Stephan Herbert Fuchs
 

Start

 

ARCHIV:

2019

2018

2017

2016

2015

 

ARTIKEL
Bayreuther Festspiele
Feuilleton
Interviews

Justiz

Kirche
Landwirtschaft
Politik
Sonstiges
Umwelt

Wirtschaft
 

FOTOS
Bayreuther Festspiele
Menschen
Musik
Orte
Politik
Sonstiges

 

SPEZIAL
Elvis im Fichtelgebirge

 

Humboldt250

 

In eigener Sache

 

Kontakt

 

Impressum

 

03.12.2019

Mit Gewässermanagement gegen die Trockenheit / Umweltminister Glauber beim ersten Kommunalforum in Kulmbach – Umweltpakt-Urkunden und Auszeichnungen für herausragendes Engagement

Kulmbach/Thurnau. Unter der extremen Trockenheit der zurückliegenden beiden Jahre hat Oberfranken in ganz besonderem Maße gelitten. „Trockenheit und Wassermanagement werden deshalb die größten Herausforderungen der kommenden Jahre sein“, sagte der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber beim ersten bayerischen Kommunalforum seines Ministeriums in der Kulmbacher Außendienststelle des Landesamtes für Umwelt in Schloss Steinenhausen. Glauber kündigte dabei an, dass Oberfranken künftig eine Modellregion für vorbildliches Gewässer-Management werden soll.

„Die Trockenheit ist hier überall greifbar“, sagte Glauber. Deshalb soll dem Thema Wasser künftig mehr Aufmerksamkeit zu Teil werden. Das 50-jährige Bestehen des Bayerischen Umweltministeriums im kommenden Jahr will der Minister ebenfalls unter das Motto „Wasser ist Leben“ stellen. Ausdrücklich würdigte Glauber die Leistung der Bäuerinnen und Bauern sowie im Haupt-, als auch im Nebenerwerb. 1,7 Millionen Unterschriften für das Volksbegehren zum Artenschutz bedeuteten noch lange kein Mehr an Artenvielfalt. Dazu brauche es den Erhalt der Kulturlandschaft durch die Landwirte und dafür müssten sie auch honoriert werden. Mit einer Unterschrift für das Volksbegehren sei noch nichts geschehen.

Ziel der angekündigten Modellregion für vorbildliches Gewässer-Management ist es, die Gewässerökologie in Oberfranken zu verbessern. Intakte Gewässer seien eine unverzichtbare Lebensgrundlage, so Glauber. Gerade in Zeiten des Klimawandels seien stabile Flussökosysteme von herausragender Bedeutung.

Deshalb soll mit einem Leuchtturmprojekt für vernetztes Gewässer-Management im Einzugsgebiet des Mains erstmals ein ganzheitlicher Weg beschritten werden. Nachhaltige Gewässerbewirtschaftung wird dann bereits bei den kleinsten Bächen beginnen. Dazu sollen Koordinatoren beauftragt werden, um sämtliche Aktivitäten zum Schutz und der Entwicklung der Gewässer in der Region abzustimmen, zu bündeln und alle Beteiligten zu beraten. „Wenn Kommunen, Naturschutz, Landwirtschaft und Wasserwirtschaft Hand in Hand arbeiten, gewinnen die Gewässer in ganz Oberfranken", sagte der Minister

Konkret sollen für das Projekt vier Koordinierungsstellen bei der Wasserwirtschaftsverwaltung geschaffen werden, die im Main-Einzugsgebiet Maßnahmen zum Schutz der Gewässer anstoßen sowie Planungen und Umsetzung begleiten. Da könne es beispielsweise um Erosionsschutz in der Fläche, um die Renaturierung von Gewässerufern oder um kommunalen Abwasserentsorgung gehen. Das genaue Konzept dazu werde derzeit erarbeitet. Die Umweltziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie schneller zu erreichen bezeichnete Glauber als weiteres Ziel des Modellprojektes.

Zu dem Kommunalforum, das in allen bayerischen Regierungsbezirken stattfinden soll, hatte das Ministerium alle oberfränkischen Kreisvorsitzenden des Bayerischen Gemeindetags, Vertreter der kreisfreien Städte, des Bezirks und der Regierung eingeladen. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit sei dabei über Themen wie Klärschlammentsorgung, infrastrukturelle Herausforderungen entlang der Bundesautobahn A9 sowie über Baurechtsfragen diskutiert.

Im Umfeld des Kommunalforums zeichnete Umweltminister Glauber im Kutschenhaus von Thurnau drei verdiente Persönlichkeiten mit dem Bundesverdienstkreuz: Anneliese Woschke und Gunter Brokt aus Forchheim sowie Jens Mayer-Eming aus Dinkelsbühl. Alle drei können auf ein jahrzehntelanges Engagement in den unterschiedlichsten Funktionen verweisen. Anneliese Woschke von der Kreis- bis zur Bundesebene bei der Schlesischen Landsmannschaft, Günter Brokt als Mitglied der Naturschutzwacht, als Gründungsmitglied und Vorstand der Umweltbildungsstation Liasgrube in Unterstürmig und 40 Jahre lang als Artenschutzkartierer für das Landesamt für Umwelt, sowie Jens Mayer-Eming als langjähriger Präsident des Lions-Clubs Dinkelsbühl sowie als einer der Aktivposten des Deutschen Alpenvereins.

Darüber hinaus wurden elf Unternehmen aus der Region in den Umweltpakt Bayern aufgenommen. Minister Glauber bezeichnete den Umweltpakt als Vereinbarung zwischen der Bayerischen Staatsregierung und der bayerischen Wirtschaft, die auf Freiwilligkeit, Eigenverantwortung und Kooperation beruhe. Übergeordnetes Ziel sei es, die ökologischen, ökonomischen und sozialen Grundlagen der heutigen und der künftigen Generationen in Bayern durch geeignete Maßnahmen wir die effiziente und nachhaltige Nutzung von Rohstoffen, eine Verbesserung der Energieeffizienz im Unternehmen oder umweltorientiertes Management zu verbessern.

Bild: Der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber überreichte Bezirkskaminkehrermeister Harald Will aus Guttenberg eine der neuen Urkunden des Umweltpakts Bayern.

nach oben


15.11.2019

Grüne Ideen für lebendige Dörfer / Gute Praxisbeispiele aus Oberfranken: Ausstellung und Broschüre zum Thema „Dorfgrün gestalten“ vorgestellt – Jahresabschluss des Bezirksverbandes für Gartenkultur und Landespflege

Himmelkron. „Den Menschen die Augen öffnen, für das was schön ist.“ Das ist das Anliegen der Gartenbauverbände. Um noch mehr Menschen zu erreichen, hat der Bezirksverband für Gartenkultur und Landespflege zusammen mit dem Amt für ländliche Entwicklung und zahlreichen weiteren Partnern bei seiner Jahresabschlusssitzung in Himmelkron eine aufwändig gestaltete Broschüre und eine kleine Ausstellung mit dem Titel „Dorfgrün gestalten“ vorgestellt. Sie soll die vielen Beispiele einer besonders gut gelungenen Begrünung oberfränkischer Orte aufzeigen.

Nicht erst seit dem Artenschutz-Volksbegehren sei es Mode geworden, sich Natur- und Gartenthemen zu widmen, sagte die Bezirksvorsitzende und Bayreuther Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Die Gartenbauvereine würden seitdem auch in der Öffentlichkeit mehr wahrgenommen. Diese Aufbruchsstimmung gelte es zu nutzen. Zum einen seien in den Vereinen vor Ort wirkliche Spezialisten zu finden, zum anderen seien die Obst- und Gartenbauvereine nach wie vor auf der Suche nach jungen Leuten, die vereinzelt bereits in Kinder- und Jugendgruppen organisiert sind.

„Bei ihnen ist das Wissen wirklich vorhanden“, so Anton Hepple, Leiter des Amtes für ländliche Entwicklung. Gerade wenn es um Dorferneuerungsverfahren geht, seien die Obst- und Gartenbauvereine vor Ort starke Partner. Die Broschüre soll den Menschen die Augen öffnen für die Vielfalt dörflichen Grüns, für regionaltypische und zeitgemäße Praxisbeispiele, die unsere Dörfer lebendig und unverwechselbar machen.

Pflanzbeete im Straßenraum gehren dazu genauso wie Dorfbäume, Fassadenbegrünungen und Vorgärten bis hin zu den unterschiedlichsten grünen Ideen. Die zeitlose Broschüre soll deshalb auch Leitfaden und Inspiration für Kommunen, Vereine, Initiativen und nicht zuletzt auch für den einzelnen Bürger sein, sich mit der Grüngestaltung ihrer Dörfer zu beschäftigen.

Wichtigste Veranstaltung des zurückliegenden Jahres war nach den Worten der Bezirksvorsitzenden neben dem „Tag der offenen Gartentür“ der zweite Obstbaumpfleger-Lehrgang mit 19 erfolgreichen Teilnehmern. Alle hätten fast ein ganzes Jahr lang das umfassende Pensum in Theorie und Praxis absolviert und seien jetzt dank der guten Unterweisung der erfahrenen Gartenfachberater fit in Sachen Streuobstpflege. Mittlerweile gebe es bereits zahlreiche Anfragen nach einem weiteren Kurs. Nach dem großen Zuspruch beim „Tag der offenen Gartentür“ soll es auch am 28. Juni 2020 wieder eine derartige Veranstaltung geben.

Die Broschüre „Dorfgrün gestalten“ ist bei den Kreisfachberatern an den oberfränkischen Landratsämtern erhältlich. Die Ausleihe der Ausstellung, die aus 13 individuell gestalteten Rollup-Bannern besteht, kann von Kommunen, Obst- und Gartenbauvereinen oder sonstigen Organisationen beim Amt für ländliche Entwicklung Oberfranken unter poststelle@ale-ofr.bayern.de oder telefonisch (0951/837-0) angefragt werden.

Bei der Jahresabschlusssitzung wurden Birgit Wunderatsch aus Helmbrechts und Jeannette Simon-Tischer aus Bayreuth als stellvertretende Vorsitzende, Fritz Pohl vom Kreisverband Kronach als Beisitzer und die Jugendbeauftragte Kathrin Dörfler aus Bindlach zur Beisitzerin gewählt. Alle vier sind kommissarisch bereits seit März im Amt. Nach wie vor offen ist nach dem Ausscheiden von Ernst Deutsch aus Forchheim im April dieses Jahres die Position des Geschäftsführers.

Bild: Vor einigen Rollup-Displays der kleinen Ausstellung stellten die Initiatoren die neue Broschüre „Dorfgrün gestalten“ vor. Im Bild von links: Fritz Pohl, Anton Hepple, Jugendbeauftragte Kathrin Dörfler, Birgit Wunderatsch, Gudrun Brendel-Fischer, Paul Zweier, Jeannette Simon-Tischer und Friedhelm Haun.

nach oben


14.11.2019

Erfolgsgeschichte mit Eigeninitiative, Engagement und Ehrenamt / Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“: Markt Thurnau und Pressecker Ortsteil Reichenbach als Sieger prämiert

Thurnau. Der Markt Thurnau und der Pressecker Gemeindeteil Reichenbach sind die Gewinner des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ auf Kulmbacher Kreisebene. Beide Orte wurden bei der Abschlussversammlung im Kreisentscheid von Landrat Klaus Peter Söllner, vom Vorsitzenden des Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege Günter Reif sowie von Kreisfachberater Friedhelm Haun ausgezeichnet.

Zwei erste Preise gab es deshalb, weil der Wettbewerb traditionell in Dörfern unter und über 600 Einwohner unterscheidet. Zweiter bei den Ortschaften über 600 Einwohnern wurde der Markt Ludwigschorgast. Bei den kleineren Dörfern belegte Zaubach den zweiten und Triebenreuth den dritten Platz. Beide Orte gehören zu Stadtsteinach.

Auch in seiner 27. Auflage hat der Wettbewerb, der früher „Unser Dorf soll schöner werden“ hieß, nichts von seiner Faszination verloren. Landrat Söllner sprach von einer „Erfolgsgeschichte für den Landkreis Kulmbach“. In den zurückliegenden 25 Jahren habe Kulmbach immer auf bayerischer Landesebene mitgemischt und insgesamt zweimal Bronze, sechsmal Silber und einmal Gold geholt. Selbst auf Bundeseben gab es schon einmal Silber für den Landkreis Kulmbach

Während es in früheren Jahren hauptsächlich darum gegangen sei, dass der Ort möglichst grün war und ordentlichen Blumenschmuck vorzuweisen habe, stünden heute Dinge wie wirtschaftliche Initiativen, soziales Engagement, bauliche Weiterentwicklungen und ökologische Aspekte im Vordergrund. Geblieben ist nach den Worten des Landrats das Zusammenwirken von Kommunen und Vereinen vor Ort, aber auch das ehrenamtliche Engagement vieler Einzelner. Als wesentliche Säulen des Wettbewerbs bezeichnete Söllner deshalb auch die freiwilligen Leistungen, die Eigeninitiative und das Engagement der Bürger.

Kreisvorsitzender Günter Reif bewunderte Fleiß und Schaffenskraft aller Beteiligten in den Dörfern und den großartigen Einsatz der haupt- und nebenamtlichen Akteure. „Die Ortschaften und unsere Heimat brauchen Menschen wie sie“, sagte er zu den Mitstreitern. Zwei Jahre lang habe sich Thurnau unter Federführung des Gartenbauvereins auf den Wettbewerb vorbereitet, so Bürgermeister Martin Bernreuther. Nicht nur wegen des ersten Platzes habe sich die Mühe gelohnt. Der Wettbewerb sei auch eine gute Gelegenheit, den Ort zu präsentieren.

Der Jury gehörten unter der Leitung von Kreisfachberater Friedhelm Haun der frühere Kreisbaumeister Reinhold Dippold, Naturschutzfachkraft Alexander Kusche, Kreisbäuerin Beate Opel, Günter Reif als Vorsitzender des Kreisverbandes Gartenbau, der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz Erwin Schiffelholz und Kreisheimatpfleger Siegfried Sesselmann. Sie alle hatten die fünf Ortschaften an zwei Tagen im Juli besucht und sich anhand zahlreicher Bewertungskriterien ein Bild gemacht.

Neben einer Urkunde gab es für alle Siegerdörfer die begehrte Tontafel aus einer Töpferei in Motschenbach. Die beiden Erstplatzierten werden den Landkreis Kulmbach im kommenden Jahr auf Bezirksebene vertreten.

Bilder:
1.
 Bei den Ortschaften unter 600 Einwohner war der Pressecker Gemeindeteil Reichenbach erfolgreich. Das Bild oben zeigt die Delegation aus Reichenbach bei der Preisverleihung durch Landrat Klaus Peter Söllner in Thurnau.
2. Der Markt Thurnau ist bei den größeren Ortschaften Sieger im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Im Kutschenhaus des Schlosses überreichte Landrat Klaus Peter Söllner Urkunde und Tontafel und gratulierte allen Beteiligten.

nach oben


21.06.2019

Oberfränkische Gartenparadiese öffnen ihre Tore / Am 30. Juni findet der „Tag der offenen Gartentür“ statt

Gestungshausen. Unter dem Motto „Bayern blüht“ findet am Sonntag, 30. Juni in zahlreichen privaten Gärten wieder ein „Tag der offenen Gartentür“ statt. Ein Schwerpunkt wird dabei in Oberfranken liegen. Kein Wunder, denn hier wurde die Veranstaltung vor einigen Jahren vom damaligen Bezirkstagpräsident Edgar Sitzmann „erfunden“. Fast 40 Gärten beteiligen sich diesmal allein im Regierungsbezirk. Um die Werbetrommel für die Großveranstaltung zu rühren, öffneten Ursula und Konrad Weichert aus Gestungshausen bei Sonnefeld im Landkreis Coburg im Vorfeld schon mal ihre Gartentüren, um ihr Paradies mit zahlreichen Bäumen, Sträuchern und einem Karpfenteich zu präsentieren.

Auf dem 2500 Quadratmeter großen Gelände gibt es einen Gemüse- und einen Blumengarten mit Garten- und Gewächshaus. Als ausgewiesener Rosenliebhaber zeigt Konrad Weichert Stauden und Rosenbeete mit historischen und modernen Züchtungen, Kletterrosen und verschiedenen Clematis-Kreationen. Konrad Weichert berichtet von 60 verschiedenen Rosensorten und elf Clematis-Arten. Für ihn ist der Garten eher ein Gesundheitspark, indem man Krafttraining, gesunde Ernährung, Spaß und Erfolgserlebnisse miteinander verbinden kann.

Die Schirmherrschaft über den „Tag der offenen Gartentür“ hat die Vorsitzende des Bezirksverbandes für Gartenbau und Landespflege, die Bayreuther Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer übernommen. Sei es in den Obst- und Gartenbauvereinen früher darum gegangen, landwirtschaftliche Kenntnisse zu vermitteln und die Versorgung der Familie durch den eigenen Anbau sicherzustellen, sei es heute das Ziel, eine junge Generation für naturnahes Gärtnern zu begeistern. Die Obst- und Gartenbauverein hätten sich schon immer für naturnahes Gärtnern und natürlichen Pflanzenschutz ausgesprochen, sagte Brendel-Fischer vor dem Hintergrund des Volksbegehrens für den Artenschutz. In Oberfranken gibt es rund 500 Obst- und Gartenbauvereine mit zusammen an die 60000 Mitglieder.

Die Obst- und Gartenbauvereine und ihre Mitglieder seien es auch, die für die Gestaltung der lebens- und liebenswerten Dörfer verantwortlich sind. „Sie leisten einen wesentlichen Beitrag dazu, dass unsere Dörfer vital sind und dass die Lebensqualität in den ländlichen Regionen so hoch ist“, sagte die Regierungspräsidentin.

Der Obst- und Gartenbauverein Gestungshausen sei einer der aktivsten Vereine der Gemeinde, sagte der Sonnefelder Bürgermeister Michael Keilich. Seine Mitglieder setzten immer wieder sichtbare Zeichen fruchtbare Gartenkultur zum Wohle aller Einheimischen und Gäste, so der Coburger Landrat Sebatstian Straubel, der auch Kreisvorsitzender der Coburger Obst- und Gartenbauvereine ist. „Unser Ziel ist es, die Natur zu schützen und Kinder und Jugendliche für den Gartenbau zu begeistern, denn nur das, was junge Leute kennen, werden sie später auch schützen“, sagte Rainer Kestel, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Gestungshausen.

Der „Tag der offenen Gartentür“ findet am Sonntag, 30. Juni statt. Sämtliche Gärten haben von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Aufgelistet wurden sämtliche teilnehmenden Gärten in einer eigenen Broschüre, die an vielen öffentlichen Stellen, unter anderem bei den Landratsämtern ausliegt.

Weitere Infos: www.bezirksverband-ofr-gartenbau.de.

Bild: Im Garten der Familie Weichert stehen die Rosen im Mittelpunkt (von links): Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, Ursula Weichert, Bürgermeister Michael Keilich, Gudrun Brendel-Fischer, Landrat Sebastian Straubel und Konrad Weichert.

nach oben


28.04.2019

Gartenbau als Herzstück des Welterbes / Tag der offenen Gärtnereien lockt viele hundert Besucher nach Bamberg

Bamberg. Die zahlreichen Gärtnereien spielen in Bamberg eine große Rolle. Waren sie doch mitentscheidend dafür, dass die Stadt 1993 als Weltkulturerbe in die Liste der UNESCO eingetragen wurde. Dieser Eintrag sei aber nicht nur ein Prestige, sondern auch mit der Verantwortung verbunden, nachhaltig zu handeln, sagt Patricia Alberth, Leiterin des Zentrums Welterbe Bamberg. Kurze Transportwege gehörten genauso dazu, wie Regionalität, Saisonalität und eine reiche Tradition, so Patricia Alberth beim Tag der offenen Gärtnereien, der mittlerweile zum achten Mal stattfand und viele hundert Besucher in die  Domstadt lockte.

Zwölf Bamberger Gärtnerfamilien hatten sich diesmal beteiligt und die Tore ihrer Betriebe geöffnet. Dabei präsentierten die Gärtner nicht nur ihre Erzeugnisse, sondern informierten über Produktion und Arbeitstechniken und gaben Tipps rund um den Garten. Während sich die einen Gartenfreunde an winterharten Farnen, Gräsern, Kräutern und Stauden erfreuten, holten sich andere in der Gärtnerstadt Anregungen für den heimischen Garten oder Balkon.

Tatsächlich waren die außergewöhnlich vielen innerstädtischen Gartenflächen vor mittlerweile über 25 Jahren mitentscheidend, dass Bamberg zur Weltkulturerbestadt erklärt wurde. Um den Fortbestand der Betriebe zu sichern und das Wissen an künftige Generationen weiterzugeben, haben zahlreiche Gärtnerfamilien im Rahmen des Projektes „Urbaner Gartenbau“ 2011 die Interessensgemeinschaft der Bamberger Gärtner gegründet. Dieses Engagement unterstützt das Zentrum Welterbe, das Patricia Alberth leitet, um die Gärtnerstadt Bamberg und das UNESCO-Kulturerbe auch künftig in eine gute Zukunft zu führen.

„Wir wollen den Bürgern die Bedeutung der Gärtnerei in Bamberg in Bamberg vertraut machen“, sagte Oberbürgermeister Andreas Starke bei der Eröffnung auf dem Gelände der Bamberger Staudengärtnerei Strobler, nach Aussage von Betriebsleiter Johann Strobler die größte Staudengärtnerei Bayerns. Auch in dem neuen Welterbe-Besucherzentrum, das in diesen Tagen eröffnet wurde, spielten Gartenbaubetriebe und innerstädtische Gartenflächen neben der Domstadt und der bürgerlichen Inselstadt als einer der drei Ausstellungsinhalte eine große Rolle.

„Ohne Gärtnereien gäbe es das Welterben nicht“, so die bayerische Gesundheitsministerin und Bamberger Abgeordnete Melanie Huml. Ohne die Bamberger Gärtnereien wäre das Stadtbild ein ganz anderes, sagte sie. Das soll ins Bewusstsein der Bürger gerückt werden, genauso wie die Bedeutung regionaler und saisonaler Produkte und dafür stünden die Bamberger Gärtnereien.

Der Tag der offenen Gärtnereien war für die meisten Besucher aber auch die ideale Einstimmung in das Gartenjahr. Viele nutzten die Veranstaltung, um sich mit Zier- und Nutzpflanzen einzudecken. Neben umfangreichen Informationsangeboten und vielen Mitmach-Aktionen hatten auch das Gärtner- und Häckermuseum sowie der angeschlossene Bamberger Sortengarten geöffnet. In dem Museum, das heuer 40 Jahre alt wird, werden informativ Geschichte und Zusammenhänge des Erwerbsgartenbaus in Bamberger vermittelt, im Sortengarten geht es darum, fast vergessene Gemüsesorten zu erhalten.

Bilder: Ideale Einstimmung auf das anstehende Gartenjahr: Der Tag der offenen Gärtnereien in Bamberg erlaubte nicht nur Einblicke in die Produktion sondern auch die Gelegenheit, heimische Zier- und Gemüsepflanzen in außergewöhnlicher Vielfalt zu erwerben.

nach oben


23.04.2019

Geheimrat Dr. Oldenburg trifft die Kleine Pfalzgräfin / Projekt zur Sicherung der Obstsortenvielfalt in Oberfranken abgeschlossen

Bayreuth. Sie alle sind absolute Raritäten: „Herzogin Olga“, „Geheimrat Dr. Oldenburg“ oder „Kaiser Wilhelm“. Dabei handelt es sich weder um alten Landadel noch um Persönlichkeiten der Zeitgeschichte, sondern um seltene Obstsorten, die Fachleute jetzt wieder in Oberfranken entdeckt haben. Im Rahmen eines Obstsortenprojektes wurden sie und mehrere hundert weitere seltene Sorten jetzt erfasst, kartiert, vereinzelt sogar vermehrt und ausgebracht. „Wir konnten bereits 820 Bäume aus 180 Sorten auf 120 Teilflächen in Oberfranken pflanzen“, sagte Projektleiter Gerhard Bergner von der Höheren Naturschutzbehörde an der Regierung von Oberfranken, bei der Übergabe der Kartierung an Gudrun Brendel-Fischer. Die Landtagsabgeordnete aus Heinersreuth ist gleichzeitig Bezirksvorsitzende des Verbandes für Gartenbau und Landespflege.

Eine absolute Rarität ist die „Kleine Pfalzgräfin“, eine höchst seltene und längst vergessene Apfelsorte, die am Kirchberg von Gesees im Landkreis Bayreuth entdeckt wurde. Deutschlandweit sei bislang kein zweiter Baum bekannt, sagte Bergner. In Gesees gibt es bereits auch einen kleinen Lehrpfad, der mit mehreren großformatigen Tafeln auf die seltene Apfel- und Birnensorten hinweist. Die „Gelbgraue Rosenbirne“ gehört genauso dazu, wie der „Gravensteiner“ oder der „Pfaffenhofer Schmelzling“. Sie alle konnten jetzt wieder in Oberfranken nachgewiesen werden.

Das 2013 gestartete Projekt ist Teil der bayerischen Biodiversitätsstrategie. Deren Ziel ist der langfristige Erhalt von gefährdeten Sorten. In jedem oberfränkischen Landkreis (mit Ausnahme von Hof) seien jeweils zwei bis drei Streuobstbestände ausgewählt und von dem Pomologen Wolfgang Subai aus Heidenheim kartiert und per GPS festgehalten worden. 7000 Apfel- und Birnenbäume aus 30 Teilflächen habe der Obstbaumkundler auf diesem Weg erfasst und darauf 285 verschiedene Sorten bestimmt. Mehr als die Hälfte der vorhandenen Sorten habe bislang gar nicht bestimmt werden können, so Projektleiter Bergner. Mit Hilfe des Ökologisch-Botanischen-Gartens der Universität Bayreuth und einer Baumschule sei dann bei bislang 180 Sorten eine Vermehrung gelungen.

Ziel des Unterfangens sei der Erhalt der Vielfalt. „Ein Thema, das viele Menschen interessiert“, stellte der Fachmann fest. Entsprechende Vorträge, Seminar und Exkursionen der Obst- und Gartenbauvereine seien stets ausgebucht gewesen. Zum einen soll das noch vorhandene Wissen festgehalten und weitergegeben, zum anderen sollen auch neue Obstkundler ausgebildet werden. Dazu sei es wichtig, das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen und bei den Menschen ein Verständnis dafür zu entwickeln.

„Uns geht es auch darum, ein Bewusstsein für den Wert heimischen Obstes zu schaffen“, sagte Gudrun Brendel-Fischer. Es müsse nicht immer der Granny aus Neuseeland sein, so die Landtagsabgeordnete und Bezirksvorsitzende. Statt Obst vom anderen Ende der Welt einzufliegen, sollte der Verbraucher ruhig auch mal einen Apfel oder eine Birne aus heimischen Gefilden probieren. Brendel-Fischer sprach auch von einem wichtigen Projekt im Sinne der Nachhaltigkeit, das zum einen die strukturelle Vielfalt der Region aufzeige, zum anderen aber auch aufgrund seiner Bedeutung für die heimische Kulturlandschaft für den Tourismus von Belang sei.

Bild: Zum Abschluss eines Projektes zur Obstsortenvielfalt in Oberfranken hat Gerhard Bergner von der Höheren Naturschutzbehörde an der Regierung von Oberfranken, die entsprechende Kartierung an Gudrun Brendel-Fischer, Landtagsabgeordnete und Bezirksvorsitzende des Verbandes für Gartenbau und Landespflege, überreicht.

nach oben


19.10.2018

Reiseführer zu grünen Sehenswürdigkeiten / Verband für Gartenbau und Landespflege präsentierte Übersicht über Gartenkultur in Oberfranken

Bayreuth. Mit dem Magazin „Gartenland Oberfranken“ hat der Bezirksverband für Gartenbau und Landespflege eine in dieser Form bislang einmalige Publikation vorgestellt. Autorin ist die frühere Frankenpost-Redakteurin Elfriede Schneider, die in dem aufwändig gestalteten, fast 70 Seiten starken Heft 21 herausragende Privatgärten aus allen neun oberfränkischen Landkreisen portraitiert hat und damit die Vielfalt des Gartenlandes Oberfranken vorstellt. Dazu gibt es nützliche Hinweise und Ausflugstipps zu öffentlichen Gärten, Naturschönheiten und sonstige Besonderheiten, die der Regierungsbezirk für Naturfreunde zu bieten hat.

Viele Menschen hätten noch immer von Oberfranken eine negative Vorstellung. Dagegen müsse man etwas tun, hatte sich die überzeugte Hobbygärtnerin gedacht. Für Elfriede Schneider gehören die vielen Gärten im Bezirk zu den positiven Dingen, die Oberfranken zu bieten hat. In Form von packenden und informativen Reportagen hatte sie deshalb alle 21 Privatgärten portraitiert und ihre Inhaber vorgestellt.

Doch damit nicht genug: ähnlich wie in einem Reiseführer werden außerdem „grüne Sehenswürdigkeiten“ aus allen Landkreisen vorgestellt. Der Kurpark Bad Steben gehört genauso dazu, wie der Rosengarten an der Residenz in Bamberg, Festspielpark, Hofgarten und Eremitage in Bayreuth oder der Kräutergarten in Teuschnitz. Auch Bräuche und Traditionen wie die Osterbrunnen der Fränkischen Schweiz, der Kirschenanbau rund ums Walberla oder das Brunnenfest in Wunsiedel werden beschrieben.

Eines hätten sämtliche der portraitierten Gartenbesitzer gemeinsam, so Elfriede Schneider: „Alle sagen, wie viel Freude ihnen Garten macht.“ Für die Autorin ist die oberfränkische Vielfalt einmalig. Hier gebe es wunderbare Privatgärten, abwechslungsreiche Bauerngärten und eindrucksvolle höfische Gartenanlagen. Für die Autorin soll die jetzt vorliegende Übersicht über die oberfränkische Gartenkultur kein Schlusspunkt sein. Sie arbeite bereits an einem Vortrag für die Gartenbauvereine über Privatgärten im Regierungsbezirk.

Von einem herausragenden Ansatz zur Imagepflege sprach die Bezirksvorsitzende des Verbandes für Gartenbau und Landespflege, die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Bei aller Schönheit der Gärten dürfe man deren ökologische Komponente nicht vergessen. In erster Linie als grüner Wohlfühlraum erfahre der Garten derzeit eine Renaissance. Das vorliegende Magazin nannte sie eine prima Visitenkarte für den Verband und einen wichtigen Pluspunkt in der Außendarstellung. Brendel-Fischers Dank galt dabei besonders der Autorin Elfriede Schneider, die viele Stunden ehrenamtlich an dem Magazin gearbeitet hatte.

Die Broschüre „Gartenland Oberfranken – Private Paradiese laden ein“ ist in einer Auflage von 3500 Exemplaren erscheinen. Die Veröffentlichung wurde vom Bezirk Oberfranken gefördert. Sie ist kostenlos (gegen Erstattung der Portokosten) bei den Kreisfachberatern der Obst- und Gartenbauvereine sowie beim Bezirksverband für Gartenbau und Landespflege erhältlich.

Bilder:
1.
 Die Bezirksvorsitzende des Verbandes für Gartenbau und Landespflege Gudrun Brendel-Fischer und die Autorin Elfriede Schneider haben das Magazin „Gartenland Oberfranken“ vorgestellt.
2. Am Rande einer Bezirksvorstandssitzung präsentierten (von links) die Bezirksvorsitzende Gudrun Brendel Fischer, Vorstandsmitglied Günter Reif, Autorin Elfriede Schneider, Jugendbeauftragte Katrin Dörfler und Vorstandsmitglied Friedhelm Haun die neue Broschüre.

nach oben


17.05.2018

Was geschätzt wird, wird auch geschützt / Neuer Obstlehrpfad rund um Geseeser Kirche weist auf extrem seltene Apfel- und Birnensorten hin

Gesees. Sie tragen seltsame Namen wie „Lütticher Ananaskalvill“, „Bamberger Blauapfel“ oder „Kleine Pfalzgräfin“ und sie sind alle vor den Toren Bayreuths zuhause: Apfel- und Birnensorten, die extrem selten sind. Sie und viele andere sind auf den Streuobstwiesen rund um den Kirchberg von Gesees mit ihren insgesamt rund 300 Bäumen zu finden. Um Kirchgänger, Gartenfreunde, Wanderer und Touristen darauf aufmerksam zu machen, ist jetzt rund um die historische Wehrkirche „St. Marien zum Gesees“ ein Obstlehrpfad mit acht großformatigen Tafeln entlang eines etwa zwei Kilometer langen Rundweges eröffnet worden.

Der Obstlehrpfad ist das Gemeinschaftswerk vieler Beteiligter: Die Kirchengemeinde gehört dazu, der Landkreis Bayreuth, die 1300 Einwohner große Gemeinde Gesees, die Höhere Naturschutzbehörde an der Regierung von Oberfranken, das Bayerische Umweltministerium als Geldgeber und allen voran der örtliche Obst- und Gartenbauverein. 2012 seien die ersten Äpfel eingesammelt und zu Saft verarbeitet worden, erinnert sich der Vorsitzende des Vereins Georg Nützel. Hier glänze das Obst natürlich nicht so wie im Supermarkt, die Streuobstwiese sei aber trotzdem von großer Bedeutung für den Lebensraum.

Eigentümer der etwa drei Hektar großen Streuobstwiese ist die Kirchenstiftung Gesees. Schon 2013 habe er versucht, mit den Konfirmanden dem Wildwuchs Herr zu werden und somit Dienst an Gottes Schöpfung zu leisten, sagte Pfarrer Ekkehard de Fallois. So recht habe das damals nicht funktioniert, denn, so der Pfarrer: „Solche Arbeiten wollen halt doch gelernt sein“. Deshalb sei er froh, dass es den Pächter Dieter Albrecht vom benachbarten Culmberg gibt, der mit seinen Schafen und Ziegen zweimal im Jahr zur Beweidung vorbei kommt, und, dass sich der Obst- und Gartenbauverein der Bäume angenommen habe und jährliche Entbuschungs- und Pflegemaßnahmen durchführt.

Hintergrund des Obstlehrpfades sei die Bayerische Biodiversitätsstrategie, erläuterte der oberfränkische Regierungsvizepräsident Thomas Engel. Sie soll vor alle dazu beitragen, dass die heimische Artenvielfalt erhalten bleibt. Laut Engel sind die alten Obstsorten aber auch widerstandsfähiger gegen Schädlinge und ihre Vielfalt sei ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der Genussregion Oberfranken. Streuobstwiesen sind aber auch in Gefahr geraten: So seien die Streuobstbestände innerhalb von fünf Jahrzehnten um die Hälfte zurückgegangen.

„Noch Generationen nach uns werden sich freuen, dass dieser alte Bestand erhalten werden konnte“, sagte der Bayreuther Landrat Hermann Hübner. Der Lehrpfad sei wichtig, um die Menschen für die alten Obstbäume zu begeistern. Denn nur was geschätzt wird, werde auch geschützt, so der Landrat. Bürgermeister Harald Feulner bezeichnete den Lehrpfad als wichtige Bereicherung für die Gemeinde und nannte die Streuobstwiesen rund um den Kirchberg als Mosaik aus einmaligen Lebensräumen.

Bild: Herbert Rebhan, Leiter des Sachgebietes Naturschutz an der Regierung von Oberfranken, erläutert Regierungsvizepräsident Thomas Engel und Bürgermeister Harald Feulner (von links) die einzelnen Tafeln des neuen Obstlehrpfades in Gesees.

nach oben


01.08.2016

Open-Air-Fest der Superlative / Zwischenbilanz: Landesgartenschau in Bayreuth hat bislang alle Erwartungen übertroffen

Bayreuth. 550000 Besucher, 20500 Dauerkarten und fast 1900 Reisebusse: das war eine Zwischenbilanz für die Landesgartenschau in Bayreuth ganz nach dem Geschmack der Veranstalter. Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe hatte zur Halbzeit noch jede Menge weitere Zahlen im Gepäck: fünf Tonnen verkaufte Bratwürste, je 10000 Eisportionen und Kuchenstücke und über 500 komplette Torten.

Und das alles trotz manchmal nicht unbedingt günstiger Bedingungen. Regen und Sturm sorgten in den ersten Wochen dafür, dass die Landesgartenschau früher als geplant dicht machen musste. Teilweise war das Unwetter so heftig, dass die Besucher aufgefordert wurden, das Gelände schnellstmöglich zu verlassen. Einen Sturm gab es auch auf den sozialen Medien. Hier beschwerten sich viele über die die unzulänglichen gastronomischen Angeboten. Doch allen Widrigkeiten zum Trotz schwärmte Brigitte Merk-Erbe von „Zahlen, die wir so nicht erwartet hatten“. Nach dreieinhalb Monaten hieß es seitens der Oberbürgermeisterin auch: „Wir sind auf dem besten Weg, alle Erwartungen zu übertreffen.“

Ein großer Teil der Besucher war bisher aus Sachsen und Thüringen nach Bayreuth gekommen. Hier mache sich die Medienkooperation nicht nur mit dem Bayerischen Rundfunk, sondern auch mit dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) bezahlt. Aber auch aus dem Ausland kamen immer wieder Besucher auf das Gartenschaugelände: aus Österreich und der Schweiz, aus Polen und Tschechien, vereinzelte Gäste sind nach den Worten der Oberbürgermeisterin sogar schon aus China und aus den USA gesichtet worden.

„Die Bayreuther und die Menschen aus der Region lieben ihre Gartenschau“, hieß es. Tatsächlich seien in der Stadt erhebliche Frequenzsteigerungen festgestellt worden. Soll heißen: Hotellerie und Gastronomie sind bestens ausgelastet, Außenstationen wir der Ökologisch-Botanische Garten der Universität Bayreuth oder das 40 Kilometer entfernte Kräuterdorf Nagel verzeichnen deutlich mehr Besucher als je zuvor. Vom Imagegewinn kaum zu reden sagte Brigitte Merk-Erbe. „Die Gartenschau ist im Herzen der Menschen angekommen.

Ins Schwärmen geriet bei der Halbzeitbilanz auch der Amtschef des Landwirtschaftsministeriums Hubert Bittlmayer. Bayreuth liege nach der ersten Halbzeit eindeutig in Führung und habe sich mittlerweile bayernweit einen herausragenden Ruf erarbeitet. Ulrich Schäfer vom Landesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau sprach von einem Open-Air-Fest der Superlative, das auch für die rund 550 Mitgliedsbetriebe in Freistaat ein wichtiges Zeichen setze. Schäfer richtete bereits den Blick nach vorne und warb für die nächste kleine Landesgartenschau 2017 in Pfaffenhofen an der Ilm und für die nächste große Landesgartenschau 2018 in Würzburg.

Hauptattraktionen der Landesgartenschau in Bayreuth ist die „Wilhelminenaue“, ein eigens angelegter künstlicher See mit Insel und Seebühne. Das neu geschaffene Gewässer ist rund zwei Hektar groß und bis zu 2,80 Meter tief. Am Ufer befinden sich Schilffelder und ein 670 m langer Rundweg. Weitere Besonderheiten der Landesgartenschau sind eine 400 Quadratmeter große Kletternetzlandschaft und ein Wasserspielplatz, Beachvolleyballfelder,  ein Kultur-, ein Garten-, ein Sport- und ein Gourmetkabinett, eine Dirt-Bike-Anlage und vieles mehr.

Die Schau hat rund 10,5 Millionen Euro gekostet. Gefördert wird diese Investition unter anderem mit jeweils rund 2,9 Millionen Euro durch das Bayerische Umweltministerium und durch europäische Fördergelder. 175000 Euro steuert das bayerische Landwirtschaftsministerium bei. Die Durchführung wird noch einmal mit 9,2 Millionen Euro zu Buche schlagen, wobei der Großteil davon durch Einnahmen gedeckt sein soll. Gesellschafter der Landesgartenschau sind die Wohnungsbau- und Wohnungsfürsorgegesellschaft der Stadt Bayreuth (GEWOG) mit 60 Prozent und die Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen mbH mit 40 Prozent.

Die Landesgartenschau dauert noch bis zum 9. Oktober 2016. Tageskarten kosten für Erwachsene 16 Euro, ermäßigt 12 Euro, Kinder und Jugendliche zahlen drei Euro. Die Kassen haben täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

Bilder:
- Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, Ulrich Schäfer vom Landesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, Hubert Bittlmayer vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium und die beiden Geschäftsführer Ulrich Meyer zu Helligen und Dagmar Voß (von links) zogen eine positive Zwischenbilanz über die Landesgartenschau in Bayreuth.
-
Die Besucherzahlen der Landesgartenschau haben bislang alle Erwartungen übertroffen.

nach oben


13.05.2016

Wasser ist das Lebensmittel Nummer 1 / Fernwasserversorgung Oberfranken wurde vor 50 Jahren gegründet – Kommunale Trägerschaft statt Privatisierung

Kronach. Die Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO) beliefert 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr fast 400000 Menschen im Regierungsbezirk mit Trinkwasser. Das Fernleitungsnetz dafür ist knapp 500 Kilometer lang. Größte Abnehmer sind die Städte Bayreuth und Bamberg mit drei, beziehungsweise 1,9 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Gegründet wurde die FWO im Juni 1966, also vor fast genau 50 Jahren in Bayreuth. Der runde Geburtstag wurde jetzt in Kronach, am Sitz des Unternehmens mit seinen heute 80 Beschäftigten gefeiert.

Im Zentrum der FWO steht die Trinkwassertalsperre Mauthaus, besser bekannt als Ködeltalsperre im Landkreis Kronach. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts habe es mehrere Versuche gegeben, sie zu verwirklichen“, sagte der FWO-Vorsitzende Heinz Köhler (SPD), früherer Kronacher Landrat und langjähriger Landtags, Bundestags- und Europaabgeordneter. 1968 wurde mit dem Bau begonnen, 1973 fand die Einweihung statt. Ziel sei von Anfang an die Trinkwasserversorgung Oberfrankens gewesen, daneben diente die Sperre auch immer wieder dem Hochwasserschutz und der Energieerzeugung.

Was das Trinkwasser angeht, habe es damals in zunehmendem Maße erhebliche Versorgungsengpässe gegeben. Geringe Niederschläge, die geologische Situation in Frankenwald, im Fichtelgebirge und im fränkischen Jura hätten die Bildung von Grundwasservorkommen beeinträchtigt. Erbaut hatte die Talsperre der Freistaat, Betreiber war von Anfang an die FWO, die nach und nach bis in die 1990er Jahre immer neue Fernleitungen errichtete.

Erster Kunde war ab 1975 die Stadt Bamberg. Bis 1983 seien der Frankenwald-Ast, der Hofer, der Coburger und der Scheßlitzer Ast dazugekommen. 1986 bis 1989 wurden der Bayreuther Ast, der seit der Jahrtausendwende auch die Stadt Kulmbach mitversorgt, und bis 1996 der Auracher  Ast errichtet.

Von einer beispiellosen Erfolgsstory sprach Vorsitzender Köhler bei dem Festakt. Köhler: „Die FWO ist ein blühendes Unternehmen in technischer wie in wirtschaftlicher Hinsicht und genießt einen hervorragenden Ruf in Oberfranken.“ Insgesamt seien in den fünf Jahrzehnten über 250 Millionen Euro verbaut worden. Köhler sprach auch einen Punkt an, der nicht erreicht wurde: die Verbindung nach Unterfranken zur Rhön-Maintal-Gruppe. Örtliche Initiativen seien dagegen gewesen. Lediglich der Landkreis Haßberge in Unterfranken ist noch Mitglied der FWO, weil die Gemeinde Rentweinsdorf mit dem Wasser aus der Ködeltalsperre versorgt wird.

„Wasser ist das Lebensmittel Nummer 1“, sagte die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf. Aufgrund der geringeren Niederschläge seien die klimatischen Voraussetzungen nicht so optimal. In Trockenzeiten könne dies schnell zu Wassermangel führen. Deshalb sei die Gründung der FWO eine Entscheidung mit großer Weitsicht gewesen.

Ganz wichtig sei die kommunale Trägerschaft, so der 1. Stellvertretende Vorsitzende und Kronacher Landrat Oswald Marr. Immer wieder sei von der Privatisierung der Wasserversorgung die Rede, doch Privatisierung stehe für schlechte Netze und hohe Preise. Deshalb sei es so wichtig, dass die Kommunen Partners des Dienstleisters FWO sind. Mehr Wertschätzung für das Wasser forderte der 2. Stellvertretende FWO-Vorsitzende und Kulmbacher Oberbürgermeister Henry Schramm. „Wasser ist nichts, so lange du es hast“, zitierte er ein Sprichwort. „Wie selbstverständlich gehen wie alle davon aus, dass wir so viel Wasser zur Verfügung haben, wie wir möchten“, sagte Schramm. Doch so selbstverständlich sei dies alles nicht, dass sollte sich jeder immer wieder aufs Neue vor Augen führen.

Bilder:
- 50 Jahre Trinkwasser aus dem Frankenwald: der Wasserentnahmeturm der Ködeltalsperre im Landkreis Kronach.
-
50 Jahre FWO als beispiellose Erfolgsstory (von links): Landrat Oswald Marr, Vorsitzender Heinz Köhler, die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf und der Kulmbacher OB Henry Schramm beim Festakt in Kronach.

nach oben


22.04.2016

Wilhelminenaue, Wasserspielplatz und üppige Wiesen:
Es grünt und blüht auf 60 Fußballfeldern / Größte Landesgartenschau in der Geschichte Bayerns eröffnet – Sogar Mustergräber werden gezeigt

Bayreuth. Sie ist die größte Landesgartenschau, die es in Bayern je gab. Sie wird das Gesicht der Stadt nachhaltig verändern und sie soll bis Oktober mindestens 750000 Besucher anlocken: die Landesgartenschau in Bayreuth. Am Freitag wurde das Spektakel von der bayerischen Umweltministerin Ulrike Scharf eröffnet.

Grün war in Bayreuth bislang vor allem der Hügel, auf dem Richard Wagners Festspielhaus steht, das ebenfalls viele tausend Besucher Jahr für Jahr anlockt. Mit der 45 Hektar großen Wilhelminenaue zwischen Innenstadt und Eremitage bekommt der Grüne Hügel heuer gewaltige Konkurrenz. Um Musik geht es auch bei der Landesgartenschau, denn das Motto lautet „Musik für die Augen“. Damit sind nicht nur die elf Musiker der eigens gegründete Landesgartenschau-Band gemeint, die bereits am Eröffnungstag auf der Seebühne mächtig einheizten, sondern die rund 500 Stauden, über 10000 Bäume, circa 20000 Steckhölzer und fast 150000 Blumenzwiebeln, die dort gepflanzt wurden, wo einst landwirtschaftliche Flächen weit in die Stadt hineinragten.

Damit sei die Wagner-Stadt in diesem Sommer nicht nur Nabel für Opernfans sondern auch Anziehungspunkt für alle Blumenliebhaber, sagte Umweltministerin Scharf, ehe sie zusammen mit Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe und dem Präsidenten des Bayerischen Gärtnereiverbandes Roland Albert symbolisch ein Blumenband an der Seebühne durchtrennte. Die Gartenschau werde wie in vielen anderen Kommunen Bayern zuvor zu einem einmaligen Naturerlebnis im jetzt und schaffe bleibende Werte für morgen. Ulrike Scharf: „Gartenschauen steigern die Lebensqualität der Menschen und gleichzeitig den ökologischen Wert vor Ort.“

Hauptattraktionen der „Wilhelminenaue“ sind ein eigens angelegter künstlicher See mit Insel und Seebühne. Das neu geschaffene Gewässer ist rund zwei Hektar groß und bis zu 2,80 Meter tief. Am Ufer befinden sich Schilffelder und ein 670 m langer Rundweg. Weitere Besonderheiten, mit denen die Landesgartenschau bei ihren Besuchern punkten möchten sind eine 400 Quadratmeter große Kletternetzlandschaft und ein Wasserspielplatz, Beachvolleyballfelder,  ein Kultur-, ein Garten-, ein Sport- und ein Gourmetkabinett, jede Menge Gastronomie, eine Dirt-Bike-Anlage und vieles mehr.

Die ersten Besucher hatten sich schon in den zurückliegenden Monaten auf dem Gelände niedergelassen:  so wurde beispielsweise der seltene Eisvogel und der Flußregenpfeifer entlang des auf einem Kilometer renaturierten Roten Mains gesichtet. Neben der Auflockerung des Uferbereichs und der Vernetzung mit den umliegenden Auen wurde durch die Neugestaltung die Eigendynamik des Gewässers gefördert, indem technisch ausgebaute Gewässerstrecken beseitigt wurden und der der Fluss zukünftig wieder einen naturnahen Verlauf nehmen kann. Auch hier wurden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, denn die Maßnahme soll nicht nur schön anzusehen sein, sondern auch einen wichtigen Beitrag zum natürlichen Hochwasserrückhalt leisten.

So ganz ohne Musik und Theater geht es allerdings dann auch auf der Landesgartenschau nicht. Mit der Seebühne, einer Jungen Bühne und einem Heckentheater soll der Park auch eine besondere Kulturarena sein. Viele Konzerte, Theateraufführungen, Lesungen und besondere Themen-Events sind geplant. So startet der Bayerische Rundfunk bereits am Eröffnungs-Wochenende ein Unterhaltungs-Feuerwerk mit einem Volks- und Blasmusik-Frühschoppen am Samstag und einem großen Schlager-Nachmittag mit Patrick Lindner, Laura Wilde und Ross Antony am Sonntag. Weitere Höhepunkte sind unter anderem ein Konzert mit Rolf Zuckowski am 5. Mai und die Aufzeichnung der BR-Unterhaltungssendung „Auf geht´s“ am 13. Mai mit Gaby Moreno, Viva Voce und Kult-Komiker Volker Heißmann. In den folgenden Wochen und Monaten werden außerdem Echo-Preisträgerin Oonagh sowie die Kultbands Bananafishbones und die Münchener Freiheit Konzerte geben.

Von einem Gesamtkunstwerk und von „Festspielen der Blumen und der Gartenkunst“ sprach Oberbürgermeisterin Merk-Erbe. 171 Tage lang sollen die Besucher in Bayreuth ihr grünes Wunder erleben. „Ein solches Projekt hat nur dann Erfolg, wenn es in den Herzen der Menschen ankommt, das ist in Bayreuth der Fall“, so die Oberbürgermeisterin.  Flächenmäßig sei man von einer Bundesgartenschau nicht mehr weit entfernt. Auch was das Rahmenprogramm angeht: von den Partnerstädten und Regionen Annecy, Burgenland, Rudolstadt und dem sechsten Prager Stadtbezirk über die Universität, die Kirchen und Glaubensgemeinschaften bis hin zum Ökologisch-Botanischen Garten der Universität Bayreuth und dem Wildpark Mehlmeisel werden viele Institutionen und Zusammenschlüsse mit eigenen Beiträgen auf der Landesgartenschau präsent sein.

Die kunstsinnige Markgräfin Wilhelmine hätte an diesem Park ihre wahre Freude gehabt, war sich Gärtnereiverbandspräsident Roland Albert bei der Eröffnung sicher. Dabei soll die Landesgartenschau nicht nur schön anzusehen sein, sondern auch über gesellschaftlich relevante Themen informieren. So gebe es beispielsweise ein eigenes Feld mit fast 50 Mustergräbern, auf dem die Bestattungskultur im Wandel der Zeit präsentiert wird.

Die Landesgartenschau in Bayreuth hat bislang rund 10,5 Millionen Euro gekostet. Gefördert wird diese Investition mit jeweils rund 2,9 Millionen Euro durch das Bayerische Umweltministerium und durch europäische Fördergelder. 175000 Euro steuert das bayerische Landwirtschaftsministerium bei. Die Durchführung wird noch einmal mit 9,2 Millionen Euro zu Buche schlagen, wobei der Großteil davon durch Einnahmen gedeckt sein soll. Gesellschafter der Landesgartenschau sind die Wohnungsbau- und Wohnungsfürsorgegesellschaft der Stadt Bayreuth (GEWOG) mit 60 Prozent und die Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen mbH mit 40 Prozent.

Die Landesgartenschau in Bayreuth dauert bis zum 9. Oktober 2016. Tageskarten kosten für Erwachsene 16 Euro, ermäßigt 12 Euro, Kinder und Jugendliche zahlen drei Euro. Dauerkarten kosten für Erwachsene 100 Euro, im Vorverkauf 90 Euro. Die Kassen haben täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

nach oben


08.04.2016

Bäume, Blumen und Blüten auf 60 Fußballfeldern / Gesamtkunstwerk Landesgartenschau: „Musik für die Augen“ an 171 Veranstaltungstagen

Bayreuth. 500 Stauden, 10000 Bäume, 20000 Steckhölzer und 150000 Blumenzwiebeln: die Landesgartenschau in Bayreuth schlägt in jeder Hinsicht neue Rekorde auf. Mit einer Fläche von 45 Hektar, das sind rund 60 Fußballfelder, ist sie die größte bayerische Landesgartenschau in der Geschichte. An den 171 Gartenschautagen werden exakt 3818 Veranstaltungen stattfinden, darunter riesige Blumenschauen, außergewöhnliche Konzerte und Theateraufführungen aber auch jede Menge Präsentationen. Nach sieben Jahren Planungs- und Bauzeit eröffnet die Landesgartenschau am 22. April.

Ganze Armeen von Gärtnern sind derzeit noch damit beschäftigt, tausende von Pflanzen an der richtigen Stelle zu platzieren. Von einem Gesamtkunstwerk sprach am Freitag bei einem Vorabrundgang  für die Presse Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. „Wir können es kaum erwarten“, sagte sie. 171 Tage lang sollen die Besucher ihr grünes Wunder erleben. Flächenmäßig sei man von einer Bundesgartenschau nicht mehr weit entfernt, so Merk Erbe. Auch was das Rahmenprogramm angeht: von den Partnerstädten und Regionen Annecy, Burgenland, Rudolstadt und dem sechsten Prager Stadtbezirk über die Universität, die Kirchen und Glaubensgemeinschaften bis hin zum Ökologisch-Botanischen Garten der Universität Bayreuth und dem Wildpark Mehlmeisel werden viele Institutionen und Zusammenschlüsse mit eigenen Beiträgen auf der Landesgartenschau präsent sein.

Für die Stadt Bayreuth ist es dabei ganz wichtig, dass der neue Mainauenpark zwischen der Innenstadt und dem markgräflichen Landschaftspark der Eremitage auf Dauer angelegt ist. Die Landesgartenschau gehe weit über ein temporäres Ereignis hinaus und sei der Nachhaltigkeit verpflichtet. Nun sollen aber erst einmal viele tausend Besucher nach Bayreuth kommen, was touristisch einen Imagegewinn für die Stadt und die gesamte Region bedeutet.

Das Motto der Landesgartenschau lautet: „Musik für die Augen“. Schöner hätte es Richard Wagner auch nicht formulieren können, meinte die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf, die ebenfalls an dem Vorabrundgang teilgenommen hatte. Das Motto sei in der oberen Mainaue mit einem eigens ausgehobenen zwei Hektar großen See und einer naturnahen Aue auf 1,2 Kilometern Länge hervorragend umgesetzt worden. 

„Markgräfin Wilhelmine hätte an diesem Park ihre wahre Freude gehabt“, so Roland Albert, Präsident des Bayerischen Gärtnereiverbandes. Dabei soll die Landesgartenschau nicht nur schön anzusehen sein, sondern auch über gesellschaftlich relevante Themen informieren. So gebe es beispielsweise ein eigenes Feld, auf dem die Bestattungskultur im Wandel der Zeit präsentiert wird.

Die „Wilhelminenaue“ ist gleichzeitig das Kernstück der Landesgartenschau. In einem Talraum gelegen unterstützen die beinahe unzähligen naturnahen Neuanpflanzungen von regionalen Blumen, Gehölzen, Stauden und Bäumen nachhaltig den ökologischen Umbau der Fluss- und Auenlandschaft sowie die Biotopvernetzung. Ziel war es den neuen Landschaftspark als artenreiches und blühendes Areal zu gestalten. Mitten drin verläuft der renaturierte Flusslauf des Roten Mains. Er soll die Entwicklung einer üppigen Wiesen- und Auenvegetation möglich machen. Angeblich habe sich bereits der seltene Flussregenpfeifer neu angesiedelt. Entlang des Roten Mains verbindet ein idyllische Uferweg die zahlreiche Attraktionen aus den Bereichen Sport, Spiel und Bildung – vom Forschungsbrunnen bis zum Wasserspielplatz.

Eine weitere Hauptattraktion ist der neu angelegte und nach dem angrenzenden Stadtteil benannte Hammerstätter See. Das neu geschaffene Gewässer mit seinen zwei Inseln ist rund zwei Hektar groß und bis zu 2,80 Meter tief. Am Ufer befinden sich Schilffelder, eine Seebühne und ein 670 m langer Rundweg. Weitere Besonderheiten, mit denen die Landesgartenschau bei ihren Besuchern punkten möchte sind Beachvolleyballfelder,  ein Kultur-, ein Garten-, ein Sport- und ein Gourmetkabinett, jede Menge Gastronomie, eine Dirt-Bike-Anlage und viele weitere Attraktionen.

Gesellschafter der Landesgartenschau sind die Wohnungsbau- und Wohnungsfürsorgegesellschaft der Stadt Bayreuth (GEWOG) mit 60 Prozent und die Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen mbH mit 40 Prozent. Geschäftsführer sind Ulrich Meyer zu Helligen von der Stadt Bayreuth und Dagmar Voß von der Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen. Die Landesgartenschau bedeutet für Bayreuth eine Investition von 10,5 Millionen Euro an Baukosten. Die Durchführung wird noch einmal mit 9,2 Millionen Euro zu Buche schlagen, wobei der Großteil davon durch Einnahmen gedeckt sein soll. Gefördert wird die Landesgartenschau mit jeweils rund 2,9 Millionen Euro durch das Bayerische Umweltministerium und durch europäische Fördergelder. 175000 Euro steuert das bayerische Landwirtschaftsministerium bei.

Die Landesgartenschau in Bayreuth dauert bis zum 9. Oktober 2016. Tageskarten kosten für Erwachsene 16 Euro, ermäßigt 12 Euro, Kinder und Jugendliche zahlen drei Euro. Dauerkarten kosten für Erwachsene 100 Euro, im Vorverkauf 90 Euro. Die Kassen haben täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

Bilder:
1.
Noch müssen tausende Blumen gesetzt werden, ehe die Landesgartenschau in Bayreuth am 22. April eröffnet wird.
2. Dort wo früher Felder waren, ist heute der Park der Landesgartenschau zu finden.
3. Landrat Hermann Hübner, Umweltministerin Ulrike Scharf und Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe starteten vorab einen Rundgang über die Landesgartenschau in Bayreuth.
4. Eine ganz neue Landschaft ist in unmittelbarer Nähe des Bayreuther Stadtteils Hammerstatt entstanden.

nach oben


26.10.2015

Kultur oder Natur:
Steigerwald soll UNESCO-Welterbe werden - Nationalpark ist vom Tisch

Bamberg. Einen Nationalpark Steigerwald wird es nicht geben. Dafür sollen sämtliche Möglichkeiten ausgelotet werden, aus dem Steigerwald ein Weltkulturerbe oder ein Weltnaturerbe zu schaffen. Das ist das Ergebnis der „Regionalkonferenz Steigerwald“, zu der die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf in das Bamberger Landratsamt eingeladen hatte.

Geladen waren lokale Mandatsträger und Vertreter der Region. Gekommen waren auch Vertreter des BBV, des Bund Naturschutz sowie Ex-Landrat und Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Er gilt als geistiger Urheber der Nationalparksdebatte. Auch einige Befürworter und Gegner demonstrierten im Vorfeld für ihre Interessen. Benedict Schmitt vom Verein „Nationalpark Nordsteigerwald“ nannte es bedauerlich, dass das Thema Nationalpark nicht mehr auf der Agenda steht obwohl es doch um regionale Entwicklung im Steigerwald geht. Oskar Ebert von der Gegenseite, dem Verein Unser Steigerwald“ hat sich seit Beginn der Diskussion gegen einen Nationalpark ausgesprochen, weil damit die Ausweisung eines Großschutzgebietes verbunden wäre.

Sie möchte in erster Linie die Spaltung der Region überwinden, sagte Umweltministerin Scharf. Ihre Ziele seien es, auch weiterhin eine gute wirtschaftliche Entwicklung in der Region zu ermöglichen, den kulturellen Reichtum hochzuhalten und die wertvolle Natur zu bewahren. Das alles sei mit einem Weltkulturerbe oder einem Weltnaturerbe möglich. „Beide Varianten bleiben auf dem Tisch und sollen weiter untersucht werden“, sagte Scharf. Die Regionalkonferenz sei erst der Startschuss dazu, denn ein langer Atem werde bis zur Entscheidung durch die UNESCO, der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, nötig sein.

Auch Landrat Johann Kalb (Bamberg) und die stellvertretende Schweinfurter Landrätin Christine Bender sprachen sich für ein Miteinander aus. „Wir wollen versuchen das Prädikat Welterbe zu erreichen, und zwar ohne die Gehässigkeiten aus der Vergangenheit“, sagte Kalb. Der Weg dorthin soll mit Hilfe unabhängiger Referenten und neutraler Gutachter gegangen werden, so Bender.

Sowohl SPD als auch Grüne lehnten die Steigerwald-Regionalkonferenz bereits im Vorfeld ab. Von einer Farce und einer „dubiosen Veranstaltung" sprach der der umweltpolitische Sprecher der SPD- Landtagsfraktion, Harry Scheuenstuhl. Streitpunkt sei die rücksichtslose und eigenmächtige Aufhebung des Schutzgebietes Steigerwald durch das Umweltministerium, das sich damit über das Votum der Fachleute im Naturschutzbeirat hinweggesetzt hatte.

Von einer plumpen PR-Aktion der CSU sprachen die Grünen. „Für die CSU-Umweltministerin ist das Waldnaturschutzjahr 2015 offensichtlich eine reine PR-Kampagne“, sagte die Bayreuther Abgeordnete Ulrike Gote. „In der Realität stemmt sie sich mit allen Mitteln gegen den Schutz unserer wertvollen Buchenwälder“, so Gote. Erst reiße die CSU mit Anti-Waldschutz-Polemik und gezielter Desinformation Gräben auf, um sich dann als Brückenbauer in Szene zu setzen. Bei der Regionalkonferenz sei es einzig darum gegangen, Stimmung zu machen, denn ohne Schutzgebiet werde es auch kein Weltnaturerbe geben.

Die Debatte um den Steigerwald ist seit Anfang 2014 in der Region ein großes Thema. Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit hatte der damalige Landrat Günther Denzler den Stein ins Rollen gebracht und ein 800 Hektar großes Naturschutzgebiet ausweisen lassen. Die Regierung von Oberfranken hob diese Entscheidung nach heftigen Protesten wieder auf. Für Naturschützer war dies eine herbe Niederlage, da das Gebiet die Grundlage für einen Nationalpark im Steigerwald darstellen sollte. Inzwischen hat der Landtag das Naturschutzgesetz geändert: Für Naturschutzgebiete mit mehr als zehn Hektar sind künftig die Bezirksregierungen und nicht mehr die Landkreise verantwortlich.

Bild: Die stellvertretende Schweinfurter Landrätin Christine Bender, der Bamberger Landrat Johann Kalb und die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf (von links) bei der Regionalkonferenz Steigerwald.

nach oben


20.09.2015

Wasserspielplatz, Wilheminenaue und üppige Wiesenvegetation / Baustellenfest als Vorgeschmack auf die Landesgartenschau 2016 in Bayreuth

Bayreuth. Sie heißen „Fossi-Boys“ und hören auf die Namen Glotzaugengerch, Spritzfritz und Schuppenschubi.  Als Maskottchen der Landesgartenschau 2016 in Bayreuth sollen die drei Figuren, die Fossilien nachempfunden sind, in den kommenden Monaten die Herzen der Besucher erobern, wie es beim Merchandising-Partner, der Kindermarke Sigikid heißt. Auf dem Baustellenfest am Wochenende auf dem Gartenschaugelände gab es die Maskottchen bereits als Plüschtiere zu kaufen. Das Fest war definitiv die letzte Gelegenheit für die Öffentlichkeit, das Gelände noch einmal zu betreten. Erst am 22. April wird das wieder möglich sein. Dann wird die Landesgartenschau 2016 in Bayreuth eröffnet. Zum Baustellenfest kamen bereits rund 18000 Menschen.

Zur Gartenschau selbst erwartet Geschäftsführerin Dagmar Voß 750000 Besucher. Das wäre dann wohl ein Rekord. Ein anderer Rekord ist bereits lange vor der Eröffnung erreicht worden: Die landesgartenschau in Bayreuth ist mit 45 Hektar flächenmäßig die größte, die es je in Bayern gab. Das Motto heißt „Musik für die Augen“. Dazu entsteht in einem Talraum zwischen dem Volksfestplatz und dem Stadtteil St. Johannis auf bisher landwirtschaftlich intensiv genutztem Gelände eine riesige und komplett neue Parkanlage mit dem Namen Wilhelminenaue. Benannt nach der kunstsinnigen Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth. Ihre Visionen und die in ihrer Zeit geschaffenen barocken Grünanlagen und Bauten wie das UNESCO-Weltkulturerbe Markgräfliches Opernhaus, die Eremitage oder das Lustschloss Fantaisie mit dem ersten deutschen Gartenkunstmuseum prägen Stadt und Region und inspirierten auch die Planer der Landesgartenschau bei der Gestaltung des neuen Parks. Entlang des Roten Mains soll der Park eine Brücke zwischen historischer Innenstadt, Hofgarten und Eremitage schlagen und damit einen dauerhaften Grün- und Erholungsraum schaffen. „Die Bayreuther werden noch Jahre und Jahrzehnte von diesem Park profitieren“, sagt Geschäftsführer Ulrich Meyer zu Helligen.

Beim Baustellenfest, dem traditionellen Großereignis vor der Eröffnung bekamen die Besucher einen Tag lang bei freiem Eintritt einen kleinen Vorgeschmack auf das Gartenschaujahr 2016 mit ersten gärtnerischen Ausstellungen auf sieben Themengärten, Sport- und Mitmach-Events und dem Beginn des Dauerkarten-Vorverkaufs. An die 300 sollen es gewesen sein, die bereits verkauft wurden, einschließlich der Nummer 1, die an Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe ging. „Markgräfin Wilhelmine wäre stolz auf diesen Park“, sagte die Oberbürgermeisterin und sprach von einer erheblichen Steigerung der Attraktivität Bayreuths.

Kernstück der Landesgartenschau ist deshalb auch die Wilhelminenaue. 45 Hektar groß und in einem Talraum gelegen unterstützen viele hundert naturnahe Neuanpflanzungen von regionalen Blumen, Gehölzen, Stauden und Bäumen nachhaltig den ökologischen Umbau der Fluss- und Auenlandschaft sowie die Biotopvernetzung. Ziel war es den neuen Landschaftspark als artenreiches und blühendes Areal zu gestalten.

Mitten drin ist auf einer Länge von rund 1,2 Kilometern der renaturierte Flusslauf des Roten Mains. Er soll die Entwicklung einer üppigen Wiesen- und Auenvegetation möglich machen Angeblich habe sich bereits der seltene Flussregenpfeifer neu angesiedelt. Entlang des Roten Mains verbindet ein idyllische Uferweg die zahlreiche Attraktionen aus den Bereichen Sport, Spiel und Bildung – vom Forschungsbrunnen bis zum Wasserspielplatz.

Eine weitere Hauptattraktion ist der neu angelegte und nach dem angrenzenden Stadtteil benannte Hammerstätter See. Das neu geschaffene Gewässer mit seinen zwei Inseln ist rund zwei Hektar groß und bis zu 2,80 Meter tief. Am Ufer befinden sich Schilffelder, eine Seebühne und ein 670 m langer Rundweg. Weitere Besonderheiten, mit denen die Landesgartenschau bei ihren Besuchern punkten möchten sind Beachvolleyballfelder,  ein Kultur-, ein Garten-, ein Sport- und ein Gourmetkabinett, jede Menge Gastronomie, eine Dirt-Bike-Anlage und viele weitere Attraktionen.

Gesellschafter der Landesgartenschau sind die Wohnungsbau- und Wohnungsfürsorgegesellschaft der Stadt Bayreuth (GEWOG) mit 60 Prozent und die Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen mbH mit 40 Prozent. Geschäftsführer sind Ulrich Meyer zu Helligen von der Stadt Bayreuth und Dagmar Voß von der Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen. Die Landesgartenschau bedeutet für Bayreuth eine Investition von 10,5 Millionen Euro an Baukosten. Die Durchführung wird noch einmal mit 9,2 Millionen Euro zu Buche schlagen, wobei der Großteil davon durch Einnahmen gedeckt sein soll. Gefördert wird die Landesgartenschau mit 3,6 Millionen Euro durch das Bayerische Umweltministerium und mit 100000 Euro durch das Bayerische Landwirtschaftsministerium.

nach oben


19.06.2015

Wasserversorgung in Gefahr / Klimawandel sorgt für Wasserknappheit - Wasserforum der Regierung von Oberfranken

Thurnau. Die nachhaltige Gewinnung von sauberem Trinkwasser stößt in Teilen Frankens schon heute an ihre Grenzen. Schuld daran ist nach den Worten von Johannes Luers vom Zentrum für Ökologie und Umweltforschung an der Universität Bayreuth der Klimawandel. Dadurch komme es unter anderem zu einer ungleichmäßigen Niederschlagsverteilung und zu längeren Trockenphasen, sagte der Wissenschaftler beim 7. Oberfränkischen Wasserforum am Freitag auf Schloss Thurnau.

Trotz immer wiederkehrender kurzer aber heftiger Niederschlagsereignisse sei Wasserknappheit die Folge. Kanäle könnten dadurch nicht mehr gewässert werden, die Staubbelastung steige an, die Notwendigkeit von Wasserreserven werde wieder wichtiger. „Eigentlich müsste man jetzt neue Stauseen bauen“, sagte Luers. „Doch bauen sie heute mal einen Stausee, wo sie nicht mal eine Stromleitung errichten können“, fügte er an.

Insgesamt sei die Wasserversorgungssituation in Oberfranken positiv, so Erich Haussel, der Leiter des Sachgebiets Wasserwirtschaft an der Bezirksregierung. Er sprach von exakt 498 Wasserschutzgebieten mit einer Fläche von 464 Quadratkilometern. Die Zahl der Wasserversorgungsanlagen bezifferte er auf 416, 40 davon hätten aktuell Defizite, das bedeutet, sie könnten den Tagesspitzenbedarf nicht garantieren oder müssten mit einer dauerhaften Desinfektion betrieben werden.

Die Anlagen, die uneingeschränkt laufen, versorgten aktuell über 900000 Menschen tagtäglich mit Trinkwasser, was bei rund einer Million Einwohnern in Oberfranken bedeutet, dass lediglich kleinere Anlagen Probleme hätten. Oberfrankens Wasserchef Haussel empfahl den Wasserversorgern als Gegenmaßnahmen das Rohrnetz zu überprüfen und gegebenenfalls Instantzusetzen, um Verluste zu vermeiden. Außerdem sollten sämtliche Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers umgesetzt werden.

Derzeit liege der Pro-Kopf-Verbrauch an Wasser in Oberfranken bei 125 Liter pro Tag und Einwohner. An dieser Zahl habe sich in den zurückliegenden Jahren kaum etwas verändert. Obwohl die Bevölkerung insgesamt abnimmt, könnte es Probleme geben, da die Zahl der warmen und extrem heißen Tage zunimmt und somit auch mehr Wasser benötigt wird.

Wie brisant das Thema Wasser ist, machte Martin Grambow, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft im Bayerischen Umweltministerium und früherer Leiter des Hofer Wasserwirtschaftsamtes, daran deutlich, dass das Thema Wasser sogar in die aktuelle päpstliche Enzyklika Eingang gefunden hatte. Wasser ist die Grundlage allen Lebens, es gebe kein einziges Lebewesen, das ohne Wasser auskommt. Deshalb erwähne auch Papst Franziskus in seiner Umwelt-Enzyklika das Wasser an vorderster Stelle.

Ganz aktuell sei in Bayern ein interessantes Wasserphänomen zu beobachten: Während es im Süden zu viel Wasser gibt, was beispielsweise zu verheerenden Schlammlawinen führt, ist in Unterfranken die größte Trockenperiode sei 1947 zu beobachten. „Wir wissen nicht, ob das der Klimawandel ist, aber wenn, dann sieht er so aus“, sagte Grambow. Da sich der Klimawandel hauptsächlich über das Wasser bemerkbar macht, wird er in alle Bereiche unseres Lebens eingreifen. Das beginne im Bereich der Lebensmittelproduktion mit der Situation auf den Agrarmärkten und höre mit dem Auftauchen gefährlicher Gelbfiebermücken in unseren Breiten noch lange nicht auf.

Auf eine weitere wichtige Funktion des Wassers in Oberfranken wies Benno Strehler, der Leiter des Wasserwirtschaftsamts Hof, augenzwinkernd hin. Als Land des Bieres exportiere Oberfranken das Wasser sogar, wenn auch in veredelter Form.

Bild: Keine Angst vor Wasserschutzgebieten, sie werden in Zeiten des Klimawandels sogar noch wichtiger.

nach oben


01.04.2015

Tomaten aus Andernach statt Tulpen aus Amsterdam /
Pflücken erlaubt in der essbaren Stadt – Landesgartenschau: Studenten planen in Bayreuth ähnliches Projekt

Andernach/Bayreuth. „Betreten verboten“, so steht es noch immer an vielen Grünflächen in öffentlichen Parks und Gärten der Städte. Für Lutz Kosack aus der mittelrheinischen Kleinstadt Andernach heißt es nicht nur „Betreten erlaubt“, sondern ausdrücklich auch „Pflücken erlaubt“. Kosack gilt als Initiator des Projektes „Essbare Stadt“, das mittlerweile viele Nachahmer im In- und Ausland gefunden hat.

Für Lutz Kosack, der seine wissenschaftliche Ausbildung vor über 15 Jahren an der Universität Bayreuth begonnen hat, ist es ein ökologisches, ökonomisches und soziales Projekt zugleich. Die Aufenthaltsqualität in der Stadt sollte sich verbessern, das Projekt sollte die verschiedensten Generationen ansprechen, Menschen sollten verstehen, was Biodiversität bedeutet: „Welcher Stadtbewohner weiß heute noch, wie man Kartoffeln erntet?“

„Wir wollten einfach Obst und Gemüse mitten in der Stadt anpflanzen“, beschreibt Kosack seine ursprüngliche Idee. Auch Präsidentengattin Michelle Obama gärtnere öffentlich und das Thema urbane Landwirtschaft („Urban agriculture“) erfahre einen Riesenhype bis dahin, dass Zeitschriften wie „Landlust“ mittlerweile eine höhere Auflage hätten als der Spiegel und sich Gartenbücher besser verkaufen als Reiseführer. „Auf dieser Welle reiten wir mit“, erläutert Kosack die Ursache für den Erfolg des Projektes. Die Welt werde immer komplexer und sei immer schwieriger zu verstehen, da bekommen einfache Dinge wie das Gärtnern wieder eine ganz andere Bedeutung.

Also habe er gezielt nach Freiflächen gesucht und mit dem Pflanzen und Säen begonnen, 2010 Tomaten, 2011 Bohnen, und so weiter. „Es war ein richtiger Prozess, der sich immer mehr aufgeschaukelt hat, bis hin zu Quitten, Granatäpfeln, Mangold oder Grünkohl.“ Neueste Errungenschaft seien einige Hühner im Stadtgraben und vier Schafe auf einer öffentlichen, umzäunten Wiese.

Erstaunlich sei es, dass es kaum Vandalismus gebe, selbst pinkelnde Hunde seien selten. „Wahrscheinlich haben die meisten Menschen doch noch Respekt vor Lebensmitteln“, sagt Kosack. Längst seien die entsprechenden Flächen echte Begegnungsstätten. Mittlerweile würden Langzeitarbeitslose in den öffentlichen Gärten beschäftigt und auch hier sei ein riesiges Engagement zu beobachten. Manche kämen sogar in ihrer Freizeit, nur um zu gießen.

Anfangs seien es vor allem Hartz-IV-Empfänger gewesen, die sich mal eine Zucchini nahmen. Mittlerweile sei es schick geworden, Obst und Gemüse aus Andernach zu pflücken und zu verarbeiten. Daraus erwächst mittlerweile aber auch ein Problem: Vieles werde zu früh geerntet. Deshalb habe Kosack mittlerweile kleine Schildchen in Form einer Ernteampel angebracht: rot heißt noch nicht reif, gelb bedeutet, „bitte nur bei großem Hunger pflücken“, und grün heißt reif.

„Die Nachfrage ist riesig“, sagt Kosack, über 400 Städte hätten sich bereits vor Ort erkundigt. Sogar der Spiegel habe ganzseitige Reportagen gebracht. RTL und SAT 1 hätte schon mehrfach berichtet, der WDR habe Liveschaltungen veranstaltet und jüngst sei sogar das russische Fernsehen in Andernach gewesen. „Das ist Stadtmarketing, wie wir es wohl gar nicht hätten bezahlen können“, so Kosack.

Was das Beste ist. Die Stadt spart damit auch noch Geld. Untersuchungen hätten ergeben, dass die Anlage von Wechselstaudenbeeten rund 58 Euro pro Quadratmeter und Jahr kostet, hohe Beetstauden immer noch knapp 22 Euro, Wildstauden dagegen nur 11,73 Euro pro Quadratmeter und Jahr. Das bedeute, die Stadt könne bei 1000 Quadratmetern weit über 40000 Euro im Jahr sparen.

Zu den Nachahmern gehören wohl bald auch Studenten der Bayreuther Geoökologie. Sie wollen im Stadtteil Hammerstatt, unmittelbar an der Grenze zur Landesgartenschau 2016 Beete, Hochbeete und eine Kräuterspirale zum Gärtnern für jedermann anlegen. Bereits in Kürze sollen dazu ein Verein gegründet und erste Bodenbearbeitungsmaßnahmen durchgeführt werden, so die beiden Sprecher Catherine Bogs und Christopher Riller. Die Fläche stelle der Bauverein Bayreuth kostenlos zur Verfügung, nun gelte es nur noch genug Menschen für die Idee zu begeistern. Wie meistens bei neuen Dingen verlief der Start erst einmal schleppend. Obwohl über 2000 Einladungen an Anwohner verteilt wurden, seien nur 27 Personen zu einer ersten Infoveranstaltung erschienen.

Bild: Er gilt als Vater des Projektes „Essbare Stadt“: Lutz Kosack, der in Bayreuth seine wissenschaftliche Ausbildung begonnen hatte und der heute in Andernach in der Stadtverwaltung tätig ist.

nach oben


24.02.2015

Kraft aus der Region: Ländliche Regionen profitieren von der Energiewende/ BN: Oberfranken ist Vorzeigeregion für regenerative Energien – Kritik an Flächenfraß und Ortsumfahrungen

Bayreuth. Die Rettung der Energiewende, das war der Schwerpunkt in der Arbeit des Bund Naturschutz während des zurückliegenden Jahres. Bei einer Bilanz am Dienstag in Bayreuth bedauerte der Landesbeauftragte Richard Mergner (Bild links), dass die Energiewende mittlerweile von der Debatte um die Stromleitungen überlagert wird.

Weil auch beim BN noch nicht ganz klar ist, ob die neuen Stromtrassen überhaupt gebraucht werden, begrüßte Mergner das Moratorium von Ministerpräsident Horst Seehofer, „auch wenn es aus anderen Gründen zustande gekommen ist“. Trotzdem ist auch beim BN von „unnötigen Stromautobahnen“ die Rede. Viele Kreisverbände hätten sich deshalb intensiv am Widerstand gegen die geplante Gleichstromleitung durch den Regierungsbezirk beteiligt. Ein Thema, das den BN auch 2015 intensiv fordern wird glaubt Mergner. Zumindest genauso wichtig sei es aber, auf regionale Energiekonzepte und auf Energiesparen zu setzen.

Im Moment überwiege deshalb auch die Frustration, weil die große Koalition weiterhin auf zentrale Großkraftwerke setzt, anstatt auf die „Kraft aus der Region“. Kritik übte Mergner auch an der 10H-Abstandsregelung, die für massive Verunsicherung bei allen Beteiligten gesorgt habe. „Wir appellieren deshalb an die Kommunen, neue Windkraftstandorte auszuweisen“, so Mergner. Noch sei die Energiewende lange nicht vollzogen, noch immer seien neun Atomkraftwerke am Netz. Soll heißen: Weitere Windkraftanlagen werden dringen notwendig sein, auch wenn Oberfranken gemessen an der Zahl der Anlagen bereits bayernweit nach Unterfranken an zweiter Stelle steht.

Vielleicht weltweit, zumindest aber europaweit an erster Stelle steht Oberfranken dagegen als Vorzeigeregion für regenerative Energien. „Es gibt keine Region, in der es so viele Bioenergiedörfer gibt, wie im Frankenwald“, sagte der für Oberfranken zuständige BN-Regionalreferent Tom Konopka (Bild rechts). Bioenergiedörfer, wie Gundlitz, Gössersdorf oder Effelter zeigten, dass ländliche Regionen die Gewinner der Energiewende sein können.

Reinhard Birkner, Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Bayreuth, ist sich trotzdem sicher, dass die Lichter in Bayern nicht ausgehen werden, auch wenn die Stromtrasse nicht kommt. Seinen Worten zufolge nütze die Trasse lediglich der Versicherungswirtschaft als sichere Geldanlage sowie dem Siemens-Konzern, der dringend eine derartige Referenzleitung im eigenen Land braucht. Birkner: „Ist die Trasse nötig? Wer will sie? Wer zahlt sie? Da sind einfach noch zu viele Fragen offen.“

Als echten Rückschlag bezeichneten Mergner und Konopka, dass sich auch 2014 der Flächenverbrauch in Oberfranken ungebremst fortgesetzt hat. „Und dass, obwohl Oberfranken an Einwohnern verliert“, so Konopka. Landesbeauftragter Mergner machte dabei als Brennpunkt in Oberfranken die Gemeinde Himmelkron im Landkreis Kulmbach aus. Mergner sprach wörtlich von einem „gewaltigen Verhau in der Talaue“, und kritisierte, dass jetzt auch noch ein XXL-Möbelhaus und ein weiteres Schnellrestaurant dort angesiedelt werden sollen. Der BN appellierte deshalb an Heimatminister Markus Söder, keine Ausnahmen in der Regional- und Landesplanung zuzulassen. „Sonst wird der Heimatminister schnell zum Heimatzerstörungsminister“, so Mergner.

Zum Flächenverbrauch gehören auch die zahlreichen geplanten Ortsumfahrungen in Oberfranken. Im Brennpunkt steht dabei die Ortsumfahrung von Kauerndorf und Untersteinach an der Bundesstraße B289. Vor dem Hintergrund geschätzter Baukosten in Höhe von 180 Millionen Euro sprach Mergner von „Luftschlossplanungen“, von denen man sich endlich verabschieden sollte. Der BN habe stattdessen schon seit Jahren eine günstige Alternative zur bestehenden Bahnstrecke vorgeschlagen. Kurzfristige Verbesserungen könnten auch verschiedene Maßnahmen an der bestehenden Straße, etwa eine Verengung in der Talsenke von Untersteinach, bringen. Mergner glaubt nicht, dass die Umfahrung tatsächlich noch einmal Wirklichkeit werden könnte. Sie wird wohl so lange nach hinten rutschen, bis eine kostengünstige Lösung realisiert wird.

Als Riesenerfolg feiert der Bund Naturschutz die Ausweisung von 775 Hektar alter Buchenwälder im Steigerwald als geschützter Landschaftsbestandteil durch den früheren Bamberger Landrat und oberfränkischen Bezirkstagspräsidenten Günther Denzler. Ihm sei es zu verdanken, dass sich die Nationalparkgegner im Steigerwald nicht durchsetzen werden. Ob die Staatsregierung mit ihrem Versuch Erfolg hat, die Schutzgebietsausweisung durch eine „Lex Steigerwald“ zurückzudrehen, werde sich zeigen. „Wir werden notfalls vor Gericht ziehen, um das zu verhindern, so Mergner

Der Bund Naturschutz hat in Oberfranken neun Kreis- und rund 200 Ortsgruppen mit zusammen knapp 17000 Mitgliedern.

nach oben


27.09.2013

Landesgartenschau Bayreuth 2016: „Imagegewinn für die gesamte Region“ / Erster Spatenstich für grünes Großprojekt in Oberer Mainaue

Bayreuth. „Hier soll erlebbar werden, wie sich der wichtigste Wasserlauf Frankens aus seinen Ursprüngen heraus entwickelt.“ Roland Albert, Präsident des bayerischen Gärtnereiverbandes und zugleich Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Gartenschauen in Bayern nennt eines der Ziele der Landesgartenschau Bayreuth 2016. Mit dem ersten Spatenstich durch Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe und den bayerischen Umweltminister Marcel Huber auf dem Gelände des künftigen Auensees wird das Projekt auch endlich sichtbar in der Stadt, die so lange um die Gartenschau gekämpft hat.

Drei Mal hatte sich die Stadt beworben, zuletzt 2009. Damals bekam Bayreuth den Zuschlag unter anderem für das Konzept, die Innenstadt mit den Stadtteilen St. Georgen und Hammerstatt, und diese wiederum mit dem markgräflichen Park der Eremitage zu verbinden. „Die Landesgartenschau wird vieles verändern“, sagte Oberbürgermeisterin Brigitte Merk. Sie verspricht sich vor allem einen Attraktivitätssprung für die Stadt, einen Imagegewinn für die gesamte Region, aber auch einen Schub für Wirtschaft und Tourismus.

Auf dem 45 Hektar großen Areal, das grob eingeordnet zwischen dem Flusslauf des Roten Mains, der Friedrich-Ebert-Straße, der Äußeren Badstraße und der Bundesautobahn A9 liegt, soll ein großer Naherholungspark entstehen. Das Konzept sieht für das derzeit noch landwirtschaftlich genutzte Gelände vor allem ein naturnahes Pflanz- und Vegetationskonzept vor. Zu den Planungen gehören unter anderem die ökologische Umgestaltung des Roten Mains, ein barrierefreier Rundweg und jede Menge neue Spielplätze für Kinder. Auch der zwei Hektar große Auensee östlich des Mains mit Kiesstränden und großem Uferrundweg war von Anfang an Kernstück der Planungen. Gleichzeitig wird durch den Umbau und die Renaturierung des Mains eine ökologische, naturnahe Aue hergestellt.

Mit der Landesgartenschau könne sich Bayreuth auf einen wahren Publikumsmagneten freuen, sagte Umweltminister Marcel Huber. Seit der ersten Landesgartenschau in Bayern im Jahr 1980 seien bereits über 20 Millionen Menschen gezählt worden. Mit Landesgartenschauen lasse sich vielen bewegen, meinte Huber und sprach von zusammen fast 400 Hektar neu geschaffenen Grünflächen während der zurückliegenden 30 Jahre

Die Vegetation könne sich auf den Flächen auf natürliche Weise entwickeln, artenreiche Wiesen können entstehen, so der Minister Eine intakte Natur in der Stadt sei für die Lebensqualität der Bürger ebenso wichtig wie für die biologische Vielfalt. Funktionierende Ökosysteme in der Stadt nannte der Minister den Schlüssel für eine hohe Lebensqualität. Huber: „Die Stadt der Zukunft setzt auf die Natur.“ In Zeiten des Klimawandels seien grüne Flächen wertvoller denn je. Entlang des Roten Mains sei außerdem auch ein Auenlehrpfad mit vielfältigen Informationen zu Natur und Landschaft vorgesehen

Die große Bedeutung der Bayreuther Landesgartenschau im Jahr 2016 für die Ferienregionen Fichtelgebirge und Fränkische Schweiz sprach Bayreuths Landrat Hermann Hübner beim Spatenstich an. Die gesamte Region werde von dem grünen Großprojekt profitieren. Dabei stünden nicht nur Ausflügler und Urlauber im Focus der Gartenschauplaner, sondern vor allem auch die Einheimischen, die das innerstädtische Naherholungsgebiet in der oberen Mainaue eine große Steigerung ihrer Lebensqualität werden soll.

Die Kosten für die Landesgartenschau bezifferte Umweltminister Marcel Huber auf rund 9,5 Millionen Euro, mit 3,6 Millionen Euro werde sich sein Ministerium an den Kosten beteiligen. Eröffnet werden soll die nach Bamberg, Hof, Kronach und Marktredwitz fünfte Landesgartenschau in Oberfranken am 22. April 2016.

Bilder:
- Mit einem symbolischen Spatenstich haben Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, der bayerische Umweltminister Marcel Huber (3. und 4 von rechts) sowie Planer, Bauverantwortliche und Mandatsträger die Arbeiten zur Landesgartenschau 2016 in Bayreuth offiziell gestartet.

- Dieses Gelände auf dem ein zwei Hektar großer See entstehen soll wird in rund zweieinhalb Jahren das Herzstück der Landesgartenschau Bayreuth 2016 sein.

nach oben


30.07.2013

Blatt und Blüte aus Aluminium / Bundesweit einmaliges Projekt:
Bioenergieregion macht Energiewende mit Kunstwerken sichtbar

Wirbenz. Mit der Kunstinstallation „Photosymbiose“ der beiden bildenden Künstler Maria Vill und David Mannstein aus Berlin hat die Bioenergieregion Bayreuth ihr drittes und vorerst letztes Kunstwerk enthüllt. Standort ist der kleine Ort Wirbenz (Landkreis Bayreuth) ganz im Osten Oberfrankens.

Der Standort grenzt direkt an eine Biogasanlage, in Sichtweite befinden sich zwei Windräder, eine riesige Freiflächen-Photovoltaikanlage und die markante vulkanische Erhebung des Rauhen Kulms als Symbol für die Erdgewalt, deren Energie sich der Mensch klimafreundlich zu Nutze machen möchte. Die „Photosymbiose“ ist ein überdimensionales Spitzwegerichblatt mit dazugehöriger Blüte aus Aluminium. In den Blütenstängel wurde dabei eine solarbetriebene LED-Laufschrift eingearbeitet, in der ununterbrochen lyrische Texte ablaufen. Die Photovoltaikelemente befinden sich auf der Oberfläche des Blattes.

 „So wird die Energiewende sichtbar“, sagt Bernd Rothammel, Regionalmanager der Bioenergieregion Bayreuth, der sich das bundesweit einmalige Projekt „energy in art“ ausgedacht hatte. Ein erstes Kunstwerk mit dem Namen „Indikator“ wurde bereits im vergangenen Herbst auf dem Areal der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth in Betrieb genommen, ihm folgte der „Holzmantel“ des Berliner Künstlers Maik Scheermann am Waldhaus in Mehlmeisel.

„Nirgendwo sonst gibt es diese einmalige Kombination aus konkreten Initiativen zum Ausbau der erneuerbaren Energien und anspruchsvollen Kunstprojekten“, sagte der Bayreuther Landrat Hermann Hübner bei der Einweihung. Aktuell würden im Landkreis Bayreuth bereits rund 25 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien erzeugt. Mit fünf Prozentpunkten über dem oberfränkischen Durchschnitt habe der Landkreis dabei kräftig „aufs Gas gedrückt“, so Hübner.

In der Gemeinde Speichersdorf, zu der Wirbenz gehört, seien es bereits 88 Prozent aus erneuerbaren Energien sagte Bürgermeister Manfred Porsch. Ziel sei es auf über 100 Prozent zu kommen. Gleich nebenan, im ebenfalls zu Speichersdorf gehörenden Guttenthau sei außerdem bereits vor Jahren das erste Bioenergiedorf in Oberfranken begründet worden.

Sinn und Zweck des Projektes „energy in art“ ist es, die Energiewende und das Thema Bioenergie nicht nur sichtbar zu machen, sondern auch neu zu interpretieren. Damit soll die öffentliche Diskussion angeregt und der Fokus auf konkrete Forschungs- und Modellvorhaben der Bioenergieregion Bayreuth gelenkt werden. Die Bioenergieregion wird seit 2009 als eine von 21 Modellregionen in Deutschland mit Mitteln des Bundeslandwirtschaftsministeriums gefördert. Zu ihr gehören die Stadt und der Landkreis Bayreuth sowie Teile des Landkreises Forchheim.

Bilder: Die Installation „Photosymbiose“ der beiden bildenden Künstler Maria Vill und David Mannstein aus Berlin soll in Wirbenz die Energiewende sichtbar machen.

nach oben


20.05.2013

Energieskulptur soll Vögeln als Nistplatz dienen / Maik Scheermann interpretiert Energiewende mit spektakulärer Holz-Stahl-Plastik am Waldhaus Mehlmeisel

Mehlmeisel. Mit dem „Holzmantel“ des bildenden Künstlers Maik Scheermann aus Berlin hat die Bioenergieregion Bayreuth ihr zweites Kunstwerk enthüllt. Standort ist das Umfeld des Waldhauses in Mehlmeisel (Landkreis Bayreuth). Der „Holzmantel“ ist eine überdimensionale Kugel aus hunderten von Ästen verschiedener Größe. Auf den ersten Blick sieht das Werk so aus, als hätte irgendjemand Holz gesammelt, es zusammengerollt und vor dem Waldhaus liegen lassen.

„So wird die Energiewende sichtbar“, sagte Rudolf Landmann vom Fachzentrum Diversifizierung und Strukturentwicklung am Landwirtschaftsamt in Münchberg. Genau das sei auch eines der Ziele des Projektes „energy in art“, das sich Bernd Rothammel, der Regionalmanager der Bioenergieregion Bayreuth ausgedacht hatte. Ein erstes Kunstwerk mit dem Namen „Indikator“ wurde bereits im vergangenen Herbst auf dem Areal der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth in Betrieb genommen, die Installation eines weiteren Werkes mit dem Titel „Photosymbiose“ soll im Juli im östlichen Bayreuther Landkreis enthüllt werden.

Schöpfer des „Holzmantels“ am Waldhaus von Mehlmeisel ist der Berliner Maik Scheermann. Der international gefragte Künstler, dessen Vorliebe es ist, Kunstwerke in die Natur zu integrieren, will mit dem „Holzmantel“ auf die forst- und energiewirtschaftliche Nutzung, als auch auf die kulturhistorische und ökonomische Bedeutung von Holz hinweisen. „Die Plastik steht für die Zyklen der Naturnutzung im Kreislauf aus Bewegung und scheinbarer Ruhe“, so Scheermann.

Winfried Pfahler von den Bayerischen Staatsforsten, auf deren Grund und Boden das Kunstwerk aufgestellt wurde, formuliert das anders: Holz sei ein Rohstoff, der ständig nachwächst und den man bestens nutzen kann. „Was will man mehr“, so Pfahler. Von einer „Landskulptur“ sprach Beatrice Trost vom Kunstmuseum in Bayreuth. Zu Maik Scheermanns gehört nach den Worten der Kunsthistorikerin das Vergängliche. Die Skulptur werde zu jeder Jahreszeit anders aussehen, sich mit jedem Jahr verändern, altern, ausbleichen und Verwittern. Vielleicht erfülle sich sogar der Wunsch des Künstlers und Vögel entdecken seine Skulptur als Nistplatz. Maik Scheermann selbst gibt seinem Werk eine „Lebensdauer“ von 15 Jahren.

In Mehlmeisel werde die Energieholznutzung seit Jahrhunderten praktiziert, deshalb sei seine Gemeinde auch der richtige Standort für das Kunstwerk, so Bürgermeister Günter Pöllmann. Zur Konzeption des Waldhauses als Waldinformationszentrum habe es von Beginn an gehört, nicht nur zu sammeln und auszustellen, sondern auch zum Lernen, Umdenken und Verändern beizutragen. In diesem Sinne sei das Waldhaus auch der ideale Ort für das innovative Energiekunstprojet „energy in art“.

Sinn und Zweck des Projektes „energy in art“ ist es, die Energiewende und das Thema Bioenergie nicht nur sichtbar zu machen, sondern auch neu zu interpretieren. Damit soll die öffentliche Diskussion angeregt und der Fokus auf konkrete Forschungs- und Modellvorhaben der Bioenergieregion Bayreuth gelenkt werden. Die Bioenergieregion wird seit 2009 als eine von 21 Modellregionen in Deutschland mit Mitteln des Bundeslandwirtschaftsministeriums gefördert. Zu ihr gehören die Stadt und der Landkreis Bayreuth sowie Teile des Landkreises Forchheim.

Die Skulptur „Holzmantel“ hat einen Durchmesser von viereinhalb Metern, die Betonfundamente, in denen drei Stahlstützen verankert wurden reichen fast einen Meter tief in den Boden. Darauf baute Maik Scheermann eine Stahlkonstruktion, in die 800 Kilogramm Stahlrohr verbaut wurden. Etwa 500 Fichtenstämme, das sind etwa vier Tonnen Holz befestigte der Künstler daraufhin an dem Stahlgerüst. Alle Holzstämme seien passend gesägt worden, um dem Ziel der Kugel nahe zu kommen, so Maik Scheermann.

Bilder:
- Der Berliner Künstler Maik Scheermann hat die Energieskulptur „Holzmantel“ von dem Waldhaus in Mehlmeisel errichtet.

- Pfarrerin Christine Schlör und Diakon Franz Lautenbacher segneten das neue Kunstwerk „Holzmantel“ am Waldhaus in Mehlmeisel.

nach oben


09.04.2013

BN-Chef Weiger: „2015 fängt die Diskussion von vorne an“
Tagung in Bad Alexandersbad: Positive Zwischenbilanz zur Energiewende

Bad Alexandersbad. Die Energiewende ist noch keineswegs endgültig gesichert. Diese Befürchtung hat Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes Naturschutz in Bayern und in Deutschland bei einer Fachtagung des Evangelischen Bildungszentrums Bad Alexandersbad geäußert. Er gab zu bedenken, dass bundesweit noch immer neun Atomkraftwerke am Netz sind. Mit der geplanten Stilllegung des nächsten Meilers im unterfränkischen Grafenrheinfeld im Jahr 2015 würden die Diskussionen um die Energiewende wieder von neuem beginnen, sagte Weiger.

Weiger räumte aber auch ein, dass die Energiewende bislang besser verlaufe, als sich das selbst Fachleute ausgerechnet hatten. Weit über eine Million Menschen setzten sich bislang mit ihrem privaten Geld etwa in Form von Beteiligungen an Bürgerwindparks für die Energiewende ein. „Damit ist die größte Bürgerinitiative entstanden, die wir je hatten“, so der Referent.

Gerade in Bayern sei dieser Einsatz notwendig, denn gleich in mehrerer Hinsicht nehme der Freistaat eine Sonderstellung ein. Mit einem Anteil von 60 Prozent (im Jahr 2010) sei Bayern das Atomstromland Nummer 1. Mit gleichzeitig 23 Prozent habe Bayern zwar auch einen überdurchschnittlichen Anteil an erneuerbaren Energien, doch komme ein großer Teil davon aus der Wasserkraft mit fatalen Folgen für die Gewässerökologie. Spitzenreiter sei Bayern außerdem bei der Photovoltaiknutzung, Schlusslicht dagegen im Bereich der Windenergie, wobei im Landkreis Hof mit über 80 die meisten Windkraftanlagen stehen.

Das bestätigte auch Thomas Engel, Bereichsleiter für Wirtschaft und Landesentwicklung bei der Regierung von Oberfranken. Seinen Worten zufolge seien im Regierungsbezirk aktuell 125 Anlagen am Netz, 45 weitere seien bereits genehmigt. Freilich seien die Windräder in Oberfranken nicht gänzlich unumstritten. Engel sprach von einem überaus hohen Bürgerinteresse in Stadt- oder Gemeinderatssitzungen immer dann, wenn das Thema Windkraft auf der Tagesordnung stehe. „Sobald sich ein Windkraft-Vorranggebiet in der eigenen Gemeinde befindet, wächst die Kritik daran, beziehungsweise werden entsprechende Projekte von der Bürgerschaft abgelehnt“, sagte Engel.

Diese Beobachtung teilte auch die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz Beate Jessel. Die Akzeptanz von Photovoltaik, Windkraft und Biomasse sei einer Umfrage ihres Hauses zufolge überaus hoch, ganz im Gegensatz zur Holznutzung übrigens. Die Feststellung einer außerordentlich hohen Akzeptanz gelte aber nur, solange die Energiewende abstrakt bleibt. „Vor der eigenen Haustür sieht das dann ganz anders aus“, bestätigte Jessel. Die Präsidentin gab auch zu bedenken, dass  der Ausbau erneuerbarer Energien auf lange Zeit noch sicht- und erlebbar bleiben wird. Als Aufgabe der Politik bezeichnete sie es, einen Ausgleich zwischen den verschiedensten Interessen herbeizuführen. Allen Naturschützern gab sie mit auf den Weg, sich dabei mit konkreten Vorschlägen aktiv einzubringen. „Der Naturschutz muss sagen, was geht, und nicht, was nicht geht.“

Mit der Energiewende gerate auch der ländliche Raum wieder stärker in den Focus, sagte Joachim Twisselmann vom Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum Bad Alexandersbad. Die Energiewende verwandle vertraute Kulturlandschaften in rasantem Tempo. Auch in der Region bringe das Thema die Gemüter manchmal zum Kochen. Sollten erneuerbare Energiequellen tatsächlich den gigantischen Energiehunger unseres Landes decken, dann bedeute dies eine Veränderung unseres Landes, die noch gar nicht absehbar ist.

Bild: Die Energiewende verändert die Kulturlandschaft (von links): Joachim Twisselmann vom Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum Bad Alexandersbad, Ursula Eberhard vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege, Präsidentin Beate Jessel vom Bundesamt für Naturschutz und Bund-Naturschutz-Vorsitzender Hubert Weiger.

nach oben


21.03.2013

Was Bioenergie mit Kunst zu tun hat
Großskulpturen sollen Energiewende sichtbar machen

Bayreuth. „Uns war schon klar, dass wir etwas ganz Besonderes bieten müssen“, sagt Bernd Rothammel, Regionalmanager der Bioenergieregion Bayreuth. Mit dem Projekt „energy-in-art“ sei es gelungen, zwei Welten, die auf den ersten Blick so rein gar nichts miteinander zu haben, zusammenzubringen: alternative Energieerzeugung und Kunst. Knapp vier Jahre nach ihrem Start ist die Bioenergieregion Bayreuth auf dem besten Weg. Mit dem „Indikator“ steht die erste Großskulptur, zwei weitere Kunstwerke sollen in den kommenden Monaten enthüllt werden und viele andere Projekte sind bereits auf den Weg gebracht.

Sinn und Zweck des Projektes „energy-in-art“ ist es, die Energiewende und das Thema Bioenergie nicht nur sichtbar zu machen, sondern auch neu zu interpretieren. Damit soll die öffentliche Diskussion angeregt und der Fokus auf konkrete Forschungs- und Modellvorhaben der Bioenergieregion Bayreuth gelenkt werden. Die Bioenergieregion wird seit 2009 als eine von 21 Modellregionen in Deutschland mit Mitteln des Bundeslandwirtschaftsministeriums gefördert. Zu ihr gehören die Stadt und der Landkreis Bayreuth sowie Teile des Landkreises Forchheim.

„Wir wollen vor allem die Bürger in unsere Projekte einbinden“, sagt Rothammel, wohl wissend, dass nicht jeder mit einer Kunstperformance auch wirklich etwas anfangen kann. Der Regionalmanager gesteht aber auch offen, dass er zunächst viel mehr kritische Stimmen erwartet hätte. Liegt es vielleicht daran, dass gar keine echte Provokation dabei war? Wenn die geschaffenen Kunstwerke kaum Kontroversen hervorrufen, dann könnte es aber auch daran liegen, dass in die entsprechende Jury auch immer die Grundstückseigentümer miteingebunden waren.

Der Bezirk Oberfranken beispielsweise, Träger der Landwirtschaftlichen Lehranstalten. Dort, auf einer Rinderweide am südlichen Bayreuther Stadtrand, in Sichtweite von zahlreichen Hochhäusern wurde der „Indikator“ des Künstlers Hannes Neubauer errichtet. Mit einer durchschnittlichen Höhe von acht Metern stelle er nicht nur eine Landmarke dar, sondern nehme auch eine Vermittlerrolle ein, indem es den Standort als Schnittstelle zwischen städtischen und ländlichen Raum begreifbar macht, so der Künstler. Durch eine rotierende Bewegung folgt die Installation der Sonne und vollzieht zugleich eine Wende, die symbolisch für die Energiewende steht. Der notwendige solarbetriebene Mechanismus ist nach dem gleichen Prinzip ausgeführt, wie bei automatisch nachgeführten Solaranlagen. Der aus Pegnitz im Landkreis Bayreuth stammende Künstler Hannes Neubauer ist unter anderem Träger der Auszeichnung „Kultur-und-Kreativ-Pilot Deutschland“ und des Bundespreises 2012 für hervorragende innovatorische Leistungen für das Handwerk. Ein Werk von ihm steht sogar in Kolumbien („Coffee-Bean“).

Überhaupt sind es die internationalen Einladungen und Kontakte, die den Machern der Bioenergieregion zeigen, dass sie auf dem richtigen Weg sind. In Brüssel habe man sich schon präsentiert, aus Korea kommt in diesen Tagen eine 40-köpfige Delegation, denen Bernd Rothammel das Projekt einen ganzen Nachmittag näher bringen will.

Bereits im Mai soll in Mehlmeisel (Landkreis Bayreuth) der „Holzmantel“ des Berliner Künstlers Maik Scheermann als weiteres wegweisendes Werk enthüllt werden. Vor dem dortigen Umweltbildungszentrum, dem Waldhaus, wird eine riesige Kugel aus stilisierten Ästen auf forstwirtschaftliche Bedeutung des Fichtelgebirges hinweisen. Im Juli wird dann in Wirbenz, ganz im Osten des Landkreises und des Regierungsbezirks die „Photosymbiose“ von David Mannstein und Maria Vill enthüllt. Dabei handelt es sich um eine neun Meter hohe Aluiminiumskulptur, die ein überdimensionales Spitzwegerichblatt darstellt und auf der poetische Texte zu den Themen Sonne und Natur ablaufen sollen.

Tatsächlich loben die Mandatsträger in der Region das Projekt „energy-in-art“ ausnahmslos. Bayreuths Zweiter Bürgermeister Thomas Ebersberger nennt den „Indikator“ ein außergewöhnliches Werk, das Ästhetik und innovative Technik verbinde und künstlerisch sowohl die Stadt-Land-Partnerschaft als auch die Energiewende thematisiere. Das gesamte Projekt mache die Bioenergieregion Bayreuth einmalig, so Landrat Hermann Hübner. Die Sicht der Künstler sollte für den Betrachter Anlass sein, unvoreingenommen und inspiriert nach neuen Lösungen für aktuelle Problemstellungen zu suchen. Stolz, dass ihre Gemeinden als Standorte für weitere Kunstwerke ausgewählt wurden, sind auch die Bürgermeister Günter Pöllmann (Mehlmeisel) und Manfred Porsch (Speichersdorf/Wirbenz). Während die Holznutzung in Mehlmeisel eine jahrhundertelange Tradition habe, nehme Speichersdorf mit Windrädern der allerersten Generation in Sachen regenerativer Energien eine gewisse Vorreiterrolle ein.

Neben den Skulpturen bietet die Bioenergieregion verschiedene Workshops an, in denen es um erneuerbare Energien und deren umweltverträglichen Ausbau geht. Angesprochen sollen sich dabei alle fühlen, die sich für die Zukunft unseres Planeten interessieren. Daneben gibt es ein Lyrik-Projekt, einen Fotowettbewerb und verschiedene Aktionen für Kinder und Jugendliche, die alle auf der Internetseite www.energy-in-art.de zu finden sind.

Die Bioenergieregion Bayreuth hat einen Drei-Jahres-Etat von rund 250000 Euro, Fördermittel kommen vom Bayerischen und vom Bundeslandwirtschaftsministerium, dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER),  der Oberfrankenstiftung, der Bayerischen Sparkassenstiftung, der Stadt und dem Landkreises Bayreuth sowie der E.ON Bayern AG.

Bilder:
- Hannes Neubauer hat die Skulptur „Indikator“ geschaffen, die auf dem Gelände der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth zu sehen ist.
- Kunst und Energieerzeugung auf einen Nenner gebracht: Bernd Rothammel, Regionalmanager der Bioenergieregion Bayreuth.
 

nach oben


13.11.2012

Ein Denkmal für die Sonnenenergie / Bioenergieregion Bayreuth enthüllte erste von drei geplanten Großskulpturen zur Energiewende

Bayreuth. Mit einer spektakulären Performance der Belfaster Künstlerin Sarah Mac Keever hat die Bioenergieregion Bayreuth die erste von drei geplanten Großskulpturen auf dem Gelände der landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks Oberfranken in Bayreuth enthüllt. Die „Vertical-Dance-Künstlerin“ nahm die acht Meter hohe Skulptur „Indikator“ des Pegnitzers Hannes Neubauer tanzend und kletternd in Beschlag, zeigte wagemutige Figuren zu klassischen Klängen und entfernte ganz nebenbei auch noch die Tücher die das Kunstwerk zuvor eingehüllt hatten.

Sinn und Zweck des Projektes „Energy-in-art“ ist es, die Energiewende und das Thema Bioenergie nicht nur sichtbar zu machen, sondern auch neu zu interpretieren. Damit soll die öffentliche Diskussion angeregt und der Fokus auf konkrete Forschungs- und Modellvorhaben der Bioenergieregion Bayreuth gelenkt werden. Die Bioenergieregion wird seit 2009 als eine von 21 Modellregionen in Deutschland mit Mitteln des Bundeslandwirtschaftsministeriums gefördert. Zu ihr gehören die Stadt und der Landkreis Bayreuth sowie Teile des Landkreises Forchheim.

Der Standort der neuen Großskulptur „Indikator“ liegt am südlichen Bayreuther Stadtrand auf einer Rinderweide der Landwirtschaftlichen Lehranstalten. In Sichtweite städtischer Hochhäuser soll hier die Stadt-Land-Partnerschaft bei der Erzeugung und Nutzung erneuerbarer Energien erlebbar werden. Mit einer durchschnittlichen Höhe von acht Metern stelle der Indikator nicht nur eine Landmarke dar, sondern nehme auch eine Vermittlerrolle ein, indem es den Standort als Schnittstelle zwischen städtischen und ländlichen Raum begreifbar macht, so der Künstler Hannes Neubauer. Durch eine rotierende Bewegung folgt die Installation der Sonne und vollzieht zugleich eine Wende, die symbolisch für die Energiewende steht. Der notwendige solarbetriebene Mechanismus ist nach dem gleichen Prinzip ausgeführt, wie bei automatisch nachgeführten Solaranlagen.

Der aus Pegnitz stammende und mehrfach ausgezeichnete Künstler Hannes Neubauer macht derzeit seinen Master of Fine Arts an der Bauhaus-Universität Weimar. Er erhielt unter anderem die Auszeichnung „Kultur-und-Kreativ-Pilot Deutschland 2011/2012“ und den Bundespreis 2012 für hervorragende innovatorische Leistungen für das Handwerk, verliehen vom Bundeswirtschaftsministerium. Werke von ihm sind sowohl in Kolumbien („Coffee-Bean“) zu finden, wie auch in der Region, wo die Plastik  „Hand-Werk“ die Geseeser Marienkirche ziert.

Die Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks nähmen in der Region eine Leuchtturmfunktion ein, sagte Bezirkstagspräsident Günther Denzler bei der Enthüllung. Damit seien die Lehranstalten auch der ideale Standort für das neue Kunstwerk. Bayreuths Zweiter Bürgermeister Thomas Ebersberger sprach von einem außergewöhnlichen Werk, das Ästhetik und innovative Technik verbinde und künstlerisch sowohl die Stadt-Land-Partnerschaft als auch die Energiewende thematisiere.

Das Dachprojekt „Energy-in-art“ mache die Bioenergieregion Bayreuth einmalig, so Landrat Hermann Hübner. Die Sicht der Künstler sollte für den Betrachter Anlass sein, unvoreingenommen und inspiriert nach neuen Lösungen für aktuelle Problemstellungen zu suchen. Kunstexpertin Susanne Thesing vom Förderverein Skulpturenmeile in Bayreuth erinnerte an die Vorgeschichte der Skulptur. Mehr als 60 bildende Künstler hätten sich an einem  entsprechenden Wettbewerb mit über 90 Beiträgen für die drei geplanten Kunstwerke beteiligt. Der „Indikator“ von Hannes Neubauer setze der Sonnenenergie ein eindrucksvolles Denkmal.

Bilder:
- Hannes Neubauer hat die Skulptur „Indikator“ geschaffen, die künftig auf dem Gelände der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth zu sehen ist.
- Mit einer spektakulären Performance ist das erste von drei geplanten Energy-in-art“-Kunstwerken der Bioenergieregion Bayreuth enthüllt worden.

nach oben


08.08.2012

Fast alles selbst gezogen / Renate und Werner Hübsch bewirtschaften einen 1000 Quadratmeter großen Garten an der Europäischen Wasserscheide

Fischbach. Das Wasser spielt eine große Rolle in Fischbach, einem kleinen Ort mit 87 Einwohnern nahe Weidenberg im oberfränkischen Landkreis Bayreuth. In Sichtweite verläuft die Europäische Wasserscheide, alles was südöstlich davon entspringt fließt über die Donau ins Schwarze Meer, alles, was nordwestlich entspringt über den Rhein in die Nordsee. In Fischbach sind auch Renate und Werner Hübsch zuhause. Ihren landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbe-trieb haben sie gerade an eine der Töchter übergeben, Werner Hübsch (65) ist seit 2008 im Ruhestand, da bleibt viel Zeit für den rund 1000 Quadratmeter großen Garten rund um das Wohnhaus und die ehemaligen Stallgebäude.

„Wasser ist das A und O“, sagt Werner Hübsch, der fast 35 Jahre lang in einen Großhandel für Landmaschinenersatzteile im nahen Bayreuth tätig war. Noch muss er das Wasser aus einem alten Becken der früheren Wasserversorgung umständlich in den Garten fahren. Die Pläne für einen 5000 bis 6000 Liter fassenden Wassertank, in dem künftig das Regenwasser gespeichert werden soll, hat er aber bereits fertig. Der Tank wird auch nötig sein, denn gegossen werden muss praktisch immer. „Früher hat es mehr geregnet“, so Renate Hübsch, aber der Klimawandel mache sich eben auch in dem kleinen Ort am Fuße des Fichtelgebirges bemerkbar.

Allerdings hat die Lage auch ihre Vorteile: Fischbach und damit auch der Garten der Familie Hübsch sind bisher von größeren Unwettern verschont geblieben. So können die Blüten auf der bunten Blumenwiese, die den Besucher schon bei der Anfahrt begrüßen, ungestört leuchten. Vor allem die Kornblumen ragen heraus, auch der Mohn und im Hintergrund der Sonnenhut. „Fast alles ist selbst gezogen, zugekauft wird ganz wenig“, sagt Renate Hübsch, die schon als Kind jeden Ableger gezogen hat.

So etwa ab Anfang der 1980er Jahre habe man begonnen, den Garten systematisch zu gestalten. Rasenflächen, Nutzgarten, Ziergarten, alles ist bestens aufgegliedert und geht für den Betrachter doch stimmig ineinander über. So richtig loslegen kann die Familie freilich immer erst im Mai, denn Fischbach liegt auf fast 500 Meter über dem Meeresspiegel. Vorher spielt sich die Arbeit hauptsächlich in dem kleinen Gewächshaus ab, in dem jetzt im Spätsommer nur noch einige Gurken und Tomaten zu finden sind.

Überhaupt spielt das Thema Nutzgarten eine große Rolle. Zehn Kilogramm Johannisbeeren und zwei Kilogramm Heidelbeeren habe man heuer geerntet, sagt Renate Hübsch, die daraus hauptsächlich Marmelade kocht. Daneben gibt es Himbeersträucher, einen Pfirsichbaum, jede Menge Kräuter, vor allem Rosmarin und Thymian, und sogar einen kleinen Gartenteich, in dem die Frösche quaken.

Kein Wunder, dass ein derartiger Garten auch jede Menge Tiere anlockt. Insekten sowieso, Schwalben, Schwarzamseln, Eidechsen und Igel, aber auch ungebetene Gäste, wie eine Wühlmaus, die den Hübschs im vergangenen Jahr das Leben schwer gemacht hat. Seitdem Werner Hübsch einen Solarpiepser installiert hat, ist aber auch damit Schluss. Das Gerät ist so ziemlich das einzige, was aus dem Baumarkt stammt. Dekorationskitsch sucht man vergebens. Das alte Wagenrad hat früher lange Jahre gute Dienste getan und die Sitzgruppe muss einfach sein, schließlich war der Garten bereits Schauplatz von Betriebsfesten, Familienfeiern und sogar schon von einer kleinen Landmaschinenausstellung.

Stolz ist Werner Hübsch auf die kleinen Stützmauern, die nicht nur den Höheunterschied ausgleichen, sondern auch ein wesentliches Element der Gartengestaltung darstellen. Verkleidet sind die Betonmauern mit exakt 543 gesammelten Steinen aus der Region, die Renate und Werner Hübsch in mühsamer Puzzlearbeit zusammengesetzt haben. „Das war schon viel Arbeit“, sagt Werner Hübsch nicht ohne Stolz. Was die Arbeit angeht, so gibt es freilich immer etwas zu tun. Allein die Hecke um Garten und Haus herum hat eine Länge von 90 Metern. An einem Nachmittag ist der Schnitt nicht zu machen.

Unterstützt wird das sympathische Ehepaar von den vier Kindern und den sechs Enkeln, von denen drei in der Nachbarschaft leben. 25 Hektar Ackerland werden im Nebenerwerb noch von der Familie bewirtschaftet, hauptsächlich Getreide und Mais. Die 18 Milchkühe sind seit Mai Geschichte. Schon seit 2001 aufgegeben hat die Familie die Schweinemast mit zuletzt 120 Mastplätzen.

nach oben


10.07.2012

Kein Phantom: Der Wolf ist im Fichtelgebirge angekommen
Der Förster Ronald Ledermüller sieht keine Gefahr für den Menschen

Bayreuth. Wolf, Wildkatze, Luchs: „Wir müssen damit rechnen, dass diese Tiere im Fichtelgebirge auftauchen“, sagt Ronald Ledermüller (Bild), Förster und seit 2008 Gebietsbetreuer für den Naturpark Fichtelgebirge. Während der Wolf und die Wildkatze in jüngerer Vergangenheit nachgewiesen werden konnten, gebe es keinen anerkannten Nachweis für den Luchs, doch gerade sein Vorkommen hält Ledermüller für am Wahrscheinlichsten.

Drei Strategien stellte der studierte Forstwirt bei einer Veranstaltung des Freundeskreises Lindenhof, dem Umweltschutz-Informationszentrum des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), in Bayreuth vor: Akzeptanz steigern, Sorgen ernst nehmen und im Fall des Falles bei Schäfern und Landwirten für Schadensausgleich sorgen. Die Sache mit der Akzeptanz ist allerdings gar nicht so einfach, vor allem beim Wolf, das weiß auch Ledermüller. „Der Wolf weckt am meisten Emotionen“, sagt er und ist sich doch sicher, dass wir am wenigsten über ihn wissen.

„Wir haben die Erfahrung, mit diesen Tieren zu leben so gut wie verlernt“, so Ledermüller, dem am 29. Dezember des vergangenen Jahres zwei gerissene Hirschkälber am Schneeberg gemeldet wurden. Alles deutete auf einen Wolf hin. Die Auswertung gut drei Wochen später hatte Gewissheit gebracht. Am 20. Januar war ganz in der Nähe ein Wolf in eine Fotofalle getappt. Eine Auswertung des Bildes hatte eindeutig ergeben: der Wolf ist da. Eine Genanalyse der Spuren an den gerissenen Rotwildkälbern sorgte sogar noch für noch mehr Aufschluss. Die Experten fanden heraus, dass es sich um einen Wolf aus der Lausitz gehandelt haben muss.

„Können Wölfe für den Menschen gefährlich werden?“, mit dieser Frage werde er seitdem am meisten konfrontiert und Ledermüller antwortet zunächst mit einem klaren Ja. Nämlich dann, wenn der Wolf tollwütig ist, wenn seine Jungen angegriffen werden oder wenn er es gewohnt ist, bei Menschen Futter zu bekommen, aus Mülltonnen etwa. Diese drei Gründe würden allerdings auch auf andere Wildtiere zutreffen. Die Gefahr relativiere sich außerdem schnell bei einem Blick auf wissenschaftlich belegte Zahlen. Ganze fünf Tote seien innerhalb Europas durch Wolfsangriffe während der zurückliegenden 50 Jahre belegt. Dieser Zahl stünden beispielsweise 39 tödliche Hundeattacken binnen zehn Jahren in Deutschland gegenüber. Für Ledermüller ist deshalb klar: „Ein normal wildlebender Wolf stellt keine Gefahr für den Menschen dar.

Wohl aber für Nutztierhalter: Schafhalter müssten von ihren Tieren leben, deshalb könne der Wolf schnell zum Problem werden. Lässt man die Tiere unbeaufsichtigt könnte ein elektrischer Zaun Abhilfe schaffen. Notfalls seien auch wehende Bänder erwiesenermaßen relativ sichere Maßnahmen gegen einen Wolfsangriff. Sollte der Wolf dennoch den Zaun überschreiten, springe der Bayerische Naturschutzfond mit einer Entschädigung von 85 Prozent ein.

Noch weit vor dem Wolf wurde die Existenz der harmlosen Wildkatze im Fichtelgebirge durch ein überfahrenes Tier, das Ledermüller an der B 303 gefunden hatte, nachgewiesen. „Damit hatten wir am wenigsten gerechnet“, räumt er ein, da Wildkatzen eher Laubwälder und Gegenden bevorzugen, in denen die geschlossene Schneedecke eher die Ausnahme ist. „Das war schon eine kleine Sensation, da die Wildkatze eine bedrohte und wirklich seltene Tierart ist.“ Allein im zurückliegenden Jahr habe es dann vier weitere Nachweise für die Wildkatze gegeben, einmal bei Selb und gleich drei Mal in der Nähe von Pechbrunn.

Noch nicht sicher nachgewiesen ist dagegen der Luchs, wenngleich es in den zurückliegenden Jahrzehnten immer wieder Hinweise darauf gegeben habe. Luchse seien in den östlich angrenzenden Naturräumen nie ganz ausgerottet gewesen. „Vielleicht waren sie auch nie ganz ausgestorben“, so der Referent, dennoch werde der letzte offiziell erlegte Luchs in Bayern auf das Jahr 1846 datiert. „Das Charakteristische dieser Tiere ist es, dass sie so heimlich leben, dass keiner etwas davon merkt“, so Ledermüller, der die Suche nach dem Luchs mit der Jagd nach einem Phantom vergleicht. Allein für das Jahr 2009 verzeichnet er mehrere Sichtungen für den Bereich Fleckl, Warmensteinach, Bischofsgrün und Parkplatz Seehaus.

Für die Zukunft wünscht sich Ledermüller, dass sowohl Wildkatze und Luchs als auch der Wolf als positive Werbeträger für das Fichtelgebirge genutzt werden. Die Vorkommen zeigten die herausragende Stellung des Fichtelgebirges für die Artenvielfalt. Grund für diese Tatsache sei die Lage des Fichtelgebirges als Knotengebirge im Zentrum innerhalb der mitteleuropäischen Gebirgslandschaft. „Alle Tiere, die sich ausbreiten, kommen über kurz oder lang bei uns durch.“  Nicht zuletzt habe das Auftauchen dieser Tiere auch etwas mit dem Klimawandel zu tun, denn viele ausgestorben geglaubte Tiere wanderten wieder dorthin, wo es kühler ist, also gen Norden.

nach oben


22.06.2012

Grünlandnutzung weiter möglich:
Krumbach soll künftig nicht mehr über seine Ufer treten /
Brunner stellte beispielhafte Hochwasserschutzmaßnahme im Landkreis Amberg-Sulzbach vor

Moos, Landkreis Amberg-Sulzbach. Von einem „besonders gelungenem Projekt einer Stadt-Land-Partnerschaft“, von „vier Kommunen, die erfolgreich an einem Strang ziehen“, und von einem „Paradebeispiel für eine gelungene interkommunale Zusammenarbeit“ war die Rede bei der Vorstellung der Hochwasserschutzmaßnahme Krumbach im oberpfälzischen Landkreis Amberg-Sulzbach. Beim „Krumbach-Projekt“ sei beispielhaft eine Lösung verwirklicht worden, die gleichzeitig der Gewässerentwicklung und dem Hochwasserschutz dient, und die nicht zu Lasten der Landwirte geht, sagte Landwirtschaftsminister Helmut Brunner bei einem Ortstermin.

Ziel des Projektes war der Hochwasserschutz für die drei Landkreisgemeinden Freudenberg, Hirschau und Kümmersbruck im Landkreis Amberg-Sulzbach sowie für die kreisfreie Stadt Amberg. Immer wieder war der durch alle vier Kommunen verlaufende, 15 Kilometer lange und später in die Vils mündende Krumbach bei Starkregen über die Ufer getreten und hatte immense Schäden angerichtet. „Wir wollten derartige Vorkommnisse für die Zukunft vermeiden und einen effektiven Hochwasserschutz erreichen“, so der Amberger Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer. Obwohl das Projekt erst im Herbst dieses abgeschlossen sein wird, stehe jetzt schon fest, dass es erfolgreich sein wird.

Unter Federführung des Amtes für ländliche Entwicklung der Oberpfalz wurden dazu in den zurückliegenden Jahren über 100 Einzelgespräche mit den beteiligten 37 Grundstückseigentümern geführt, bis entsprechende Flächen für die Renaturierung des Gewässers und die Ausweisung eines Uferschutzstreifens zur Verfügung standen. Nach den Worten von Landwirtschaftsminister Brunner wurden gut sechs Hektar Fläche erworben, der Rest, also rund 60 Hektar, könnten im Eigentum der Landwirte verbleiben und als Grünland genutzt werden.

Auf einem rund 1,6 Kilometer langen und 30 Meter breiten Streifen kann der Krumbach zwischen der Ortschaft Moos und der Stadt Amberg künftig sogar wieder frei mäandrieren. Durch mehrere Bodenwellen wird das Wasser zurückgehalten, beziehungsweise der Abfluss verzögert. Die Bodenwellen fügen sich dabei nicht nur harmonisch in die Landschaft ein, sie können auch mit landwirtschaftlichen Maschinen befahren und bewirtschaftet werden. Insgesamt könne mit dieser Maßnahme das beachtliche Volumen von bis zu 180000 Kubikmeter Wasser zurückgehalten werden, sagte Brunner.

Laut dem Minister fallen für die privaten Grundstückseigentümer weder Kosten an, noch haben sie einen Landabzug zu tragen. Die rund eine Million Euro Investitionskosten für die Hochwasserschutzmaßnahme werde von der bayerischen Verwaltung für ländliche Entwicklung mit nahezu 90 Prozent gefördert.

Besonders positiv sei es für die Landwirte gewesen, dass neben dem Gewässerumbau auch eine Flurneuordnung einherging, sagte der 1. Bürgermeister von Kümmersbruck, Richard Gaßner. Grundstückseigentümer und Pächter hätten dadurch den Vorteil, größere und besser nutzbare landwirtschaftliche Grundstücke zur Verfügung zu haben.

Gaßner versprach sich außerdem weitreichende Auswirkungen durch die Maßnahmen auf die folgenden Gewässer Vils, Naab und Donau. „Extreme Niederschläge müssen dort gebändigt werden, wo sie entstehen“, sagte er. Nicht dort, wo die Schäden auftreten, sondern wo sie entstehen, sollten sie bekämpft werden, pflichtete der Minister bei. Brunner: „Das Problem muss künftig wie im Landkreis Amberg-Sulzbach an der Wurzel gepackt werden.“

Bilder:
- Vor den Toren der Stadt Amberg entsteht derzeit ein bayernweites Vorzeigeprojekt in Sachen Hochwasserschutz.
- Stellten Handlungskonzepte für den Hochwasserschutz vor (von links): der 1. Bürgermeister von Kümmersbruck Richard Gaßner, Landwirtschaftsminister Helmut Brunner und Ambergs Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer.

nach oben


28.04.2012

Fauna und Flora der Region erlebbar machen / Erstes Infozentrum für den Naturpark Fränkische Schweiz / Veldensteiner Forst eröffnet

Muggendorf. Der Naturpark Fränkische Schweiz/Veldensteiner Forst ist mit einer Fläche von 2300 Quadratkilometern einer der größten Naturparks in Deutschland und nach dem Altmühltal der zweitgrößte in Bayern. Er umfasst das gesamte Nördliche Frankenjura und reicht vom Obermaintal bei Lichtenfels im Norden bis zum Pegnitztal bei Hersbruck im Süden. Seit dem Wochenende hat der Naturpark sein erstes eigenes Informationszentrum. Es ist im alten Bahnhof von Muggendorf (Landkreis Forchheim) in der Fränkischen Schweiz beheimatet und informiert in mehreren Ausstellungsräumen auf insgesamt 175 Quadratmetern über alles, was die Region zu bieten hat, von Flora und Fauna über die Geschichte und Geologie der Region bis hin zur Dampfbahn, die noch immer den ehemaligen Bahnhof anfährt.

An derartigen Informationsmöglichkeiten habe es in der Fränkischen Schweiz bislang gefehlt, sagte Regierungsvizepräsidentin Petra Platzgummer-Martin bei der Einweihung. Nun aber sei das neue Zentrum strategisch hervorragend gelegen, unmittelbar an der Bundesstraße B470, an der Museumsbahnstrecke Ebermannstadt – Behringersmühle sowie am Flusslauf der Wiesent, die in den Sommermonaten von unzähligen Kajakfahrern genutzt wird.

Alles, was der Naturpark zu bieten hat, werde künftig in Muggendorf hervorragend präsentiert, sagte Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk. Was den Reiz, die Besonderheit und Einmaligkeit der Fränkischen Schweiz ausmacht, werde in dem neuen Infozentrum erlebbar und erfahrbar. Nach den Worten von Bürgermeister Helmut Taut wurde das Muggendorfer Bahnhofsgebäude in den 1920er Jahren errichtet. 1922 startete der reguläre Zugverkehr nach Forchheim und Gößweinstein. Bereits 1976 startete von Muggendorf aus der letzte planmäßige Personenzug. Seit 1980 verkehren auf einem Teil der Strecke jeweils an den Wochenenden zwischen Mai und Oktober historische Dampflokomotiven und Dieseltriebwagen des Vereins Dampfbahn Fränkische Schweiz. Die Strecke gilt als älteste Museumsbahn Frankens.

Das neue Informationszentrum hat rund 300000 Euro gekostet, 75 Prozent davon stammen aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung, der Rest entfällt auf Landesmittel und Gelder der Gemeinde, die außerdem das alte Bahnhofsgebäude eingebracht hatte. Der Bau wurde in den zurückliegenden beiden Jahren umfassend saniert und zu mehreren Ausstellungsräumen umfunktioniert. Das Erlanger Planungsbüro Impuls-Design hatte die umfangreiche Schau eingerichtet, zu der unter anderem eine große Modelleisenbahnanlage mit der Darstellung von Muggendorf, eine nachgestellte Szene der Erkundung einer für die Gegend typischen Höhle, sowie zahlreiche Informationstafeln und Installationen gehören.

Der Naturpark Fränkische Schweiz ist Heimat für rund 250000 Menschen in 70 Gemeinden, acht Landkreisen und drei Regierungsbezirken (Oberfranken, Mittelfranken und die Oberpfalz). Als Kernland gilt die traditionelle Ausflugs- und Urlaubsregion Fränkische Schweiz und der Veldensteiner Forst, als eines der größten geschlossenen Waldgebiete Bayerns. Gegründet wurde der Naturpark bereits 1968. Im Jahr 1995 wurde er in seinen heutigen Grenzen festgeschrieben.

Bilder:
- Direkt an der ehemaligen Eisenbahnstrecke im ehemaligen Bahnhof von Muggendorf liegt das neue Informationszentrum Naturpark Fränkische Schweiz/Veldensteiner Forst.

- Zahlreiche Installationen und Schautafeln machen die beliebte Ausflugs- und Urlaubsregion der Fränkischen Schweiz erlebbar.

nach oben


31.03.2012

Teichwirte ziehen Bilanz: Beste Fischernte seit Jahren / Umweltminister Huber sagt fränkischen Teichwirten weitere Unterstützung gegen Kormoran zu

Haid. Das Aischgründer Modellprojekt der sogenannten Kormoranvergrämung  zeigt Erfolg: „Durch die räumliche wie auch zeitliche Ausweitung von Kormoranabschüssen konnten wir im zurückliegenden Herbst die beste Ernte seit vielen Jahren einfahren“, sagte Teichwirt Fritz Nagel, der im unteren Aischgrund bei Haid im Landkreis Forchheim rund 60 Hektar Teichfläche bewirtschaftet. Nun fordern die Teichwirte eine Ausweitung des Modellprojekts durch eine ganzjährige Jagdzeit für den Kormoran sowie eine Ausdehnung der Jagd auch auf die bisherigen Schutzgebiete ohne bürokratische Erschwernisse.

Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen hatten die Teichgenossenschaften Oberfranken und Aischgrund den bayerischen Umweltminister Marcel Huber zu einem Frühjahrsabfischen in den oberfränkischen Teil des Aischgrundes eingeladen. Auch dabei bestätigte sich der Erfolg des Modellprojekts. Die Fischernte des Haider Weihers habe gezeigt, dass das Kormoranmanagement gelingt, sagte Huber. „Wir mussten lange suchen, bis wir einen vom Kormoran verletzten Fisch gefunden haben“, so Huber, der signalisierte, das Modellprojekt ab 2013 bayernweit umzusetzen.

Huber gab vor zahlreichen Teichwirten aus Ober- und Mittelfranken zu bedenken, dass der Verlust der Artenvielfalt ein wichtiges Thema sei und die Forderungen seitens der Naturschutzverbände durchaus ihre Berechtigung haben. Auf der anderen Seite seien auch die Bedürfnisse der Teichwirtschaft nicht von der Hand zu weisen. Es könne nicht angehen, dass einzelne Betriebe die immensen Schäden durch den Kormoran einfach so hinnehmen müssten.

Walter Jacob von der Teichgenossenschaft Aischgrund etwa bezifferte die Schäden an seinen Fischen auf 70 Prozent, erst mit Einführung der Kormoranvergrämung im zurückliegenden Jahr hätten sie sich auf 30 Prozent reduziert. Das sei sehr zu begrüßen, denn die Teichwirte wollten weder von Zuschüssen noch von Almosen des Staates leben, sondern vom Verkauf ihrer regionalen Produkte. Kommen die Teichwirte allerdings in Existenznöte, dann werde sich langfristig niemand mehr finden, der die fränkische Teichlandschaft mit ihrer Jahrhunderte alten Tradition bewirtschaftet. Schon jetzt sei die Altersstruktur der Teichwirte relativ hoch. Ohne langfristige Planungssicherheit werde die Teichwirtschaft  von jüngeren Nachfolgern nicht forstgesetzt werden.

Dies sei auch im Sinne der Bevölkerung, so Karl-Peter Schwegel aus Wüstenstein, stellvertretender Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken. Der Verbraucher frage gezielt nach heimischem Fisch und nach Produkten aus der Region nach. Die Teichwirte kämen diesem Bedürfnis in hervorragender Art und Weise nach. Wenn die Teichwirtschaft allerdings aufrechterhalten werden soll, müssten auch die fischfressenden Vögel an den Gewässern kurzgehalten werden.

Ungemach droht den Teichwirten allerdings nicht nur von Seiten des Kormorans, sondern auch von Biber und vom Fischotter. „Was wir beim Kormoran durchgemacht haben, kommt jetzt beim Biber“, sagte Walter Jakob. Er kritisierte vor allem dass die Problematik seitens der Kreisverwaltungsbehörden völlig unterschiedlich gehandhabt werde.

Bild: Bei einem Frühjahrsabfischen im Aischgrund legte Umweltminister Marcel Huber selbst Hand an und überzeugte sich von der hervorragenden Ernte, die der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Dr. Peter Thoma (links) im Wesentlichen auf das Modellprojekt der Kormoranvergrämung zurückführte. (Bild unten mit MdL Eduard Nöth aus Forchheim)

nach oben


09.09.2011

Fischgenuss mit Jahrhunderter alter Tradition
Teichgenossenschaft eröffnete oberfränkische Karpfensaison

Lautertal – Blau, gebacken, paniert und geräuchert, als Filet oder als Sülze: In den kommenden Monaten mit dem Buchstaben „R“ im Namen werden zahlreiche Gaststätten in Oberfranken wieder den Karpfen als typisch fränkisches Produkt auf ihren Speisekarten anbieten. Eröffnet wurde die Karpfensaison am Wochenende von der Teichgenossenschaft Oberfranken traditionell mit dem Abfischen eines Karpfenteichs, diesmal in Lautertal im Coburger Land. Dort feierte der Betrieb Forellen- und Fischzucht Lautertal von Werner Humann sein 50-jähriges Bestehen mit einem großen Hoffest.

Die ersten Karpfen der Saison fischte der Parlamentarische Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk aus dem Teich auf der großflächigen Anlage im Lautertal, wo die Karpfenproduktion bereits auf eine fast zwei Jahrhunderte alte Tradition zurückblicken kann. Vor genau 50 Jahren wurden die Fischteiche an der jetzigen Stelle errichtet, seit 1979 betreibt die Familie Humann die Anlage und hat sie seitdem mehrfach vergrößert und umfassend modernisiert. Vermarktet werden die Fische über den Groß- und Einzelhandel, über die Gastronomie, aber auch in eigenen Imbiss- und Verkaufswägen. Die weit über die Region hinaus bekannte Fisch- und Forellenzucht Humann gilt in ganz Oberfranken als einziger Fischbetrieb, der seit 2009 auch eine EU-Zulassung besitzt.

Karpfen sind eines der gesündesten Lebensmittel überhaupt, sagte Staatssekretär Koschyk, der als Vorgänger des jetzigen Vorsitzenden Dr. Peter Thoma bis 2007 selbst an der Spitze der Teichgenossenschaft Oberfranken stand. Dieser Zusammenschluss umfasst rund 1000 Teichwirte aus allen Teilen des Regierungsbezirks, in der Regel Landwirte im Nebenerwerb. Die Erzeuge von Karpfen in Oberfranken erfolge artgerecht und naturverträglich und könne jederzeit komplett nachvollzogen werden, so Koschyk.

Fischzuchtbetriebe, die über moderne Vermarktungseinrichtungen verfügen und den Karpfen frisch geschlachtet anbieten, gebe es in jedem oberfränkischen Landkreis. Damit seien nicht nur absolute Frische und beste Qualität, sondern auch kurze Wege vom Erzeuger zum Verbraucher garantiert. Die Karpfenteiche in der Region seien aber noch viel mehr als reine Produktionsstätten. Sie würden zur Grundwasserneubildung beitragen, minderten den Hochwasserabfluss, wirkten der zunehmenden Landversiegelung entgegen und speicherten das Wasser in der Fläche.

Deshalb sei der Karpfen in Oberfranken auch ein kulinarisches Kulturgut, sagte Bezirksrat Wolfgang Hoderlein in Vertretung von Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Seinen Worten zufolge werden im Regierungsbezirk jährlich rund 700 Tonnen Karpfen aus 2500 Teichen aufgezogen und verspeist. Neben ihrer Funktion als Wasserspeicher seien diese Teiche auch ein wichtiger Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. „Die Teichwirtschaft ist damit ökologisch und extrem oberfränkisch“, so Hoderlein.

Nach Aussage von Fachleuten können die Verbraucher heuer trotz der Witterungsschwankungen mit besonders guten Qualitäten beim Karpfen rechnen. Vor allem die kühlen Temperaturen im Juli und Anfang August hätten für ein langsames Wachstum der Fische gesorgt, das Fleisch sei deshalb fest und schmackhaft. Bayern gilt als Deutschlands größtes Karpfen-Erzeugerland: Hier wird auf einer Gesamtteichfläche von rund 20000 Hektar mehr als die Hälfte der gesamten deutschen Karpfenmenge produziert. Schwerpunkte sind Ober- und Mittelfranken sowie die Oberpfalz mit jeweils einem Drittel der bayerischen Erntemenge.

Bild: Der Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken, Dr. Peter Thoma aus Wunsiedel, der Coburger Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach und Staatssekretär Hartmut Koschyk (von links) fischten zur Eröffnung der Karpfensaison 2011/2012 die ersten Fische aus den Teichen von Werner Humann im Lautertal bei Coburg.

nach oben


03.09.2011

Sanfter Tourismus am Eldorado-Felsen
Neuer zentraler Anlaufpunkt für Klettersportler in der Fränkischen Schweiz

Obertrubach  - 1000 Felsen, 12000 Routen und 180 Kilometer Kletterstrecke: Die Fränkische Schweiz und ihre benachbarten Regionen sind wichtige Anziehungspunkte für Sportkletterer aus dem In- und Ausland. Mit dem neuen Kletter-Info-Zentrum in Obertrubach (Landkreis Forchheim) haben alle aktiven Kletterer, aber auch Interessierte und deren Familien einen neuen Anlaufpunkt.

„Das Infozentrum ist die einzige touristische Infrastrukturmaßnahme, die aus Mitteln des zweiten Konjunkturpakets in ganz Oberfranken bewilligt wurde“, sagte Thomas Engel von der Regierung von Oberfranken bei der Einweihung am Wochenende. Bürgermeister Willi Müller nannte das Trubachtal den Mittelpunkt des Klettersports in der gesamten Fränkischen Schweiz. Das Kletterzentrum sei genau der richtige Weg, um den sanften Tourismus in der Fränkischen Schweiz zu etablieren, so der Parlamentarische Finanzstaatssekretär und Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Bayreuth/Forchheim Hartmut Koschyk. Der Politiker bezeichnete es als überaus wichtig für die Zukunft, verstärkt die Zielgruppe der Familien anzusprechen und auf „Tourismus im Einklang mit der Natur“ zu setzen. Grundsätzlich gehe es bei allen derartigen Projekten um einen vitalen ländlichen Raum, sagte Anton Hepple, Leiter des Amtes für ländliche Entwicklung in Oberfranken. Dazu gehöre die Steigerung der Wertschöpfung genauso, wie verbesserte und neue Angebote an Urlauber, Sportler und Naherholungssuchende.

Kletterexperte Sven König hatte für das Zentrum zusammen mit dem Büro Landimpuls aus Regenstauf sechs großformative Informationstafeln mit Texten und Bildern entworfen, die  den Betrachter mitnehmen auf die Touren vom Staffelberg im Landkreis Lichtenfels ganz im Norden  quer durch die Fränkische Schweiz bis nach Kastl im Lauterachtal im Süden. Ausführlich beschrieben werden dabei die Routen mit Informationen über die jeweiligen Felsen  und die verschiedensten Klettertechniken.

In erster Linie Kinder und Jugendliche sollen an dem Info-Punkt mit verschiedenen Probierstationen angesprochen werden. Dazu gibt es eine riesige, sechs Meter hohe Seilpyramide, eine sogenannte Boulderwand, also ein kleiner künstlicher Felsen, und einen Balancierlauf. Zum Infozentrum gehören außerdem ein kleiner Juragarten, der die typische Vegetation des Felsens aufzeigt, der ansprechend gestaltete Bachlauf der vorüberfließenden Trubach und der nahegelegene Kneipp-Pfad. Mehrere Ruhebänke laden  zur Rast ein, auf den großzügigen Wiesenflächen können Kinder nach Herzenslust herumtollen. Gleich nebenan thront der in Kletterkreisen bekannte „Eldorado“-Felsen, der selbst für versierte Könner wegen seiner starken Überhänge eine echte Herausforderung ist.

Das Kletter-Info-Zentrum Fränkische Schweiz geht auf eine Initiative des Wirtschaftsbandes A9/Fränkische Schweiz, eines Zusammenschlusses von 18 Kommunen der Landkreise Bayreuth und Forchheim entlang der Bundesautobahn A9, zurück. Drei Jahre lang wurde geplant und ein Jahr lang gebaut. Die Kosten für das Zentrum bezifferte Bürgermeister Müller auf 320000 Euro, rund die Hälfte stammt aus Fördertöpfen, darunter auch europäische Leader-Mittel. Die andere Hälfte stammt vom Landkreis, und der Gemeinde, sowie aus einem Zuschuss der Forchheimer Sparkasse.

nach oben


21.07.2011

Mit neuer Energie ins Netz – Wertschöpfung bis zu 50 Millionen Euro jährlich möglich / Ministerin Aigner startete kommunales Informationssystem für erneuerbare Energien

Bayreuth. 90 Prozent der Fläche im Landkreis Bayreuth werden land- und forstwirtschaftliche genutzt. „Damit ist die Bioenergieregion startklar“, sagte Landrat Hermann Hübner bei der Freischaltung des „Kommunalen Informationssystems Erneuerbare Energien“ im Bayreuther Landratsamt. Mit dem Sieg im entsprechenden bundesweiten Projektwettbewerb habe die Bioenergieregion vor zwei Jahren gewaltig an Fahrt aufgenommen, so Hübner weiter. Einen weiteren Schub erhält das ehrgeizige Projekt jetzt mit der offiziellen Online-Schaltung des Informationssystems durch Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner. Auf der Internet-Plattform www.kommunales-informationssystem.de sollen künftig alle Verantwortlichen für ähnliche Projekte ihre Erfahrungen austauschen und einbringen können, um die Energiewende noch schneller Wirklichkeit werden zu lassen.

„Genau das ist der richtige Weg“, sagte die Ministerin vor dem Hintergrund der schrecklichen Ereignisse in Fukushima. Aigner verteidigte nachdrücklich den Entschluss, den Atomausstieg zu forcieren. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir es schaffen, wenn nicht wir, wer dann?“, so die Ministerin. Dabei dürfe nicht nur den Ausstieg immer wieder hervorgehoben, vielmehr sollte auch der Einstieg in die erneuerbaren Energien deutlich gemacht werden. Notwendig sei dazu eine Steigerung der Effizienz der Erneuerbaren Energien, aber auch das Werben um Akzeptanz in der Bevölkerung und genau die soll durch die neue Plattform erreicht werden.

Die Bioenergieregion Bayreuth war 2009 im Wettbewerb des Bundeslandwirtschaftsministeriums als einer der Sieger hervorgegangen. Insgesamt sollen dabei bis zu 400000 Euro an Fördergeldern bis Mitte 2012 in Stadt und Landkreis Bayreuth sowie einige Gemeinden darüber hinaus entlang des Wirtschaftsbandes A9 fließen, um eine selbstständige Modellregion zu schaffen, deren Konzepte künftig auch auf andere Regionen übertragen werden können.

Langfristiges Ziel der Bioenergieregion ist es, die Abhängigkeit von Energieimporten zu verringern, die Wertschöpfung vor Ort zu erhöhen und den ländlichen Raum zu stärken. Dazu ist unter anderem vorgesehen, den Anteil regional erzeugter Bioenergie am Endenergieverbrauch der Privathaushalte in der Region von aktuell unter 20 auf über 50 Prozent zu erhöhen. Neben der Umweltbildung sollen dazu auch die Themen Information und Verbraucheraufklärung eine wichtige Rolle spielen. Mit neuen Materialien zum unterhaltsamen Lernen und entsprechenden didaktischen Konzepten könnten Schulen und Umweltbildungseinrichtungen den Zugang zu dem Thema erleichtern.

Die Projektverantwortlichen sehen in der verstärkten Förderung der Bioenergie ein riesiges Potenzial mit neuen Arbeitsplätzen und einer direkten Wertschöpfung von bis zu 50 Millionen Euro jährlich, allein durch den Verkauf der Biomasse. Indirekt soll das Potenzial beim Zehnfachen liegen, etwa durch den Bau neuer Anlagen oder die Errichtung entsprechender Nahwärmenetze.

Zur Bioenergieregion Bayreuth gehören neben der Stadt und dem Landkreis Bayreuth auch die interkommunale Arbeitsgemeinschaft „Integrierte ländliche Entwicklung Wirtschaftsband A9“ und damit auch einige Gemeinden aus dem Landkreis Forchheim. Insgesamt umfasst die Bioenergieregion eine Fläche von 1500 Quadratkilometern mit 200000 Einwohnern. Konzipiert wurde die letztlich erfolgreiche Bewerbung um den Preis der Bioenergieregionen vom 2008 gegründeten Regionalmanagement Stadt und Landkreis Bayreuth, an der beide Gebietskörperschaften paritätisch beteiligt sind. Neben Bayreuth wurden im Freistaat auch die Bioenergieregionen Achental und Oberland in Oberbayern und Straubing-Bogen in Niederbayern als Bundessieger ausgezeichnet.

Bilder:
- Die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer, Landrat Hermann Hübner, der Parlamentarische Staatssekretär Hartmut Koschyk und Bayreuths Oberbürgermeister Michael blicken über die Schulter von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner, die gerade das neue Kommunale Informationssystem für erneuerbare Energien freigeschaltet hatte.
- Zusammen mit den Bürgermeistern der Arbeitsgemeinschaft „Integrierte ländliche Entwicklung Wirtschaftsband A9 hat Bundesministerin Ilse Aigner das neue Informationsportal im Bayreuther Landratsamt vorgestellt.

nach oben


16.07.2011

Touristischer Anziehungspunkt und teichwirtschaftliches Juwel
Karpfen, Zandern und Hechte: Thurnauer Schlossweiher trägt ab sofort das Prädikat „Kulturgut Teich“

Thurnau – Der Schlossweiher von Thurnau ist offiziell zu einem überregional bedeutsamen Kulturgut erklärt worden. Der Weiher präge seit über 300 Jahren das gesamte Ensemble, er werde bis heute teichwirtschaftlich genutzt und trage maßgeblich zum Erhalt der Artenvielfalt bei, heißt es auf der Urkunde, die Landtagsvizepräsident Peter Meyer an Bürgermeister Dietmar Hofmann überreichte. Vergeben wird die Auszeichnung „Kulturgut Teich“ seit 1998 von der Teichgenossenschaft Oberfranken. Dokumentiert wird die Auszeichnung durch eine Informationstafel, die direkt am Ufer in unmittelbarer Nähe zum Schloss platziert wurde.

Neben einer traditionsreichen Geschichte komme es dabei vor allem auf die landschaftsprägende und ökologische Bedeutung an, erläuterte der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Dr. Peter Thoma. Die Auswahl treffe dabei eine Jury, die sich aus Vertretern der Teichgenossenschaft, des Bezirks Oberfranken und dessen Fachberatung für Fischerei besteht. Aufgrund seiner traditionsreichen Geschichte stelle der Schlossweiher innerhalb der oberfränkischen Teichlandschaft ein herausragendes Kulturgut dar, begründete Thoma die Entscheidung für Thurnau.

Die älteste bildliche Wiedergabe des Thurnauer Schlossweihers geht auf einen Stich aus dem Jahr 1710 zurück. Mitte des 19. Jahrhunderts sollte der Weiher trockengelegt und in landwirtschaftliches Areal umgewandelt werden. Der Chronik zufolge sei diesem Vorhaben aber kein durchschlagender Erfolg beschieden gewesen. Über 100 Jahre lang habe sich das Gelände als sumpfige Weiherwiese präsentiert. Erst 1975 beschloss der Markt die Umarbeitung des damals als „Brennesselloch“ bezeichneten Geländes in die Naherholungsanlage Schlossweiher umzuwandeln, die drei Jahre später in der heutigen Gestalt eröffnet wurde. Der Schlossweiher ist rund 1,4 Hektar groß und bis zu 1,80 Meter tief. Der Fischbesatz besteht unter anderem aus Karpfen, Rotfedern Moderlieschen, Zandern und Hechten. Eigentümer des Weihers ist die Familie des Freiherrn Hiller von Gaertringen, Pächter der Markt Thurnau.

Der Schlossweiher von Thurnau sei ein Paradebeispiel dafür, wie Ökologie und Ökonomie in Einklang gebracht werden können, sagte Landtagsvizepräsident Meyer. Er bezeichnete den Weiher vor dem Schloss als eines der beliebtesten Postkartenmotive Oberfrankens.  Um den Beweis anzutreten, dass der Thurnauer Schlossweiher die durchaus anspruchsvollen Kriterien eines Kulturguts erfülle, sei in den zurückliegenden Monaten einiges an Recherchearbeiten notwendig gewesen, so der Thurnauer Bürgermeister Dietmar Hofmann. Die kulturhistorische Bedeutung des Gewässers sei unbestritten und habe als Fischgewässer mit reichlichem Besatz eine herausragende Bedeutung.

„Teiche wie der in Thurnau prägen und bereichern das Landschaftsbild, sie verbessern das Kleinklima in ihrem Umfeld und sind wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen“, sagte Bezirkstagvizepräsident Eberhard Siller. Teiche speicherten aber auch das Wasser in der Fläche, eine Funktion, die vor dem Hintergrund des Klimawandels in Zukunft immer wichtiger werde. Der dauerhafte Erhalt eines solchen Gewässers und seine teichwirtschaftliche Nutzung gehörten unabdingbar zusammen“, so Matthias Zrenner, Geschäftsführer des Verbandes Bayerischer Berufsfischer (VBB). Die Auszeichnung soll deshalb auch herausstellen, wie wichtig die fischereiliche Nutzung der Gewässer ist.

Bild: Bezirksrat Klaus Förster, Bürgermeister Dietmar Hofmann, Landtagsvizepräsident Peter Meyer, Landrat Klaus Peter Söllner, Bezirkstagsvizepräsident Eberhard Siller und der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Dr. Peter Thoma (von links) haben die neue Informationstafel am Ufer des Thurnauer Schlossweiher enthüllt.

nach oben


15.12.2010

Monsterhecht und blaue Äschen

 Aufseß – Diesen rund 1,10 Meter langen Hecht haben Mitarbeiter der Lehranstalt für Fischerei in Aufseß im Zuge von Gewässererkundungen bei Elektroabfischungen im Main bei Breitengüßbach (Landkreis Bamberg) gefangen. Der rund 25 Pfund schwere und schätzungsweise zwölf bis 14 Jahre alte Fisch ist derzeit in einem Becken der Lehranstalt untergebracht und soll voraussichtlich zu Unterrichtszwecken präpariert werden, so der Leiter der Lehranstalt Ronny Seyfried (Bild). In der Einrichtung des Bezirks Oberfranken gibt es zurzeit neben Aalen, Zandern, Karpfen und Schleien auch seltenere Gewässerbewohner wie etwa Teichmuscheln und Krebse. Sie alle zeigten die immensen Artenvielfalt in den oberfränkischen Gewässern, sagt Fischereifachberater Robert Klupp. Diese Vielfalt dürfe nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Besonders zu schaffen macht den oberfränkischen Fischern und Teichwirten seit Jahren der Kormoran. Auch in Fließgewässern treibe dieser Raubvogel sein Unwesen, so Klupp. So würden besonders Äschen unter dem Kormoran leiden. In Aufseß hat man sich deshalb besonders dem Schutz der Äsche verschrieben, von denen derzeit einige ganz besondere Exemplare in der Lehranstalt zu besichtigen sind. Es handelt sich dabei um mutierte Äschen, die durch eine Laune der Natur blau gefärbt sind.

nach oben


26.10.2010

Keine Überlebenschance für die Fichte
Meteorologe Wolfgang Seiler befürchtet dramatische Auswirkungen des Klimawandels, sieht aber auch Chancen

Bayreuth – Tiefer gelegene Gebiete werden aufgrund des Klimawandels künftig den Wintertourismus aufgeben müssen. Davon ist der Meteorologe Wolfgang Seiler von der Universität Augsburg fest überzeugt. Bei den Bayreuther Dialogen, einer Veranstaltung des Studiengang Philosophy & Economics am Wochenende in Bayreuth, stellte der Professor aber auch klar, dass die selbst in den Alpenregionen kürzer werdende Saison nur eine der harmlosen Auswirkungen der globalen Klimaveränderung sein werden.

„Im Sommer werden auch bei uns die Spitzentemperaturen zunehmen“, so Seiler. Der langjährige Direktor des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung  in Karlsruhe sagt voraus, dass der Rekordsommer 2003 mit seinen vielen Hitzetoten in unseren Breiten zur Normalität wird. Als Folge ist mit einer starken Ausbreitung von Viren sowie mit einem Anstieg der Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu rechnen. Auch heftige Stürme und Tornados sollen dem Wissenschaftler zufolge in unserer Region kein Einzelereignis mehr bleiben. Keine Überlebenschance gibt Seiler dem Baum, der dem Fichtelgebirge seinen Namen gegeben hat: der Fichte. Während sich die Landwirtschaft mit neuen und anderen Pflanzen relativ schnell anpassen wird, stehe die Forstwirtschaft vor erheblichen Problemen. Mit dem Aussterben der Fichte sei in unseren Breiten jedenfalls fest zu rechnen.

Im Gegensatz zu den globalen Auswirkungen des Klimawandels seien dies alles noch moderate Folgen. Seiler spricht weltweit von erheblichen politischen Spannungen, von großen Wanderungsbewegungen bis hin zu Kriegen, die nach den Worten des Wissenschaftlers künftig nicht mehr um Öl, sondern um Wasser geführt werden. Die reichen Länder, also die Verursacher des Klimawandels würden am wenigsten betroffen sein. Härter werde es die armen Länder treffen, die Regionen also, die für den Klimawandel gar nichts können. „Wenn das Wasser knapp wird, steht auch die Nahrungssicherheit auf dem Spiel. Seiler geht davon aus, dass sich dann viele Menschen auf den Weg machen werden und sieht eine Wanderungsbewegung, die niemand mehr aufhalten könne. Eine andere Möglichkeit sei das Entstehen eines neuen Kolonialismus. Schon heute hätte sich China 200000 Hektar Land in Simbabwe gesichert, um die Nahrungsmittelsicherheit für die eigene Bevölkerung sicherstellen zu können.

Der Referent bezeichnete den Klimawandel als eine der größten Herausforderungen des Jahrhunderts. Eine Vielzahl von Indikatoren spreche dafür, dass der Klimawandel längst Realität ist. „Wir müssen etwas tun, um den Klimawandel einigermaßen in den Griff zu bekommen, oder zumindest, um Anpassungsstrategien zu entwickeln“, so Seiler. Leider fehle zum Umsteuern noch immer der politische Wille, auch der Leidensdruck sei einfach noch nicht gegeben. Viel erreichen könne man beispielsweise damit, dass zumindest ein Teil der Gewinne aus dem Betrieb der Kernkraftwerke in den Klimaschutz fließen würden. Die Laufzeitverlängerung für die deutschen Meiler sei positiv, wenn das erwirtschaftete Geld wieder dem Klima zu Gute käme, sagt Seiler und verweist darauf, dass ein einziges Kernkraftwerk pro Tage eine Million Euro Gewinn abwirft.

Nach den Worten des Meteorologen würde aber auch das gesamte Windaufkommen von Nord- und Ostsee ausreichen, um ganz Europa mit Energie zu versorgen. Überhaupt sieht Seiler eine große Chance in erneuerbaren Umwelttechniken. Als Chance aus dem Klimawandel könnten mit Hilfe dieses Sektors eine Vielzahl neuer Arbeitsplätze geschaffen werden, was wiederum zum Erhalt des sozialen Friedens beitragen würde. „Hier entsteht gerade ein Riesenmarkt“, so Seiler der eine vorausschauende Klimapolitik nicht nur als beste Wirtschaftspolitik, sondern auch als Basis für die nationale Sicherheit bezeichnet.

Bild: „Wir sind in eine Situation hineingeraten, aus der wir unbedingt heraus müssen“: Der Meteorologe Wolfgang Seiler von der Universität Augsburg sieht im Klimawandel auch eine Chance.

nach oben


01.10.2010

Emmer, Erdäpfel und Rebhuhn-Zoigl / Modellgemeinde Biodiversität: Im oberpfälzischen Tännesberg werden Umwelt- und Naturschutz groß geschrieben

Behörden, Bauernverband und Bund Naturschutz: „Das Besondere ist, dass alle zusammenarbeiten und an einem Strang ziehen.“ Hans-Peter Klünner, Zweiter Bürgermeister von Tännesberg, bezeichnet das vor gut einem Jahr gestartete Projekt „Bayerische Modellgemeinde Biodiversität Tännesberg“ als Erfolgsstory. Nirgendwo in Bayern laufen so viele Bayernnetz-Naturschutzprojekte wie in der kleinen Gemeinde in der Oberpfalz, in kaum einem anderen Ort sind die drei landesweit agierenden Naturschutzorganisationen (Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz und Stiftung Wildland) zusammen mit der Kommune und dem Naturpark daran beteiligt. Bundesweit ganz vorne ist Tännesberg bezogen auf die Einwohnerzahl von 1500 auch bei den Ausgaben für Umwelt und Naturschutz: 55000 Euro sind heuer dafür bereitgestellt worden, 85000 sollen es im kommenden Jahr sein.

Die biologische Vielfalt, der Reichtum an Arten und Lebensräumen, ist Grundlage der landschaftlichen Schönheit Bayerns. Die Vielfalt macht den Reiz der Landschaft aus, sie ist Voraussetzung für Erholung und Tourismus sowie Basis für gesunde Lebensmittel und sauberes Wasser. Trotz aller Bemühungen ist die biologische Vielfalt (Biodiversität) weltweit bedroht. Die Roten Listen der gefährdeten Arten werden immer länger, die Auswirkungen des Klimawandels sind noch gar nicht absehbar. Anlässlich der Naturschutzkonferenz der Vereinten Nationen 2008 in Deutschland hat die Bayerische Staatsregierung eine Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt beschlossen, mit deren Hilfe Arten- und Sortenvielfalt bewahrt, das landesweite Biotopnetz noch enger geknüpft und die Umweltbildung verstärkt werden soll.

Die idyllische Marktgemeinde Tännesberg (Landkreis Neustadt an der Waldnaab) im Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald hat in den zurückliegenden Jahren schon mehrere Naturschutzprojekte erfolgreich umgesetzt. So wurde dort nicht nur die Artenvielfalt wild lebender Tiere und Pflanzen gefördert, sondern auch auf alte Nutztierrassen wie der Rinderrasse Rotes Höhenvieh und alter Kultursorten wie der Weizenart Emmer großer Wert gelegt.

Um neue Quellen zu schließen und die Wasserqualität zu sichern sei bereits Anfang der neunziger Jahre das Projekt Kainzbachtal gestartet worden. Moore wurden dort wieder freigelegt, die Fichtenaufforstung nahm man aufgrund der Übersäuerung zurück, Streuobstwiesen säumen seitdem den Kainzbach. Das Tal bietet heute einer Vielzahl seltener Tiere und Pflanzen einen wichtigen Lebensraum. Sowohl das Ackerwildkraut Kornrade, die Vogelart Bekassine, der Schwarzstorch, die Kreuzotter, oder verschiedene Libellenarten: sie alle sind vom Aussterben bedroht, aber um Tännesberg herum wieder anzutreffen. Zur Beweidung der umliegenden Flächen, wurde kurz darauf das Rotvieh-Projekt ins Leben gerufen. Die ursprüngliche oberpfälzer Rinderart steht heute auf der Liste der bedrohten Rinderrassen, die ersten Tiere seien in Tschechien und in Sachsen angekauft worden, erinnert sich Klünner. Die Landwirte waren dem Projekt von Anfang an aufgeschlossen gegenübergestanden, mittlerweile gebe es vier Landwirte, die wieder Rotvieh halten, obwohl die Förderperiode für das Projekt längst ausgelaufen ist.

Noch ein Naturschutzprojekt fällt dem Zweiten Bürgermeister, der auch Jagdpächter ist, spontan ein: Das Rebhuhn-Projekt. Hier taten sich die Jäger besonders hervor, indem sie Hecken angepflanzt, alte Kartoffel- und  Getreidesorten wie Emmer, Einkorn oder Dinkel wieder belebt hatten und so einen idealen Lebensraum für das Rebhuhn schufen. Davon profitiert wiederum der Verbraucher. Was auf den „Rebhuhn-Äckern“ wächst, kann der Feinschmecker in der Bäckerei Spickenreither am Marktplatz als Rebhuhn-Loibl kaufen, das aus den Urgetreidesorten handwerklich eingebraute Rebhuhn-Zoigl gilt unter Bierkennern längst als Geheimtipp.

Dies alles seien wichtige Gründe dafür, warum die 1500-Einwohner-Gemeinde vor rund einem Jahr zur Bayerischen Modellgemeinde Biodiversität ausgewählt wurde, erklärt Agraringenieur Thomas Schwarz, von der regionalen Entwicklungsgesellschaft „landimpuls“ aus Regenstauf, die das Management für die Modellgemeinde übernommen hat. Als Ziele des Projektes bezeichnet er es, eine Strategie zum Erhalt und zur Förderung der biologischen Vielfalt zu entwickeln, die einmalige Kulturlandschaft zu erhalten und das Bewusstsein für die biologische Vielfalt in der Bevölkerung zu stärken. Dazu werden nicht nur die bereits bestehenden Projekte fortgeführt, sondern auch eine ganze Reihe weiterer Maßnahmen angestoßen und durchgeführt. Dazu gehören die Errichtung eigener Themenwanderwege, Angebote zum aktiven Naturerleben oder zur Naturvermittlung beispielsweise in den Schulen. Daneben ist der Ankauf von über sechs Hektar naturschutzfachlich wertvoller Flächen bereits in Vorbereitung und soll noch heuer abgeschlossen werden.

Von den Projekten profitieren nicht nur die Landwirte, die für ökologische Leistungen über das Vertragsnaturschutzprogramm oder das Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) sondern auch für Landschaftspflegemaßnahmen entlohnt werden, die Gemeinde hofft auch den Tourismus wieder ankurbeln zu können. Dazu wird unter anderem ein DSV-Nordic-Walking-Stützpunkt errichtet, der sehenswerte geologische Lehrpfad soll erweitert werden und der alljährlich am zweiten Septembersonntag stattfindende Regionalmarkt hat sich aus kleinen Anfängen heraus längst zum Renner entwickelt.

Die Kosten der Bayerischen Modellgemeinde Biodiversität Tännesberg beziffert Schwarz auf rund 250000 Euro pro Jahr (inklusive Flächenankauf). 70 bis 90 Prozent davon trägt das Umweltministerium, den Rest im Wesentlichen die Gemeinde und verschiedene Projektpartner.

Bild: Mitten in Tännesberg startet der zweieinhalb Kilometer lange Rebhuhnweg, der dem Spaziergänger nicht nur alles das zeigt, das das Rebhuhn zum Leben braucht. Der Rundweg offenbart dem Wanderer gleichzeitig auch die Naturschönheiten des Oberpfälzer Waldes.

nach oben


03.09.2010

Vom Teich auf den Teller / Landwirtschaftsminister Brunner eröffnete bayerische Karpfensaison im oberfränkischen Aischgrund

Willersdorf - Zum Start der Karpfensaison 2010 können sich alle Fischfreunde auf eine ausgezeichnete Karpfenernte freuen. Durch den kühlen August seien die Karpfen heuer nur langsam gewachsen, was für eine ausgezeichnete Qualität spricht, sagt Landwirtschaftsminister Helmut Brunner bei der Eröffnung der Karpfensaison in der oberfränkischen Gemarkung Willersdorf, Gemeinde Hallerndorf im Landkreis Forchheim. Die zu erwartende Erntemenge bezifferte Brunner auf rund 6000 Tonnen, was dem langjährigen Durchschnitt entspreche.

An den Teichen von Georg Rittmayer hatte die Teichgenossenschaft Oberfranken diesmal für eine standesgemäße Saisoneröffnung gesorgt. Rittmayer ist nicht nur Teichwirt mit einer Wasserfläche von rund 8,5 Hektar, sondern auch Land- und Forstwirt mit zusammen 110 Hektar bewirtschafteter Fläche, neben Wald und Grünland vor allem Getreide, aber auch Erbsen, Lupinen und Lein. Und Rittmayer ist auch Gastwirt: Im eigenen Landgasthof im Willersdorf landen die Karpfen aus seinen Teichen einer jahrhundertealten Familientradition folgend alle auf den Tellern. „Das ist ein gutes Beispiel für die Frische des Karpfens als nahezu ausschließlich lebend vermarkteten Speisefisches“, sagte Minister Brunner.

Freilich gehören immer wieder auch Neuerungen dazu. So hatte sich Rittmayer heuer erstmals entschlossen, Biokarpfen nach den Vorgaben des Naturland-Verbandes zu erzeugen. Die Entscheidung, konventionelle oder Biokarpfen zu erzeugen ist im Grunde keine fachliche oder produktionstechnische, vielmehr gehe es ausschließlich um die Frage, ob die höheren Kosten des Bio-Futtergetreides, in erster Linie Roggen, durch einen höheren Vermarktungspreis wieder ausgeglichen werden können.

Rittmayer setzt dabei auf den „Aischgründer Spiegelkarpfen“, den seit jeher sein geringes Schuppenkleid und sein festes fettarmes Fleisch kennzeichnen. Damit sei der „Aischgründer“ als eine der bekanntesten europäischen Karpfenrassen eine Delikatesse von höchster Qualität. Auch Landwirtschaftsminister Brunner nannte den Aischgrund eine der bekanntesten und wohl auch ältesten Teichregionen Europas. Hier an der Grenze von Oberfranken zu Mittelfranken gebe es noch heute rund 4000 Teiche mit einer Fläche von zusammen 3500 Hektar Wasser.

Allgemein bezeichnete Brunner den Karpfen als typisches Saisonprodukt, das seit jeher in den Monaten mit dem Buchstaben „r“ abgefischt und aufgetischt werde. „Wir freuen uns alle auf die erste Karpfenmahlzeit, weil wir sie lange entbehrt haben“, sagte Brunner. Gerade diese längere Pause mache es auch notwendig, den Verbraucher wieder auf den Beginn der neuen Saison aufmerksam zu machen.

Am Rande der Karpfensaisoneröffnung wiesen die Verantwortlichen allerdings auch auf die unverändert bestehende Kormoranproblematik hin. Georg Rittmayer muss in seine Teiche beispielsweise an die 300 Fische mehr einsetzen, als er letztlich wieder herausholen kann. „Die 300 sind für den Kormoran“, erläuterte Rittmayer, der sich nicht mehr anders zu helfen weiß. Wir befinden uns hier an einem Brennpunkt der Kormoranproblematik“, so der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Dr. Peter Thoma aus Wunsiedel. Er wies darauf hin, dass gerade wegen des Kormorans die Einnahmen durch den Fischverkauf in vielen Fällen gar nicht mehr gedeckt sind. Hier zeige sich eine gewisse Ironie, wenn der Kormoran auch noch zum Vogel des Jahres erklärt werde, bemerkte Minister Brunner mit Blick auf den Landesbund für Vogelschutz. Wenn sich der Schutz zur Plage entwickle, indem andere Tiere in ihrer Entwicklung gefährdet seien, müsse der Mensch diesen Schutz überdenken und relativieren.

Bild: Die Karpfensaison 2010 haben im oberfränkischen Willersdorf (von links) Bezirkstagsvizepräsident Eberhard Siller, der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Dr. Peter Thoma und Landwirtschaftsminister Helmut Brunner eröffnet.

nach oben


17.03.2010

Blaue Flagge und Gelbe Welle / Flussparadies Franken will Touristen, Ausflügler und Sportler ins Main-Regnitztal locken

Bamberg – Rund 2000 Hektar Wasserflächen gibt es in und um Bamberg und den angrenzenden Landkreisen Forchheim, Hassberge und Lichtenfels. „Damit haben wir hier mehr Wasserfläche als im Fränkischen Seenland“, sagt Dr. Anne Schmitt, Geschäftsführerin des Vereins Flussparadies Franken, der seinen Sitz in Bamberg hat. Im Anschluss an seine jüngste Mitgliederversammlung stellte das Flussparadies passend zum Thema bei einer Schifffahrt auf dem Main seine Projekte für das Jahr 2010 vor. Die Planungen für den Sieben-Flüsse-Wanderweg im Umfeld der Landesgartenschau 2012 gehören genauso dazu, wie der Regnitz-Wanderweg zwischen Nürnberg und Bamberg, eine „Gelbe Welle“ für Kanuwanderer und eine „Blaue Flagge“ als Zertifikat für die Badeseen der Region.

„Flüsse verbinden und das Wasser steht als Symbol für das Leben“, umriss der Vorsitzende und Bamberger Landrat Dr. Günther Denzler den Ausgangspunkt für das Flussparadies Franken, das 2003 im Bamberger Landratsamt gegründet wurde. Die Region besitze mit ihren Wasserflächen und Wasseradern ein Alleinstellungsmerkmal, das noch mehr touristisch genutzt werden soll, nicht aber ohne den Umweltgedanken zu vernachlässigen.

Mit den Naturparks Fränkische Schweiz, Hassberge und Steigerwald soll der Sieben-Flüsse-Wanderweg ab 2012 und damit pünktlich zur Landesgartenschau in Bamberg drei verschiedene Landschaften miteinander verbinden. Ein erstes Konzept dafür stehe bereits, die Finanzierung werde derzeit auf den Weg gebracht, sagte Geschäftsführerin Schmitt. Der knapp 200 Kilometer lange Weg soll die Talräume von Main und Regnitz umschließen und quert neben den beiden genannten Flüssen auch die Aurach, die Raue und die Reiche Ebrach, die Itz und die Baunach. Ziel dieses Vorhabens ist es, ein kultur- und naturbegeistertes Publikum anzusprechen und es zu animieren, länger in der Region zu verweilen.

Einen touristischen aber auch kulturellen Hintergrund hat der Regnitz-Wanderweg, den das Flussparadies Franken zum Qualitäts-Radweg zwischen Nürnberg und Bamberg aufwerten will. „Unsere Topographie ist für den Radtourismus bestens geeignet“, schwärmt Vorsitzender Denzler. So soll beispielsweise die historische „Schleuse 94“ bei Eggolsheim im Landkreis Forchheim saniert und als historisches Denkmal erlebbar gemacht werden. Die Schleusenkammer zählt zu den seltenen Relikten des alten Ludwig-Donau-Main-Kanals. Sie sei inzwischen trocken gelegt worden und biete sich unter anderem zur Besichtigung für Schulklassen an, so Geschäftsführerin Schmitt.

Unter dem Motto „Gelbe Welle“ sollen aber nicht nur Radfahrer, sondern auch Kanuwanderer künftig verstärkt nach Ober- und Unterfranken gelockt werden. Entlang des schiffbaren Mains sei man derzeit dabei, geeignete Ein- und Ausstiegsstellen zu errichten sowie eine einheitliche und sinnvolle Beschilderung für Kanuwanderer zu realisieren. Als längerfristiges Projekt stellten die Verantwortlichen ein neues Zertifikat für die Wasserqualität der Badeseen in der Region vor. Jeder zweite Badesee im Bereich des Flussparadieses soll bis 2015 das Zertifikat „Blaue Flagge“ erhalten. Bereits fertig gestellt hat der Verein zusammen mit der Initiative „Lebensader Regnitz“ den Flusspfad Bamberg. Dabei handelt es sich um rund 20 großformatige Informationstafeln, die den Besucher zu einem zweistündigen Spaziergang durch Bamberg einladen. Immer am Fluss entlang informiert der Rundgang auf unterhaltsame Art und Weise über historische und ökologische Ereignisse.

Das Flussparadies Franken ist ein gemeinsames Projekt der Landkreise Forchheim, Lichtenfels und Bamberg, sowie der Stadt Bamberg und des zuständigen Wasserwirtschaftsamtes Kronach. Bis 2005 wurde es vom Bayerischen Umweltministerium gefördert, ab 2006 führten die Kommunen und Landkreise sowie eine stattliche Zahl von Fördermitgliedern den Verein mit einer eigenen Geschäftsstelle am Bamberger Landratsamt weiter. Erklärtes Ziel ist seit der Gründung die optimale Nutzung der Wasserflächen im Main- und Regnitztal unter Berücksichtigung der Aspekte der Wasserwirtschaft, des Naturschutzes und des Tourismus.

Bilder:
1. Ehrgeizige Ziele hat sich der Vorstand des Vereins Flussparadies Franken gesetzt. Im Bild von links: Geschäftsführerin Dr. Anne Schmitt, Landrat Rudolf Handwerker (Hassberge), Bürgermeister Bernhard Storath (Ebensfeld), Vorsitzender Günther Denzler, Bürgermeister Claus Schwarzmann (Eggolsheim) und Bürgermeister Werner Hipelius (Bamberg).
2. Völlig neu gestaltet und mit einer Anlegestelle versehen wurde die Mainuferanlage in Eltmann. Sie soll künftig einen Ausflug von Bamberg per Schiff nach Eltmann möglich machen.
3.
Infopavillons entlang des Mainufers weisen Wanderer und Radfahrer auf die touristischen Möglichkeiten hin.

nach oben


07/2009

Fisch aus Bronze: Oberfranken setzt der Forelle ein Denkmal

Behringersmühle. Als Symbol für die Schutzwürdigkeit heimischer Fischarten ist in Oberfranken das vermutlich bundesweit erste Forellendenkmal eingeweiht worden. Es zeigt ein laichendes Bachforellenpaar aus Bronze, das mit massiven Metallstäben auf einen steinernen Sockel gesetzt wurde, der wiederum einem Bachbett nachempfunden ist. Ausführender Künstler ist der Bayreuther Bildhauer Axel Luther, die Kosten für die Skulptur und deren Installation auf dem Gebiet des Marktes Gößweinstein haben insgesamt elf Sponsoren aufgebracht. Das Denkmal steht in Behringersmühle in der Fränkischen Schweiz, direkt an der Einmündung der Staatsstraße von Bayreuth aus kommend in die Bundesstraße B470.

Der Standort sei deshalb gewählt worden, weil unweit des neuen Denkmals die Flüsschen Püttlach und Ailsbach in die Lebensader der Fränkischen Schweiz, die Wiesent, fließen, sagte der oberfränkische Bezirkstagspräsident und gleichzeitig Vorsitzender des Vereins Fischregion Oberfranken Günther Denzler bei der Enthüllung. Der Verein gilt als Initiator des Denkmals, zu den Unterstützern gehören auch die Teichgenossenschaft und der Bezirksfischereiverein Oberfranken.

Neben dem Hinweis auf die Gefährdung des Lebensraumes durch die Freizeitaktivitäten des Menschen, durch verschiedene Bauwerke an den Bächen aber auch durch Kormoran und Fischreiher soll das Denkmal auch den heimischen Süßwasserfisch als Speisefisch in Erinnerung bringen. Die Bachforelle sei deshalb gewählt worden, weil sie als Leitfischart der Fränkischen Schweiz gilt und wie kein anderer Fisch für unverfälschte Natur und kulinarische Genüsse steht. In einem bayernweit einmaligen Pilotprojekt habe der Bezirk Oberfranken außerdem in den zurückliegenden Jahren im Rahmen seiner Zuständigkeit für Gewässer zweiter Ordnung die vorbei fließende Wiesent weitgehend entschlammt und so für das Wohlergehen der Bachforelle gesorgt. Als Ziel bezeichnete es der Bezirkstagspräsident dabei, dass sich heimische Fischbestände durch eigene Fortpflanzung erhalten können und nicht durch Besatzmaßnahmen gestärkt werden müssen.

Bild: Diese Forellenskulptur aus Bronze ist künftig in Behringersmühle in der Fränkischen Schweiz zu sehen.

nach oben


07/2008

Drei Länder, eine Idee: Wirtschaften und Handeln im Einklang mit der Natur
Das Biosphärenreservat Rhön wird von der Bevölkerung bestens angenommen

Oberelsbach. Der 12. September 1990 war eine Sternstunde für den Naturschutz in Deutschland. Michael Geier (49), der das bayerische Managementzentrum des Biosphärenreservats Rhön im unterfränkischen Oberelsbach leitet, spielt mit dieser Aussage auf die allerletzte Sitzung des damaligen DDR-Staatsrates an. Drei Wochen später wurde die Wiedervereinigung gefeiert und der letzte Tagesordnungspunkt dieser historischen Sitzung zielte darauf ab, für den thüringischen Teil der Rhön einen Antrag bei der UNESCO auf Ausweisung eines Biosphärenreservats zu stellen. Der Antrag ging durch und wurde Bestandteil des deutsch-deutschen Einigungsvertrages.

Längst hatten zu dieser Zeit bayerische und auch hessische Naturschutzverbände Kontakte zum DDR-Kulturbund geknüpft, denn der größte Teil der Rhön liegt im Freistaat Bayern, der zweitgrößte in Hessen. Schnell sei klar gewesen, nur ein gemeinsamer Antrag aller drei Länder könne zum Erfolg führen. So kam es dann auch: schon im März 1991 wurde das Biosphärenreservat Rhön anerkannt. Die Menschen in der Rhön seien darüber zunächst gar nicht so glücklich gewesen, erinnert sich Geier, der damals noch im bayerischen Umweltministerium tätig war. Zum einen seien „die Rhöner“ gar nicht eingebunden gewesen, zum anderen habe der eher sperrige Name Biosphärenreservat wohl eher abschreckend gewirkt. „Die Leute dachten, die deutsch-deutsche Grenze sei gefallen und schon werde ein neuer Zaun errichtet“, erinnert sich der Regierungsdirektor an den denkbar ungünstigen Start. Ab Mai 1993, dem Beginn seiner Tätigkeit in Oberelsbach sei Geier daraufhin „wie ein Wanderprediger“ übers Land gezogen und habe in der Folge viele Vorbehalte abbauen können. Die Erfolgsbilanz überlässt Geier nach so vielen Jahren den Rhönern selbst. Grund dafür ist, gut 75 Prozent der Einwohner halten das Biosphärenreservat einer Umfrage des renommierten Allensbach-Instituts zufolge für eine gute Sache und jeder Vierte hat sogar schon eine Informationseinrichtung des Reservats besucht.

Kein Wunder, denn durch das Biosphärenreservat ist die Rhön auch so richtig bekannt geworden. Rhön-Schaf, Rhöner Bachforelle, Rhön-Apfel: So lauten hier die Antworten auf die immer häufiger von Verbrauchern gestellten Fragen nach der Herkunft von Lebensmitteln. Mit Hilfe des Biosphärenreservats sind in der Rhön neue und unverwechselbare Markenprodukte entstanden, die nicht nur zur Wertschöpfung beitragen, sondern auch Arbeitsplätze geschaffen haben.

Ziel des Biosphärenreservats war es von Anfang an, eine Modellregion für eine ganzheitliche, umweltschonende und an der Erhaltung natürlicher Lebensgrundlagen orientierte Regionalentwicklung zu schaffen. „Hier soll vorgelebt werden, wie menschliches Wirtschaften und Handeln im Einklang mit der Natur möglich ist“, sagt Michael Geier. Konkret gehe es darum, wirtschaftliche Kreisläufe zu entwickeln und zu organisieren, die imstande sind, die vielfältigen Flächen dauerhaft und naturnah zu nutzen. Dies könne freilich nur im Einklang mit und nicht gegen Landwirtschaft und Tourismus geschehen. Deshalb seien sämtliche Abgrenzungen und Schutzbestimmungen von den Kommunen, Touristikfachleuten, den Naturschützern und den Landwirten von Anfang an zusammen erarbeitet worden, was erstaunlich gut geklappt habe.

Ein ganz wichtiger Baustein in der Arbeit des Biosphärenreservats ist die Umweltbildung. So gibt es eine Naturwacht aus eigens ausgebildeten Forstwirten, die sich in erster Linie als Partner und Berater der Bürger sieht. Die Zahl der Besuchergruppen wird auf rund 100 pro Jahr mit mehreren 1000 Teilnehmern, darunter viele Schulklassen, denen die Natur nahe gebracht werden soll, geschätzt. Daneben gibt es im gesamten Reservatsgebiet jährlich bis zu 500 Einzelveranstaltungen bei denen an die 10000 Interessierte erreicht werden. Ziel ist es, vor allem Verständnis für die Zusammenhänge der Natur zu wecken. Geier: „Man kann so viele Gesetze machen, wie man will, wenn die Menschen kein Verständnis dafür aufbringen, wird den Bemühungen kein Erfolg beschieden sein.“

Weltweit gibt es derzeit gut 500 Biosphärenreservate in 100 Ländern der Erde. Das Reservat Rhön umfasst rund 73000 Hektar im Nordwesten Bayerns, 64000 Hektar im Nordosten Hessens und 49000 Hektar im Südwesten Thüringens. Das Gebiet setzt sich zu 41 Prozent aus Wald, 30 Prozent aus Grünland, 22 Prozent aus Ackerland und sieben Prozent aus Siedlungen und Verkehrsflächen zusammen. Landschaftlich wird das Gebiet von Buchen- und Buchenmischwäldern dominiert, die durch zahlreiche Bergbäche, einzelne Moore und Basaltblockhalden bereichert werden. Zoologische Besonderheiten sind neben einer ganzen Reihe verschiedener Fledermausarten unter anderem Birkhuhn-, Auerhuhn-, Eisvogel-, Schwarzstorch- und Wildkatzenvorkommen. Bei den Pflanzenarten ragen insbesondere die Silberdistel, die Arnika oder die Trollblume heraus. In Bayern gehören die beiden Landkreis Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen dazu, in Hessen die Landkreise Fulda und Hersfeld-Rotenburg und die Thüringen der Wartburgkreis und der Landkreis Schmalkalden-Meiningen.

Der Jahresetat für den bayerischen Teil des Biosphärenreservats Rhön liegt bei knapp 800000 Euro, von denen der Freistaat mit 650000 Euro für den Fachaufwand den Löwenanteil schultert.

Bild: Mit dem Managementzentrum in Oberelsbach leitet Regierungsdirektor Michael Geier seit 1993 die bayerische Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön.

nach oben


06/2008

Premiere zur Landesgartenschau: Silvaner und Johanniter aus Oberfranken
Bis 2012 soll der erste Wein an den Hängen des Bamberger Michaelsbergs reifen

Bamberg / Zeil am Main. Ost und West, das hieß in Franken bislang Bier und Wein. Während im Westen die großen Weinanbaugebiete, das Kernland des Frankenweins, liegen, ist das östliche Franken als Bierregion mit der größten Brauereidichte der Welt bekannt. Doch schon in wenigen Jahren kann diese bisherige Unterteilung vielleicht aufgehoben werden, denn die Stadt Bamberg in Oberfranken schickt sich an, zur Weinregion zu werden.

An den südlichen Hängen des Michaelsberg werden schon bald die traditionelle fränkische Rebsorte Silvaner und die jüngere, pilzresistente Sorte Johanniter angebaut. 2012, rechtzeitig zur bayerischen Landesgartenschau in Bamberg, sollen dann die ersten Bocksbeutel mit oberfränkischem Wein erhältlich sein. Die Landesgartenschau war es auch, die den Ausschlag für das ungewöhnliche Unterfangen gab. Historiker hatten herausgefunden, dass bereits vor gut 900 Jahren ein Weingut am Michaelsberg existierte, um 1600 herum sollen es großflächige Weinberge auf dem heutigen Stadtgebiet gewesen sein und bis in die Mitte des 19 Jahrhunderts hinein sei der Klosterberg noch mit Weinstöcken bepflanzt gewesen, berichtet Andreas Bubmann, Wirtschafts- und Stiftungsreferent der Stadt Bamberg. Erst mit dem Aufkommen der Reblaus sei der Weinanbau in der Folgezeit nach und nach zum Erliegen gekommen.

Zur Landesgartenschau 2012 soll diese alte Tradition wieder mit Leben erweckt werden.

Mit Martin Bauerschmitt haben die Bamberger bereits einen „kompetenten, jungen und dynamischen Winzer“ an Land gezogen, ist sich Werner Kühhorn von der Bürgerspitalstiftung sicher. Die Stiftung als Eigentümerin des Geländes hatte in Kooperation mit der Landesgartenschau und der Stadt Bamberg die Stelle des Winzers überregional ausgeschrieben und sich jetzt für den 25-jährigen Bauerschmitt aus dem unterfränkischen Zeil am Main (Landkreis Hassberge) entschieden. Nach seiner Zeit als Winzergeselle im renommierten Weingut Dr. Heigel in Zeil bewirtschaftet Bauerschmitt seit zwei Jahren alleinverantwortlich das Familienweingut im Zeiler Ortsteil Ziegelanger. Gleichzeitig beendete Bauerschmitt vor kurzem sein Studium zum Diplom-Ingenieur für Weinbau und Oenologie (Kellerbewirtschaftung) an der Fachhochschule Wiesbaden/Geisenheim. Seinen eigenen Worten zufolge repräsentiert er die junge Generation der Winzer, wenngleich der Weinbau in der Familie Tradition hat. So war sein Großvater bereits Gutsverwalter am Weingut des Grafen Stauffenberg. Bauerschmitt hat die Flächen am Michaelsberg allerdings nicht gepachtet, sondern wird von der Stiftung beschäftigt. Gleichwohl ist der Weinanbau in Bamberg nachhaltig angelegt und soll auch nach der Landesgartenschau fortgesetzt werden.

Er sehe in dem Projekt in erster Linie die Chance, zu beweisen, dass er etwas kann, sagt Bauerschmitt selbstbewusst. Für das kommende Frühjahr kündigte er die ersten Pflanzungen an, pünktlich zur Landesgartenschau soll dann die erste Ernte stattfinden. Die Qualität schätzt der Nachwuchswinzer aber schon jetzt sehr gut ein. Die Hanglage sei nicht zu steil und besitze eine gute Bodenqualität. Bauerschmitt, der aufgrund seines Studiums auch über didaktische Fähigkeiten verfügt, will in seinem künftigen Weinberg auch Führungen für alle Interessierten anbieten und die Menschen über Weinbau aufklären. Schon jetzt arbeitet er an einer eigenen Website, die schon bald frei geschaltet werden soll und auf der alle Arbeiten im Weinberg wie in einem Tagebuch nachgelesen werden können (www.bamberger-weingut.de). Er möchte damit bei so manchem noch immer skeptischen Bamberger nicht nur für Transparenz sorgen, sondern auch Neugier für die Attraktion wecken.

Laut Vesna Plavsik von der Landesgartenschaugesellschaft werden zu der Veranstaltung in vier Jahren rund eine Million Besucher in Bamberg erwartet. Kernstück der Schau soll die Industriebrache einer ehemaligen Bauwollspinnerei werden. Der Weinberg mit eigenem Lehrpfad auf dem Michaelsberg gelte darüber hinaus schon jetzt als eines der wichtigsten Projekte. Bereits positiv bewertet haben das Vorhaben die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau sowie die Vertreter des Naturschutzes. Der Weinbau werde sich wirtschaftlich gestalten und erfolge im Einklang mit der Natur. Gerade die naturschutzrechtlichen Belange sorgten in Bamberg nicht nur für Wohlwollen, da für den Weinbau auch Teile einer Streuobstwiese gerodet werden müssen. Dabei gehe es allerdings um Bäume, die seit Jahrzehnten nicht mehr gepflegt wurden, gibt Stiftungsreferent Bubmann zu bedenken. Letztlich werde die Natur gewinnen, denn als Ausgleich für die Rodungen würden jede Menge neue Bäume gepflanzt, so Vesna Plasvig von der Landesgartenschau.

Bild: Oberfränkischer Winzer aus Unterfranken: Martin Bauerschmitt (hier auf dem elterlichen Weingut in Zeil am Main) wird künftig an den Südhängen des Bamberger Michaelsberg Wein anbauen.

nach oben