so Ingo Schwarz, ehemaliger Leiter der Humboldt-Forschungsstelle an der Akademie der Wissenschaften Berlin-Brandenburg. Deshalb habe sich der Humanist Humboldt auch offene Kritik an der damals geltenden Leibeigenschaft verkneifen müssen. Humboldt habe anders als in Südamerika in Russland keine spektakulären wissenschaftlichen Entdeckungen gemacht, sei aber trotzdem mit Ehrungen überhäuft worden.

Gleichwohl sei es für Humboldt wichtig gewesen, alles mit eigenen Augen zu sehen und zu erleben, so die Osteuropahistorikerin Kristina Küntzel-Witt aus Lübeck. Somit sei Humboldt im weitgespannten Feld der deutschen Gelehrten der klassisch reisende Wissenschaftler gewesen. Ausgangspunkt der Russlandreise Alexander von Humboldts war nach den Worten von Daria Schmidt eine Bitte des russischen Finanzministers Georg Graf von Cancrin, Humboldt möge zur geplanten Einführung einer Platin-Währung in Russland Stellung nehmen. Trotz Humboldts Warnung wurde die Platin-Währung verwirklicht, schon 1845 scheiterte sie allerdings wieder. Cancrin sei aber auch an dem Geologen und Bergbauexperten Humboldt interessiert gewesen, um Aufschlüsse über ausbeutbare Minenvorkommen zu erhalten. Als eine Besonderheit hielt die Referentin fest, dass der spätere russische Finanzminister Graf von Cancrin 1774 im hessischen Hanau als Sohn des Ingenieurs und Baumeisters Franz Ludwig Cancrin geboren wurde.

Weitere Vorträge der Tagung gab es zu Themen wie „Humboldt als Wissenschaftsorganisator“ oder über „Humboldt am Omsker Militärkadettenkorps“. Bei den Referaten handelte es sich teilweise um preisgekrönte Wettbewerbsbeiträge, die der Internationale Verband der deutschen Kultur ausgelobt hatte. Die Bayreuther Tagung war dabei eine Art „Vorkonferenz“ zu einer ähnlich gelagerten Tagung im kommenden Jahr im sibirischen Omsk.

Dass die Russlandreise von Alexander von Humboldt 1829 auf Einladung des Zaren auch fruchtbare Impulse für die heutige Ausgestaltung der deutsch-russischen Beziehungen vermitteln kann, darauf wies der frühere Bundestagabgeordnete Hartmut Koschyk, Vorsitzender des Humboldt-Kulturforums und der Stiftung Verbundenheit hin. Das Forum werde in kommenden Jahr auch an den geplanten Veranstaltungen in Russland mitwirken, sagte Koschyk.

Die Konzeption dafür entwirft Tatjana Ilaronowa, Professorin an der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Staatsdienst. Es habe bereits zu Humboldts Zeiten viele Wissenschaftler deutscher Abstammung gegeben, die einen großen Beitrag zur Entwicklung Russlands geleistet hätten. Neben Alexander von Humboldt und seinem Erbe soll die Tagung 2019 in Omsk auch diesen deutschstämmigen Wissenschaftlers in Russland gewidmet sein.

Die Idee zu der jetzigen Tagung wurde unter anderem im zurückliegenden Jahr auf der in Bayreuth stattfindenden Sitzungen der Deutsch-Russischen Regierungskommission für die Angelegenheiten der Russlanddeutschen und einer Deutsch-Russischen Konferenz der Hanns-Seidel-Stiftung in Omsk geboren, erläuterte Koschyk. Daraus seien auch eine Partnerschaft zwischen der Universität Bayreuth und der Universität Oms sowie eine Kooperation der Germanistischen Lehrstühle der Universität Bayreuth und der Germanistischen Abteilung der Universität Omsk sowie dem Internationalen Verband der Deutschen Kultur (IVDK) entstanden.

Bild: Tagung auf den Spuren Alexander von Humboldts in Russland (von links): Hartmut Koschyk Daria Schmidt, Valentina Smekalina, Swetlana Gaus, Elena Kisselewa, Ludmilla Schamrikowa, Kristina Küntzel-Witt, Tatjana Ilaronowa und Ingo Schwarz.

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15.10.2017

Brückenbauerin und Friedensstifterin / In Goldkronach soll künftig jährlich mit einer Andacht an die Heilige Hedwig erinnert werden

Goldkronach. Gut ein Jahr nach der Weihe der Hedwigsstatue im Barockgarten von Schloss Goldkronach und im 750. Jahr der Heiligsprechung Hedwigs ist ihr Gedenktag am Sonntag mit einer Andacht gefeiert worden. Künftig soll alljährlich Mitte Oktober eine Hedwigsandacht stattfinden, kündigte Hartmut Koschyk vom Alexander-von-Humboldt-Kulturforum, das seinen Sitz auf Schloss Goldkronach hat, an. Zelebrant der Hewigsandacht war Pater Stephan Matula von der Kongregation der Resurrektionisten aus Bayreuth, der in Krynica in Südpolen geboren wurde.

Die Heilige Hedwig verkörpere das Tryptichon des Mittelalters, sagte Pater Matula. Hedwig sei Friedensstifterin, Spenderin von Barmherzigkeit gegenüber Armen und Kranken und sie stehe für den Gegensatz der Sühne, um der Schuld der Sünde zu widerstehen. Koschyk nannte die Heilige Hedwig eine große Brückenbauerin innerhalb der menschlichen Gemeinschaft aber auch zwischen dem deutschen und polnischen Volk. Die Ausrichtung an solchen Persönlichkeiten, die Frieden gestiftet haben, sei besonders in einer Zeit wichtig, in der Frieden und gutes Miteinander immer wieder gefährdet sind. Damit sei die Heilige Hedwig auch heute noch ein leuchtendes Vorbild.

Im August des vergangenen Jahres hatte der Altbischof der Diözese Oppeln, der polnische Erzbischof Alfons Nossol, die Segnung der Statue vorgenommen. Die Heilige Hedwig von Schlesien stehe für ein gemeinsames Europa und ist als Symbolfigur für die ganze Welt von Bedeutung, hatte der Bischof damals hervorgehoben. Schöpfer der Statue im Barockgarten ist der Ende 2012 im Alter von 89 Jahren verstorbene Forchheimer Künstler Hans Dressel, von dem bereits die Alexander-von-Humboldt-Büste am Schloss Goldkronach stammt.

Die 1267 heiliggesprochene Hedwig (1174 – 1243) wurde im Kloster der Benediktinerinnen von Kitzingen erzogen und mit zwölf Jahren mit Herzog Heinrich von Schlesien, später auch Herzog von Polen, verheiratet. Ihrer Ehe entstammten sieben Kinder. Hedwig und Heinrich förderten die Vertiefung des christlichen Glaubens und die kulturelle Entwicklung Schlesiens. 1202 gründeten sie die Zisterzienserinnen-Abtei in Trebnitz.

Als Vorbild christlicher Nächstenliebe unterstützte Hedwig die Kirche, half den Armen und soll selbst im Winter barfuß gegangen sein. Nachdem ihr Mann 1238 verstorben war, trat Hedwig in das von ihr gegründete Kloster Trebnitz ein und musste erleben, dass 1241 ihr Sohn Heinrich II. in der Schlacht bei Wahlstatt getötet wurde. Deshalb gründete Hedwig zusammen mit Heinrichs Witwe Anna in Wahlstatt eine Benediktinerabtei. Hedwig starb im Oktober 1243 und wurde in der Trebnitzer Klosterkirche bestattet.

Die musikalische Ausgestaltung der Hedwigsandacht hatten die Wiesenttaler Blechbläser unter der Leitung von Harald Hirsch übernommen. Dabei gelangte unter anderem das Hedwigslied „Jetzt Christen stimmet ein“ aus dem Oppelner Gebetbuch zur Aufführung.

Bild oben: Vor der Statue der Heilige Hedwig (rechts) an einer Mauer im Barockgarten von Schloss Goldkronach feierten Bruder Tarsitius Lamik von den Franziskanern aus Gößweinstein, Pater Stephan Matula von der Kongregation der Resurrektionisten aus Bayreuth und Pater Flavian Michali aus Gößweinstein die Hedwigsandacht.

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05.10.2017

SCA-Forschung soll Parkinson und Demenz entschlüsseln / Weltweit führender Neurowissenschaftler sprach beim Humboldt-Kulturforum im Iwalewa-Haus

Bayreuth. Eine Heilung scheint noch nicht möglich, aber eine Linderung. Die Krankheit mit dem sperrigen Namen „Spinozerebelläre Ataxie“ ist eine Gruppe von neurodegenerativen Erkrankungen des menschlichen Nervensystems. Fünf Betroffene gibt es weltweit pro 100000 Einwohner. In einigen Ländern Lateinamerikas und speziell in Kuba sind es fast 90 Betroffene pro 100000 Einwohner. Aus Kuba kommt auch Luis Velazquez-Perez, der weltweit führende Neurowissenschaftler, der sich der Krankheit angenommen hat und sie seit Jahrzehnten erforscht. Weil Velazquez-Perez in diesem Jahr als erster Kubaner überhaupt einen Forschungspreis der Humboldt-Stiftung erhalten hatte, war er Gast bei der Kosmos-Vorlesung des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums im Iwalewa-Haus.

„Unser Ziel wäre es, die Krankheit zu behandeln, bevor sie überhaupt ausbricht“, sagte Velazques-Perez, der als bekanntester Wissenschaftler Kubas gilt. Während die Krankheit, die sich nach ihrer englischen Bezeichnung „Spinocerebellar Ataxie“ mit SCA abkürzt, in Lateinamerika ein großes Thema ist, scheint sie hier relativ unbekannt. Und das, obwohl man sich durch die Forschungsergebnisse auch Aufschlüsse für andere Krankheitssymptome wie Parkinson, ALS oder Demenz erhofft.

SCA äußert sich in Koordinations- und Bewegungsstörungen, das Sprechen fällt schwer, Reflexe sind gestört, die Augenbewegungen verlangsamt. Ursache sind nach den Worten des Wissenschaftlers degenerative Störungen des Nervensystems, wobei vor allem das Kleinhirn betroffen ist. Noch immer gibt es kein Medikament und keine Behandlungsmöglichkeit, aber dafür 43 molekulare Subtypen, also Ausprägungen der Krankheit. Warum SCA ausgerechnet in Brasilien, Venezuela, Mexiko und eben auf Kuba so oft auftritt, auch dafür gibt es noch keine schlüssige Erklärung. Trotzdem habe man auch dank der Zusammenarbeit mit deutschen Universitäten bereits Fortschritte in der klinischen Forschung erzielt, so dass Linderungen und eine Verlangsamung des Krankheitsverlaufs möglich sind, sagte Velazquez-Perez.

Zuvor hatte der bisherige Bundesbeauftragte Hartmut Koschyk für das Kulturforum erläutert, was es mit den Kosmos-Vorlesungen auf sich hat. Alexander von Humboldt selbst habe bereits ab 1826 in der Berliner Singakademie insgesamt 61 Kosmos-Vorlesungen gegeben. Sie galten damals als kultureller Höhepunkt in Berlin, in ihnen fasste Humboldt die Ergebnisse seiner Reisen und seiner Forschungen zusammen.

 „Mit den Kosmos-Vorlesungen des Kulturforums wollen wir an diese Tradition anknüpfen“, sagte Koschyk. „Humboldt sei es um die „Beschreibung der Welt“ gegangen. Aus seinen Vorlesungen heraus sei damals das fünfbändige Werk „Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung“ entstanden. Alexander von Humboldt hatte darin erstmals den Versuch unternommen, dem Leser eine Gesamtschau seiner wissenschaftlichen Welterforschung zu vermitteln. Ganz wichtig sei es dabei auch, dass Alexander von Humboldt mit seinen Kosmos-Vorlesungen auch ein Stück Sozialgeschichte geschrieben hat, denn erstmals überhaupt durften auch Frauen daran teilnehmen.

Koschyk begrüßte dabei, dass die Universität Bayreuth ihre Fühler aktuell nach Kuba ausstreckt und Wissenschaftskooperationen mit den Hochschulen in Havanna, Santiago, Santa Clara und Holguin, der Heimatuniversität von Professor Velasquez-Perez anstrebt. Steffen Mehlich von der Humboldt-Stiftung erinnerte daran, dass der aktuelle Chemie-Nobelpreisträger Joachim Frank ebenfalls Humboldt-Stipendiat war. Frank habe im Freistaat sein Diplom gemacht und 1994 den Humboldt-Forschungspreis erhalten.

Bild: Erster Humboldt-Forschungspreisträger aus Kuba und weltweit führender Neurowissenschaftler: Luis Velazquez-Perez sprach bei der Kosmos-Vorlesung des Humboldt-Kulturforums im Iwalewa-Haus.

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16.09.2017

Goldkronach will Humboldt-Hauptstadt 2019 werden / Alexander-von-Humboldt-Tag: Museumspark soll Universalgenie erlebbar machen

Goldkronach. Im Jahr 2019 wird der 250. Geburtstag des Universalgelehrten Alexander von Humboldt gefeiert. Bürgermeister Holger Bär ist sich sicher: „Die Alexander-von-Humboldt-Hauptstadt 2019 kann dann nur Goldkronach heißen“. Nicht nur, dass die halbe Stadt ohnehin schon nach dem Forschungsreisenden, Naturwissenschaftler und preußischen Bergbeamten benannt ist, sagte Bär beim Humboldt-Tag 2017 in der Goldkronacher Stadtkirche. Auch konkrete Planungen für die Zukunft seien schon weit fortgeschritten. So soll in Zukunft ein groß angelegter Museumspark unterhalb des Schlosses an Leben und Werk Alexander von Humboldts erinnern und den weltbekannten Wissenschaftler für Besucher erlebbar machen. „Möge der 250. Geburtstag kommen, wir sind bereit“, sagte Bär.

„Wir haben viele Pläne für die Humboldt-Stadt Goldkronach“, bestätigte auch der Mitbegründer und Motor des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums, der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk. Erst vor kurzem seien zwei große touristische Hinweisschilder entlang der Bundesautobahn A9 aufgestellt worden. Mit zahlreichen Humboldt-Stipendiaten aus aller Welt komme mittlerweile seit fünf Jahren die internationale Wissenschaftselite alljährlich für mehrere Tage nach Goldkronach. Für die Stipendiaten sei es eine herausragende Abwechslung, zum Beispiel in den Besucherbergwerken auf den Spuren Alexander von Humboldts zu wandeln.

Auch wenn der Niedergang des Bergbaus in der Region nicht aufzuhalten war, so habe Alexander von Humboldt bis heute überall in der Region seine Spuren hinterlassen, sagte die oberfränkische Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz. Die Bergbehörde etwa, die Humboldt aufgestellt hatte, existiere noch immer, und zwar als Sachgebiet 26 der Regierung von Oberfranken. Unter dem Namen Bergamt Nordbayern ist sie als Aufsichtsbehörde für die drei fränkischen Regierungsbezirke und für die Oberpfalz in den Räumen des markgräflichen Alten Schlosses in der Bayreuther Maximilianstraße untergebracht.

Humboldt, der zuvor Bergwesen, Mineralogie und Geologie studiert hatte, war 1792 auf Anweisung des preußischen Ministers Friedrich Anton von Heynitz in die damals gerade preußisch gewordenen  Fürstentümer Ansbach und Bayreuth gekommen. Seine Aufgabe sollte es unter anderem sein, den Zustand des hiesigen Bergbaus zu untersuchen und bereits stillgelegte Bergbauanlagen wieder zu beleben. Dabei schaffte er es nicht nur, die Arbeitsbedingungen unter Tage erträglicher zu gestalten sondern gründete auch eine Berufsschule für Bergleute. Die Erfindung eines Atemgerätes zur Rettung verunglückter Bergleute sowie einer Sicherheitslampe zeigten schon damals, dass sein Entdeckergeist grenzenlos gewesen sein muss. Unsterblich wurde Alexander von Humboldt mit seiner Forschungsreise durch Südamerika in den Jahren 1799 bis 1804 quer durch die heutigen Staaten Venezuela, Kuba, Kolumbien. Ecuador und Mexiko.

Damit habe Alexander von Humboldt zumindest einen Teil seines Lebens als Bergbeamter im heutigen Oberfranken verbracht, sagte Regierungspräsidentin Piwernetz. Mitte Juli 1792 habe er bei Ludwigstadt zum ersten Mal fränkischen Boden betreten, Ende Dezember 1796 sei er aus dem aktiven Bergdienst ausgeschieden und habe sich seinen Jugendtraum als Forschungsreisender verwirklicht. Piwernetz schilderte Humboldt als einen der berühmtesten Männer der Welt und als außerordentlich große Gelehrtenpersönlichkeit. Sein Wirken in der Region sei  die Generalprobe für ein vielfach größeres, weil weltumspannendes Projekt gewesen.

Der Humboldt-Tag in der Goldkronacher Stadtkirche wurde musikalisch von dem Blechbläser-Quintett Terzo-Brass umrahmt. Neben Werken des Humboldt-Zeitgenossen Felix Mendelssohn Bartholdy nahmen die Blechbläser unter der Leitung von Klaus Hammer auch Bezug zum Reformationsjubiläum und musizierten unter anderem eine moderne Version des Luther-Chorals „Eine feste Burg ist unser Gott“.

Bilder:
1. Sie wollen Goldkronach zur Alexander-von-Humboldt-Hauptstadt 2019 machen (von links): Der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, die oberfränkische Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, Vorsitzende Petra Meßbacher vom Kulturforum und Bürgermeister Holger Bär vor der Humboldt-Büste am Schloss Goldkronach.

2. „Alexander von Humboldt hat bis heute seine Spuren in Oberfranken hinterlassen“: Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz.

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25.05.2017

100 Jahre Oktoberrevolution überschatten 500 Jahre Reformation / Russischer Erzbischof Dietrich Brauer in Goldkronach – Kultursommer eröffnet

Goldkronach. Das Jubiläum 500 Jahre Reformation wird in Russland vom Gedenken an die Oktoberrevolution vor 100 Jahren überschattet. Daran hat der Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland Dietrich Brauer bei der Eröffnung des Goldkronacher Kultursommers im Landkreis Bayreuth erinnert. „Unsere Kirche erlebte in der Folgezeit einen echten Völkermord, leider wird er nicht so genannt, aber es war ein echter Völkermord“, sagte Brauer, der 2011 mit damals 28 Jahren als einer der jüngsten Bischöfe einer lutherischen Kirche gewählt wurde. 2015 wurde Brauer, Sohn einer russlanddeutschen Familie, zum Erzbischof geweiht.

Ein Gemeindeleben habe es nach der Oktoberrevolution nicht mehr gegeben. Kirchen seien abgerissen oder geschändet, Pastoren und Kirchenvorstandsmitglieder hingerichtet worden. Erst vor rund zweieinhalb Jahrzehnten sei die lutherische Kirche in Russland wieder entstanden. Wenn auch die Religion längst nichts Selbstverständliches mehr ist, hätten die Menschen das Evangelium als frohe Botschaft inmitten aller schlimmen Nachrichten nötiger denn je, sagte Brauer und sprach sich für einen verstärkten interkonfessionellen Dialog vor allem mit der russisch-orthodoxen Kirche aus.

Auch wir sind Jünger in der Nachfolge Jesu, sagte zuvor der Bayreuther Bundestagsabgeordnete und Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk. Diese Botschaft hätten viele Deutsche mitgenommen, als sie vor hunderten von Jahren dem Aufruf der russischen Zarin Katharina gefolgt sind, ins Zarenreich zu übersiedeln. So gehöre der christliche Glaube seit jeher zu einer entscheidenden Stütze der Identität von aktuell rund einer Million Russlanddeutscher in Russland und etwa zweieinhalb Millionen Russlanddeutscher in Deutschland.

Veranstalter des Goldkronacher Kultursommers ist das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach. Initiator ist der Bundestagsabgeordnete und Bundesbeauftragte Koschyk. Gottseidank gebe es wieder den Goldkronacher Kultursommer, so der 3. Bürgermeister Wieland Pietsch. Ohne das Kulturforum wäre es nicht möglich derart hochkarätige und außergewöhnliche Veranstaltungen anzubieten. Insgesamt stehen bis Mitte Oktober fast 20 Konzerte, Vorträge, Exkursionen, Theateraufführungen und Andachten in Goldkronach und Umgebung auf dem Programm. Der Universalgelehrte Alexander von Humboldt (1769-1859) war von 1792 bis 1795 als Preußischer Bergamtsassessor unter anderem in Goldkronach tätig.

Die Eröffnung des Goldkronacher Kultursommers wurde umrahmt von zahlreichen Musikstücken des Augsburger Vokalquartetts Rudemus. Dabei handelt es sich um die Sängerinnen Larissa Beller, Alena Heiser, Anna Hosmann und Tatjana Zier, vier Frauen russlanddeutscher Abstammung. Mit Orgelbegleitung oder A-Cappella führten die vier professionellen Sängerinnen unter anderem Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert und Sergej Rachmaninow auf. Fürbitt- und Segensgebet sprachen Pfarrer Hans-Georg Taxis und Pater Stephan Matula.




Bilder :
- Von links: Pater Stephan Matula, der Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland Dietrich Brauer und Pfarrer Hans-Georg Taxis.
- der Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland Dietrich Brauer
- Vokalensemble Rudemus

 

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08.05.2017

Ein Motiv, zwei Aufschriften / Neue touristische Hinweisschilder für Goldkronach entlang der A9

Goldkronach. Für Goldkronach ist es eine unbezahlbare Werbung: Mindestens 90000 Autofahrer passieren täglich die neuen touristischen Hinweisschilder entlang der A9, die auf Alexander von Humboldt und die Goldbergbautradition hinweisen. Enthüllt haben die großformatigen Schilder am Montag die Graphikerin Andrea Wunderlich, Goldkronachs Bürgermeister Holger Bär, der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk sowie Thomas Pfeifer von der Autobahndirektion Nordbayern und Jörg Stricker von der Autobahnmeisterei Trockau.

Ein Kuriosum in der Geschichte der touristischen Hinweisschilder ist es, dass sie ganz bewusst je nach Fahrtrichtung unterschiedliche Aufschriften tragen. Während das Schild in Fahrtrichtung Norden die Aufschrift „Goldbergbau“ trägt, steht auf dem Schild in Richtung Süden auf Höhe der Schiefen Ebene der Name des Universalgelehrten „Alexander von Humboldt“. Er lebte und wirkte von 1792 bis 1795 rund drei Jahre lang in Fichtelgebirge und Frankenwald und verhalf den Goldbergbau zu einer letzten großen Blüte. Das Motiv auf den Schildern ist das Gleiche. Es zeigt den jungen Alexander von Humboldt in historischer Bergmannsuniform vor dem Eingang zum ehemaligen Bergwerk "Mittlerer Tagesstollen Name Gottes"

Die Idee eines solchen Schildes geht zurück auf die 650-Jahr-Feier von Goldkronach vor zwei Jahren. Damals konnte der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann dafür gewonnen werden. Verantwortlich für die graphische Gestaltung des Schildes war die Goldkronacher Künstlerin Andrea Wunderlich. Die Kosten für das Schild trägt die Stadt, wobei einige Unternehmen aus Goldkronach als Sponsoren aufgetreten waren.

„Für unsere Stadt ist das Schild ein toller Erfolg“, sagte Bürgermeister Holger Bär bei der Enthüllung. Thomas Pfeifer, Leiter der Außenstelle der Autobahndirektion Nordbayern sprach von einer schönen Wegweisung entlang der vielbefahrenen A9. Hartmut Koschyk als wesentlicher Mitinitiator begrüßte besonders, dass Goldkronach künftig so großartig beworben wird. Eine Reproduktion des Schildes soll künftig auch innerhalb von Goldkronach aufgestellt werden.

Bild: Bürgermeister Holger Bär, der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, Gestalterin Andrea Wunderlich, Thomas Pfeifer von der Autobahndirektion und Jörg Stricker (von rechts) von der Autobahnmeisterei haben eines der beiden neuen touristischen Hinweisschildes an der A9 für Goldkronach am Fuße des Bindlacher Bergs enthüllt.

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23.02.2017

Von Franken nach Südamerika: Heimat- und Geschichtsforscher Reinhard Stelzer aus Himmelkron referierte über Alexander von Humboldt

Kulmbach. In Südamerika ist er noch viel gegenwärtiger, als in der Renaissance, die er gerade hierzulande erlebt: Alexander von Humboldt, Universalgelehrter, Naturforscher, Begründer der Pflanzengeographie und Vordenker einer globalisierten Wissenschaft. In der Region hat er seine Spuren hinterlassen. Humboldt wirkte von 1792 bis 1795 rund drei Jahre seines Lebens im Fichtelgebirge und im Frankenwald, Wirkungsstätten waren unter anderem Arzberg, Bad Steben und vor allem Goldkronach. Auf die „Alexander-von-Humboldt-Stadt Goldkronach“ soll schon bald ein touristisches Hinweisschild an der A9 hinweisen.

Einer der sich mit Leben und Wirken Alexander von Humboldts intensiv beschäftigt hat, ist der Heimat- und Geschichtsforscher Reinhard Stelzer aus Himmelkron, Leiter der Bezirksgruppe Wirsberg des Colloquium Historicum Wirsbergense. Beim Kulmbacher Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing brachte Stelzer den zahlreichen Besucher am Donnerstagabend im Martin-Luther-Haus Leben und Wirken Alexander-von-Humboldts näher.

„Er war einer der berühmtesten Männer Europas“, sagte Stelzer, der bereits in den frühen 1980er Jahren erstmals auf Alexander von Humboldt gestoßen war. Unsterblich wurde Humboldt durch seine große Südamerika-Reise in den Jahren 1799 bis 1804, die ihn zusammen mit dem Botaniker Aime Bonplant von Spanien über den Atlantik an den Orinoco-Fluss, nach Cuba, in die Anden, auf den Chimborazo, weiter nach Mexiko und schließlich sogar zum damaligen amerikanischen Präsidenten Thomas Jefferson führte. Allein rund 6000 Pflanzen soll er nach Europa mitgebracht haben, berichtete Stelzer. Die Beschreibung der Reise füllte 30 Bände.

Pläne für diese damals wie heute alle Dimensionen sprengende Reise habe Alexander von Humboldt bereits in seiner Zeit in Franken geschmiedet, sagte Reinhard Stelzer. Der preußische Staatsmann und Reformer Carl August von Hardenberg war es, der den jungen Humboldt in die Region geholt hatte. Hardenberg, nach dem auch eine Straße in Kulmbach benannt wurde, soll einen Blick für fähige Menschen gehabt haben, so der Referent. Und so holte er Alexander von Humboldt, der gerade sein Studium an der Bergakademie im sächsischen Freiberg beendet hatte, nach Goldkronach, um den darniederliegenden Bergbau wieder anzukurbeln.

In den wenigen Jahren seines Wirkens vor Ort habe Alexander von Humboldt  vieles geleistet. Er ließ sich die Akten von der Plassenburg kommen und brachte den Bergbau zumindest vorübergehend wieder voran. Nach den Worten von Reinhard Stelzer habe Alexander von Humboldt hier unter anderem eine Art Bergarbeiterunterstützungskasse gegründet, einen Vorläufer für eine Atemschutzmaske erfunden. In Bad Steben gründete er eine Bergarbeiterschule und er verfasste Lehrbücher, die er mit eigenem Geld finanzierte.

Viele Spuren deuten noch heute auf das Leben und Wirken Alexander von Humboldts in der Region hin: Gedenktafeln kennzeichneten seine Wohnstätte in Arzberg, Bad Steben, Goldmühl und Goldkronach. Büsten gibt es ebenfalls in Bad Steben und Goldkronach. Dort wurde auch von der Apotheke bis zur Schule vieles nach dem berühmten Universalgelehrten benannt. Nicht zuletzt kümmere sich dort das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum mit seinem Motor, dem Bayreuther Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk, seit vielen Jahren mit zahlreichen Veranstaltungen um das Humboldt-Gedenken.

Reinhard Stelzer ging in seinem Vortrag auch auf die späteren Jahre ein, in denen Alexander von Humboldt 60 öffentliche Vorträge in der Berliner Singakademie, die sogenannten Kosmos-Vorlesungen hielt. Bis zu 1500 Zuhörer habe er damals bei jedem einzelnen Vortrag gehabt, darunter auch Arbeiter und Handwerker und bei weitem nicht nur Gelehrte. „Damit war Alexander von Humboldt auch in Berlin der Star“, sagte der Referent.

1829 habe sich eine zweite große Reise, kreuz und quer durch Russland bis an die Grenzen Chinas angeschlossen. Am Ende seines fast 90 Jahre dauernden Lebens habe Alexander von Humboldt fast sein gesamtes Vermögen aufgebraucht und den preußischen König sogar um Begleichung seiner Schulden bitten müssen.

„Es gibt nur wenige Menschen, die so fleißig und so viel aufgeschrieben haben, wie Alexander von Humboldt“, sagte Bernd Matthes, Sprecher des Kulmbacher EAT-Freundeskreises. Es gebe bis heute keinen Menschen, nach dem weltweit mehr Tiere, Pflanzen, Plätze oder Straßen benannt sind. „Alexander von Humboldt war wirklich ein Weltenbürger“, so Matthes.

Die nächste Veranstaltung des Tutzinger Freundeskreises findet am 16. März um 19.30 Uhr im Martin-Luther-Haus statt. Dann wird die Theologin Angela Hager aus Bayreuth über den früheren bayerischen Landesbischof Hermann von Löwenich, der auch einige Jahre als Dekan in Kulmbach wirkte, referieren.

Bild: Bernd Matthes (rechts) vom Kulmbacher Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing und der Heimat- und Geschichtsforscher Reinhard Stelzer aus Himmelkron.

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02.12.2016

Brückenfunktion zwischen Bayern, Böhmen und Franken / Geschichtsprofessor Dieter Weiss zum 700. Geburtstag Kaiser Karl IV. – Bayerische Landesausstellung in Nürnberg

Bayreuth. Wer kennt es nicht, das berühmte Männleinlaufen im Turm der Frauenkirche auf dem Nürnberger Hauptmarkt? Sieben Kurfürsten umrunden den Kaiser. Der ist in diesem Fall mit Karl IV. eine Persönlichkeit, die viele Menschen bis heute fasziniert, die für kulturellen Austausch genauso wie für den Ausbau des Handels steht. Über Karls Beziehung zu Franken referierte Professor Dieter Weiß, Ordinarius für bayerische Geschichte an der Ludwig-Maximilian-Universität München, in einer gemeinsamen Veranstaltung des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums und des Historischen Vereins für Oberfranken am Freitagabend im Iwalewa-Haus. Anlass war die erste gemeinsame Landesausstellung Bayern-Böhmen zum 700 Geburtstag des Herrschers.

Der böhmische und römisch-deutsche König Karl IV. (1316–1378), 1355 in Rom zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs gekrönt, gehört zu den bedeutendsten und facettenreichsten Herrschern der böhmischen und deutschen Geschichte. Professor Weiß skizzierte deshalb gleich mehrere Phasen der Herrschaft Karls IV., in der Franken eine herausragende Rolle spielte.

Schon 1347 habe er sich für die Handels- und Zollfreiheit der Nürnberger Händler in Böhmen eingesetzt. Überhaupt sei Nürnberg die Stadt gewesen, in der sich Karl abgesehen von Prag, am meisten aufhielt. Nach dem Empfang der Kaiserkrone in Rom 1355 habe Nürnberg von vielen Privilegien profitiert. Karl IV. galt als Bauherr der Frauenkirche, in der er 1361 seinen Sohn Wenzel taufen ließ, genauso wie als Bauherr der Wenzelsburg in Lauf, wo er sich einen repräsentativen Sitz schuf.

Um eine sichere Reise von Prag nach Nürnberg zu garantieren, habe Karl eine kleinteilige Territorialpolitik betrieben. Viele Orte entlang der Route hätten damals eine wahre Blütezeit erlebt, erst viel später sei die Strecke als „Goldene Straße“ bekannt geworden. Später habe sich Karl auch in Unterfranken festgesetzt. Orte wie Iphofen, Heidingsfeld oder Wertheim habe er gekauft, aus Prichsendorf wurde Prichsenstadt und auch nach Schweinfurt oder ins mittelfränkische Windsheim streckte Karl seine Fühler aus. Grund sei in vielen Fällen die verkehrsmäßige Bedeutung der Orte gewesen, um sicher zur Königswahl oder zu den Reichstagen nach Frankfurt zu gelangen.

Erst gegen Ende der 60er Jahre des 14. Jahrhunderts habe sein Interesse an diesem Landstrich nachgelassen. „Nach zwei Jahrzehnten ging die Herrschaft Böhmens über Neu-Böhmen wieder zu Ende“, sagte Weiß. Grund für die Abtretung an die Wittelsbacher sei vor allem gewesen, die Wahl seines Sohnes Wenzel zum König zu sichern.

Karl IV nehme eine wichtige Brückenfunktion zwischen Bayern, Böhmen und Franken und damit zwischen Deutschland und Tschechien ein, sagte der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, Gründungsmitglied des Humboldt-Kulturforums. Damit sei Karl IV. aktueller denn je und damit sei auch das große Interesse an dieser historischen Persönlichkeit zu erklären. Nachdem Professor Dieter Weiss bereits vor Jahren bei einem Symposium über Franken zur Zeit Alexander von Humboldts referiert habe, sei er jetzt mit seinem Vortrag über Karl IV an seine langjährige Wirkungsstätte zurückgekehrt. Weiss war zehn Jahre lang als Professor für bayerische Landesgeschichte an der Universität Bayreuth tätig.

Den 700. Geburtstag Kaiser Karls IV. haben der Freistaat Bayern und die Tschechische Republik zum Anlass genommen, eine gemeinsame Landesausstellung mit internationalem Rahmenprogramm zu veranstalten. Die Ausstellung wurde in den zurückliegenden Monaten in Prag in der Wallenstein-Reithalle präsentiert und ist seit Oktober bis zum 5. März 2017 im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu sehen.

Die Ausstellung bietet eine spannungsreiche Präsentation seiner Lebens- und Regierungszeit im Spiegel des wechselvollen 14. Jahrhunderts. Die Schau versucht auch eine kritische Würdigung der Herrscherpersönlichkeit, seines Herrschaftskonzepts, seiner Bedeutung für die Residenzstädte Prag und Nürnberg sowie seiner künstlerischen Repräsentation. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Rezeption Karls IV. auf tschechischer und deutscher Seite bis in die Gegenwart, die eine jeweils sehr unterschiedliche Sicht zeigt.

Bild:
- Professor Dieter Weiss, Ordinarius für bayerische Geschichte an der Ludwig-Maximilian-Universität München.

- Prof
essor Dieter Weiss und der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk vom Alexander-von-Humboldt-Kulturforum.

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27.10.2016

Arme Menschen können keine Impfstoffe zahlen / Weltweit führende Malaria-Forscherin kritisierte Pharmazieunternehmen – Francine Ntoumi im Iwalewa-Haus der Uni Bayreuth

Bayreuth. 214 Millionen Menschen waren laut Weltgesundheitsorganisation WHO 2015 weltweit mit Malaria infiziert, rund 438000 Menschen sind 2015 an der verheerenden Tropenkrankheit verstorben. „Es ist so, als ob jeden Tag ein vollbesetzter Airbus A380 abstürzt“, zog Prof. Dr. Francine Ntoumi einen drastischen Vergleich. Die Molekularbiologin ist nicht nur die weltweit führende Malaria-Forscherin, sondern auch eine der bedeutendsten afrikanischen Wissenschaftlerinnen überhaupt. Ntoumi ist Forschungspreisträgerin der Alexander von Humboldt-Stiftung und in dieser Eigenschaft war sie prominenter Gast der „Kosmos-Vorlesung“, die das Goldkronacher Humboldt-Kulturforums in Zusammenarbeit mit der Universität Bayreuth und der Alexander-von-Humboldt-Stiftung bereits zum 5. Mal im Bayreuther Iwalewa-Haus veranstaltet hat.

Wenn von Malaria die Rede ist, dann steht auch der afrikanische Kontinent im Focus, denn Afrika trägt die Hauptlast des Problems. „Am schlimmsten ist die Situation im südlichen Afrika“, sagt die Professorin, die an der Marien-Ngouabi-Universität in Brazzaville, der einzigen Universität der Republik Kongo lehrt. Als Gründe dafür nannte sie unter anderem die schwachen Gesundheitssysteme der afrikanischen Länder, Resistenzen der Mücken gegen Insektizide und Resistenzen der Parasiten gegen Medikamente. Aber auch das Fehlen eines zuverlässigen Impfstoffes und die geringen Mittel zur Finanzierung der Malariaforschung spielten eine wichtige Rolle.

Als Hauptproblem bezeichnete es Francine Ntoumi, dass Pharmazieunternehmen nicht bereit sind, in die Forschung zu investieren. Die Forschung sei extrem teuer und die Unternehmen hätten keine Rendite in Aussicht. Arme Menschen könnten den Impfstoff ohnehin nicht bezahlen, also lohne es sich nicht, Gelder in die Forschung zu investieren.

Deshalb habe sich auch die Bill-Gates-Stiftung eingesetzt und Gelder für die Forschung bereitgestellt. Dank einer Partnerschaft mit dem Institut für Tropenmedizin der Universität Tübingen sei auch eine hilfreiche Kooperation entstanden. Auf diesem Weg gebe es in ihrem Heimatland mittlerweile ein einziges Molekularlabor. Dort würden zwar neue Medikamente gestest, einen echten Impfstoff habe man aber aufgrund der vielen Resistenzen gegen die verschiedenen Malariastämme noch nicht gefunden.

In der Republik Kongo, einer ehemaligen französischen Kolonie mit rund 4,4 Millionen Einwohnern steht Malaria an erster Stelle als Grund für eine klinische Behandlung. Dennoch gebe es aber auch Erfolge vielfältiger Bemühungen wie der kostenlosen Bereitstellung bestimmter Medikamentenkombinationen speziell für Schwangere oder der Förderung von Insektiziden und Moskitonetzen: so sei seit dem Jahr 2000 die Sterblichkeitsrate um 66 Prozent gesunken, bei den unter fünfjährigen Kindern, die als Hauptbetroffene gelten, sogar um 71 Prozent.

Francine Ntoumi war Alexander-von-Humboldt-Stipendiatin, hat zwei Jahre in Tübingen studiert und in Frankreich promoviert. Unter anderem wurde sie erst vor kurzem als beste Wissenschaftlerin Afrikas ausgezeichnet. Die Wissenschaftlerin gehöre damit zu dem weltumspannenden Humboldt-Netzwerk, zu dem auch 54 Nobelpreisträger gehören, sagte Steffen Mehlich von der Alexander-von-Humboldt-Stiftung.

Alexander von Humboldt selbst hatte nach den Worten des Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk, Gründungsmitglied des Kulturforums, bereits ab 1826 in der Berliner Singakademie insgesamt 61 so genannte „Kosmos-Vorlesungen“ gegeben. Sie galten damals als kultureller Höhepunkt in Berlin. „Mit den Kosmos-Vorlesungen des Kulturforums wollen wir an diese Tradition anknüpfen“, sagte Koschyk. Aus Humboldts Vorlesungen heraus sei damals das fünfbändige Werk „Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung“ entstanden. Alexander von Humboldt hatte darin erstmals den Versuch unternommen, dem Leser eine Gesamtschau seiner wissenschaftlichen Welterforschung zu vermitteln. Ganz wichtig sei es dabei auch, dass Alexander von Humboldt mit seinen Kosmos-Vorlesungen auch ein Stück Sozialgeschichte geschrieben hat, denn erstmals überhaupt durften auch Frauen daran teilnehmen.

Bild: Mit Prof. Dr. Francine Ntoumi war die weltweit führende Malaria-Forscherin zu Gast in Bayreuth.

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17.09.2016

Vordenker und Vorbild für das 21. Jahrhundert / Goldkronach gedenkt Alexander von Humboldt – Vorreiter in Sachen Internationalisierung und Innovationen

Goldkronach. Der Universalgelehrte Alexander von Humboldt ist präsenter und aktueller denn je. Das hat der der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Stefan Müller aus Erlangen beim Humboldt-Tag in der Evangelischen Stadtkirche von Goldkronach festgestellt. Alljährlich um den 14. September herum erinnert das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach an den großen Naturforscher, der von 1792 bis 1795 rund drei Jahre seines Lebens im Fichtelgebirge und im Frankenwald verbrachte und längere Zeit in Goldkronach seine Wirkungsstätte hatte. Diesmal jährte sich der Geburtstag Alexander von Humboldts zum 247. Mal.

 „Von Alexander von Humboldt für Gegenwart und Zukunft lernen“ hatte Müller seinen Vortrag überschrieben und nannte Humboldt dabei nicht nur ein Vorbild, sondern auch einen Vordenker für das 21. Jahrhundert. Zum Beispiel in Sachen Interdisziplinarität. Alexander von Humboldt habe etwa zu seiner Russlandreise Mediziner genauso eingeladen wie Mineralogen oder Zoologen. Humboldt sei eben ein begnadeter Netzwerker gewesen und solche brauche man heute wieder, damit Innovationen auch den Weg in die Unternehmen finden. Der Staatssekretär kündigte dabei eine Innovationsinitiative der Bundesregierung an, die sämtliche Disziplinen ansprechen und die Hochschulen als Impulsgeber unterstützen soll. „Da ist dem Denken keine Grenze gesetzt.“

Ebenso sei Alexander von Humboldt ein Vordenker in Sachen Internationalisierung gewesen. Auch das sei heute wieder ein politisches Ziel, die Internationalisierung an den Hochschulen weiter voranzutreiben. Schon heute lehrten und forschten rund 85000 ausländische Wissenschaftler pro Jahr in Deutschland, im Gegenzug arbeiteten rund 43000 deutsche Wissenschaftler im Ausland. Die Zahl der ausländischen Studenten an deutschen Hochschulen bezifferte Müller auf etwa 320000.

Unser Ziel ist es, an das weltbekannte Universalgenie Alexander von Humboldt zu erinnern, sagte der Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, der Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk. Wäre Alexander von Humboldt in unsere Zeit hineingeboren, wäre er längst Wissenschaftsminister, sagte Koschyk. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern und Initiatoren des Kulturforums.

„In Goldkronach bin ich glücklicher, als ich es je wagen durfte zu glauben“, zitierte Koschyk den Universalgelehrten mit weltweiter Ausstrahlung. Ziel des Kulturforums sei es außerdem, ein Humboldt-Bewusstsein in der Region zu schaffen, der nicht nur in Goldkronach, sondern auch an anderen Orten in Oberfranken wie Naila, Bad Steben und Arzberg seine Spuren hinterlassen hatte.

Bürgermeister Holger Bär bedauerte zwar, dass es in Goldkronach noch immer keine Humboldt-Straße gebe („daran kann man sicher noch arbeiten“), wohl aber eine Schule, eine Apotheke, ein Landgasthof und eine Rose an vielen Plätzen der Stadt, die nach Humboldt benannt ist. Für die Zukunft sei zum einen ein Humboldt-Zentrum geplant, das weit in die Region hinausstrahlen soll, zum anderen soll schon bald ein touristisches Hinweisschild entlang der Bundesautobahn A9 auf Goldkronach und Alexander von Humboldt hinweisen. Im Gegensatz zu Goldkronach gebe es in Argentinien bereits in jeder Stadt eine „Plaza Humboldt“, sagte der Kanzler der Universität Bayreuth Markus Zanner. Auch die Universität Bayreuth sei eine gefühlte Humboldt-Universität, auch wenn sie diesen Namen nicht offiziell tragen dürfe.

Humboldt, der zuvor Bergwesen, Mineralogie und Geologie studiert hatte, war 1792 auf Anweisung des preußischen Ministers von Heinitz in die damals gerade preußisch gewordenen  Fürstentümer Ansbach und Bayreuth gekommen. Seine Aufgabe sollte es unter anderem sein, den Zustand des hiesigen Bergbaus zu untersuchen und bereits stillgelegte Bergbauanlagen wieder zu beleben. Dabei schaffte er es nicht nur, die Arbeitsbedingungen unter Tage erträglicher zu gestalten sondern gründete auch eine Berufsschule für Bergleute. Die Erfindung eines Atemgerätes zur Rettung verunglückter Bergleute sowie einer Sicherheitslampe zeigten schon damals, dass sein Entdeckergeist grenzenlos gewesen sein muss. Unsterblich wurde Alexander von Humboldt mit seiner Forschungsreise durch Südamerika in den Jahren 1799 bis 1804 quer durch die heutigen Staaten Venezuela, Kuba, Kolumbien. Ecuador und Mexiko.

Bild: Alexander von Humboldt als Vordenker für das 21. Jahrhundert: der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Stefan Müller aus Erlangen beim Humboldt-Tag in der Evangelischen Stadtkirche von Goldkronach.

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05.05.2016

Gottes Barmherzigkeit ist grenzenlos / Auftakt des Humboldt-Kultursommers - Weihbischof Gössl würdigte Engagement von Flüchtlingshelfern

Goldkronach. Als beunruhigend hat es der Bamberger Weihbischof Herwig Gössl bezeichnet, wie schnell Solidarität und Mitmenschlichkeit zur Disposition gestellt oder ausgehebelt werden, sobald sie beginnen, etwas zu kosten. Zeit und Geld zu Beispiel, sagte Gössl in Anspielung auf die Flüchtlingsthematik beim Auftakt des Alexander-von-Humboldt-Kultursommers in Goldkronach.

Jesu und seine Botschaft stünden nicht für Friede, Freude, Eierkuchen, sagte der Weihbischof vor dem Hintergrund des von Papst Franziskus ausgerufenen Jahres der Barmherzigkeit. Er würdigte das nachhaltige Engagement so vieler Ehrenamtlicher in der Flüchtlingsarbeit und sprach von Barmherzigkeit als großes Gemeinschaftswerk.

Natürlich könne man nicht die Not der ganzen Welt schultern, aber müsse es deshalb wirklich Grenzen für gelebte Barmherzigkeit geben und wenn ja, wo sollten sie liegen? „Nicht ich allein soll die Last der Welt tragen, sondern das, was ich tragen kann“, so Gössl. Dieses Wissen nehme die Angst vor der Überforderung und Grenzen stünden dabei nicht mehr im Vordergrund.

„Gottes Barmherzigkeit ist grenzenlos und überwindet sogar die Grenze des Todes“, stellte Gössl fest. Barmherzigkeit sei dabei weder Mitleid noch Schwäche, wie das Friedrich Nietzsche gesehen hat. Gotten Barmherzigkeit sei vielmehr der Beweis seiner Stärke, auch wenn uns die Realität manchmal sagen möchte; „Das geht doch gar nicht“. Gott fordere manchmal, aber er überfordert nicht, sagte Gössl und zählte die konkreten Werke der Barmherzigkeit auf: „Hungrige speisen, Durstige tränken, Fremde beherbergen, Nackte bekleiden, Kranke und Gefangene besuchen sowie Tote begraben.“

Es sei mittlerweile eine gute Tradition, dass der Alexander-von-Humboldt-Kultursommer in jedem Jahr mit einem geistlichen Impuls gestartet wird. „Alle Kultur gründet sich auf das christliche Fundament Europas“, sagte der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, gleichzeitig Gründungsmitglied und Ideengeber des Kulturforums. Dazu gehöre auch die Kirchenmusik, die diesmal Regionalkantor Christoph Krückl und sein Vokalensemble „Tri-angel“ repräsentierten. Das Trio mit Evamaria Peter, Katharina Krückl und Rota Krückl führte unter anderem Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy und John Rutter auf. Fürbitt- und Segensgebete sprachen in ökumenischer Verbundenheit die verantwortlichen Geistlichen für Goldkronach Pater Stephan Matula und der evangelische Pfarrer Hans-Georg Taxis.

Die Gedanken zum Himmelfahrtstag waren der offizielle Auftakt zum Kultursommer des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums Schloss Goldkronach, das mit fast zwei Dutzend Veranstaltungen bis zum Ende des Jahres das Kulturleben in der Region bereichern wird.

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10.05.2015

Bergbau, Porzellan und Edelmetall / Auf den Spuren von Alexander von Humboldt in Franken - Humboldt-Gesellschaft tagte in Bayreuth

Bayreuth/ Goldkronach. Das Wirken des Universalgelehrten Alexander von Humboldt hat scheinbar zahllose Facetten. Eines haben alle gemeinsam: „Nahezu alle Themen, die ihm später bewegt haben, hat er in Franken aufgenommen, hier hat er alles angedacht“, sagte der Humboldt-Experte Eberhard Schulz-Lüppertz  bei der 101. Tagung der renommierten Humboldt-Gesellschaft in Bayreuth. Einzige Ausnahme: Mit der Meeresforschung habe sich Alexander von Humboldt aus naheliegenden Gründen tatsächlich erst in späteren Jahren beschäftigt, so Schulz-Lüppertz augenzwinkernd.

Eigentlich war er wegen des Bergbaus gekommen. Als damals 22-Jähriger wurde Alexander von Humboldt 1792 in die damals gerade preußisch gewordenen Fürstentümer Ansbach und Bayreuth entsandt, um den Bergbau auf Vordermann zu bringen. Bis 1795 wirkte er unter anderem in Arzberg, Bad Steben und in Goldkronach. In dem Bergbaustädtchen hatte Humboldt seinen Wohnsitz an der Stelle des heute nach ihm benannten Hotels.

Tatsächlich sei es ihm schon in kürzester Zeit gelungen, den Bergbau wieder aufzunehmen, die Gruben zu erneuern und moderne Abbaumethoden einzuführen, so Schulz-Lüppertz. Doch nicht nur das: Alexander von Humboldt habe Bergwerksschulen in Arzberg, Bad Steben und Goldkronach gegründet und sogar eine Hilfskasse für die Familien verunglückter Bergleute. Daneben sei er aber auch ganz anderen, existenziellen Fragen des Lebens nachgegangen. So habe er unter anderem umfassende Versuche zu Muskelaufbau und Nervenfasern durchgeführt, unterirdische Gasarten erforscht, eine Rettungsmaske und eine Grubenlampe konstruiert und er war der Zusammensetzung der Luft unter der Erde nachgegangen.

Einem ziemlich unbeachteten Aspekt im Schaffen Alexander von Humboldts war die Wissenschaftlerin Dagmar Hülsenberg aus Ilmenau nachgegangen, seinem Einfluss auf die Porzellanherstellung. So hatte Alexander von Humboldt unter anderem umfassende Gutachten zur Porzellanmanufaktur Bruckberg bei Ansbach angefertigt und dort einen der ersten Rundöfen zum Brennen von Porzellan einbauen lassen. Alexander von Humboldt habe sofort die Vorteile dieser wesentlich effizienteren Technik erkannt, so Hülsenberg. Auch die Gründung der noch heute existierenden und zur Weidener Seltmann-Gruppe gehörenden Königlich Privilegierten Porzellanfabrik Tettau wäre ohne die Grundlagenarbeit Alexander von Humboldts undenkbar gewesen.

Wenn Alexander von Humboldt den meisten auch als Begründer der Ökologie und als größter Geograph der Neuzeit gilt, so habe er seine Karriere dennoch als Kameralist begonnen. Auch das sei ein Aspekt, der in der Humboldt-Forschung noch immer zu kurz komme, so Ingo Schwarz aus Berlin. So habe Humboldt bereits zu Lebzeiten und bis ins hohe Alter als führender Experte im Münzwesen und in der Edelmetallstatistik gegolten. Wenn er selbst auch ein differenziertes Verhältnis zur Kameralwissenschaft (Staatswirtschaftslehre ) hatte, so habe er als preußischer Bergbeamter dennoch von seinen Kenntnissen profitierten können.

Unter dem Motto „Alexander von Humboldt“ in Franken“ gehörten zur Tagung der Humboldt-Gesellschaft auch eine Besichtigung des markgräflichen Bayreuths. Exkursionen führten nach Bad Steben und Goldkronach, der wichtigsten Wirkungsstätte während seiner Zeit in Franken, gleichzeitig Sitz des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums Schloss Goldkronach. Dort besichtigten die Mitglieder der Gesellschaft die Ausstellung über das Wirken Alexander von Humboldts in der Region, das Besucherbergwerk „Mittlerer Name Gottes“ und das Heimatmuseum.

Alexander von Humboldts Tätigkeit habe im heutigen Oberfranken seinen Anfang genommen, sagte der Bayreuther Bundestagsabgeordnete und Mitbegründer des Kulturforums Hartmut Koschyk. Fast fünf Jahre lang sollte das Wirken von Alexander von Humboldt hier dauern und zitiert werde er mit den Worten: „In Goldkronach besonders bin ich glücklicher, als ich je wagen durfte zu glauben“. Im Humboldt-Informationszentrum von Schloss Goldkronach führte Koschyk die Teilnehmer durch die Ausstellung, in den Kellergewölben konnten die Wissenschaftler unter anderem einen Blick auf die „Fränkische Linie“, eine der geologisch bedeutsamsten Bruchzonen der Erdkruste, werfen.

Am Ende der Tagung sollte auch das einstige Wohnhaus Alexander von Humboldts in Bad Steben eine Rolle spielen. Das historische Gebäude steht nicht nur seit Jahren leer, es wird auch zum Verkauf angeboten. „Das größte Problem dürften wohl die anstehenden Investitionen sein“, sagte Eberhard Schultz-Lüppertz. „Die beste Lösung wäre die Einrichtung eines kleinen Humboldt-Museums“, sagte Hartmut Koschyk, zumal dann zu dem überschaubaren Kaufpreis auch eine hohe staatliche Förderung in Aussicht gestellt werden könnte.

Bilder:
- Steht derzeit leer: Alexander von Humboldts Wohnhaus in Bad Steben.
-
 An der Stelle des heutigen Alexander-von-Humboldt-Gasthofes stand das Goldkronacher Wohnhaus des Universalgelehrten. Heute erinnert dort eine Gedenktafel an Alexander von Humboldt.
- So dürfte er ausgesehen haben: Alexander von Humboldt als Büste als Büste des Forchheimer Bildhauers Hans Dressel vor dem Goldkronacher Schloss.

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30.04.2015

Humboldt sorgt für gutes Klima / Entwicklungshilfeminister Müller unterstützt Klimapartnerschaft zwischen Goldkronach und dem kolumbianischen Falán

Goldkronach. Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Gerd Müller hat der Klimapartnerschaft zwischen Goldkronach im Landkreis Bayreuth und der kolumbianischen Stadt Falán seine Unterstützung zugesagt. Bei einem Ortstermin in Goldkronach bezeichnete Bürgermeister Holger Bär das Universalgenie Alexander von Humboldt als den gemeinsamen Nenner für die Partnerschaft. Von Humboldt gingen Nachhaltigkeit und vernetztes Denken aus, so der Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk. Die Klimapartnerschaft besteht offiziell seit Anfang des Jahres und wird durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert.

Minister Müller sagte zu, beim Deutschland-Besuch des kolumbianischen Umweltministers Gabriel Vallejo López in wenigen Tagen in Berlin für die Klimapartnerschaft Goldkronach / Falán zu werben. Auch einen Besuch des kolumbianischen Ministers in Goldkronach könne sich Müller durchaus vorstellen. Kolumbien habe sich ehrgeizige Ziele im Klima- und Umweltschutz gesetzt, die Deutschland gerne unterstützt, sagte der Minister. Klar sei: „Unsere globalen Herausforderungen, wie den Klimawandel, werden wir nur gemeinsam lösen.“ Daneben gehe es in Kolumbien um nachhaltige Produktion, aber auch um fairen Bezug von Produkten wie Kaffee oder Kakao.

Grundgedanke des Projekts „50 Kommunale Klimapartnerschaften bis 2015“ ist es, die fachliche Zusammenarbeit deutscher Städte mit Kommunen im globalen Süden in den Bereichen Klimaschutz und Klimaanpassung zu stärken. Der Klimaschutz soll systematisch in die bestehende kommunale Partnerschaftsarbeit integriert werden. Dazu erarbeiten die kommunalen Partnerschaften gemeinsame Handlungsprogramme mit Zielen, Maßnahmen und zugewiesenen Ressourcen. Das Projekt zählt derzeit 33 kommunale Klimapartnerschaften. Viele davon haben bereits mit der Umsetzung ihrer Handlungsprogramme begonnen.

Die Idee der Klimapartnerschaft zwischen Goldkronach und Falán geht auf das deutsch-kolumbianische Forum 2013 zurück, so Bundestagsabgeordneter Koschyk. Verbindendes Element beider Kommunen sei das Universalgenie Alexander von Humboldt. Er lebte und arbeitete von 1792 bis 1795 in der Region und erforschte während seiner Zeit in Goldkronach intensiv den Bergbau. Einige Jahre später sei das kolumbianische Falán in der Provinz Tolima eine wichtige Station auf der Expeditionsreise Alexander von Humboldts im Jahr 1801 gewesen. Humboldt habe unter anderem die Goldminen von Santa Ana erforscht. Auch der Goldbergbau verbinde beide Städte. Während er in Goldkronach längst zum Erliegen gekommen war und nur mehr im Namen vokommt, werde er in Falán noch aktiv betrieben, befinde sich aber im Auslaufen.

Was den Klimaschutz betrifft, so sei in Goldkronach ein Nahwärmenetz mit Biogas und Hackschnitzel für kommunale Gebäude geplant. Außerdem soll die Straßenbeleuchtung auf stromsparendes LED umgerüstet werden, sagte Bürgermeister Holger Bär. Bereits realisiert worden sei ein Energiekonzept zusammen mit vier Nachbargemeinden sowie neun Bürgersolaranlagen mit einem Kapitaleinsatz von rund 250000 Euro. Die kolumbianische Stadt Falán sei unter anderem wegen ihrer extrem hohen biologischen Vielfalt und dem weltweit ersten Schutzgebiet für Amphibien ausgewählt worden. Der Bürgermeister räumte dabei auch ein, dass für die Stadt selbst keine Kosten mit Blick auf die Partnerschaft entstünden. „Sonst könnten wir das gar nicht machen“, sagte Bär.

Bundesminister Müller trug sich in Goldkronach auch in das Goldene Buch der Stadt ein und besichtigte im Schloss die Ausstellung über Leben und Wirken Alexander von Humboldts in Franken.

Bild oben: An der Büste des Universalgelehrten Alexander von Humboldt in Goldkronach trafen sich (von links) Bürgermeister Holger Bär, Bundesminister Gerd Müller und der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk. Alexander von Humboldt ist auch der gemeinsame Nenner der Klimapartnerschaft von Goldkronach mit dem kolumbianischen Falán.

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13.09.2014

Universalgelehrter hat bayerische Wissenschaftslandschaft geprägt /
Ex-Staatsminister Goppel beim Humboldt-Tag in Goldkronach

Goldkronach. Zahlreiche Errungenschaften der Wissenschaft in Bayern sind maßgeblich unter dem Einfluss des Universalgelehrten Alexander von Humboldt entstanden. Der Bayerische Maximiliansorden gehört  dazu ebenso wie die bayerische Begabtenstiftung oder die Internationale Ausrichtung der bayerischen Universitäten. All das und vieles mehr wurde unter der Regentschaft des bayerischen Monarchen Maximilian II. verwirklicht. Wenig bekannt ist, dass Alexander von Humboldt als eine Art Berater wesentlichen Einfluss auf den König hatte.

„Bayern sollte unter Maximilian II. nicht nur konkurrenzfähig sein, sondern tonangebend werden“, sagt Thomas Goppel, langjähriger Wissenschafts-, Forschungs- und Kunstminister im Freistaat beim Humboldt-Tag zum 245. Geburtstag des Universalgenies am Wochenende in Goldkronach. Goppel verwies auf einen ausgedehnten Briefwechsel zwischen Humboldt und dem jungen bayerischen Thronfolger, zum Beispiel wenn es darum ging, Lehrstühle an bayerischen Universitäten zu besetzen. 32 Berufungsvorschläge aus allen Gebieten der Wissenschaft hatte Humboldt dem Monarchen unterbreitet. „Heute würde man sagen, allesamt vom Rang eines Nobelpreisträgers“, so Goppel. Der Chemiker Justus von Liebig gehörte dazu, ebenso die Brüder Hermann und Adolf Schlagintweit, die für die Erforschung der Alpen bekannt wurden, oder der große Antarktis-Forscher Georg von Neumayer, der seine wissenschaftlichen Arbeiten teilweise sogar in Australien betrieben hatte.

Als eines der wichtigsten Anliegen Humboldts bezeichnete der ehemalige Wissenschaftsminister die Begabten- und Eliteförderung. Tatsächlich war es Maximilian, der die nach ihm benannte Hochbegabtenstiftung gründete. In ihrem Gebäude, dem Maximilianeum in München residiert heute der Bayerische Landtag. Hintergrund sei es gewesen, die Elite des Staates für spätere Führungsaufgaben vorzubereiten. Als weitere Überlegung Maximilians, die indirekt auf Alexander von Humboldt zurückgeht, nannte Goppel den Bayerische Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst. Das Pendant zum 1842 begründeten preußischen Orden Pour le Mérite, gilt heute als höchste Auszeichnung des Freistaats, gestiftet wurde sie 1853 von Maximilian II. Natürlich war Alexander von Humboldt einer der ersten Ordensträger.

Dokumentiert für die Ewigkeit, wenn auch nur fiktiv, ist diese Ordensübergabe auf einem monumentalen Wandfresko des Historienmalers Engelbert Seibertz aus dem Jahr 1865 im Konferenzzimmer des Maximilianeums. Es zeigt, wie Alexander von Humboldt im Kreis prominenter Wissenschaftler und Künstler aufgenommen wird. Fiktiv ist die Szene deshalb, weil Maximilian in Wirklichkeit nach Berlin gereist war, um den Orden an Alexander von Humboldt zu überreichen.

Goldkronach sei mittlerweile zur echten Alexander-von-Humboldt-Stadt geworden, sagte Bürgermeister Holger Bär. Nicht nur, dass jeder Besucher in Goldkronach Jahrhunderte alte Bergbaugeschichte live erleben kann, auch durch die Arbeit des 2008 gegründeten Alexander-von-Humboldt-Kulturforums habe sich das kulturelle Leben der Stadt ganz wesentlich hin zum Positiven verändert.

Ziel des Kulturforums sei es, ein Humboldt-Bewusstsein in der Region zu schaffen und an den großen Universalgelehrten zu erinnern, der von 1792 bis 1796 „die glücklichsten Jahre seines Lebens“ in Goldkronach, Naila, Bad Steben und Arzberg verbracht hatte, so Gründungsmitglied Hartmut Koschyk. Der Abgeordnete und Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten gilt als Motor des Humboldt-Gedenkens in Goldkronach.

Für die künstlerische Ausgestaltung des Humboldt-Tages sorgte das Bläserensemble „Athalia“ unter der Leitung des früheren Pegnitzer Kirchenmusikdirektor Roland Weiss. In der Besetzung für jeweils drei Trompeten und Posaunen und unterstützt von Roland Weiss an der Orgel der Goldkronacher Stadtkirche. Hier  führte der Klangkörper Werke von Edward Elgar, Henry Purcell, Georg Friedrich Händel und Jeremiah Clark, teilweise im Original, teilweise in eigenen Arrangements von Roland Weiss auf.

Die Vorsitzende des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums Schloss Goldkronach, Petra Meßbacher kündigte für das kommende Jahr erneut ein buntes kulturelles Programm an, mit dem das Forum den Kultursommer bereichern möchte. Im kommenden Jahr sollen die Aufführungen, Konzerte und  Lesungen Teil des Festprogrammes zum 650. Stadtjubiläum werden.

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29.05.2014

Tankstelle für Körper, Geist und Seele / Alexander-von-Humboldt-Kulturforum: Schwester Mechthild Thürmer zum Start des Kultursommers

Goldkronach. Ein paar Tage so leben, wie die Benediktiner: „Wer kurz vor dem Burnout steht, dem hilft es in jedem Fall“, meint Schwester Mechthild Thürmer. Beim Auftakt des Kultursommers Schloss Goldkronach am Himmelfahrtstag in der katholischen Michaelskirche lud die Äbtissin der Benediktinerinnenabtei „Maria Frieden“ in Kirchschletten dazu ein und appellierte zum Maßhalten. „Alles Extreme hat seinen Preis“, sagte sie.

Es ist seit Jahren eine gute Tradition, dass das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum mit einem geistlichen Impuls seine Veranstaltungsreihe startet. In diesem Jahr stehen bis weit in den Herbst fast 20 Konzerte, Vorträge, Lesungen und Führungen an verschiedenen Orten innerhalb der Stadt Goldkronach auf dem Programm.

Zum Auftakt berichtete Schwester Mechthild von ihrer Kindheit in Allersdorf bei Gößweinstein, von ihrem Eintritt in die Abtei „Maria Frieden“ und von ihrem Profess (Ordensgelübde) im Jahr 1980. Heimat, das Wort rieche nach Kindheit, sagte sie, es könne aber auch eine schöne Vorstellung sein, dass der Mensch seine Heimat im Himmel habe. Schwester Mechthild berichtete vom Leben in der Abtei, in dem sie tiefe Freude, Ausgeglichenheit, Offenheit und Einfachheit gefunden habe. „Das alles wollte ich finden, deshalb bin ich Schwester geworden“, so die gelernte Krankenschwester und ausgebildete Religionslehrerin.

Der Bundestagsabgeordnete und Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk nannte die Abtei Kirchschletten eine wahre Tankstelle für Körper und Geist. „Wer wirklich etwas für die Seele tun möchte, der sollte dort Einkehr halten“, so Koschyk, Gründungsmitglied und Initiator des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums.

Kirchschletten bei Zapfendorf ist ein kleiner Ort mit rund 120 Einwohnern am nördlichen Rand des Landkreises Bamberg. 1953 hatten die Benediktinerinnen dort ein Gut erworben und das Priorat Maria Frieden errichtet. Es wurde mit philippinischen Schwestern aus der Gründerabtei Immaculate Heart of Mary besetzt.  1973 wurde das Priorat von der Mutterabtei abgetrennt und vom Heiligen Stuhl zur Abtei Maria Frieden erhoben. Die Abtei gehört zur Föderation Bayerischer Benediktinerinnen und hatte 2007 rund 20 Schwestern, die bewusst ein „Miteinander verschiedener Kulturen und Sprachen“ leben. Ihren Lebensunterhalt bestreiten die Schwestern mit Hilfe eines landwirtschaftlichen Betriebes auf Grundlage des organisch-biologischen Landbaus, eines Gästehauses, einer Kerzenwerkstatt und eines Klosterladens.

Das Fürbitt- und das Segensgebet sprachen zum Auftakt des Kultursommer in ökumenischer Verbundenheit der evangelische Pfarrer Hans-Georg Taxis aus Goldkronach und Pater Georg  Walkusz aus Bayreuth. Für die musikalische Umrahmung sorgte das Vocalensemble „Dap du Waps“, einer Gruppe aus Bayreuth, die sich seit nunmehr zehn Jahren dem Acapella-Gesang verschrieben hatte und die neben Alter Musik, Jazz und Schlagern auch auf ein umfangreiches geistliches Repertoire verweisen kann.

Höhepunkt des Kultursommers ist am 27. Juli die literarisch-musikalische Begegnung „Alexander von Humboldt trifft Jean Paul“, die mit einer Sternwanderung und die, verbunden mit Rundgängen durch die Stadt, an verschiedenen Spielorten in Goldkronach Station macht. Neben Konzerten des Festivals Junger Künstler (10. und 24. August), der Zollkapelle der Bundesfinanzdirektion Südost aus Nürnberg (30. August) und der Sängerin Ellen Müller (5. Oktober)wird zum Humboldt-Tag am 13. September der frühere bayerische Wissenschaftsminister Thomas Goppel sprechen.

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16.06.2013

Wissenschaft kennt keine kulturellen Grenzen
Sara Stroumsa bei erster Goldkronacher „Kosmos-Vorlesung“

Goldkronach. Die Wissenschaft kann dazu beitragen, verschiedene Religionen, Kulturen und ethnische Gemeinschaften näher zusammenzubringen. Das sagt Sarah Stroumsa, Professorin an der Universität von Jerusalem und Trägerin des Forschungspreises der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Am Sonntag war die renommierten Islamwissenschaftlerin und Judaistin bei der ersten Goldkronacher „Kosmos-Vorlesung“ in der dortigen Stadtkirche zu Gast.

Sarah Stroumsa erforscht die gemeinsame Geistesgeschichte von Juden, Muslimen und Christen. Derzeit ist die ehemalige Rektorin der Hebräischen Universität in Jerusalem als Alexander-von-Humboldt-Stipendiatin ein Jahr lang an der Freien Universität Berlin zu Gast. Ausgehend vom Beziehungsgeflecht zwischen Christen, Juden und Muslimen im Mittelalter geht es der Wissenschaftlerin um den interreligiösen Dialog und um das Zusammenleben von Juden und Palästinensern im Nahen Osten.

Ein großes Anliegen ist Sara Stroumsa der akademische Austausch über politische Grenzen hinweg.  Zu diesem Zweck hat Stroumsa mit einem palästinensischen Kollegen vor einigen Jahren eine Online-Plattform unter dem Namen „intellectual Encounters“ ins Leben gerufen, um sich gegenseitig Informationen ohne Barrieren zugänglich zu machen. Ihrer Meinung nach besteht die Hauptaufgabe einer Universität darin, Brücken zu schlagen, sagte die Professorin, die zuletzt in Berlin mit dem Forschungspreis der Alexander-von-Humboldt-Stiftung ausgezeichnet wurde.

Auf der Online-Plattform ist deshalb im Laufe der Zeit eine virtuelle Bibliothek mit philosophischen und geschichtlichen Werken entstanden, die unterschiedliche Anschauungen vertreten und die von verschiedenen ethnischen, religiösen und kulturellen Gruppen stammen. Palästinensische , israelische, amerikanische und deutsche Studenten finden sich aber nicht nur online auf dieser Plattform wieder. Es gibt auch regelmäßige reale Begegnungen in Form von Kursen oder Workshops.

Zu Alexander von Humboldt merkte Sara Stroumsa an, dass es sein oberstes Ziel gewesen sei, die Natur als großes Ganzes zu verstehen. Dabei habe er sich aber auch immer wieder mit den Notlagen der Bevölkerung beschäftigt, Missstände angeprangert, sich um die Schulbildung und den allgemeinen Wohlstand gesorgt. „Seine Erkenntnisse für ein besseres Leben der Menschen nutzbar zu machen, das war Humboldts Anliegen.“

Alexander von Humboldt selbst hatte nach den Worten des Parlamentarischen Finanzstaatssekretärs Hartmut Koschyk bereits 1826 in der Berliner Singakademie so genannte „Kosmos-Vorlesungen“ gegeben. Sie galten damals als kultureller Höhepunkt in Berlin. „Mit den Goldkronacher Kosmos-Vorlesungen wollen wir an diese Tradition anknüpfen“, sagte Koschyk. Aus Humboldts Vorlesungen heraus sei damals das fünfbändige Werk „Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung“ entstanden. Alexander von Humboldt hatte darin erstmals den Versuch unternommen, dem Leser eine Gesamtschau seiner wissenschaftlichen Welterforschung zu vermitteln.

Dr. Steffen Mehlich, Leiter der Abteilung Förderung der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, machte die große Bedeutung der Stiftung an den vielen prominenten „Humboldtianern“ fest. 49 von Ihnen seien im Laufe der Geschichte bereits mit einem Nobelpreis ausgezeichnet worden, zuletzt der französische Quantenphysiker Serge Haroche für die Entwicklung bahnbrechender experimenteller Methoden, die es ermöglichen, Quantensysteme zu manipulieren. Schon im Mittelalter habe es verschiedene Querverbindungen zwischen unterschiedlichen Denkwelten gegeben, sagte Professor Christoph Bochinger, Inhaber des Lehrstuhls Religionswissenschaft an der Universität Bayreuth. Schon damals habe die religiöse Prägung die Wissenschaft nicht daran gehindert, in den kulturellen Austausch zu treten.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung in der Goldkronacher Stadtkirche vom Bayreuther Zamirchor (Bild) mit der Sopranistin Barbara Baier und unter der Leitung von Roland Vieweg. Beim Zamirchor handelt es sich um einen 2006 gegründeten gemischten Laienchor mit rund 35 Mitgliedern, der es trotz seines relativ kurzen Bestehens schon zu Auftritten bei den Vereinten Nationen in Genf und in New York geschafft hat. Dabei steht für Barbara Baier nicht nur die Musik, sondern  auch die Völkerverständigung im Vordergrund: „Das Miteinander von Israelis und Deutschen, von Christen und Juden ist unser Hauptanliegen“, so die Leiterin.

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10.11.2012

Humboldt-Kosmos ging von Franken aus / Frank Holl und Eberhard Schulz-Lüpertz haben sich auf die Spuren Alexander von Humboldts begeben – Zum ersten Mal beschreibt ein Buch das Wirken des Universalgelehrten in der Region

Goldkronach. Alle wissenschaftlichen Arbeiten des Universalgelehrten Alexander von Humboldt haben in Franken ihren Anfang genommen. Zu diesem Schluss kommen die renommierten Humboldt-Experten Frank Holl und Eberhard Schulz-Lüpertz in ihrem neuen Buch „Ich habe so große Pläne dort geschmiedet … - Alexander von Humboldt in Franken“. Die umfangreiche Publikation ist die erste, die Humboldts Wirken in der Region detailliert beschreibt. Vorgestellt haben die beiden Autoren ihr Werk am Samstagabend in Goldkronach.

Alexander von Humboldt (1769-1859) war von 1792 bis 1797 als Bergwerkinspektor und Königlicher Oberbergmeister in den beiden Fürstentümern Brandenburg-Bayreuth und Brandenburg-Ansbach tätig. „Alle seine späteren wissenschaftlichen Arbeiten haben hier ihren Anfang genommen, alle seine Erkenntnisse gehen auf die Zeit in Franken zurück“, sagt  Eberhard Schulz-Lüpertz. Als eines der bislang von der Forschung wenig beachteten Beispiele dafür nennt der Co-Autor die Feststellung Humboldts, dass das Abholzen von Wäldern dramatische Folgen für die Umwelt und das Klima hat. Alexander von Humboldt hatte darauf bereits hingewiesen, als während seines Aufenthalts im Fichtelgebirge immer wieder große Waldflächen gerodet wurden, weil das Holz als Energielieferant benötigt wurde.

Ausführlich gehen Holl und Schulz-Lüpertz auf die drei Orte ein, die in besonderem Zusammenhang mit Alexander von Humboldt stehen: Arzberg, Bad Steben und Goldkronach. An allen drei Orten gibt es noch Spuren des einstigen Bergbaus und Hinweise auf das Wirken des Universalgelehrten. So stehe noch heute das Gebäude in Bad Steben, in dem Humboldt nicht nur gewohnt, sondern auch die erste Schule für Bergleute gegründet hatte. Das Haus steht aktuell zum Verkauf, es zeichne sich bereits eine Nutzung im Sinne des Gedenkens an Alexander von Humboldt ab, sagt Schulz-Lüpertz.

Eine besondere Rolle spiele auch Goldkronach, denn so der Autor: „Alexander von Humboldt war vom Goldfieber gepackt.“ Tatsächlich war es ihm auch hier gelungen, die Bergwerke wieder in Schwung zu bringen. Doch, so mussten beide Autoren nach ihren umfangreichen Forschungsarbeiten offen einräumen: „So richtig profitabel waren die hiesigen Bergwerke nie.“ Humboldt hatte sie zwar vorübergehend zu neuer Blüte geführt, doch wenige Jahrzehnte später gingen sie nach und nach ein. Humboldt habe vieles in Gang gebracht, doch aufgrund der letztlich doch relativ geringen Vorkommen und der weitaus größeren Produktion andernorts hätten die Bergwerke schließen müssen. Vor allem die Gruben in England, im Polen und in Amerika hätten den Bergwerken in Franken den Rang abgelaufen.

Das zurückliegende Jubiläumsjahr „220 Jahre Alexander von Humboldt in Franken“ haben die Grundlagen für ein neues gesamtoberfränkisches Humboldt-Bewusstsein geschaffen, sagte der Parlamentarische Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk bei der Buchvorstellung. „Wir hoffen, dass die Humboldt-Stätten künftig enger zusammen arbeiten“, so Koschyk. Der Politiker zog eine positive Bilanz über das Jubiläumsjahr, in dem das Humboldt-Kulturforum unter anderem eine große musikalisch-literarische Spazierfahrt, eine Lichtinstallation und einen eigenen Humboldt-Tag mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich veranstaltet hatte und das weit über die Region hinaus Beachtung fand.

Das Buch ist in der Reihe „Fränkische Geschichte“ im Schrenk-Verlag erschienen. Es enthält auf 184 Seiten unter anderem zahlreiche historische Abbildungen, Dokumente und Pläne sowie jede Menge touristische Hinweise. Der Autor Frank Holl ist ein weithin anerkannter Humboldt-Forscher und durch zahlreiche Publikationen bekannt. Er ist außerdem Leiter der Münchner Wissenschaftstage. Co-Autor Eberhard Schulz-Lüpertz hat sich ebenfalls viele Jahre mit Humboldts Wirken in Franken beschäftigt. Er ist Leiter der Forschung und Entwicklung Deutschland beim europäischen Raumfahrtunternehmen EADS.

Das Buch "Ich habe so große Pläne dort geschmiedet... - Alexander von Humboldt in Franken" von Frank Holl und Eberhard Schulz-Lüpertz kann beim Alexander von Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach e. V., Schlossweg 5 in 95497 Goldkronach bestellt werden. Das Buch hat die ISBN-Nummer: 978-3-924270-74-2 und kostet 19,90 Euro.

Bild: Zum ersten Mal wird das Wirken des Universalgelehrten Alexander von Humboldt in Franken ausführlich beschrieben. Vorgestellt wurde das Buch am Samstag vom Parlamentarischen Staatssekretär Hartmut Koschyk, Petra Meßbacher vom Humboldt-Kulturforum, den beiden Buchautoren Frank Holl und Eberhard Schulz-Lüpertz sowie dem Verleger Johann Schrenk aus Gunzenhausen (von links).

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15.09.2012

Prägendste Jahre in Fichtelgebirge und Frankenwald / Bundesinnenminister beim Humboldt-Jubiläumsjahr - Lichtinstallation des Coburger Studenten Christoph Drews

Goldkronach. Als praktischen Visionär mit sozialem Bewusstsein hat Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich den Universalgelehrten Alexander von Humboldt bezeichnet. Viele seiner Lösungen auf Herausforderungen der Zeit seien damals wie heute aktuell, sagte Friedrich bei der Festveranstaltung zum Abschluss des Jubiläumsjahres „220 Jahre Alexander von Humboldt in Franken“ am Samstag in Goldkronach.

„Alexander von Humboldt ist heute moderner denn je“, so Friedrich. Als Beispiele nannte der Minister unter anderem Humboldts großes persönliches Engagement für die Allgemeinheit, seinen Einsatz für Bildung und Ausbildung, das Erschließen öffentlichen und privaten Kapitals für dringend notwendige Investitionen sowie die konkrete Umsetzung von Innovationen in Forschung und Entwicklung. Zudem habe Alexander von Humboldt früh die immense Bedeutung von Information und Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg in vielen Bereichen erkannt. Tatsächlich soll Humboldt zeit seines Lebens rund 30000 Briefe verfasst haben.

Die entscheidendsten Jahre für die Entwicklung zum bedeutendsten Naturforscher und Universalgelehrten seien dabei die Jahre im Fichtelgebirge und im Frankenwald gewesen. Alexander von Humboldt habe sich den Menschen verpflichtet geführt, was beispielsweise an der Gründung der Bergschule in Bad Steben und an der Gründung mehrerer Fabriken unter anderem in Tettau und in Lauenstein deutlich wird. Schließlich sei ihm auch sein eigentlicher Auftrag, die Belebung des damals wirtschaftlich eher wenig profitablen Bergbaus, gelungen, wenn auch nur für einige Jahrzehnte.

Goldkronach sei mittlerweile zur echten Alexander-von-Humboldt-Stadt geworden, sagte Bürgermeister Günter Exner. Nicht nur, dass jeder Besucher in Goldkronach Jahrhunderte alte Bergbaugeschichte live erleben kann, auch durch die Arbeit des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums habe sich das kulturelle Leben der Stadt ganz wesentlich hin zum Positiven verändert.

Ziel des Kulturforums sei es, ein Humboldt-Bewusstsein in der Region zu schaffen und an den großen Universalgelehrten zu erinnern, der von 1792 bis 1796 die glücklichsten Jahre seines Lebens in Goldkronach, Naila, Bad Steben und Arzberg verbracht hatte. Besonders in Goldkronach zeigten die Bemühungen bereits Früchte, da sich die Stadt zunehmend als Humboldt-Stadt verstehe und mittlerweile auf ganz vielfältige Art und Weise an das Wirken Humboldts erinnere. Unterstützung fänden die Humboldt-Bemühungen mittlerweile in weiten Kreisen von Wirtschaft und Wissenschaft. Genau dies sei im Sinne Humboldts, der auch als Begründer eines neuen Wissenschaftsverständnisses des interdisziplinären Forschens und Handelns gilt.

Zum Abschluss des Humboldt-Tages führte der vielversprechende Lichtkünstler Christoph Drews nach Einbruch der Dunkelheit an der Fassade des Goldkronacher Schlosses die Lichtinstallation „Humboldts Traumbilder“ vor. Der Student der Hochschule Coburg zeigte dabei in eindrucksvollen überdimensionalen Bildern Humboldts frei interpretierte Visionen in einer tatsächlich erlittenen Ohnmachtsphase, die der Forscher in einem Brief geschildert hatte.

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28.07.2012

Literarisch-musikalische Annäherung an ein Universalgenie / Oberfranken auf den Spuren Alexander von Humboldts: Kulturforum will verstärkt Erinnerungsarbeit leisten – Historisches Symposium

Goldkronach. In seiner Heimatstadt Berlin gibt es kaum einen authentischen Ort, der an Alexander von Humboldt erinnert, In Oberfranken reihen sich die noch vorhandenen Wirkungsstätten des Universalgelehrten dagegen wie Perlen an einer Schnur. „Solche Orte sollte man hüten und als Schatz betrachten“, sagt Ingo Schwarz, der Leiter der Alexander-von-Humboldt-Forschungsstelle an der Akademie der Wissenschaften in Berlin-Brandenburg.

Goldkronach, Bad Steben und Arzberg sind nur drei solcher Orte, wenngleich sie auch als wichtigste Wirkungsstätten in Franken gelten. Ihnen stattete das „Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach“ zusammen mit fast 60 Interessierten nicht nur einen Informationsbesuch ab, das Forum unternahm zugleich erstmals den Versuch, sich Alexander von Humboldt literarisch und musikalisch zu nähern. Literarisch dadurch, indem der Berliner Schauspieler Christoph Förster in originalgetreuer Humboldt-Uniform an den authentischen Schauplätzen aus den Briefen zitierte, die Humboldt an den jeweiligen Orten verfasst hatte.

Musikalisch kam man Humboldt näher, indem das Bläserensemble „Athalia“ unter der Leitung des früheren Pegnitzer Kirchenmusikdirektors Roland Weiss Bearbeitungen von Felix-Mendelssohn Bartholdys Liedern ohne Worte und einzelne Stücke aus Giacomo Meyerbeers Opern „Der Prophet“ und „Die Afrikanerin“ aufführte. Sowohl Mendelssohn Bartholdy als auch Meyerbeer waren nicht nur Zeitgenossen und Freunde Alexander von Humboldts, er hatte sich auch maßgeblich für sie eingesetzt, beispielsweise wenn es darum ging, führende Positionen im Berliner Musikleben einzunehmen.

Im Juli 1792, also vor genau 220 Jahren war Alexander von Humboldt erstmals nach Franken gekommen. Er sei vorsichtig optimistisch gewesen, den Bergbau zu einer neuen Blüte zu bringen, sagte Ingo Schwarz. Der Bergbau sei damals neben der Landwirtschaft die Haupteinnahmequelle der Region gewesen, so der erste Bürgermeister des Marktes Bad Steben Bert Horn. In Bad Steben hatte Alexander von Humboldt erste Pläne einer freien Bergbauschule entwickelt und realisiert, sagte Ingo Schwarz.

In Arzberg hat man in Humboldts Wohnstätte, dem heutigen Gasthof Bergbräu, einen Gedenkraum mit einigen Exponaten eingerichtet. Sogar die Original Bodenbretter, über die schon Humboldt gelaufen ist, gibt es noch, so der für die kleine Gedenkstätte verantwortliche Hans Günther Träger. Auch die Überbleibsel des nahegelegenen Bergwerks „Kleiner Johannes“ mit dem heutigen Infozentrum für Bergbau und Geologie erinnern an die reiche Bergbauvergangenheit des Städtchens. Auch wenn Alexander von Humboldt kein Sohn der Stadt war, soll in Zukunft verstärkt an sein Wirken erinnert werden, so Bürgermeister Stefan Göcking. Er kündigte an, ähnlich wie vor dem Schloss Goldkronach oder im Kurpark von Bad Steben, künftig ebenfalls mit einem steinernen Abbild an das Wirken des Universalgenies in der Stadt zu erinnern.

Ein stärkeres Bewusstsein schaffen für das Wirken des Universalgelehrten Alexander von Humboldt in Franken, ihn einzubinden in die Reihe prominenter Persönlichkeiten wie Richard Wagner, Jean Paul, Franz Liszt und Markgräfin Wilhelmine, davon war beim Historischen Symposium „220 Jahre Alexander von Humboldt in Franken“ tags zuvor in Goldkronach immer wieder die Rede. Dem Kulturforum war es gelungen, die bekanntesten Wissenschaftler aus der aktuellen Humboldt-Forschung für einen Tag nach Goldkronach zu holen, um die unterschiedlichsten Facetten seines Wirkens in der Region und auch darüber hinaus hervorzuheben. „Alle Genialität seiner Persönlichkeit war bereits während seiner fränkischen Zeit vorhanden“, sagte der Initiator des Kulturforums, der Parlamentarische Staatssekretär Hartmut Koschyk, der es bedauerte, dass Alexander von Humboldt noch nicht genug im fränkischen Bewusstsein verankert ist.

Dies könnte vielleicht daran liegen, dass von Humboldts Wirken in der Region wenig übrig geblieben sei, wie es Bezirksheimatpfleger Professor Günter Dippold von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg ausdrückte. Was blieb sei lediglich der Ruhm, dass jemand, der wenig später zur Weltberühmtheit wurde und dessen Name für naturkundliche und geographische Fortschritte steht, einst in unserer Heimat wirkte, so Dippold. Der Wissenschaftler wollte weder soweit gehen, Humboldts fränkisches Erbe als spärlich zu betrachten, noch zu behaupten, dass die Vermessung der Welt im Frankenwald und im Fichtelgebirge ihren Ausgang genommen habe. Sollte jemals wieder, aufgrund globalwirtschaftlicher Verschiebungen, Gold, Eisen oder anderes Metall in Oberfranken gefördert werden, dann werde man gewiss auf Humboldt und dessen präzise analysierenden Bestandsaufnahmen des späten 18. Jahrhunderts zurückgreifen. So unwahrscheinlich sei dies alles nicht, denn jahrzehntelange Grubenschließungen habe es in der frühen Neuzeit immer wieder gegeben.

Mit dem Vorurteil, dass Alexander von Humboldt mit Kunst und Kultur wenig am Hut hatte, räumte Professor Sieghart Döhring vom Meyerbeer-Institut Thurnau auf. Humboldt habe sich nicht nur für die beiden Komponisten Giacomo Meyerbeer und Felix Mendelssohn Bartholdy eingesetzt, er habe darüber hinaus die Stadt Berlin nach dem Vorbild von Paris zur Kulturstadt Europas machen wollen und dabei auch in der Musik große Kenntnisse gehabt. Laut Professor Döhring soll es in den 1980er Jahren auch eine Diskussion darüber gegeben haben, die Universität Bayreuth in Alexander-von-Humboldt-Universität umzubenennen, was der Senat damals mit Mehrheit abgelehnt hatte.

Bild:
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So mag er wohl ausgesehen haben: Der Berliner Schauspieler Christoph Förster in der Rolle des Alexander von Humboldt.
- Das Athalia-Bläserensemble unter der Leitung des früheren Pegnitzer Kirchenmusikdirektor Roland Weiss (rechts) hatte erstmals eine musikalische Annäherung an den Universalgelehrten Alexander von Humboldt unternommen.

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 So sah die Ausrüstung der Bergleute unter Tage zur Zeit Alexander von Humboldts aus: Dr. Norman Pohl von der Technischen Universität Bergakademie Freiberg erläuterte, mit welchen Mitteln sich die Arbeiter damals schützten.

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10.09.2011

Auch Papst Benedikt ist Humboldtianer
Goldkronach erinnerte an den Geburtstag von Alexander von Humboldt

Goldkronach – Der Chemiker Justus von Liebig, der Mathematiker Carl Friedrich Gauß und der Komponist Felix Mendelssohn-Bartholdy, sie alle haben eines gemeinsam: Sowohl Liebig, als auch Gauß, Mendelssohn und viele andere wurden von Alexander von Humboldt gefördert. Humboldts Geist lebendig zu halten, das ist das Ziel der weltberühmten Alexander-von-Humboldt-Stiftung, deren Präsident Professor Helmut Schwarz in diesem Jahr Hauptredner des Humboldt-Tages in Goldkronach war. Veranstaltet wird dieser Tag alljährlich vom Kulturforum Schloss Goldkronach zum Geburtstag des Universalgenies, das zwischen 1792 und 1795 in Goldkronach gelebt und gewirkt hat.

„Humanismus, Freiheitsliebe und Vernunft, das waren die Prinzipien Alexander von Humboldts und das sind auch die Prinzipien der Stiftung“, sagte Schwarz, der im Hauptberuf als Lehrstuhlinhaber für organische Chemie an der Technischen Universität Berlin tätig ist. Derzeit würden jährlich rund 600 höchstbegabte Forschungsstipendiaten aus aller Welt nach Deutschland eingeladen. In den 60 Jahren seit ihrer Wiedergründung komme die Stiftung damit auf weltweit rund 25000 „Humboldtianer“ in 135 Ländern, darunter 44 Nobelpreisträger und mit Benedikt XIV. sogar ein Papst. Sie alle seien Deutschlands beste Botschafter auf der ganzen Welt und wichtige Brückenbauer zwischen den Nationen, ganz im Sinne Alexander von Humboldts.

Der Parlamentarische Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk, der sich zusammen mit dem 2008 gegründeten „Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach“ seit Jahren für die Erinnerung an Humboldt einsetzt, erinnerte an die wechselvolle Geschichte der Stiftung, die bereits 1860 und damit nur ein Jahr nach dem Tod Alexander von Humboldts gegründet wurde. Zwei Mal habe die Stiftung ihr gesamtes Kapital verloren, einmal während der Weltwirtschaftskrise, zum anderen nach dem Zweiten Weltkrieg und immer wieder sei sie neu erstanden.

Goldkronach als bedeutenden Alexander-von-Humboldt-Ort darzustellen sei das gemeinsame Ziel des Kulturforums und der Stadt, sagte Bürgermeister Günther Exner. Dies sei in den zurückliegenden Jahren unter anderem durch die Erweiterung des ehemaligen Bergwerks, durch die Errichtung eines Informationspavillons zur „Fränkischen Linie“, durch die Öffnung von geologisch interessanten Felsenkellern und nicht zuletzt durch die Einrichtung des Dokumentationszentrums im Schloss gelungen.

Mit all diesen Einrichtungen biete Goldkronach eine hervorragende Plattform, um sich mit dem Werk und den Ideen von Alexander von Humboldt zu beschäftigen, so Petra Meßbacher, die Vorsitzende des Kulturforums. Der Geburtstag Alexander von Humboldts am 14. September soll auch künftig jährlich die Gelegenheit dazu geben, sich über das Leben des Universalgenies auszutauschen.

Humboldt, der zuvor Bergwesen, Mineralogie und Geologie studiert hatte, war 1792 auf Geheiß des preußischen Ministers von Heinitz in die damals gerade preußisch gewordenen  Fürstentümer Ansbach und Bayreuth gekommen. Seine Aufgabe war es unter anderem, den Zustand des hiesigen Bergbaus zu untersuchen und bereits stillgelegte Bergbauanlagen wieder zu beleben. Dabei schaffte er es nicht nur, die Arbeitsbedingungen unter Tage erträglicher zu gestalten sondern gründete auch eine Berufsschule für Bergleute. Unsterblich wurde Alexander von Humboldt mit seiner Forschungsreise durch Südamerika in den Jahren 1799 bis 1804 quer durch die heutigen Staaten Venezuela, Kuba, Kolumbien. Ecuador und Mexiko. Nach seiner Rückkehr lebte er zunächst zwei Jahrzehnte lang in Paris und wertete seine Südamerikareise aus, seinen Lebensabend verbrachte er am preußischen Hof in Berlin, wo er hochbetagt am 6. Mai 1859 verstarb.

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22.08.2011

Weltweite Wissenschaftselite auf den Spuren von Alexander von Humboldt
Stipendiaten besuchten Humboldt-Informationszentrum Goldkronach

Goldkronach – Rund 50 Alexander-von-Humboldt-Stipendiaten aus aller Welt haben in diesen Tagen zum Abschluss ihres Deutschland-Aufenthaltes die einstige Goldbergbaustadt Goldkronach besucht. Die Stipendiaten statteten dabei nicht nur dem Bergbaumuseum mit seinen umfangreichen Sammlungen an Bergbau-Exponaten und Mineralien eine Stippvisite ab, sondern wurden vom Parlamentarischen Finanzstaatssekretär und Bayreuther Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk auch durch das Schloss Goldkronach mit seinem Humboldt-Informationszentrum geführt. In den Kellergewölben des Schlosses konnten die jungen Wissenschaftler dabei unter anderem einen Blick auf die sogenannte Fränkische Linie, eine der geologisch bedeutsamsten Bruchzonen der Erdkruste werfen.

Die von der Alexander von Humboldt-Stiftung vergebenen Stipendien haben das Ziel, internationale Wissenschaftskooperationen zwischen exzellenten ausländischen und deutschen Forscherinnen und Forschern zu fördern. Durch die Stipendien ermöglicht die Stiftung hoch qualifizierten ausländischen und deutschen Wissenschaftlern Forschungsaufenthalte in aller Welt, egal ob sie als junger Postdoktorand am Beginn Ihrer wissenschaftlichen Karriere stehen, ob Sie bereits als erfahrener Wissenschaftler etabliert sind. Gefördert werden dabei hoch qualifizierte, promovierte deutsche Wissenschaftler und ausländische Wissenschaftler aller Nationen und Fachgebiete im Alter bis zu 40 Jahren.

Benannt sind Stiftung und Stipendien nach dem berühmten deutschen Universalgelehrten Alexander von Humboldt, der nach seinem Studium des Bergwesens, der Mineralogie und der Geologie 1792 auf Geheiß des preußischen Ministers von Heinitz in die damals gerade preußisch gewordenen Fürstentümer Ansbach und Bayreuth gekommen war. Hier wirkte er bis 1795 unter anderem in Arzberg, Bad Steben und Wunsiedel, seinen Wohnsitz hatte er an der Stelle des heute nach ihm benannten Hotels in Goldkronach.

Bürgermeister Günther Exner bezeichnete Alexander von Humboldt in seiner Begrüßung als einen der weltweit ersten Global Player. Ziel sei es, Goldkronach als Alexander-von-Humboldt-Stadt zu etablieren, auf die große Geschichte des Goldbergbaus aufmerksam zu machen und alle Besucher über die herausragenden geologischen Besonderheiten zu informieren. Vizepräsident Stefan Leible von der Universität Bayreuth stellte den Stipendiaten die Hochschule mit ihren sechs Fakultäten und bald 11000 Studenten vor und wies auf die enge Zusammenarbeit mit der Alexander-von-Humboldt-Gesellschaft hin.

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