Stephan Herbert Fuchs
 

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21.11.2022

Brennholz: Vom Massenprodukt zur Mangelware / Genug Holz ist vorhanden, doch es muss erst getrocknet werden

Kulmbach. Die Nachfrage nach Brennholz ist so hoch wie selten. Immer mehr Menschen wollen sich für den Winter eindecken. Brennholz habe sich vom Massenprodukt zur Mangelware entwickelt, heißt es. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn das Holz muss erst lange trocknen.

Bei der Waldbewirtschaftung würden vor allem die schlecht verkäuflichen Holzsortimente als Brennholz verwertet, erläutert die Bayerische Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft in einer Mitteilung. Bei der Holzverarbeitung anfallende Nebenprodukte würden ebenfalls zu einem großen Teil der energetischen Nutzung zugeführt. Weitere Energieholzquellen seien unter anderem Altholz, Flur- und Schwemmholz. Holz werde vor seiner energetischen Verwendung meist noch aufbereitet für schnellere Trocknung und um die Lagerung und Verbrennung zu vereinfachen.

„Ja, die Nachfrage nach Brennholz ist stark gestiegen“, bestätigt Theo Kaiser, der Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Kulmbach/Stadtsteinach. Problem sei es aber nicht, dass es kein Brennholz mehr gibt. Vielmehr gebe es nur begrenzt getrocknetes Brennholz. Brennholz müsse mindestens einen Sommer im Freien trocknen oder künstlich getrocknet werden. „Hier fehlt es einfach an Vorräten und Kapazitäten“, so der Geschäftsführer. Seinen Worten zufolge liegen die Preise im Augenblick bei 80 bis 90 Euro pro Raummeter für Weichholz und bei 120 bis 150 Euro pro Raummeter für Hartholz. Die Beurteilung der Qualität erfordere vor allem Erfahrung und könne nicht mit wenigen Worten beschrieben werden. Ein Messgerät, auch darauf weist Theo Kaiser hin, gebe es schon für wenige Euro im Baumarkt.

Aus Sicht von Christian Dormann (Bild), dem Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Hollfeld, zu der auch viele Kulmbacher Waldbesitzer gehören, besteht in den urbanen Bereichen durchaus ein Nachfrageüberhang nach Brennholz. Dahingehend reagierten auch die Preise. „Allerdings ist meiner Meinung nach in den ländlichen Regionen genug Brennholz vorhanden um die aktuelle Nachfrage zu decken“, sagt Dormann. So zeige ein Blick in Anzeigenplattformen, dass in der weiteren Region Hollfeld durchaus ein hohes Angebot da ist. „Wenn die urbanen Käufer bereit sind, 25 Kilometer aufs Land zu fahren um dort Ihr Brennholz direkt abzuholen und dafür einen realistischen Preis zu bezahlen sehe ich überhaupt kein Problem.“

Keine Angabe zu den aktuellen Preisen kann Christof Maar, Revierleiter des Forstrevier Kronach vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg-Kulmbach machen. Doch auch er weiß von gestiegenen Preisen. Bei den Waldbesitzern, die Brennholz direkt an den Endverbraucher verkaufen, sei das Preisniveau derzeit unterschiedlich. Manche Waldbesitzer, die vom Borkenkäferbefall fortlaufend mit hohen Massenanfällen besonders betroffen sind, hätten ihre Preise kaum erhöht. Andere versuchten höhere Preise zu erzielen, zum Beispiel durch Verkauf in Regionen mit einem höheren Preisniveau. Auch überregionale Abnehmer kauften Brennholzsortimente in letzter Zeit zur erhöhten Preisen aus der Region.

Schon in den letzten Jahren und auch derzeit werde der überwiegende Anteil an Holz, das üblicherweise zu Brennholz verarbeitet werden kann, in andere Regionen verbracht, da hier das Angebot die Nachfrage bei weitem überschreitet.

Einen gesamtüberblick, ob sich die Menschen bereits eingedeckt haben hat Christof Maar nicht. Doch hätten sich sicher viele mit einem Brennholzvorrat, der über mehrere Jahre reichen dürfte eingedeckt. Problem sei aber doch, dass Holz wegen der Feuchtigkeit länger gelagert werden muss, bevor man es als Brennholz verwenden kann. Und wie kann der Laie die Qualität von Brennholz erkennen? Frisch geschlagenes Holz aus dem Wald hat nach den Worten des Fachmanns einen Wassergehalt um die 50 Prozent, vom Borkenkäfer befallenes dürres Holz weniger. Für eine effiziente und emissionsarme Verbrennung müsse Scheitholz auf einen Wassergehalt von unter 20 Prozent herunter getrocknet werden. Bei optimaler Aufbereitung und Lagerung könne dies in einem Lagerzeitraum von etwa einen Jahr erreicht werden. Die erste Bundesimmissionsschutzverordnung untersage außerdem das Verheizen von Holz mit einem Wassergehalt von über 20 Prozent.

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14.11.2022

Aus dem Oberland für ganz Deutschland: Auf den Plantagen von Uwe Witzgall hat die Ernte der Christbäume begonnen

Petschen. „Den Weihnachtsbaum, den gönnt man sich“, sagt Uwe Witzgall und blickt zuversichtlich auf die anstehende Saison. In diesen Tagen hat für den Landwirt aus Petschen, oberhalb von Stadtsteinach die heiße Phase begonnen. Seit bald zehn Jahren baut der 52-Jährige auf rund 30 Hektar Fläche hauptsächlich Nordmanntannen, in geringerer Stückzahlen auch Nobilis-Tannen, Blaufichten und Schwarzkiefern, an und beliefert damit Händler in ganz Deutschland.

Sogar im oberbayerischen Kloster Seeon steht ein Baum aus dem Kulmbacher Land, oder etwa bei Feinkost Käfer in München. Die Bäume sind längst bestellt. In diesen Tagen rollen die Laster zum Transport an. „Als erstes gehen die Bäume für Firmen, Betriebe und Gemeinden raus“, erläutert Uwe Witzgall, der 2013/2014 die Milchviehhaltung aufgegeben hatte und sich fast gänzlich auf die Weihnachtsbäume konzentrierte. Klar, diese Bäume werden ja auch bereits zum ersten Advent aufgestellt, und der ist extrem früh bereits am 27. November.

Fünf festangestellte Mitarbeiter hat Uwe Witzgall und noch eine Saisonkraft, die in diesen Tagen alles geben müssen. Sie wohnen bis zum Weihnachtsfest sogar in Petschen. „Fast alle sind seit vielen Jahren hier“, sagt der Landwirt aus dem Oberland. Einer sei bereits seit der Grenzöffnung jedes Jahr in Petschen bei der Ernte mit dabei. Und in Spitzenzeiten wird die ganze Familie eingespannt. Ob Patenkind oder Schwager, sie alle verbringen ihre freie Zeit auf dem Hof, der sich direkt auf der Fränkischen Linie auf rund 540 Meter über Normalnull befindet. An die 800 Bäume sind es, die derzeit pro Tag geerntet werden. Im Schnitt sind sie so sechs bis zehn Jahre alt.

Gute Nachrichten hat Uwe Witzgall für alle Kunden. Zum einen werde es, ganz entgegen dem Trend, keine wesentlichen Preiserhöhungen geben, zum anderen seien trotz der extremen Trockenheit in diesem Sommer, genügend Bäume vorhanden. Ein wenig hätten die Bäume schon gelitten, doch gerade der Regen im zurückliegenden Herbst habe einiges wieder gut gemacht. „Die Nordmanntanne ist aber auch extrem widerstandsfähig, sagt er. Die Ausfälle durch die Trockenheit beziffert Uwe Witzgall auf knapp 20 Prozent. Kein Problem sei dagegen der Borkenkäfer, weil die Nordmann-Tanne ein Pfahlwurzler ist, den der Käfer in der Regel links liegen lässt.

Um sich von der Billigkonkurrenz der Baumärkte abzugrenzen, legt Uwe Witzgall allergrößten Wert auf Qualität. Das beweist schon die Tatsache, dass in der Regel rund ein Fünftel aller Bäume als Ausschuss eingestuft und als Schnittgrün vermarktet werden. „Schrott geben wir nicht raus“, macht Uwe Witzgall unmissverständlich klar und ist fest davon überzeugt: Wer einmal einen Qualitätsbaum aus seinen Plantagen hat, der kommt immer wieder. Qualitätsbaum heißt, dass alle Bäume aus Petschen seit 2018 das Siegel „geprüfte Qualität Bayern” tragen dürfen. Das Gütesiegel besagt, dass festgelegte Produktionskriterien eingehalten und auch regelmäßig kontrolliert werden. Dazu gehört zum Beispiel ein später Schnittzeitpunkt ab dem 15. November. Außerdem wurde der Betrieb nach den Standards von GLOBAL G.A.P. zertifiziert, was die Erfüllung noch höherer Standards bedeutet. Sie beginnen von der Anpflanzung über die Produktion bis hin zur Ernte, praktisch in allen Bereichen.

Einen Trend kann Uwe Witzgall aber doch feststellen: viele Abnehmer hätten bereits angekündigt, dass sie heuer aus Energiespargründen zwar nicht auf den Baum, aber auf die Beleuchtung verzichten. Vor allem in den Ämter, aber das kann dem Baumproduzenten egal sein. Freilich wurde auch er von der Preisexplosion getroffen, vor allem beim Dünger. Auch die Lastwagen und Schlepper brauchen ihren Diesel und sogar die Netze seien um 20 Prozent teurer geworden. Für das kommende Jahr werde er die Preise wohl nicht halten können und die Händler vor Ort stellten sich ja auch nicht umsonst hin. Er selbst bezahlt seine Mitarbeiter schon längst über den Mindestlohn.

Einen Tipp hat Uwe Witzgall für alle Christbaumbesitzer: „Der gekaufte Baum sollte drei Wochen schattig und im Freien liegen, dann hält er am längsten“. In der Wohnung sollte anschließend ein kleines Stück abgesägt und der Ständer mit Wasser gefüllt werden. So hat man am längsten seine Freude an den Weihnachtsbäumen aus dem Frankenwald. Als weiteren Trend hat er beobachtet, dass viele Menschen ihren Baum bereits während der Adventszeit aufstellen und schmücken. Nicht erst am Heiligen Abend, so wie früher.

Wer Lust hat, sich seinen Baum selbst auszusuchen und eventuell sogar selbst zu schlagen, der kann am zweiten, dritten und vierten Adventswochenende, jeweils Samstag und Sonntag zwischen 10 und 16 Uhr nach Petschen kommen und sich seinen Baum direkt beim Produzenten kaufen. Ansonsten gibt es Verkaufsstände mit den Bäumen von Uwe Witzgall in Kulmbach am Eulenhof bei Samen Hühnlein, aber unter anderem auch in Himmelkron, Stammbach, Wonsees und sogar in der Ludwigstraße am Rathausbrunnen in Hof.

Bild: Uwe Witzgall (links) und seine Mannschaft hat in diesen Tagen mit der Ernte auf den Christbaumplantagen im Oberland begonnen.

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11.11.2022

„Waldkontroversen“: Verbauen, verbrennen oder verrotten / Fachleute sagen bei Tagung an der Uni Bayreuth dem Holz eine große Zukunft voraus

Bayreuth. Hoffnungsträger Holz: Hinter diesem Titel der „Waldkontroversen 2022“ an der Universität stand nicht etwa ein Fragezeichen. Im Gegenteil: Sämtliche Referenten berichteten von Steigerungen, bei den Holzvorräten in deutschen Wäldern, beim Einschlag, bei der Nachfrage nach Bauholz und nach Brennholz. Bei den „Waldkontroversen“ handelt es sich um eine Tagung, die vom Bayreuther Zentrum für Ökologie und Umweltforschung, von der Campus-Akademie für Weiterbildung und dem Ökologisch-Botanischen Garten an der Universität veranstaltet wurde. Im Auditorium saßen dabei nicht nur Studenten und Wissenschaftler, sondern auch Waldbesitzer, Vertreter der staatlichen Forstverwaltung, des Naturschutzes und des Bausektors.

„Holz ist unerlässlich, gestern heute und morgen, brachte es Tobias Götz auf den Punkt. Der Chef der Pirmin Jung GmbH aus Remagen, Deutschlands größtem Planungsbüro, das sich mit Holz beschäftigt, sprach gar von einer Renaissance des Baustoffes Holz. So neu ist das alles allerdings gar nicht. „Holz ist der älteste Baustoff, der sich seit Jahrhunderten bewährt hat“, sagte Tobias Götz und zeigte viele Bilder von Fachwerkbauten aus vergangenen Jahrhunderten.

Jetzt, wo der Klimawandel direkt vor unserer Haustür ankommt, habe man Holz endlich wieder als Baustoff entdeckt. Holzneubauten, wie ein 13-geschossiges Hochhaus in Amsterdam oder ein 15-geschossiges Hochhaus in der Schweiz stellten eindrucksvoll unter Beweis, dass sich Fichte, Tanne und viele andere Baumarten nicht vor Beton verstecken müssen. Viele Bauherren hätten die Vorteile des Holzes längst erkannt, sagte Tobias Götz. Die problemlose Erfüllung sämtlicher Umweltauflagen und die extrem genaue Planbarkeit gehörten genauso dazu, wie die Stabilität, das geringe Eigengewicht und natürlich die Tatsache, dass es sich um einen nachwachsenden Rohstoff handelt.

Verbauen, verbrennen oder verrotten: Gregor Aas, der Leiter des Ökologisch-Botanischen Gartens an der Universität Bayreuth hatte hinter dem Untertitel der „Waldkontroversen“ noch ein Fragezeichen gesetzt. Eine eindeutige Antwort gab es freilich nicht, doch die Marschrichtung war klar: „Holz ist eine unglaublich wertvolle, vielfach nutzbare und zunehmend begehrte Ressource“, so Gregor Aas.

Pia Bradler und Clarissa Schmelzle, Studentinnen im Master Global Change Ecology, hatten jede Menge Daten und Fakten zusammengetragen, die sie den Teilnehmern präsentierten. Wichtigste Aussage: Der Gesamtverbrauch an Holz in Deutschland ist aktuell größer als die Inlandsproduktion. Während bundesweit knapp 83 Millionen Festmeter Holz pro Jahr in Deutschland eingeschlagen werden, liege der Verbrauch derzeit bei über 127 Millionen Kubikmeter. Der Holzeinschlag nehme aktuell deutlich zu, waren sich die beiden Studentinnen einig. Sie prognostizierten eine weiter steigende Nachfrage nach Bauholz genauso wie nach Brennholz. Bei letzterem sei die Situation besonders dynamisch, wie ein Blick auf den Preis zeigt: Während der Raummeter Buchenholz noch vor Monaten bei 60 bis 80 Euro lag, sei er aktuell bei einem Discounter für sage und schreibe 489 Euro angepriesen worden.

Am zweiten Tag der „Waldkontroversen“ gab es zwei interessante Exkursionen: Geschäftsleiter Wolf-Christian Küspert zeigte den Teilnehmern die GELO-Timber GmbH im Energiepark Wunsiedel. Dort wurden Ansätze der Kreislaufwirtschaft beim Nadelholz aus der Region diskutiert, angefangen vom Schwachholzsägewerk über die WUN Pellet GmbH bis hin zum Leuchtturmprojekt „Wunsiedler Weg“ mit dezentraler Energieversorgung und Wasserstoffhydrolyse. Das Heizwerk des 2021 in Betrieb gegangenen neuen Sägewerks GELO-Timber kann dank eines Zweigasbrenners sowohl mit Erdgas, als auch zukünftig mit Wasserstoff betrieben werden.

Carmen Hombach, Stadtförsterin und Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Kulmbach/Stadtsteinach, startete mit den Teilnehmern zu einem Rundgang durch Schadflächen und Waldumbaumaßnahmen im Bereich der WBV Die Wälder im Frankenwald waren von dem trockenen Sommer und den Käferschäden besonders stark betroffen.

Bilder:
1.
 Hier im Frankenwald oberhalb von Stadtsteinach wird gerade jede Menge Holz eingeschlagen.
2.
 „Holz ist unerlässlich, gestern, heute, morgen“: Tobias Götz, Zimmermann, Bauingenieur und Chef von Pirmin Jung, Deutschlands größtes Planungsbüro in Sachen Holz.

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10.11.2022

Keine CO2-Abgabe auf Holz / Waldbesitzer prangern geplante Energien-Richtlinie der EU an - MdL Martin Schöffel bei der WBV Kulmbach/Stadtsteinach

Oberdornlach. Nach dem Willen der Europäischen Union soll Holz künftig nicht mehr nachhaltig sein. Bei der Informationsveranstaltung der Waldbesitzervereinigung Kulmbach/Stadtsteinach in Oberdornlach sorgten die Pläne der EU für Verwunderung und Kopfschütteln. „Das ist für normal denkende Menschen nicht zu fassen“, sagte die Vorsitzende Carmen Hombach. Doch die Erneuerbare Energien-Richtlinie der EU soll dem Holz tatsächlich seine Nachhaltigkeit absprechen.

In diesem Vorgehen stecke eine ganz große Gefahr, sagte Carmen Hombach. Gehen die Pläne so durch, würden nicht nur bestimmte Förderungen wegfallen, auch müsste auf Holz künftig, genauso wie bei Öl oder Gas, die CO2-Abgabe geleistet werden, obwohl Holz ja bekanntlich CO2 speichert. „Man könnte fast sagen, sie wissen nicht, was sie tun“, so die Vorsitzende. Nun könne man nur noch hoffen, dass dies alles nicht so kommt.

Der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel (CSU) nannte die Pläne ein Alarmsignal. Im Bereich der energetischen Nutzung von Holz müsse mehr, und nicht weniger gemacht werden. Derartige Ideen könnten nur von Leuten kommen, die in ihrem Leben weder einen Baum gepflanzt, noch einen Wald bewirtschaftet haben. „Wenn ein Baum verbrannt wird, dann wird nicht mehr CO2 freigesetzt, als der Baum vorher gebunden hat.“

Ziel der bayerischen Forstpolitik werde es deshalb sein, die Holznutzung zu erhöhen. „Wenn wir den Waldumbau weiter betreiben wollen, müssen wir die Holznutzung nach oben fahren“, sagte der Abgeordnete. Schöffel versprach, sich massiv gegen eine CO2-Abgabe zu stemmen. Das seien Entwicklungen, die in die völlig falsche Richtung gehen.

Schöffel beklagte ganz allgemein den Einzug alter Ideologien und neuer gefährlicher Entwicklungen in die Politik. Im Mittelpunkt des europäischen Green Deals sollen Artenvielfalt und Klimaschutz stehen. Doch viele aktuelle politischen Vorhaben und Entscheidungen stünden diesem Ziel entgegen und enthielten grundsätzliche Webfehler.

„Irgendwo muss jetzt mal Schluss sein“, forderte Martin Schöffel und prangerte besonders die geplanten Stilllegungen landwirtschaftlicher Flächen an. Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen könne man doch nicht auf weniger Produktion und mehr Importe setzen. Stattdessen sollten Eigenversorgung und Ernährungssicherheit im Mittelpunkt stehen

Im Wald bezeichnete der Parlamentarier die Stilllegungen ohnehin als den „größten Blödsinn“. Ein vernünftiger Waldumbau werde nur mit Waldbewirtschaftung funktionieren. Holz müsse gerodet werden, sonst verfault es, sagte Martin Schöffel. Zur Bewirtschaftung gehöre auch der Einsatz von zugelassenen Pflanzenschutzmitteln. „Weniger Produktion und Verbote von Pflanzenschutzmittel, das kommt meiner Meinung nach einer Enteignung gleich“, fand Martin Schöffel klare Worte.

Wie bedeutsam der Wald als CO2-Speicher ist, machte WBV-Geschäftsführer Theo Kaiser am folgenden Beispiel deutlich: So speichere jedes Hektar Wald rund 13 Tonnen CO2 pro Jahr. Einen bedeutsamen Beitrag zur Wiederbewaldung müssten aber auch die Jäger leisten, so die Vorsitzende Carmen Hombach. „Die Jäger müssen diesen Weg mitgehen“, sagte sie. Mittlerweile sei das Rehwild nicht einmal mehr auf den Wiesen anzutreffen, sondern bleibe gleich in den Verjüngungen, weil sich dort ein gedeckter Tisch bietet. Um die Abschusszahlen zu steigern sei auch die Vermarktung des Wildbrets von Bedeutung. „Kein Jäger wird rausgehen, wenn die Kühltruhen voll und die Nachfrage gering ist.“ Carmen Hombach sprach sich dafür aus, entsprechende Vermarktungsoffensiven ins Leben zu rufen.

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27.10.2022

Bauern sehen rot / „Landwirte werden unter Sippenhaft gestellt“ - Demo beim Besuch von Ministerpräsident Söder in Mechlenreuth

Mechlenreuth. Über 100 Landwirte aus ganz Oberfranken haben am Donnerstag in Mechlenreuth bei Münchberg gegen die stark vergrößerten „Roten Gebiete“ demonstriert. Die Neuabgrenzung macht den Bauern aufgrund zahlreicher Auflagen das Wirtschaften auf den betreffenden Flächen praktisch unmöglich. In Mechlenreuth fand zeitgleich die offizielle Einweihung eines Teilabschnitts des Ostbayernrings durch den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder statt.

In roten Ganzkörperoveralls und mit zahlreichen Transparenten machten die Bauern auf der Zufahrtsstraße ihrem Unmut Luft. „Wer Bauern quält, wir abgewählt“, stand unter anderem auf den Transparenten zu lesen. Die Fahrzeugkolonne mit dem Ministerpräsidenten hielt kurz an und Söder hörte sich für wenige Minuten die Probleme der Bauern an. Er versprach ihnen für die kommenden zwei Wochen eine Art Runden Tisch zusammen mit Umweltministerium und Bauernverband. Dort soll das Thema noch einmal aufgegriffen werden.

Nach der Veröffentlichung des entsprechenden Kartenmaterials steht nach den Worten des oberfränkischen BBV-Bezirkspräsidenten Hermann Greif fest: Bisher seien 25 Prozent der bayerischen Flächen in den „Roten Gebieten“ gewesen, dann nach der sogenannten „Binnendifferenzierung“ und „Modellierung“ nur noch zwölf Prozent. Da sei aber immer noch kein Trost für alle, die von den „Roten Gebieten“ betroffen sind.

Im Gegenteil: Die zwölf Prozent hätten der Europäischen Union nicht ausgereicht, so dass nachjustiert wurde. Ämter und Ministerien hätten die betroffenen Flächen aktuell wieder auf 17 Prozent angehoben. Dabei habe es insbesondere auch die Bauern im Landkreis Hof heftig erwischt. „Unser Problem ist jetzt, dass man uns faktisch unter Sippenhaft nimmt“, sagte Greif. Betriebe, die umweltfreundlich wirtschaften, müssten von der Verordnung ausgenommen werden. Während die EU dies auch zulasse, weigere sich Deutschland, Betriebe raus zu nehmen.

Die Demo richte sich nicht gegen den bayerischen Ministerpräsidenten, so Greif. „Wir wollen uns nur bemerkbar machen und fordern Unterstützung von Seite der heimischen Politik.“ Die Einordnung in Rote Gebiete müsse definitiv noch einmal überprüft werden. Wenn es um Phosphat oder Nitrat geht, gebe es ja schließlich auch andere Einflüsse, als die Landwirtschaft. Auch die sollten miteinbezogen werden.

Als „allergrößten Hammer“ bezeichnete es der BBV-Bezirkspräsident, dass die Gebietsabgrenzung auch teilweise in die Städte hineinreicht. Dort seien beispielsweise auch Golfplätze betroffen, die aber von Auflagen ausgenommen wurden, also auch weiterhin ihre Flächen düngen dürfen. Greif: „Das geht so nicht weiter, da müssen wir dagegen halten.

„Wir werden in Sippenhaft genommen, für etwas, wofür wir nichts können“, sagte der oberfränkische BBV-Vizepräsident Michael Bienlein. Viele Bauern seien in ihrer Existenz gefährdet. „Wir wollen doch auch weiterhin Nahrungsmittel für unsere Mitmenschen produzieren.“ Für die Neuausweisung fehlten jegliche Grundlagen. Doch die Einsicht in die entsprechenden Messungen werde den Landwirten derzeit verwehrt.

Ministerpräsident Söder sagte den Landwirten zeitnah eine Runde mit Vertretern des Umweltministeriums und dem Präsidium des Bauernverbandes zu. „Wir müssen schauen, dass wir einen Weg finden“, sagte Söder. Man habe bewusst die erste Karte der Roten Gebiete zurückgestellt, um die Betroffenheit zu verhindern. Dort wo wenig Wasser ist, sei die Frage der Nitratwerte schneller ein Thema, weil die Verdünnungswirkung schlechter ist. Unabhängig davon, dass im Fränkischen aufgrund der Trockenheit auch Wasser benötigt werde, müssten auch hier weiterhin Nahrungsmittel produzieren werden können. „Ich setze mich ja nicht dafür ein, dass wir Flächen nicht mehr stilllegen, um mehr Nahrungsmittel produzieren zu können, wenn wir gleichzeitig die Flächen nicht nutzen können.“

Bilder: Der bayerische Ministerpräsident sprach am Rande der Einweihung eines Ostbayernring-Teilstücks in Mechlenreuth bei Münchberg mit Landwirten aus Oberfranken. In rote Ganzkörperanzüge gehüllt, protestierten die Bauern gegen die Neuabgrenzung der „Roten Gebiete“.

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25.10.2022

Altes Haus - Neuer Stall / Ferkelaufzucht, Mast, Wirtshaus und Ferienwohnungen: Wo andere zusperren haben Katrin und Rainer Markstein kräftig investiert

Gumpertsreuth. Geplant war das alles so nicht, wie es schließlich gekommen ist. Doch Katrin und Rainer Markstein aus Gumpertsreuth bei Gattendorf im Landkreis Hof sind fest überzeugt, den richtigen Weg gegangen zu sein. Während Schweinehalter landauf landab aufgeben, hat die Familie am Rande der Ortschaft mit einem Investitionsvolumen von rund einer Million Euro einen nagelneuen Schweinestall mit 750 Mastplätzen errichtet. Die Strohschweine werden hauptsächlich an zwei größere Metzgereibetriebe in Selb und Dörnthal vermarktet. Ein weiterer Teil bleibt sozusagen auf dem Hof und kommt in der eigenen Gastwirtschaft mit dem Namen „Altes Haus“ auf den Tisch.

Lange Jahre wurde der Hof im Nebenerwerb bewirtschaftet. 1995 hatte Rainer Markstein von seinen Eltern übernommen. Der heute 50-Jährige war zuletzt als Kfz-Meister bei den Hofer Stadtwerken beschäftigt, Ehefrau Katrin ist gelernte Bäckerin. „Ein zweites Standbein wollten wir schon immer“, sagt Rainer. So kam das Paar auf die Idee in einem alten Gebäude des Vierseithofes ein Café einzurichten. Als man im Jahr 2015 mit den Umbauarbeiten begann, war noch nicht abzusehen, dass daraus einmal eine Art Geheimtipp im Hofer Land entstehen würde.

„Wir haben damals alles eingeschmissen“, sagt Rainer. Nur die Außenwände und die Zwischendecken hätten noch existiert. Dank der immensen Eigenleistung der Familie mit ihren vier Kindern im Alter zwischen sieben und 21 Jahren konnte das „Alte Haus“ schon im Januar 2016 eröffnen, vom Café war man inzwischen abgekommen und es wurde ein richtiges Dorfwirtshaus daraus. Schon damals hatte Rainer Mut bewiesen, als er seine Festanstellung im öffentlichen Dienst gegen die Selbständigkeit eintauschte.

Der Erfolg gab der Familie Recht. Während andere Gaststätten ringsum zusperrten, wurden die Marksteins regelrecht überrannt. „Das hat eingeschlagen, wie eine Bombe“, so Katrin. In der Regel haben sie drei Tage in der Woche offen, Donnerstag und Freitag mit Abendkarte, Sonntag zum Mittagstisch und nachmittags zu Kaffee und Kuchen. Samstags finden meist geschlossene Veranstaltungen statt, mittwochs gibt es einmal im Monat einen Pizzatag, ein anderes Mal steht die Schlachtschüssel auf dem Plan. Zehn Mitarbeiter beschäftigt die Familie im Service, drei weitere in der Küche, alle auf geringfügiger Basis.

Im alten Stall unmittelbar an der Hofstelle mit Platz für 400 Schweine werden mittlerweile die Ferkel aufgezogen, ehe sie in den neuen Maststall wechseln. Dort wachsen die Schweine innerhalb von vier Monaten auf rund 140 Kilogramm heran. Rainer Markstein fährt die Tiere mit dem eigenen Lkw in den Hofer, beziehungsweise in den Helmbrechtser Schlachthof. Das Fleisch wird in die Traditionsmetzgerei Sandner nach Selb und in die Landmetzgerei Strobel nach Dörnthal bei Selbitz geliefert. „Eine Win-Win-Situation“, wie Rainer sagt. Auf die beiden Betriebe könne man sich verlassen. „Wir arbeiten Hand in Hand zusammen“. Das Fleisch hat aufgrund des hohen Rohfaseranteils, der verfüttert wird, keinerlei Wassereinlagerungen. Außerdem haben die Strohschweine mehr Zeit zum „Reifen“ als Tiere aus konventioneller Haltung.

Der neue Offenfrontstall auf der grünen Wiese vor den Toren des Dorfes ist 60 mal 16 Meter groß. Direkt daneben wurde eine eigene Technikhalle errichtet. Bei der Einweihung vor wenigen Wochen waren rund 1000 Besucher gekommen. „Mit einem solchen Ansturm hätten wir nie gerechnet“, sagen beide.

Daneben bewirtschaften die Marksteins noch 60 Hektar Flächen und 25 Hektar Wald. Angebaut werden Sommer- und Wintergerste, Erbsen und Weizen, ausschließlich zum Eigenbedarf. Und noch ein weiteres Standbein gibt es: über den Gasträumen wurden zwei schmucke, 80, beziehungsweise 85 Quadratmeter große Ferienwohnungen eingerichtet.

„Es ist nicht schlecht, wenn man mehrere Standbeine hat“, ist sich das Paar einig. Vor allem die Corona-Zeit hat den beiden schwere zu schaffen gemacht. „Mit Corona ist alles anders geworden“, so Katrin. Vielen politischen Entscheidungen in Sachen Pandemie stehen die beiden kritisch gegenüber. Nicht nur wirtschaftliche, auch innerhalb der Gesellschaft sei vieles unwiderruflich kaputt gegangen.

Bilder:
1.
 "Auf der grünen Wiese" am Ortsrand von Gumpertsreuth hat die Familie Markstein einen neuen Stall errichtet.
2.
Hier fühlen sich die Strohschweine wohl. Das Fleisch kann in Ruhe heranreifen.
3. Rainer und Katrin Markstein (rechts) mit ihren vier Kindern.

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09.10.2022

Ernährungssicherheit im Focus / Scharfe Kritik an Bund und EU beim Königsfelder Jurabauerntag

Königsfeld. Als „unverantwortlich, ideologisch und gegen das eigene Volk gerichtet“ hat Martin Schöffel, Landtagsabgeordneter aus Wunsiedel und Vorsitzender des CSU-Arbeitskreises Landwirtschaft, die Politik der Bundesregierung kritisiert. „Wir dürfen bei der Nahrungsmittelversorgung auf keinen Fall im eine ähnliche Situation kommen, wie bei der Energie“, sagte Schöffel beim Königsfelder Jurabauerntag.

Zum einen profitierten die Bauern mit Ausnahme des Schweinebereichs von der weltweit aktuell riesigen Nachfrage nach Lebensmitteln durch höhere Erzeugerpreise. Zum anderen stünden Auflagen im Raum, die man sich jetzt nicht leisten könne und dürfe. Die geforderten Flächenstilllegungen gehörten genauso dazu, wie das drohende Verbot von Pflanzenschutzmitteln in sensiblen Gebieten. „In einer Zeit von Dürren, Inflation, Unsicherheiten und Krisen auf der ganzen Welt muss es darum gehen, Sicherheit bei der Ernährung herzustellen“, so Schöffel.

Vor allem die Vorschläge des stellvertretenden EU-Kommissionspräsidenten Frans Timmermans ernteten bei Schöffel Kritik. Die Stilllegungspläne würden bedeuten, dass die Produktion hierzulande um 20 Prozent zurückgehen würde und Deutschland auf Importe aus dem Ausland angewiesen sei. „Wer so etwas fordert, der hat den Schlag noch nicht gehört“, sagte Schöffel und forderte die Bauern dazu auf, Timmermans zu stoppen.

Auch in den Wäldern dürfe es keine Stilllegungen geben. „Wir wollen keine Wildnis“, sagte Schöffel. Bewirtschaftete Wälder hätten erwiesenermaßen die gleiche Artenvielfalt aufzuweisen, wie unbewirtschaftete Wälder. „Wir geben unsere Heimat nicht auf und lassen uns nicht alles kaputt machen“, so der Referent.

Trotz aller Krisen und Herausforderungen freute sich der neue Kreisobmann Tobias Kemmer, dass der Königsfelder Jurabauerntag nach drei Jahren Pause überhaupt wieder stattfinden könne. Bei allen Schwierigkeiten sollte man sich auch über fruchtbare Böden und regionale Lebensmittel freuen. Gleichwohl hätten im Bamberger Land besonders der Mais, die Sonnenblumen, Zuckerrüben und Soja unter der anhaltenden Trockenheit gelitten.

Die Bauern bräuchten aber auch Verlässlichkeit, so der oberfränkische BBV-Vizepräsident Michael Bienlein aus Lichtenfels. Jetzt werde gesät, aber niemand wisse, was er ernte und wie viel er davon bekomme, so Bienlein. Er sprach sich gegen die Pläne aus, Pflanzenschutzmittel in sensiblen Gebieten zu verbieten. „Wir schützen die Pflanzen doch deswegen, weil wir sie gesund erhalten wollen und als Nahrungsmittel und Futter für die Tiere brauchen.“ Auch der Königsfelder Bürgermeister Norbert Grasser wusste von den Problemen der Bauern. Die gesamte Bevölkerung habe derzeit Befürchtungen, beispielsweise, dass die Wohnungen im Winter kalt bleiben.

Vor dem Jurabauerntag im Schleuppner-Saal feierten alle Beteiligten einen festlichen Erntedankgottesdienst mit Pfarrer Michael Herrmann in der nahen St.-Jakobus-Kirche. Von dort aus setzte sich nach dem Gottesdienst ein kleiner Festzug zum Schleuppner-Saal in Bewegung, angeführt von der örtlichen Blaskapelle und einigen Helfern mit der stattlichen Erntekrone auf den Schultern. 

Bilder:
1. Ein kleiner Festzug bewegte sich vom Gottesdienst in der St.-Jakobus-Kirche zum Königsfelder Jurabauerntag im Schleuppner-Saal.
2. Bürgermeister Norbert Grasse, MdL Martin Schöffel, Kreisobmann Tobias Kemmer, BBV-Geschäftsführer Werner Nützel und der stellvertretende oberfränkische BBV-Präsident Michael Bienlein (von links) vor der Erntekrone beim Königsfelder Jurabauerntag

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08.10.2022

Streuobst mit allen Sinnen genießen / Aktionstag zum Thema Streuobst am Kompetenzzentrum für Ernährung

Kulmbach. Streuobstwiesen sind nicht nur wichtig für die Artenvielfalt, sondern auch durch alte und regionalspezifische Sorten ein kulinarisches Geschmackserlebnis. Deshalb hat das Kompetenzzentrum für Ernährung in Kulmbach die Veranstaltungsreihe mit dem Namen „Kulminarik“ („Kulinarik in Kulmbach“) gestartet, Sie soll das Thema Streuobst den Verbrauchern näherbringen und ihnen das gesamte Geschmacksspektrum von Streuobst aufzeigen.

Zum Auftakt gab es auf dem Gelände und in den Räumen der Museen im Mönchshof in Kulmbach einen überaus gut besuchten Aktionstag mit Vorträge, Verkostungen, Kochvorführungen, einem Kinderprogramm mit Streuobstpädagoginnen und mit Einblicken in die experimentelle Küche. Es ging dabei nicht nur um Äpfel, sondern auch um Beeren, Birnen, Walnüsse, Weintrauben oder Zwetschgen.

Ziel des aktuellen bayerischen Streuobstpakts ist es, den derzeitigen Streuobstbestand in Bayern zu erhalten und neue Streuobstbäume zu pflanzen. „Wir wollen dem Rückgang der Streuobstbestände in Bayern entgegenwirken“, sagte Ludwig Wanner vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium bei der Eröffnung. Er verwies auf das neue bayerische Förderprogramm für die Abgabe von bis zu einer Million Obstbäumen bis zum Jahr 2035, das vor wenigen Tagen gestartet wurde. Dabei sollte es nicht nur um Pflanzung und Pflege, sondern auch um die Verwertung der Früchte gehen, sagte Wanner. Nicht immer würde das Obst richtig geschätzt, deshalb soll die Aktion des Kompetenzzentrums dem Streuobst einen neuen Schub geben.

„Zur Ernährung gehört auch der Genuss“, so die neue Leiterin des Kompetenzzentrums Christine Röger. Deshalb sollte mit der Veranstaltung vor allem Werbung für das Streuobst und die vielfältigen Produkte daraus gemacht werden. Nicht zuletzt sei Streuobst auch ein Beitrag zum aktiven Naturschutz, indem zahlreiche Insektenarten von den Streuobstwiesen profitieren.

Wie die Obstbäume richtig gepflegt werden, so dass am Ende auch ein entsprechender Ertrag herauskommt, das vermitteln die zahlreichen Obst- und Gartenbauverbände mit ihren Pflegekursen, so die Bezirksvorsitzende des Verbandes für Gartenbau und Landespflege, die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Die „Kulminarik“-Veranstaltung richtete sich aber auch an Kinder, denn, so Simon Reitmeier vom Kompetenzzentrum: „Ernährungsbildung muss früh ansetzen, damit man die Ernährung im Erwachsenenalter richtig zu schätzen weiß“.

Agnes Kohler von „Kohler´s Kulinarik“ führte beispielsweise vor, wie ein kreatives Menü mit Streuobst entsteht. Sternekoch Tobias Bätz von „Herrmann's Posthotel“ ließ sich beim Experimentieren mit Produkten von der Streuobstwiese ebenfalls über die Schulter blicken. Zusammengestellt wurde beispielsweise eine Quittenkaltschale zum Aperitif, eine Birnen-Selleriesuppe als Vorspeise und ein gebratenes Kalbspflanzerl mit Zwetschen-„Ketchup“ und Apfel-Krautsalat.

In einer Reihe von Vorträgen verriet Ernährungsberaterin Yvonne Müller Tipps und Tricks zu Verwertung und Haltbarmachung des Obstes, der frühere Kreisfachberater Friedhelm Haun berichtete vom Gesundheitswert der Walnuss sowie vom Lebensraum Streuobstwiese und die Hauswirtschaftsmeisterin Margot Findeiß von der „Vielfalt der Birne“

Ergänzt wurde das Programm unter anderem mit Mitmachangeboten zum Saftpressen und zur Sortenbestimmung sowie zu den verschiedensten Verkostungen. Die Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau präsentierte eine Nuss-Mühle zur Herstellung von frischem Nussmus und die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft war mit dem Verbraucherportal Regionales Bayern und mit Information zu den Genuss Schätzen Bayern vertreten.

Bilder:
1.
 Hauswirtschaftsmeisterin Margot Findeiß und der frühere Kreisfachberater Friedhelm Haun stellten die breite Palette an heimischen Apfelsorten vor.
2. Zum Test der Geschmacksnerven lud Eva Stetter (rechts) den früheren Kreisfachberater Friedhelm Haun, die Bezirksvorsitzende des Verbandes für Gartenbau und Landespflege, die Abgeordnete Gudrun Brendel-Fischer, Ludwig Wanner vom Landwirtschaftsministerium, Martina Tröger vom Kompetenzzentrum und dessen neue Leiterin Christine Röger (von links).

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03.10.2022

Appell zu Ruhe und Gelassenheit / BBV Bayreuth feierte Kreiserntedankfest – Dank an ausgeschiedene Ortsobleute

Bayreuth. Der BBV-Kreisverband Bayreuth hat seine Erntedankfeier dafür genutzt, allen Ortsbäuerinnen und Ortsobmänner zu danken, die bei der zurückliegenden Verbandswahlen nicht mehr angetreten waren oder nicht mehr gewählt wurden. Genau 99 Persönlichkeiten aus allen Teilen des Bayreuther Landkreises erhielten dabei eine Urkunde, eine Anstecknadel und ein Geschenk des Bauernverbandes.

Vor den Ehrungen feierten die evangelischen Pfarrerehepaar Uschi und Christoph Aschoff von der Kirchengemeinde St. Johannis und Günter Schloßmacher, Gemeindereferent der katholischen St.-Hedwigs-Kirche in Bayreuth zusammen mit den Landwirten einen Erntedankgottesdienst in der mit allerlei Gaben geschmückten Tierzuchtklause. Kreisobmann Karl Lappe appellierte im Anschluss an seine Berufskollegen, trotz aller Krisen um uns herum, Ruhe und Gelassenheit zu bewahren. „Angst und Panikmache sind fehl am Platz“, so Lappe.

Der Kreisobmann sprach in seinem Rückblick von einem ganz besonderen Jahr. Eine so lange und intensive Trockenheit habe es schon lange nicht mehr gegeben. Wenn der Klimawandel auch Anpassungen erforderlich macht, so seien „Greta-Thunberg-Diskussionen“ fehl am Platz. Lappe gab zu bedenken, dass Deutschland gerade einmal rund zwei Prozent der Weltbevölkerung und ebenfalls rund zwei Prozent der Weltagrarfläche besitze. Das bedeute: „Alles, was wir auch machen, kann den Klimawandel nicht verändern.“

Nachdem Lappe in seinem Grußwort auch den Verkehrsversuch der Stadt Bayreuth kritisiert hatte, in dessen Folge die Erlanger- und die Bismarckstraße als die beiden wichtigen Aus- und Einfallstraßen derzeit einspurig angelegt sind, ging Stadt- und Bezirksrat Stefan Specht in seinem Grußwort unmittelbar darauf ein. Er sprach von einem kommunalpolitisch ganz heißen Eisen und eine ganz schwierigen Thema. Specht nannte den Verkehrsversuch fragwürdig, gab aber auch zu bedenken, dass man derzeit noch die Chance habe, darüber zu diskutieren. Ohne seine Fraktion wäre der Beschluss zur Einspurigkeit längst gefallen. „Es ist nicht so, dass wir das einfach durchwinken werden“, versprach Specht. Karl Lappe gehörte zusammen mit den Landwirten aus dem westlichen Landkreis, aber auch zusammen mit seinen dortigen Bürgermeisterkollegen und den von ihnen vertretenen Bürgern zu den schärfsten Kritikern der Maßnahme, die den gesamten Verkehr zwischen Stadt und Landkreis entscheidend einschränke.

Die Bundestagsabgeordnete Silke Launert hob in ihrem Grußwort hervor, dass Nachhaltigkeit bei den Bauern schon immer eine entscheidende Rolle gespielt habe. Schon immer stünden Landwirte für Bodenständigkeit und Bodenhaftung, schon immer hätten sie den Bezug zur Natur und den Respekt vor Tieren gepflegt.

Eine besondere Ehrung wurde Hedwig Loos aus Kornbach zuteil. Sie gehörte von 2007 bis 2022 der Kreisvorstandschaft des BBV Bayreuth an und konnte bei den Neuwahlen im Mai aus Zeitgründen nicht mehr kandidieren. Ihr Amt als Ortsbäuerin, das sie seit 2001 innehat, bleibt sie allerdings auch weiterhin treu. Kreisbäuerin Angelika Seyferth, die zusammen mit Kreisobmann eine Ehrenurkunde überreichte, nannte Hedwig Loos die treue Seele der Landfrauen und eine wertvolle Ideengeberin für den Kreisverband.

Die folgenden ausgeschiedenen Ortsobleute wurden zum Erntedankfest geehrt:

Für fünf Jahre: Anna Leichtenstern (Altencreußen), Waltraud Lang (Aufseß-Heckenhof), Elfriede Schneider (Krögelstein), Gretel Hortelmaus (Nankendorf), Martina Böhner (Neuhof), Claudia Berger (Reizendorf), Gisela Hacker (Seulbitz), Ilse Hösch (Truppach), Jenny Schmitt (Weidmannsgesees), Andreas Ott (Büchenbach), Sven Stahlmann (Frankenhaag), Florian Götz (Frankenberg), Roland Thiem (Langenloh), Thomas Hauenstein (Mistelbach), Matthias Schatz (Moggendorf) und Martin Bächmann (Neuhaus).

Für zehn Jahre: Rosi Höhn (Frankenhaag), Brigitte Purrucker (Guttenthau), Karin Wittmann (Körbeldorf), Heidi Teufel (Langenloh), Margt Ströbel (Prebitz), Elfriede Berger (Thiergarten-Saas), Brigitte Lehner (Troschenreuth), Christine Schilling (Weiher), Gerd Böhner (Euben), Thomas Kolb (Kleinweiglarreuth), Heinz Herold (Kornbach), Klaus Timm (Lützenreuth), Alfons Neubauer (Rabeneck), Lorenz Fick (Untersteinach), Andreas Schilling (Weiher) und Alexander Kaiser (Wendelhöfen).

Für 15 Jahre: Gudrun Pezold (Birk), Beate Schieder (Penzenreuth), Cäcilia Brütting (Seelig), Gerd Schmidt (Wendelhöfen), Johannes Handwerger (Drosendorf), Bernd Scholz (Eschen), Reinhold Pöhlmann (Guttenthau-Röslas), Horst Seitz (Nemnschenreuth), Rudolf Hagen (St. Johannis), Günter Trautner (Seidwitz), Thomas Neuner (Welkendorf), und Roland Macht (Witzleshofen).

Für 20 Jahre: Christine Stenglein (Breitenlesau), Ingrid Stiefler (Regenthal), Christa Ordnung (st. Johannis), Margarete Teufel (Schressendorf), Marianne Galster (Stein), Angela Neuner (Volsbach) und Erwin Pfändner (Kainach).

Für 25 Jahre: Renate Oetterer (Aichig), Roswitha Müller (Busbach), Erna Handwerger (Drosendorf), Gunda Potzel (Fenkensees), Regina Pfändner (Kainach), Renate Böhm (Neuhaus), Irmgard Macht (Witzleshofen), Irmgard Büttner (Wolfsbach), Margarete Seiferth (Wülfersreuth), Friedrich Köhler (Betzenstein-Mergners), Johann Lochner (Obernsees), Erwin Hoffmann (Stechendorf) und Hans-Martin Reif (Stierberg).

Für 30 Jahre: Juliane Riedelbauch (Bärnreuth), Renate Ruder (Betzenstein-Mergners), Margitta Reichel (Bischofsgrün), Karin Potzel (Cottenbach-Altenplos), Gudrun Rank (Gefrees), Barbara Arnold Kaltenthal), Resi Hartmann (Körzendorf), Monika Heinz (Lankendorf), Angelika Grießhammer (Neudorf), Petra Legath (Oberwarmensteinach), Margitta Zeilmann (Schobertsreuth), Rita Hoffmann (Stechendorf), Heidi Popp (Zettitz), Hans-Erhard Keller (Eckersdorf-Donndorf), Hans Engelnrecht (Lankendorf), Hans Nickl (Lienlas), Peter Zeilmann (Schobertsreuth), Gerhard Richter (Siegritzberg), und Konrad Frank (Windischenlaibach).

Für 35 Jahre: Lore Hohlweg (Bad Berneck), Christine Freyberger (Losau), Brigitte Burghardt (Seitenbach), Lisbeth Fick (Untersteinach), Hans Portzel (Fenkensees) und Karl-Heinz Küffner (Hauendorf).

Für 40 Jahre: LIselotte Ströbel (Hauendorf), Waltraud Dörfler (Lützenreuth) und Peter Bauernfeind (Wolfsbach).

Für 45 Jahre: Gerda Hofmann (Altstadt, Gunda Neuner (Welkendorf), Heinz Leykauf (Großweiglareuth), Hemut Küfner (Mengersreuth) und Friedrich Stiefler (Regenthal)

Für 50 Jahre: Josef Ringler (Mandlau-Prüllsbirkig).

Für 55 Jahre: Rainer Sack (Altstadt).

Bilder:
1.
 Sie gehören zu den Dienstältesten Ortsobleuten des Bauernverbandes im Landkreis Bayreuth (von links): Josef Ringler, Liselotte Ströbel, Waltraud Dörfler und Friedrich Stiefler. Kreisbäuerin Angelika Seyerth und Kreisobmann Karl Lappe zeichneten die ausgeschiedenen Ehrenamtsträger beim Kreiserntedank aus.
2. 15 Jahre lang und damit drei Amtsperioden gehörte Hedwig Loos (2. von links) dem Kreisvorstand des BBV an. Kreisbäuerin Angelika Seyferth (links), Kreisobmann Karl Lappe und sie stellvertretende Kreisbäuerin Doris Schmidt zeichneten Hedwig Loos mit der Ehrenurkunde des Bauernverbandes aus.

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30.09.2022

„Schönster, spannendster und vielseitigster Beruf der Welt“ / 51 Landwirtschafts-Azubis aus dem Westen Oberfranken freigesprochen

Hirschaid. 51 frischgebackene Landwirte aus dem westlichen Oberfranken hat die Regierung von Oberfranken in Hirschaid feierlich verabschiedet. Die 5 Damen und 46 Herren kamen aus den Städten und Landkreisen Bamberg, Coburg, Forchheim, Kronach und Lichtenfels. Sie alle haben eine dreijährige duale Ausbildung hinter sich. Das bedeutet: Nach einem Berufsschuljahr in Vollzeit waren sie zwei Jahre lang in ihren Ausbildungsbetrieben tätig. Während dieser Zeit besuchten sie einmal pro Woche die Berufsschule. Dazu gab es die verschiedensten Lehrgänge und Schulungen. Für die Berufsbildung ist seit Juli 2021 die Regierung von Oberfranken zuständig.

Die Erzeugung wertvoller Nahrungsmittel ist und bleibt die wichtigste Aufgabe des Landwirts, sagte Burkhard Traub von der Regierung. Im Zuge von Krieg und Krisen sei das der Bevölkerung jetzt erst weder so richtig bewusst geworden. Alle Absolventen hätten es in den zurückliegenden drei Jahren gelernt, Nahrungsmittel umweltverträglich und nachhaltig zu erzeugen und dabei auch das Tierwohl zu berücksichtigen.

Kein Jahrgang zuvor habe so vieles meistern müssen, wie der aktuelle Jahrgang, so Tanja Schilling von der für die angehenden Landwirte zuständigen Freiherr-von-Rast-Berufsschule in Coburg. Der mehrfache Wechsel von Präsenz- in den Inline-Unterricht habe genauso dazugehört, wie zahlreiche andere Hürden in Verbindung mit den Corona-Auflagen. Als besten anwesenden Absolventen zeichnete sie Korbinian Bischof aus. Er stammt aus Pfaffenhofen an der Roth im schwäbischen Landkreis Neu-Ulm und hatte in Oberfranken seine Ausbildung absolviert. Bester wurde Michael Kilian aus Viereth-Trunstadt im Landkreis Bamberg. Er konnte an der Freisprechungsfeier nicht teilnehmen. Das Trio der Jahrgangsbesten ergänzt Michael Endres aus Wiesenttal.

Die Leistungen aller Absolventen seien ein ganz wesentlicher Beitrag für unsere Gesellschaft, sagte der stellvertretende Bamberger Landrat Johannes Maciejonczyk. Der Beruf des Landwirts sei um vieles anspruchsvoller, als manch anderer Beruf. „Der Landwirts kennt auch keine Uhrzeit, sondern viele Uhrzeiten“, sagte Maciejonczyk. Einige aktuelle Themen, die ihn und seinen Berufskollegen derzeit umtreiben, sprach der neue BBV-Kreisobmann Tobias Kemmer aus Bamberg an. Die seiner Meinung nach völlig überzogenen Vorschläge der EU zur Pflanzenschutzreduktion in Schutzgebieten gehörten genauso dazu, wie die im Raum stehende Schließung des Bamberger Schlachthofes. Um dagegen anzukämpfen sei eine Interessensgemeinschaft gegründet worden, weitere Mitstreiter aus den Reihen der Viehhalter seien dringend gesucht.

Ein weiterer Gratulant war Roland Reh, Vorsitzender des Bamberger VLF-Kreisverbandes (Verband landwirtschaftlicher Fachbildung). Mit der erfolgreichen Prüfung stünden den Absolventen jetzt alles Wege offen. Doch Arbeit und gewinn seien nicht alles, mahnte Reh. Er appellierte an die jungen Leute, sich auch immer wieder Freiräume zu schaffen, Hobbys nachzugehen, aber auch Ehrenämter zu übernehmen. Konrad Schrottenloher, der neue Leiter des Bamberger Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten nannte den Beruf des Landwirts den „schönsten, spannendsten und vielseitigsten Beruf, den es auf der ganzen Welt gibt“. Er rief die jungen Leute dazu auf, sich in die aktuelle gesellschaftliche Diskussion immer wieder einzubringen: „Tun sie mit der Landwirtschaft nicht nur Gutes, sondern reden sie auch darüber“, sagte der neue Amtschef.

Die erfolgreichen Absolventen sind:

Landkreis Bamberg:

Tobias Aichinger (Hirschaid), Michael Blauberger (Frensdorf), Christian Dotterweich (Schönbrunn/Steigerwald), Lukas Engel (Burgebrach), Niklas Geiger (Reckendorf), Sebastian Heberlein (Reundorf), Michael Kilian (Viereth-Trunstadt), Raphael Kropf (Pommersfelden), Rainer Richter (Heiligenstadt), Bernhard Schäfer (Heiligenstadt), Tobias Schwarzmann (Altendorf), Lukas Schwengler (Reckendorf) und Lukas Zenk (Scheßlitz).

Landkreis Coburg:

Tobias Freiberger-Falk (Itzgrund), Lukas Köhn (Neustadt bei Coburg), Gina Pohle (Seßlach), Jonas Spielmann (Seßlach), Max Taschek (Großheirath), Jonathan Waldert (Großheirat), Christian Wäschenfelder (Großheirath) und Tobias Wöhner (Seßlach).

Landkreis Forchheim:

Anna-Maria Deinhardt (Ebermannstadt), Michael Endres (Wiesenttal), Melissa Geyer (Hallerndorf), Johannes Götz (Kirchehrenbach), Maria Götz (Kirchehrenbach), Michael Götz (Kirchehrenbach), Christian Hübschmann (Kirchehrenbach), Niklas Niedermann (Langensendelbach), Christof Otzelberger (Hallerndorf), Michael Roppelt (Kauernhofen), Max Singer (Hetzles), Johannes Vollmann (Hausen) und Sebastian Wölfel (Igensdorf).

Landkreis Kronach:

Tobias Backer (Marktrodach), Tobias Bauer (Weißenbrunn), Kai Döhler (Küps), Jonas Thiem (Ludwigstadt) und Jan Welcher (Kronach).

Landkreis Lichtenfels:

Jonas Fischer Hochstadt, Isabell Kremer (Lichtenfels), Martin Lypold (Lichtenfels), Maximilian Reindl (Altenkunstadt), Fabian Reinhardt (Lichtenfels), Maximilian Rieger (Burgkunstadt) und Jakob Wunner (Ebensfeld).

Bild:
1.
 Als besten anwesenden Absolventen hat Tanja Schillig von der Freiherr-von-Rast-Berufsschule in Coburg Korbinian Bischof aus Pfaffenhofen an der Roth ausgezeichnet. Er hatte in Oberfranken seine Ausbildung absolviert.
2. Sie alle haben die Ausbildung zum staatlich anerkannten Landwirt erfolgreich absolviert und wurden bei einer Feierstunde in Hirschaid „freigesprochen“. Das Bild zeigt die erfolgreichen Absolventen aus dem Landkreis Coburg zusammen mit einigen Gratulanten.

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28.09.2022

Landwirt als Beruf der Zukunft / 43 frischgebackene Landwirte aus Ostoberfranken verabschiedet

Himmelkron. 43 Absolventen des Ausbildungsberufes Landwirt aus den Städten und Landkreisen Bayreuth, Hof, Kulmbach und Wunsiedel haben am Mittwoch in Himmelkron ihre Zeugnisse und Urkunden erhalten. Für die „Freisprechungsfeier“ war erstmals die Regierung von Oberfranken statt wie bisher das jeweilige Landwirtschaftsamt zuständig. Hintergrund ist die Neuorganisation der Ämterstruktur, in deren Rahmen seit Juli 2021 die Bezirksregierungen für die Berufsausbildung der Landwirte zuständig sind. Lediglich die Berufsberatung liegt weiterhin in den Händen der Landwirtschaftsämter. Unter den 43 Absolventen waren neun Frauen.

Mit Loisa Riedl, Jan Morath und Christopher Schramm kommen alle drei Besten des Ausbildungsjahres aus der Gemeinde Himmelkron. Bei der feierlichen Verabschiedung betonten sämtliche Redner, wie wichtig die regionale Erzeugung von Lebensmittel vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und des Ukraine Krieges ist. Ebenso ließ es kein Redner aus, an die jungen Leute zu appellieren, Weiterbildungsangebote anzunehmen.

„Die Bedeutung von Nahrungsmittelsicherheit ist uns allen wieder bewusst geworden“, sagte Burkhard Traub von der Regierung. Doch Landwirte stünden noch für vieles mehr, für den Erhalt der Kulturlandschaft für das gesellschaftliche Leben auf dem Land, für ein aktives Dorfleben und eine lebendige Dorfkultur. Eine fundierte landwirtschaftliche Ausbildung bezeichnete er als bestmögliche Vorbereitung auf das künftige Berufsleben.

Es gebe kaum einen anderen Beruf, der so abwechslungsriech und vielfältig ist, wie der des Landwirts, so der stellvertretende Hofer Landrat und Bürgermeister von Naila Frank Stumpf. Noch immer machten sich viele Menschen im Supermarkt keine Gedanken darüber, woher das reichhaltige Angebot eigentlich kommt. Dazu benötige es die Landwirte als hochqualifizierte Fachkräfte, die sich ständig neuen Herausforderungen stellen müssten.

Von einem „Beruf der Zukunft“ sprach Andrea Brönner, die Leiterin des Beruflichen Schulzentrums Stadt und Landkreis Hof, zu dem auch die Berufsschule für Landwirte in Münchberg gehört. Zusammen mit Martin Abt, dem Leiter des Staatlichen Berufsschulzentrums III in Bayreuth, sprach sie aber auch die Herausforderungen an. „Das Problem ist die Akademisierung der Bildung“, sagte Andrea Brönner. Martin Abt bezeichnete im Rückblick den Distanzunterricht als nicht einfach. Er sprach auch den Lehrermangel an seinem Schulzentrum und an den Berufsschulen allgemein an.

Glückwünsche für den Bauernverband überbrachte der Kulmbacher BBV-Kreisobmann Harald Peetz. Er bereitete die jungen Leute darauf vor, dass sie es im Rahmen ihrer künftigen Tätigkeit auch immer wieder mit Teilen der Gesellschaft zu tun hätten, die „es nicht immer gut mit uns meinen“. Er appellierte deshalb an die frischgebackenen Landwirte, selbstbewusst zum eigenen Berufsstand zu stehen, schließlich seien seit den Krisen gerade die Bauern wieder mehr in den Mittelpunkt der Gesellschaft gerückt.

Auch Rainhard Kortschack vom Verband für landwirtschaftliche Fachbildung (VLF) sprach dieses Thema an. „So manch Verbraucher träumt noch immer von der lila Kuh“, sagte er. Die Landwirte müssten sich deshalb immer wieder aufs Neue bemühen, in der Gesellschaft Gehör zu finden.

Die folgenden jungen Leute haben ihre Ausbildung zum Landwirt erfolgreich bestanden.

Stadt und Landkreis Bayreuth:

Christopher Schramm (Bayreuth), Anna Büttner (Pegnitz), Mariella Hannig (Hollfeld), Fabian Lang (Creußen) und Vanessa Lochmüller (Weidenberg).

Stadt und Landkreis Hof:

Moritz Gruber (Hof), Martin Eckardt (Konradsreuth), Susann Eckardt (Konradsreuth), Florian Feulner (Stammbach), Pascal  Findeiß (Selbitz), Johannes Häßler (Issigau), Matthias Hermasch (Stammbach), Fabian Hüttner (Schauenstein), Christoph  Kothmann (Schauenstein), Maximilian Kretzer (Regnitzlosau), Lukas Meyer (Schwarzenbach an der Saale), Moritz Neudel (Zell), Simon Rödel (Rehau), Paul Schaber (Döhlau), Stefan Schlegel (Münchberg), Hannah Schmutzler (Döhlau), Robert Sörgel (Konradsreuth), Moritz Tutsch (Selbitz), Fabien Wolfrum (Schauenstein), Tobias Wolfrum (Helmbrechts) und Lena Zuber (Köditz).

Stadt und Landkreis Kulmbach:

Mirijam Beierlein (Neuenmarkt), Stefan Köber (Kulmbach), Jan Morath (Himmelkron), Louisa Riedl (Himmelkron), Tobias Spiller (Himmelkron) und Florian Wehrfritz (Kulmbach).

Landkreis Wunsiedel:

Ralf Amann (Röslau), Michel Döhler (Thiersheim), Moritz Friedel (Höchstädt) und Jonas Gräbner (Kirchenlamitz).

Bilder:
1.
 Louisa Riedl aus Himmelkron gilt mit einem Notenschnitt von 1,1 als Beste des Prüfungsjahrgangs. Dafür erhielt sie aus den Händen von Schulleiter Martin Abt unter anderem einen Staatspreis.
2. Diese frischgebackenen Landwirte aus den Städten und Landkreisen Bayreuth, Hof, Kulmbach und Wunsiedel haben ihren Berufsabschluss zum Landwirt erfolgreich absolviert.
2.
 Zusammen mit den Gratulanten stellten sich die Absolventen aus den einzelnen Landkreisen zu Gruppenbildern


Landkreis Bayreuth (links) - Landkreis Hof (rechts)


Landkreis Kulmbach (links) - Landkreis Wunsiedel (rechts)
 

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28.09.2022

Abschied von Fichte und Kiefer / Bei der FBG Pegnitz spielt das Thema Waldumbau eine immer größere Rolle – Gemischte Bilanz bei Jahresversammlung

Pegnitz. Auf zwei turbulente Jahre hat die Forstbetriebsgemeinschaft Pegnitz bei ihrer Jahresversammlung zurückgeblickt. Nach einem langen Tief hat sich der Holzpreis seit Anfang des Jahres wieder erholt und ist seitdem stabil. „Wir können im Großen und Ganzen zufrieden sein“, sagte der Vorsitzende Werner Lautner. Probleme gibt es trotzdem noch genug.

Der zuständige Forstdirektor Dirk Lüder vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bayreuth-Münchberg machte den Waldbesitzern bei der Versammlung einmal mehr klar, dass Fichte und Kiefer in unseren Breiten künftig keine Chance mehr haben werden. Zwar sei das Gebiet der FBG Pegnitz von den Kalamitäten durch den Borkenkäfer nicht ganz so schlimm betroffen, wie etwa das Fichtelgebirge und vor allem der Frankenwald, weil der Laubholzanteil hier höher ist, doch sollten sich die Waldbesitzer nicht allzu sicher sein.

„Der Klimawandel wird weitergehen“, sagte Dirk Lüder. Dem müsse man ins Auge sehen, so der Forstdirektor, der die Waldbesitzer zum Waldumbau aufrief. Dabei sollten sie möglichst auf mehrere und nicht nur auf ein oder zwei Baumarten setzen. Sicher sei nur eines: „Die Zukunft wird für den Wald wirtschaftlich schwieriger werden.

Die Jahresversammlung bezog sich in erster Linie auf das Jahr 2021. Damals seien 16972 Festmeter Holz vermarktet worden, ungefähr 5000 Festmeter mehr als im Jahr zuvor, so Förster und fachlicher Berater Stefan Failner. 11500 Festmeter davon waren Fichten und über 5000 Festmeter Kiefern. Das vermarktete Laubholz macht dem Geschäftsbericht zufolge gerade einmal gut 300 Festmeter aus. Als positiv bewertete es der Sprecher, dass die FBG zu Jahresbeginn 1723 Mitglieder und damit fast 30 mehr als im Jahr zuvor hatte. Sie alle zusammen bewirtschaften eine Mitgliedsfläche von 12500 Hektar Wald, das sind 230 mehr als im Vorjahr.

Ehrenvositzender Hans Escherich, der die FBG viele Jahre lang geleitet hatte, prangerte in seinem Grußwort einige politische Entscheidungen an. So sei es unverständlich, dass in der gegenwärtigen Situation bei der Energieversorgung Brennholz bei der Wärmeversorgung gedeckelt und über die sogenannte CO-2-Bepreisung - laut Escherich eine Umschreibung für Besteuerung - belastet werden soll. „Von den Landesregierungen, und dem EU-Parlament, die dem anscheinend auch schon zugestimmt haben, bin ich enttäuscht“, so der Ehrenvorsitzende.

Eine Ehrung wurde bei der Versammlung dem bisherigen Leiter des Amtes für Landwirtschaft Bayreuth-Münchberg Georg Dumpert zuteil. Er war zuletzt über dreieinhalb Jahre lang Leiter des Amtes und zuvor drei Jahre lang Chef des Bereichs Forsten. Während all dieser Jahre habe Georg Dumpert auch die FBG Pegnitz unterstützt und hervorragend fachlich beraten. „Durch Georg Dumpert hat unsere FBG an Professionalität gewonnen“, sagte Vorsitzender Werner Lautner. Georg Dumpert tritt mit Ablauf des Septembers in den Ruhestand. Wegen Krankheit verhindert war der bisherige forstliche Berater Klaus Eisinger. Er erfuhr ebenfalls eine Ehrung für sein langjähriges Wirken von Juli 2005 bis März 2022.

 „Der Wald werde mit Sicherheit eine Zukunft haben“, sagte Landrat Florian Wiedemann. Er zollte den Waldbesitzern und Forstwirten seine Anerkennung für den tägliche Leistung zum Wohl der Allgemeinheit, für die vielfältigen Pflege und Aufbauarbeiten und deren hohen Engagement. Die Bayreuther Region sei seit jeher in besonderem Maße von der Forstwirtschaft geprägt.

Bild: Die FBG Pegnitz hat den bisherigen Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Georg Dumpert ausgezeichnet und sich für dessen jahrelangen Einsatz bedankt. Im Bild von links:  Ehrenvorsitzender Hans Escherich 2. Vorsitzender Bernd Kiefhaber, forstlicher Berater Stefan Failner, Vorsitzender Werner Lautner, Georg Dumpert und der Bayreuther Landrat Florian Wiedemann.

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25.09.2022

Bayerns größer Bauernmarkt mit vielen tausend Besuchern

Bis zum Nachmittag hatte das Wetter gehalten - und tausende Menschen kamen, um Bayerns größten Bauernmarkt zu besuchen. Auf dem Odeonsplatz und in der Ludwigstraße boten mehr als 90 Direktvermarkter aus ganz Bayern ihr vielfältiges Sortiment an selbst erzeugten Produkten - es blieb kein kulinarischer Wunsch offen.

Die Standbetreiber auf der Bauernmarktmeile München lockten mit regionalen Delikatessen: Ochsenschmankerl, Fisch- Lamm- und Wildspezialitäten oder Spezialitäten vom Strauß. Dazu die Vielfalt regionaler Obst- und Gemüsesorten, eine Vielzahl an Kartoffelsorten, Milchprodukte, Käse- und Wurstdelikatessen, Brot Backwaren und feine Kuchen. Säfte, Cidre, Liköre, Wein und Edelbrände aus heimischem Obst durften nicht fehlen. Neben den kulinarischen Genüssen bot die Bauernmarktmeile auch Nützliches und Dekoratives für daheim wie Alpaka-Wolle und Alpaka-Betten, handbedruckte Leinenartikel, gedrechselte Holzwaren und Trockenblumen-, Getreide und Hopfenkränze.

Doch es ging um mehr als ums Einkaufen. Auch der Austausch mit den Direktvermarktern Bauernmarktmeile kam gut an. Im Bereich vor der Feldherrenhalle waren zahlreiche Infostände aufgebaut. So konnten sich die Gäste beispielsweise am Pavillon des Bayerischen Bauernverbands über die heimische Landwirtschaft informieren. Vor Ort dabei waren auch Obstbauern, die Äpfel zur Verkostung anboten. Hauptveranstalter der 11. Bauernmarktmeile war der Bayerische Bauernverband., Mitveranstalter unter anderem das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

  

  

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24.09.2022

Hälfte eines normalen Erntejahres / Mehr Schatten als Licht: Landwirte zogen Bilanz beim Kreiserntedankfest – Eigenes Kirchenlied für den Bauernstand

Kulmbach. Miteinander reden, statt übereinander schimpfen. Das ist es, was sich der Kulmbacher BBV-Kreisobmann Harald Peetz für die Zukunft wünschen würde. „Meine Hoffnung ist es, dass Landwirte und Verbraucher künftig zusammenhalten“, sagte Peetz beim Kreiserntedank am Rande eines Gottesdienstes in der festlich geschmückten Petrikirche.

Die Bilanz, die der Kreisobmann über das zurückliegende Erntejahr zog, hatte freilich mehr Schatten als Licht. Ab Anfang Mai habe es im Landkreis monatelang nicht mehr geregnet. „Das ist schlichtweg eine Katastrophe“, so Peetz. Die Folge sei in etwa die Hälfte des Ertrages einer normalen Erntejahres gewesen, manchmal sogar noch weniger. Katastrophal sei die Situation auch beim Futter. Schon jetzt müsse das verfüttert werden, was eigentlich für den Winter gedacht war. Dann müssten die Bauer das notwendige Futter teuer zukaufen. Extrem getroffen habe die Trockenheit auch die Waldbauern. Der Borkenkäfer habe alles zunichte gemacht. „Wie und womit forste ich auf?“, das sei die Frage, die derzeit alle Forstleute umtreibt. Peetz: „Die Waldbauern haben die Riesenaufgabe vor sich, die Grüne Krone Bayerns wieder grün werden zu lassen.“

Was sich Peetz besonders wünscht ist das gesunde Mittelmaß in der Beziehung zwischen Landwirt und Verbraucher. „Wir Bauern sind Lebensmittelproduzenten, Energiewirte, setzen uns für Artenschutz und Biodiversität ein.“ Der gesamte Umweltschutz etwa sei nur mit den Bauern und nicht gegen sie zu erreichen. Kein anderer Berufszweig sei in der Lage Kohlendioxid zu speichern, nur die Landwirtschaft. An die Adresse mancher Kritiker richtete Peetz den Satz: „Lebensmittel wachsen nicht in den Regalen der Einzelhändler.“ Die Bauern hätten ihren Beruf von der Pike auf gelernt, während Teile der Bevölkerung ihr Wissen über die Landwirtschaft ausschließlich aus YouTube oder Google hätten.

Zuvor hatte Dekan Friedrich Hohenberger den feierlichen Gottesdienst ausgestaltet. Fürbitten lasen neben dem Kreisobmann und dessen Stellvertreter Martin Baumgärtner unter anderem die Kreis- und Bezirksbäuerin Beate Opel und der frühere Kreisobmann Wilfried Löwinger. Unter den ausgewählten Erntedankliedern ragte eines ganz besonders heraus: Pfarrerin Bettina Weber aus Mangersreuth hatte für das bekannte zeitgenössische Kirchenlied „Danke für diesen guten Morgen“ von Martin Gotthard Schneider einen neuen Text verfasst, der ganz besonders die Landwirtschaft und ihre Produkte in den Mittelpunkt rückt. In einem Vers heißt es beispielsweise: „Danke für alle uns´ re Bauern, danke, dass man sie hier noch sieht. Danke für ihren großen Einsatz, dass es Ernte gibt.“

In mehreren Grußworten drückten Landrat Klaus Peter Söllner, Bezirkstagspräsident Henry Schramm, der Leiter des Amtes für Landwirtschaft Harald Weber und der stellvertretende oberfränkische BBV-Bezirkspräsident Michael Bienlein ihre Verbundenheit zur Landwirtschaft und zum Kulmbacher Kreisverband aus. „Ohne die Bauern geht nichts, wir wissen, was wir an unserer Landwirtschaft haben“, sagte Söllner. Henry Schramm bescheinigte den Bauern eine großartige Leistung für die gesamte Gesellschaft. „Ihr macht einen super Job“, sagte er.

Bild: Am geschmückten Erntedankaltar des Kulmbacher Petrikirche zog BBV-Kreisobmann Harald Peetz Bilanz über das zurückliegende Erntejahr, das von Trockenheit und Dürre geprägt war.

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21.09.2022

Dialog zwischen Stadt und Land / Kommenden Samstag: Bauernverband feiert Erntedankfest mit Gottesdienst in der Petrikirche

Kulmbach. „Dank gemeinsam teilen.“ Unter diesem Motto steht der Erntedankgottesdienst, den der Bauernverband am Samstagabend gemeinsam mit den Menschen aus Stadt und Land in der Petrikirche feiern möchte. „Mit der Wahl der Petrikirche als Veranstaltungsort für unser Erntedankfest suchen wir auch den Dialog zwischen der Stadt- und der Landbevölkerung“, sagte Kreisobmann Harald Peetz im Vorfeld bei einem Ortstermin mit Kreis- und Bezirksbäuerin Beate Opel und Dekan Friedrich Hohenberger.

„Erntedank ist der Sonntag, der den Bauern gehört“, so Dekan Hohenberger. In früheren Jahren sei es fast schon eine Ehre gewesen, an diesem Tag den Gottesdienst besuchen zu dürfen. Oft habe man auch die Erschöpfung der Bauern nach einem Jahr anstrengender Arbeit förmlich gespürt, erinnerte sich Hohenberger. Doch auch heute gelte immer noch: „Ohne die Bauern geht in der Welt gar nichts“.

Die Krisen der zurückliegenden Monate hätten gezeigt, dass nichts selbstverständlich ist, so Kreis- und Bezirksbäuerin Beate Opel. Aufgabe der heimischen Bauern sei es, die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sicherzustellen. „Das können und das wollen wir auch erfüllen“, so Opel. Allerdings benötige man dazu auch die Wertschätzung der Menschen.

Mit dem Einbringen der Ernte hätten die Bauern früher das Jahr abgeschlossen, so Kreisobmann Harald Peetz. Vieles habe sich mittlerweile geändert. Manche Berufskollegen seien noch immer mit der Ernte, andere bereits wieder mit der Aussaat beschäftigt. Geblieben sei aber die große Bedeutung der Lebensmittelsicherheit mit regionalen Produkten. „Die Bevölkerung kann sich sicher sein, dass die heimische Landwirtschaft die Menschen ernähren kann, man muss die Landwirte aber auch machen lassen.“

In den zurückliegenden Jahren hatte der BBV-Kreisverband immer in einer Gemeinde des Landkreises gefeiert. Diesmal bringt Kreisobmann Peetz die Himmelkroner Erntekrone mit nach Kulmbach. Den Dankgottesdienst wird Dekan Hohenberger halten, Kreisobmann Peetz wird das zurückliegende Erntejahr Revue passieren lassen und Kreis- und Bezirksbäuerin Opel wird einen Ausblick wagen, ehe der Bauernverband in der Kirche zu einem kleinen Imbiss einlädt. Für den musikalischen Rahmen sorgt Stadt- und Dekanatskantor Christian Reitenspieß an der Rieger-Orgel.

Der Gottesdienst zum Kreiserntedankfest des Bayerischen Bauernverbandes findet am Samstag, 24. September, um 19.30 Uhr in der Petrikirche, Kirchplatz 1 in Kulmbach statt

Bild: Dekan Friedrich Hohenberger (links) freut sich zusammen mit Kreis- und Bezirksbäuerin Beate Opel und Kreisobmann Harald Peetz auf die Erntedankfeier am Samstagabend in der Petrikirche.

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15.09.2022

„Betriebshelfer wachsen nicht auf Bäumen“ / Maschinenring Münchberg: Spitzenwerte trotz Pandemie

Selbitz-Dörnthal. Der Maschinen- und Betriebshilfsring Münchberg und Umgebung ist dringend auf der Suche nach neuen Kräften. Dies gilt sowohl für die klassische Betriebshilfe, als auch für die gewerblichen Aufgaben in der ausgelagerten GmbH. „Helfer wachsen nicht auf Bäumen“, sagte der bisherige Geschäftsführer Patrick Heerdegen, der den Tätigkeitsbericht bei der Jahresversammlung in Dörnthal für seinen erkrankten Nachfolger Simon Weller erstattete.

„Viele Familienbetriebe sind auf Betriebshelfer angewiesen“, so der Vorsitzende Siegfried Hüttner aus Mühldorf bei Schauenstein. Doch der feste Stamm von Helfern werde altersbedingt weniger und Nachwuchs sei nur schwer zu generieren. Allgemein sei es auch schwierig, die Betriebshelfer bei Laune zu halten, sagte Patrick Heerdegen. Durch Corona sei die Arbeit vorübergehend weniger geworden und so hätten sich die Helfer vom Maschinenring abgewendet und andere Jobs gesucht. „Wer einmal weg ist, der kommt nicht mehr zurück“, so Heerdegen, der bis März als Geschäftsführer tätig war. Er sprach von einer prima Möglichkeit des Zuerwerbs für Landwirte. Man könne flexibel arbeiten und sich spontan für Einsätze melden. Auch der Stundenlohn von netto rund 20 Euro sei nicht unbedingt der Schlechteste.

Wenn die Zahl der Einsätze in der Betriebshilfe um etwa ein Drittel zurückgegangen ist, dann vor allem deshalb, weil aufgrund von Corona weniger Krankenhausaufenthalte, Operationen und kaum Rehabilitationsmaßnahmen stattgefunden hätten. Somit wurden auf den Betrieben keine Helfer gebraucht. Insgesamt kam der Geschäftsführer auf knapp 19000 Stunden geleisteter sozialer Betriebs- und Haushaltshilfe und weiteren knapp 3400 Stunden geleisteter wirtschaftlicher Betriebshilfe, etwa zur Abdeckung von Arbeitsspitzen. Macht zusammen knapp 22400 Stunden Betriebshilfe und damit exakt 31 Prozent weniger als im Vorjahr.

Zweites Standbein des Maschinenrings ist die klassische Maschinenvermittlung, deren Verrechnungswert leicht auf gut 3,1 Millionen Euro angestiegen war. Besonders die Bereiche Futterbau und Strohernte sowie Düngung, Saat und Pflege waren bei der Vermittlung von Technik und Maschinen gefragt. Der Gesamtverrechnungswert, also Betriebshilfe, Maschinenvermittlung und auch ein kleiner Teil Landschaftspflege zusammen liegt für 2021 bei knapp 4,7 Millionen Euro, was einen Anstieg um knapp sechs Prozent gegenüber 2020 bedeutet. „Wenn wir den Verrechnungswert trotz Pandemie steigern konnten, dann ist das keine Selbstverständlichkeit“, sagte der Vorsitzende Siegfried Hüttner.

Eine Neustrukturierung hatte es bei der gewerblichen Tochter gegeben. Seit 15. März ist der Maschinenring Münchberg alleiniger Gesellschafter der GmbH. Bisher war der Nachbarring aus Wunsiedel mit an Bord. Nach den Worten des GmbH-Geschäftsführers Daniel Seuß kümmert sich die GmbH in erster Linie um Grünflächenpflege, Winterdienst, Stromtrassenpflege und viele andere Dinge. Auftraggeber sind unter anderem das Bayernwerk, die Stadt Hof, das Landgericht in Hof, eine Vielzahl von Kommunen und immer mehr auch Privatleute. „Wenn man mal nicht mehr weiter weiß, dann hilft in der Regel die Telefonnummer des Maschinenrings weiter“, sagte Seuß und verwies auf einige Spezialaufträge wie die Sturmschadenbeseitigung bei einem Eisenwerk in Martinlamitz, auf die Gehölzpflege bei Windrädern oder auf die Ansaat von Blumenwiesen.

Als Betriebshelfer mit den meisten Einsatzstunden wurden bei der Jahreshauptversammlung Hannes Bodenschatz und Holger Braun ausgezeichnet. Bodenschatz hatte im zurückliegenden Jahr 1013 Stunden und Braun 608 Stunden geleistet.

Bild: Vorsitzender Siegfried Hüttner (links) und Susanne Taubald von der Geschäftsstelle zeichneten Hannes Bodenschatz (2. von links) und Holger Braun als Betriebshelfer mit den meisten geleisteten Einsatzstunden aus.

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12.09.2022

Mit den Auflagen steigt der Frust / Viele Probleme, keine Lösungen: Bauernverband diskutierte mit Politikern

Bayreuth. Bürokratie, immense Verteuerungen der Produktionsmittel, Handelsverwerfungen, immer neue Auflagen, hohe Energiepreise und eine ungewisse Zukunft: Viele Bauern, nicht nur im Bayreuther Land, wissen nicht, wie es weitergehen soll. „Da bist du echt frustriert, die Lage ist zum Auswachsen“, brachte es Gerhard Meyer aus Hummeltal bei einem Gespräch der Kreisvorstandschaft des Bauernverbandes mit einigen Bundes- und Landtagsabgeordneten auf den Punkt. Wer sich dabei Lösungen erhofft hatte, wurde allerdings enttäuscht. „Gute Botschaften haben wir alle nicht, dazu ist die Lage zu schwierig“, sagt der Bundestagsabgeordnete Thomas Hacker von der FDP.

Die Situation für die Landwirte ist ernst, das machten Kreisobmann Karl Lappe und Kreisbäuerin Angelika Seyferth klar. Obwohl sämtliche Bundes- und Landespolitiker aller Parteien eingeladen waren, stellten sich neben Thomas Hacker lediglich Gudrun Brendel-Fischer (CSU), Tim Pargent (Grüne) und Tobias Peterka (AFD) den Landwirten.

„Der Ertrag bringt derzeit nicht das, was ich an Ausgaben habe“, sagte Angelika Seyferth. Vor allem die Schweinemastbetriebe und die Ferkelerzeuger würden derzeit reihenweise aufgeben, so Karl Lappe. „Auch wir haben die hohen Energiekosten, kommen als Bauern aber nicht in den Entlastungpaketen der Bundesregierung vor“, monierte Angelika Seyferth. Die Sorge, dass viele Landwirte im Landkreis ihre Ställe für immer ausgeräumt haben, gehe um, so Karl Lappe. Unter anderem ging es den Bauern im Einzelnen darum:

Auflagen und Bürokratie

Tierwohl sei ja schön und gut, doch kaum hat man einen neuen Stall gebaut, schon kommen die nächsten Auflagen, sagte Doris Schmidt, stellvertretende Kreisbäuerin aus Plech. So schnell komme man gar nicht mehr hinterher, wie sich die Auflagen ändern, bemängelte auch Martin Ponfick aus Unterölschnitz.

Energiekosten

Die exorbitanten Steigerungen bei den Kraftstoffen müsse man erst einmal schultern, so Christa Ziegler aus Oberobsang, Vorsitzende des Verbandes landwirtschaftlicher Fachschulbindung. Es sei nicht mehr verwunderlich, wenn so viele Bauern aufhören, denn die Dieselpreise seien ja kaum mehr zu stemmen, sagte Doris Schmidt.

Gesellschaftliche Anerkennung

„Wir werden als Luftverschmutzer und Tierquäler beschimpft“, sagte Doris Schmidt. Die Landwirtschaft werde übel behandelt. Auch Monika Daubinger aus Höfen beklagte die immer weiter auseinanderklaffende Schere in der Gesellschaft. „Viele haben von Tuten und Blasen keine Ahnung, das ist ein ganz großes Problem.“ Große Teile der Gesellschaft seien nicht nur weltfremd, sondern auch arrogant gegenüber den Landwirten. Sie wünsche sich mehr Bezug zu Natur und schlug vor: „Wer Bafög will, der muss erst einmal ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr leisten.“

Zwangsstilllegung

Auch wenn die geplante Stilllegung von vier Prozent der landwirtschaftlichen Fläche erst einmal auf bestimmte Zeit ausgesetzt wurde, ist das Vorhaben der Bundesregierung noch immer ein großer Aufreger, gerade in einer Zeit, in der die große Bedeutung der Lebensmittelproduktion im eigenen Land wieder einen hohen Stellenwert haben müsste. Konkret geht es dabei um die verpflichtende Flächenstilllegung ab 2023. Ursprünglich sollten Landwirte mindestens vier Prozent ihrer Ackerfläche stilllegen, um die Basisprämie zu erhalten. „Der Boden ist unser Hab und Gut, den lass ich mir doch nicht wegnehmen“, schimpfte Martin Ponfick. „Die Stilllegung ist absolut nicht notwendig“, so Martin Gebhardt aus Görau. Seiner Meinung nach schaffe der ökologische Anbau genauso viel Artenvielfalt wie eine stillgelegte Fläche. Versorgungssicherheit für Mensch und Tier wäre jetzt ohnehin wichtiger.

Was sagt die Politik dazu:

Gudrun Brendel-Fischer bekräftigte, dass man einen gesunden Bestand an Schweinehaltern auf jeden Fall aufrechterhalten müsse. Was die Neuauflage des Kultur- und Landschaftsprogramms (KULAP) angeht, so sicherte sie zu, dass Bayern die EU-Mittel voll ausschöpfen und mit eigenem Geld ergiebig ausstatten werde. Wo die Landschaft in zehn Jahren steht, so genau könne er das auch nicht sagen, meinte Tim Pargent. Mit seiner Aussage, dass die Landwirte endlich die Preise bekommen, die sie verdienen, erntete er Widerspruch, denn schließlich seien ja auch die Kosten explodiert.

„Die deutschen Landwirte fallen hinten runter, weil sie nicht kompatibel sind mit den Plänen der EU“, meinte Tobias Peterka. Er sah das Problem Hauptsache in der EU. „In Brüssel liegt der Hund begraben“, sagte Peterka. Von dort käme die gesamte Bürokratie mit all ihren Widersprüchen. Im Gegensatz zu anderen Ländern halte Deutschland dann auch zu allem Überfluss eisern daran fest. Die geplante Flächenstilllegung nannte er schlichtweg einen Wahnsinn. Vor dem Hintergrund des Getreidemangels aufgrund des Ukraine-Krieges könne man doch nicht auch noch in Kauf nehmen, dass wertvolle Produktionsflächen einfach wegfallen. Thomas Hacker sprach sich für preisdämpfende Maßnahmen im Energiebereich aus. Die Kernkraftschraube dürfe man dabei nicht komplett zurückdrehen. „Wir haben den Ausstieg beschlossen, aber vergessen, den Umstieg zu organisieren“, so Hacker mit Blick auf die Diskussion um die Laufzeiten der Kernkraftwerke.

Bild: Vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges werden hierzulande alle Flächen gebraucht. Die geplante Stilllegung von Produktionsflächen war deshalb auch einer der Aufreger beim Abgeordnetengespräch des BBV Bayreuth mit Bundes- und Landespolitikern.

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12.09.2022

Borkenkäfer überlebt auch tiefgefroren / Katastrophale Situation in vielen Wäldern des Kulmbacher Landes

Kulmbach/Marktschorgast. „Die Situation ist absolut einmalig.“ Darin sind sich Stadtförsterin Carmen Hombach und Theo Kaiser, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Kulmbach/Stadtsteinach einig. Der Borkenkäfer hat in vielen Teilen des Kulmbacher Landkreises ganze Arbeit geleistet. Besonders schlimm sei es in den Gemeindegebieten von Grafengehaig, Presseck, Rugendorf und Stadtsteinach. Aber auch viele andere Orte bleiben nicht verschont. Derzeit sind die Forstarbeiter unter anderem in einem Waldstück bei Marktschorgast zugange.

Im Wald der Kulmbacher Stadtwerke hat sich der Käfer dort auf zwei bis drei Hektar ausgebreitet. Es sind viele aneinander gereihte Nester, sagt Stadtförsterin Hombach, die auch Vorsitzende der Waldbesitzer ist. Je nach Bodenbeschaffenheit sei der Käfer mehr oder weniger festzustellen. Flachgründige Standorte auf der Fränkischen Linie seien besonders betroffen, so Kaiser. Gerade im Frankenwald sei die Fichte über viele Jahre hinweg an viel Wasser gewöhnt gewesen und habe deshalb nicht besonders tief gewurzelt. Plötzlich ist das Wasser weg und die Fichte scheitert an der Trockenheit. Und mit der Trockenheit kommt der Käfer.

Zwei bis vier Monate wird es hier im Kulmbacher Stadtwald bei Marktschorgast schon dauern, bis das gesamte Käferholz abgefahren ist. „Die Nachfrage nach Holzeinschlag und Abtransport ist derzeit einfach zu groß“, so der WBV-Geschäftsführer. 5000 Festmeter würden derzeit pro Woche im Kulmbacher Land eingeschlagen, zu normalen Zeiten waren es 500 Festmeter. Klar, dass da die Kapazitäten eng werden. „Das muss man erst einmal alles auf die Reihe kriegen.“

Die mit großem Abstand am meisten betroffene Baumart ist mit 95 Prozent die Fichte. „Wir rechnen damit, dass der Fichtenbestand in unseren Breiten gewaltig zurückgeht“, sagt die Stadtförsterin. Dann habe auch der Käfer nichts mehr zu melden. Bleiben die Jahre weiter so trocken wie jetzt, habe die Fichte unter Umständen überhaupt keine Chance mehr.

Auf einen besonders milden oder besonders strengen Winter zu hoffen, bringt nichts. Der Käfer werde überleben. Bleibt die Witterung mild, dann niste sich der Käfer unter der Baumrinde ein, dann könne man ihn sogar noch am ehesten bekämpfen. Wird der Winter hart, gräbt sich der Borkenkäfer in die Erde ein. „Dann haben wir keine Chance, ihn zu kriegen.“ Versuche hätten sogar ergeben, dass der Borkenkäfer Temperaturen im tiefgefrorenen Zustand mit bis zu minus 18 Grad Celsius überlebt.

Was passiert auf den Flächen, von denen das Käferholz abtransportiert wurde? In dem Waldstück bei Marktschorgast sei bereits mit der Waldverjüngung begonnen worden, erläutert Hombach. Hier wachse das Laubholz schon nach, vor allem Buche und Ahorn. So könne am schnellsten wieder ein geschlossener Bestand heranwachsen. Die große Kunst sei es allerdings, die befallenen Fichten so aus dem Wald zu transportieren, dass die nachwachsenden Laubbäume keinen Schaden nehmen. Da braucht es schon echte Profis.

Ein Lichtblick war es, dass zumindest die Preise im zweiten Quartal des laufenden Jahres nicht schlecht waren. „Nun ist die Entwicklung aber schon wieder rückläufig“, sagt Theo Kaiser, der im Schnitt vom 60 bis 70 Euro pro Festmeter Käferholz spricht. Gründe für die rückläufige Entwicklung gibt es viele. Die Lager der Sögewerke seien voll, die Baukonjunktur lasse aufgrund befürchteter Risiken nach, dazu komme eine unsichere Situation durch die Preissteigerungen. „Die Menschen sind nicht mehr so zuversichtlich.“

Gut vermarkten lasse sich dagegen Energieholz. Gerade bei den Brennholzsortimenten würden die Preise wieder anziehen. Allerdings verdienten sich die Waldbesitzer bei weitem keine goldenen Nasen damit, wie manche vermuten. Immerhin sei Brennholz noch bis Mitte des Jahres defizitär gewesen.

Bilder:
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 In diesem Waldstück nahe Marktschorgast sieht auch der Laie die immensen Schäden, die der Borkenkäfer angerichtet hat.
2. Stadtförsterin Carmen Hombach, Praktikant Noah Partenfelder aus Kirchleus und der Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Kulmbach/Stadtsteinach begutachten das Holz, das im Wald der Kulmbacher Stadtwerke bereits zum Abtransport bereit liegt.

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11.09.2022

Stimmung bei den Bauern: „Zwischen gedämpften Optimismus und purer Verzweiflung“ / Tag der Landwirtschaft lockte viele hundert Besucher nach Schirradorf

Schirradorf. Mit einer großen Land- und Forsttechnikausstellung haben Bauernverband und das Unternehmen Nicklas Landtechnik den Tag der Landwirtschaft gefeiert. Ein Gottesdienst mit dem Posaunenchor Wonsees am Morgen und zahlreiche Attraktionen lockten mehrere hundert Besucher nach Schirradorf, obwohl die traditionelle Oldtimer-Traktorrundfahrt diesmal nicht stattfand. Dafür feierte das Unternehmen seine 25-jährige Partnerschaft mit dem US-amerikanischen Landmaschinenhersteller John Deere. Da durfte natürlich der John-Deere-Fanclub mit seinem Vorsitzenden Friedbert Weiß an der Spitze nicht fehlen.

„Handwerk und Landwirtschaft haben goldenen Boden.“ Davon zeigte sich der Chef des Landtechnikunternehmens Edwin Nicklas überzeugt. Er spielte damit auf den Fachkräftemangel in seiner Branche an. „Wir brauchen dringend Landmaschinenmechatroniker mit Leidenschaft und Liebe zum Beruf“, sagte er. Keine Maschine werde einen qualifizierten Handwerker jemals ersetzen können. Deshalb müsse man den jungen Leuten zeigen, wie gut und wichtig das Handwerk ist.

Wenn der Fachkräftemangel nur das einzige Problem wäre. Edwin Nicklas beschrieb die momentane Stimmung unter den Landwirten als „zwischen gedämpften Optimismus und purer Verzweiflung“. Er sprach von absoluten Krisenzeiten. Eine so hohe Inflation mit Abschwächung der Konjunktur und ein Nachlassen der Investitionsbereitschaft: „So etwas habe ich mit meinen 62 Jahren noch nicht erlebt.“ Verbindliche Lieferzeiten könne er gar nicht mehr nennen, manche Computer-Chips für Landmaschinen, die früher 14 Euro gekostet hätten lägen mittlerweile bei 1400 Euro.

Edwin Nicklas legt Wert darauf, dass die Landtechnik zu den systemrelevanten und krisensicheren Branchen gehört. Trotzdem rückten plötzlich Themen wie Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln und Energie in den Vordergrund. Lange habe in der Politik die Meinung vorgeherrscht, was wir nicht selbst produzieren besorgen wir uns auf den Weltmärkten. Corona und der Krieg in der Ukraine hätten nun gezeigt, wie kurzsichtig und unrealistisch diese Sichtweise ist.

„Versorgungssicherheit, mit landwirtschaftlichen Produkten im eigenen Land und eine umweltverträgliche Landwirtschaft schließen einander nicht aus“, sagte Edwin Nicklas. Doch statt wirksam Hilfe zu leisten überziehe die Politik die Landwirtschaft mit unendlichen Verordnungen, einer ständig wachsenden Bürokratie, Dokumentationspflichten oder neuen Rahmenbedingungen in der Tierhaltung. „Die Regulierungswut und extrem gestiegene Produktionskosten stellten viele Familienbetriebe vor große Probleme oder zwingen sie zum Aufhören.“

Im Rahmen der Land- und Forsttechnikausstellung waren nicht nur Traktoren, neu und gebraucht zu sehen, sondern auch Mähdrescher, Lade- und Silierwagen, Düngestreuer und vieles mehr sowie die gesamte Palette von Technik zur Rasen und Grundstückspflege. Der Besucherstrom aus dem gesamten Landkreis sowie den benachbarten Regionen riss trotz des durchwachsenen Wetter bis zum späten Nachmittag nicht ab..

Bilder:
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 Edwin Nicklas (rechts) vom gleichnamigen Landtechnikunternehmen und Friedbert Weiß vom John-Deere-Fanclub freuten sich über den großen Zuspruch beim Tag der Landwirtschaft in Schirradorf.
2.+3. Zahlreiche Besucher waren zur großen Land- und Forsttechnikausstellung auf das Gelände von Nicklas-Landtechnik in Schirradorf gekommen.

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09.09.2022

„Ohne Wald kein Wild“ / Wald steht vor großen Herausforderungen - Kulmbacher Jägerverein feierte 100. Geburtstag

Kulmbach. „Jäger sind keine Killer.“ Der Satz fiel gleich mehrfach bei der 100-Jahr-Feier des „Jagdschutz- und Jägereins Kulmbach“ am Freitag in den Räumen der Mönchshof-Museen. Die Jagd ist aber auch weder Hobby noch Sport, sondern vielmehr Teil der Landwirtschaft Jagd steht für Natur- und Artenschutz, für den Einsatz der um die Artenvielfalt und für den Schutz des Klimas.

Das Schießen macht bei der Jagd den kleinsten Teil aus, sagte der Vorsitzende Peter Müller aus Thurnau. „Wir wollen vielmehr den Menschen Tiere und Natur näher bringen.“ Ein wichtiger Teil spiele dabei die Umweltbildung, beispielsweise bei Waldspaziergängen für Schulklassen, die der Jägerverein immer wieder anbietet. Wir wollen Wild, Wald, Natur und Landschaft in den Focus rücken, so der stellvertretende Vorsitzende Otto Kreil.

Peter Müller ließ die Geschichte des Jägervereins Revue passieren, der exakt am 26. März 1922 gegründet wurde. Heinrich Hoferer hieß der erste Vorsitzende, ihm folgen Manfred Jarosch, Christian Schröppel und Berthold Höhn, ehe Peter Müller 2004 seine Amtszeit antrat. Als einen Meilenstein nannte er 1950 die Gründung des Kulmbacher Bläser-Corps. Überhaupt seien Bläsergruppen, von denen es mittlerweile sogar zwei gibt, ein bedeutender Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit. Sowohl die Es-Hornbläser, als auch die Parforce-Hornbläser umrahmen beispielsweise regelmäßig die Erntedankgottesdienste oder sorgen mit Standkonzerten für Aufsehen.

Prominente Rednerin zum Jubiläum war die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, die besonders auf die zahlreichen aktuellen Probleme von Wild und Wald einging. Klimawandel, Trockenheit, Dürrejahre, Borkenkäfer, das alles setze dem Wald derzeit gehörig zu. „Ganze Landstriche vertrocknen schlichtweg“, sagte sie mit Blick auf den Frankenwald. Die Jagd alleine werde es nicht schaffen, den Wald zu retten. Sie könne aber einen wichtigen Beitrag dazu leisten. Schließlich müsse gelten: „Es zählt jeder Hektar, den wir retten können“.

Der Wildbestand spielt nach Auffassung der Ministerin deshalb eine wichtige Rolle, weil er in den allermeisten Regionen einfach nicht mehr ausgeglichen sei. Auch in sämtlichen Revieren des Kulmbacher Landkreises sei die Verbissbelastung einfach zu hoch. Kaniber bemühte dabei einmal mehr den Grundsatz „Wald vor Wild“, der zwar im Gesetz so steht, der aber mittlerweile völlig instrumentalisiert werde. „Wald ohne Wild“, das möchte sicher keiner, „Wald und Wild“ klinge zwar sanft, dabei dürfe man aber nicht vergessen, dass es ohne den Wald auch kein Wild gibt. „Mit ist beides wichtig, der Wald, aber auch das Wild“, sagte die Ministerin. „Das eine geht nicht ohne das andere.“

100 Jahre Jagdschutz bedeute auch 100 Jahre Tier- und Naturschutz, sagte der Landtagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende des Landtagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Martin Schöffel. Jäger seien die echten Naturschützer, so Schöffel, der selbst stellvertretender Vorsitzender einer Kreisgruppe des Jagdverbandes im Fichtelgebirge ist. Der oberfränkische Bezirkstagspräsident Henry Schramm appellierte an die Jäger, sich nicht von so manchen Tendenzen „in unserer immer verrückter werdenden Gesellschaft“ abbringen zu lassen. „Lasst euch diese wichtige gesellschaftliche Aufgabe bloß nicht ausreden“, so Schramm. Jagd stehe aber auch für Tradition, so Landrat Klaus-Peter Söllner. Er war sich sicher, dass die Jagd in weiten Teilen der Gesellschaft noch immer hoch angesehen ist. „Sie können auf ihre Arbeit wirklich stolz sein“, brachte es der Kulmbacher Oberbürgermeister Ingo Lehmann auf den Punkt.

Bilder:
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 Seine Parforce-Hornbläser sind für den Kulmbacher Jägerverein ein wichtiger Teil der Öffentlichkeitsarbeit. Zum 100-Jahr-Feier gaben sie im Mönchshof ein kleines Standkonzert.
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 Zahlreiche prominente Gratulanten konnte der Kulmbacher Jägerverein begrüßen (von links): Vorsitzender Peter Müller, BBV-Kreisobmann Harald Peetz, Landrat Klaus-Peter Söllner, der Landtagsabgeordnete Rainer Ludwig, Kulmbachs Oberbürgermeister Ingo Lehmann, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, Landtagsabgeordneter Martin Schöffel, der bayerische Jagdpräsident Ernst Weidenbusch und Bezirkstagspräsident Henry Schramm.
3. Blumen für die Ministerin: Peter Müller überreichte Michaela Kaniber einen bunten Strauß.

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08.09.2022

Bauern kritisieren verfehlte Agrarpolitik / Schirradorfer Bauerntag: Schlagabtausch mit der Ministerin

Schirradorf. Zur Generalabrechnung mit der Agrarpolitik hat der neue Kulmbacher Kreisobmann Harald Peetz den Schirradorfer Bauerntag auf dem Gelände des Landtechnikunternehmens Nicklas genutzt. Peetz sprach von einer völlig verfehlten Politik und ging vor allem mit Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hart ins Gericht. Der Kreisobmann sparte aber auch nicht mit Kritik an der bayerischen Politik und an Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Sie war die Hauptrednerin des Bauerntages.

Was die extreme Dürre in diesem Sommer angeht, so könne es im nächsten Jahr eigentlich nur noch besser werden. Von der Politik habe er diese Hoffnung allerdings nicht mehr. Vor allem Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir gebe ein „trauriges Bild“ ab. Der Minister sei immer auf Seiten der anderen, nie auf der Seite der Bauern. Mittlerweile würden die Bauern nicht mehr vom Landwirtschafts-, sondern vom Umweltministerium regiert. Aber auch in Bayern sei längst nicht mehr alles Gold, was glänzt, so Harald Peetz. Die Politik schiele nur mehr auf die Wähler in den Ballungszentren. Das flache Land gerate dabei in Vergessenheit.

Der Kreisobmann wehrte sich vor allen dagegen, dass überall grüne Ideologien durchgesetzt werden sollen. Artenvielfalt, Biodiversität oder Insektenschutz seien zwar richtig. Dabei gerate allerdings in Vergessenheit, dass die Bauern die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln sicherstellen. „Wenn ich die Produktion hier einschränke, dann mache ich mich vom Ausland abhängig“, sagte Harald Peetz. Niemand könne dann mehr für Umweltstandards, Tierwohl oder sachgerechten Pflanzenschutz garantieren.

Statt ständig neuer Auflagen und immer mehr Bürokratie bräuchten die Bauern eine zuverlässige Politik, die fest an ihrer Seite steht. Jeder Betrieb, der jetzt aufgibt, sei für immer verloren. Das Ende der Schweinehaltung sei bereits eingeläutet.

Kreisobmann Peetz ging Ministerin Kaniber aber auch direkt wegen deren Aussagen zur Anbindehaltung an. Diese seien „überflüssig wie ein Kropf“ gewesen und hätten nur Wasser auf die Mühlen der Tierhaltungsgegner gebracht. In Zukunft werde man noch froh sein, wenn man überhaupt noch Milch habe, egal aus welcher Haltungsform. Darüber hinaus würden in Deutschland ohnehin keine Anbindeställe mehr gebaut und die Anbindehaltung laufe sowieso aus.

Das ließ die Ministerin so nicht auf sich sitzen. Einige Molkereien hätten schon damals keine Milch mehr aus Anbindehaltung angenommen. Als das bekannt wurde, habe sie es auch gesagt. „Mir war es wichtig, dass die bayerischen Bauern wissen, wohin die Reise geht“, sagte Kaniber. Auf diese Situation müssten sich die Landwirte einstellen. Die Ministerin hatte im vergangenen Jahr in einer Regierungserklärung angekündigt, dass die ganzjährige Anbindehaltung so schnell wie möglich beendet werden muss.

Was die Beurteilung der Bundespolitik aus Sicht der Landwirtschaft anging, teilte die Michaela Kaniber allerdings die Meinung von Kreisobmann Peetz und fand dafür ungewöhnlich scharfe Worte. „Özdemir hat weder Interesse an, noch Verständnis für die Landwirtschaft“, sagte sie. „Die grünen Pazifisten kennen sich mittlerweile mit Panzern besser aus, als wir das jemals taten“. An dem Thema Ernährungssicherheit hätten die Grünen dagegen kein Interesse.

Die Ministerin plädierte für eine grundlegende Neubewertung des sogenannten Green Deals (Reduzierung der Netto-Emissionen von Treibhausgasen bis 2050 auf null), als auch der gesamten gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik. Die Situation habe sich mittlerweile völlig verändert. Nach jetzigem Stand würden die geplanten Flächenstilllegungen zu jeweils einem Drittel weniger Rindfleisch und Getreide führen. Zudem würde Özdemirs Ankündigung „öffentliches Geld nur noch für öffentliche Leistungen“ nichts anderes bedeuten, als 50 Prozent weniger Einkommen für die Bauern.

Bilder:

1.       Der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel, Kreisbäuerin Beate Opel, Landtagsabgeordneter Rainer Ludwig, Ministerin Michaela Kaniber, Landrat Klaus-Peter Söllner, Gabi und Edwin Nicklas, Bürgermeister Andreas Pöhner und Kreisobmann Harald Peetz (von links) beim Schirradorfer Bauerntag auf dem Gelände des Landtechnikunternehmens Nicklas.
2.
 BBV-Kreisobmann Harald Peetz.
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 Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber.
4. BBV-Kreisbäuerin Beate Opel und Kreisobmann Harald Peetz überreichten der Ministerin einen getöpferten Erinnerungsteller aus Thurnau als Gastgeschenk.

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08.09.2022

Gemeinschaft statt Leerstand / Förderoffensive macht es möglich: Neues Dorfgemeinschaftshaus in Grafengehaig eingeweiht

Grafengehaig. Nach drei Jahren Umbauzeit und mit einem Kostenaufwand von gut 1,4 Millionen Euro ist in der Ortsmitte von Grafengehaig ein Dorfgemeinschaftshaus mit Begegnungsstätte, Vereinszimmern, Praxisräumen und einem Dorfladen entstanden. Das Projekt wurde zu 90 Prozent aus der Förderoffensive Nordostbayern bezuschusst. „Damit unterstützen wir gezielt die ländlichen Gemeinden in Oberfranken und der Oberpfalz bei der Innenentwicklung“, sagte die für das Programm zuständige Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber bei der Einweihung.

In dem denkmalgeschützten Haus am Marktplatz war zuletzt eine Sparkassenfiliale untergebracht. Früher beherbergte das stattliche Gebäude einen Gasthof. Nun hatte der Markt Grafengehaig das Haus erworben und zu einer Begegnungsstätte umgewandelt. „Damit geht auch der Wunsch vieler Grafengehaiger Bürgerinnen und Bürger in Erfüllung“, so Bürgermeister Werner Burger.

Marktplatz, Dorfladen, ein Freisitz für Besucher und ein Mehrgenerationenspielplatz sollen künftig eine Einheit bilden, sagte das Gemeindeoberhaupt. Ein neu erbautes barrierefreies Mehrfamilienhaus mit fünf Wohneinheiten mit Mitteln aus dem bayerischen Wohnraumförderprogramm runde die Lage hervorragend ab. Als die Förderoffensive Nordostbayern im Jahr 2017 auf den Weg gebracht worden sei, habe Grafengehaig sofort reagiert und die Projekte angemeldet, erinnerte sich der Bürgermeister. Zusammen mit einem kleinen Bürgergarten in Eppenreuth könne das Projekt nun erfolgreich abgeschlossen werden.

Genau das sei auch der Zukunftsweg für die ländlichen Kommunen, so Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Es müsse darum gehen, lebendige und attraktive Ortskerne zu sichern, Flächen und Ressourcen zu schonen und den eigenständigen Charakter des Dorfes zu bewahren. All das sei in Grafengehaig hervorragend gelungen. Mit diesem zentralen Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft habe der Ort ein Stück oberfränkische Heimat und prägende Baukultur für die nächste Generation erhalten. „Mit diesen Projekten in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rathaus ist aus der Ortsmitte von Grafengehaig ein richtiges Schmuckstück geworden“, sagte die Ministerin.

Insgesamt hätten im Rahmen der Förderoffensive Nordostbayern in Oberfranken und in der Oberpfalz 192 Vorhaben auf den Weg gebracht werden können. Ihr Ministerium habe dafür Mittel in Höhe von 70 Millionen Euro bewilligt, bilanzierte Michaela Kaniber.

Dorfgemeinschaftshaus und Dorfladen stünden für Gemeinschaft, sagte Landrat Klaus-Peter Söllner. Gerade in den Dörfern sei die Gemeinschaft durch nichts zu ersetzen, auch nicht durch soziale Medien. Von einem Musterbeispiel in einer Modellkommune im ländlichen Raum sprach der Landtagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende des Landtagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Martin Schöffel. Pfarrerin Heidrun Hemme nahm die kirchliche Segnung des Anwesens vor, ehe sich die Ministerin in das Goldene Buch der Gemeinde eintrug und einen Rundgang durch das Dorfgemeinschaftshaus, den Dorfladen und den Mehrgenerationenspielplatz startete

Bilder:
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 Der Kulmbacher Landrat Klaus-Peter Söllner, Landtagsabgeordneter Martin Schöffel, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, Bürgermeister Werner Burger und Landtagsabgeordneter Rainer Ludwig (von links) freuten ich über den gelungenen Umbau des zuletzt leerstehenden Anwesens zum Dorfgemeinschaftshaus.
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 Ein wichtiger Bestandteil des neuen Areals mitten in Grafengehaig ist der Dorfladen.

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26.08.2022

Musterbeispiel: Strom und Wärme aus regenerativen Energien / Hackschnitzelheizwerk und Biogasanlage in Hollfeld waren Vorreiter

Hollfeld. Um die Energiewende bewältigen zu können, braucht es einen Mix aller regenerativen Möglichkeiten. „Wenn wir nicht von den fossilen Energieträgern wegkommen, geht die Welt zugrunde“, meint Michael Schatz (65). In Sachen Hackschnitzel und Biogas gehört der Landwirt aus Hollfeld zu den Pionieren. Er hatte viel früher als die meisten anderen die entscheidenden Anstöße zum Bau einer Hackschnitzelheizung und einer Biogasanlage gegeben. Die Hollfelder Anlagen gelten heute gerade vor der aktuellen Entwicklung mit einer Explosion der Preise bei fossilen Brennstoffen in jeder Hinsicht als mustergültig.

Aktuell versorgen Hackschnitzelheizung und Biogasanlage unter anderem die Gesamtschule, die Grundschule, zwei Kindergärten, das Rathaus, das Altenheim, Kirche und Stadtapotheke und viele Privatleute mit Wärme. Pro Jahr werden, je nachdem wie streng der Winter ausfällt, 700000 bis 800000 Liter Heizöl eingespart. Der erzeugte Strom wird ins Netz eingespeist.

„Die Hollfelder Anlage ist beispielhaft“, sagt Schatz, der zusammen mit Manuel Appel vom Maschinenring als Geschäftsführer an der Spitze der Biogasanlage steht. Gesellschafter sind in erster Linie die beteiligten Bauern über die MR Agrarservice GmbH, die Stadt Hollfeld, der Zweckverband Gesamtschule, die Waldbauernvereinigung Hollfeld und der Maschinenring Fränkische Schweiz.

Michael Schatz sieht im Biogas ganz klar viele Vorteile vereint. Vor allem könne man den Ertrag von den Feldern dort verwenden, wo er am dringendsten gebracht wird, auf dem Teller, also für die Nahrungsmittelproduktion, oder für den Tank, also zur Energieerzeugung mit Strom und Wärme. Als weiteren Vorteil bezeichnete er es, dass man das für die Anlage notwendige Material lagern und somit auch mal eine Dürrejahr, wie das jetzige überbrücken kann.

Bereits 2003 setzte man in Hollfeld auf regenerative Energien. Als die Gesamtschule eine neue Heizung benötigte, entschied man sich für die Wärme von Hackschnitzeln. Schnell kamen Grundschule, Rathaus und einige Privatleute dazu, so dass die Wärme schon bald nicht mehr ausreichte. An der Leistungsgrenze angekommen musste also eine weitere Energiequelle erschlossen werden. Die Lösung sah man im Bau einer Biogasanlage. 28 Landwirte aus der engsten Umgebung hatten sich von Anfang an daran beteiligt, brachten Geld als Darlehen ein und gingen eine Lieferverpflichtung ein. Die Investition lag damals bei 2,3 Millionen Euro. Rein theoretisch erzeugt die Anlage so viel Strom, wie in der Stadt Hollfeld verbraucht wird. Mit der Abwärme könne man den Bedarf gut decken.

Der Mix aus Biogas und Hackschnitzeln sei absolut richtig gewesen, sagt Michael Schatz. Im Moment könne man sich vor Nachfragen kaum retten. „Wir haben Anfragen von Privatleuten ohne Ende.“. Gerade habe man wieder fünf neue Haushalte an das vier Kilometer lange Leitungsnetz angeschlossen. Der jetzige Hackschitzelofen habe eine Leistung von 1000 kw, die Biogasanlage von zwei Mal 400 kw. Aktuell bestücken 30 Bauern die Anlage mit Gülle, Ganzpflanzensilage, Gras und der Energiepflanzen Silphie. Den Gärrest bekommen die Bauern zurück.

Trotz der aktuell katastrophalen Ernte seien die Speicher derzeit gut gefüllt und reichten auch über den Winter. Ein zweites Dürrejahr, so wie das jetzige, dürfe allerdings nicht noch einmal kommen. In der Biogasanlage beschäftigt die GmbH mit Landwirtschaftsmeister Roland Beetz als Betriebsleiter eine Vollzeitkraft. Geschäftsführung und Buchhaltung besorgt der Maschinenring.

Bild: Geschäftsführer Michael Schatz (links) und Betriebsleiter Roland Beetz sorgen auf der Hollfelder Biogasanlage für die optimale Versorgung.

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23.08.2022

Landwirtschaft wieder in die Mitte der Gesellschaft rücken / Beate Opel löst Anneliese Göller als oberfränkische Bezirksbäuerin ab

Himmelkron. Die Kulmbacher Kreisbäuerin Beate Opel aus Neufang bei Wirsberg ist die neue oberfränkische Bezirksbäuerin. Bei der Wahl in Himmelkron wurde sie einstimmig für die nächsten fünf Jahre in das Amt gewählt. Die 62-Jährige löst damit die bisherige Bezirksbäuerin Anneliese Göller aus dem Landkreis Bamberg ab, die nicht mehr zur Wahl angetreten war.

Beate Opel ist bereits seit dem Jahr 2017 auf oberfränkischer Ebene als stellvertretende Bezirksbäuerin aktiv. Sie wurde erst vor kurzem zum dritten Mal zur Kulmbacher Kreisbäuerin gewählt, gleichzeitig ist sie seit 30 Jahren als Ortsbäuerin tätig. Beate Opel hat zwei Töchter und einen Sohn, zusammen mit ihrer Familie bewirtschaftet sie einen Milchviehbetrieb mit Bullenmast.

Zur neuen stellvertretenden Bezirksbäuerin wählten die Delegierten mit großer Mehrheit die Lichtenfelser Kreisbäuerin Marion Warmuth. Beisitzerinnen im Bezirksvorstand sind die neue Forchheimer Kreisbäuerin Christine Werner (43), die Wunsiedler Kreisbäuerin Karin Reichel und Nicole Werthmann (40) aus Sassanfahrt im Landkreis Bamberg.

In ihrer Antrittsrede appellierte Beate Opel vor allem an den Zusammenhalt. „Ich möchte, dass wir zu einer großen Familie zusammenwachsen“, sagte sie vor dem Hintergrund der anstehenden Herausforderungen nicht nur in der Landwirtschaft, sondern in der gesamten Gesellschaft. Die neue Bezirksbäuerin bedankte sich bei ihrer Vorgängerin Anneliese Göller, die vieles angestoßen und eine herausragende Arbeit geleistet habe.

Ziel der Landfrauenarbeit sollte es auch in Zukunft sein, ein besonderes Augenmerk auf die Öffentlichkeitsarbeit zu legen und dabei besonders bei Kindern anzusetzen. Die Landwirtschaft sei leider nicht mehr in der Gesellschaft verankert, deshalb sollte es die Aufgabe der Landfrauen sein, vor allem Kinder und Jugendliche auf die Höfe zu holen, um Zusammenhänge aufzuzeigen und Landwirtschaft zu erklären. Beate Opel appellierte aber auch an das Selbstbewusstsein der Landfrauen: „Wir leiste eine schwere Arbeit, das soll uns erst einmal jemand nachmachen.“

Zuvor war Anneliese Göller als oberfränkische Bezirksbäuerin mit lang anhaltendem Applaus und Standing Ovations verabschiedet worden. Sie war 15 Jahre als Bezirksbäuerin und vorher fünf Jahre als Stellvertreterin tätig. As oberstes Ziel der Landfrauenarbeit bezeichnete es Anneliese Göller, die Landwirtschaft in der Mitte der Gesellschaft zu verankern. „Die Themen verändern sich, nicht aber die gemeinsamen Ziele“, sagte sie. Der Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft gehöre dazu genauso wie die Schaffung einer lebenswerten Zukunft gerade für den ländlichen Raum.

Ein besonderes Augenmerk legte Anneliese Göller auf die zurückliegende Wahlperiode, die aufgrund der Corona-Pandemie anders als alle je zuvor gewesen sei. „Corona hat uns ausgebremst und stellte uns vor große Herausforderungen“, doch auch das hätten die Landfrauen bewältigt, unter anderem mit dem ersten bayerischen virtuellen Landfrauentag.

Bis zur Neuwahl am 17. Oktober in Herrsching bleibt Anneliese Göller als Landesbäuerin noch im Amt.

Bilder.
1. Beate Opel folgt auf Anneliese Göller als neue oberfränkische Bezirksbäuerin Im Bild von links: Anneliese Göller, BBV-Direktor Dr. Wilhelm Böhmer, Christine Werner, Marion Warmuth, Beate Opel, Nicole Werthmann, Karin Reichel und der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif.

2. Die bisherige Bezirksbäuerin Anneliese Göller (rechts) gratulierte ihrer Nachfolger Beate Opel.

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25.07.2022

Bauern nehmen Artenschutz ernst / Ortstermin zum Insektenschutz in Laubersreuth bei Münchberg

Laubersreuth. Imker, Jäger und Landwirte engagieren sich für Insekten- und Artenschutz, und das nicht erst seit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“. Darauf hat der Bauernverband Hof mit einer medienwirksamen Aktion auf den Flächen von Klaus-Dieter Bäger aufmerksam gemacht. Der Landwirt aus Konradsreuth legt schon seit weit über zehn Jahren Blühwiesen rund um seine Flächen in Laubersreuth bei Münchberg an.

„Darunter sind sowohl einjährige, als auch mehrjährige Blühflächen“, sagt Klaus-Dieter Bäger, der die verschiedensten Mischungen einsetzt, um damit die Insektenvielfalt zu fördern. 600 Euro pro Hektar koste allein das Saatgut, sagt der Landwirt. Die Verarbeitung und die Pflege müsse man noch hinzurechnen.

„Landwirtschaftliche Betriebe erbringen umfangreiche kooperative Umweltleistungen auf freiwilliger Basis auf ihren Flächen“, heißt es von Seiten des Bauernverbandes. So legten sie unter anderem Blühstreifen und Gewässerrandstreifen an oder setzten auf eine besonders vielfältige Fruchtfolge. „Ob es um Bienen oder Insekten geht, um bedrohte Arten wie Lerchen oder Feldhamster, die Haltung alter Haus- und Nutztierrassen oder den Anbau alter Obst- und Gemüsesorten: „Bayerns Bäuerinnen und Bauern nehmen den Artenschutz ernst“.

Auch die Jäger investierten in Blühflächen, sagt Heinz Kammerer von der Jägerschaft Münchberg. Allein an 25 verschiedenen Flächen habe man sich zwischen den Jahren 2019 bis 2021 beteiligt, um Überwinterungsmöglichkeiten für Insekten zu schaffen. Das sei auch dringend notwendig, so Robert Bayreuther vom Imkerverein Münchberg. Seinen Worten zufolge gibt es allein 550 verschiedene Wildbienenarten in Deutschland. Nicht nur für sie würden durch das Engagement von Bauern, Imkern und Jägern Rückzugsorte für alle möglichen Insekten geschaffen, sagt Wildlebensraumberaterin Lisa-Mareen Fischer vom Landwirtschaftsamt Bayreuth-Münchberg.

Die Kulturlandschaft um Münchberg, in Sichtweite zur Bundesautobahn A9, weist schon durch ihre Topographie einige Besonderheiten auf. Hier ist die Flur schon seit jeher von Ödlandflächen, Böschungen, Rainen und Hecken durchzogen, was den Insekten besonders zu Gute kommt. Solche Standorte gelte es zu erhalten, sagt die Wildlebensraumberaterin.

Der Einsatz für Insekten sei aber auch eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung und nicht nur auf Landwirte, Jäger und Imker beschränkt. Auch Gartenbesitzer in den Siedlungen seien gefragt, wenn es um die Anlage und Pflege ihres Rasens geht. „Sogar ein Balkonkasten kann insektenfreundlich angepflanzt werden“, so Theresa Hick vom Bauernverband. Jeder habe die Möglichkeit, die Insektenvielfalt zu fördern, jeder einzelne könne seinen Beitrag dazu leisten, indem er auf insektenfreundliche Pflanzen setzt.

Bauern und Imker verbindet auch die Aktion „Blühende Rahmen“, die bereits seit 2011 läuft und die vom Bauernverband und dem Landesverband der Bayerischen Imker getragen wird. Jahr für Jahr werden im Rahmen dieser Aktion nahezu unzählige Blühstreifen und Blühflächen angelegt. Bereits 2014 haben die bayerischen Bauern für dieses freiwillige Engagement den „European Bee Award“ erhalten.

Bild: Mitten in einer insektenfreundlichen Blühwiese trafen sich zu einem öffentlichkeitswirksamen Termin (von links): Lisa-Mareen Fischer, Heinz Kammerer, Theresa Hick, Alfred Ott, Klaus-Dieter Bäger, Robert Bayreuther und Andreea Strößner.

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22.07.2022

Mit einem Lächeln geht alles leichter / Ernste und heitere Worte beim ersten Bayreuther Landfrauentag nach zweieinhalb Jahren Corona-Pause

Bayreuth. Zwei Jahre ist es her, dass sich die Bayreuther Landfrauen zum letzten Mal persönlich im großen Rahmen getroffen haben. Jetzt war es endlich wieder soweit. Zu diesem ganz besonderen Landfrauentag in einer Halle der Landwirtschaftlichen Lehranstalten hatte man sich deshalb auch viel Zeit genommen und ein beinahe tagesfüllendes Programm ausgedacht. Es reichte von einer Ökumenischen Andacht am Morgen bis zu einer umfangreichen Tombola am späteren Nachmittag. Höhepunkt war der Auftritt von Stargast Volker Heißmann, ein Teil des TV-bekannten Komiker-Duos Heißmann und Rassau aus Fürth.

So witzig Volker Heißmann auch sprach, so ernst war seine Botschaft: „Mit einem Lächeln geht alles leichter“. Sein Ziel, den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, das hat er an diesem Nachmittag mehr als erreicht. Mit manchmal fast ein wenig derber Komik brachte er den Frankenfasching nach Bayreuth, berichtete von seinen landwirtschaftlichen Erfahrungen in der Kindheit, vom Aufwachsen im Angesicht der Fürther Paulskirche und vom Krippenspiel, in dem er dank seines Knabensoprans die Maria darstellen musste. Zum Mariechen sei es da gar nicht mehr weit gewesen, sagte er. Tatsächlich war er über die Kirche zu Bühne gekommen, vom Gemeindehaus in die Fürther „Comödie“ sozusagen, und irgendwann erstreckten sich seine Auftritte nicht mehr nur auf Nürnberg, Fürth und Erlangen, sondern teilweise auch weit darüber hinaus, etwa bis Plech, Gefrees und Bayreuth, so merkte er augenzwinkernd an.

„Sie können mit einem Lächeln ihr Leben besser meistern“, gab Volker Heißmann den Landfrauen mit auf den Weg. Egal, was im Leben passiere, das Lächeln kehre immer wieder zurück. Wer lächelt, der schütte auch Glückshormone aus, sagte er und riet den Damen, das Lächeln mit nach Hause zu nehmen. Dann gehe auch auf dem Hof die Arbeit viel besser von der Hand.

Für ernste Gedanken stand auch die Rede von Kreisbäuerin Angelika Seyferth. Durch die Corona-Krise und zuletzt durch den Krieg in der Ukraine sei die Wertschätzung von Lebensmitteln und damit auch der Bauern vor Ort wieder etwas gestiegen, sagte sie. Besonders die Direktvermarkter hätten das durchaus zu spüren bekommen. Viele Menschen hätten wieder gemerkt, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass es in der Region genügend Lebensmittel gibt und dass man sich hierzulande selbst versorgen kann. Die Kreisbäuerin versprach: „Wir werden auch in Zukunft die Versorgung mit hochwertigen regionalen und Lebensmitteln sicherstellen.“

Nun aber treibe nicht nur die Bauern die große Sorge um, wie es mit der Rohstoff- und Energieversorgung weitergehen soll. Was geschieht, wenn es kein Gas mehr gibt und Schlachthöfe und Molkereien nicht mehr arbeiten können? Auch wenn das Jahresthema der Landfrauenarbeit im Bauernverband „Blick durch das Schlüsselloch in Richtung Zukunft“ lautet, so hatte doch niemand die Antworten auf Fragen wie diese.

Die Ökumenische Andacht zum Auftakt des Landfrauentages feierten Pfarrer Thomas Karukayil von der katholischen Pfarrei Eckersdorf und der evangelische Pegnitzer Dekan Markus Rausch aus Pegnitz. Auch der Bayreuther Landfrauenchor kam nach zweieinhalb Jahren Pause zum ersten Mal wieder zu einem öffentlichen Auftritt zusammen. Die Einnahmen aus einer Tombola und der Verkaufserlös von Kaffee, Kuchen und Torten gingen an die vor zwei Jahren abgebrannte Lebenswerk gGmbH (Werkstatt für Behinderte) der Diakonie Bayreuth. Damit möchten auch die Landfrauen einen kleinen Teil zum Wiederaufbau beitragen, so Kreisbäuerin Angelika Seyferth.

Bild (unten): Kreisbäuerin Angelika Seyferth (rechts) und ihre Stellvertreterin Doris Schmidt überraschten Volker Heißmann mit einer Großpackung Gummibärchen als außergewöhnliches Geschenk. Der Komiker hat dafür eine ganz besondere Schwäche.

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18.07.2022

Borkenkäfer-Situation ist dramatisch / WBV Kulmbach/Stadtsteinach warnt vor Katastrophe - Sinkende Auftragslage trifft auf Überangebot

Himmelkron. Eigentlich müsste man sich freuen über die riesige Menge an Holz, die von der Waldbesitzervereinigung Kulmbach/Stadtsteinach im Auftrag ihrer Mitglieder im zurückliegenden Jahr vermarktet wurde. Der riesige Anstieg von 150000 Festmeter in 2020 auf 210000 Festmeter Holz im zurückliegenden Jahr ist allerdings im Wesentlichen auf den Borkenkäfer zurückzuführen. „Es ist fast wie eine Notschlachtung, aber das Käferholz muss weg“, sagte Geschäftsführer Theo Kaiser bei der Jahresversammlung in Himmelkron.

Dabei haben die Preise im zurückliegenden Jahr schon wieder angezogen. Die Talsohle des Jahres 2020 habe man 2021 mit Durchschnittserlösen von 51 Euro pro Festmeter (Vorjahr 31 Euro) bei der Fichte und 46 Euro (Vorjahr 24 Euro) pro Festmeter bei der Kiefer durchschritten. Dennoch bei der Fichte beispielsweise treffe die sinkende Auftragslage der Sägeindustrie auf ein zu erwartendes Überangebot beim Rundholz.

Schuld an der ganzen Misere sind nach den Worten des Geschäftsführers einzig und allein Trockenheit und Hitze. Sie setzten dem Wald massiv zu. Der Borkenkäfer könne sich ungehindert vermehren, eine weitere Massenvermehrung stehe bevor. „Die Situation ist dramatisch“, sagte Theo Kaiser. Wenn es mit der Hitze so weitergeht, sei eine echte Katastrophe zu erwarten. Der Geschäftsführer appellierte deshalb eindringlich an alle Waldbesitzer, den Waldumbau aufgrund des Klimawandels rasant anzupacken.

Der Borkenkäfer ist allerdings nicht das einzige Problem, mit dem sich die Waldbesitzer derzeit herumschlagen müssen. Ungemach droht auch von politischer Seite, wie die Vorsitzende Carmen Hombach erläuterte. Größtes Problem ist, dass sich Betriebe mit über 100 Hektar verpflichten müssen, fünf Prozent Wald stillzulegen, also nicht mehr zu bewirtschaften, wenn sie in den Genuss der Bundesprämie kommen wollen. „Das ist nicht zielführend, das passt nicht in unsere Zeit“, sagte die Vorsitzende. „Wir brauchen unser Holz als Gegenwarts- und Zukunftswerkstoff.“ Die Zwangsstillegung komme einer Enteignung gleich.

Man könne Waldflächen nicht aus der Nutzung nehmen und dafür Holz aus fraglichen Quellen importieren und dann auch noch für den weiten Transport wertvolle Energie verschwenden. „Wir hier vor Ort wirtschaften nachhaltig mit Sinn und Verstand, unsere Wälder sind zertifiziert und wir handeln nach dem Grundsatz schützen und nützen“, sagte die Vorsitzende. Sie gab auch zu bedenken, dass man beim Holz den Kreislauf selbst in der Hand habe. „Kein Hahn kann zugedreht werden.“

Die steigende Menge an vermarktetem Holz machte sich auch in der Bilanz der WBV Kulmbach/Stadtsteinach bemerkbar. Hatte der Zusammenschluss im Auftrag seiner Mitglieder 2020 noch rund 2,6 Millionen Euro umgesetzt, waren es 2021 mit 5,5 Millionen Euro mehr als das Doppelte. Die Summe setzt sich im Wesentlichen aus Handelsgeschäften, also aus Holz, das im Auftrag der Mitglieder vermarktet wurde sowie aus Dienstleistungen zusammen. Auch für das laufende Jahr geht Kassiert Rudolf Hafner wieder von Einnahmen in Höhe von fast sechs Millionen Euro aus.

Die WBV Kulmbach/Stadtsteinach hatte zu Jahresbeginn 1955 Mitglieder, 77 mehr als noch im zurückliegenden Jahr. Zusammen bewirtschaften sie eine Waldfläche von 13286 Hektar. Seit Januar ist die Mitgliederzahl den Worten von Theo Kaiser zufolge noch einmal auf 1987 angestiegen.

Bei den turnusgemäßen Neuwahlen wurde die bisherige Vorstandschaft im Wesentlich bestätigt. Vorsitzende bleibt Carmen Hombach aus Kulmbach, Stellvertreter Heinz Reiner aus Presseck, Kassier Rudolf Hafner aus Mainleus und Schriftführer Horst Degelmann aus Premeusel. Der „Ausschuss“, also die erweiterte Vorstandschaft setzt sich zusammen aus: Robert Fürst (Hohenberg), Peter Göppner (Altenreuth), Gerhard Hahn (Dörnhof), Michael Milewski (Hanauerhof), Siegfried Beyer (Presseck), Rainer Schmidt (Waizendorf), Otto Schröppel (Neuenmarkt) und Markus Teller (Neuenreuth am Sand).

Bild: Auch im Kulmbacher Land, wie hier bei Marktleugast, warten derzeit riesige Holzmengen auf den Abtransport.

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14.07.2022

Schulkinder im Focus der Landfrauen / Beate Opel bleibt Kreisbäuerin – Große Veränderungen in der Vorstandschaft

Kulmbach. Beate Opel bleibt Kreisbäuerin von Kulmbach. Die 62-jährige aus Neufang bei Wirsberg wurde bei der Verbandswahl der Landfrauengruppe im Bauernverband ohne Gegenstimme in ihrem Amt bestätigt. Große Veränderungen gibt es dagegen in der übrigen Vorstandschaft. Gudrun Passing aus Oberdornlach löst Silvia Schramm (Marktleugast) als stellvertretende Kreisbäuerin ab. Schramm wiederum wurde in den Beirat gewählt. Der übrige Beirat, also die erweiterte Vorstandschaft, setzt sich aus Franziska Bär (Buch am Sand), Manuela Vogler (Kunreuth), Susanne Kraus (Gemlenz) und Marion Hartmann (Waldau) zusammen.

Für Beate Opel ist es die dritte Amtszeit. Sie wurde vor zehn Jahren zum ersten Mal zur Kreisbäuerin gewählt. Gleichzeitig ist sie seit 30 Jahren als Ortsbäuerin tätig und seit 2017 auch stellvertretende oberfränkische Bezirksbäuerin. Zusammen mit ihrer Familie bewirtschaftet sie einen Milchviehbetrieb mit Bullenmast.

Die alte und neue Kreisbäuerin ließ bei der Verbandsversammlung noch einmal die zurückliegende Wahlperiode Revue passieren, die zumindest bis zur Corona-Pandemie von zahlreichen gesellschaftlichen politischen und bildungspolitischen Veranstaltungen geprägt war. Als ganz besonders wichtiges Thema der Landfrauenarbeit bezeichnete sie das Projekt „Landfrauen machen Schule“, bei dem Schulkinder mit der Arbeit der Landwirte konfrontiert werden. „Wir müssen den Kindern zeigen, wo ihr Essen herkommt“, sagte sie. Die Landfrauen müssten zeigen, wie man gesundes Essen zubereitet, wie man pfleglich mit der Natur umgeht und wie die Bauern wirtschaften. Bei Kindern könne man damit noch etwas bewirken, bei Erwachsenen sei dies ungleich schwieriger.

Auch die bayerische Landesbäuerin und oberfränkische Bezirksbäuerin Anneliese Göller berichtete von den Schwierigkeiten, die Corona in der Landfrauenarbeit mit sich gebracht habe. „Es war eine Wahlperiode wie keine andere zuvor“, sagte sie. Die Landfrauen seien mit Schwung gestartet und dann jäh ausgebremst worden. Auch wenn bei den Landfrauen stets die persönliche Begegnung im Vordergrund steht, sei man mit den technischen Möglichkeiten sehr gut zurechtgekommen und habe die Arbeit gut aufrechterhalten können.

Es werde immer schwieriger Menschen zu finden, die bereit sind, sich zu engagieren, sagte der für alle drei fränkischen Regierungsbezirke zuständige Bauernverbandsdirektor Dr. Wilhelm Böhmer. Umso dankbarer könne man im Landkreis Kulmbach sein, dass sich in nahezu allen Ortsverbänden wieder Frauen gefunden hätten, um das Amt der Ortsbäuerin zu begleiten. Auch ein politisches Thema sprach Böhmer an. So wehrten sich die Landwirte derzeit gegen die politische Vorgabe vier Prozent der Fläche stillzulegen. Bei Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir sei dabei auch beim Deutschen Bauerntag vor wenigen Wochen keinerlei Bewegung erkennbar gewesen. Allerdings gebe es vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine Signale aus Brüssel, nach denen es die Länder künftig in der Hand haben sollen, ob die vier Prozent Pflichtbrache durchgesetzt werden sollen, oder nicht.

Bild: Gruppenbild der neuen Kreisvorstandschaft der Kulmbacher Landfrauen mit (hinten von links): Geschäftsführer Harald Köppel, Marion Hartmann, Franziska Bär, Silvia Schramm, Kreisobmann Harald Peetz, BBV-Direktor Wilhelm Böhmer. Vorne von links: Bezirks- und Landesbäuerin Anneliese Göller Manuela Vogler, Susanne Kraus, Beate Opel und Gudrun Passing.

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13.07.2022

Braune Wiesen, dünner Mais, kümmerliche Sommergerste / Bauern gehen von unterdurchschnittlicher Ernteerwartung aus

Die Landwirte in ganz Bayern rechnen in diesem Jahr mit einer unterdurchschnittlichen Getreideernte. Während in Südbayern relativ gute Bestände auf den Feldern stehen, wird es in Nordbayern trockenheitsbedingt geringere Getreideerträge geben. Dazu kommt eine angespannte Situation auf dem Weltmarkt. Zum einen sind die Aussichten auf die Ernte dem Bauernverband zufolge in ganz Europa schlecht. Zum anderen sei die Transportlogistik aus wichtigen Erzeugerländern wie der Ukraine aufgrund des Krieges nach wie vor nicht sicher. Sorge bereiten den Bauern auch die enormen Preisanstiege in der gesamten Lieferkette. Wie ist die Situation vor Ort?

„Es schaut nicht gut aus“, sagt Harald Köppel, der als Geschäftsführer des Bauernverbandes für die Landkreise Bayreuth, Kulmbach und Kronach tätig ist. Die Witterung spreche für sich. Braune Wiesen, kümmerlicher Mais, eine sehr dünne Sommergerste, das alles hänge mit dem Wasser und der Temperatur zusammen. Grünland oder Mais seien nicht mehr gewachsen, Sommergerste habe teilweise verkürzte Ähren, weil das Wasser schlicht und einfach gefehlt habe. Teilweise seien die Ähren nicht einmal halb so lang, wie sie sein sollten. Auch die Körner des Wintergetreides seien nicht gefüllt worden, weil das Wasser ausgeblieben ist.

Regional gestalte sich die Situation dabei unterschiedlich. Im Unterland sei es teilweise noch schlechter, als im Oberland. Manchmal sei die Situation sogar von Dorf zu Dorf unterschiedlich, je nachdem, wo ein Gewitter war. Besonders trocken sei es um Himmelkron herum, während es über den Berg im Harsdorfer Bereich immer wieder mal geregnet habe.

„Alles in allem muss man aufgrund des Wassermangels mit Ertrags- und Qualitätseinbußen rechnen“, sagt Harald Köppel. Genaueres könne man zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht sagen. Auf jeden Fall unterdurchschnitt wird die Ernte bei der Wintergerste ausfallen. Wie es bei den anderen Früchten ausschaut, könne man erst sagen, wenn der Mähdrescher darüber gefahren ist.

Beim Grünland müsse man dagegen schon jetzt feststellen, der erste Schnitt sei in Ordnung gewesen, den zweiten Schnitt habe es dagegen schon fast nicht mehr gegeben und der dritte Schnitt stehe in den Sternen. Ebenso beim Mais: Während der zum jetzigen Zeitpunkt normalerweise schon zweieinhalb Meter hoch sein sollte, sei er im Moment bei einem halben bis dreiviertel, höchstens einem Meter angelangt. Köppel: „Da fehlt es hinten und vorne.“

Dabei sei das Frühjahr noch ganz gut losgegangen. „Es war ein super Start“, so Harald Köppel. Doch dann habe der Regen aufgehört. Das Wintergetreide, das sich über den Winter entwickeln konnte, sei dabei noch im Vorteil gewesen. Zum Körner füllen sei das Wasser aber auch zu wenig gewesen. Die Sommergerste habe es allerdings komplett erwischt. Die Ernte laufe in diesen Tagen so richtig an. Harald Köppel geht sogar davon aus, dass sie noch im Juli abgeschlossen werden kann und sich nicht wie sonst in den August hineinziehen werde.

Genaues kann Michael Greim aus Marktschorgast noch nicht sagen, doch erwartet er eine Ernte, die etwa um die Hälfte von der eines „normalen“ Jahres liegt. „Es schaut nach vielen kleinen und dünnen Körnern aus“, sagt Michael Greim. Schon allein deshalb rechne er mit Verlusten. Beim Sommergetreide sei es noch viel schlimmer als beim Wintergetreide. Einige Flächen bei Ziegenburg seien ihm bereits fast vertrocknet. Dazu kommt, dass das Getreide relativ kurz gewachsen sei, das bedeute, dass auch wenig Stroh übrig bleiben werde. Während beispielsweise der Hafer im zurückliegenden Jahr 1,50 bis 1,60 Meter hoch wurde, stehe er jetzt gerade einmal bei 30 bis 40 Zentimetern. „Da hat man das ganze Jahr Arbeit und Aufwand reingesteckt, und dann kann man nichts machen“, so Michael Greim. Er bewirtschaftet einen Betrieb mit Mutterkuhhaltung, erzeugt alternativer Energien und betreibt Ökolandbau. Gut 200 Hektar Fläche bewirtschaftet Michael Greim. Darauf baut er Winterweizen, Braugerste, Roggen, Dinkel und Hafer an, das im Wesentlichen in der Backwarenindustrie landet, die Braugerste geht zur Mälzerei Weyermann nach Bamberg.

Von einem einigermaßen durchschnittlichen Jahr geht dagegen die Familie Jurkat aus Oberlangenroth aus, „sofern die Qualität beim Wintergetreide ok ist“. In diesem Jahr zeige sich wieder, dass nicht nur die Menge, sondern vor allem die Verteilung der Niederschläge eine Rolle spielt, sagt Christoph Jurkat. Zusammen mit Bruder Michael und den Eltern Rosa und Ulrich bewirtschaften er das Gut Oberlangenroth, das zur Gemeinde Neuenmarkt gehört. Auf rund 75 Hektar baut die Familie Bio-Getreide wie Dinkel, Hafer, Sommergerste, Triticale und Ackerbohnen an.

Das Frühjahr sei auf dem Standort mit seinen schweren tonige Böden sogar fast zu nass gewesen. Dann aber folgte eine deutliche Frühsommertrockenheit. Die Winterungen wie Dinkel, Roggen, oder Triticale hätten das relativ gut überstanden. Die Bestände würden vielversprechend aussehen. Hier bleibe allerdings die Kornqualität, also die Füllung der Körner abzuwarten. Die Sommerungen wie Braugerste und Hafer würden dagegen deutlich abfallen. „Hier gehen wir von einer unterdurchschnittlichen Ernte aus“, sagt Christoph Jurkat. Spannend bleibe auch hier, ob die Qualität, also der Vollgerstenanteil bei der Sommergerste und das Hektoliter-Gewicht beim Hafer paßt.

Von Einbußen bis hin zum Totalausfall sprcht dagegen ein weiterer Landwirt aus dem Landkreis Kulmbach, der nicht genannt werden möchte. Die bereits geerntete Wintergerste sei noch knapp im Durchschnitt gewesen. Bei den späteren Getreidearten wie Weizen und vor allem beim Sommergetreide würden sicher 20 bis 40 Prozent fehlen. Besonders dramatisch sei die Situation im Futterbau. „Bei Mais und auf dem Grünland werden wir Einbußen von 50% bis zum Totalausfall haben“, so der Landwirt.

Bild: Was die Ernte betrifft gehen die Bauern im Kulmbacher Land heuer eher von unterdurchschnittlichen Erträgen aus.

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12.07.2022

Pionier für eine Landwirtschaft / Bittl´scher Gutsbetrieb beteiligt sich an Pilotprojekt zur Biodiversität

Küps. Nutzungs- und Schutzinteressen in der Landwirtschaft zusammenzubringen, das ist das Ziel des Projektes „Natur-positive Agrarsysteme“ (NaPA), an dem sich 19 ökologisch und konventionell wirtschaftende Landwirte unter wissenschaftlicher Begleitung der Humboldt-Universität Berlin beteiligen. Einer der Betriebe ist dabei auch in Oberfranken: der Bittl´sche Gutsbetrieb von Barbara und Hubertus von Künsberg in Oberlangenstand bei Küps im Landkreis Kronach.

Das Projekt soll in den kommenden drei Jahren Daten über die Auswirkungen unterschiedlicher Anbauarten und Bewirtschaftungsformen auf die lokale Biodiversität, Bodengesundheit sowie das Klima generieren. Außerdem wollen die beteiligten Landwirte regelmäßig praktische Erfahrungen auszutauschen. Ins Leben gerufen wurde NaPA von dem Unternehmen Syngenta Agro GmbH, ein internationaler Anbieter von Agrartechnologie, der in Frankfurt am Main seine deutsche Zentrale hat.

„Uns geht es um Lern- und Entwicklungszusammenhänge in der Landwirtschaft“, sagte Franz-Theo Gottwald, Professor für Umweltethik an der Humboldt-Universität Berlin. Schließlich sollen Grund und Boden ja auch für die Enkelgeneration noch zur Verfügung stehen. Eine Aufgabe des Projektes wird es deshalb sein, Wege zu finden, um die Bodenfruchtbarkeit und damit den Humusaufbau zu steigern. Einen besonderen Focus wollen die Beteiligten außerdem darauf legen, was passiert, wenn Veränderungen in der Fruchtfolge vorgenommen werden. „Wir hoffen, daraus neue Impulse für künftige Anbauentscheidungen ableiten zu können“, so Gottwald. Das Projekt soll aber auch einen Beitrag dazu leisten, dass es nicht immer nur die Bauern sind, die permanent angegriffen werden. Neu und einzigartig ist nach den Worten des Professors die wissenschaftliche Begleitung. Am Ende soll ein Maßnamepaket für den jeweiligen Standort stehen.

Als ein Beispiel für die konkrete Arbeit nannten Gottwald und der örtliche Projektbetreuer Sebastian Funk Untersuchung von Blühstreifen auf die lokale Biodiversität durch Wissenschaftler des Leibnitz Instituts. Sie sollen drei Jahre lang den Biodiversitätswandels unter die Lupe nehmen. Die NaPA-Landwirte haben dazu an oder mitten in ihren Feldern Messstationen mit speziellen Fallen eingerichtet, die sie regelmäßig leeren und austauschen. Das Forschungsinstitut wertet in seinem Labor daraufhin aus, welche Insekten und andere Kleintiere in der Luft und in den Boden gefangen wurden. Auch Bodenbeschaffenheit und Nährstoffkonzentrationen werden untersucht und in Beziehung zu Wetter, Temperaturentwicklung, den angebauten Feldfrüchten und weiteren Faktoren gesetzt. Dabei kommen testweise auch neue Technologien und Analysemethoden zum Einsatz. „Im Zeitverlauf ergibt sich so eine einzigartige Datensammlung und -qualität für die Agrarflächen“, sagte Gottwald.

Hubertus Freiherr von Künsberg bewirtschaftet in Oberlangenstadt die 400 Hektar Land des Bittl´schen Guts. Die Schwerpunkte des Betriebs liegen auf der Biogasproduktion und dem Ackerbau. Der Agrartechniker und Fachagrarwirt für erneuerbare Energien räumt dem Umweltschutz seit jeher einen besonderen Stellenwert ein. So übertrifft er mit seiner gewässerschonenden Bewirtschaftung bereits seit Jahren das gesetzlich geforderte Mindestmaß an Gewässerschutz. Eine von mehreren Maßnahmen in diesem Zusammenhang sind die Pufferstreifen, die zwischen seinen Feldern und angrenzenden Gewässern verlaufen. Künsberg achtet auch darauf, den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln so in das System seiner Anbaumaßnahmen einzubauen, dass der Befallsdruck gesenkt und Pflanzenschutz reduziert werden kann. Zum Schutz des Ackerbodens setzt der Agrartechniker außerdem auf einer Teilfläche auf das Verfahren der sogenannten Streifenbodenbearbeitung. Dabei wird nur der unmittelbare Bereich, in dem Pflanzen wachsen sollen, intensiv bearbeitet, der Rest bleibt unberührt.

Bild: Hubertus von Künsberg (links) und Professor Dr. Franz-Theo Gottwald von der Humboldt-Universität Berlin haben in Küps das Projekt „Natur-positive Agrarsysteme“ (NaPA) gestartet.

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11.07.2022

Vollkornbrot per Instagram und WhatsApp / Brot von den eigenen Feldern - Die Familie Passing bewirtschaftet in Oberdornlach einen Bio-Bauernhof

Oberdornlach. Eigentlich ist das Ganze aus der Not heraus entstanden. Im verregneten Sommer 2017 hatte der Dinkel nicht ganz die geforderten Werte und so probierte Gudrun Passing einfach einmal selbst, Brot zu backen. Das Ergebnis konnte sich sehen und vor allem schmecken lassen. Schnell sprach es sich in der Verwandtschaft herum und so fand sie auch im Freundes- und Bekanntenkreis schnell Abnehmer für ihr selbstgebackenes Dinkel-Vollkornbrot. Mittlerweile hat Gudrun Passing einen Direktvermarktungskurs absolviert und einen eigenen, von den Behörden nach strengen Vorgaben bereits abgenommenen Backraum auf dem Hof in Oberdornlach eingerichtet.

„Das gesamte Getreide stammt aus eigenem Anbau“, sagt Gudrun Passing. „Bei uns wird nichts für die Tonne gebacken“, ergänzt ihr Mann Wolfgang. Zusammen bewirtschaften sie den Hof in Oberdornlach, das zur Stadt Kulmbach gehört, mit Junior Johannes. Die beiden Schwestern Katharina und Lisa sind außerlandwirtschaftlich tätig.

Geworben wird per Instagram, auch eine eigene WhatsApp- Gruppe gibt es schon. Eigentlich wollte man die Vermarktung des Brotes über die Aktion „Marktschwärmer“ machen, doch dort gibt es Anlaufschwierigkeiten. Noch sei das Ganze nicht der Rede wert, wiegelt Gudrun Passing ab. Doch die Geschichte mit dem Backen soll auf jeden Fall ausgeweitet werden. Drei Sorten gibt es derzeit schon, neben dem Dinkel-Vollkorn ein Roggenmischbrot und ein Weißbrotbaguette. „Richtig gute Qualität ist mir das Wichtigste“, so Gudrun Passing. Eine erste Bewährungsprobe hat das Brot aus dem Hause Passing bereits bestens bestanden. Auf dem Kulmbacher Altstadtfest wurde das Weißbrot zusammen mit dem Damwildfleisch des befreundeten Marcel Wachter vom Lehenthaler Wildgehege angeboten.

Nach dem Besuch der Landwirtschaftsschule hatte Wolfgang Passing, heute 57, den Hof in der Ortsmitte von seinem damals bereits schwer kranken Vater übernommen. Damals mit 25 Kühen in Anbindehaltung. Klar, dass man Aufstocken musste und so entschied man sich für einen damals noch völlig unbekannten Kaltstall, den ersten derartigen Laufstall im Landkreis. Der hatte sich nach entsprechenden Startschwierigkeiten („wir konnten uns ja nirgends orientieren“) bewährt. Mittlerweile tummeln sich 40 Kühe darin. Die Bio-Milch wird an die Milchwerke Oberfranken-West in Coburg geliefert. Bereits im Jahr 2000 hatte die Familie den gesamten Betrieb auf EG-Bio-Standard umgestellt, seit 2012 gehört er dem Bioland-Anbauverband an.

Waren es bei der Übernahme an die 50 Hektar bewirtschaftete Fläche sind es heute exakt 76, die sich im Wesentlichen um die Ortschaft herum gruppieren. Angebaut werden Sommer- und Wintergerste, Weizen, Triticale, Dinkel, Mais und im geringen Umfang auch Linsen und Lein. Das Getreide wird, sofern nicht zum Brotbacken benötigt, zum Teil als Futter selbst genutzt, der Rest wird über die Vermarktungsgesellschaft Biobauern im schwäbischen Pöttmeß vertrieben. Einfach ist es für die Biobranche derzeit nicht, weiß auch Wolfgang Passing. „Schließlich müssen wir die Preissteigerungen genauso mittragen, wie die übrige Landwirtschaft auch.“ Dabei fallen die Kosten aufgrund der Vorgaben von jeher höher aus.

An die zehn Jahre wird Wolfgang Passing den Betrieb wohl schon noch führen, ehe er an Sohn Johannes (25) übergibt. Der bringt auf jeden Fall die besten Voraussetzungen mit. Er hat im landwirtschaftlichen Bildungszentrum Triesdorf die Ausbildung zum Techniker gemacht und danach ein Landwirtschaftsstudium mit der Fachrichtung Tier absolviert. Mittlerweile ist er beim Kulmbacher Futtermittelhersteller Bergophor als Produktentwickler tätig.

Als hätten sie auf dem Hof nicht schon genug zu tun, nimmt die gesamte Familie jede Menge verantwortungsvolle Ehrenämter wahr. Vater Wolfgang ist nicht nur Ortsobmann des Bauernverbandes, sondern auch Dirigent des Posaunenchors Kirchleus-Gössersdorf und 2. Vorstand der Feuerwehr Oberdornlach. Gudrun Passing engagiert sich in der Seniorenarbeit der Kirchengemeinde und gehört der Kreisvorstandschaft der BBV-Landfrauen an. Junior Johannes schließlich ist ebenfalls im Posaunenchor aktiv, hat auch schon in der Städtischen Jugendblaskapelle musiziert, ist aktives Mitglied der Feuerwehr und der Soldatenkameradschaft und spielt Fußball in der ersten Mannschaft des 1. FC Kirchleus. „Das Engagement und die Ehrenämter sind uns schon sehr wichtig“ ist sich die Familie einig. Schließlich gehe es ja auch darum, Verantwortung zu übernehmen.

Bild: Wolfgang, Gudrun und Johannes Passing bewirtschaften den landwirtschaftlichen Betrieb in Oberdornlach.

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23.06.2022

Heute Wurzeln, morgen Humus / Pflanzenbautage in Lopp stießen auf große Resonanz

Lopp. Trockenheit und Wassermangel bringen es mit sich: Ackerböden müssen in der Tiefe gelockert und Untersaaten zur Humusbildung eingebracht werden. Andernfalls werden die Erträge immer weniger und am Schluss wächst gar nichts mehr auf den Feldern. Das alles wurde beim Pflanzenbautag in Lopp bei Kasendorf deutlich. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Trockenheit ging es diesmal vor allem darum, wie Landwirte auf ihren Feldern den Humus in die Tiefe bringen können, um den Wasserhaushalt zu verbessern, so Geschäftsführer Horst Dupke vom Maschinenring. Die Traditionsveranstaltung wird vom Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung und vom Maschinenring Kulmbach ausgerichtet.

Für Feldfrüchte eigneten sich besonders die verschiedensten Kleearten oder Kleemischungen als Untersaat. Beim Mais schneiden Wicken am besten ab. Insgesamt gehe es darum, dass Untersaaten tief wurzeln, um die Humusbildung zu fördern, sagte Hans Koch von der BayWa. „Die Wurzeln von heute sind der Humus von morgen“, so der Referent.

Wichtig sei auch die Begrünung der abgeernteten Fläche, um keine trockene Brache entstehen zu lassen. Bleibt die Fläche offen, verdunsten die letzten Feuchtigkeitsreste, der Boden trocknet aus. Eine geeignete Untersaat beschattet und durchwurzelt dagegen das Feld. Untersaaten sollten bereits drei bis vier Wochen vor der Ernte der eigentlichen Frucht ausgebracht werden.

Daneben hatten die Landwirte aus der Region beim Pflanzenbautag auch die Gelegenheit, die Schauversuche mit Raps, Winterweizen und Sommergerste auf den Flächen von Gerhard Friedlein aus Lopp zu begutachten. Der Besuch sei auch heuer nicht schlecht gewesen, sagt Geschäftsführer Dupke. Viele Landwirte aus der Region seien gekommen, um die Unterschiede bei den verschiedenen Sorten, vor allem hinsichtlich Abreife und Krankheitsresistenz kennen zu lernen. Favoriten gibt es bei der Sortenwahl allerdings nicht, da jede Sorte anders auf die jeweilige Bodenbeschaffenheit und die klimatischen Standortbedingungen reagiert. Mit einem Tiefenlockerer konnten die Bauern auch testen, was der Geräteeinsatz bringt.

Um den Fortschritt der Versuche längerfristig zu begleiten ist ein weiterer Besichtigungstermin auf den Versuchsfeldern bereits für August geplant. In den zurückliegenden Jahren wurden auf den Feldern zwar ebenfalls verschiedene Versuche durchgeführt, die Erläuterungen dazu gab es allerdings nur schriftlicher Form auf einem ausgelegten Beiblatt. Trotzdem seien an den angekündigten Tagen rund 60 Interessierte vor Ort gewesen, sagt Geschäftsführer Dupke. Dies zeige, dass der Pflanzenbautag bei den Praktikern ein fester Termin ist.

Bild: Erstmals wieder in Präsenzform: Beim Pflanzenbautag in Lopp beschäftigten sich die Praktiker diesmal unter anderem um Humusbildung durch Untersaaten.

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23.06.2022

Biogas, Biomast und Bauernhofeis / Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz erkundete Landwirtschaft im Fichtelgebirge

Wunsiedel. Die Themenpalette war breit gestreut: vom Waldumbau über die Herstellung von Bauernhofeis, von der Bio-Ochsenmast über Biogas bis hin zur Ferkelerzeugung reichten die Punkte, mit denen sich eine Delegation mit der oberfränkischen Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz an der Spitze über Landwirtschaft im Fichtelgebirge informierte.

Start war an einem Hotspot, allerdings im negativen Sinn: am Buchberg bei Reichholdgrün. Dort hat der Borkenkäfer nach der Trockenheit der vergangenen Jahre gewaltig zugeschlagen. „Unser Hausberg hat Wunden und Narben“, brachte es Erich Reichel von der Dorfgemeinschaft auf den Punkt. Tatsächlich sei an dem 674 Meter hohen Buchberg exemplarisch zu sehen, was die Forstwirtschaft in ganz Deutschland bewegt, so Robert Geiser, Abteilungsleiter beim zuständigen Amt für Landwirtschaft und Forsten Bayreuth-Münchberg.

Der Buchberg sei aber nicht nur ein Hotspot des Borkenkäfers, sondern als ausgewiesenes FFH-Gebiet ein Hotspot des Naturschutzes und der Artenvielfalt. Im Waldmanagement sollte deshalb in Zukunft der Versuch unternommen werden, Mischbestände zu erzeugen. Das ist auch geplant: „Wir werden die Flächen wieder aufforsten“, versprach der Revierförster Viktor Klaus. Einen reinen Fichtenwald werde es in Zukunft nicht mehr gaben, so der Landtagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzendes des Landwirtschaftsausschusses Martin Schöffel. „Es ist absolut dramatisch, wie sich der Wald in den zurückliegenden zwei Jahren verändert hat.“

Einen erfreulicheren Blick in die Zukunft wagten Martina und Florian Reichel vom Buchberghof in Fichtenhammer. Sie betreiben nicht nur einen Milchviehbetrieb mit knapp 80 Kühen sondern sind auch in die Direktvermarktung eingestiegen und vertreiben mit Erfolg ihr selbst produziertes Bauernhofeis. Uwe Lucas vom Amt für Landwirtschaft sprach vor Ort von einem „Familienbetrieb, der für die Zukunft gerüstet ist“. 2017 hatte die Familie den bisherigen Anbindestall aufgegeben und einen hochmodernen Laufstall errichtet. Gleichzeitig waren die Reichels in die Direktvermarktung eingestiegen, mittlerweile gibt es ein Verkaufshäuschen an der Hofeinfahrt mit zwei Automaten und einem reichhaltigen Angebot.

Der Höhepunkt im breiten Portfolio des Buchberghofes ist allerdings das Bauernhofeis, das über Verbrauchermärkte, Bauernläden und Gaststätten in vielen Teilen Oberfrankens vertrieben und auch an Wochenenden und Feiertagen im hofeigenen Café angeboten wird. Einen mittleren sechsstelligen Betrag hat die Familie investiert in die Eisherstellung investiert. Dafür haben sie als Lebensmittelhersteller mittlerweile sogar eine EU-Zulassung. Die Milch kommt direkt aus dem benachbarten Stall, wird zunächst pasteurisiert und anschließend auf minus zehn Grad Celsius gefroren. Mit normaler Eisherstellung sei dies alles nicht vergleichbar, erläutert Martina Reichel. Großen Wert legt sie auch darauf, dass jede Sorte ihr eigenes Rezept hat. Mittlerweile werden pro Tag 500 bis 600 Liter Eis produziert.

Nicht ganz so optimistisch in die Zukunft sieht die Familie Medick aus Kothigenbibersbach bei Thiersheim. Der Zuchtsauenbetrieb mit Ferkelaufzucht und Marktfruchtanbau war die dritte Station der Regierungspräsidentin. „Seit zwei Jahren konnten wir kein Ferkel mehr kostendecken verkaufen“, sagte Juniorchef Fabian Medick. Vor elf Jahren sei man in den neuen Stall übersiedelt, aufgrund der aktuellen Tierwohlauflagen müsse man jetzt schon wieder umbauen. Konkret geht es um das geforderte Platzangebot pro Tier. „Wir müssen den Stall entweder erweitern oder den Bestand reduzieren, um die Tierwohlauflagen erfüllen zu können“, sagte Medick.

Den Abschluss der Regierungstour bildete der Ökobetrieb der Familie Schübel in Schönlind bei Wunsiedel. Neben Marktfruchtanbau setzt die Familie auf Ochsenmast, Biogas, Urlaub auf dem Bauernhof sowie land- und forstwirtschaftliche Dienstleistungen. Der Schübelhof versorgt die Wunsiedler über den einheimischen Metzger nicht nur mit Bio-Rindfleisch sondern sichert vielen Einheimischen über Scheitholz und Hackschnitzel auch ein warmes zuhause und betreibt eine Biogasanlage mit einer Leistung von 270 kW.

Regierungspräsidentin Piwernetz würdigte bei der Rundfahrt die hervorragende Zusammenarbeit aller Akteure, die sich in Oberfranken mit der Landwirtschaft beschäftigen. „Hier herrscht ein Miteinander und kein Gegeneinander“, sagte sie. Die Landwirtschaft im Regierungsbezirk sei breit aufgestellt, erzeuge regionale und qualitativ hochwertige Lebensmittel und sorge für Nahrungsmittelsicherheit. „Wir wollen die Landwirtschaft wieder in die Mitte der Gesellschaft rücken“, so Rainer Prischenk, Chef der Landwirtschaftsverwaltung an der Regierung.

Nach den Worten von Georg Dumpert, dem Leiter des Amtes für Landwirtschaft Bayreuth-Münchberg, werden knapp 40 Prozent der Fläche m Landkreis Wunsiedel landwirtschaftliche genutzt, Weitere 46 Prozent beträgt der Waldanteil. Damit sind rund 86 Prozent der gesamten Landkreisfläche in land- und forstwirtschaftlicher Nutzung.

Bilder:
1.
 Florian und Martina Reichen zeigten der Delegation um Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz (Mitte) ihren hochmodernen Milchviehstall.
2.
 Der Buchberg bei Reichholdsgrün hat sich aufgrund des Borkenkäferbefalls in den zurückliegenden Jahren stark verändert.
3.
 Juniorchef Florian Medick und die stellvertretende Kreisbäuerin Christine Medick erläuterten der oberfränkischen Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz die Probleme ihres Ferkelerzeugungsbetriebes.

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22.06.2022

Preissteigerungen kommen bei den Landwirten nicht an / Wahlen beim Bauernverband: Karl Lappe geht in seine dritte Amtszeit als Bayreuther BBV-Kreisobmann

Bayreuth. Karl Lappe bleibt auch in den kommenden fünf Jahren Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes. Der 57-jährige Landwirt aus Schöchleins und Mistelgauer Bürgermeister wurde bei der Kreisversammlung in Bayreuth ohne Gegenstimme in seinem Amt bestätigt. Lappe geht damit in seine dritte Amtsperiode.

Wenige Veränderungen gab es auch in der weiteren Kreisvorstandschaft. Harald Galster aus Gefrees wurde ebenfalls ohne Gegenstimme erneut zum stellvertretenden Kreisobmann gewählt. Neu im fünfköpfigen Vorstand ist Christian Engelbrecht, der einen Michvieh- und Ackerbaubetrieb in Lankendorf bei Weidenberg bewirtschaftet. Er löst Andrea Mayer aus Zips ab, der nicht mehr zur Wahl stand. Die weiteren Vorstandsmitglieder sind: Martin Ponfick aus Unterölschnitz bei Emtmannsberg, Martin Gebhardt aus Görau, Christian Hannig aus Pilgerndorf bei Hollfeld und Gerhard Meyer aus Creez bei Hummeltal.

Lappe drückte in seinem Bericht die Hoffnung aus, dass die Wertschätzung für die Bauern wieder zunimmt. „Die Zukunftsaussichten sind besser, als viele denken“, sagte er. Niemand hätte gedacht, dass bestimmte Lebensmittel tatsächlich wieder einmal knapp werden könnten. Keiner habe vorausgesagt, dass es zu einem Paradigmenwechsel hin zu einem Nachfragemarkt sowohl für Nahrungsmittel, als auch für Energie kommen würde. „Jetzt sehen viele Menschen wieder, wie bedeutsam die Lebensmittelerzeugung im eigenen Land ist.“

„Die Preise sind erfreulich, aber die Realität holt uns ein“, sagte Lappe und spielte damit auf die Tatsache an, dass die Preissteigerungen bei den Bauern gar nicht ankämen. Sowohl die Kosten für Düngemittel würden derzeit immens ansteigen, die Energiekoste geradezu explodieren. „Besonders der Energiebereich macht uns schwer zu schaffen“, so Lappe. Auch das verarbeitende Gewerbe werde dadurch hart getroffen, was beispielsweise das Milchgeld wieder schmälern werde.

Von einer „verrückten Zeit“ sprach bei der Versammlung auch der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif. Vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges würde die Bevölkerung wieder erkennen, dass ein Land seine Bevölkerung selbst ernähren kann. An der „Teller-Trog-Tank-Diskussion“ wollte sich Greif nicht beteiligen. Man brauche vielmehr die Kreislaufwirtschaft, die auf zahlreichen Synergieeffekten aufbaut. So werde beispielsweise Gras ganz konkret durch Kühe verwertet, denn daraus entstehe Milch und Fleisch. Nebenbei werde auch noch die Landschaft gepflegt, was ohne Tierhaltung gar nicht möglich wäre.

Die geplanten Flächenstilllegungen kritisierte der für Ober-, Mittel- und Unterfranken zuständige BBV-Direktor Wilhelm Böhmer. Trotz der derzeitigen Situation beharre Bundesagrarminister Cem Özdemir auf vier Prozent Brache. Der Minister zeige keinerlei Kompromissbereitschaft, obwohl die Flächen zur Produktion von Nahrungsmitteln dringend gebraucht würden.

Große Sorgen bereiteten auch die Zuchtsauenhalter und Ferkelerzeuger. 30 bis 40 Prozent der Betriebe seien in den zurückliegenden Jahren aufgrund der miserablen Preissituation verloren gegangen. Doch nicht nur die schlechten Preise sondern auch die ständigen Verschärfungen von verschiedensten Auflagen seien für die Situation verantwortlich. Statt zu investieren hörten viele einfach auf. Wer aber einmal aufgegeben hat, der werde nie mehr zurückkommen.

Bild: Wenig Veränderungen gab es bei den Neuwahlen der BBV-Kreisvorstandschaft (von links): Harald Galster, Christian Hannig, Martin Gebhardt, Christian Engelbrecht, Gerhard Meyer (hinten), Karl Lappe (vorne), Harald Köppel, Direktor Wilhelm Böhmer und der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif.

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15.06.2022

Borkenkäfer bescherte Rekordzahlen / Waldbauernvereinigung Bayreuth: Wachstum in allen Bereichen

Bayreuth. Mehr Mitglieder, mehr Fläche und weit über 40000 vermarktete Festmeter Holz: Die Waldbauernvereinigung Bayreuth konnte bei ihrer Jahresversammlung riesige Wachstumszahlen in allen Bereichen vermelden. Die Ursachen dafür sind allerdings weniger erfreulich. Vor allem die extremen Trockenjahre hatten dafür gesorgt, dass sich der Borkenkäfer ungehindert verbreiten konnte.

Vorsitzender Hans Schirmer blickte allerdings auch mit einer gewissen Skepsis in die Zukunft: „Niemand kann vorhersagen, was in den nächsten Tagen und Wochen passiert.“ Wie es dann mit dem Holzpreis weitergeht, stehe in den Sternen. Schirmer äußerte unter anderem die Befürchtung, dass sich die gute Baukonjunktur im Herbst schnell wieder abschwächen kann, weil zum Beispiel potentielle Häuslebauer aufgrund der hohen Kosten und der Ungewissheit in vielen Bereichen von ihren Vorhaben abweichen. Schon jetzt stünden einige Baustellen still.

Nach den Zahlen von Geschäftsführer Gerhard Potzel hat die WBV Bayreuth aktuell 1685 Mitglieder mit einer Waldfläche von zusammen 8747 Hektar. Unter den Mitgliedern sind auch 22 Körperschaften, wie zum Beispiel die Stadt Bayreuth. Somit war die Mitgliederzahl um 106 und die Fläche um 355 Hektar gestiegen. Insgesamt hatte die WBV im Auftrag ihrer Mitglieder im Jahr 2021 genau 40126 Festmeter Holz vermarktet, was einer Steigerung um satte 11837 Festmeter gegenüber dem Vorjahr entspricht. Gut 40000 Festmeter, so rechnete Potzel vor, entspreche 1543 Lkw und damit mehr als fünf Holztransporter pro Tag.

Die ungewöhnlich hohe Steigerung begründete der Geschäftsführer mit der verhältnismäßig großen Trockenheit, die bereits Mitte 2018 eingesetzt hatte. „Da hat der Käferbefall begonnen, seitdem konnte er richtig wüten“, so Potzel. In den beiden ersten Quartalen des laufenden Jahres sei der Absatz aber schon wieder ein wenig eingebrochen. „Wir müssen uns trotzdem nicht verstecken, wir haben super Zahlen“, so Vorsitzender Schirmer.

Den hohen Wert der WBV als bäuerliche Selbsthilfeeinrichtung stellten sämtliche Grußwortredner heraus. Holz sei immer gefragter, die Waldbauernvereinigung sei für die Stadt stets ein zuverlässiger, kompetenter und loyaler Partner, sagte Bayreuths 2. Bürgermeister Andreas Zippel. Holz erfreue sich derzeit als Baustoff, aber auch als Biomasse einer guten Nachfrage, so die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer (CSU). Ihr Kollege Tim Pargent von den Grünen sagte: „Ohne Waldbauern wird es keinen klimagerechten Waldumbau geben“. Es komme oft viel zu kurz, dass die Waldbauern aktiven Klimaschutz betreiben, so Landrat Florian Wiedemann.

Der Chef des noch relativ neu gegründeten Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bayreuth-Münchberg, Georg Dumpert, zählte auf, dass es im Amtsgebiet, also in den drei Städten und Landkreisen Bayreuth, Hof und Wunsiedel, unvorstellbare 120000 Hektar Wald gebe, mehr als die Hälfte davon in privater Hand. Dumpert sprach von rund 23000 privaten Waldbesitzern und sechs forstlichen Zusammenschlüssen. BBV-Kreisobmann Karl Lappe sah im Wald der Zukunft mehr den Energie- als den Baustofflieferanten. Die Errichtung einer Holzhackschnitzelheizung, mit dem unter anderem das Grüne Zentrum und das Ypsilon-Haus beheizt werden, sei daher vor Jahren eine absolut zukunftsweisende Entscheidung gewesen.

Über den Wald der Zukunft und die Möglichkeiten, Kalamitätsschäden vorzubeugen sprach bei der Versammlung Dirk Lüder, der Bereichsleiter Forsten des Amtes für Landwirtschaft. Er kam zu dem Schluss, dass künftig viel mehr Baumarten als derzeit im Wald zuhause sein müssten. „Wir müssen uns auf zunehmende Schäden, sei es durch den Käfer durch Stürme oder durch Trockenheit einstellen“, so Lüder. Neben einer konsequenten Pflege und Durchforstung appellierte es an die Waldbauern, schon jetzt Mischbaumarten, wie Tannen oder Buchen, unter dem Altholzschirm aus Kiefern und Fichten anzubauen. Gerade der Fichte werde es im Bereich der WBV zunehmend schlechter gehen.

Bildtext:

2021 hatte Klaus Wunderlich aus Gothendorf bei Bad Berneck den Bayerischen Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung erhalten. Weil er sich seit langem auch als Vorstandsmitglied bei der WBV Bayreuth engagiert, wurde er hier noch einmal gesondert ausgezeichnet. Im Bild von links: Vorsitzender Hans Schirmer, Amtschef Georg Dumpert, Klaus Wunderlich und Geschäftsführer Gerhard Potzel.

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14.06.2022

Hohe Kosten belasten Bauern / Steigende Milchpreise kommen bei den Landwirten nicht an - Langfristige Perspektiven gefordert

Kulmbach. Lange galt der Milchpreis als eine Art Sorgenkind, jetzt auf einmal ist er im Höhenflug, die Bauern sind aber trotzdem in Bedrängnis. Wie kann das sein.

Grund für die steigenden Milchpreise ist, dass das Angebot an Rohmilch und Milchprodukten weltweit als sehr knapp gilt. Bundesweit sind die Erzeugerpreise im Mai teilweise auf über 50 Cent je Kilogramm gestiegen. Noch vor kurzem schien dies unvorstellbar. Die Landwirte müssten eigentlich froh darüber sein. Doch plötzlich werden auch die Kosten für die Erzeugung in bislang unvorstellbare Höhen getrieben. Dazu kommt, dass sämtliche Preise für Lebensmittel aber auch alle anderen Dinge des täglichen Bedarfs stark ansteigen. Die Nachfrage geht damit zurück, denn der Verbraucher dreht jeden Euro zweimal um.

„Die Unkosten laufen uns davon“, sagt Wilfried Löwinger, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes. Egal ob Energie, Futter oder Dünger, alle Preise gingen derzeit durch die Decke. Früher wäre ein Milchpreis von an die 50 Cent pro Kilogramm Milch super gewesen, doch heute kämen die Bauern nicht mehr damit aus. Scharfe Kritik über Löwinger am Lebensmitteleinzelhandel. Hier werde suggeriert, dass die Rohstoffkosten höher seien. Doch in Wirklichkeit klaffe die Schere zwischen Rohstoffkosten und Verkaufspreis immer weiter auseinander.

Einen Mangel gibt es für den Kreisobmann nicht. Die hohen Preise seien lediglich mit Spekulationen zu begründen. „Da machen sich einige die Taschen voll“, so Löwinger. Völlig unbegreiflich ist es für ihn, dass das Kartellamt nicht eingreift. Es müsste dazu beitragen eine Balance, zwischen Angebot und Nachfrage zu schaffen. Besonders extrem spürten diese Auswüchse die Biobauern, indem konventionell erzeugte Milchpreis beinahe den gleichen Preis habe, wie biologisch erzeugte Milch. Gleichwohl seien die Kosten bei der biologisch erzeugten Milch noch höher, so dass dem Biobauern am Ende noch weniger bleibt.

Die derzeitige Situation zeige leider auch: Wenn das Geld knapp wird, spart der Verbraucher zuerst bei Lebensmitteln. Bei der derzeitigen Situation habe er zwar Verständnis, dass viele Menschen auf den Cent rechnen müssten und es viele Familien hart trifft. Auf der anderen Seite seien Nahrungsmittel doch für jeden Menschen wichtiger als alles andere. Daran zu sparen sei sicher der falsche Weg.

Auch Harald Köppel, Geschäftsführer des Bauernverbandes für die Landkreis Bayreuth, Kulmbach und Kronach bestätigt, dass den Milchbauern die Kosten davon laufen, ganz egal ob Sie konventionell oder biologisch wirtschaften. Bei Betriebsmittelen wie Diesel, Dünger, Strom, Milchleistungsfutter, Ersatzteile, Reinigungsmittel, und vielem mehr hätten sich die Preise teilweise verdreifacht, wenn man überhaupt etwas bekommt.

Die Nachfrage nach Milchprodukten auf der ganzen Welt ist nach den Worten Köppels sehr hoch und die Produktion der Milch ist rückläufig. Die zurückliegenden Jahre mit Milchkrisen und ständig steigende Auflagen hätten bei den Milcherzeugern Spuren hinterlassen. Viele Betriebe hätten die Milchviehhaltung aufgegeben, neue Ställe würden nicht gebaut. Köppel: „Das ist der Trend und dieser wird sich auch nicht aufhalten lassen, wenn nicht endlich Signale aus der Politik und dem Handel kommen, die den Erzeugern eine langfristige Perspektive geben.“

Das sei aber nicht nur bei der Milcherzeugung ein Problem, sondern ebenfalls bei den Schweinehaltern und weiteren Teilbereichen der Landwirtschaft. „Wenn sich nicht bald was tut ist der Zug angefahren und die Lebensmittel kommen aus dem Ausland“, so der Geschäftsführer.

Was den sinkenden Preisunterschied zwischen konventioneller Milch zu Bio-Milch angeht merkte Köppel, dass die Verbraucher anfangen zu sparen und deshalb immer weniger zu teurer Bio- oder Markenprodukten greifen, dadurch gehe die Nachfrage nach diesen Produkten zurück. Es würden günstigere Milchprodukte gekauft und hier würden dann auch Nachfrage und Preis steigen.

Für Thomas Erlmann ist das Problem relativ einfach zu beschreiben. Kernproblem der gestiegenen Verbraucherpreise sieht er darin, dass die Lebensmittel in den zurückliegenden 30 Jahren viel zu billig verramscht worden seien. Erlmann bewirtschaftet zusammen mit seiner Familie einen Milchviehbetrieb am Ortsrand von Waldau mit 175 Hektar Fläche. Im Stall stehen rund 150 Kühe plus weiblicher und männlicher Nachzucht.

Im zurückliegenden Jahr sei der Preis für Diesel um 70 Prozent gestiegen, Futtermittel kosteten im Schnitt das Doppelte und Mineraldünger das Drei- bis Vierfache. Dazu kämen noch die Preissteigerungen für Strom, Tierarzt, Ersatzteile, Maschinen, Baustoffe und so weiter. Für Thomas Erlmann steh deshalb fest: „Da ist die Steigerung beim Milchpreis um 30 Prozent einfach zu wenig.“

Hermann Grampp aus Melkendort ist der gleichen Meinung. Er bewirtschaftet mit seiner Familie rund 200 Hektar Fläche und hat ebenfalls rund 150 Kühe in seinem Stall. Allerdings wirtschaftet Grampp seit 2017 nach den Richtlinie des Bioland-Anbauverbandes. Er macht eine einfache Rechnung auf. Einer Erhöhung beim Milchpreis um zehn Prozent steht eine Verteuerung der Produkte in den Läden um 30 Prozent (Käse) bis 50 Prozent (Butter) gegenüber. Auf der Kostenseite müsse er eine Preissteigerung um 35 bis 50 Prozent etwa bei Futtermitteln hinnehmen.

Biobauern seien derzeit noch schlimmer betroffen, als konventionelle Erzeuger, denn sie hätten nicht die Preissteigerungen, die der konventionelle Markt hergibt, müssten aber trotzdem die höheren Kosten tragen. Völlig unverständlich ist es für Grampp, wenn die immense Verteuerung beispielsweise bei hochwertigem Eiweißfutter mit dem Krieg in der Ukraine begründet wird. „Jeder stopft sich irgendwie die Taschen voll“, so lautet sein Verdacht.

Info:

Der Preis, den eine Molkerei dem Bauern auszahlt, ist der Milchpreis. Er wird in Cent je Kilogramm berechnet. Der Umrechnungsfaktor von Liter zu Kilogramm beträgt 1,03. Ein Liter Milch entspricht somit 1,03 Kilogramm. Wie viel Geld ein Landwirt für seine Milch bekommt, hängt von der gelieferten Rohmilchmenge, vom Fett- und Eiweißgehalt der Rohmilch und von Qualitätsmerkmalen wie der Keimzahl, der Zellzahl und den enthaltenden Hemmstoffen der Rohmilch ab. Der Grundpreis der Milch bezieht sich in der Regel auf einen Fettgehalt von 4,0 Prozent und einen Eiweißgehalt von 3,4 Prozent.

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12.06.2022

Publikumsmagnet Landwirtschaft / Maschinenring feierte 60. Geburtstag

Kulmbach. Er ist ein Dienstleister für die Landwirtschaft, aber in zunehmenden Maß auch für Firmen und Privatleute: der Maschinen- und Betriebshilfsring Kulmbach. Vor rund 60 Jahren wurde er gegründet und hat seitdem eine stetige Aufwärtsentwicklung genommen. Ihr breites Portfolio stellte die bäuerliche Selbsthilfeeinrichtung am Sonntag in Neufang auf dem Gelände zwischen dem Reitstall von Ralf Michel und dem Kulmbacher Flugplatz bei einem „Tag der Landwirtschaft“ vor. Viele hundert Besucher nutzten während des Nachmittags die Möglichkeit, Technik zu bestaunen und sich über landwirtschaftliche Zusammenhänge zu informieren.

Dazu gab es eine große Maschinenausstellung zwischen Reitstall und Flugplatz. Mit der Schau sollte die Leistungsfähigkeit des Ringes eindrucksvoll unter Beweis gestellt werden. Die Maschinen standen freilich nicht nur so da, sondern konnten im Einsatz bestaunt werden. An den praktischen Vorführungen hatten sich viele Aktive und einige Firmen beteiligt, die eng mit dem Maschinenring zusammenarbeiten. Sie stellten ihre hohe Einsatzbereitschaft und ihr enorme Know-how vor.

„Vom Baumkletterer über Kehrmaschinen und Klauenpflegestand bis zum Sägespalter haben wir auf einem Rundweg unser gesamtes Programm zusammengestellt“, sagte Geschäftsführer Dupke. Auch die Heißwasserthermie zur Unkrautbekämpfung sowie Möglichkeiten, dem Eichenprozessionsspinner den Garaus zu machen, gehören zur umfangreichen Angebotspalette des Maschinenrings. Dazu gab es mehrere Informationsstände unter anderem des Amtes für Landwirtschaft und des Bauernverbandes. Landwirte aus der Region, wie Daniel Kaßel mit seinem Eierheisla oder Ben Berthold aus Eggenreuth mit dem Kulmbacher Weideschwein, stellten einen kleinen Bauernmarkt zusammen.

Der Maschinen- und Betriebshilfsring hat mittlerweile 850 Mitglieder, sein Angebot reicht von der klassischen Maschinenvermittlung und Betriebshilfe bis hin zur Erschließung neuer Einkommensquellen für die Landwirte. Abgewickelt werden sie über die gewerbliche Tochtergesellschaft MR Oberfranken Mitte zusammen mit den Nachbarringen Bayreuth/Pegnitz und Fränkische Schweiz. Historisch reicht die Geschichte des Maschinenrings bis Anfang der 1960er Jahre zurück. Damals gab es drei Maschinenringe auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Kulmbach. Mit dem Zusammenschluss der drei Ringe war der Maschinen- und Betriebshilfsring Kulmbach entstanden.

Bilder: Mit einer großen Maschinenausstellung feierte der Maschinenring Kulmbach in Neufang auf dem Gelände zwischen Reitstall Michel und dem Kulmbacher Flugplatz seinen 60. Geburtstag.

 

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12.06.2022

Betriebshilfe, Beratung und Baumfällungen / Maschinen- und Betriebshilfsring Kulmbach konnte sich im Corona-Jahr 2021 gut behaupten

Neufang. Ursprünglich ging es lediglich um die Vermittlung von Maschinen. Mittlerweile bieten die Maschinen- und Betriebshilfsringe ein weitverzweigtes Netz an Dienstleistungen an. Bestes Beispiel dafür ist der Maschinenring Kulmbach. Die bäuerliche Selbsthilfeeinrichtung konnte im zurückliegenden Jahr trotz Corona ihren Verrechnungswert, also den Wert, der auf Basis der Kosten für die Leistungen aller Bereiche angesetzt wird, von 3,7 auf gut vier Millionen Euro steigern.

„Unser Ziel ist es, die Betriebe im Landkreis Kulmbach auch zukünftig zu organisieren und sicherzustellen“, sagte der Vorsitzende Andreas Textores bei der Jahresversammlung in der Reithalle von Ralf Michel in Neufang. Immer mehr in den Focus gerate dabei auch die Absicht, kommunale und private Aufträge zu organisieren und abzuwickeln. Der Maschinen- und Betriebshilfsring Kulmbach hat aktuell 650 Mitglieder, zwei weniger als im Jahr zuvor.

Bei der sozialen Betriebshilfe, also immer dann, wenn zum Beispiel ein Betriebseiter erkrankt, einen Unfall hat, wegen einer Operation außer Gefecht ist oder zur Kur muss, stieg die Zahl der geleisteten Stunden nach den Zahlen von Geschäftsführer Horst Dupke von 17145 in 2020 auf 22500 im Jahr 2021 an. Der Maschinen- und Betriebshilfsring verstehe sich dabei als der Ansprechpartner, der sämtliche Formalitäten erledigt und die Verhandlungen mit dem Sozialversicherungsträger führt. Kaum noch Nachfrage gebe es im Kulmbacher Land nach wirtschaftlicher Betriebshilfe, etwa zur Abdeckung von Arbeitsspitzen. „Die wirtschaftliche Betriebshilfe ist komplett auf dem absteigenden Ast, wir haben auch kaum noch Helfer“, so Dupke.

Zweiter wesentlicher Aufgabenbereich ist die Vermittlung von Maschinen. Hier schlugen im Wesentlichen die Futter- und Strohernte, das weite Feld der Landschaftspflege, die Körnerernte und –aufbereitung sowie der Verleih von Schleppern zu Buche. Darüber hinaus sieht sich der Maschinenring als verlässlicher Partner, wenn es um die Mehrfachanträge, um Gasölanträge oder um Düngedokumentationen geht.

Seit 2021 ist es im Kulmbacher Land möglich, den Maiszünsler biologisch mit Schlupfwespen zu bekämpfen, die per Drohne ausgebracht werden. Auch dieses Angebot des Maschinenrings habe sich mittlerweile bewährt. Nicht zuletzt ist der Maschinenring auch Träger der dezentralen Grüngutkompostierung im Landkreis. Hier seien im zurückliegenden Jahr 51613 Kubikmeter Grüngut angeliefert worden.

Viel getan hatte sich im zurückliegenden Jahr bei der Maschinenring Oberfranken Mitte GmbH, in der die Ringe Kulmbach, Bayreuth und Fränkische Schweiz ihre gewerblichen Aktivitäten ausgelagert haben. Hier reicht das breite Portfolio von der Düngeberatung über die biologische Unkrautbekämpfung per Heißwasserthermie, die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners bis zu Klauenpflege. Für Firmen und Privatleute dürfte dabei das Angebot von Problembaumfällungen, Winterdienst oder Arbeiten rund um Haus und Garten interessant sein.

Drei Betriebshelfer wurden diesmal für ihren Einsatz ausgezeichnet: Thomas Kraß, Manfred Schuster und Horst Hempfling. Jeder von ihnen hatte im zurückliegenden Jahr mehr als 1000 Stunden Betriebshife geleistet.

Bild: Geschäftsführer Horst Dupke (links) und Vorsitzender Andreas Textores zeichneten Thomas Kraß, Manfred Schuster und Horst Hempfling als die Betriebshelfer mit den meisten Stunden aus.

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07.06.2022

Kleiner Ring, große Schlagkraft / Maschinen- und Betriebshilfsring Wunsiedel: Vorstand bleibt unverändert – Mitgliedsbeiträge verdoppelt

Höchstädt. Der Maschinen- und Betriebshilfsring Wunsiedel ist mit seinen gut 600 Mitgliedern einer der kleineren Ringe in Bayern. „Doch wir sind nicht weniger schlagfertig als die großen Ringe“, sagte der Vorsitzende Martin Goldschald bei der Jahresversammlung in Höchstädt. Die Schlagkraft der bäuerlichen Selbsthilfeeinrichtung machte er unter anderem auch daran fest, dass nahezu alle landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis auch Mitglied des Maschinenrings sind.

Wichtigster Aufgabenbereich des Rings ist die Betriebshilfe. 15530 Stunden wurden nach den Zahlen von Geschäftsführer Andreas Hager im zurückliegenden Jahr geleistet, Corona-bedingt sind das rund 1500 weniger als noch im Jahr zuvor. Die Stunden teilen sich auf in knapp zwei Dritteln sozialen Einsätzen, also bei Krankheit, Unfällen, Reha-Maßnahmen, Operationen oder gar einem Todesfall, und gut einem Drittel wirtschaftlicher Betriebshilfe, also zur Abdeckung von Arbeitsspitzen. Der Maschinenring sei ständig auf der Suche nach neuen Betriebshelfern, sagte der Geschäftsführer. „Meldet euch bei uns, wir haben immer Arbeit“, so Hager.

Zweites wichtiges Standbein des Rings sind der Verleih und die Vermittlung von Maschinen. Hier hätten besonders die Bereiche Schlepper und Transporte, Pflanzenschutz und Körnermais das Geschäft beherrscht. Fasst man die Betriebshilfe, die Maschinenvermittlung und die Landschaftspflege, die der Ring zusammen mit dem Landratsamt und dem Naturpark Fichtelgebirge durchführt, zusammen, kommt man auf einem Verrechnungswert von knapp 3,2 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahr bedeute dies eine rund zehnprozentige Steigerung.

Neu ist die Auflösung der Maschinenrings Hochfranken GmbH, in der die beiden Ringe Münchberg und Wunsiedel bis Ende 2021 ihre gewerblichen Aktivitäten gebündelt hatten. Der Wunsiedler Ring führt die gewerbliche Tochter unter dem gleichen Namen weiter, genauso wie der MR Münchberg ein eigenes Tochterunternehmen gegründet hat. „Wir wollen aber auch weiterhin gut zusammen arbeiten“, sagte Geschäftsführer Reinhard Rasp.

Ohne Diskussion und auch ohne Gegenstimme stimmten die Mitglieder einer Erhöhung der Beiträge zu. So werden ab dem kommenden Jahr 50 statt bisher 25 Euro pro Mitglied fällig. Unberührt bleibt der Hektarbeitrag von einem Euro. „Uns bleibt leider nichts anderes übrig“, sagte Vorsitzender Martin Goldschald und verwies auf die geradezu explodierenden Kosten und die immense Erweiterung der Angebote.

In dieser Zeit müsste auch dem Letzten klar sein, wie wichtig die heimische Landwirtschaft für eine zuverlässige Nahrungsmittelversorgung ist, sagte der Landtagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende des Landtagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Martin Schöffel. Landrat Peter Berek bescheinigte dem Maschinenring einen unersetzlichen Dienst für die Landwirtschaft im Landkreis. Auch für die Gemeinde sei der Maschinenring mittlerweile zu einem wichtigen, starken und zuverlässigen Partner geworden, so der Höchstädter Bürgermeister Gerald Bauer.

Bei den turnusgemäßen Neuwahlen wurden Martin Goldschald aus Erkersreuth als erster und Michael Groschwitz aus Vordorf als zweiter Vorsitzender in ihren Ämtern bestätigt. Im erweiterten Vorstand gab es ebenfalls keine Veränderungen. Er setzt sich aus den folgenden Mitgliedern zusammen: Markus Bauer (Sichersreuth), Frank Deistler (Hohenbuch), Klaus Gläßel (Grafenreuth), Christian Hendel (Thiersheim), Udo Legath (Schacht), Fabian Medick (Kothigenbibersbach), Anja Raithel (Bödlas), Thomas Schlegel (Wustung) und Reinhard Schlötzer (Raumetengrün).

Foto: Die drei Betriebshelfer mit den meisten Stunden wurden von den Verantwortlichen des MR Wunsiedel ausgezeichnet (von links): Hans Tröger, Geschäftsführer Andreas Hager, Toni Pößl, MR-Organisator Matthias Benker, Sandra Dörnhöfer, 2. Vorsitzender Michael Groschwitz und Vorstand Martin Goldschald.

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03.06.2022

Achtung, Respekt und Wertschätzung für Betriebshelfer / Maschinenring Fränkische Schweiz: Erfolgsbilanz trotz Corona

Aufseß/Windischgaillenreuth. Steigende Zahlen in nahezu allen Bereichen kann der Maschinen- und Betriebshilfsring Fränkische Schweiz für sich verbuchen. Bei der Jahreshauptversammlung bezifferte Geschäftsführer Manuel Appel den Verrechnungswert für das zurückliegende Jahr auf 3,1 Millionen Euro und damit auf über 100000 Euro mehr als noch 2020. Beim Verrechnungswert handelt es sich um den Wert, der auf der Basis der Kosten für die Leistungen aller Bereiche angesetzt wird.

Während die Zahl bei der Betriebshilfe minimal zurückgegangen war, können die Verantwortlichen für das Kerngeschäft der Maschinenvermittlung nahezu überall steigende Zahlen vermelden. Der Rückgang bei der Betriebshilfe liegt allerdings daran, dass hauptberufliche Kräfte mittlerweile über die Träger, also hauptsächlich über den Evangelischen Dorfhelferinnen und Betriebshelferdienst, abgerechnet werden. Lediglich nebenberufliche Kräfte rechnet der MR Fränkische Schweiz selbst ab. Trotzdem wurden immer noch 7713 Stunden soziale und 4934 Stunden wirtschaftliche Betriebshilfe geleistet. Während wirtschaftliche Betriebshilfe zur Abdeckung von Arbeitsspitzen angefordert werden kann, springt die soziale Betriebshilfe bei Krankheits- oder Notfällen auf landwirtschaftlichen Betrieben ein.

Diese Arbeit könne nicht hoch genug eingeschätzt werden, sagte der Vorsitzende Bernhard Hack aus Weilersbach. „Die Tätigkeit der Betriebshelfer ist gerade in dieser Zeit nicht einfach“, so Hack. Die Helfer würden meistens mit Not, Krankheit oder Tod konfrontiert und müssten sich von jetzt auf gleich immer wieder auf eine neue Situation einstellen. Das sei absolut bewundernswert und deshalb sollte ihnen auch mit Achtung, Respekt und Wertschätzung begegnet werden. Für den MR Fränkische Schweiz sind vier Kräfte hauptamtlich, zwei weitere selbstständig und 20 nebenberuflich tätig.

Bei der Maschinenvermittlung machte der Bereich Futterbau und Strohernte mit rund 1,2 Millionen Euro den weitaus größten Teil aus. Das sei immerhin eine Steigerung um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sagte Manuel Appel. Die Arbeit mit Schleppern und der Transport, sowie die Körnerernte waren ebenfalls ertragsmäßig ganz oben angesiedelt.

Zu den weiteren Aufgaben des Maschinenrings Fränkische Schweiz gehört die Übernahme der Geschäftsführung für die Biomasseheizwerke Hollfeld und Gößweinstein, für die Bioenergie Hollfeld und für die Regnitz-Jura-Düngetrac GmbH. Gewerbliche Aktivitäten hat der Ring zusammen mit den Nachbarringen Bayreuth und Kulmbach in der Maschinenring Oberfranken Mitte (OMI) GmbH gebündelt. Dazu gehört beispielsweise die Klauenpflege, die Maiszünslerbekämpfung oder die Unkrautbekämpfung mit Heißwasserthermie.

Der MR Fränkische Schweiz stellt ein besonderes Konstrukt dar, weil sich sein Tätigkeitsgebiet gleich auf drei Landkreise erstreckt. Neben zwei Gemeinden aus dem Landkreis Bamberg gehören vier Gemeinden aus dem Landkreis Bayreuth dazu, der Rest gehört zum Landkreis Forchheim. Der Ring hat 763 Mitglieder, 19 weniger als im Jahr zuvor.

In ihren Grußworten würdigte der Bayreuther Landrat Florian Wiedemann, der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif und der Forchheimer Dekan Enno Weidt die Arbeit des Maschinenrings. „Ein Volk kann nur dann zufrieden leben, wenn es sich auch selbst versorgen kann“, sagte Greif. Was heute als Share Economy angepriesen wird, also die gegenseitige Unterstützung, sei bei den Maschinenringen schon lange Realität, so Wiedemann und Dekan Weidt erinnerte daran, dass Landwirtschaft und Kirche traditionell vielfältige Verbindungen haben.

Bilder:
1. Vorsitzender Bernhard Hack.
2. Geschäftsführer Manuel Appel.

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02.06.2022

Am 12. Juni: Tag der Landwirtschaft zwischen Reitstall und Flugplatz / Maschinen- und Betriebshilfering Kulmbach feiert 60. Geburtstag

Kulmbach. Drei Maschinenringe gab es Anfang der 1960er Jahre auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Kulmbach. Alle drei wurden damals noch von der Sparkasse, beziehungsweise den Raiffeisenbanken getragen. Mit dem Zusammenschluss der drei Ringe genau vor 60 Jahren war der Maschinen- und Betriebshilfsring Kulmbach entstanden. Den Geburtstag feiern die Verantwortlichen um Vorsitzenden Andreas Textores und Geschäftsführer Horst Dupke mit einem großangelegten Tag der Landwirtschaft am Sonntag, 12. Juni von 13 bis 17 Uhr auf dem Gelände zwischen dem Reitstall Michel und dem Kulmbacher Flugplatz.

Der Maschinen- und Betriebshilfsring ist als Dienstleister für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum nicht mehr aus Kulmbach wegzudenken. Der Ring hat mittlerweile 850 Mitglieder, sein Angebot reicht von der klassischen Maschinenvermittlung und Betriebshilfe bis hin zur Erschließung neuer Einkommensquellen für die Landwirte. Abgewickelt werden sie über die gewerbliche Tochtergesellschaft MR Oberfranken Mitte zusammen mit den Nachbarringen Bayreuth/Pegnitz und Fränkische Schweiz. Die breite Palette an Dienstleistungen im ländlichen Raum umfasst das Schneeräumen genauso wie die Sportplatzpflege.

Im Mittelpunkt des Tages der Landwirtschaft steht eine große Maschinenausstellung mit der die Leistungsfähigkeit der Selbsthilfeeinrichtung unter Beweis gestellt werden soll. „Vom Baumkletterer über Kehrmaschinen und Klauenpflegestand bis zum Sägespalter werden wir auf einem Rundweg unser gesamtes Programm vorstellen“, sagt Geschäftsführer Dupke. Auch die Heißwasserthermie zur Unkrautbekämpfung sowie Möglichkeiten, dem Eichenprozessionsspinner den Garaus zu machen, gehören zum umfangreichen Portfolio des Maschinenrings. „Wir wollen zeigen, dass wir auch für Privatgärten der richtige Ansprechpartner sind“, so Dupke.

Dazu gibt es mehrere Informationsstände unter anderem des Amtes für Landwirtschaft, des Bauernverbandes und der Waldbesitzervereinigung Kulmbach-Stadtsteinach. Landwirte aus der Region stellen einen kleinen Bauernmarkt zusammen, Ralf Michel vom Reitstall bietet zusammenmit den Bäuerinnen Kaffee und Kuchen, Bratwürste und Getränke an. Für Kinder wird eigens eine Hüpfburg aufgebaut, Hauptpreis einer Verlosung wird ein Rundflug über Kulmbach sein.

Der Tag der Landwirtschaft auf dem Gelände des Reitstalles Michel in Neufang, direkt neben dem Kulmbacher Flugplatz findet am 12. Juni von 13 bis 17 Uhr statt. Am Abend ab 20 Uhr steht für alle Mitglieder die Jahreshauptversammlung am gleichen Ort in der Reithalle auf dem Programm. Für alle Gewerbekunden und sonstige Interessenten gibt es dann am Montag, 13. Juni ab 9 Uhr einen Gewerbetag, bei dem der Maschinenring Oberfranken-Mitte seine umfangreichen Leistungen vorstellen wird. Bei schlechtem Wetter werden weite Teile des Programms in der Reithalle von Ralf Michel stattfinden.

Bild: Mit einer großen Maschinenausstellung feiert der Maschinenring Kulmbach am 12. Juni seinen 60. Geburtstag.

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01.06.2022

Rekordzahlen trotz Corona / Maschinenring Bayreuth-Pegnitz übertrifft beim Verrechnungswert erstmals die Acht-Millionen-Euro-Grenze – Betriebshelfer dringend gesucht

Bayreuth/Pegnitz. Die Corona-Krise ist am Maschinen- und Betriebshilfering Bayreuth-Pegnitz nicht spurlos vorübergegangen. „Die Pandemie war eine große Herausforderung, vor allem für unsere Betriebshelfer“, sagte der Vorsitzende Reinhard Sendelbeck bei der ersten Jahreshauptversammlung seit drei Jahren. Gerade die Helfer hätten alles möglich gemacht, um den Betrieb auf den Höfen aufrechtzuerhalten. Trotzdem konnten sich die Zahlen in den vergangenen Jahren sehen lassen. Beim Verrechnungswert wurde sogar erstmals die Acht-Millionen-Grenze deutlich überschritten.

Nach den Worten von Geschäftsführer Johannes Scherm wurden 2021 über 21700 Stunden soziale Betriebshilfe geleistet, fast 1600 mehr als 2020. Soziale Betriebshilfe heißt, dass ein Helfer einspringt, wenn es auf einem Hof zu krankheitsbedingten Ausfällen kommt. Dazu sind für den Maschinenring Bayreuth-Pegnitz über 40 haupt- und nebenberufliche Kräfte tätig. Viel zu wenig, wie Scherm feststellte. „Wir suchen dringend neue Leute.“ Der Geschäftsführer sprach von einer idealen Möglichkeit, Geld dazu zu verdienen. Als Stundenvergütung werden aktuell stattliche 20,35 Euro ausbezahlt.

Zweites wichtiges Standbein der Maschinenringe ist die Vermietung von Maschinen und schlagkräftiger Technik. Dazu hält der MR Bayreuth-Pegnitz unter anderem Schlepper, Pflüge, eine neue Kurzscheibenegge und einen Grubber vor. Die insgesamt drei Schlepper seien mit fast 2000 Stunden, die beiden Pflüge mit fast 1000 Stunden ausgelastet gewesen. 90 Mitglieder hätten den Maschinenpark bei rund 200 Einsätzen genutzt. Als Leistungsträger beim Verrechnungswert bezeichnete Scherm den Futterbau, die Körnerernte und die organische Düngung.

„Das alles sind Zahlen, die sich absolut sehen lassen können“, sagte der Geschäftsführer. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft sei an diesen Zahlen nicht ablesbar. Auch die Zahl der Mitglieder ist mit 1287 (drei weniger als 2020) nahezu gleich geblieben.

Als „Anwalt der Bauern“ für den gesamten Landkreis bezeichnete der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel, der auch stellvertretender Vorsitzender des Landtagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ist, den Maschinenring. Schöffel nannte es schlimm genug, dass es erst Corona und den Krieg gebraucht hat, um festzustellen, wie leistungsfähig die heimische Landwirtschaft ist. „Ob Tank, Teller oder Trog, die Bauern können alles“, sagte der Politiker. Einer großen Mehrheit der Bevölkerung sei nun wieder bewusst geworden, dass die Landwirte die Ernährung sichern und den ländlichen Raum gestalten, so Landrat Florian Wiedemann.

Bei den turnusmäßigen Neuwahlen wurde der Vorsitzende Reinhard Sendelbeck aus Gottsfeld ohne Gegenstimme in seinem Amt für weitere fünf Jahre bestätigt. Die beiden neuen Stellvertreter sind Martin Freiberger aus Aichig und Michael Seitz aus Nemschenreuth. Sie lösen den bisherigen zweiten Vorsitzenden Matthias Roder aus Würnsreuth ab, der nicht mehr zur Wahl angetreten war. Aufgrund der deutlich gestiegenen Aufgaben des Maschinenrings hatte die Versammlung vorher einer Satzungsänderung zugestimmt, nach der es künftig immer zwei statt bisher einen Stellvertreter geben soll.

Neu gewählt wurden auch die Mitglieder des zehnköpfigen Vorstandsteams: Andreas Weidinger (Weidensees), Daniel Lodes (Hohenmirsberg), Stephan Knopf (Unterölschnitz), Frank Lothes (Schnabelwaid), Jörg Etterer (Kirchenlaibach), Mario Ströbel (Döberschütz), Helmut Hacker (Seulbitz), Helmut Schlegel (Höflas-Gefrees), Johannes Parchent (Hardt) und Martin Hofmann (Mistelbach). Aus dem Vorstand ausgeschieden sind Reinhard Preißinger (Einziegenhof), Armin Parchent (Hardt) und Harald Baumann (Guttenthau).

Bild: Die Spitze des Maschinenrings Bayreuth-Pegnitz mit den ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedern und den neuen Stellvertretern (von links): Michael Seitz, Harald Baumann, Reinhard Preissinger, Reinhard  Sendelbeck, Johannes Scherm, Matthias Roder, Armin Parchent und Martin Freiberger.

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30.05.2022

Landwirtschaft hat Zukunft (25):

Nachhaltig und regional: Damwild aus dem Kulmbacher Land / Die Familie Wachter betreibt das Lehenthaler Wildgehege

Lehenthal. Das Damwild in Lehenthal ist schon eine kleine Attraktion. Immer wieder kommen junge Familien mit kleinen Kindern, um die Tiere zu beobachten, und auch, um sie zu füttern. „Wir haben da nichts dagegen. Im Gegenteil, wir freuen uns, dass wir mit dem Gehege und unseren Tieren auch anderen eine Freude bereiten können.“, sagen Vater Erwin und Sohn Marcel Wachter. Erwin (63) ist der Betreiber des Geheges und Inhaber der 130 Tiere starken Herde. Marcel kümmert sich zusammen mit Bruder Alexander und Schwester Julia um die Tiere und um deren Vermarktung.

In Lehenthal ist das Elternhaus und auch der elterliche Hof von Erwin. Sein inzwischen verstorbener Bruder Herbert war es auch, der 1979 den Grundstein für die Damwildherde legte und die ersten Pflöcke für das Gehege einschlug. Dort wo früher ein Kartoffelacker war, hielten an Ostern 1980 die ersten sieben Tiere Einzug. Eigentlich wollte er einen neuen Rinderstall bauen, doch dann ist er beim Damwild gelandet“, erinnert sich Erwin. Aus einem ersten, zwei Hektar großen Gatter wurden mittlerweile zehn Hektar. Dazu kommen drum herum Flächen von über 20 Hektar, auf denen das Futter, Grünland und Getreide, wächst und gedeiht. „Wir erzeugen fast alles selbst“, sagt Marcel, und der Vorrat reicht für ein ganzes Jahr, was sich besonders in Trockenjahren bezahlt macht.

Auch wenn die Damwildhaltung im Nebenerwerb erfolgt, ist sie doch mehr als ein bloßes Hobby. Die Vermarktung erfolgt zum einen von lebenden Tieren vorwiegend für Zuchtzwecke nach Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen und Thüringen bis Brandenburg. Zum anderen schlachtet und zerlegt Erwin im eigenen EU-zertifizierten Schlachthaus mit Kühlraum in Lehenthal das Fleisch und verkauft es - überwiegend als Direktvermarkter. Mit dem Steakhouse „Müllers-KU“, dem ehemaligen kleinen Rathaus, wird saisonal aber auch die Gastronomie beliefert. Perspektivisch soll das Fleisch zudem über das lokale Erzeugerforum „Marktschwärmer“ in der Mönchshof erhältlich sein.

Ganz so einfach ist das aber auch alles nicht. Vater und Sohn verweisen auf eine eigene Fanganlage, Sachkundeprüfungen, Narkotisierungserlaubnisse, auch den notwendigen Jagdschein haben beide. Der Sohn, der in Stuttgart bei einem großen Konzern im Hauptberuf tätig ist, hat dort an der Abendschule auch die staatlich anerkannte Ausbildung zum Landwirt gemacht.

Höchst professionell wird auch für das Spezialitätenfleisch aus dem Kulmbacher Land geworben. Ob Instagram, Facebook oder Google, überall ist das Lehenthaler Damwild zu finden. Auf der Straße nach Gemlenz gibt es eine große Infotafel, auf der die Geschichte der Ranch mit ihren Facetten ansprechend zusammengefasst wurde.

„Wir wollen den Leuten nichts vormachen“, sagt Marcel Wachter. „Hier findet Natur statt.“ Dazu gehören Revierkämpfe genauso wie die Tatsache, dass das Wild bei Wind und Wetter, bei Regen und Schnee im Freien ist. Und natürlich werden die Tiere auch geschossen. „Das gehört halt auch dazu“, sagt Marcel. Für die Tiere bedeute das aber auch einen absolut stressfreien Tod, zum anderen stehe der Gedanke der Nachhaltigkeit im Vordergrund. Transportwege gibt es praktisch nicht.

Trotzdem müssen entweder Vater oder eines der Kinder jeden Tag mindestens einmal nach dem Rechten sehen. Immer wieder kommt es vor, dass sich beispielsweise ein Jungtier im Zaun verfängt. Auch Ausbrüche gab es schon. „Ich bin täglich ein bis zwei Stunden oben“, sagte Erwin, der mit seiner Familie in Unterdornlach zu Hause ist.

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23.05.2022

Landwirtschaft hat Zukunft (24):

Landwirtschaft am Rande der Stadt / Kerstin und Hermann Grampp bewirtschaften in Melkendorf einen Milchviehbetrieb

Auch wenn die Arbeitsbelastung enorm ist und von den derzeitigen Preissteigerungen beim Bauern kaum etwas ankommt: „Landwirtschaft, das ist für mich Beruf und Hobby in einem“, sagt Hermann Grampp (54). Er ist überzeugt davon, dass es weiter geht, dass Landwirtschaft Zukunft hat, auch wenn es das Umfeld einem nicht gerade leicht macht.

Mit seiner Nähe zum Stadtrand von Kulmbach, wenige Meter von der Melkendorfer Umgehung entfernt, hat der Hof der Familie Grampp schon eine ganz besondere Lage. Das war nicht immer so. 2007 vom Vater übernommen und im Jahr drauf von der Ortsmitte ausgesiedelt, gab es hier vielfältige Möglichkeiten der Expansion. War die alte Hofstelle, in der noch immer das Jungvieh sein Zuhause hat, gerade mal knapp 0,7 Hektar groß, hat die jetzige Hofstelle eine Fläche von stattlichen 2,7 Hektar.

Rund 200 Hektar bewirtschaftet die Familie, 70 Hektar Grünland, 130 Hektar Ackerland, auf dem Kleegras, Getreide, Mais und künftig auch Soja angebaut werden. Alles zum Eigenbedarf, denn die rund 150 Kühe in dem modernen offenen Laufstall brauchen schließlich genug zu Fressen. Nachdem das automatische Melksystem gut ausgelastet war, wurde später ein zweiter Melkroboter angeschafft. Seit 2017 wird der Betrieb nach den Bioland-Kriterien bewirtschaftet. Die Milch geht an die Milchwerke Oberfranken-West in Meeder bei Coburg.

Zwei Hilfskräfte sind zweitweise auf dem Hof tätig, doch im Wesentlichen erledigt die Familie alles selbst. Da sind die Eltern von Hermann Grampp, die noch auf der alten Hofstelle im Ort wohnen und dort das Jungvieh versorgen. Der Sohn und die große Tochter haben  außerlandwirtschaftliche Berufe gefunden. „Wenn man sie braucht, sind sie aber immer zur Stelle““, sagt Hermann Grampp. Die jüngste Tochter Larissa legt heuer ihr Abitur ab .

Ein ganz besonderes Steckenpferd hat Ehefrau Kerstin. Sie engagiert sich seit rund 20 Jahren für das Projekt „Landfrauen machen Schule“. Dabei geht es darum, hauptsächlich Erst- bis Viertklässlern Landwirtschaft zu vermitteln. Kerstin Grampp ist Ernährungsfachfrau und Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft. „Die Schüler sollen Landwirtschaft sehen, riechen, schmecken und fühlen, kurz mit allen Sinnen erfahren.“ Schließlich sei der Bezug zur Landwirtschaft über weite Strecken völlig abgerissen, in vielen Köpfen existiere ein völlig falsches Bild. „Wir sind weder Zoo noch Museum“, sagt Kerstin Grampp. Die jungen Leute sollen wieder erfahren, wo die Grundnahrungsmittel herkommen und was daraus entsteht.

Trotz der großen Arbeitsbelastung bleibt auch für Hermann Grampp noch Zeit fürs Ehrenamt. Er ist Ortsobmann des Bauernverbandes und gehört auch der BBV-Kreisvorstandschaft an. Er ist außerdem Jagdvorstand und Kassier bei der örtlichen Feuerwehr.

Bild: Hermann Grampp glaubt fest an die Zukunft die Landwirtschaft.

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20.05.2022

Frischer Wind in der Steuerberatung / Kanzleiverbund Kulmbach der BBJ-Unternehmensgruppe unter neuer Leitung – Mandanten aus der Landwirtschaft im Focus

Himmelkron / Kulmbach. Jörg Deuerling, Martin Dietel und Michael Schuberth stehen künftig an der Spitze des Kulmbacher Kanzleiverbundes der BBJ Unternehmensgruppe. Sie lösen damit Günter Engel ab, der über zehn Jahre hinweg die Kanzlei erfolgreich zu einem fränkisch-sächsischen Verbund weiterentwickelt hatte. Dazu gehören die Kanzleien in Kulmbach, Scheßlitz, Plauen, Hof und Bayreuth mit zusammen rund 120 Mitarbeitern. Der Stabwechsel an der Spitze wurde jetzt bei einer Festveranstaltung in Himmelkron vollzogen.

Jörg Deuerling, Martin Dietel und Michael Schuberth kennen die Unternehmensgruppe bereits von der Pike auf. Martin Dietel und Michael Schuberth sind bereits seit ihrer Ausbildung zum Fachagrarwirt Rechnungswesen beim LBD (Landwirtschaftlicher Buchführungsdienst) in Kulmbach. Jörg Deuerling fand seinen Einstieg, nach seinem Betriebswirtschaftsstudium mit Schwerpunkt Steuern, bei der BERATA Kulmbach. Somit stehen dem Kanzleiverbund zwei Experten in der Landwirtschaft und mit Jörg Deuerling ein Profi im Gewerbe zur Verfügung.

Die BBJ-Unternehmensgruppe blickt auf eine lange Historie zurück. Bereits 1968 wurde der Buchführungsdienst der Bayerischen Jungbauernschaft gegründet, um Landwirte bei der anstehenden Buchführungspflicht zu unterstützen. Aus dem Verein entstanden schnell mehrere Unternehmen: die LBD Landwirtschaftlicher Buchführungsdienst GmbH, die BERATA-GmbH Steuerberatungsgesellschaft und die rwb Revisions- und Wirtschaftsberatungs-GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Mittlerweile ist aus dem Verein eine große Unternehmensgruppe geworden, die an 43 Standorten insgesamt rund 1200 Mitarbeiter beschäftigt. Dabei bündelt die BBJ die Kompetenzen rund um Finanzen, Steuern und Betriebsentwicklung in Bayern, Sachsen, Thüringen und Brandenburg. „Unser Buchführungsdienst hilft dabei Landwirten bei der Einhaltung ihrer steuerlichen Pflichten“, sagte Geschäftsführer Gunter Nüssel. Die BERATA widmet sich verschiedensten Gewerben und freien Berufen. Außerdem unterstützt sie auch Privatpersonen bei allen Anliegen rund um die Steuererklärung. „Wir haben auch bei Fragen zu Wirtschaftsprüfung, Unternehmensberatung sowie -bewertung mit den Fachleuten der rwb die richtigen Ansprechpartner für unsere Mandanten“, so Nüssel.

„Vertrauensvoll legen unsere Mandanten seit Jahrzehnten ihre sensiblen Daten in unsere Hände“, sagte Nüssel. „Stets entwickeln wir neue Lösungen, um die tägliche Arbeit zu vereinfachen und die Sicherheit der Daten zu gewährleisten. Wir nehmen unsere Kunden auf Ihrem Weg in die Digitalisierung und in die Zukunft an die Hand.“ Die rund 120 Mitarbeiter würden die Bedürfnisse der landwirtschaftlichen Mandanten oft aus ihrem eigenen Umfeld kennen, denn viele von ihnen stammen selbst aus der Landwirtschaft oder sind privat eng mit ihr verbunden.

Diese Herkunft spiegelt sich auch im Tätigkeitsfeld des Kanzleiverbundes wider. Der Fokus liege klar auf der Betreuung von Mandanten aus dem landwirtschaftlichen Bereich sowie deren gewerblichen Nebenbetrieben. Die Mitarbeiter helfen den Betrieben bei wirtschaftlichen Fragen und unterstützen bei den strategischen Planungen, wenn es zum Beispiel um Betriebsübergaben oder Verpachtungen geht. Dafür sind Außendienstler in großen Teilen Oberfrankens sowie dem Südwesten von Sachsen und teilweise auch im Südosten von Thüringen unterwegs.

Bild: Martin Dietel, Jörg Deuerling (von links) und Michael Schuberth (rechts) stehen künftig an der Spitze des Kulmbacher Kanzleiverbundes der BBJ Unternehmensgruppe. Sie lösen damit Günter Engel (2. von rechts) ab, der über zehn Jahre hinweg die Kanzlei geleitet hatte.

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19.05.2022

Landfrauen suchen Dialog mit der Gesellschaft / Keine Veränderungen an der Spitze: Angelika Seyferth als Kreisbäuerin wiedergewählt

Bayreuth. Die bisherige Kreisbäuerin ist auch die neue: Angelika Seyferth (64) aus Mistelgau ist bei den turnusmäßigen Verbandswahlen der Landfrauengruppe im Bauernverband einstimmig für die kommenden fünf Jahre in ihrem Amt bestätigt worden. Keine Veränderungen gab es auch im Amt ihrer Stellvertreterin. Doris Schmidt (54) aus Plech wurde ebenso wie schon zuvor Angelika Seyferth mit 35 von 35 möglichen Stimmen gewählt.

Eine Verjüngung gab es dagegen bei den fünf Beirätinnen. Sie bilden zusammen mit Kreisbäuerin und deren Stellvertreterin die engere Vorstandschaft der Landfrauen im Landkreis Bayreuth. Mit Johanna Hohlweg aus Bad Berneck (23) und Monika Daubinger (39) aus Höfen wurden zwei Landfrauen jeweils mit großer Mehrheit neu in den Beirat gewählt. In diesem Amt bestätigt wurden Petra Lodes (54) aus Leups, Martina Heintke (39) aus Gebhardshof und Gerlinde Ströbel (43) aus Troschenreuth. Nicht mehr Mitglied des Vorstandes sind Elfriede Adelhardt aus Pottenstein und Hedwig Loos aus Kornbach.

Die alte und neue BBV-Kreisbäuerin Angelika Seyfert sprach von fünf lehrreichen Jahren, die hinter ihr liegen. Die vielen Aufgabenbereiche, die trotz Corona angepackt worden seien, hätten stets Spaß gemacht und seien für alle Beteiligten wertvoll gewesen. Angelika Seyferth ist seit 25 Jahren als Ortsbäuerin aktiv, gehört seit 15 Jahren der Kreisvorstandschaft an und ist seit fünf Jahren Kreisbäuerin. Den Milchviehbetrieb mit Ackerbau, den sie mit ihrem Mann führte, hat sie bereits an die nächste Generation übergeben.

Die Landfrauen seien das zuverlässige Spracherohr der Landwirtschaft, sagte BBV-Direktor Wilhelm Böhmer. Er drückte seine Hoffnung aus, dass vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise wieder ein wenig mehr Vernunft in die Diskussion um die Landwirtschaft komme. „Unsere Botschaft lautet: bei uns ist die Ernährung sicher“, so Wilhelm Böhmer. Beim Getreide liege der Selbstversorgungsgrad bei 100 Prozent, bei Kartoffeln sogar bei 150 Prozent. Was allerdings geradezu explodiert sei, sind die Preise für Düngemittel und Rohstoffe.

Prominenter Gast bei der Wahlversammlung in der Tierzuchtklause war die bayerische Landesbäuerin Anneliese Göller. Sie zitierte aus der jüngsten Bäuerinnenstudie, dass die größte Sorge ihrer Berufskolleginnen eine unzuverlässige Agrarpolitik sei. Hier gelte es sich auch weiterhin einzusetzen und für den Berufsstand am Ball zu bleiben. „Wir werden auch weiterhin den Dialog mit der Gesellschaft suchen“, sagte Anneliese Göller. Projekte und Aktionen wie „Landfrauen machen Schule“ oder der Kindertag auf den Bauernhöfen sollten deshalb unbedingt fortgesetzt werden.

Bild:
1. Die Bayreuther Kreisbäuerin Angelika Seyferth (links) ist in ihrem Amt für weitere fünf Jahre bestätigt worden. Prominenteste Gratulantin war die bayerische Landesbäuerin Anneliese Göller.
2. Die neue Vorstandschaft der Landfrauengruppe im BBV (von links): BBV-Direktor Wilhelm Böhmer, Johanna Hohlweg, Doris Schmidt, Gerlinde Ströbel, Monika Daubinger, Petra Lodes, Kreisbäuerin Angelika Seyferth, BBV-Geschäftsführer Harald Köppel, Martina Heintke und Landesbäuerin Anneliese Göller.

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16.05.2022

Schweinemarkt vor gewaltigem Umbruch: Klasse statt Masse / Insektenfleisch und „Clean Meat“ statt Spanferkel und Schweinesteak – Fachgespräch mit Metzger und Produzenten

Zettlitz. Die Schweinehaltung wird sich in den kommenden Jahren extrem verändern. Davon geht Rüdiger Strobel von der gleichnamigen Landmetzgerei im Selbitzer Ortsteil Dörnthal aus. „Die Entwicklung wird weg von der Masse und dafür hin zur Klasse gehen“, sagt Strobel, der vor Jahren mit seinen Strohschweinen bekannt wurde.

Bei einem Meinungsaustausch mit dem Kulmbacher BBV-Kreisobmann und Ferkelerzeuger Wilfried Löwinger auf dem Betrieb von Udo Köhler, ebenfalls Ferkelerzeuger, in Zettlitz bei Gefrees sagt Strohschweinmetzger Strobel voraus, dass der typische Kunde der Zukunft nur noch ein- bis zweimal pro Woche Fleisch genießen wird, dafür aber dann ein Top-Produkt für sich in Anspruch nehmen möchte.

Den breiten Markt werden Billigimporte von Tieren abdecken, die nicht mehr aus Deutschland stammen. Auch Insektenfleisch oder sogenanntes „Clean Meat“, also künstlich erzeugtes Fleisch aus dem Labor, wären denkbar. Mit Blick auf die zurückliegenden Jahre sei der Fleischkonsum ohnehin schon deutlich zurückgegangen. Denkbar sei auch, dass im Vergleich zum jetzigen Stand in zehn bis 15 Jahren nur noch halb so viele Schweine aus Deutschland kommen.

Dem pflichtet der Kulmbacher Kreisobmann Wilfried Löwinger bei. So seien bei der letzten Herbstzählung zehn Prozent der Tiere und eineinhalb Prozent der Halter weniger gezählt worden, als noch vor Jahresfrist. „Früher war es stets anders herum“, so Löwinger. „Viele Betriebe hören derzeit auf, das zeigt, wir gehen einem echten Strukturwandel entgegen.“

Als Gründe für die Fleischmisere nennt er unter anderem den zurückgegangenen Fleischverbrauch aufgrund von gestiegenem Gesundheitsbewusstsein und einer wachsenden Zahl von Vegetariern und Veganern. Allerdings ist Löwinger fest überzeugt davon, dass allen Ideologien zum Trotz auch in Zukunft hierzulande Fleischverzehr stattfinden wird. 

Viel wichtiger als die Einteilung in Haltungsstufen, wie sie der Lebensmitteleinzelhandel derzeit vornimmt, erachtet Löwinger eine Herkunftskennzeichnung. Haltungsstufen seien austauschbar, das Fleisch könne dann zu günstigeren Preisen auch direkt aus dem Ausland importiert werden. Fleisch aus Deutschland und besonders aus Bayern werde dagegen verstärkt nachgefragt, doch daran hätten die großen Discounter kein Interesse.

Die Landmetzgerei Strobel gibt es bereits seit 40 Jahren. Seit 21 Jahren steht Rüdiger Strobel an der Spitze. Er stellte 2015 auf Strohschweine um und wurde dafür zunächst lange belächelt. Heute gibt ihm der Erfolg Recht. Bis zu 30 Tiere werden pro Woche geschlachtet. Die Tiere kommen von aktuell zehn Bauern aus den Landkreisen Bayreuth, Hof und Wunsiedel. Strobel ist außerdem in der Interessensgemeinschaft Bayerisches Strohschwein aktiv, ein Zusammenschluss, der sich um Kontakte zu Großabnehmern und Produzenten kümmert.

Bild: Der Kulmbacher Kreisobmann Wilfried Löwinger, Strohschweinmetzer Rüdiger Strobel mit Emmi Köhler auf der Schulter und Ferkelerzeuger Udo Köhler (von links) trafen sich zum Fachgespräch über die Zukunft der Schweinehaltung in Zettlitz.

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16.05.2022

Landwirtschaft hat Zukunft (23):

Klasse statt Masse / Familie Berthold vermarktet Kulmbacher Weideschweine über Ihren Hofladen in Kulmbach und online in ganz Deutschland

Eggenreuth. Regional, transparent und fair: das sind die drei wichtigsten Kriterien für das Kulmbacher Weideschwein. Was mit einer Zuchtsau vor mittlerweile über acht Jahren begann, hat sich mittlerweile schon fast zum Selbstläufer entwickelt. 200 Schweine umfasst die Herde oberhalb der kleinen Ortschaft Eggenreuth. Die außerordentliche Qualität des Fleisches hat sich mittlerweile herumgesprochen, so dass Kunden aus ganz Deutschland Steaks, Schäufele, Würste, Koteletts und vieles mehr über das Internet bestellen. „Kein Wunder, Schweinehaltung in dieser Form ist nicht wirklich verbreitet“, sagt Ben Berthold.

Der 35-jährige stammt aus dem nahen Mainleus, hat in den Niederlanden Physiotherapie studiert und ist noch heute als Yoga-Lehrer tätig. Seine Frau Johanna lernte er in Finnland kennen. Zusammen entschloss sich das Paar, wieder in die Heimat von Ben zurückzukehren. Zunächst pachteten beide den Dörnhof unterhalb von Eggenreuth, 2016 kauften sie dann das zuletzt leer stehende landwirtschaftliche Anwesen in Eggenreuth, um sich hier den Traum von der Direktvermarktung alter Schweinerassen zu erfüllen.

Die Rassen tragen Namen wie Mangalica Wollschweine, Bunte Bentheimer, Deutsches Sattelschwein Iberico oder Duroc. Allen gemeinsam ist, dass sie als besonders widerstandsfähig und robust gelten. Anders wäre es auch nicht möglich, die Tiere ganzjährig im Freien auf der Weide zu halten. Schutz vor Wind und Wetter finden sie in Hütten mit reichlich Stroh. „Wir wollen gutes Fleisch aus anständiger Haltung produzieren“, sagt Ben Berthold.

Auf einem Teil der rund 15 Hektar Fläche tummelt sich die Herde. Für den Nachwuchs sorgen zwei Eber und zehn Zuchtsauen. Angebaut werden vor allem Klee, aber auch verschiedene Getreidesorten, Leguminosen, Wicken oder Sonnenblumen. Bei den benötigten zwei Kilo Futter pro Tag und Tier müssen die Bertholds freilich zukaufen, in der Regel Weizen, Gerste und Erbsen von Bauern aus der Nachbarschaft. Da sich die Tiere ständig bewegen, brauchen sie auch deutlich mehr Energie, als in herkömmlichen Haltungsformen.

Einmal im Monat werden drei bis vier Tiere im nahen Kulmbach geschlachtet. Sie sind dann circa 14 Monate alt und bringen rund 120 Kilogramm auf die Waage. Das Zerlegen, die Verarbeitung und die Verpackung erfolgt fachgerecht durch einen Metzger auf dem Hof in Eggenreuth. Auf der Website der Kulmbacher Weideschweine kann sich jeder sein individuelles Fleischpaket zusammenzustellen. Großer Verkauf und Abholung der vorbestellten Waren ist immer am ersten Samstag im Monat. Tags darauf gibt es dann allmonatlich eine Art „Tag der offenen Tür“, an dem Ben Berthold allen Interessierten die Schweinehaltung und alles, was dazugehört erklärt. „Das ist aus der Not heraus entstanden, denn irgendwann wollten immer mehr Menschen wissen, was wir da so machen“, erinnert sich Ben Berthold.

„Unser Ziel ist Klasse, nicht Masse“, sagt er. Eine Aufstockung der Herde schließt er deshalb auch aus. „Mehr produzieren, das können andere besser“, so Berthold. Dafür sei halt auch nicht immer alles verfügbar. Das wissen die vielen Stammkunden. Sie wissen aber auch die hohe Qualität zu schätzen und sind dafür bereit, einen Preis zu zahlen, der naturgemäß weit über dem des Discounters liegt.

Zweites Standbein ist das Leasen eines kompletten Schweines. Der Kunde sucht sich bei dieser Form der Lohnmast ein acht Wochen altes Ferkel aus, das in Eggenreuth im Familienverband aufwächst. Für Futter und Pflege sind monatlich 85 Euro fällig. Der Kunde selbst bestimmt dann, wann das Schwein geschlachtet wird und wie die Verarbeitung erfolgt.

Bilder:
1.
 Ein ganz besonderes Geschmackserlebnis versprechen Johanna und Ben Berthold mit ihren Spezialitäten vom Kulmbacher Weideschwein.
2.
 Die Weideschweine von Eggenreuth leben das ganze Jahr über im Freien und sind ständig in Bewegung.

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15.05.2022

Krieg und Corona rücken Landwirtschaft in die Mitte / Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause: Kulmbacher Bäuerinnen trafen sich erstmals wieder zum Landfrauentag

Stadtsteinach. Einen „Blick durchs Schlüsselloch in Richtung Zukunft der Landwirtschaft“ haben alle Redner beim Kulmbacher Landfrauentag am Sonntagnachmittag in Stadtsteinach gewagt. Kreisbäuerin Beate Opel und der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel bedauerten dabei, dass die Landwirte längst nicht mehr in der Mitte der Gesellschaft stehen, sondern an den Rand gedrängt wurden. „Früher war die Landwirtschaft etwas Besonderes, heute kritisiert man nur noch an uns herum“, sagte Beate Opel. Martin Schöffel, der auch stellvertretender Vorsitzender des Landtagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ist, sah aber auch eine Trendumkehr in vielen Bereichen. Die Corona-Krise als auch der Krieg in der Ukraine hätten gezeigt, wie wichtig eine zuverlässige Versorgung mit gesunder Ernährung im eigenen Land ist. „Es muss jetzt jedem bewusst werden, dass wir eine leistungsfähige Landwirtschaft brauchen“, so Schöffel.

Die Menschen im Landkreis Kulmbach wüssten, was sie an ihren Bauern haben, sagte der Abgeordnete. Mit ihrem Einsatz, ihr hohes Wissen und ihre engagierte Tätigkeit seien die Bauern sehr wohl etwas Besonderes und gehörten auch in die Mitte der Gesellschaft. Schöffel zählte mehrere sogenannte Megatrends auf, die alle mit dem bäuerlichen Berufsstand in Verbindung stehen. Der Trend zu einem gesunden Leben etwa, der ohne Bauern nicht zu verwirklichen sei. Nicht umsonst seien überall neue Hofläden oder andere Vermarktungsformen entstanden.

Viele Megatrends hätten sich aber auch längst umgekehrt. Etwa der Trend zur Urbanisierung. Ein Blick auf die zurückliegenden beiden Jahre zeigt, dass wieder mehr Menschen aus Großstädten und Ballungsräumen weggezogen als zugezogen seien. „Das Leben auf dem Land wird durchaus wieder als wertvoll angesehen. Gleiches treffe auf den Trend zur Globalisierung zu. So habe der Verbraucher erkennen müssen, dass insbesondere Nahrungsmittel aus dem Ausland eben nicht unbegrenzt verfügbar seien. „Es muss jedem bewusst werden, dass wir unseren hohen Selbstversorgungsgrad nicht leichtfertig aufs Spiel setzen dürfen.“

Kreisbäuerin Beate Opel bedauerte, dass viele Grundkenntnisse bei jungen Leuten einfach nicht mehr vorhanden seien. Dies treffe ganz besonders auf Kenntnisse im Zusammenhang mit der Ernährung zu. Da seien die Bäuerinnen gefragt, etwa mit dem Projekt „Landfrauen machen Schule“, mit dem Schülerinnen und Schülern wieder Grundkenntnisse im Umgang mit Lebensmitteln und bei der Nahrungszubereitung nahe gebracht werden sollen. „Nachhaltigkeit und Ernährungssicherheit sind durch den Krieg und durch Corona wieder in den Focus gerückt“, so Beate Opel.

Der ländliche Raum biete viele Vorteile, die gelte es nach außen verstärkt darzustellen, dann werde auch die Bedeutung der Landwirtschaft für unsere Gesellschaft wieder mehr erkannt, sagte Landrat Klaus Peter Söllner. Stadtsteinachs Bürgermeister Roland Wolfrum, freute sich, dass sich die Kulmbacher Landfrauen nach mittlerweile zwei Jahren endlich wieder in der Steinachtalhalle treffen können. „Wenn nicht jetzt, wann dann“, freute er sich schon auf die nächsten Begegnungen.

Zum Landfrauentag gehört natürlich immer ein Rahmenprogramm. Statt eines Chores sangen diesmal der Bariton Steffen Schmidt begleitet von Ludger Ahrens am E-Piano italienische Lieder, Andrea Greim und Ines Schramm führten einen Sketch auf und das Modegeschäft PriVera Trend & Style aus Kulmbach zeigte eine Modenschau.

Bild: Kreisbäuerin Beate Opel (links) und Stellvertreterin Silvia Schramm bedankten sich beim Referenten, dem Landtagsabgeordneten Martin Schöffel mit einem Präsent für die Übernahme des Referates beim Landfrauentag in Stadtsteinach.

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13.05.2022

Waldbesitzer planen Neubau / Borkenkäfer sorgte für Rekorde - WBV will von Treppendorf nach Hollfeld umziehen

Hollfeld. Die Waldbesitzervereinigung Hollfeld wird in den kommenden Jahren eine neue Geschäftsstelle errichten. Der Bau soll in Holzbauweise entstehen und eine Nutzfläche von 250 bis 280 Quadratmetern haben. Standort wird die Stadt Hollfeld sein, auf ein konkretes Grundstück hat man sich allerdings noch nicht festgelegt. Die WBV erstreckt sich über drei Landkreise: Bamberg, Bayreuth und Kulmbach.

Der Grundstückserwerb soll allerdings der nächste Schritt sein, nachdem die Mitgliederversammlung mit 77 zu 13 Stimmen ihre Zustimmung gegeben hat. Die Kosten sollen weitgehend aus Eigenmitteln bestritten werden. Nachdem es weder ein Grundstück, noch konkrete Planungen gibt, steht die Investitionssumme noch nicht fest. Genauso wenig wie der Zeitplan. „Wir würden gerne baldmöglichst starten“, sagte der wiedergewählte Vorsitzende Christian Dormann. Aufgrund der derzeitigen Situation in der Baubranche könnten allerdings keine verbindlichen Aussagen getroffen werden. „Einen Baubeginn wird es nur geben, wenn die Konditionen annehmbar sind“.

Der Neubau ist notwendig, nachdem die bisherige, angemietete Geschäftsstelle in Treppendorf aus allen Nähten platzt. „Wir stoßen an unsere Grenzen, nachdem die Aufgaben immer mehr werden“, so der Vorsitzende. Deshalb möchte man auch gleich groß genug bauen. „Wir werden keinen Palast hinstellen“, versprach Dormann. „Aber wer weiß, was in den nächsten Jahren noch alles auf uns zukommt“.

Dabei seien bereits die zurückliegenden Jahre überaus fordernd gewesen. „Der Käfer fliegt und fliegt und bohrt auch fleißig.“ Dormann appellierte deshalb an alle Waldbesitzer, Käferholz schnellstmöglich zu entfernen und für Waldhygiene zu sorgen. „Andernfalls wird uns die nächste Käferwelle komplett überrollen.“

Nach den Worten von Stefanie Blumers hat die WBV aktuell 1674 Mitglieder, 20 mehr als vor zwei Jahren. Zusammen bewirtschaften sie eine Waldfläche von knapp 13000 Hektar. Auch Blumers warnte vor dem Borkenkäfer: „Wenn man ihn nicht frühzeitig erwischt, breitet er sich ungehindert aus“, sagte sie. Ab Mitte Juli des zurückliegenden Jahres sei es soweit gewesen. Im Sommer seien teilweise bis zu sieben Harvester im Vereinsgebiet im Einsatz gewesen, um das Schadholz aus dem Wald zu bringen. „Da kamen alle an ihre Grenzen“, sogar Aushilfskräfte habe man einsetzen müssen. Habe die vermarktete Holzmenge 2020 noch bei insgesamt knapp 29000 Festmeter gelegen, seien es 2021 fast 82000 Festmeter, zum weitaus größten Teil Fichten, gewesen. Damit sei der Rekord von 2007 geknackt worden.

Bei den turnusgemäßen Neuwahlen wurde Christian Dormann aus Sachsendorf ohne Gegenstimme in seinem Amt bestätigt. Auch der zweite Vorsitzende Matthias Weigand wurde mit 67 von 84 abgegebenen Stimmen wiedergewählt. Für das Amt des dritten Vorsitzenden war mit Harald Gardill ein Gegenkandidat zum bisherigen Amtsinhaber Benjamin Täuber angetreten. Völlig überraschend konnte Gardill, bisher Maschinenwart der WBV aus Drosendorf, die Wahl mit 37 Stimmen für sich entscheiden. Auf Täuber, den bisherigen dritten Vorsitzenden aus Berndorf bei Thurnau, waren nur 23 Stimmen entfallen. Rechnungsführerin bleibt Carola Betz, neuer Schriftführer ist Frank Drentwett aus Bayreuth. Er löst den langjährigen Schriftführer Helmut Stenglein ab, der sein Amt aus Altersgründen zur Verfügung gestellt hatte.

Bild: Helmut Stenglein wurde vom Vorstandsmitglied Carola Betz und vom Vorsitzenden Christian Dormann (von links) mit einem Präsent aus den Reihen des Vorstandes verabschiedet.

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11.05.2022

Keine Importe aus der Ukraine: Rapsmarkt komplett leergefegt / Erzeugergemeinschaft für Qualitätsraps Oberfranken: Anbaufläche und Vermarktung konnten deutlich zulegen

Bamberg. Die leuchtend gelben Rapsfelder sind derzeit kaum zu übersehen. Das hat seinen Grund: Von einem signifikanten Anstieg der Vermarktungsmenge konnten Vorstand und Geschäftsführung der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsraps in Oberfranken berichten. „Wir sind wieder jemand im Bereich der Rapsvermarktung“, sagte Vorsitzender Klaus Siegelin aus Küps bei der Jahresversammlung in Bamberg.

Insgesamt wird die vermarktete Menge aus Oberfranken mit rund 45000 Tonnen angegeben. Nicht alles läuft dabei über die Erzeugergemeinschaft, deren Aufgabe vor allem in der Vermittlung liegt. „Uns geht es darum, den Landwirten zu helfen, den besten Preis zu erzielen“, sagte Geschäftsführer Thorsten Gunselmann vom Bauernverband in Oberfranken. Raps liefert im Wesentlichen Öl, aus dem Schrot wird ein hochwertiges Eiweißfutter gewonnen, außerdem wird Rapshonig immer mehr nachgefragt.

Sorgen bereitet den Verantwortlichen allerding das Kriegsgeschehen in der Ukraine. Die europäische Produktion (zuletzt 17,4 Millionen Tonnen pro Jahr), deckt den europäischen Bedarf (22,8 Millionen Tonnen) nicht ab. Über fünf Millionen Tonnen Raps müssen importiert werden. Dabei kam bislang am meisten Raps aus der Ukraine, gefolgt von Australien und Kanada. „Der Rapsmarkt ist momentan total leer gefegt“, sagte Geschäftsführer Gunselmann. Seinen Worten zufolge reichen die weltweiten Rapsreserven gerade einmal 20 Tage, so wenig wie selten zuvor.

Auf etwa fünf Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Oberfranken wächst der Raps. Das sind zusammen rund 14000 Hektar, womit wieder das Niveau von 2014 erreicht worden sei. Zwischenzeitlich war die Anbaufläche im Regierungsbezirk sogar auf unter 10000 Hektar gerutscht. Gesunken war allerdings auch im zurückliegenden Jahr die Zahl der Mitglieder in der Erzeugergemeinschaft. Der aktuelle Stand von 561 Mitgliedern bedeutet 33 weniger als noch vor Jahresfrist, was ausnahmslos dem Strukturwandel geschuldet ist.

Europaweit ist das größte Anbauland in Europa nach wie vor Frankreich. Deutschland liegt mit mehr als einer Million Hektar Raps immerhin wieder auf Platz zwei, nachdem die Anbaufläche 2019 und 2020 aufgrund der miserablen Marktsituation nach unten gegangen war. Auch beim Klimawandel kann Raps durchaus punkten. Wir sind ein Teil der Lösung“, sagte Vorsitzender Siegelin. Rapsanbau sei ganz klar als Beitrag zum Klimaschutz anerkannt.

Die Mitgliederversammlung der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsraps Oberfranken fand diesmal in den Räumen der BayWa am Hafen in Bamberg statt. 56000 Quadratmeter hat der Konzern dort gepachtet. In Bamberg erfasst die BayWa nach den Worten von Regionalagrarleiter Alexander Weiß aus Münchberg rund 65000 Tonnen Getreide pro Jahr, 80 Prozent davon gehen per Schiff an die Weltmärkte.

Laut Günter Schuster, dem Geschäftsführer der Sparten Agrar und Technik in Franken kommen 60 Prozent des Konzernumsatzes nach wie vor aus dem Agrarbereich. In Franken beschäftigt die BayWa an 72 Standorten, davon 35 zur Getreideerfassung, rund 1100 Mitarbeiter, der Jahresumsatz liegt bei rund 500 Millionen Euro

Bilder:
1. Die leuchtend geleben Rapsfelder, wie hier in der Nähe von Thurnau sind derzeit kaum zu übersehen.
2. Alexander Weiß, der Regionalleiter der Sparte Agrar, erläuterte den Mitgliedern der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsraps in Oberfranken die Abläufe von der Anlieferung bis zur Verladung am BayWa-Standort Bamberg.

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09.05.2021

Landwirtschaft hat Zukunft (22):

Pensionspferdehaltung: Wichtiger, aber oft vernachlässigter Wirtschaftszweig / Ralf Michel bewirtschaftet in Neufang einen Reitstall mit 60 Pferden

Neufang. „Man muss die Arbeit gerne machen“, sagt Ralf Michel aus Neufang. Der 52-Jährige ist Pferdewirt mit Meisterprüfung und Chef auf seinem Reitstall in Neufang nahe des Kulmbacher Flugplatzes. Zur Arbeit gehört zum Beispiel auch das Aufstehen, jeden Morgen und Viertel nach fünf. 60 Pferde, sechs eigene und 54 Pensionspferde wollen schließlich versorgt werden. Doch das ist noch lange nicht alles, was auf dem schmucken Reitstall oberhalb von Kulmbach so anfällt.

Seit weit über 30 Jahren werden auf dem landwirtschaftlichen Betrieb Pferde gehalten. Ralf Michel ist hier aufgewachsen. Vater Fritz, der mit seinen 78 Jahren noch immer tatkräftig mit anpackt, und die mittlerweile verstorbene Mutter Margitta haben den Betrieb zuletzt im Nebenerwerb geführt. 1998 übernahm Ralf den Betrieb. Die Milchviehhaltung und auch die Schweine hatte man zu diesem Zeitpunkt längst aufgegeben.

Ralf lernte nach seiner landwirtschaftlichen Ausbildung den Beruf des Pferdewirts, im renommierten Staatsgut Schwaiganger, einem Bildungszentrum für Pferdehaltung am Fuß der Alpen nahe Garmisch-Partenkirchen. „Im Hinterkopf hatte ich es wohl schon, den Betrieb hier in Neufang irgendwann zu übernehmen“, sagt er. Bevor es soweit war, absolvierte er aber noch eine Art Praxisjahr auf einem Pferdebetrieb im fernen Schottland.

Zunächst arbeitete er noch als Betriebshelfer für den Maschinenring, ehe sich Ralf daran machte, den elterlichen Betrieb auszubauen. Und so entstanden nach und nach eine Reithalle, 20 mal 40 Meter groß, eine Longierhalle, 15 mal 15 Meter, und ein großer Reitplatz, 22 mal 50 Meter. Das alles sind Dimensionen, mit denen man professionell arbeiten kann, zumal er schon zuvor auch noch den aufgelassenen Laufstall des Nachbarn pachtete und dort Pferdeboxen einrichtete.

60 Tiere sind also mittlerweile zu versorgen, Kaltblüter, Haflinger sind darunter, relativ viele Westernpferde, insbesondere Quarter Horses und natürlich die Standardrasse Bayerisches Warmblut. Zwei Mitarbeiterinnen beschäftigt er, darunter eine gelernte Pferdewirtin, und der Vater mischt auch noch kräftig mit. Von den sechs eigenen Pferden sind zwei Zuchtstuten, der Nachwuchs wird ausgebildet und dann nach vier bis fünf Jahren verkauft.

„Die Pensionspferdehaltung ist durchaus ein wichtiger Wirtschaftszweig“, sagt Ralf Michel und zählt die vielen Reitställe auf, die es im Kulmbacher Land gibt. Eigentümer der Pferde sind dabei nicht, wie man sich das klischeehaft vorstellt die „Superreichen“, sondern ein ganz normaler Querschnitt der Bevölkerung. „Für viele ist das Pferd eben ein Hobby“, so Michel. Kein Sportgerät, wie vielleicht mancher denken könnte. Jeder zweite Pferdebesitzer kommt täglich, alle anderen mindestens jeden zweiten Tag.

Weil Pferde jede Menge Heu benötigen, bewirtschaftet Ralf Michel 60 Hektar Grünland, teilweise gehört es ihm, teilweise hat er es dazu gepachtet. Beim Mähen und Pressen kommen auch Kräfte des Maschinenrings zum Einsatz, um die Arbeitsspitzen abzudecken. Hafer muss er komplett zukaufen, denn Ackerland bewirtschaftet er nicht. In schlechten Jahren reichen selbst die beiden Schnitte der 60 Hektar nicht aus, so dass er auch das Heu teuer einkaufen muss.

Natürlich gibt es auch Probleme. Zum Beispiel zahlt die Berufsgenossenschaft etwa bei Unfall oder Krankheit keinen Betriebshelfer mehr. Begründung, Pensionspferde sind ja nicht im Eigentum des Reitstallinhabers. Ralf Michel kann das nicht verstehen und würde sich eine Gleichbehandlung mit „normalen“ landwirtschaftlichen Betrieben wünschen. Kaum ein Problem war dagegen die Corona-Pandemie. Man habe sich halt an die üblichen Hygiene-Regelungen gehalten, was auf dem weitläufigen Gelände und der großen Halle gar nicht so schwer gefallen sei.

Bild: Pferdewirtschaftsmeister Ralf Michel ist Eigentümer und Leiter des Reitstalles in Neufang oberhalb von Kulmbach

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02.05.2022

Landwirtschaft hat Zukunft (21):

Mehr Respekt für die Bauern / Leidenschaftlicher Landwirt: Norbert Erhardt bewirtschaftet in Motschenbach einen Milchviehbetrieb mit 130 Kühen

Motschenbach. „Trotzdem gibt es nichts schöneres, als Landwirtschaft“. Norbert Erhardt aus Motschenbach geht mit der Politik und vor allem mit dem Lebensmitteleinzelhandel hart ins Gericht, wenn es um die Bauern geht. Doch etwas anderes zu machen, das wäre für ihn niemals in Frage gekommen. Er blickt trotz alles „Baustellen“ zuversichtlich in die Zukunft.

1993 hatte er den Hof mitten in Motschenbach, einem Gemeindeteil von Mainleus, von seinem inzwischen verstorbenen Vater Hans übernommen. Zuvor hatte er nach seiner Landwirtschaftslehre gleich anschließend die Meisterprüfung absolviert. 1988 war das, mit 22 Jahren. Damals hatte der Betrieb 20 Kühe, heute sind es 130. Damals bewirtschaftete die Familie 16 Hektar, heute 150.

Klar, dass dies mitten in der Ortschaft, direkt neben der katholischen Pfarrkirche St. Maternus nicht mehr möglich war, und so siedelte der Betrieb an den Ortsrand aus. Zug um Zug wurde dort gebaut. „Im Schnitt haben wir alle fünf Jahre erweitert“, erinnert sich der heute 57-Jährige. Größter Brocken war der geräumige Laufstall, der 2005 fertig gestellt werden konnte.

Auf den 160 Hektar Fläche, alle im Gemeindegebiet von Mainleus, von denen 60 Eigenland sind, baut Norbert Erhardt Weizen, Wintergerste, Mais, Raps und Luzerne an. Das meiste davon zum Eigenbedarf, also als Futter für die Milchkühe, Weizen und Raps wird klassisch über den Landhandel vermarktet. Die Milch geht nach Coburg an die Milchwerke Oberfranken West und wird im Wesentlichen zu leckeren Käsespezialitäten verarbeitet.

Neben seiner Frau Margit helfen auch die Töchter Katrin, Annika und Laura tatkräftig mit. Während Margit hauptsächlich für das melken zuständig ist, übernimmt Katrin die Büroarbeiten. Und dann gibt es mit Lars Pühlhorn aus Zaubach noch einen Mitarbeiter, der erst im zurückliegenden Sommer seine Lehre abgeschlossen hatte. Auch das ein Zeichen, dass Norbert Erhardt an die Zukunft glaubt: während der zurückliegenden Jahre habe er regelmäßig junge Leute ausgebildet, was längst nicht mehr selbstverständlich ist.

Schon 2018 und 2019 seien für ihn und viele Berufskollegen extrem harte Jahre gewesen. Aufgrund der damaligen Trockenheit habe er Futter in großen Mengen zukaufen müssen. Aktuell explodieren die Preise nicht nur für Energie, sondern auch für Düngemittel. „Effektiv arbeiten mussten wir schon immer, wo sollen wir noch sparen“, sagt Norbert Erhardt. Ganz besonders im Focus seiner Kritik steht der Lebensmitteleinzelhandel: Daneben gehe es nur um Profit. Beim Bauern komme nichts an. „Es ist einfach respektlos gegen die Landwirtschaft, wie die ihr Geld eintreiben“, schimpft er. Die Bauern erzeugten super Nahrungsmittel zu günstigsten Preisen, der Verbraucher könne sich alles leisten und am Ende punkten Aldi, Lidl und Co mit simplen Werbegags. Norbert Erhardt geht sogar so weit zu behaupten, dass leere Regale gewollt sind, um die Preise nach oben treiben zu können. Und trotzdem: auf die Landwirtschaft lässt er nicht kommen.

„Wenn die Landwirtschaft ausstirbt, dass stirbt auch das Dorf aus“, ist sich Norbert Erhardt sicher. Der Mainleuser Gemeindeteil Motschenbach ist in dieser Hinsicht noch ganz gut aufgestellt. Zwei Milchviehbetriebe gibt es noch und zwei Ackerbaubetriebe, die im Nebenerwerb geführt werden. Freilich vor gerade mal 25 Jahren waren es noch neun Milchviehbetriebe.

Ganz so, als hätte er mit seinem Hof nicht schon genug zu tun, engagiert sich Norbert Erhardt seit 2012 ehrenamtlich für die CSU im Gemeinderat, ist seit über 25 Jahren Ortsobmann des Bauernverbandes, wirkt in der Kirchenverwaltung mit und geht auch gerne mal als Jäger auf die Pirsch. Zusammen mit seiner Frau lädt er auch immer wieder Schulklassen und Kindergärten auf den Hof ein, um jungen Leuten Landwirtschaft nahe zu bringen. „Die Öffentlichkeitarbeit hat bei uns schon immer einen hohen Stellenwert“, so der leidenschaftliche Landwirt.

Bilder:
1.
 Gute Tradition: viele Abzeichen des Milcherzeugerrings für herausragende Leistungen hat Norbert Erhardt an der Stalltüre angebracht.
2.
Landwirt Norbert Erhardt und Mitarbeiter Lars Pühlhorn im großzügigen Laufstall des Betriebes.
3.
 Leidenschaftlicher Landwirt: Für Norbert Erhardt aus Motschenbach ist sein Beruf eine echte Berufung.

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29.04.2022

„Waldumbau tut Not“ / WBV Bamberg vor herausfordernden forstlichen Zeiten

Scheßlitz. Die extremen Schadholzanfälle im Vereinsgebiet haben die Vermarktungszahlen der Waldbesitzervereinigung Bamberg gehörig durcheinander gewirbelt. Mit weit über 73000 Festmetern Holz habe die WBV 2021 fast die doppelte Menge von 2020 und beinahe die vierfache Menge eines „normalen“ Jahres vermarktet, sagte der neue Geschäftsführer Konstantin Meyer bei der Jahreshauptversammlung in Scheßlitz. Mit der Steigerung einhergegangen sei ein Anwachsen des Arbeitspensums weit über die Belastungsgrenze der mittlerweile sieben angestellten Mitarbeiter.

Oberfranken habe mit die höchsten Schadholzmengen in ganz Bayern gehabt, sagte Meyer. „Wir sind eigentlich mehr oder weniger dem Käfer hinterher gejagt.“ Konkret hätten die Zahlen, die von der WBV im Auftrag ihrer Mitglieder vermarktet wurden, 2021 bei 73377, 2020 bei 41747 und 2019 bei 33631 Festmetern Holz gelegen. Den weitaus größten Teil unter den Holzarten machten dabei naturgemäß die Fichten aus.

Die Jahreshauptversammlung in der Turnhalle des TSV Scheßlitz war die erste seit drei Jahren, die wieder in Präsenz stattgefunden hatte. Dementsprechend groß war der Bedarf, sich persönlich auszutauschen und aktuelle Probleme zu diskutieren. Vorsitzende Angelika Morgenroth schwor die Mitglieder vor dem Hintergrund des „European Green Deal“ auf eine „herausfordernde forstliche Zeitenwende“ ein. Ohne ein Gegensteuern würden die Waldbesitzer erschreckende Folgen für die Ressource Holz und den Waldumbau erleben. „Da sind die Politiker gefordert, um die geplanten ideologischen Auswirkungen abzuwenden“, sagte Morgenroth.

Doch auch vor Ort könne man von einer klimabedingten forstlichen Katastrophe sprechen. Nach den Zahlen der Vorsitzenden seien im Amtsbereich Bamberg in den zurückliegenden drei Jahren rund 1000 Hektar Wald verloren gegangen. Schuld daran sei die extreme Ausbreitung der Kalamitäten, schon im Jahr 2019 mit extremer Trockenheit und Wärme. „Viele Fichtenflächen sind in noch nie dagewesener Geschwindigkeit abgestorben“. Als Folge davon sei der Preis für Nadelhölzer bundesweit in Bodenlose gefallen. 

„Einen Wald zu besitzen ist kein reines Vergnügen mehr“, hatte bereits zuvor der stellvertretende Bereichsleiter Forsten Gregor Schießl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten festgestellt. Diskussionen fänden immer mehr unter einer „ideologischen Käseglocke“ statt, an deren Ende die Aussage steht: „Baum ab, nein danke“. Doch wer von den Kritikern kümmere sich wirklich um die Sorge und Nöte der Waldbesitzer? Dabei reiche schon der Borkenkäfer aus, um für Frustrationen zu sorgen. Schießl kam auf rund 200000 Kubikmeter reines Käferholz allein im Amtsbereich. „Waldumbau tut Not“ sagte der Forstamtsleiter. „Die Mischung macht´s, wer streut, rutscht nicht.“

Zur aktuellen Situation sagte Geschäftsführer Meyer, dass sich die Preise im ersten Quartal 2022 wieder auf höherem Niveau bewegten. Er rief die Waldbesitzer zu verstärkten Kontrollen der Fichtenbestände in den kommenden Wochen auf. Vor allem die zahlreichen Einzelwürfe vorgeschädigter Fichten nach den Stürmen im Februar machten verstärkten Buchdrucker- und Kupferstecherbefall wahrscheinlich.

Bild: „Arbeitspensum weit über die Belastungsgrenze“: Konstantin Meyer ist der neue Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Bamberg.

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25.04.2022

Landwirtschaft hat Zukunft (20):

Krisen und Krieg: Wertschätzung für die Landwirtschaft ist wieder gewachsen / Familie Müller bewirtschaftet bei Himmelkron einen klassischen Milchviehbetrieb

Schwärzhof. Landwirtschaft, ganz normal: das ist es, was Wolfgang Müller und seine Familie in dem zu Himmelkron gehörenden Weiler Schwärzhof betreiben. Die Lage ist allerdings außergewöhnlich: von der unterhalb der Schiefen Ebene gelegenen Ortschaft hat man einen gigantischen Blick über den Talkessel auf Himmelkron. Fast könnte man meinen, in der Toskana gelandet zu sein. „Nur das Meer fehlt“, sagt Wolfgang Müller augenzwinkernd.

Im Grund ist es ein ganz normaler Milchviehbetrieb mit 85 Kühen plus Nachzucht. Vermarktet wird die Milch nicht, wie man meinen könnte an die Käserei Bayreuth, sondern an die Milchwerke Oberfranken West nach Coburg. Als Bayreuth 2010 seine Eigenständigkeit aufgab und Bayernland-Standort wurde, habe man sich Coburg angeschlossen, berichtet Wolfgang Müller. Dabei sei man auch geblieben: „Alles läuft gut, wir sind sehr zufrieden.“

2005 hatte Wolfgang Müller (47) den Betrieb vom Vater Hans übernommen, der trotz seiner mittlerweile 82 Jahre noch immer schwer aktiv ist und mithilft, wo er nur kann. Auf dem Hof ist die ganze Familie im Einsatz, vor allem der älteste Sohn Markus (24), aber wenn irgendwie zeitlich möglich auch die beiden anderen Söhne, von denen einer gerade seinen Lebensmitteltechniker macht und der jüngst noch zur Schule geht. „Alle helfen mit und alle können mit Maschinen umgehen“, so Wolfgang Müller. Ehefrau Kathrin ist sogar als Kreisbäuerin von Himmelkron aktiv. Lediglich zur Abdeckung von Arbeitsspitzen, beim Dreschen und beim Mais häckseln, holt man sich einen Lohnunternehmer zur Hilfe.

2009 wurde der neue Laufstall als Außenklimastall mit Melkroboter errichtet. An Tierwohl mangelt es nicht, die Kühe haben jede Menge Licht und Luft. Insgesamt bewirtschaftet Wolfgang Müller 75 Hektar Land, rund 40 Hektar davon Grünland zum Eigenbedarf, also Futter für die Kühe. Auf den restlichen Flächen wird Silomais, Weizen und Gerste angebaut, vermarktet wird klassisch über den Landhandel. Sämtliche Flächen befinden sich in den Gemeindegebieten von Himmelkron und Trebgast. Bei den derzeitigen Energiepreisen sei es extrem wichtig, dass die Anfahrtswege nicht zu lang sind. Auch sollte man sich jeden einzelnen Bearbeitungsschritt genau überlegen.

Wolfgang Müller hatte nach einer ganz normalen Landwirtschaftslehre die damalige Technikerschule für Agrarwirtschaft in Bayreuth besucht und 1985 abgeschlossen. Sohn Markus absolvierte nach der Realschule ebenfalls eine Lehre und besuchte nach einem Praxisjahr die Technikerschule im mittelfränkischen Triesdorf. „Eine Superzeit“, schwärmt er. Er würde jederzeit wieder nach Triesdorf gehen und könne die Schule nur uneingeschränkt weiterempfehlen.

Ein wenig sieht Sohn Markus die Wertschätzung der Landwirtschaft wieder im Aufwind. Schuld daran seien die Krisen und der Krieg. Dadurch sei Nahrungsmittelsicherheit wieder ein Thema geworden. „Es hat doch lange keinen mehr interessiert, wo die Lebensmittel herkommen“, so Markus Müller. „Volle Regale waren Standard.“

Schwer aktiv sind Vater und Sohn auch in ihrer Freizeit. Seit 18 Jahren ist Wolfgang Mitglied des Kirchenvorstandes, seit den letzten Wahlen gehört der CSU/FWG-Liste des Gemeinderates an. Und dann hat er noch ein ganz besonderes Hobby: Für die Theatergruppe des Gartenbauvereins Lanzendorf steht er nach der Corona-Pause hoffentlich bald wieder auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

Sohn Markus, der drei Tage pro Woche im Büro des Maschinenrings Münchberg unter anderem für Abrechnungen und Düngeberatung arbeitet, ist dritter Vorstand der Landjugend Bad Berneck – Bindlach mit insgesamt rund 60 aktiven Mitgliedern, die nach Corona hoffentlich alle auch wiederkommen. Markus Müller ist zuversichtlich: „Wir haben das Beste daraus gemacht und die Zeit genutzt“, sagt er. Sogar eine Online-Weinprobe habe man arrangiert. Den persönlichen Kontakt, auch das ist sich Markus sicher, könne aber auch das beste Zoom-Meeting nicht ersetzen.

Bilder:
1.
 Vater Wolfgang und Sohn Markus Müller im Laufstall auf dem Schwärzhof bei Hmmelkron.
2.
 Geschützt vor Wind und Wetter und trotzdem im Freien hat man für die Kälberiglus einen guten Platz gefunden.

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25.04.2022

Weidehaltung im Visier / Oberfränkische Biobauern machen gegen EU-Öko-Verordnung mobil

Melkendorf. Kommt die Verpflichtung zur Weidehaltung, befürchten viele Biomilchlieferanten aus Oberfranken, dass sie mit allen negativen Konsequenzen wieder auf konventionelle Erzeugung umstellen müssen. Einer der betroffenen ist der Landwirt Hermann Grampp aus Melkendorf bei Kulmbach. Er hat jetzt mehrere Berufskollegen mobilisiert, um gegenüber Politik und Öffentlichkeit deutlich zu machen, dass viele fränkische Milchviehhalter vor einer unlösbaren Aufgabe stehen.

Die Europäische Union drängt die deutschen Bauern dazu, die EU-Öko-Verordnung in die Tat umzusetzen. Zentraler Bestandteil der Verordnung ist die Weideverpflichtung für Öko-Milchvieh. „Das ist für uns nicht machbar“, sagen Hermann Grampp und seine Berufskollegen. Ursache dafür sind die kleinteilige Struktur der bewirtschafteten Flächen und die massiven Streulagen aufgrund der typisch fränkischen Realteilungsgebiete.

Die geforderten Weiden müssten in Hofnähe, neben den Stallungen sein, was, anders als zum Beispiel in Norddeutschland oder in Oberbayern, schon aufgrund der örtlichen Gegebenheiten unmöglich ist. Dazu kommt, dass Bauern wie Hermann Grampp in den zurückliegenden Jahren teilweise Millionenbeträge investiert haben, um sämtliche Biostandards zu erfüllen. „Und jetzt soll alles umsonst gewesen sein?“, fragen sich er und seine Berufskollegen.

Markus Küfner aus Bindlach im Landkreis Bayreuth beispielsweise. Zusammen mit einem Partner bewirtschaftet er einen Biobetrieb mit 170 Kühen. „Weidehaltung ist bei uns unmöglich“, so Küfner. Auf der einen Seite grenzt der Hof direkt an die Bundesautobahn A9, auf der anderen Seite an die Eisenbahnlinie Bayreuth – Neuenmarkt. Wo soll er die geforderten Weiden hernehme? Harald Reblitz aus Coburg geht es ähnlich. Er ist Vorstandsvorsitzender bei den Milchwerken Oberfranken-West in Meeder bei Coburg. 15 bis 20 Prozent der angelieferten Milch sei Biomilch. Reblitz befürchtet, dass die Hälfte davon wegfallen würde, wenn die Weideverpflichtung Wirklichkeit wird. Wie das zur politisch geforderten Steigerung des Ökoanteils passen soll, erschließt sich keinem der Beteiligten.

Auch die Verpächter spielten nicht, wenn es darum geht, wertvolles Ackerland in Grünland umzuwandeln, so Harald Küfner aus Untergräfenthal. Er werde die Milchviehhaltung notfalls ganz aufgeben, denn ein zurück auf konventionelle Erzeugung komme für ihn nicht in Frage. Auch Gerd Böhner vom Lärchenhof bei Bindlach würde seine derzeit 180 Milchkühe deutlich reduzieren müssen, wenn er zur Weidehaltung gezwungen würde. Böhner spricht von einem echten K.o.-Kriterium. Dabei hatte er so viel Herzblut in die Milchviehhaltung gesteckt und immer wieder investiert.

„Wir stehen vor dem Nichts“, brachte Holger Hofmann aus Burghaig seine Situation auf den Punkt. Er hatte erst 2015 einen neuen Laufstall gebaut und „aus Überzeugung“ auf bio umgestellt. Direkt an seinen Hof angrenzend hat er überhaupt keine Flächen. Die nächsten seien rund zwei Kilometer entfernt. Ähnlich ergeht es Herbert Kunick aus Sonnefeld. Er müsste vier Kreis- und Staatsstraßen queren, um sein Milchvieh auf eine Weide und zurück zum Melkroboter zu bringen. Er brachte allerdings einen Kompromiss ins Spiel: so könnte man unter Umständen die Trockensteher, oder das Jungvieh auf die Weiden bringen, um die Öko-Verordnung zu erfüllen.

„Europa lässt sich eben nicht überall eins zu eins umsetzen“, sagt Martin Schöffel, Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Arbeitskreises Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Er setzt bei der Umsetzung der EU-Öko-Verordnung auf mögliche Ausnahmen sowie auf lange Übergangsfristen. Schließlich komme es auch darauf an, wie der Begriff Weide definiert werden soll, so Harald Köppel, Geschäftsführer des Bauernverbandes. Köppel geht aber auch davon aus, dass der Handel die Daumenschrauben weiter anziehen wird. Klaus Schiffer-Weigand vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, plädierte ebenfalls dafür, nach Kompromissen zu suchen: „Eine Totalverweigerung in Sachen Weide werden wir nicht durchbringen.“

Bild: Zahlreiche betroffene Berufskollegen hatte Hermann Grampp (3. Von links) aus Melkendorf auf seinem Hof versammelt, um Politik und Öffentlichkeit auf die negativen Auswirkungen der geforderten Weidehaltung aufmerksam zu machen.

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19.04.2022

Landwirtschaft hat Zukunft (19):

Fleckvieh, Angus- und Wagyu-Rinder aus dem Internet/ Hanf, Quinoa, Kühe: Martin Baumgärtner setzt auf Qualität, Nachhaltigkeit und Tierwohl

Unterzaubach. Ein autarker Bauernhof, das wäre der Idealfall, den Martin Baumgärtner in Unterzaubach anstrebt. Wenn manche auch darüber lächeln mögen, auf dem Weg dorthin ist er, zumindest theoretisch, schon ziemlich weit. Strom wird mit einer 100-kw-Freiflächenanlage produziert und in das öffentliche Netz eingespeist. Eine weitere Photovoltaikanlage auf dem Stalldach ist geplant. Nun müssten nur noch die Speichertechnologien so weit sein. Für die Wasserversorgung gibt es einen eigenen Brunnen und für die Wärme sorgen die Holzhackschnitzel aus dem eigenen Wald.

Wichtig ist für den 38-jährigen Landwirt auch die Kreislaufwirtschaft. Das Futter für die Tiere wächst auf den eigenen Feldern, die wiederum mit den Hinterlassenschaften der Vierbeiner gedüngt werden. Die Pflanzen produzieren Sauerstoff: „Somit haben wir soweit nur irgendwie möglich eine klimaneutrale Produktion“, sagt Baumgärtner, der es als früherer Landesvorsitzender der Bayerischen Jungbauernschaft nicht nur innerhalb des Berufsstandes auch überregional zu Bekanntheit gebracht hat.

2016 hatte er den Hof am Ortsrand von Unterzaubach von den Eltern übernommen. Damals mit 30 Kühen mit Nachzucht in Anbindehaltung. Das hatte keine Zukunft, so erkannte es Martin Baumgärtner schnell. Also stand er vor der Entscheidung, den Betrieb um- und auszubauen und im Vollerwerb weiterzuführen, oder eben nicht.

Nun war es nicht so, dass der Diplom-Agrarwirt keine anderen Optionen gehabt hätte. Martin Baumgartner studierte in Triesdorf Landwirtschaft und war mehrere Jahre lang beim Bayerischen Bauernverband tätig. Anschließend war er Lehrer an den Landwirtschaftsschulen in Bayreuth und Münchberg. Öffentlicher Dienst oder Selbstständigkeit, vor dieser Frage habe er damals gestanden und entschied sich für letzteres. Eigentlich hätte er sogar noch eine weitere Option gehabt, er kandidierte bereits als Kandidat der Freien Wähler für den Landtag und ist heute Stadtrat und 3. Bürgermeister von Stadtsteinach.

Heute ist die Fleischvermarktung das Hauptstandbein seines Betriebs, der 2017 auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt wurde. Martin Baumgartner betreibt im 2019 neugebauten Stall Mutterkuhhaltung mit 70 Tieren der Rassen Fleckvieh und Angus. Auch zwei Wagyu-Edelrinder sind dabei. Dazu kommen etwa 30 Jungtiere. Auf das vielzitierte Tierwohl legte der Landwirt von Anfang an größten Wert. „Die Kühe haben ein Maximum an Licht, Luft und Freiraum und können ihr Sozialverhalten so natürlich wie irgendwie möglich ausleben“.

Eine weitere Besonderheit auf dem Baumgärtner-Hof ist die Saisonabkalbung. Der Natur folgend, kommt der Bulle im Juli, August zur Herde. Die Kälber kommen dann so ab Mai auf die Welt. Vorteil ist, dass alle gleichzeitig das Licht der Welt erblicken, und zwar in der angehenden warmen Jahreszeit, meist sogar auf der Weide. . Man müsse normalerweise keine Sorge haben, dass ein Kalb nicht durchkommt, was in einem strengen Winter schon mal passieren kann. Danach bleiben sie dann solange wie nur irgendwie möglich bei der Mutter, meist bis in die Wintermonate hinein. Dann benötigt die Mutterkuh eine Erholungsphase. 28 Kälber plus drei Nachzügler haben so im zurückliegenden Jahr das Licht der Welt erblickt. Geschlachtet werden sie in der Regel erst nach drei Jahren.

Martin Baumgärtner legt bei allem, was er macht, höchsten Wert auf Qualität. So haben die bei einem Metzger in Himmelkron geschlachteten, zerlegten und vakuum verpackten Fleischpakete eben auch ihren Preis. Das Fünf-Kilo-Paket kostet 85 Euro und enthält unter anderem 500 Gramm Steaks, Braten, Rouladen und Beinscheiben. Vermarktet wird direkt, das heißt bei Martin Baumgartner übers Internet. Er hat eine eigene Website mit Online-Hofladen (hofgut-baumgaertner.friedhold.de) und ist mit seiner eigens geschaffenen Marke Hofgut Baumgärtner auf Facebook und Instagram präsent. Die Pakete liefert er im Umkreis selbst aus, auch ein Versand ist möglich.

30 Prozent der bewirtschafteten Fläche ist Grünland. Auf weiteren 60 Hektar Ackerland baut Martin Baumgartner Kleegras, Luzerne, Dinkel, Roggen, Hafer und Sommergerste an. Die Vermarktung erfolgt, wenn nicht zum Eigenbedarf als Futter benötigt, klassisch über den Landhandel. Doch der 38-Jährige experimentiert auch gerne und so reserviert er regelmäßig einige wenige Hektar für Sonderkulturen, wie zum Beispiel Quinoa oder Hanf.

Die Kulturpflanze Quinoa ist für Müsli-Mischungen interessant und aus Hanf wird Öl hergestellt. Wer jetzt glaubt, er könne sich seine Joints künftig auf den Feldern in Unterzaubach pflücken hat sich getäuscht. Der Tetrahydrocannabinol-Gehalt (THC), der bei Hanf für die berauschende Wirkung sorgt, ist bei dem angebauten Hanf so verschwindend gering, dass er zum Rauchen nicht taugt. Weitere Sonderfrüchte, wie etwa Lupinen oder Buchweizen sind in Planung, wobei verlässliche Erträge aufgrund der extremen Frostempfindlichkeit aller dieser Arten in unseren Breiten extrem schwierig sind. Man könne sie erst nach den Eisheiligen aussäen und im Oktober ernten

Einziger Wermutstropfen bei allem Bemühungen um Nachhaltigkeit: Diesel wird wohl auch weiterhin benötigt, bei einem Biobetrieb sogar noch im stärkeren Umfang als bei einem konventionellen Betrieb. Die Bodenbearbeitung erfolgt intensiver mit Striegel, Hacke und Co. Gepflügt werden muss auch. Das tut bei den derzeitigen Dieselpreisen so richtig weh, gehöre aber eben auch zur Wahrheit.

Bild: Martin Baumgärtner kümmert sich um die Kälber in seinem Stall am Ortsrand von Unterzaubach.

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12.04.2022

Landwirtschaft hat Zukunft (18):

Landwirtschaft als Grundlage des Lebens / Ackerbau, Biogas und Lohnarbeiten: Agrarbetrieb Hahn in Dörnhof bei Kupferberg

Dörnhof. Immer schon innovativ und der Zeit etwas voraus. Das könnte gleichsam ein Motto sein, für den Agrarbetrieb der Familie Hahn in Dörnhof bei Kupferberg. Bis 1992 Milchviehhaltung, bis 2011 Schweinemast wurde aus dem Hof bis heute ein breit aufgestelltes Lohnunternehmen mit Wirkungskreis vom Kulmbacher und Hofer Land aus bis weit nach Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt hinein. Auf den gut 300 Hektar Fläche wird allerhand Getreide angebaut und klassisch vermarktet. Die Energiepflanze Silphie und das Grüngut gehen in eine Biogasanlage, die mittlerweile auf 420 kW aufgerüstet wurde.

„Weitergehen wird es auf jeden Fall, aber es wird anspruchsvoller“, sagt Junior Dominik (29), der als Landwirtschaftsmeister die Zügel schon fest in der Hand hat und genau weiß, was er will. „Immer nur alles billiger und immer mehr, das kann es doch nicht sein.“ Vater Gerhard (57) hat schon allerhand turbulente Zeiten in der Landwirtschaft erlebt und kann es nicht verstehen, dass die Gesellschaft die Bauern heutzutage als Sündenbock für alles hernimmt. „Ich bin mir sicher, dass ein Teil unseres Wohlstandes auf den Bauernstand aufgebaut ist“, sagt er. Für ihn ist Landwirtschaft die Grundlage allen Lebens. „Nahrungsmittel sind ein Grundbedürfnis des Menschen und trotzdem wird der Nahrungsmittelproduzent nur noch niedergemacht.“

Im Jahr 2000 hatte Gerhard den Betrieb von seinem inzwischen verstorbenen Vater Robert übernommen. Die Milchviehhaltung mit zuletzt 26 Kühen war damals schon längst Geschichte. Stattdessen setzte man damals noch auf Schweinemast mit 800 Mastplätzen im umgebauten Rinderstall damals schon auf Halbspalten mit Stroheinlage. Damit war Gerhard Hahn beispielsweise auch einer der Gründungsväter der Frankenfarm in Himmelkron.

Erst 2011 hängte Gerhard auch das an den Nagel. „Wir hätten technisch einfach zu viel umbauen müssen.“ Er ist froh über diese Entscheidung, zumal die Schweinepreise heute ein nie dagewesenes Tief erreicht haben. Stattdessen konzentrierte sich der Landwirt auf das, was ihn schon immer fasziniert hat, auf die vielfältigsten Lohnarbeiten, also Dreschen, Ballen pressen, Mais häckseln, die gesamte Erntelogistik eben, aber auch das Ausbringen von Gülle und vieles mehr, und stets auch Waldarbeiten wie etwas Holz rücken.

„Das Lohngeschäft steht bei uns im Mittelpunkt“, sagt Gerhard Hahn. Und so ist auch das technische Aufgebot außergewöhnlich. Zwei große Häcksler stehen im ehemaligen Stallgebäude, zwei 350-PS-Schlepper, zwei 300-PS-Schlepper, ein Agro-Truck und noch das eine oder andere. Zwei Vollzeitkräfte beschäftigt die Familie, der eine Landwirt, der andere Landmaschinenmechatroniker. Dazu kommen je nach Lage mehrere geringfügig beschäftigte Aushilfen. Mit dem Lohnunternehmen von Jürgen Brendel in Presseck verbindet dem Agrarbetrieb Hahn eine langjährige und enge Zusammenarbeit.

Bereits auf das Jahr 2005 geht der Bau der Biogasanlage zurück, ursprünglich auf 180 kW geplant, dann gleich mit 240 kW gebaut und mittlerweile auf 420 kW aufgerüstet. Der gewonnene Strom wird komplett in das öffentliche Netz eingespeist. Bestückt wird die Anlage mit dem zweiten Schnitt des Grünlandes und der Energiepflanze Nachwachsende Silphie (Silphium perfoliatum), die auf stattlichen 40 Hektar angebaut und biologisch, ohne Pflanzenschutz, bewirtschaftet wird.

Auf den restlichen Flächen wächst Winterraps, Sommergerste, Mais, Dinkel, Weizen, Körnersenf. Das Getreide wird konventionell über den Landhandel vermarktet. Weil das alles noch nicht genug ist, betreibt Gerhard Hahn auch die Kompostieranlage in Untersteinach im Auftrag des Landkreises. Die Anlage selbst ist in seinem Besitz.

Bilder:
1. „Technisch sind wir schon gut ausgerüstet“, sagten Gerhard und Dominik Hahn, hier in der Maschinenhalle ihres Agrarbetriebs.
2. Dominik Hahn bestückt die Biogasanlage in Dörnhof bei Kupferberg.

3. Vater und Sohn: Gerhard und Dominik Hahn haben einen echten Vorzeigebetrieb aufgebaut.

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08.04.2022

Im Einsatz für Wettervorhersage und Klimaüberwachung / Deutscher Wetterdienst sucht ehrenamtlichen Wetterbeobachter für Niederschlagsstation im Raum Kulmbach

Kulmbach. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) betreibt in ganz Deutschland ein Netz von knapp 1800 nebenamtlichen Wetter- und Niederschlagsstationen. Für dieses flächendeckende Messnetz sucht die Bundesbehörde im Raum Kulmbach wetterbegeisterte Bürgerinnen oder Bürger, die als ehrenamtliche Beobachter des nationalen Wetterdienstes zur Wetter- und Klimaüberwachung in Deutschland beitragen möchten.

Die jetzige Beobachterin, Abiturientin Larissa Grampp aus Melkendorf, muss zum 30. September aufhören, da sie im Oktober ein Studium „Ernährungs- und Versorgungsmanagement“ im mittelfränkischen Triesdorf aufnimmt. Vater Hermann Grampp ist mit seinem Milchviehbetrieb am Ortsrand von Melkendorf komplett ausgelastet. „Viel Arbeit ist es zwar nicht, aber es muss jeden Tag gemacht werden“, so Larissa und Hermann Grampp. Früher war die Station in Burghaig untergebracht.

Aktuell gibt es oberfrankenweit im Schnitt alle 15 Kilometer eine Station, so Frank Sievers von der zuständigen regionalen Messgruppe des Deutschen Wetterdienstes in München. Wettermelder zu finden sei nicht ganz einfach, da die Station möglichst frei stehen muss, damit die Messungen nicht beeinträchtigt werden. Landwirte seien geradezu prädestiniert dafür, da sie über entsprechende Flächen in geeigneten Lagen verfügen und die Daten ja ohnehin auch für sich benötigen. Im Übrigen handle es sich um ein Ehrenamt, bei dem lediglich der Aufwand entschädigt werde. Ein ehrenamtlicher Beobachter erhält derzeit eine jährliche Aufwandsentschädigung von 760 Euro im Jahr.

Jede ehrenamtliche konventionelle Niederschlagsstation wird mit einem Niederschlagsmesser ausgerüstet, erklärt Frank Sievers. Voraussetzungen für die Übernahme dieser verantwortungsvollen Tätigkeit seien neben dem geeigneten Grundstück ein internetfähiger Computer. Aufgabe der ehrenamtlichen Beobachter ist es, jeden Tag möglichst genau um 06.50 Uhr (Sommerzeit um 07.50 Uhr), die Niederschlagshöhe mit dem Hellmann-Niederschlagsmesser und im Winter die Schneedeckenhöhe zu messen.

Nach den Worten von Frank Sievers sollten alle vom ehrenamtlichen Beobachter erfassten Daten täglich, spätestens bis 08.15 Uhr (Sommerzeit bis 9.15 Uhr) über eine Web-Anwendung in den heimischen Computer eingegeben werden. „Das ist ein ganz einfaches Programm, das auch ohne Computerkenntnisse jeder ausführen kann.“ Notfalls sei dies auch mit einem Smartphone möglich. Bei Urlaub oder Krankheit sollte ein geeigneter Vertreter zur Verfügung stehen.

Die vor Ort gemessenen Daten und die Beobachtungen der Wetterbeobachter werden vom nationalen Wetterdienst zum Beispiel für die Wettervorhersage oder für Gutachten bei Wetterschäden genutzt. Sie sollen aber auch helfen, die Klimaveränderung in Deutschland genau zu erfassen und deren Folgen besser einschätzen zu können. Bei der Kulmbacher Station handelt es sich um eine konventionelle Niederschlagsstation, wie sie zum Beispiel auch Fischer in Marktleuthen-Neudorf betreibt.

Ansprechpartner bei Interesse: Frank Sievers vom der regionalen Messgruppe des Deutschen Wetterdienstes, in der Helene-Weber-Allee 21 in 80637 München. Telefon: 069/8062-9254, E-Mail: frank.sievers@dwd.de.

Bild: Bei der Kulmbacher Wetterstation von Larissa Grampp und Vater Hermann Grampp in Melkendorf handelt es sich um eine konventionelle Niederschlagsstation, so wie sie der Deutsche Wetterdienst an mehreren Stationen in Oberfranken betreibt.

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05.04.2022

Corona, Krieg und explodierende Kosten belasten die Bauern / Maschinenring Bamberg konnte sich trotz leichter Rückgänge bislang gut behaupten

Bamberg. „Die Unsicherheit ist auf jeden Fall spürbar, man weiß nicht, wo geht es hin.“ Andreas Hoffmann aus Sassendorf, Vorsitzender des Maschinenrings Bamberg e.V. und gleichzeitig Geschäftsführer der MR Bamberg Dienstleistungs GmbH, bringt auf den Punkt, was die Landwirte nicht nur im Landkreis Bamberg derzeit umtreibt. Die Kosten für Dünger, Diesel und Energie explodierten regelrecht, die Bauern hätten keine Alternativen. Von den steigenden Preisen im Lebensmittelhandel komme nichts bei den Landwirten an und das Regelkorsett, in dem die Bauern stecken, werde immer enger.

Dazu komme die vor der Tür stehende Reform der europäischen Agrarpolitik, bei der noch vieles im Ungewissen sei. „Kein anderer Industriezweig wird in ein dermaßen enges Regelwerk gesteckt, wie die Landwirtschaft“, so Andreas Hoffmann. Dabei seien die Folgen der Corona-Krise noch längst nicht überwunden. Auch beim Maschinenring sei Corona durch einen Rückgang bei der Betriebshilfe spürbar geworden. Viele Operationen und Rehabilitationsmaßnahmen seien verschoben worden, so dass gar kein Betriebshelfer in Spruch genommen werden musste. Auch die Kommunikation mit Fremdfirmen sei vielfach schwieriger geworden, zum Beispiel deshalb, weil sich die Ansprechpartner im Home Office befanden.

Der Maschinenring Bamberg hat aktuell einen Verrechnungswert von rund 2,04 Millionen Euro (Vorjahr 2,28 Millionen Euro). Den Rückgang macht Vorsitzender Hoffmann am klassischen Maschinengeschäft aufgrund der Wetter- und Erntesituation fest. Schwerpunkte waren die Bereiche Körnerernte, Futterbau und Strohernte sowie organische Düngung. Bei der sozialen Betriebshilfe kommt Andreas Hoffmann auf gut 12700 Einsatzstunden, die von zusammen 37 Einsatzkräften geleistet wurden. Dabei gehe es einzig und allein um die Aufrechterhaltung des Betriebsablaufs in sozialen Notfällen. Die wirtschaftliche Betriebshilfe spielt beim MR Bamberg dagegen kaum eine Rolle.

Als Schwerpunkte in der alltäglichen Arbeit der GmbH, in der die gewerblichen Aktivitäten ausgelagert sind, bezeichnete der Vorsitzende unter anderem den Winterdienst und die Grünanlagenpflege, die Pflege von Obstbäumen, sie Betreuung von  Parkplätzen sowie die Beteiligung an den zwei Biomasseheizwerken am Schwimmbad Bambados“ in der Stadt Bamberg und an einer klassischen Hackschnitzelheizung in Breitengüßbach. Kunden seien in erster Linie Firmen und Kommunen, mittlerweile würden aber auch immer mehr Privatleute auf die Dienste des Maschinenrings zurückgreifen.

Der Maschinenring Bamberg hatte nach den letzten vorliegenden Zahlen 714 Mitglieder, was einen leichten Rückgang um 34 Mitglieder binnen Jahresfrist bedeutet. Sie alle bewirtschaften zusammen eine Fläche von knapp 32300 Hektar, rund 900 Hektar weniger als im Vorjahr. Eine Besonderheit gibt es beim Maschinenring Bamberg: Das Ringgebiet ist nicht ganz deckungsgleich mit dem Landkreis Bamberg, weil der Teil des früher eigenständigen Landkreises Ebermannstadt zum Maschinenring Fränkische Schweiz gehört. Bereits seit 1. September 2019 ist der MR Bamberg in den Geschäftsräumen im Industriegebiet Laubanger zu finden. Dort sind vier Vollzeit und zwei Teilzeitkräfte beschäftigt.

Bild: „Man weiß nicht, wo geht es hin“: Andreas Hoffmann aus Sassendorf, Vorsitzender des Maschinenrings Bamberg e.V. und gleichzeitig Geschäftsführer der MR Bamberg Dienstleistungs GmbH.

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04.04.2022

Landwirtschaft hat Zukunft (17):

Galaktisch gut aus Himmelkron: Aus Sojabohnen wird „Ufotofu“ / Christopher Schramm aus Himmelkron hat die „Tofurei“ erfunden

Himmelkron. Damit liegt Christopher Schramm voll im Trend: auf rund einem Hektar Fläche bei Himmelkron baut der 32-Jährige Soja an und stellt aus den Bohnen die Fleischalternative Tofu sowie einen Sojadrink her. „Ich sehe durchaus Potential, denn fleischlos ist im Kommen“, sagt der Landwirtssohn. Vermarktet wird die, zugegeben derzeit noch recht überschaubare Produktion entweder direkt ab Hof oder über den Unverpackt-Laden „Hamsterbacke“, über den Naturkostladen „Hollerbusch“, beide in Bayreuth, und seit neuestem auch über den Hofladen der Frankenfarm in Himmelkron. Pro Woche produziert Christopher Schramm rund zehn Kilogramm sowie einige Halbliterflachen Sojadrink.

Erst habe er Käse produzieren wollen, schließlich stehen gleich nebenan im Hof der Eltern die Milchkühe im Stall. Doch die Investitionen seien zu groß, der zeitliche Aufwand nicht zu stemmen gewesen. Ein Beitrag im Landwirtschaftlichen Wochenblatt habe dann den Ausschlag gegeben, es einmal mit Soja zu versuchen, damit war die Idee eine „Tofurei“, ausgerechnet im ehemaligen Schlachtraum des Hofes, geboren.

Dabei ist Christopher Schramm weder Vegetarier noch Veganer. „Ich wollte halt etwas machen, was noch keiner macht“, sagt er und startete damals noch in der eigenen Küche die ersten Versuche. „Ich habe mich da ganz langsam herangetastet“, sagt er. Christopher Schramm räumt ein, dass das Ganze derzeit eigentlich nur „ein sehr zeitaufwändiges Hobby“ ist. Was nicht heißt, dass noch viel mehr draus werden könnte. „Es soll schon mal ein eigener Betriebszweig werde“, so Schramm. Die Grundlagen sind gelegt, die Ausrüstung ist bereits überaus professionell.

Hauptberuflich ist Christopher Schramm seit zwei Jahren im Ingenieurbüro GeoTeam in Bayreuth tätig und arbeitet dort an der Schnittstelle zwischen Wasserversorgern und Landwirten. Er ist gelernter Chemielaborant und hat im Rahmen des „BiLa“-Programms eine Ausbildung zum Landwirt absolviert. Die Eltern bewirtschaften einen klassischen Milchviehbetrieb mit 65 Hektar Fläche und 70 Kühen im Stall.

Im zurückliegenden Jahr hat er Ende April zum ersten Mal Soja ausgesät. Ernte war relativ spät Anfang Oktober. Der gesamte Anbau erfolgte absolut biologisch, also komplett ohne chemischen Pflanzenschutz. „Wenn schon, denn schon“, sagt Christopher Schramm.

Immer montags geht es in der „Tofurei“ hoch her. Die in Wasser aufgequollenen Bohnen werden in einem 60-Liter-Kessel eingekocht und mit einer Art Entsafter in dickflüssige Soja-„Milch“ verwandelt. Die „Milch“ wird dann rund 30 Minuten lang auf über 90 Grad erhitzt und unter Zugabe von aus Meersalz gewonnenem Magnesiumchlorid als Gerinnungsmittel gerührt und in Formen gepresst, ehe die 200-Gramm-Stücke im Glas oder im Becher mit Salzlake verpackt werden. Hört sich auf den ersten Blick leicht an, ist in Wirklichkeit aber gar nicht so einfach. Bis die Konsistenz stimmte und der cremige Eigengeschmack da war, habe es schon gedauert.

Bis es soweit war, hat sich Christopher Schramm sein Wissen nicht nur mit Hilfe umfangreicher Fachliteratur angelesen, sondern auch Tofu-Betriebe besucht. Auch einen eigenen Markennamen hat er schon: „Ufotofu“. Das zeigt, dass Christopher Schramm auch Humor hat, schließlich lautet der augenzwinkernde Zusatz „galaktisch gut aus Himmelkron“. „Da kommt man so in einer Bierlaune drauf“, sagt er.

Auch die Soja-Herstellung ist ein gutes Beispiel für Nachhaltigkeit. So werden beispielsweise die Schalen der Bohnen an die Kühe verfüttert. Ausbaufähig ist das Ganze auch: „Ich könnte mir vorstellen, künftig auch Sojajoghurt, oder Tofu in verschiedenen Geschmacksrichtungen wie Kräuter oder Bärlauch herzustellen“. Räuchertofu hat er bereits produziert. Nur eines will er garantiert nicht: Fleischesser überzeugen, Vegetarier oder Veganer zu werden.

Bilder:
1.
 Christopher Schramm zeigt in seiner „Tofurei“ die quellenden Sojabohnen. Bis zum fertigen Tofu ist es noch ein langer Weg.
2.
 Das gab es bisher noch nicht: Tofu aus der Region und für die Region: In Himmelkron produziert Christopher Schramm derzeit eine noch recht überschaubare Menge.

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28.03.2022

Landwirtschaft hat Zukunft (16):

Tierwohl wird groß geschrieben / Thomas Erlmann bewirtschaftet in Waldau einen Milchviehbetrieb und die ganze Familie hilft mit

Waldau. „Ohne Leidenschaft geht es nicht“, sagt Thomas Erlmann. 2012 hat er den Hof am Ortsrand von Waldau komplett übernommen. Heute bewirtschaftet er ihn zusammen mit seinem Eltern Helmut und Getrud, seiner Frau Anja, den drei Söhnen Lukas (15), Alexander (13), Sebastian (10) und dem Auszubildenden Jan Morath. 175 Hektar und 150 Kühe plus weiblicher und männlicher Nachzucht im Stall kann man nicht so nebenbei machen. Da muss alles gut organisiert sein. Einfach mal so wegfahren, das geht nicht. „Man muss auch schon mal bereit sein, einen Handgriff mehr zu machen“, so Erlmann. „Und ohne die Unterstützung der ganzen Familie wäre es ohnehin nicht zu schaffen.“

Am Tag zehn Tonnen Futter, im Jahr 40000 Liter Diesel: Ein Außenstehender würde das gar nicht verstehen, ist sich der 42-Jährige sicher. Zu sehr hätten sich weite Teil der Bevölkerung von der Landwirtschaft entfernt. Auch was das viel zitierte Tierwohl angeht. Dabei gehe es den Tieren so gut wie nie zuvor.

Davon kann man sich im großen Laufstall auf dem Hof nahe der Bundesautobahn A70 überzeugen. Schon vor 22 Jahren wurde der Stall gebaut, ursprünglich für 60 Kühe konzipiert, wurde er zwischenzeitlich zwei Mal erweitert. Alle Tiere können sich frei bewegen, die Anbindehaltung hatte bereits Vater Helmut vor Jahrzehnten abgeschafft. Vor zwei Jahren kam dann ein hochmoderner Melkstand dazu, mit dem es möglich ist, zu zweit 150 Kühe in eineinhalb Stunden zu melken.

Mit der vielgescholtenen Massentierhaltung hat das alles nichts zu tun. „Wir stehen jeden Morgen um sechs Uhr auf, und bevor wir selbst frühstücken, werden unsere Tiere komplett versorgt“, sagt Thomas Erlmann. 1998/1999 hatte er die Landwirtschaftsschule absolviert, in den darauffolgenden Jahren die damalige Höhere Landbauschule (HLS) in Bayreuth und anschließend folgte auch noch die Meisterprüfung. Zehn Jahre lang führte er den Hof zusammen mit dem Vater als GbR, nun ist Thomas Erlmann alleiniger Betriebsleiter.

Zehn Lehrlinge hat er in den zurückliegenden zwölf Jahren ausgebildet. Eine ungewöhnlich hohe Ausbildungsleistung, zumal es im Raum Kulmbach nur wenige landwirtschaftliche Ausbildungsbetriebe gibt. Eine Besonderheit ist auch Lehrling Jan Morath aus der Nähe von Himmelkron. Der 21-jährige hat bereits eine abgeschlossene Ausbildung, und zwar als Bauzeichner. Obwohl er im Gegensatz zu vielen anderen Landwirtschafts-Azubis keinen elterlichen Betrieb vorweisen kann, wollte er die Ausbildung unbedingt absolvieren.

Die Milch geht komplett an die Bayernland-Käserei in Bayreuth. Auf den 175 Hektar Fläche, die sich nahezu ausschließlich über den Gemeindebereich von Neudrossenfeld erstrecken, baut Thomas Erlmann im Wesentlichen Gerste, Kleegras, Mais, Raps und Weizen an. Der größte Teil als Futtergetreide für den eigenen Betrieb. Ein kleiner Teil geht an einen nahegelegenen Schweinebetrieb

Eine Besonderheit ist auch die mit zweieinhalb Hektar fast schon riesige Hofstelle. Ein Teil davon hat einen prominenten Vorbesitzer: auf etwa einem Hektar davon hatte vor Jahrzehnten der ehemalige bayerische Bauernverbandspräsident und Bundestagsabgeordnete Gustav Sühler (1922 – 1998) gewirtschaftet, der aus dem benachbarten Lindau stammte.

Die Vielzahl seiner Ehrenämter zeigt, dass Thomas Erlmann über seinen Betrieb hinaus ein gefragter Mann ist. Bereits in der zweiten Wahlperiode sitzt er für die Wählergemeinschaft Waldau im Gemeinderat von Neudrossenfeld, er ist Vorsitzender der Kulmbacher Rinderzüchter und stellvertretender Vorsitzender des oberfränkischen Rinderzuchtverbandes, Vorstandsmitglied der Besamungsstation Neustadt, Jagdvorstand und stellvertretender Feuerwehrkommandant. Seine Mitarbeit im oberfränkischen Meisterprüfungsausschuss hat Thomas Erlmann jetzt aufgegeben, denn auch sein Tag hat nur 24 Stunden.

Bilder:
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. Sie sind mit der Landwirtschaft aufgewachsen: die drei Söhne Lukas, Alexander und Sebastian im großzügig angelegten Laufstall, in dem Tierwohl groß geschrieben wird.
2
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 Sie alle helfen tatkräftig mit, damit alles rund läuft auf dem Betrieb (von links): Lukas, Thomas, Alexander, Anja, Getrud, Sebastian und Helmut Erlmann, sowie Azubi Jan Morath.
 

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24.03.2022

Wald vor Wild: Schwerwiegende ökonomische und ökologische Auswirkungen / Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung: Rehwild-Abschusspläne sollen deutlich erhöht werden

Kulmbach. Die Wälder im Landkreis Kulmbach sind in schlechtem Zustand. Die Verbiss-Situation hat im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zugenommen und liegt meist deutlich über dem bayerischen Durchschnitt. Im forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung („Vegetationsgutachten“ oder  „Verbissgutachten“), das Michael Schmidt vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg-Kulmbach unlängst vorgelegt hat, ist nicht nur die Rede von schwerwiegenden ökonomischen Auswirkungen für die Waldbesitzer, etwa durch hohe Kosten für dringend notwendigen Bau von Schutzzäunen, sondern auch von ökologischen Auswirkungen etwa durch das Aussterben mancher Baumarten.

Laut Gutachten, das immer im dreijährigen Turnus erstellt wird, sind die Rehwildbestände im Landkreis Kulmbach zuletzt deutlich angestiegen. Mit den Rehwildbeständen steigt natürlich auch die Verbiss-Problematik. Teilweise liegt der Verbiss sogar deutlich über den bayerischen Durchschnitt, der mit 40 Prozent angegeben wird. Ein wichtiges Ziel des Gutachtens ist es, die Rehwild-Abschusspläne für die kommenden drei Jahre zu erstellen. Eine weitere Konsequenz ist es deshalb, dass die Abschussempfehlung deutlich erhöht werden muss. Dramatisch verschärft wurde die Situation zusätzlich durch die großen Borkenkäferschäden der zurückliegenden Jahre. Dadurch waren riesige Kahlflächen entstanden, allein im Landkreis Kulmbach rund 2000 Hektar.

Sechs Hegegemeinschaften gibt es im Landkreis Kulmbach, bei allen sechs liegt der Verbiss deutlich über dem bayerischen Schnitt. Im Einzelnen liegen die Zahlen für die Hegegemeinschaft (HG) Kulmbach bei 70 Prozent, für die HG Roter Main bei 64 Prozent, für die HG Jura bei 73 Prozent, für die HG Trebgast bei  65 Prozent, für die HG Frankenwald bei 51 Prozent und für die HG Frankenwald-Oberland bei 50 Prozent. Die offizielle Abschussempfehlung lautet bei sämtlichen Hegegemeinschaften „erhöhen“, bei der HG Kulmbach sogar „deutlich erhöhen“.

„Damit ist der Verbiss in allen sechs Hegegemeinschaft zu hoch“, sagt Forstdirektor Michael Schmidt. Er zitiert das Bayerische Waldgesetz, dass ganz klar die Priorität „Wald vor Wild“ definiert habe. Das bedeute nicht Wald ohne Wild, so Schmidt, lege aber eine klare Priorität zu Gunsten des Waldes durch den Gesetzgeber fest. Deshalb sei auch die Abschussplanung als Grundlage einer objektiven Beurteilung der Waldverjüngung von so großer Bedeutung. Für das forstliche Gutachten haben Michael Schmidt und seine Mannschaft rund 14000 Pflanzen auf 200 Verjüngungsflächen auf Verbiss-Schäden im gesamten Landkreis Kulmbach untersucht.

Mit Schrecken hat Burkhard Hartmann, Vorsitzender der AG Jagdgenossenschaft, das forstliche Gutachten bereits vor Wochen zur Kenntnis genommen. Nicht nur, dass die Mehrzahl der Reviere in den sechs Hegegemeinschaft mittlerweile zu hohe, teilweise sogar deutlich zu hohe Verbiss-Zahlen aufweisen, sondern auch, dass meist der besonders wichtige Leittrieb betroffen sei. Damit sei der Baum von vornherein nutzlos und wertlos und tauge später allenfalls noch als Brennholz. „Die Situation ist wirklich gravierend“, sagte Hartmann. Man müsse aktiv nachpflanzen, anders gehe es nicht.

Nicht nur die Jäger seien für den Wildbestand und einen angemessenen Lebensraum für das Rehwild verantwortlich, auch Waldbesitzer und Landwirte, gibt Peter Müller, Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägervereins Kulmbach, zu Bedenken. Großflächige und relativ monotone Feldstrukturen hätten das Rehwild immer stärker zurückgedrängt, so dass einzig die Waldfläche noch als Rückzugsmöglichkeit und Lebensraum für das Rehwild bleibt. Dazu würden nicht alle Waldbesitzer ihre Wälder optimal bewirtschaften, so dass das Rehwild auf die verbleibenden relativ kleinen, aber attraktiven Flächen zurückgedrängt wird. „Rehe sind schließlich absolute Feinschmecker“, gibt der Vorsitzende zu bedenken. Für die Jägerschaft verspricht Peter Müller dennoch: „Wir werden die Abschüsse stark nach oben treiben“. Die offiziell geforderte Erhöhung der Abschussempfehlung bedeute in Zahlen in etwa zehn Prozent mehr Abschüsse bezogen auf die jeweilige Fläche. Trotzdem könne die Gewährleistung „ordentlicher Rehwildzahlen“ nicht alleinige Aufgabe der Jagd sein.

Die Bayerische Forstverwaltung erstellt alle drei Jahre für die rund 750 bayerischen Hegegemeinschaften Gutachten zur Situation der Waldverjüngung. Darin äußern sich die Forstbehörden zum Zustand der Waldverjüngung und ihre Beeinflussung durch Schalenwildverbiss. Sie beurteilen die Verbiss-Situation in den Hegegemeinschaften und geben Empfehlungen zur künftigen Abschusshöhe ab. Die Forstlichen Gutachten 2021 sollen die Beteiligten vor Ort in die Lage versetzen, für die Schalenwild-Abschussplanperiode 2022/25 einvernehmlich gesetzeskonforme Abschusspläne aufzustellen. Für die unteren Jagdbehörden stellen sie eine wichtige Entscheidungsgrundlage bei der behördlichen Abschussplanung dar. Bayernweit ergibt sich laut einer Mitteilung des Landwirtschaftsministeriums folgendes Bild: Der Anteil der Laubbäume hat weiter zugenommen und liegt jetzt bei 52 Prozent.

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21.03.2022

Landwirtschaft hat Zukunft (15):

Vom Milchbauer zum Christbaumerzeuger / Uwe Witzgall produziert im Oberland Christbäume für ganz Deutschland

Petschen. „Wenn, dann mit aller Konsequenz“. Das dachte sich Uwe Witzgall in den Jahren 2013/2014, als er die von seinen Eltern übernommene Milchviehhaltung aufgab und auf die Produktion von Christbäumen setzte. Ein gewagter Schritt in der kleinen Einöde Petschen, weit oberhalb von Stadtsteinach, direkt auf der Fränkischen Linie, rund 540 Meter über Normalnull. Heute gibt ihn der Erfolg Recht. Der 51-Jährige baut auf rund 30 Hektar Fläche hauptsächlich Nordmanntannen, in geringerer Stückzahlen auch Nobilis-Tannen, Blaufichten und Schwarzkiefern an und beliefert damit Händler in ganz Deutschland. Aber auch direkt auf der Plantage kann man sich in der Adventszeit seinen Baum aussuchen.

Ackerbau betreibt der gelernte Landwirt immer noch. Auf weiteren rund 30 Hektar Fläche baut er Roggen, Dinkel und Braugerste an. Der Roggen geht zum Vollkorn-Spezialitäten-Hersteller Pema nach Weißenstadt, Der Dinkel wird klassisch über den hiesigen Landhandel vermarktet und die Braugerste findet sich in den Bierspezialtäten der Altenkunstädter Brauerei Leikeim wieder.

Doch Uwe Witzgall ist mit Leib und Seele Christbaumerzeuger. Über 5500 Bäume wachsen auf einem Hektar. Wer glaubt, das wäre ein schnelles Geschäft, der hat sich allerdings getäuscht. Die Jungpflanzen, meist von örtlichen Händlern, werden mit drei Jahren gesetzt. Die Ernte ist erst Jahre später möglich. „Unsere Bäume wachsen im Schnitt sieben bis zehn Jahre“, erklärt Uwe Witzgall. Bei ihm gibt es auch Christbäume, die vier bis fünf Meter hoch sind und die meist von Firmen oder der öffentlichen Hand bestellt werden. Sie brauchen dann natürlich entsprechend länger.

Zwei Drittel der Bäume gehen an Wiederverkäufer in ganz Deutschland. „Wir beliefern Christbaummärkte von Rosenheim bis Niedersachsen“, sagt er. Aber auch in der Region gibt es die Bäume aus dem Oberland an vielen Verkaufsstellen. Ein Drittel vermarktet Uwe Witzgall direkt an Endkunden. An jedem zweiten und dritten Advent auch zum selbst aussuchen und zum selbst schlagen. Alle Bäume werden bereits im Sommer nach Größe und Qualität ausgezeichnet, ehe sie dann im November gefällt, verpackt und verladen werden.

Um sich von der Billigkonkurrenz der Baumärkte abzugrenzen, legt Uwe Witzgall allergrößten Wert auf Qualität. Das beweist schon die Tatsache, dass in der Regel rund 20 Prozent aller Bäume als Ausschuss eingestuft und als Schnittgrün vermarktet werden. „Schrott geben wir nicht raus“, macht Uwe Witzgall unmissverständlich klar und ist fest davon überzeugt: Wer einmal einen Qualitätsbaum aus seinen Plantagen hat, der kommt immer wieder.

Qualitätsbaum heißt, dass alle Bäume aus Petschen seit 2018 das Siegel „geprüfte Qualität Bayern” tragen dürfen. Das Gütesiegel besagt, dass festgelegte Produktionskriterien eingehalten und auch regelmäßig kontrolliert werden. Dazu gehört zum Beispiel ein später Schnittzeitpunkt ab dem 15. November. Außerdem wurde der Betrieb nach den Standards von GLOBAL G.A.P. zertifiziert, was die Erfüllung noch höherer Standards bedeutet. Sie beginnen von der Anpflanzung über die Produktion bis hin zur Ernte, praktisch in allen Bereichen. „Somit kann man jedem Baum einen eigenen Lebenslauf ausstellen“, erläutert Uwe Witzgall.

Von Mitte November bis zum zweiten Advent geht es in und um Petschen rund. „In diesen Wochen haben wir so richtig Stress“, sagt Uwe Witzgall, der vier Mitarbeiter beschäftigt. Doch eigentlich gibt es das ganze Jahr über viel zu tun. Im Moment ist er mit der Entnahme von Bodenproben beschäftigt. Ist eine Fläche erst einmal gerodet wird sie mit einer Zwischenfrucht wie etwa Kleegras begrünt, ehe sie im Herbst neu gepflanzt wird. Düngen, Pflanzenschutz und Baumpflege sind ganzjährig ein Thema.

Auch technisch ist der Christbaumproduzent bestens ausgerüstet. Da gibt es neben den üblichen Gerätschaften, mit denen auch Waldbauern arbeiten, Pflanzmaschinen, Netzautomaten und Palettiermaschinen. 80 bis 100 Bäume passen auf eine Palette, zehn Paletten auf einen Lkw, so rechnet Uwe Witzgall vor. Daraus wird auch die Dimension ersichtlich, in der sich der Christbaumerzeuger bewegt.

Natürlich ist auch Uwe Witzgall, wie jeder andere Landwirt auch, von Boden, Klima, Temperaturen, und Niederschlägen abhängig. „Die Natur kann auch unser Gegner sein“, sagt er und erinnert sich an die Eisheiligen im Jahr 2020, als es Mitte Mai noch einmal einen Nachfrost gab. Die Knospen waren damals schon offen, die frostempfindlichen Triebe schon draußen und so entstand großer Schaden an vielen Bäumen. Auch die Trockenjahre 2018 bis 2020 hätten sich in den Kulturen bemerkbar gemacht, indem es massive Ausfälle bei den Jungpflanzen gab. Das zurückliegende Jahr sei dagegen klimatisch ganz gut verlaufen und aktuell habe es im Winter genügend Feuchtigkeit gegeben.

Eine schlechte Nachricht hat Uwe Witzgall aber dann doch: Nachdem die Preise im zurückliegenden Winter gehalten werden konnten, wird er um eine moderate Erhöhung zum nächsten Weihnachtsfest wohl nicht herum kommen. Grund: Die Preise für Dünger und Diesel steigen derzeit immens an und obwohl er seine Mitarbeiter längst über Mindestlohn bezahlt, wird es auch Lohnsteigerungen geben müssen, um die besten Kräfte für die schwere Arbeit halten zu können.

Bilder:
1.
 Uwe Witzgall inmitten einer Plantage, an der die Jungpflanzen heranwachsen.
2.
 High Tech für das Weihnachtsfest: hier werden die Christbäume zur Verladung in die Netze gezogen.

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14.03.2022

Landwirtschaft hat Zukunft (14):

Landschaftspflege und Lohnunternehmen / Baumpflege, Baggern, Bierfestfahnen: Der Betrieb von Andreas Textores ist breit aufgestellt

Gemlenz. Es gibt nichts, was wir nicht machen“, sagt Andreas Textores. Der 43-Jährige gelernte Landwirt betreibt seit 2003 einen Landschaftspflegebetrieb und ein Lohnunternehmen mit Sitz in Gemlenz bei Lehenthal. Hervorgegangen aus dem elterlichen Hof mit zuletzt 25 Kühen und 40 Hektar Fläche ist der Betrieb heute ungewöhnliche breit aufgestellt, vielfältig technisiert und auch für den einen oder anderen ungewöhnlichen Auftrag zu haben.

Eigentlich hatte er damals nach der Übernahme des Betriebes von den Eltern einen Milchviehstall bauen wollen. Doch es kam anders. Nach dem Besuch der Winterschule in Coburg 1999 arbeitete er zunächst drei Jahre als angestellter Schlepperfahrer und kam so mit dem Thema Landschaftspflege in Verbindung.

Die Flächen rund um Gemlenz bewirtschaftet er noch immer und baut darauf Braugerste, Kleegras, Mais an. Auch Grünland gehört dazu. Während die Braugerste über den Landhandel vermarktet wird, beliefert Andreas Textores mit dem Rest die Biogasanlage in Gössersdorf im Nachbarlandkreis Kronach.

Eine wichtige Säule seiner Arbeit ist seit fast 20 Jahren der Winterdienst. Von den größeren Unternehmen in der Stadt Kulmbach greifen alle auf die Schlagkraft und Erfahrung von Andreas Textores zurück. Seit einiger Zeit ist beispielsweise der neue Schneepflug mit einer Breite von fünf Metern im Einsatz, der sich optimal für die Räumung von Supermarktparkplätzen eignet.

Darüber hinaus gehören Gülle- und Silage-Transporte zu den Aufgaben, die Andreas Textores zusammen mit seinem Angestellten Max Weigel, einem gelernten Nutzfahrzeugmechatroniker, ausführt. Für Arbeitsspitzen greift Textores in der Regel auf Kräfte aus dem Maschinenring zurück.

Für die vielen Pferdebetriebe in der Umgebung bietet er eine umfangreiche Palette an Dienstleistungen an, vom Mähen des Grünlandes bis hin zum Aufstapeln der Heuballen in den Scheunen gehört alles dazu. Gute Kunden sind die Verbrauchermärkte für die er auch im Sommer die Anlagen rund um die Parkplätze pflegt, Kehrdienste übernimmt und wenn es sein muss sogar den Müll einsammelt. „Wir bieten einen Rund-um-Service für unsere Kundschaft“, sagt Andreas Textores und hat dabei nicht nur Firmen- sondern auch Privatkunden im Blick.

Meist arbeitet er dabei mit der Maschinenring Oberfranken Mitte GmbH zusammen, in der die Ringe Bayreuth, Kulmbach und Fränkische Schweiz ihre gewerblichen Aktivitäten gebündelt haben. Textores ist seit gut zehn Jahren Vorsitzender des Kulmbacher Maschinenrings, der heuer seinen 60-jähriges Bestehen feiert. Die Zusammenarbeit mit dem Maschinenring biete Riesenvorteile für alle Beteiligten, sagt er.

Kontinuierlich gewachsen ist der Maschinenpark. Vom kleinen Aufsitzmäher bis zur Quaderballenpresse, ein Bagger, fünf Schlepper, ein Holzhäcksler, das und vieles mehr steht in der Maschinenhalle in Gemlenz. Gleich daneben will er im kommenden Jahr eine neue beheizbare Halle errichten, in der auch im Winter und bei Nacht schrauben, schweißen oder flexen kann.

Auch für ungewöhnliche Aufträge ist sich Andreas Textores nicht zu schade. Im Gegenteil: Zur Kulmbacher Bierwoche war er es, der die Fahnen in der gesamten Stadt aufgehängt hat. Mit der Corona-bedingten Absage des Bierfestes wurden in den beiden vergangenen Jahren zwar auch die Flaggen weniger, doch irgendwann werden seine Dienste bestimmt wieder gebraucht. Auf dem EKU-Platz ist er im Sommer trotzdem unterwegs gewesen, um die neu gesetzten Platanen im Auftrag der Stadt zu gießen. „Der Platz ist ein Aushängeschild für die Stadt“, sagt Andreas Textores. Eigens für diesen Auftrag hatte er sich ein neues und größeres Wasserfass angeschafft. „Wir haben auch schon viele Problembäume gefällt, Hochregale abgebaut Baggerarbeiten durchgeführt und Baukräne versetzt“, sagt er, dessen Eigenwerbung im Wesentlichen aus Mund-zu-Mund-Propaganda besteht. Um auch gewerbliche Transporte durchführen zu können, ist er sogar in Besitz eines Güterverkehrsscheins.

Die steigende Nachfrage im privaten Bereich erklärt Andreas Textores damit, dass man sich gerade in einer dörflichen Gemeinschaft früher viel mehr selbst geholfen hat. Heute hätten viele Menschen gar nicht mehr die Zeit dazu und würden beispielsweise ihren Rasen viel lieber mähen lassen, als selbst Hand anzulegen.

Andreas Textores ist in der Szene bestens vernetzt. Als Maschinenringvorsitzender gehört er automatisch der Kreisvorstandschaft des Bauernverbandes an. Früher war er in der Landjugend aktiv die er auch heute noch, genauso wie die Traktorfreunde Kirchleus-Lösau oder die Dorfgemeinschaft Lehenthal unterstützt.

Bilder:
1.
 Andreas Textores ist mit seinem Landschaftspflegebetrieb und Lohnunternehmen technisch auf dem neuesten Stand.
2.
 Andreas Textores und sein Mitarbeiter Max Weigel.
3.
 Die Holzbearbeitung gehört zu den Kernaufgaben von Andreas Textores aus Gemlenz.

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07.03.2022

Landwirtschaft hat Zukunft (13):

Ehrlichkeit und Verlässlichkeit / Die Familie Unger bewirtschaftet in Leesau einen klassischen Milchviehbetrieb

Leesau. Den Landwirten wird es nicht leicht gemacht in diesen Zeiten. Die einen fordern mehr Klimaschutz, die anderen mehr Tierwohl. Stets sind es die Bauern, die in die Schusslinie von Politik, Handel und Verbraucher geraten. Bezahlen will den geforderten Mehraufwand keiner. Die Familie Unger aus Leesau bei Thurnau glaubt trotzdem fest daran, dass die Landwirtschaft Zukunft hat. Allerdings fordern Heike und Harald Unger sowie Sohn Markus, zwei Dinge: Verlässlichkeit von der Politik und Ehrlichkeit vom Verbraucher.

„Wir müssen schließlich auch langfristig planen können, und es muss bezahlbar sein“, sagt Harald Unger an die Politik gerichtet. Schließlich sei jede Investition im Schnitt auf 20 Jahre ausgerichtet. Was aber, wenn sich innerhalb dieser 20 Jahre die politischen Vorgaben mehrfach ändern? Auch das Verbraucherverhalten sieht er kritisch. Die Menschen forderten immer mehr Tierwohl, gleichzeitig würden sie immer weniger für gesunde Nahrungsmittel ausgeben. In Vorleistung sind die Bauern längst gegangen: waren früher pro Tier zwei Quadratmeter Standard, sind es heute über acht Quadratmeter, und das mit Licht und Luft, wie es die engen dunklen Ställe der vergangenen Jahrzehnte nie bieten konnten.

Zug um Zug hat die Familie den Kuhstall von einst 16 Meter auf mittlerweile stattliche 100 Meter Länge vergrößert. Bis 1991, als Haralds Schwiegereltern den Hof noch bewirtschafteten, waren es 24 Kühe im Anbindestall plus Jungvieh und 20 Bullen in der Mast. Heute sind es 90 Kühe und die weibliche Nachzucht. Schon 1996 baute die Familie den Stall teilweise zum Laufstall um und setzten einen Melkstand ein. „Damals war schon Überzeugungsarbeit notwendig“, erinnert sich Harald Unger (51). Die heute so verpönte Anbindehaltung war damals schließlich Stand der Dinge und auch in Leesau waren die Trockensteher bis 2010 noch angebunden.

2006 übergaben die Schwiegereltern dann den Betrieb an Heike und Harald, der den Hof mittlerweile mit Sohn Markus (24) als GbR führt. Klaus, der jüngere Bruder von Markus ist als Elektriker außerhalb der Landwirtschaft tätig. Bestimmt ist es kein Zufall, dass auch Harald den Beruf des Elektrikers gelernt hat, ehe er Anfang der 1990er Jahre in den Hof einheiratete, nicht ohne eine ordentliche Ausbildung zum Landwirt zu machen, die er, genauso wie inzwischen Sohn Markus, mit dem Meister abgeschlossen hat.

„Es verging praktisch kein Jahr, in dem wir nicht gebaut haben“, sagt Harald. Nach dem Wohnhausbau im Jahr 2001 wurde 2010 erst der Laufstallbereich erweitert, dann kamen Abkalbeboxen dazu und die Anbindehaltung wurde für Jungvieh umgebaut, bis schließlich zuletzt 2020 ein Außenklimabereich mit Laufhof am Stallende dazu kam um künftig die Forderungen des Lebensmitteleinzelhandels erfüllen zu können.

Auf den rund 100 Hektar Fläche, die sich im Wesentlichen um die Hofstelle herum erstrecken, bauen Harald und Markus Unger Weizen, Braugerste und Winterraps an, der Ertrag wird klassisch über den Landhandel vermarktet. Auf den übrigen Flächen wachsen Kleegras, Mais und Wintergerste. Zusammen mit dem Grünland wird der Ertrag als Eigenbedarf, also als Futter für die Kühe, gebraucht. Überhaupt stellt die Wirtschaftsweise den Idealfall einer Kreislaufwirtschaft dar. Sowohl der Biertreber, die beim Brauen anfallenden Rückstände des Malzes, als auch der Rapsextraktionsschrot, der bei der Herstellung von Rapsöl entsteht, werden wieder an die Kühe verfüttert.

Auch in Sachen Energie kann die Familie Unger punkten: Ein großer Teil des Stalldaches ist mit Fotovoltaikmodulen versehen. „Ab 2003 waren wir damit eine der ersten“, sagt Harald Unger. Natürlich wird der Strom ins öffentliche Netz eingespeist, doch zumindest rechnerisch wird der gesamte Stromverbrauch des Hofes selbst erzeugt. Derzeit denkt man im Hause Unger über die Anschaffung eines Speichers nach.

Symptomatisch für die Entwicklung der Landwirtschaft stehen die Betriebs- und Viehzahlen in Thurnau: Gab es vor zehn Jahren noch 17 Betriebe, sind es heute nur mehr sechs. Auch die Kühe sind weniger geworden, wenngleich ihre Zahl nicht in der gleichen Dimension abgenommen hat. Hier waren es vor zehn Jahren 618 Kühe, heute sind es immerhin noch 407. Insgesamt hören offiziellen Zahlen zufolge jährlich 60 bis 70 Milchviehbetriebe in Oberfranken auf. „Auch das sind alles Arbeitsplätze und Existenzen, die still und heimlich wegbrechen“, sagt Harald Unger, der eine Periode lang auch stellvertretender BBV-Kreisobmann im Kulmbacher Land war und der aktuell die Freien Wähler im Thurnauer Marktgemeinderat vertritt.

Bild: Harald, Heike und Markus Unger im neuen Außenbereich des zuletzt 2020 erweiterten Kuhstalles.

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03.03.2022

Braugerstenanbau in Gefahr / BBV-Kreisversammlung: Ernährung sicherstellen, statt Flächen stillzulegen

Kulmbach. Die Landwirtschaft steht vor riesigen Herausforderungen. „Es ist nicht fünf vor, sondern bereits fünf nach zwölf“, sagte BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger bei der öffentlichen Online-Kreisversammlung. Der Strukturwandel setze sich derzeit in ungeahnter Art und Weise fort. Vor allem tierhaltende Betriebe blieben auch im Kulmbacher Land auf der Strecke.

„Da kommt einiges auf uns zu“, so Löwinger mit Blick auf die geplante Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) der Jahre 2023 bis 2027. Bewegte Zeiten gebe es derzeit freilich nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch durch den Krieg in der Ukraine, dessen Auswirkungen derzeit noch gar nicht abzusehen sind. „Vor diesem Hintergrund müssen wir die Bedeutung der Ernährungssicherung völlig neu bewerten“, sagte der Kreisobmann. Zwangsstilllegungen, wie sie mit vier Prozent vorgesehen sind, würden da so gar nicht mehr in die Zeit passen. Löwinger rief deshalb dazu auf, die künftige Ausrichtung der europäischen Agrarpolitik noch einmal völlig neu zu überdenken.

Zu den bewegten Zeiten gehöre derzeit auch die Tatsache, dass alles extrem teurer werde. Alle spürten den Preisschock, bei den Bauern schlage besonders die Kostenexplosion bei den Betriebsmitteln zu Buche. Der Preis für Düngemittel habe sich beispielsweise binnen der zurückliegenden zwölf Monate glatt verdreifacht. Gleichzeitig bleiben den Landwirten die Einnahmen weg. „Bei uns kommt nichts an“, so Löwinger. Die großen Gewinne gehen in die Taschen der Handelskonzerne.

Konkret kritisierte Löwinger unter anderem, dass mit dem Ziel des Erosionsschutzes eine künftige Winterbegrünung vorgeschrieben ist. Das sei mit dem für das Kulmbacher Land so wichtigen Braugerstenanbau nicht vereinbar, weil es bei der Bewirtschaftung erhebliche Probleme mit sich bringt. Neben einer Rücknahme überzogener Forderungen, Vorschriften und Gesetze forderte der Kreisobmann deshalb, Ausnahmeregelungen für bestimmt Gebiete von der Winterbegrünung. „Es kann ja niemand daran Interesse haben, dass die Braugerste bei uns vor dem Aus steht.“

Im Mittelpunkt der Kreisversammlung stand die zukünftige gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union für den Förderzeitraum 2023 bis 2027. Matthias Borst vom Fachbereich Agrar- und Umweltpolitik des BBV kam dabei zu dem Schluss, dass die künftige EU-Agrarpolitik noch komplexer und von den Bauern noch mehr abverlangen werde. Zwar hätten ein solider Finanzrahmen gesichert und eine ursprünglich geplante 30-prozentige pauschale Kürzung verhindert werden können. Trotzdem werde die Förderung für manche Betriebe geringer ausfallen.

Schuld daran seien neue Vorhaben, die unter Schlagworten wie Konditionalität oder ECO-Schemes („Öko-Regelungen“) fester Bestandteil der neuen EU-Agrarpolitik werden sollen. Dabei geht es im Wesentlichen um Natur-, Landschafts- und Klimaschutzmaßnahmen, zu denen die Bauern teilweise verpflichtet werden sollen oder deren freiwillige Umsetzung extra entlohnt werden soll. Erosionsschutzmaßnahmen gehören genauso dazu, wie der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel.

Aufgrund der Niederschlagssituation ging Borst davon aus, dass die neuen Vorgaben für den Erosionsschutz in Nordbayern nicht so ins Gewicht fallen. Trotzdem sei festgelegt, dass, vereinfacht gesagt, immer etwas auf dem Feld stehen muss, entweder eine Zwischenfrucht oder Getreidestoppeln. Eine raue Pflugfurch genüge dann zwischen dem 1 Dezember und dem 15. Januar nicht mehr. Sonderregelungen gebe es allerdings bereits, etwa für „spät räumende Kulturen“ (ab 1. Oktober), wie Körnermais oder Zuckerrüben,

Die geplanten verpflichtenden Stilllegungen von besten Ackerflächen seien auf jeden Fall noch einmal zu hinterfragen, sagte der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel. „Vor dem Hintergrund der aktuellen Geschehnisse muss auf EU-Ebene kurzfristig reagiert werden“, so Schöffel. In der jetzigen Situation stehe die Versorgung im Mittelpunkt. Bleibe zu hoffen, dass die Menschen jetzt wieder den Wert der Landwirtschaft und der eigenen Nahrungsmittelversorgung erkennen.

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01.03.2022

WBV Hollfeld: Borkenkäfer sorgt für neuen Rekord

Kulmbach/Hollfeld - Rekord bei der Waldbesitzervereinigung Hollfeld: im zurückliegenden Jahr wurde erstmals die Menge von 100000 vermarkteten Festmetern übertroffen. Christian Dormann, der Vorsitzende der WBV, spricht von einem erfolgreichen und arbeitsintensiven Jahr. Die WBV Hollfeld erstreckt sich über drei Landkreise. Sie hat rund 1700 Mitglieder aus Bamberg, Bayreuth und Kulmbach.
 
2021 sei für alle Beteiligten absolut an die Substanz gegangen. Handelte es sich doch um mehr als die dreifache Vermarktungsmenge eines normalen Jahres. „Der Holzmarkt ist schon verrückt, man kann einfach nichts planen“, sagt Dormann. Die eigentliche Ursache für die Rekordmarke ist freilich weniger erfreulich, denn die gewaltige Menge an Holz musste vor allem wegen der Käferkatastrophe eingeschlagen werden. Sogar Aushilfen hätten mobilisiert werden müssen, um den Arbeitsaufwand zu bewältigen. „Wir sind allen Mitarbeitern sehr dankbar, dass sie das gestemmt haben“, betont Dormann.

Mittlerweile habe man sogar die Geschäftsstelle verstärkt. Dort sind jetzt vier, statt bisher drei Mitarbeiter tätig, dazu kommt noch ein Mitarbeiter für den Kundenservice und zwei im Büro. Weil die jetzige Geschäftsstelle in Treppendorf aus allen Nähten platzt, planen die Verantwortlichen einen Umzug nach Hollfeld, „in die Mitte unseres Vereinsgebietes“, wie es Vorsitzender Dormann formuliert. Nachdem bislang kein geeignetes Objekt gefunden werden konnte, hat die Vorstandschaft bereits einen Neubau ins Gespräch gebracht. „Wir sind noch am sondieren“, meint der Vorsitzende. Schließlich soll zum Wohl aller Mitarbeiter eine effektive Arbeit möglich gemacht und für die Mitarbeiter ein positives Arbeitsklima geschaffen werden.

 
Die Baumart, die bei der Vermarktung mit rund 90 Prozent zu Buche schlägt, ist einmal mehr die Fichte, gefolgt von der Kiefer. Auch sie ist nach den Worten Dormanns „definitiv kein Zukunftsbaum mehr“. Ziemlich überlaufen ist er Markt mit Hackschnitzeln.

Bei der vieldiskutierten Waldverjüngung ist die WBV Hollfeld ganz vorne mit dabei. „Wir liefern gerade aus und haben die Befürchtung, dass das Pflanzgut bei bestimmten Laubarten wie etwa beim Feldahorn knapp wird“, sagt Dormann. Positiv wertet er es, dass mittlerweile auch viele neue Baumarten bestellt werden.

Das Plus von rund fünf Prozent bei den Mitgliedern begrünt der Vorsitzende mit den zahlreichen Serviceleistungen, die von der WBV beispielsweise in Sachen Bundeswaldprämie angeboten wurden. „Wir haben für einen geringen Unkostenbeitrag das gesamte Management übernommen und die Online-Antragsstellung für die Mitglieder erledigt“, erklärt Dormann. Etwa 200 Mitglieder hätten diesen Service in Anspruch genommen.

Im Serviceangebot sieht der Vorsitzende auch eine wichtige Aufgabe für die Zukunft. Viele Waldbesitzer hätten mit Land- und Forstwirtschaft kaum mehr etwas zu tun. „Es werden immer weniger, die rausgehen und selbst etwas machen, für sie bieten wir unsere Waldpflegeverträge an“, sagt der Vorsitzende.

Was das kommende Jahr angeht, ist der Vorsitzende erwartungsvoll. Trotz des milden Winters habe es ausreichend Feuchtigkeit gegeben. „Das Wasser kam schön gleichmäßig und ist tief im Boden versickert, sodass die Wasserspeicher aufgefüllt sind.“ Dormann geht davon aus, dass sowohl der Schulungstag als auch die Infoveranstaltungen der WBV wieder in Präsenz stattfinden können. Sollte es irgendwie möglich sein, werde man auch die Jahreshauptversammlung im Sommer nachholen, schließlich stehen Neuwahlen der Vorstandschaft an.

Bilder:
1.
Mehr als dreimal so viel Holz hat die WBV Hollfeld im vergangenen Jahr vermarktet.
2. Christian Dormann, Vorsitzender der WBV Hollfeld.

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28.02.2022

Landwirtschaft hat Zukunft (12):

Frankenthaler vom Patersberg / Teresa und Christian Jundt haben sich in Veitlahm der solidarischen Landwirtschaft verschrieben

Veitlahm. 1985 beginnt die Geschichte eines echten Kleinods im Kulmbacher Land. Damals hatte Alwin Schneider, der als Entwicklungshelfer in Ecuador arbeitete, den Patersberghof übernommen. Was bis dahin ein konventioneller Schweinezuchtbetrieb mit 25 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche war, wurde von nun an Zug um Zug in eine Solidarische Landwirtschaft (SoLawi) verwandelt, die heute Vorbildcharakter hat.

Dahinter stehen Teresa und Christian Jundt, sie aus Oldenburg, er aus Biberach, beide haben sich beim Landwirtschaftsstudium kennengelernt. Über www.hofsuchtbauer.de waren sie Ende 2015 auf den Patersberghof gekommen. Im Februar 2016 waren die beiden jungen Leute zum ersten Mal vor Ort und vereinbarten ein Probejahr, zum Wirtschaftsjahr 2017/20128 haben sie den Patersberghof dann übernommen.

Regional, bio und ohne Gewinnabsicht, so lässt sich das Konzept zusammenfassen. Von Anfang an wurde der Hof nach den biologisch-dynamischen Richtlinien des Demeter-Anbauverbandes bewirtschaftet. Dazu gehören neben artgerechter Haltung der Verzicht auf pharmazeutisch-technische Pflanzenschutz- oder Düngemittel sowie eine Fruchtfolgewirtschaft auf den Feldern zur Erhaltung der Bodenvitalität und -qualität.

Eigentum des Hofes ist der gemeinnützige und anthroposophisch orientierte Trägerverein „Lebensraum-Entwicklung Wernstein“, dessen Ziel es ist, das Leben insbesondere in und um den Patersberghof als wichtiges Kulturgut zu erhalten. Teresa und Christian Jundt sind die Pächter der Gebäude und der insgesamt 42 Hektar Fläche rund um Mainleus. Neben den beiden ist eine Auszubildende zur Landwirtin tätig, einmal pro Woche kommt ein Bäcker. Maschinen und Inventar gehören ihnen.

„Unser Ansatz ist es, gesunde Lebensmittel für alle zu erzeugen“, sagte Teresa und Christian Jundt. Die Idee der solidarischen Landwirtschaft haben beide schon mit ins Kulmbacher Land gebracht. „Die SoLawi war von Anfang an unser Ziel“, sagt Christian Jundt. Alles miteinander zu verbinden nennt der 35-Jährige „zeitfüllend und erfüllend“. Alles, was die beiden und ihre Helfer machen, hat Hand und Fuß, das hat auch das Umfeld längst erkannt. „Wir sind nicht irgendwelche Spinner“, stellten Teresa und Christian Jundt klar. Das sagen mittlerweile selbst die Berufskollegen.

Auf dem Patersberghof werden 15 Milchkühe mit dem nachwachsenden Jungvieh, einige Legehühner und vier Schafe zur Grünlandpflege gehalten. Die Kühe der Rasse „Fränkisches Gelbvieh“ leben in einem großzügigen Laufstall am Ortsrand und werden zwei Mal am Tag gemolken. Eine Besonderheit ist die „muttergebundene Kälberaufzucht". Dabei sind die Kälber zunächst komplett mit dem Muttertier in der Herde dabei. Dann kommen sie zu den älteren Kälbern in einen separaten Stall und haben zunächst zweimal, dann einmal pro Tag Kontakt zur Mutter. „So kann die Entwöhnung von Mutter und Kalb langsam erfolgen“, erklärt Christian Jundt. Insgesamt bekommen die Kälber zwölf Wochen lang Milch.

„Würden die Kälber die ganze Zeit mit ihren Müttern zusammen sein, bliebe für unsere Käserei keine Milch mehr übrig, so teilen wir uns die Milch mit den Kälbern.“ Mehrmals in der Woche geht die Milch in die eigene kleine Käserei. Hier wird sie handwerklich zu Quark, Rohmilchkäse, cremigen Camembert mit dem Namen „Frankentaler“ und bei genügend Rohstoff auch zu Weichkäse in verschiedenen Variationen produziert.

Auf den Ackerflächen werden Dinkel, Roggen, Hafer, Winterweizen und Kartoffeln angebaut. Jeden Donnerstag wird das Getreide in der Hofbäckerei in handwerklicher Arbeit zu einem kleinen, aber feinen Sortiment von Broten und Backwaren verarbeitet. Gemahlen wird das Getreide vor Ort.

Solidarische Landwirtschaft ist eine Form, gemeinschaftlich Landwirtschaft zu finanzieren und diese Gemeinschaft dann mit den Lebensmitteln des Hofes zu versorgen. Geregelt wird das in einer Vereinbarung zwischen Verbraucher und Erzeuger. Die SoLawi am Patersberg kalkuliert ihre Jahreskosten und teilt sie durch die Zahl der Anteile. So entsteht ein Richtwert, zu dem die Landwirtschaft oder Gärtnerei ihre Produkte des kommenden Jahres voraussichtlich erzeugen kann. An die 200 Anteile könnte der Hof theoretisch vergeben, 43 sind aktuell derzeit vergeben, ein Einstieg ist jederzeit möglich.

„Bei uns liegt der monatliche Richtwert bei 86 Euro für den großen und bei 43 Euro für den kleinen Anteil“. Dafür gibt es pro Woche vier Liter Mich in Form von Milch, Quark, Joghurt oder Käse, ein Kilo Brot, im Winterhalbjahr ein Kilo Kartoffeln sowie ein zwei Kilo Paket Fleisch pro Jahr. Für den kleinen Anteil gilt jeweils die Hälfte. Alles Übrige wird klassisch vermarktet. Die Produkte gibt es direkt vor Ort und in den regionalen Bio-Naturkostläden. Zum Patersberghof gehört auch eine Gärtnerei, die nach den gleichen solidarischen Prinzipien wirtschaftet.

Bilder:
1.
 Teresa und Christian Jundt (mit Aurelia) haben 2016 den Patersberghof übernommen.
2.
 Immer freitags und samstags gibt es Brot, das Teresa und Christan Jundt hier präsentieren.

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23.02.2022

Aktuelle Sturmsituation: Klimawandel ist Fakt / Libanon-Zeder statt Fichte - BBV-Waldexperte Koch fordert standortgerechte Mischwälder statt neuer Schutzgebiete

Bamberg. Die Stürme der zurückliegenden Tage und Wochen haben in den oberfränkischen Wäldern immense Schäden hinterlassen. Für Johann Koch sind sie ein klares Zeichen für den Klimawandel. Trotzdem glaubt der Waldreferent des Bayerischen Bauernverbandes, fest daran, dass die Waldbesitzer nicht nur Opfer sind, sondern vielmehr die Retter des Klimas sein könnten. Voraussetzung dafür sei es, dass eine nachhaltige Forstwirtschaft betrieben wird. Waldstilllegungen und neue Schutzgebiete seien der falsche Weg, so Koch bei einer Veranstaltung des BBV Oberfranken. Bayernweit gibt es etwa 700000 Waldbesitzer. Im Schnitt bewirtschaftet jeder eine Fläche von 2,3 Hektar.

Derzeit gehe man davon aus, dass aufgrund der aktuellen Sturmsituation keine gravierenden Marktstörungen auftreten. Die Stürme hätten aber auch eines gezeigt: „Der Klimawandel ist Fakt“. Bereits seit Jahren seien zunehmende Wetterextreme, häufigere und heftigere Stürme, aber auch lange Trocken- und Hitzeperioden, sowie weniger Niederschläge in der Vegetationszeit zu beobachten. „Es sollte uns allen klar sein, dass der Klimawandel längst angekommen ist“, so Waldreferent Koch.

Folge davon seien massive Kalamitäten wie Sturmschäden und Schneebruch sowie verstärkte Schädlingsaufkommen, vor allem durch den Borkenkäfer. „Unsere Waldbesitzer haben gigantische Schäden zu verzeichnen“, so der BBV-Sprecher. Er beziffert die Schadenssumme bundesweit auf 13 Milliarden (!) Euro allein für die zurückliegenden drei Jahre.

Einzige Chance um gegenzusteuern sei es, standortgerechte Mischwälder aufzubauen. Staatliche Hilfen würden den Waldbesitzern zwar Perspektiven eröffnen, die Schäden ausgleichen könnten sie aber nicht. Zum Aufbau stabiler Mischwälder gehörten auch tragbare Wildbestände. Keine Lösung sei es, die nachhaltige Nutzung massiv einzuschränken. „Forstwirtschaft und Naturschutz sind kein Widerspruch“, so Koch. Noch immer werde deutlich weniger genutzt, als nachwächst

Flächenstilllegungen oder die Ausweisung neuer Schutzgebiete, wie sie Naturschutzverbände immer wieder fordern, seien der falsche Weg. Keine Lösung seien amerikanische Verhältnisse wo auf der einen Seite eine gewaltige intensive Nutzung des Waldes stattfindet, auf der anderen riesige Nationalparks ausgewiesen wurden. Der natürliche Zuwachs werde längst nicht abgeschöpft.

Scharfe Kritik übt Koch an der EU-Forstpolitik, die einerseits den Wald als unverzichtbaren Bestandteil zur Bewältigung des Klimawandels einstuft, andererseits aber die nachhaltige Nutzung massiv einschränkt. Kritik gibt es auch an der Waldstrategie der Bundesregierung, die vorrangig nur auf heimische Baumarten setzen möchte. Das werde langfristig nicht aufgehen, sagt der Waldreferent und plädierte für die Libanon-Zeder oder Baumarten aus Südost-Europa.

Koch ist fest davon überzeugt, dass ohne eine nachhaltige Forstwirtschaft die Klimaschutzziele nicht zu erreichen seien. Die gesamte Forst- und Holzwirtschaft trage durch die Speicherung in Wald- und Holzprodukten, besonders aber durch die Vermeidung von Emissionen zum Klimaschutz bei. Eine herausragende Rolle werde dabei der Holzbau einnehmen. „Wir sollten weg von Beton. Stahl und Ziegeln und sollten hin zu regenerativen Baustoffen wie Holz.“

Bild: Auch im Kulmbacher Land warten derzeit an vielen Stellen riesige Holzmengen auf den Abtransport.

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21.02.2022

Baumpflege, Beratung und Betriebshilfe / Tendenz steigend: Maschinenring Kulmbach blickt trotz Corona positiv in die Zukunft

Kulmbach. Steigende Zahlen in der Maschinenvermittlung und ein deutlicher Anstieg in der Betriebshilfe: die Arbeit des Maschinen- und Betriebshilfsrings Kulmbach ist auch oder gerade in Corona-Zeiten sehr gefragt. „Die Tendenz zeigt nach oben“, sagt Geschäftsführer Horst Dupke. Wenn die Jahreshauptversammlung auch diesmal erneut angesagt werden musste, sind die Verantwortlichen aber trotzdem optimistisch, Mitte Juni das 60-jährige Bestehen des Maschinenrings mit einem Tag der Landwirtschaft feiern zu können, und zwar nicht virtuell, sondern in Präsenz mit Ausstellungen und Aktionen.

Obwohl dem Ring im zurückliegenden Jahr zwei Betriebshelfer weniger, und damit nur 33, zur Verfügung standen, war die Zahl der geleisteten Stunden von gut 17100 auf knapp 22500 gewaltig angestiegen. Geschäftsführer Dupke führt dies in erster Linie auf einige Langzeiteinsätze zurück, bei denen die betreffenden Helfer aufgrund eines Unfalls des Betriebsleiters das ganze Jahr an einen einzigen Einsatzort gebunden waren. „Da kommt natürlich einiges an Stunden zusammen“, so Dupke.

Auch beim weiteren Kerngeschäft des Rings, dem Maschinenverleih, zeige die Tendenz eindeutig nach oben. Und das, obwohl der Strukturwandel in der Landwirtschaft weiter voran schreitet und immer mehr Lohnunternehmer immer breiter aufgestellt sind. Am meisten gefragt seien die Bereiche Futterbau, Stroh- und Körnerernte sowie der Verleih von leistungsfähigen Schleppern gewesen.

Den gesamten Verrechnungswert des MR Kulmbach für das zurückliegende Jahr bezifferte der Geschäftsführer auf über 3,8 Millionen Euro, was einem Anstieg gegenüber 2020 von knapp 200000 Euro entspricht. Der Kulmbacher Ring hat aktuell 850 Mitglieder, zwei weniger als im Vorjahr. Die bewirtschaftete Fläche ist mit etwas über 27000 Hektar nahezu gleich geblieben.

Ein Höhepunkt im Jahreslauf des MR Kulmbach ist seit Jahren der Pflanzenbautag im Kasendorfer Gemeindeteil Loop. Auch diese Veranstaltung soll heuer wieder regulär stattfinden, war sie doch in der Vergangenheit bei den Bauern im Kulmbacher Land stets auf große Resonanz gestoßen. Im vergangenen Jahr seien die Versuche angelegt und ausführlich schriftlich dokumentiert worden. Überraschenderweise hätten zahlreiche Landwirte das Angebot gut angenommen. Das ausgelegte Informationsmaterial habe kaum gereicht, so Dupke.

Zum weiteren Dienstleistungsangebot des Maschinenrings für die Landwirte gehören Hilfestellungen bei Mehrfachanträgen, und Gasverbilligung, die immer komplexer werdende Düngeberatung, die mittlerweile beim Nachbarring Fränkische Schweiz angesiedelt ist, sowie die Vermittlung von passgenauen Stromverträgen durch das beim MR Bayreuth angesiedelte Stromkompetenzzentrum. Schließlich ist der MR Kulmbach auch Ansprechpartner für die 14 dezentralen Grüngutkompostieranlagen im Landkreis.

Ihre gewerblichen Aktivitäten haben die Ringe Bayreuth, Kulmbach und Fränkische Schweiz in der Maschinenring Oberfranken Mitte (OMI) GmbH gebündelt. „Die Zusammenarbeit läuft sehrt gut, die Nachfrage nach unserem Angebot steigt ständig an“, so der dafür zuständige Alexander Hollweg. Allein in Kulmbach betreue die OMI 160 Winterdienstobjekte im Auftrag von Firmen, Industriebetrieben aber auch Privatleuten. Als weitere Schwerpunkte nannte Hollweg die Bereiche Baum- und Grünanlagenpflege. Immer stärker nachgefragt werde vor allem von den Kommunen auch die biologische Unkrautbekämpfung per Heißwasserthermie

Bild: Erfolgreiche Arbeit in Corona-Zeiten: Maschinenring-Geschäftsführer Horst Dupke und der für die Oberfranken Mitte GmbH zuständige Mitarbeiter Alexander Hollweg.

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21.02.2022

Landwirtschaft hat Zukunft (11):

Angus-Rinder, Energie und Ökolandbau / Michael Greim bewirtschaftet seinen Demeter-Biohof am Ortsrand von Marktschorgast

Marktschorgast. Auf dem Hof der Familie Greim war man schon immer der Zeit voraus: 1988, als das noch keiner so recht ernst nahm stellte Senior Martin Greim auf Bio um, seitdem gehört der Betrieb dem Demeter-Anbauverband an. Im Jahr 2000, lange vor dem Boom der Biogasanlage, wurde auf dem Hof die erste Anlage in Betrieb genommen, damals noch mit 30, heute aufgerüstet auf 75 kW. Schließlich wurden ab 2009 Zug und Zug sämtliche Dächer, mittlerweile sogar die Nordseiten, mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet. Der erzeugte Strom wird teilweise zum Eigenverbrauch genutzt, aber größtenteils ins Netz eingespeist. Ein eigenes Windrad, das wäre noch der Traum, sagt Junior Michael Greim.

2007 hatte Michael, heute 50, den Hof übernommen. Seine drei Schwerpunkte lauten Mutterkuhhaltung mit Angus-Rindern, die Erzeugung alternativer Energien und Ökolandbau. Gut 200 Hektar Fläche bewirtschaftet er. Winterweizen, Braugerste, Roggen, Dinkel und Hafer baut er darauf an. Im Wesentlichen landen die Erträge in der Backwarenindustrie, die Braugerste geht zur Mälzerei Weyermann nach Bamberg. Die Hälfte der Flächen macht Grünland und Kleegras aus, das für den Eigenbedarf benötigt wird.  Anders als bei vielen Bauern im Landkreis, sind die Flächen breit gestreut. Sogar in Unterzettlitz, Wartenfels und im Trebgaster Raum bewirtschaftet Michael Greim Felder und Grünland. 

Die Geschichte des Demeter-Biohofs Greim an seinem jetzigen Standort hinter dem Marktschorgaster Sportplatz und fast schon in Sichtweite zu den Landkreisgrenzen in Richtung Bayreuth und Hof, beginnt eigentlich schon im Jahr 1979. Die Hofstelle lag damals noch mitten im Ort, die Eigentumsfläche betrug damals zwölf Hektar mit 30 Stück Vieh. „Als die Flurbereinigung kam, ging es so langsam los“, erinnert sich Michael, der damals noch ein Kind war. Nach dem Besuch der Wirtschaftsschule absolvierter er seine Ausbildung zum Landwirt und schloss mit der damaligen Technikerschule in Bayreuth ab.

„Wir haben praktisch jahrelang nur gebaut“, erinnert er sich. Mitte der 1990er Jahre und im Jahr 2000 kamen ein Tiefstreustall und der Liegeboxenstall dazu, insgesamt ist er für rund 350 Stück Vieh verantwortlich, alles schwarze und rote Angus-Rinder. Auch vier Zuchtbullen sind darunter. „Ich wollte mich von Anfang an spezialisieren“, erinnert er sich und so entschied er sich für die vor allem zur Fleischproduktion gehaltene Rinderrasse Deutsch Angus. Weibliche Jungtiere gehen zum Export ins Ausland, die Fleischvermarktung erfolgt über eine mittelfränkische Erzeugergemeinschaft und die Metzgerei Schimmel in Marktschorgast.

Eine Vollzeithilfskraft beschäftigt Michael Greim, ansonsten hilft die Familie, allen voran die Eltern und auch Bruder Dominik, der ganz in der Nähe einen ökologischen Ackerbaubetrieb mit Schweinehaltung betreibt. Arbeitsspitzen werden mit Saisonarbeitskräften oder durch Lohnunternehmer abgedeckt. Die Direktvermarktung hatte die Familie allerdings schon vor mittlerweile neun Jahren aufgegeben. „Da war der zeitliche Aufwand dann doch zu groß“, sagt Michael Greim, der mittlerweile auch schon acht Lehrlinge auf seinem Betrieb ausgebildet hat.

Eine weitere Besonderheit ist die Grüngutkompostierungsanlage auf dem Gelände, die im Eigentum von Michael Greim steht und die er seit 1988 im Auftrag des Landkreises betreibt.

Von der großen Politik, aber auch von der Kommunalpolitik, würde sich Michael Greim nur eines wünschen, dass sie endlich hinter den Bauern steht. Seiner eigenen Verantwortung ist sich Michael Greim durchaus bewusst: „Dem Klimawandel müssen wir uns stellen“, sagte er und denkt dabei an das absolute Trockenjahr 2018, das damals vielen Landwirten schwer zu schaffen gemacht hatte.

Bilder:
1.
 Lieber im Stall als auf dem Traktor: Michael Greim liebt die Arbeit mit den Tieren.
2.
 Das Futter für die Rinder stammt aus eigenem Anbau.
3.
 Hier auf dem Hof von Michael Greim in Marktschorgast steht das Tierwohl im Mittelpunkt.
4.
 Auf schwarze und rote Rinder der Rasse Deutsch Angus hat sich Michael Greim spezialisiert.
5.
 Der große Stall am Ortsrand von Marktschorgast wurde im Jahr 2000 errichtet.

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18.02.2022

Weniger Betriebshilfe, mehr Maschineneinsatz / MR Münchberg vor Wechsel an der Spitze

Münchberg. Beim Maschinen- und Betriebshilfsring Münchberg stehen die Zeichen auf Wechsel. Nicht nur Vorstand Siegfried Hüttner aus Mühldorf bei Schauenstein wird nach 15 Jahren im Amt bei den anstehenden Neuwahlen in diesem Jahr nicht mehr antreten, auch Geschäftsführer Patrick Heerdegen wechselt bereits im März an die Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks Oberfranken nach Bayreuth.

Der Nachfolger von Heerdegen, der 27-jährige Simon Weller, ist bereits in den neuen Räumen des Maschinenrings im Grünen Zentrum in Münchberg zur Einarbeitung präsent. Er stammt aus einem landwirtschaftlichen Betrieb bei Erlangen und hat zuletzt Landwirtschaft studiert. Um die Neuwahl des Vorstands durchführen zu können, planen die Verantwortlichen, so wie im vergangenen Jahr auch, die Durchführung einer Mitgliederversammlung im Sommer. Derzeit sind alle optimistisch, wieder eine Präsenzveranstaltung durchführen zu können.

Wie wichtig die Arbeit des Maschinenrings ist, zeigt sich einmal mehr am Verrechnungswert, der in Münchberg um fast sechs Prozent auf knapp 4,7 Millionen Euro angestiegen ist. Eigentlich wäre der Wert sogar noch höher ausgefallen, wenn nicht die Kompostierung in den eigenständigen Kompostring ausgegliedert worden wäre.

Den Löwenanteil machte einmal mehr die Maschinenvermittlung aus. „Letztes Jahr gab es viel Futter“, sagte Geschäftsführer Heerdegen und so hätten die Bereiche Hofmaschinen und Futtermittel allein mit über einer Million Euro und die Bereiche Futterbau und Strohernte mit einer weiteren knappen Million Euro zu Buche geschlagen. Die späte und teilweise verregnete Ernte hätte viele Landwirte und damit auch den Maschinenring vor echte Herausforderungen gestellt.

Zum Sorgenkind hätte sich dagegen das zweite große Standbein, die Betriebshilfe entwickelt. Allein bei der sozialen Betriebshilfe, also beim Einspringen in Krankheits- und Notfällen auf den Höfen habe es einen Einbruch von rund knapp 10000 auf circa 19000 Stunden gegeben. Rechnet man die wirtschaftlichen Einsätze, etwa zur Abdeckung von Betriebsspitzen, dazu, kommt man auf gut 22000 Stunden. Das bedeutet ein Drittel weniger als noch im Vorjahr.

Geschäftsführer Heerdegen begründet den signifikanten Rückgang damit, dass sämtliche Operationen, Kuren oder Reha-Maßnahmen Corona-bedingt auf ein Minimum zurückgefahren worden seien. Somit habe es deutlich weniger Ausfälle auf den Höfen gegeben. „Außerdem macht sich langsam aber sicher auch der Strukturwandel bemerkbar“, sagte Heerdegen. Viehhaltende Betriebe würden immer weniger, viele kleinere Betriebe hören ganz auf und die Anbindehaltung gehe ihrem Ende entgegen. Für den Maschinenring Münchberg sind drei angestellte Vollzeitkräfte, zwei Helfer, die über den Evangelischen Betriebshelferdienst Hesselberg angestellt sind, eine Dorfhelferin und 30 nebenberufliche Kräfte tätig.

Der MR Münchberg hat aktuell 929 Mitglieder, 21 mehr als noch im vergangenen Jahr. Ihre gewerblichen Aktivitäten haben der MR Münchberg und der MR Wunsiedel in der Maschinenring Hochfranken GmbH gebündelt. Dazu gehören ganz klassisch Grünflächen-, Gehölz- und Baumpflege sowie der Winterdienst. Eine Besonderheit der MR Hochfranken GmbH ist die Übernahme der Trassenpflege für das Bayernwerk. Ganz neu ist die Anschaffung einer eigenen Umkehrfräse, mit deren Hilfe Blühflächen kostengünstig und in einem Arbeitsgang angelegt werden können.

Bild: In den neuen Räumen des Grünen Zentrums stellten Vorstand Siegfried Hüttner, Daniel Seuß von der MR-Hochfranken GmbH, der bisherige Geschäftsführer Patrick Heerdegen und sein designierter Nachfolger Simon Weller die Zahlen des zurückliegenden Jahres vor.

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17.02.2022

Auskömmliches Einkommen für die Landwirte / Bayreuther Online-Bauerntag: Kritik an Ramschpreisen der Discounter – Künftige EU-Agrarpolitik wird noch komplexer

Bayreuth. Die Kritik an den Geschäftspraktiken des Lebensmitteleinzelhandels wächst. Nach den Demonstrationen der Landwirte vor den Aldi-Filialen in den zurückliegenden Tagen fanden auch beim Bayreuther Online-Bauerntag sämtliche Redner klare Worte. Es könne nicht sein, so hieß es, dass immer höhere Anforderungen an die Bauern gestellt werden, aber immer weniger bei den Landwirten hängen bleibt.

„Der Lebensmitteleinzelhandel darf nicht zum Totengräber der Tierhaltung werden“, sagte der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel (CSU). Er nannte das Verhalten der Discounter indiskutabel. Wenn der Lebensmitteleinzelhandel nur auf Druck reagiert, dann müsse eben mehr Druck kommen, von der Politik, von den Verbänden und den Landwirten selbst. „Die Ramschpreise sind nicht in Ordnung“ stellte auch Landtagskollege Tim Pargent von den Grünen klar. Er gab der Preispolitik der Konzerne eine Mitverantwortung für das Höfesterben. Alles, was von den Bauern an Leistung gefordert wird, müsse auch bezahlt werden.

Landrat Florian Wiedemann und Bayreuths Oberbürgermeister Thomas Ebersberger wollen deshalb verstärkt auf Direktvermarktung setzen. Zu einem vernünftigen Umwelt- und Klimaschutz gehöre auch eine gesunde Ernährung mit regionalen und saisonalen Lebensmitteln, sagte Ebersberger. Genau dafür stünde der Zusammenschluss „Dachmarke Bayreuther Land“. Sie soll bei den Bauern für ein auskömmliches Einkommen sorgen, indem man auf Zwischenhändler verzichte und die Ware direkt vermarkte. Mit entsprechenden Aktionen in Schulen und Kindergärten sollen dabei nach den Worten von Landrat Wiedemann schon die Jüngsten mit dem Thema Landwirtschaft in Kontakt gebracht werden.

Zuvor hatte Kreisobmann Karl Lappe bemängelt, dass der Handel mittlerweile für seine Eigenmarken mehr bezahle, als für etablierte Handelsmarken. Dies führe dazu, dass beispielsweise ein bayerisches Produkt künftig problemlos gegen ein polnisches oder tschechisches ausgetauscht werden könne, ohne dass es der Verbraucher auf den ersten Blick bemerkt. Im Gegenzug würden aber immer mehr Verbraucher regionale Marken wünschen und auf „geprüfte Qualität aus Bayern“ setzen. Mit einer regionalen „Alibi-Theke“ bei Discounter sei es da nicht getan, so Lappe

Im Mittelpunkt des Bauerntages stand die zukünftige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union für den Förderzeitraum 2023 bis 2027. „Die Würfel sind gefallen, die Beschlüsse sind gefasst“, sagte Matthias Borst vom Fachbereich Agrar- und Umweltpolitik des BBV. ER kam zu dem Schluss, dass die künftige EU-Agrarpolitik noch komplexer und von den Bauern noch mehr abverlangen werde.

Der Referent zählte zahlreiche Eckpunkte auf, für die sich der Bauernverband in besonderer Weise stark gemacht hatte und für der Verband auch Verbesserungen erzielen konnte. Vor allem hätten ein solider Finanzrahmen gesichert und eine ursprünglich geplante 30-prozentige pauschale Kürzung verhindert werden können. Das hätte schmerzhafte Einschnitte bedeutet, sagte Borst. Vor allem gehe es aber auch um Wirtschaftskraft im ländlichen Raum und um Arbeitsplätze auf den Bauernhöfen.

Trotzdem werde die Förderung für manche Betriebe geringer ausfallen. Auch das verschwieg Borst nicht. Schuld daran seien neue Vorhaben, die unter Schlagworten wie Konditionalität oder ECO-Schemes („Öko-Regelungen“) fester Bestandteil der neuen EU-Agrarpolitik werden sollen. Dabei geht es im Wesentlichen um Natur-, Landschafts- und Klimaschutzmaßnahmen, zu denen die Bauern teilweise verpflichtet werden sollen oder deren freiwillige Umsetzung extra entlohnt werden soll. Erosionsschutzmaßnahmen gehören genauso dazu, wie der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel. Neu ist eine soziale Komponente, bei der den Bauern Sanktionen drohen für den Fall drohen, dass sie bei Mitarbeitern gegen Arbeits- und Beschäftigungsregelungen verstoßen. Einen gewissen Ausgleich für mögliche Kürzungen in der Förderung erhoffte sich Borst von bayerischen Programmen wie das Kultur- und Landschaftsprogramm (KULAP) oder von der Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete. Derartige Förderprogramme gebe es in anderen Bundesländern nicht, so der Referent.

Bild: Screenshot beim Bayreuther Online-Bauerntag (im Uhrzeigersinn): Bayreuths Oberbürgermeister Thomas Ebersberger, Landrat Florian Wiedemann, die Landtagsabgeordneten Martin Schöffel (CSU) und Tim Pargent (Grüne) sowie BBV-Kreisobmann Karl Lappe.

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17.02.2022

Kritik an Photovoltaikanlage / Größter Solarpark des Frankenwaldes in Issigau geplant

Issigau. Der größte Solarpark des Frankenwaldes soll in Issigau (Landkreis Hof) entstehen. In der rund 1000 Einwohner zählenden Gemeinde hat sich im Dezember bereits die Mehrheit in einem Bürgerentscheid dafür ausgesprochen. Widerstand gegen das Großprojekt kommt dagegen aus den Nachbargemeinden Lichtenberg, Naila und Selbitz.

Die „Sonnenwerk Issigau Reitzenstein GmbH“ plant eine „Agri-Photovoltaik-Anlage“, bei der die Fläche unter den Solarpaneelen weiterhin landwirtschaftliche genutzt werden kann. Die GmbH besteht aus dem Elektrotechnik- und Energieunternehmen Mario Münch aus Rugendorf (Landkreis Kulmbach) und dem Issigauer Landwirt Constantin von Reitzenstein. Die beiden Investoren wollen den Solarpark mit einem Investitionsvolumen von für rund 40 Millionen Euro errichtet. Die Größe der geplanten Anlage wurde inzwischen von 75 auf 58 Hektar verkleinert.

Die Kritik an dem Vorhaben entzündet sich vor allem Standort, einem großen Südhang bei Issigau, der auch als „Frankenwald-Blick“ bekannt ist. Weithin sichtbare Hang- und Kuppenlagen sowie landschaftsprägende Höhenrücken seien als Standorte für Photovoltaik-Anlagen nicht geeignet, heißt es in einem Papier des Umweltministeriums, auf das sich die beiden Nachbargemeinden beziehen. Laut Ministerium sollten Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen vorrangig auf Grundstücken direkt an Autobahnen gebaut werden. Die Nachbargemeinden haben inzwischen ihre Zustimmung zum Bebauungsplan verweigert.

Lage und Sichtbarkeit sowie die nach wie vor außerordentliche Größe der Anlage würden zu negativen Konsequenzen führen, heißt es aus dem Lichtenberger Rathaus. Auswirkungen befürchtet man vor allem auf den Tourismus. Kritik kommt auch von der Stadt Naila, deren Ortsteil Marxgrün direkt an das geplante Solarfeld angrenzt. Naila fordert unter anderem die Anlage von Absickerungsmulden, damit der Ort Marxgrün bei Starkregen nicht durch Hochwasser beeinträchtigt wird.

Nun liegt es am Gemeinderat von Issigau den Bebauungsplan abzusegnen. Dann könnten die Investoren den Bauantrag für den Solarpark vorlegen und bereits im Sommer mit dem Bau beginnen. Bereits Mitte 2023 soll einer Mitteilung zufolge Ökostrom aus der Anlage fließen. Die Einwohner von Issigau sollen nach dem Willen der Investoren mit einem speziellen Stromtarif von der Anlage profitieren, außerdem können sie sich daran beteiligen.

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15.02.2022

Existenzangst auf vielen Höfen / Gute Bilanz trotz Corona: Maschinenring Fränkische Schweiz konnte sich erneut gut behaupten

Aufseß. Eine verstärkte Nachfrage nach seinem Beratungsangebot stellt der Maschinenring Fränkische Schweiz fest. „Wir müssen an den Leuten dranbleiben und unsere Volksnähe beibehalten, aber gleichzeitig auch verstärkt über den Tellerrand blicken“, sagt Geschäftsführer Manuel Appel. Trotz Corona kann der Ring mit Sitz in Aufseß auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. „Corona hat uns wenig beeinträchtigt, die Arbeit in der Landwirtschaft muss schließlich weitergehen“, so der Vorsitzende Bernhard Hack aus Weilersbach.

Allerdings spielten die Märkte derzeit extrem verrückt. Die Versorgungssicherheit mit Betriebsmitteln sei auf den Höfen längst nicht mehr gewährleistet, sagt Hack. Dazu komme die immense Teuerung, nicht nur beim Diesel und beim Strom, sondern auch beim Dünger. Der koste beispielsweise das zwei- bis zweieinhalbfache im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig würden die Anforderungen an die Effizienz steigen. „Die Stimmung ist extrem schlecht, kein Wunder, wenn auf vielen Höfen die Existenzangst umgeht“, so Appel.

Klassischer Aufgabenbereiche der Maschinenringe sind die Maschinenvermittlung und die Betriebshilfe. Größter Umsatzträger sind dabei traditionell die Maschinen. Wobei die Bereiche Futterbau, Getreideernte und Transport an erster Stelle stehen. „Wir sind eine viehstarke Region mit vielen Grünlandflächen“, begründet Appel die Schwerpunkte.

Auf stabilem Niveau geblieben seien auch die Einsätze in der Betriebshilfe, wobei die Arbeit mittlerweile hauptsächlich von den festangestellten Kräften erledigt wird. Nebenberufliche gebe es kaum noch, so der Geschäftsführer. Insgesamt sind für den MR Fränkische Schweiz 15 Helfer und Helferinnen tätig,

Zum Portfolio des Maschinenrings Fränkische Schweiz gehört auch die Übernahme der Geschäftsführung für das Biomasse Heizwerk Hollfeld, für die Bioenergie Hollfeld und für die Regnitz-Jura-Düngetrac GmbH. Neu ist seit November die Beteiligung als Mitgesellschafter am Biomasseheizwerk Gößweinstein, für das der Ring auch die Hackschnitzellieferung koordiniert.

Insgesamt kann der MR Fränkische Schweiz für 2021 trotz Corona eine gute Bilanz vorweisen. Nach den Worten des Geschäftsführers konnte der Verrechnungswert sogar geringfügig auf 3,14 Millionen Euro gesteigert werden.

Sehr gut funktioniere die Zusammenarbeit nach Aussage von Vorstand und Geschäftsführung mit der Maschinenring Oberfranken Mitte (OMI) GmbH, in der die die Ringe Bayreuth, Kulmbach und Fränkische Schweiz ihre gewerblichen Aktivitäten gebündelt haben. In der OMI sind beispielsweise die Klauenpflege, die aufgrund verbesserter Förderung immer stärker nachgefragte Maiszünslerbekämpfung oder die Unkrautbekämpfung mit der Heißwasserthermie organisiert. Eine derartige Zusammenarbeit werde in Zukunft noch eine wesentlich stärkere Bedeutung bekommen, sagt Appel. Neu im Team ist dabei der 23-jährige Patrick Munzert aus Trebgast (Landkreis Kulmbach), der künftig für die Bereiche Betriebs- und Düngeberatung zuständig ist und dabei von Aufseß aus auch die Nachbarringe Bayreuth und Kulmbach abdeckt.

Der MR Fränkische Schweiz stellt ein besonderes Konstrukt dar, weil sich sein Tätigkeitsgebiet gleich auf drei Landkreise erstreckt. Neben zwei Gemeinden aus dem Landkreis Bamberg gehören vier Gemeinden aus dem Landkreis Bayreuth dazu, der Rest gehört zum Landkreis Forchheim. Begründet wird dies mit der Historie des Rings, die auf den ehemaligen Landkreis Ebermannstadt zurückgeht, der während der Gebietsreform in den 1970er Jahren auf Bamberg, Bayreuth und Forchheim aufgeteilt wurde. Die beiden „Ur-Ringe“ wurden vor genau 60 Jahren gegründet. Ob es dazu heuer auch eine Festveranstaltung geben wird, stehe derzeit noch in den Sternen.

Bild: Vorsitzender Bernhard Hack (links) und Geschäftsführer Manuel Appel (rechts) vom Maschinen- und Betriebshilfsring Fränkische Schweiz haben Patrick Munzert als neuen Mitarbeiter in der Geschäftsstelle in Aufseß begrüßt. Der Trebgaster wird künftig für die Bereiche Betriebsberatung und Düngedokumentation zuständig sein.

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14.02.2022

Landwirtschaft hat Zukunft (10):

Tradition und Moderne / Fast 500 Jahre im Familienbesitz: Die Familie Jurkat betreibt das Gut Oberlangenroth im Nebenerwerb

Oberlangenroth. „Wir haben keine großen Hobbys, außer der Landwirtschaft“. In diesem Punkt sind sich Christoph und Michael Jurkat absolut einig. Zusammen mit den Eltern Rosa und Ulrich bewirtschaften sie das Gut Oberlangenroth, das zur Gemeinde Neuenmarkt gehört und das eine Jahrtausend alte Tradition besitzt. Ein Blick auf das breite Tätigkeitsfeld, in dem sich der über 100 Hektar große Betrieb bewegt, zeigt allerdings schnell, dass es sich bei dem Gutshof und weit mehr als um eine Hobby-Landwirtschaft, sondern um einen überaus professionellen Betrieb handelt.

„Wir lieben, was wir tun“, sagen die Brüder Jurkat, die nachhaltig, ökologisch und gesund wirtschaften. Tradition und Moderne vereint, lautet ihr Motto. 2016 sind sie dem Bioland-Anbauverband beigetreten, dessen Konzept sie am meisten angesprochen hat.

Der Gutshof wurde vor über 1000 Jahren 1096 erstmals urkundlich erwähnt. Seit 1592 ist er in Familienbesitz. Seit 1992 wirtschaftet die Familie ökologisch. Im April 2016 haben die Eltern Rosa und Ulrich (67), die den Hof bis dahin noch im Vollerwerb führten, an Michael (32) und Christoph (33) übergeben. Seitdem betreiben die Brüder den Betrieb im Nebenerwerb. Michael, der Landwirtschaft in Triesdorf studiert hat, ist Steuerfachangestellter bei der BBV-Steuerberatung in Bayreuth. Christoph hat Fahrzeugtechnik studiert, nebenbei das Bildungsprogramm Landwirt (BiLa) absolviert und arbeitet bei Audi. „Der Landwirtschaft sind wir immer treu geblieben“, sagen die beiden.

Nebenerwerb bedeutet aber auch, dass sie sich nahezu jede freie Minute um den Ackerbau, das Grünland und die Tiere kümmern. Vater Ulrich (68) ist der Herr der Brennerei, Mutter Rosa, die hauptberuflich in der Landwirtschaftsverwaltung tätig ist, verarbeitet die Brände und das Obst, bereitet die Fruchtaufstriche zu und organisiert Blumenfelder, Hofladen und das kleine Verkaufshäuschen an der Gemeindeverbindungsstraße zwischen See und Neuenmarkt.

„Wir handeln aus Überzeugung“, sagt Christoph. Als zertifizierter Bio-Betrieb setzen sich er und seine Familie für artgerechte Tierhaltung und Nachhaltigkeit ein. Auf rund 75 Hektar bauen sie Bio-Getreide wie Dinkel, Hafer, Sommergerste, Triticale und Ackerbohnen an. „Damit gehen wir weg von hochgezüchteten zurück zu den alten Sorten, die widerstandsfähig sind“, erläutert Christoph Jurkat. Unkräuter werden mit dem Striegel und ganz ohne Einsatz von Spritzmitteln beseitigt. Gedüngt wird allein mit dem Mist der eigenen Kühe oder der Gülle vom nahegelegenen Kooperationsbetrieb Maierhof, der auch den Futterüberschuss übernimmt. 80 Prozent des Getreides werden regulär entweder regional oder über die Gesellschaft Bio-Bauern im schwäbischen Pöttmess vermarktet. Dazu werden etwa 27 Hektar Grünland bewirtschaftet. Auch fünf Hektar Blühflächen als Bienenweide gehören dazu.

Nicht aufgegeben hat man die biologische Färsenmast, die Tiere gehören der Rasse Fleckvieh an. Außer einer kurzen Winterstallphase, in der die rund 40 Kühe über einen großzügigen Außenfreilaufbereich verfügen, verbringen sie das Jahr über auf der vier Hektar großen Weidefläche. Daneben gibt es auch einen 14 Hektar großen Wald ganz unmittelbar in der Nähe. In Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsamt wurden Biotopbäume ausgewiesen. Damit hat sich die Familie verpflichtet, diese Bäume nicht zu fällen, um Lebensraum für seltene Tiere wie den Specht zu erhalten. Baum- und Heckenschnitt werden in der hofeigenen Hackschnitzelheizung verwertet.

In der hauseigenen Brennerei werden Brände, Liköre und Fruchtaufstriche aus dem Obst der Bio-Streuobstwiese hergestellt. „Das Brennrecht haben wir bereits seit Generationen“, sagt Christoph. Im Selbstbedienungs-Verkaufshäuschen oder direkt bei der Familie gibt es seit neustem auch Kartoffeln, und alles, was gerade reif ist, Äpfel, Birnen, Zwetschgen und sogar Säfte.

Bilder:
1. Kleines Häuschen, großes Angebot: Christoph Jurkat zeigt das Selbstbedienungs-Häuschen an der Gemeindeverbindungsstraße zwischen dem Ort See und Neuenmarkt.
2.
 Auslauf auch im Winter: Direkt auf dem Hof gibt es einen großzügigen Freilaufbereich.
3.
 Breites Sortiment: Michael (rechts) und Christoph Jurkat präsentieren selbst hergestellte Brände, Liköre, Säfte und Fruchtaufstriche.

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11.02.2002

Bäuerlicher Nachwuchs: Gute Stimmung trotz Gegenwind / Unternehmertag zur Zukunft der Landwirtschaft

Bayreuth. Die klassischen Absatzmärkte laufen über. Wenn Landwirte mit ihren Produkten heute einen Mehrwert generieren wollen, dann müssen sie manche Dinge neu und anders machen. Diese Empfehlungen hat Fritz Gronauer-Weddige, Leiter der Staatlich Höheren Landbauschule in Triesdorf, dem bäuerlichen Nachwuchs mitgegeben. Beim oberfränkischen Unternehmertag der Bezirksregierung, des Verbandes Landwirtschaftlicher Fachbildung und der Landwirtschaftsschulen Bayreuth und Münchberg legte Gronauer-Weddige den Jungbauern eine selbstkritische Bestandsaufnahme ans Herz: „Wir sollten manchmal versuchen, über unseren Schatten zu springen.“

Marktmechanismen funktionieren nicht mehr, so der Triesdorfer Schulleiter. Ebenso habe der Rohstoff nicht mehr die entscheidende Bedeutung. Das werde beispielsweise daraus ersichtlich, dass bei Brot gerade noch vier Prozent des Endverbrauchspreises beim Landwirt, bei Fleisch immerhin noch 23 Prozent ankämen. „Wir haben einen Unterbietungswettkampf“, so Gronauer-Weddige. Ware gebe es genug, was, außer bei Obst und Gemüse, wiederum mit Selbstversorgungsgraden von weit über 100 Prozent zusammenhängt.

Ein Patentrezept, um etwa der Macht des Lebensmitteleinzelhandels zu entkommen, hatte der Schulleiter auch nicht parat. Jedoch zählte er eine ganze Reihe von Beispielen auf, die zeigen, dass Landwirte mit neuen Ideen, mit der Besetzung von Nischen und mit dem einen oder anderen Wagnis durchaus Erfolg haben können. Die gemeinsame Vermarktung von Spezialitäten gehöre dazu, wie es zum Beispiel die bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch-Hall mit dem Fleisch des Schwäbisch-Hällischen Landschweins seit vielen Jahren höchst erfolgreich praktiziert. Auch die Vermarktung von Fleisch des Wagyu-Rindes, einer Rasse japanischen Ursprungs, zu der auch das Kobe-Rind gehört, kann durchaus erfolgreich sein, da es einen bestimmten Verbraucherkreis gibt, den auch astronomische Preise von 40 Euro pro 100 Gramm nicht abschrecken können.

Der Sprecher hatte auch einige Beispiele parat, die so bestimmt kein zweites Mal funktionieren, die aber zeigen sollen, dass man manchmal weniger Geld, dafür aber umso mehr Mut benötigt. Ein ehemaliger Schüler aus dem Münchner Raum sei beispielsweise überaus erfolgreich mit dem Anbau von Wassermelonen, in Holland beschäftige man sich bereits mit der Produktion von Insekten als Tierfutter, auch eine Algenfarm und eine Regenwurmplantage gebe es bereits. Diese Beispiele zeigten, was alles möglich ist, sagte Gronauer-Weddige. Wenn man nur bereit ist, sich etwas zu trauen, und wenn man auch manchmal das Scheitern mit einkalkuliere.

Ein weiteres Signal sah der Schulleiter in der Tatsache, dass selbst konservative Parteien mittlerweile auf Ökologisierung setzen. Von 1990 bis 2020 sei der Anteil der Ökoanbaufläche in Deutschland an der gesamten landwirtschaftlichen Fläche von rund zwei auf gut zehn Prozent angestiegen. Die Politik gebe als Zielmarke für die kommenden Jahre 30 Prozent vor. Es werde sich zeige, ob das die Märkte wirklich hergeben, trotzdem sei die gewaltige Umsatzsteigerung bei Biolebensmittel von bundesweit 12,3 auf 15 Milliarden Euro zwischen 2018 und 2021 ein guter Hinweis.

Aus der Wirtschafterarbeit des dritten Semesters an der Landwirtschaftsschule Münchberg geht jedenfalls hervor, dass der bäuerliche Nachwuchs trotz Gegenwind durchaus positiv gestimmt ist. Laut Lehrkraft Matthias Dotzler stehen bei der Frage nach Maßnahmen zur Optimierung des eigenen Betriebes Investitionen in die Betriebstechnik klar im Vordergrund. Denkbar sei es bei vielen Schülern auch, dass es in Richtung Ökoladbau geht. Auf die Frage, was sie in den kommenden fünf Jahren erreichen möchten, nannte die überwiegende Zahl der Absolventen Maßnahmen, die in Richtung Tierwohl gehen. Kritisch merkten die Junglandwirte an, dass die Arbeitsbelastung in den meisten betrieben deutlich zugenommen hatte. Im Studierendenbeitrag stellten Lea Meyer und Matthias Bär heraus, dass die Preise für Diesel, Strom, Sojaschrot, Mineraldünger, für Pacht und Baumaßnahmen derzeit immens ansteigen, während gleichzeitig staatliche Prämien ab 2023 weniger werden sollen.

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10.02.2022

Bauern wehren sich gegen Verniedlichung des Wolfes / „Causa Wolf“ beschäftigt Landwirte im Veldensteiner Forst – „Gewisse Koexistenz“ nicht mehr zu verhindern

Betzenstein. Die Wolfspopulationen und damit auch die Übergriffe auf Nutztiere sind in den zurückliegenden Jahren in Deutschland exorbitant angestiegen. Darauf hat Philip Bust, Referent für Jagd und Wildtiermanagement beim BBV hingewiesen. Beim Betzensteiner Online-Bauerntag sprach Bust von einer bundesweit jährlichen Zuwachsrate an Wölfen um 30 Prozent. Das bedeutet, dass sich die Population aktuell gut alle drei Jahre verdoppelt. Die Zahl der Wölfe in Deutschland wird seinen Worten zufolge auf rund 2700 geschätzt. Im Vorjahr seien es noch 1500 Wölfe gewesen. Die Nutztierrisse bezifferte Bust auf 4000, was einer Zunahme um rund 1000 gleichkommt.

Zweifel an diesen Zahlen hat der Landwirt Christian Leißner aus Illafeld bei Betzenstein. „Die Zahlen sind massiv untertrieben“, so Leißner. In seinem Wildgehege war es vor ziemliche genau einem Jahr zur Katastrophe gekommen. Dort wurden 18 gerissene Tiere aufgefunden, in einem Gehege im nur zwei Kilometer entfernten Riegelstein weitere sieben tote Tiere. Experten waren sich sicher, dass das Damwild einem oder mehreren Wölfen zum Opfer gefallen ist. Bei dem Vorfall waren allen Tieren die Kehlen durchgebissen worden.

Der Schock sitzt bei dem Landwirt noch immer tief. Zwar hat er sein Gehege mittlerweile mit Schutzzäunen abgesichert, was rund 40000 Euro kostete. Dafür habe er eine großzügige Förderung bekommen, doch habe er den Betrag komplett vorfinanzieren müssen. Leißner äußert auch Zweifel daran, dass es nach amtlichen Angaben derzeit nur acht Wölfe im Veldensteiner Forst gibt. Erst vor wenigen Tagen seien 14 Tiere nahezu gleichzeitig dokumentiert worden. Allein in den zurückliegenden beiden Wochen habe es zwei Vorfälle gegeben, einmal sei ein Hundehalter von einem Wolf angegriffen worden, das andere Mal hätten zwei Radfahrerinnen am helllichtem Tag Hals über Kopf flüchten müssen.

Für den Bayreuther BBV-Kreisobmann Karl Lappe steht deshalb fest, dass mehr Beweissicherungen etwa durch Fotofallen notwendig sind, um mit glaubhaften Fakten in der Diskussion bestehen zu können. „Noch immer wird der Wolf viel zu sehr verniedlicht“, so Lappe. Er befürchtet, dass es eher noch schlimmer kommt, als dass sich die Lage wieder entspannt.

Nach den Worten von Georg Dumpert, dem Leiter des Landwirtschaftsamtes Bayreuth-Münchberg, seien in seiner Behörde im zurückliegenden Jahr rund 150 Anträge auf die Förderung von Schutzzäunen eingegangen. Bis auf zwei habe man all diesen Anträgen stattgegeben. Doch nicht überall sind, beispielsweise aufgrund des steinigen Untergrundes, Umzäunungen möglich, sagt der oberfränkische BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif. Er befürchtet, dass die kleinen Weidetierhalter auf der Strecke bleiben werden, weil sie sich trotz der großzügigen Förderung weder Umzäunungen, noch Schutzhunde leisten können.

Dazu kommt, dass es wirklich wolfssichere Zäune höchsten im Zoo gibt, so BBV-Sprecher Philip Bust. Dort seien die Zäune 3,50 Meter hoch und hätten zusätzlich einen Überkletterschutz. Das sei in freier Wildbahn nicht machbar. Trotzdem appellierte er an die Landwirte und Wildtierhalter Zäune zu errichten. Er schwörte die Bauern auch darauf ein, dass sie sich schon aufgrund der gesellschaftlichen Haltung auf eine gewisse Koexistenz mit dem Wolf einzustellen hätten. Alles andere sei gar nicht mehr durchsetzbar.

Das liege vor allem daran, dass es ein sehr großes Lager an Wolfsbefürwortern gibt. „Die Masse dieser Wolfsbefürworter kommt aber nicht aus dem ländlichen Raum, sondern aus dem urbanen Bereich“, so Bust. Kernforderungen der eigens ins Leben gerufenen AG Wolf, der nicht nur der Bauernverband, sondern unter anderem auch die Verbände der Schafhalter, Rinder- und Ziegenzüchter, die Reitverbände und sogar der Hotel- und Gaststättenverband angehören, bleiben deshalb die Herabsetzung des Schutzstatus für Wölfe sowie unbürokratische Regelungen zur „Entnahme“, also zum Abschuss.

Auf Kreisebene soll es außerdem künftig lokale Ansprechpartner geben, bei denen alle Fäden in der „Causa Wolf“ zusammenlaufen. Sie sollen Sichtungen dokumentieren und zwischen Betroffenen, Verbänden und Behörden vermitteln.

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07.02.2022

Landwirtschaft hat Zukunft (9):

Konventionell, regional, nachhaltig und ehrlich / Getreide für Kulmbacher Bäckereien - Hans Hermann Reinhardt aus Wickenreuth setzt neben seinem Milchviehbetrieb auf regionale Vermarktung

Wickenreuth. Sechs Stunden am Tag komplett mit den Tieren beschäftigt, dazu kommt die Außenwirtschaft, 125 Hektar wollen schließlich bewirtschaftet werden, wenn der Ertrag und die Qualität stimmen soll. Doch für Hans Hermann Reinhardt aus Wickenreuth bei Kulmbach ist die Landwirtschaft viel mehr als nur sein Beruf. „Es macht einfach Spaß“, sagt er, trotz aller Probleme und Herausforderungen, denen sich die Bauern tagtäglich stellen müssen.

Ein Urlaub auf Mallorca, das käme für Hans Hermann Reinhard nie in Frage, er sitzt viel lieber auf seinem Bulldog, um die Felder zu bestellen. „Ich bin zufrieden“, sagt der 54-Jährige. Wenn, ja wenn bloß so manche Entscheidung aus der Politik nicht wäre. Besonders hat er das Bundesumweltamt im Visier. Vor allem wünscht er sich weniger Auflagen, Vorschriften und Richtlinien und wenn, dann praxisnah. So manches, was aus dem Bundesumweltamt kommt, entbehre jeglicher praktischer Erfahrung. „Dabei wären wir Bauern doch blöd, wenn wir unseren Grund und Boden zerstören würden.“

Hans Hermann Reinhardt bewirtschaftet im Umkreis von sechs bis sieben Kilometer um Wickenreuth 125 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Etwa 40 Prozent davon sind Dauergrünland. Zusammen mit dem Silomais, der Wintergerste und der Triticale verfüttert er den Ertrag im Wesentlichen an die 65 Milchkühe, die sich mit noch einmal so vielen Jungtieren im Stall tummeln. Die gentechnikfrei erzeugte Milch geht nahezu komplett an die Milchwerke Oberfranken West in Meeder bei Coburg, eine Genossenschaft, die im Gegensatz zu anderen komplett für den Endkunden produziert. „80 Prozent unseres Einkommens erwirtschaften wir aus der Milch“, sagt Hans Hermann Reinhardt, der sich damit als klassischer Milchviehbetrieb sieht.

Eine Besonderheit stellen die restlichen 20 Prozent dar. Die kommen aus dem Ackerbau. Hans Hermann Reinhard baut vor allem Winterweizen an, der komplett regional vermarktet wird. Gemahlen wird in der historischen Stadtsteinacher Partheimühle, das Mehl geht an ausschließlich an Kulmbacher Bäckereien.

1995 hatte Hans Hermann Reinhardt den Betrieb von seinen Eltern übernommen. Zuvor absolvierte er eine landwirtschaftliche Lehre, besuchte die Landwirtschaftsschule in Kulmbach und packte schon immer kräftig auf dem Hof mit an. Auch als Betriebshelfer und Klauenpfleger war er damals nebenberuflich für den Maschinenring Kulmbach tätig, für den er sich heute als 2. Vorsitzender ehrenamtlich engagiert.

Schon 1987 hatte der inzwischen verstorbene Vater einen neuen Stall, damals für 25 Kühe, errichtet. 1997, und damit lange vor der jetzigen Diskussion um die Anbindehaltung, baute Hans Hermann Reinhardt den Stall zum Laufstall um, 2010 kam ein Laufhof für die Kühe im Freien dazu. „Mehr geht halt am Standort leider nicht, denn sonst müsste man komplett neu bauen“, sagt Hans Hermann Reinhardt. Auch der Umstieg auf ökologischen Landbau ist wegen fehlender Weideflächen nicht durchführbar. Überhaupt hält er nichts von der Bevorzugung der biologischen Wirtschaftsweise durch die Politik und weite Teile der Öffentlichkeit, zum Beispiel durch überzogene Förderungen. „Ehrlich ist das nicht“, stellt er unmissverständlich fest.

Hoch zufrieden ist Hans Hermann Reinhardt auch mit seinen Verpächtern. Die hätten großes Interesse daran, dass die Felder ordentlich bewirtschaftet werden und würden nicht auf den schnellen Euro blicken. Woanders gehe es längst darum, das meiste rauszuholen. Insofern sei die Welt im Kulmbacher Landkreis schon noch in Ordnung.

Auf dem Hof hilft im Wesentlichen Ehefrau Elke mit. In seiner Freizeit ist auch Hofnachfolger Pascal Sandler aus der Nachbarschaft tatkräftig mit dabei. Weitere feste Arbeitskräfte gibt es nicht. „Man hilft sich halt gegenseitig, so gut es geht“, sagt Hans Hermann Reinhardt. Und für alle Fälle, etwa bei einer Erkrankung käme ein Betriebshelfer über den Maschinenring ins Spiel. Wenn er seinen Betrieb beschreiben sollte, dann mit den vier Adjektiven: konventionell, regional, nachhaltig und ehrlich.

„Momentan stagniert alles im Bereich der Landwirtschaft“, sagt Hans Hermann Reinhardt. Er ist aber fest davon überzeugt, dass es wieder weitergehen wird. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln sei hat für weite Teile der Gesellschaft etwas ganz selbstverständliches geworden. Doch so ist es nicht. „Wenn die Leute zu Beginn der Corona-Krise schon Klopapier gehortet haben, was würden sie dann erst tun, wenn die Nahrungsmittel einmal knapp werden?“, sagt er und warnt davor, auf eine Abhängigkeit aus dem Ausland zu setzen.

Bilder:
1.
 Mit 65 Milchkühen ist der Hof von Hans Hermann Reinhardt ein klassischer Milchviehbetrieb.
2.
 Von Technik fasziniert: Hier bereitet Hans Hermann Reinhard eine Drillmschine für die Aussaat vor.

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03.02.2022

Geld muss bei den Bauern ankommen / BBV-Protestaktionen vor Aldi-Filialen in Breitengüßbach, Himmelkron und Hollfeld

Breitengüßbach/Himmelkron/Hollfeld. Gegen das Preisdumping bei Aldi haben Landwirte aus dem Raum Bamberg protestiert. Mit Schleppern und Transparenten zogen sie vor die Filiale des Discounters in Breitengüßbach (Landkreis Bamberg), Himmelkron (Landkreis Kulmbach) und Hollfeld (Landkreis Bayreuth) und machten ihrem Ärger Luft. Corona-bedingt fanden die Aktionen ganz bewusst nicht im großen Stil statt. Allerdings gab es auch an vielen anderen Orten Bayerns ähnliche Proteste.

„Wir fühlen uns verraten und verkauft“, schimpfte Landwirt Albert Hümmer aus Trosdorf. Von einer klaren Verbrauchertäuschung sprach auch der Bamberger Kreisobmann Edgar Böhmer. Der Verbraucher sollte wissen, dass Produkte von der Haltungsstufe 3 und 4 nur in Frischfleisch und Frischmilch Verwendung finden. Wenn schon, dann sollten die Anforderungen für das gesamte Sortiment gelten. Dann würde nämlich auch beim Landwirt mehr ankommen.

„Aldi schmeißt mit Werbegeld um sich und knausert beim Tierwohl“, begründete der Kulmbacher Kreisobmann Wilfried Löwinger die Aktion. Der Discounter inszeniere sich als Hüter und Unterstützer von Tierwohl in der Landwirtschaft, tatsächlich aber fahre Aldi eine aggressive Niedrigpreisstrategien, die auf dem Rücken der Bauern ausgetragen werde. Für Löwinger stelle die Herkunftsbezeichnung ohnehin die viel wichtigere Verbraucherinformation dar, als die Haltungsform.

Der Bayreuther Kreisobmann Karl Lappe kritisierte auch, dass Markenhersteller mittlerweile bedrängt werden, für ihre Produkte weniger zu verlangen, als sie für Produkte erhalten, die unter dem Eigennamen der Discounter verkauft werden. Bei den Eigenmarken sei der Produzent aber völlig austauschbar und der Verbraucher könne in der Regel gar nicht nachvollziehen, woher das Produkt kommt. Kreisbäuerin Angelika Seyfferth sprach genauso wie ihre Kulmbacher Kollegin Beate Opel von einem Etikettenschwindel, der auf den Rücken der Bauern ausgetragen werde.

Die Ablehnung von Haltungsstufe 1 für Frischmilch, also von Produkten aus Anbindehaltung, bedeute das Aus für rund 10000 Betriebe in Bayern. Betroffen seien insbesondere kleine Milchviehbetriebe in Süddeutschland. Damit beschleunige der Handel den Strukturwandel in Bayern. Die Kreisobmänner sind sich einig, dass damit auch die Existenz dutzender Höfe in Oberfranken auf dem Spiel stehe.

„Beim Bauern, der die Lebensmittel erzeugt, muss einfach ein höherer Preis ankommen“, so der Bamberger BBV-Geschäftsführer Werner Nützel. Die Landwirte benötigten höhere Erzeugerpreise um das Überleben vor allem der kleinen landwirtschaftlichen Betriebe zu sichern. „Aldi muss an die Molkereien und an die Schlachthöfe höhere Preise zahlen und das Geld muss bei den Bauern ankommen, sonst müssen viele kleine Bauernhöfe für immer zusperren“, so der BBV-Geschäftsführer von Bayreuth und Kulmbach Harald Köppel.

In Bamberg bekamen die Landwirte vom Discounter ein Hausverbot ausgesprochen, obwohl die Aktion vom Landratsamt mit zehn Teilnehmern und zwei Schleppern genehmigt wurde. Die Bauern ließen sich davon aber nicht beirren. Auch nicht von den beiden Polizeifahrzeugen, mit jeweils zwei Beamten, die schon lange vor der Aktion aufgefahren waren und das Geschehen genau beobachteten. In Himmelkron und Hollfeld gab es dagegen keine Probleme, was wohl auch daran lag, dass dort bewusst nur eine jeweils kleine Gruppe mit einem einzigen Schleppern auf den Parkplätzen vorgefahren war.

Bild:
1. Landwirte aus dem Raum Bamberg protestierten vor der Aldi-Filiale in Breitengüßbach mit zwei Schleppern gegen die Werbeaktionen des Discounters. Mit dabei waren auch der Bamberger BBV-Geschäftsführer Werner Nützel (links) und Kreisobmann Edgar Böhmer (3. von links).

2.
Aus dem Kulmbacher Land protestierten die Bauern, darunter auch der Kulmbacher Kreisobmann Wilfried Löwinger und Kreisbäuerin Beate Opel (3. und 4. von links) vor der Aldi-Filiale in Himmelkron mit mehreren Plakaten und einem Schlepper.
3.
BBV-Kreisobmann Karl Lappe, Kreisbäuerin Angelika Seyfferth und die Landwirte Mariella und Christian Hanning (von links) protestierten vor der Aldi-Filiale in Hollfeld mit einem Schleppern gegen die Werbeaktionen des Discounters.

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02.02.2022

Arbeit der Bauern nicht zum Nulltarif / Pottensteiner Online-Bauerntag: Erfolgsgeschichte „Dachmarke Bayreuther Land“ vorgestellt

Pottenstein. Knapp fünf Jahre nach Gründung des Vereins und zweieinhalb Jahre nach dem offiziellen Start der „Dachmarke Bayreuther Land“ haben alle Beteiligten ein positives Fazit gezogen. „Je mehr Menschen den Wert regionaler Produkte verinnerlichen und verstehen, umso mehr Menschen kaufen diese Produkte auch“, sagte Jana-Lisa Mönch von der Wirtschaftsförderung des Bayreuther Landkreises beim Pottensteiner Online-Bauerntag.

Die „Dachmarke Bayreuther Land“ soll nicht eine beliebige Marke unter vielen Marken sein. Sie soll vielmehr Erzeugnisse und Hersteller aus der Region erkennbar machen, um ihre Produzenten und Verarbeiter zu stärken, so Jana-Lisa Mönch, die im Rahmen des Regionalmanagements Bayreuth Stadt und Land wesentlich an der Einführung der Dachmarke beteiligt war. Als Ziel nannte sie es, die Vielfalt an regionalen Spezialitäten und Produkten zu erhalten, damit die Wertschöpfung in der Region bleibt.

Kriterien sind unter anderem, dass der Betrieb, aus dem das jeweilige Erzeugnis stammt, inhaber- und familiengeführt ist, dass die Herstellung des Produkts ausschließlich in handwerklicher Qualität erfolgt, und, dass Grund- und Rohstoffe zu hundert Prozent aus Bayreuth Stadt und Land stammen. Die Dachmarke hat derzeit über 60 Mitglieder, hauptsächlich Landwirte, Gärtner, Bäcker und Metzger. Die Finanzierung erfolgt zu 90 Prozent über das Bayerische Wirtschaftsministerium die restlichen zehn Prozent teilen sich Stadt und Landkreis Bayreuth.

Als kommende Aktionen kündigte Jana-Lisa Mönch an, die heimische Gastronomie über eine regionale Speisekarte mit einzubinden, das touristische Potenzial in Form von Genusstouren zu stärken und Führungen durch Betriebe für Schulklassen zu veranstalten. Außerdem soll die „Dachmarke Bayreuther Land“ im neuen großen Edeka-Center in Bayreuth als eigener Hofladen im Markt präsent sein.

„Alle Mitglieder der Dachmarke leisten einen wertvollen Beitrag zur kulinarischen Vielfalt unserer Heimat“, sagte Landrat Florian Wiedemann. Er wies darauf hin, dass durch die Pandemie neue Gewohnheiten und neue Verhaltensweisen bei vielen Menschen entstanden sind. Die Wertschätzung regional erzeugter Lebensmittel gehöre dazu. Damit werde die wertvolle Arbeit der Landwirte und der verarbeitenden Betriebe wieder mehr in den Focus gerückt. Wiedemann stellte aber auch klar, dass es dies alles nicht zum Nulltarif geben kann: „Qualität hat eben auch ihren Preis, das muss uns allen klar sein.“

Die zunehmende Nachfrage des Verbrauchers nach regionalen Erzeugnissen zeige, dass der Landkreis mit der Gründung der Dachmarke richtig gelegen sei, so Wiedemanns Vorgänger Hermann Hübner, der zu den Ideengebern gehörte. Das erklärte Ziel, Erzeuger und Verbraucher zusammenzubringen, sei erreicht worden. Hübner könne sich nun auch eine stärkere Ausweitung der Dachmarke auf die Bereiche Wild und Fischerei vorstellen.

Seine Berufskollegen seien auf Werbung dieser Art dringend angewiesen, sagte der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif. Reinhold Thiem vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bayreuth-Münchberg wünschte sich, dass nun auch die großen Discounter Wertschätzung für die heimische Landwirtschaft und ihre Produkte erbringen.

Doch genau daran scheitert es derzeit, so Kreisobmann Karl Lappe. Er kritisierte den aktuellen Preisdumping-Angriff der großen Handelsketten, die den Produzenten ihrer Eigenmarken derzeit mehr bezahlen, als den Erzeugern von Fremdmarken. „Hersteller und Produzenten sind damit austauschbar geworden“, sagte Lappe. Er forderte seine Berufskollegen zu Geschlossenheit auf, um in diesem Preiskampf nicht als Verlierer hervorzugehen.

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01.02.2022

Mehr Rehwild in heimischen Wäldern / „Wald vor Wild“: Forstliches Gutachten zur Waldverjüngung vorgestellt

Kulmbach. Die Rehwildbestände im Landkreis Kulmbach sind im zurückliegenden Jahr deutlich angestiegen. Das geht aus dem Gutachten zur Waldverjüngung hervor, das Michael Schmidt vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bei der Online-Jahresversammlung der Jagdgenossenschaften im Bauernverband vorgestellt hat. Demnach hat die Verbiss-Problematik in allen sechs Hegegemeinschaften des Kulmbacher Landes deutlich zugenommen. Darauf müsse reagiert werden, waren sich sämtliche Akteure einig.

Teilweise liege der Verbiss sogar deutlich über den bayerischen Durchschnitt, berichtete Forstdirektor Schmidt. Die Ökonomischen Auswirkungen für die Waldbesitzer nannte er schwerwiegend, weil beispielsweise der Bau von notwendigen Schutzzäunen hohe Kosten verursache. Aber auch ökologisch seien Auswirkungen feststellbar, weil einzelne Baumarten durch das hohe Verbiss-Geschehen immer weniger werden, teilweise sogar vom Aussterben bedroht sind.

Dramatisch verschärft wurde die Situation zusätzlich durch die großen Borkenkäferschäden der zurückliegenden Jahre. „Durch den Käfer sind riesige Kahlflächen in unseren Wäldern entstanden“, sagte Schmidt. Der Forstfachmann schätzte die Fläche allein im Landkreis Kulmbach auf rund 2000 Hektar. Die Kosten der Schutzmaßnahmen dafür bezifferte er auf sechs bis neun Millionen Euro.

Bayernweit liege der Verbiss beim Laubholz bei 40 Prozent. Ale sechs Hegegemeinschaften des Landkreises lägen deutlich darüber, so Forstdirektor Schmidt. Im Einzelnen liegen die Zahlen für die Hegegemeinschaft (HG) Kulmbach bei 70 Prozent, für die HG Roter Main bei 64 Prozent, für die HG Jura bei 73 Prozent, für die HG Trebgast bei  65 Prozent, für die HG Frankenwald bei 51 Prozent und für die HG Frankenwald-Oberland bei 50 Prozent. „Damit ist der Verbiss in allen sechs Hegegemeinschaft zu hoch“, sagte Schmidt. Die Abschussempfehlung müsse deshalb überall erhöht werden.

Einmal mehr zitierte er das Bayerische Waldgesetz, dass ganz klar die Priorität „Wald vor Wild“ definiert habe. Das bedeute nicht Wald ohne Wild, sagte Schmidt, lege aber eine klare Priorität zu Gunsten des Waldes durch den Gesetzgeber fest. Deshalb sei auch die Abschussplanung als Grundlage einer objektiven Beurteilung der Waldverjüngung von so großer Bedeutung. Aus dem Gutachten werden die Rehwild-Abschusspläne für die kommenden drei Jahre erstellt. Für das forstliche Gutachten haben Michael Schmidt und seine Mannschaft rund 14000 Pflanzen auf 200 Verjüngungsflächen auf Verbiss-Schäden im gesamten Landkreis Kulmbach untersucht.

Mit Schrecken nahm Burkhard Hartmann, Vorsitzender der AG Jagdgenossenschaft, das forstliche Gutachten zur Kenntnis. Nicht nur, dass die Mehrzahl der Reviere in den sechs Hegegemeinschaft mittlerweile zu hohe, teilweise sogar deutlich zu hohe Verbiss-Zahlen aufweisen, sondern auch, dass meist der besonders wichtige Leittrieb betroffen sei. Damit sei der Baum von vornherein nutzlos und wertlos und tauge später allenfalls noch als Brennholz. „Die Situation ist wirklich gravierend“, sagte Hartmann. Man müsse aktiv nachpflanzen, anders gehe es nicht.

Neben dem Rehwild bereitet weiterhin auch die Zunahme des Schwarzwildes Probleme. So seien zuletzt in Oberfranken rund 11000 Wildschweine erlegt worden, Im Jahr zuvor waren es noch rund 16000. Als eine Ursache für den Rückgang nannte Hartmann die Corona-Situation. Zahlreiche Drückjagden seien deshalb erst gar nicht angesetzt, andere im letzten Moment wieder abgeblasen worden. „Die fehlenden Drückjagden schlagen sich in den Zahlen ganz klar nieder“, so Hartmann.

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31.01.2022

Landwirtschaft hat Zukunft (8):

Klasse statt Masse / Geringe Besatzdichte, beste Wasserqualität: Vitale Fische aus der Kleinrehmühle

Kleinrehmühle. Das ist der Idealfall regionaler Vermarktung: „Der Bedarf ist so groß, dass wir über einen Umkreis von höchstens 100 Kilometer hinaus gar nicht verkaufen“, sagt Daniel Wagner von der Fischzucht Kleinrehmühle. Viele der produzierten Fische gehen an die eigene Ausflugsgaststätte vor Ort. Damit fällt überhaupt kein Transportweg an, mehr Tierwohl geht nicht.

In über 30 naturnahen Erdteichen, Becken und Fließkanälen produziert die Familie Wagner Regenbogenforellen, Bachforellen und Elsässer Saiblinge. Zum Team gehören neben Daniel Wagner und Lebensgefährtin Tina fünf fachkundige und langjährig erfahrene Mitarbeiter, zwei Fischwirte und drei weitere Kräfte, die mit Herzblut für die Fische und die Fischzucht leben.

Im Einzelnen gehören Setzlinge, Speisefische, Besatzfische, Lachsforellen, Räucherfische und ein hochwertiges Fischfuttersortiment zum Angebot des Betriebs. „Wir achten von Anfang an auf eine erstklassige Zuchtauslese, so dass wir unseren Kunden sowohl im Setzlingsbereich als auch im Speisefischbereich immer gesunde, kräftige und kernfleischige Fische anbieten können“, sagt Daniel Wagner, der sich um die zum Betrieb gehörende Ausflugsgaststätte kümmert, während Lebensgefährtin Tina die Fischzucht übernommen hat.

Die Vermarktung erfolgt im Wesentlichen an Gaststätten, Wiederverkäufer auf Märkten, andere Direktvermarkter und an Privatleute. Auch den Verkauf ab Hof bietet die Kleinrehmühle an. „Die Werbung erfolgt ausschließlich über Mund-zu-Mund-Propaganda“, sagt Daniel Wagner. Geliefert wird mit einem Lkw und zwei Kleintransportern, die so umgebaut wurden, dass sie für den Lebendtransport von Fischern geeignet sind.

Die Kleinrehmühle ist eigentlich eine Einöde, die zum Teil zum Gemeindegebiet von Marktleugast, zum anderen Teil zu Presseck gehört, Bemerkenswert ist die Höhenlage von 585 Meter über dem Meeresspiegel. Sämtliche Teiche und Becken werden mit dem frischen Quellwasser des Kleinen Rehbachs gespeist, der laut Daniel Wagner Gewässergüte 1 aufweist. Auch technisch sind die Anlagen auf modernstem Stand. Sonden in jedem Teich und in jedem Becken messen den Sauerstoffgehalt des Wassers. Dazu trägt die geringe Besatzdichte zu größtmöglichem Fischwohl bei.

Mit zur Fischzucht Kleinrehmühle gehört auch die Kosermühle bei Marktleugast, die von der Familie Wagner im Jahr 2008 zugekauft wurde. „Auch dort produzieren wir Lachsforellen und Saiblinge“, erläutert Daniel Wagner.

Ebenfalls zur Kleinrehmühle gehört die gleichnamige und weithin bekannte Ausflugsgaststätte mit ihren 55 Sitzplätzen und weiteren 350 Plätzen im Biergarten. Dort gibt es von Mittwoch bis Sonntag immer ab 12 Uhr geräucherte Forellen aus der eigenen Produktion. Auf dem Gelände tummeln sich jede Menge Ziegen, Schafe, Enten und Hühner, außerdem gibt es einen großen Spielplatz. Damit bietet die Kleinrehmühle ein ideales Ausflugsziel für Familien, sagt Daniel Wagner, der den Betrieb mit Fischzucht und Gaststätte 2002 von seinem Großvater übernommen und seitdem immer wieder ausgebaut hat.

„Klasse statt Masse und dies zu einem vernünftigen Preis, das ist und bleibt die Devise der Fischzucht Kleinrehmühle“, so Wagner. Auch in Zukunft will er vitale Fische züchten und freut sich, wenn Gäste die Anlage besuchen und den Fischwirten bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen.

Bild: Fischwirt Sebastian Scherz gehört zu den Mitarbeitern der Fischzucht Kleinrehmühle.

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26.01.2022

Milchviehhalter in Oberfranken: Pro Woche zwei Betriebe weniger / Rinderzuchtverband Oberfranken legte Jahresbericht vor – Umsatz konnte endlich wieder gesteigert werden

Bayreuth. Trotz Corona und aller damit verbundenen Einschränkungen konnte der Rinderzuchtverband Oberfranken sein Ergebnis im zurückliegenden Zuchtjahr um 1,6 Millionen Euro auf insgesamt rund 16,5 Millionen Euro steigern. Das ist umso erfreulicher, als dass in den vergangenen beiden Jahren das Ergebnis rückläufig war. Wie aus dem druckfrisch vorliegenden Jahresbericht hervorgeht, sind die Vermarktungszahlen um gut 500 auf exakt 30968 Tiere aller Kategorien (Nutzkälber, Zuchtkälber, Jungrinder, Jungkühe und Bullen) gestiegen. Das Geschäftsjahr des Rinderzuchtverbandes ist nicht identisch mit dem Kalenderjahr. Es beginnt am 1. Oktober und endet am 30. September.

Vorsitzender Georg Hollfelder führt die Steigerungen auf die gestiegenen Tierzahlen, vor allem aber auf die höheren Preise bei den Nutzkälbern zurück. Während im zurückliegenden Jahr noch zahlreiche Märkte abgesagt werden mussten oder nicht in gewohnter Weise stattfinden konnten, hatte sich die Situation mittlerweile wieder geändert. Alle Märkte wurden abgehalten, wenn auch die Besucherzahl auf den Großviehmärkten zeitweise geringer gewesen sei, so heißt es in der Bilanz.

Einschränkungen gab es aber trotzdem: Durch die Umbaumaßnahmen im Großviehstall in Bayreuth seien Bullen, Jungkühe und hochtragende Kalbinnen ab Februar im Exportstall, die Jungrinder im Kälberstall untergebracht worden. Im April hätten dann die Anbaumaßnahmen für den Kälberstall begonnen, wodurch der Körplatz blockiert wurde und die Körung zwischen Großviehstall und Exportstall stattfinden musste.

Der Rinderzuchtverband Oberfranken hatte im zurückliegenden Zuchtjahr noch 1014 Mitgliedsbetriebe, 50 weniger als im Jahr zuvor. Somit sei die 1000er-Grenze noch nicht, wie befürchtet, unterschritten worden. Die Zahl der Herdbuchkühe ist dem Jahresbericht zufolge ebenfalls deutlich gesunken, und zwar um weit über zwei Prozent oder 1568 Stück auf nun 64687. Die Durchschnittsgröße der Betriebe wird mit knapp 64 Kühen angegeben (Vorjahr 62).

Während diese Statistik nur die Kreiszuchtgenossenschaften und die Mitgliedsbetriebe des Rinderzuchtverbandes betrifft, listet der umfangreiche Jahresbericht traditionell auch die gesamte Milchviehhaltung in Oberfranken auf. Hier sank die Zahl der Milchkühe um 1700 auf 81175. Damit liege Oberfranken im bayerischen Trend, so Zuchtleiter Markus Schricker.

Unverändert fortgesetzt hätten sich auch die Betriebsaufgaben. Wieder 101 Betriebe weniger bedeute noch 1665 Milchviehhalter in Oberfranken. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt statistisch bei 48,8 Kühen pro Betrieb. Die meisten Milchkühe werden in den Landkreisen Bayreuth und Hof gehalten, die wenigsten in den Landkreisen Kronach und Lichtenfels.

Wenn auch der Rückgang in den Milchkuhzahlen und Betriebszahlen etwas gebremst wurde, sei der Trend klar: kontinuierliche Betriebsaufgaben und kaum Neuinvestitionen. 101 Betriebe weniger bedeute in etwa, dass zwei Betriebe pro Woche aufgeben. Die Zeichen würden dabei nicht für eine Trendwende sprechen.

Beim Rinderzuchtverband standen nach den Worten des Vorsitzenden Georg Hollfelder im vergangenen Jahr vor allem Investitionen in mehr Tierwohl im Fokus. Der Umbau auf die freilaufende Auktion im Großviehstall konnte abgeschlossen werden, die Umgestaltung und Erweiterung des Kälberstalles wurde begonnen und soll 2022 abgeschlossen werden. „Das alles sind Investitionen für die Mitglieder, für eine regionale und in die Zukunft gerichtete Viehvermarktung.“

Von der Politik wünschen sich die Verantwortlichen ein Bekenntnis zu einer „modernen und spezialisierten Landwirtschaft ohne Bilderbuchträumereien“. Das Spannungsfeld Ökonomie, Tierschutz, Klimaschutz werde bleiben. „Darauf müssen wir uns einstellen, aber wir erwarten Anerkennung unserer Arbeit, unseres Berufstandes und vielleicht doch klare Perspektiven“, so der Vorsitzende.

Bild: Die Umbaumaßnahmen in den Stallungen des Rinderzuchtverbandes Oberfranken im Grünen Zentrum in Bayreuth sind nahezu abgeschlossen.

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25.01.2022

Mit Waldumbau gegen den Klimawandel / Höhere Temperaturen, weniger Niederschläge – BBV informiert Waldbauern über geeignete Gegenmaßnahmen

Bamberg. Der Klimawandel ist die größte Herausforderung für die Forstwirtschaft. Das sagt Hans-Joachim Klemmt, neuer Leiter der Abteilung Waldbau und Bergwald an der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft in Freising-Weihenstephan. Einzige wirksame Maßnahme ist dabei der frühzeitige Aufbau klimastabiler und zukunftsfähiger Wälder, so der Fachmann bei einer Online-Veranstaltungsreihe zum Thema Klima des BBV Oberfranken.

Wälder sind ein Teil der Lösung der Klimaproblematik, weil sie Kohlendioxid binden. „Doch egal, wie viel wir auch aufforsten, wir werden den Klimawandel damit nicht stoppen können“, sagt Klemmt. Den Waldbauern legt der aus Neuhaus an der Pegnitz stammende Referent nahe, frühzeitig mit dem Waldumbau zu beginnen. „Warten sie nicht, bis die Natur sie zwingt, ihre Wälder zu verjüngen.“ Dabei sollten baldmöglichst auch geeignete klimaresistente Mischbaumarten in geeigneter Form, also durch Pflanzung oder Saat in den vorhandenen Bestand eingebracht werden.

Was Klemmt die 4-Plus-Regel nennt, bedeutet auf mehrere, mindestens vier Baumarten zu setzen, um das Risiko zu minimieren. Dabei sollte vor allem darauf geachtet werden, dass Klima, Boden und Baumartenwahl auch zusammenpassen. So könne der Waldbewirtschafter Licht-, Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit steuern. Stets sollte man dabei auch den Wildeinfluss durch geeignete Maßnahmen gering halten.

Laut Hans-Joachim Klemmt ist der Klimawandel in Bayern längst spürbar und auch nachweisbar. Er warnt aber auch: „Es wird noch deutlich wärmer werden, als wir es bisher erfahren haben.“ Als Beleg dafür zählt der Experte auf, wie die bayerischen Durchschnittstemperaturen seit 1986 angestiegen und die Niederschläge abgenommen hatten. 2018 sei die laut Deutschem Wetterdienst mit 9,9 Grad Celsius heißeste jemals gemessene Durchschnittstemperatur im Freistaat gemessen worden. Das Mittel lag zwischen 1961 und 1990 bei 7,5 Grad Celsius. Gleichzeitig seien 2018 die Gesamtniederschläge die drittniedrigsten seit Aufzeichnungsbeginn 1881 gewesen.

Für die Wälder bedeute dies schon heute großflächige Schäden. „Und diese Schadensphänomene werden mit zunehmendem Klimawandel noch häufiger auftreten“, warnt Klemmt. Besonders auffällig sei es dabei, dass Nordbayern viel stärker als Südbayern betroffen ist. Hier sei der Nadel- und Blattverlust als Trockenheitsreaktion viel stärker festzustellen. Allgemein sei die Mortalitätsrate besonders bei Fichten und Kiefern überdurchschnittlich. Klemmt: „Insgesamt haben wir bereits großflächigen Schäden in unseren Wäldern beobachten müssen.“

Dieter Heberlein, Jagd- und Waldreferent des BBV Oberfranken, weist darauf hin, dass der Grundwasserspiegel in Oberfranken während der zurückliegenden zehn Jahren um fast einen halben Meter abgesackt ist. Allerdings habe sich der Wald zuletzt in 2021 wenigstens wieder leicht von der extremen Trockenheit der Vorjahre erholen können. „Nach drei heißen und trockenen Sommern war 2021 wieder ein relativ normales Jahr“, so Heberlein. Das habe man vielfach gar nicht so wahrgenommen, weil man sich schon an die trockene und heiße Witterung der Vorjahre gewöhnt hatte. Dennoch werde es keinen Weg mehr an dem Thema Klimawandel vorbei geben.

Bild: Viel ist nicht mehr übrig geblieben vom einst so üppigen Fichtenwald bei Wilhelmsthal im Landkreis Kronach. Schuld daran sind die trockenen und heißen Sommer, die für eine Massenvermehrung des Borkenkäfers gesorgt haben.

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25.01.2022

Weniger Betriebe, weniger Schweine / „Stallgespräch“ bei den Ferkelerzeugern Deinlein in Neudorf

Neudorf. Ihren Viehbestand haben sie schon drastisch reduziert. Waren es im Herbst noch 350 Schweine auf dem Ferkelerzeugungsbetrieb von Dagmar und Jörg Deinlein in Neudorf, nahe Scheßlitz, sind es mittlerweile nur mehr 190. Die Preise sind einfach zu schlecht. Wie es weitergehen soll, ist völlig offen. „Die ständig neuen Anforderungen machen uns schon schwer zu schaffen“, sagte Jörg Deinlein beim „Stallgespräch“ des BBV Bamberg.

Aufgrund neuester Vorgaben müsste die Familie ihren Stall schon wieder umbauen. Das sei aber am jetzigen Standort aufgrund von Abstandsvorgaben gar nicht möglich. Eine notwendige Investition von rund einer viertel Million Euro ist schon gar nicht drin bei den derzeitigen Preisen. „Also bleibt uns nur eines übrig: den Bestand zu reduzieren“, so Jörg Deinlein.

BBV-Geschäftsführer Werner Nützel machte dabei eine einfache Rechnung auf. Während der Erzeugerpreis für den Bauern pro Kilo erzeugtem Schweinefleisch in Deutschland ohne Mehrwertsteuer im Jahr 2015 bei 1,26 Euro lag, liege er heute bei 1,28 Euro. Der Verbraucherpreis habe allerdings schon 2015 bei 6,06 Euro gelegen, heute macht er 7,22 Euro aus. Soll heißen: „Beim Landwirt kommt nichts an.“ Völlig außer Acht gelassen wurde dabei, dass die Betriebskosten in den zurückliegenden Jahren gewaltig angestiegen sind.

Kein Wunder, dass die Zahl der schweinehaltenden Betriebe in Bayern im Zehn-Jahres-Vergleich um 45 Prozent abgenommen habe und zuletzt bei 4200 lag. Wie viele werden diesmal übrig bleiben, fragen sich die Landwirte. Die Zahl der Tiere sei dabei nicht so stark zurückgegangen, sie lag zuletzt im Freistaat bei knapp 2,9 Millionen, was im Zehn-Jahres-Vergleich aber trotzdem einen Rückgang um 18 Prozent ausmachte. Die Umfragen lassen nichts Gutes ahnen: 70 Prozent der Schweinehalter in Deutschland wollen in den kommenden Jahren aufgeben.

Nützel kritisierte auch die zahlreichen Lockangebote des Lebensmitteleinzelhandels, die einzig und allein auf Kosten der Landwirte gehen. „Die fünf großen Discounter machen den Preis kaputt“, sagte er. Wenn der Lebensmitteleinzelhandel schon mehr Tierwohl fordere und dafür einen höheren Preis verlange, müsse das auch beim Bauern ankommen, so Kreis-, Bezirks- und Landesbäuerin Anneliese Göller. „Die Marktmacht der großen Handelsketten ist das Problem“, sagte Kreisobmann Edgar Böhmer.

Die Familie Deinlein hat für sich zumindest einen kleinen Ausweg aus der Misere gefunden. Sie arbeitet mit einem zertifizierten Schlachtbetrieb zusammen und vermarktet die Schweine in Form von Schlachtpaketen selbst. „Wir müssen einfach schauen, dass mehr bei uns bleibt“, so Dagmar Deinlein. Für Ehemann ist sowieso klar, dass es im Moment einfacher ist, Kaffee zu vermarkten, als Schweine. Deshalb wollen sie auch ab März ihr Hofcafé wieder regelmäßig an den Sonntagen öffnen.

Bild: Katharina Schrenker und Fabian Deinlein sowie Jörg und Dagmar Deinlein trafen sich vor ihrem Hofcafé in Neudorf mit BBV-Geschäftsführer Werner Nützel, Kreis- Bezirks- und Landesbäuerin Anneliese Göller und Kreisobmann Edgar Böhmer (von links).

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24.01.2022

Landwirtschaft hat Zukunft (7):

Ein halbes Jahrhundert Mühlentradition / Familienbetrieb in 18. Generation - Qualitätsmehle aus regionaler Herstellung

Stadtsteinach. Aus der Region für die Region: das könnte ein Slogan sein, mit dem Dirk Partheimüller Werbung für seine Produkte macht. Doch der Inhaber der historischen Partheimühle in Stadtsteinach hat das ganz nicht nötig. Über ein gutes Dutzend Landwirte aus den Landkreisen Bayreuth, Kronach und Kulmbach gehören seit eh und je zu seinen Lieferanten. Das Korn kommt also von den Feldern der Region. Das produzierte Weizen-, Roggen- und Dinkelmehl findet nahezu ausschließlich in Bäckereien und Pizzerien Oberfrankens Verwendung. Nahezu heißt, dass auch Privatleute ihr Mehl entweder direkt beim Partheimüller oder bei Rewe- und Edeka-Märkten in und um Kulmbach erwerben können.

Seit Jahrhunderten kommt Qualitätsmehl aus Stadtsteinach. Bereits 1558 wurde die Mühle erstmals urkundlich erwähnt. Dirk Partheimüller stellt heute wie damals aus regionalem Getreide Weizen-, Roggen- und Dinkelmehle ohne chemische Zusatzstoffe her. „Wir kaufen ausschließlich Getreide aus Oberfranken, das ist nachhaltig, weil wir so den Kohlendioxid-Ausstoß vermindern“, sagt der Partheimüller. Mehr als 30 Kilometer Transportweg hat keine Getreidelieferung mehr hinter sich, wenn sie in Stadtsteinach ankommt.

Feste und zuverlässige Lieferanten, „auf die man sich verlassen kann“, das ist für Dirk Partheimüller wichtig. Schließlich hat auch er mit stark schwankenden Rohstoffpreisen zu tun, wenn zum Beispiel wie im zurückliegenden Jahr die Preise gewaltig steigen, weil deutsches Getreide ins Ausland abwandert.

Insgesamt werden in Stadtsteinach jedes Jahr gut 1000 Tonnen Getreide verarbeitet. „Regionalität ist unser Prinzip“, so Dirk Partheimüller, der auch Mitglied der Genussregion Oberfranken ist und natürlich auch deren strenge Kriterien erfüllt. Neben Weizenmehlen sowie Roggenmehlen unterschiedlicher Typen gibt es in Stadtsteinach auch Dinkelmehle und ein eigenes Pizzamehl. Jeder Abnehmer kann dabei mit Säcken zu 2,5 bis 25 Kilogramm den jeweiligen individuell gewünschten Bedarf abdecken.

Dirk Partheimüller stellt bereits die 18. Generation in diesem außergewöhnlichen Familienbetrieb. Mit seiner Frau Sonja hat der 54-Jährige schon für die nächste Generation vorgesorgt, Sohn Luca (14) kennt sich im Betrieb jedenfalls bestens aus.

Trotz der altehrwürdigen Tradition ist die aus den 1960er Jahren stammende Produktionsstätte relativ neu. Damals wurde sie neben dem denkmalgeschützten historischen Gebäude mit dem Mühlrad errichtet. Die parallel zur Getreidemühle betriebene Sägemühle wurde schon vor rund 100 Jahren eingestellt. Die Landwirtschaft, die noch lange betrieben wurde, ist erst vor gut 20 Jahren aufgegeben worden.

Was heute vielfach als Gläserne Produktion angepriesen wird, lebt der Partheimüller schon lange. In seinen Mühlenführungen erklärt er immer wieder gerne, wie das Korn zum Mehl gemahlen wird. Ganz so einfach ist das nämlich nicht, viele Produktionsschritte sind dazu notwendig. „Die wenigsten wissen, wie das wirklich funktioniert“, sagt er. Wie so oft, hat auch hier Corona für eine Unterbrechung gesorgt. Trotzdem hofft der Partheimüller schon bald wieder mit den Führungen beginnen zu können.

Was bei vielen Bauern der Hofladen, ist bei Dirk Partheimüller das Mühlenlädla gleich am Eingang, das täglich geöffnet hat. Im Angebot hat er auch die Produkte der befreundeten Minderleinsmühle bei Neunkirchen am Brand. Dirk Partheimüller hat auch beobachtet, dass gerade jüngere Leute verstärkt wieder selbst backen, eine Entwicklung, die durch Corona noch forciert worden ist und die der Stadtsteinacher Partheimühle nur zu Gute kommt.

Bilder:
1.
 Dirk Partheimüller bedient Walzenstühle, die teilweise schon seit 100 Jahren im Betrieb sind.
2.
 Sonja, Luca und Dirk Partheimüller betreiben die gleichnamige Mühle in Stadtsteinach in 18. Generation seit 1558.
3.
 Die Partheimühle im Stadtsteinacher Dammweg ist ein ortsbildprägender Bau mit langer Geschichte.
4. In Zeiten von Corona backen viele Verbraucher wieder selbst und finden so den Weg ins Mühlenlädla.

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20.01.2022

Generationengerechter Übergang bei der Anbindehaltung / Landwirte diskutierten mit CSU-Abgeordneten

Lichtenfels/Kulmbach. In der Kritik am Koalitionsvertrag war man sich einig beim Online-Gespräch tragender bäuerlicher Organisationen aus Coburg, Kronach und Kulmbach mit den beiden CSU-Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner (Lichtenfels/Kulmbach) und Jonas Geissler (Coburg/Kronach). So ganz verinnerlicht hatten es manche Teilnehmer freilich noch nicht, dass CSU im Bund jetzt Opposition heißt.

„Wir sind abgewählt worden und können künftig nur Anträge stellen“, sagte Emmi Zeulner. Als Opposition sitze man eben nicht mehr mit am Verhandlungstisch. Einfacher werde das sicher nicht. Jonas Geissler, neu gewählter Abgeordneter für den Wahlkreis Coburg, zu dem auch Kronach gehört, räumte Fehler der CSU in der Vergangenheit ein. „Wir wissen, dass wir wahnsinnig viele Landwirte enttäuscht haben“, sagte er.

Der Koalitionsvertrag stelle die Landwirte eher als Umweltschützer dar, monierte Zeulner. „Das sind sie zwar, sie sind aber auch Nahrungsmittelproduzenten“, so die Angeordnete. Ziel sollte es sein, Deutschland in Sachen Ernährung ein stückweit autark zu machen. Wenn der Selbstversorgungsgrad bei Obst und Gemüse gerade einmal bei 30 Prozent liegt, dann sei das entschieden zu wenig. „Wir dürfen uns nicht abhängig machen“, warnte die Politikerin.

Diese Auffassung vertrat auch Michael Bienlein, BBV-Kreisobmann von Lichtenfels: Es bringt uns doch nichts, wenn wir die Nahrungsmittelproduktion ins Ausland verlagern und nur noch als Umweltschützer tätig sind“. Die Lebensmittelsouveränität werde sträflich vernachlässigt, so Harald Weber, Leiter des Landwirtschaftsamtes Coburg-Kulmbach. Kreisobmann Bienlein bemängelte, dass bei vielen Dingen wie etwa bei der Düngeverordnung die fachliche Praxis völlig außen vor bleibe.

Ein großes Thema, das viele Landwirte umtreibt ist die Diskussion um die Zukunft der Anbindehaltung. Wie berichtet, listen Teile des Lebensmitteleinzelhandels bereits Frischmilch aus, die aus Anbindehaltung stammt. „Ob es einem Tier gut oder schlecht geht, hängt doch nicht ausschließlich von der Haltungsform ab“, sagte Bienlein. Es liege vielmehr an den Menschen, die das Tier versorgen.

Emmi Zeulner sprach sich dabei für individuelle Lösungen aus. Statt eines fixierten Stichtages sollte es einen generationengerechten Übergang geben. „Wir werben in Berlin für eine entsprechende Initiative“, versprach sie. Der Umbau in der Struktur müsse massiv unterstützt werden. Zuvor hatte auch Behördenleiter Weber für Übergangslösungen plädiert. Von den 147 Milchviehhaltern im Landkreis Lichtenfels hätte über die Hälfte weniger als 20 Kühe. Dabei könne man sicher davon ausgehen, dass es bei diesen kleinen Landwirten noch überall Anbindehaltung gibt. Nur 36 von den 147 Milchviehhaltern hätten mehr als 50 Kühe im Stall, der dann wohl ziemlich sicher ein Laufstall ist

Landwirt Bernhard Hofmann äußerte große Sorgen, was den Nachwuchs angeht. Hofnachfolger würden die Lust am Beruf verlieren, wenn sie keinerlei Wertschätzung mehr erfahren. „Immer steht die Landwirtschaft im Kreuzfeuer der Kritik, Vielflieger und Kreuzfahrer bleiben dagegen außen vor“, sagte er.

Einig war man sich darin, dass der Landwirt wieder einen ordentlichen Preis für sein Produkt bekommen muss. In Sachen Selbstbewusstsein des Berufsstandes sei aber schon noch Luft nach oben, so Zeulner. „Wir wissen um die Leistung, die erbracht wird“, sagte sie. „Unser Kernanliegen sollte deshalb die Wertschätzung der Bauern sein“, so Jonas Geissler. Landwirte dürften nicht länger unter Generalverdacht gestellt werden.

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20.01.2022

Bauern am Scheideweg / BBV-Stallgespräch bei Schweinebauer Jan Schrijer im Coburger Land

Ottowind. Die Schweinerhalter sind seit Monaten die eigentlichen Sorgenkinder. „Derzeit werden die Kosten nicht annähernd gedeckt“, sagte der Coburger Kreisobmann Martin Flohrschütz beim traditionellen Pressegespräch, das viele Kreisverbände alljährlich im Umfeld der Grünen Woche veranstalten. Wenn es heuer Corona-bedingt auch schon zum zweiten Mal hintereinander keine Grüne Woche gibt, so hält der BBV trotzdem an seinen „Stallgesprächen“ fest, um auf die dringendsten Probleme der Branche hinzuweisen.

Die Gründe für die Misere sind schnell aufgezählt: explodierende Energie- und Futterkosten, eine zunehmende Zahl an Vegetariern und Veganern, das Auftauchen der Afrikanischen Schweinepest und daraus resultierende Exportstopps sowie die seit bald zwei Jahren andauernde Corona-Krise. „Uns fehlt die Rückendeckung, sagt Schweinebauer Jan Schrijer aus Ottowind bei Meeder im Landkreis Coburg. Er meint damit die Rückendeckung aus der Politik, deren immer neue Auflagen richtig Geld kosten. Aber auch die fehlende Rückendeckung aus dem Lebensmitteleinzelhandel macht den Bauern zu schaffen. „Wenn wir zu Aldi-Konditionen produzieren sollen, dann hören wir lieber gleich auf“, so Schrijer.

Genau das haben viele Bauern schon getan, auch im Landkreis Coburg. „Viele Ställe stehen bereits leer“, sagte Kreisobmann Flohschütz. Er hat bereits beobachten müssen, dass die Landwirte nach Alternativen suchen, die Tierhaltung zum Beispiel ganz aufgeben, den Betrieb nur noch im Nebenerwerb führen oder sich eine außerlandwirtschaftliche Einkommensquelle suchen.

„Wir wollen doch nicht mehr und nicht weniger als ein ganz normales Einkommen“, sagt Jan Schrijer, der auch Vorstand des Fleischerzeugerrings Oberfranken ist. Es müsse einfach besser honoriert werden, wenn Landwirte sich um das Tierwohl kümmern. Seine Schweine hätten zum Beispiel stets Auslauf und könnten jederzeit an die frische Luft. Beim Stallgespräch mit der örtlichen Presse konnten sich alle Beteiligten davon überzeugen, dass die Schweine dies auch bei winterlichen Temperaturen gerne in Anspruch nehmen.

Den Prozess der Fleischproduktion, den sich die Gesellschaft in der öffentlichen Diskussion wünscht, würde aus Sicht von Kreisobmann Flohschütz schon längst flächendeckend vorhanden sei, wenn der Markt dafür da wäre. „Anspruch und Wirklichkeit klaffen jedoch auseinander“, sagt Flohrschütz. In Nischen würden diese Märkte in einzelnen Programmen von Teilen des Lebensmitteleinzelhandels und von Direktvermarkter zwar schon bedient. Die breite Masse entlohne jedoch nicht die von der Gesellschaft geforderten Haltungsbedingungen.

Behördenleiter Harald Weber vom Landwirtschaftsamt Coburg-Kulmbach sieht die Landwirtschaft an einem Scheideweg. „Die Nutztierhaltung sei mittlerweile generell ein Problem geworden. Sowohl die Zahl der Halter, als auch die Zahl der Tiere nehme dramatisch ab, weil sich die höheren Kosten nicht in höheren Preisen niederschlagen. Wir wissen nicht, wie wir die höheren Preise durchsetzen können“, so Weber.

Dabei geht es schon längst nicht mehr nur ums Geld. „Die fehlende Wertschätzung macht vielen jungen Leuten schwer zu schaffen“, sagt er. Es sei nicht immer unbedingt positiv, was da an den potentiellen Nachwuchs herangetragen werde, so der Behördenchef, der auch Fällen des sogenannten „Bauern-Bashings“ wusste. Schon in der Schule stünden Kinder von Landwirten im Zentrum des Spotts. Das könne so nicht weitergehen.

Bild: Stallgespräch auf dem Hof von Jan Schrijer in Ottowind bei Meeder im Landkreis Coburg: hier habe die Schweine jederzeit Auslauf und könnten auch bei winterlichen Temperaturen an die frische Luft.

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17.01.2022

Wettermeldungen digital und online / Georg Zenk aus Bad Staffelstein und Harald Fischer aus dem Fichtelgebirge sind offizielle Melder des Deutschen Wetterdienstes - Ehrenamtliche Helfer gesucht

Bad Staffelstein/Marktleuthen. Der Deutsche Wetterdienst sucht in Oberfranken einen Wetterbeobachter. Hintergrund ist, dass Waldfried Männlein aus Königsfeld im Landkreis Bamberg aus Altersgründen seine ehrenamtliche Tätigkeit vor kurzem eingestellt hat. Er betreute zuletzt eine der ältesten Stationen überhaupt, die bereits im Jahr 1899 ihren Betrieb aufgenommen hatte.

Aktuell gibt es oberfrankenweit im Schnitt alle 15 Kilometer eine Station, so Frank Sievers von der Abteilung Messnetze und Daten des Deutschen Wetterdienstes in München. Wettermelder zu finden sei nicht ganz einfach, da die Station möglichst frei stehen muss, damit die Messungen nicht beeinträchtigt werden. Landwirte seien geradezu prädestiniert dafür, da sie über entsprechende Flächen in geeigneten Lagen verfügen und die Daten ja ohnehin auch für sich benötigen. Im Übrigen handle es sich um ein Ehrenamt, bei dem lediglich der Aufwand entschädigt werde.

Eine der oberfränkischen Stationen befindet sich im Bad Staffelsteiner Ortsteil Stublang bei Landwirtschaftsmeister Georg Zenk. Wettertechnisch sei er schon immer interessiert gewesen, berichtet der 33-Jährige. Seit knapp zwei Jahren ist er offizieller Melder. „Mich hat das schon lange fasziniert, wie das alles zustande kommt“, so Zenk, der den elterlichen Hof als Betriebsleiter führt.

Durch einen Artikel im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt war er damals darauf gekommen, dass Wetterbeobachter gesucht werden. Schnell war der Kontakt zustande gekommen und das Gebiet nahe dem Stallneubau am Ortsrand stuften die Fachleute als absolut geeignet ein.

Nun ist es bei Georg Zenk nicht mehr so, dass er jeden Morgen an seiner Wetterstation Daten in Tabellen einträgt und sie nach München durchtelefoniert. Die Station arbeitet vollautomatisch, sämtliche Werte werden digital übermittelt. Der Melder muss die Station und das Umfeld regelmäßig warten und pflegen, freihalten von Unkraut, die Gerätschaften säubern und eventuell neu hochfahren, ähnlich wie beim Computer. Lediglich die Schneehöhen werden noch per Hand gemessen.

Die Station selbst ist eigentlich ganz unscheinbar mit Erdbodenfeld, Niederschlags- und Luftfeuchtigkeitsmesser. Vollautomatisch wird hier 320 Meter über Normalnull die Lufttemperatur fünf Zentimeter über dem Boden gemessen, werden Frosttemperaturen festgestellt und die Regenmengen bestimmt.

Im Stallneubau nebenan sind 70 Milchkühe zuhause, insgesamt bewirtschaftet Georg Zenk 110 Hektar Fläche, der Großteil davon Grünland zur Selbstverwertung, aber auch Weizen und Roggen zur Vermarktung über den Landhandel. Vor zehn Jahren war er bereits in die GdbR der Eltern miteinagestiegen, vor zwei Jahren hatte er die Betriebsleitung übernommen.

Bei Harald Fischer aus Neudorf, einem Ortsteil von Marktleuthen im Fichtelgebirge ist die Situation ganz ähnlich. Bei ihm war die Suche im Schaukasten des Ortes ausgeschrieben, nachdem der Vorgänger aufgegeben hatte. Der 62-Jährige ist ohnehin als Stadtrat, Kreisrat, Feldgeschworener, Jagdvorstand und als Kreisobmann des Bauernverbandes recht gut unterwegs. Auf ein Ehrenamt mehr oder weniger kam es dabei auch nicht an. Im März 2017 legte er los. Seitdem übermittelt er online täglich um sieben, beziehungsweise acht Uhr die Niederschlagsmengen und Schneehöhen. Ist er einmal krank oder anderweitig verhindert, hilft Sohn Andreas aus. Luftfeuchtigkeit und Temperaturen werden in Neudorf nicht gemessen, da es sich um eine konventionelle Niederschlagsstation handelt.

Harald Fischer bewirtschaftet in Form einer GdbR zusammen mit Ehefrau Irmtraud und Sohn Andreas in und um das 40-Seelen-Ort Neudorf rund 100 Hektar, 60 Milchkühe plus Nachzucht stehen in dem 2005 an- und umgebauten Stall. Auf seinen Flächen baut er Mais zum Eigenbedarf als Futter und Braugerste an. Auch bei ihm besteht ein großer Teil der Fläche aus Grünland.

Was Harald Fischer im Umfeld seiner Arbeit für den Wetterdienst besonders aufgefallen ist, sind die zunehmenden Starkregenereignisse, die regional meist unterschiedlich begrenzt sind. Land unter in Neudorf könne durchaus auch bedeuten, dass es im Nachbarort komplett trocken geblieben ist. Die Station Neudorf liegt auf einer Höhe von gut 600 Metern über Normalnull.

Bilder:
1.
 In Stublang betreibt Georg Zenk seine Wetterstation am Ortsrand.
2.
 Bei der Wetterstation von Harald Fischer handelt es sich um eine konventionelle Niederschlagsstation.

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17.01.2022

Landwirtschaft hat Zukunft (6):

Kurze Transportwege, frische Fische / Teichwirt Edwin Hartmann produziert Karpfen am Ortsrand von Waldau

Waldau. „Gesunde Lebensmittel in den eigenen Teichen zu produzieren, das erfüllt einen auch mit Stolz“, sagt Edwin Hartmann (66) aus Waldau. Sein Lebensmittel sind die Karpfen, die in den vier eigenen Teichen am Ortsrand des Neudrossenfelder Gemeindeteils heranreifen. Vermarktet werden sie im Wesentlichen über die für ihre Fischspezialitäten weit über die Landkreisgrenze hinaus bekannte und bereits mehrfach ausgezeichnete Gaststätte Fuchs direkt in der Nachbarschaft der Familie Hartmann. Noch kürzer können Transportwege kaum ausfallen, liegen doch zwischen Teich und Wirtshaus nicht einmal 500 Meter Luftlinie.

Edwin Hartmann, der hauptamtlich als Ingenieur bei der Telekom in Bayreuth tätig war und der jetzt eigentlich seinen Ruhestand genießen könnte, betreibt Land-, Forst-, und Teichwirtschaft im Nebenerwerb zusammen mit seiner Ehefrau Claudia, Tochter Jennifer und den Söhnen Alexander, Philip und Leon. Für den zwölf Hektar großen Betrieb wurde eine landwirtschaftliche GbR gegründet, um auch gegenüber dem Finanzamt die Gewinnerzielungsabsicht in einem rechtssicheren Rahmen zu dokumentieren.

Die eigene Teichanlage besteht aus vier Karpfenweihern mit einer Gesamtwasserfläche von einem Hektar. Der erste Teich wurde bereits 1982 gebaut und bereits mehrfach erweitert. 1990 und in den Jahren 2019 und 2020 entstanden die weiteren drei Weiher, die jeder Autofahrer kennt, der auf der A70 kurz nach der Auffahrt Kulmbach/Neudrossenfeld in Richtung Bayreuth unterwegs ist.

Besetzt werden die Teiche mit zweijährigen Karpfen (K2). Schleien und Graskarpfen werden in geringen Stückzahlen als Beifische gehalten. Zur im Teich vorhandenen Naturnahrung wird Getreide aus eigenem Ackerbau zugefüttert. Das Getreide baut Edwin Hartmann auf sechs Hektar Fläche an, die er bis 2015 verpachtet hatte und seitdem wieder selbst bewirtschaftet.

In einem guten Jahr werden bis zu 500 kg schlachtreife dreijährige Karpfen (K3) geerntet und verkauft. „Das sind zwischen 250 und 300 Karpfen“, sagt Edwin Hartmann. Wenn etwas für den Eigenbedarf übrig bleibt, kommen die von Ehefrau Claudia zubereiteten Karpfen blau, gebacken oder heiß geräuchert gerne auch auf den heimischen Tisch. Heuer seien es allerdings deutlich weniger Karpfen gewesen, da die Temperaturen den Sommer über einfach zu kalt waren. Auch in den beiden Jahren davor habe es aufgrund der Trockenheit eine geringere Ausbeute gegeben.

Damit die Karpfen ihren Teichmoder verlieren, ist die Hälterung in fließendem Wasser unabdingbar. Nur so könne der Fischliebhaber den unbeeinträchtigten Karpfengeschmack genießen, erklärt Edwin Hartmann. In der heimischen Hälterung schwimmen daher meistens einige Prachtexemplare.

Auch ehrenamtlich engagiert sich Edwin Hartmann. Als Fischereibeirat der Teichgenossenschaft Oberfranken vertritt er seit 2013 den Landkreis Kulmbach, der aufgrund einer geringeren Zahl an kleinen Fließgewässern teichwirtschaftlich nicht so gut aufgestellt ist, wie andere Regionen Oberfrankens.

Die Freude und der Erfolg in der Teichwirtschaft würden allerdings von mehreren Fischprädatoren getrübt, sagt Edwin Hartmann. Neben Grau- und Silberreiher dezimieren alljährlich auch Kormorane die eingesetzten Fische. 2016 wurde die Teichanlage von Bibern heimgesucht, dabei wurden die Teichdämme durch eine Vielzahl von Biberröhren zerstört. „Die haben immensen Schaden angerichtet“, erinnert sich der Teichwirt. Erst nach der vom Landratsamt Kulmbach genehmigten Entnahme konnte diesem Spuk ein Ende bereitet werden. Zwar sei er zu einem gewissen Teil finanziell entschädigt worden, der Arbeitsaufwand sei aber trotzdem enorm gewesen. Auch Spuren des Fischotters wurden im vorbei fließenden Schlitterbach schon gesichtet.

„Wenn man aber gegen die Fischräuber nichts unternehmen darf, dann ist es um diesen Wirtschaftszweig schlecht bestellt“, spricht Edwin Hartmann eines der größten Probleme der Branche an. Der unbestrittene ökologische Wert einer Teichanlage werde daher nur erhalten bleiben, wenn den Teichwirten auch ein wirtschaftlicher Erfolg aus ihrer Arbeit zugestanden wird.

Bilder:
1.
 Hier in der Fischhälterung auf dem Anwesen von Teichwirt Edwin Hartmann verlieren die Karpfen ihren modrigen Geschmack.
2.
 Das ist der größte der vier Teiche, die Edwin Hartmann am Ortsrand von Waldau bewirtschaftet.
3.
 Einen seiner kleineren Teiche hat Edwin Hartmann im Herbst abgelassen.
4. K
urze Transportwege garantieren, dass die angebotenen Karpfen auch wirklich frisch sind.

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14.01.2022

Regionales nicht zum Ramschpreis / Wertschätzung und Wirtschaftlichkeit: Klinikum und Landratsamt setzen auf heimische Verpflegung

Kulmbach. Das Bundeslandwirtschaftsministerium macht unter seinem neuen Chef Cem Özdemir Druck. Die bereits von Vorgängerin Julia Klöckner angestoßene Initiative, in Kantinen und Gemeinschaftsverpflegung mehr auf Bio-Lebensmittel zu setzen, soll schnell Realität werden.

„Als Bund setzen wir auf mehr Bio, mehr Tierwohl und fairen Handel“, heißt es aus dem Ministerium. Gleichzeitig soll aufgezeigt werden, wie mehr Bio-Lebensmittel bezahlbar für alle angeboten werden können. Konkret ist eine Erhöhung des Anteils von Bio-Lebensmitteln in Kantinen und Gemeinschaftsverpflegungen bis 2025 auf 20 Prozent geplant. Noch einen Schritt weiter ist Bayern. Hier gibt es einen Beschluss, nach dem bis spätestens 2025 in allen staatlichen Kantinen ein Warenanteil von mindestens 50 Prozent aus regionaler oder biologischer Erzeugung angeboten werden soll.

Grundsätzlich ein guter Vorschlag, um die Bio-Landwirtschaft zu fördern und auszubauen, findet Harald Köppel, Geschäftsführer des Bauernverbandes für Kulmbach, Kronach und Bayreuth. Da seien solche Ansätze mit Sicherheit nicht schlecht. Es müsse aber auch jeden klar sein, dass man das Bio-Menü nicht zum Preis einer herkömmlichen Mahlzeit bekommt.

Für Köppel ist der Vorschlag aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium nicht unbedingt neu. Schon seit Jahren sollen Bio-Lebensmittel in öffentlichen Kantinen gepusht werden. In staatlichen Stellen sei dies einfacher zu machen, weil es dort angeordnet werden könne. Bei privatbetriebenen Kantinen gebe es dagegen häufig Probleme mit dem Budget, weil pro Mahlzeit nur so und so viel Euro zur Verfügung stehen. Bio benötige einfach einen höheren Aufwand, der auch bezahlt werden muss. „Wenn der Verbraucher nicht bereit ist, den höheren Preis zu bezahlen, werden wir auch da auf der Stelle treten“, so Köppel. „Regional erzeugte Bio-Lebensmittel wird es nicht zum Ramschpreis geben.“

Sehr nahe am Vorschlag der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber sieht Harald Weber, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg-Kulmbach, die Absichtserklärung von Özdemir hinsichtlich der Erhöhung des Bio-Anteils. Nahe auch an den Initiativen zur Forcierung der Regionalvermarktung, deren Potential jetzt auch zunehmend vom Lebensmitteleinzelhandel entdeckt werde. Weber erinnert dabei auch an die langjährigen Arbeit des ehemaligen Fachzentrums Gemeinschaftsverpflegung, das mit der Neuorganisation der Ämter in ein gleichlautendes überregionales Sachgebiet am Landwirtschaftsamt Bayreuth-Münchberg überführt worden sei. Ergänzend soll ab März an den Bezirksregierungen im Bereich Landwirtschaft ein Koordinator für regionale Vermarktungsinitiativen auf Regierungsbezirksebene installiert werden.

Für Gemeinschaftsverpflegungseinrichtungen in den drei oberfränkischen Ökomodellregionen gebe es das Angebot des BioRegio-Coachings, in dem sich Kitas, Schulen, Betriebsgastronomien und Senioreneinrichtungen vom Sachgebiet Gemeinschaftsverpflegung Oberfranken bei der Steigerung des Anteils bio-regionaler Lebensmittel begleiten lassen können, berichtet Susanne Dobelke vom Sachgebiet Gemeinschaftsverpflegung am Landwirtschaftsamt Bayreuth-Münchberg. Die Coaching-Angebote befassen sich mit den vier Leitgedanken Gesundheit, Nachhaltigkeit, Wertschätzung und Wirtschaftlichkeit. Dazu gehöre auch, wieweit der Bezug regional bzw. bioregional erzeugter Lebensmittel gesteigert werden kann.

Die Versorgung mit Lebensmitteln aus der Region ist am Klinikum Kulmbach schon seit vielen Jahren ein echtes und bewusst verfolgtes Anliegen, sagt Küchenleiter Christian Hofmann. „Ob das der Spargel aus Rothwind ist oder das Brot aus der Bäckerei Dumler, die ihr Mehl aus Stadtsteinach bekommt: Wir kaufen, wenn das möglich ist, regional.“ Wenn am Klinikum Wild auf der Speisenkarte steht, dann haben Jäger aus dem Kulmbacher Land die Tiere geschossen. „Als Metzger haben wir die Frankenfarm unter unseren Lieferanten.“ Auch sogenannte „Ursprungsware“, von der Firma Transgourmet bezieht das Klinikum regelmäßig. Das Unternehmen setzt auf kulinarische Nachhaltigkeit mit einem Sortiment aus regionalen Produkten, die auch von Klein- und Kleinsterzeugern kommen.

Die Küche habe jeden Tag alle Hände voll zu tun. Je nach Belegung des Hauses würden zusammen mit dem Personalessen an manchen Tagen bis zu 1000 Mittagessen täglich ausgegeben, so Hofmann. Von den Patienten und auch in der Belegschaft werde es durchaus geschätzt, dass regionale Waren oft einen Schwerpunkt darstellen. „Die Leute wollen schon wissen, woher die Speisen kommen, und es gefällt ihnen auch, dass die Ware aus der Region kommt“, weiß der Küchenchef und sieht darin eine Bestätigung für den richtigen Kurs, den sich die Klinikumsküche gegeben hat.

Auf Anfrage teilte Martin Willert von der Hauptverwaltung des Landratsamtes Kulmbach mit, dass die in der Kantine angebotene Mittagsverpflegung ebenfalls vom Klinikum Kulmbach geliefert werde. Als Fairtrade-Landkreis decke Kulmbach zudem einen großen Teil des verkauften Kaffees durch „Fair Trade-Kaffee“ ab, der unter anderem auch Bioqualität besitzt. „Die angebotenen Speisen und Getränke werden nicht nur von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sondern auch von unseren Gästen gerne nachgefragt“, so Martin Willert.

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13.01.2022

Kitzrettung sorgt für positive Image der Landwirtschaft / Neue Ämterstruktur vorgestellt

Bayreuth. Eine überaus positive Bilanz über die Wildtierrettung während des zurückliegenden Jahres hat Johannes Scherm, Geschäftsführer des Maschinenrings Bayreuth-Pegnitz, gezogen. „Das Image der Landwirtschaft wurde damit deutlich verbessert“, sagte er bei einer gemeinsamen Online-Gebietsversammlung von Maschinenring, Bauernverband, Landwirtschaftsamt und Verband landwirtschaftlicher Fachbildung.

Bedingt durch den späten Zeitpunkt und die kurzen Schönwetterperioden sei der erste Schnitt für alle Beteiligten eine echte Herausforderung gewesen. Trotzdem seien über 400 Rehkitze vor dem sicheren Mähtod bewahrt worden. Für alle Beteiligten war es aber auch wichtig, dass Berührungsängste abgebaut werden konnten. „Kitzretter sind keine militanten Tierschützer“, stellte Scherm klar. Vielmehr habe sich das Thema zu einem echten gesellschaftlichen Anliegen entwickelt, nicht selten würden sich sogar Dorfgemeinschaften oder Sportvereine mit einbringen. Ziel sei es nun, die Vernetzung aller Akteure zu verbessern, damit die Zusammenarbeit aller Beteiligten noch besser läuft. „Eine Mahd auf gefährdeten Flächen ohne jede Vorsichtsmaßnahme ist künftig nicht mehr zu akzeptieren“, stellte Scherm klar.

Ziel der Kitzrettung ist es, Wildtiere kurz vor dem Schnitt aufzuspüren und sie entweder zu verscheuchen oder solange festzusetzen und damit zu sichern, bis das Grünland gemäht ist. Vor allem die Rehkitze sind in den ersten Lebenswochen sehr gefährdet, denn die Wiesen sind in dieser Zeit so eine Art Kinderstube der Tierbabys. Die Tiere hätten in den ersten Wochen keinen Fluchtinstinkt und würden bei Gefahr regungslos an ihrem Platz liegenbleiben. Die Kitzrettung unterstützt damit Landwirte und Jagdpächter beim Absuchen der Wiesen und verhindert so den meist qualvollen Tod der Kitze. Das Tätigkeitsfeld der Rehkitzrettung erstreckt sich auf die Landkreis Bayreuth, Hof, Wunsiedel und Kulmbach.

Die Städte und Landkreise Bayreuth, Hof und Wunsiedel bilden auch das künftige Dienstgebiet des neu gebildeten Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bayreuth-Münchberg. Laut Reinhold Thiem gibt es im Dienstgebiet 3282 Mehrfachantragssteller, also landwirtschaftliche Betriebe, die Fördermaßnahmen und Ausgleichszahlungen beantragt haben. „Auf jeden Bauern kommen damit zwischen 100 und 150 Einwohner“, so Thiem. Die meisten Landwirte gibt es dabei im Landkreis Bayreuth mit etwa 50 Prozent gefolgt vom Landeis Hof mit 30 Prozent und dem Landkreis Wunsiedel mit zehn Prozent. Der Rest entfällt auf das Gebiet der kreisfreien Städte Bayreuth und Hof. Bei insgesamt rund 128000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche beträgt die durchschnittliche Betriebsgröße 39 Hektar. Relativ klein strukturiert sei dabei der Landkreis Bayreuth mit 30 Hektar im Durchschnitt, während der Landkreis Hof mit fast 50 deutlich größere Betriebe aufzuweisen hat.

Reinhold Thiem hatte bei seiner Präsentation des neuen Dienstgebietes noch weitere Zahlen parat: Etwa ein Drittel aller Betriebe wird im Haupterwerb geführt, wobei hier die durchschnittlichen Größen mit 85 Hektar im Landkreis Hof, 80 Hektar im Landkreis Bayreuth und 70 Hektar im Landkreis Wunsiedel deutlich größer sind. Gut zwei Drittel aller Landwirte betreiben noch Viehhaltung und immerhin 11,5 Prozent aller Betriebe ökologischen Landbau. Auch hier liege der Landkreis Hof mit 144 Betrieben knapp vor dem Landkreis Bayreuth (133 Betriebe). Im Landkreis Wunsiedel gibt es immerhin noch knapp 90 Öko-Betriebe. Entwarnung konnte Thiem geben, was die künftigen Zuständigkeiten der Förderung anbelangt. Hier werde sich in Zukunft kaum etwas ändern. Sämtliche Ansprechpartner bleiben in der Regel die gleichen wie vor der Neustrukturierung der Landwirtschaftsverwaltung.

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10.01.2022

Landwirtschaft der Zukunft (5):

Im Konsens zwischen konventionell und bio / Ferkelerzeugung, Lohnarbeiten, Getreidebearbeitung: Gerhard Reif aus Gößmannsreuth setzt auf mehrere Betriebszweige

Gößmannsreuth. Der Blick über den Tellerrand, das ist heute das Wichtigste für jeden landwirtschaftlichen Unternehmer. Gerhard Reif aus Gößmannsreuth, weiß ganz genau, wovon er spricht. Sein Betrieb hat sich seit der Übernahme 1997 vom kleinen Bauernhof zum breit aufgestellten landwirtschaftlichen Unternehmen entwickelt und ist durch Höhen und Tiefen gegangen. „Man muss neue Wege gehen und sich auch mal was trauen“, sagt der 55-Jährige. Ein „weiter so“ werde heute nicht mehr funktionieren. Dafür sei schon die Zeit viel zu schnelllebig geworden.

Gerhard Reif hatte die Landwirtschaftsschule in Kulmbach, dann die Jungbauernschule in Grainau besucht und danach seinen Meister gemacht. Der elterliche Betrieb, das war damals ein kleiner Hofraum mit Zuchtsauenstall und kleinem Kuhstall mitten im Dorf. „Meine 2018 fertiggestellte Maschinenhalle ist größer als damals der ganze Betrieb“, erinnert sich Gerhard Reif.

Mit der Übernahme nach dem Tod des Vaters 1997 gab Gerhard Reif erst einmal die Kühe auf. Die kleinen Stallungen im Ort hat die Familie heute längst aufgegeben und zum Heizraum, Holz- und Getreidelager sowie zur Werkstatt umfunktioniert. 2005 dann folgte der Bau eines neuen Schweinestalles mit dem Focus auf Ferkelerzeugung, die noch heute den Schwerpunkt seiner Arbeit ausmacht. 160 bis 170 Zuchtsauen tummeln sich aktuell im Stall, für die Ferkel gibt es trotz der aktuellen Krise auf dem Schweinemarkt feste Abnehmer.

Ein Großteil des auf den 120 Hektar Ackerland angebauten Getreides, vor allem Wintergerste und Weizen, wird selbst verfüttert. Der Rest, hauptsächlich Raps und Körnermais, wird ganz normal gedroschen, gereinigt und vermarktet. „Glyphosatbauern sind wir nicht“, stellt Gerhard Reif unmissverständlich fest. Er versuche stets, einen Konsens zwischen konventionell und bio zu finden. Man müsse ja auch nicht gleich gegen jedes Unkraut spritzen, sondern sollte versuchen, das Aufkommen im Rahmen der Fruchtfolge zu vermeiden. „Insofern können wir uns von der biologischen Bewirtschaftung auch etwa abschauen.“

Der erstmalige Anbau von Sonnenblumen auf 20 Hektar in diesem Jahr sei ein vielversprechender Versuch gewesen, einmal eine neue Kultur zu testen. Gefragt sind die Kerne nicht nur in der Backindustrie oder bei Müsliherstellern, sondern auch bei Privatleuten als Vogelfutter. Die Ein-, Fünf- oder 15-Kilo-Säcke gehen jedenfalls ganz gut weg und das blühende Sonnenblumenfeld hat den ganzen Sommer über als prima Kulisse für private Fotoshootings gedient.

Die maschinelle Aufrüstung ab 2007 sei der Anstoß dazu gewesen, Agrardienstleistungen und Lohnarbeiten anzubieten. Ein Sektor, der schnell zum zweiten wichtigen Standbein wurde und es bis heute ist. „Diese Lohnarbeiten haben uns über schwere Zeiten getragen“, sagt er. „Wir pflügen, säen, düngen, dreschen und bieten Pflanzenschutzmaßnahmen an“, sagt Gerhard Reif, der auf einen ordentlichen Stamm fester Kunden im Landkreis verweisen kann. Über entsprechende Nachfrage könne er sich jedenfalls nicht beklagen, besonders während der Erntezeit.

Doch damit nicht genug. Aus den ursprünglich angedachten drei kleinen Getreidesilos in der Maschinenhalle wurde mittlerweile eine hochmoderne Getreideanlage zur Aufbereitung, Reinigung und Trocknung mit den vier markanten Silos unmittelbar an der Kreisstraße zwischen Donnersreuth und Dreschen. Sie haben eine Lagerkapazität von jeweils rund 100 Tonnen. Im Umlauftrockner können 14 Tonnen Getreide je nach Feuchtigkeitsgrad binnen zwei Stunden getrocknet werden. Auch hier hat Gerhard Reif einen festen Kundenstamm, nicht nur aus Kulmbach und Umgebung, sondern auch aus den Nachbarlandkreisen Bamberg und Lichtenfels.

Die drei Standbeine sind natürlich eine gewaltige Arbeitsbelastung für die gesamte Familie. Auf dem Betrieb sind neben Gerhard Reif und seiner Frau Elke auch Sohn Max (29), der ebenfalls die Meisterprüfung abgelegt hat, tätig. Seit August hat Gerhard Reif auch zum ersten Mal einen Lehrling. Zur Abdeckung von Arbeitsspitzen, etwa während der Ernte gibt es den einen oder anderen geringfügig Beschäftigten.

Bilder:
1.
 Technisch bestens ausgestattet bietet der Betrieb von Gerhard Reif und Sohn Max die vielfältigsten Lohnarbeiten an.
2. Die hochmoderne Getreideanlage steuert Gerhard Reif vom Schreibtisch aus. Ehefrau und Elke sieht ihm dabei über die Schulter.

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03.01.2022

Landwirtschaft der Zukunft (4):

Bio-Milch für die Eisdiele / Michael Sack bewirtschaftet den Maierhof bei Ködnitz

Ködnitz. „Ich war zehn Jahre lang nur unterwegs“, sagt Michael Sack. Jetzt, mit 34, ist er angekommen, und zwar auf dem Maierhof, ein Einzelhof nahe der Kulmbacher Stadtgrenze, der zur Gemeinde Ködnitz gehört. 2016 hat er den Betrieb, den bis dahin seine Eltern Anita und Gerhard Sack führten, übernommen. Der Milchviehbetrieb mit ausgelagertem Jungvieh und dem Schwerpunkt Futterbau ist seitdem zum Lebensmittelpunkt geworden.

Michael Sack hatte in Freising studiert und war in der Folge als Rübenanbauberater für die Südzucker AG, dem größten Zuckerproduzenten der Welt, tätig. In Österreich, Polen, ja sogar in Russland war er als „Zuckerinspektor“ eingesetzt. Zurück ins Kulmbacher Land wollte er immer, schließlich ist seine Frau Christina hier als Berufsschullehrerin tätig. Die Söhne Moritz und Toni sind ein und vier Jahre jung.

Jetzt bewirtschaftet Michael Sack den Betrieb mit seinen 120 Kühen im Stall und einer Fläche von 80 Hektar, auf der Hauptsächlich Kleegras, Mais und Roggen angebaut werden. Vater Gerhard wird noch kräftig eingesetzt, Mutter Anita hat seit der Wahl zur Ködnitzer Bürgermeisterin im März 2020 nur noch wenig Zeit, managt aber noch immer die vier Ferienwohnungen direkt auf dem Hof. Die Wohnungen sind komplett im fränkischen Stil gehalten und tragen Namen wie Schwalbennest, Kuckucksnest, Spatzennest oder Taubenschlag. Dazu kommen noch zwei geringfügig Beschäftigte, die mithelfen, den Betrieb am Laufen zu halten.

Gleich nach der Übernahme errichtete Michael Sack den neuen Laufstall oberhalb des bestehenden Hofes auf dem Höhenzug des Rangens. Fünf Partnerbetriebe hat Michael Sack in der direkten Umgebung, die ihm zusätzlich mit Futter versorgen, im Gegenzug liefert er ihnen Nährstoffe in Form von Mist und Gülle. Für Michael Sack ist diese Form der Zusammenarbeit von Ackerbau und Milchviehbetrieben ein echtes Zukunftsmodell.

Schon Vater Gerhard wollte immer auf ökologischen Landbau umstellen. Doch erst mit dem neuen Stall, der von vornherein auf 120 Milchkühe ausgelegt war, wurde die Umstellung mit Hilfe des Bioland-Anbauverbandes Wirklichkeit. Michael Sack lobt besonders die hervorragende Beratungsleistung von Bioland, dem führenden Verband für ökologischen Landbau in Deutschland. Zwei Jahre hat das gedauert. Den weitaus größten Teil der Bio-Milch liefert der Maierhof zur Bayernland-Käserei nach Bayreuth. Nur ein ganz geringer Teil wird selbst vermarktet, einer der Abnehmer ist die Eisdiele San Remo in Kulmbach.

Noch in der Umsetzung befindet sich gerade eine weitere Besonderheit des Hofes, die Weidehaltung. „Die Kühe sollen möglichst viel draußen fressen“, sagt Michael Sack. Dazu probiert er die verschiedensten Saatmischungen als Eiweiß- und Nährstofflieferanten aus, damit nicht zu viel zugefüttert werden muss. Jede Kuh könne frei entscheiden, ob sie lieber draußen auf der Weide oder im Stall ist. „Bei warmen Temperaturen sind sie alle drin“, hat Michael Sack beobachtet. Ansonsten würden sie sich aber für die Weide entscheiden.

Bilder:
1.
 Michael Sack (34) ist der Chef auf dem Maierhof bei Ködnitz.
2.
120 Kühe sind in dem neuen Stall auf dem Höhenzug hinter dem Maierhof zuhause.
3.
Die Bewirtschaftung erfolgt nach den Richtlinien des Bioland-Verbandes, dem größten Anbauverband für ökologischen Landbau in Deutschland.

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27.12.2021

Landwirtschaft der Zukunft (3):

Direktvermarktung in dritter Generation / Kurze Wege und eigene Erzeugung: Hinter der Metzgerei Rahm in Döllnitz steht der landwirtschaftliche Traditionsbetrieb der Familie

Döllnitz. Kesselfleisch, Blut- und Leberwürste und die Döllnitzer Bratwürste: für diese und viele andere typisch fränkische Spezialitäten ist die Metzgerei Rahm bekannt. Hinter der Metzgerei steht ein landwirtschaftlicher Betrieb mit langer Geschichte und Tradition.

Seit fast 30 Jahren vermarktet die Familie Rahm ihre Rinder und Schweine im eigenen Hofladen im Kasendorfer Ortsteil Döllnitz. Gegründet wurde die Direktvermarktung im Sommer 1992 von Fritz Rahm. Damals hatte man den landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieben empfohlen, bei sinkenden Erzeugerpreisen sich ein zweites Standbein zu suchen. Mit dem Wissen und der Berufserfahrung von Fritz Rahm entschloss sich die Familie, die eigenen Schweine und Bullen selbst zu vermarkten.

„Mein Vater war weit und breit für seine Hausschlachtungen bekannt“, erinnert sich Sohn Bernd (60), der nach seiner Lehre 1977 in den landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern eingestiegen war. Als zu Beginn der 1990er Jahre nach und nach die Hausschlachtungen weniger wurden, hatte die Familie zunächst in kleinem Rahmen Wurst und Fleisch in Dosen verkauft. Fritz Rahm hatte irgendwann eine alte Dosenverschlussmaschine mit Handkurbel nach Hause gebracht, und schon ging es mit Bauerngeräuchertem los. „Aus der zündenden Idee mit den Wurstkonserven ist schnell ein Selbstläufer geworden“, so Bernd Rahn. Als einer der ersten Hofläden im Landkreis eröffnete die Familie 1993 ihr Geschäft in Döllnitz.

Bereits 1997 wurden ein moderner Zerlegeraum und eine geräumige Wurstküche gebaut. 1999 erfolgte die Erweiterung durch einen großen Kühlraum mit Aufzug und Rohrbahn. Im Mai 2000, als der Vater 65 wurde, hatte Bernd Rahm den Betrieb übernommen, den er seitdem weiterführt und ständig ausbaut. Mit Tochter Anja Rahm und deren Mann Alexander bringt sich schon die dritte Generation in die Direktvermarktung ein. Der Hofladen versteht sich mittlerweile als Vollsortimenter.

Geschlachtet wird in Kulmbach, was wiederum kurze Transportzeiten und eine schnelle Zerlegung und Verarbeitung garantiert. Gewürzt wird zum großen Teil nach einem alten fränkischen Hausschlachtrezept. Zusammen mit den eigenen Familienangehörigen sind aktuell neun Mitarbeiter als Voll- oder Teilzeitkräfte in der Direktvermarktung Rahm tätig. Die Metzgerei beliefert auch die Edeka-Märkte in Kulmbach, Neuenmarkt und Thurnau, die Bäckereien Kreuzer, Grünwehrbeck und Dippold sowie den Getränkehandel Dresel in Guttenberg. Auch ein Automat, der mit Nudeln und Eier aus Kasendorf aufgestockt wird, bietet jeden Tag 24 Stunden lang seine Dienste an.

Den Milchviehbetrieb hatte Bernd Rahm bereits 2010 aufgegeben. Jetzt gibt es nur noch Rinder und Schweine in den Ställen, die Schweine sind zu hundert Prozent für den eigenen Verkauf, die Rinder etwa zur Hälfte, der Rest wird anderweitig vermarktet.

Das Futter für die Tiere, etwa 100 Rinder und 200 Schweine, wird auf den rund 90 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche rund um Döllnitz nahezu komplett selbst erzeugt. „Wir bauen hauptsächlich Luzerne und Kleegras an“, so Bernd Rahm. Lediglich Soja zum Zufüttern muss angekauft werden. Ein wenig Brauweizen ist auch dabei, der über die Mälzerei Weyermann in Bamberg vermarktet wird. Sogar Wild gibt es im Laden der Direktvermarktung Rahm. Das stammt aus dem Gemeinschaftsrevier Döllnitz.

„Wir fahren nicht weiter als zwei Kilometer zu unseren Flächen“, so Bernd Rahm. Der landwirtschaftliche Betrieb ist zertifiziert in den Programmen „Qualität und Sicherheit” und „Geprüfte Qualität” für den Rinder und Schweinebestand. Die Ferkel werden von dem Erzeugerbetrieb von Gerhard Reif aus dem nahen Gößmannsreuth zugekauft, um den Infektionsdruck so niedrig wie möglich zu halten. Reif ist es auch, der als moderner Agrardiensteister sämtliche Düngungs- und Pflanzenschutzmaßnahmen mit modernster GPS-Technik auf den Feldern der Familie Rahm übernimmt.

Bilder:
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 Zwei Generationen der Familie Rahm: Bernd, Ehefrau Christine, Tochter Anja und Schwiegersohn Alexander (von links) in den Produktionsräumen in Döllnitz.
2. Silke Beumer, Juniorchefin Anja Rahm und Erika Fichtner im Hofladen der Direktvermarktung Rahm.

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22.12.2021

Ökofranken: Juristische Auseinandersetzung droht / Bauernverband schaltet Rechtsanwaltsgesellschaft ein

Coburg. Wenn die Erzeugergemeinschaft Ökofranken Forderungen gegen ihre Mitglieder tatsächlich durchsetzt, drohen dem Zusammenschluss zahlreiche Rechtsverfahren. Das ist das Ergebnis einer Videokonferenz, zu dem der Bauernverband eingeladen hatte. „Wir sehen gute Chancen, sich dagegen zu wehren“, sagte Hans Rebelein, BBV-Geschäftsführer aus Coburg, auf Anfrage nach der nichtöffentlichen Konferenz, an der rund 100 Landwirte teilgenommen hatten. „Wir waren über die große Zahl an Teilnehmern völlig überrascht“, so Rebelein.

Wie berichtet sollen rund 120 von insgesamt 300 Mitglieder der Erzeugergemeinschaft zusammen rund 900000 Euro Rückzahlungen leisten. Konkret sollen Mitglieder, die zwischen 2017 und 2020 nicht geliefert haben pro zehn Hektar Fläche, für die sie gezeichnet haben, mit 1500 Euro pro Jahr zur Kasse gebeten werden. Nach Auskunft des BBV wurde Anton Hess von der auf landwirtschaftliche Themenkreise spezialisierten und in ganz Bayern vertretenen Rechtsanwaltsgesellschaft Landvocat mit der Sache beauftragt.

Die bereits verschickten Forderungen seitens der Ökofranken seien sehr unterschiedlich, sagte Rebelein. Sie bewegten sich im fünfstelligen Bereich und reichten von 10000 bis 40000 Euro. Die Betroffenen müssten allerdings derzeit nicht von sich aus vor Gericht gehen, sondern die Forderungen lediglich erst einmal selbst oder über einen Anwalt zurückweisen. Das müsse auch nicht groß begründet werden. Dann gelte es abzuwarten, ob Ökofranken Mahnbescheide rausschickt und Klage einreicht. Die Frage sei, ob Ökofranken die Forderungen gerichtlich umsetzt. „Traut sich Ökofranken, seine Mitglieder zu verklagen oder nicht, das ist die Fragte“, so Rebelein. Juristisch sehe man sehr gute Chancen, sich dagegen zu wehren.

Über die Rückforderungen aus dem Pool seien bereits Zivilklagen vor dem Landgericht in Coburg anhängig, dabei gehe es allerdings nicht um die Ordnungsgeldforderungen, sondern vielmehr darum, ob die Andienungspflicht berechtigt ist, oder nicht. In der Satzung stehe sie drin, sei aber nie richtig umgesetzt worden. Schließlich sei den Mitgliedern von Anfang an auch gesagt worden, sie könnten weiter ihre Handelspartner bedienen oder selbst neue erschließen. So sei die Andienungspflicht eigentlich von Anfang an aufgehoben worden.

Im Moment gelte es jetzt erst einmal abzuwarten, sagte Rebelein. Nachdem die Mitgliederversammlung der Ökofranken vor wenigen Wochen aufgrund von Formalien gescheitert war, werde jetzt eine schriftliche Abstimmung über die Entlastung getätigt. Man geht davon aus, dass viele die Entlastung ablehnen. 

Die Erzeugergemeinschaft Ökofranken mit Sitz in Welsberg, Gemeinde Itzgrund im Landkreis Coburg, war in der Vergangenheit immer wieder Vorwürfen des Missmanagements ausgesetzt. Das System funktioniert so, dass alle Landwirte in einem Vermarktungspool einliefern und entsprechend ihren Lieferungen zunächst Abschlagszahlungen abzüglich der Kosten für Transport und Reinigung bekommen. Je nachdem, wie vermarktet werden konnte, bekamen die Landwirte danach eine Abschlusszahlung. Dabei kann es allerdings auch passieren, dass die Abschlagszahlungen höher waren als die späteren Vermarktungsergebnisse. In diesen Fällen werden Gelder aus den Abschlagszahlungen zurückgefordert. Das hatte bei den Betroffenen für erheblichen Ärger gesorgt. Die Verantwortlichen sahen das Hauptproblem darin, dass die Andienungspflicht nicht konsequent umgesetzt wurde. Allerdings wurden auch die Vermarktungspools 2017 und 2018 erst verspätet aufgelöst, wodurch die Ertragssituation nicht besser, sondern schlechter wurde.

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20.12.2021

Landwirtschaft der Zukunft (2):

Große Nachfrage nach klassischer Direktvermarktung / Das „Eierhaisla“ der Familie Kaßel in Windischenhaig ist weit und breit bekannt

Windischenhaig. Nudeln, Eier, komplette Hähnchen, Kartoffeln und demnächst auch Eierlikör: Der Nebenerwerbsbetrieb der Familie Kaßel in Windischenhaig setzt zum größten Teil auf Direktvermarktung. Obwohl ziemlich ab vom Schuss gelegen, ist das „Eierhaisla“ weit und breit bekannt. Jeder, der hier einkauft kann sich davon überzeugen, dass die Hühner optimalen Auslauf haben.

Die Familien von Seniorchef Reinhold und Junior Daniel Kaßel betreiben den ursprünglichen Ackerbaubetrieb zusammen. Vater Reinhold (62) arbeitet hauptberuflich in der Brauerei, Sohn Daniel (27) hat in Triesdorf Landwirtschaft studiert und ist beim Bauernverband Bayreuth/Kulmbach als Fachberater tätig.

Erst im Herbst 2018 war die Familie in die Legehennenhaltung eingestiegen, damals mit 65 Hühnern in einem selbstgebauten Stall. Daraus sind mittlerweile zwei mobile Ställe mit zusammen rund 450 Tieren geworden. „Wir haben darüber nachgedacht, wie wir uns langfristig wirtschaftlich sinnvoll aufstellen können“, erinnert sich Daniel. Als Ergebnis war man auf die Hühnerhaltung gestoßen, wobei man von Anfang an kleine Stalleinheiten bevorzugt hat. Heute läuft die Hühnerhaltung komplett nach den biologischen Kriterien des EU-Standards ab, auch wenn der Betrieb keinem Anbauverband angehört.

Die Nachfrage gibt den Kaßels recht. Rund 2000 Eier werden pro Woche vermarktet. Die Kunden kommen nicht nur aus Kulmbach, sondern aus dem gesamten Landkreis. Zweimal im Jahr werden 120 zudem frisch geschlachtete Masthähnchen aus dem neuen Hähnchenmobil in der Direktvermarktung angeboten. Die Werbung läuft im Wesentlichen über Mund-zu-Mund-Propaganda und natürlich über Facebook und Instagram. Seit geraumer Zeit sind die Kaßel-Eier auch bei der Bäckerei Dippold in Melkendorf zu haben.

„Besser geht es eigentlich nicht, denn bei uns gibt es überhaupt keine Transportwege“, sagt Daniel Kaßel, der auch als Beirat im Vorstand des Maschinenrings sowie als stellvertretender Ortsobmann des Bauernverbandes ehrenamtlich aktiv ist. Dazu muss man auch wissen, dass der Bestand in etwa alle 18 Monate komplett ausgetauscht werden muss, da die Legeleistung ansonsten merklich nachlässt. Die Legehühner werden dann zumindest zum Teil geschlachtet und zu Suppenhühnern verarbeitet. Ein Teil bleibt aber auch am Leben und wird an Kleintierhalter verkauft.

„Die ganze Familie hilft mit“, erläuterte Junior Daniel. Dazu gehört auch Mutter Gudrun und wenn es notwendig ist, etwa zur Kartoffelernte, auch die beiden Schwestern. Zum Beispiel muss der über Photovoltaik komplett autarke Stall einmal pro Woche versetzt werden. Wenn sich zwischen den Hühnern manchmal mehrere Ziegen tummeln, dann deshalb, um dadurch den Habicht fernzuhalten. Trotzdem hat der Raubvogel gerade in den zurückliegenden Wochen wieder mehrfach zugeschlagen.

Auf den 15 Hektar Fläche rund um den Betrieb in Windischenhaig baut die Familie Raps, Weizen, Futtergerste und Futtererbsen als Marktfrucht zum Verkauf an. Seit 2018 ist auch ein halber Hektar Kartoffeln dazugekommen. Derzeit plant die Familie, eine Getreidetrocknung aufzubauen. Somit wird in dem kleinen Nebenerwerbsbetrieb auch der klassische Ackerbau nicht vernachlässigt.

Bilder:
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 Hier rund um das Hühnermobil von Daniel Kaßel haben die Tiere optimalen Auslauf.
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Im „Eierhaisla“ an der Hauptstraße in Windischenhaig gibt es nicht nur Eier sondern auch verschiedene Nudelvariationen.

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13.12.2021

Landwirtschaft der Zukunft (1):

Spielburg, Sauna und Salzgrotte: Ein ganzes Dorf zum Urlaub machen / Familie Schramm betreibt am Rande von Marktleugast das Feriendorf Kosertal

Marktleugast. „Unvergessliche Momente inmitten des Naturparks Frankenwald“. Mit diesem Slogan verspricht die Familie Schramm aus Marktleugast nicht zu viel. Aus einem einfachen landwirtschaftlichen Betrieb mitten im Ort hervorgegangen, hat die Familie auf dem Hochplateau nahe der Ortschaft ein ganzes Feriendorf mit über 50 Betten verteilt auf neun Häusern errichtet. Die klassische Landwirtschaft kommt dabei nicht zu kurz. Noch immer bewirtschaften Sylvia und Ferdinand Schramm 180 Hektar Land, betreiben Viehzucht und Rindermast. „Wir sind eben ein innovativer Betrieb in alle Richtungen“, sagte Ferdinand Schramm (53).

Schon 1984 hatte Schramms Vater den Betrieb ausgesiedelt, 1990 baute die Familie ihr Wohnhaus, ab dem Jahr 2000 entstand ein Ferienhaus nach dem anderen. Das war die Gründung des Feriendorfes Kosertal, ehe Ferdinand 2012 den Betrieb ganz vom Vater übernahm. 18 Beschäftigte hat der Betrieb mittlerweile, 15 im Bereich des Ferienhofes, drei für die Landwirtschaft.

Zwei Portale gibt es zwar noch, die das Feriendorf bewerben, doch im Wesentlichen läuft mittlerweile alles über Mund-zu-Mund-Propaganda. Vor allem Gäste aus dem Osten Deutschlands, aus Berlin und aus dem Rhein-Main-Gebiet wüssten die herrliche Lage zu schätzen. An den Erfolg des Feriendorfes hatte Ferdinand Schramm von Anfang an geglaubt: „Dort wo es landwirtschaftlich schwierig wird, ist es landschaftlich eine super Gegend, um Urlaub zu machen.“

Allerdings weiß der Chef auch, wie man seine Gäste verwöhnt. Die Ausstattung des Feriendorfes kann mit jedem Hotel der gehobenen Klasse mithalten. Hier gibt es Sauna, Whirl-Pool, eine Salzgrotte, einen kleinen Teich mit Floß, einen Dart-Raum, für Kinder Streichelzoo, Spielburg eine Märchenalm und das volle Reitprogramm, für das Tochter Nadine , eine ausgebildete Reittherapeutin, zuständig ist. Einige Häuser sind sogar behindertengerecht ausgebaut, einmal in der Woche gibt es einen Pizza-Abend in der Koser-Alm.

Die touristische Schiene macht freilich nur einen Teil, wenn auch den augenfälligsten, aus. Auf einem großen Teil der 180 Hektar Ackerland wird Braugerste angebaut, die Ferdinand Schramm an die Augustiner Brauerei in München vermarktet. Neben einem Drittel Grünland wird auf den Flächen auch Raps, Dinkel. Emmer und Leinsamen produziert. Mehr und mehr soll eine eigene Vermarktung entstehen, nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus.

Immer mit im Boot ist Raphael Roth aus Kupferberg. Der 21-jähige hat eine landwirtschaftliche Ausbildung gemacht und war als Lehrling auf dem Betrieb von Ferdinand Schramm. Mittlerweile ist er in Vollzeit hier und bereitet sich auf seine Meisterprüfung vor. „Wir arbeiten eng zusammen“, sagt Ferdinand Schramm.

Er bedauert, dass der Bezug zur Landwirtschaft in der Gesellschaft größtenteils verlorengegangen ist. Egal ob lila Kuh oder die Milch, die von den Bären kommt, bis hin zu unberechtigten Vorwürfen in Sachen Tierwohl sei alles dabei. Doch Ferdinand Schramm versucht gegenzusteuern. „Wir zeigen, wie es früher war und wie es heute ist.“ Grund und Boden bezeichnet er als das wichtigste Produktionsgut. Kein verantwortungsvoller Landwirt würde das kaputt fahren, verdichten, Erosionen verursachen. Vielmehr gelte es, das natürliche Bodenleben anzuregen. Dann habe man den Ertrag, auch wenn man wenig düngt. Ferdinand Schramm: „Am wichtigsten ist es, mit der Natur und nicht gegen sie zu arbeiten.“

Bilder:
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 Sie wissen immer, wo man gerade anpacken muss: Ferdinand Schramm und Mitarbeiter Raphael Roth.
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 Keine Ferienwohnung, sondern ein ganzes Feriendorf, bietet die Familie Schramm ihren Gästen.
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 Mit originellen und witzigen Ideen hebt sich das Feriendorf Kosertal von der breiten Masse touristischer Angebote ab.
4. Sogar ein eigenes Ortsschild besitzt der Ferienhof.

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11.12.2021

Wie die Landschaft der Zukunft aussehen kann / Umweltvergifter, Luftverpester, Tierquäler: Bauern sehen sich vielen Vorwürfen ausgesetzt

Kulmbach   Kaum eine Branche steht so im Kreuzfeuer der Kritik, wie die Landwirtschaft. Doch stimmen die Vorwürfe wirklich? In einigen wenigen Fällen mag dies zutreffen. Der weitaus größte Teil der Betriebe steht genau für das Gegenteil. Denn viele Landwirte in Bayern und auch im Kulmbacher Land haben pfiffige und auch nachhaltige Ideen.

Fast 900 Betriebe gibt es im Landkreis. Sie erzeugen nicht nur hochwertige Lebensmittel, sind als Energiewirte aktiv und besetzen Nischen, wie „Urlaub auf dem Bauernhof“, sondern leisten auch ihren Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt im Tier- und Pflanzenreich. Und das in einer Zeit, in der die Stimmung bei vielen von ihnen nicht die beste ist. Zu groß sind die Einbußen nach den zurückliegenden Trockenjahren, zu groß ist der Frust vor allem bei jungen Leuten, weil die Landwirtschaft aus ihrer Sicht  für vieles verantwortlich gemacht.

Die Betriebe aus dem Landkreis stehen für heimische Erzeugnisse. Verbraucher haben häufig die Gelegenheit, sich selbst ein Bild zu machen von der Arbeit auf den Feldern und auf den Höfen und von den Bemühungen, die Umwelt zu schützen. Die Bauern sind auf diese Umwelt angewiesen.

Wer, wenn nicht unsere Bauern hätten ein ureigenes Interesse daran, mit dem Land, das sie bewirtschaften, sorgsam umzugehen? Landwirte arbeiten mit der Natur. Die Arbeit ist aber immer auch ein Ringen mit der Natur. Viele Verbraucher wissen dies nicht mehr zu schätzen. Sie stellten stattdessen romantisierende Forderungen auf, die mit der Realität wenig zu tun haben.

Genauso wie sie die ihnen anvertrauten Tiere behandeln. Stichwort Tierwohl: Niemand möchte mehr die dunklen, zugigen und engen Stallungen, in denen Kühe noch vor wenigen Jahrzehnten ihr ganzes Leben frusten mussten. Modernste Laufställe bieten heute höchsten Komfort und beste Bedingungen. Um das alles zu verwirklichen, müssen die Bauern aber auch gehört werden, praxisfremde Vorschläge müssen vom Tisch, die Landwirtschaft darf nicht zusätzlich belastet und benachteiligt werden, so lauten die Forderungen des Berufsverbandes. Schließich müssen die Bauernfamilien auch morgen noch von der Landwirtschaft leben können und ihre Höfe für kommende Generationen erhalten.

Doch brauchen sie dazu wirklich weitere Vorschriften. Verschärfung setzen den gesamten Berufsstand weiter unter Druck. So berechtigt einzelne Anliegen auch sein mögen, so kann es nicht angehen, dass immer nur die Landwirtschaft an den Pranger gestellt wird. Vieles kann und muss man anders regeln, als durch immer wieder neue Verordnungen und Vorschriften, sind sich die Praktiker einig.

Die engagierten Landwirte in der Region sind sich sicher: Landwirtschaft hat Zukunft. Mit der Produktion hochwertiger Nahrungsmittel sorgen sie für die Lebensgrundlage von uns allen. Landwirte sind Energiewirte und sie pflegen die Kulturlandschaft. Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Arbeitgeber und Ausbilder.

Landwirtschaft wird nicht ohne Grund als der primäre Sektor bezeichnet. Die Herausforderungen werden wohl auch in Zukunft nicht weniger und die finanziellen Schwankungen für die Bauern nicht geringer, doch die zentrale Aufgabe bleibt, die Menschen zu ernähren. Klar ist: Ohne die Bauern geht es nicht.

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04.12.2021

Rollende Lichterketten, leuchtende Traktoren / Weihnachtlich geschmückte Schlepper fuhren durch oberfränkische Innenstädte

Kulmbach, Bayreuth, Bamberg. Tannenzweige, Lichterketten, bunt blinkende LEDs in den riesigen Rädern: Nachdem die Traktorkorsos im vergangenen Jahr auf großen Anklang gestoßen waren, haben sich auch in diesem Jahr Bauern aus Bamberg, Bayreuth und Kulmbach wieder zusammengetan, ihre Bulldogs festlich geschmückt und sich am zweiten Adventssamstag auf eine Rundfahrt durch die Städte gemacht.

Die Landwirte brachten dabei nicht nur Kinderaugen zum Funkeln. Trotz der kurzfristigen Ankündigung in den lokalen Medien und trotz teilweise strömenden Regens säumten zahlreiche Passanten die Straßen und ließen sich von der außergewöhnlichen Aktion verzaubern. Ziel war es nach übereinstimmenden Aussagen aller Organisatoren, einen vorweihnachtlichen Farbtupfer in die Stadt und die Landwirtschaft ins Gespräch zu bringen. Politische Banner gab es nicht, wenngleich es auch ein Ziel war, auf die prekäre Lage vieler Familienbetriebe hinzuweisen. Die Traktorkorsos waren Teil der bundesweiten und im Wesentlichen von dem Verein „Land schafft Verbindung“ (LSV) getragenen Aktion „Ein Funken Hoffnung“. Bei jeder Fahrt wurde Geld für einen sozialen Zweck gesammelt.

In Kulmbach war der Traktorkorso mit ungefähr 30 Fahrzeugen im Ortsteil Melkendorf gestartet. Nach einer Fahrt quer durch die Innenstadt machten die Schlepper in der Oberen Stadt halt, wo es Gelegenheit gab, die Fahrzeuge zu fotografieren und mit den Bauern ins Gespräch zu kommen. Hauptorganisatoren waren Kathrin Erhardt aus Motschenbach und Stefan Seidel aus Wacholder. Während der Fahrt machten die Schlepper einen Stopp am Kinderhaus „Sternstunden“ der Geschwister-Gummi-Stiftung, wo Schokonikoläuse, Süßigkeiten und weitere Spenden überreicht wurden.

Vorbild für die Fahrt in Kulmbach war Bayreuth: waren es dort im vergangenen Jahr noch 30 Landwirte haben in Bayreuth diesmal über 50 mitgemacht. Corona-bedingt war es hier allerdings nicht möglich, an einem zentralen Punkt anzuhalten, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Organisatorin Stefanie Will aus Röthelbach bei Bindlach hatten deshalb eine besonders lange Route ausgearbeitet, die bei Eckersdorf im Landkreis startete und für die über zwei Stunden Fahrzeit nötig war. Über Mistelbach, Hummeltal, Gesees und Forkendorf fuhr der Korso über den Saaser Berg in die Innenstadt, wo die Bauern unter anderem auch ein Stück auf dem Nordring und auf dem Innenstadtring unterwegs waren. Endpunkt war, wie bereits im letzten Jahr die Gemeinde Bindlach nördlich von Bayreuth. Dort wurde der Tross aufgelöst und jeder fuhr zu sich auf den Hof zurück.

Auch in Bamberg haben sich gut 50 festlich geschmückte 50 Schlepper auf eine Fahrt quer durch die Domstadt gemacht, obgleich die Strecke im Vorfeld mehrfach geändert werden musste. Startpunkt war dabei die Gärtnerei Hans-Jürgen Eichfelder im Norden, Endpunkt die „Brose Arena“ im Süden. Dazwischen ging es unter anderem am Bahnhof vorbei, über die Luitpoldstraße zum Rhein-Man-Donau-Damm und dann über den Münchner Ring zur Brose-Arena. Laut Hauptorganisatoren Marco Übel sollten die Bulldogs ursprünglich durch die belebte „Lange Straße“ fahren, was dann aus Sicherheitsgründen doch nicht zustande kam. Der Großteil der Bauern kam aus dem Bamberger Landkreis, einige waren auch aus Coburg und den angrenzenden Haßbergen angereist. Einige Traktoren machten sich danach noch auf den Weg zur Kinderstation des Bamberger Klinikums, um kleine Geschenke zu übergeben.

Bilder: Einen vorweihnachtlichen Glanzpunkt brachten zahlreiche Landwirte aus Oberfranken mit ihren Traktorrundfahrten am zweiten Adventssamstag in die Innenstädte von Bamberg, Bayreuth und Kulmbach. Sämtliche Schlepper waren dabei fantasievoll geschmückt und festlich beleuchtet.

  

  

  

  

  

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03.12.2021

Wolf auf Standby / „Ruhe vor dem Sturm“: Landwirte rechnen mit weiteren Übergriffen

Bayreuth. „Es kann eigentlich nur die Ruhe vor dem Sturm sein“, sagt Harald Köppel, BBV-Geschäftsführer für Bayreuth, Kronach und Kulmbach. Der Wolf sei nach wie vor ein Thema, auch wenn es derzeit keine größeren Risse gibt. Wolfsspuren würden mal wieder um die Gehege und Weiden gefunden, insbesondere im südlichen Landkreis Bayreuth zwischen Betzenstein und Plankenfels. Ab und zu sehe man auch immer wieder mal Trittsiegel. Ein größerer Übergriff sei aber seit dem Frühjahr ausgeblieben.

Ende Februar, Anfang März war es in einem Wildgehege in Illafeld nahe Betzenstein zur Katastrophe gekommen. Dort wurden 18 gerissene Tiere aufgefunden, in einem Gehege im nur zwei Kilometer entfernten Riegelstein weitere sieben tote Tiere. Experten waren sich sicher, dass das Damwild einem oder mehreren Wölfen zum Opfer gefallen ist. Bei dem Vorfall waren allen Tieren die Kehlen durchgebissen worden. Einer der Kadaver in Illafeld zeige zudem ein für Wölfe typisches Fraßbild. Außerdem war der Zaun an einer Stelle untergraben worden. Der Schock bei den beiden betroffenen Landwirten Christian Leißner aus Riegelstein und Hans Ertel aus Illafeld saß damals tief.

Zunächst sei die Befürchtung groß gewesen, dass die Wölfe nach diesen beiden großen Übergriffen im wahrsten Sinne des Wortes auf den Geschmack gekommen seien, sagt BBV-Geschäftsführer Köppel. Schließlich sei das Büfett im Gehege praktisch gedeckt. Mittlerweile seien aber auch einige Weiden per Elektrozaun geschützt. „Meines Erachtens ist der Wolf nur auf Standby“, so Köppel. Er ist sich sicher, dass es in der Region weitere Übergriffe geben werden. Insbesondere auf den Gebieten der nahen Truppenübungsplätze Hohenfels und Grafenwöhr in der angrenzenden Oberpfalz sowie im großen Waldgebiet des Limmersdorfer Forstes im Raum Bayreuth hätten sich Wölfe niedergelassen.

Landwirt Christian Leißner hat inzwischen genauso wie sein Berufskollege Hans Ertel, für das betroffene Gehege einen Untergrabschutz errichten lassen und dafür rund 50000 Euro investiert, die er bis heute komplett vorgestreckt hat. „Wir warten seit September auf das Geld“, sagt er. Erst vor wenigen Tagen hatte seine Freundin bei einer Drückjagd zwei Wölfe mit eigenen Augen gesehen. Weitere Wolfssichtungen in den vergangenen Tagen bei Plech seien verbrieft. Leißner rechnet damit, dass sich das Problem dann wieder verschärft, wenn der erste Schnee fällt. Mit Sicherheit würden dann vermehrt wieder Trittsiegel auftreten. „Dann geht es mit Sicherheit weder nach oben“, so Leißner.

Bei Norbert Böhmer, Landwirt aus Schrenkersberg bei Plankenfels, gab es schon im Jahr 2009, als noch niemand den Wolf auf dem Plan hatte, erste Schäden. Fünf Kälber seien in den darauffolgenden Jahren gerissen worden, lediglich Überreste habe man noch auffinden konnte. Sieben Herdenschutzhunde hatte sich Schrenker seit 2016 angeschafft. „Die Hunde machen eine gute Arbeit“, sagt er und ist fest überzeugt davon, dass allein durch die Anwesenheit der Hunde Übergriffe durch den Wolf verhindert werden konnte. Nachweisbare Wolfsschäden habe es aktuell jedenfalls nicht mehr gegeben.

Auch in den Landkreisen Hof und Wunsiedel, die direkt an Tschechien angrenzen, würden immer mal wieder Wölfe festgestellt, beispielsweise auf Fotofallen der Staatsforsten. Übergriffe seien aber nicht bekannt, obwohl auch das Fichtelgebirge größere zusammenhängende Waldgebiete besitzt.

Unterdessen tritt der Wolf aktuell auch in den anderen beiden fränkischen Regierungsbezirken auf. So wurde einem Zeitungsbericht zufolge erst vor wenigen Tagen ein Wolfsangriff im Landkreis Rhön-Grabfeld offiziell bestätigt. Dabei seien mehrere Schafe und Ziegen gerissen worden. Der Vorfall hatte sich demnach bei einem Schafhalter in Oberelsbach unweit der Landesgrenze zu Hessen ereignet. Dort seien zwei Ziegen und ein junges Schaf gerissen worden. In Mittelfranken gab es bereits Wolfssichtungen unter anderem in den Gegenden um Ansbach und Bad Windsheim

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29.11.2021

Ökofranken könnte Insolvenz drohen / Erzeugergemeinschaft fordert 900000 Euro zurück – Generalversammlung an nicht eingehaltener Ladungsfrist gescheitert

Welsberg. Rund 120 von insgesamt 300 Mitglieder der Erzeugergemeinschaft Ökofranken sollen aktuell zusammen rund 900000 Euro Rückzahlungen leisten. Das hat Vorstand Roland Schrenker, Landwirt aus Treppendorf bei Hollfeld im Landkreis Bayreuth, bestätigt. Die bilanzwirksamen Rückforderungen sollten eigentlich auch Gegenstand der turnusmäßigen Generalversammlung vor wenigen Tagen sein.

Weil dabei die gesetzlich vorgegebene Ladungsfrist nicht eingehalten wurde, fand die Generalversammlung nicht als solche statt. „Wir sind von sieben Tagen Ladungsfrist ausgegangen, es hätten aber 14 sein müssen“, so Schrenker. Die Generalversammlung habe man dann kurzerhand zur Informationsveranstaltung umdeklariert, um die Mitglieder unter anderem über den Stand der Rückforderungen zu informieren. „Die Rückforderungen sind nahezu alle verschickt worden“, so Schrenker. Ebenso die Ordnungsgelder, also Strafzahlungen für diejenigen, die nicht geliefert haben. Der Vorstand bestätigte auch, dass mittlerweile Klagen dagegen anhängig sind.

Dem Vernehmen nach zweifeln Mitglieder vor allem an, ob Rückforderungen und Ordnungsgelder überhaupt rechtens und wenn, dann nicht teilweise schon verjährt sind. Konkret sollen Mitglieder, die zwischen 2017 und 2020 nicht geliefert haben pro zehn Hektar Fläche, für die sie gezeichnet haben, mit 1500 Euro pro Jahr zur Kasse gebeten werden. Die Ordnungsgelder sollen nach Ansicht von Mitgliedern allerdings eher dazu dienen, eine drohende Insolvenz abzuwenden. „Eine Insolvenz steht im Raum, wenn es hart auf hart kommt, wird sie unvermeidbar sein“, sagte ein Landwirt gegenüber dem Wochenblatt.

Gegen die Erzeugergemeinschaft Ökofranken mit Sitz in Welsberg, Gemeinde Itzgrund, hat es in der Vergangenheit immer wieder Vorwürfe wegen Missmanagements gegeben. Das System funktioniert so, dass alle Landwirte in einem Vermarktungspool einliefern und entsprechend ihren Lieferungen zunächst Abschlagszahlungen abzüglich der Kosten für Transport und Reinigung bekommen. Je nachdem, wie vermarktet werden konnte, bekommen die Landwirte danach eine Abschlusszahlung. Dabei kann es allerdings auch passieren, dass die Abschlagszahlungen höher waren als die späteren Vermarktungsergebnisse. In diesen Fällen werden Gelder aus den Abschlagszahlungen zurückgefordert. Das ist bei einzelnen Mitgliedern seit 2017 der Fall und hat für erheblichen Ärger gesorgt. Bei zahlreichen Mitgliedern sollen Abschlagszahlungen im kleinen dreistelligen Bereich bis hin zu fünfstelligen Forderungen für die Jahre 2017 bis 2019 im Raum stehen, die teilweise bereits mit den neuen Anlieferungen verrechnet wurden.

Das Hauptproblem sehen die Verantwortlichen darin, dass die, in der Satzung fixierte, sogenannte Andienungspflicht nicht konsequent umgesetzt wurde. Die Bauern müssen in der Regel im Frühjahr melden, wie viel Getreide sie in etwa anliefern möchten, damit die Genossenschaft entsprechende Vermarktungsverträge abschließen kann. Zu viele Mitglieder hätten mal viel weniger oder auch mal viel mehr geliefert, wodurch die Vermarktung gehörig durcheinander gewirbelt wurde. Damit erklärten die Verantwortlichen auch, dass die Vermarktungspools 2017 und 2018 erst verspätet aufgelöst wurden. Das Ergebnis habe damals nicht den Erwartungen entsprochen. So hätten die Verantwortlichen versucht, den Pool ein Jahr stehen zu lassen, um von potentiell besseren Preisen zu profitieren. Die Ertragssituation wurde allerdings nicht besser, sondern schlechter.

Von einem „Kasperltheater“ spricht indes ein langjähriges Mitglied „im gekündigten Status“ aus Oberfranken. Der Landwirt, dessen Name der Redaktion bekannt ist, sieht das Problem hauptsächlich in der Person des Geschäftsführers, der von Anfang an nicht in der Lage gewesen sei, seine Aufgaben satzungsgemäß durchzuführen. „Da sind Geschäfte getätigt worden, bei denen nichts verdient wurde“, sagt der Landwirt. Vermutlich sei sogar Vertragsware teuer zugekauft worden, um Lieferverträge zu erfüllen. Vernünftiger wäre dem Mitglied zufolge eine Poolabrechnung, bei der nur das ausbezahlt wird, was auch eingenommen wurde.

Die Ökofranken eG. ist ein Zusammenschluss mit rund 300 Mitgliedern für ökologisch erzeugte landwirtschaftliche Produkte nach diversen Ökostandards. Die Genossenschaft beschäftigt einen hauptamtlichen Geschäftsführer und einen Mitarbeiter für Büro und Lager.

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24.11.2021

Nahrungsmittelsicherheit ins Grundgesetz / BBV-Gebietsversammlung: Gemischte Bilanz und schlechte Stimmung - Maschinenring sucht dringend Betriebshelfer

Kulmbach. „Bei den Bauern herrscht nur noch großer Frust.“ So hat BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger bei der Kulmbacher Gebietsversammlung die aktuelle Stimmungslage in der Landwirtschaft beschrieben. Schuld daran seien immer mehr Bürokratie, Angriffe aus der Gesellschaft sowie praxisfremde Richtlinien und Gesetze aus der Politik. „Betriebe hören derzeit reihenweise auf“, sagte Löwinger. Im Moment sei ein Strukturwandel festzustellen, wie es ihn noch nie vorher gegeben habe.

Bei der Gebietsversammlung, die aufgrund der aktuellen Situation einmal mehr online durchgeführt werden musste, stellte Löwinger die Forderung auf, Nahrungsmittelsicherheit ins Grundgesetz aufzunehmen. Hintergrund ist der Eindruck der meisten Berufskollegen, dass Gesellschaft und Politik die Tierhaltung in Deutschland „kaputt machen“ möchten. „Von Ernährungssicherheit spricht kein Mensch mehr.“ Der Kreisobmann warnte allerdings davor, dass man sich gerade bei der Ernährung vom Ausland abhängig macht. Damit dies nicht geschieht, benötigten die Bauern eine gewisse Intensität in der Produktion. „Unsere Landwirtschaft war in den zurückliegenden Jahrzehnten stets ein Erfolgsmodell“, sagte Löwinger. Da sei mittlerweile vieles verloren gegangen.

Trotzdem müssten Tag für Tag rund 83 Millionen Bundesbürger satt werden. Diese Tatsache gerate viel zu oft in Vergessenheit. Eine Verlagerung ins Ausland käme auf keinen Fall billiger und die Qualität würde auch nicht unbedingt besser werden. Überhaupt sollte die Qualität wieder mehr herausgestellt werden. „Darin unterscheiden wir uns von großen Teilen der Welt.“ Ursache dafür seien die hierzulande geltenden hohen Auflagen. Das müsse dem Verbraucher immer wieder klargemacht werden.

Die Bilanz des Kreisobmanns über das zurückliegende Jahr fiel durchaus gemischt aus. Vom Wetter her hätten die Bauern nach drei Dürrejahren in Folge erstmals wieder zufrieden sein können. Während sich die Märkte beim Rindfleisch aktuell im Höhenflug befänden, Getreide und auch Raps derzeit fast täglich nach oben kletterten und die Milch einigermaßen als mittelmäßig einzustufen sei,  ist die Lage im Schweinebereich absolut katastrophal. „Hier kann kein Geld mehr verdient werden“, sagte Löwinger. Als Hauptursache nannte er die Corona-bedingt ausgefallene Sommersaison in der Gastronomie. Dazu komme die Afrikanische Schweinepest, die in Mecklenburg-Vorpommern nun erstmals auch bei Hausschweinen angekommen ist.

Eventuelle Mehreinnahmen der Bauern müssten allerdings an anderer Stelle wieder ausgegeben werden. So würden derzeit Rohstoffe knapp, bei Baumaterialien gebe es lange Wartezeiten und Ersatzteile seien kaum zu bekommen. Die Preise für Stickstoffdünger würden genauso wie die für Pflanzenschutzmittel oder gar für Diesel zu ungeahnten Höhenflügen ansetzen. „Egal ob Diesel, Dünger oder Pflanzenschutz, alles geht nach oben.“

Trotz aller Probleme und Schwierigkeiten sah Kreisobmann Löwinger eine Zukunft für die Landwirtschaft. „Wir sollten eines nicht tun, den Kopf in den Sand stecken“, ermunterte er seine Berufskollegen. Er gab aber auch zu bedenken, dass man sich stets auf Veränderungen einstellen sollte. Das gelte insbesondere mit Blick auf die neue Bundesregierung.

Am Rande der Gebietsversammlung richtete der Geschäftsführer des Kulmbacher Maschinenrings Horst Dupke den Appell an alle Landwirte, dass derzeit Betriebshelfer dringend gesucht würden. „Wir sind dankbar um jeden, der sich meldet“, sagte Dupke. Hintergrund ist die derzeit überaus angespannte Lage durch zahlreiche Langzeiteinsätze, durch die viele der Helfer an einen Betrieb gebunden seien. „Unsere Helfer laufen wirklich am Limit“, sagte der Geschäftsführer.

Bild: „Keine Abhängigkeiten vom Ausland“: der Kulmbacher BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger bei der Online-Gebietsversammlung.

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20.10.2021

Hundert Prozent Wasser, null Chemie / Erfolgsmodell umweltfreundliche Unkrautbekämpfung mit Heißwasser – Einsatz auf dem Neuenmarkter Friedhof

Neuenmarkt. Umweltfreundlicher geht es nicht, auch wenn es manche nicht glauben wollen: Unkraut lässt sich am besten mit Heißwasser bekämpfen. Wie das geht, hat die Maschinenring Oberfranken Mitte GmbH in diesen Tagen auf dem Neuenmarkter Friedhof gezeigt. Dort war Florian Maser mit dem nagelneuen Trägerfahrzeug mit Heißwassertechnik unterwegs, um Löwenzahn und Co von den Gehwegen zu verbannen.

Die Heißwassertechnik setzt vereinfacht gesprochen darauf, dass Eiweiß bei 70 Grad Celsius gerinnt. Wurzel und Pflanze sterben ab, die Blätter und Stängel verwittern und zerfallen, für das Umfeld entsteht keinerlei Schaden. Das sei nicht nur umweltfreundlich, sondern auch kostengünstig, erklärt Harald Hubert vom MR Oberfranken Mitte, in dem die Maschinenringe Bayreuth, Kulmbach und Fränkische Schweiz ihre gewerbliche Aktivitäten gebündelt haben. „Es ist nur Wasser, keine Chemie“, erklärt Huber immer wieder, wenn sich Passanten um Insekten sorgen und die Mitarbeiter darauf ansprechen. „Wir gießen Unkraut mit heißem Wasser“, so Huber.

Ein Erfolgsfaktor der Methode ist es, dass nicht nur die Oberfläche behandelt wird, sondern das Wasser tief in das Erdreich eindringt. Während chemische Mittel die Pflanze nur oberflächlich zerstören, packt Heißwasser das Übel an der Wurzel, sogar an der Pfahlwurzel. Selbst gegen den giftigen Riesenbärenklau sei die umweltfreundliche Unkrautbekämpfung erfolgreich.

Nun könnte man sagen, da hätte man doch schon viel früher drauf kommen können. In anderen Länder sei man auch schon früher drauf gekommen, erläutert Alexander Hollweg vom Maschinenring Kulmbach. Speziell in den nordischen Ländern oder auch in den Niederlanden. Hierzulande seien chemische Pflanzenschutzmittel wie das umstrittene Glyphosat für jedermann greifbar, deshalb auch üblich und wahrscheinlich sogar günstiger gewesen. Die Technik der Unkrautbekämpfung mit Heißwasser steckt dagegen noch immer ein wenig in den Kinderschuhen.

Während die Maschinenring-Mitarbeiter in der Testphase im zurückliegenden Jahr noch mit kleinen Tanks und Lanzen das Heißwasser ans Unkraut brachten, können sie mittlerweile auf neueste Technik setzen. Der Selbstfahrer mit aufgebauter Technik hat einen 650 Liter Wasser fassenden Tank, der in der Regel für bis zu eineinhalb Stunden ausreicht. Die Bearbeitungsbreite liegt bei fast 1,50 Metern, statt wie bisher bei 30 Zentimetern, so dass die Wege wesentlich schneller unkrautfrei gemacht werden können.

Immer mehr Kommunen würden zwischenzeitlich auf die Dienstleistung der Maschinenringe zurückgreifen. So kommt die Heißwassertechnik aktuell auch auf dem Friedhof von Kulmbach zum Einsatz. Aber auch im Landkreis Bayreuth, etwa in Aufseß, Gefrees oder Hollfeld mache man sich die Formel „Heißwasser statt Glyphosat“ zunutze. Denkbar sei die Anwendung auch auf ganzen Straßenzügen, Parkplätzen oder im privaten Bereich.

Für den Neuenmarkter Bürgermeister Alexander Wunderlich hat sich die Unkrautbekämpfung per Heißwasser längst bewährt. Nach der Testphase im vergangenen Jahr spricht er von einer Erfolgsgeschichte, mit deren Hilfe die örtlichen Bauhofmitarbeiter entlastet werden. Der Friedhof soll schließlich ein Aushängeschild der Gemeinde sein, deshalb werde die Unkrautbekämpfung dort ganz gezielt vorangetrieben.

Bild: Bürgermeister Alexander Wunderlich, Alexander Hollweg und Harald Huber (von links) von der Maschinenring Oberfranken Mitte GmbH verfolgen den Einsatz des von Florian Masel gesteuerten Trägerfahrzeugs zur Unkrautbekämpfung mit Heißwasser auf dem Neuenmarkter Friedhof.

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09.10.2021

Dankbarkeit als Grundhaltung des Lebens / Hofer Landwirte feierten Erntedank in der Michaeliskirche

Hof. Mehr Wertschätzung für den bäuerlichen Berufsstand hat Kreisobmann Hermann Klug beim Erntedankfest in Hof gefordert. „Unsere Hauptaufgabe ist es, die Ernährung zu sichern, wir werden aber auch unseren Beitrag zur Bewältigung des Klimawandel leisten“, sagte der BBV-Kreisobmann bei einem Gottesdienst in der Michaeliskirche, der größten evangelischen Kirche in Oberfranken.

Das Besondere an dem Erntedankgottesdienst war nicht nur seine reiche musikalische Ausgestaltung mit den Instrumentalgruppen Viererblech und Saitenklar sowie der jungen Organistin Sejin Kim an der Heidenreich-Orgel des Gotteshauses. Es war auch der Erntekronenwettbewerb, den die Hofer Landjugend im zweijährigen Turnus veranstaltet. Damit kehrt endlich wieder ein Stück Normalität in das Landjugendleben ein, freuten sich Tobias Puchta, Vorsitzender des Kreisverbandes Hof/Wunsiedel. Die Platzierung sollte dabei gar nicht mehr die große Rolle spielen, wenngleich die Jury die kunstvoll gebundene Erntekrone der Landjugend Schwarzenbach an der Saale auf den ersten Platz wählte. Gewonnen hatten eigentlich alle Teilnehmer, auch die der Landjugendgruppen aus Plösen, Reuthlas, Großlosnitz und Zettlitz.

Kreisobmann Klug wusste, dass trotz des Dankes für die Ernte nicht bei jedem Bauern Feierlaune aufkommt. Berufskollegen, die vom Hochwasser betroffen waren oder die ihren Schweinestall leer stehen lassen müssen, weil sie damit keine Erlöse mehr erzielen, hätten bestimmt keinen Grund zu feiern. Trotzdem plädierte der Hofer Dekan Günter Saalfrank für Dankbarkeit als Grundhaltung des Lebens, gerade in schwierigen und ungewissen Zeiten. Dazu gehöre auch die leidvolle Tatsache, dass die Gesellschaft die wertvolle Arbeit der Bauern, aber auch die der Metzger und Bäcker, der Brauer und Winzer nicht immer hoch genug einschätzt. „Gott sei Dank, dass es sie gibt“, sagte der Dekan.

Landwirtschaft werde nicht ohne Grund als der primäre Sektor bezeichnet, sagte Landrat Oliver Bär. De Herausforderungen würden wohl auch in Zukunft nicht weniger und die finanziellen Schwankungen für die Bauern nicht geringer, doch die Aufgabe bleibe die größte, nämlich die Menschen zu ernähren. Der Erntekronenwettbewerb zeige, dass die Landjugend nicht nur ein bloßer Verein ist. „Die Landjugend lebt die Identität unserer Heimat“, sagte Bär. Lange und intensiv habe er zusammen mit Dekan Saalfrank, Heimatpfleger Adrian Roßner und Bernd Schnabel vom Vorstand der VR-Bank Bayreuth/Hof die Bewertung vorgenommen und sei sich dabei sehrt wohl bewusst gewesen, welche Arbeit hinter dieser Art von gelebten Brauchtum steckt.

Neben der Mitwirkung von Pfarrerin Anette Jahnel trug auch Mundartdichterin Sonja Keil einige Gedanken zu Erntedank vor. Die Kollekte des Erntedankgottesdienstes kommt den Flutopfern in Nordrhein-Westfalens und Rheinland-Pfalz zu Gute.

Bilder:
1. Festlich geschmückt präsentierte die Hofer Michaeliskirche zum Erntedankfest des Bauernverbandes.

2. Die Erntekrone des Landjugendverbandes Schwarzenbach an der Saale wurde von der Jury auf den 1. Platz gewählt.

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07.10.2021

Sorge um Zukunft der Landwirtschaft / Steigerungen trotz Corona beim Maschinenring Münchberg

Dörnthal. Gerade in Krisenzeiten zeigt sich die große Bedeutung bäuerlicher Selbsthilfeeinrichtungen. So konnte der eher zu den kleineren gehörende Maschinen- und Betriebshilfsring Münchberg und Umgebung auch im Corona-Jahr 2020 steigende Zahlen verbuchen. Die Arbeit war also mehr denn je gefragt, wie auf der Jahresversammlung in Dörnthal bei Selbitz deutlich wurde. „Wir werten das als Zeichen, dass man mit unserer Arbeit zufrieden ist“, sagte der Vorsitzende Siegfried Hüttner aus Mühldorf bei Schauenstein.

So konnte der Gesamtverrechnungswert trotz Corona um etwa zehn Prozent auf über 4,4 Millionen Euro gesteigert werden. Den Löwenanteil davon macht die Maschinenvermittlung mit knapp 3,1 Millionen Euro aus. Die Steigerung liegt dabei sogar bei fast 13 Prozent. Stärkste Bereiche waren die Segmente Futterbau und Strohernte, Düngung, Saat und Pflege, sowie die Vermittlung von Schleppern und Transporten.

Zweite Säule der Arbeit ist die Betriebshilfe, die mit über 310000 Euro zu Buche schlug. Weit über 32000 Stunden seien dabei geleistet worden, im Vorjahr waren es noch knapp 31000. Mit 153 habe dabei die Zahl der wirtschaftlichen Einsätze über der Zahl der sozialen Einsätze (107) gelegen, so Geschäftsführer Patrick Heerdegen.

Auch wenn der Weg der Betriebshilfe steiniger wird, wie es Vorsitzender Hüttner ausdrückte, weil der Sozialversicherungsträger die Einsatzstunden immer stärker kürzt, so sei der Maschinenring trotzdem auf der Suche nach weiteren Betriebshelfern. Vor allem für nebenberufliche Kräfte sei das bei einem Stundenlohn von 19,50 Euro interessant, so Geschäftsführer Heerdegen.

Weitere Tätigkeitsfelder des Maschinenrings Münchberg waren die Beratungsleistungen, vor allem zur Düngeverordnung, die Futtervermittlung und die durchaus lohnenswerte Dieselsammelbestellung, die einen Preisvorteil von vier Cent pro Liter bringt. Der MR Münchberg hat gut 900 Mitglieder, die zusammen eine Fläche von über 42000 Hektar bewirtschaften.

Trotz der positiven Entwicklung äußerste Vorsitzender Hüttner bei der Jahresversammlung auch seine große Sorge um die Zukunft der Landwirtschaft. Vor allem die Gängelung durch Politik und Teilen der Medien machten den Bauer schwer zu schaffen. Nun komme auch noch die eklatante Preissteigerung bei Betriebsmitteln, wie etwa beim Dünger dazu. Auch die Politik der neuen Regierung lasse nichts Gutes erahnen.

Nach 15 Jahren an der Spitze kündigte der Vorsitzende außerdem seinen Rückzug an. Wer Nachfolger werden könnte, stehe allerdings noch in den Sternen. Hüttner selbst hatte seinen Betrieb im zurückliegenden Jahr aufgegeben.

Für das zusammen mit dem Nachbarring in Wunsiedel gemeinsame Tochterunternehmen Maschinenring Hochfranken GmbH ist seit Januar Daniel Seuß aus Förstenreuth bei Stammbach als Geschäftsführer tätig. Die MR Hochfranken GmbH ist hauptsächlich in der Grünflächen-, Gehölz- und Stromtrassenpflege, im Winterdienst tätig und erzielte in 2020 einen Umsatz von rund 1,7 Millionen Euro.

Neu im Team des MR Münchberg ist der 23-jährige Markus Müller aus Schwärzhof bei Himmelkron im Landkreis Kulmbach. Der Absolvent der Staatlichen Technikerschule in Triesdorf verstärkt das Team künftig als Organisationskraft. Als Betriebshelferin mit den meisten Einsatzstunden haben der Vorsitzende und sein Geschäftsführer Brigitte Stange aus Schwarzenbach an der Saale mit einem Präsent ausgezeichnet.

Bilder:
1. Arbeit für die Landwirte in der Region: das ist die Mannschaft des Maschinen- und Betriebshilfsring Münchberg und Umgebung.
2.
Im Dauereinsatz für den Maschinen- und Betriebshilfsring Münchberg und Umgebung: Brigitte Stange wurde vom Vorsitzenden Siegfried Hüttner (links) und von Geschäftsführer Patrick Heerdegen für die meisten geleisteten Stunden im Jahr 2020 ausgezeichnet.

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01.10.2021

Gesunder Menschenverstand und gerechte Preise / Statements statt Erntedank – Neue Projekte im Landkreis Wunsiedel

Bergnersreuth. Corona-bedingt hat es im Landkreis Wunsiedel heuer kein Erntedankfest gegeben. „Wir wollten traditionell wieder im Volkskundlichen Gerätemuseum in Bergnersreuth feiern, doch der Aufwand hätte in keinem Verhältnis zum Ergebnis gestanden“, bedauert Kreisobmann Harald Fischer. Die Akteure der Bauernverbandes, der Kirche und der Politik versammelten sich trotzdem zu einem Termin mit Pressevertretern auf der Museumswiese, um in kurzen Statements an die Bedeutung des Erntedank zu erinnern, aber auch, um die eine oder andere Neuigkeit zu verkünden.

„Wir Bauern pflegen 3G schon lange“, sagte Fischer augenzwinkernd: „Gesät, gepflegt und geerntet“. Nun bräuchten die Landwirte auch non ein viertes und ein fünftes G: „gerechte Preise und einen gesunden Menschenverstand“. Vieles, was derzeit passiert, sei für die Bauern einfach nicht mehr nachvollziehbar. Während zum Beispiel an der Ladentheke die Preise für Schweinefleisch steigen, würden die Erlöse für die Bauern sinken. Trotz allem sei die Ernte im Landkreis Wunsiedel gut verlaufen und man sei überwiegend von Starkregenereignissen verschont worden.

Landwirte arbeiten mit der Natur, so der stellvertretende Wunsiedler Landrat Wolfgang Kreil. Die Arbeit sei aber immer auch ein Ringen mit der Natur. Das wüssten viele Verbraucher nicht mehr zu schätzen und stellten romantisierende Forderungen auf, die mit der Realität wenig zu tun haben.

Bayern und Deutschland müssten alles daran setzen, eine eigene Nahrungsmittelproduktion zu haben. Das nannte der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel eine zentrale Botschaft aus den zurückliegenden Corona-Zeiten. Schöffel appellierte aber auch an alle Verbraucher, verstärkt darauf zu achten, wo die gekauften Lebensmittel herkommen.

Eine Neuigkeit konnte Kreisbäuerin Karin Reichen verkünden. Nachdem es mit der Einführung eines Schulfaches „Alltagskompetenzen“ nicht geklappt hatte, gebe es künftig verpflichtende Projektwochen. Im Landkreis Wunsiedel sollen diese Wochen in Kooperation mit dem Volkskundlichen Gerätemuseum Bergnersreuth durchgeführt werden. Damit könne man die gesamte Infrastruktur des Museums nutzen und die Landfrauen könnten ihr Fachwissen vor Ort an die jungen Leute weitergeben. Viele Betriebe seien schon mit Feuereifer dabei.

„Wir können ein echtes Grünes Klassenzimmer anbieten“, so Museumsleiterin Sabine Zehetmeier. Ihr sei es ein ganz großes Anliegen, die vorhandenen Räumlichkeiten zu nutzen und mit den Ausstellungen den entsprechenden Rahmen dafür zu bieten. Schließlich hätten ja viele Schulen keine Schulküchen oder Wirtschaftsräume mehr. Mit diesem Projekt sei der Fortbestand des Museums mehr als gesichert, bekräftigte der Arzberger Bürgermeister Stefan Göcking.

Eine weitere Neuigkeit präsentierte der Wunsiedler Dekan Peter Bauer. So stehe ein Regionalportal im Internet kurz vor dem Start, mit dessen Hilfe vor allem Großverbraucher, wie die Heime des Diakonievereins oder des Evangelischen Bildungszentrums Bad Alexandersbad, aber auch Privatleute ihren benötigten Bedarf bestellen können. Das Portal soll in Kooperation von Bauernverband und Diakonie über einen kostenneutralen Zusammenschluss, etwa eine gemeinnützige GmbH, ohne Gewinnorientierung betrieben werden. Für die Landwirte sei es das Ziel, gerechte Preise und sichere Abnehmer zu bieten. Auch das verarbeitende Handwerk, wie Bäckereien und Metzgereien hätten bereits ihre Bereitschaft zur Mitwirkung signalisiert.

Bild: Auf der Museumswiese trafen sich Vertreter von Bauernverband, Kirche und Politik, um der Presse ihre Gedanken zu Erntedank zu verkünden.

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29.09.2021

Mehr Anerkennung für die Ökos / Bio-Bauern dürfen nicht auf der Strecke bleiben - Video-Konferenz der oberfränkischen Öko-Betriebe

Bayreuth/Bamberg. Mehrere tausend Mitglieder des Bauernverbandes bewirtschaften Bio-Betriebe, Tendenz steigend. Grund genug, dass sich Ralf Huber, Vorsitzender des Landesfachausschusses für ökologischen Landbau bei einer Videokonferenz des BBV Oberfranken den Mitgliedern einmal vorstellte. Huber ist nicht nur Bio-Bauer, sondern seit Februar auch oberbayerischer BBV-Bezirkspräsident in der Nachfolge des verstorbenen Anton Kreitmair.

Laut Mitgliedsbarometer des Deutschen Bauernverbandes könnten sich 17 Prozent der Betriebe vorstellen, in den kommenden zwei Jahren auf eine ökologische Bewirtschaftung umzusteigen, sagte Huber. Das liege auch daran, dass sich die Anerkennung für die „Ökos“ nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch im Verband selbst geändert hat. „Wenn wir etwas sagen, dann hat das auch Bedeutung“, so der Bezirkspräsident, der zusammen mit seinem Sohn in der Nähe von Allershausen im Landkreis Freising einen Ackerbaubetrieb mit 180 Hektar Fläche bewirtschaftet.

In der Videokonferenz befürchtete Michael Bienlein, Kreisobmann aus Lichtenfels, trotzdem, dass vor dem Hintergrund der Öko-Ziele des Staates viele Biobauern auf der Strecke bleiben. Wenn die Politik 20 bis 30 Prozent Öko-Anteil fordert, der Lebensmitteleinzelhandel vor Ort aber gerade fünf Prozent des Gesamtsortimentes mit Öko umsetzt, werde vielen Betrieben auf Dauer das Wasser abgegraben. „Ich mache mir Sorgen, um diejenigen, die es aus Leidenschaft machen“, so Bienlein. „Wenn wir zu stark in das Bio-Wachstum reingehen, wird der Markt überschwemmt.

Diese Befürchtungen wollte Daniela Gehler, Referentin für ökologischen Landbau beim BBV-Generalsekretariat, nicht teilen. Die Märkte und die Verbraucherausgaben würden seit Jahren nur eine Richtung kennen, und zwar die nach oben. Freilich spiele sich das ganze derzeit noch auf relativ niedrigem Niveau ab. Deshalb sei es wichtig, die Nachfrageseite zu bearbeiten und dabei verstärkt auf Regionalität zu setzen. Große Hoffnungen setzte sie dabei auf den Außer-Haus-Verzehr etwa in Kantinen.

Wichtig ist auch die Öffentlichkeitsarbeit für den ökologischen Landbau. Hans Rebelein, langjähriger Geschäftsführer der BBV-Kreisverbände Coburg und Lichtenfels berichtete dabei von einer Öko-Erlebnisradtour, die er vor wenigen Wochen im Landkreis Coburg veranstaltet hatte. „Diese Radtour hat voll eingeschlagen“, so Rebelein. Vor allem habe man damit auch viele Personen aus einem nichtlandwirtschaftlichen Umfeld erreicht. Bei den zwei Touren an zwei Tagen mit jeweils 20 Teilnehmern wurden mehrere Biobetriebe angefahren, die sich den Radlern präsentieren konnten. Dabei seien gute Gespräche und Diskussionen, etwa zum Thema Tierwohl zustande gekommen. Die Betriebe hätten dabei weder Aufwand noch Mühen gescheut, was in Corona-Zeiten nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Damit die Öko-Betriebe ihre Ware in Zukunft noch besser vermarkten können, ist bereits im Januar die Main-Öko Erzeugergemeinschaft gegründet worden, die Geschäftsführer Thomas Zehnter den Mitgliedern bei der Videokonferenz vorstellte. Das Interesse der Handelspartner an ökologisch erzeugter Ware steige, auch konventionelle Abnehmer suchten verstärkt Bio-Ware. Dinkel sei heuer bereits erfolgreich vermarktet worden, Im Focus stünden noch Roggen und Weizen, auch Nischenprodukte wie Emmer, Soja, Quinoa und Amaranth sollen künftig zum Angebot gehören.

Vermarktet wird laut Geschäftsführer Zehnter unabhängig von der Verbandszugehörigkeit, zum Geschäftsgebiet gehören alle drei fränkischen Regierungsbezirke. Die Main-Öko-EG hat keine eigenen Lagerhäuser, kauft die Ware nicht an, sondern vermittelt lediglich die entsprechenden Verträge. „Damit grenzen wir uns auch von der Erzeugergemeinschaft Ökofranken ab“, sagte Zehnter. Auch eine Andienungspflicht gebe es nicht. Der Geschäftsführer stellte dabei auch klar, dass sich die Main-Öko-EG nicht über den Markt hinwegsetzen kann. Zehnter: „Wir können nicht zaubern, haben aber schon das eine oder andere vermittelt, das sich sehen lassen kann.“

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27.09.2021

Ein Denkmal für den Erdapfel

An den bisher bekannten frühesten Kartoffelanbau in Bayern und sogar in ganz Deutschland erinnert das Kartoffeldenkmal in Pilgramsreuth bei Rehau im Landkreis Hof. Die Bronzeplastik im Kirchhof neben der Markgrafenkirche zeigt einen Landwirt mit einem Gerät zum Graben und eine Bäuerin mit einem Kartoffelkorb, beide gekleidet in bäuerlichen Gewändern des 17. Jahrhunderts. Das Denkmal soll daran erinnern, dass etwa um das Jahr 1647 herum der Pilgramsreuther Landwirt und Kartoffelpionier Hans Rogler zusammen mit einigen Berufskollegen mit dem systematischen Feldanbau des Erdapfels begonnen hatte.

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24.09.2021

Erfolgreiches Jahr trotz Corona / Maschinenring Fränkische Schweiz sucht Betriebshelfer

Aufseß/Windischgaillenreuth. Mit der Erhöhung des Mitgliedsbeitrages von bisher 50 auf künftig 65 Euro im Jahr will der Maschinen- und Betriebshilfsring Fränkische Schweiz den wachsenden Bedürfnissen der Selbsthilfeorganisation und ihrer Mitglieder Stand halten. Ein entsprechender Beschluss wurde auf der Jahreshauptversammlung am Freitag in Windischgaillenreuth gegen drei Stimmen gefasst. Unverändert bleibt der Hektarsatz von 1,30 Euro pro Hektar, der auf 150 Hektar gedeckelt ist und der von den Mitgliedern zusätzlich zum Grundbetrag aufgewandt werden muss.

Für das Geld hat der MR Fränkische Schweiz mit Sitz in Aufseß seinen 782 Mitgliedern aber auch einiges zu bieten. Besonders zugenommen hat nach den Worten von Geschäftsführer Manuel Appel der Bereich Beratung. Egal ob Düngeverordnung, Mehrfachantrag oder Dieselantrag, Statistikmeldungen, Waldprämie oder die Meldung zur EEG-Umlage: All diese Dinge seien mittlerweile so komplex geworden, dass ihre Bearbeitung einen immensen Zeitaufwand in Anspruch nimmt. „Hier ist der Maschinenring der richtige Ansprechpartner“, sagte Appel. Manchmal sei es aber auch so, dass ein Betrieb die Bearbeitung zwar gerne machen würde, es letztlich aber an einer leistungsfähigen Internetverbindung scheitert.

Erfolgreich war der MR Fränkische Schweiz in seinen klassischen Aufgabenbereichen, der Betriebshilfe und der Maschinenvermitttlung. Mit 16 Prozent hat der Bereich Bodenbearbeitung im Vergleich zum Vorjahr besonders stark zugenommen. Viele Betriebe hätten zwar leistungsfähige Schlepper, doch fehle es an der angebauten Technik. Ebenfalls im Plus: die Bereiche Düngung, Saat und Pflanzenschutz. Um fast 17 Prozent rückläufig seien dagegen die Bereiche Futterbau und Strohernte sowie die organische Düngung gewesen. Hier hätten die Betriebe im Ringgebiet wohl in letzter Zeit selbst sehr stark in leistungsfähige Technik investiert.

Bei der Betriebshilfe verzeichnete der MR Fränkische Schweiz in 2020 laut Geschäftsbericht gut 8700 Stunden im sozialen Bereich, also wenn auf einem Hof ein Unfall, eine Krankheit oder ein Todesfall eintritt. Knapp 4500 Stunden entfallen auf die wirtschaftliche Betriebshilfe, etwa zur Abdeckung von Auftragsspitzen. Der Ring beschäftigt derzeit fünf hauptamtliche Kräfte, einen Selbstständigen und 29 nebenberufliche Kräfte. Ohne die Betriebshilfe könnten sich viele Höfe nicht mehr weiterentwickeln, sagte der Vorsitzende Bernhard Hack. Gute Mitarbeiter seien deshalb immer gefragt, egal ob haupt- oder nebenberuflich, selbstständig oder auf Minijob-Basis.

Zum Portfolio des Maschinenrings Fränkische Schweiz gehört auch die Übernahme der Geschäftsführung für das Biomasse Heizwerk Hollfeld, für die Bioenergie Hollfeld und für die Regnitz-Jura-Düngetrac GmbH. Neu ist ab dem laufenden Jahr die Beteiligung am künftigen Biomasseheizwerk Gößweinstein, das im November seinen Betrieb aufnehmen wird.

Insgesamt kann der MR Fränkische Schweiz für 2020 trotz Corona eine gute Bilanz vorweisen. Nach den Worten des Geschäftsführers wurde der Verrechnungswert sogar geringfügig auf gut drei Millionen Euro gesteigert, knapp 2,8 Millionen davon macht allein die Vermittlung von Maschinen aus.

Der MR Fränkische Schweiz stellt ein besonderes Konstrukt dar, weil sich sein Tätigkeitsgebiet gleich auf drei Landkreise erstreckt. Neben zwei Gemeinden aus dem Landkreis Bamberg gehören vier Gemeinden aus dem Landkreis Bayreuth dazu, der Rest gehört zum Landkreis Forchheim. Begründet wird dies mit der Historie des Rings, die auf den ehemaligen Landkreis Ebermannstadt zurückgeht, der während der Gebietsreform in den 1970er Jahren auf Bamberg, Bayreuth und Forchheim aufgeteilt wurde.

Bild: Erfolgreiches Jahr trotz Corona: Geschäftsführer Manuel Appel (rechts) und Vorsitzender Bernhard Hack vom Maschinen- und Betriebshilfsring Fränkische Schweiz.

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10.09.2021

Ökofranken üben Selbstkritik / Mangelnde Transparenz und fehlende Konsequenz: „Nicht alles richtig gemacht“

Welsberg, Lks. Coburg. Nach teilweise heftigen Vorwürfen wegen Missmanagements gegen die Erzeugergemeinschaft Ökofranken mit Sitz in Welsberg, Gemeinde Itzgrund, haben die Verantwortlichen erstmals Stellung zu der Misere genommen. Im Gespräch mit dem Wochenblatt räumten Vorstand Roland Schrenker und der eigens engagierte Berater Hero Schulte aus dem niedersächsischen Westerstede dabei auch Versäumnisse ein. „Wir haben sicherlich nicht alles richtig gemacht“, sagte der ehrenamtliche Vorstand Schrenker, Landwirt aus Treppendorf bei Hollfeld im Landkreis Bayreuth.

Die Ökofranken eG. ist ein Zusammenschluss mit rund 300 Mitgliedern für ökologisch erzeugte landwirtschaftliche Produkte nach diversen Ökostandards. Kunden sind im Wesentlichen die Backwaren- und die Flockenindustrie sowie Brauereien und Mälzereien. Das System funktioniert so, dass alle Landwirte in einem Vermarktungspool einliefern und entsprechend ihren Lieferungen zunächst Abschlagszahlungen abzüglich der Kosten für Transport und Reinigung bekommen. Je nachdem, wie gut vermarktet werden konnte, bekommen die Landwirte danach eine Abschlusszahlung. Dabei kann es allerdings auch passieren, dass die Abschlagszahlungen höher waren als die späteren Vermarktungsergebnisse. In diesen Fällen werden Gelder aus den Abschlagszahlungen zurückgefordert. Das ist bei einzelnen Mitgliedern seit 2017 der Fall und hat für erheblichen Ärger bei den Betroffenen gesorgt.

Das Hauptproblem sehen die Verantwortlichen darin, dass die, in der Satzung fixierte, sogenannte Andienungspflicht nicht konsequent umgesetzt worden sei. „Viele Mitglieder haben sich nicht mehr an die Spielregeln gehalten“, sagte Schulte, der sich im landwirtschaftlichen Umfeld als Berater bundesweit einen Namen gemacht hat, und der seit Juli daran arbeitet Lösungsmodelle zu entwickeln, um die Ökofranken in eine bessere Zukunft zu führen. Die Bauern müssen in der Regel im Frühjahr melden, wie viel Getreide sie anliefern möchten. „Natürlich nicht auf die Dezitonne genau, das geht ja schon aufgrund der immer häufiger vorkommenden Wetterkapriolen gar nicht“, so Schulte. Trotzdem sollte es eine realistische Menge mit Hektar-Angabe sein, damit die Genossenschaft entsprechende Vermarktungsverträge abschließen kann. Zu viele Mitglieder hätten aber, bewusst oder unbewusst, mal viel weniger oder auch mal viel mehr geliefert, wodurch die Vermarktung gehörig durcheinander gewirbelt wurde. Und die Genossenschaft hat nicht eingegriffen. „Das ist nicht so gelaufen, wie es hätte laufen sollen“, sagte Schrenker.

So sei es auch zu erklären, dass die Vermarktungspools 2017 und 2018 erst verspätet aufgelöst worden seien. Das Ergebnis habe damals nicht den Erwartungen entsprochen. So hätten die Verantwortlichen versucht, den Pool ein Jahr stehen zu lassen, um von potentiell besseren Preisen zu profitieren. Allerdings hatte man sich da gehörig verschätzt, denn im Folgejahr wurde die Ertragssituation nicht besser. „Heute wissen wir, dass das verkehrt war“, so der Vorstand. Hintergrund ist, dass der Markt für Bioprodukte vor allem aufgrund der Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels extrem schwierig geworden sei.

Als weiteren Punkt nannten Schrenker und Schulte die mangelnde Transparenz. „Die Probleme seien nicht von Anfang an kommuniziert worden“, sagte Schulte. „Wir hätten den Mitgliedern gleich reinen Wein einschenken sollen“, so Schrenker, der davon überzeugt ist, dass ein offener und ehrlicher Umgang respektiert worden wäre. Das soll sich nun ändern. Die Ökofranken haben bereits eine Task Force gegründet, deren Ziel es ist, die Versäumnisse aufzuarbeiten und unter anderem für mehr Transparenz zu sorgen. Eine Internetseite mit geschütztem Mitgliederbereich für tagesaktuelle Informationen sei bereits in Arbeit.

Das alles ändere freilich nichts daran, dass bei zahlreichen Mitgliedern Abschlagszahlungen im kleinen dreistelligen Bereich bis hin zu fünfstelligen Forderungen für die Jahre 2017 bis 2019 im Raum stehen, die teilweise bereits mit den neuen Anlieferungen verrechnet wurden. Auch Gerichte mussten schon bemüht werden. Dennoch sieht Schrenker die Nicht-Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat bei der zurückliegenden Mitgliederversammlung nicht als Misstrauensvotum an. Vielmehr sei er als Vorstand ja für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt worden.

Die Ökofranken eG beschäftigt einen hauptamtlichen Geschäftsführer und einen Mitarbeiter für Büro und Lager.

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07.09.2021

Regionalität und erneuerbare Energien / BBV gab Grünen-Kandidatin Susanne Bauer seine Anliegen mit auf den Weg

Mistelgau. Sie wollte sich nicht dem Vorwurf aussetzen, kein Interesse an der Landwirtschaft zu haben. Susanne Bauer, Bundestagskandidatin der Grünen aus Pegnitz, war beim offiziellen Politikergespräch des Bauernverbandes mit den Kandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien verhindert. Kurzerhand setzte der BBV einen zweiten Termin an, zu dem Bauer mit dem Grünen-Kreisvorstandsmitglied und Geoökologen Andreas von Heßberg sogar Verstärkung mitbrachte.

„Wir haben die Sorge, dass die Landwirtschaft nach Kernkraft und Kohle der nächste Zweig ist, dem der Garaus gemacht werden soll“, brachte Kreisobmann Karl Lappe die Situation auf den Punkt. Schon jetzt würden die Landwirte viel zu oft an den Pranger gestellt und pauschal verunglimpft. „Was uns wehtut, ist die Kampfansage an die Nutztierhaltung“, so Lappe in Richtung Grünen-Wahlprogramm. Man glaubt, man benötige die Bauern einfach nicht mehr, sagte BBV-Kreisvorstandsmitglied Christa Ziegler. Für viele sind wir nur noch Umweltverschmutzer. „Da braucht man sich gar nicht mehr blicken lassen, wenn man mit dem Schlepper durch die Stadt fährt.“

Susanne Bauer, Sozialarbeiterin und gelernte Ergotherapeutin, setzt in ihrer Politik vor allem auf Regionalität. Kein Schlagwort fiel an diesem Abend öfter. Wenn die Sojabutter aus Südamerika kommt, der Bio-Apfel aus Neuseeland, oder Avocados aus Peru, dann sei einfach der Bogen überspannt. Andersherum könne es nicht sein, dass beispielsweise Hähnchenflügel nach Ghana exportiert werden und die Existenzen der dortigen Geflügelzüchter vernichten. Als Paradebeispiel nannte sie das Zehn-Kilometer-Bier, das eine Brauerei in Gräfenberg anbiete. Dabei kämen sämtliche Zutaten aus einem Umkreis von zehn Kilometern.

Nicht gelten ließ Bauer den Einwand des Kreisobmanns, dass Deutschland mit jeweils zwischen einen und zwei Prozent Anteil an der Weltbevölkerung und an der weltweiten Fläche in Sachen Klimawandel ohnehin kaum etwas ausrichten werde. „Wir sind von der Fläche her zwar klein, sind aber auch die viertgrößte Volkswirtschaft und haben den weltweit viertgrößten Anteil an Kohlendioxidausstoß“, entgegnete die Kandidatin. Deshalb sei es schon richtig, in erneuerbare Energien zu investieren.

Ein wichtiges Thema für die engere Kreisvorstandschaft des BBV Bayreuth war die Zukunft der Anbindehaltung. Lappe forderte längere Übergangsfristen, so wie bei den Kastenständen für Zuchtsauenhalter. Rund 15000 Betriebe gebe es noch bei der Anbindehaltung für Milchkühe in Bayern. Keine 1000 werden übrig bleiben, da sich für sie das Investieren nicht mehr lohne, befürchtete der Kreisobmann. Deshalb seien erträgliche Ausstiegsregelungen notwendig. Lappe stellte das Ende der Anbindehaltung aber auch grundsätzlich in Frage. Seit Jahrhunderten existiere diese Haltungsform, on vielen Ländern sei sie gängige Praxis. „Wir wollen nicht, dass das Gleiche passiert, wie bei der Käfighaltung für Hühner.“ Die sei in Deutschland verboten worden. Nun werde etwa Flüssigei für die Backindustrie aus Ländern mit Käfighaltung importiert.

Auch das Thema Wald spielte bei dem Gespräch eine Rolle. Lappe forderte dabei, bei der Bundeswaldprämie künftig auf den Zertifizierungsnachweis zu verzichten. Warum sollte der kleine Waldbesitzer, der sein Holz regional verkauft, den drei zugelassenen Zertifizierungsfirmen zehn Jahre lang „das Geld hinterherwerfen“. Er fand dabei die Zustimmung von dem an der Universität Bayreuth tätig Geoökologen Andreas von Heßberg. Von den Zertifizierern gebe es letztlich nichts anderes als einen Ablassbrief. „Wir brauchen keine zertifizierten Wälder“, sagte Heßberg. Besser sei eine klimaakzeptable Bewirtschaftung, die auf natürliche Prozesse setzt. „Man muss den Wald auch mal walten lassen.“

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06.09.2021

Ein Karpfen für Kulmbach

Kulmbach. Zum 125-jährigen Jubiläum des Bezirksfischereivereins Kulmbach haben sich die Verantwortlichen selbst ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk gemacht: Vor ihrem Vereinsheim an der Mainaue haben die Mitglieder einen „Phantastischen Karpfen“ aufgestellt. Er soll alle vorbeikommenden Passanten in dem beliebten Naherholungsgebiet darauf hinweisen, dass der Verein mit rund 800 Mitgliedern der zweitstärkste Verein in der Bierstadt und gleichzeitig der drittgrößte unter den oberfränkischen Fischereivereinen ist. Die Aufmerksamkeit ist dem Fischereiverein gewiss, steht die vom Bayreuther Kreativverein „Rote Katze“ bemalte Skulptur doch gleichzeitig nahe des Kiosks, den Ausflügler, Spaziergänger und Wanderer gerne zur Rast nutzen. Auf dem Karpfen-Unikat wurde unter anderem der Verlauf des Roten und des Weißen Mains skizziert, auch das Kulmbacher Wahrzeichen, die Plassenburg ist zu sehen.

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30.08.2021

Mister Maschinenring geht in den Ruhestand / Geschäftsführer Werner Friedlein verabschiedet – Positive Bilanz – Keine Veränderung bei Neuwahlen

Kulmbach. Mit dem Ausscheiden von Geschäftsführer Werner Friedlein geht nicht nur für den Maschinen- und Betriebshilfsring Kulmbach eine Ära zu Ende. Friedlein war weit über Kulmbach hinaus hoch geschätzt und geachtet. Nach fast 40 Jahren Tätigkeit wurde der Mann, dessen Markenzeichen ein Cowboyhut ist, jetzt bei der Jahreshauptversammlung in den Ruhestand verabschiedet.

Corona-bedingt fand die Jahreshauptversammlung diesmal nicht im Frühjahr, sondern im Spätsommer statt. Veranstaltungsort war die großzügige Reithalle von Ralf Michel in Neufang. Die Laudatio auf Friedlein hielt der Mann, der am längsten mit ihm zusammengearbeitet hatte: Dieter Eschenbacher, Maschinenringvorsitzender von 1980 bis 2006 und heute Ehrenvorsitzender. Er erinnerte an Friedlein als den Bauernsohn aus Lopp bei Kasendorf, der nach seinem Agrarstudium vor knapp 40 Jahren in der Nachfolge von Herbert Sattler die Stelle des Geschäftsführers übernahm. „Aus der damaligen Anstellung wurde eine Lebensaufgabe“, sagte Eschenbacher.

Als Verdienste von Friedlein nannte Eschenbacher unter anderem die Mitbegründung und Betreuung der gewerblichen Tochter MR Oberfranken Mitte GmbH, die Gründung mehrerer Maschinengemeinschaften, die Geschäftsführung des Kompostrings Oberfranken sowie die Einführung der Kompostierung auf dezentralen Anlagen, die von Landwirten betrieben werden. Friedlein hatte außerdem den Arbeitskreis Bäuerinnen und den Betriebshelferstammtisch gegründet, den Pflanzenbautag in Lopp ins Leben gerufen und lange vor der Gründung einer gewerblichen Tochter die Sportplatz- und Grünflächenpflege als Geschäftsfeld entdeckt.

„Es gibt wenige Einrichtungen, in denen ein Geschäftsführer so mit Leib und Seele tätig ist“, sagte der Landtagsabgeordneter Martin Schöffel. Friedlein habe in seiner über 40-jährigen Tätigkeit Großartiges für die Landwirtschaft geleistet. „Auf Werner Friedlein konnten sich Bauern im Landkreis Kulmbach verlassen.“ Auch Landrat Klaus-Peter Söllner würdigte Friedlein, der stets neue Geschäftsfelder aufgetan habe und mit dem der Landkreis stets hervorragend zusammengearbeitet hatte.

Auch wenn die Stunden in der klassischen sozialen als auch in der wirtschaftlichen Betriebshilfe dem Trend entsprechend 2020 rückgängig waren, konnte Friedlein in seinem letzten Geschäftsbericht eine positive Bilanz ziehen. Bei der sozialen Betriebshilfe musste der Maschinenring einen Rückgang im Verrechnungswert von knapp 189000 Euro im Jahr 2019 auf gut 143000 Euro im zurückliegenden Jahr hinnehmen. Auch die wirtschaftliche Betriebshilfe war rückläufig, und zwar von über 200000 Euro in 2019 auf 176000 Euro in 2020.

Steigende Zahlen gab es dagegen bei den Maschineneinsätzen. Insbesondere die Bereiche Futter- und Strohernte, Landschaftspflege sowie Körnerernte und Aufbereitung sowie die Vermittlung von Schleppern verbuchten höhere Einsatzzahlen. Der Verrechnungswert bei den Maschineneinsätzen stieg leicht von 2,5 auf 2,6 Millionen Euro.

Für den Maschinenring Kulmbach sind aktuell zwei Dorfhelferinnen, vier hauptberufliche Betriebshelfer über das Evangelische Bildungszentrum Hesselberg, drei selbst eingestellte Kräfte und ein selbstständiger Betriebshelfer tätig. Der MR hat aktuell 852 Mitglieder, vier weniger als im Jahr zuvor. Sie alle bewirtschaften eine Fläche von zusammen 27171 Hektar (Vorjahr 27680 Hektar).

Wenig Veränderungen gab es bei den turnusgemäßen Neuwahlen. Vorsitzender bleibt Andreas Textores, Stellvertreter Hans-Herrmann Reinhardt, beide aus Kulmbach. Beide wurden ohne Gegenstimme gewählt. Der Beirat besteht künftig aus: Wolfgang Biedermann (Unterlangenroth), Heiko Kaiser (Appenberg), Daniel Kaßel (Windschenhaig), Oliver Kienesberger (Grafendobrach), Michael Sack (Maierhof) und Alexander Wölfel (Eulenhof).

Bilder:
1. Der langjährige Geschäftsführer Werner Friedlein (links) wurde vom Vorsitzenden Andreas Textores und von MR-Mitarbeiterin Angela Schmidt verabschiedet. Als Symbol für die Ballonfahrt als Abschiedsgeschenk gab es schon mal einen Miniballon.
2. Vorsitzender Andreas Textores (links) und Einsatzleiter Horst Dupke (rechts) haben Johannes Heimann und Manfred Schuster als die beiden Betriebshelfer mit den meisten Einsatzstunden ausgezeichnete.

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28.08.2021

„BioGenussmarkt“ zum 800. Geburtstag / Öko-Modellregion Siebenstern präsentierte Direktvermarkter aus dem Fichtelgebirge

Bernstein. Corona und dem wechselhaften Wetter zum Trotz: Mehrere hundert Besucher waren nach Bernstein, einem Ortsteil von Wunsiedel, gekommen, um das 800-jährige Bestehen des kleinen Dorfes mit seinen rund 240 Einwohnern zu feiern. Dazu gehörte auch der „BioGenussmarkt“ der Ökomodellregion Siebenstern, den die Veranstalter mitten auf einer Wiese am Ortsrand aufgebaut hatten.

Unter dem Motto „Vielfältig, regional und biologisch“ stellten sich dabei Direktvermarkter aus dem Fichtelgebirge mit ihren Produkten vor. Da gab es Eier und Nudeln, Kartoffeln und Hanföl, Wein und Wurst, aber auch Pflanzen für den eigenen Garten sowie Fell- und Wollprodukte der Schäferei Frank.

Der Markt war gleichzeitig der Auftakt zu den Bio-Erlebnistagen im Fichtelgebirge. Dabei stehen noch bis zum 10. Oktober unter anderem geführte Hofrundgänge, Vorträge, Radl-Touren und verschiedene Mitmach-Aktionen auf dem Programm. Einen Überblick über die einzelnen Veranstaltungen und die Möglichkeiten, sich anzumelden gibt es im Internet unter www.oekomodellregionen.bayern/siebenstern/termine.

Die Öko-Modellregion Siebenstern ist seit 2019 eine von insgesamt 27 bayerischen Öko-Modellregionen. In ihr haben sich die Gemeinden Bad Alexandersbad, Nagel und Tröstau sowie die Städte Weißenstadt und Wunsiedel zusammengeschlossen. Ziel ist es unter anderem, regionale Wertschöpfungsketten zu etablieren und weiter auszubauen.

Bild: Mitten auf einer Wiese am Ortsrand hatten Direktvermarkter aus dem Fichtelgebirge ihre Stände aufgebaut.

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27.08.2021

„Blühende Rahmen“ für Umweltschutz und Artenvielfalt / Landwirt Matthias Kießling bietet Blühpatenschaften an

Tiefendorf. Koriander, Malven, Fenchel und viele andere Arten blühen auf den Feldrändern in Tiefendorf nahe Töpen im Landkreis Hof. Wie so viele andere Bauern im Landkreis hat auch Landwirt Matthias Kießling eine Blühfläche angelegt, um Lebensraum für Bienen, Insekten und andere Wildtiere zu schaffen. Bei einem Pressetermin stellte der BBV Hof die Initiative der Öffentlichkeit vor und warb gleichzeitig für die Blühpatenschaften, die Matthias Kießling anbietet.

„Es tut schon weh, wenn wir Bauern von der Heimatzeitung als schuldig für den Klimawandel hingestellt werden und wenn es heißt, dass wir Zahlungen bedingungslos erhalten“, machte Kreisobmann Hermann Klug seinem Ärger über einen entsprechenden Kommentar tags zuvor in der örtlichen Zeitung Luft. Die Aktion „Blühende Rahmen“ zeige genau das Gegenteil. Sie zeige, dass die Bauern für die Umwelt und Artenvielfalt in Feld einstehen. Bereits seit 2011 gebe es diese Aktion, die der Bauernverband zusammen mit dem Landesverband der Bayerischen Imker durchgeführt wird. Viele Bauern legten dabei freiwillig und auf eigene Kosten Blühstreifen um ihre Felder an.

Alle Bauern, die mitmachen, können ihre Blühflächen auf eine interaktive Karte eintragen (www.BayerischerBauernVerband.de/Bluehstreifen-Karte) und so gemeinsam mit ihren Berufskollegen zeigen, mit welch großem Engagement sie sich für Umweltschutz und Artenvielfalt einsetzen. Landwirt Matthias Kießling geht dabei noch einen Schritt weiter und stellt seine Blühstreifen allen Interessierten für Patenschaften zur Verfügung. Die Patenschaft erstreckt sich auf ein Jahr und kostet 60 Euro. Dafür gibt es eine personalisierte Patenurkunde mit der man seinen Einsatz für die Artenvielfalt unter Beweis stellen kann. Matthias Kießling arbeitet dafür mit zertifiziertem Saatgut mit über 50 verschiedenen einheimischen mehrjährigen Kräuter- und Blühpflanzen, das im Frühjahr ausgebracht wird. Die Fläche bleibt natürlich, wird weder gedüngt, noch gespritzt und auch nicht abgeerntet.

Begrüßt wird die Aktion auch von den örtlichen Imkern. „Bienen brauchen die Blüten und die Blüten brauchen die Bienen“, bringt es der Imker Alois Goebel auf den Punkt. Die Blühflächen der Landwirte sorgten für ein hervorragendes Nahrungsangebot für die Bienen und alle anderen Insekten.

Bild: Sie treten für Artenvielfalt ein (von links): Alexa-Leander Kießling, Matthias Kießling, Jannek Kießling, Thomas Lippert und Theresa Hick vn der BBV-Geschäftsstelle, Ortsobmann Bernhard Schmid, Jäger Gerhard Hüttner, Kreisbäuerin Karin Wolfrum, Kreisobmann Hermann Klug und Imker Alois Goebel.

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26.08.2021

Bestandsschutz für die Bauern / SPD und Grüne glänzten durch Abwesenheit: Politikergespräch des BBV Bayreuth zur Bundestagswahl

Mistelgau. Planungssicherheit: das ist das Wort, das beim Politikergespräch des BBV Bayreuth zur Bundestagswahl am häufigsten genannt wurde. „Wir haben den Eindruck, dass die Landwirtschaft in Deutschland gar nicht mehr gewünscht ist“, sagte der stellvertretende Kreisobmann Harald Galster vor dem Hintergrund ständig neuer Verordnungen, mit denen die Bauern zurechtkommen müssen.

Enttäuscht war der BBV-Kreisvorstand auch, dass die beiden Vertreterinnen von SPD und Grüne ihre Teilnahme zum Politikergespräch im Feuerwehrhaus von Mistelgau kurzfristig abgesagt hatten. Immerhin waren mit Silke Launert (CSU), Thomas Hacker (FDP) und Tobias Peterka (AFD) drei Bundestagsabgeordnete gekommen, um sich die Sorgen und Nöte der Bauern im Raum Bayreuth anzuhören.

Egal ob Milchkühe, Schweine oder Rinder, die Vorschriften besonders in der Tierhaltung werden immer mehr, so Kreisobmann Karl Lappe. Die Auflagen und Vorschriften grenzen schon manchmal an Schikane, sagte Kreisvorstandsmitglied Gerhard Meyer, der einen Milchviehbetrieb in Hummeltal bewirtschaftet. Wegen dem drohenden Ende der Anbindehaltung habe ihr Betrieb die Tierhaltung bereits aufgegeben, so Christa Ziegler aus Bayreuth.

Christa Ziegler brachte noch ein ganz anderes Problem ins Gespräch. Viele Hundehalter glaubten, die Feldwege gehörten ihnen. Sie stellten sich nicht nur den Landwirten in den Weg, in einigen Fällen sei es sogar schon zu Bedrohungen gekommen. Darüber hinaus gebe es große Probleme mit Hundekot und Kotbeuteln im Futter. „Die Situation ist mittlerweile echt dramatisch“, so Christa Ziegler.

Mehr Wertschätzung für den ländlichen Rau forderte die stellvertretende Kreisbäuerin Doris Schmidt ein. Apotheken würden immer weniger. Wenn Arzt- und Facharztpraxen aufhören, sei meist kein Nachfolger mehr zu finden und nach der Schließung der Geburtenstation in Pegnitz müssten Frauen aus dem südlichen Landkreis zur Entbindung entweder nach Bayreuth oder nach Nürnberg.

Als sehr ernst bezeichnete die CSU-Bundestagsabgeordnete Silke Launert die Lage. Sie gab aber auch zu bedenken, dass sich in der Gesellschaft vieles verändert habe und sich die Bevölkerung nicht mehr mit der Landwirtschaft identifiziere. Zusätzliche Erwartungen beispielsweise in Sachen Tierschutz müsse der Landwirt vergütet bekommen, um ein Auskommen erwirtschaften zu können.

Thomas Hacker von der FDP appellierte an die Bevölkerung, der Landwirtschaft wieder mehr Wertschätzung entgegenzubringen. Es könne doch nicht sein, dass Hunde mehr zählen als die Landwirte, ging er auch das von Christa Ziegler geschilderte Problem mit den Hundehaltern ein. Zur Wertschätzung gehöre auch, dass endlich Schluss damit sein muss, die Dinge immer komplizierter zu machen. „Im Gegenteil: vieles muss einfacher werden“, sagte Hacker und versprach weniger Bürokratie. Hacker ging auch auf die geforderte Planungssicherheit ein. „Wenn wir die nicht bieten können, werden viele Betriebe kein Nachfolger mehr finden.“ Was heute Gültigkeit hat, könne nicht in fünf Jahren Makulatur sein.

Man möchte eine schöne Natur, aber der Bauernhof dürfe dabei nur als Dekoration dienen, beschrieb Tobias Peterka von der AFD die Situation. Es müsse endlich Schluss damit sein, die Landwirte als Klimakiller und Tierquäler darzustellen. Was die Planungssicherheit angeht plädierte Peterka zum einen dafür, nicht ständig mit neuen Vorschriften zu kommen, zum anderen aber auch dafür, nicht alles „mit der Lupe“ auszulegen. Deutschland regle mehr, als eigentlich gefordert wird, jede Umsetzung erfolge zu mindestens 100 Prozent, während man etwa in Spanien oder Frankreich gar nicht so genau hinsehe.

Bild: Politikergespräch unter Corona-Bedingen (von links) Silke Launert, Kreisbäuerin Angelika Seyferth, Kreisobmann Karl Lappe, Thomas Hacker und Tobias Peterka im Feuerwehrhaus von Mistelgau im Landkreis Bayreuth.

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23.08.2021

Ohne Wegebau kein Abtransport / Vermarktete Holzmenge mehr als verdoppelt - WBV Kulmbach/Stadtsteinach fordert mehr Personal in den Ämtern

Langenstadt. Die Käferproblematik hat es deutlich gemacht: „Wir haben große Aufgaben vor uns“, so Carmen Hombach, Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Kulmbach/Stadtsteinach. Sie meint damit in erster Linie den Wegebau, um das Holz aus dem Wald zu schaffen. „Eine vernünftige Erschließung ist das A und O.“ Ihre Forderung lautet deshalb, neue Stellen an den Ämtern zu schaffen, die sich ausschließlich um die Erschließung des Privatwaldes kümmern.

Auch für die WBV Kulmbach war der Borkenkäfer in den zurückliegenden Monaten das alles beherrschende Thema. „Der Käfer hat uns voll im Griff“, so Carmen Hombach. Erste Kahlflächen würden bereits sichtbar und trotzdem wollten es viele Waldbesitzer noch immer nicht wahrhaben. Für die Vorsitzende ist der Käfer auch der Beweis dafür, dass die Klimaprognosen nicht nur zutreffen, sondern noch übertroffen werden. „Der Borkenkäfer wird uns auch in den kommenden Jahren begleiten“, ist sie sich sicher.

Derzeit komme man kaum mehr nach, das Holz aus dem Wald zu holen. Dabei sind nicht nur die fehlenden Wege das Problem, auch die mangelnden Kapazitäten. 150 Anrufe pro Tag mit dem Auftrag, Holz abzutransportieren, seien derzeit keine Seltenheit. Eine Ursache dafür seien auch die neuen Fördersätze für die insektizidfreie Borkenkäferbekämpfung von bis zu 30 Euro pro Festmeter für besonders betroffene Regionen. Darunter fallen im Bereich der WBV Kulmbach die Regionen nördliche der fränkischen Linie, die dem Frankenwald zugerechnet werden.

Was den Wegebau angeht, fordert Carmen Hombach nicht nur Personal in den Ämtern, sondern auch 100 Prozent Förderung für Waldbesitzer, die bereits Kahlflächen haben. „Wir brauchen die Erschließung, um das Holz zu jedem Zeitpunkt und bei jedem Wetter aus dem Wald transportieren zu können.“ Es könne doch nicht angehen, dass man erst eine Rückeweg bauen muss, um das Holz aus den dem Wald zu bekommen. Im Übrigen seien Erschließungswege auch für Jagd, für Rettungsmaßnahmen und nicht zuletzt für den Brandschutz wichtig.

Insgesamt sind laut Geschäftsführer Theo Kaiser im zurückliegenden Jahr rund 150.000 Festmeter Holz und damit mehr als doppelt so viel wie 2019 im Auftrag der Mitglieder vermarktet worden. Für das laufende Jahr rechnet Kaiser mit einer Holzmenge von rund 200.000 Festmetern. Die Zahl der Mitglieder bezifferte der Geschäftsführer auf 1878, was ein Plus von 43 bedeutet. Zusammen bewirtschaften die Mitglieder eine Waldfläche von 12.658 Hektar im gesamten Landkreis Kulmbach. Lediglich die drei südlichen Gemeinden Thurnau, Wonsees und Kasendorf gehören traditionell zur benachbarten WBV Hollfeld.

Interessant ist, dass bei der Forstpflanzenvermittlung im zurückliegenden Jahr die Fichte mit einem einzigen Prozent praktisch keine Rolle mehr gespielt hat, während der Laubholzanteil bei 60 Prozent lag. Die Bundeswaldprämie haben 512 Mitglieder mit zusammen 6803 Hektar beantragt.

Bild: Der Käfer ist das Problem, sind sich die Vorsitzende der WBV Kulmbach/Stadtsteinch Carmen Hombach und Geschäftsführer Theo Kaiser einig.

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23.07.2021

„Taskforce“ soll für Klarheit sorgen / Ökofranken fordern Geld von ihren Mitgliedern zurück – Erzeugergemeinschaft weiter in Schwierigkeiten

Itzgrund. Vieles läuft hinter verschlossenen Türen und kommt nicht an die Öffentlichkeit. Auch entsprechende Kontrollen durch den Genossenschaftsverband haben nicht gefruchtet. Es sind schwere Vorwürfe, die Mitglieder gegen die Erzeugergemeinschaft Ökofranken erheben. Bei der Jahreshauptversammlung Ende vergangenen Jahres wurden weder Vorstand noch Aufsichtsrat entlastet, aber geändert hat sich seitdem kaum etwas.

Ökofranken eG. Ist ein Zusammenschluss mit rund 300 Mitgliedern für ökologisch erzeugte landwirtschaftliche Produkte in Oberfranken und angrenzenden Gebieten mit Sitz in Itzgrund (Landkreis Coburg). Die Bauern müssen dabei keinem Anbauverband angehören, sie können auch die nach niedrigeren Standards erzeigte EU-Ökoware liefern.

Das System der Ökofranken funktioniert vereinfacht ausgedrückt so, dass alle Landwirte entsprechend ihren Lieferungen zunächst einen Abschlag aus einem Pool bekommen. Je nachdem, wie gut vermarktet werden konnte, bekommen die Landwirte danach bei einer Art Endabrechnung weitere Gelder ausbezahlt. So lief es zumindest bis zum Jahr 2017. Nachdem der Vermarktungspool seit dem Jahr 2017 allerdings nicht mehr aufgelöst worden sei, sollen weit über 100 Bauern teilweise bis zu fünfstellige Beträge plötzlich zurückzahlen. Grund dafür sei angeblich die schlechte Marktlage.

Auch ein Ökolandwirt aus dem Raum Kulmbach wird derzeit für eine Lieferung aus dem Jahr 2019 zur Kasse gebeten. „Ich bin ganz konkret selbst betroffen“, sagt er. Um die 1000 Euro soll er zurückbezahlen. Als Hintergrund vermutet er Kredite, die von der Genossenschaft aufgenommen wurden und die jetzt getilgt werden müssen. „Wäre ordentlich abgerechnet worden, hätte das nicht passieren dürfen“, so der Landwirt, der seinen Betrieb bereits vor Jahrzehnten ökologisch umgestellt hatte. Damals sei es nicht so einfach gewesen, Ökoprodukte zu vermarkten, deshalb sei er bei den Ökofranken gelandet. Mit der Geschäftsführer habe es aber von Anfang an Probleme gegeben.

Bereits im Umfeld der nichtöffentlichen Jahreshautpversammlung Ende 2020 haben mehrere Mitglieder von Versäumnissen in der Geschäftsführung gesprochen. Dort sei schlecht gewirtschaftet, sprich schlecht verkauft worden. Außerdem könne man doch nicht erst 2020 feststellen, dass man 2017 keine Erlöse gehabt habe.

Vorstand Roland Schrenker hatte Anfang des Jahres mitgeteilt, dass sich die Verbindlichkeiten der Genossenschaft durch Forderungen aufheben. Er wies auch darauf hin, dass die Ökofranken der jährlichen Prüfung durch den Genossenschaftsverband unterlägen.

Nun gibt es ein Rundschreiben, das der Redaktion vorliegt und in dem der Vermarktungszusammenschluss von einer „zunehmenden Unzufriedenheit der Mitglieder über die Leistungsfähigkeit unserer Gesellschaft“ spricht. As dem Schreiben geht hervor, dass man nun eine „Taskforce“ gegründet hat, mit deren Hilfe die Vergangenheit aufgearbeitet werden soll. „Diese Arbeiten laufen und über die Ergebnisse wird später ausführlich berichtet“, so heißt es. Auch ein Zukunftsmodell soll mit Hilfe eines Fragebogens erarbeitet werden, um künftig verlässliche Aussagen über Preisgestaltung und Zahlungsmodalitäten machen zu können. Als erster Schritt möchten die Ökofranken die Kommunikation mit ihren Mitgliedern verbessern. Im Gespräch ist unter anderem eine Internetseite mit einem Mitgliederportal.

Vorstand Roland Schrenker wollte sich auf Nachfrage aktuell nicht zur derzeitigen Situation äußern, hat aber eine Stellungnahme innerhalb der kommenden Wochen zugesagt.

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22.07.2021

Gute Aussaat, wenig Auswinterungen, viel Wasser / Oberfränkische Landwirte gehen von tendenziell guter Ernte aus

Neudorf, Lks. Bamberg. In Oberfranken gehen die Landwirte heuer von einer „vernünftigen Erntesituation“ aus. „Die Ernteaussichten sind tendenziell noch gut“, sagte BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif aus Forchheim bei einem Pressetermin zum Start der Ernte auf dem Betrieb von Dagmar und Jörg Deinlein in Neudorf bei Scheßlitz.

Das liegt vor allem an den Niederschlägen der zurückliegenden Monate. „Was wir heuer in Franken endlich einmal hatten, war Wasser“, so Greif, der auch Pflanzenbaupräsident des Bauernverbandes ist. Mittlerweile könne man in Teilen Oberfranken, wie etwa im nördlichen Landkreis Hof, allerdings auch fast schon wieder von zu viel des Guten sprechen. Umso mehr komme es nun auf eine beständige und trockene Witterung an, damit die Flächen für die Mähdrescher und Feldhäcksler befahrbar sind und die Ernte trocken eingebracht werden kann.

Zu den guten Voraussetzungen im Anbaujahr 2020/2021 gehörten vor allem auch die meist optimalen Aussaatbedingungen im Herbst und im Frühjahr. Auswinterungen durch Kahlfröste seien durch die geschlossenen Schneedecken kaum zu verzeichnen gewesen. Gefährlich seien allenfalls mancherorts die Wechselfröste Anfang März mit nächtlichen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und tagsüber schnell ansteigenden Temperaturen ohne schützende Schneedecke gewesen. Die Kulturen hätten aber bereits die nötige Winterhärte entwickelt und seien ohne Schäden davongekommen.

Eine der wichtigsten Feldfrüchte ist und bleibt in Oberfranken die Braugerste. „In keiner anderen Region wird so viel Braugerste angebaut, wie bei uns“, sagte Greif. Rund ein Drittel der bayerischen Erntemenge komme aus dem Regierungsbezirk. Dennoch sei die Anbaufläche in den vergangenen fünf Jahren um etwa 7000 Hektar zurückgegangen. Als Gründe dafür nannte der BBV-Präsident vor allem die eher schlechteren Preise und die durch die Trockenheit der letzten Jahre eher unterdurchschnittlichen Erträge. Aktuell sei der Braugerstenpreis allerdings auf einem eher niedrigeren Niveau. Grund dafür sei die Corona-Pandemie, die gerade die Brauereien, deren Hauptgeschäft bei den Gaststätten liegt, stark belastet hat.

Der steigende Bedarf nach klimafreundlichen Biokraftstoffen, um die Vorgaben der Treibhausgaseinsparungen zu erfüllen, hat nach Angaben des BBV für einen positiven Preisverlauf bei Raps und Mais gesorgt. Die hochwertige und bienenfreundlichen Blattfrucht Raps hatte Anfang des Jahres mir rund 500 Euro pro Tonne sogar einen Rekordpreis erzielt. Auch der Mais hatte richtig Schwung in die Märkte gebracht, weil die Nachfrage konstant gewachsen sei.

Ganz wichtig in Oberfranken ist auch das Grünland, das in den ersten beiden Schnitten aufgrund der Niederschläge bisher gute Mengen und gute Qualitäten hervorgebracht hatte. Besonders nach der trockenheitsbedingt oft angespannten Futtersituation in den zurückliegenden Jahren sei dies von großer Bedeutung für viele Betriebe.

Insgesamt sei 2021 oberfrankenweit weniger Raps und Sommergerste angebaut worden, während die Fläche bei Mais, Klee und Ackergras deutlich anstieg. Hier spiegle sich der Futterbedarf von Tierhaltern nach den trockenen Jahren wider. Auch sei bei den Druschfrüchten eine Verschiebung von Winterweizen und Wintergerste zu Gunsten des Dinkelanbaus erkennbar.

Das Ernte-Pressegespräch fand diesmal auf dem Franzenhof der Familie Deinlein in Neudorf im Landkreis Bamberg statt. Dagmar und Jörg Deinlein bewirtschaften dort rund 300 Hektar Fläche. Wichtigstes Standbein ist die Ferkelerzeugung, ein weiteres Standbein ist eine Biogasanlage, mit der Strom produziert wird. Der Betrieb ist qualifiziertes Mitglied der Interessensgemeinschaft „Lernort Bauernhof“, Dagmar Deinlein ist staatliche geprüfte Hauswirtschafterin und qualifizierte Erlebnisbäuerin. Jüngste Errungenschaft ist ein kleines Hofcafe, das immer Sonntagnachmittag geöffnet hat.

Oberfrankenweit gibt es rund 8000 landwirtschaftliche Betriebe (Mehrfachantragsteller), etwa zwei Drittel davon werden im Nebenerwerb geführt.

Bilder:
1.
 Freuen sich über tendenziell gute Ernteaussichten: Der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif, die Landwirte Jörg und Dagmar Deinlein sowie BBV-Direktor Wilhelm Böhmer (von links).
2. In weiten Teilen Oberfrankens ist die Ernte bereits in vollem Gang.
3
. Mit dem BBV-Schlepper in Neudorf bei Scheßlitz im Landkreis Bamberg (von links): die Landwirte Dagmar und Jörg Deinlein, BBV-Präsident Hermann Greif und BBV-Direktor Wilhelm Böhmer.

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17.07.2021

Regional konsumieren statt importieren / Oberfränkische Landjugend wirbt in der Bayreuther Innenstadt für Lebensmittel aus heimischer Erzeugung

Bayreuth Einen besseren Platz hätte die Jungbauernschaft kaum finden können: Mitten auf dem Bayreuther Marktplatz und damit im Herzen der Stadt hat die BBV-Traktortour 2021 zur besten Einkaufszeit am Samstagvormittag Station gemacht. „Wir wollen dem Verbraucher den Wert der Direktvermarktung nahebringen und auf die große Bedeutung regionaler Lebensmittel hinweisen“, erklärte Maximilian Raimund, Bezirksvorsitzender der oberfränkischen Landjugend.

Die Jungbauernschaft war es auch, die zusammen mit 15 Aktiven fünf Stunden lang auf dem Stadtparkett das Gespräch mit den Verbrauchern suchte. Als Blickfang diente dabei der Essen-aus-Bayern-Traktor, direkt daneben am großen Infostand gab es nicht nur jede Menge Informationsmaterial und das kleine Kochbuch der Landjugendküche, sondern auch Eier, Nudeln, Buchweizen und Kartoffeln in Probierpackungen zum Mitnehmen.

Mit der Landjugend möchte sich auch die nächste Generation an der Schleppertour beteiligen und für die regionale Erzeugung von Lebensmitteln in bester Qualität werben, sagte Jugendreferentin Alexandra Münchberg von der Bezirksgeschäftsstelle in Bayreuth. Viele Leute in der Stadt würden die Landjugend nur mit den Dorffesten verbinden, so Maximilian Raimund. Doch neben einem starken Gemeinschaftsgefühl gehe es bei der Landjugend vor allem auch um inhaltliche Arbeit. Ein Motto laute deshalb auch: „Regional konsumieren statt importieren“.

Die Landjugendlichen hatten den Standort Stadtparkett in der Fußgängerzone Maxstraße auch deshalb ausgewählt, weil es von dort nur wenige Minuten zum Wochenmarkt in der Bayreuther Rotmainhalle sind. Jeden Mittwoch und jeden Samstag bieten dort Direktvermarkter aus dem Bayreuther Land ihre frischen Produkte an.

Am Infostand vor Ort waren mit Michael und Maike Färber vom Forkenhof bei Mistelbach auch Direktvermarkter aus dem Landkreis. Beide berichteten aus erster Hand von den Produktionsbedingungen vor Ort und warben für die Direktvermarktung in ihrem „Milchhäusla“, wo es neben frischer Mich auch Eier sowie selbst erzeugte und regionale Produkte wie Nudeln, Bienenhonig oder Kartoffeln gibt.

Unter dem Motto „Essen aus Bayern“ ist der von Deutz-Fahr gesponserte Schlepper seit 1. Juni kreuz und quer durch Bayern unterwegs, um in allen Landkreisen für regionale Erzeugung zu werben und aufzuzeigen, woher das Essen aus Bayern kommt.

Bild: Mitten in der Bayreuther Fußgängerzone warben (von links) Landjugend-Bezirksvorsitzender Maximilian Raimund, Jana-Lisa Mönch vom Regionalmanagement des Bayreuther Landkreises, Jugendreferentin Alexandra Münchberg, die Direktvermarkter Michael und Maike Färber sowie die Vorstandsmitglieder Franziska Hahn, Theresa Hofmann und Sebastian Feulner für Lebensmittel aus heimischer Erzeugung.

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14.07.2021

Mit Digitalisierung zu mehr Tierwohl / BBV-Traktortour machte im Landkreis Hof Station

Großlosnitz. Beispiele mustergültiger Erzeugung und Produktion mit dem Schwerpunkt Regionalität möchte der Bauernverband mit seiner Traktortour 2021 aufzeigen. Im „Milchlandkreis“ Hof konnte das natürlich nur ein Milchviehbetrieb sein, und zwar der von Tobias Puchta in Großlosnitz, das zur Gemeinde Zell im Fichtelgebirge gehört.

Nicht weit davon entfernt ist Kleinlosnitz, bekannt durch das Oberfränkische Bauernhofmuseum. Dort kann jeder Besucher sehen, wie ein Kuhstall früher ausgesehen hat: eng, muffig, dunkel, klein und stickig. „Von wegen gute alte Zeit“, sagt Karin Wolfrum. Jedes Tier ist ein Individuum und jedes Tier hat Achtung und Respekt verdient“, so die Kreisbäuerin.

Tobias Puchta (25) und seine Eltern Klaus und Sandra Puchta haben in Sachen Stallbau vorbildliches auf die Beine gestellt. Die Tiere haben frische Luft, Auslauf, Tageslicht und jede Menge Komfort. Sogar nach draußen können sie, Regen, Schnee oder auch Hitze erleben. Letzteres ist allerdings gar nicht so gefragt.

2019 hatte die Familie mit dem Stallbau begonnen, Ende März 2020 war der Einzug. 95 Milchkühe plus Nachzucht, haben hier ein neues Zuhause gefunden, 130 Kühe sollen es im Endausbau sein. Der Stall ist weit rund 2400 Quadratmeter groß, so dass jedes Tier einen Liegeplatz hat. Gemolken wird per Melkroboter, die Überwachung der Tiere findet digital per Transponder statt, so dass Tobias Puchta sofort auf seinem Bildschirm sieht, wenn mit einer Kuh etwas nicht stimmt. So könne die Digitalisierung auch gut zum Tierwohl beitragen.

„Der Stallbau war schon ein großer Schritt“, sagt Seniorchefin Sandra Puchta. Schließlich sei es nicht so einfach, wenn man bedenkt, womit die Bauern derzeit so alles zu kämpfen hätten. Doch irgendwann sei man vor der Frage gestanden, die Sandra Puchta mit dem alten Spruch beschreibt: „Wachsen oder weichen“.

Die erzeugte Milch, Tobias Puchta spricht von 1,4 bis 1,5 Millionen Kilogramm Milch pro Jahr, geht zur Weiterverarbeitung an die zur Bayernland eG gehörende Käserei im etwa 25 Kilometer entfernten Bayreuth.

„Für uns steht regionale Wertschöpfung an erster Stelle“, so Annika Popp. Die stellvertretende Landrätin und Bürgermeisterin von Leupoldsgrün war eigens zum Schleppertour gekommen, um sich selbst ein Bild vom zukunftsgerichteten modernen Stallbau der Familie Puchta zu machen. Im Landkreis Hof sei die Landwirtschaft sehr kleinteilig ausgerichtet mit noch verhältnismäßig vielen Betrieben. Dem Landkreis sei die große Bedeutung der Landwirtschaft vor Ort sehr wohl bewusst, deshalb unterstützte er sie auch nach Kräften, versicherte Annika Popp.

Bild:
- Landwirt Tobias Puchta steht für mustergültige Erzeugung und Produktion.

-
 Der neue Milchviehstall der Familie Puchta in Großlosnitz war einer der Stationen der BBV-Traktortour.

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13.07.2021

Bestes Beispiel für Regionalität / Galloways als Burger und Braten - BBV-Traktortour machte in Kornbach Station

Kornbach. So funktioniert Regionalität: Johannes Herold erzeugt auf seinem Betrieb in Kornbach bei Gefrees hochwertiges Weidefleisch von Galloways-Rindern, gleich nebenan im Gasthof Kornbachtal von Sebastian Loos kommt das Fleisch auf den Teller, und zwar in vielen verschieden Variationen, etwa als Burger, Rouladen, Braten oder Steaks.

„Ein ganz tolle Symbiose und ein Musterbeispiel für regionale Erzeugung und Vermarktung“, findet der Kreisgeschäftsführer des Bauernverbandes Harald Köppel. Um darauf aufmerksam zu machen, war Kornbach auch eine der Stationen im Rahmen der BBV-Traktortour 2021. Unter dem Motto „Essen aus Bayern“ ist der von Deutz-Fahr gesponserte Schlepper seit 1. Juni kreuz und quer durch Bayern unterwegs, um in allen Landkreisen für regionale Erzeugung zu werben und aufzuzeigen, woher das Essen aus Bayern kommt.

Eigentlich ist alles, was es im Gasthof Kornbachtal gibt aus regionaler Erzeugung, Fleisch, Eier, Brot, Bier, Fleisch sowieso und sogar das Eis. „Regionalität wird bei uns gelebt“, sagt Sebastian Loos, der den Gasthof zum 1. Januar dieses Jahres zusammen mit seiner Frau Svenja von seinen Eltern Hedwig und Konrad Loos übernommen hatte. Zunächst galt es erst einmal einige Monate Lockdown zu überstehen, bis endlich Ende Mai der Biergarten wieder öffnen konnte..

2017 kam zum ersten Mal ein Galloway-Rind auf den Tisch. Jedes Jahr gibt es seitdem ein Weidefest, Galloway-Abende oder Fleischpakete zum Außer-Haus-Verkauf. Mittlerweile stehe die aus Schottland stammende Rinderrasse in allen Variationen sogar auf der Karte, erklärt Sebastian Loos, gelernter Koch, der zuvor in der Bischofsgrüner Höhenklinik tätig war. „Die kurzen Wege sind einfach unschlagbar“, sagt er. Jeder Gast könne vom Biergarten direkt auf die Weide blicken und den Galloways beim Grasen zusehen. Zugegeben, geschlachtet werden müssen die Rinder noch, aber auch das passiert ganz in der Nähe in Lanzendorf im Nachbarlandkreis Kulmbach.

Die Herde gehört Johannes Herold, der seinen Betrieb im Nebenerwerb führt und aktuell 40 Tiere hat. Jahrzehntelang wurden auf dem Hof Mastschweine gehalten, bis er aufgrund der Rahmenbedingungen sich auf die Suche nach etwas neuem machte. „Wir wollten nicht von den Märkten abhängig sein“ sagt Johannes Loos. So sei man nach einiger Recherche auf die Galloways gestoßen und hatte erst einmal mit fünf Tieren begonnen. 50 bis 60 sollen es noch werden.

Bild: In Kornbach bei Gefrees machte der Essen-aus-Bayern-Traktor des BBV Station. Um für regionale Erzeugung zu werben trafen sich (von links): BBV-Kreisgeschäftsführer Harald Köppel, Kreisbäuerin Angelika Seyferth, die Seniorchefin des Gasthofs Kornbachtal Hedwig Loos, Juniorchef Sebastian Loos und Galloway-Halter Johannes Herold.

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12.07.2021

Rohstoffe aus der Region / Braugerste im Focus - BBV-Traktortour machte Station im Landkreis Wunsiedel

Wunsiedel. Im Landkreis haben die Verantwortlichen die BBV-Traktortour dafür genutzt, um für die Hauptfrucht des gesamten Fichtelgebirges, die Braugerste, die Trommel zu rühren. Auf knapp 4000 Hektar und damit auf über einem Drittel der landwirtschaftlich genutzten Fläche wird die Sommergerste im Landkreis angebaut. Also machte der „Essen-aus-Bayern-Traktor“ zunächst auf einem Acker von Landwirt Werner Schricker im Ortsteil Holenbrunn Station, dann ging es weiter zur Traditionsbrauerei Lang im nahen Schönbrunn.

In Oberfranken passt die Sommergerste einfach zu den Böden. Auch wenn die Anbaufläche insgesamt ein wenig zurückgegangen ist, so wird immer noch auf 25661 Hektar Sommergerste angebaut. Etwa 80 Prozent davon sind von der Qualität her Braugerste, so Martin Schöffel, Landtagsabgeordneter und zugleich stellvertretender Vorsitzender des oberfränkischen Braugerstenvereins. Die restlichen 20 Prozent werden in der Regel zu Futtergerste. Das entspreche rund 7,5 Millionen Hektoliter Bier, rechnete er vor. „Was wir hier in hervorragender Qualität anbauen hat weit überregionale, ja bundesweite Bedeutung“, sagte Schöffel. Er verschwieg aber auch nicht, dass der Bierabsatz aufgrund der Pandemie zuletzt stark gelitten hatte. Die Gastronomie sei monatelang geschlossen gewesen, Volksfeste hätten nicht stattgefunden.

Einer, der auf Braugerste aus der Region setzt, ist Richard Hopf von der Brauerei Lang im Wunsiedler Ortsteil Schönbrunn, ein „Aushängeschild der Region“, wie es Kreisobmann Harald Fischer formulierte, zugleich aber auch noch eine von insgesamt vier verbliebenen Brauereien im Landkreis. „Wir setzen seit Generationen auf Rohstoffe aus der Region“, so Hopf. Er kenne seine Landwirte noch persönlich. Die Brauerei Lang hat insgesamt 14 Biersorten in ihrem Portfolio, darunter die Klassiker wie Helles, Dunkle, Pils, Weißbier, aber auch saisonale Biere, Craft-Biere und, wie es Richard Lang nennt, Spaßsorten, wie zum Beispiel, kein Witz, ein „Erotikbier“.

Insgesamt hofft Kreisobmann Harald Fischer in diesem Jahr auf gute Erträge. Die Pandemie habe gezeigt, wie wichtig die regionale Lebensmittelerzeugung ist. „Deshalb wollen wir auch das Bewusstsein für die regionale Erzeugung fördern und den Konsum heimischer Lebensmittel ankurbeln“, so Fischer. Die Auswahl im Supermarkt sei heute bei nahezu jedem Produkt riesengroß. „Wer die heimische Landwirtschaft gezielt unterstützen möchte, kauft regional“.

Landtagsabgeordneter Schöffel sprach sich in diesem Zusammenhang dafür aus, dass die Eigenversorgung mit Nahrungsmitteln in Deutschland im Grundgesetz verankert werden soll. „Wir müssen darauf achten, dass Lebensmittel dauerhaft aus dem eigenen Land kommen“, Schöffel. Gerade in Zeiten, in denen der Lebensmitteleinzelhandel die Bedingungen nach oben schraubt, sollte auch darauf geachtet werden, dass bei Importen unsere Standards gelten. Preisdruck mit ausländischer Ware dürfe man nicht zulassen.

Bild: In einem Feld bei Holenbrunn hat der „Essen-aus-Bayern-Traktor“ Station gemacht. Mit dabei waren (von links): Bürgermeister Nicolas Lahovnik, der stellvertretender Kreisobmann Stephan Regnet, Kreisbäuerin Karin Reichel, Kreisobmann Harald Fischer, der stellvertretende Landrat Roland Schöffel, Landtagsabgeordneter Martin Schöffel und Landwirt Werner Schricker.

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07.07.2021

Neuer Rückewagen für die WBV Hollfeld

Drosendorf. Ihren neuen Rückewagen hat die Waldbesitzervereinigung Hollfeld in diesen Tagen in Betrieb genommen. Es ist bereits der vierte Rückewagen der über 1600 Mitglieder starken WBV.

„Der Bedarf nach einem weiteren Rückewagen war da“, sagt Vorsitzender Christian Dormann. Die bisherigen drei Wägen seien ständig ausgebucht gewesen, oft hätten Mitglieder sogar Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Deshalb hatte sich die WBV schon Ende des zurückliegenden Jahres um Verstärkung bemüht. Wer jetzt bestellt, müsse aufgrund der guten Fördersituation durch das Investitionsprogramm des Bundes meist noch viel länger warten. „Gerade bei Forstmaschinen sei der Markt wegen der Prämien überhitzt“, so 2. Vorsitzender Matthias Weigand.

Der neue Wagen der Marke Stepa gilt als „Mercedes“ unter den Rückewagen und kostet rund 35000 Euro. Dafür ist er auch absolut robust und zuverlässig. „Genau das brauchen unsere Mitglieder“, so Harald Gardill, auf dessen Hof in Drosendorf bei Hollfeld sich der Maschinenstützpunkt der WBV befindet.

Die Mitglieder der WBV Hollfeld kommen aus den Landkreis Bamberg, Bayreuth und Kulmbach. Die Menge des für die Mitglieder vermarkteten Holzes lag im vergangenen Jahr bei rund 30000 Festmeter. Die knapp 1600 Mitglieder der WBV Hollfeld bewirtschaften zusammen eine Fläche von rund 12400 Hektar.

Bild: Die Vorstandschaft der WBV Hollfeld hat den neuen Rückewagen in Empfang genommen (von links): 2. Vorsitzender Matthias Weigand, Vorsitzender Christian Dormann, Kassenwartin Carola Betz, Schriftführer Helmut Stenglein sowie Maschinenwart Helmut Gardill mit Ehefrau Sonja.

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05.07.2021

Kohl und Knoblauch aus dem Knast / Gefängnisgärtnerei hinter barocken Mauern – Genügsame Sorten und flexible Bewirtschaftung

Bayreuth. Man mag es kaum für möglich halten, doch einer der größten Gemüseanbaubetriebe der Region liegt tatsächlich hinter dicken Gefängnismauern. „Wir produzieren rund 40 bis 45 Tonnen eigenes Gemüse im Jahr“, sagt der leitende Gärtnereimeister der Justizvollzugsanstalt Bayreuth–St. Georgen Jörg Eckel. Knapp die Hälfte davon bleibt zur Eigenversorgung in der JVA, der Rest geht in den freien Verkauf an jedermann.

Das Besondere an der Gefängnisgärtnerei: hier werden nicht nur 55 bis 60 verschiedene Gemüsesorten angebaut, alles ist auch biologisch, denn der Betrieb ist seit 2020 EU-bio-zertifiziert. Welche Philosophie hinter der Gemüseproduktion im Gefängnis steckt, davon konnte sich eine Delegation des Bezirksverbandes für Gartenbau und Landespflege bei einer Besichtigung in der Reihe „Gartengespräche“ jetzt ein Bild machen.

Bis etwa zum Jahr 2000 wurden hauptsächlich Blumen und Zierpflanzen angebaut, erinnert sich Gärtnermeister Eckel. Irgendwann habe aber auch die Gefängnisgärtnerei nicht mehr mit dem Billigangebot von Baumärkten und Lebensmitteleinzelhandel mithalten können, so dass sich die verantwortlichen für den Umstieg zu Nutzpflanzen entschieden haben.

Schnell sei allerdings klar geworden, dass die Nachfrage der Kunden nach biologisch produzierter Ware immer größer wurde. So habe man zum Beispiel nach und nach von konservativen Düngemitteln auf biologischen Pflanzenschutz und Naturdünger umgestellt. Auch das Saatgut wird in der Regel selbst produziert. Zu Gute kam der Gefängnisgärtnerei bei der Umstellung auf eine biologische Wirtschaftsweise unter anderem aufgrund der kurzen Wege die innerstädtische Lage der Anbaufläche. „Ansonsten muss man aber schon wesentlich flexibler sein, als beim konservativen Anbau“, sagt Eckel. Man benötige auch Sorten, die genügsamer sind.

So gibt es in einem der zahlreichen Gewächshäuser rund 850 Tomatenpflanzen auf einer Fläche von 300 Quadratmeter. Direkt daneben wachsen in einem weiteren Gewächshaus die Gurken. Pro Jahr werde etwa 900 Quadratmeter Feldsalat gepflanzt. Die Kunden, hauptsächlich aus der Stadt Bayreuth, profitieren vor allem von der Frische des Angebots. „Bei uns gibt es praktisch keine Transportwege, alles kommt vom Feld frisch auf die Theke“, so Völkl.

Neben Jörg Eckel sind in der Gärtnerei ein weiterer Gärtnermeister, ein Landschaftsgärtnermeister und zwei qualifizierte Kräfte beschäftigt. Dazu kommt eine stark wechselnde Zahl an Häftlingen, die allerdings genau auf ihre Zuverlässigkeit hin ausgewählt werden. „Es ist ein begehrter Arbeitsplatz, wir können aber nur handverlesene Leute“ nehmen, so der Leiter der Arbeitsverwaltung Rainer Völkl.

Die JVA Bayreuth – St. Georgen ist eine der ältesten und gleichzeitig eine der größten Haftanstalten Bayerns. Sie wurde nach den Worten von Anstaltsleiter Matthias Konopka 1724 von Markgraf Friedrich als Zucht- und Arbeitshaus errichtet. Hinter Mauern und Stacheldraht verbüßen derzeit rund 800 Häftlinge Freiheitsstrafen von wenigen Wochen Dauer bis zu lebenslang, darunter auch gut 100 Untersuchungshäftlinge, die noch auf ihren Prozess warten.

Da Gefangene zur Arbeit verpflichtet sind, gibt es in Bayreuth 15 handwerkliche Eigenbetriebe, von der Kfz-Werkstatt bis zur Schlosserei, so Rainer Völkl von der Arbeitsverwaltung. Sie arbeiten teilweise für die Eigenversorgung der Anstalt, teilweise für Unternehmen von außerhalb.

Bilder:
1
. Rund 850 Tomatenpflanzen beherbergt alleine dieses eine Gewächshaus auf dem Areal an der Markgrafenallee in Bayreuth.
2. Gärtnermeister Jörg Eckel (links) und Rainer Völkl von der Arbeitsverwaltung der JVA erläuterten die Wirtschaftsweise der Gefängnisgärtnerei.
3. Die biologisch betriebenen Anstalts-Gärtnerei der Justizvollzugsanstalt St.-Georgen Bayreuth hat der Verband für Gartenbau und Landespflege besichtigt.
 

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29.06.2021

Über 400 Tiere vor dem Mähtod bewahrt - Rehkitzrettung Oberfranken zieht positive Bilanz

Bayreuth. Landwirte und Tierschützer Hand in Hand. Das ist durchaus möglich. Ein Musterbeispiel für die Zusammenarbeit ist die Kitzrettung Oberfranken. „Wir konnten heuer beim ersten Schnitt schon über 400 Rehkitze vor dem sicheren Mähtod bewahren“, sagt Britta Engelhardt von der Kitzrettung. Angst, dass man sich militante Tierschützer auf seine Wiese holt, haben die Bauern in der Region nicht mehr. „Wir sehen die Arbeit der Kitzrettung als Praktiker sehr positiv“, sagt Reinhard Sendelbeck, Vorsitzender des Maschinenrings Bayreuth-Pegnitz. Harald Köppel, Geschäftsführer des BBV in Bayreuth ergänzt: „Wir sind zusammen mit der Kitzrettung auf einem guten Weg“. Anerkennung kommt schließlich auch aus der Jägerschaft. „Wir zollen den ehrenamtlichen Mitstreitern Respekt“, sagt Kreisjagdberater Georg Bayer.

Ziel des Vereins „Kitzrettung Oberfranken“ mit seinen rund 40 bis 50 Aktiven ist es, Wildtiere kurz vor dem Schnitt aufzuspüren und sie entweder zu verscheuchen oder solange festzusetzen und damit zu sichern, bis das Grünland gemäht ist. Vor allem die Rehkitze seien in den ersten Lebenswochen sehr gefährdet, denn die Wiesen sind in dieser Zeit so eine Art Kinderstube der Tierbabys. Die Tiere hätten in den ersten Wochen keinen Fluchtinstinkt und würden bei Gefahr regungslos an ihrem Platz liegenbleiben. Die Kitzrettung unterstützt damit die Landwirte und die Jagdpächter beim Absuchen der Wiesen und verhindert so den meist qualvollen Tod der Kitze. Das Tätigkeitsfeld der Rehkitzrettung erstreckt sich auf die Landkreis Bayreuth, Hof, Wunsiedel und Kulmbach.

„Wir sehen uns als Partner der Landwirte“, sagt Britta Engelhardt. Heuer hätten sie und ihre Mitstreiter gar nicht alle Anfragen bearbeiten können. „Wir konnten gar nicht alle Bauern unterstützen, weil das Zeitfenster der Mahd wetterbedingt so eng war.“ Trotzdem fällt die Bilanz mit 314 direkt geretteten Jungtieren und weiteren 100, die von externen Drohnenpiloten aufgespürt werden konnten, überaus positiv aus. Im Jahr zuvor waren es nur 193 Kitze.

Trotz der positiven Zahlen gibt es immer wieder spektakuläre Einzelfälle, bei denen ein Rehkitz verendet. „Wir machen den Landwirten keinen Vorwurf“, stellt Britta Engelhardt klar. Eine hundertprozentige Garantie könne niemand geben: „Wir können vieles möglich machen, aber wir können natürlich nicht zaubern“. Sie appelliert an alle Landwirte, zeitnah nach dem Drohnenüberflug zu mähen. Immerhin habe die Hälfte der geretteten Tiere per Drohne aufgespürt werden können.

Dabei beschäftigt das Thema die Bauern nicht erst seit gestern, wie Harald Köppel vom Bauernverband feststellt. Technische Lösungen gebe es bereits, sie seien aber noch ausbaufähig, so dass man auf die Arbeit der Rehkitzrettung keineswegs verzichten könne. Insgesamt könne man feststellen, dass die Aufmerksamkeit vieler Menschen für das Thema immens gestiegen ist.

Technische Lösungen, bei denen das Mähwerk automatisch abschaltet, wenn Temperatur- und Farbindexmessung sowie Infrarotsensoren anspringen seien bereits in den Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks getestet worden, so Lehrkraft Tobias Weggel. Sie hätten zwar funktioniert, doch seien auch Probleme aufgetreten. Zum einen seien die Systeme auf ein Mähtempo von nur acht Stundenkilometern ausgelegt, was die Arbeit erheblich einschränkt. Zum anderen sei die Zahl der Fehlalarme sehr groß gewesen, weil die Abschaltsysteme auch auf Hundekotbeutel, weggeworfene Chipstüten und anderen Müll reagiert hätten.

Nach den Worten von Kreisjagdfachberater Peter Meister steigt durch die Rehkitzrettung das gesellschaftliche Verständnis für die Arbeit der Bauern. Auch der Jägerverein hat bereits zwei Drohnen angeschafft, mit denen Rehkitze im hohen Gras aufgespürt werden können, so Adolf Reinel vom Jägerverein.

Mit der Vernetzung aller beteiligten Akteure sei man auf dem richtigen Weg, sagte Reinhard Sendelbeck vom Maschinenring. Er bezeichnete die Drohne als derzeit wichtigstes Instrument. Allerdings könne man auch damit keine hundertprozentige Sicherheit gewährleisten.

Bild: Von der Wildscheuche bis zur Drohne gibt es bereits Hilfsmittel um Rehkitze aufzuspüren. Eine positive Bilanz nach dem ersten Schnitt zogen (von links): Tobias Weggel, Georg Bayer, Harald Köppel, Britta Engelhardt, Johannes Scherm, Reinhard Sendelbeck, Norbert Dörfler, Adolf Reinel und Peter Meister.

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29.06.2021

Bioenergie und Borkenkäfer / Land- und Forstwirtschaft im Frankenwald – Informationsfahrt von Regierungspräsidentin Piwernetz

Wilhelmsthal. Das Bioenergiedorf Effelter und die Borkenkäferschäden bei Eichenbühl waren zwei Stationen der Landwirtschaftsfahrt von Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, die heuer in den Landkreis Kronach geführt hat. „Es wird viel zu wenig darüber diskutiert, was die Bauern hier alles leisten“, zog Piwernetz eine positive Bilanz. Jeder siebte Arbeitsplatz hänge im Landkreis von der Landwirtschaft ab. Die Regierungspräsidentin rief Landwirte und Verbraucher dazu auf, im Dialog zu bleiben. Trotz der vielen kritischen Stimmen in der Öffentlichkeit sei man aber insgesamt auf einem guten Weg.

Zum Start der Informationstour gab es zunächst eine kleine Wanderung durch den Wald auf den Steinberg bei Eichenbühl in der Gemeinde Wilhelmsthal. Viel ist dort nicht mehr üblich geblieben vom einst so üppigen Fichtenwald. Als Ursache dafür nannte Michael Schmidt, Leiter des Landwirtschaftsamte4s Kulmbach die extreme Borkenkäferplage im Frankenwald. Auslöser für die Massenvermehrung seien die heißen und trockenen Sommer der letzten Jahre gewesen. „Viele Waldflächen sind abgestorben oder werden in diesem Jahr noch absterben“, so Schmidt. Seinen Worten zufolge sind seit 2018 bereits rund fünf Prozent des Waldes im Landkreis abgestorben. Die Wiederaufforstung dieser Kahlflächen bezeichnete er als riesige Aufgabe.

Vor Ort waren auch zahlreiche Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe des Frankenwaldgymnasiums Kronach, die sich im Rahmen zweier Seminarreihen mit dem Thema beschäftigen. Sie planen die Wiederaufforstung der Kahlfläche. Gemeinsam mit dem Waldbesitzer wollen die Schüler noch im Herbst 2021 selbst mit Hand anlegen und klimatolerante Bäume pflanzen. Als mögliche Baumarten schlugen die Elftklässer unter anderem die Stieleiche, die Roteiche, die Libanon-Zeder, die korsische Schwarzkiefer vor. Das W-Seminar (früher Facharbeit) der Schüler trägt bezeichnenderweise den Namen: „SOS – Frankenwald in Not“.

Ebenfalls in der Gemeinde Wilhelmsthal liegen der Betrieb der Familie Appel und das Bioenergiedorf Effelter. Die Familie bewirtschaftet rund 300 Hektar landwirtschaftliche Fläche, wobei die Flächen auf einer Höhe zwischen 400 und 700 Meter über NN liegen. Im Stall sind 135 Milchkühe, zusammen mit der weiblichen Nachzucht kommt Betriebsleiter Ewald Appel auf rund 300 Tiere.

Zweites Standbein des Betriebes ist die Erzeugung von Strom und Wärme. Neben einer großen Photovoltaikanlage betreibt die Familie eine Biogasanlage, die über 40 Einheiten in Effelter mit Wärme versorgt. Die Anlage wurde 2002 als erste im Landkreis gebaut und 2014 erweitert. „Diese nachhaltige, klimaneutrale und kleinteilige Energieerzeugung ist wichtig. Zudem wird der Aufwuchs extensiv bewirtschafteter Wiesen genutzt. Das kommt auch der Natur zugute“, betont Behördenleiter Schmidt.

Letzte Station der Informationsfahrt war der „Daumahof“ im nahen Rechenbach. Der Biobetrieb mit Schwerpunkt Milchviehhaltung und Urlaub auf dem Bauernhof wird von der Familie Förtsch geführt. Sie bewirtschaften 150 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche und 45 Hektar Wald und halten drei Ferienwohnungen vor.

„Die Corona-Pandemie hat uns eindringlich vor Augen geführt, welche Bedeutung die Produktion hochwertiger Nahrungsmittel vor der Haustür hat“, zog Regierungspräsidentin Piwernetz am Ende ein positives Fazit. Die Leistungen der oberfränkischen Bauern zur Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen verdienten wahrlich Anerkennung.

Der Landkreis Kronach umfasst eine Gesamtfläche von über 65000 Hektar. Davon sind rund 18000 Hektar landwirtschaftliche genutzte Fläche, die Waldfläche beträgt zirka 38500 Hektar. Damit ist der Landkreis Kronach mit fast 60 Prozent Waldanteil eine der waldreichsten Landschaften in Bayern. Von den rund 700 landwirtschaftlichen Betrieben haben nur gut 100 mehr als 50 Hektar Fläche. Punkten kann der Landkreis mit dem oberfrankenweit höchsten Ökoflächenanteil von etwa 23 Prozent.

Bilder:
1.
 Der Leiter des Kulmbacher Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Michael Schmidt erläuterte der oberfränkischen Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz die Borkenkäfersituation.
2.
Auf dem Steinberg bei Eichenbühl im Landkreis Kronach hat der Borkenkäfer große Schäden angerichtet.
3.
Milchviehhaltung und Energieerzeugung stand auf dem Betrieb Appel in Effelter im Mittelpunkt.
4. Ewald Appel hat die erste Biogasanlage im Landkreis Kronach gebaut.

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23.06.2021

Üppige Bestände und wenig Schädlinge / Erzeugergemeinschaft für Qualitätsraps in Oberfranken zieht positive Bilanz

Medlitz. Draußen auf den Feldern steht ein Super-Raps und die Preise dafür sind auf einem historischen Hoch: „Rapsanbau macht wieder Spaß“. Das hat Klaus Siegelin, alter und neuer Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsraps in Oberfranken bei der Mitgliederversammlung in Medlitz bei Rattelsdorf festgestellt.

Schon die Tatsache, dass die Versammlung endlich wieder als Präsenzveranstaltung stattfinden konnte, wurde von den Mitgliedern positiv bewertet. Umso besser, dass die Bilanz auch noch durchweg positiv ausgefallen ist. „Raps ist schließlich auch eine überaus interessante Kultur und was den Klimawandel und die Energiewende angeht ein wichtiger Teil der Lösung“, so Geschäftsführer Torsten Gunselmann von der BBV-Geschäftsstelle in Bamberg.

Schon bei der Aussaat im Herbst habe alles bestens funktioniert. Fluffige Böden hätten für leichtes Arbeiten und der anschließende Regen für üppige Bestände gesorgt. Zumindest ab und zu schneebedeckte Böden im Winter und genügend Wasser im Frühjahr hätten schließlich für die wirklich guten Bestände gesorgt, so Vorsitzender Siegelin. Auch von Schädlingsseite sei die Situation deutlich besser als in den Jahren zuvor. Die Einstiche des Stängelrüsslers habe der Raps gut verkraftet und das Auftreten des Rapsglanzkäfers sei historisch gering gewesen.

Wo viel Licht ist, da gibt es natürlich auch Schatten. Nach den Worten von Geschäftsführer Torsten Gunselmann ist die Anbaufläche in Oberfranken seit 2010 von damals rund 20000 Hektar auf mittlerweile etwa 13000 Hektar zurückgegangen. Vor zwei Jahren seien es sogar nur noch cirka 10000 Hektar gewesen. Dies entspreche exakt dem europäischen Trend seit einigen Jahren. Europa sei beim Raps ohnehin auf Importe angewiesen. Der Abstand zwischen Verbrauch und Erzeugung in der EU sei derzeit so groß wie nie zuvor.

Rückläufig war schließlich auch die Mitgliederentwicklung der Erzeugergemeinschaft. Immerhin hat der Zusammenschluss noch knapp 600 Mitglieder, geringfügig weniger als noch im Jahr zuvor. Die Mitgliedschaft lohnt sich allerdings, zumal die Erzeugergemeinschaft mit einer eigenen Whats-App-Gruppe absolut auf der Höhe der Zeit ist. Dort gibt es ständig aktuelle Marktdaten und interessante Informationen über den Rapsanbau exklusiv für alle Mitglieder.

Insgesamt hatte Vorsitzender Siegelin, der auch stellvertretender Kreisobmann in Kronach ist, gehofft, dass die Landwirtschaft gestärkt aus der Pandemie hervorgeht. Doch auch wenn die Landwirtschaft als systemrelevant eingestuft worden ist, sei von den Bauerddemos nicht mehr viel übrig geblieben. Siegelin: „Ich habe gedacht, wir zählen wieder was bei der Politik, doch dem war leider nicht so.“

Bei den turnusgemäßen Neuwahlen gab es wenig Veränderungen. Vorsitzender bleibt Klaus Siegelin aus Küps, 2. Vorsitzender Jürgen Finkel aus Ummersberg bei Ebensfeld und als weiterer stellvertretender Vorsitzender wurde Jürgen Dederl aus Bayreuth gewählt. Sie alle erhielten keine einzige Gegenstimme. Für jeden Landkreis Oberfrankens hat die Erzeugergemeinschaft einen Beisitzer: Jörg Marth aus Arzberg (Landkreis Wunsiedel), Markus Koch aus Küps (Landkreis Kronach) Martin Flohrschütz, aus Lautertal (Landkreis Coburg), Christoph Seitz aus Himmelkron (Landkreis Kulmbach), Johannes Angermüller aus Lichtenfels, Markus Ziegler aus Bayreuth, Jens Körber aus Schönbrunn (Landkreis Bamberg). Neu sind Dominik Galster aus Pinzberg (Landkreis Forchheim) und Patrick Heerdegen aus Stammbach (Landkreis Hof).

Bild: Sie stehen an der Spitze der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsraps in Oberfranken (von links): Geschäftsführer Torsten Gunselmann, Vorsitzender Klaus Siegelin, 2. Vorsitzender Jürgen Finkel und der weitere stellvertretende Vorsitzende Jürgen Dederl.

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11.06.2021

"Fliegender Bauer" / Das Flurbereinigungsdenkmal in Wüstenstein

„Fliegender Bauer“ hat der Künstler Herbert Hunstein aus Haag in der Fränkischen Schweiz sein Kunstwerk genannt, das von Streitberg kommend am Ortseingang von Wüstenstein (Landkreis Forchheim) steht. Vor genau fünf Jahren hat der „Haager Schmied“ mit seiner Eisenskulptur dem damals gerade zu Ende gegangenen Flurbereinigungsverfahrens in Wüstenstein, einem Ortsteil des Marktes Wiesentthal, einen ganz besonderen Abschluss beschert. Heute ist der stilisierte Landwirt, dessen völlig veralteter Pflug ihm regelrecht aus den Händen fliegt, ein beliebtes Fotomotiv für Ausflügler und Wanderer.

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08.06.2021

Bauern sind keine Buhmänner / Botschaft des Spaßes: Virtueller Landfrauentag des BBV Bayreuth

Bayreuth. Glaube und Humor, das muss kein Widerspruch sein. Im Gegenteil: Glaube und Humor geben sich die Hand. Das hat Pfarrer Hannes Schott in seinem Referat beim ersten Online-Landfrauentag für Bayreuth und Pegnitz festgestellt. Ähnlich ist es mit dem Thema der Landfrauenarbeit in diesem Jahr. „Richtig gut leben“ lautet das Generalthema. Doch wie soll das gehen, in Zeiten einer Vielzahl von Vorwürfen gegen die Landwirtschaft.

„Die Bauern sind bei allem die Buhmänner“, sagte Kreisbäuerin Angelika Seyferth. Sie sprach von einer „ganz harten Zeit“. Viele Betriebe stünden in den kommenden Monaten vor dem Aus. Als einen Grund dafür nannte sie das angekündigte Verbot der Anbindehaltung. „Viele fragen sich wie soll es weitergehen“, so Seyferth.

Doch sie hatte nicht nur negative Botschaften. Corona habe gezeigt, dass die Landwirte systemrelevant sind. Deshalb konnten sie auch der Arbeit nachgehen und gerade als Direktvermarkter seien sie gefragt gewesen. Es habe sich auch herausgestellt, dass die Forderung nach einem eigenen Schulfach Alltagskompetenzen richtig ist. Denn gerade in Zeiten von Lockdown und Homeoffice habe zum Beispiel das Kochen zu Hause wieder einen ganz neuen Stellenwert erfahren.

„Es ist dringend notwendig, dass auch die Kirche wieder mehr Freude und Spaß zeigt“, sagte Pfarrer Hannes Schott, der heute an der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Jakob in Nürnberg tätig ist, den aber viele noch aus seiner Zeit an der Katharina-von-Bora-Kirche in Bayreuth-Meyernberg kannten. Schott weiß, wovon er spricht, wurde er doch besonders durch seine humorvollen Andachten auf Radio Mainwelle, seine Mitwirkung beim Kirchenkabarett „Zammgebicht“ und seine Buchveröffentlichungen auch einem breiten Zuhörerkreis bekannt.

Der Glaube trage durch schwere Zeiten, sagte Schott, der aus Heinersreuth stammt. Deshalb wäre auch vieles leichter, wenn die Kirche etwas lockerer wäre. Jesus sei ein froher und freundlicher Mensch gewesen, auch wenn er, geprägt von Passion, Karfreitag und Kreuzestod, meist ernst dargestellt wird. Nicht umsonst sei ja von der frohen Botschaft die Rede.

Zahlreiche Grußwortredner hatten sich zu den rund 60 Teilnehmern des virtuellen Landfrauentages eingeklinkt. Sie alle drückten den Landfrauen ihre Anerkennung aus und bedankten sich dafür, dass der Landfrauentag trotz Corona stattfinden konnte. Landfrauen hätten viel mehr Wertschätzung verdient, so der Bundestagsabgeordnete Thomas Hacker. Leben auf dem Land bedeute vor allem auch Bodenständigkeit, Verwurzelung und Tradition, so die Abgeordnete Silke Launert.

Landfrauen hätten sich schon immer neuen Herausforderungen stellen müssen und dies auch erfolgreich getan, so Landrat Florian Wiedemann. Er betonte besonders die starke Funktion der Landwirtschaft als Bewahrer unserer Naturschönheiten. „Sie tragen dazu bei, dass unser schöner Landkreis Bayreuth so liebenswert erhalten wird, wie er ist“, so Wiedemann zu den Landfrauen. Bayreuths zweiter Bürgermeister Andreas Zippel würdigte die Landfrauen als einen der größten Verbände im ländlichen Raum. Die Landfrauen schafften es scheinbar problemlos, Alltag, Familie, Beruf und Ehrenamt unter einem Hut zu bringen.

Christa Reinert-Heinz vom Amt für Landwirtschaft erinnerte daran, dass die Ämter Bayreuth und Münchberg zum 1. Juli zusammengelegt werden. Der Dienstbetrieb gehe jedoch wie gewohnt weiter, versicherte sie, und auch die Landwirtschaftsschulen sollen erhalten bleiben. Im September werde in Bayreuth außerdem ein neues Semester Hauswirtschaft starten.

„Wenn wir richtig gut leben wollen, müssen wir auch deutlich machen, wo uns der Schuh drückt in der Landwirtschaft. Nur so können wir Veränderungen bewirken“, sagte Landesbäuerin Anneliese Göller. Landfrauen seien mit verantwortlich für den Betrieb und leisteten einen großen Beitrag. Deshalb rief sie alle ihre Berufskolleginnen auf, am Ball zu bleiben und Themen mitzugestalten.

Statt des Bayreuther Landfrauenchores, der bislang alle Landfrauentage musikalisch umrahmt hatte, spielte Corona-bedingt diesmal Alleinunterhalter Siggi Stadter auf und schaffte es, auch online für Stimmung zu sorgen.

Bild: Botschafter des Spaßes: Pfarrer Hannes Schott beim virtuellen Bayreuther Landfrauentag.

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28.05.2021

Wichtiger Betrag zum Klimaschutz / Anbaufläche und Preise ziehen wieder an: Raps bleibt attraktive Marktfrucht für fränkische Betriebe

Ebensfeld. Der erste Eindruck täuscht: Auch wenn so viele Felder leuchtend gelb blühen, Raps ist auf dem absteigenden Ast. Wurde vor zehn Jahren in Oberfranken noch auf rund 21000 Hektar Raps angebaut, waren es vor zwei Jahren nur noch 9800 Hektar. Auch wenn es derzeit wieder bergauf zu gehen scheint und bezirksweit immerhin bereits wieder auf fast 14000 Raps zu finden ist, suchen viele Bauern verstärkt nach Alternativen. Das hat Klaus Siegelin, Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsraps in Oberfranken und stellvertretender BBV-Kreisobmann von Kronach, bei einem Pressetermin auf Gut Ummersberg bei Ebensfeld im Landkreis Loichtenfels festgestellt.

Die Gründe für den Rückgang sind vielschichtig. An erster Stelle steht dabei nach den Worten Siegelins der Preisverfall. Dazu kämen die schlechten Ernten aufgrund der Trockenheit in den zurückliegenden Jahren und auch das fehlende Verständnis in der Bevölkerung, dass Raps so intensiv bearbeitet werden muss. Siegelin bedauerte, dass die nur noch eingeschränkten Möglichkeiten im Pflanzenschutz den Rapsanbau unattraktiv gemacht hätten.

Immerhin in Sachen Preis hatte Torsten Gunselmann, Geschäftsführer der gut 600 Mitglieder starken Erzeugergemeinschaft, gute Nachrichten. Waren es zuletzt nur mehr 35 bis 36 Euro pro Doppelzentner, könnten die Bauern heuer mit rund 50 Euro rechnen. „Damit ist und bleibt Raps eine interessante und wirtschaftliche Marktfrucht für viele fränkische Betriebe“, so Gunselmann. Zurückzuführen ist der bessere Preis sowohl auf zu erwartende globale Nachfragesteigerungen als auch auf die höheren Erträge, mit denen Experten aktuell rechnen.

Grundsätzlich komme Raps sehr gut mit den klimatischen Bedingungen und Standortvoraussetzungen in Oberfranken zurecht, sagte Gunselmann. Allerdings hätten viele Tierhalter aufgrund der Trockenheit die schlechten Erträge im Futterbau durch eine Reduzierung des Rapsanbaus ausgleichen müssen. Dennoch bleibe der Raps in vielen Betrieben ein wichtiger Bestandteil der mehrgliedrigen Fruchtfolge. Zum einen sorge der Raps mit seiner tiefen Wurzelbildung für eine gute Durchlüftung und Lockerung des Bodens, zum anderen werde die biologische Aktivität des Bodens gefördert und der Verbleib von Wurzeln und Stroh auf den Äckern rege die Humusbildung an.

Raps gilt weltweit als eine der wichtigsten Ölpflanzen nach Palm und Soja. Der Großteil des Rapses werde zu Biodiesel verarbeitet und spare so über 50 Prozent der Treibhausgasemission Vergleich zu fossilen Kraftstoffen ein. „Damit ist Raps ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz“, so der Lichtenfelser Kreisobmann Michael Bienlein. Neben der Verwendung als technisches Öl wird Rapsöl auch in der Lebensmittelherstellung genutzt und in der wohl bekanntesten Form als Speiseöl angeboten. Darüber hinaus fällt bei der Erzeugung von Biokraftstoff der Pressrückstand an, der als wertvolles gentechnikfreies Eiweißfuttermittel in der Rinder- und Schweinehaltung Verwendung findet.

Aufgeteilt auf die Landkreise sind die meisten Rapsfelder im Landkreis Bamberg gefolgt von den Landkreisen Lichtenfels und Hof zu finden. Den idyllisch gelegenen Gutshof Ummersberg mit Rindermast und Ackerbau betreibt die Familie Finkel seit 1964. Zum Gut gehören 400 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche im Umkreis von zehn Kilometern Luftlinie. Auf einem Viertel wird Raps angebaut. „Raps hat auf unserem Betrieb seit jeher einen hohen Stellenwert“, sagt Junior Jochen Finkel. Auf den anderen Flächen Zuckerrüben, Mais, Winterweizen und Wintergerste. Auch 20 Hektar Grünland gehören dazu. Außerdem betreibt die Familie Photovoltaikanlagen und bietet Urlaub auf dem Bauernhof an. Auf dem Betrieb sind   neben der Familie zwei festangestellte Vollzeitkräfte tätig.

Bild: Ortstermin an einem blühendem Rapsfeld auf Gut Ummersberg (von links): Juniorchef Jochen Finkel, Adolf Ruff vom Amt für Landwirtschaft Coburg, EZG-Vorsitzender Klaus Siegelin, Seniorchef Jürgen Finkel, EZG-Geschäftsführer Torsten Gunselmann und Kreisobmann Michael Bienlein.

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20.05.2021

Dialogforum an der Uni Bayreuth: „Kampf ums Wasser“ / Fachleute und Praktiker diskutierten über Trockenheit in Franken – Wasser in der Fläche halten

Bayreuth. Einen Paradigmenwechsel im Gewässermanagement haben mehrere Teilnehmer einer Podiumsdiskussion zum Thema „Zu wenig, zu warm: Niedrigwasser in Bächen und Flüssen“ gefordert. Die Ämter für Wasserwirtschaft und die Ämter für Landwirtschaft sollten dabei künftig verstärkt zusammen und nicht gegeneinander arbeiten, so lautete eine der Forderungen. „Wir müssen sämtliche Akteure zusammenbringen, um Lösungen zu fordern“, sagte der Hydrogeologe Jürgen Geist vom Wissenschaftszentrum Weihenstephan.

Die online durchgeführte Podiumsdiskussion war zugleich der Auftakt für das „Dialogforum Wasserkontroversen“ an der Universität Bayreuth. Dabei wollen Fachleute aus Wissenschaft und Praxis künftig die Herausforderungen diskutieren, die der Klimawandel rund ums Wasser mit sich bringt und zu deren Lösung es immer wieder kontroverse Positionen gibt. „Das Thema Niedrigwasser gilt schließlich als einer der wichtigsten Aspekte des Klimawandels“, so Frauke Preißinger vom Bayerischen Wissenschaftsministerium.

Die Lage ist bekannt: Drei trockene Jahre in Folge haben im fränkischen Wasserhaushalt ihre Spuren hinterlassen. Davon zeugen gesunkene Grundwasserpegel, Niedrigwasser in vielen Bächen und Flüssen und ausgetrocknete Quellen. Professor Stefan Pfeiffer vom Lehrstuhl für Hydrologie an der Universität Bayreuth bezeichnete die in Nordbayern besonders ausgeprägte zunehmende Trockenheit und den Rückgang der Quellschüttungen als alarmierend. Die trockenen Sommer der zurückliegenden Jahre hätten vielfältige Auswirkungen auf Felder und Wälder, auf Bäche und Flüsse und damit immer auch auf das Grundwasser.

 „Schädigen wir das Wasser, schädigen wir uns“. Auf diesen gemeinsamen Nenner brachte Isabella Hirsch, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft in Franken die Problematik. In Franken, wo das Wasser seit jeher ein knappes Gut ist, sei die Landwirtschaft von den Folgen ganz besonders betroffen. Isabella Hirsch bewirtschaftet mit ihrer Familie einen landwirtschaftlichen Betrieb bei Feuchtwangen. Sie befürchtet, dass irgendwann der „Kampf ums Wasser“ kommen wird. Für Kontroversen werde in vielen Fällen die Frage sorgen, wer bei Niedrigwasser das verbleibende Wasser in Bächen und Flüssen für welche Zwecke nutzen darf, zum Beispiel zum Bewässern von Gemüseplantagen oder Obsthainen.

„Der Zustand des Wasserhaushalts ist dramatisch“, sagte Sebastian Schönauer, langjähriger Sprecher des Arbeitskreis Wasser im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und stellvertretender BN-Landesvorsitzender. Er sah dringenden Handlungsbedarf, vor allem, wenn es um die Rückhaltung der Gewässer in der Landschaft geht. Während man das Wasser früher aus der Landschaft über Gräben und Drainage abfließen ließ, müsse man es heute wieder in der Landschaft halten.

Die Reihe „Wasserkontroversen“ an der Universität Bayreuth soll in den kommenden Monaten mit weiteren Veranstaltungen fortgesetzt werden.

Bild: Teiche, wie der Nassanger Weiher bei Trieb im Landkreis Lichtenfels, werden immer wichtiger, denn sie halten das Wasser in der Fläche.

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12.05.2021

Mit Comics gegen Futterverschmutzung / Mit Schildern appellieren Landwirte an die Vernunft der Hundeführer

Melkendorf. Wer kennt sie nicht, die Tretminen auf den Gehwegen. Ein ganz besonderes Problem haben Landwirte mit den Hinterlassenschaften von Vierbeinern. Mit einer pfiffigen Idee macht derzeit der Bauernverband in Melkendorf bei Kulmbach alle Hundebesitzer darauf aufmerksam, dass Hundekot im Grünland schnell zu eine großen Problem werden kann.

 „Wir wollen die Hundebesitzer nicht angreifen“, sagt Manuela Berthold. Sie hat die Schilder zusammen mit ihrem Mann Stefan, der zugleich stellvertretender BBV-Ortsobmann ist, entworfen. Unter dem Motto „Nimm´s mit - bleib fit!“, weisen die Schilder in Form eines kurzen Comic-Strips auf das Problem der Futterverschmutzung durch Hundekot hin. Unterhaltsam und ohne erhobenen Zeigefinger werden die Gefahren schwerer Erkrankung bei Kühen aufgezeigt, wenn sich im Grünfutter Hinterlassenschaften von Hunden befinden. Besser ist es, die Tretmine im Beuten aufzusammeln und an geeigneter Stelle zu entsorgen, lautet die Botschaft.

Der Hundekot kann beim Mähen ins Heu oder in die Silage gelangen. Fressen Kühe die verdorbenen Futterbestandteile mit, können damit auch Erreger wie Salmonellen oder den Hundebandwurm aufgenommen werde. Das führt in der Regel zu Verdauungsstörungen oder Euterentzündungen bis hin fütterungsbedingte Totgeburten.

 „Das Problem ist nicht neu“, sagt Ortsobmann Hermann Grampp. Immer wieder gebe es entsprechende Vorkommnisse. Man habe sich deshalb entschlossen, mit Hilfe der witzigen Schilder an die Vernunft der Hundehalter zu appellieren. Acht großformatige Schilder wurden bislang entlang einiger Wiesen und Felder westlich von Kulmbach aufgestellt. Realisiert wurde das Ganze mit Hilfe der Kulmbacher Firma FH Werbetechnik, die Kosten hat der Bauernverband übernommen.

Nicht nur Hundehalter sollen sich dabei angesprochen fühlen, auch Spaziergänger und Wanderer seien aufgerufen, ihren Müll wieder mitzunehmen, so BBV-Geschäftsführer Harald Köppel. „Wenn plötzlich Cola-Dosen in der Silage auftauchen, wird es für die Bauern schwierig“, so Köppel. Er hofft, dass die Schilder zum Stehenbleiben und zum Nachdenken anregen.

BiId: BBV-Geschäftsführer Harald Köppel, sowie die Landwirte Hermann Grampp, Stefan und Manuela Berthold (von links) weisen rund um Kulmbach mit großformatigen Schildern auf die Problematik der Futterverschmutzung durch Hundekot hin.

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28.04.2021

Wolf oder Weidetierhaltung / Angst vor weiteren Rissen – Schutzstatus absenken / Online-Diskussion oberfränkischer Landwirte mit Ministerin Kaniber

Bayreuth. Die Wolfsrisse bei Betzenstein beschäftigen die Landwirte in Oberfranken derzeit wie kein anderes Thema. Kaum ein Redner, der sich bei einer von der Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer initiierten Online-Konferenz mit Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber nicht zum Wolf äußerte.

Eines wurde dabei klar: es muss dringend eine Lösung her. Andreas Weidinger, Landwirt aus Weidensees bei Betzenstein hat beispielsweise Angst um seinen Milchviehbetrieb. Eine wolfssichere Einzäunung, so hat er es errechnen lassen, würde ihm rund 100000 Euro kosten. Wenn die Gesellschaft den Wolf will, müssen wir das irgendwie schultern können“, sagte er. Dabei ist längst nicht erwiesen, ob die Einzäunung überhaupt etwas nützt. Ein 30 Zentimeter tiefer Untergrabungsschutz spiele für den Wolf keine Rolle. „Da gräbt er sich locker durch“, sagte Christian Leißner aus Riegelstein. Er ist einer der betroffenen Landwirte, in seinem Damwildgehege sind vor wenigen Wochen sieben Tiere, im benachbarten Illafeld 18 Tiere dem Wolf zum Opfer gefallen. Auch die geforderte Höhe von zwei Metern für einen Schutzzaun zweifelt Leißner an, weil der Wolf da ohne weiteres drüber springen könnte. „Bei uns läuft der Wolf mittlerweile kreuz und quer durch die Gegend, sogar tagsüber“, so der betroffene Landwirt.

„Auf der einen Seite will man die Weidetierhaltung, auf der anderen Seite will man den Wolf“, übte Ministerin Kaniber Kritik an der doppeldeutigen Haltung in weiten Teilen der Gesellschaft. Sie plädierte unter anderem für ein europaweites Wolfsmonitoring, denn schließlich mache der Wolf ja nicht vor Grenzen halt. Darüber hinaus müsse der Schutzstatus des Wolfes abgesenkt werden, um weitere Entnahmen herbeizuführen, denn schließlich könne man in vielen Lagen Bayerns gar keine Zäune errichten. Kaniber gab aber auch zu bedenken, dass übergriffige Wölfe schon jetzt entnommen werden könnten.

Ein Reizwort für viele Bauern ist, und auch das wurde bei der Konferenz wieder einmal deutlich, der Begriff Tierwohl. „Wir haben beste Betriebe, die alle wahnsinnig viel Geld investiert haben“, sagte Hans Engelbrecht. Mit völlig überzogenen Forderungen habe man bereits die Hühnerhaltung aus Deutschland heraus in andere Länder vertrieben, bei den Schweinen sei man gerade dabei und mit dem Verbot der Anbindehaltung drohe dieses Schicksal auch der Milchviehhaltung. „Da haben viele die Schnauze voll und hören auf“, sagte Engelbrecht.

Damit das nicht passiert, benötigten die Bauern Planungssicherheit für die nächsten zehn bis 15 Jahre, so Jens Pöhlmann, 24 Jahre jung und frischgebackener Landwirtschaftsmeister. Er investiere gerade eine beträchtliche Summe in einen neuen Milchviehstall und da sei es Voraussetzung, dass die derzeitigen Auflagen Bestand haben. Keinesfalls dürfe das Hamsterrad mit immer neuen Anforderungen immer schneller gedreht werden, wie es Reinhard Sendelbeck vom Maschinenring Bayreuth-Pegnitz formulierte.

„Wir wollen so viele bäuerliche Betriebe wie möglich in die Zukunft führen“, sagte Kaniber und versprach für menschliche und wirtschaftlich gute Rahmenbedingungen zu kämpfen. Sie gab aber auch zu bedenken, dass letztlich der Verbraucher an der Ladentheke die Entscheidung treffe und dass man sich einem gewissen gesellschaftlichen Wandel stellen müsse. Der Fleischkonsum gehe insgesamt zurück, alternative Nahrungsmittel nähmen eher zu.

Heftige Kritik gab es in der Diskussion auch an der weiter fortschreitenden Konzentration des Lebensmitteleinzelhandels. Er könne die Entscheidung des Bundeskartellamtes nicht nachvollziehen, nach der Edeka nun auch einen Teil der Real-Märkte übernehmen darf, so Markus Täuber aus Hollfeld, der eine weitere Monopolstellung befürchtete. Das Kartellamt arbeite allerdings autonom, entgegnete Ministerin Kaniber. Da seien der Politik die Hände gebunden.

Sie verfolge derzeit allerdings einen anderen Ansatz, in dem sie sich zusammen mit dem Lebensmitteleinzelhandel für Produkte aus dem Freistaat stark machen möchte. So soll ein Modellprojekt des Discounters Lidl mit einem eigenen Bayern-Regal aufgrund seines großen Erfolges nun auf den gesamten Freistaat ausgedehnt werden.

„Ich kämpfe für Bayern“, so Kaniber, die den Landwirten gerade in der Krise höchste Anerkennung zollte. Die Sorge, dass Lieferketten abreißen und die Lebensmittelversorgung in Gefahr gerät, sei aufgrund der großen Leistung der bayerischen Landwirte völlig unbegründet gewesen

Bild: Online-Konferenz mit der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber.

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23.04.2021

Terra Preta aus Thurnau / Bionero produziert schwarze Wundererde – Abgeordnete Brendel-Fischer besuchte Unternehmen im Kulmbacher Land

Thurnau. Die Wiederentdeckung der schwarzen Wundererde „Terra Preta“ hat ihren Anfang in Oberfranken genommen. Hier waren Vater Uwe und Sohn Aaron Saßmannshausen zusammen mit dem aus dem Fichtelgebirge stammenden Bodenbiogeochemiker Bruno Glaser zum ersten Mal auf das Thema gekommen. Heute wird die nach dem Vorbild der Amazonas-Ureinwohner gefertigte Erde industriell in Thurnau hergestellt. Gebrauchsfertig bekommt man sie in (fast) jedem Bau- und Gartenmarkt. Damit werden Ökonomie und Ökologie sinnvoll verbunden, sagte die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer bei einem Besuch auf dem Firmengelände im Industriegebiet von Thurnau.

Bionero heißt das Unternehmen, das aus biogenen Reststoffen und Holzhackschnitzeln hochwertige Pflanzenkohle herstellt und zu fruchtbaren Schwarzerden verwandelt. Ursprünglich wollte der geschäftsführende Gesellschafter Aaron Saßmannshausen seine Mutter in deren Pensionspferdestall bei Eckersdorf bei der Entsorgung des Pferdemistes unterstützen. Wegen zahlreicher düngerechtlicher Verschärfungen war die Entsorgung des Mistes ab 2016 in allen landwirtschaftlichen Betrieben zu einem sehr sensiblen Thema geworden. Neben der Suche nach einer technischen Entsorgungslösung wollte er die wertvollen Inhaltsstoffe des Pferdemistes erhalten und in die natürlichen Stoffkreisläufe zurückzuführen. Aber auch der sich schon damals abzeichnende gesellschaftliche Wandel im Sinne von Ökologie und Nachhaltigkeit habe im Mittelpunkt seiner Überlegungen gestanden.

So war Saßmannshausen 2016 auf die beiden Themen „Pflanzenkohle“ und „Terra Preta“ gestoßen. Bereits im 16. Jahrhundert hatten spanische Pioniere von einer florierenden Hochkultur im Amazonas berichtet, die ihre mehreren 100000 Einwohner durch eine üppige Landwirtschaft ernährte, obwohl das Gebiet vorwiegend aus ausgewaschenen und nährstoffarmen Tropenböden bestand.

Erst im 20. Jahrhundert konnte das Geheimnis um die fruchtbare „Terra Preta“ (portugiesisch für „schwarze Erde“) schließlich gelüftet werden. Wissenschaftler identifizierten bei der Entschlüsselung als den wesentlichsten Wirk- und Inhaltsstoff eine Pflanzenkohle, die auch für die tiefschwarze Färbung der Erde verantwortlich ist. Mit einer spezifischen Oberfläche von bis zu 800 Quadratmeter pro Gramm kann die Pflanzenkohle wie eine Art Superschwamm Wasser, Nährstoffe sowie Mikroorganismen speichern und gibt die Speicherstoffe wieder an die Pflanze ab, wenn diese sie abruft. Diese Eigenschaften haben dazu geführt, dass Terra Preta heute als „wiederentdeckte Wundererde“ bezeichnet wird.

Aus Liebe und der Ehrfurcht zur Natur entwickelte Saßmannshausen mit Hilfe von Professor Bruno Glaser, der 1999 an der Universität Bayreuth promoviert hatte und der heute an der Universität Halle-Wittenberg lehrt, ein hochmodernes, industrialisiertes Pyrolyseverfahren, das aus biogenen Reststoffen und Holzhackschnitzeln eine höchstwertige Pflanzenkohle herstellt. Glaser gilt heute in Fachkreisen als Pionier der schwarzen Wundererde. Die Pflanzenkohle wird in weiteren Verarbeitungsschritten veredelt und reift zu einem hochwirksamen und gebrauchsfertigen Kultursubstrat, das die Qualität der „Ur-Terra Preta“ sogar noch übertrifft, sagt Prof. Glaser. „bionero‘s Bio-Aktiverde“ ist damit die erste und einzige industriell hergestellte gebrauchsfertige Terra Preta in Deutschland.

Gerade im Hinblick auf die Düngeverordnung sieht die Abgeordnete Gudrun Brendel-Fischer bei einer möglichen Erweiterung großes Potenzial für Landwirte aus der Region. Bionero sei ein vorbildliches innovatives Unternehmen, das den Grundgedanken der Nachhaltigkeit beispielhaft verwirklicht habe.

Bild: Die beiden Bionero-Geschäftsführer Aaron und Uwe Saßmannshausen zeigen der Abgeordneten Gudrun Brendel-Fischer wie die schwarze Wundererde produziert wird.

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06.04.2021

Nudeln und Bier aus der Dicken Trespe / Pilotprojekt an den Landwirtschaftlichen Lehranstalten: Back und Braueigenschaften einer vergessenen Sorte

Bayreuth. Ihr Name klingt so, als hätte sie Wilhelm Busch für eine seiner Bildergeschichten erfunden. Doch die seltene Dicke Trespe (Bromus grossus) heißt wirklich so. Im Gegensatz zu anderen Trespenarten ist sie bei weitem kein Unkraut, sondern eine uralte, schon in der Steinzeit kultivierte und noch im Mittelalter genutzte Grasart, die im 20. Jahrhundert nahezu völlig verschwunden war. Pedro Gerstberger, bislang am Lehrstuhl für Pflanzenökologie an der Universität Bayreuth tätig, führt derzeit mit den Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks Oberfranken, dem Kulmbacher Lebensmittelhersteller IREKS und dem Uni-Lehrstuhl für Bioprozesstechnik ein Forschungsprojekt durch , in dem die Dicke Trespe erstmals auf Back- und Bierbraueigenschaften untersucht wird. Gefördert wird das Projekt von der Oberfrankenstiftung.

Angefangen habe alles mit der Roggentrespe (Bromus secalinus), so Gerstberger. Bei einem Testbrauverfahren mit der Verwendung von Gerste und Roggentrespe, habe man immerhin 40 Liter Bier brauen können, das ähnlich wie ein Weizenbier geschmeckt habe. Dann startete Gerstberger einen Versuch mit der kurz vor dem Aussterben stehenden Dicken Trespe. Von Art-Erhaltungskulturen aus den Botanischen Gärten in Bonn und Frankfurt erhielt er eine Handvoll Körner, die er fachgerecht vermehrte und das gewonnene Saatgut, immerhin vier Kilogramm, auf einer Fläche von 1300 Quadratmetern auf dem Gelände der Lehranstalten ausbrachte. Im zweiten Jahr habe der Ertrag dann bereits bei einer halben Tonne gelegen. Geerntet wurde mit einem kleinen Parzellenmähdrescher im vergangenen Sommer durch das oberfränkische Versuchswesen beim AELF.

Gerstberger zufolge erreichen die Körner der Trespe die Größe von primitiven Getreidearten. Sie fallen nach der Reife nicht aus der Rispe, wie bei Wildgräsern, sondern verbleiben an der Pflanze und können so ohne Verluste geerntet werden. Zudem erfolge die Keimung rasch und die Keimungsrate sei sehr hoch, was besonders wichtig für die Mälzung der Körner ist.

Das Besondere an der Trespe ist, dass sie im 20. Jahrhundert infolge der modernen Reinigung des Getreide-Saatgutes nahezu völlig verschwunden war und einheimische Vorkommen mittlerweile extrem selten sind. „Es ist zu befürchten, dass sie gänzlich ausstirbt“, so Gerstberger. Durch die FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat) und durch die Bundesartenschutzverordnungsind Wildvorkommen der Trespe mittlerweile geschützt.

Ähnlich wie beim Roggen entwickelte sich die Trespe aus einer Wildart durch die Jahrtausende lange Inkulturnahme und unbewusste Auslese durch den Menschen. „Die Dicke Trespe hat es fast zu einem Getreide geschafft´, indem sie sich an die besonderen Bedingungen des Ackerbaus und der nachfolgenden Ernte angepasst hat“, erläutert Gerstberger. Am besten sei die Trespe noch mit Hafer vergleichbar. Der Wissenschaftler rechnet mit einem Ertrag von gut 40 Doppelzentner pro Hektar. Doch bis es soweit ist, müsse man erst einmal herausfinden, was man mit der Trespe eigentlich alles anstellen kann.

Ziel der Studie sei es deshalb, Back-Versuche mit einem gewissen Anteil an Trespenmehl durchzuführen. Da das Korn nicht viel Stärke besitzt, habe sich der Prozess des Mahlens bislang schwieriger als gedacht gestaltet. Aufgrund des hohen Proteingehalts der Körner wäre allerdings auch die Herstellung von Nudeln möglich. Darüber hinaus sollen im Lehrstuhl für Bioprozesstechnik an der Universität Bayreuth Biersorten gebraut und mit unterschiedlichen Anteilen des Trespenmalzes zum Gerstenmalz geschmacklich bewertet werden. Gleichzeitig laufen auf der produktionsbiologischen Seite auch Züchtungsanstrengungen, die zum Ziel haben, die Körnerzahl pro Pflanze zu erhöhen. Damit sollen letztlich Erkenntnisse gewonnen und Nutzungsmöglichkeiten erkundet werden, um die Trespe vor dem völligen Aussterben zu bewahren und sie wieder einer landwirtschaftlichen Nutzung zuzuführen.

„Jede Art, die verschwindet, ist ein unwiederbringlicher Verlust“, sagt Volker Höltkemeyer, Leiter der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth. Gerade in Zeiten des Klimawandels müsse man sich dies immer wieder vor Augen führen. Die Zusammenarbeit mit der Universität habe eine gute Tradition, vor allem Wissenschaftler aus verschiedenen Fachbereichen seien immer wieder auf dem Gelände tätig. Nicht zuletzt habe Pedro Gerstberger hier auch bereits vor Jahren erste Anbauversuche mit der Energiepflanze Silphie gestartet.

Bilder:
1.
Noch am besten mit Hafer zu vergleichen: Die seltene Dicke Trespe (Bromus grossus) ist alles andere als Unkraut.
2.
Mit einem Parzellenmähdrescher des AELF wurde die Dicke Trespe im zurückliegenden Sommer auf dem Gelände der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth geerntet.

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29.03.2021

Erfolgreiche Arbeit trotz Corona / Maschinen- und Betriebshilfsring Kulmbach zog überwiegend positive Bilanz

Kulmbach. Eine überwiegend positive Bilanz ziehen die Verantwortlichen beim Maschinen- und Betriebshilfsring Kulmbach über das zurückliegende Jahr. Zwar seien die geleisteten Stunden sowohl bei der klassischen sozialen Betriebshilfe als auch bei der wirtschaftlichen Betriebshilfe zurückgegangen, jedoch habe man den Verrechnungswert bei der Maschinenvermittlung steigern können, so Geschäftsführer Werner Friedlein.

Bei der sozialen Betriebshilfe musste der Maschinenring einen Rückgang im Verrechnungswert von knapp 189000 Euro im Jahr 2019 auf gut 143000 Euro im zurückliegenden Jahr hinnehmen. Auch die wirtschaftliche Betriebshilfe war rückläufig, und zwar von über 200000 Euro in 2019 auf 176000 Euro in 2020. Für den Maschinenring Kulmbach sind aktuell zwei Dorfhelferinnen, vier hauptberufliche Betriebshelfer über das Evangelische Bildungszentrum Hesselberg, drei selbst eingestellte Kräfte und ein selbstständiger Betriebshelfer tätig. Im Kulmbacher Büro sind mit Geschäftsführer Friedlein vier Personen beschäftigt.

Steigende Zahlen konnte der Ring bei den Maschineneinsätzen verbuchen. Insbesondere die Bereiche Futter- und Strohernte, Landschaftspflege sowie Körnerernte und Aufbereitung sowie die Vermittlung von Schleppern verbuchten höhere Einsatzzahlen. Der Verrechnungswert bei den Maschineneinsätzen stieg leicht von 2,5 auf 2,6 Millionen Euro.

Eine Besonderheit in Kulmbach ist der Betrieb von Sammel- und Kompostierungsplätzen für Rasen- und Strauchschnittgut aus dem privaten Haus- und Gartenbereich unter der Regie des Maschinenrings. Die gesammelte Menge konnte 2020 um rund 5000 auf 47000 Kubikmeter gesteigert werden. „Wahrscheinlich haben viele Menschen aufgrund der Corona-Situation verstärkt im eigenen Garten gearbeitet“, so Friedlein. Seit Beginn der Gartenabfall- und Grüngutsammlung kommt Friedlein auf eine Menge über 1,1 Millionen Kubikmeter. Beim „Kulmbacher Kompostmodell“ geht es darum, Grüngutabfälle auf kurzem Weg wieder in natürliche Kreisläufe zurückzuführen. Dazu werden die Mengen zerkleinert und zur Heißrotte auf Mieten aufgesetzt. Danach werden die Mengen zu einem großen Teil wieder einer landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt.

Insgesamt sei die Arbeit aufgrund der Corona-Situation nicht unbedingt einfacher geworden, sagt Mitarbeiter Horst Dupke. Die Hilfestellung bei der Bearbeitung von Anträgen, wie dem Mehrfachantrag, sei in der Regel online oder telefonisch erfolgt. Schulungen, Lehrgänge und Veranstaltungen seien praktisch komplett ersatzlos gestrichen worden. Aufgrund der anstehenden Neuwahlen haben es Friedlein und Dupke aber noch nicht aufgegeben, eventuell im Herbst eine Mitgliederversammlung im Präsenzmodus durchführen zu können.

Stattgefunden hatte dagegen der traditionelle Pflanzenbautag unter Federführung des Maschinenrings auf der Sorten-Demoanlage in Lopp bei Kasendorf. Allerdings anders als gewohnt. Alle Interessierten konnten sich mit bereitgestellten Handzetteln und über Schaukästen über die Feldversuche mit den verschiedensten Getreidearten informieren. Der Aufwand hat sich gelohnt, sagt Friedlein, der von mindestens 60 Interessierten Landwirten aus der Region ausgeht, die vor Ort waren.

Ausgezeichnet wurde der MR Kulmbach für seine herausragenden Anstrengungen im Bereich der Agrarfoliensammlung, die trotz Corona im zurückliegenden Herbst durchgeführt werden konnte. Über 30 Tonnen Folien kamen dabei zusammen. Dafür gab es das Klimaschutz-Zertifikat der entsprechenden Verbände. Durch die Zuführung des Materials zum Recycling seien rechnerisch 34600 Kilogramm Treibhausgase eingespart worden, dies entspreche den Treibhausemissionen, die knapp 2500 Bäume in Euro pro Jahr binden.

Hervorragend laufe auch die Zusammenarbeit mit dem gewerblichen Tochterunternehmen Maschinenring Oberfranken Mitte (OMI), zu dem neben Kulmbach auch die Ringe Bayreuth und Fränkische Schweiz gehören. Kulmbach sei dabei mit einem guten Marktsegment im Bereich des Winterdienstes vertreten. Auch die Nachfrage nach Grünpflege nehme derzeit zu. Dazu kommen die Unkrautbekämpfung mit Heißwasser, die Klauenpflege und die Baumbearbeitung.

Der Maschinen- und Betriebshilfsring Kulmbach hat aktuell 852 Mitglieder, vier weniger als noch im Jahr zuvor. Sie alle bewirtschaften eine Fläche zusammen 27171 Hektar (Vorjahr 27680).

Bild: Auf ein gemischtes Jahr blicken Werner Friedlein (links) und Horst Dupke vom Maschinen- und Betriebshilfsring Kulmbach zurück.

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24.03.2021

Berg- und Talfahrt: Holzmenge angestiegen, Umsatz eingebrochen / WBV Hollfeld will weiter investieren – Angespannte Lage bei der Pflanzenvermittlung

Hollfeld. Die Situation ist bei allen Waldbesitzervereinigungen die gleiche: die Menge des vermarkteten Holzes ist gewaltig angestiegen, gleichzeitig sind die Erlöse immens eingebrochen. Schuld daran sind Corona und der Borkenkäfer. Ganz besonders hat es die WBV Hollfeld mit ihren knapp 1600 Mitgliedern aus den Landkreisen Bamberg, Bayreuth und Kulmbach erwischt. „Der Umsatz hat rapide abgenommen und ist um etwa ein Drittel eingebrochen“, sagt der Vorsitzende Christian Dormann. Gleichzeitig sei die Menge des für die Mitglieder vermarkteten Holzes von rund 25000 auf etwa 30000 Festmeter angestiegen.

„Es war kein schönes Jahr“, blickt der Vorsitzende auf 2020 zurück. „Den Wald zu Grabe zu tragen, das ist eigentlich nicht das, was wir wollen“, so Dormann. Eine Berg- und Talfahrt habe es ja schon immer gegeben, aber nicht so extrem.

Mehr als 90 Prozent der vermarkteten Holzmenge seien Fichten gewesen, über zwei Drittel davon Schadholz. Doch manche Säger hätten gar nicht mehr unterschieden zwischen Käferholz und gesunden Bäumen. Stattdessen hätten sie nur mehr Einheitspreise geboten. Wenn die Menge des vermarkteten Holzes nicht noch größer ausgefallen sei, dann nur deshalb, weil viel Holz über den Jahreswechsel hinaus auf den Lagerplätzen befand und erst jetzt so langsam in die Vermarktung gelangte. Zum Glück für die Waldbesitzer, denn die Preise ziehen wieder an.

Sprunghaft angestiegen sei mittlerweile die Vermittlung von Pflanzen. „Es tritt das ein, was wir befürchtet haben“, sagt Dormann. Teilweise seien gar keine Laubhölzer mehr zu bekommen und wenn, dann zu horrenden Preisen. „Teilweise müsse das Doppelte bezahlt werden, weiß der Vorsitzende. Man könne nur hoffen, dass sich die Lage wieder entspannt, damit die Waldverjüngung wieder angegangen werden kann.

Auch bei der WBV Hollfeld hatte die Abwicklung der Bundeswaldprämie im zurückliegenden Jahr einen großen Teil der Arbeit ausgemacht. Eine Besonderheit in Hollfeld ist, dass alle Mitglieder bereits PEFC-zertifiziert sind. „Das hat uns viel Arbeit erspart“, so der Vorsitzende. Wahrgenommen hätten das Angebot der Prämie etwa 60 Prozent der Mitglieder. Die Restlichen wollten sich entweder zu nichts verpflichten oder hätten Waldstücke, die kleiner als ein Hektar sind und die somit keinen Anspruch auf die Prämie haben.

Wichtigstes Vorhaben im laufenden Jahr ist es für Dormann, zu investieren. Zum einen in Personal, zum anderen in Technik. So soll die Geschäftsstelle in Treppendorf, die derzeit mit drei Forstkräften und einer Bürokraft besetzt ist, um eine Person ergänzt werden, um den Mitgliedern mehr Service bieten zu können. Zum anderen soll ein neuer Rückewagen angeschafft werden, weil die WBV an ihre Grenzen stoße, was den Verleih der Maschinen angeht.

Ein wenig für Optimismus sorgt die derzeitige Preisentwicklung. Im ersten Quartal hätten die Preise wieder angezogen und da kann der Vorsitzende der Corona-Situation sogar etwas Positives abgewinnen. Weil die Grenzen zum Beispiel nach Tschechien dicht sind und die Sägewerke dringend Holz benötigten, könnten sie bei dem derzeitigen Bedarf gar nicht anders, als das Holz der Waldbesitzer aus der Region anzukaufen.

Keine Rolle spiele derzeit allerdings der Markt mit Hackschnitzeln. Die Läger seien voll. Da ist es wie bei den Negativzinsen, man müsse für die Abholung sogar noch etwas verlangen.

Die knapp 1600 Mitglieder der Waldbesitzervereinigung Hollfeld bewirtschaften zusammen eine Fläche von rund 12400 Hektar.

Bild: Christian Dormann ist seit einem Jahr Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Hollfeld

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22.03.2021

Lobby für den Wald / Waldbauernvereinigung Bamberg klagt über Trockenheit, Käferbefall und die Folgen von Corona

Scheßlitz. Für die Waldbesitzer im Landkreis Bamberg ist es im zurückliegenden Jahr knüppeldick gekommen. Von der Gesamtmenge von rund 42000 vermarkteten Festmetern Holz seien 39500 Festmeter Fichtenholz gewesen, „und zwar zu 100 Prozent Schadholz“, sagt Geschäftsführer Patrick Hammerschmidt.

„Das war wirklich der Gipfel“, so der Geschäftsführer. Nach zwei absoluten Trockenjahren habe man ausnahmslos geschädigte Flächen bearbeiten müssen, die Waldbauern seien aufgrund des starken Befalls kaum mehr nachgekommen. Mit der Aufarbeitung seien viele noch immer beschäftigt, die Kosten dafür könnten nicht mehr gedeckt werden. Unterm Strich hätten viele Waldbesitzer drauflegen müssen. Hammerschmidt: „Der Holzpreis war total im Keller.“

Dabei seien die 39500 Festmeter Schadholz, die in den Büchern der WBV stehen, wohl nur die Spitze des Eisbergs. Geschäftsführer Hammerschmitt rechnet mindestens mit der doppelten Menge, Abteilungsleiter Gregor Schießl sogar mit der vier- bis fünffachen Menge an tatsächlichem Schadholz, das wohl hauptsächlich den Brennholzlagern zugeführt worden sei. Dabei sei keine Baumart wirklich verschont geblieben.

Als Hauptursache für das ganze Dilemma bezeichnete Hans-Rüdiger Schmittnägel, Chef des Amts für Landwirtschaft in Bamberg und Leiter des Bereiches Forsten die große Trockenheit. Der Borkenkäfer sei nur die logische Folge davon. Man müsse sich immer wieder klar machen, dass der Käfer ausnahmslos in geschwächte Bäume geht. „Im dritten Trockenjahr in Folge hätten eben viele Bestände nicht mehr mitgemacht.“

Irgendwie ist an dem Dilemma aber auch die Corona-Situation mit schuld, denn die WBV konnte keine Schulungen veranstalten, so dass ausnahmslos Einzelberatungen stattfinden mussten. Die Fachleute haben damit nur einen kleinen Teil der Betroffenen erreicht. „Das war vor Corona alles viel einfacher“, so die Vorsitzende Angelika Morgenroth.

Landkreisweit ist die Situation die gleiche, wie Amtschef Schmittnägel erläutert. Er spricht von rund 220 Hektar Kahlflächen im Amtsbereich, zu dem neben dem Landkreis Bamberg auch der Nachbarlandkreis Forchheim gehört. Weitere 130 Hektar an Kahlflächen seien bereits prognostiziert worden. Schmittnägel kündigte an, ein Konzept zur Wiederaufforstung mit verschiedenen klimatoleranten Baumarten zu erstellen, zum einen um das Risiko künftig breiter zu streuen, zum anderen, um die Biodiversität zu fördern.

Allerdings sehen die Verantwortlichen auch einen Silberstreif am Horizont. Mittlerweile seien die Preise wieder gestiegen. Die Nachfrage ziehe an, sogar aus dem Ausland kämen Anfragen an die WBV. Außerdem hätte die winterlichen Niederschläge der zurückliegenden Wochen das Wasserreservoir der Böden wieder aufgefüllt.

Potential sieht die WBV als Vermittler von Dienstleister gerade für urbane Waldbesitzer. Hier sei ein großer Markt am Entstehen, zumal immer mehr Waldbesitzer Pflanzung, Pflege, oder Durchforstung nicht mehr selbst machen und die Arbeiten an Profis auslagern.

Die WBV Bamberg hat rund 2500 Mitglieder, die zusammen rund 11500 Hektar Wald bewirtschaften. Das entspricht einem Plus bei den Mitgliedern um etwa 150 und bei der Fläche um rund 350 Hektar. Allerdings seien landkreisweit nur etwa 25 Prozent der Waldbesitzer in der WBV organisiert. Von den etwa 2000 Mitgliedern, die eine Förderung durch die Bundeswaldprämie in Anspruch nehmen können, weil sie mehr als einen Hektar Wald bewirtschaften, habe bislang rund jedes zweite Mitglied eine entsprechenden Antrag gestellt.

Bild: Geschäftsführer Patrick Hammerschmidt und die erste Vorsitzende Angelika Morgenroth.

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22.03.2021

Schweinestau und ASP ließen Preise abstürzen / Virtueller Stallrundgang auf dem Hof von Marina und Reiner Herr

Küps. Die Corona-Pandemie und die Afrikanische Schweinepest haben in den zurückliegenden Monaten dazu geführt, dass Ferkelerzeuger in große Bedrängnis geraten sind. „Die Preise sind ins Bodenlose gefallen“, sagt Reiner Herr vom „Schafhof“ bei Küps. Bei einem virtuellen Stallgespräch für die örtliche Presse ließ er zusammen mit seiner Frau Marina nicht nur einen offenen und ehrlichen Einblick in seine Stallungen zu, sondern nahm auch Stellung zur derzeitigen Situation. Marina Herr ist stellvertretende Kreisbäuerin und Ernährungsfachfrau des BBV, Reiner Herr ist Ortsobmann.

Ein ziemliches Auf und Ab war es ja schon immer bei den Schweinepreisen. Was Marina und Reiner Herr aber in den zurückliegenden Monaten erlebt haben, war einmalig. 60 Euro pro Ferkel bezeichnete Reiner Herr als kostendeckend, bei rund 90 Euro wäre sogar etwas verdient, doch zeitweise war der Preis pro Ferkel auf bis zu 30 Euro abgestürzt. „Man hat pro Arbeitsstunde mehr draufgezahlt, als der Mindestlohn in Deutschland ausmacht“, so der Landwirt.

Das Ehepaar Herr bewirtschaftet den „Schafhof“ bereits in siebter Generation. Aus einem relativ kleinen Betrieb mit Milchviehhaltung kommend haben die Eltern von Reiner Herr einen bereits in den 70 Jahren auf Sauenhaltung umgestellt. Zuletzt hat das Ehepaar 2013 umfassend investiert und auf modernste Technik im Deckzentrum, Tragebereich und in den Abferkelbuchten gesetzt. Aktuell sind 200 Muttersauen auf dem Hof. Wenn die Ferkel etwa 30 Kilogramm schwer sind, werden sie an Mäster in der Region verkauft.

Doch genau das sei in letzter Zeit nicht mehr so ganz rund gelaufen, sagt Reiner Herr. Aufgrund der Corona-Situation seien die Schlachtungen verzögert, teilweise sogar massiv zurückgefahren worden. In der Folge kam es zu einem Schweinestau mit hohen Preisrückgängen. Der normale Drei-Wochen-Rhythmus sei gehörig durcheinander gewirbelt worden, so dass die Familie Herr auf ihrem Hof schon bald Platzprobleme bekam.

Die zweite Baustelle, mit der sich Schweinehalter derzeit herumplagen müssen, ist die Afrikanische Schweinepest. Die ASP habe den Sprung nach Deutschland geschafft. Dadurch sei es zu Exportproblemen gekommen, die Erlöse hätten die Unkosten einfach nicht mehr gedeckt. „Wir haben binnen kürzester Zeit sehr viel draufgezahlt“, so Marina Herr, die daran erinnerte, dass sämtliche Verpflichtungen ja unvermindert weiterlaufen.

Was vielen Bauern letztlich das Genick bricht, wie es der stellvertretende Kronach Kreisobmann Klaus Siegelin, ebenfalls Ferkelerzeuger, ausdrückte, seien die hohen Kosten für immer neue Auflagen. Die aktuellen Beschlüsse sehen einen tierwohlgerechteren Umbau bestehender Ställe vor. Viele Änderungen müssten sofort umgesetzt werden, doch der Mehraufwand könne nicht auf den Verbraucher umgelegt werden. „Unterm Strich verdienen wir ja nicht mehr“, so Siegelin.

Wenig Verständnis hat die Familie Herr für den Trend zum Strohschwein. Die Gefahr, sich Keime in den Stall zu schleppen, sei gerade in Zeiten von ASP enorm. Überhaupt habe Stroh immense Nachteile. Durch die hohe Feuchtigkeit des Strohs sei der Spaltenboden wesentlich hygienischer und auch der Arbeitsaufwand sei für den Landwirt viel höher. Für Klaus Siegelin sind Strohschweine ein klarer Beleg dafür, dass nicht etwa das Tierwohl, sondern eher ein gutes Gewissen vermarktet werden soll.

Bild: Stallgespräch virtuell: Marina uns Reiner Herr führten durch ihrem Ferkelerzeugerbetrieb bei Küps im Landkreis Kronach.

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15.03.2021

Mehr Holz, weniger Geld / Waldbauernvereinigung Bayreuth: Borkenkäfer sorgte für historisch niedrige Erlöse

Bayreuth. Auf den ersten Blick klingt die Bilanz gut: Rund 28300 Festmeter Holz hat die Waldbauernvereinigung Bayreuth im zurückliegenden Jahr im Auftrag ihrer Mitglieder vermarktet, das ist deutlich mehr, als noch im Jahr zuvor (rund 22800 Festmeter). Das allerdings ist nur die halbe Wahrheit. In Wirklichkeit kommt die Zahl einem Einbruch gleich. Schuld daran ist der Borkenkäfer, der 2020 wie lange nicht mehr sein Unwesen getrieben hat. Der Preis pro Festmeter Käferholz fiel auf etwa 25 Euro, der eine oder andere Waldbesitzer hat aufgrund schlechterer Qualitäten im Schnitt nur mehr 18 Euro bekommen, was einem historisch niedrigem Niveau gleichkommt, so dass viele Waldbesitzer letztlich draufzahlen mussten.

„Die Situation war wirklich dramatisch“, sagt Hans Schirmer, Vorsitzender der WBV Bayreuth. Bei derartigen Preisen komme einfach nichts mehr raus. Viele Waldbesitzer hätten bereits aufgegeben, andere würden das Käferholz einfach stehen lassen, obwohl sie eigentlich dazu verpflichtet sind, Käferholz zu beseitigen. Schirmer: „Mich wundert es nicht, wenn der Waldbesitzer sagt, ich bin nicht mehr bereit, Arbeit und Geld in Aufforstung zu investieren.“

Wenig entschädigen konnten dabei staatlichen Zuschüsse für die schnelle Abfuhr und Außerwaldbringung von Käferholz. Die Sägewerke seien gar nicht nachgekommen, sagt Schirmer, außerdem seien Lohnunternehmer für den Einschlag und Transport des Holzes aus dem Wald auf Wochen ausgebucht gewesen. Entstandene Nebenkosten für die angemieteten Sammellagerplätze konnten durch die Fördergelder oftmals nicht gedeckt werden. Die Waldbauern würden sich deshalb auch wünschen, dass Bedingungen für die Auszahlung von Fördermitteln praxistauglicher ausgestaltet werden.

Im Mittelpunkt der Arbeit der WBV Bayreuth stand vor allem zum Jahresende hin die Durchführung des Verfahrens für die Bundeswaldprämie. Vor allem im November und Dezember habe es pro Tag immer so um die 50 Anrufe in Sachen Waldprämie gegeben, erinnert sich Geschäftsführer Gerhard Potzel. Letztlich seien bislang rund 400 Anträge gestellt worden. Es sei zwar gut, dass der Staat den Wald mit einer Prämie von 100 Euro pro Hektar unterstützt, sagt Vorsitzender Schirmer. Allerdings gelte dies nur für Wald, der nach PEFC-Standards für nachhaltige Waldbewirtschaftung zertifiziert ist. Alle anderen Waldbesitzer, die ebenfalls ordentlich wirtschaften, sich aber nicht binden wollen, blieben auf der Strecke.

Zum Kerngeschäft der WBV gehört auch die Vermittlung von zuletzt über 36000 Pflanzen im zurückliegenden Jahr, was zeige, dass wieder aufgeforstet wird. Auch die Vermittlung von Equipment wie Zaunmaterial oder Schutzhüllen sowie die Sammelbestellungen von Diesel und Schmierstoffe seien wieder gut angenommen worden.

Trotz der Umstände blickt die WBV Bayreuth optimistisch in die Zukunft. Grund dafür ist, dass sich die Preissituation mittlerweile wieder verbessert habe. Aktuell würden für den Festmeter Käferholz im Schnitt zwischen 35 und 40 Euro gezahlt. Die Tendenz steigt, die Nachfrage ist gut, so Geschäftsführer Potzel. Optimistisch stimmt ihn auch, dass Holz als Baustoff immer mehr benötigt werde. Dazu kommt, dass Säger aus grenznahen Gebieten aufgrund der Corona-Situation auf Holzlieferungen aus Tschechien verzichten müssen.

Die WBV Bayreuth hat aktuell rund 1579 Mitglieder mit einer Gesamtfläche von 8340 Hektar Wald, was einem Zuwachs von 46 Mitgliedern und 572 Hektar gegenüber dem Vorjahr entspricht. Aufgrund des Generationenwechsels werde immer mehr Wald vererbt und damit zersplittert. So gebe es immer mehr Kleinwaldbesitzer.

Bild: Trotz Corona konnte die Waldbauernvereinigung Bayreuth auch 2020 einige Pflanzenschulungen durchführen.

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09.03.2021

Käfer und Corona ließ Holzpreise einbrechen / Forstbetriebsgemeinschaft Pegnitz beklagt Einbruch bei der Abnahme von Hackschnitzeln

Betzenstein. „Es hätte schlimmer kommen können“, sagt Werner Lautner, erster Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Pegnitz. Trotz Corona und trotz Käfer stehe die FBG gar nicht so schlecht da. Trotzdem mache der Lockdown den Waldbauern gewaltig zu schaffen.

Die FBG vermittelt für ihre Mitglieder unter anderem die Holzhackschnitzel für die Heizwerke des Cabriosol-Bades in Pegnitz und der Raststätte Pegnitz entlang der Bundesautobahn A9. Allein beim Cabriosol seien es dabei im vergangenen Jahr über zwei Drittel weniger gewesen, als im Jahr zuvor. Lautner berichtet von rund 3500 Schüttraummetern Hackschnitzel noch in 2019. Im Corona-Jahr 2020 seien es höchstens noch 1000 Schüttraummeter gewesen. Gleiches gelte für die Tank und Rast, nachdem Gastronomie und Motels seit Monaten geschlossen sind. „Da ist uns richtig was weggebrochen“, so Lautner.

Ein wenig ausgeglichen werden konnte der Wegfall durch die Lieferungen an die Klinik Hohe Warte in Bayreuth. Dort konnte die Liefermenge aufgrund einer baulichen Erweiterung auf rund 4000 Schüttraummeter sogar leicht gesteigert werden. Gut läuft auch die Belieferung der Heizanlage Kellerberg der Wohnungsgenossenschaft Pegnitz, die durch die Naturwärme Pegnitz versorgt wird. Das alles könne aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Lagerhalle in Neudorf derzeit mit rund 4500 Schüttraummeter komplett voll ist.

Trotzdem würde sich der Vorsitzende mehr Unterstützung für die Waldbesitzer von Seiten der Politik wünschen, beispielsweise dann, wenn Modernisierungen anstehen. Bei jedem Einschlag fallen etwa 20 Prozent Fällholz an, das zu Hackschnitzeln verarbeitet wird. Dort, wo es Sinn macht, wo also keine großen Leitungsnetze möglich sind, wäre die Umstellung auf regenerative Energien statt Öl oder Gas eine große Hilfe. Vor allem Kommunen seien gefragt, etwa bei Schulen, Krankenhäusern oder ähnlichen Einrichtungen.

Nicht nur wegen Corona, auch wegen des Borkenkäfers war der Holzpreis im zurückliegenden Jahr komplett eingebrochen. Meist seien nicht einmal mehr die Kosten der Aufarbeitung gedeckt gewesen, so der forstliche Mitarbeiter Stefan Failner. Die gesamte Holzvermarktung der FBG Pegnitz war im zurückliegenden Jahr von gut 15000 auf rund 13000 Festmetern gesunken.

Allerdings hätten sich zum ersten Quartal 2021 erstmals wieder nennenswerte Preissteigerungen eingestellt. Aktuell liegen die Preise laut den Zahlen der FBG bei der Fichte bei 50 bis 66 Euro pro Festmeter, für Käferholz wird 30 bis 35 Euro bezahlt. Weiterhin nur sehr mäßig nachgefragt wird die Kiefer, die preislich bei rund 45 Euro pro Festmeter liegt.

Im Büro der FBG in Betzenstein waren die Verantwortlichen 2020 hauptsächlich mit der Bundeswaldprämie beschäftigt. Alle etwa 1500 Waldbesitzer, die Mitglieder sind und mehr als ein Hektar Wald haben, seien angeschrieben worden, etwa die Hälfte davon habe sich zurückgemeldet, um in einem, zugegeben recht umständlichen Verfahren die Prämie in Höhe von 100 Euro pro Hektar zu bekommen. Vorsitzender Lautner spricht von einem hohen Verwaltungsaufwand und von viel Bürokratie. Allerdings habe sich die Prämie für viele Waldbesitzer auch wirklich ausbezahlt.

Die FBG Pegnitz hat aktuell 1676 Mitglieder mit einer Waldfläche von zusammen 11760 Hektar. Die Zahlen entsprechen einer leichten Steigerung um 31 Mitglieder und rund 1000 Hektar gegenüber dem Vorjahr.

Bild: Vorsitzender Werner Lautner begutachtet die Holzhackschnitzel, von denen die Forstbetriebsgemeinschaft Pegnitz derzeit rund 4500 Schüttraummeter in der Halle in Neudorf bei Pegnitz zwischenlagert.

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08.03.2021

„Sachlichkeit und Fachlichkeit bleiben auf der Strecke“ / Digitale BBV-Kreisversammlung in Kulmbach: Frust sitzt bei Landwirten tief

Kulmbach. Von einem echten Sorgenjahr für die Landwirtschaft hat BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger bei der ersten digitalen Kreisversammlung gesprochen. Dabei war und ist es nicht nur die Corona-Pandemie, die den Bauern zu schaffen macht, sondern auch viele andere Dinge machen ihnen das Leben schwer. Als Beispiele nannte der Kreisobmann die Verschärfung von Dünge- und Nutztierhalteverordnung, die Afrikanische Schweinepest, die Diskussionen um die Neuausrichtung der gemeinsamen europäischen Agrarpolitik, die Beratungen um die Insektenschutzverordnung, der Preisverfall auf dem Schweinemarkt oder die Diskussion um erste große Wolfsrisse in Oberfranken.

Besondere Zeiten erforderten besondere Maßnahmen, sagte Löwinger. Er sprach von schmerzhaften Einschnitten auf vielen Gebieten. „Nichts ist mehr so, wie es einmal war.“ Trotz allem: die Arbeit geht für die Bauern auch im Kulmbacher Land weiter. Die Politik habe die Landwirtschaft als systemrelevant eingestuft, doch trotzdem setze die Politik derzeit „ohne Skrupel“ Maßnahmen durch, die auf viele Bauern wie Nadelstiche wirken. „So geht man nicht mit systemrelevanten Gruppen um“, schimpfe der Kreisobmann. Fachlichkeit und Sachlichkeit blieben auf der Strecke, draußen herrsche großer Frust, und das bei weitem nicht nur wegen Corona.

Die Landwirtschaft habe in den zurückliegenden Jahren große Leistungen vollbracht, doch jetzt habe man mit Gesetzen und Verordnungen jeden Bezug zur Realität verloren. „Die Planwirtschaft haben wir im Osten abgeschafft, unter dem Deckmantel der Demokratie bauen wir sie gerade wieder auf“, fand Löwinger deutliche Worte.

BBV-Generalsekretär Georg Wimmer bestätigte: „Der Frust sitzt tief.“ Er rief die Bauern dazu auf, sich gemeinsam dagegen zu stemmen und in die Zukunft zu blicken. Denn trotz Pandemie gehe auch die politische Arbeit weiter. Am Beispiel der Ausgestaltung einer neuen europäischen Agrarpolitik machte Wimmer deutlich, dass gerade der Bauernverband in Hintergrundgesprächen schon vieles erreicht habe. Es laufe unwahrscheinlich viel hinter den Kulissen, das sei eine wahre Sissiphus-Arbeit, sagte er. Dabei konnte sich Wimmer einen Seitenhieb auf den Zusammenschluss „Land schafft Verbindung“ nicht verkneifen: „Es läuft eben nicht alles nur durch Schlepperfahren.“

Nicht so ohne weiteres stehen ließ der Generalsekretär die Kritik an der „Bauernmilliarde“. Die Probleme mit der Düngeverordnung seien damit freilich nicht gelöst und Auflagen und Bürokratie könne man damit auch nicht regeln, doch kämen im ersten Antragsfenster bei den baulichen Anlagen 53 Prozent und bei den Maschinen immerhin 41 Prozent der Antragssteller aus Bayern. „Wir sind schon froh, dass es immer noch so viele Landwirte im Freistaat gibt, die investieren wollen“, so Wimmer.

Einmal mehr forderte der Generalsekretär, die Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels einzudämmen und kritisierte die UTP-Richtlinien zur Eindämmung unlauterer Handelspraktiken. Der Lebensmitteleinzelhandel versuche, sich mit aller Macht, davon zu stehen, die Zeche zahle am Ende der Landwirt. Das könne nicht sein, so Wimmer. Er sprach sich dafür aus, das Verramschen von Lebensmitteln endlich zu verbieten. „Die Zeit ist reif dafür“, so der Generalsekretär.

Auch zum Thema Wolf nahm Wimmer Stellung. Die Wolfsrisse bei Betzenstein im Landkreis Bayreuth dominieren seit Tagen die öffentliche Diskussion in Oberfranken. „Wir brauchen ein Umdenken, der Wolf gehört ins Jagdrecht“, sagte der Generalsekretär und sprach sich klar für eine schnelle Entnahme aus. Wolf und Weidehaltung werde es parallel nicht geben können, so Wimmer, auch wenn Umweltverbände immer wieder massiv für den Wolf werben.

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04.03.2021

Ursachen statt Symptome bekämpfen / Ortstermin an dem von Wolfsrissen geplagten Wildgehegen in Betzenstein

Betzenstein. In einem Wildgehege in Illafeld bei Betzenstein waren 18 gerissene Tiere gefunden worden, in einem Gehege im nur zwei Kilometer entfernten Riegelstein sieben tote Tiere. Experten sind sich sicher, dass das Damwild einem oder mehreren Wölfen zum Opfer gefallen ist. Bei dem Vorfall waren allen Tieren die Kehlen durchgebissen worden. Einer der Kadaver in Illafeld zeige zudem ein für Wölfe typisches Fraßbild. Wie viele Wölfe in das Wildgehege eingedrungen waren, könne derzeit noch nicht gesagt werden, heißt es. Zwar sei der Zaun an einer Stelle untergraben worden, über die Anzahl der eingedrungenen Tiere lasse das aber keine Rückschlüsse zu.

Zusammen mit den betroffenen Landwirten Christian Leißner aus Riegelstein und Hans Ertel aus Illafeld traf sich die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer jetzt zu einem Ortstermin an den beiden Gehegen. Mit dabei waren auch der Landwirt, ehemalische oberbayerische BBV-Präsident und frühere Abgeordnete Max Weichenrieder sowie der Betzensteiner Bürgermeister Claus Meyer. Dabei wurde klar, die Scheu der Tiere wird immer geringer. Eine Aufrüstung des ohnehin schon vorhandenen Elektrozauns sei unter anderem deshalb finanziell so kostspielig, weil ein 20 Zentimeter tiefer Untergrabenschutz notwendig sei.

Der südlichste Zipfel des Bayreuther Landkreises sei ein immens gefährdetes Gebiet, sagte die Abgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Bayern sei ein dicht besiedeltes Land, in dem die zunehmende Wolfspopulation keinen Platz habe. „Wer die von der Gesellschaft erwünschte Weidehaltung auch in Zukunft gesichert sehen will, der muss sich von der Illusion des friedlichen Zusammenlebens mit dem Wolf verabschieden“, so die Abgeordnete. Ansonsten sehe sie die Gefahr, dass es der Wolf jeden Tag wieder versucht. Ein kompletter Schutz durch Umzäunungen scheine schon aus finanziellen Gründen für viele kleinere aber auch größere Viehhalter aus.

Schon allein die Tatsache, dass der Wolf nun ein zweites Mal im selben Umfeld zugeschlagen hat, beweise ihr die Notwendigkeit einer raschen Handlungsanweisung durch das zuständige Landesamt für Umwelt, das dem Umweltministerium unterstellt ist. Umweltminister Thorsten Glauber habe die Möglichkeit bei besonderer Auffälligkeit des Wolfes eine Entnahme anzuordnen. „Ich erwarte, dass der Umweltminister umgehend reagiert, bevor es zu weiteren Vorfällen kommt“, so Brendel-Fischer. Es könne nicht angehen, dass man nur die Symptome, aber nicht die Ursachen bekämpft. „Ohne Bestandsminimierung und ohne Eingriffe wird es ohnehin nicht gehen“, sagte Max Weichenrieder. Er sah die Zukunft der Weidehaltung generell in Gefahr.

Auch ob die Tiere aus dem Rudel des nahe gelegenen Veldensteiner Forsts stammen, könne erst nach Auswertung der DNA-Proben sicher gesagt werden. Ob es sich überhaupt um einen Wolf handelte, soll die obligatorische Wolfsbeprobung zeigen, wobei Christian Leißner beklagte, dass er auf das Ergebnis „zwischen sieben und 30 Tagen“ warten müsse.

Dass ein Tier alleine eine derart große Anzahl an Wild reißt, halten Wildtierexperten für durchaus möglich. Während sich der Wolf in freier Wildbahn mit dem schwächsten Tier einer Gruppe zufrieden gibt und dieses nach dem Reißen in Ruhe auffrisst, gleiche ein Wildgehege einem gedeckten Tisch, da es das Wild an der Flucht hindere. Schon vor Jahren hatten sich Wölfe im Veldensteiner Forst angesiedelt. Jetzt hätten sie offenbar bemerkt, dass sich das Wild in Gattern leichter jagen lasse, als in freier Wildbahn.

Bild: Ortstermin in Riegelstein: Dieses Wildgehege war vor wenigen Tagen aller Wahrscheinlichkeit nach Ziel einer Wolfsattacke.

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02.03.2021

Ämterreform: Keine Änderung für Landwirte vor Ort / Erster Bayreuther Online-Bauerntag – Ärger über den Wolf im Landkreis

Bayreuth. Keine Brotzeit, kein Landfrauenchor, keine Geselligkeit: der momentanen Zeit entsprechend fand der Bayreuther Bauerntag in diesem Jahr erstmals online statt. Zur besten Zeit waren es bis zu 84 Teilnehmer, die sich zugeschaltet hatten. Damit sei fast schon die Zahl erreicht worden, die einer Präsenzveranstaltung entspricht, freute sich Kreisobmann Karl Lappe.

Im Mittelpunkt stand die Vorstellung von Landrat Florian Wiedemann (Freie Wähler), der seit den Kommunalwahlen im zurückliegenden Jahr an der Spitze des Bayreuther Landkreises steht. Eines der zentralen Themen in der Diskussion war allerdings die Zukunft des Grünen Zentrums in Bayreuth. „Wie geht es weiter mit dem Amt und mit den Schulen in Bayreuth“, wollte Hans Engelbrecht aus Weidenberg wissen.

Bei der letzten Ämterreform wurde Bayreuth mit Münchberg im Landkreis Hof zusammengelegt. „Nun stehen wir im Konkurrenzkampf der Schulstandorte“, sagte Engelbrecht und erwartete klare Worte vom Landrat, immerhin sei der Landkreis Sachaufwandsträger der Schulen. Landrat Wiedemann antwortete prompt und rief alle Beteiligten auf, „an einem Strang zu ziehen, damit uns nichts weggenommen wird“.

Entwarnung konnte Amtschef Georg Dumpert aus Bayreuth geben. „Für die Landwirte wird sich wenig ändern“, sagte er. Sämtliche Ansprechpartner vor Ort sollen bleiben. Insgesamt komme das neue Amt Bayreuth-Münchberg auf rund 150 Beschäftigte. Neu in Bayreuth werde das Sachgebiet Nutztierhaltung sein. Darüber hinaus werde jedes relevante Thema wie bisher auch an jedem Standort angeboten. Dumpert bekräftigte, dass auch die Schulen zusammengelegt werden. Es soll jeweils ein Jahrgang abwechselnd in Bayreuth und in Münchberg starten. Voraussetzung dafür ist, wie bisher auch, die Mindestanzahl von 16 Teilnehmern. Unverändert bestehen bleiben soll die Hauswirtschaftsschule.

Während das Bamberger Amt unangetastet bleibt und für Forchheim mit zuständig ist, werden Coburg und Kulmbach zu einem Amt zusammengelegt, das auch für Kronach und Lichtenfels mit zuständig ist. Das Bayreuther Amt kommt mit dem Hofer Amt in Münchberg zusammen und wird außerdem auch für den Landkreis Wunsiedel mit zuständig sein.

Ein weiteres Thema, das den Bauern im Bayreuther Land auf den Nägeln brannte, war das Auftauchen des Wolfes. Bei Betzenstein seien bereits erste Nutztiere im Landkreis gerissen worden, sagte Kreisobmann Karl Lappe. „Müssen in einem derart dichtbesiedelten und bevölkerungsstarken Land wie Deutschland Wölfe wirklich sein?“, wollte der Kreisobmann wissen. Mit dem Wolf seien in jedem Fall Risiken verbinden, so die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Gerade in den zurückliegenden Monaten hätten sich Schadensbestände erhöht. Die Abgeordnete kritisierte die Doppelmoral der Gesellschaft, die einerseits die Weidehaltung möchte, andererseits sich aber auch für den Wolf ausspreche. Brendel-Fischer befürwortete, den Schutzstatus zu reduzieren. Heftiger Gegenwind komme aber von Naturschutzverbänden wie dem NABU, der offen bedauere, dass es nicht noch mehr Wölfe gibt.

Landrat Wiedemann hatte zuvor in seinem Referat an Verbraucher und Agrarwirtschaft appelliert, sich mehr aufeinander zuzubewegen und sich gegenseitig zu respektieren. Um regional erzeugten Lebensmitteln noch mehr Wertschätzung zukommen zu lassen, habe die Bayerische Staatsregierung acht Modellregionen für die Belieferung von Kantinen mit regionalen Lebensmitteln ins Leben gerufen. Zusammen mit der Stadt Bayreuth und dem Landkreis Wunsiedel gehöre auch der Landkreis Bayreuth dazu.

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02.03.2021

Schlechte Stimmung – Gute Bilanz / Maschinenring Fränkische Schweiz stellt höheren Beratungsbedarf fest

Aufseß. Die Stimmung bei den Landwirten ist schlecht. „Viele Bauern sind frustriert und verunsichert und wissen nicht, wie es weitergehen soll“, sagt Manuel Appel, Geschäftsführer des Maschinenrings Fränkische Schweiz mit Sitz in Aufseß. Dabei stehe nicht nur die Düngeverordnung im Zentrum der Kritik, sondern vor allem die ausufernde Bürokratie durch immer neue Dokumentationspflichten. Beim Maschinenring bekommen Appel und seine Mitstreiter den Ärger der Bauern derzeit immer wieder zu spüren.

Für 2020 kann der Maschinenring Fränkische Schweiz trotz Corona eine gute Bilanz vorweisen. Nach den Worten des Geschäftsführers wurde der Verrechnungswert geringfügig auf drei Millionen Euro gesteigert, den weitaus größten Teil davon macht die Vermittlung von Maschinen aus. Hauptumsatzträger sind dabei die Bereiche Futterernte und Körnerernte, wobei der Sektor Gülleausbringung aufgrund der immer komplexer werdenden Technik ebenfalls stark angestiegen ist.

Zuwächse konnte Appel auch im Bereich der sozialen Betriebshilfe verzeichnen, was hauptsächlich über die hauptberuflichen Mitarbeiter abgedeckt werden konnte. Für den Maschinenring Fränkische Schweiz waren 2020 zwischen zehn und zwölf nebenberufliche und vier hauptberufliche Betriebshelfer tätig. Der Rest wird über die Kräfte der MR Oberfranken Mitte GmbH abgedeckt. Dazu gehören neben dem Maschinenring Fränkische Schweiz auch die Ringe Bayreuth-Pegnitz sowie Kulmbach. Unverändert geblieben ist 2020 die Mitgliederzahl bei 782.

„Im Vergleich zu anderen Branchen haben wir durch Corona relativ wenige Einschränkungen hinnehmen müssen“, so Appel. So sei die Geschäftsstelle durchgehend besetzt und für die Mitglieder zumindest telefonisch stets erreichbar gewesen. Das sei auch wichtig, denn Manuel Appel stellte durchaus einen höheren Beratungsbedarf, beispielsweise aufgrund der neuen Düngeverordnung fest. Viele Bauern seien stark verunsichert, mit dem Maschinenring hätten sie stets einen kompetenten Ansprechpartner.

Für das laufende Jahr planen die Verantwortlichen unter anderem eine Erweiterung des Wärmenetzes in Hollfeld. Dort hat der Maschinenring die Geschäftsführung für das Heizwerk und die Biogasanlage. Nicht nur fortgesetzt, sondern auch ausgebaut werden sollen die Geschäftsfelder unter dem Dach der MR Oberfranken-Mitte GmbH. Dazu gehören die chemiefreie Unkrautbekämpfung sowie die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners mit der bewährten Heißwassermethode, der Einsatz gegen den Maiszünsler sowie die Verstärkung des eigenen Klauenpflegetrupps.

Der Maschinenring Fränkische Schweiz stellt ein besonderes Konstrukt dar, weil sich sein Tätigkeitsgebiet gleich auf drei Landkreise erstreckt. Neben zwei Gemeinden aus dem Landkreis Bamberg gehören vier Gemeinden aus dem Landkreis Bayreuth dazu, der Rest gehört zum Landkreis Forchheim. Manuel Appel begründet dies mit der Historie des Rings, die auf den ehemaligen Landkreis Ebermannstadt zurückgeht, der während der Gebietsreform in den 1970er Jahren auf Bamberg, Bayreuth und Forchheim aufgeteilt wurde. Deshalb kann der Maschinenring Fränkische Schweiz auch 2022 bereits sein 60-jähriges Bestehen feiern. „Hoffentlich wieder unter normalen Umständen“, sagt der Geschäftsführer. Das Jubiläum bezieht sich auf die Gründung der beiden „Ur-Ringe“ in Ebermannstadt und Hollfeld.

Bild: Gute Bilanz trotz Corona: Manuel Appel, Geschäftsführer des Maschinenrings Fränkische Schweiz.

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02.03.2021

Maschinenring Münchberg stemmt sich erfolgreich gegen den Trend / Deutlicher Anstieg bei Betriebshilfe und Maschinenvermittlung

Ahornberg. Der Maschinen- und Betriebshilfsring Münchberg und Umgebung hat sich im Corona-Jahr 2020 erfolgreich gegen den Trend gestemmt. „Der Verrechnungswert des Vorjahres wurde um rund elf Prozent übertroffen und stieg von knapp 3,9 auf über 4,3 Millionen Euro an“, sagt Geschäftsführer Patrick Heerdegen, der von einem „wirklich tollen Ergebnis“ spricht. Man könne sich über die wirtschaftliche Lage nicht beklagen, „bei uns läuft es richtig gut“.

„Wir sind da, wir waren immer da und wir wollen immer da sein“, so der Vorsitzende Siegfried Hüttner. Trotz der positiven Zahlen bedauert er sehr, dass die Nähe zu den Mitgliedern derzeit nicht stattfinden kann. Allerdings gibt sich der Vorstand vorsichtig optimistisch, dass eventuell im Sommer doch noch eine Mitgliederversammlung, vielleicht sogar im Open-Air-Modus, also unter freiem Himmel, stattfinden kann.

Der Anstieg beim Verrechnungswert stützt sich in erster Linie auf die Maschinenvermittlung in den Bereichen Futterbau und Strohernte (von 873000 auf 905000 Euro) sowie Schlepper und Transporte (von 448000 auf 703000 Euro). Aber auch die klassische soziale Betriebshilfe konnte gesteigert werden, von 221000 auf 300000 Euro).

„Es war immer unser Anliegen, Kräfte zu reaktivieren und den Leuten eine Zusatzperspektive zu geben“, sagt Geschäftsführer Heerdegen, der etwa in der Landwirtschaftsschule auch schon mal aktiv für den Maschinenring geworben hat. Derzeit sind für den Maschinenring Münchberg drei selbstangestellte hauptberufliche Kräfte, vier weitere, die über den evangelischen Betriebs- und Dorfhelferinnendienst am Hesselberg beschäftigt sind, drei selbstständige sowie 35 nebenberufliche Kräfte tätig.

Heerdegen sagte aber auch, dass es bei der Betriebshilfe momentan einen starken Einbruch gebe. Operationen würden aufgeschoben, Rehabilitationsmaßnahmen und Kuren fänden nicht statt, so dass die soziale Betriebshilfe nur dann benötigt wird, wenn es auf den Höfen zu schweren Unfällen oder gar zu Todesfällen kommt. Ganz ausfallen lassen musste der Maschinenring im zurückliegenden Jahr auch sämtliche Fortbildungsveranstaltungen sowie den Praxistag, ob es heuer einen geben wird, stehe derzeit noch nicht fest.

Wichtigstes Vorhaben für den Maschinenring ist im laufenden Jahr der Umzug von der bisherigen ehemaligen VR-Bank-Geschäftsstelle in Ahornberg in das neue Grüne Zentrum Münchberg. „Wir streben einen nahtlosen Übergang an“, sagt Heerdegen, gleichwohl stehe das genaue Datum aufgrund von Verzögerungen an dem stattlichen Neubau noch nicht fest.

Neu ist für den Ring auch der Einstieg in den Bereich der MR Personaldienste, einer Tochterfirma des Landesverbandes. Bereits seit Anfang Februar ist mit Uwe Heckel ein eigener Standortleiter vor Ort in der Geschäftsstelle tätig, der sich um Personaldienstleistungen, Arbeitnehmerüberlassung und Arbeitsrecht kümmert. „Unser Ziel ist es, unsere Leute in möglichst vielen Bereichen einzusetzen.“

Zum Maschinenring Münchberg gehört als gewerbliche Tochtergesellschaft seit 2004 zusammen mit dem Ring in Wunsiedel die MR Hochfranken GmbH. Auch hier habe die Arbeit im Corona-Jahr 2020 unverändert fortgesetzt werden können, der Gesamtumsatz lag 2020 bei rund 1,8 Millionen Euro. Haupttätigkeitsfelder der MR Hochfranken GmbH sind die Stromtrassenpflege, die Baumpflege sowie der Winterdienst.

Der Maschinen- und Betriebshilfsring Münchberg und Umgebung hat 910 Mitglieder, einer mehr als im zurückliegenden Jahr.

Bild: Sie blicken trotz Corona optimistisch in die Zukunft: Vorsitzender Siegfried Hüttner (links) und Geschäftsführer Patrick Heerdegen vom Maschinenring Münchberg und Umgebung.

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17.02.2021

Steigerungen trotz Corona / Maschinen- und Betriebshilfsring Wunsiedel. Starker Dienstleister im ländlichen Raum

Wunsiedel. Im Fichtelgebirge geht die Arbeit des Maschinen- und Betriebshilfsrings trotz der Corona-Pandemie unverändert weiter. Der Gesamtverrechnungswert des Rings in Wunsiedel konnte im zurückliegenden Jahr sogar leicht gesteigert werden, was sich im Wesentlichen auf einen Anstieg bei der Maschinenvermittlung zurückführen lässt. In der Betriebshilfe ging der Wert nur minimal zurück. Abgesagt werden mussten allerdings zahlreiche Präsenzveranstaltungen wie der Praxistag mit den Jungzüchtern, die Betriebshelferfortbildungen oder das traditionelle Sommerfest mit dem die Arbeit aller Beteiligten gewürdigt werden sollte, die turnusgemäßen Neuwahlen stehen dagegen erst im kommenden Jahr an.

Nach den Worten von Geschäftsführer Andreas Hager war der Verrechnungswert bei der Betriebshilfe von gut 234000 auf knapp 226000 Euro zurückgegangen. Mit knapp 164000 Euro entfiel dabei der weitaus größte Teil auf die Sozialeinsätze, während die wirtschaftlichen Einsätze rund 62000 Euro ausmachten. Für den Ring sind in Wunsiedel 18 nebenberufliche Kräfte tätig, vier weitere sind über den Berufsverband und eine Kraft über den Evangelischen Betriebshelferdienst Bayern (Hesselberg) beschäftigt.

Ein leichtes Plus konnte der Maschinenring Wunsiedel bei der Maschinenvermittlung verzeichnen. Hier war der Verrechnungswert im abgelaufenen Jahr von rund 1,9 auf rund zwei Millionen angestiegen wobei die Bereiche Futterbau, Düngung, Saat und Pflege im Vordergrund standen. Zusammen mit den Geschäftsfeldern Landschaftspflege, Hilfsmittel und Futter kommt der MR Wunsiedel für 2020 auf einen Gesamtverrechnungswert von 2,89 Millionen Euro gegenüber 2,81 Millionen Euro im Vorjahr.

Der Maschinen- und Betriebshilfsring Wunsiedel hat aktuell 607 Mitglieder, eines mehr als im Vorjahr. „Damit sind ca. 95 Prozent der aktiven Landwirte bei uns Mitglied“, sagt Geschäftsführer Hager. Die ca. 95 Prozent bewirtschaften 22500 Hektar von insgesamt rund 23000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche im Landkreis.

Für gewerbliche Dienstleistungen aller Art hat der Maschinenring Wunsiedel zusammen mit dem Ring in Münchberg bereits 2004 die Maschinenring Hochfranken GmbH als Tochtergesellschaft gegründet. Auch hier habe die Arbeit im Corona-Jahr 2020 unverändert fortgesetzt werden können, so Geschäftsführer Reinhard Rasp. Den Gesamtumsatz der GmbH für 2020 bezifferte er auf rund 1,8 Millionen Euro.

Hauptkunde der Hochfranken GmbH ist der Netzbetreiber Bayernwerk, für den die beteiligten Landwirte Trassenpflegemaßnahmen auf einer Länge von zusammen 280 Kilometern durchführen. Im Zentrum steht außerdem der Winterdienst mit einem Anteil von 60 Prozent am Gesamtumsatz, wobei die GmbH größtenteils für Gewerbekunden tätig ist. In den zurückliegenden Jahren hinzugekommen sind Hausmeisterdienste für die Verbrauchermärkte in der Region.

Weitere Betätigungsfelder im reichhaltigen Portfolio der Hochfranken GmbH sind die Beteiligung an der Holzenergie Hochfranken GmbH (HEH), die für die Wärmeversorgung des Gesundheitshotels in Weißenstadt, des Hallenbades in Selb und des Schulzentrums in Hof zuständig ist. Eine weitere Beteiligung besteht an der Gemeinschaft für Sportplatzpflege im Landkreis Wunsiedel. Hinzu kommen Auftragsarbeiten im Bereich der Landschaftspflege für den Naturpark Fichtelgebirge.

Bild: Gute Zahlen trotz Corona: die Spitze des Maschinen- und Betriebshilfsrings Wunsiedel mit (von links) Reinhard Rasp (Geschäftsführer MR Hochfranken GmbH), dem stellvertretenden Vorsitzenden Michael Groschwitz, Vorsitzender Martin Goldschald und Geschäftsführer Andreas Hager.

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17.02.2021

Kitzrettung, Klauenpflege und Unkrautbekämpfung / Maschinenring Bayreuth-Pegnitz verzeichnet Corona-bedingten Rückgang bei der Betriebshilfe

Bayreuth. Natürlich hat die Corona-Pandemie die Arbeit der Maschinenringe im zurückliegenden Jahr stark beeinflusst. „Trotzdem, Abrechnungsservice, Futtervermittlung, Maschinenvermittlung und Maschinenverleih laufen unverändert weiter“, so Geschäftsführer Johannes Scherm vom Maschinenring Bayreuth-Pegnitz. Auch die Geschäftsstelle in Bayreuth sei durchgehend besetzt gewesen und habe nicht geschlossen werden müssen. Der Besucherverkehr sei freilich auf ein Mindestmaß reduziert worden.

Was stark zurückgegangen ist, sind die Zahlen der Betriebshilfe. „Wir haben rund 20 Prozent weniger Einsatzstunden zu verzeichnen, weil eben auch weniger Reha-Maßnahmen oder Operationen stattgefunden haben“, so Scherm. Wichtig für den Maschinenring: Die Betriebshilfe läuft auch in Corona-bedingten Einsätzen unter Einhaltung strikter Hygienemaßnahmen weiter.

Um vor allem die soziale Betriebshilfe zukunftsfest zu machen, sei die Möglichkeit der Festanstellung in 2020 sogar weiter ausgebaut worden. Die Arbeit in der Betriebshilfe habe sich deutlich von der Neben- zur Haupttätigkeit verlagert, wobei der Maschinenring Bayreuth-Pegnitz die Mitarbeiter seit 2018 selbst anstellen und  mit der landwirtschaftlichen Sozialversicherung selbst abrechnen kann.

In absoluten Zahlen ist die Betriebshilfe von 38500 auf 35900 Stunden zurückgegangen. Die wirtschaftliche Betriebshilfe macht davon 15800 Stunden, die soziale Betriebshilfe 20100 Stunden aus. Den gesamten Verrechnungswert beziffert der Maschinenring auf 7,23 Millionen Euro (Vorjahr 7,57 Millionen Euro). Die Anzahl der Mitglieder war ebenfalls leicht rückläufig und verringerte sich um 42 auf 1290.

Trotz des außergewöhnlichen Jahres hat der Maschinenring Bayreuth-Pegnitz auch 2020 einige zukunftsweisende Projekte auf den Weg gebracht, die im laufenden Jahr weiter ausgebaut werden sollen. Ein wichtiger Punkt dabei ist die Wildtierrettung. Dazu wurde eine Zusammenarbeit mit dem Verein Kitzrettung Oberfranken in die Wege geleitet. Hier geht es um den Abbau von Barrieren und eine Zusammenarbeit zum Wohl der Tiere“, erläuterte der zweite Vorsitzende Matthias Roder. Es gehe dabei keinesfalls um militante Tierschützer, sondern vielmehr um das Annehmen der Hilfe von Menschen, die sich ehrenamtlich zum Wohl der Rehkitze engagieren. „Wir Landwirte freuen uns über jede Unterstützung“, sagt Roder.

Weiter ausgebaut werden soll auch die biologische Maiszünslerbekämpfung, die der Maschinenring seit 2018 anbietet. Neu ist, dass diese Form der Schädlingsbekämpfung über das Kulturlandschaftsprogramm jetzt mit 50 Euro pro Hektar gefördert wird. „Die Nachfrage wird steigen“, ist sich Geschäftsführer Scherm sicher, zumal der Maschinenring als Marktführer in der biologischen Schädlingsbekämpfung gilt und die günstigsten Konditionen anbietet.

Ebenfalls erweitert werden soll im laufenden Jahr die eigene Heißwassertechnik zur chemiefreien Unkrautbeseitigung und zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners. „Der Druck, Unkraut ohne chemische Keule zu bekämpfen, wird gerade für unsere Hauptkunden, die Kommunen, immer größer“, so Bernd Müller vom Maschinenring Oberfranken-Mitte, zu dem die Ringe Bayreuth, Kulmbach und Fränkische Schweiz gehören. Deshalb soll in zusätzliche Technik investiert werden.

Ein weiteres wichtiges Vorhaben, vor allem für die Milchviehhalter in der Region, ist die Verstärkung des eigenen Klauenpflegetrupps. Seit 2017 ist der Maschinenring auf diesem Geschäftsfeld unterwegs, im zurückliegenden Jahr wurde mit Sebastian Schmidt aus Schirradorf eine zweite Kraft beschäftigt, die gerade zum staatlich gepflegten Klauenpfleger ausgebildet wird. Hier gehe es nicht nur um eine wichtige Dienstleistung für die Landwirte, sondern auch um eine Verbesserung des Tierwohls, sind sich die verantwortlichen einig.

Alles in allem werde es für den Maschinenring immer wichtiger, in eigene Technik zu investieren, so Geschäftsführer Scherm. Darüber hinaus suche der Ring auch immer wieder neue Kräfte zur Mitarbeit in allen Bereichen. Allein der Zusammenschuss Oberfranken-Mitte beschäftigt aktuell 23 Personen mit einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit zwischen 30 und 35 Stunden, also nahezu in Vollzeit.

Bild: So sieht der Klauenpflegestand des Maschinenrings Oberfranken-Mitte aus.

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25.01.2021

Weniger Kühe, weniger Umsatz / Rinderzuchtverband Oberfranken leidet unter negativen Rahmenbedingungen

Bayreuth. Für das zurückliegende Zuchtjahr muss der Rinderzuchtverband Oberfranken erneut ein rückläufiges Ergebnis vermelden. Wie aus dem jetzt vorgelegten Jahresbericht hervorgeht, sind die Vermarktungszahlen um gut 1600 auf 30400 Tiere zurückgegangen, der Umsatz verringerte sich um etwa eine Million Euro auf rund 14,9 Millionen Euro. Als wesentliche Ursachen dafür nennen der Vorsitzende Georg Hollfelder aus Litzendorf im Landkreis Bamberg und Zuchtleiter Markus Schricker die verminderten Kuhzahlen, niedrigere Preise, das Wetter und die Corona-Krise. Das Geschäftsjahr des Rinderzuchtverbandes ist nicht identisch mit dem Kalenderjahr. Es beginnt immer am 1. Oktober und endet am 30. September.

Der Rückgang im Gesamtumsatz geht dem Bericht zufolge auf einen wiederum gefallenen Preis bei den männlichen Nutzkälbern und auf die geringeren Stückzahlen zurück. Die Kälbermärkte konnten trotz Corona und ursprünglichem Verbot abgehalten werden, bei den Großviehmärkten seien die Termine im März und April abgesagt worden, der Mai-Markt habe dann wieder stattgefunden, allerdings ohne Zuchtbullen. Von den ursprünglich zehn angesetzten Märkten hätten letztlich nur sieben in gewohnter Weise stattfinden können. Die Bullen von den ausgefallenen Märkten seien dann ab Stall ober per Telefonkonferenz vermarktet, beziehungsweise versteigert worden.

Es gebe wohl kaum einen Bereich, der nicht durch Covid 19 beeinflusst wurde und beeinflusst wird, heißt es in dem Bericht. Durch Schließungen der Gastronomie und Behinderungen beim Fleischexport sei auch der Verzehr von Rindfleisch weiter zurückgegangen. Daneben habe es den Schlacht- und Verarbeitungsbereich mit Schließungen und verringerten Schlachtzahlen schwer getroffen. Als weitere Gründe für das rückläufige Ergebnis gilt die anhaltende Trockenheit, aber auch die zunehmende Ablehnung von Lebensmitteln tierischen Ursprungs durch weite Teile der Bevölkerung.

Der Rinderzuchtverband Oberfranken hatte im zurückliegenden Zuchtjahr noch 1064 Mitgliedsbetriebe, 61 weniger als im Jahr zuvor. Die Zahl der Herdbuchkühe ist dem Jahresbericht zufolge ebenfalls deutlich gesunken, und zwar um 1544 auf nun 66255. Die Durchschnittsgröße der Betriebe wird mit 62 Kühen angegeben (Vorjahr 60).

Während diese Statistik nur die Kreiszuchtgenossenschaften und die Mitgliedsbetriebe des Rinderzuchtverbandes betrifft, listet der umfangreiche Jahresbericht traditionell auch die gesamte Milchviehhaltung in Oberfranken auf. Hier sank die Zahl der Milchkühe um 2700 auf 82921. Damit liege Oberfranken deutlich über dem deutschen und bayerischen Trend, so Zuchtleiter Schricker.

Unverändert fortgesetzt hätten sich auch die Betriebsaufgaben. Wieder 115 Betriebe weniger bedeute noch 1766 Milchviehhalter in Oberfranken. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt statistisch bei 48,5 Kühen pro Betrieb. Die meisten Milchkühe werden in den Landkreisen Bayreuth und Hof gehalten, die wenigsten in den Landkreisen Kronach, Forchheim und Lichtenfels.

Die Zahlen seien ein Indiz dafür, dass die Investitionen in den Milchviehbereich deutlich nachgelassen haben und die aufstockenden Betriebe die Kuhzahl nicht konstant halten. Die Betriebsaufgaben hätten sich fast ungebremst fortgesetzt und bei weitem nicht mehr nur auf Betreibe unter 30 Kühe beschränkt. Die derzeitigen Vorzeichen sprechen nach Ansicht des Rinderzuchtverbandes Oberfranken eher dafür, dass sich diese Entwicklung noch beschleunigt.

Bild: Der Strukturwandel in der Landwirtschaft geht weiter, das zeigt die aktuelle Bilanz des oberfränkischen Rinderzuchtverbandes.

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25.01.2021

Starker Strukturwandel, große Betriebe / Milcherzeugerring Oberfranken legte Bilanz 2020 vor

Bayreuth. Der Ausstieg aus der Milchviehhaltung geht weiter. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht des Milcherzeugerrings Oberfranken hervor. Demnach zeichnet sich auch in Zukunft ein relativ konstanter Ausstieg ab.

Auf ähnlichem Niveau wie in den Vorjahren bewege sich auch heuer die Anzahl der Betriebsaufgaben in Oberfranken, heißt es in dem Bericht. Durch den Rückgang von insgesamt 93 Betrieben sei die Zahl der Milchviehhalter nunmehr auf 1256 Betriebe gesunken. Auf fast gleichem Niveau habe sich auch der Rückgang der Milchkühe belaufen. Dem Bericht zufolge reduzierte sich der oberfränkische Milchviehbestand um 2141 auf 73242 Kühe. Ein Zuwachs des Bestandes bleibe bereits seit einigen Jahren aus.

Bayernweit gibt es die meisten Milchkühe in Oberbayern mit über 31 Prozent des gesamtbayerischen Bestandes, gefolgt von Schwaben (24 Prozent) und der Oberpfalz (12 Prozent). Oberfranken liegt mit knapp acht Prozent an vorletzter Stelle unter den sieben bayerischen Regierungsbezirken. Ein ähnliches Bild ergibt sich der Statistik zufolge bei den Milchviehhaltern. Auch hier steht Oberbayern mit 34,5 Prozent der Betriebe an der Spitze, gefolgt von Schwaben (23,2 Prozent) und Niederbayern (12,8 Prozent). Auch hier steht Oberfranken mit 6,9 Prozent an vorletzter Stelle. Den letzten Platz nimmt jeweils Unterfranken mit 2,4 Prozent der bayerischen Milchkühe und 2,1 Prozent der Milchviehhalter ein.

An der Spitze liegt Ober- und auch Mittelfranken dagegen bei der durchschnittlichen Betriebsgröße. In beiden Regierungsbezirken kommt man statistisch auf 58,3 Tiere pro Betrieb. Als Grund dafür wird genannt, dass es sowohl in Ober- als auch in Mittelfranken bereits einen starken Strukturwandel gegeben habe und sich deshalb auch dort die größten Milchviehbetriebe befinden.

Als überaus positiv wertet der Bericht die enormen Leistungssteigerungen in den einzelnen Landkreisen. Ganz Oberfranken liege mit einer Leistungssteigerung von 300 Kilogramm pro Kuh und Jahr im bayerischen Schnitt mit ganz vorne. „Im Vergleich zum Vorjahr konnten in allen Landkreisen hohe bis sehr hohe Leistungszuwächse in den Herden erreicht werden“, heißt es in dem Bericht. Allen voran steht der Landkreis Kronach mit einem satten Plus von 397 Kilogramm, gefolgt von Hof mit 393 Kilogramm.

In diesem Zusammenhang stellt Milcherzeugerring in seinem Jahresbericht auch klar, dass eine hohe Milchleistung nicht mit negativem Tierwohl in Verbindung zu bringen ist. Ganz im Gegenteil: wie die Zahlen zeigen, steige die Herdenleistung mit der Betriebsgröße kontinuierlich an. „Es ist wohl auch unbestritten, dass Tiere nur hohe Leistungen hervorbringen können, wenn sie sich wohl fühlen.“

Größere Unterschiede findet man in den einzelnen Landkreisen bei der Herdengröße. So sind die größten Milchviehbetriebe im Landkreis Bayreuth mit durchschnittlich 64 Kühen pro Betrieb zu finden. Als zweiter Landkreis hat Coburg mit rechnerisch 60,7 Milchkühen die 60-Kuh-Marke überschritten.

Durchschnittlich stehen in den oberfränkischen Ställen 58,3 Milchkühe, bayernweit sind es nur 50,4 Kühe pro Betrieb. Zum Stichtag 30. September 2020 standen exakt 72288 Milchkühe in 1179 Betrieben unter der Milchleistungsprüfung. Im Vorjahr waren es noch 74340, also über 2000 mehr.

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20.01.2021

Zukunft der naturnahen Teichwirtschaft in Gefahr/ Oberfränkische Teichwirte beklagen immense Biberschäden

Mitwitz. Der Biber macht den oberfränkischen Teichwirten derzeit wieder immens zu schaffen. „Alle Beteiligten müssen sich Gedanken machen, wie wir mit dieser Problematik umgehen, wenn wir eine naturnahe Teichwirtschaft auch in Zukunft aufrechterhalten wollen“, sagt Christian Holoch, Betriebsleiter der forstlichen Güterverwaltung in Mitwitz. (Landkreis Kronach) Holoch ist auch Beirat der Teichgenossenschaft Oberfranken, er bewirtschaftet rund 30 Hektar Gewässer rund um Mitwitz.

Dazu gehört auch der Breitensee am Ortsrand des Markts Mitwitz, den Holoch bereits seit 20 Jahren bewirtschaftet und der aufgrund seiner Jahrhunderte alten Historie bereits als „Kulturgut Teich“ ausgezeichnet worden ist. Hier sind die Biberschäden auch für den Laien deutlich zu sehen. „Wir haben seit einigen Jahren eine komplette Population hier“, sagt Holoch und zeigt auf gut ein Dutzend Zitterpappeln am Ufer, die der Biber schon gefällt hat und die im Wasser liegen. Von den Stämmen unter der Wasseroberfläche nagt der Biber dann die Rinde ab. Auf einer kleinen Insel ist die riesige Biberburg zu sehen, die der Nager im zurückliegenden Sommer gebaut hat.

Den Teichwirten geht es freilich nicht um die Schäden an den Gehölzen, sondern um die Dämme, die der Biber aufstaut und um die unterirdischen Ausbuchtungen, die ringsum Wege untergraben und die immer wieder große Schäden anrichten. In der Haftung ist der Teichwirt, denn er hat eine Sicherungspflicht für den gesamten Uferbereich. Doch wovon soll er teure Reparaturen bezahlen, etwas dann, wenn aufwändige Baggerarbeiten notwendig werden? Die Erlöse decken den Aufwand längst nicht mehr.

Ein weiteres Problem ist, dass der Biber die Karpfen aus der Winterruhe treibt. Die Fische leiden dann unter einem Energiemangelsyndrom, erläutert Kay Kuhlen von der Fischereifachberatung des Bezirks Oberfranken. Das bedeute, dass der Fisch dann im Frühjahr keine Energie mehr besitzt und im weiteren Verlauf daran zu Grunde gehen kann.

Sauer stößt es den betroffenen Teichwirten auf, wenn die Situation von Seite des Naturschutzes verharmlost wird. In den Naturschutzbehörden sei vielerorts bereits ein Problembewusstsein entstanden, ganz im Gegensatz zu den Naturschutzverbänden. Dort sei es oft noch nicht klar, dass die seit Jahrhunderten gewachsene Teichwirtschaft ein ebenso schützenswertes Gut sei.

Dabei ist der Karpfen, der beispielsweise hier im Breitensee heranwächst, das Bio-Lebensmittel schlechthin. Der Breitensee ist Bestandteil des Naturschutzprogramms des Freistaates, die Fische fressen ausschließlich Naturfutter. „Noch mehr Einklang mit der Natur ist nicht möglich“, sagt Kay Kuhlen. „Wir wollen nützen und schützen“, so Holoch. Das sei doch allemal besser, als wenn Fische künftig in riesigen Bassins in Fabrikhallen heranwachsen müssen. Diese Form der industriellen Erzeugung ist in Fernost schon längst an der Tagesordnung.

Holoch räumt auch offen ein, dass er keine Patentlösung parat hat. Sicher ist nur, dass den Teichwirten mit dem Fischotter neues Ungemach ins Haus steht. Wenn auch noch nicht am Breitensee, so ist der Fischotter in ganz Oberfranken bereits verbreitet. Er ist deshalb so gefürchtet, da er nicht nur ganze Teiche leer frisst, sondern sich oft nur die „Filetstücke“ des Fisches, also die fett- und eiweißreichen Innereien herauspickt und den restlichen Kadaver liegen lässt. Einzäunen sei beispielsweise bei der Größe des Breitensees unmöglich, auch das Einziehen von Stahlmatten komme viel zu teuer und stehe in keinem Verhältnis.

Bilder:
1.
 Hier hat der Biber schon sein Unwesen getrieben: Teichwirt Christian Holoch zeigt eine gefällten Zitterpappeln am Ufer des Breitensees in Mitwitz.
2.
Auf dieser kleinen Insel hat der Biber seine stattliche Burg gebaut.

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16.12.2020

„Wasserkraft soll die Wirtschaftlichkeit entzogen werden“ / Anlagenbetreiber aus dem Raum Bayreuth werfen Behörden Zerstörung von Existenzen vor

Döhlau. Einst markierte sie den Beginn der Elektrifizierung, jetzt soll sie vielerorts platt gemacht werden: die Kleine Wasserkraft. „Die Betreiber werden mit Auflagen so sehr gegängelt, dass sie den Forderungen nicht mehr nachkommen können und aufgeben müssen“, sagt Reinhard Moosdorf aus Tüchersfeld von der Interessengemeinschaft „Strom aus Wasserkraft“. Die Mitglieder sprechen einhellig von einer „Zerstörung von Existenzen“ und vom „Kahlschlag in der Gewässerökologie“. Dabei gibt es die Anlagen schon seit Jahrhunderten und jetzt sollen sie plötzlich bedenklich für den Fischbestand sein.

Doch um den Fischartenschutz und die Durchgängigkeit für sämtliche Fische gehe es nur vordergründig, sagen die Betreiber. In Wirklichkeit sei die Wasserkraft einfach nicht gewünscht. Investitionen von 100000 bis 200000 Euro für den Einbau von Aufstiegshilfen seien von den Betreibern einfach nicht leistbar. „Die Intention der Behörden ist es, uns die Wirtschaftlichkeit zu entziehen oder zumindest in Frage zu stellen“, so Norbert Hedler, Betreiber einer Wasserkraftanlage in Mittlernhammer bei Warmensteinach im Fichtelgebirge.

Dabei wäre die Wasserkraft vor dem Hintergrund der Energiewende ein wichtiger Beitrag dazu, die Klimaproblematik in den Griff zu bekommen. „Wir sprechen hier von einer sinnvollen Art der Energieerzeugung in dezentralen Anlagen, die wir als Ergänzung unbedingt brauchen“ so Reinhard Moosdorf. Energisch widerspricht er dem Argument, dass die Wasserkraft nur etwa vier Prozent an der gesamten Stromerzeugung ausmache. Das sei nur der in das öffentliche Netz eingespeiste Strom. Man müsse mindestens noch einmal vier Prozent dazu rechnen, wenn man den Strom zum Eigenverbrauch der Betreiber miteinbeziehe.

Die Schuldigen sehen Reinhard Moosdorf und seine Mitstreiter unter anderem beim Landratsamt Bayreuth und der zuständigen Fachbehörde, das für den Landkreis Bayreuth zuständige Wasserwirtschaftsamt Hof. Die vor rund einem Jahr aus einem Stammtisch hervorgegangene Interessengemeinschaft vertritt die Inhaber und Betreiber von etwa 30 Wasserkraftanlagen in der Region. Die Gemeinschaft wirft den Behörden fadenscheinige ökologische Begründungen vor, um die Wasserkraft kaputt zu machen.

Waren es vor 100 Jahren noch 23 Wasserkraftanlagen entlang der Steinach im Landkreis Bayreuth seien es heute gerade einmal noch neun Anlagen. Eine davon betreibt Müllermeister Konrad Switalski im Weidenberger Ortsteil Döhlau. Seit dem Jahr 1398 existiere die Mühle schon, seit 1954 befinde sie sich in Familienbesitz, sagt Switalski, der im Nürnberger Land noch eine zweite Mühle besitzt, 15 Mitarbeiter beschäftigt und der hauptsächlich die Gastronomie mit Weizen- und Roggenmehl beliefert.

Er würde gerne statt des derzeitigen Schützenwehrs ein Klappenwehr einbauen, um Hochwasserereignissen vorzubeugen, bei denen manchmal ganze Baumstämme aus dem Fichtelgebirge angeschwemmt werden. Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt würden dies aber nur genehmigen wenn auch ein Fischauf- und -abstieg realisiert wird. Laut Konrad Switalski würde dies die veranschlagten Kosten von geschätzten 100000 Euro auf etwa 300000 Euro verdreifachen und damit die gesamte Mühle in den Ruin treiben.

Was den oft ins Spiel gebrachten Fischreichtum angeht, so habe es vor 100 Jahren, also zu Zeiten der zehnfachen Zahl an Wasserkraftanlagen, wesentlich mehr Arten und Individuen gegeben, als heute. Die wahren Gründe für den Rückgang seien ganz woanders zu suchen, als bei den Wasserkraftanlagen. Der Fischbestand gehe aufgrund der chemischen Belastung vor allem durch Schwermetalle, aber auch durch den oft unterschätzten Reifenabrieb allgemein zurück. „Doch der schwarze Peter wird einfach auf die Wasserkraft geschoben“, so Reinhard Moosdorf.

Darüber hinaus seien die kleinen Bäche ohnehin nie ganz durchgängig gewesen. Doch „Theoretiker und Ideologen“ wollten die Europäische Wasserrahmenrichtlinie am liebsten bis ganz zur Quelle durchsetzen, mutmaßt Norbert Hedler. Dabei seien die Wasserkraftanlagen gerade in Trockenzeiten wichtig für den Fischbestand, weil die Staubereiche vor den Anlagen wichtige Rückzugsmöglichkeiten für Bachforellen oder Saiblinge bieten.

Bestes Beispiel für die Vorwürfe der Anlagenbetreiber ist eine Wasserkraftanlage, die der Speichersdorfer Landwirt Herbert Nickl in Ranna, zwischen Auerbach und Pegnitz betrieben hat. Er wollte die Anlage mit einer Jahreserzeugung von 110000 bis 120000 Kilowattstunden vor vier Jahren an einen Nachfolger übergeben, doch der Freistaat hatte von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht. Nun soll die seit dem 12. Jahrhundert bestehende Anlage trotz bestehender Fischtreppe platt gemacht werden. Klagen dagegen wurden bereits abgewiesen. Dabei hatte Umweltminister Thorsten Glauber versprochen, unter seiner Leitung kein einziges Wasserkraftwerk stillzulegen.

Bild: Müllermeister Konrad Switalski (links) und der Speichersdorfer Landwirt Herbert Nickl in der Mühle im Weidenberger Ortsteil Döhlau.

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11.12.2020

Ökofranken in Schwierigkeiten / Erzeugergemeinschaft verlangt hohe Rückforderungen - Mitglieder sprechen von einem Skandal

Itzgrund. Gegen den Erzeugerzusammenschluss Ökofranken werden von Mitgliedern schwere Vorwürfe erhoben. Nachdem der Vermarktungspool seit dem Jahr 2017 nicht mehr aufgelöst worden sei, sollen weit über 100 Bauern jeweils hohe fünfstellige Beträge zurückzahlen. Grund dafür sei die schlechte Marktlage. Ökofranken eG. Ist ein Zusammenschluss mit rund 300 Mitgliedern für ökologisch erzeugte landwirtschaftliche Produkte in Oberfranken und angrenzenden Gebieten mit Sitz in Itzgrund (Landkreis Coburg). Die Bauern müssen dabei keinem Anbauverband angehören, sie können auch die nach niedrigeren Standards erzeigte EU-Ökoware liefern.

Ein Biobauer aus Oberfranken spricht von horrenden Rückforderungen, weil der Vermarktungszusammenschluss gewaltig in die Roten Zahlen gerutscht sei. Ihm liege eine entsprechende Liste von Landwirten vor. „Die Situation ist äußerst verfahren“ so der Landwirt. Abgerechnet werde nach einem Poolsystem, bei dem der Preis je nach Vermarktungslage höher oder tiefer liegen kann. Allerdings sei dieser Pool seit 2017 nicht mehr aufgelöst worden. „Das hätte längst passieren müssen.“ Die Rückforderungen schwanken dabei je nach Liefermenge gewaltig. Wer nur fünf Tonnen angeliefert hat, müsse nur 50 bis 100 Euro zurückzahlen, wer allerdings 1000 Tonnen und mehr geliefert hat, bei dem würde es sich entsprechend summieren.

Die schlechte Marktsituation nimmt der Biobauer dem Zusammenschluss nicht ab. Er sieht vielmehr Versäumnisse in der Geschäftsführung. Dort sei schlecht gewirtschaftet worden. „Die haben dermaßen schlecht verkauft, das hätte man doch längst merken müssen.“ So sei Bio-Roggen zuletzt beispielsweise für 15 Euro pro Doppelzentner abgerechnet worden. Hätte er herkömmlichen Roggen ohne jeden Qualitätsanspruch an Biogasanlagenbetreiber verkauft, hätte er mehr bekommen.

Außerdem könne man doch nicht erst 2020 merken, dass man 2017 keine Erlöse gehabt habe. Angeblich seien 2017, 2018 und 2019 ausschließlich miserable Preise erzielt worden. Schon die Ernte 2019 sei ihm nicht ausbezahlt worden, berichtet der Landwirt. Angeblich, weil bei ihm Rückzahlen von über 10000 Euro offen stünden, da habe die Geschäftsführung seine Lieferung einfach einbehalten.

Einem Mitglied zufolge hat die Erzeugergenossenschaft bei den Banken Verbindlichkeiten von rund einer Million Euro. „Das Geld will man wahrscheinlich wieder reinholen.“.  Der Biolandwirt fasst sich aber auch an die eigene Nase. „Es war Leichtsinn von uns allen.“ Die Preise seien ja wirklich nicht besonders hoch gewesen. Auf der anderen Seite sei bis zum Jahr 2017 alles nahezu glatt gelaufen. Meist habe es eine Nachzahlung gegeben, weil letztlich doch zu einem besseren Preis verkauft wurde. Außerdem seien eventuelle Forderungen für die Jahre vor 2017 ohnehin verjährt. Illusionen macht er sich nicht: „Die Bauern werden wahrscheinlich wieder bluten müssen.“

Zu den Vorwürfen wollte sich Vorstand Roland Schrenker auf Nachfrage nicht äußern. Die Mitgliederversammlung vor wenigen Tagen fand nur online statt, nur Mitglieder durften daran teilnehmen. Schriftlich teilte Schrenker mit, dass die Ökofranken eG. über 300 Mitglieder hat. Einige von ihnen bekämen eine Nachzahlung, andere, die über das Poolsystem zu viel erhalten hätten, müssten es zurückzahlen. Was die Verbindlichkeiten angeht, könnten die Mitglieder aus der Bilanz 2019 entnehmen, dass sich diese durch Forderungen aufheben, so Schrenker. Er wies auch darauf hin, dass die Genossenschaft der jährlichen Prüfung durch den Genossenschaftsverband unterliege. Mehr könne er zum jetzigen Stand der Dinge nicht sagen. Dem Vernehmen nach wurden Vorstand und Aufsichtsrat bei der Jahreshauptversammlung nicht entlastet.

Foto: Bei der Erzeugergemeinschaft Ökofranken scheint es derzeit gewaltig zu stauben: Für Verluste aus den letzten Jahren werden von den Mitgliedern Rückforderungen erhoben. (Symbolbild).

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11.11.2020

„Schluss mit lustig“: Landwirte fordern deutlich höhere Markterlöse / Forderungspapier an Molkereien überreicht - 15 Cent mehr pro Liter Milch

Scheßlitz. Unter dem Motto „Schluss mit lustig – uns geht die Luft aus“ haben Mitglieder der Bewegung „Land schafft Verbindung“ (LSV) und des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) ein Forderungspapier an die Verantwortlichen von Molkereien und Schlachtbetriebe überreicht. Darin verlangen sie deutlich höhere Erlöse für Milch, Rinder, Schweine und Geflügel. In Scheßlitz (Landkreis Bamberg) überreichten Marianne Schuster aus Pödeldorf für den BDM und Michael Gabler aus Straßgiech (LSV) ein entsprechendes Papier an Geschäftsleiter Wolfgang Dötzer und an zuständigen Betreuer der Landwirte Johannes Mahr von dem zur Frischli-Gruppe gehörenden Milchhof Albert.

Wir fordern schon lange einen besseren Milchpreis, damit die gesamtwirtschaftliche Situation für uns besser wird, sagte Michael Gabler. „Wir bekommen seit Jahren immer weniger“, so der Nebenerwerbslandwirt. Der Aufwand zur Produktion der Milch sei nicht mehr gedeckt. Durch die Dürre und dem teureren Futterzukauf sei die Situation in den zurückliegenden Jahren noch zusätzlich schlimmer geworden. Gabler: „Für mich als kleinen Betrieb ist es einfach schwierig, eigentlich legen wir im Moment drauf und müssen über andere Betriebszweige wie dem Ackerbau querfinanzieren.“  

In der gleichen Situation befindet sich Marianne Schuster, die einen Betrieb im Haupterwerb bewirtschaftet. „Wir müssen unsere Rechnungen bezahlen, haben aber nicht den Erlös, den wir dafür brauchen. Bei der BayWa zahlen wir beispielsweise 89 Euro für die Stunde und selbst wird es uns verwehrt, zehn Euro in der Stunde zu verdienen“, so die Landwirtin. In diesem Jahr fehlten ihrem Betrieb bereits rund 50000 Euro. Dabei arbeiteten die Landwirte jeden Samstag, jeden Samstag, manchmal auch in der Nacht sowie an sämtlichen Feiertagen.

„Ich bin mir sicher, bei den Molkereien bleibt genug hängen“, sagte Marianne Schuster. 30, beziehungsweise 31 Cent pro Liter seien einfach zu wenig. „Wir brauchen einen anderen Preis.“ Sie bekräftigte deshalb noch einmal die Forderung nach 15 Cent mehr, zuzüglich der Mehrwertsteuer.

Die Situation der Vertragspartner sei auch der Molkerei bewusst, sagte Johannes Mahr vom Milchhof Albert. Allerdings hatte man vor zehn Jahren in Deutschland 28 Milliarden Kilogramm Milch, derzeit seien es 34 Milliarden, von denen die Hälfte in den Export gehe. „Wenn wir an dieser Situation wirklich etwas ändern wollen, wird das nur funktionieren, wenn die gesamte Wertschöpfungskette, also Verbraucher, Handel, Politik, Verarbeiter und Landwirte, an einem Strang ziehen.“ Mahr gab auch zu bedenken, dass 70 Prozent der deutschen Milch in genossenschaftlicher Hand, also in Bauernhand, sind. Damit hätten es die Bauern doch auch selbst in der Hand, etwas zu verändern. Er habe Verständnis für die Forderungen der Landwirte, doch auch in den Molkereien werde im Schichtbetrieb an 365 Tagen im Jahr und 24 Stunden am Tag gearbeitet. Kritisch merkte der Molkerei-Sprecher an, dass es immer noch Expansionstendenzen bei den Landwirten gebe, es werde immer noch gebaut und ausgebaut. Notwendig sei nicht zuletzt eine konkrete europäische Mengensteuerung.

Bild: Die beiden Landwirte Marianne Schuster und Michael Gabler überreichten ein Papier mit der Forderung nach deutlich höheren Markterlösen an Johannes Mahr (rechts) vom Milchhof Albert in Scheßlitz.

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15.10.2020

Geld für Aufforstung statt Prämien für Stilllegung / Bundesministerin Klöckner besichtigte Waldschadensflächen im Coburger Land

Großheirath. „Nicht nur am Amazonas brennen die Wälder, auch Frankens Wälder brennen, jedoch ohne Rauch. Die Folgen aber sind die Gleichen.“ Mit diesen dramatischen Worten hat der Vorsitzende der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken Wolfgang Schultheiß beschrieben, was die oberfränkischen Waldbauern derzeit umtreibt. Bei einem Besuch von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in Großheirath machte Schultheiß klar, dass ein Nachwachsen des Rohstoffes Holz künftig so nicht mehr stattfinden wird. Nicht nur die Erholungsfunktion der Wälder gehe dabei verloren, auch ein Stück Heimat bleibe auf der Strecke.

Mit Oberfranken war die Ministerin in eine der waldreichsten Regionen Bayerns gekommen. Der dortige CSU-Bundestagsabgeordnete nannte seinen Wahlkreis Coburg zusammen mit dem Nachbarlandkreis Kronach den waldreichsten in Oberfranken. Deshalb habe die Politik hier auch die Ernsthaftigkeit der Situation erkannt, versicherte Michelbach, der von schweren Schäden in den Wäldern des Coburger Landes und vom einem dramatischen Preisverfall auf dem Holzmarkt sprach.

Ministerin Klöckner kündigte das mit 1,5 Milliarden Euro ausgestattete „größte Aufforstungsprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik“ an. Damit sollen rund 285000 Hektar wiederbewaldet werden. 99,5 Millionen würden dabei nach Bayern fließen, acht Millionen Euro nach Oberfranken, 1,3 Millionen Euro in das Coburger Land. Mit dem Geld sollen vor allem standortangepasste Bäume gepflanzt und Schadholz geräumt werden. Oberstes Ziel seien klimastabile Mischwälder.

Als absolut falsch bezeichnete Klöckner die Forderung aus dem Bundesumweltministerium, Wald stillzulegen. Waldstilllegungsprämien stellten ein großes Problem dar, sagte sie. Stattdessen sollte ein Mix zur Naturverjüngung standortangepasster Wälder geschaffen werden. Auch die Ausgewogenheit von Wald und Wild lag der Ministerin am Herzen. „Es dürfe weder Wald vor Wild, noch Wild vor Wald heißen“, so Klöckner. Derartige Schlagworte würden nicht weiterhelfen. Vielmehr seien die Waldbauern aufgefordert, durch entsprechende Maßnahmen einen Verbissschutz zu schaffen.

Auch Klöckner wusste, dass viele Waldbauern derzeit mit dem Rücken zu Wand stehen. „Halten sie durch“, appellierte sie deshalb an die Waldbauern und gab zu bedenken, dass deren Arbeit für kommende Generationen geschehe. Insofern sei die Arbeit der Waldbauern auch ein Stückweit Bewahrung der Schöpfung.

Bundesministerin Klöckner hatte sich bei ihrem Termin in Coburg nicht nur mit Verantwortlichen der Waldbesitzervereinigungen und der Fortwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken getroffen, sie besichtigte auch eine große Schadfläche und ein Wiederaufforstungsprojekt im Ortsteil Watzendorf.

Zuvor hatte der Abgeordnete Michelbach die über 18000 Hektar Wald in seinem Landkreis nicht nur als wichtiges Erholungsgebiet und bedeutenden Lebensraum für Tiere und Pflanzen bezeichnet. Der Wald sei vor allem auch wichtiger Wirtschaftsfaktor. Geld für den Wald sei deshalb auch immer gut angelegtes Geld.

Auch für die Gemeinde Großheirath habe der Wald eine großes Bedeutung, so Bürgermeister Udo Siegel. Von den 320 Hektar Wald seien 80 Hektar im Gemeindebesitz. An vielen Stellen würden der Borkenkäferbefall und das enorme Schadholzaufkommen bereits erschreckend ins Auge fallen.

Bilder:

1. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner bei ihrem Besuch in Großheirath im Landkreis Coburg.
2. Wolfgang Schultheiß (rechts), zeigt Ministerin Julia Klöckner eine Schadfläche bei Watzendorf in der Gemeinde Großheirath. Links im Bild der örtliche Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach.
3. Unter den Augen ihres Stimmkreiskollegen hat sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in das Goldene Buch der Gemeinde Großheirath eingetragen.

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12.10.2020

Facebook und Co erklären Landwirtschaft / VMB zog Bilanz: Corona hat Milchmarkt durcheinandergewirbelt

Bayreuth. Bodenvergifter, Giftspritzer, Tierquäler: Das Image der Landwirtschaft in weiten Teilen der Bevölkerung ist nicht gerade das Beste. Andreas Wolfrum aus Döberlitz im Landkreis Hof hat bereits 2017 eine umfassende Social-Media-Kampagne gestartet, um das zu ändern. Beim Infotreff Milch des Verbandes der Bayerischen Milcherzeuger (VMB) in Bayreuth stellte der 29-.jährige Landwirt seine Aktivitäten vor und ermunterte die Berufskollegen, aktiv zu werden: „Wir müssen selbst agieren und nicht immer nur reagieren“.

Über 11000 Abonnenten hat allein seine Facebook-Seite, seine Bilder und Kurzvideos sehen regelmäßig viele Tausend User. Auch auf Instagram und You Tube ist Andreas Wolfrum unterwegs. Nicht nur das örtliche Fernsehen, auch der Radiosender Antenne Bayern und viele andere Medien sind dadurch bereits auf ihn aufmerksam geworden. Andreas Wolfrum bewirtschaftet im nördlichsten Teil Oberfrankens einen konventionellen Milchviehbetrieb mit rund 100 Milchkühen, außerdem betreibt er mit einem Nachbarn eine Biogasanlage.

„Nutztierhaltung wird in Zukunft nur noch funktionieren, wenn wir die Landwirtschaft der Öffentlichkeit und der Politik erklären“, so Andreas Wolfrum, Mitglied der BBV-Kreisvorstandschaft in Hof und Sohn von Kreisbäuerin Karin Wolfrum. Man müsse nach außen kommunizieren, dass Tierwohl entgegen mancher Meinung für die Bauern ganz oben auf der Agenda steht.

Größtes Problem dabei sei es, dass es immer weniger Landwirte gibt und dadurch auch der Bezug der Gesellschaft zur Landwirtschaft immer mehr abnimmt. Dazu komme, dass viele Verbraucher idyllische Vorstellungen von der Landwirtschaft haben und dass sie empfänglich für Negativschlagzeilen sind. Dabei entstehe so manche Diskrepanz: „Jeder will regionale Lebensmittel, aber keinen will einen Stallneubau“, so Andreas Wolfrum. Dieses Phänomen gelte auch für andere Bereiche: „Jeder will erneuerbare Energien, aber keiner will Windräder“.

Mit seinen Facebook-, Instagram- und You Tube-Aktivitäten will Andreas Wolfrum die klassische Öffentlichkeitsarbeit nicht in Abrede stellen. Ein Vorteil sei es allerdings, absolut spontan auf alles reagieren und selbst bestimmen zu können, was dargestellt werden soll. Unschlagbar sei die Verbreitung: „Wir kommen mit den sozialen Medien vom tiefsten Land in das höchste Hochhaus der Stadt“. Außerdem könne man mit einer realistischen Darstellung auch mit so manchen Vorurteil aufräumen. Das Bauer-sucht-Frau-Klischee etwa, sei nicht gerade hilfreich und viele Menschen glaubten immer noch, dass Landwirte den ganzen Tag mit zerrissenen Hosen und verdreckten Hemden herumlaufen. Den Strukturwandel werde man freilich nicht aufhalten können und so manch abwegige Meinung werde man aushalten müssen. „Jeden zu bekehren, das geht nicht“, so Andreas Wolfrum.

Neben dem Hauptreferat von Andreeas Wolfrum zog Geschäftsstellenleiter Jürgen Geyer aus Kempten eine gemischte Bilanz über den Milchmarkt der zurückliegenden Monate. Corona habe alles kräftig durcheinandergewirbelt, so sein Fazit. Eigentlich sei man gut ins Frühjahr gestartet. Doch mit Corona seien die Absätze im globalen Handel binnen kürzester Zeit eingebrochen. „Corona hat uns komplett aus den Socken gehoben und Gesellschaft wir Wirtschaft total durcheinandergebracht. Grenzen seien geschlossen, Handelsströme unterbrochen worden und die Welthandelspreise seien komplett nach unten gegangen. Den Tiefststand habe man dann im Juni mit einem durchschnittlichen Milchpreis von 31 Cent pro Kilogramm konventionell erzeugter Milch erreicht.

Auch wenn beispielsweise alle Weihnachtsfeiern wegfallen werden und Hotels, Großküchen und Kantinen immense Probleme haben, blicken die Verantwortlichen optimistisch in Zukunft. Positive Tendenzen und Zeichen der Entspannung seien erkennbar, der Warentransfer werde sich wieder normalisieren. Trotzdem rechne man unterm Strich für 2020 mit einem Gesamtmilchpreis, der um etwa einen Cent unter dem des Jahres 2019 liegen werden.

Bild: Setzt auf Facebook, Instagram und You Tube zu einer besseren Außendarstellung der Landwirtschaft: Andreas Wolfrum aus dem Landkreis Hof.

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01.10.2020

Zufrieden mit der Ernte – Unzufrieden mit der Politik / BBV: „Jeder zweite Ferkelerzeuger wird 2021 aufgeben“ - Bauernverband zieht zum Erntedankfest gemischte Bilanz

Kulmbach. Auf eine knapp unterdurchschnittliche Ernte können die Landwirte im Landkreis Kulmbach zurückblicken. „Die Bestände sind nicht überragend, aber trotz aller Wetterkapriolen können wir mit dem zurückliegenden Erntejahr zufrieden sein“, sagte BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger im Vorfeld des Erntedankfestes, das heuer Corona-bedingt nicht, wie ursprünglich geplant, in großem Rahmen gefeiert werden kann.

Erntedank sei eines der größten Feste in der Landwirtschaft. Es habe nach wie vor seine Berechtigung, auch wenn die Regale voll sind, so Löwinger. Das zurückliegende Erntejahr sei von einer so großen Frühjahrstrockenheit geprägt gewesen, dass man im April und Mai noch mit sehr gemischten Gefühle auf die weitere Entwicklung blicken musste. „Eine Frühjahrstrockenheit in derart ausgeprägter Form hatten wir noch nie“, sagte der Kreisobmann. Nachdem in den Sommermonaten die ganz große Hitze ausgeblieben sei, habe man aber wieder zuversichtlich nach vorne blicken können.

Als Sorgenkind bezeichnete Löwinger die Wintergerste mit minderen Erträgen. Zufriedenstellend sei die Situation dagegen beim Mais und beim Grünland. Nachdem der erste Schnitt katastrophal gewesen sei, habe der zweite und dritte Schnitt wieder einigermaßen Erträge gebracht, so dass genug Futter für den Winter da ist.

So zufrieden die Bauern mit der Ernte sind, so unzufrieden sind sie mit dem politischen Umfeld. „Wir sind auf dem besten Weg, die Landwirtschaft und vor allem die Tierhaltung hierzulande kaputt zu machen“, so Löwinger. Schuld daran seien politische Entscheidungen, die in keiner Weise mehr der Praxis entsprechen und von den Landwirten nicht mehr nachvollzogen werden können. Als Beispiel nannte er die Nutztierverordnung, die längst nicht mehr mit der Praxis vereinbar sei. Das gleiche gelte für die Düngeverordnung oder für das Kastrationsverbot.

Schließlich müssten alle Bauern, aber ganz besonders die Schweinehalter und Ferkelerzeuger derzeit die Zeche für den „Tönnies-Skandal“ zahlen. Die Preise seien im Keller und jetzt müssten die Landwirte auch noch mit dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest kämpfen. „Das hat das Fass jetzt wirklich zum Überlaufen gebracht“, so Löwinger. Dabei habe man noch Glück im Unglück gehabt, dass es eineinhalb Jahre dauerte, bis die für den Menschen völlig ungefährliche Tierseuche nach Deutschland übergeschwappt ist. Löwinger geht davon aus, dass aufgrund der aktuellen Entwicklungen im kommenden Jahr 50 Prozent aller Ferkelerzeuger aufgeben werden.

„Wir wissen, was wir an unseren Landwirten haben“, stellte sich Landrat Klaus Peter Söllner demonstrativ an die Seite der Bauern. Söllner bedauerte, dass es heuer keine Erntedankveranstaltungen gibt, seien sie doch immer die beste Werbung für die Landwirtschaft gewesen. Die Bauern im Kulmbacher Land arbeiteten mit höchster Verantwortung und versorgten die Menschen mit hochwertigen Lebensmitteln. „Für uns im ländlichen Raum ist die Landwirtschaft ein ganz wichtiger Partner.“

Bewahren und erhalten, das gelte für den Bauernstand seit Jahrhunderten, sagte Kreisbäuerin Beate Opel. Die Auflagen und Verordnungen seitens der Politik seien nicht nur kaum umzusetzen, sie würden auch die Bauernfamilien extrem belasten. Der Kreisbäuerin zufolge zeige Corona auch, dass man auf die einfachen Dinge des Lebens wieder mehr Wert legen und nicht immer nach größer, besser und weiter streben sollte. Für Beate Opel sei die Corona-Krise insofern besonders belastend, als dass die Landfrauenarbeit praktisch zum Erliegen gekommen ist. „Ich vermisse meine Landfrauen sehr“, sagte sie und kündigte für das Winterhalbjahr zumindest wieder Treffen auf kleinerer Ebene an.

Der Bauernverband sei trotz Corona stets für seine Mitglieder da gewesen, so Geschäftsführer Harald Köppel. Die Geschäftsstelle sei stets offen gewesen und die Online-Bewältigung aller Aufgaben habe besser funktioniert, als zunächst gedacht. Gleichwohl gab auch Köppel zu bedenken, dass viele persönliche Kontakte auf der Strecke geblieben sind.

Bild: Mit gemischten Gefühlen blicken die Kulmbacher Landwirte zum Erntedankfest in die Zukunft. Im Bild von rechts: Kreisobmann Wilfried Löwinger, BBV-Geschäftsführer Harald Köppel, Kreisbäuerin Beate Opel und der Kulmbacher Landrat Klaus Peter Söllner.

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29.09.2020

Ökologisch sinnvoll und auf Dauer günstiger / Solare Trocknungsanlage reduziert Klärschlamm um weit über die Hälfte

Bayreuth. Die Ausbringung von Klärschlamm auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ist nach der Novellierung der Düngemittelverordnung eigentlich nicht mehr möglich. Also muss man sich auf der Suche nach neuen Lösungen machen. Eine besonders innovative Lösung gibt es schon seit 2016 im Bayreuther Klärwerk. Hier entstand eine solare Trocknungsanlage, mit deren Hilfe die Menge des mechanisch entwässerten Schlamms aus den Faultürmen von rund 11000 Tonnen pro Jahr auf etwa 3700 Tonnen pro Jahr verringert wird. Wie das funktioniert, das konnten zahlreiche Bürgermeister aus dem Landkreis bei einer von der Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel Fischer organisierten Führung durch das Klärwerk erleben.

Durch die Trocknung wir die Menge wesentlich reduziert, sagte Lothar Ziegler, Leiter des Abwasserbetriebs im Klärwerk Bayreuth. Die rund sechs Millionen Euro teure solare Trocknungsanlage, die 2016 in Betrieb gegangen war, sei von Anfang an ökologisch sinnvoll gewesen und werde sich in vier Jahren amortisiert. Die Ersparnis an Entsorgungskosten pro Jahr bezifferte Ziegler auf rund 800000 Euro.

Vertragspartner für die Klärschlammentsorgung ist das Unternehmen Südwasser. Das Tochterunternehmen der Bayernwerk AG verwertet den Klärschlamm thermisch über Zementwerke, Kohlekraftwerke und Klärschlamm-Monoverbrennungsanlagen. Konkret hat die solare Trocknungsanlage eine Größe von 120 mal 60 Metern, sie ist damit so groß wie ein Fußballfeld. Sie sieht aus, wie ein herkömmliches Gewächshaus, in dem sich der Schlamm zur Trocknung auf fünf Straßen verteilt. Die Wärme kommt von der Sonne und von der benachbarten Biogasanlage. Wie beim einem Heuwender wird der trockene Schlamm ständig nach unten und der feuchte nach oben transportiert. Die feuchte Luft wird über Abluftwäscher nach außen transportiert. Nach einem Monat bleiben 90 Prozent Trockenmasse und zehn Prozent Wasser übrig. Die Trockenmasse wird wöchentlich von drei Lkw abgeholt.

Nachdem die Ausbringung von Klärschlamm in der Landwirtschaft kritisch geworden ist, seien innovative Lösungen wie in Bayreuth von großer Bedeutung, sagte die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Der stellvertretende Landrat Klaus Bauer bezeichnete die Abwärmenutzung durch die benachbarte Biogasanlage als echten Glücksfall für beide Partner. Die Reduzierung von Klärschlamm sei genauso wie beim Müll extrem wichtig geworden, so Oberbürgermeister Thomas Ebersberger. Die Müllverbrennungsanlage Schwandorf habe keinerlei Erweiterungskapazitäten mehr und nehme spätestens in zwei Jahren keinen Gewerbemüll mehr an.

An das Klärwerk Bayreuth sind neben der Stadt auch die Umlandgemeinden Eckersdorf, Creußen sowie Teile von Haag und damit etwa 90000 Einwohner angeschlossen. Im kommenden Jahr sollen außerdem Neunkirchen, Mistelbach und die restlichen Ortsteile von Haag dazukommen. „Wir hätten aber noch Kapazitäten frei“, sagt Lothar Ziegler. Die Haupteinleitungen kämen allerdings nicht von Privathaushalten, sondern von großen Industriebetrieben, wie dem Schlachthof, der Käserei oder der Brauerei Gebrüder Maisel. Das Klärwerk hat eine Größe von zehn Hektar Fläche, zwischen dem Zulauf und dem Anlauf liegt ein Kilometer Strecke. Tagsüber ist die Anlage mit 22 Mitarbeitern besetzt.

Bilder:
1.
 Lothar Ziegler leitet den Abwasserbetrieb im KLärwerk Bayreuth.
2,
Lothar Ziegler erläutert, wie Klärschlamm um weit über die Hälfte reduziert werden kann. Rechts im Bild die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer.
2. Wie ein Gewächshaus, nur ohne Pflanzen: die solare Trocknungsanlage im Klärwerk Bayreuth.

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25.09.2020

Flächenprämien nur für aktive Landwirte / Europaabgeordnete Monika Hohlmeier bei BBV-Bezirksversammlung

Himmekron, Lks. Kulmbach. Die oberfränkische Europa-Abgeordnete Monika Hohlmeier (CSU) will sich für eine gerechtere Verteilung von Flächenprämien stark machen. „Die EU-Zahlungen an Landwirte sollen ein Einkommensausgleich sein und kein attraktives Investment“, sagte sie bei der BBV-Bezirksversammlung vor den oberfränkischen Kreisbäuerinnen und Kreisobmännern in Himmelkron.

Die Kommission müsse einen genauen Überblick darüber haben, wer eigentlich die Flächenprämien bekommt. Es könne nicht sein, dass große Flächen von Investoren angekauft, und dann gar nicht landwirtschaftlich genutzt werden. Für den Investor lohne sich die Hektarprämie, doch beim Landwirt entstehe ein gewaltiger Konkurrenzdruck.

Um das künftig zu verhindern kündigte Hohlmeier ein „Echtzeit-Info-System“, an, das vor allem mehr Transparenz schaffen soll. Darüber hinaus sollen die Obergrenzen der Zahlungen gekappt und ausschließlich auf natürliche, nicht auf juristische Personen ausgelegt werden. Davon würden alle bäuerlichen Betriebe profitieren. „Millionäre, die tausende von Hektar aufkaufen, werden bei der Flächenprämie dagegen künftig leer ausgehen“, sagte die Abgeordnete. Hohlmeier: „Wenn wir das Geld vernünftig verteilen, dann kriegen es auch die Richtigen.“ Wer dagegen kein aktiver Landwirt sei, der benötige auch keinen Einkommensausgleich. 

Nach den Worten der Abgeordneten sollen in der künftigen gemeinsamen Agrarpolitik außerdem 40 Prozent der Gelder für Klimamaßnahmen verwendet werden. Das große Problem dabei werde sein, was die Kommission als klimarelevant einstuft. Daneben sollen in der künftigen GAP auch soziale Belange ihren Niederschlag finden. Illegale Beschäftigung dürfe dann kein Thema mehr sein. In Deutschland existierten entsprechende Regelungen, ganz im Gegensatz zu anderen EU-Staaten allerdings längst.

Der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif forderte die Abgeordnete bei allen ihren Aktivitäten auf, dafür zu sorgen, dass die Landwirte nicht mit noch mehr Bürokratie überzogen werden. Vor allem kleine Familienbetriebe, die vielleicht nebenbei noch die eine oder andere Ferienwohnung anbieten, dürften nicht mit noch mehr Bürokratie belastet werden.

Immer mehr Auflagen sorgten dafür, dass immer weniger junge Leute die Landwirtschaft weiterführen, sagte der Bamberger Kreisobmann Edgar Böhmer. Er kritisierte vor allem die Umsetzung von EU-Vorgaben auf Bundes- und Landesebene, wo „immer noch eins draufgesetzt“ werde. Da stelle sich für ihn schon die grundsätzliche Frage, ob landwirtschaftliche Produktion so noch gewollt sei, oder nicht. Die Bauern hätten derzeit Null-Planungssicherheit, was durch die Corona-Krise noch einmal verschärft worden sei. Nur Erschwernisse und Auflagen, das könne mit der Zeit nicht gut gehen, schon jetzt würde viele Berufskollegen den psychischen Druck nicht mehr standhalten.

Das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration bedauerte bei dem Gespräch die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner. Für sie sei die Sache aber noch nicht gelaufen, denn das Verbot sei ausschließlich auf den Koalitionspartner SPD zurückzuführen. Unter einer neuen politischen Konstellation werde sie das Thema erneut zur Sprache bringen.

Bild: Diskutierten bei der oberfränkischen Bezirksversammlung in Himmelkron mit den Kreisbäuerinnen und Kreisobmännern (von links): der Bundestagsabgeordnete Friedrich, die Europaabgeordnete Monika Hohlmeier und die Bundestagabgeordnete Emmi Zeulner.

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31.08.2020

Nächtliche Sternfahrt und Mahnfeuer zum Auftakt der Agrarministerkonferenz

Lahm. Aus Solidarität mit den Berufskollegen bei der EU-Agrarministerkonferenz in Koblenz hat der Zusammenschluss „Land schafft Verbindung - Landwirtschaft verbindet Bayern“ eine Sternrundfahrt über Lichtenfels, Bad Staffelstein und Ebensfeld nach Lahm im Itzgrund veranstaltet. Dort tauschten sich die Aktivisten am Abend bei einem Mahnfeuer unter dem Motto „Wegen uns muss der Regenwald nicht brennen“ aus, nachdem Lothar Teuchgräber, stellvertretender Lichtenfelser BBV-Kreisobmann aus Bad Staffelstein, noch einmal die wichtigsten Forderungen des Bauernprotestes verkündet hatte. Eine Änderung der Umwelt- und Tierwohlstandards dürfe nicht zu Lasten der Sozialstandards und der Einkommen der Bauern gehen, lautete eine der zentralen Botschaften. Eine Verlagerung der Produktion ins Ausland verlagere die Probleme nur. Je mehr Agrarprodukte importiert werden, desto mehr Regenwald wird gerodet“, so Teuchgräber. An der Sternfahrt hatten sich an die 50 Schlepper, teilweise mit Transparenten, beteiligt.

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28.08.2020

Trockenheit und Kalamitäten machen Coburger Wald zu schaffen / WBV beklagt fehlende politische Unterstützung

Watzendorf. Soll man die Fichte aufgeben oder nicht, darüber streiten sich selbst Fachleute. Ralf Keller, stellvertretender Geschäftsführer der Waldbauernvereinigung Coburger Land, meint, man sollte die restlichen Fichten, die es noch gibt, schützen. Etwa durch Waldhygiene. Dort, wo die Fichte noch steht, müsse man den Wald vom Borkenkäfer frei räumen. Andernfalls würde das benötigte Fichtenholz aus dem Ausland, etwa aus Sibirien, importiert.

Eine ganz andere Auffassung vertrat bei einem Ortstermin in Watzendorf bei Seßlach der stellvertretende Coburger Landrat Christian Gunsenheimer (Freie Wähler). Die Kombination von Trockenheit und Kalamitäten werde dazu führen, dass man sich gedanklich von der Fichte verabschieden muss, sagte er. „Wir werden generell mit der Fichte nicht mehr glücklich werden“, so Gunsenheimer.

Vor dem Hintergrund des Klimawandels sagte er voraus, dass die Trockenheit der zurückliegenden drei Jahren künftig der Dauerzustand sein wird. „Trockenheit und Sturmschäden werden wir noch öfter bekommen“, so der stellvertretende Landrat. Deshalb müsse man mit dem Thema ganzheitlich umgehen, das bedeute zum Beispiel, Holzhackschnitzelheizungen stärker zu forcieren, mehr mit Holz zu bauen und dies auch in den Regularien der Bauvorschriften so festsetzen.

Die große Bedeutung des Waldes im Landkreis Coburg machte der WBV-Vorsitzende Wolfgang Schultheiß an einer ganzen Reihe an Zahlen deutlich. Er bezeichnete die WBV als „größte Klimaschutzorganisation Coburgs“. Gehe man davon aus, dass der Wald rund zehn Tonnen Kohlendioxid pro Hektar und Jahr bindet, dann komme man im Landkreis auf rund 200000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Das entspreche dem Jahresausstoß von etwa 100000 Pkw, wobei es im Landkreis Coburg aber nur etwa 50000 Pkw gebe.

Aktuell sprach Schultheiß von der „größten Käferkalamität seit Menschengedenken“. Der Verfall des durchschnittlichen Holzpreises von 90 auf 25 Euro pro Festmeter spreche für sich. Minderwerte Sortimente und Hackschnitzel seien derzeit absolut unverkäuflich. Der Vorsitzende beklagte außerdem, dass es aktuell weder finanziell noch emotional irgendeine politische Unterstützung für die Waldbesitzer gebe. Dazu kämen unglückliche Aussage von Ministerpräsident Markus Söder, der sich für einen „urigen Wald mit Totholz“ statt eines Wirtschaftswaldes ausgesprochen hatte und das ständige Gerede von Waldstilllegungen.

Schultheiß hatte aber auch eine Reihe von Handlungsempfehlungen parat, die er bei dem Ortstermin dem stellvertretenden Landrat und dem Coburger CSU-Landtagsabgeordneten Martin Mittag erläuterte. Dazu gehöre die Borkenkäferbekämpfung mit Insektiziden genauso, wie entsprechende Rahmenbedingungen für eine zügige Abfuhr des Holzes aus dem Wald. Möglich sollte es auch wieder sein, das Holz mit 500 Metern Abstand aus dem Wald zu bringen und auf landwirtschaftlichen Flächen zu lagern, ohne dass es mit dem Kulturlandschaftsprogramm Konflikte gebe. Alle Waldbesitzer, die nicht in der Lage seien, innerhalb von einigen Wochen ihre Wälder aufzuarbeiten, sollten aufgefordert werden, sich an Sammeldurchforstungen und –vermarktungen zu beteiligen.

Was den Wildverbiss angeht, forderte der WBV-Vorsitzende eine höhere Abschussquote sowie eine Förderung des Baus von Schutzzäunen. Nicht zuletzt sei auch eine Neuauflage der Förderung für Biomasseheizungen notwendig. Corona-bedingt seien der WBV Coburg, die zusammen mit der WBV Kronach und der WBV Lichtenfels eine Biomasse GmbH betreibt, einige große Abnehmer von Hackschnitzeln wie etwa die Therme Bad Staffelstein weggebrochen, so dass sogar die Auflösung der Biomasse GmbH im Raum steht.

Die WBV Coburg hat rund 1000 Mitglieder mit einer Waldfläche von zusammen 12000 Hektar.

Bild: Der stellvertretende WBV-Vorsitzende Daniel Angermüller, stellvertretender Landrat Christian Gunsenheimer, WBV-Vorsitzender Wolfgang Schultheiss und der Landtagsabgeordnete Martin Mittag (von links) bei einem Ortstermin nahe Watzendorf bei Seßlach.

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20.08.2020

Klöckner in Kulmbach: Tierwohl und Trockenheit / Bundeslandwirtschaftsministerin diskutierte mit Junglandwirten

Kulmbach. Die Region Kulmbach steht für Ernährung, für gute fachliche Praxis sowie für Einklang von Natur und Produktion. Dieses Fazit zog Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner bei ihrem Besuch in der Region. Klöckner besichtigte unter anderem das Unternehmen Raps und das Max-Rubner-Institut und sprach mit Vertretern des Uni Campus Kulmbach. Während der Unternehmensbesuch und die Stippvisite im Max-Rubner-Institut weitgehend nichtöffentlich stattfanden, gab es zuvor eine Diskussion mit Junglandwirten auf einem Feld zwischen Appenberg und Gundersreuth bei Mainleus. Gleich zu Beginn ihres Besuches hatte sie die Aufgabe, die Bauern mit einer negativen Meldung zu konfrontieren: Die für Januar 2021 geplante weltweite Leitmesse der Agrarbranche, die Grüne Woche in Berlin, werde Corona-bedingt ausfallen.

Es gehe ihr bei dem Besuch in Kulmbach darum, zu erfahren, was junge Landwirte an Hilfestellungen brauchen, um das leisten zu können, was die Gesellschaft von ihnen verlange, sagte Klöckner. Da gehe es um mehr Umweltschutz und um mehr Klimaschutz, aber auch um die Sicherung unserer Ernährung. Landwirtschaft sei schon immer dem Wandel unterworfen gewesen. Genauso habe die Gesellschaft auch schon immer wechselnde Anforderungen an die Nahrungsmittelproduktion. Während es vor 40, 50 Jahren darum gegangen sei, Ernten zu sichern, stünden heute die Produktionsbedingungen im Vordergrund, so die Ministerin.

Landwirte müssten heute vor dem Hintergrund des Klimawandels aber auch in ihrem eigenem Interesse viel mehr an Erwartungen erfüllen. Der Klimawandel habe sich an drei sehr trockenen Jahren hintereinander bemerkbar gemacht. Das bedeute, man brauche viel mehr Fruchtwechsel, viel mehr Zwischenfrüchte, um den Boden locker zu halten und Feuchtigkeit zu speichern. Genauso gut gehöre die Reduktion von Pflanzenschutz- und Düngemitteln dazu.

In der Tierhaltung spiele das Tierwohl eine ganz große Rolle. Wenn Ställe dafür umgebaut werden sollen, müsse man die Landwirte begleiten. Klöckner gab dabei auch zu bedenken: „Wenn kleine Landwirte vor Ort aufgeben und wir dann die Produkte importieren müssen, haben wir auf die Produktionsstandards keinen Einfluss mehr.“ Es könne nicht angehen, dass sich jeder Verbraucher eine regionale Lebensmittelerzeugung wünsche, im Supermarkt aber gleichzeitig Cent-Beträge für die Kaufentscheidung ausschlaggebend seien.

Großes Lob zollte die Ministerin der jungen Generation an Landwirten. Die jungen Leute würden sich nicht beklagen, sondern wollen Landwirtschaft betreiben, seien offen für neue Züchtungen und für die Digitalisierung. Dafür fordere sie völlig zurecht auch Planungssicherheit ein. Das soll jetzt auch bei der nächsten EU-Agrarministerkonferenz, die in Deutschland stattfindet, eingebracht werden. Dabei machte die Ministerin aber auch keinen Hehl daraus, dass die künftige gemeinsame europäische Agrarpolitik „grüner und nachhaltiger“ werde und dass es in Sachen Tierwohl kein Zurück mehr geben werde. Eine betäubungslose Ferkelkastration werde es beispielsweise nicht mehr geben. „Tierwohl geht vor, wenn sie von der Gesellschaft akzeptiert sein wollen.“

Die jungen Landwirte gaben der Ministerin allerdings auch zahlreiche Forderungen mit auf den Weg. Der Anbau von Zwischenfrüchten zur Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit müssten halt auch honoriert werden, sagte Tobias Weggel. Bestandsschutz für Ferkelerzeuger forderte Heiko Kaiser. Wenn aufgrund der Tierwohldiskussionen Ausbauten in den Ställen notwendig werden, bedeute das für viele Landwirte, dass sie die erforderlichen Investitionen nicht mehr stemmen können und stattdessen aufgeben. Zu viel Bürokratie beim Bau von Güllegruben kritisierte Milchviehhalter Manuel Faßold aus dem Landkreis Lichtenfels. Aufgrund der vielen Sonderauflagen für jedes einzelne Bauteil habe niemand mehr Lust, eine Güllegrube zu bauen. Dabei seien sie so dringend notwendig, sagte Berufskollege Andreas Popp. Auf der einen Seite soll im Herbst keine Gülle mehr ausgebracht werden, auf der anderen Seite werde der Bau von Güllegruben erschwert.

Ein weiteres Thema war auch der katastrophale Zustand des Waldes aufgrund der Trockenheit. „Wir müssen hektarweise Wald wegschlagen“, so Johannes Hick aus Königsfeld. Mittlerweile sei bereits die dritte Borkenkäfergeneration dieses Jahres zugange. Die Waldbesitzer seien ganz einfach überfordert, sagte Susanne Löblein, ebenfalls aus dem Landkreis Bamberg. Bei der Holzvermarktung lege man im Moment drauf. Den „extremen Druck“ seitens des Lebensmitteleinzelhandels prangerte schließlich Stefan Scherzer vom gleichnamigen Gemüsebaubetrieb an. Während sein Betrieb mit hohen Investitionen aufgrund immer weiter steigender Anforderung zurechtkommen müsse, zähle für den Lebensmitteleinzelhandel am Ende jeder Cent, alles andere, auch die regionale Erzeugung sei nachrangig.

Zuvor hatte die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner der Ministerin die kleinstrukturierte Landwirte in der Region vorgestellt, die etwa zur Hälfe im Voll- und im Nebenerwerb betrieben werde. Die Region sei extrem von der Trockenheit geprägt, so Zeulner zum derzeitigen Hauptproblem der Landwirte in der Region.

Bilder: Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner im Gespräch mit Junglandwirten auf einem Feld in der Gemeinde Mainleus.

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19.08.2020

Vom Laichfisch bis zum Grillfisch: Wichtige Institution für die Umweltbildung / Lehranstalt für Fischerei des Bezirks Oberfranken feierte 40-jähriges Bestehen

Aufseß. Mit der Enthüllung einer Karpfenskulptur hat der Bezirk Oberfranken das 40-jährige Bestehen der Lehranstalt für Fischerei in Aufseß gefeiert. Der „Phantastische Karpfen“, der künftig vor dem Verwaltungsgebäude alle Besucher begrüßen wird, wurde von der Künstlergruppe des Vereins „Rote Katze“ aus Bayreuth gestaltet. Der Verein unterstützt Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen bei der Entdeckung und Entwicklung ihrer kreativen Begabungen.

Als „Kompetenzzentrum rund um den Fisch“ bezeichnete Bezirkstagspräsident Henry Schramm die Lehranstalt für Fischerei, die am 1. Mai 1980 ihren Betrieb aufgenommen hatte. Oberstes Ziel sei es von Anfang an gewesen, den heimischen Fisch und seine Lebensbedingungen in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit zu rücken. Das sei auch gelungen, sagte Schramm. Er sprach von 5000 Menschen, die jedes Jahr den Weg nach Aufseß finden. Viele Teichwirte seien darunter, aber auch Schulklassen und Kindergärten, denen die große Bedeutung von Fischen und Gewässern nahe gebracht werden soll. Schwerpunkt der Lehrgänge zur Fortbildung von Fischern und Teichwirten ist nach den Worten des Bezirkstagspräsidenten die Verwertung heimischer Fischarten, aber auch deren Nachzucht, kurz: „vom Laichfisch bis zum Grillfisch“.

Mit über 2000 registrierten Betrieben sei die Teichwirtschaft in Oberfranken bayernweit ganz vorne angesiedelt, sagte Bezirkstagspräsident Schramm. Über 14000 Teiche mit fast 3000 Hektar Fläche und rund 2000 Kilometer Uferstreifen würden für sich sprechen.

Die Idee zur Lehranstalt, die damals noch Beispielbetrieb hieß, hatte der langjährige Leiter der beim Bezirk angesiedelten Fischereifachberatung Robert Klupp. Er habe frühzeitig den Bedarf an fischereilicher Aus- und Fortbildung erkannt, sagte Schramm. Wichtige Mitstreiter seien von Anfang an der Bezirksfischereiverband und die Teichgenossenschaft Oberfranken gewesen. Heute ist die Lehranstalt sogar ein Ausbildungsbetrieb mit aktuell drei Lehrlingen zum Fischwirt.

Peter Thoma, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken, würdigte die enge Zusammenarbeit mit der Lehranstalt, sprach aber auch die Probleme an, mit denen die Teichwirte derzeit zu kämpfen haben. Dazu gehörten zum einen die aufgrund der Trockenheit zurückgehenden Wasserreserven sowie die immense Zunahme tierischer Schädlinge, ganz besonders des Fischotters. „Wenn wir dieses Problem nicht lösen, werden viele Teichwirte aufgeben müssen“, so Thoma. Auch die Angelfischerei finde in der Lehranstalt immer wieder kompetente Ansprechpartner, sagte der zweite Vorsitzende des Bezirksfischereiverbandes Reinhard Krug, Er sprach von einer wichtigen Institution zur Umweltbildung mit dem Projekt „Fische machen Schule“. Aber auch die Erzeugung und Bereitstellung hervorragender Besatzfische sei der Lehranstalt zu verdanken.

Der farbenfrohe Entwurf für den „Phantastischen Karpfen“ stammt von Petra Blume aus Bayreuth, die selbst Mitglied der Künstlergruppe „Rote Katze“ ist. Umgesetzt wurde der Entwurf von vier weiteren Mitgliedern, die daran mehrere Tage lang in einer eigens angemieteten Scheune im Landkreis gearbeitet hätten. Aufgrund der Corona-bedingt geforderten Abstandsregelungen sei das angestammte Atelier zu klein gewesen, so dass das Projekt beinahe gescheitert wäre, berichtete Petra Blume. Nun freue sie sich umso mehr über den neu entstandenen Blickfang.

Bild: Vor dem Verwaltungsgebäude der Lehranstalt für Fischerei in Aufseß hat der Bezirk Oberfranken zum 40-jährigen Bestehen einen „Phantastischen Karpfen“ enthüllt.

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14.08.2020

Ideale Botschafterin für die Landwirtschaft / Energiepflanze zur Papiergewinnung – Donau-Silphie-Tour machte Station bei Leo Göller in Hirschaid

Hirschaid. Die Durchwachsene Silphie („silphium perfoliatum“) kennt man als Energiepflanze zur Verarbeitung in der Biogasanlage. Doch was ist, wenn das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ausläuft? Auf seiner Tour durch ganz Deutschland stellte das Saatgutunternehmen Metzler & Brodmann Saaten, das vom „Hahnennest“ im baden-württembergischen Ostrach aus die „Donau-Silphie“ vertreibt eine neue Form der Verwertung vor. „Wir möchten die Fasern der Silphie zur Papierherstellung, vornehmlich zur Herstellung von Verpackungsmaterial nutzen“, sagte Produktmanagerin Alexandra Kipp bei der 13. von 20 Stationen im oberfränkischen Hirschaid bei Bamberg.

Dort baut Landwirt Leo Göller die Silphie seit drei Jahren an, aktuell auf einer Fläche von vier Hektar. Der Bestand aus dem Jahr 2018 hatte schon so einiges durchgemacht, von extremer Trockenheit bis zum Hagel, steht aber trotzdem hervorragend da. Es handele sich dabei um ein Projekt im Wasserschutzgebiet, das von der Regierung von Oberfranken, den Wasserversorgern von Bamberg und Hirschaid mit betreut wird. Bisher hatte er die Ernte in Biogasanlagen verarbeitet, neue Versuche für Papierproduktion laufen.

Alexandra Kipp schwärmt von der Silphie als die ideale „Botschafterin für die Landwirtschaft“. Die Pflanze habe viele Vorteile, sie bringe Insektenschutz, Klimaschutz und Wasserschutz unter einem Hut. Ihr Unternehmen arbeite derzeit intensiv an zukunftsfähigen Lösungen für die Zeit nach dem EEG und habe vor wenigen Monaten eine neu gebaute Fasergewinnungsanlage in Betrieb nehmen können. „Wir wollen Silphienfasern für die Papierherstellung gewinnen und soweit aufbereiten, dass sie in einer Papierfabrik direkt weiterverarbeitet werden können“, so die Produktmanagerin. Die Testphase laufe bereits auf Hochtouren, erste Ergebnisse konnte sie bei dem Feldtermin in Hirschaid bereits den Landwirten vorstellen. Rund 100 Bauern aus allen Teilen Oberfrankens waren gekommen, was zeigt, dass das Interesse groß ist. Die Energiepflanze könnte damit auch für diejenigen Landwirte interessant sind, die keine Biogasablage betreiben.

Die Papierherstellung könnte ein interessanter Markt sein, sagte Alexandra Kipp und zeigte mehrere Verwendungsmöglichkeiten für die unterschiedlichsten Qualitäten. Die reichen von Eierkartons bis hin zu Verpackungen für Teebeutel. Deutschland habe 2,5 Mal mehr Bedarf an Papier, als es selbst erzeugt. Die Silphie wäre hervorragend dazu geeignet, Papier in großen Mengen zu erzeugen und damit die Einzelhandelsketten zu beliefern, zumal der Chemieeinsatz deutlich unter dem der herkömmlichen Papierherstellung liegt. Die Aufbereitungsschritte sollten dabei bei der Landwirtschaft liegen, denn am Ende sollte das Geld rausspringen, das dann nicht mehr aus dem EEG-Topf kommt.

Während die Energiepflanze bislang auf Flächen angebaut worden sei, die nicht so hundertprozentig in die landwirtschaftliche Produktion gepasst haben, sei dann auch der Anbau der Silphie auf besseren Flächen denkbar. Geerntet werden könne ganz normal mit dem Maishäcksler. Produktmanagerin Alexandra Wild verriet am Rande der Veranstaltung auch den Saatgutpreis fü die „Donau-Silphie“. Er liegt bei 1950 Euro pro Hektar.

Die Durchwachsene Silphie stammt ursprünglich aus Nordamerika und gehört zur Pflanzenfamilie der Korbblütler. Sie wird bis zu 3,50 Meter hoch, blüht von Juni bis September leuchtend gelb, wurzelt bis zu zwei Meter tief und gilt als relativ anspruchslos. Im ersten Jahr wächst sie allerdings nur kniehoch, deshalb wird sie in der Regel als Untersaat zum Mais gesät. So kann das erste Silphie-Jahr ohne Ertragsausfall überbrückt werden

Bilder:
1.
 Auf einem Versuchsfeld in Hirschaid machte die Donau-Silphie-Tour Station um für die Energierpflanze und deren Vwrwendungsmöglichkeit zur Papierproduktion zu werben.
2. Papiergewinnung als zukunftsfähige Lösung: Produktmanagerin Alexandra Kipp vom Energiepark Hahnennest erläuterte die Vorzüge der Silphie.
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 Baut die Durchwachsene Silphie seit vier Jahren an: Landwirt Leo Göller aus Hirschaid bei Bamberg.
 

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20.07.2020

Entspannung in Sachen Futternot / Gemischte Erntebilanz des BBV Oberfranken – Corona hat auch in der Landwirtschaft Spuren hinterlassen

Isaar. Von einer leicht unterdurchschnittlichen Ernte geht der Bauernverband für Oberfranken aus. Die Landwirte im Regierungsbezirk sind aber trotz aller regionalen Unterschiede guter Dinge: „Noch so ein Trockenjahr wie 2018 und 2019 hätte das endgültige Aus für viele Betriebe bedeutet“, so BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif bei der oberfränkischen Erntepressekonferenz auf dem Hof von Kreisobmann Hermann Klug in Isaar bei Töpen.

Diesmal sei es nicht die Trockenheit gewesen, die den Bauern Kopfzerbrechen bereitete, obwohl noch im April und Mai einiges daraufhin gedeutet habe. Diesmal sei das Problem eher der Spätfrost rund um die Eisheiligen gewesen, die zum Beispiel den Obstbauern im Landkreis Forchheim Ernteausfälle von 50 bis 100 Prozent einbrachten.

Auch die Wintergerste, die zu 100 Prozent ins Futter geht, habe unter den Spätfrösten gelitten. „Die Eisheiligen kosteten richtig Ertrag“, sagte Greif. Vor allem im nordwestlichen Oberfranken sei die Kälte zur Unzeit gekommen, so dass die Befruchtung der Kornkammer ausblieb. Wintergerste wurde in Oberfranken auf fast 24000 Hektar angesät.

Die größte Anbaufläche belegt mit fast 34000 Hektar der Mais. Auch er sei diesmal etwas zögerlich aufgegangen, habe sich aber nach dem Maifrost wieder erholen können. Die zweitgrößte Anbaufrucht belegte der Winterweisen. Hier rechneten die Bauern mit einer durchschnittlichen Ernte, weil die Trockenheit des Frühjahrs durch den Niederschlag im Juni absolut ausgeglichen werden konnte. Bayernweit Spitze ist Oberfranken bei der Sommergerste, beziehungsweise der Braugerste, auch wenn die Anbaufläche erneut rückläufig gewesen sei, diesmal von 30500 auf 26250 Hektar. Bleibt noch der Raps, als einer der wichtigsten Lieferanten für nachhaltiges und heimisches Proteinfutter. Er wurde wieder mehr angebaut, die Fläche stieg binnen Jahresfrist von 9800 auf rund 12000 Hektar, wobei die Erträge aber durch die fehlende Beizung des Saatgutes eher unterdurchschnittlich sein werden.

Absolut auf Normalniveau liegen die Erträge dem BBV-Präsidenten zufolge beim Grünland. Während die Landwirte in den zurückliegenden Beiden Jahren mit großer Sorge betrachteten, habe der erste Schnitt heuer schon frühzeitig durchgeführt werden können, um das dringend benötigte Futter einzufahren. Durch den Regen der zurückliegenden Wochen sei das Grünland gut gewachsen, so dass der zweite und wohl auch der dritte Schnitt zufriedenstellend sein werden. Greif: „Dies dürfte Futterengpässe erst einmal beenden.“

Ihre Spuren hinterlassen hat die Corona-Krise in der Landwirtschaft, auch wenn sie als systemrelevant eingestuft wurde. Schlagartig sei der Bevölkerung bewusst gemacht worden, wie abhängig wir vom weltweiten Warenverkehr sind, wie wichtig in Sondersituationen aber auch ausländische Arbeitskräfte sind. „Wir hoffen, unsere Bevölkerung hat wahrgenommen, dass in Krisenzeiten eine sichere heimische Versorgung notwendig ist.“ Die Versorgung habe funktioniert, darauf könnten die Bauern stolz sein.

Eine mittlere Ernte erwartet Kreisobmann Hermann Klug für seinen Betrieb. Er bewirtschaftet einen Steinwurf von der bayerisch-thüringischen Grenze entfernt insgesamt rund 150 Hektar Land, hat 74 Milchkühe im Stall zuzüglich der Nachzucht und er betreibt eine Biogasanlage mit rund einem Drittel Gülleanteil. Auf einem Viertel seiner Fläche baut er Mais an, auf dem Rest Triticale, Sommer- und Wintergerste, Winterweizen und Kleegras. Größte Sorge bereiten ihm derzeit die 20 Hektar Wald, weil die Bäume aufgrund der Dürre der vergangenen Jahre nach und nach absterben.

Dem Kreisobmann zufolge, habe Corona das Übrige dazugetan, dass die Preise eher im Keller angesiedelt seien. Oft werde Corona aber auch nur vorgeschoben. Nicht zuletzt werde Corona nach Ansicht von Hermann Klug auch mit Blick auf die Düngeverordnung und die Tierwohldiskussion von der Politik dazu benutzt, um den Bauern einer Auflage nach der anderen aufzubürden.

Bild: Kreisobmann Hermann Klug begutachtete zusammen mit den oberfränkischen BBV-Präsidenten Hermann Greif, BBV-Direktor Dr. Wilhelm Böhmer und Kreisgeschäftsführer Thomas Lippert (von links) die Qualität auf seinen Beständen.

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07.07.2020

Waldbesitzer fordern Trockenprogramm für Franken / Großflächiges Waldsterben befürchtet – Holzmarkt komplett eingebrochen

Windischletten. Mit einem dramatischen Appell wenden sich die Verantwortlichen der Waldbesitzervereinigung Bamberg derzeit an Politik und Öffentlichkeit. Ohne finanzielle und ideelle Unterstützung werde der Wald in Oberfranken großflächig absterben, so befürchten es die Fachleute. Erste Anzeichen dafür seien bereits nicht mehr zu übersehen.

„Es brennt, und zwar im übertragenen Sinne“, sagt Angelika Morgenroth, 1. Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Bamberg. Große Teile der Wälder nicht nur im Raum Bamberg sondern in ganz Oberfranken sowie in Mittel- und Unterfranken leuchteten rotbraun durch Schädlingsbefall und Trockenheit. „Den Waldbesitzern brennt das Waldvermögen unter der Säge weg“, so Morgenroth und bei den Waldbesitzervereinigungen würden inzwischen die Telefonleitungen durchbrennen.

„Wenn das so weiter geht, werden wir in wenigen Jahren fast überall freie Bergkuppen sehen“, bestätigte auch der forstliche Berater Hans Peter Schreier vom Landwirtschaftsamt in Scheßlitz. Auf Grund der anhaltenden Trockenheit könnten allein in Oberfranken Waldflächen im fünfstelligen Bereich verloren gehen. Zusätzlich werde die Situation durch den starken Wind und die heftige Sonneneinstrahlung beschleunigt. Die Winterfeuchtigkeit fehle mittlerweile völlig und das Frühjahr starte bereits mit extremer Trockenheit. „Die Geschwindigkeit, mit der der Klimawandel zuschlägt, überrascht selbst Förster und Waldbesitzer“, so Schreier.

Viele Waldbesitzer seien in der Folge nicht mehr in der Lage, den vom Bayerischen Waldgesetz gebotenen Waldschutz bei Räumungskosten zu leisten. Die Kosten würden bei weiten die Erlöse durch den Holzverkauf überschreiten. Teilweise gebe es für verschiedene Sortimente überhaupt keinen Markt mehr. Deshalb würden Waldbesitzer verzweifelt aufgeben.

Die Förderrichtlinien der Bayerischen Staatsregierung für waldbauliche Maßnahmen scheitern nach Ansicht der Beteiligten an den regionalen Problemen in Franken und sind einfach nicht oder nur schwer anwendbar. Trotz vieler positiver und neuer Fördertatbestände könnten sie teilweise nicht abgerufen werden. Angelika Morgenroth und Hans Peter Schreier fordern deshalb ganz konkret ein Trockenprogramm für ganz Franken, ein Aufarbeitungsprogramm für die Kleinstprivatwaldbesitzer sowie stärkere personelle Unterstützung für die Forstverwaltung. Die WBV könne die Arbeit alleine nicht mehr leisten.

Dabei geht es den Verantwortlichen aber nicht nur um finanzielle Unterstützung. Auch die Einsicht, dass der Wald die Basis für unsere Existenz ist, sei bei weitem nicht überall verbreitet. Ob Speicherung von Kohlendioxyd oder die Zukunft der Trinkwasserversorgung, ob Mountain-Biking oder der Modetrend „Waldbaden“: ohne Wald geht nichts. „Jeder will den Wad nutzen, aber keiner will Verantwortung dafür übernehmen“, so Angelika Morgenroth.

Eine Lehre, die Wald- und Forstexperten aus der derzeitigen Situation ziehen lautet: „Wir müssen den Waldumbau forcieren.“ Dort, wo ein Waldumbau schon länger stattgefunden habe, sei die Situation zumindest optisch nicht ganz so dramatisch.

Unter dem Motto „Oberfranken brennt“ hat die WBV Bamberg zusammen mit den beiden Landtagsabgeordneten Martin Schöffel und Holger Dremel (beide CSU) vor kurzem auch ein Krisengespräch an der Windischlettener Linde durchgeführt. Zahlreiche Funktionsträger und Waldbesitzer auch aus benachbarten Amtsbereichen sowie ein Team des Bayerischen Fernsehens war dabei. Sie alle konnten an diesem markanten Punkt des Regierungsbezirks die „brennenden“, also abgestorbenen Bergkuppen vom Jura, über den Steigerwald, den Hassbergen, Thüringer Wald, Frankenwald und den Gottesacker des Maintals erkennen. Allen Teilnehmern sei dabei schnell klar geworden: „So dramatisch war die Situation noch nie.“

Bild: Bei einem Krisengespräch an der Windischlettener Linde  verdeutlichte WBV-Vorsitzende Angelika Morgenroth den Abgeordneten Martin Schöffel (links) und Holger Dremel die dramatische Situation des Waldes.

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03.07.2020

Grünes Zentrum für grüne Berufe / In Münchberg setzt der Landkreis Hof ein Zeichen für die Landwirtschaft

Münchberg. Mit einem Kostenvolumen von rund elf Millionen Euro entsteht derzeit in Münchberg ein Grünes Zentrum. Der stattliche Neubau nahe der Autobahnanschlussstelle Münchberg-Nord soll ab Ende des Jahres gleich mehrere landwirtschaftliche Institutionen unter einem Dach vereinen: das Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten, den Bauernverband, den Maschinenring, die Landwirtschaftsschule und die zentrale Vergabestelle der staatlichen landwirtschaftlichen Führungsakademie.

„Wir wolle ein Zeichen für die Land- und Forstwirtschaft sowie für die grünen Berufe setzen“, sagt Landrat Oliver Bär. „Wir wollen hier in Münchberg die Dinge zusammenführen und Synergien schaffen.“ Er sei fest davon überzeugt, dass die Landwirtschaft im Landkreis Hof eine Zukunft habe. Die Betriebe seien gut aufgestellt, durch das neue Grüne Zentrum könnten sie die bestmöglichste Unterstützung erfahren. Der Landrat spricht von einer bewussten Standortentscheidung aufgrund der guten Erreichbarkeit aufgrund der Nähe zur Autobahn und der prägnanten Lage am Ortseingang der Stadt Münchberg.

Nach den Worten von Christine Schmoelzer-Glier, der Leiterin des Fachbereichs Hochbau am Hofer Landratsamt, beträgt die reine Nutzfläche des neuen Grünen Zentrums rund 2000 Quadratmeter. Im Gebäude wird Platz für 80 Büroarbeitsplätze sein. Daneben gibt es zwei Unterrichtsräume für jeweils 24 Schüler sowie 72 Stellplätze auf dem großzügig angelegten und ansprechend gestalteten Freigelände. Schmoelzer-Glier spricht von einem abgewinkelten Baukörper, der sich hervorragend in die topographische Lage einfügt. In die Räume des bisherigen Amtes unweit des Neubaus wird übergangsweise zu Beginn des kommenden Jahres die Krankenhausverwaltung des Klinikums Münchberg einziehen.

Eine Besonderheit des Baus ist nach den Worten von Karsten Hilbert und Ulrich Wendland vom Architekturbüro ghsw-Architekten in Hof die Verwendung von Holz von der Fassade bis zu den Echtholztüren im Innern. „Hier wird ausschließlich mit hochwertigen, naturnahem Materialien gearbeitet“, so die Architekten. Für die Wärme soll eine Pellets-Heizung, für die Kälte ein Geothermie-System sorgen. Außerdem werde auf den Dächern eine Photovoltaikanlage installiert.

Froh über die neuen Räumlichkeiten zeigt sich Karl Fischer, Leiter des AELF Münchbergs, auch wenn er selbst nicht mehr einziehen wird, da er zum Sommer seinen Ruhestand antritt. Er gehe davon aus, dass das neue Erstsemester im Herbst noch im alten Schulgebäude starten und später in das Grüne Zentrum umziehen wird. Fischer zufolge gebe es bei den Anmeldezahlen für das neue Schuljahr keinesfalls einen Einbruch, im Gegenteil, der Ausbildungswille sei klar erkennbar und die magische Zahl von 16 Studierenden werde man deutlich übertreffen. Der Behördenchef spricht dabei auch von einer Zukunftsoffensive für die Landwirtschaft im Landkreis Hof. Eine herausragende, aber auch ortsnahe Ausbildung sei für die Zukunft der Landwirtschaft unabdingbar.

Baubeginn für das neue Grüne Zentrum war bereits im August 2018, im Oktober 2018 fand die Grundsteinlegung statt und im September 2019 konnte Richtfest gefeiert werden. Derzeit läuft der Innenausbau auf Hochtouren, so dass bis zum Ende des Jahres 2020 mit der Fertigstellung gerechnet wird.

Bilder:
1.
 Mit einem Kostenaufwand von rund 11 Millionen Euro entsteht an einer der Einfallsstraße nach Münchberg derzeit das künftige Grüne Zentrum des Landkreises Hof.
2.
Behördenleiter Karl Fischer vom Amt für Landwirtschaft, die Architekten Karsten Hilbert und Ulrich Wendland, Christine Schmoelzer-Glier vom Fachbereich Hochbau am Hofer Landratsamt sowie Landrat Oliver Bär, (von links) bei einer Baustellenbegehung.

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02.07.2020

Heißwasser statt Glyphosat / Maschinenring Oberfranken Mitte setzt im Kulmbacher Land auf umweltfreundliche Unkrautbekämpfung

Neuenmarkt/Himmelkron. Hundert Prozent Wasser, null Prozent Chemie: das ist die Erfolgsformel gegen Unkraut und Schädlinge. Im Kulmbacher Land ist der Maschinenring in diesen Tagen wieder unterwegs, um die Wege des Friedhofs in Neuenmarkt von Unkraut und die Eichen entlang der Bundesstraße B303 bei Himmelkron vom Eichenprozessionsspinner zu befreien.

„Eigentlich ist die Sache ganz einfach“, so Geschäftsführer Bernd Müller vom Maschinenring Oberfranken Mitte, der gewerblichen Tochterfirma der Maschinenringe Bayreuth, Kulmbach und der Fränkischen Schweiz. Eiweiß gerinnt bei 70 Grad Celsius, also wird sowohl das Unkraut als auch der Eichenprozessionsspinner mit 100 bis 110 Grad heißem Wasser besprüht. Das sei nicht nur umweltfreundlich, sondern auch kostengünstig, so Müller. Immer mehr Kommunen würden deshalb auf diese Dienstleistung des Maschinenrings zurückgreifen.

In Neuenmarkt kam der Auftrag von der Gemeinde. „Für uns ist es eine Testphase, um zu prüfen, inwiefern wir den Bauhof entlasten können“, so Bürgermeister Alexander Wunderlich. Der Friedhof soll schließlich ein Aushängeschild der Gemeinde sein, deshalb werde die Unkrautbekämpfung dort ganz gezielt vorangetrieben. MR-Geschäftsführer Müller geht von vier Durchgängen aus, bis die Wege tatsächlich unkrautfrei sind. Im Tank von Uwe Glass aus Creußen, der für den Maschinenring tätig ist, sind 800 Liter Wasser. Zwölf Liter benötigt er pro Minute.

Spektakulärer gestaltet sich der Heißwassereinsatz in Himmelkron entlang der B303. Die Bundesstraße musste für den Einsatz mit einer Ampelregelung gesperrt werden, damit Harald Galster aus Gefrees und Gerhard Schultheiß aus Kleinweiglareuth von einer Hebebühne aus die Nester des Eichenprozessionsspinners gezielt besprühen können. Auch hier sei die Arbeit durchaus von Nachhaltigkeit geprägt. Während im zurückliegenden Jahr auf dem Gelände der Bundespolizei in Bayreuth drei volle Tage notwendig gewesen waren, um den Prozessionsspinner den Garaus zu machen, sei man heuer schon in einem halben Tag fertig gewesen, so sehr konnte die Verbreitung durch die Heißwassermethode eingeschränkt werden.

An manchen der über 30 befallenen Eichen seien die Auswirkungen des Schädlings schon deutlich zu sehen, so Harald Huber vom Maschinenring. Er spricht von rund 40 Nestern an manchen Bäumen, an besonders stark befallene Bäume habe er auch schon 80 Nester gezählt. Das gefährliche an dem Schädling, der bei weitem nicht nur Eichen befällt, sind die Brennhaare, die im Extremfall lebensbedrohliche allergische Reaktionen bei manchen Menschen auslösen können. „Die Haare der Raupen führen zu Allergien, Asthma und mitunter zu einem allergischen Schock“, so Müller. Zu den häufigsten Symptomen gehörten lokale Hautausschläge, begleitend dazu könnten Allgemeinsymptome wie Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündungen auftreten.

Die Maschinenring Oberfranken Mitte GmbH hatte im zurückliegenden Jahr mit dem Einsatz der Heißwassertechnik begonnen. Geschäftsführer Müller kann bereits jetzt ein positives Zwischenfazit ziehen. Die Unkraut- und Schädlingsbekämpfung mit der Heißwassermethode habe sich bewährt. Gegen Heißwasser sei kein Unkraut resistent, Wurzel und Pflanze würden absterben, für das Umfeld entstehe keinerlei Schaden. Konkret würden die Raupen und speziell deren Nesselhaare „gekocht“ und damit das auf Eiweißbasis aufgebaute Nesselgift vollständig zerstört.

Prominenteste Einsatzorte seien die markgräflichen Parks der Eremitage und des Hofgarten gewesen, wo sich ebenfalls der Eichenprozessionsspinner breit gemacht hatte. Selbst in den Parks habe sich der Schädling so rasant vermehrt, so dass bereits Bereiche abgesperrt werden mussten. Vorrangig müsse die Bekämpfung überall dort in Erwägung gezogen werden, wo Menschen durch die Gifthaare gefährdet sind. Zur Abwehr der Gesundheitsgefahr auf öffentlichem Gelände seien die Gemeinden, bei Privatgrundstücken die Eigentümer zuständig.

Bilder:
1.
 Uwe Glass aus Creußen bearbeitet die Wege des Neuenmarkter Friedhofs mit der Heißwassertechnik. Über die Schulter blicken ihm dabei Bürgermeister Alexander Wunderlich, Harald Fischer vom Bauhof in Neuenmarkt und Geschäftsführer Bernd Müller vom Maschinenring Oberfranken Mitte.
2. Entlang der Bundesstraße B3030 im Gemeindegebiet von Himmelkron ist der Maschinenring im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner im Einsatz.

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27.06.2020

50 historische Gebäude aus 300 Jahren / Im Oberpfälzischen Freilandmuseum Neustadt-Perschen scheint die Zeit stehen geblieben zu sein

Neusath-Perschen. Früher müssen die Menschen alle kleiner gewesen sein. In sämtlichen Räumen sind die Zimmerdecken bedrohlich nah. Unbeschadet hinein kommt man meist nur dann, wenn man im Türstock den Kopf einzieht. Das ist nicht die einige Überraschung in den rund 50 historischen Gebäuden aus den zurückliegenden 300 Jahren, die im Oberpfälzischen Freilandmuseum in Neusath-Perschen, einem Ortsteil von Nabburg im Landkreis Schwandorf, wiederaufgebaut wurden.

Die größte Überraschung ist eigentlich die kaum beschreibbare Idylle auf dem rund 30 Hektar großen Gelände, über das der gut zwei Kilometer lange Rundweg führt. Überall gackern die Hühner, Enten laufen über den Weg, Frösche springen in den Dorfweiher. Weit und breit kein Auto. Es ist gerade so, als sei die Zeit stehen geblieben. Oder ist man in einen der kitschigen Heimatfilme der 50er Jahre geraten? Als perfekte Kulisse dafür wäre das Freilandmuseum bestens geeignet.

Wohnen und Leben der Menschen in der Oberpfalz zu zeigen und zu dokumentieren, das hat sich der Bezirk als Betreiber auf die Fahnen geschrieben. Seit den 1970er Jahren wurde hier ein gewaltiger Aufwand betrieben, um die Häuser und Hofstellen von Bauern, Häuslern, Tagelöhnern, Hirten, Müllern und vielen anderen an ihrem Originalstandort abzubrechen und in dem Museumsdorf neu aufzubauen und liebevoll einzurichten.

Dazu verbindet der Rundweg gleich fünf kleine „Dörfer“, besser Weiler, die den historischen Regionen der Oberpfalz entsprechen sollen: da gibt es ein Stiftlanddorf, weiter geht es ins Waldlerdorf, ins Naabtaldorf und in das Juradorf, sowie in das Mühlental. Die breiten sonnigen Spazierwege sind den alten Landstraßen aus dem 19. Jahrhundert nachempfunden, sie wechseln sich ab mit schmalen, schattigen Waldpfaden. Sogar eine schmucke Kapelle aus dem Jahr 1870 gibt es. Sie stand einst bei Hirschau und wurde hier im Originalzustand mit der kompletten Inneneinrichtung wiederaufgebaut.

Ausgestellt werden zahlreiche landwirtschaftliche Geräte zum Beispiel zum Kartoffelanbau und zur Kartoffelernte. Da gibt es einen Kohlenmeiler, eine Sägemühle. Im Mühlental wird die Teichwirtschaft erklärt, die in der wasserreichen Oberpfalz seit jeher eine große Rolle spielt, als Stauwasser für die Mühlen, als Tiertränke, als Löschwasser, zur Flößerei und Grünlandbewässerung und natürlich zur Fischzucht, über die es im ehemaligen Herrenhaus eine eigene Ausstellung gibt.

Auf dem gesamten Gelände werden auch traditionelle Pflanzen- und Getreidesorten angebaut. Nicht nur Sommer- oder Winterweizen ist hier zu sehen, sondern auch seltenere Saaten wie zum Beispiel Öllein, Schwarzhafer oder Emmer. Im Hopfengarten wird die Sorte „Hersbrucker Spät“ angebaut. Bewirtschaftet werden die Flächen von Landwirten, die das Museum beauftragt hat. Dazu gehört auch die große Streuobstwiese, die der örtliche Kreisverband für Gartenbau und Landespflege zusammen mit den Oberpfälzer Kreisfachberatern angelegt hatte. Hier ist es das erklärte Ziel, alte heimische Obstsorten zu pflegen und zu erhalten.

Viele Tiere bevölkern das Museumsdorf, Pinzgauer Rinder, eine ganz alte Rasse mit dem Namen „Voigtländer Schlag“, Schwäbisch-Hällische Schweine, Coburger Fuchsschafe, weiße deutsche Edelziegen und alle möglichen Hühner, Enten und Gänse.

In einem der ältesten Museen dieser Art in Bayern hat aber auch die Neuzeit Einzug gehalten: Auf einem großen Holzschuppen wurde ein Solardach installiert. Die Anlage aus dem Jahr 2002 liefert ein Drittel der Energie für die Temperierung der benachbarten Rauberweihermühle.

Info:
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 Für jedes Alter
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 Halb-/Ganztagesausflug
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 Lage: Neusath-Perschen liegt nahe der Stadt Nabburg. Die A 93 garantiert eine günstige Anbindung.
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 Öffnungszeiten: Von Frühlingsbeginn bis zur ersten Novemberwoche jeweils Dienstag bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr.
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 Eintritt: Erwachsene 6 Euro, Schüler, Studenten, Behinderte, Teilnehmer am Freiwilligendienst, Inhaber der Bayerischen Ehrenamtskarte 4 Euro
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 Parken: viele kostenlose Parkplätze im Eingangsbereich
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 Einkehr: Das Museumswirtshaus „Beim Wirth“ bietet während der Saison regionale Brotzeiten und Spezialitäten, bei schönem Wetter auch im Biergarten vor dem Haus, außerdem gibt es im nahen Nabburg zahlreiche Einkehrmöglichkeiten.
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 Oberpfälzisches Freilandmuseum Neusath-Perschen, Neusath 200, 92507 Nabburg, Telefon: 09433/2442-0, freilandmuseum@bezirk-oberpfalz.de,www.freilandmuseum.org.

Bilder:
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 Ganze Hofstellen aus allen Teilen der Oberpfalz wurden in dem Museumsdorf wieder aufgebaut.
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 Alte Bauerngärten zieren die meisten historischen Häuser.
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 Alle liebevoll eingerichtete Stuben darf der Besucher betreten.
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 Viele Tiere bevölkern das Museumsdorf.


Die Rauberweihermühle, ein herrschaftliches Jagdhaus mit Mahlmühle aus dem Jahr 1710, stand einst in Wackersdorf bei Schwandorf.


Fast schon etwas kitschig, aber trotzdem wunderschön: der Museumsbesucher trifft auch echte Postkartenidylle.


Der Schallerhof war einst in der Weidener Umgebung angesiedelt, jetzt ist er im Freilandmuseum wiedererrichtet worden.


Sogar einen Dorfteich gibt es im „Stiftlanddorf“.


Vor der Kulisse des Kleinstädtchens Nabburg grasen diese Rinder, die zum Freilandmuseum gehören.


Wie im Heimatfilm: die alten Bauernhäuser sind von allen Seiten eine wahre Augenweide.

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