Stephan Herbert Fuchs
 

Start

 

ARCHIV:

2021

2020

2019

2018

2017

2016

2015

 

ARTIKEL
Bayreuther Festspiele
Feuilleton
Interviews

Justiz

Kirche
Landwirtschaft
Politik
Sonstiges
Umwelt

Wirtschaft
 

FOTOS
Bayreuther Festspiele
Menschen

Musik
Orte
Politik
Sonstiges

 

SPEZIAL
Elvis im Fichtelgebirge

 

Freizeittipps

 

Humboldt250

 

Kulmbacher Köpfe der Kultur

 

In eigener Sache

 

Kontakt

 

Impressum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

01.09.2022

Ausflugstipps zum Nulltarif (7):

Bollwerk im südlichen Landkreis / Heute lohnender Aussichtsturm, einst wichtiger Signalturm: Der Magnusturm bei Kasendorf

Kasendorf. Wie gut, dass es heute Handys gibt. In früheren Jahrhunderten gestaltete sich die Kommunikation ungleich schwieriger. Um von der Burg Zwernitz bei Wonsees Signale an die Plassenburg zu senden, musste eigens ein mächtiger Signalturm auf einer Anhöhe am südöstlichen Ortsrand von Kasendorf errichtet werden. An die 20 Meter hoch, mit einem Umfang von stattlichen 40 Metern und Mauern, die satte 3,80 Meter dick sind.

Seit über 500 Jahren steht der Turm nun schon dort. Im hohen Mittelalter war auf dem über 14 Hektar großen, unbewaldeten Gipfelplateau des knapp 500 Meter hohen Turmbergs eine Burg, über die nicht einmal mehr in historischen Urkunden berichtet wird. Flache Mulden sind hier und da noch im Boden zu sehen, die offensichtlich die Stellen anzeigen, an denen die Bauten einst standen. Die Steine wurden längst anderswo verbaut. Auch einige Wall- und Grabenreste aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit lassen sich noch erahnen. Offensichtlich war die Gegend bereits im 5. Jahrhundert vor Christi bereits besiedelt.

Als sicher gilt dagegen, dass auf den Fundamenten des einstigen Bergfrieds 1498 der Magnusturm errichtet wurde. So steht es jedenfalls auf einer der zahlreichen Infotafeln, die rund um den Turm und entlang der Wege errichtet wurden. Seinen Namen erhielt der Magnusturm von einer Kapelle, die vor langer Zeit am Fuße des Bergs stand.

Der Jetzige Eingang wurde erst im 19. Jahrhundert durch die Mauern gebrochen, der frühere Zugang wurde längst zugemauert und ist heute nicht mehr auszumachen. Im Jahr 1939 waren Teile des Turmes eingestürzt, erst 1950 wurden die Schäden behoben und der Turm wieder begehbar gemacht. Der Aufstieg über die 68 Stufen der engen Wendeltreffe wird mit einem weiten Ausblick auf das Kulmbacher Land und teilweise weit darüber hinaus bis in den Frankenwald, das Fichtelgebirge und den Thüringer Wald belohnt. In südlicher Richtung kann der Besucher die Hochflächen der Fränkischen Schweiz erkennen.

Zu Fuß ist der Magnusturm über den Friesenmühlweg, der am Ende von Kasendorf links abzweigt zu erreichen. Dort bietet es sich an, das Auto stehen zu lassen und die rund 100 Höhenmeter durch den Wald zu laufen. Wer näher ran möchte, fährt durch Kasendorf durch und biegt nach dem Aufstieg in Richtung Neudorf links ab. Bei der Beschilderung Kompostplatz kann man entweder das Auto stehen lassen oder die Flurwege noch ein Stück weiter fahren, an der ersten Kreuzung links bis zum Hinweisschild. Von dort aus geht es dann allerdings wirklich nur noch zu Fuß weiter.

Der Magnusturm liegt an den Wanderwegen mit einem weiß-blauen Balken markiertem Fritz-Hornschuch-Weg“, an dem mit der Zahl „64“ markiertem „Magnusweg“ und an dem mit einem roten Balken auf weißem Grund markierten Fernwanderweg „Östlicher Albrandweg“.

Bilder:
1.
 40 Meter Umfang, 20 Meter Höhe, fast vier Meter dicke Mauern und 68 Stufen nach oben: Der Magnusturm bei Kasendorf ist ein lohnendes Ausflugsziel.
2. Schattige Waldwege führen von mehreren Seiten auf den Magnusturm bei Kasendorf.

3.
 Hier kreuzen sich viele Wanderwege, der Magnusturm ist eben noch immer von zentraler Bedeutung.
4.
 Über Kasendorf schweift der Blick vom Turm weit über das Kulmbacher Land.
5.
 Über eine Wendeltreppe erreicht man die Aussichtsplattform. Mit einer Verglasung wird das Turminnere vor eindringendem Wasser geschützt.
6. Viele Schilder des „Fritz-Hornschuch-Lehrpfads“ informieren über geschichtliche Zusammenhänge.

8.
 Erst in späteren Jahren wurde dieser Zugang zum Magnusturm geschaffen. Der ursprüngliche Eingang ist längst zugemauert worden.

 

 

  nach oben


27.08.2022

Ausflugstipps zum Nulltarif (6):

Wo die Markgrafen zu Golfern wurden / Einst war sie die längste Lindenallee Europas – die Baille-Maille-Allee in Himmelkron

Die Markgrafen hatten schon ganz besondere Vorlieben, um es einmal vorsichtig zu formulieren. Die einen führten von Zeit zu Zeit ein Eremitenleben in prunkvollen Parks, die anderen bauten aufwändige Szenen aus überlieferten Sagen nach und wieder andere übten sich in einem Spiel mit hölzernen Hämmern und Kugeln, das ein Vorläufer des heutigen Golfspiels sein könnte. Letzteres fand unter anderem in der Baille-Maille-Allee von Himmelkron statt. Ab 1986 wurde diese Allee nach historischem Vorbild wieder aufgebaut, heute ist sie ein beliebtes Ausflugsziel für Familien mit Kindern, Spaziergängern und alle, die auf den Spuren der Markgrafen wandeln möchten.

600 Linden auf 800 Meter, allein das ist schon Sehenswert, und zwar zu jeder Jahreszeit. Einst soll das sogar der europäische Rekord gewesen sein. 1984 hatte sich ein Förderkreis privater Bürger zusammengefunden, mit dem Ziel, die historische Allee wiederaufzubauen. Das ging natürlich nicht von heute auf morgen. 1986 wurden die ersten 160 Bäume angepflanzt. 1992, genau 200 Jahre, nachdem die Preußen die ursprüngliche Allee abgeholzt hatten, wurde die letzte der 600 Linden gesetzt. Heute gibt es jährlich ein Alleefest, bei dem das Maille-Spiel wieder lebendig wird.

Das einfache Volk spielte damals auf der Straße. Dabei ging es darum, eine aus Buchsbaum gedrechselte Kugel (Baille) mit Hilfe eines hölzernen Hammers über eine bestimmte Distanz zu schlagen. Ähnlichkeiten mit dem Croquet- oder dem Golfspiel sind durchaus beabsichtigt. Der Adel spielte natürlich nicht auf der Straße, sondern in einer eigens angelegten Allee, der Baille-Maille-Allee.

Nachdem das Maille-Spiel heute kaum jemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken wird, hatte sich der Förderkreis für die Allee eine andere Attraktion ausgedacht. Zug um Zug war ab 2004 eine Kunstmeile entstanden. Eine Freiluftgalerie, umsonst und draußen sozusagen, mit interessanten Skulpturen unter anderem von Gerhard Böhm aus Himmelkron, Peter Luban aus Rößnitz, Udo Rödel aus Münchberg, Willi Seiler aus Wunsiedel und dem berühmt gewordenen, weil am meisten fotografierten Hochsitz, ein 2,60 hoher Stuhl von Ernst Hingerl aus Pettenreuth.

Auch das „Spiel“, ein „Lebensrad“ aus Granit und Metall, von Wolfgang Pietschmann wird gerne fotografiert und natürlich Ottmar Hörls „Folichon“-Hündchen. Dabei handelt es sich um farbige Nachbildungen des Zwerspaniels der Markgräfin Wilhelmine. Sie liebte nicht nur die Musik, die Oper, und die Kunst, sondern auch ihr Hündchen, das auf einigen Portraits verewigt wurde. Ganz neu ist die Installation „Touch and Turn“ von Ursula Opitz-Böhm. 24 zweiseitige Farbtafeln können je nach Lust, Laune und Kreativität so gedreht werden, dass die unterschiedlichsten Kombinationen möglich sind. Mathematiker haben errechnet, dass theoretisch insgesamt über 16 Millionen Kombinationen möglich sind.

Ganz am Schluss der Baille-Maille-Alle gibt es noch eine historische Besonderheit: die originale Rotmainbrücke, eine Bogenbrücke aus dem 17. Jahrhundert. Wer mag da alles schon darüber gegangen sein? Vielleicht der Markgraf Christian Ernst, der die erste Lindenallee ab dem Jahr 1662 anpflanzte. Oder war es Markgraf Georg Wilhelm, der in Anwesenheit seiner Schwester Christiane Eberhardine, der späteren Königin von Sachsen und Polen, das Theaterstück „Die beglückte Schäferin Bellinde“ aufführen ließ. Oder schließlich doch wieder die berühmte kunstsinnige Markgräfin Wilhelmine, Schwester Friedrichs des Großen, die über Himmelkron in ihren Memoiren schrieb: „Himmelkron ist ein reizender Fleck“.

Die Baille-Maille-Alle ist am Ortsrand von Himmelkron in Richtung Trebgast zu finden. Parkplätze gibt es am Beginn der Allee, die im Sommer reichlich Schatten spendet und die gerade für Kinder ein idealer autofreier Raum ist. Ab und zu wird immer an Sonntagen etwa auf halber Höhe ein Café eingerichtet, das Vereine aus Himmelkron bewirtschaften.

Bilder:
1.
 Eine traumhafte Aussicht über den Weißen Main zur Stiftskirche bietet sich dem Spaziergänger vom Startpunkt der Baille-Maille-Allee aus.
2.
 Verschiedene Sitzgelegenheit und Pavillons laden entlang der Allee zur Rast ein.
3.
 600 Linden auf 800 Metern Länge: allein diese Zahlen sind schon rekordverdächtig.
4. Dieses „Lebensrad“ aus Granit und Metall des Künstlers Wolfgang Pietschmann war eine der ersten Kunstwerke, das entlang der Baille-Maille-Alle installiert wurde.
5.
 An Wilhelmine und ihren oft portraitierten Hund „Folichon“ erinnern diese Kunststoff-Plastiken des Künstlers Ottmar Hörl.
6.
„Touch and Turn“ hat Ursula Opitz-Böhm ihre Installation genannt, die erst 2020 am Ende der Allee errichtet wurde.

 

nach oben


25.08.2022

Ausflugstipps zum Nulltarif (5):

Weitsprung mit Waldtieren und barfuß unter Baumkronen/ Wissen um Flora und Fauna: Der Naturlehrpfad am Rehberg ist ein beliebtes Ausflugsziel für Familien mit Kindern

In einer Zeit, in der Schlagworte wie Natur- und Artenschutz, Klimawandel oder Nachhaltigkeit die öffentliche Diskussion beherrschen, wird fundiertes Wissen um Zusammenhänge in der Natur immer wichtiger. Woher könnte man dieses Wissen besser beziehen, als direkt vor Ort, im Wald beispielsweise.

In Kulmbach ist das schon lange möglich. Der Naturlehrpfad am Rehberg, der vor wenigen Jahren ganz neu und modern gestaltet wurde, informiert über Baumarten, Waldbewirtschaftung Waldumbau und Waldverjüngung, über die Tiere des Waldes, ihren Schutz und über vieles mehr. Dazu gibt es auf einem gut ausgeschilderten, rund vier Kilometer langen Rundweg 21 Stationen. Dabei handelt es sich nicht nur um trockene Infotafeln, sondern auch um Stationen, die dazu anregen, selbst aktiv zu werden. Höhepunkt des Weges ist im wahrsten Sinne des Wortes freilich der 30 Meter hohe Rehturm, von dem aus der Betrachter spektakuläre Ausblicke auf Kulmbach und die Plassenburg genießen kann.

Man glaubt gar nicht, wie viele Familien mit Kindern man selbst unter der Woche bei gutem Wetter hier antrifft. Dabei war das Gebiet um den Rehturm herum schon immer Ziel zahlreicher Schulausflüge, Wandertage und Sonntagsspaziergänge. „So gut wie jeder Kulmbacher ist während seiner Schulzeit schon hierher gewandert“, heißt es deshalb auch auf einer Tafel am Turm, die über die wechselvolle Geschichte des kuriosen Bauwerks informiert. 1498 wurde der Turm von Markgraf Friedrich dem Älteren erstmals errichtet, als Wart- und Signalturm. Im Laufe der Geschichte wurde der Rehturm mehrfach zerstört, immer wieder aufgebaut, renoviert und verändert, bis er 1972 wegen Baufälligkeit geschlossen werden musste. Dem Einsatz engagierter Bürger ist es zu verdanken, dass er 1976 wieder eröffnet werden konnte. Heute präsentiert er sich erstaunlich sauber und vom sonst üblichen Vandalismus verschont. Eine Turmbesteigung ist auf jeden Fall ein Muss, Kamera nicht vergessen.

Geht man den Naturlehrpfad anders herum, kommt der Rehbergturm ziemlich am Schluss des Weges. Vorher kann man sich beispielsweise im Weitsprung mit Waldtieren messen, sein Wissen über Flora und Fauna bei Naturrätseln unter Beweis stellen oder barfuß den Waldboden und seine Besonderheiten erspüren.

Angelegt wurde der Pfad unter pädagogischen Gesichtspunkten, die kleinen und großen Entdeckern die Augen für die Besonderheiten der Natur öffnen sollen. „Da man mit Schautafeln allein nur einen geringen Lerneffekt erreicht, verwirklichen wir ein handlungsorientiertes Konzept“, sagt Stadtförsterin Carmen Hombach. Was mit mehreren Sinnen erfahren wird, präge sich auch leichter ein.

So soll an den 21 Stationen vor allem der Forscherdrang geweckt werden. Da gibt es Klapptafeln, auf denen vorne die Frage, hinten die Antwort steht, einen eigenen Baumartenpfad und hölzerne Liegestühle. Dort kann man die Seele einmal baumeln lassen, wie es so schön heißt, seine Blicke in die Baumkronen schweifen lassen und den Wald aus einer ganz anderen Perspektive entdecken. Aber auch informative und graphisch ansprechende Tafeln gibt es, die beispielsweise über das Leben im Reisighaufen vom Igel bis zur Blindschleiche, von der Eidechse bis zum Regenwurm informieren.

Ausgangspunkt für den Naturlehrpfad ist der Parkplatz Am Rehberg, mit dem Auto über die Weiherer-, Dr.-Martin-Luther- und Gustav-Adolf-Straße zu erreichen. Vom Start- und Zielpunkt aus führt der Weg über gut befestigte Waldwege bis zur Kreuzung Tennach/Hölle/Kessel. Zurück geht es auf einen parallel dazu verlaufenden Hohlweg. Zu beachten ist, dass der gesamte Verlauf ausschließlich durch bewaldetes Gebiet geht und auch einige Steigungen bewältigt werden müssen. Festeres Schuhwerk ist deshalb nicht unbedingt fehl am Platz. Zwei Stunden Gehzeit sollte man für den Naturlehrpfad plus Turmbesteigung durchaus einplanen.

Bilder:
1.
 Am Start und Ziel nahe des Parkplatzes Am Rehberg gibt eine Tafel einen Überblick über den Naturlehrpfad.
2. Fragen und Antworten zum Thema Wald gibt es an dieser Station.
3.
 Auf diesen hölzernen Liegen kann der Wanderer Baumkronen aus einer ungewohnten Perspektive betrachten.
4.
 Gut begehbare Waldwege laden ein, um sich einer Auszeit vom Alltag zu nehmen.
5.
 Pilzkunde für Anfänger und Fortgeschrittene ist das Thema dieser Station nahe des Rehturmes.
6.
 Wie von einem Baumwipfelpfad aus kann der Spaziergänger nach einer Turmbesteigung den Wald betrachten.
7.
 Spektakuläre Ausblicke auf Kulmbach und die Plassenburg bietet der 30 Meter hohe Rehturm.
8.
Mehrfach zerstört und immer wieder aufgebaut ist der Rehturm ein lohnendes Ausflugsziel. Generationen von Schulklassen waren schon da.

 

nach oben


23.08.2022

Ausflugstipps zum Nulltarif (4):

Mediterranes Flair am Roten Main / Mittelalterlicher Klostergarten im Kleinformat: Der Kräutergarten von Langenstadt

Langenstadt. Riechen, pflücken, schmecken, all das ist ausdrücklich erlaubt im Kräutergarten von Langenstadt. „Hier ist nichts giftig“, sagt Bernhard Seubert, Vorstandsmitglied des örtlichen Gartenbauvereins, der für das Areal zuständig ist. Selbst kleine Kinder können sich frei bewegen, ohne dass sich die Eltern Sorgen machen müssen.

Fast 20 Jahre gibt es den Kräutergarten schon. Der „mittelalterliche Klostergarten im Kleinformat“ wurde damals im Rahmen der Aktion „Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft“ angelegt. „Eigentlich erklärt sich der Garten von selbst“, so Bernhard Seubert, der auf die ausführlichen Erläuterungen auf den kleinen Tafeln verweist, die bei den Pflanzen im Boden stecken. Dort geht es vor allem auch um die Anwendungsgebiete der Heilkräuter, die meist seit Jahrhunderten unverändert geblieben sind. Für die Mönche sei dies im Mittelalter ein großes Betätigungsfeld gewesen.

Der parkähnlich angelegte Kräutergarten bietet aber nicht nur Heilkräuter. Auch allerhand Gemüsesorten, Gewürzpflanzen, Obstbäume, all das wächst und gedeiht hier prächtig. Die Quitten hängen praktisch rappelvoll, auch Trauben darf der Besucher naschen, Johannisbeeren, Stachelbeeren oder Himbeeren sowieso.

Für Bernhard Seubert hat der Garten durchaus mediterranes Flair. Beste Zeit für einen Besuch sei Ende Juni, Anfang Juli, dann stehe alles in höchster Blüte und im satten Grün. Aufgrund der extremen Trockenheit sei es diesmal ein wenig anders, obwohl die Gartenfreunde regelmäßig gewässert haben. Sogar einen eigenen Brunnen gibt es.

Früher war das knapp 500 Quadratmeter große Areal der Pfarrgarten von Langenstadt. „Zuletzt war alles stark verwildert“, weiß Edith Preußinger, die der Vorstandschaft des örtlichen Gartenbauvereins ebenfalls als Beisitzerin angehört. „Das hat halt so vor sich hingeschlummert, bis der Gartenbauverein sich der Sache angenommen hat.“

Bernhard Seubert bedauert, dass es generell nicht mehr so viele Insekten gibt. Um einen kleine Beitrag gegen das Insektensterben zu leisten, haben er und seine Mitstreiter deshalb gerade das Insektenhotel vor dem Garten erneuert. Schmetterlinge ziehen allerdings schon ihre Bahnen zwischen den Blüten und die alte Kirchenmauer ist ein idealer Lebensraum für Zauneidechsen.

Heute treffen sich die Gartenfreunde in der Regel einmal pro Woche zum Pflegen, zum Gießen und zum Plaudern. Oft kommen Busse, zum Beispiel von anderen Gartenbauvereinen, dann macht Bernhard Seubert auch gerne mal eine Führung. Besonders zur Landesgartenschau 2016 in Bayreuth sei hier viel los gewesen. Auch der Oberfränkische Kräutertag wurde bereits zwei Mal vom Gartenbauverein Langenstadtausgerichtet. Der Gartenbauverein Langenstadt ist eine feste Größe in dem Dorf mit seinen rund 200 Einwohnern, das direkt am Roten Main liegt. In etwa jeder Dritte ist Mitglied, was die starke Verbundenheit der Langenstädter mit der Natur zeigt.

„Man kann hier schon zwei Stunden verbringen“, sagt Bernhard Seubert. Am Ende des Gartens lädt eine schattige Sitzgruppe zur Rast. Ein Besuch der benachbarten Pfarrkirche „Unsere Liebe Frau“ bietet sich an. Sollte die Kirche geschlossen sein, kann sich der Besucher den Schlüssel im nahen Gasthaus ausleihen.

Der Kräutergarten von Langenstadt ist ganzjährig geöffnet, der Eintritt ist frei. Angemeldete Führungen kosten eher einen symbolischen Preis, der für die Vereinskasse bestimmt ist. Der Garten befindet sich hinter der Kirche, Parkmöglichkeiten sind vorhanden, die Zufahrt ist ausgeschildert.

 

nach oben


20.08.2022

Ausflugstipps zum Nulltarif (3)

Herausragendes Beispiel barocker Gartenkunst / Das vergessene Paradies von Sanspareil: Wo die Bayreuther Markgrafen einst rauschende Feste feierten - Der Felsengarten von Sanspareil nahe Wonsees

Wonsees. „C´est sans pareil!“ („Das ist ohnegleichen!“) soll ein namentlich leider unbekannt gebliebener Gast des Bayreuther Markgrafen Friedrich ausgerufen haben, als er auf der Jagd gerade die bizarre Felsenwelt in dem Buchenhain nahe der Burg Zwernitz durchstreifte. Damit hatte der Ort auch schon seinen Namen: Sanspareil. Die Anekdote beweist auch, dass zumindest die Herrschenden damals ganz offensichtlich französisch sprachen, um sich damit vom „einfachen Volk“ abzuheben.

Diese Zeiten sind längst vorbei, Sanspareil aber gibt es immer noch. Heute gilt der Felsengarten mit dem markanten Morgenländischem Bau und dem kleinen Felsentheater als einer der ältesten Landschaftsgärten Europas. 2022 wurde Sanspareil sogar zu „Deutschlands schönstem Park“ gekürt. Zusammen mit der benachbarten Burg Zwernitz ist er ein beliebtes Ausflugsziel, das Bayreuther Festspielgäste genauso gerne aufsuchen, wie Tagestouristen aus der Region sowie Spaziergänger und Jogger aus der Umgebung. Obwohl im Landkreis Kulmbach gelegen, reiht sich Sanspareil nahtlos ein in die markgräflichen Attraktionen des Bayreuther Landes, wie Neues Schloss mit Hofgarten und Eremitage in Bayreuth oder Schlosspark Fantaisie in Donndorf.

Natürlich geht die Idee der gesamten Anlage auf die kunstsinnige Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth zurück. Auf wen sonst, möchte man fast sagen. Anders als ihr berühmter Bruder hatte die Lieblingsschwester Friedrich des Großen nie die politische Bühne betreten. Markgräfin Wilhelmine widmete sich lieber den schönen Künsten und erdachte sich neben literarischen und musikalischen Werten landschaftliche und bauliche Anlagen, mit denen sie unsterblich werden sollte.

In Sanspareil wollte die Markgräfin nach dem Vorbild des Romans „Die Abenteuer des Telemach“ des französischen Philosophen Francois Fenelon die Szenerie der homerischen Zauberinsel Ogygia schaffen und dabei die bizarren Felsformationen in das poetische Programm einbeziehen. Ob ihr das gelungen ist, lässt sich heute, weit über 250 Jahre später nicht mehr so genau sagen. Zu sehr hat sich das Areal verändert und die Natur hat wieder Besitz von dem Landstrich ergriffen. Doch geblieben ist Sanspareil, zumindest in seinen wesentlichen Elementen.

Der Morgenländische Bau, das Zentrum des reizvollen Ensembles, entstand in den Jahren 1744 bis 1747 nach den Plänen des prominenten Hofbaumeisters Joseph Saint-Pierre und des Stuckateurs Baptiste Pedrozzi, die auch an vielen anderen Stellen in der Region ihre Spuren hinterlassen haben. Zweck des eigenwilligen Baus war es, einen repräsentativen Raum für Festlichkeiten des Hofes zu schaffen. Deshalb wurde in direkter Nachbarschaft auch ein eigener Küchenbau errichtet. Rings herum wurde ein reizvoller Garten angelegt, der erst 1984 nach einem alten Stich wieder richtig rekonstruiert wurde.

Im angrenzenden Landschaftsparkt, das als herausragendes Beispiel barocker Gartenkunst gilt, gab es einst zahlreiche kleinere Bauten, Aussichtspavillons zum Beispiel, die sich meist an asiatischen Vorbildern orientierten. Erhalten ist davon praktisch nichts mehr, außer dem Ruinentheater, das noch immer regelmäßig, etwa von der Bayreuther Studiobühne bespielt wird.

In der Burg Zwernitz in der Nachbarschaft, einst Stammsitz des oberfränkischen Geschlechtes der Walpoden, gibt es seit 2011 eine reizvolle Dauerausstellung zum Thema „Markgräfliche Jagd“ zu sehen. Wenn in der Ausstellung ausgerechnet das Thema Jagd dominiert, dann deshalb, weil die Jagd wie in allen Höfen des Barockzeitalters eine herausragende Stellung einnahm. Fast alle Markgrafen sollen passionierte Jäger gewesen sein.

Info:

„Sanspareil“ gehört zur Gemeinde Wonsees. Der Landschaftsgarten ist zu allen Tages- und Jahreszeiten kostenfrei zugänglich. Die Besichtigung des Morgenländischen Baus ist immer von April bis Mitte Oktober im Rahmen von Führungen möglich, die Eintritt kosten.

 

 

nach oben


16.08.2022

Ausflugstipps zum Nulltarif (2):

Infopoint für Äschen, Barben und Forellen / Flora, Fauna, Fischerei: der Natur- und Tourismuspunkt „Mainzusammenfluss“

Frankenberg. Nase, Döbel, Rutte, Gründling: Nur Fachleute kennen diese und viele andere Fischarten noch. Dabei sind sie alle heimisch. Der Rote und der Weiße Main, das sind ihre Tummelplätze. Aber auch neben dem fischereilichen Aspekt ist der „Mainzusammenfluss“ bei Frankenberg nahe dem barocken Schloss Steinenhausen (heute Außenstelle des Landesamtes für Umwelt) ein interessantes Ziel, ein markanter und symbolträchtiger Ort der Ruhe, der Ausflügler, Spaziergänger, Radfahrer und Wanderer zur Rast einlädt.

Um die Bedeutung des Mains für den Naturschutz einer breiten Bevölkerung wieder ins Bewusstsein zu rufen, hat der Bezirksfischereiverein Kulmbach zusammen mit einigen Mitstreitern Informationstafeln an der „Mainwiege“ errichtet. Entstanden ist das, was man neudeutsch einen Infopoint nennen könnte. Die drei großformatigen Tafeln weisen mit vielen Bildern auf die fischereilich interessanten Aspektes des Mains hin.

Früher sei der Artenreichtum sogar noch größer gewesen, so erfährt man es beim Studium der Tafeln. Lachs, Stör, Meerforelle, Flussneunauge, Maifisch und sogar den Aal habe es im Main hier tatsächlich gegeben. Im Zuge der Industrialisierung habe sich der Main allerdings einem starken Gewässerausbau beugen müssen. Wasserkraftnutzung habe ihr übriges getan und die aquatischen Lebensräume und Fischbestände beeinträchtigt. Die meisten dieser Langdistanzwanderer gelten heute als verschollen.

In den zurückliegenden Jahrzehnten seien allerdings viele Anstrengungen unternommen worden, um für eine bessere Wasserqualität zu sorgen und Wasserhindernisse für Fische durchgängig zu bekommen. So sind sie laut Fischereiverband wieder prägend für den Fischbestand im Main: die Barbe und die Nase. Gerade der Barbenbestand habe sich durch viele Gewässerrenaturierungen wieder gut erholt. Die Nase gilt dagegen noch immer als gefährdet, obwohl sie einst als Massenfisch vorkam.

Alle Interessierten erfahren auf den Tafeln direkt vor Ort, dass gerade der Oberlauf des Mains aufgrund seiner starken Strömung und dem hohen Sauerstoffgehalt des Wassers als Forellenregion gilt. Aber auch Äschen fühlen sich in dem breiten Bachbett mit viel Kies und Geröll am Gewässerboden wohl. Wenn der Main dann breiter wird kommen die Barben aufgrund des abnehmenden Sauerstoffgehalts und der ansteigenden Wassertemperatur ins Spiel.

Dazu hat der Fischereiverband eigens eine nagelneue Sitzbank aufgestellt und das gesamte Gelände ansprechend und barrierefrei zu einem idyllischen Rastplatz umgestaltet. Dank der architektonisch überaus gelungenen Mainbrücke ist es möglich, vom Rotmain-Radweg direkt auf den Mainradweg, zwei überörtliche bedeutende Fernradwege, zu gelangen. Auch der 540 km lange „Mainwanderweg“ vom Fichtelgebirge bis zur Mündung in den Rhein, sowie der Wanderweg „Frankenweg und weitere gut ausgeschilderte Wanderwege führen unmittelbar am „Mainzusammenfluss“ vorbei. Die Mainwiesen drumherum laden zu ausgedehnten Spaziergängen ein.

Der Infopoint am „Mainzusammenfluss“ soll auch daran erinnern, dass der Main der wichtigste rechte Nebenfluss des Rheins mit einer Fließstrecke von 524 Kilometern ist, ehe er bei Mainz in den Rhein mündet. Die Quelle des Weißen Mains liegt im Fichtelgebirge, die des Roten Mains nahe des Städtchens Creußen im Landkreis Bayreuth.

Der „Mainzusammenfluss“ ist am besten über Katschenreuth – Frankenberg zu erreichen. Vom dortigen kleinen Parkplatz aus sind es etwa 300 Meter Fußweg. Weitere Spazier- und Wanderwege gibt es von Melkendorf oder vom Naherholungsgebiet Oberauhof („Kieswäsch“) aus.

 

 

nach oben


13.08.2022

Ausflugstipps zum Nulltarif (1):

Touristischer Anziehungspunkt und teichwirtschaftliches Juwel / Karpfen, Zander und Hechte: Thurnauer Schlossweiher trägt das Prädikat „Kulturgut Teich“

Thurnau. Als man noch Ansichtskarten verschickt hat, galt der Schlossweiher von Thurnau mit der mächtigen Schlossanlage im Hintergrund als eines der beliebtesten Motive in ganz Oberfranken. An der prächtigen Ansicht hat sich nichts verändert, nur dass dieses herausragende Ensemble heute eher mit dem Smartphone festgehalten wird und per Facebook, WhatsApp oder Instagram seine Adressaten erreicht. Die Naherholungsanlage am Schlossweiher und der mittelalterliche Stadtkern mit Schloss, Markgrafenkirche und Töpfermuseum gelten als eines der beliebtesten Ausflugsziele im Kulmbacher Land.

Der Schlossweiher von Thurnau ist längst als überregional bedeutsames Kulturgut ausgezeichnet worden. Das Gewässer präge seit über 300 Jahren das gesamte Ensemble, werde bis heute teichwirtschaftlich genutzt und trage maßgeblich zum Erhalt der Artenvielfalt bei, heißt es auf einer Urkunde der Teichgenossenschaft Oberfranken aus dem Jahr 2011. Dokumentiert wird die Auszeichnung durch eine Informationstafel, die damals direkt am Ufer in unmittelbarer Nähe zum Schloss aufgestellt wurde.

Die älteste bildliche Wiedergabe des Thurnauer Schlossweihers geht auf einen Stich aus dem Jahr 1710 zurück. Mitte des 19. Jahrhunderts sollte der Weiher trockengelegt und in landwirtschaftliches Areal umgewandelt werden. Der Chronik zufolge sei diesem Vorhaben aber kein durchschlagender Erfolg beschieden gewesen. Über 100 Jahre lang habe sich das Gelände als sumpfige Weiherwiese präsentiert. Erst 1975 beschloss der Markt die Umarbeitung des damals als „Brennesselloch“ bezeichneten Geländes in die Naherholungsanlage Schlossweiher umzuwandeln, die drei Jahre später in der heutigen Gestalt eröffnet wurde. Der Schlossweiher ist rund 1,4 Hektar groß und bis zu 1,80 Meter tief. Der Fischbesatz besteht unter anderem aus Karpfen, Rotfedern Moderlieschen, Zandern und Hechten. Eigentümer des Weihers ist die Familie des Freiherrn Hiller von Gaertringen, Pächter der Markt Thurnau.

Neben einer traditionsreichen Geschichte kann der Schlossweiher vor allem durch seine landschaftsprägende und ökologische Bedeutung punkten. Das Gewässer ist auch ein Paradebeispiel dafür, wie Ökologie und Ökonomie in Einklang gebracht werden können. Die kulturhistorische Bedeutung des Gewässers gilt als unbestritten und hat als Fischgewässer mit reichlichem Besatz eine herausragende Bedeutung. Teiche, wie der in Thurnau, prägen und bereichern das Landschaftsbild, sie verbessern das Kleinklima in ihrem Umfeld und sind wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Teiche speichern aber auch das Wasser in der Fläche, eine Funktion, die vor dem Hintergrund des Klimawandels in Zukunft immer wichtiger wird.

Für eine Wanderung ist der Rundweg freilich zu kurz. Für einen gemütlichen Spaziergang gerade richtig, zumal es viele Sitzgelegenheiten an lauschigen Plätzen gibt. Danach kann der Ausflügler nicht nur durch den malerischen Ort streifen und die astronomischen Angebote nutzen, sondern auch das gewaltige Schloss umrunden, dessen Ursprünge bis in das 13. Jahrhundert zurückreichen und das seitdem immer wieder durch Anbauten verändert wurde. Heute beherbergt es eine Außenstelle der Universität, eine gastronomische Nutzung und wird auch als Ort des Theaterspiels („Schlossfestspele Thurnau“) und als Konzertstätte genutzt.

Gleich nebenan auf dem historischen Marktplatz und durch einen Brückengang mit dem Schloss verbunden findet der Spaziergänger die evangelisch-lutherische Hauptkirche des Dekanatsbezirks Thurnau, St. Laurentius. Reiche Stuckarbeiten, prachtvolles Schnitzwerk und schöne Deckenmalereien zeugen vom einstigen Reichtum und der großen Bedeutung des Marktes. Wer mehr über die Geschichte der hier ansässigen Töpfereien erfahren möchte, ist in der ehemaligen Lateinschule neben der Kirche am richtigen Ort. Im dortigen Töpfernmuseum (Eintritt!) wird die Geschichte Thurnaus als Zentrum des Kunsthandwerks kurzweilig und unterhaltsam anhand zahlreicher Ausstellungsstücke dokumentiert.

Bilder:
1.
 Galt einst als eines der beliebtesten Postkartenmotive Oberfrankens. Der Schlossweiher vor dem mächtigen Schloss von Thurnau.
2.
 Eine Informationstafel am Ufer des Thurnauer Schlossweiher weist auf die herausragende kulturhistorische und ökologische Bedeutung des Gewässers hin.
3.
 Idylle pur: der Obere Markt von Thurnau mit Blick auf St. Laurentius, eine der bedeutendsten Markgrafenkirchen im Kulmbacher Land.
4.
 Neptun bewacht das sehenswerte Ensemble des Unteren Marktes in Thurnau mit Schloss und Kirche.

nach oben


29.07.2022

Eine Reise zum tiefsten Loch der Erde / Denkmal für eine der größten technischen Meisterleistungen

Windischeschenbach. „Eine Reise zum Mittelpunkt der Erde“ ist der Titel von einem der bekanntesten Romane des französischen Schriftstellers Jules Verne. Ein Unterfangen, das dem mehrfach verfilmten Werk ziemlich nahe kommt ist die Kontinentale Tiefbohrung (KTB) bei Windischeschenbach, wenige Kilometer nördlich von Weiden in der Oberpfalz.

Das dort gebohrte Loch gilt als das tiefste, das jemals in die Erde gebohrt wurde. 9101 Meter waren es genau, die man zwischen 1990 und 1994 in die Erdkruste getrieben hatte. Heute ist die Anlage ein imposantes Forschungsdenkmal und das dazugehörige Bildungs- und Infozentrum ist zugleich ein beliebtes Ausflugsziel. Der 83 Meter hohe Bohrturm war im Jahr 2000 sogar ein Expo-Projekt.

Das GEO-Zentrum an der Kontinentalen Tiefbohrung (KTB) gilt als eine bundesweit einzigartige Umweltstation und zugleich als das erste deutsche Großprojekt geowissenschaftlicher Grundlagenforschung. Mehrere hundert Wissenschaftler haben ihre Ergebnisse beispielsweise zur Erdbebenforschung inzwischen in mehreren tausend Veröffentlichungen publiziert. Sie konnten auch viele Fragen zu chemischen und physikalischen Zustandsbedingungen und zu den Vorgängen in der tieferen kristallinen Erdkruste klären.

Betreiber der Einrichtung ist ein Träger- und Förderverein. Hinter dem Tiefbohrprogramm steckt die Idee, die kontinentale Erdkruste durch eine übertiefe Bohrung zu erkunden. „Wir wollten die Zustandsbedingungen und die Prozesse in der Erdkruste unmittelbar erforschen“, sagt der wissenschaftliche Leiter Dr. Franz Holzförster. Im Schnitt seien 160 Arbeiter und 70 Wissenschaftler dauerhaft auf dem Gelände gewesen. Gebohrt wurde im Vier-Schicht-Betrieb, also rund um die Uhr, sogar an Weihnachten, denn der Bohrer konnte nicht einfach so ausgeschaltet werden.

Mit der größten Landbohranlage der Welt wurde bei Windischeschenbach die Kontaktzone zweier großer Kontinentalschollen erforscht. Die Untersuchungen sowie der Aufbau der Anlage begannen bereits im Jahr 1987. „Erste Planungen gehen sogar bis in die 1950er Jahre zurück“, so der wissenschaftliche Leiter. Die Bohrung selbst habe die Technik vor noch nie dagewesene Aufgaben gestellt: Bei Temperaturen bis zu unvorstellbaren 300 Grad Celsius habe man schließlich in steil gefalteten harten Gesteinsschichten, von zahlreichen brüchigen Störungen durchzogen, senkrecht bohren müssen.

Mehrfach kam die Bohrung aufgrund von Problemen zum Stillstand. „Zweifelsohne stellt diese Tiefbohrung eine der größten technischen Meisterleistungen überhaupt dar“, sagt Dr. Frank Holzförster. Daran beteiligt waren nicht nur die Universitäten von Karlsruhe, Kiel und Potsdam, sondern auch von Wyoming in den USA oder Wuhan in China. Das Bohrloch mit einem Durchmesser zwischen 22 und 77 Zentimeter ist noch immer offen, es wird weiterhin für wissenschaftliche Untersuchungen genutzt, direkt besichtigen kann man es aber nicht.

Doch warum gerade Windischeschenbach? Hier verläuft die Nahtstelle zweier Kontinentalplatten mit den seltsamen Namen Moldanubikum und Saxothuringikum, anders ausgedrückt, zwischen Ur-Afrika und Ur-Europa. Die Kollision dieser beiden Platten ist allerdings schon eine Weile her, 320 Millionen Jahren schätzt man.

Absolut imposant ist der 83 Meter hohe Bohrturm. Im Rahmen von Führungen kann man bis zur ersten Plattform in 17 Metern Höhe gelangen und von dort aus die Aussicht in den Oberpfälzer Wald genießen. In der Ausstellung ist die komplette Geschichte der Bohrung und der dazugehörigen Technik dokumentiert, der Besucher erfährt alles rund um das Thema Geologie, es geht um Rohstoffe und Edelsteine. Man erfährt, wie ein Vulkan funktioniert und wie ein Erdbeben abläuft. Dazu gibt es eigens einen Erdbebensimulator. „Man findet auf dem Gelände etwas für die ganze Familie“, sagt Frank Holzförster, sogar einen Sandkasten mit „Edelsteinen“ für die Kleinsten.

Seit einigen Jahren befindet sich im Geozentrum ein Labor zur Lehrerfortbildung und als außerschulischer Lehrort. Unter pädagogischer Anleitung können Schüler dort unter anderem Bodenproben analysieren oder Geländeuntersuchungen mit Hammerschlag-Seismik durchführen. An die 8000 Schüler kämen so im Schnitt pro Jahr nach Windischeschenbach. Alljährlich findet am Geozentrum eine Mineralienbörse statt, bei der die heimischen Schätze nicht nur gezeigt werden, sondern auch erworben werden können.

 

Kultur Info:

- Für jedes Alter

- Halbtagesausflug, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei rund zwei Stunden.

- Lage: Windischeschenbach liegt an der Bundesstraße B22, knapp 20 Kilometer nördlich von Weiden. Vor Ort ist die Tiefbohrung nicht nur gut ausgeschildert sondern auch weithin sichtbar.

- Öffnungszeiten: Sommerzeit täglich 10 bis 18 Uhr, Winterzeit Dienstag bis Sonntag, 10 bis 16 Uhr. Für Führungen ist eine Voranmeldung erforderlich. Weihnachten, Silvester und Neujahr geschlossen.

- Einkehr: Vor Ort gibt es einen Kaffeeautomaten und Sitzmöglichkeiten. Gasthäuser und Cafes gibt es in Windischeschenbach und im nahen Erbendorf.

- Weitere Auskünfte: Geo-Zentrum an der Kontinentalen Tiefbohrung, Am Bohrturm 2, 92670 Windischeschenbach, Telefon 09681/400430, E-Mail: info@geozentrum-ktb.de.

Bilder:
1.
 Der weltweit höchste Landbohrturm ist weithin sichtbar.
2.
 Etwas außerhalb von Windischeschenbach ist die Kontinentale Tiefbohrung gut ausgeschildert zu finden.
3.
 Herkömmliche Bohrer taugen nichts für das tiefste Loch der Erde, da braucht es schon derartige Rollenbohrmeißel, wie diesen, der auch tatsächlich vor Ort zum Einsatz kam.
4.
Der wissenschaftliche Leiter Dr. Frank Holzförster erläuterte die Dauerausstellung mit dem Titel“ System Erde“.
5.
 An der „Potsdamer Kartoffel“ erläutert Dr. Frank Holzförster die Verteilung der Erdmassen und damit das räumlich ungleichförmige Schwerefeld der Erde.
6. Verschiedene Gesteinsarten sind im Außenbereich der Kontinentalen Tiefbohrung ausgestellt

nach oben


29.07.2022

Flur und Kunst in der Fränkischen Toskana / Skulpturenwege nahe Bamberg verbinden Kunstgenuss und Wanderfreuden

Skulpturen international anerkannter Bildhauer stehen normalerweise im Museum. Den Weg können sich Kunstinteressierte durchaus aber auch einmal sparen. Im Ellertal, wenige Kilometer östlich der Domstadt Bamberg, gibt es jede Menge gegenständlicher und abstrakter Kunstwerke unter freiem Himmel, eine Outdoor-Kunstgalerie mitten in der Fränkischen Toskana, wie die sanft hügelige Landschaft mit ihren vielen Streuobstwiesen gerne genannt wird. Rund um die idyllisch gelegenen Orte Litzendorf, Lohndorf und Memmelsdorf im Bamberger Land gibt es gleich mehrere Skulpturenwege, auf denen der Besucher Kunstgenuss und Wanderfreude ideal verbinden kann. Die Wege wurden mit den Jahren immer wieder verändert und erweitert.

Skulpturenweg 1: „Die Fränkische Straße der Skulpturen“

Der akademische Bildhauer Ad Freundorfer aus Lohndorf war es, der 1994 die „Fränkische Straße der Skulpturen“ gründete. Sämtliche Werke wurden speziell für die Region geschaffen und haben einen engen Bezug zum jeweiligen Standort. Die Arbeiten sind das Ergebnis eines Bildhauersymposiums. Der Skulpturenweg startet in Litzendorf an der Tourist Info (Am Wehr 3) und führt um den Nachbarort Lohndorf herum. Der beschauliche Rundwanderweg ist gut zehn Kilometer lang, Allerdings kann man praktisch bei jeder Skulptur starten und auch nur Teilstücke beispielsweise rund um Lohndorf bequem erwandern. Zur „Fränkischen Straße der Skulpturen“ gehört auch „Der „Sieger“, eine Landart-Skulptur des Bildhauers Harald Müller aus dem brandenburgischen Mittenwalde, die längst zum künstlerischen Wahrzeichen der fränkischen Toskana geworden ist. Er steht in einer Wiese von Litzendorf kommend unmittelbar hinter Lohndorf und ist mittlerweile zu einem beliebten Fotomotiv geworden.

Skulpturenweg 2: „Figur im Focus“

Auf dem Parkplatz des weithin sichtbaren Schlosses Seehof in Memmelsdorf beginnt ein weiterer Skulpturenweg, der den Titel „Figur im Focus“ trägt und der auf ein internationales und hochkarätig besetztes Bildhauersymposium des Jahres 2009 zurückgeht. Unter anderem aus Bulgarien, Ecuador, Italien und sogar aus Syrien haben Bildhauer daran teilgenommen. Initiator war ebenfalls der ortsansässige Künstler Ad Freundorfer. Auch dieser Weg ist knapp zehn Kilometer lang, führt durch den großzügigen Park von Schloss Seehof fast bis zum Nachbarort Pödeldorf und über Meedensdorf wieder zurück nach Memmelsdorf. Entlang der Gemeindeverbindungsstraße von Memmelsdorf nach Litzendorf kann man aber auch bequem mit dem Fahrrad auf einem gut ausgebauten und asphaltiertem Weg fahren oder einen Fotostopp mit dem Auto einlegen.

Skulpturenweg 3: „Kunst und Besinnung“

Einen kleinen symbolischen aber gerade in diesen Zeiten umso wichtigeren Beitrag für eine friedvolle Zukunft will der 1949 in Bamberg geborene bildende Künstler Robert Hoffmann aus dem nahen Litzendorf mit seinem drei Kilometer langen „Kunst- und Besinnungsweg“ leisten, An 16 Stationen möchte er Denkanstöße geben und „im Betrachter ein Bewusstsein wecken, das Verantwortung für die Schöpfung hervorbringt“. Bemerkenswert ist, dass der frühere Pädagoge mit verschiedensten Materialien gearbeitet hat: mit Granit, Eichenholz, Edelstahl, Metall, Kalk- und Sandstein. Der Weg wurde 2005 eingeweiht und nach der Schaffung mehrerer neuer Skulpturen im Juni 2016 wiedereröffnet. Start und Ziel des Weges ist am Wanderparkplatz, an der Staatstraße 2281 von Litzendorf nach Lohndorf, kurz vor dem Ortseingang Lohndorf auf der rechten Seite. Die Kunstwerke stehen entlang des Weges, der Wegverlauf ist mit einem Schild "Gelber Diagonalstrich" markiert.

Skulpturenweg 4: „Flur & Kunst“

Schließlich sind auch die künstlerisch wertvoll gestalteten Flurdenkmäler „Flur & Kunst“, die von der Gemeinde Litzendorf zusammen mit dem Amt für Ländliche Entwicklung in Bamberg konzipiert wurden, sehenswert. Da gibt es „Die vier Elemente“ des Bildhauers Christian Plank, den „Bienenstein“ von Hubert Maier, „Die geöffnete Form“ von Michaela Biet, den Ammoniten von Thomas Gröhling oder die Juraschnecke von Hubert Müller. Die fünf gestalteten Denkmale wurden zum Abschuss der Dorferneuerung und Flurneuordnung errichtet und befinden sich rund um Litzendorf.

Kultur Info:

-   - Für jedes Alter
- Halbtages-/Tagesausflug
- Lage: Litzendorf, Lohndorf und Memmelsdorf knapp zehn Kilometer von der östlichen Bamberger Stadtgrenze entfernt. An der Autobahn A73 hat Memmelsdorf eine eigene Ausfahrt. Litzendorf und Lohndorf sind von dort aus gut ausgeschildert.
-
 Öffnungszeiten: Sämtliche Skulpturenwege befinden sich im öffentlichen Raum und können zu jeder Tageszeit erwandert werden.
- Parken: Kostenlose Parkplätze gibt es an sämtlichen Start- und Zielpunkten.
-
 Einkehr: keine Möglichkeiten entlang der Strecken. In Memmelsdorf und Litzendorf gibt es sowohl in den Ortschaften als auch bei Schloss Seehof mehrere Gaststätten und ein Café.
-
 Weitere Auskünfte: Tourist-Info Fränkische Toskana, Tel. 09505-80 64 106, E-Mail: info@fraenkische-toskana.com.

Bilder:
1.
 Durch diese Sandsteinskulptur ist die barocke Pfarrkirche St. Wenzeslaus von Litzendorf zu sehen.
2.
 Kunst und Natur bringen die Skulpturenwege im Bamberger Land in idealer Art und Weise Einklang.
3.
 „Durch unser Denken und Handeln in der Gegenwart säen wir die Zukunft“: Robert Hoffmann hat seiner Skulptur aus dem Jahr 2005 deshalb den Namen „Saatgut“ gegeben.
4.
 „Lebensschiff“ heißt dieses Werk des Bildhauers Robert Hoffmann.
5.
 Armut, Terror, Sklaverei: Zum Nachdenken anregen soll diese Skulptur auf dem Kunst- und Besinnungsweg.
6.
 Elias Naumann aus Syrien schuf diese monumentale Sandsteinskulptur und gab ihr den Namen „Unvollendeter Traum“.
7.
 Er ist so etwas wie das Maskottchen der Skulpturenwege im Ellertal und zugleich das künstlerische Wahrzeichen der Fränkischen Toskana: die Skulptur „Der Sieger“ von Harald Müller.
8. Sieht fast aus wie eine Barockfigur aus dem benachbarten Schloss Seehof, ist in Wirklichkeit aber eine zeitgenössische Arbeit des Bildhauers Mario Tapia aus Ecuador.

 

nach oben


29.07.2022

Poesie am See / Der Weißenstädter See im Fichtelgebirge bietet zahlreiche Freizeitmöglichkeiten

Angeln, baden, Kahn und Tretboot fahren, segeln, surfen oder einfach nur spazieren gehen. Das ist fast an jeden größeren See im Freistaat möglich. Am Weißenstädter See im Fichtelgebirge gesellt sich dazu aber auch Poesie, Kultur und ein bemerkenswertes Stück (Wirtschafts)-Geschichte.

Für die Poesie sorgt der im Fichtelgebirge beheimatete, zeitgenössische Schriftsteller Eugen Gomringer. Er will auf den 14 Steinstelen auf dem fast vier Kilometer langen Rundweg mit eingemeißelten meditativen Worten aus seinem „Stundenbuch“ um den See die verschiedensten Denkanstöße geben. Entsprechend den 24 Stunden eines Tages setzen sich die Texte aus nur 24 verschiedenen Wörtern zusammen. Die Stelen selbst bestehen aus den verschiedenen Gesteinsarten, die es im Fichtelgebirge gibt.

Als wäre das nicht schon Kultur genug, hat auch Jean Paul (1763 – 1825) in Weißenstadt am See seine Spuren hinterlassen. Großformatige Infotafeln entlang des Uferrundwegs erinnern an den Dichter zwischen Klassik und Romantik, der wie kaum eine andere bedeutende Persönlichkeit mit dem Fichtelgebirge verbunden ist. Jean Paul soll ja ein leidenschaftlicher Wanderer gewesen sein. Schließlich hätten die Spaziergänge den Ideenfluss des Dichters in Schwung gebracht. „Ich kann mich nicht erinnern, dass ein einziger Gedanke in der Stube gefasst wurde, sondern immer im Freien“, wird Jean Paul zitiert. Es gilt als wahrscheinlich, dass er mehrfach Weißenstadt besucht hat, sein Großvater wohnte im nahen Ruppertsgrün

Ebenfalls untrennbar mit dem Fichtelgebirge verbunden ist der Granitstein. An ein Stück bedeutender Wirtschaftsgeschichte erinnern die Ruinen der ehemaligen Steinfabrik Ackermann, später Grasyma, nahe des südöstlichen Ufers. Von hier aus wurde einst über einen eigenen Gleisanschluss geschliffener Granit aus Weißenstadt in die ganze Welt transportiert. Gegründet wurde die Fabrik von einem berühmten Sohn der Stadt: Erhard Ackermann (1813 - 1880). Er gilt als Erfinder des maschinellen Schleifens und Polierens von Hartgestein. Was heute selbstverständlich ist, galt damals als Sensation.

Ende des 19. Jahrhunderts waren an die 200 Mitarbeiter in der Fabrik tätig, die steinerne Produkte in Serien herstellte. Wie bedeutsam das Unternehmen war, zeigt, dass es beispielsweise die Säulen für die Kolonnaden in Karlsbad, für das damalige Deutsche Kunstmuseum und Reichspostamt in Berlin oder für die Walhalla bei Regensburg herstellte. Die polierten Werksteine aus Weißenstadt wurden auch beim Bau der Votivkirche in Wien und bei der Errichtung des Königlichen Palais in Belgrad verwendet. Heute werden auf zwölf großformatigen Infotafeln in den Fabrikruinen sämtliche Aspekte des Granits, von der Entstehung bis zur Veredelung dargestellt. Im nahe Park erinnert eine Büste an Erhard Ackermann.

Der fast 50 Hektar große Weißenstädter See zwischen Schneeberg und Waldstein im Tal der vielbesungenen Eger liegt am Rand des kleinen Fichtelgebirgsstädtchens und ist von allen Seiten zugänglich. Er hat Trink- und Badewasserqualität. Kaum zu glauben, aber der See wurde 1976 als Stausee künstlich angelegt, und zwar genau an der Stelle, an der sich einst der Stadtweiher befand. Heute dienst der Weißenstädter See neben seinen vielen Freizeitangeboten auch als Hochwasserrückhaltebecken, Vogelschutzgebiet und Trinkwassergewinnungsanlage. Der Weg um den See herum ist asphaltiert und deshalb auch mit Fahrrädern und Inline-Skatern befahrbar oder für Rollstuhlfahrer geeignet.

Naturschutz wird rund um den See übrigens groß geschrieben. Auf der Nordseite wurden die früher direkt in den See fließenden Bäche so umgestaltet, dass längere Wasserarme, Uferbuchten und Tümpel mit kleinen Inseln entstanden sind. In diesem künstlichen Bachdelta konnte sich so ein strukturreicher Lebensraum für an das Wasser gebundene Tier- und Pflanzenarten entwickeln.

Das 4000-Einwohner-Städtchen im Landkreis Wunsiedel hat aber auch über den See hinaus noch vieles zu bieten. Da gibt es eine Infostelle des Geoparks Bayern-Böhmen mit interessanten Ausstellungen, den Brot- und Lebkuchenfabrikanten Pema mit Gastronomie, Einkaufsmöglichkeiten und einem eigenen Kunstmuseum, oder das Kurzentrum Sieben-Quell-Gesundheitsresort mit Thermalbad, Vier-Sterne-Hotel und gastronomischen Möglichkeiten. Die Funktion als Kurstädtchen geht im Übrigen auf das Radonvorkommen zurück. In den Kureinrichtungen gibt es ein breites Angebot zur Schmerzlinderung, zur Behandlung des Bewegungsapparates und zur Beschleunigung von Heilprozessen.

Kultur Info:

- Für jedes Alter

- Tagesausflug

- Lage: Weißenstadt liegt abseits der großen Verkehrsachsen. Die nächsten Autobahnanschlüsse an die Bundesautobahn A9 Nürnberg-Hof-Berlin befinden sich in rund 15 Kilometer Entfernung bei Gefrees, beziehungsweise Münchberg. Der nächste Anschluss an der A93 Regensburg-Weiden-Hof ist ebenfalls in rund 15 Kilometer Entfernung bei Thiersheim.

- Öffnungszeiten: Der See befindet sich genauso wie die Ruinen der ehemaligen Steinfabrik im öffentlichen Raum und kann jederzeit erwandert werden.

- Parken: In Weißenstadt ist das Parken auf den öffentlich ausgewiesenen Parkplätzen kostenfrei. Von dort aus ist man in wenigen Gehminuten am See. Die Parkplätze direkt am See sind an bestimmten Tagen kostenpflichtig.

- Einkehr: Am See entlang gibt es mehrere gastronomische Angebote. In Weißenstadt selbst sind Gaststätten, das sehenswerte Café des Brot- und Lebkuchenherstellers Pema, sowie verschiedene Angebote in den Kureinrichtungen.

- Weitere Auskünfte: Kur- und Touristinformation Wunsiedler Straße 4, 95163 Weißenstadt; Telefon 09253/95030; E-Mail: tourist@weissenstadt.de.

Bilder:
1.
Radfahren oder Inline-Skaten ist auf dem durchgehend asphaltierten Rundweg um den See möglich.
2.
 Malerisch eingebettet in das Tal der Eger liegt der fast 50 Hektar große und bis zu vier Meter tiefe Weißenstädter See.
3.
 Über die Konkrete Poesie des zeitgenössischen Dichters Eugen Gomringer kann der Spaziergänger an den 14 Stelen rund um den See nachdenken.
4.
 Kaum zu glauben, dass der Weißenstädter See am Rande des idyllischen Fichtelgebirgsstädtchens erst vor rund 50 Jahren künstlich angelegt wurde.
5.
 Seine idyllische Lage zeichnet den See zu jeder Jahreszeit aus.
6.
 Vom Segeln bis zum Stand-Up-Paddling bietet der See jede Mange Wassersport- und Freizeitmöglichkeiten.
7.
 Weit über die Grenzen des Fichtelgebirges hinaus bekannt ist das Weißenstädter Kurhotel.
8.
 Einst eine Weltfirma, heute nur noch wenige Ruinen: die einstige Steinfabrik Ackermann.
9.
 Mit dem Segelboot vor dem Gipfel des Schneebergs.
10. Granitsäulen zieren die Worte des Dichters Eugen Gomringer.

  

  

  nach oben


23.07.2021

Europäische Eisenbahngeschichte auf knapp sieben Kilometern / Ein Themenweg führt entlang der „Schiefen Ebene“

Neuenmarkt. Eingeschworene Eisenbahnfans bekommen bei den beiden Worten „Schiefe Ebene“ leuchtende Augen. Allen anderen wird der Name der Bahnstrecke zwischen Bayreuth, beziehungsweise Bamberg und Hof wenig sagen. Es lohnt sich aber, sich damit zu beschäftigen, zumindest seit es einen aufwändigen Themenweg entlang der Strecke gibt, die europäische Eisenbahngeschichte geschrieben hat.

Bei der „Schiefen Ebene“ handelt es sich um eine zweigleisige Steilstrecke, die zwischen den Bahnhöfen Neuenmarkt-Wirsberg und Marktschorgast im oberfränkischen Landkreis Kulmbach auf knapp sieben Kilometern fast 158 Meter Höhenunterschied überwindet. Sie führt vom Maintal aus zur Rhein-Elbe-Wasserscheide auf die Münchberger Hochfläche und ist sogar von der Bundesautobahn A9 zwischen den Anschlussstellen Himmelkron/Bad Berneck und Marktschorgast kurz zu sehen.

Nun muss man wissen, dass die gesamte Strecke bereits in den Jahren 1844 bis 1848 von der Königlich Bayerischen Staatseisenbahn, so hieß der Vorläufer der Deutschen Bahn damals, errichtet wurde. Der Streckenverlauf mit seinen zahlreihen Stützmauern, Einschnitten und Steindämmen gilt als absolute technische Meisterleistung seiner Zeit. 25 Prozent Steigung, das war das Maximum, das die Dampflokomotiven bewältigen konnten, wenn dazu auch meist eine zweite Lok vorgespannt werden musste oder eine weitere Lok zum Anschieben des Zuges benötigt wurde.

Das alles und noch viel mehr erfährt der Interessierte seit 2014 auf einem eigens errichteten Themenweg, der am Fuß der Rampe im ehemaligen Bahnbetriebswerk Neuenmarkt-Wirsberg beginnt. Dort befindet sich heute das Deutsche Dampflokomotiv-Museum, das mit seinen vielen historischen Loks schon allein einen Ausflug wert ist.

Endpunkt ist die Bergstation im ehemaligen Wartesaal des Bahnhofs Marktschorgast, in dem ein kleines Informationszentrum zur Geschichte der „Schiefen Ebene“ eingerichtet wurde. Dazwischen wird auf einer Wanderstrecke von acht Kilometern auf vielen Schautafeln die Geschichte der Strecke beschrieben und viele betriebliche und baugeschichtliche Besonderheiten des Denkmals von europäischem Rang erzählt. Zugegeben, manchmal geht es schon sehr ins Detail, dafür entschädigen die vielen historischen Fotos, die auf den Tafeln abgebildet sind und die vielen Geschichten, die sich um die „Schiefe Ebene“ ranken.

Zum Beispiel die Geschichte der noch vorhandenen Fallkörpersperren auf halber Strecke. Es klingt wie aus einem James-Bond-Film, ist aber wahr. In Zeiten des Kalten Krieges wurden die riesigen Betonsäulen links und rechts der Gleise errichtet. Sie hätten damals jederzeit zur Explosion gebracht werden können, wären dann auf die Gleise gestürzt und hätten so ein Anrücken der Truppen des Warschauer Pakts aufhalten sollen.

An die drei Stunden sollte man sich schon Zeit nehmen für die teils steilen Auf- und Abstiege des Themenwegs, auch das Gelände ist stellenweise eher unwegsam. Dafür wird der Wanderer gleich mehrfach mit einer herrlichen Aussicht auf die Gegend belohnt. Gutes Schuhwerk kann jedenfalls nicht schaden, mit Kinderwägen oder Rollstühlen ist die Strecke nicht zu befahren.

Bahntechnisch hat die Strecke heute kaum mehr eine Bedeutung, spätestens seitdem 2001 östlich davon die „Schlömener Kurve“ errichtet wurde. Damit wird von Bayreuth kommend in Richtung Hof der Bahnhof Neuenmarkt-Wirsberg umfahren, was eine große Zeitersparnis mit sich bringt. Die Regionalbahn fährt noch, ansonsten gibt es hin und wieder Sonderfahrten mit historischen Loks vom Deutschen Dampflokomotiv-Museum aus.

Info:

- Für jedes Alter

- Halb-, eher Ganztagesausflug

- Lage: Neuenmarkt als Ausgangspunkt liegt an der Bundesstraße B303, unweit der
Autobahnausfahrt Himmelkron/Bad Berneck. Das Deutsche Dampflokomotivmuseum in der Birkenstraße 5 in Neuenmarkt ist ausgeschildert

-   Öffnungszeiten: Der Themenweg befindet sich im öffentlichen Raum und kann zu jeder Tageszeit erwandert werden. Über Rückfahrtmöglichkeiten von Marktschorgast nach Neuenmarkt mit der Bahn sollte man sich vorher genau erkundigen, da die Strecke nicht so oft bedient wird.
Das Deutsche Dampflokomotiv-Museum hat immer dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. In den Wintermonaten (November bis Mitte März) schließt das Museum bereits um 15 Uhr.
Der kleine Infopunkt im ehemaligen Bahnhof Marktschorgast hat von 1. Mai bis 31. Oktober jeweils von 9 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.

-   Parken: kostenlose Parkplätze rund um das Deutsche Dampflokomotiv-Museum.

-   Einkehr: keine Möglichkeit entlang der Strecke. In Neuenmarkt gibt es Gasthäuser und Cafes.

Weitere Auskünfte: Rathaus Neuenmarkt, Hauptstraße 18, 95339 Neuenmarkt, Telefon: 09227/930-0, Poststelle@neuenmarkt.de, www.neuenmarkt.de,  oder Deutsches Dampflokomotiv-Museum,  Birkenstraße 5, 95339 Neuenmarkt, Telefon 09227 / 5700, info@dampflokmjuseum.de, www.dampflokmuseum.de.

Bilder:
1.
 Mit einem ordentlichen Höhenunterschied steigen die Gleise der „Schiefen Ebene“ zwischen Neuenmarkt und Marktschorgast an.
2. Mitten im Eisenbahnerdorf Neuenmarkt hat das Deutsche Dampflokomotiv-Museum seinen Sitz.
3. Direkt am Deutschen Dampflokomotiv-Museum startet der Themenweg zur „Schiefen Ebene“.
4.
 Das Freigelände des Dampflokomotiv-Museums bietet zahlreiche Attraktionen für Entdecker.
5.
 Zur „Schiefen Ebene“ gehören zahlreiche historische Brückenbauwerke.
6.
 Im ehemaligen Wartesaal des Bahnhofs von Marktschorgast wurde ein kleines Informationszentrum eingerichtet.
7. Der ehemalige Bahnhof und heutige Haltepunkt Marktschorgast bildet den Endpunkt des Themenweges zur „Schiefen Ebene“

nach oben


23.07.2021

Ein Labyrinth in Bayerns steinreichster Ecke / Die Geschichte der Granitgewinnung: der Steinbruch-Rundwanderweg bei Kirchenlamitz

Kirchenlamitz. Die Siegessäule in Berlin, zahlreiche Bauwerke an der berühmten Wiener Ringstraße oder das einstige Home Insurance Building in Chicago, das erste moderne Hochhaus der Welt: kaum zu glauben, aber sie und nahezu unzählige andere Bauwerke auf der ganzen Welt sind aus Granitstein aus dem Fichtelgebirge. Als eines der Zentren des einstigen Granitabbaus gilt die Gegend zwischen Weißenstadt und Kirchenlamitz im Landkreis Wunsiedel. Gerne sprechen die Einheimischen von „Bayerns steinreichster Ecke“.

Am Epprechtstein, einer der mit 800 Meter über dem Meeresspiegel liegenden größeren Erhebungen zwischen Waldstein und Kornberg gab es vor gut hundert Jahren 20 Steinbrüche. An dieses vergessene Stück bedeutender Industriegeschichte erinnert heute ein etwa 3,5 Kilometer langer Steinbruch-Rundwanderweg, der aufgrund der wunderschönen Landschaft mit vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten nicht nur für Geologen interessant ist. Am Ende wartet außerdem mit dem Granit-Labyrinth Epprechtstein eine echte touristische Attraktion.

Granit ist eine Gesteinsart, die vor unvorstellbaren 300 Millionen Jahren entstanden ist. Sie besteht aus Quarz, Feldspat und Glimmer, ihr Name kommt aus dem Lateinischen „granum“, was so viel wie das Korn bedeutet. Das alles und vieles mehr können Interessierte auf den zahlreichen Tafeln nachlesen, die entlang des Weges errichtet wurden.

Viel interessanter ist aber, dass man schon im Mittelalter Granit am Epprechtstein abgebaut hat. Die Steinbrüche wurden dann im 19. Jahrhundert errichtet. Ein echter Aufschwung kam mit dem Bau der heute schon lange wieder eingestellten Eisenbahnlinien ins Fichtelgebirge. Sogar einen eigenen Haltepunkt „Epprechtstein“ soll es gegeben haben. Jeder zweite Kirchenlamitzer arbeitete um 1900 herum in einem Steinbruch oder in einem Steinmetzbetrieb. Erst nach den Zweiten Weltkrieg verlor die Granitindustrie des Fichtelgebirges rasant an Bedeutung. Andere Baustoffe waren billiger und so wurde der Granit von Stahl und Beton abgelöst.

Dies alles ist unterhaltsam aufbereitet und mit zahlreichen Bildern versehen auf den Infotafeln entlang des Weges mit seinen 120 Metern Höhenunterschied zu erfahren. Aber auch der artenreiche Bergwald mit seinen imposanten Mischwaldbeständen und der vielfältigen Vogelwelt ist diese kleine Wanderung wert. Ob Grauspecht, Baumpieper oder Gartenrotschwanz. Sie alle haben hier in der noch relativ unberührten Natur ein Zuhause gefunden. Sogar Auerhühner wurden rund um den Epprechtstein schon gesichtet. Auch die einstigen Abraumhalden der aufgelassenen Steinbrüche hat sich die Natur längst wieder zurückerobert. Moose, Flechten und Farne wachsen auf den Steinen. Blindschleichen, Eidechsen und auch Kreuzottern sind heimisch geworden. Wenn der Weg auch relativ kurz ist, gutes Schuhwerk kann deshalb nicht schaden.

Die eigentliche Attraktion und zugleich der krönende Abschluss des Steinbruch-Rundwanderweges ist das Granitlabyrinth. Auf Initiative des Künstlers Willi Seiler aus Wunsiedel und mit Hilfe des Marktedwitzer Architekten Peter Kuchenreuther wurde es 2009 auf dem Werkplatz eines ehemaligen Steinmetzbetriebes angelegt. Auf 34 mal 34 Metern Grundfläche wurden 180 große Steinquader errichtet, in deren Zentrum ein fünf Meter hoher Obelisk steht. Um dorthin zu gelangen, muss man immerhin 400 Meter zurücklegen, wenn man nicht die Abkürzung nimmt und auf die Quader klettert, was einem aber auch keiner übel nimmt.

Epprechtstein ist übrigens auch der Name der nahen Burgruine, deren Fragmente die Zeiten überdauert haben. Im Jahr 1248 wurde die Raubritterburg errichtet. Viel ist davon allerdings nicht mehr zu sehen. Bereits 1553 wurde sie im zweiten Markgräflerkrieg wieder zerstört.

Bilder:
1.
 Am Wanderparkplatz Hinteres Buchhaus startet der Steinbruch-Rundwanderweg.
2.
 Markante Felsen weisen dem Wanderer den Weg.
3.
 Der Rundweg am Epprechtstein ist einer der beliebtesten Wanderwege des Fichtelgebirges.
4.
 Granit ist nicht gleich Granit: hier lernt der Interessierte die verschiedenen Granitvorkommen kennen.

Der Eingang des 2009 eröffneten Granitlabyrinths.

Info:
-
 Für jedes Alter, das Granitlabyrinth ist natürlich bei Kindern überaus beliebt.
-
 Halb-/Ganztagesausflug.
-
 Lage: Sowohl der Ausgangspunkt des Rundwanderweges, der Wanderparkplatz Hinteres Buchhaus, als auch das Granit-Labyrinth liegen nahe der Stadt Kirchenlamitz auf der Kreisstraße nach Weißenstadt. Auch der Sechsämter-Radwanderweg führt direkt daran vorbei.
-
 Öffnungszeiten: Rundwanderweg und Labyrinth sind jederzeit frei zugänglich.
-
 Eintritt frei.
-
 Parken: Kostenlose Parkplätze sowohl am Wanderparkplatz Hinteres Buchhaus als auch direkt am Granit-Labyrinth.
-
 Einkehr: Direkt am Granitlabyrinth befindet sich das Gasthaus „Zur Waldschmiede“ mit einem schönen Biergarten. Im Nachbarort Großschloppen gibt es das Bauernhofcafe der Familie Petzold, das immer an Samstagen, Sonn- und Feiertagen jeweils nachmittags geöffnet hat.
-
 Auskünfte: Stadt Kirchenlamitz, Marktplatz 3, 95158 Kirchenlamitz, stadt@kirchenlamitz.de, www.kirchenlamitz.de.

180 große Granitquader wurden rund um den fünf Meter hohen Obelisken errichtet.

Informationen und kleine Ausstellungen gibt es im neu errichteten Informationszentrum unweit des Labyrinths.

nach oben


23.07.2021

Im Land der tausend Teiche / Der Phantastische Karpfenweg in Kemnath verbindet Geschichte und Geschichten aus Vergangenheit und Gegenwart

Kemnath. Fischskulpturen gibt es viele. Man kann sie sogar als „Rohling“ kaufen und selbst bemalen. Im kleinen oberpfälzischen Städtchen Kemnath mit seinen rund 5500 Einwohnern hat man sich 2004 entschlossen, nicht nur einen dieser Fischskulpturen aufzustellen, sondern gleich einen ganzen Themenweg rund um die historische Altstadt zu errichten. Die Skulpturen wurden von heimischen Künstlern und Künstlergruppen gestaltet und sollen dazu einladen, sich auf unterhaltsame Art und Weise mit der Geschichte dieser Stadt zu beschäftigen.

Los geht es am westlichen Eingang zum mittelalterlichen Stadtplatz. „Karl“ heißt der feuerrote Karpfen, den Susanne Vonhoff, gleichzeitig Ideengeberin des Rundwegs, dort aufgestellt hat. Der Stadtweiher am Rande der Altstadt ist von hier aus bereits zu sehen. Dort gibt es nicht nur Karpfen und Schleien, sondern auch Forellen und Hechte. Das einst doppelt so große Gewässer ist deshalb auch noch heute interessant für Angler.

Der Stadtweiher steht stellvertretend für die vielen Fischgewässer im „Land der tausend Teiche“, die der Landkreis Tirschenreuth in der nördlichen Oberpfalz auch genannt wird. Über 1000 Jahre lässt sich die Karpfenzucht in der Region belegen und so ist nur logisch, dass der knapp drei Kilometer lange Rundweg hier an den Ausläufern von Fichtelgebirge und Steinwald realisiert wurde.

Vorbei am „Eisernen Gustav“ von Christian Baumann und an der Statue des Brückenheiligen Nepomuk geht es zum Regenbogenfisch von Simone König-Wessels. Am Fuße der Kalvarienbergkirche lädt diese besonders schöne Karpfenskulptur nicht nur zur Meditation ein, sondern erinnert auch daran, dass der Fisch seit jeher auch ein christliches Symbol ist.

„Karpfenwetter“ hat Waltraud Müller ihre Skulptur benannt in Sichtweite zur Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt mit ihrem hochaufragenden gotischen Turm benannt und bereits hier ist es beeindruckend, wie vielfältig die künstlerische Darstellung ein- und desselben Motivs gelingen kann.

Kemnath ist eine Stadt mit vielen Bachläufen und dabei wird immer wieder deutlich, dass die Wirtschaft schon vor Jahrhunderten auf das Wasser angewiesen war. Ohne das nasse Element wären die Müller, die Färber oder die Schmieder buchstäblich auf dem Trockenen gesessen. Augenzwinkernd hat Renate Grosser ihre in Tarnfarben gestreifte Karpfenskulptur „Serengeti“ benannt. Sie steht an den hochaufragenden Stadeln, die mit ihren wuchtigen Sandsteinquadern den Stadtkern umgeben.

Viele Phantastische Karpfen gibt es in Kemnath. Schüler der Staatlichen Realschule haben ihren Karpfen „Gripsy“ getauft, die „Esmeralda“ stammt von Ina Memmel und Christian Baumann erschuf eine Skulptur die den Namen „Metallica“ trägt. Sie ist allerdings kein Tribut an die gleichnamige US-amerikanische Rockband, sondern eher an die Metallbaufirma, die sie gestiftet hatte.

Noch zahlreiche Begebenheiten aus der Geschichte Kemnaths erfährt man fast nebenbei über die kurzen prägnanten Texte an den Informationstafeln. Etwa, dass aus dem Eisweiher noch bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg die Eisblöcke herausgeschlagen wurden, mit denen in den Felsenkellern das Bier der einst so zahlreichen Brauereien gekühlt wurde. Man lernt auch die Tradition der Totenbretter an den Scheunen in der Schulstraße kennen. Ähnlich wie im bayerischen Wald hatte man früher die Bretter bemalt und beschriftet, mit denen die verstorbenen aus den Häusern getragen wurden. Und auch an den alten Zungenbrecher „Fischers Fritz fischt frische Fische“ wird auf einer der Informationstafeln erinnert.

Info:
-
 Für jedes Alter
-
 Halb-/Ganztagesausflug
-
 Lage: Kemnath liegt an der Bundesstraße B22 etwa auf halber Höhe zwischen Bayreuth und Weiden.
-
 Öffnungszeiten: Der Karpfenweg befindet sich im öffentlichen Raum und kann zu jeder Tageszeit erwandert werden.
-
 Parken: viele kostenlose Parkplätze rund um den Stadtkern.
-
 Einkehr: In Kemnath gibt es mehrere Gaststätten, Cafes und eine Eisdiele.

Weitere Auskünfte Tourist Information Kemnath, Stadtplatz 38, 95478 Kemnath, Telefon: 09642/707-0, info@touristik.kemnath.de

Bilder:
1.
 Am Stadtweiher hat der „Regenbogenfisch“ einen idealen Standort gefunden.
2.
 Von der Skulptur des „Guvtas“ jenseits des Stadtkerns aus ist der gotische Turm der Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt zu sehen.
3.
 „Aquarius“ hat Hans Wöhrl seine Karpfenskulptur genannt.
4.
 Susanne Vonhoff ist nicht nur die Initiatorin des Werkes, sie hat auch diesen Karpfen mit dem Namen „Welf“ gestaltet.
5.
 Mitten im Eisweiher steht dieser Karpfen „Infinitiv“, den Angelina Groß und Andreas Koch entworfen haben.
6.
 Karpfen „Metallica“ zieht die Blicke der Passanten auf sich.
7.
 Leuchtend gelb ist diese Karpfenskulptur ein echter Blickfang.
8. Hier treffen gleich zwei Phantastische Karpfenskulpturen aufeinander.

  

  

nach oben


06.09.2020

Schulranzen, Schiefertafeln, Schreibmaschinen / Dorfschulmuseum Ködnitz zeige Schulutensilien der „guten alten Zeit“

Ködnitz. Die letzten Schüler haben sich gerade in die Ferien verabschiedet. Einige haben ihre Mützen an der Garderobe vergessen. Überall riecht es nach frisch geölten Bodendielen. Auf den Pulten liegen noch Griffeln und Schiefertafeln. PCs, Tabletts und Smartphones sucht man hier vergebens, Schüler allerdings auch, denn hier ganz in der Nähe von Kulmbach geht es um das Dorfschulmuseum von Ködnitz, ein kleines Dorf im Tal des Weißen Mains.

„Die Dorfschulen sind verschwunden“, sagt Günter Wild. Der frühere Lehrer ist nicht nur Vorsitzender des Trägervereins Dorfschulmuseum Ködnitz e.V., der 78-jährige ist auch Initiator, Gründer, Leiter und Museumsführer. Ihn ist es zu verdanken, dass nicht nur das Gebäude, sondern auch das Inventar erhalten werden konnte. Denn 1985, als die Witwe des letzten Dorflehrers Herbert Zapf auszog, rollten schon die großen Müllcontainer an, um alles das zu entsorgen, was heute teilweise in Vitrinen ausgestellt wird. Günter Wild konnte das gerade noch verhindern.

Die Dorfschule geht zurück bis zur Zeit der Reformation. Fast 500 Jahre lang hatte sie Bestand, bis zur großen Schulreform im Jahr 1969. Im korrekten Behördendeutsch „Einklassige Landschule“ genannt, wurden hier alle Kinder von der ersten bis zur achten Jahrgangsstufe zusammen unterrichtet.

Die Schule sei aber über die Jahrhunderte hinweg viel mehr, als nur eine Bildungseinrichtung gewesen, sagt Günter Wild. Die Schule war der kulturelle Mittelpunkt der Ortschaften, gerade in kleinen Dörfern die Ködnitz, die keine eigene Kirche besitzen. Deshalb auch der außergewöhnliche Baustil, für den auch die, 1861 eröffnete Ködnitzer Schule steht. Sie hat ihren Platz mitten im Dorf, ist in einem hoch aufragenden und nobel wirkenden Sandsteinbau untergebracht. Günter Wild spricht vom „Herrenhauscharakter“.

Einfach sei es damals nicht gewesen, alle Entscheidungsträger davon zu überzeugen, dass Ködnitz ein Dorfschulmuseum braucht, erinnert sich Günter Wild. Der Gemeinderat habe das Vorhaben zunächst sogar abgelehnt. Trotzdem konnte 1993 die feierliche Einweihung erfolgen. Heute ist die Einrichtung ein beliebtes Ziel sowohl von Schulexkursionen als auch von Seniorenausflügen.

Im Zentrum des Museums steht der große Lehrsaal. Kaum zu glauben, dass hier mal bis zu 120 Kinder Platz fanden. 1969 im letzten Ködnitzer Schuljahr waren es immerhin noch 40. Liebevoll und mit großer Sorgfalt für Details gibt es hier alles zu bestaunen, was zum Schullalltag irgendwie gehörte. Schulranzen, Schiefertafeln, Schreibmaschinen, ein Globus, Griffel, Liederbücher, Tintenbehälter. Sogar ein historisches Steingraeber-Klavier steht an der Wand und daneben hängt ein Bildnis von Heinrich Lübke, der bis 1969 Bundespräsident war. „Wir wollen ein lebendiges Museum sein, deshalb ist alles so eingerichtet worden, wie es uns die letzte Ködnitzer Schüler berichteten“, so Günter Wild.

Im Treppenhaus sind viele der damals typischen Schulwandbilder zu sehen, gemalte großformatige Abbildungen und Illustrationen von technischen Dingen wie Landmaschinen bis hin zu Abbildungen aus den klassischen deutschen Märchen. Im Lehrerzimmer ist die gesamte Bücherei untergebracht, ebenso Dokumente zum Schullalltag. Ein Stockwerk höher widmet man sich der Entwicklung des Schriftbildes, alte Singer- und Pfaff-Nähmachinen erinnern an den Handarbeitsunterricht und in einer Vitrine sind Spielsachen der Bauernkinder zu sehen, die sich im Prinzip gar nicht groß von heutigen Playmobil-Figuren unterscheiden.

Das Schulhaus war zugleich auch das Wohnhaus des Dorflehrers, der mit seiner Familie im unteren Stockwerk lebte. Im Nebengebäude waren das Waschhaus, die Holzlege und sogar ein Ziegenstall untergebracht. „Der Lehrer war Imker, Obstbauer und er hatte sogar einen Hektar Ackerland“, erläutert Günter Wild.

Information:

Das Dorfschulmuseum hat die Adresse Ködnitz 6, 95361 Ködnitz. Es von April bis Oktober immer an den Sonn- und Feiertagen zwischen 14 und 16 Uhr, sowie ganzjährig nach telefonischer Vereinbarung geöffnet. Telefon: 09221/1529. Weitere Information: www.dorfschulmuseum.de.

Bilder:
1.
 Dorfschule mit Herrenhauscharakter: In diesem Gebäude ist das Dorfschulmuseum Ködnitz untergebracht.
2.
Günter Wild, früher selbst Lehrer, ist Initiator, Gründer, Leiter, Museumsführer und Vorsitzender des Trägervereins in einer Person.

nach oben


16.08.2020

Große Leidenschaft für das kleine Geschäft / Anita Hofmann zeigt in ihrem Privatmuseum 280 Nachttöpfe aus mehreren Jahrhunderten

Partenfeld. Die Entsorgung der Notdurft war zu allen Zeiten ein heikles Thema. Bis zur Erfindung moderner Toiletten funktionierte sie so: rein ins Töpfchen und raus auf die Straße. Deshalb gibt es auch keine Nachttöpfe mehr, nicht einmal mehr die aus Plastik. Anita Hofmann aus Partenfeld bei Thurnau im Landkreis Kulmbach will dieser Entwicklung etwas entgegensetzen. In ihrem kleinen Nachttopfmuseum zeigt sie alle nur denkbaren Nachttöpfe, aus Porzellan, Keramik, Emaille, Zinn, aus den verschiedensten Ländern und Jahrhunderten.

„Was ich mache, ist die Bewahrung eines Kulturgutes“, sagt Anita Hofmann und schließt das Privatmuseum im Erdgeschoß ihres Wohnhauses auf- Es ist nur wenige Quadratmeter groß, mehr als fünf Personen passen nicht hinein, schon gar nicht in Corona-Zeiten. In dem kleinen Raum stehen sie, die Objekte ihrer Begierde, in Regalen, auf Tischen, an den Wänden, sogar die Lampe ist ein umfunktionierter Nachttopf. Viele stehen auf Plauener Spitzendecken, daher auch der Name des Museums: „Nachttopf auf Spitze“.

280 Stück dürften es mittlerweile sein, so ganz genau weiß es die frühere Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Familienrecht gar nicht. Nicht alle sind ausgestellt, aber die meisten: von der NVA-Schüssel bis zum fein ausgearbeiteten Jugendstil-Kunstwerk, Bettpfannen von Villeroy und Boch, Hocker, die im geschlossenen Zustand als bequeme Sitzgelegenheit genutzt werden können, Jux-Töpfe, die nur zu Deko-Zwecken hergestellt wurden, ein schwerer alter Zinntopf aus dem Jahr 1846, Plastiktöpfe der neueren Zeit und ein umfunktionierter Stahlhelm. Bei Anita Hofmann gibt es nichts, was es nicht gibt. Die Vielfalt der Formen und Dekors ist faszinierend.

Vor ungefähr 40 Jahren hatte alles begonnen, auf einem Flohmarkt in Reutlingen kaufte die heute 72-Jähreige einfach so mal einen Nachttopf für ein paar Mark. Das ging dann immer so weiter. Flohmärkte, Trödelläden, Antiquitätenhändler, Auktionen, nichts war mehr vor Anita Hofmann sicher. Ihr umfangreiches Wissen über die Nachttopfgeschichte gibt sie im Rahmen von Führungen gerne an die Besucher des kleinen Museums weiter. Das geht es um Marken-Stempel auf der Unterseite der Töpfe, um komplette wertvolle Sets bei denen Nachttopf, Wasserkrug, Waschschüssel und Seifenschale im gleichen kunstvollen Design erscheinen, um Kupferdruckverfahren oder handbemalte Töpfe oder verschiedene Brenn-Techniken.

2007 stellte sie zum ersten Mal aus, damals im Thurnauer Töpfermuseum. 2014 wurde dann das Museum offiziell eröffnet. Seitdem bekommt sie immer wieder seltene Stücke angeboten. Obwohl der Markt mittlerweile komplett leer ist, weil die meisten Menschen die Töpfe einfach weggeschmissen haben, bekommt sie immer wieder schöne Stücke angeboten.

Langweilig wird es den Besuchern des Nachttopfmuseums nicht, denn Anita Hofmann hat auch einen leinen Garagenflohmarkt, in dem es hauptsächlich Porzellan zu entdecken gibt. Außerdem veranstaltet sie auch gerne Führungen durch ihren großzügigen Naturgarten rund um ihr Privathaus, in dem man die unterschiedlichsten Stauden, Kräuter und Rosen entdecken kann.

Info: Das kleine Nachttopfmuseum von Anita Hofmann ist in Partenfeld 2, 95349 Thurnau zu finden. Es hat von Mai bis September immer sonn- und feiertags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Telefonische Anmeldung wird empfohlen unter 09228/5902. Eintritt wird nicht erhoben, eine kleine Spende ist aber erwünscht. Auch eine eigene Internetseite gibt es; www.nachttopf-auf-spitze.de.

Bilder: „Nachttopf auf Spitze“ hat Anita Hofmann ihr kleines Privatmuseum in Partenfeld bei Thurnau im Landkreis Kulmbach benannt. 280 Töpfe hat die ehemalige Rechtsanwältin zusammengetragen.

nach oben