Stephan Herbert Fuchs
 

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16.03.2020

Konventionell auf extensivem Weg /
Bauer und Bürgermeister: Fast 87 Prozent für Thomas Betz aus Wattendorf

Wattendorf. Vier halbe Tage pro Woche verbringt Thomas Betz in seinem Büro im Rathaus des Stadelhofener Ortsteils Steinfeld. Hier hat die Verwaltungsgemeinschaft Steinfeld, zu der seit der Gebietsreform 1978 die Gemeinden Königsfeld, Stadelhofen und Wattendorf gehören ihren Sitz. Der 50-Jährige ist ehrenamtlicher Bürgermeister von Wattendorf, die mit rund 650 Einwohnern kleinste Gemeinde im Landkreis Bamberg und eine der kleinsten in ganz Oberfranken. In seine zweiten Leben ist Thomas Betz Landwirt. Er bewirtschaftet rund 100 Hektar Ackerland.

Gerade wurde er von den Wattendorfern mit einem Traumergebnis in seine zweite Amtsperiode geschickt. Fast 87 Prozent der Stimmen konnte er auf sich vereinen. Gegenkandidaten hatte er keinen. Das war bei seiner ersten Wahl 2014 noch anders. Damals kam er auf 72 Prozent, mit einem Gegenkandidaten. Doch Thomas Betz hatte damals schon eine Amtsperiode im Gemeinderat vorzuweisen, ebenso ehrenamtliches Engagement in vielen Bereichen, etwa als Feldgeschworener oder als Feuerwehrvorstand.

Zweitranging ist für Thomas Betz, dass er auch von der CSU nominiert worden war. Viel wichtiger ist in Wattendorf eine ausgewogene Interessensvertretung der fünf Ortsteile. Betz ist in Bojendorf zuhause, folglich gehört er der Liste Bojendorfer Wählergemeinschaft (BWG) an.

Einen Schritt weiter weg als jeder andere Landwirt ist er durch das Bürgermeisteramt schon von seinem Betrieb, räumt Thomas Betz ein. Aber da kommt ihm sein Organisationstalent zugute. Ebenso seine Einstellung: „Ich arbeite konventionell auf extensivem Weg“, sagt er und meint damit, dass er versucht, mit einem überschaubaren Aufwand ordentliche Ware zu erzielen. Aktuell baut er auf knapp der Hälfe seiner bewirtschafteten 100 Hektar Getreide an, auf etwa 15 Hektar Mais, der Rest ist Grünland.

Das war nicht immer so. Zunächst hatte er sich gegen den elterlichen Vollerwerbsbetrieb entschieden und eine Lehre zum Fernmeldehandwerker in Bamberg absolviert. Dann leistete er bei der Caritas in Bamberg seinen Zivildienst ab. In dieser Zeit sei auch die Entscheidung gereift, es doch mit der Landwirtschaft zu versuchen. Als Quereinsteiger besuchte er die Landwirtschaftsschule, machte seine Gesellenprüfung und ließ ein Jahr Technikerschule in Bayreuth folgen. Diese Schule gibt es schon lange nicht mehr, doch damals habe sie ihm eine prima Gelegenheit geboten, über den Tellerrand zu blicken.

Zurück auf dem elterlichen Hof reifte die Erkenntnis, dass der Gewinn nicht für zwei Familien reicht. Zunächst arbeitete er deshalb unter anderem bei der Biogasanlage eines Berufskollegen mit, drei Jahre lang war er Leistungsoberprüfer und Futterberater bei der LKV (Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredlung) in Bayreuth und leistete Betriebshilfe über den Maschinenring.

Als sich abzeichnete, dass die Rahmenbedingungen für den Milchviehbetrieb mit Anfang 30, zuletzt noch 15 Kühen immer schwieriger werden, und der Anbindestall mitten in der Ortschaft ohnehin keine Zukunft mehr haben wird, schaffte er die Tierhaltung ab. Seitdem sieht er sich gut aufgestellt. Als Landwirt und Bürgermeister ist er für die Bürger stets greifbar. Feste Sprechstunden hätten sich nicht bewährt, er ist immer ansprechbar.

Als Bürgermeister treiben ihn derzeit mehrere Baustellen um. Da ist zum einen der Ausbau der Mobilfunkversorgung, zum anderen der schlechte Zustand der Ortsdurchfahrten. Hohe Fixkosten verursachen zudem die vier kleinen Kläranlagen. Derzeit werde an einer Machbarkeitsstudie gearbeitet, um einen Teil der Abwasserentsorgung vor dem Hintergrund weiter steigender Auflagen und anders zu lösen.

Doch auch viel Positives kann der alte und neue Bürgermeister vermelden: vor eineinhalb Jahren war es gelungen, das große Kreismusikfest ins kleine Wattendorf zu bringen, die Breitbandversorgung ist in der gesamten Ortschaft mit 50 Mbit angekommen und erst vor wenigen Tagen wurde eine versteinerte Riesenschildkröte aus der Jurazeit im Bamberger Naturkundemuseum präsentiert. Gefunden wurde das 150 Millionen Jahre alte Fossil im Steinbruch Schorr in Wattendorf.

Bild: Im Rathaus von Steinfeld hat der Wattendorfer Bürgermeister Thomas Betz sein Amtszimmer.

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09.03.2020

Schlepperdemo an der bayerisch-thüringischen Grenze / Über 500 Landwirte haben beim Besuch von Bundesagrarministerin Klöckner protestiert

Töpen. Für eine „Tierwohl-Umlage“ hat sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ausgesprochen. „Wir brauchen vier bis fünf Milliarden Euro pro Jahr mehr, um die Erwartungen der Verbraucher umzusetzen“, sagte Klöckner bei einem Gespräch mit Vertretern zahlreicher landwirtschaftlicher Verbände in Töpen bei Hof. Die Umlage soll auf Fleischprodukte erhoben werden und in einen Fonds fließen, aus dem tierwohlbedingte Stallneu- und -umbauten gefördert werden. In Töpen, am Sitz des Bio-Großhändlers Dennree, hatte die Ministerin zuvor ein nichtöffentliches Gespräch mit der Unternehmensspitze geführt.

Während des Gesprächs waren nach offiziellen Angaben über 500 Landwirte aus Oberfranken und dem benachbarten Sachsen und Thüringen vorgefahren, um lautstark ihrem Unmut über die Agrarpolitik im Bund und in der EU Luft zu machen. Die Polizei hatte trotz eines Riesenaufgebots alle Hände voll zu tun, um die Verkehrssicherheit in dem rund 1000 Einwohner zählenden Dorf direkt an der thüringischen Grenze aufrechtzuerhalten. Nach dem offiziellen Gespräch mit den Landwirtschaftsvertretern im Rathaus von Töpen wandte sich die Ministerin per Megaphon nur kurz direkt an die Demonstranten, sicherte ihnen ihre Unterstützung zu und lud eine Abordnung von „Land schafft Verbindung“ spontan zum Gespräch ins Landwirtschaftsministerium ein.

Im Sitzungssaal des Rathauses sprach Julia Klöckner dagegen ausführlich Klartext. Etwa wenn es darum ging, die sogenannte Bauernmilliarde zu verteidigen. „Es ist nicht fair, zu sagen das brauchen wir nicht“, so die Ministerin. Sie forderte von den Bauern offen Zustimmung statt Ablehnung, schließlich habe sie, genauso wie der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, um das Geld gekämpft. „Da wären wir doch bescheuert gewesen, das jetzt wieder abzulehnen“, sagte Klöckner, die sich ausdrücklich gegen den Begriff der Bauernmilliarde wehrte und stattdessen von einem Investitionsprogramm für die Landwirtschaft sprach.

Immer wieder appellierte Klöckner an einen fairen Umgang miteinander. „Die Wahrheit liegt meiste in der Mitte“, sagte sie. Scharfe Kritik übte sie am Lebensmitteleinzelhandel, der mit Lockpreisen für Fleisch, Gemüse und Obst werbe und die Differenz am Ende auf andere Produkte wieder draufschlage. Trotzdem gab sie aber auch zu bedenken, dass die Politik keine Preise machen könne. „Wer das glaubt, der will ein anderes Wirtschaftssystem“, so die Politikerin.

Obwohl die Bundesagrarministerin im Zeitdruck war, ließ sie zahlreiche Beiträge von Vertretern der verschiedenen Organisationen zu. Die Bauern im „Milchlandkreis Hof“, wo die Quote der Haupterwerbsbetriebe noch bei über 50 Prozent liegt, stünden vor riesigen Problemen, so Kreisbäuerin Karin Wolfrum. Kreisobmann Hermann Klug machte seinem Unmut über die Düngeverordnung Luft. Die Getreidebestände zeigten jetzt schon Nährstoffmangel, weil sie nicht gedüngt werden. Hintergrund ist, dass es während des zurückliegenden Winters selbst im Hofer Land keinen richtigen Frost gegeben hatte.

„Allen Bauern, die mit ihren Schleppern demonstrieren, geht es um die blanke Existenz“, so Andreas Wolfrum von Land schafft Verbindung. „Wir stehen vor einer echten Zerreißprobe“, sagte er. Wolfrum appellierte an die Ministerin, in Sachen Lebensmitteleinzelhandel ein Machtwort zu sprechen. Andernfalls würden die kleinstrukturierten Familienbetriebe abgeschafft.

Zuvor hatte Klöckner den Hauptsitz der Bio-Großhandelsunternehmensgruppe Dennree besucht und mit der Geschäftsleitung hinter verschlossenen Türen gesprochen. Lediglich beim Besuch einer der rieseigen Hallen für Gemüse durften Pressevertreter dabei sein. Dennree beliefert mit rund 5500 Mitarbeitern und einem Sortiment aus circa 13000 Artikeln über 1400 Biomärkte und Bio-Supermärkte in Deutschland, Österreich, Luxemburg und Südtirol/Italien. Dennree ist der umsatzstärkste Fachgroßhändler für Bio-Lebensmittel und Naturkosmetik im deutschsprachigen Raum.

Bilder:
1.
 Ministerin Klöckner im Dennree-Zentrallager, links Dennree-Chef Thomas Geim, rechts Landrat Oliver Bär und Marketingleiter Lukas Nossol.
2.
 Von links: Dennree-Chef Thmas Greim, Ministerin Julia Klöckner, Landrat Oliver Bär und Bürgermeister Klaus Grünzner.
3.
 Ministerin Klöckner beim Fachgespräch im Rathaussaal von Töpen.
4.
 Landrat Oliver Bär und Ministerin Julia Klöckner.
5.
 Landrat Oliver Bär, Ministerin Julia Klöckner und Bürgermeister Klaus Grünzner.
6.
 Andreas Wolfrum von Land schafft Verbindung und Minnisterin Julia Klöckner.

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24.02.2020

Weniger Betriebe, weniger Kühe, weniger Umsatz/ Rinderzuchtverband Oberfranken leidet unter negativen Rahmenbedingungen

Bayreuth. Im zurückliegenden Zuchtjahr hat der Rinderzuchtverband Oberfranken sein hohes Ergebnis aus dem Jahr zuvor nicht halten können. Laut Jahresbericht, den der Vorsitzende Georg Hollfelder aus Litzendorf im Landkreis Bamberg und Zuchtleiter Markus Schricker bei der Jahresversammlung in der Tierzuchtklause in Bayreuth vorlegten, waren es mit gut 32000 Tieren aller Kategorien über 400 weniger, der Gesamtnettoumsatz habe sich um etwa zwei Million Euro auf rund 16 Millionen Euro verringert. „Der Rückgang ist das Ergebnis aus den niedrigen Preisen, besonders bei Nutzkälbern“, sagte Zuchtleiter Schricker.

Das abgelaufene Jahr sei von Hitze, Trockenheit, Ernteausfällen und dem Exportstopp für Kälber nach Spanien geprägt gewesen, so Hollfelder. Die seit dem Sommer praktizierte Vorgehensweise der Veterinärbehörden, Kälberexporte auf eine Transportdauer von maximal acht Stunden zu beschränken, hatte allerdings im Dezember ein Verwaltungsgericht in Baden-Württemberg wieder gekippt, so dass zumindest von Baden-Württemberg aus wieder Transporte nach Spanien möglich sind. „Wir sehen uns gezwungen, nun ebenfalls Klage einzureichen, kündigte Hollfelder an, der auch Vorsitzender des Landesverbandes Bayerischer Rinderzüchter ist.

Ausdrückliches Lob zollte Hollfelder der Bewegung „Land schafft Verbindung“, die mit ihren Schlepperdemos für großes Aufsehen gesorgt habe. Das sei auch nötig, denn auf vielen Höfen gehe die blanke Existenzangst um. Mit der sogenannten Bauernmilliarde sei dies nicht so einfach gut zu machen. „Was auf uns Bauern so alles eindrischt, geht auf keine Kuhhaut mehr“, so Hollfelder.

Der Rinderzuchtverband Oberfranken hatte im zurückliegenden Zuchtjahr, das immer am 30. September endet, noch 1125 Mitgliedsbetriebe, 144 weniger als im Jahr zuvor. Die Zahl der Herdbuchkühe ist dem Jahresbericht zufolge ebenfalls deutlich gesunken, und zwar um 2818 auf nun 67799. Die Durchschnittsgröße der Betriebe wird mit 60 Kühen angegeben (Vorjahr 55).

Während diese Statistik nur die Kreiszuchtgenossenschaften und die Mitgliedsbetriebe des Rinderzuchtverbandes betrifft, wurde bei der Jahresversammlung traditionell auch die gesamte Milchviehhaltung in Oberfranken betrachtet. Hier sank die Zahl der Milchkühe den Berichten zufolge um 2700 auf 85589. „Die Grenze von 90000 Milchkühen scheint also dauerhaft unterschritten“, sagte Zuchtleiter Schricker.

Unverändert weiter seien auch die Betriebsaufgaben gegangen. Wieder 150 Betriebe weniger bedeute noch 1881 Milchviehhalter. Im Vorjahr seien es noch 2031 gewesen. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt statistisch bei 45,5 Kühen pro Betrieb. Die meisten Milchkühe werden mit knapp 21000 in Stadt und Landkreis Bayreuth gehalten, die wenigsten mit 3583 im Landkreis Kronach.

Von großen Herausforderungen sprach der Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses Martin Schöffel. Was die Bauern machen, sei von großer Sachkunde geprägt. Kritik übte Schöffel deshalb nicht nur an großen Teilender Verbraucher und deren Einstellung zur Nutztierhaltung, sondern auch an überzogenen Kontrollen auf den Höfen und an Aussagen der Grünen, die nichts mit der Realität zu tun hätten.

Vom großen Frust in der Landwirtschaft berichtete die stellvertretende Bayreuther Landrätin Christa Reinert-Heinz. Sie forderte von der Gesellschaft wieder mehr Wertschätzung ein. In vielen anderen Ländern rüste die Landwirtschaft derzeit auf und mache sich unabhängig, bei uns habe man oft den Eindruck, geschehe das Gegenteil.

Trotz oder gerade wegen der prekären Situation gebe es aber auch viele junge Leute, die in der Landwirtschaft eine Zukunft sehen. Georg Dumpert, der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sprach von 19 Schülern, die an der Landwirtschaftsschule jetzt mit dem ersten Semester begonnen hätten. Dazu kämen weitere 16 junge Damen im Bereich Hauswirtschaft plus jeweils 25 junge Leute im den Bildungsprogrammen (BiLa) Landwirtschaft und Wald.

Erwin Schwarz, der stellvertretende BBV-Präsident von Oberfranken aus Kronach wehrte sich dagegen, dass wohl auf Druck des Ministeriums die Leistungsprüfung durch ein Monitoring ersetzt werden soll. „Wohin kommen wir, wenn die Leistung der Tiere nicht mehr honoriert wird“ sagte er.

Bei der Jahresversammlung wurden zwei Betriebe für ihre herausragenden Leistungen ausgezeichnet: Christa Lauterbach aus Tressau bei Kirchenpingarten und Christiane Böhm aus Neuhaus bei Aufseß.

Bilder:
1. Der Vorsitzende des Rinderzuchtverbandes Oberfranken Georg Hollfelder aus Litzendorf im Landkreis Bamberg ist gleichzeitig Vorsitzender des Landesverbandes Bayerischer Rinderzüchter.
2. Für ihre Verdienste um die Förderung der Rinderzucht ist Christa Lauterbach aus Tressau bei Kirchenpingarten mit der staatlichen Züchtermedaille in Silber ausgezeichnet worden. Im Bild von links: Zuchtleiter Markus Schricker, Vorsitzender Georg Hollfelder, der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel, Christa Lauterbach und der stellvertretende Vorsitzende Thomas Erlmann.

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18.02.2020

Keine Wertschöpfung ohne Wertschätzung / Bayreuther Bauerntag: Weniger Bürokratie durch Reform der Grundsteuer

Bayreuth. Mit der Grundsteuerreform und ihre Auswirkungen auf die Landwirtschaft stand beim Bayreuther Bauerntag diesmal ein fachliches Thema im Vordergrund. Nachdem das Bundesverfassungsgericht die aktuelle Situation im April 2018 als verfassungswidrig erklärt hatte liegen mittlerweile ein neuer Beschluss des Bundes und dank der Länderöffnungsklausel auch Entwürfe der Neugestaltung für Bayern vor. „Das bayerische Modell könnte weniger Bürokratie enthalten“, machte Martin Bauer den Landwirten vor Ort Hoffnung. „Wir sind damit auf einem guten Weg“, so der juristischer Referent beim BBV-Generalsekretariat in München.

Bayern werde sich bei der Grundsteuer A an der Bundesregelung orientieren und nur für die Grundsteuer B – zu der künftig auch der Wohnteil der Land- und Forstwirtschaft gehören soll – eine eigene Regelung treffen, so Martin Bauer. Bei der Grundsteuer B dürfte das von Bayern favorisierte wertunabhängige Modell vom bürokratischen Aufwand deutlich einfacher sein. Allerdings werde für „unbebaute, baureife Grundstücke“ die Einführung einer Grundsteuer C in Erwägung gezogen.

Die Gundsteuer ist für die Gemeinden neben der Gewerbesteuer die wichtigste Einnahmequelle. „Die Gemeinden sind darauf angewiesen“, gab Landrat Hermann Hübner zu bedenken. Sofern die Grundsteuer fair geregelt sei, dürfte es seiner Ansicht nach aber keine Probleme geben.

Fairness forderte der Landrat auch für die Bauern ein. Zwischen den Landwirten und der Gesellschaft sei einiges aus den Fugen geraten, sagte Hübner. Es könne aber nicht angehen, dass ausgerechnet die Bauern immer stärker ins Visier genommen werden. Stattdessen sollten die Verbraucher reagieren und an der Ladentheke fragen, woher die angebotenen Lebensmittel kommen. Es stimme optimistisch, dass immer mehr Menschen über ihre Nahrungsmittel nachdenken. Wenn die Bauern wieder mehr Wertschätzung erfahren, dann könne auch die geforderte Wertschöpfung vor Ort bleiben.

Auch die Demonstrationen von „Land schafft Verbindung“ (LSV) hätten einige wachgerüttelt, sagte Kreisobmann Karl Lappe. Er gab einmal mehr zu bedenken, dass es die Bauern sind, die qualitativ hochwertigste Nahrungsmittel erzeugen und ohne die eine Energiewende gar nicht denkbar sei. Allerdings müssten hinter allen Entscheidungen, die Landwirte betreffen, mehr Fachlichkeit und weniger Bürokratie stehen.

Eng mit der Landwirtschaft verbunden sah Bayreuths 2. Bürgermeister Thomas Ebersberger die Stadt Bayreuth. Deshalb habe sich die Stadt auch an dem neuen Label „Bayreuther Land“ beteiligt. Oberstes Ziel sei es dabei, den Absatz regionaler Lebensmittel zu stärken. Dies sei auch notwendig, denn, so Ebersberger: „Die landwirtschaftlichen Familienbetriebe sind das Herzstück und das Gesicht unseres ländlichen Raumes, gerade in den Tourismusregionen Fränkische Schweiz und Fichtelgebirge.“

Domkapitular Josef Zerndl plädierte in seinem Grußwort dafür, dass sich Kirche und Landwirtschaft nicht auseinanderdividieren lassen. Hintergrund ist die über weite Strecken unterschiedliche Haltung beim Artenschutzvolksbegehren vor rund einem Jahr. Der Kirche sei durchaus bewusst, dass es die Bauern sind, die zum Erhalt der Schöpfung beitragen und die dafür sorgen, dass die Welt erhaltenswert bleibt.

Eine ganz besondere Ehrung wurde beim Bauerntag Stefan Murrmann vom „Bierzapfhof“ aus Fernreuth bei Hollfeld zuteil. Sein Hof ist seit dem Jahr 1509 amtlich nachgewiesen. Deshalb wurde er „in Anerkennung der Treue zur Heimatscholle“ in das Altbesitzer-Matrikel des Bayerischen Bauernstandes eingetragen, was der BBV mit einer Urkunde dokumentierte.

Bilder:
1.
 Vom BBV-Generalsekretariat konnte Kreisobmann Karl Lappe beim Bayreuther Bauerntag den Steuerfachmann Martin Bauer in Bayreuth willkommen heißen.
2. Hohe Ehrung für Stefan Murrmann (Mitte) vom „Bierzapfhof“ in Fernreuth b
ei Hollfeld. Sein Betrieb wurde in das Altbesitzer-Matrikel des Bayerischen Bauernstandes aufgenommen. Kreisobmann Karl Lappe (rechts) und BBV-Geschäftsführer Harald Köppel überreichten die dazugehörige Urkunde.

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12.02.2020

Kein Land ohne Landwirtschaft / Festakt für 19 frischgebackene Landwirtschaftsmeister aus Oberfranken

Bayreuth. Über mangelnde Wertschätzung konnten sich die 19 frischgebackenen Landwirtschaftsmeister aus Oberfranken nicht beklagen. Mit dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick und der oberfränkischen Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz waren zwei hochrangige Vertreter aus dem Regierungsbezirk angetreten, um den Meistern, 18 junge Männer und eine Frau, zu gratulieren.

Was der Erzbischof verlauten ließ, das ließ durchaus aufhorchen. Er sei auf dem Land aufgewachsen und habe als junger Mann selbst schon auf einem landwirtschaftlichen Betrieb innerhalb der Familie gearbeitet, sagte der Oberhirte von rund 670000 Katholiken im Erzbistum Bamberg. Er könnte Traktoren und Mähmaschinen fahren, Melkmaschinen bedienen und notfalls auch mit der Hand melken, sagte Schick. Sogar beim Kalben habe er schon geholfen, sagte Schick, der 1949 im hessischen Marburg geboren wurde. Auch auf die Jagd sei er schon gegangen und nicht zuletzt habe er gern geangelt. „Ich bin mit der Landwirtschaft verbunden, Hand und Fuß, Kopf und Herz“, so der Erzbischof.

Was folgte, war ein Plädoyer für das Land und für die Landwirtschaft. „Land ohne Landwirtschaft wird es nicht geben“, sagte Schick. Er plädierte für mehr Regionalisierung bei der Nahrungsmittelerzeugung und für einen guten Mix aus ökologischer und konventioneller Bewirtschaftung. Der Erzbischof räumte auch ein, dass ihm die Artenvielfalt am Herzen liege. Allerdings sei die Erhaltung der Artenvielfalt ein Gemeinschaftswerk, das nicht einseitig den Landwirten aufgebürdet werden dürfe. Deshalb befürwortete er auch nicht alle Punkte des umstrittenen Volksbegehrens.

Ebenfalls nah an der Landwirtschaft dran ist Regierungspräsidentin Piwernetz. So habe die Landwirtschaft seit 2018 wieder einen festen Anker an den bayerischen Bezirksregierungen. Der wiedergeschaffene Bereich IV. sei auch hervorragend gestartet. Seit August 2019 sind die Bezirksregierungen auch die zuständige Stelle für die Ausbildung im Bereich der Landwirtschaft und deshalb fand der Festakt zur Meisterbriefübergabe nach Jahren erstmals wieder im schmucken Landratssaal der Regierung von Oberfranken in Bayreuth statt.

Den frischgebackenen Landwirtschaftsmeistern gab die Regierungspräsidentin mit auf den Weg, dass eine Zukunft mir großen Herausforderungen vor ihnen liege. Unter anderem nannte Piwernetz die Stichpunkte Klimawandel, Digitalisierung, demographischer Wandel und Biodiversität. Die Anforderungen wachsen ständig weiter, deshalb werde lebenslanges Lernen unabdingbar zur Zukunft der Landwirtschaftsmeister gehören. Sicher sei vor allem auch eines: „Die Landwirtschaft bleibt eine der Schlüsselbranchen des 21. Jahrhunderts.“

Eine wichtige Rolle in der landwirtschaftlichen Ausbildung spielen die Landkreise. Mit Ausnahme von Coburg sind sie Sachaufwandsträger der Landwirtschaftsschulen und tragen damit einen nicht unerheblichen Teil zur Bildung bei. Der Bayreuther Landrat Hermann Hübner nannte die Landwirtschaftsmeister echte Mutmacher und einen Segen für ganz Oberfranken. Sie zeigten, dass es eine Zukunft gibt, auch und gerade für die Landwirtschaft, die es eigentlich nie leicht hatte. „Woher sollen die Menschen denn die Wertschätzung für die Landwirtschaft nehmen, wenn ihnen allwöchentlich von den großen Discountern Lebensmittelpreise im Sturzflug vorgeführt werden“, so Hübner.

Bilder:
1.
 Das sind die frischgebackenen Landwirtschaftsmeister des aktuellen Jahrgangs aus Oberfranken.
2.
 Plädoyer für die Landwirtschaft: Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick.

 

Die Landwirtschaftsmeister sind:

Landkreis Bayreuth: Andreas Degen (Hollfeld), Reiner Dittmer (Weidenberg), Andreas Hacker und Jens Pöhlmann (beide aus Bindlach), Christian Lappe (Mistelgau) und Tobias Schlegel (Gefrees).

Landkreis Bamberg: Jochen Bauer (Pommersfelden) und Lukas Brehm (Viereth-Trunstadt).

Landkreis Coburg: Johannes Ruppert (Seßlach) und André Steiner (Meeder).

Landkreis Hof: Maximilian Niederle (Stammbach) und Simon Schleicher (Regnitzlosau).

Landkreis Kulmbach: Patrick Burkhardt (Presseck), Andreas Kauper (Wonsees) und Markus Unger (Thurnau).

Landkreis Lichtenfels: Andreas Hagel (Ebensfeld) und Stefan Schnapp (Hochstadt).

Landkreis Wunsiedel: Lukas Purucker (Marktleuthen).

Aus dem unterfränkischen Landkreis Haßfurth kommt die einige Dame: Lea Schleicher (Pfarrweisach).

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03.02.2020

LSV contra Bauernverband: Aufgeheizte Stimmung beim Scheßlitzer Bauerntag / Marlene Mortler verteidigte BBV – Aufruf zu Geschlossenheit

Scheßlitz, Lks. Bamberg. Da kochten die Emotionen beim Scheßlitzer Bauerntag diesmal richtig hoch. Nicht nur, dass „Land schafft Verbindung“ mit über 30 Schleppern vor der TSV-Turnhalle vorgefahren war und der Saal so voll war, dass viele Besucher sogar mit einem Stehplatz vorlieb nehmen mussten. LSV-Sprecher Dieter Laub kritisierte mit scharfen Worten sowohl den Bauernverband als auch die CSU.

Dass ließ Hauptrednerin Marlene Mortler, Europaabgeordnete und frühere Bundestagsabgeordnete; so freilich nicht stehen. Sie verteidigte nicht nur ihre Partei, sondern auch den Bauernverband. „Wenn jemand in jahrzehntelanger Arbeit versucht hat, alles für die Bauern rauszuholen“, dann doch der Bauernverband“, so Mortler. Den BBV in Bausch und Bogen sei völlig fehl am Platz. Wenn man wirklich etwas erreichen möchte dann nur zusammen, rief sie die Landwirte zu Geschlossenheit auf. Jetzt einen Keil in den Bauernstand zu treiben und den Berufsstand zu spalten bringe gar nichts.

Dabei hatte Mortler zuvor in ihrer Rede noch überaus lobende Worte für die Bewegung „Land schafft Verbindung“ gefunden. Durch die LSV-Aktionen hätten wirklich alle erkannt, dass es den Landwirten ernst ist. Gerade die bestens ausgebildeten jungen Bauern, die jetzt in der Verantwortung stehen, seien es gewesen, die mit spektakulären Aktionen für Aufsehen gesorgt hätten. „Ihr habt es geschafft, dass das Thema Landwirtschaft ganz oben ist“, so Mortler. Das Verständnis in der Bevölkerung nehme wieder zu, die Mehrzahl der Menschen stehe auf der Seite der Bauern.

Auch die Kritik an der sogenannten Bauernmilliarde konnte Mortler verstehen. „Die Bauern wollen Wertschätzung und fair behandelt werden“, sagte sie. LSV-Sprecher Laub rechnete dagegen vor, dass er die 950 Euro pro Jahr und Betrieb längst bei den Aktionen mit seinem Schlepper verfahren habe. Damit habe die Bewegung aber auch „verdammt viel“ erreicht, ganz im Gegensatz zum BBV, wie es der Sprecher ausdrückte.

Das ließ auch Kreisobmann Edgar Böhmer so nicht auf sich sitzen. Auch er sei nicht immer mit allem einverstanden, aber genau deshalb engagiere er sich ja als Kreisobmann. Er rief alle Aktivisten auf, sich ebenfalls einzubringen, beispielsweise in den Gemeinderäten oder Kreistagen. Dort könne man wirklich etwas bewegen.

Auch wenn die Stimmung aufgeheizt war und der Streit zwischen LSV und BBV den Bauerntag diesmal überschattete, so kamen Sachthemen trotzdem nicht zu kurz. Am besten brachte die Vielfalt der Anliegen ein Sketch auf den Punkt, in dem die wichtigsten Anliegen gleich zu Beginn der Veranstaltung auf den Punkt gebracht wurden. Kreisobmann Böhmer und Georg Deinlein aus Neudorf kritisierten dabei witzig und überspitzt, aber durchaus mit ernstem Hintergrund als „Franz und Gerch“ die vielen Auflagen, die Bürokratie, die negativen Rahmenbedingungen, das Freihandelsabkommen Mercosur und schließlich auch den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder: „Wer die Bauern quält, wird nicht gewählt“, skandierten beide am Ende des Sketches..

Bilder:
1.
 Scheßlitzer Bauerntag (von links): Landesbäuerin Anneliese Göller, Landrat Johann Kalb, die Europaabgeordnete Marlene Mortler, Landtagsabgeordneter Holger Dremel, die stellvertretende Kreisbäuerin Marion Link, Kreisobmann Edgar Böhmer und Geschäftsführer Werner Nützel.
2.
 Trotz Faschingsdeko im Sportheim: die Stimmung beim Scheßlitzer Bauerntag war ernst und emotional.
3. Als Franz und Gerch nahmen Georg Deinlein (links) und Edgar Böhmer in ihrem Sketch die Politik aufs Korn.

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03.02.2020

Ohne Landwirte werden die Dörfer zu reinen Schlafstätten / Bayreuther Landfrauentag: „Leistung der Bauern ist nicht selbstverständlich“

Bayreuth. Ähnlich wie den Landfrauen geht es dem gesamten Bauernstand. Die Leistungen werden als selbstverständlich empfunden. Was bei den Landfrauen für Haus und Hof gilt, ist bei der Landwirtschaft die gesamte Gesellschaft. „Ohne unsere Bauernhöfe gäbe es kein Leben im ländlichen Raum“, sagte der Wunsiedler Landtagsabgeordnete Martin Schöffel beim Bayreuther Landfrauentag.

Es passe einfach nicht zusammen, wenn große Teile der Verbraucher den Bauern vorschreiben möchten, wie sie Nahrungsmittel zu produzieren haben, sie aber nicht bereit sein, auch entsprechend dafür zu zahlen, so Schöffel, der auch stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses im Bayerischen Landtag ist. Für die Landwirte habe es schon immer höchsten Stellenwert, dass es den Tieren gut geht, dass Wasser und Böden sauber sind und die Landschaft intakt ist.

Allerdings benötigten die Bauern dafür auch eine faire Entlohnung und deshalb müssten Lebensmittel eben auch ihren Preis haben. „Kampfpreise“, also Verkaufspreise unter dem Einstandspreis seien ohnehin verboten. Aber auch die regelmäßigen Lockangebote führten den Verbraucher in die völlig falsche Richtung.

Zuvor hatte Kreisbäuerin Angelika Seyferth darauf hingewiesen, dass die Zahl der Dörfer weiter zunimmt, in denen es keinen Landwirt, aber auch keinen Metzger oder Bäcker mehr gibt. „Wir müssen aufpassen, dass unsere Dörfer nicht zu reinen Schlafstätten werden“, sagte sie. Denn eines stehe fest: Ohne Landwirte gibt es keine heimische Nahrungsmittelproduktion, keinen Erhalt der Kulturlandschaft und auch keine Tradition und kein Brauchtum mehr. Angelika Seyferth forderte deshalb gute Nahverkehrsanbindungen für den ländlichen Raum, die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung, den Erhalt der Schulverbünde sowie das Eintreten für Arbeitsplätze in Industrie und Handwerk.

Ziel müsse es in jedem Fall sein, die Lebensmittelproduktion auch künftig im eigenen Land zu halten. Wenn die Dinge erst einmal aus dem Ausland kommen, dann habe niemand mehr Einfluss auf die Produktionsbedingungen. Deshalb sollte man mit allen Mitteln verhindern, dass man sich hierzulande aus der Produktion zurückzieht.

Die Einführung von Projektwochen zum Thema Alltagskompetenz begrüßte die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Schon vor Jahren hätten dies die Landfrauen angestoßen. Es sei auch zu begrüßen, dass Praktiker dafür zuständig sein sollen, denn gerade die Landfrauen führten ihren Haushalt meist nachhaltiger als so mancher Klimaaktivist. Lobende Worte für die Arbeit der Landfrauen fand auch Beate Kuhn, 3. Bürgermeisterin der Stadt Bayreuth. „Sie gestalten die Region, Sie setzen sich für berufsständische Belange ein und Sie tragen zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen bei“, sagte Kuhn zu den Landfrauen. Die große Frustration habe aber nicht nur die Landwirtschaft, sondern die gesamte Gesellschaft erfasst, so die stellvertretende Landrätin Christa Reinert-Heinz. Es sei noch nie so viel „gemeckert und gemotzt“ worden, und das, obwohl es den meisten Menschen in der Gesellschaft doch eigentlich gut gehe.

Zum Landfrauentag gehörte auch ein Auftritt des Bayreuther Landfrauenchors unter der Leitung von Martina Schill, eine Vorstellung der Stadt Pegnitz durch Bürgermeister Uwe Raab sowie eine Spendenaktion zu Gunsten des Vereins „Pegnitz für Kinder“, der sich für die Förderung von Vorschulkindern und für die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtungen und Grundschulen einsetzt.

Bilder:
1. Der Bayreuther Landfrauenchor eröffnete den Landfrauentag in der Tierzuchtklause.

2. Kreisbäuerin Angelika Seyferth (rechts) und ihre Stellvertreterin Doris Schmidt bedankten sich bei Martin Schöffel, dem Hauptredner des Landfrauentages in Bayreuth.

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01.02.2020

Teichwirtschaft als integraler Bestandteil der Genussregion / Teichgenossenschaft Oberfranken:
„Gigantische Leistungen für die Allgemeinheit“

Himmelkron. Gerade in Zeiten des Klimawandels kann die heimische Teichwirtschaft ganz massiv punkten. Das haben nahezu alle Redner bei der Jahresversammlung der Teichgenossenschaft Oberfranken in Himmelkron hervorgehoben. Doch leider fehlt den Teichwirten oft die entsprechende Wertschätzung, auch das wurde bei der Zusammenkunft deutlich.

Im Gegenteil: Ausgerechnet Teichwirten wird nicht selten mangelnde fachliche Praxis vorgeworden, beispielsweise von PETA. Die Tierrechtsorganisation hatte vor rund eineinhalb Jahren Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Hof gegen Verantwortliche der Teichgenossenschaft wegen angeblicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz bei der Karpfensaisoneröffnung in Bad Alexandersbad erstattet. Nicht nur der dortige Teichwirt sei betroffen gewesen, auch Vorsitzender Dr. Peter Thoma und eine Reihe von Politiken, darunter die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber.

Nun konnte Thoma vermelden, dass sämtliche Anzeigen eingestellt worden seien. „Für uns ist ein vernünftiger Umgang mit den Fischen ohnehin selbstverständlich“, sagte Thoma. Das Verbringen der Fische zum Sortiertisch entspreche sämtlichen tierschutzrechtlichen Vorgaben, außerdem sei der Vorgang notwendig, unter anderem um die Fische auf Verletzungen durch Prädatoren und Außenparasiten zu kontrollieren. Trotzdem habe man bei der einen oder anderen Karpfensaisoneröffnung zwischenzeitlich feststellen müssen, dass sich, vermutlich aus Angst vor einer ähnlichen Anzeige, kaum ein Außenstehender mehr einen Karpfen anzufassen traut. „Wir lassen uns nicht abschrecken“, sagte Thoma und verurteilte das Vorgehen von PETA scharf.

Der Vorsitzende sprach stattdessen von gigantischen Leistungen der Teichwirte für die Allgemeinheit, indem sie sich für den Gewässer- und Artenschutz stark machen und dabei gesunde Lebensmittel erzeugen. De traditionelle Teichwirtschaft zu erhalten und zu fördern ist auch das Ziel des Bezirks Oberfranken mit seiner Fachberatung für Fischerei, so der Leiter der Bezirksverwaltung Peter Meyer. Aufgrund erschwerter Rahmenbedingungen vor allem durch die Klimaveränderung plädierte er für eine höhere Wertschätzung der Teichwirte und ihrer Arbeit. Unabdingbar dazu gehörten auch effektive Förderprogramme, praktikable Teichbauempfehlungen und eine Stärkung der Fachberatung bei den Bezirken.

Die enorm wichtige Funktion der Teichwirte für die Sicherung der Wasserversorgung sprach der Kulmbacher Landrat Klaus Peter Söllner an. Er bezeichnete die Teichwirte aber auch als „integralen Bestandteil der Genussregion“. Fisch aus der Region habe nicht nur einen hohen Gesundheitswert, sondern sei auch für die ökologischen Zusammenhänge immens wichtig.

Trotzdem musste Vorsitzende Thoma eine abnehmende Nachfrage nach Mitteln aus der Teichbauförderung feststellen. Als Ursache dafür vermutete er, dass sich die Förderung mittlerweile zu einem „bürokratischen Monster“ entwickelt habe. Auch die neuen Teichbaurichtlinien, die noch verabschiedet werden müssen und gegen die noch Einsprüche erhoben werden können, würden nicht gerade zu einer Vereinfachung beitragen. Beispielsweise sei eine Verschärfung bei den Auflagen zum Hochwasserschutz geplant.

Scharfe Kritik am Volksbegehren zum Artenschutz übte unter anderem Walter Jacob, der Vorsitzende der Nachbarteichgenossenschaft Aischgrund. Die Kritik von großen Teilen der Gesellschaft sei symptomatisch für die Bevölkerung, die sich weit von der landwirtschaftlichen Produktion entfernt habe. Albert Deß, Vorsitzender des Verbandes der Bayerischen Berufsfischer, sprach von einer „großen Volksverdummung“. De Ziele des Volksbegehrens kämen für viele Land- und Teichbewirtschafter einer Enteignung gleich. Der großstädtischen Bevölkerung, die sich hauptsächlich für das Volksbegehren ausgesprochen habe, warf Deß arrogantes Verhalten vor.

Für seine seit vielen Jahren andauernde Tätigkeit als Justitiar der Teichgenossenschaft wurde der frühere oberfränkischen Regierungsvizepräsident Horst Müller ausgezeichnet. Mit seinen herausragenden Kenntnissen im Verwaltungsrecht und seinem exzellenten Wissen und Können habe sich Müller stets für die Belange der Teichwirtschaft eingesetzt, sagte der Vorsitzende Dr. Thoma. Müller konnte erst kürzlich seinen 80. Geburtstag feiern.

Bild: Für seinen Einsatz zu Gunsten der Teichgenossenschaft Oberfranken wurde der frühere oberfränkische Regierungsvizepräsident Horst Müller (rechts) vom Vorsitzenden Dr. Peter Thomas ausgezeichnet. Müller ist als Justitiar für die Teichgenossenschaft tätig.

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30.01.2020

Wertschöpfung contra Wertschätzung / Betzensteiner Bauerntag: Landwirtschaft steht zu Unrecht im Focus der Kritik

Betzenstein. Der Wind bläst der Landwirtschaft immer stärker ins Gesicht. Diesmal seien es aber nicht nur die rein wirtschaftlichen Ursachen, sondern Bürokratie, Auflagen und Vorschriften, die sich in nie gekanntem Ausmaß über die Landwirtschaft erstrecken, so der Bayreuther Kreisobmann Karl Lappe. Da könne nicht einmal mehr die sogenannte Bauernmilliarde“ etwas daran ändern. Grund dafür ist: Was sich zunächst nach sehr viel anhört, ist am Ende vielleicht gerade einmal 1000 Euro pro Betrieb und Jahr. Da bleibt nicht viel, so Lappe beim Betzensteiner Bauerntag.

In weiser Voraussicht hatte man sich deshalb auch mit Veterinärdirektorin Dr. Iris Fuchs aus Pegnitz eine Fachreferentin eingeladen. Die Leiterin des Fachbereich Veterinärwesen und Verbraucherschutz am Landratsamt Bayreuth ist zudem auch Erste Vizepräsidentin der Bundestierärztekammer und damit bundesweit keine Unbekannte.

Die Landwirtschaft habe so viel getan zum Thema Tiergesundheit und trotzdem stehe sie permanent im Focus der Kritik, sagte Dr. Fuchs. Als Ursache dafür nannte sie die Tatsache, dass Anspruch und Wirklichkeit sowohl beim Handel als auch beim Verbraucher weit auseinandergehen. „Der Handel hält den Verbraucher für dumm“, fand sie klare Worte. Die aktuellen Lebensmittelpreise spiegelten den Aufwand zur Erzeugung nicht wider. Dazu komme eine Lebensverschwendung, die mittlerweile ein gigantisches Ausmaß angenommen habe. 90 Millionen Tonnen Lebensmittel landeten in Europa pro Jahr auf dem Müll. Zwischen Wertschöpfung und Wertschätzung klaffe eben eine große Lücke.

Zuvor war Kreisobmann Karl Lappe zum einen auf die Düngeverordnung, zum anderen auf die Afrikanische Schweinepest eingegangen. Was die Düngeverordnung angeht, sei das Ziel aus fachlicher Sicht weit verfehlt worden. „In den wenigen Frühsommermonaten soll die Gülle des ganzen Jahres ausgebracht werden“, stellte Lappe fest. Pflanzenbiologisch sei dies mehr als in Frage zu stellen. Ein absolutes Chaos sah der Kreisobmann für den wahrscheinlichen Fall des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest auf die Bauern zukommen. Nach zwei Jahren absoluter Trockenheit würden die Bauern das geplante Ernteverbot im 30-Kilometer-Radius um die Kernzone nicht überstehen. Völlig offen sei, was entsprechende Versicherungen abdecken.

Deutliche Worte zur aktuellen Situation in der Landwirtschaft fand die die stellvertretende Bayreuther Landrätin Christa Reinert-Heinz. „Identifizieren sie sich nicht mit den schwarzen Schafen der Branche“, sagte sie. De allergrößte Mehrzahl der Bauern arbeite korrekt und vorbildlich. Wenn das drei Prozent nicht tun, dann müsse man das auch sagen. Es sei zutiefst ungerecht, wenn alle Betriebe über einen Kamm geschoren werden. Alle Entscheider in der Politik rief Reinert-Heinz dazu auf, alles zu tun, um die Landwirtschaft in den derzeitigen Strukturen zu erhalten. Andernfalls sei nicht mehr zu garantieren, dass Landwirtschaft in unseren Breiten überhaupt noch stattfindet.

Bild: Kreisbäuerin Angelika Seyferth (links), Stellvertreterin Doris Schmidt (rechts) und Kreisobmann Karl Lappe konnten mit Dr. Iris Fuchs die Veterinärchefin aus dem Bayreuther Landratsamt beim Betzensteiner Bauerntag begrüßen.

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23.01.2020

Die Region positiv gestalten / Pegnitzer Landfrauentag im ASV-Sportheim

Pegnitz. Die immer schwerer werdende Erzeugung von Lebensmitteln hat Kreisbäuerin Angelika Seyferth beim Pegnitzer Landfrauentag im ASV-Sportheim angeprangert. Es wird immer schwieriger wirtschaftliche zu arbeiten“, sagte Seyferth. Schuld daran seien zahlreiche Auflagen wie die Düngeverordnung, Einschränkungen bei der Bewirtschaftung von Gewässerrandstreifen, das Mercosur-Abkommen und vieles mehr. „Wir brauchen wieder Rahmenbedingungen, die auch umsetzbar sind“, appellierte sie an die Politik. An den Verbraucher gerichtet, forderte sie, regionale Lebensmittel zu bevorzugen. Der Verbraucher bestimme die Nachfrage, die Discounter richteten sich danach.

Hauptrednerin des Landfrauentages war diesmal die Europa-Abgeordnete und frühere Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler aus dem Nürnberger Land. Sie zählte auf, was in unserem Land alles in Schieflage geraten sei und forderte gegenzusteuern. Jeder einzelne könne seinen Beitrag leisten und die Region positiv gestalten, sagte Mortler und griff damit auch gleich das Jahresthema der Landfrauenarbeit im Bauernverband „Die Region gestalten“ auf. Dazu gehöre es beispielsweise die heimischen Einzelhändler, Bäcker und Metzgereien zu unterstützen anstatt im Internet bei Amazon oder Doc Morris zu bestellen. Nur dann sei noch eine gewisse Grundversorgung in ländlichen Regionen möglich. Man müsse sich stets vor Augen halten, was eine Kaufentscheidung für meine Region bedeutet.

Gegen Intoleranz und die Radikalisierung der Gesellschaft machte sich die Bundestagsabgeordnete Silke Launert stark. So sehr sie sich zunächst darüber gefreut habe, dass sich die Jugend engagiere, so sehr mache es ihr nun Angst, wenn eine gewisse Radikalisierung eintritt. Das sogenannte „Oma-Lied“ bezeichnete Launert als absolute Dreistigkeit. Ausgerechnet die Generation werde beschimpft, die mit ganz wenig Dingen zurechtgekommen ist. Ohnehin brauche man den Bäuerinnen nichts von Nachhaltigkeit erzählen. Niemand anderes stehe so für Nachhaltigkeit wie die Landfrauen, da gebe es nichts, was nicht noch wiederverwertet werde. Launert warnte, dass die derzeit zu beobachtende Radikalisierung nicht nur klimamotiviert, sondern gegen das gesamte System gerichtet sei. „Nicht nur das rechte Lager, auch das linke Lager möchte das System abschaffen“, so die Abgeordnete.

Auch der Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab stellte immer mehr Polarisierung, Spaltung und Populismus fest. „Setzen wir ein Zeichen dagegen und stehen für Zusammenhalt und Gemeinschaft“, sagte er. Nur so werde es weiterhin gelingen, in diesem Land in Frieden zu leben.

Froh über die Einführung von verbindlichen Projektwochen zum Thema Alltagskompetenz an allen Schularten zeigte sich die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Schon vor zehn Jahren hätten die Landfrauen dafür mit Unterschriftenaktionen intensive Vorarbeit geleistet. Es dürfe dabei aber nicht nur um Kochen lernen oder rein theoretische Vorträge gehen. Im Vordergrund sollte vielmehr der Praxisbezug stehen. „Welterklärer haben wir genug“, so Brendel Fischer.

Die stellvertretende Landrätin Christa Reinert-Heinz zog für die Dachmarke „Bayreuther Land“ ein erste positive Resümee. Seit der Einführung Anfang Oktober habe sich die Dachmarke sehr gut entwickelt. Ziel sei es, dass mehr Wertschöpfung bei den Landwirten hängen bleibt. Reinert-Heinz machte sich außerdem für die Hotelfachschule Pegnitz stark. „Lassen wir uns im Landkreis nicht auseinander dividieren“, warnte sie. Die Schule sei gerade in Zeiten des Fachkräftemangels für den Landkreis eminent wichtig.

Zum Rahmenprogramm des Pegnitzer Landfrauentages gehörte auch der Auftritt des Bayreuther Landfrauenchors unter der Leitung von Martine Schill sowie ein Vortrag des dritten Bürgermeisters von Bischofsgrün Jens Stenglein, der den Landfrauen seine Gemeinde präsentierte.

Bilder:
1. Kreisbäuerin Angelika Seyferth und ihre Stellvertreterin Doris Schmidt bedankten sich bei der jetzigen Europaabgeordneten Marlene Mortler mit einem Blumenstrauß.
2. Frauenpower beim Pegnitzer Landfrauentag (von links): die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer, die Europaabgeordnete Marlene Mortler, Kreisbäuerin Angelika Seyferth und die Bundestagsabgeordnete Silke Launert.
3. Der Bayreuther Landfrauenchor unter der Leitung von Martina Schill.

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04.12.2019

Umweltminister Glauber: „Landwirte müssen wieder mit einer Stimme sprechen“ / Selbstbewusstsein statt Büßergewand - Schlepperdemo im Vorfeld der vlf-Landesversammlung

Kloster Banz. Rund 250 Bauern haben mit ihren Schleppern im Umfeld der vlf-Landesversammlung auf Kloster Banz demonstriert. Hintergrund der spektakulären Aktion der Vereinigung „Land schafft Verbindung“: der bayerische Umweltminister Torsten Glauber war einer der Hauptredner beim Verband für landwirtschaftliche Fachbildung (vlf). Ihm überreichten sie einen Forderungskatalog, der unter anderem einen Abbau der Bürokratie, Nachbesserungen beim Agrarpaket und bei der Düngeverordnung sowie bei der Umwidmung von landwirtschaftlichen Nutzflächen zu Naturschutzflächen, wie Streuobstwiesen, beinhaltet.

Die Bauern blockierten mit ihren Schleppern auf über zwei Kilometern teilweise die Zufahrten zur Tagungsstätte und erzwangen so das Gespräch mit dem Minister. Pünktlich zu Beginn der Versammlung zogen die Landwirte wieder ab. Vlf-Landesvorsitzender Hans Koller sprach im Anschluss von einer disziplinierten und sachlichen Diskussion der Betroffenen mit dem Minister.

Glauber stellte sich in seiner Ansprache vor den bayerischen vlf-Mitgliedern auf die Seite der Bauern. Er ermahnte die Landwirte aber auch, künftig doch bitte wieder mit einer Stimme zu sprechen. „Die Landwirtschaft in Bayern ist völlig heterogen und nicht mehr mit einer Stimme unterwegs“, sagte er. Ob Bauernverband, BdM oder Almbäuerinnen, alle legten völlig unterschiedliche Sichtweisen an den Tag. „Sorgen Sie als Verband dafür, dass die Landwirtschaft wieder mit einer Stimme spricht, andernfalls wird die Arbeit noch schwieriger“, sagte Glauber zu den vlf-Mitgliedern.

Das ließ Landesvorsitzender Koller nicht so stehen: Von der Politik habe man den Eindruck, dass sie kleinere Randgruppen befeuert, sagte er unter dem Applaus der Mitglieder. Der Dialog mit dem Verbraucher werde immer wichtiger, dabei dürfe man sich aber nicht dem Zeitgeist anpassen, so Koller. Der Vorsitzende kritisierte die Verunsachlichung der Diskussion, etwa im Umgriff des Volksbegehrens zum Artenschutz. Dies werde schon im veränderten Sprachgebrauch deutlich, wenn etwa immer wieder von Pestiziden, Ackergiften oder von industrieller Landwirtschaft die Rede sei. Seine Berufskollegen rief er auf, sich keinesfalls ein Büßergewand überzustreifen, sondern selbstbewusst an die Öffentlichkeit zu gehen.

Ganz so leicht macht es die Öffentlichkeit den Bauern derzeit allerdings nicht. Der Berufsstand des Bauern sei in der Stadt hoch angesehen, das was die Bauern machen allerdings nicht, berichtete Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung in Berlin. Der Wissenschaftler gab den Bauern mit auf den Weg, die Kluft zwischen Experten und Laien kleiner zu machen, um Vertrauensverluste zu mindern, „soweit es geht“. Grundlage jeder Kommunikation müsse die Transparenz sein, wenn Glaubwürdigkeit das Ziel ist. Im unternehmerischen Bereich möge Transparenz eher suspekt klingen und Besorgnisse um Betriebsgeheimnisse aufkommen lassen. Erfolgreiche Vorbilder zeigten jedoch den Mehrwert für den einzelnen Betrieb, zum Beispiel von Prüfzeichen, die unabhängig, neutral und eben transparent von Verbänden oder Testzentren organisiert werden.

Die ihren Worten nach stilvolle Demonstration der Landwirte nicht nur auf Kloster Banz, sondern auch vor kurzem am Brandenburger Tor in Berlin habe vielen Leuten die Bedeutung der Landwirtschaft bewusst gemacht, sagte die örtliche Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU). Trotzdem müsse sich einiges ändern, damit auf den Höfen wieder Mut aufkommt, so der oberfränkische vlf-Bezirksvorsitzende Mario Güldner. Eine fachlich fundierte Ausbildung und eine umfassende berufliche Fortbildung sei eine essentielle Voraussetzung für den Berufsstand, so Landesbäuerin Anneliese Göller.

Für ihr herausragendes Engagement für den vlf wurden die folgenden Persönlichkeiten mit dem Goldenen Verbandsabzeichen geehrt: Dagmar Hartleb (Meeder, Lks. Coburg), Rudi Steuer (Burgkunstadt, Lks. Lichtenfels), Konrad Rosenzweig (Wiesenthal, Lks. Forchheim), Reinhard Kortschak (Ködnitz, Lks. Kulmbach), Georg Hollfelder (Litzendorf, Lks. Bamberg), Werner Schwarz (Völkenreuth, Lks. Hof), Finni Herb (Kempten), Alois Kling Pfronten, Inge Kaspar (Neukirchen, Lks. Sulzbach-Rosenberg), Johann Ziegler (Albenried, Lks. Schwandorf), Georg Neidlein, Wassertrüdingen, Lks. Ansbach) sowie der langjährige Europaabgeordnete Albert Deß aus Röckersbühl, Lks. Neumarkt) und Ministerialdirigent Wolfram Schöhl vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium in München.

Bilder:
1. Der Landfrauenchor Lichtenfels umrahmte die Landesversammlung musikalisch.
2. Umweltminister Thorsten Glauber bei seiner Ansprache vor der vlf-Landesversammlung.
3. Aus ganz Bayern waren vlf-Mitglieder zur Landesversammlung ins oberfränkische Kloster Banz gekommen.
4. Der bayerische vlf-Landesvorsitzende Hans Koller.

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29.11.2019

Vier Punkte für den Wald von Morgen / Projekt „Neue Baumarten“ im Rahmen der Initiative „Zukunftswald Bayern“ gestartet – Kritik an Fridays-for-Future-Bewegung

Heiligenstadt. Die Mischung macht´s: Olaf Schmidt, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft Freising plädiert dafür, auf der Suche nach zukunftsfähigen, klimatoleranten Wäldern auf Risikostreuung zu setzen. „Ein anpassungsfähiger Mischwald ist die beste Strategie“, sagte Schmidt in Heiligenstadt beim Start des Projekts „Neue Baumarten“ im Rahmen der Initiative „Zukunftswald Bayern“.

Bei der Eröffnungsveranstaltung im evangelischen Gemeindezentrum, bei der symbolisch auch eine Libanon-Zeder gepflanzt wurde, stellte Schmidt vier Punkte für den Wald von Morgen vor. Zunächst sollten heimische Baumarten, abseits von Fichte, Buche, Kiefer und Eiche, gefördert werden. Die vier genannten Arten würden kaum noch eine Chance haben, war sich der Präsident sicher.  Ganz im Gegensatz etwa zur Weißtanne. Dann sollte man seltene heimische Baumarten forcieren, Feld- und Spitzahorn gehörten dazu, aber auch die Elsbeere, die Hainbuche oder der Speierling. In einem dritten Schritt kommt das, was Schmidt Pionierarten nennt: Aspe, Salweide, Vogelbeere oder Traubenkirsche. Erst danach spricht der Präsident von hierzulande wirklich neuen Baumarten wie Edelkastanien, Silberlinden, Baumhasel, Zerreiche, Mannaesche, oder die amerikanischen Arten wie Roteiche, Edeltanne oder der Riesenlebensbaum.

Freilich gebe es immer auch „Nebenwirkungen“. Manche der neuen Baumarten ziehen keine Insekten an. Ein ausbleibendes Nahrungsangebot für Vögel und Fledermäuse ist die Folge. Auch mit dem schwer zersetzbaren Streu, etwa bei der Roteiche, müsse man noch klarkommen. Trotz aller neuen Baumarten: Palmen am Chiemsee oder Olivenbäume in Franken werde es auch in Zukunft nicht geben. Mildere Winter bedeutet nicht automatisch, dass es keine Frostnächte mehr gibt, sagte Schmidt. Die Trockenheit werde aber weiter zunehmen, und damit auch Insektenkalamitäten, Sturmereignisse oder Waldbrände. Besonders betroffen davon wird Nordbayern sein.

Zuvor hatte sich der Heiligenstädter Bürgermeister Helmut Krämer kritisch über die Fridays-for-Future-Bewegung geäußert. „Wir demonstrieren nicht, wir handeln“, sagte er mit Blick auf das neue Baumarten-Projekt. Im Gegensatz zu manch öffentlich geäußerter Meinung stellte der Bürgermeister klar, dass gerade im Landkreis Bamberg schon viele Initiativen und Aktionen durchgeführt worden seien, um der Klimaveränderung zu begegnen. „Aktionismus und Hysterie helfen da nicht weiter“, sagte er vor dem Hintergrund der Ausrufung des Klimanotstandes auf europäischer Ebene.

Absolut vorbildlich sei dabei der Markt Heiligenstadt, wie der Bürgermeister an den folgenden Zahlen verdeutlichte: Gut elf Millionen Kilowatt Strom seien 2018 in Heiligenstadt verbraucht worden, satte 24 Millionen Kilowattstunden seien im gleichen Zeitraum aus regenerativen Energien, also Photovoltaik, Biomasse und  Windkraft, erzeugt worden. Der Anteil erneuerbarer Energien am Energiebedarf von Heiligenstadt liege dabei rechnerisch bei 218 Prozent. Das müsse erst einmal jemand nachmachen.

„Der Wald der Zukunft wird  ein anderer Wald sein, als der, den wir seit Jahrzehnten kennen“, sagte der Landtagsabgeordnete Holger Dremel. Deshalb sei der Versuchsanbau neuer Baumarten so wichtig. Das alles sehe das Projekt vor. Am Ende sollte ein „echter Zukunftswald“ stehen, an dessen Entstehen sich möglichst alle Waldbesitzer beteiligen. „Wir wollen nicht schwarzmalen, aber auch nichts beschönigen“, stellte zuvor der Leiter des Bamberger Landwirtschaftsamtes Hans-Rüdiger Schmittnägel fest. Der schlechte Zustand der Wälder sei mittlerweile im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen. Schmittnägel bezeichnete den Wald als Opfer der Klimaerwärmung, aber auch als Teil der Lösung, denn schließlich sei der Wald der CO2-Spender schlechthin.

Das Projekt „Neue Baumarten“ im Rahmen der Initiative „Zukunftswald Bayern“ sieht die Anlage von mehreren Versuchsflächen im Landkreis Bamberg vor, auf denen die Standorteignung verschiedener neuer Baumarten, Mischungsmöglichkeiten und Pflanzverbände getestet werden sollen. Das Projekt ist zunächst auf zwei Jahre angelegt, wird von der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft, der Uni Freising, der FH Weihenstephan und dem Ökologisch Botanischen Garten Bayreuth wissenschaftlich begleitet. Projektpartner sind die Waldbauernvereinigung Oberfranken, die Waldbesitzervereinigung, die Naturschutzverbände und die Naturschutzverwaltung. Projektmanager ist ab 1. Januar der Forstwirt David Schwarzmann aus Coburg.

Bilder:

1. Sie alle wollen dazu beitragen, dass aus dem Projekt „Neue Baumarten“  krisenfeste Zukunftswälder  für den Landkreis Bamberg und weit darüber hinaus entstehen.
2. Amtschef Hans-Rüdiger Schmittnägel (links) bedankte sich beim Präsidenten der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft Olaf Schmidt, der das Projekt „Neue Baumarten“ in Heiligenstadt symbolisch gestartet hat.

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ine Libanon-Zeder haben Vertreter der beteiligten Verbände und Institutionen symbolisch zum Auftakt des Projektes „Neue Baumarten“ in Heiligenstadt geplanzt.

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27.11.2019

Bundesinstitut für Risikobewertung: „Glyphosat-Grenzwerte reichen aus“ / Am Artenschwund sind nicht nur Pflanzenschutzmittel schuld

Kulmbach. Artensterben und Klimawandel: viele Verbraucher geben den Bauern die Schuld. Meistens geschieht dies aus Unwissenheit. Alle wollen mitreden, doch die genauen Hintergründe kennen nur die Wenigsten. Um aufzuklären, hat der Ring junger Landwirte Kulmbach zu einer gemeinsamen Informationsveranstaltungen zusammen mit dem Verband für landwirtschaftliche Fachbildung mit Jens Schuberth einen Spezialisten eingeladen.

Schuberth ist bei dem 2002 gegründeten und zum Geschäftsbereich des Bundeslandwirtschaftsministeriums gehörenden Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) tätig, das unter anderem Bundesministerien berät, wenn es um die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln geht. Das Berliner Institut mit seinen rund 1000 Mitarbeitern erstellt weisungsunabhängig Risikobewertungen, allerdings nicht nur für Pestizide, sondern beispielsweise auch für E-Zigaretten, Shishas und alle möglichen Chemikalien.

„Pflanzenschutzmittel sind nicht alleine verantwortlich für den Artenschwund“, sagte der Wissenschaftler. Auch der zunehmende Flächenverbrauch oder die Anlage von Monokulturen hauptsächlich im Norden Deutschlands gehörten zu den Verursachern.

In der Gemeinschaftsveranstaltung ging es hauptsächlich um das überaus kontrovers diskutierte Thema Glyphosat. Anhand des mittlerweile seit acht Jahren andauernden Verfahrens machte Schuberth deutlich, mit welchem immensen Aufwand seine Behörde arbeitet. 2011 sei die Neubewertung gestartet worden, es folgten Kommentierungsphasen der einzelnen EU-Staaten, Expertenrunden auf nationaler und internationaler Ebene sowie immer wieder neue Bewertungen aufgrund des großen öffentlichen Drucks und aktueller, teils widersprüchlicher Studien. Erst 2017 konnte die Genehmigung erneuert werden, aber nur für fünf Jahre bis zum 15. Dezember 2022 und nicht wie üblich für 15 Jahre.

Auch wenn der endgültige Glyphosat-Ausstieg durch das Bundeslandwirtschaftsministerium für 2023 bereits beschlossen ist, blieb der Fachmann bei seiner Einschätzung, dass der geltende Grenzwert von 0,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag bei der Aufnahme durch den Menschen ungefährlich und deshalb völlig ausreichend sei.

Schubert machte keinen Hehl daraus, dass Glyphosat-Rückstände im Bier durchaus nachvollziehbar seien, da die Anwendung im Getreide ja auch zugelassen ist. Allerdings in so geringer Menge, dass man unglaubliche 1000 Liter Bier pro Tag trinken müsste, um die festgelegten Grenzwerte tatsächlich zu übersteigen. Während aber über die Glyphosat-Rückstände im Gerstensaft leidenschaftlich diskutiert werde, sei das Thema Gesundheitsgefahren durch Alkohol kaum mehr Gegenstand öffentlicher Diskussionen, kritisierte Schuberth.

Überhaupt gab der Experte Teilen der Medien eine Mitschuld daran, dass über Pflanzenschutzmittel so einseitig diskutiert werde. Wenn darüber berichtet werde, dann sei meist von Giftcocktails oder von Ackergift die Rede. Niemand kümmere es da, wenn sein Institut über 1000 wissenschaftliche Studien allein zum Thema Glyphosat ausgewertet hatte. Auch nicht die Politik, denn die habe, wie es BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger ausdrückte, mit dem Glyphosat-Verbot eine rein ideologische und keine fachliche Entscheidung getroffen. „Ist das nicht frustrierend?“, sagte Löwinger zum Referenten. Der ließ aber auch von politischen Entscheidungen nicht beirren: „Wir werden nicht aufhören, unsere Meinung fachlich fundiert zu kommunizieren“, sagte er.

Bild: Einen Geschenkkorb mit Spezialitäten aus der Genussregion Oberfranken überreichte der Kulmbacher Vlf-Vorsitzende Reinhard Kortschack (rechts) an Jens Schubert vom Bundesinstitut für Risikobewertung.

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20.11.2019

„Eigentum verpflichtet“ / Landjugend pflanzt Kulmbacher „Grundgesetzbaum“

Kulmbach. Die Aktion „HeimatWurzeln“ des Landjugend-Bezirksverbandes Oberfranken ist noch nicht zu Ende. Zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes und zugleich zum 70. Geburtstag des Dachverbandes „Bund der Deutschen Landjugend“ sollen in ganz Oberfranken insgesamt 70 verschiedene Bäume gepflanzt werden. Einen der letzten der 70 „Grundgesetzbäume“ haben Vertreter der Landjugend jetzt in der Kulmbacher „Flutmulde“ entlang des Weißen Mains gepflanzt.

Pate des Apfelbäumchens ist der Kulmbacher Bauernverband. Die Verantwortlichen haben Artikel 14, Absatz 1 und 2 des Grundgesetzes gewählt: „Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt. Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen“ Weitere Bäume sind bereits auf dem Grundstück des ehemaligen oberfränkischen BJB-Bezirks- und -Landesvorsitzenden Manfred Nüssel in Rimlas bei Bad Berneck, sowie von mehreren oberfränkischen Bundes- und Landtagsabgeordneten gepflanzt worden.

Bild: Ein Baum zu Ehren des Grundgesetzes (von links): Sebastian Feulner von der Kulmbacher Landjugend, Bezirksvorsitzender Maximilian Raimund aus Creußen, BBV-Geschäftsführer Harald Köppel und der stellvertretende Kulmbacher Kreisobmann Harald Peetz.

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15.11.2019

Zukunftsfähige Wälder brauchen Zeit / WBV Bamberg: Diskussion über die Zukunft des Waldes

Steinfeld. Alle sind guten Willens, doch wirklich weiter hilft das keinen. Ein wenig Resignation war schon zu spüren bei der Diskussions- und Informationsveranstaltung mit dem Titel „Hat unser Wald noch Zukunft“, die von der Waldbesitzervereinigung Bamberg in Steinfeld veranstaltet wurde. Die Analyse ist einfach: die Temperaturen waren in den beiden zurückliegenden Jahren zu hoch, die Niederschläge zu gering. In der Folge ist es in relativ kurzer Zeit viel wärmer und gleichzeitig viel trockener geworden. Das haut die stärkste Fichte um, möchte man sagen, und tatsächlich wird die Situation von den Waldbesitzern aktuell als katastrophal eingeschätzt.

Vor zwei Jahren war die Welt noch in Ordnung, sagte Forstoberrat Gregor Schießl, Abteilungsleiter Forsten am Amt für Landwirtschaft in Bamberg. „Nun aber schaut es böse aus um die Zukunft des Waldes.“ Schießl sprach von starken Schäden an den Nadelhölzern, von großflächigem Absterben der Kiefernbestände, von einem streckenweisen Komplettausfall der Tannenbestände, von dramatischem Absterben der Buchenwälder und von starken Schäden an Laubhölzern. Fichten zum Beispiel, seien einfach vertrocknet, da habe es gar keinen Käfer mehr gebraucht, so der Fachmann.

Schießl (Bild links) machte eine einfache Rechnung auf: Ein Kleinwaldbesitzer mit 3,6 Hektar Fläche, bei dem die Hälfte vom Borkenkäfer betroffen ist, sei nun gezwungen, das Holz aufzuarbeiten, zu verwerten und die Fläche zu räumen. Nimmt man 540 Festmeter Schadholz an, koste die Aufarbeitung rund 5400 Euro. Bei 2,50 Euro pro benötigter Pflanze komme man trotz staatlicher Förderung von 1,10 Euro pro Pflanze auf 7560 Euro. Macht alles in allem fast 13000 Euro an Kosten, um die Schadenssituation zu beheben. Früher hätte der Waldbesitzer für die gleiche Holzmenge eine stattliche fünfstellige Summe bekommen.

„Da ist noch mehr Unterstützung notwendig“, sagte der Landtagsabgeordnete Holger Dremel aus Scheßlitz. Er rief dazu auf, die besondere Situation Oberfrankens immer wieder nach München zu tragen. Der Wald habe Zukunft, aber es würden noch große Anstrengungen notwendig sein. Ein weiteres Problem sah die Vorsitzende der WBV Bamberg Angelika Morgenroth in der Gesellschaft. Viele Menschen würden Waldbesitzer völlig zu Unrecht als die Schuldigen ausmachen. Dabei seien es gerade die Waldbesitzer, die große Leistungen für die Gesellschaft erbringen.

„Wir brauchen halt etwas Zeit, um zukunftsfähige Wälder zu schaffen“, so Andreas Hahn (linkls) von der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft in Weihenstephan. Der Wald werde nicht sterben, aber er werde sich verändern, und zwar in Richtung lichte, südländische Wälder. Eine Baumart ganz ohne Schädlinge werde es aber auch in Zukunft nicht geben. Holz sei der Rohstoff des nächsten Jahrtausends, machte der Steinfelder Revierleiter Michael Bug den Waldbesitzern Hoffnung. Grund dafür ist, dass Holz der einzige Rohstoff ist, der nachwächst.

Weniger dramatisch sah Muhidin Seho vom Bayerischen Amt für Waldgenetik in Teisendorf die Situation. Klimatolerante Baumarten müssten ganz schnell her. Im Zusammenspiel mit heimischen Baumarten würden sie künftig das Rückgrat des Waldes der Zukunft bilden. Ähnlich wie auf dem Aktienparkett empfahl Seho den Waldbesitzern, das Risiko auf mehrere Baumarten zu verteilen.

Bild oben: Diskutierten in Steinfeld über die Zukunft des Waldes (von links): Holger Dremel, Andreas Hahn, Muhidin Seho, Michael Bug, und Gregor Schießl.

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02.11.2019

Verfahren mit vielen Höhen und Tiefen / Nach 40 Jahren: Dorferneuerung und Flurneuordnung im Steinwiesener Ortsteil Nurn abgeschlossen

Nurn. Was lange währt, wird endlich gut: 40 Jahre nach dem Start sind das Dorferneuerungs- und Flurneuordnungsverfahren in Nurn, einem Ortsteil von Steinwiesen im oberfränkischen Landkreis Kronach, jetzt abgeschlossen worden. Bei der Segnung eines Gedenksteines am neuen Ringweg oberhalb der Ortschaft und bei einer Feierstunde im Mehrzweckhaus wurde deutlich, dass dieses Verfahren ungewöhnlich viele Höhen und Tiefen erlebt hat. Das Ergebnis aber hat sich gelohnt, sowohl für die 490 Einwohner der Ortschaft, als auch für alle beteiligten Landwirte.

Rund 2,3 Millionen Euro haben Dorferneuerung und Flurneuordnung nach den Worten des Steinwiesener Bürgermeisters Gerhard Wunder gekostet. Weitere 2,7 Millionen Euro haben die Nurner Grundstückseigentümer für entsprechende Maßnahmen wie energetische Sanierungen, Erneuerungen von Fenstern und Dächern und vieles mehr ausgegeben. Die dafür eingereichten 184 Förderanträge wurden mit fast einer halben Million Euro vom Markt Steinwiesen, vom Freistaat, vom Bund und von der EU bezuschusst.

Alle diese Zahlen können sich sehen lassen: „Es ist schon absolut vorbildlich, was da in Nurn gelaufen ist“, sagte Anton Hepple, der Leiter des oberfränkischen Amtes für Ländliche Entwicklung. 184 Anträge bei 490 Einwohnern: für Hepple ein echter Grund, den Bewohnern von Nurn ein Riesenkompliment zu machen. Schließlich sei dies auch alles Geld, das nicht nur dem Ort, sondern auch den Unternehmen in der Region zu Gute kommt.

Bürgermeister Wunder erinnerte in seinen Worten noch einmal an den Start des Verfahrens am 29. Juni 1979. Allein 14 Jahre habe es aufgrund von Widerständen aus Teilen der Bevölkerung gedauert, bis die ersten Maßnahmen anliefen. Sogar ein Petitionsverfahren im Landtag sei notwendig gewesen, ehe es den Verantwortlichen gelang, die Mehrheit der Landwirte von der Notwendigkeit der Flurbereinigung zu überzeugen. Später gab es dann im Jahr 2012 für die Bodenordnung und das Beweidungskonzept sogar einen Staatspreis des Landwirtschaftsministeriums.

Nun seien die Ziele der Dorf- und Flurneuordnung endlich in vollem Umfang erreicht. Es habe sich gezeigt, dass eine intakte Dorfgemeinschaft Voraussetzung dafür ist, dass Visionen und Träume eines Tages Wirklichkeit werden, so der Bürgermeister. Alle Maßnahmen hätten die Infrastruktur in Nurn verbessert und die Attraktivität des ländlichen Raumes erhöht.

Der Vorstandsvorsitzende der Teilnehmergemeinschaft Nurn Karl Saueressig freute sich besonders über die neuen Wege mit einer Gesamtlänge von acht Kilometern. Allein die Kosten dafür hätten bei 1,1 Millionen Euro gelegen. Rund 300000 Euro davon seien an Eigenleistung notwendig gewesen, vieles davon hätten die Nurner in Form von Hand- und Spanndiensten etwa beim Pflastern oder bei der Bepflanzung geleistet. Nun aber seien sämtliche Wege im besten Zustand und würden auch gerne angenommen.

„Der ländliche Raum braucht Dorferneuerungsmaßnahmen“, so Anton Hepple. So wie in Nurn müssten zu den öffentlichen Maßnahmen wie etwa den komplett neu hergerichteten Plätzen in der Ortsmitte, am Gemeinschaftshaus oder an der Schule auch immer private kommen, sonst werde die Dorferneuerung kein Erfolg. Für ihre aktive Mitwirkung überreichte Hepple Dankurkunden an die Vorstandsmitglieder Stefan Schuberth, Josef und Edgar Hader, Bruno Franz, Markus Merkl sowie an Anneliese, Karlheinz, Otto und Fritz Deuerling.

Bilder:
1. Mit einem Festzug vom neuen Gedenkstein zum Mehrzweckhaus wurde der gesamte Ort in die Feierlichkeiten zum Abschluss der Dorferneuerung und Flurneuordnung einbezogen.
2. Pfarrer Richard Reis aus Steinwiesen hat den neuen Gedenkstein am oberen Ringweg von
Nurn feierlich gesegnet.

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22.10.2019

Bauern demonstrieren – Bayreuth steht still / „Land schafft Verbindungen“: Protestfahrt der Landwirte legte Verkehr über Stunden lahm

Bayreuth. Es war eine der größten Demonstrationen, die Bayreuth je erlebt hat. Nach Veranstalterangaben waren es über 1000 Landwirte aus ganz Oberfranken und den angrenzenden Regionen, die mit ihren Traktoren in einem zwölf Kilometer langen Konvoi von der Gemeinde Bindlach nördlich der Stadt bis zum Grünen Zentrum ganz im Süden Bayreuths fuhren. Nicht nur der Verkehr, sondern auch Teile des öffentlichen Lebens standen dabei über mehrere Stunden lang still. So fiel zum Beispiel an mehreren Schulen ab dem späten Vormittag der Unterricht aus, zahlreiche Linien des Stadtbusverkehrs stellten ihren Betrieb ein.

Bayreuth war neben München und Würzburg Teil der Aktionen, die von der Bewegung „Land schafft Verbindung“ veranstaltet wurden. Start war in Eckershof bei Bindlach, Ziel war die Tierzuchtklause des oberfränkischen Rinderzuchtverbandes in der Adolf-Wächter-Straße. Sämtliche Kreuzungen und Einmündungen dazwischen wurden von der Polizei abgesperrt, kreuzender Verkehr konnte die Route nur eingeschränkt passieren. Bereits im Vorfeld hatten Stadt und Straßenverkehrsamt empfohlen, großräumig auszuweichen.

Alle gut 40 Ampeln entlang der Route waren mit Polizisten besetzt, Sogar ein Polizeihubschrauber war im Einsatz. Laut Pressesprecher Jan Koch und dem Leiter der Verkehrsbetriebe Werner Schreiner konnten die Stadtbusse etwa ein Drittel der rund 370 Haltestellen in Bayreuth ab 11 Uhr nicht mehr erreichen. Grundsätzlich gab es auf fast allen Linien Verspätungen.

Der Konvoi selbst schien einfach nicht enden zu wollen. De letzten Traktoren waren noch gar nicht in Bindlach losgefahren, als die ersten bereits die Tierzuchthalle erreicht hatten. Den Kfz-Kennzeichen zufolge nahmen auch Landwirte aus Regensburg, Cham und Schwandorf teil, ebenso wie aus dem thüringischen Saalfeld. Gerhard Ehrlich, Coburger BBV-Kreisobmann, der selbst morgens um 5.30 Uhr von seinem Betrieb in Neuses losgefahren war, wertete die Aktion als Erfolg. Nicht ein einziger Stinkefinder sei ihm gezeigt worden, nur hochgestreckte Daumen als Zeichen der Zustimmung. Das zeige eindrucksvoll, was die Bevölkerung will.

Die Landwirte hätten in den vergangenen Monaten versucht, sich Gehör zu verschaffen, mit der Politik ins Gespräch zu kommen. „Aber wir werden einfach nicht gehört“, sagte Andreas Wolfrum aus dem mehr als 15-köpfigen oberfränkischen Organisationsteam bei der Kundgebung. Viele Familienbetriebe, auch und gerade in Oberfranken, würden sich in einer ausweglosen Situation befinden, so der junge Landwirt aus Gattendorf bei Hof.

Zuletzt sei das Image der Landwirtschaft durch das Artenschutz-Volksbegehren in Bayern erheblich in Misskredit gezogen worden. „Wir werden hingestellt als die, die die Insekten vergiften und das Grundwasser verschmutzen, doch das stimmt einfach nicht.“ Schließlich brauchen die Bauern die Natur. Die Demonstration sieht Wolfrum als „Weckruf an den Verbraucher“. Ein Weckruf für ein neues Bewusstsein, regional zu kaufen, die Landwirtschaft und die nachgelagerten Betriebe, also Bäcker, Metzger und den regionalen Handel, zu unterstützen.

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06.10.2019

Faire Preise sind keine Armutsfalle / Landtagsabgeordneter Holger Dremel beim Königsfelder Jurabauerntag

Königsfeld. Von einer regional höchst unterschiedlichen Ernte im Landkreis Bamberg hat Kreisobmann Edgar Böhmer berichtet. Beim Jurabauerntag zum Erntedankfest in Königsfeld sprach er von einer größtenteils zufriedenstellenden Getreideernte, aber auch von Ertragseinbußen beispielsweise beim Mais um rund ein Drittel. Die Futtersituation sei etwas besser gewesen als im Trockenjahr 2018, aber längst noch nicht so, wie sie sich die Bauern gewünscht hätten.

Grund, für die Ernte zu danken, habe man trotzdem, sagte der Kreisobmann, auch wenn man sich von der Politik unverstanden fühle. Dieses Bild gerade zu rücken, dazu war erstmals Holger Dremel, seit 2018 CSU-Stimmkreisabgeordneter des Bamberger Landes, zum Jurabauerntag gekommen. „Unsere Bauern haben es nicht verdient, von den Grünen und Co so an den Pranger gestellt zu werden“, sagte er und verwahrte sich gegen einseitige Schuldzuweisungen zu Lasten der Bauern.

Zum Artenschutz-Volksbegehren stellte Dremel aber auch klar, dass es keine andere Möglichkeit gegeben habe, den Gesetzesentwurf anzunehmen und ihm mit einem Begleitgesetz zu modifizieren. „Hätten wir eine Abstimmung gemacht, dann hätten wir das auch 1:1 annehmen müssen“, stellte Dremel klar. Immerhin hätten sich bayernweit rund 1,8 Millionen Menschen und damit 18,4 Prozent der Stimmberechtigten in die Listen eingetragen. „Was glauben sie, wie da eine Abstimmung zwischen Landwirtschaft und Naturschutz ausgegangen wäre?“, so Dremel.

Der Abgeordnete forderte nun vor allem praktikable Regelungen, die zusammen mit den Bauern erarbeitet werden sollten, etwa bei der Novellierung der Düngeverordnung, bei den neuen Anforderungen zum Tierwohl, bei der Anbindehaltung oder beim Einsatz von Glyphosat. Dremel ging auch auf die große Bedeutung der Landwirtschaft ein, die jeden 7. Arbeitsplatz in Bayern sichere. „Landwirtschaft hat Zukunft“, sagte er. Allerdings müssten die Verbraucher auch bereit sein, an der Ladentheke etwas mehr für gesunde Lebensmittel auszugeben. In keinem anderen Industrieland seien Nahrungsmittel billiger als in Deutschland, da seien faire Preise wirklich keine Armutsfalle.

„Im weltweiten Vergleich sind wir auf einem absolut hohen Niveau und das hat auch seinen Preis, pflichtete ihm Anneliese Goller, Bamberger Kreisbäuerin, oberfränkische Bezirksbäuerin und bayerische Landesbäuerin bei. Kurze Wege und regionale Produkte, das sei gelebter Klimaschutz. Deshalb müsse es aufhören, dass die Bauern permanent an den Pranger gestellt werden. Sie sollten stattdessen wieder in die Mitte der Gesellschaft gerückt werden.

In Vertretung von Bürgermeisterin Gisela Hofmann hieß der dienstälteste Gemeinderat Ottmar Grasser die Gäste in Königsfeld willkommen. Auch er beklagte Unkenntnis, fehlende Informationen und Stimmungsmache bei Teilen der Bevölkerung zu Lasten der Bauern. Generationen zuvor sei dies noch ganz anders gewesen. Doch der Kontakt zu den Bauern und das Wissen um die Landwirtschaft seien längst verloren gegangen.

Vor dem Jurabauerntag im Schleuppner-Saal feierten alle Beteiligten einen festlichen Erntedankgottesdienst mit Pfarrer Michael Herrmann in der nahen St.-Jakobus-Kirche. Von dort aus setzte sich nach dem Gottesdienst ein Festzug zum Schleuppner-Saal in Bewegung, angeführt von der Aufseßtaler Blaskapelle und Helfern des Fränkische-Schweiz-Vereins mit der stattlichen Erntekrone auf den Schultern. 

Bilder:
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 Ein stattlicher Festzug bewegte sich vom Gottesdienst in der St.-Jakobus-Kirche zum Jura-bauerntag im Schleuppner-Saal.
2. BBV-Geschäftsführer Werner Nützel, Kreisobmann Edgar Böhmer, der Landtagsabgeordnete Holger Dremel, Kreis-, Bezirks- und Landesbäuerin Anneliese Göller und der dienstälteste Gemeinderat Ottmar Grasser (von links) vor der Erntekrone beim Königsfelder Jurabauerntag.

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04.10.2019

Auch Vegetarier und Veganer brauchen die Bauern / Landwirtschaftsministerin Kaniber verteidigte Annahme des Artenschutz-Volksbegehrens

Betzenstein. „Umwelt- und Naturschutz passieren längst, und zwar durch Bauernhand.“ Das hat die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber bei einer Veranstaltung der Jungen Union Bayreuth-Land in Betzenstein unmissverständlich klar gemacht. Die Politikerin verteidigte dabei in erster Linie die Annahme des Volksbegehrend zum Artenschutz durch die Staatsregierung. „Andernfalls hätten wir den Gesetzesentwurf der Organisatoren eins zu eins übernehmen müssen“, sagte sie.

So aber habe man im Begleitgesetz noch Einfluss nehmen und das Schlimmste für die Bauern verhindern können. Egal ob die umstrittenen Vorschriften zum Walzen oder Mähverbote, all das konnten wir noch ausbessern“, so Kaniber. Nun müsse sich allerdings die gesamte Gesellschaft fragen lassen, was sie denn für den Artenschutz unternehme. Kirchen, Kommunen und vor allem Privatleute seien jetzt gefragt, ihr Verhalten auf den Prüfstand zu stellen. Es könne nicht sein, dass alles auf den Bauern abgeladen werde. 

Nun sei der Verbraucher gefragt. Kaniber bezeichnete es als großen Widerspruch, wenn 84 Prozent der Bevölkerung Bioprodukte super finden, sie aber nur sieben Prozent wirklich kaufen. Deswegen werde die Staatsregierung auch keine Bioquote festschreiben und die Bauern damit in eine Ecke drängen, die für sie unrentabel ist. Ziel sei es dennoch bis zum Jahr 2030 den Ökolandbau von derzeit zehn auf dann 30 Prozent der bewirtschafteten Fläche auszudehnen. Die Ministerin nannte diese Zahl eine Zielvorgabe, erzwingen könne man das nicht. Allerdings sei der Freistaat schon jetzt innerhalb Deutschlands das Bioland Nummer 1, denn in keinem anderen Bundesland würden so viele so viele Ökoflächen bewirtschaftet.

Bei der Veranstaltung gab sie auch erste Details zur neuen Imagekampagne für die Landwirtschaft bekannt. Vor allem in den Schulen soll die Landwirtschaft erklärt werden. „Damit die jungen Leute wieder wissen, woher Brot und Milch kommen“, so die Ministerin. Auch wenn es abgedroschen klinge, noch immer glauben viele Kinder an die lila Kuh. Die neue Imagekampagne soll durchaus auch provokant ausfallen und in erster Linie die sozialen Medien bedienen. „Wir müssen die Bevölkerung aufrütteln, denn wir haben klasse Produkte, die weltweit nachgefragt werden“. Doch leider sei der Kontakt zum Verbraucher über weite Strecken völlig abgerissen.

Zuvor hatte sich der stellvertretende Vorsitzende der JU Bayreuth-Land Friedrich Ziegler gegen die massive Kritik an der Landwirtschaft gewehrt: „Niemand sollte je vergessen, der Bauer sorgt für das Essen“, sagte er und gab zu bedenken, dass dies auch für Vegetarier und Veganer gelte. In einer Diskussion am Ende beklagte Hans Engelbrecht aus Lankendorf die noch immer zunehmende Bürokratie, Landjugend-Bezirksvorsitzender Max Raimund warb für regionale Produkte und Matthias Roder aus Seybothenreuth forderte langfristige Leitlinien für die Landwirtschaftspolitik. Andernfalls werde aus dem Strukturwandel ein Strukturbruch und den würden vor allem viele kleinere Betriebe in der Region nicht überleben.

Bild: Eine Mini-Milchkanne und ein Glas Honig aus dem Landkreis überreichten JU-Vorsitzender Matthias Straub und sein Stellvertreter Friedrich Ziegler der Bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber.

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04.10.2019

Libanon-Zeder und Esskastanie statt Fichte und Tanne /
Startschuss für Initiative Zukunftswald

Kulmbach. Atlas-Zeder, Libanon-Zeder oder Esskastanie: diese Baumarten vertragen Trockenheit, Hitze und Kälte gleichermaßen. Sie könnten die Bäume für den Wald der Zukunft sein und langfristig Fichten und Tannen ersetzen. Um erste Erfahrungen mit diesen Baumarten sammeln zu können, ist im Stadtwald von Kulmbach einen Versuchspflanzgarten für Bäume angelegt worden, ein sogenanntes „Arboretum“. Die Fläche ist Teil der Initiative Zukunftswald Bayern. Den ersten Baum pflanzte jetzt die Landwirtschaftsministerin Michaelas Kaniber zusammen mit der siebenjährigen Amelie Löffler.

„Der Wald steckt in einer ganz großen Krise“, sagte Kaniber. Wetterkapriolen, Sturmereignisse, Borkenkäferplagen, das alles zeige, wie sehr der Wald unter den zunehmenden Klimaveränderungen leide. Dabei sei doch gerade der Wad nicht nur die grüne Lunge, sondern der Klimaschützer Nummer 1. Dem Waldumbau komme deshalb die höchste Priorität zu. Kaniber bezeichnete es als wichtigste Aufgabe der Forstverwaltung die Wälder gemeinsam mit privaten und körperschaftlichen Waldbesitzern zukunftsfähig zu machen.

Die Ministerin sprach von einer echten Mammutaufgabe, bis zum Jahr 2030 rund 200000 Hektar labile Nadelholzwälder in Bayern in klimastabile Mischwälder umzubauen. Weil dies alles Geld kostet, hat der Bund auf dem nationalen Waldgipfel vor kurzem 550 Millionen Euro vor allem für die Schadensbeseitigung und die Wiederbewaldung zur Verfügung gestellt. Rund 100 Millionen sollen davon voraussichtlich nach Bayern fließen.

Dazu kommt jetzt die Initiative Zukunftswald Bayern, zu der die Kulmbacher Versuchsfläche gehört. Hier soll nach den Worten Kanibers getestet werden, unter welchen Voraussetzungen welche Bäume am besten wachsen. „So können wir unseren Waldbesitzer künftig bestmöglich beraten, welche Auswahl an Bäumen sie für ihre Wälder zur Verfügung haben.

Michael Schmidt, Leider des Landwirtschaftsamtes in Kulmbach, bezeichnete die Fränkische Linie in den Landkreisen Kulmbach und Kronach als einen Brennpunkt des derzeitigen Borkenkäfergeschehens. Mit den 350000 Euro, die in den kommenden Jahren im Rahmen der Initiative Zukunftswald nach Kulmbach fließen, sollen deshalb unter anderem zwei Projektkräfte beschäftigt werden, um die Schäden zu erfassen und um Lösungen zu erarbeiten. „Es muss etwas geschehen“, sagte Schmidt. „Sollte sich der Klimawandel weiter verstärken, wird es wirklich eng für unseren Wald.“

Auch Landrat Klaus Peter Söllner sprach von einer extrem problematischen Situation. Er könne nachvollziehen, dass bei den Waldbesitzern derzeit der totale Frust herrscht. Gerade im Landkreis Kulmbach, genauso wie im Nachbarlandkreis Kronach spiele der Wald eine ganz große Rolle und erfülle ganz wichtige Funktionen, für Klima, Luft und Boden, aber auch für den Tourismus. So betrage der Anteil des Waldes im Landkreis Kronach rund 60 Prozent, im Kulmbach geringfügig weniger. Der Versuchspflanzgarten im Kulmbacher Stadtwald sei deshalb enorm wichtig und eine überaus positive Geschichte, mit der Kulmbach bayernweit eine Vorreiterrolle übernehme.

Bild oben: Zusammen mit der siebenjährigen Amelie pflanzte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber den ersten Baum im neuen Versuchspflanzgarten des Kulmbacher Stadtwaldes.
Bild unten (von links): Landrat Klaus Peter Söllner, der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, der Landtagsabgeordnete Rainer Ludwig und Kulmbachs 2. Bürgermeister Ralf Hartnack bei der Baumpflanzung zusammen mit der siebenjährigen Amelie.

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30.09.2019

Vielfalt statt Landwirtschaft aus dem Bilderbuch / Agrarpolitischer Sprecher Artur Auernhammer bei Fachgespräch in Bayreuth

Bayreuth. Beim derzeitigen Megathema Klimaschutz ist die Landwirtschaft nicht das Problem, sondern die Lösung. Das hat der Agrarpolitische Sprecher der CSU im Bundestag, Artur Auernhammer aus dem mittelfränkischen Weißenburg, bei einem agrarpolitischen Fachgespräch von Dr. Silke Launert und der Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer festgestellt. Ob in Sachen Erneuerbare Energien oder beim Wald und Forst, die Landwirtschaft habe großes Potenzial, um zum Klimaschutz beizutragen.

„Gerade in der Landwirtschaft wissen wir, dass der Klimawandel stattfindet“, sagte Auernhammer. Allen sollte klar sein, dass etwas geschehen muss. Für die Landwirtschaft sei es nun wichtig, bei den Lösungsansätzen dabei zu sein. Beispielsweise könnten die Waldbauern dazu beitragen mit Holzhackschnitzel die Lücke zu schließen, wenn es keine Ölheizungen mehr in Neubauten geben soll.

Einen Königsweg, um alle Probleme der Landwirtschaft zu lösen gibt es nicht, sagte Auernhammer. Ebenso wenig gebe es die Bilderbuchlandwirtschaft, von der viele träumen. Was die Landwirtschaft heute ausmacht, sei eine nahezu unglaubliche Vielfalt und gerade die gelte es zu nutzen. So setze er beispielsweise beim Thema Regionalität auf den Verbraucher. Im Nachbarland Österreich sei das Regionalbewusstsein schon wesentlich stärker ausgeprägt als hierzulande. Regionalität sei außerdem das beste Rezept gegen ungeliebte Handelsabkommen. „Den Welthandel werden wir nicht stoppen, schon gar nicht als deutsche Landwirtschaft“, so Auernhammer. „Aber wir sollten versuchen, ihn intelligent für uns zu nutzen.

Auch wenn die Landwirtschaft derzeit vor vielen Problemen und Herausforderungen steht, habe man Grund zu danken, sagte die Abgeordnete Launert vor dem Hintergrund der vielen Erntedankfeste in unseren Breiten. Der Gesellschaft gehe es gut, die Menschen hierzulande seien vor großen Naturkatastrophen verschont geblieben. Aufgrund der aktuellen Ernteeinbußen, der Dürrephasen der beiden zurückliegenden Jahre, mancher umstrittener gesetzlicher Regelung und auch aufgrund des Klimawandels fehle allerdings gerade jungen Landwirten die Planungssicherheit. Dabei sollte es allen Verbrauchern klar sein: wenn es hierzulande keine Landwirtschaft mehr gibt, müssten Nahrungsmittel aus Ländern importiert werden, in denen deutlich niedrigere Umwelt- und Tierwohlstandards gelten.

Die Landtagsabgeordnete Brendel-Fischer sagte, dass man bei den Auswirkungen des Volksbegehrens zum Artenschutz Kompromisse finden müsse, mit denen sowohl die Befürworter als auch die Bauern leben könnten. Abgesehen von den Schutzmaßnahmen für Gewässerstreifen soll deshalb bei sämtlichen Maßnahmen auf Freiwilligkeit gesetzt werden. Was die künftige Ausgestaltung einer gemeinsamen europäischen Agrarpolitik angeht, will Bayern erreichen, dass die Förderung bei den ersten Hektaren noch einmal deutlich aufgestockt wird. Gerade die kleinteilige Landwirtschaft in unserer Region würde davon profitieren.

Bei der anschließenden Diskussion spielte unter anderem das Reizthema Wolf eine wichtige Rolle. „Der Wolf muss in Zaum gehalten werden“, forderte Karl-Heinz Frank, Vorsitzender des Ziegenzuchtverbandes Oberfranken. Während in unseren Breiten bislang nur einzelne Tiere aufgetaucht sind, habe man in Brandenburg bereits ganze Rudel festgestellt. Agrarsprecher Auernhammer plädierte dafür, den Wolf in bestimmten Gebieten zuzulassen, in allen anderen Regionen aber jagdlich einzugreifen, also abzuschießen. „Wenn wir nicht rechtzeitig eingreifen, passiert uns das Gleiche wie bei den Wildschweinen“, so Auernhammer. Während das Schwarzwild noch vor wenigen Jahrzehnten als Seltenheit galt, hat es sich längst zur Plage entwickelt.

Scharfe Kritik am Klimaschutzpaket der Bundesregierung übte Hans Engelbrecht aus Lankendorf. Benzinsteuer, Kfz-Steuer, Mehrwertsteuer und jetzt soll auch noch die CO-2-Steuer kommen. Davon wäre die Landwirtschaft besonders betroffen, sagte Engelbrecht und forderte deshalb das Geld über die Dieselrückvergütung wieder zurück. MdB Auernhammer konnte ihm da allerdings wenig Hoffnung machen. Fast alle anderen Parteien wollten die Dieselrückvergütung für Landwirte völlig abschaffen, das könne man schon zufrieden sein, den jetzigen Stand zu halten.

Bild: Die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert (rechts) und ihre Landtagskollegin Gudrun Brendel-Fischer bedankten sich bei Artur Auernhammer, der zu einem agrarpolitischen Fachgespräch nach Bayreuth gekommen war.

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29.09.2019

Keine Höchstleistung zu Tiefstpreisen / Kulmbacher Kreiserntedank: Kritik an der „großen Politik“

Himmelkron. Die schlechte Ernte im Landkreis Kulmbacher haben Vertreter der Politik und des Bauernverbandes beim Kreiserntedank in Himmelkron beklagt. Speziell im Kulmbacher Land seien Trockenheit und Dürre besonders ausgeprägt gewesen, sagte Kreisobmann Wilfried Löwinger. Bei vielen Bauernfamilien lägen die Nerven deshalb blank.

Ganz so einfach falle es deshalb nicht, für die Ernte zu danken. Zu tief sitze der Frust. Wenn es trotzdem Grund zur Dankbarkeit gebe, dann deshalb, weil man von gravierenden Unwettern, Starkregen und Überschwemmungen, wie in vielen anderen Teil der Welt, verschont geblieben sei.

Löwinger sprach aber auch von einer erneut außergewöhnlichen Hitzeperiode von Ende Mai bis Ende August. Die bis dato guten Bestände seien dahin gewesen. Der Kreisobmann bezifferte die Ertragsausfälle beim Weizen im Landkreis Kulmbach auf 30 Prozent, bei der „Königsfrucht“, der Braugerste, sogar auf 50 Prozent. Als regelrechte Naturkatastrophe bezeichnete er den Zustand der Wälder. Ohne entsprechende staatliche Programme werde keine Aufforstung möglich sein.

Auch der „großen Politik“, wie es Löwinger nannte, zu danken, falle schwer. Zu sehr bestimmten Ideologie, Aktionismus, Populismus und Geschäftemacherei das Geschehen, fachliches Wissen bleibe auf der Strecke. Zuvor hatte schon der stellvertretende Kreisobmann und Himmelkroner Ortobmann Harald Peetz mahnende Worte an die Politik gerichtet. Er sprach von vielen meist praxisfremden und unsinnigen Auflagen. Vor dem Hintergrund des Volksbegehrens seien auch die Parteien mittlerweile der einseitigen Berichterstattung in den Medien und dem „Gutmenschentum“ verfallen.

In Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft habe man in Sachen Volksbegehren vieles abfedern können, verteidigte sich der örtliche Stimmkreisabgeordnete Martin Schöffel (CSU), stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses im Landtag. Alle Beteiligten hätten einen Schritt aufeinander zugemacht, alle Seiten seien berücksichtigt worden.

Für Schöffel steht es nun an erster Stelle, die gesellschaftliche Akzeptanz wiederherzustellen. „Da hilft es nur, aufeinander zuzugehen“, sagte er. Aus der Verteidigung heraus könne man ein Spiel nicht gewinnen, zog er eine Parallele zum Fußball. Der Abgeordnete kündigte an, mehr Aufklärung über die Landwirtschaft sowie über Ernährung und Alltagskompetenzen in die Schulen zu bringen. In einem weiteren Vorhaben soll speziell die Großstadtbevölkerung informiert und emotional an die Landwirtschaft herangeführt werden.

„Andernfalls verlieren wir das wichtigste, was wir haben, und das ist die heimische Nahrungsmittelproduktion“. Doch viele Menschen realisierten überhaupt nicht mehr, wie Landwirtschaft wirklich funktioniert. Grund dafür: Die Regale der Discounter seien immer voll. Doch Höchstleistung zu Tiefstpreisen sei eben nicht möglich. Daneben müssten die Bauern auch das produzieren, was der Markt abnimmt, und das seien eben mal nicht hundert Prozent bio, sondern nur zehn Prozent.

Im weltweiten Vergleich lägen wir bei den Standards für Qualität, Umwelt- und Tierschutz auf ganz hohem Niveau, sagte die stellvertretende Kulmbacher Landrätin Christina Flauder (SPD). Nur nachhaltig bewirtschaftete Äcker würden auch gute Ernten hervorbringen, nur nachhaltig betriebene Tierhaltung sein eine Tierhaltung im Respekt vor dem Mitgeschöpf. Der sorgsame Umgang mit der Natur und der Schöpfung sei für Landwirte nicht nur Verpflichtung sondern lebensnotwendig.

Zum Kulmbacher Kreiserntedank in der Himmelkroner Frankenfarm gehörte neben Auftritten des Landfrauenchors auch ein geistlicher Impuls von Ortspfarrer Michael Krug. Landwirtschaft verdiene Respekt und Wertschätzung, sagte er und begrüßte ausdrücklich die Aktionen mit den mahnenden grünen Kreuzen auf vielen Feldern. Der Geistliche rief die Bauern dazu auf, die neue Begeisterung in weiten Teilen der Gesellschaft für die Natur in ein neues Interesse für die Landwirtschaft umzusetzen.

Bilder:
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 Kreisobmann Winfried Löwinger (links) bedankte sich beim örtlichen Stimmkreisabgeordneten Martin Schöffel.
2. Der Kulmbacher Landfrauenchor umrahmte die Erntedankfeier in der Himmelkroner Frankenfarm.

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22.09.2019

Regional ist optimal / Ernste Worte zu Erntedank - Mehrere zehntausend Besucher beim Genussfest im Landkreis Bamberg

Scheßlitz. Mit diesem Ansturm hatte kaum einer gerechnet. Mehrere zehntausend Besucher haben ersten Schätzungen zufolge den 4. Genusstag der Region Bamberg verbunden mit dem BBV-Kreiserntedankfest besucht. An den meisten der über 60 Stände der Anbieter regionaler Produkte bildeten schon kurz nach dem offiziellen Auftakt lange Schlangen und in der für den Verkehr gesperrten Hauptstraße des Jura-Städtchens gab es schon am frühen Nachmittag kaum mehr ein Durchkommen.

Höhepunkt des Genusstages und des Kreiserntedankfestes war ein stattlicher Festzug durch den Ort, der den Jahresablauf der Feldarbeit von der Aussaat bis zur Ernte anhand historischer Landmaschinen und Geräte mit alten Traktoren zeigte. Allein dabei wurden über 350 Teilnehmer, mehrere Blaskapellen und zahlreiche Gespanne mit historischen Gerätschaften gezählt. Zuvor hatte Domkapitular Norbert Jung des Festgottesdienstes in der Pfarrkirche St. Kilian zelebriert. Dabei wirkte erstmals der Bamberger Landfrauenchor unter der Leitung von Gudrun Kraus mit.

In den Ansprachen später im Festzelt ließ kaum ein Redner das derzeitige Topthema Klimawandel aus. Einig waren sich dabei alle: „Die Landwirtschaft ist nicht das Problem, sondern ein Teil der Lösung“. Schließlich seien es die Bauern, die den Klimawandel als erste spürten, sagte Kreisobmann Edgar Böhmer.

Eine gute Ernte entsteht durch die Kräfte der Natur und die Arbeit des Menschen. Während man auf die Natur keinen Einfluss habe, würden die Bauern alles unternehmen, um eine gute Ernte einzufahren, so Böhmer. Trotzdem fehle ihnen derzeit die Akzeptanz aus Teilen der Bevölkerung, was gerade bei jungen Leuten für große Unsicherheit sorge. Die Ernte 2019 im Landkreis Bamberg bezeichnete der Kreisobmann als regional höchst unterschiedlich. Die fehlenden Futterreserven aus dem Vorjahr hätten allerdings nicht aufgefüllt werden können.

Dank unserer heimischen Landwirtschaft brauche man keine Angst haben, Hunger leiden zu müssen, sagte BBV-Vizepräsident Günter Felßner. Wenn hierzulande alle satt sein können, dann liege das an der modernen Landwirtschaft, sie sei die Ursache für unseren hohen Lebensstandard. Trotzdem sei diese Landwirtschaft gerade dabei sich zu verabschieden. „Unserer deutschen Bevölkerung laufen die Bauern davon“, fand er drastische Worte. Und erklärte die BBV-Aktion mit den grünen Feldkreuzen, die derzeit überall aufgestellt werden. Die Stimmung unter den Landwirten sei so schlecht wie nie zuvor, unser aller Konsumverhalten stehe auf dem Prüfstand. „Bauern und Bürger müssen wieder eine Einheit werden, momentan sind wir davon allerdings meilenweit entfernt“.

Positiv stimmte allerdings der Zuspruch für das Genussfest. Damit feierte die Regionalkampagne des Landkreises Bamberg gleichzeitig ihr 15-jähriges Bestehen. Aus den Anfangs 30 Gründungsmitgliedern ist mittlerweile eine Kampagne mit 130 Betrieben und rund 300 Produkten entstanden. Ziele sind nach den Worten von Landrat Johann Kalb die Nachhaltigkeit, Natur- und Klimaschutz aber auch die Freude am Genuss und die Wertschätzung regionaler Produkte.

„Regional ist optimal“ gab Thomas Silberhorn als Devise für das Genussfest und Kreiserntedank aus. Der örtliche Bundestagsabgeordnete, Verteidigungsstaatssekretär und Schirmherr des Genussfestes plädierte vor dem Hintergrund der aufgeheizten Diskussionen dafür, wieder ein Maß der Mitte zu finden. „Ökologisches Wirtschaften ja, aber es muss auch ökonomisch sein“, sagte Silberhorn. Bamberg, das seien für ihn nicht nur die Symphoniker und die Basketballer sondern auch fränkische Gemütlichkeit mit Bier, Bratwürsten und allerhand Spezialitäten.

„Fast schon geflasht“, wie sie es ausdrückte zeigte sich wegen des großen Zuspruchs in Scheßlitz die neue bayerische Milchkönigin Beatrice Scheitz. Auch sie warb für die große Vielfalt regionaler Produkte und rief dazu auf, mit jedem Schluck Milch auch einen wenig die bayerische Heimat zu genießen.

Bilder:
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 Im Schatten der Scheßlitzer Pfarrkirche präsentierten beim Festzug die einzelnen Ortsverbände ihre Erntekronen.
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 Historische Traktoren, festlich geschmückt zogen alle Blicke auf sich.
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 Alte Traditionen verkörperten einige Gespanne des stattlichen Festzuges zum Kreiserntedank in Bamberg.
4. Geschenke für die Hoheiten (von links): Staatssekretär Thomas Silberhorn, die Fränkische Kirschkönigin Rebekka, die Bayerische Milchkönigin Beatrice, die Bamberger Hörnla-Königin Annalena und Landrat Johann Kalb.

5. Kürbis zum Einmachen oder als Deko, auch das hatte der Genussmarkt in Scheßlitz im Angebot.

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18.09.2019

Retter des Rotviehs / Kleinwendern ist Bayerns erstes Arche-Dorf

Kleinwendern. Rotes Höhenvieh, Thüringer Wald Ziege, Coburger Fuchsschaf: ob sie und viele andere Tiere auf Noahs Arche waren, ist nicht überliefert. Im Arche-Dorf Kleinwendern, eine Ortsteil von Bad Alexandersbad im Fichtelgebirge haben sie und einige andere Haustierrassen jetzt ein neues Zuhause gefunden und konnten damit vor dem Aussterben gerettet werden.

Naturschutz, Artenschutz, Erhalt von Biodiversität, das sind Schlagworte, die derzeit in aller Munde sind. In dem Dorf Kleinwendern, das aktuell 80 Einwohner und 185 Tiere zählt, wollte man keine Schlagworte mehr hören, sondern Nägel mit Köpfen machen. „Uns geht es vor allem darum, die alten Nutztierrassen zu erhalten“, sagt Ronald Ledermüller (45), Ideengeber für das Arche-Dorf und hauptamtlicher Geschäftsführer des Naturparks Fichtelgebirge. Erst in zweiter Linie geht es ihm und seinen Mitstreitern aus dem Dorf um die touristische Vermarktung von Kleinwendern.

Wanderer, Mountaine-Biker und Nordic-Walker sind schon da und gehen an der Weide entlang, auf denen die Rotviehherde von Landwirt Rudi Küspert zuhause ist. „Mit dem Rotvieh fing alles an“, erinnert sich Ronald Ledermüller. Über ein Projekt des Bayerischen Landschaftspflegeverbandes war er vor rund zehn Jahre darauf gestoßen, dass im Fichtelgebirge einst das Sechsämterrotvieh gehalten wurde. Davon zeugt nicht nur ein Bild des Malers Johann Christoph Ziegler aus dem Jahr 1829, auch der Dichter Jean Paul hatte „die rote Kuh“ im Fichtelgebirge literarisch verewigt („Was Wunder? Die sehr rote Kuh … gibt weiße Milch, Quarkkäs dazu“). Tatsächlich handelt es sich beim Roten Höhenvieh um eine der ältesten Rinderrassen Europas, da sind sich Fachleute sicher.

Ab den 1930er/1940er Jahren wurde die Rasse aufgrund ihrer zu geringen Milchleistung nicht mehr gehalten, ja sogar hierzulande verboten. 26 Tiere soll es zuletzt noch gegeben haben, als Rudi Küspert anfing, die seltenen Kühe zu halten. „Zuerst herrschte Skepsis vor, doch irgendwann war der Knoten geplatzt“, sagte Ronald Ledermüller. Die Investitionen wurden vom Bayerischen Umweltministerium und von der Unteren Naturschutzbehörde gefördert. Heute vermarktet Rudi Küspert das Fleisch der Rinder in Bio-Qualität für 15 Euro pro Kilo und hat damit einen so großen Erfolg, dass er die Nachfrage jetzt beim ersten Mal bei weitem nicht befriedigen konnte

Mit dem Rotvieh startete gleichzeitig ein bayernweit einzigartiges bürgerschaftliches Gemeinschaftsprojekt. Mit Begeisterung begannen die Kleinwenderner alte Nutztierrassen zu züchten. Erst im Frühjahr dieses Jahres wurde Kleinwendern zum Arche-Dorf nach den Kriterien der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen erklärt. Nach Steinlah in Niedersachsen ist Kleinwendern somit das zweite Arche-Dorf in Deutschland und das erste in Bayern.

Bevor die Anerkennungsurkunde überreicht wurde, zogen nach und nach Sundheimer Hühner, Reichshühner, Coburger Fuchsschafe, Thüringer Wald Ziegen, Bayerische Landgänse, Rheinische Schecken und blauäugige Hermelinkaninchen in dem Ortsteil von Bad Alexandersbad ein. Voraussetzung für die Ernennung zum Arche-Dorf ist die Haltung von mindestens sechs verschiedenen Rassen aus drei verschiedenen Tierartenkategorien, die auf der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen stehen. Die Rassen müssen in Herdbuchzucht geführt werden.

Vom Bayerischen Rundfunk bis zur Westdeutschen Allgemeinen Zeitung geben sich mittlerweile Journalisten und Presseteams in Kleinwendern die Klinke in die Hand. „Für den Naturpark Fichtelgebirge ist es eine großartige Werbung“, so Ronald Ledermüller, der auch Vorsitzender des Fichtelgebirgsvereins Bad Alexandersbad ist. Er hebt besonders die großartige Dorfgemeinschaft hervor, die mit der Verwirklichung des Projekts entstanden ist. Egal ob Haupterwerbslandwirt, Nebenerwerbslandwirt oder Hobbyzüchter, alle ziehen in Kleinwendern an eine Strang. Die Stimmung im Dorf habe sich gewandelt, mittlerweile seien sogar wieder junge Familien hierher gezogen. Auch ein Dorffest hat man nach vielen, vielen Jahren wieder einmal gefeiert und dabei auf die Ernennung zum Arche-Dorf angestoßen.

Bild: Ronald Ledermüller ist der Ideengeber des Arche-Dorfes Kleinwendern. Er ist der Ideengeber des Archeprojektes, mit dem das Rotvieh im Fichtelgebirge wieder eine Heimat gefunden hat.

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15.09.2019

Bienen im Zangengriff von Mobilfunk und Insektiziden / Bayerischer Imkertag: Katharina II. und Alexandra I. sind neuen bayerischen Honighoheiten

Amberg. Katharina Gegg aus Neuburg an der Donau und Alexandra Krumbachner aus Traunstein sind die neuen bayerischen Honighoheiten. Die neue Honigkönigin und die neue Honigprinzessin wurden beim Bayerischen Imkertag in Amberg von Verbandspräsident Stefan Spiegl und von BBV-Präsident Walter Heidl vorgestellt und gekrönt. Die beiden jungen Frauen lösen Katharina Eder aus Vilsbiburg und Doris Grünbauer aus Weiden ab. Sie waren in den zurückliegenden beiden Jahren als die Honigbotschafterinnen aus dem Freistaat unterwegs.

Zusammen hätten sie dabei fast 60000 Kilometer zurückgelegt und rund 220 Termine, von der Grünen Woche bis zum Zentralen Landwirtschaftsfest wahrgenommen, berichtete Katharina Eder. „Langweilig war es nie“, sagte Doris Grünbauer und beide waren sich einig: „Uns hören die Verbraucher besser zu als den Politikern“.

Die neue Honigkönigin Katharina Gegg ist 25 Jahre jung und zusammen mit fünf Geschwistern auf dem Hof der Eltern groß geworden. „Papa hat seit seiner Kindheit Bienen gehalten“, sagte sie. Bis vor zehn Jahren, dann sei die Arbeitsbelastung zu groß geworden. Katharina sei es schließlich gewesen, die sich dafür stark gemacht habe, die Honigbienen wieder zurückzuholen. Inzwischen gebe es zwei Völker auf dem elterlichen Hof im oberbayerischen Neuburg an der Donau. Neben ihrem Studium „Management und Technology“ absolvierte sie bereits einen Imkerkurs. „Durch das Volksbegehren ist die Biene wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen gerückt“, sagte Katharina II. in ihrer Antrittsrede. Nun seien alle gefordert, Flächenverbrach und Versiegelung zu reduzieren, um eine insektenfreundliche Umgebung zu schaffen.

Honigprinzessin Alexandra Krumbachner ist 24 Jahre jung, gelernte Hauswirtschaftsmeisterin, sie arbeitet als Besamungstechnikerin. Auf dem elterlichen Hof werden bereits seit mehreren Generationen Bienen gehalten. Alexandra I. übernimmt bereits alle imkerlichen Aufgaben bis hin zur Zucht. Auch in ihrer Abschlussarbeit zur Hauswirtschaftsmeisterin behandelte sie die Themen Honig und Bienenprodukte. Die Arbeit mit den Bienen sei der perfekte Ausgleich, sagte sie. Als wichtigstes Ziel bezeichnete sie es, Erwachsenen und vor allem Kindern die Vielseitigkeit der Biene zu zeigen.

Die beiden frisch gekürten Hoheiten werben gemeinsam mit den rund 30000 Imkern des Landesverbandes Bayerischer Imker und den rund 4000 Mitgliedern des Verbandes Bayerischer Bienenzüchter für Honig aus Bayern. Sie repräsentieren damit circa ein Drittel der gesamten deutschen Imkerschaft.

Inhaltlich ging es beim Imkertag diesmal vor allem um das weltweite Phänomen des Insektenrückgangs und die hohe Sensibilisierung in der Bevölkerung für das Thema. „Die Bienen befinden sich in einer Art Zangengriff“, sagte Dr. Gernot Spielvogel aus Memmingen. Nach den Worten des Geologen liege der Schwarze Peter aber nicht allein bei der Landwirtschaft. Landverbrauch, Straßenverkehr, Dieselsmog, Stickstoffemissionen: das alle seien Gründe für den Insektenrückgang. Und eben auch der Mobilfunk, weil er nahezu flächendeckend vorhanden und immer aktiv sei. In den elektromagnetischen Feldern, die vom Mobilfunk, aber auch von Überlandleitungen ausgehen, seien besonders die Bienen beeinträchtigt. Versuche hätten gezeigt, dass Bienen unter dem Einfluss elektromagnetischer Wellen mehr und mehr aggressiv werden, ihre Brut ausräumen und letztlich die gesamte Honigproduktion zum Erliegen kommt.

Ganz besonders im Focus steht dabei neue 5-G-Technologie. Sie werde von der Weltgesundheitsorgansation WHO als möglicherweise krebserregend eingestuft. „Würde ein Medikament als möglicherweise krebserregend eingestuft, bekäme es keine Zulassung“, sagte Spielvogel. Er plädierte deshalb für einen vernünftigen Umgang mit dem Mobilfunk. Natürlich wolle niemand zurück ins Mittelalter, doch sollten alle beteiligten so viel Einsicht haben, mit der neuen Technologie maßvoll umzugehen.

Was den Bienen noch zu schaffen macht, sind nach Aussage von Professor Dr. Dr. Randolf Menzel vom Institut für Biologie der Freien Universität Berlin Pflanzenschutzmittel. Besonders die Gruppe der Neonicotinoide seien „Gehirndrogen für Insekten“, sagte der Neurobiologe. Auch hier seien Bienen wieder besonders gefährdet, weil sie die Funktion des Umweltindikators hätten. Bienen könnten kommunizieren, sie seien in der Lage, Signale wahrzunehmen, sicher zu navigieren und ein gutes Gedächtnis auszubilden. Obwohl das Gehirn der Biene gerade mal so groß ist wie ein Sandkorn, befänden sich darin rund eine Million Nervenzellen.

Der Wissenschaftler hatte herausgefunden, dass diese Zellen selbst unter dem Einfluss extrem niedriger Dosen der Insektizide durcheinander geraten. Die Bienen seien in ihrer Wahrnehmung gestört und verlieren ihr Gedächtnis. In der Folge könnten sie beispielsweise nicht mehr nach Hause zurückkehren. Selbst wenn ein Insektizid als „bienenungefährlich“ deklariert werde, bedeutet dies noch lange nicht, dass es ungefährlich sei. Nach den Worten des Professors seien in Frankreich seit kurzem sämtliche Neonicotinoide verboten.

As wahre Fundgrube für alle Freunde der Biene stellte die Biologin und Naturheilkundlerin Dr. Elke Puchtler schließlich den Aromagarten Erlangen, einen Teil des dortigen Botanischen Gartens vor. Vom Bärlauch über das Duftveilchen bis zu Süßdolde sei dort auf 9000 Quadratmetern alles vertreten, was für die Artenvielfalt und damit auch für die Bienen wichtig sei.

Beim Bayerischen Imkertag wurde Eckhard Radke aus Dietmannsried mit der Zander-Medaille in Gold, der höchsten Auszeichnung des Landesverbandes Bayerischer Imker, ausgezeichnet. Radke war unter anderem von 2012 bis 2018 Präsident des Verbandes. Daneben ist er bis heute Präsidiumsmitglied auf Bundesebene. Er hatte das Patenimkermodell, das sogenannte „Dietmannsrieder Modell“ ins Leben gerufen und sei damit weit über die bayerischen Grenzen hinweg bekannt geworden, sagte der deutsche Imkerpräsident Peter Maske, der die Ehrung vornahm.

Der nächste Bayerische Imkertag findet am 5. und 6. September 2020 im niederbayerischen Ruhstorf an der Rott statt.

Bilder:
1.
 Die neuen und die bisherigen Honighoheiten mit Imkerverbandspräsident Stefan Spiegl und von BBV-Präsident Walter Heidl. Honigkönigin Katharina Gegg (sitzend links) und Honigprinzessin Alexandra Krumbachner (sitzend rechts). Sie lösten Katharina Eder (stehend lins) und Doris Grünbauer (stehend rechts) ab.
2.
 BBV-Präsident Walter Heidl bei der Inthronisation von Honigkönigin Katharina Gegg (links) und Honigprinzessin Alexandra Krumbachner.
3. Der Geologe Dr. Gernot Spielvogel aus Memmingen.
4. Der Neurobiologe Professor Dr. Dr. Randolf Menzel vom Institut für Biologie der Freien Universität Berlin.
5. Hohe Auszeichnung für Eckhard Radke aus Dietmannsried. Er wurde vom Deutschen Imkerpräsidenten Peter Maske mit der Zander-Medaille in Gold ausgezeichnet. Im Bild von links: Honigkönigin Katharina Gegg, Eckhard Radke mit Ehefrau Annemarie, der deutsche Imkerpräsident Peter Maske und der bayerische IImkerpräsident Stefan Spiegl.

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16.08.2019

Vom „Wooch-Heisla“ in den Schlachthof / In Kornbach bei Gefrees existiert eine der letzten noch voll funktionierenden Viehwaagen

Kornbach. In jedem Dorf gab es früher mindestens eine Viehwaage. Seit den 1980er Jahren wurden sie sukzessive abgebaut, Schlachtvieh wurde von nun an in den Schlachthöfen gewogen. Ein Ort, in dem noch immer eine geeichte Viehwaage existiert ist Kornbach, ein keiner Ortsteil von Gefrees im Landkreis Bayreuth. Eigentümer der Viehwaage mitten im Dorf ist die Stadt Gefrees. Dem Bauernverband wurde die Waage schon 1981 zusammen mit dem dazugehörigen Gebäude und der Zufahrt zur mietfreien Nutzung überlassen. Heute kümmert sich ein eigenes Team um den Erhalt des alten bäuerlichen Kulturgutes.

„Früher haben alle im Dorf Tiere gehalten, heute gibt es nur noch einen einzigen Nebenerwerbsandwirt, sagt Claudia Drescher, die sich zusammen mit einigen Mitstreitern rührend um die alte Viehwaage kümmert. Über den Bau und die Geschichte der Waage gibt es kaum noch Unterlagen. Weder bei der Stadt, noch im Dorf. Einzig die Nachkommen von Karl Brey, dem letzten vereidigten Wiegemeister besitzen noch das letzte Waagbuch, in dem Käufer, Verkäufer, die gewogenen Tiere und die Waaggebühren eingetragen wurden.

Mit Hilde der Gebühren wurde die Waage instand gehalten und geeicht, so Karin Brey. Ihr 2009 verstorbener Schwiegervater war in Kornbach der letzte amtlich vereidigte „Wäger“. 1955 hatte er beim Eichamt in Münchberg seine Prüfung abgelegt. Erzählungen aus dem Dorf zufolge hatte man ihn den Apotheker genannt, weil er sich immer sehr viel Zeit genommen habe, das Gewicht ganz genau zu ermitteln.

Aus den Aufzeichnungen von Karl Brey ergibt sich, dass die Waage zwischen 1971 und 1984 durchschnittlich 112 Mal pro Jahr genutzt wurde. 195 Tiere wurden dabei im Schnitt pro Jahr gewogen, hauptsächlich Schweine, Kühe, Kälber, Bullen, aber auch Hirschen und immer wieder Kleinvieh, also Schafe und Ziegen. Einmal soll sogar die Polizei gekommen sein, um ein Motorrad zu wiegen, das man ganz in der Nähe wegen offensichtlicher Überladung aus dem Verkehr gezogen hatte. Immerhin hat die Waage, deren Waagbalken von der Firma Steinbauer aus Eppingen stammt, eine Höchstlast von 1300 Kilogramm, wobei in 500-Gramm-Schritten gewogen wird. Nach 1984 ging die Zahl der gewogenen Tiere massiv zurück. Schon 1984 und 1985 waren es jährlich nur mehr etwa 130 Tiere, die gewogen wurden.

Als Erinnerung an die alten Zeiten, in denen die Viehwaage noch eine wichtige Rolle spielte, wird in Kornbach alljährlich am Pfingstmontag das „Woochheisla-Fest“, also das Fest zu Ehren des Waage-Häuschens, gefeiert. Dazu gibt es ein eigenes „Woochheisla-Team“, das aus einem Pferdestammtisch entstanden ist. 2002 habe mal wieder das Eichen angestanden, doch die 300 Euro dafür seien nicht aufzutreiben gewesen, erinnert sich Klaus Kopp, einer der Initiatoren des Festes. Auch ihm war daran gelegen, die alte Einrichtung in der Ortsmitte wiederzubeleben. Zwischenzeitlich wurde sogar ein neuer Dachstuhl aufgebracht und das Wiegehäuschen ein wenig erhöht, damit auch größere Pferde problemlos gewogen werden können. Auch mehrere kleine Schrifttafeln vermitteln dem Interessierten die Geschichte der Einrichtung.

Heuer am Pfingstmontag durfte das Team das Gewicht von immerhin 72 Pferden, fünf Hunden und fünf Zweibeinern feststellen. Zwei Euro kostete das Wiegen für die großen Tiere. Hunde und Menschen mussten nur die Hälfte zahlen. Schwiegermütter werden kostenlos gewogen, heißt es augenzwinkernd auf der Preisliste. Mit dem Erlös kann die Kornbacher Viehwaage regelmäßig geeicht werden. Das nächste „Wooch-Heisla-Fest“ findet am Pfingstmontag 2020 statt.

Bilder:
1.
 Mitten in Kornbach steht das Wiegehäuschen.
2.
 Claudia Drescher, Klaus Kopp, Karin Brey, Christine Seibel und Andrea Kraft (von links) kümmern sich liebevoll um den Erhalt des alten Kulturgutes.
3. So sieht es aus, wenn alljährlich zum Pfingstmontag in Kornbach die Pferde gewogen werden.

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24.07.2019

Schleppertour des Bauernverbandes: Artenvielfalt im Blick / Positive Zwischenbilanz zum Anbau der Energiepflanze Sylphie

Sachsendorf. Er habe schon immer die Artenvielfalt im Blick gehabt, sagt Landwirt Mario Güldner aus Sachsendorf bei Aufseß. Deshalb habe ihn auch das Volksbegehren zum Artenschutz und die damit verbundene Kritik an den Bauern sehr getroffen. Weil er mit gutem Beispiel vorangehen möchte hatte er auf einem Teil seiner Felder die durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum) angebaut und sich damit an einem von Umwelt- und Landwirtschaftsministerium geförderten Demonstrationsprojekt „Silphie-Anbau in der nördlichen Frankenalb“ beteiligt. Erste Ergebnisse stellten die Verantwortlichen bei der „Schleppertour“ des Bauernverbandes vor, mit der die vielfältigen Leistungen der Landwirtschaft herausgestellt werden sollen.

Der Anbau der Energiepflanze Sylphie, auch Becherpflanze genannt, leistet einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt, hielt Franz Moder vom Büro Opus (Ökologische Planungen, Umweltstudien und Service) als wichtigstes Ergebnis fest. Zusammen mit dem Geo-Team Bayreuth, einer Gesellschaft für umweltgerechte Land- und Wasserwirtschaft, und in Kooperation mit der Universität Bayreuth hatte er unter anderem die Auswirkungen auf die Umwelt untersucht und das Projekt naturschutzfachlich begleitet.

Auch die Bodenfauna hatte das Büro genau unter die Lupe genommen und war zu dem Ergebnis gekommen, dass sich allein 20 verschiedene Spinnenarten, dazu jede Menge Laufkäfer und Regenwürmer in der Erde tummeln. Was blütensuchende Insekten angeht, sei die Energiepflanze ohnehin nahezu unschlagbar. Nachdem die Pflanze den Boden das ganze Jahr über begrünt, liege der Restnitratgehalt deutlich unter dem von Mais, so Reinhard Wesinger vom Geo-Team.

Dabei sei die durchwachsene Silphie nicht nur aus landwirtschaftlicher, sondern genauso aus wasserwirtschaftlicher Sicht von Bedeutung, sagte Walter Fischer von der Regierung von Oberfranken. Zumindest ab dem zweiten Jahr sei kaum mehr Unkrautbekämpfung notwendig, die Silphie halte das Nitrat zurück und funktioniere als ausgezeichneter Erosionsschutz.

Es gehe nicht darum, den Mais komplett zu ersetzen, vielmehr sollten Alternativen geboten werden, so Klaus Schiffer-Weigand vom Fachzentrum Diversifizierung und Strukturentwicklung am Amt für Landwirtschaft in Münchberg. Als entscheidenden Vorteil sprach er davon, dass die Silphie eine Dauerkultur sei, die nicht jährlich neu angesät werden müsse. Die Artenvielfalt sei auf jeden Fall gegeben, das werde schon alleine daran deutlich, dass man es auf fast jeder Blüte summen hört. Dazu sei die Silphie im Kultur- und Landschaftsprogramm Kulap enthalten und für Greening-Maßnahmen geeignet.

Insgesamt sind es im Landkreis Bayreuth 50 Landwirte, die sich mit 70 Feldstücken und insgesamt 110 Hektar an dem Projekt beteiligen. Damit hatte sich die Anbaufläche in den zurückliegenden beiden Jahren nahezu verdoppelt.

Als Energiepflanze kann die durchwachsene Silphie unter Umständen den Mais gut ergänzen, sagt Kreisobmann Karl Lappe. Die Silphie stehe auch symptomatisch für die Vielfalt des landwirtschaftlichen Pflanzenbaus, neben Getreide, Mais und Hackfrüchten (Kartoffeln, Futterrüben, Feldgemüse) auch Lein (Flachs), Kleegras und Sonnenblumen anbaut. Schließlich ist auch die Abnahme der Silphie gesichert, sie wird größtenteils in die Hollfelder Biogasanlage geliefert.

Bild: Ein Silphie-Feld zwischen Sachsendorf und Hollfeld bildete die Kulisse für die Schleppertour des Bauernverbandes, bei der alle Beteiligten auf die vielfältigen Leistungen der Landwirtschaft zum Artenschutz hingewiesen hatten.

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03.07.2019

Prädikat für ein Juwel der Teichwirtschaft / Münchteich bei Kothigenbibersbach zum Kulturgut erklärt

Kothigenbibersbach. Der Münchteich bei Kothigenbibersbach, Gemeinde Thiersheim im Landkreis Wunsiedel, ist ganz offiziell zu einem überregional bedeutsamen Kulturgut erklärt worden. Der Weiher präge seit Jahrhunderte die Landschaft, werde bis heute teichwirtschaftlich genutzt und trage maßgeblich zum Erhalt der Artenvielfalt bei, heißt es auf der Urkunde, die der Direktor der Bezirksverwaltung Peter Meyer und der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Dr. Peter Thoma an die Eigentümer und den Bewirtschafter überreichten. Vergeben wird die Auszeichnung „Kulturgut Teich“ seit 1998 von der Teichgenossenschaft. Dokumentiert wird die Auszeichnung durch eine Informationstafel, die nahe des Münchteichs wurde.

Neben einer traditionsreichen Geschichte komme es dabei vor allem auf die landschaftsprägende und ökologische Bedeutung an, erläuterte Vorsitzender Thoma. Die Auswahl treffe dabei eine Jury, die sich aus Vertretern der Teichgenossenschaft, des Bezirks Oberfranken und dessen Fachberatung für Fischerei besteht. Aufgrund seiner traditionsreichen Geschichte stelle der Münchteich innerhalb der oberfränkischen Teichlandschaft ein herausragendes Kulturgut dar, begründete Thoma die Entscheidung.

Die erste urkundliche Erwähnung des Münchteichs ist auf das Jahr 1499 datiert. Wahrscheinlich ist der Teich aber noch viel älter. Zunächst gehörte er dem Orden der Barfußmönche in Eger, später hatten ihn sechs Mühlen in der Umgebung erworben und genutzt. Die Mühlen gibt es heute längst nicht mehr, den Teich schon. Er gehört Georg Tröger und Artur Steinel und wird von dem Teichwirt Markus Fuchs bewirtschaftet.

„Der Münchteich ist seit 500 Jahren ein fester Bestandteil der Landschaft und trägt drüber hinaus viel zur heimischen Artenvielfalt bei“, sagte Peter Meyer vom Bezirk Oberfranken. Meyer erinnerte auch an die lange Tradition der Teichwirtschaft im Wunsiedler Becken, die auf das Zisterzienserstift Waldsassen zurückgeht. Aber auch klimatisch stellt die Region eine Besonderheit dar. Durch die kühleren Temperaturen benötige der Karpfen zwar länger bis zu Reife, besitze dafür aber eine ganz herausragende Qualität.

Als örtliche Besonderheit wurde auf Initiative des Thiersheimer Heimatpflegers Siegfried Schelter gleich neben der neuen Informationstafel ein Flurnamenstein errichtet, der ebenfalls auf den Münchteich hinweist.

Bilder:
1. Der Direktor der Bezirksverwaltung Peter Meyer (rechts) und der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Dr. Peter Thoma haben die neue Informationstafel nahe des Münchteichs enthüllt.
2. Urkunden gab es für die Eigentümer des Münchteichs Arthur Steinel und Georg Tröger aus den Händen des Vorsitzenden Dr. Peter Thoma und Peter Meyer vom Bezirk Oberfranken, sowie für den Bewirtschafter Markus Fuchs (von links), im Bild mit den Kindern Fiona und Philipp.

3. Wanderer und Spaziergänger werden künftig mit dieser Informationstafel und einem Flurnamenstein an die traditionsreiche Geschichte des Münchteichs erinnert.

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30.06.2019

Trachten, Traktoren und Tradition / Wochenende der Landwirtschaft bei Landtechnik Nicklas lockte trotz der Hitze viele hundert Besucher nach Schirradorf

Schirradorf. In seinen Adern fließt kein Blut, in seinen Adern fließt Benzin: Raimund Schramm (55) aus dem kleinen Örtchen Dankenfeld im unterfränkischen Landkreis Haßberge. Zusammen mit Tochter Katharina und Sohn Johannes hatte er am Sonntag bei der traditionellen Oldtimerrundfahrt beim Tag der Landwirtschaft in Schirradorf teilgenommen.

Er selbst mit einem Johan Deere Lanz 500 aus dem Jahr 1964, Johannes mit einem John Deere 820 Baujahr 1975, Katharina mit einem Lanz 2016 von 1958 mit immerhin 230 PS. Weil die Anfahrt mit den drei historischen Schleppern aus Dankenfeld über dreieinhalb Stunden dauert, war die Familie bereits am Vorabend angereist und hatte in Schirradorf übernachtet. 15 Liter braucht der John Deere Lanz auf 100 Kilometer, aber das zählt in diesem Falle nicht. „Was zählt ist der Spaßfaktor“, so der Oldtimerfreund und Kfz-Mechaniker, der auch stellvertretender Vorsitzender des mitveranstaltenden John-Deere-Fanclubs ist.

Die große Oldtimerrundfahrt durch Schirradorf mit dem Firmengelände des Landtechnikunternehmens Nicklas als Start und Ziel war einmal mehr der Höhepunkt des Familiensonntags. 30 historische Traktoren waren diesmal dabei, starke Abordnungen schickten unter anderem die Bulldog-Freunde Rotmaintal, die Traktorfreunde Kirchleus-Lösau und als stärkste Gruppe die Traktorfreunde Altenplos. Zu den ältesten Fahrzeugen gehörte dem Organisator Friedbert Weiß vom John-Deere-Fanclub zufolge ein Güldner GUN, mit dem Dieter Thein aus Ruppach vorgefahren war. Die längst aufgelösten Güldner Motorenwerke Aschaffenburg hatten den Schlepper 1950 gebaut.

Bei der Rundfahrt gab es beispielsweise einen Eicher Panther mit 19 PS aus dem Jahr 1961 zu bestaunen. Das Fahrzeug gehört Norbert Tribhe von den Bulldog Freunden Rotmaintal. Kenner der Szene staunten ebenfalls über einen Kramer KLS 140 mit 14 PS. Das reichte in diesem Fall aus, denn der Besitzer Sebastian Born kam direkt aus dem benachbarten Wonsees. Hersteller wie Eicher, Allgaier oder McCormick sind heute längst Geschichte und wer hätte gedacht, dass Porsche bis 1963 tatsächlich auch Traktoren gebaut hat. Ein besonders schönes Exemplar machte sich mit einem Standard Star 219 immerhin mit 30 PS auf dem Weg durch Schirradorf und hatte auch bei den Steigungen nicht die geringsten Probleme. Am Steuer des immerhin 40 PS starken Gefährts saß der Besitzer Georg Düthorn aus Görau. „Überhaupt habe es keine besonderen Vorkommnisse gegeben, so Organisator Friedbert Weiß, auch wenn einige der älteren Maschinen am Berg schon alles geben mussten.

Einen besonderen Blickfang hatte Andreas Dormann aus Wüstenstein bei Wiesentthal in der Fränkischen Schweiz mit diesem Mercedes 170 DA OTP mitgebracht. Das 40 PS starke Fahrzeug wurde 1951 als Polizeifahrzeug beim Bundesinnenministerium in Bann zugelassen und befindet sich noch heute im Topzustand.

Überhaupt war am Sonntag in der großen Halle von Edwin Nicklas, wo sonst die schweren Schlepper und Mähdrescher stehen einiges geboten. Da gab es trachtiges für Damen und Herren sowie Kindermode samt Accessoires zu sehen, authentisch vorgeführt von 17 Damen und Herren. „Wir zeigen Trachtenmode für die ganze Familie, modisch, elegant und zünftig“, sagte Annelinde Rußwurm vom gleichnamigen Landhausmodengeschäft in Schwürbitz.

Eingebettet war die Vorführung in ein buntes Programm, das trotz tropischer Temperaturen viele hundert Besucher auf das Betriebsgelände der Firma Nicklas gelockt hatte. Da gab es Roulade und Schäuferla mit Kloß und Kraut, Backwaren und Bauernhofeis. Hoher Besuch war mit dem bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger schon am Freitag auf dem Firmengelände. Nun startete der Familiensonntag mit einem Gottesdienst, den der Posaunenchor Wonsees und der Landfrauenchor Kulmbach feierlich umrahmten und den der evangelische Pfarrer Daniel Städler aus Wonsees zelebriert hatte.

Bilder:
1.
 Raimund Schramm aus Dankenfeld  mit seinem Jahn Deere Lanz 500 aus dem Jahr 1964.
2.
 Marcel Merkmann aus Untersteinbach zeigt seinen 18 PS starken John Deere Lanz 100.
3.
 Mit Gleichgesinnten fachsimpeln, das war beim Tag der Landwirtschaft in Schirradorf immer wieder zu erleben.
4.
 Trotz tropischer Temperaturen machten sich am Sonntag 30 Traktoren auf einer Rundfahrt durch Schirradorf.
5.
 Dort, wo sonst Traktoren und Mähdrescher ausgestellt werden, gab es zum Wochenende der Landwirtschaft eine unterhaltsame Modenschau. Dabei zeigten diese Models, dass Tracht längst wieder in ist.

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28.06.2019

Kümmel, Klatschmohn und Königskerzen: Staatsforsten sorgen für blühenden Wald – Artenschutz schon vor dem Volksbegehren

Pottenstein. Artenschutz ist in aller Munde. Kaum bemerkt von der Öffentlichkeit haben die Bayerischen Staatsforsten schon im vergangenen Jahr damit begonnen, entsprechende Blühflächen auf ihren Flächen anzulegen. „Wir haben viereinhalb Hektar Blühflächen in allen unseren Revieren angelegt“, sagte Gerhard Steininger, Servicestellenleiter des Forstbetriebs Pegnitz bei einem Ortstermin mit der Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer.

Kümmel, Schafgarbe, Klatschmohn, Totklee, Königskerzen, Spitzwegerich: in der neu angelegten, rund 0,15 Hektar großen Fläche mitten in einem Waldstück zwischen Prüllsbirkig und Haselhof bei Pottenstein summt und brummt es. Nahezu alle blütensuchenden Insektenarten würden dadurch begünstigt, vor allem Wildbienen, aber auch Schmetterlinge und viele Käferarten, so Thomas Kreil vom Forstbetrieb. Auch insektenfressende Vögel und Bodenbrüter würden von den Blühflächen profitieren. Möglich machten dies über 30 Kräuter und vier Grassorten der speziellen Saatgutmischung, die von den Forstleuten im vergangenen Jahr ausgebracht wurden. Fünf Jahre lang soll die Fläche jeweils von Anfang ai bis Ende September aufblühen, langfristig sei die Überführung in blütenreiches Dauergrünland geplant, sagt der stellvertretende Leiter des Forstbetriebs Eduard Meyerhuber.

Was von den Staatsforsten tatkräftig umgesetzt wird, finanziert der Freistaat über das Sonderprogramm Naturschutz mit dem Titel: Der Wald blüht auf“. Oberstes Ziel sei es, die Artenvielfalt zu erhöhen, erklärte die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Ganz wichtig: Staatsregierung und Staatsforsten hätten das Programm lange vor dem umstrittenen Volksbegehren zum Artenschutz umgesetzt. Brendel-Fischer begrüßte das Engagement aller Beteiligten und nannte die Aktion absolut vorbildlich. „Das ist praktizierter Artenschutz“, sagte sie. Jeder Euro, der dafür ausgegeben wurde sei gut angelegtes Geld.

Bild: Ortstermin auf einer Blühwiese in eine Waldstück bei Pottenstein (von links): Thomas Kreil, Eduard Meyerhuber, die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer und Gerhard Steininger.

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12.06.2019

Naturschutz und Landwirtschaft an einem Tisch: Ausstieg bedeutet Artenverlust / Zehn Jahre „Wiesenmeisterschaft“: BN und LfL ziehen positive Bilanz

Körbeldorf. Neben dem weiteren Ausbau der Förderung extensiver Wiesen- und Weidebewirtschaftung fordert der Bund Naturschutz mehr Fachkräfte an den Unteren Naturschutzbehörden und eine aktive Programmberatung an den Ämtern für Landwirtschaft. „Notwendig ist eine bessere Beratung und eine bessere Ausstattung der Naturschutzbehörden“, sagte BN-Agrarreferentin Marion Ruppaner bei einer Bilanz zu zehn Jahren „Wiesenmeisterschaft“ auf dem Betrieb von Günter Braun und Gertraud Wagner-Braun in Körbeldorf bei Pegnitz im Landkreis Bayreuth.

Das Ziel dieser „Wiesenmeisterschaft“ könnte vor dem Hintergrund des Volksbegehrens zum Artenschutz aktueller nicht sein: „Wir wollen die Leistungen der Landwirte für die Artenvielfalt durch eine extensive und besonders umweltgerechte Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden würdigen“, sagte Marion Ruppaner. Gleichzeitig soll die Aktion ein Impuls sein, sich intensiver mit der Artenvielfalt zu beschäftigen.

Zehn Jahre nach der ersten „Wiesenmeisterschaft“ haben der BN sowie die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) nun noch einmal nachgefragt, wie die Preisträger der zurückliegenden Jahre die Situation der artenreichen Wiesen und Weiden auf ihren Betrieben bewerten. Das Ergebnis sei durchwegs positiv ausgefallen. Die Möglichkeit, den Wiesenaufwuchs wirtschaftlich für die Fütterung zu nutzen sowie gut ausgestattete und langfristig sichere staatliche Förderprogramme seien ein wesentlicher Anreiz für die Bauern extensive Wiesen nicht nur zu erhalten, sondern auch weiterhin extensiv zu nutzen. Dazu sei allerdings eine neutrale Beratung seitens der Ämter notwendig, sagte Marion Ruppaner. Noch immer komme es vor. Dass den Landwirten von vornherein abgeraten wird.

Extensiv nutzen, das macht auch die Familie Braun auf ihrem Naturland-Betrieb im Pegnitzer Ortsteil Körbeldorf unmittelbar an der A9 im Landkreis Bayreuth. Der Vollerwerbsbetrieb mit Milchviehhaltung hatte mit dem Konzept einer abgestuften Nutzung bei den „Wiesenmeisterschaften“ 2010 den zweiten Platz erreicht. Abgestuft heißt, dass der wüchsigere Unterhang der rund 1,6 Hektar großen Wiese zwei Mal pro Jahr gemäht wird und vorrangig als Futterfläche für das Fleckvieh dient. Am Oberhang hatte sich ein landschaftstypischer Halbtrockenrasen mit über 40 Kräutern und Leguminosen entwickelt, der nur einmal pro Jahr gemäht wird und durch mehr als acht Rote-Liste-Arten besticht.

Günter Braun hatte 1993 den damals im Nebenerwerb geführten elterlichen Betrieb übernommen und auf ökologischen Landbau umgestellt. Mittlerweile bewirtschaftet das Ehepaar 140 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 45 Hektar Ackerland und 95 Hektar Grünland. In dem Außenklimastall am Ortsrand haben 80 Milchkühe, 50 Jungrinder und 25 Mastrinder Platz und Auslauf. Zur Fütterung wird ausschließlich hofeigenes Futter eingesetzt.

So wie die Familie Braun haben sich an den „Wiesenmeisterschaften“ in den zurückliegenden zehn Jahren über 450 Landwirte beteiligt, ein knappes Drittel davon waren Ökobetriebe. Fast alle „Meisterwiesen“ der jeweils fünf Erstplatzierten existierten noch, sagte Ruppaner. Damit

Laut Sabine Heinz von der LfL sind die Artenzahlen auf Flächen mit Agrarumweltmaßnahmen eindeutig höher, als auf Flächen ohne Maßnahmen. Oft liege die Artenzahl auch deutlich höher als der bayerische Durchschnitt von derzeit 20 Arten pro 25 Quadratmeter. Die Neuaufnahme, beziehungsweise Beibehalten von Agrarumweltmaßnahmen lassen die Artenzahlen nochmals steigen, während umgekehrt der Ausstieg einen Artenverlust bedeutet. „Wenn öfter gemäht wird, geht auch die Zahl der für Bestäuber attraktiven Blüten zurück“, sagte Sabine Heinz.

Für den 22. Oktober kündigte BN-Sprecherin Marion Ruppaner ein Symposium zu dem Thema im Landwirtschaftsministerium an. Bis dahin soll nicht nur eine ergänzte und aktualisierte Broschüre zu zehn Jahren Bayerische „Wiesenmeisterschaften“ erscheinen,  auch wie die Aktion fortgeführt wird, soll dann bekanntgegeben werden.

Bild: Hier wird ausschließlich hofeigenes Futter verwendet (von links): Sabine Heinz von der LfL, BN-Agrarreferentin Marion Ruppaner, sowie Gertraud Wagner-Braun und Günter Braun.

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02.06.2019

Bezirkschöretreffen in Bischofsgrün /
Bayreuther Landfrauenchor feierte 40-jähriges Bestehen

Bischofsgrün „Wenn mal ein falscher Ton dabei ist, dann ist es halt so“. Die Bayreuther Kreisbäuerin Angelika Seyferth bringt es auf den Punkt, was das Singen im Landfrauenchor ausmacht: Singen in der Gemeinschaft, Pflege von Tradition, Geselligkeit und Miteinander. Auch das Bezirkschöretreffen zum 40. Geburtstag des Bayreuther Landfrauenchors im Kurhaus von Bischofsgrün war kein Wettbewerb, sondern eine Zusammenkunft von allen, die Freude an der Musik haben.

40 Jahre ist der Bayreuther Landfrauenchor jung und damit der drittälteste in Oberfranken nach Wunsiedel und Kronach. Mit Anne Gubitz, Elisabeth Haupt, Erna Will und Margarethe Bauernfeind gibt es noch vier Gründungsmitglieder, von denen sich drei auch beim Chöretreffen in Bischofsgrün dabei waren. Für Margarethe Bauernfeind nahm ihre Tochter Elisabeth Raps die Urkunde aus den Händen von Landesbäuerin Anneliese Göller entgegen. Die große Urkunde zum 30-jährigen Bestehen ging an die Chorbeauftragte Helga Vogel.

Neben dem Bayreuther Landfrauenchor unter der Leitung der engagierten Kirchenmusikerin Martina Schill aus Creußen traten beim Bezirkstreffen in Bischofsgrün die Chöre aus Hof, Coburg, Bamberg und Lichtenfels aus. Letzterer ist noch älter als der Bayreuther Chor und hat die Feier zum 40. Geburtstag bereits hinter sich. Hier besteht sogar die Hälfte des Chores noch aus Gründungsmitgliedern. 30 Jahre jung wurde heuer der Coburger Chor, der in einer erneuerten Coburger Tracht auftrat. Mit 13 Jahren ist der Bamberger Chor relativ jung, dafür zählt er von der Mitgliederzahl her zu den stärksten. Bleibt noch der Hofer Chor, der erst zwei Tage zuvor ebenfalls sein 30-jähriges Bestehen gefeiert hatte. Die Liedauswahl des Bezirkschöretreffens reichte von geistlichem Liedgut über volkstümliche Weisen bis hin zu Schlagern und Pop-Songs.

Es kommt nicht auf den Ton und den Text an, wichtig sei es, dass das Singen seinen Zweck erfüllt und der ist ganz einfach die Freude, sagte Pfarrerin Beate Winkler zu Beginn des Treffens. Sie stellte auch fest: „Singen ist eine Gabe Gottes, die jedem geschenkt wurde“. Das Gefühl anderen Menschen eine Freude zu bereiten, das sei der Lohn für die vielen Singstunden, so Kreisbäuerin Angelika Seyferth. Als die sympathischen Botschafter des Berufsstandes bezeichnete Landesbäuerin Anneliese Göller die Landfrauenchöre. „Singende Bäuerinnen schlagen eine Brücke und die Landwirtschaft zeigt sich mit einem anderen Gesicht.“

Bilder oben:
1. Landfrauenchor Bayreuth.
2.
  Bezirkschorbeauftragte Karin Wolfrum (links), Dieter Heberlein von der Bezirksgeschäftsstelle und Landesbäuerin (Anneliese Göller (2. von rechts) überreichten an Helga Vogel eine Urkunde zum 40. Geburtstag des Bayreuther Landfrauenchors.

Im Uhrzeigersinn: die Landfrauenchöre Coburg. Lichtenfels, Bamberg und Hof.

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29.05.2019

Fisch aus heimischer Produktion: Gesund, leicht verdaulich und kalorienarm / Teichgenossenschaft eröffnete oberfränkische Fischgrillsaison

Büchenbach. Es muss nicht immer Fleisch sein. Auch Fisch aus heimischen Gewässern kann durchaus auch auf dem Grill landen. Dafür setzt sich seit Jahren die Teichgenossenschaft Oberfranken ein. Mit Erfolg: Längst ziehen viele Verbraucher Bachsaiblinge und Regenbogenforellen den sonst üblichen Steaks und Bratwürsten vor. Um die heimische Fischvielfalt noch bekannter zu machen, eröffnet die Teichgenossenschaft alljährlich werbewirksam die Fischgrillsaison. Diesmal auf dem Vollerwerbsbetrieb von Karl-Heinz Herzing in Büchenbach bei Pegnitz im Landkreis Bayreuth. 

Karl-Heinz Herzing, der als Beirat die Interessen der Teichgenossenschaft für den Landkreis Bayreuth vertritt, ist der Inhaber des seit 30 Jahren aus Naturteichen bestehenden Quellwasserbetriebes. Seine Fische stammen ausschließlich aus eigener Zucht. In der Hauptanlage am Ortsrand von Büchenbach werden die Fische als Sömmerlinge und Satzfische gezüchtet und verkauft. In einem weiteren Quellwasserbetrieb im nahen Bodendorf hält er Bachforellen, Bachsaiblinge und Regenbogenforellen als Speisefische für den Besatz in heimischen Gewässern. Im Bruthaus Birklmühle erfolgt die Erbrütung zum Sömmerling.

„Wir wollen den Verbrauchern mit unserer Aktion das regionale Lebensmittel Fisch näher bringen“, sagt Dr. Peter Thoma, Vorsitzender der Teichgenossenschaft. Von einer steigenden Nachfrage berichtete auch Bezirkstagspräsident Henry Schramm. Fisch aus heimischer Produktion sei gesund, leicht verdaulich, kalorienarm und die Transportwege vom Erzeuger zum Verbraucher seien extrem kurz.

Das war auch für Tim Pargent, Landtagsabgeordneter der Grünen aus Bayreuth, ein wichtiges Argument. Es könne nicht sein, dass beispielsweise Shrimps aus großen Aquakulturen in den Skandinavischen Ländern nach Afrika zur Weiterverarbeitung transportiert werden, um anschließende in unseren Supermärkten zu landen. „Dabei haben wir doch alles, was wir brauchen“, so Pargent, der ganz besonders die Arbeit der Teichwirte für die Artenvielfalt herausstellte.

Das soll in Zukunft auch so bleiben, sagte der Abgeordnete, der sich für einen offenen Dialog mit den Teichwirten aussprach. Bezirkstagspräsident hatte bereits zuvor die immer größer werdenden Herausforderungen angesprochen und als Beispiel den Fischotter erwähnt, der längst auch im Landkreis Bayreuth zur Bedrohung geworden sei. „Für viele Kleinbetriebe lohnt sich die Teichwirtschaft einfach nicht mehr, weil das Risiko zu groß ist“, sagte Schramm. Doch die Betriebe sind wichtig, denn so Karl-Heinz Herzing: „Fischer und Teichwirte sind mit Leib und Seele Naturschützer.“

Bilder:
1. Grillmeister Gerhard Rudolf vom Forellenhof Deusdorfer Mühle im Landkreis Bamberg demonstrierte, wie hervorragend sich heimischer Fisch auf dem Grill eignet.
2.
Fisch als Grillgut, dafür warben (von links) Vorsitzender Dr. Peter Thoma, MdL Tim Pargent, der 2. Bürgermeister von Pegnitz Wolfgang Nierhoff, Dr. Thomas Speyerl von der Fischereifachberatung des Bezirks, Margit und Karl-Heinz Herzing, Bezirkstagspräsident Henry Schramm und Grillmeister Gerhard Rudolf von der Deusdorfer Mühle.

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20.05.2019

Freiwilligkeit statt Ordnungsrecht / Volksbegehren und Versöhnungsgesetz Ministerin Kaniber startete in Oberfranken Reihe der Regionalkonferenzen

Kulmbach. Das Maß ist längst voll, das Ende der Fahnenstange ist erreicht, die Bauern werden enteignet: Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber musste sich zum Auftakt der bayernweiten Regionalkonferenzen zum Volksbegehren Artenschutz in der Kulmbacher Stadthalle harsche Kritik von Seiten der Bauern anhören.

Nach französischem Vorbild waren viele der Bauern in Gelbwesten angetreten, hatten Transparente dabei und Trillerpfeifen. Die Stimmung war angeheizt und obwohl der neue Kulmbacher Amtschef Michael Schmidt an die Bauern appellierte, sich mit Pfeifkonzerten zurückzuhalten, musste die Ministerin manch persönlichen Angriff hinnehmen.

„Sie können wunderschön reden, aber die Wirklichkeit sieht ganz anders aus“, sagte Landwirt Peter Hofmann aus dem Landkreis Forchheim. Sie sehe es als Armutszeugnis für die Politik, wenn eine Ministerin durchs Land reisen muss, um die Bauern wieder einzufangen, so die Wunsiedler Kreisbäuerin Karin Reichel. Landwirt Hermann Hildner aus dem Landkreis Kulmbach mutmaßte gar, dass zwei Prozent an Bauern geopfert werden, um die Wähler in der Stadt wieder einzufangen.

Viele Redner äußerten aber auch schlicht und einfach ihre tiefen Sorgen und Zukunftsängste. „Mir wird Angst um meinen Berufsstand“, so die Coburger Kreisbäuerin Heidi Bauersachs. Vieler sind einfach nicht mehr bereit, nach ihrer Ausbildung in diesem Beruf zu bleiben, so Wolfgang Schultheiß aus dem Landkreis Coburg. Von einer klaren Enteignung sprach Peter Hofmann: „Von Landwirten erschaffene Biotope werden unter Schutz gestellt, damit sind sie nichts mehr wert.“

Ministerin Kaniber hatte zuvor den Stand der Dinge in Sachen „Volksbegehren und Versöhnungsgesetz“ erläutert und dabei klargestellt, dass die Staatsregierung auf Freiwilligkeit statt auf Ordnungsrecht setze. „Freiwilligkeit ist die zentrale Botschaft für unsere Bauern“, sagte sie. Kaniber sah in dem Volksbegehren auch ein stückweit die Chance, den Menschen den Spiegel vorzuhalten. Nicht zulassen dürfe man es, dass eine gesamte Branche so schlecht geredet werde.

Sie räumte aber auch ganz offen ein, dass man 1,8 Millionen Unterschriften nicht so einfach ignorieren könne. „Uns geht es nicht drum, die Landwirte zu gängeln, doch ohne gesellschaftliche Akzeptanz hat die Landwirtschaft keine Zukunft.“ Sie wisse sehr wohl, dass Kompromisse nie einfach sind, aber die Politik lebe nun einmal davon.

Viele konkrete Beispiele der beabsichtigten Ausgestaltung erläuterte Kaniber den Bauern. Etwa, dass die jeweiligen Bezirksregierungen spezifisch über das Walzverbot von Grünland entscheiden und somit unterschiedliche Walzzeiten ermöglichen sollen. Als machbar bezeichnete die Ministerin eine Reduzierung bei Pflanzenschutzmitteln um 50 Prozent durch moderne Präzisionstechnik. Auch was den Ökolandbau betrifft, soll niemand zu einer Umstellung gezwungen werden. Die Zielvorgabe von 30 Prozent bis zum Jahr 2030, soll vielmehr „am Markt entlang“ geschehen.

Mit einem Appell zum Zusammenhalt innerhalb des Berufsstandes hatte der neue Leiter des Amtes für Landwirtschaft in Kulmbach, Michael Schmidt, den Abend eröffnet. Auch wenn es kein einfacher Abwägungsprozess sei, müsse man jetzt konstruktiv den Dialog suchen.

Bilder:
1.
Von links: Michael Schmidt vom Amt für Landwirtschaft in Kulmbach, Konrad Schmid vom Landwirtschaftsministerium, Ministerin Michaela Kaniber, Friedrich Meyer vom Ministerium und LfL-Präsident Jakob Opperer.
2.
Hermann Greif in der vollbesetzten Kulmbacher Stadthalle.
3. Sorgen um die Zukunft der oberfränkischen Landwirte äußerte der BBV-Bezirkspräsident

 

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15.05.2019

Hochwertige Nahrungsmittel natürlich produziert / Kirche und Landwirtschaft: Regionalbischöfin Dorothea Greiner besuchte Milchviehbetrieb

Schollenreuth. Anfeindungen der Gesellschaft machen den Bauern derzeit schwer zu schaffen. „Vor allem das Volksbegehren zum Artenschutz hat viele Berufskollegen total verunsichert“, sagte der Hofer Kreisobmann Hermann Klug bei einem Besuch von Regionalbischöfin Dorothea Greiner auf dem Milchviehbetrieb von Bettina und Martin Riedel in Schollenreuth bei Feilitzsch im Landkreis Hof.

Neben Gemeindebesuchen, Firmenbesichtigungen und Gesprächen mit den Mitarbeitern kirchlicher Einrichtungen hatte sich die Regionalbischöfin auch Zeit für den Austausch mit Vertretern des Bauernverbandes und für den Besuch des modernen Laufstalls am Ortsrand von Schollenreuth genommen. Bettina Riedel und ihr Mann Martin führten Greiner und den Hofer Dekan Günter Saalfrank zusammen mit Kreisbäuerin Karin Wolfrum, Kreisobmann Klug und einigen Vorstandsmitgliedern durch den Stall und erläuterten unter anderem die Funktionsweise des Melkroboters.

Bettina Riedel hatte den Hof von ihren Eltern übernommen, Ehemann Martin stammt zwar auch aus der Landwirtschaft, ist aber trotzdem Quereinsteiger. Er hatte zunächst eine Ausbildung als Landschaftsgärtner abgeschlossen und dann den Abschluss zum Landwirt über Abendkurse nachgeholt. Vor acht Jahren löste der moderne Stall mit derzeit rund 80 Tieren die Anbindehaltung ab, vor zwei Jahren wurde der Stall noch einmal mit viel Platz für das Jungvieh erweitert.

„Wir produzieren auf natürlichem Weg hochwertige Nahrungsmittel“, sagte Martin Riedel. Leicht sei dies im Moment nicht. Leichtfertig würden die Bauern von großen Teilen der Gesellschaft in eine Schublade gesteckt „Wir werden als die Bösen dargestellt“, so Riedel, der offen zugab, dass dies eine große Belastung für ihn und seine Berufskollegen sei.

„Es war mein ausdrücklicher Wunsch, dass wir bei der Visitation zusammen mit den regionalen Vertretern des Bauernverbandes auch einen landwirtschaftlichen Betrieb besuchen“, sagte Regionalbischöfin Greiner. „Landwirte arbeiten oft ohne Urlaub und freie Tage, tragen mit ihrem Unternehmen oft große finanzielle Risiken, doch die Wertsteigerung ihrer Erzeugnisse bleibt in unserem Land aus“. Nach den Worten Greiners verdienen die Bauern unseren Rückhalt und unsere Wertschätzung. Landwirte mit biologischen und konventionellen Betrieben seien die wichtigsten Landschaftspfleger und erarbeiteten unsere Grundnahrungsmittel. Dabei gelten die Bauern auch als Säulen unserer Gesellschaft und unserer Kirche. Ihr sei es ein großes Anliegen gewesen, diese Botschaft zu transportieren und sie könne gegenwärtig wohl nicht oft genug vermittelt werden. Greiner: „Wir brauchen für den Schöpfungsschutz den Schulterschluss mit den Bauern“.

„Die Sorgen und Nöte der Landwirte sind uns sehr wichtig“, so Dekan Saalfrank. Hintergrund sei, dass die Landwirtschaft gerade im Raum Hof eine ganz exponierte Rolle spiele. Saalfrank zeigte sich froh darüber, dass es keinerlei Agrarfabriken in der Region  gibt  Gerade der Betrieb der Familie Riedel zeige, dass der Landwirt noch einen echten Bezug zu seinen Tieren hat und mit einem Blick erkennt, ob es ihnen gut geht oder nicht.

Bild: Auf Tuchfühlung mit den Milchkühen der Familie Riedel ging Regionalbischöfin Dorothea Greiner bei einem Stallbesuch in Schollenreuth.

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01.05.2019

Für Miteinander und gegen Individualismus / Gute Tradition: Landjugend Stockau-Lehen startet mit eigener Maikönigin in den Wonnemonat

 Gedanken zum Thema Heimat und wahre Lobeshymnen auf die Landjugend standen diesmal im Mittelpunkt des traditionellen Maibaumfestes der Landjugend Stockau-Lehen. Auch wenn der Heimatbegriff jahrzehntelang als rückständig und überholt galt: „Jeder Mensch braucht Heimat“, sagte der Bayreuther Dekan Jürgen Hacker, der diesmal die Festrede übernommen hatte.

„Wer Menschen die Heimat nimmt, der entwurzelt sie“, so Hacker. Er erinnerte daran, dass Heimat auch vergänglich sein kann, sagte er mit Blick auf die vielen Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg und auch die Millionen Menschen, die heute auf der Flucht vor Hunger, Krieg, Krankheiten und Seuchen sind. Mit ihrem Maibaumfest setze die Landjugend Stockau-Lehen ein starkes Zeichen für Miteinander und gegen Individualismus. „So eine Gemeinschaft ist zugleich die beste Demokratieschule, die man sich denken kann“, sagte Hacker.

Lobende Worte für die Landjugend fanden auch die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert, die stellvertretende Landrätin Christa Reinert-Heinz und der Weidenberger Bürgermeister Hans Wittauer. Die Landjugend Stockau-Lehen pflege damit ein Brauchtum, „das Teil unserer Heimat und unserer kulturellen Identität ist“, sagte die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert. Den großen Einsatz der Landjugend für den ländlichen Raum stellte Christa Reinert-Heinz ganz besonders heraus und Bürgermeister Wittauer würdigte den Gemeinschaftssinn, der bei der Landjugend groß geschrieben werde. Das vorbildliche Miteinander zu verschiedenen Anlässen sei ein wichtiger Bestandteil der Jugendarbeit in einer Gemeinde.

Tatsächlich wäre das Aufstellen des geschmückten Maibaumes ohne gelebtes Miteinander nicht möglich gewesen. Zum 64. Mal in ununterbrochener Reihenfolge hatte die Landjugendgruppe ihre Maifeier rund um die Großraumhalle der Obstkelterei Rauh unmittelbar an der Bundesstraße 22 Weiden-Bayreuth im Ortsteil Lehen ausgerichtet. Rund 30 starke Helfer waren notwendig, um den fast 25 Meter hohen Fichtenstamm fachmännisch aufzurichten, ohne Hilfsmittel wie etwa einem Kran, sondern ausschließlich mit Holzstangen und viel Muskelkraft.

Besinnliche Gedanken trug Maikönigin Annika Keil vor, die traditionell aus der Feder des Altmitgliedes und EKD-Synodalen Günter Meyer aus Stockau stammen. Die Maikönigin wird von der Landjugendgruppe immer schon vor Ostern in geheimer Wahl gewählt.

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25.04.2019

Landjugend pflanzt „Grundgesetzbaum“

Untersteinach. Die neue Aktion „HeimatWurzeln“ des Landjugend-Bezirksverbandes Oberfranken nimmt Fahrt auf. Zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes und zugleich zum 70. Geburtstag des Dachverbandes „Bund der Deutschen Landjugend“ sollen in ganz Oberfranken insgesamt 70 verschiedene Bäume gepflanzt werden. Den dritten der geplanten 70 „Grundgesetzbäume“ haben Vertreter der Landjugend jetzt auf dem Grundstück von Ingrid und Eduard Goller, den Eltern der Bundestagsabgeordneten Dr. Silke Launert, in Untersteinach gepflanzt.

Launert ist zugleich Patin des Pflaumenbaums. Sie hat Artikel 2, Absatz 1 des Grundgesetzes gewählt: „Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“ Ein weiterer Baum ist bereits auf dem Grundstück des ehemalige oberfränkische Bezirks- und BJB- Landesvorsitzenden Manfred Nüssel in Rimlas bei Bad Berneck gesetzt worden.

Bild: Ein Baum zu Ehren des Grundgesetzes (von links): die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert, Landjugend-Bezirksvorsitzende Chiara Hartmann aus Speichersdorf, Beisitzerin Yvonne Hohlweg von der Landjugend Kulmbach, der Sprecher für den Bereich Jugend- und Gesellschaftspolitik Michael Kießling von der LJ Oberkotzau und Bezirksvorsitzender Maximilian Raimund aus Creußen.

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27.03.2019

Topthema Landwirtschaft: Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung / Wechsel an der Spitze des Amtes in Bayreuth: Georg Dumpert folgt auf Dr. Ernst Heidrich

Bayreuth. Georg Dumpert ist der neue Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayreuth. Der 62-jährige Forstdirektor löst damit Dr. Ernst Heidrich ab, der seit November 2009 an der Spitze der Behörde stand. Bei einer Feierstunde in der Tierzuchtklause in Bayreuth verabschiedete Walter Christl, Abteilungsleiter im Bayerischen Landwirtschaftsministerium, Heidrich in den Ruhestand und führte Dumpert in sein neues Amt ein.

So neu ist das Amt für Dumpert allerdings nicht mehr. Seit November 2016 leitete er bereits den Bereich Forsten in Bayreuth und war gleichzeitig Stellvertreter des Behördenleiters. Inoffiziell steht er bereits seit 1. Februar an der Spitze des Bayreuther Amtes.

„Was lange währt wird endlich gut“, sagte der neue stellvertretende Amtsleiter Klaus Meier-Harnecker, der künftig neben der Abteilung Förderung nun auch die Abteilung Landwirtschaft übernehmen und als Leiter der Landwirtschaftsschule fungieren wird. Meier-Harnecker spielte damit auf die Tatsache an, dass Heidrich bereits im Juli seinen Ruhestand angetreten hatte. Es sei höchste Zeit geworden, dass die Stelle jetzt wieder besetzt ist, so Harald Raps von der Personalvertretung des Amtes. Es gebe Entscheidungen, die eben nur ein Behördenleiter fällen kann.

Landwirtschaftliche Themen stünden im Focus der Gesellschaft, es seien echte Zukunftsthemen, sagte Ministerialdirigent Walter Christl. Nicht umsonst habe sich die Landwirtschaftsverwaltung für dieses Jahr die Themen Artenvielfalt und Biodiversität auf die Fahnen geschrieben, und das lange vor dem Volksbegehren. Wenn sich Landwirte dadurch an den Pranger gestellt sehen, so gebe es keinen Grund dafür, sagte der Ministeriumssprecher.

Zu den Gratulanten gehörte unter anderem die Bayreuther Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert. Sie bezeichnete Landwirtschaft und Ernährung als Topthemen. Jeder glaube, plötzlich mitreden zu können, doch die wirklichen Fachleute seien die bestens ausgebildeten Bäuerinnen und Bauern und genau für die sei das Amt zuständig. Während sie begrüßte, dass in der Gesellschaft ein neues Bewusstsein für Nachhaltigkeit, für gesunde Ernährung und für die Schöpfung entstanden sei, sah sie das Volksbegehren in seiner konkreten Ausgestaltung kritisch Es sei wichtig, dass wir unsere familiengeführten landwirtschaftlichen Betriebe erhalten und, dass die Familien nicht frustriert aufgeben.

Uwe Raab, stellvertretender Bayreuther Landrat und Bürgermeister von Pegnitz, erinnerte sich an viele konstruktive, freundschaftliche und nette Begegnungen mit dem bisherigen Behördenleiter, etwa bei den regelmäßigen Tagen der Landwirtschaft oder bei den Landfrauentagen. Nachfolger Dumpert habe von 1998 bis 2005 das Pegnitzer Forstamt geleitet und gelte mit diesen sieben Jahren Einsatz bereits als halber „Bengatzer“, scherzte der der Bürgermeister.

Auf die großen Veränderungen in der Landwirtschaft, die Heidrich stets konstruktiv begleitet hatte, sprach der Bayreuther Stadtrat Thomas Hacker an. BBV-Kreisobmann Karl Lappe stellte besonders den Einsatz Heidrichs um den Erhalt des Schulstandortes heraus und Rudi Steuer vom oberfränkischen Meister- und Ausbilderverband nannte Heidrichs Leistungen für die Verbände VLF und VLM, deren Geschäftsführung Heidrich 2010 übernommen hatte und die er zu einer gemeinsamen Bezirksversammlung zusammen führte.

Bild: Wechsel an der Spitze des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayreuth (von links): Georg Dumpert, die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert , Ministerialdirigent Walter Christl und Dr. Ernst Heidrich.

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19.03.2019

Einwendungen als Eintrittskarte zum Erörterungstermin /
BBV und Bürgerinitiative machen gegen Stromtrasse mobil – Planungen nehmen an Fahrt auf

Stammbach, Lks. Hof. Es wird ernst in Sachen Süd-Ost-Link: Nachdem bis Mitte März die Verfahrensunterlagen für die geplante Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung (HGÜ-Leitung) öffentlich ausgelegen haben, sind nun bis zum 12. April Einwendungen gegen die Planungen im Abschnitt C, das ist der Bereich zwischen Hof und Schwandorf, möglich. „Die Planungen für die Trasse nehmen an Fahrt auf, sagte Jürgen Becher, Vorsitzender der Bürgerinitiative Ölschnitztal bei einer gemeinsamen Informationsveranstaltung zusammen mit dem Bauernverband in Stammbach.

Zwei Dinge wurden dabei unmissverständlich festgestellt: Wenn die Leitung tatsächlich gebaut wird, dann ist der Landkreis Hof in jedem Fall betroffen. Das bestätigte unter anderem Landrat Oliver Bär. Hauptbetroffene sind nach den Worten von Harald Köppel, BBV-Geschäftsführer für Bayreuth, Kronach und Kulmbach, die Land- und Forstwirte. Die Leitung stelle in ihrer Planung als Erdkabel eine massive Beeinträchtigung und einen Wertverlust der Fläche dar, sagte er. „Alles in allem führt die Trasse letztendlich zu Ertragsverlusten“, so Köppel.

Ganz wichtig für alle betroffenen Landwirte: Nach Ende der Einspruchsfrist wird die Bundesnetzagentur einen Erörterungstermin festsetzen. Zutritt dazu habe allerdings nur, wer eine Einwendung gemacht hat. „Einwendungen sind die Eintrittskarten für den Erörterungstermin“, sagte Köppel und ermunterte die Berufskollegen, tätig zu werden. Der Bauernverband stehe dazu jederzeit helfend zur Seite. Trotzdem sollten die Einwendungen individuell sein. Vorgefertigte Textbausteine würden kaum weiterhelfen.

Argumente gegen die Trasse gibt es aus Sicht der Land- und Forstwirtschaft genügend. Sie reichen vom Flächenverbrauch, nicht nur für die eigentliche Trasse, sondern auch für Projekt- und Ausgleichsflächen, über Beeinträchtigungen des land- und forstwirtschaftlichen Wegenetzes bis hin zu befürchteter Bodenverdichtung, Bodenerwärmung und Grundwasserbeeinträchtigung. „So ein Eingriff lässt sich nicht einfach abschütteln“, sagte Köppel. Und weiter: „Man kann sich auf keinen Fall zurücklehnen und hoffe, dass der Kelch an einem vorbeigeht.“

Auch der Hofer Landrat Oliver Bär nannte es sinnvoll, dass all diejenigen, die potentiell betroffen sind, ihre Einwände vorbringen. Auch der Landkreis werde gemeinsam mit den Kommunen wie übrigens auch der BBV Einwände gegen die Trasse vorbringen. „Wir sind in einem Verfahrensstadium, bei dem es sich lohnt zu sagen, das und das wollen wir nicht.“ Auch aus Sicht des Landkreischefs gebe es noch viele offene Fragen: Warum muss die Trasse bis zu 30 Meter breit sein? Warum wird der Verlauf nicht mit den Bundesautobahnen gebündelt? Wie entwickelt sich die Energiepolitik insgesamt weiter?

Aktuell gibt es für die Stromtrasse zwei mögliche Varianten: Eine durch das Fichtelgebirge und eine weitere grob entlang des Bundesautobahn A9. Die Entscheidung trifft die Bundesnetzagentur. Nur massive Proteste können den Trassenbau verzögern oder vielleicht auch noch verhindern“, sagte BI-Vorsitzender Jürgen Becher. Scharf ins Gericht ging er mit dem geplanten Beschleunigungsgesetz von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, das Einspruchsmöglichkeiten reduzieren soll. Becher bezeichnete die Leitung einmal mehr als unnötig. „Wir lehnen die Trasse ab, egal, wo sie gebaut wird.“

Bild: BBV-Geschäftsführer Harald Köppel ermunterte die Landwirte Einspruch gegen die Planungen für die Stromtrasse zu erheben.

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27.02.2019

Vielseitig, innovativ und bestens ausgebildet / Elke Pelz-Thaller beim Hofer Landfrauentag

Köditz, Lks. Hof. Mit einer Mischung aus Trauer und Empörung haben einige Sprecher beim Hofer Landfrauentag auf den Ausgang des Volksbegehrens Artenschutz reagiert. „Das Volksbegehren hat uns völlig erschlagen“, sagte Kreisbäuerin Karin Wolfrum und Landesbäuerin Anneliese Göller stellte fest: „Wir haben so viel für den Artenschutz gemacht, aber es wird einfach nicht gesehen.

Obwohl alle Forderung des Volksbegehrens die Landwirte betreffen, werde nicht mit ihnen gesprochen, so Karin Wolfrum. Dabei seien es doch gerade die Bauern, die sich schon immer um die Artenvielfalt kümmern. Jeder Einzelne kann etwas dafür tun und mithelfen, da gebe es unzählige Möglichkeiten, aber gerade an den Landwirten bleibe alles hängen. Landesbäuerin Anneliese Göller rief die Berufskolleginnen dazu auf, sich nicht auseinanderdividieren zu lassen. „Wir müssen zusammen stehen“, sagte sie. Klar sei allerdings auch, dass viele Landwirte die freiwilligen Maßnahmen künftig nicht mehr mitmachen.

Zuvor hatte Karin Wolfrum den Berufsstand als vielseitig, innovativ und bestens ausgebildet beschrieben. „Wir begleiten die Natur, unterstützen und pflegen sie“, sagte die Kreisbäuerin. Die Landwirte müssten aber auch davon leben können. Immerhin würden im Landkreis Hof 50 Prozent der Familienbetriebe noch im Haupterwerb geführt. Hier würden Lebensmittel in bester Qualität erzeugt, leider meist nicht zum angemessenen Preis.

„Stargast“ des Landfrauentages war die Mental- und Persönlichkeitstrainerin Elke Pelz-Thaller, die selbst Bäuerin auf einem Aussiedlerhof in der Hallertau ist. Unter dem Motto „Eigheirat“ (Eigeheiratet) sprach sie in ihrem ehrlichen und humorvollen Vortrag ein brisantes Thema mit vielen Facetten und noch mehr Zündstoff an. Das mutige Thema stehe auch irgendwie für das Jahresthema der Landfrauenarbeit im BBV, die heuer unter dem Motto „Im Dialog bleiben“ steht. In der gewohnten Mischung aus Comedy, Lebens- und Überlebenstipps, charmanter Plauderei und persönlichen Erlebnissen zog die „Bäuerin mit Leib und Seele“ dabei wieder alle Register und hatte schon nach wenigen Sätzen die gesamten Zuhörerschaft auf ihrer Seite.

Das Fazit der Mentalbuerin lautete: Für ein gutes Miteinander ist zunächst ein Perspektivwechsel nötig. Notwendig sei es, sich in die vorhandenen Personen einzufühlen, ihren Standpunkt zu verstehen und Brücken zu bauen, statt einen Platz einzufordern: „Nicht der andere muss sich bewegen, damit es mir besser geht, sondern ich habe diesen Schritt zuerst zu machen“, so Elke Pelz-Thaller

Traditionell stellten sich beim Hofer Landfrauentag in der Köditzer Göstrahalle auch einige Persönlichkeiten den Zuhörerinnen vor. Dr. Henning Wendt beispielsweise, der aus Niedersachsen stammende neue Geschäftsführer und Stationstierarzt der Besamungsstation Wölsau bei Marktredwitz. Simone Baumann, gelernte Hauswirtschafterin aus Geroldsgrün im Landkreis Hof ist die neue Dorfhelferin des Maschinenrings Münchberg. Susanne Taubald ist ebenfalls beim Maschinenring Münchberg die neue Organisationskraft und der erst 25-jährige Patrick Heerdegen aus Marktschorgast im Landkreis Kulmbach der neue Geschäftsführer.

Der Landfrauentag wurde einmal mehr vom Hofer Landfrauenchor unter der Leitung von Helmut Lottes umrahmt. Der Chor wird heuer am 31. Mai mit einem großen Jubiläumskonzert mit vielen Gästen in Helmbrechts sein 30-jähriges Bestehen feiern.

Bilder:
1.
 Der Hofer Landfrauenchor unter der Leitung von Helmut Lottes feiert heuer sein 30-jähriges Bestehen.
2.
 Stellten sich beim Hofer Landfrauentag vor (von links): Dorfhelferin Simone Baumann, Landesbäuerin Anneliese Göller, Geschäftsführer Dr. Henning Wendt, Kreisbäuerin Karin Wolfrum, Maschinenring-Mitarbeiterin Susanne Taubald und Maschinenring-Geschäftsführer Patrick Heerdegen.
3. Mentaltrainerin und Bäuerin Elke Pelz-Thaller in der Köditzer Göstrahalle in Aktion.

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26.02.2019

Gesellschaftlicher Konsens als zentrale Herausforderung der Zukunft / Anton Dippold beim Bayreuther Bauerntag – Kritik am Ausgang des Volksbegehrens

Bayreuth. Die Sicherung von Arbeitsplätzen und eine stärkere Wertschöpfung vor Ort, das sind zwei der wichtigsten Ziele bayerischer Landwirtschaftspolitik. Anton Dippold, Leiter des Referats Bayerische Agrarpolitik im Landwirtschaftsministerium, hat diese Ziele den Besuchern des Bayreuther Bauerntags in der Tierzuchtklause vorgestellt. Bittner war dabei für den dienstlich kurzfristig verhinderten Amtschef des Landwirtschaftsministeriums Hubert Bittlmayer eingesprungen. Das Thema „Was kommt auf die Landwirte zu?“ ist allerdings das gleiche geblieben und es hätte nicht aktueller sein können, so Kreisobmann Karl Lappe.

Tatsächlich sprach Dippold einige Herausforderungen der Zukunft offen an. Eine davon sei der gesellschaftliche Konsens. Ihn zu erreichen werde schwer sein, sagte er. Gleichwohl dürfe man sich nichts vormachen, der Konsens sei wichtig. Als weitere Herausforderung bezeichnete er die veränderten Nahrungs- und Ernährungsgewohnheiten bei vielen Verbrauchern, die manches bisher gewohnte auf den Kopf stellen.

Zur gemeinsamen Agrarpolitik nach 2020 merkte der Ministerialrat an, dass eine Aufstockung der bisherigen Umverteilungsprämie für die ersten Hektare der bayerischen Struktur sehr entgegen käme. Deshalb kämpfe man im Freistaat aktuell dafür, diese Prämie von derzeit 46 Hektar weiter aufzustocken. Auch die Einführung einer Junglandwirteprämie begrüße Bayern, denn es sei längst nicht mehr selbstverständlich, dass stets ein Hofnachfolger bereit stehe.

Als wichtiges Ziel des Ministeriums bezeichnete Dippold den Ausbau der bayerischen Premiumstrategie und damit der Marle Bayern. „Wir wollen heimische Produkte vermarkten und damit noch mehr Wertschöpfung generieren“, sagte er. Aktionen und Projekte wie die Auszeichnung von Genussorten, die Klassifizierung „Ausgezeichnete Bayerische Küche“ aber auch das Setzen auf unternehmerische Vielfalt durch Einkommenskombinationen gehörten unabdingbar dazu.

Im Mittelpunkt der Ausführungen sämtlicher Redner stand einmal mehr das erfolgreiche Volksbegehren zum Artenschutz. „Das hat uns schwer getroffen“, bekannte Kreisobmann Lappe ganz offen. Viel zu kurz sei seiner Meinung nach bislang der Aspekt gekommen, dass Millionen an Fördergeldern leichtfertig verspielt werden, weil gesetzliche Vorgaben im Gegensatz zu freiwilligen Leistungen nicht mehr gefördert werden können. Ohne Pflanzenschutz werde es kaum noch blühende Rapsfelder geben, warnte Lappe.

Das Volksbegehren sei einfach zu kurz gedacht gewesen, so der Bayreuther Landrat Hermann Hübner. Er rief dazu auf, noch mehr miteinander zu sprechen und zeigte sich zuversichtlich, dass der Runde Tisch positive Ansätze bringt. Der Landrat erinnerte aber auch daran, dass die Bauern gerade in der jetzigen Zeit Perspektiven und Vertrauen bräuchten. Andernfalls sehe es düster aus. Hübner: „Wenn der letzte Bauer zugesperrt hat, wird unser Dorf nicht mehr das sein, das es einmal war.“ Die gleiche Auffassung vertrat auch die 3. Bürgermeisterin der Stadt Bayreuth Beate Kuhn: „Was wäre die Fränkische Schweiz noch wert, wenn es keine Bewirtschaftung durch die Bauern mehr gibt?“, wollte sie wissen.

Von einer ganz schlechten Stimmung vor allem bei den jungen Berufskollegen sprach der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif. Nicht nur das Volksbegehren, auch die geplanten Verschärfungen in der Düngemittelverordnung oder in der Anlagenverordnung hätten die Landwirte extrem verärgert. Er habe deshalb mittlerweile Angst vor einem weiteren massiven Abbau an Betrieben. Richtig Spaß mache dies zurzeit alles nicht mehr, ließ Greif seinem Ärger freien Lauf.

Bild: Kreisobmann Karl Lappe (links) und Kreisbäuerin Angelika Seyferth bedankten sich bei Anton Dippold vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium mit einem Präsentkorb aus der Genussregion.

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13.02.2019

Schwarzwild: Keine Trendwende in Sicht / Jäger im Landkreis konnten Abschusszahlen um ein Drittel steigern - Jagdgenossenschaften im BBV zogen Bilanz

Kulmbach. Die Schäden durch Schwarzwild im Landkreis Kulmbach werden einer aktuellen Erhebung zufolge auf weit über 300000 Euro beziffert. Diese Zahl hat Burkhard Hartmann (Lindau), Kreisvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im Bauernverband, genannt. Bei der Jahresversammlung in Kulmbach sprach Hartmann von exakt 1753 Wildschweinen, die im Jagdjahr 2017/2018 erlegt worden seien. Das sei fast ein Drittel mehr als im vergleichbaren Jahreszeitraum des Vorjahres.

Der Großteil der Schäden sei dabei nicht beglichen worden. Nur gut 41000 Euro seien amtlich bestätigt, das heißt durch einen Gutachter festgestellt worden. Rund 76000 Euro Schäden seien zwar nicht amtlich bestätigt, allerdings habe eine gütliche Einigung zwischen Jäger und Landwirt erzielt werden können. Auf den restlichen Schäden seien die Bauern sitzen geblieben.

Der Vorsitzende begrüßte die vor knapp eine Jahr in Kraft getretene Änderung des Jagdschutzgesetzes, nach der Schwarzwild ganzjährig bejagt werden darf. Lediglich führende Bachen seien zu schonen. Hintergrund für die Gesetzesänderung sei das massive Auftreten der Afrikanischen Schweinepest in einigen europäischen Ländern gewesen. Nach dem aktuellen Vorkommen in Belgien gehen Fachleute mittlerweile davon aus, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis auch in Deutschland der erste Fall auftritt. Trotz der Gesetzesänderung sei allerdings eine Trendwende bei der massiven Zunahme von Wildschweinen noch nicht in Sicht.

In Mittelpunkt der Jahresversammlung stand die Vorstellung des forstlichen Gutachtens zur Situation der Waldverjüngung 2018 im Landkreis durch Michael Schmidt, den neuen Bereichsleiter Forsten am Amt für Landwirtschaft in Kulmbach. Dieses sogenannte Wildverbissgutachten wird alle drei Jahre mit großem Aufwand neu erstellt, um einen Abschussplan festzulegen und die Situation der Waldverjüngung zu erfassen. Im Landkreis Kulmbach wurden dazu 226 Verjüngungsflächen mit über 17000 Pflanzen genauer unter die Lupe genommen.

Als ein Ergebnis hielt Schmidt fest, dass sich der Wald im Landkreis ähnlich wie in ganz Bayern auf einem guten Weg hin zu stabilen Mischwäldern befindet. „Wir können zuversichtlich in die Zukunft blicken, wenn die Abschusszahlen weiterhin so eingehalten werden“, sagte der Forstdirektor. Dennoch gibt es auch im Landkreis einige Probleme. In den beiden Hegegemeinschaften Roter Main und Trebgast hatte sich die Verbisssituation verschlechtert, dass die Abschussempfehlung nach oben geschraubt werden musste. Besonders in den 18 Revieren der Hegegemeinschaft Roter Main hätten die Pflanzen mit Verbissschäden den höchsten Wert im gesamten Landkreis. Schmidt gab dabei auch zu bedenken, dass bei einem Verbisswert von 50 Prozent jede Pflanze binnen drei Jahren theoretisch einmal angeknabbert wird.

Neben der Schwarzwildproblematik und dem Verbissgutachten beschäftigt die Jagdgenossenschaften derzeit auch das Bürokratiemonster Datenschutzgrundverordnung. Obwohl für Facebook, Google oder Amazon gedacht, müssten sich auch die Jagdgenossenschaften damit herumschlagen, so Harald Köppel, BBV-Geschäftsführer für Bayreuth, Kulmbach und Kronach. Entwarnung konnte er zumindest in einem Punkt geben: Da die Jagdgenossenschaften in der Regel zur Führung eines Jagdkatasters verpflichtet sind, ist keine extra Einwilligung für die vertraglich erfasste Datenverarbeitung erforderlich.

Allerdings müssten alle Jagdgenossenschaften künftig einen Datenschutzbeauftragten als Ansprechpartner für sämtliche datenschutzrechtlichen Fragen benennen. Er muss im Falle eines Falles beispielsweise darüber Auskunft geben, welche Daten wo und wie lange gespeichert sind. Der Vorstand selbst oder ein engeres Vorstandsmitglied dürfe dabei nicht gleichzeitig Datenschutzbeauftragter sein. Das werde schwierig, jemanden für dieses Amt zu finden, zumal einige Jagdgenossenschaften schon Schwierigkeiten hätten, überhaupt einen Vorstand zu finden. Köppel riet allen Beteiligten, das Thema Datenschutzgrundverordnung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Allerdings werde wohl nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird, zumal der BBV noch auch Erleichterungen für die Jagdgenossenschaften hofft. Beim Verband seien auch die entsprechenden Mustervorlagen erhältlich. Geschäftsführer Köppel: „Lediglich der Papierkrieg wird bei der ganzen Geschichte immer mehr.“

Bild: Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im BBV Burkhard Hartmann (links) bedankte sich beim neuen Bereichsleiter Forsten am Amt für Landwirtschaft in Kulmbach Michael Schmidt für die Vorstellung des Verbissgutachtens.

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05.02.2019

Mit Mut und Zuversicht in die Zukunft /
Scheßlitzer Bauerntag: Mit Optimismus gegen düstere Grundstimmung –
"Bayern blüht auf": Leo Göller aus Hirschaid geehrt

Scheßlitz, Lks. Bamberg. Dieser Gegensatz ist mit vernünftigen Argumenten nicht zu erklären: Das Interesse an den Landwirten ist deutlich gestiegen, sie werden als zweitwichtigste Berufsgruppe überhaupt wahrgenommen, der Landwirt ist also positiv besetzt. Und trotzdem: Das „System Landwirtschaft“ wird deutlich kritischer beurteilt, es wird nicht verstanden und die meisten Menschen haben keinen Kontakt mehr dazu.

Was also tun? Dieser Frage ging der Amtschef des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums Hubert Bittlmayer beim Bauerntag in Scheßlitz nach. Er kam zu dem Ergebnis, dass die Landwirte mit Stolz und Selbstbewusstsein nach außen auftreten und die Menschen aufklären sollten. Persönlich auf dem Hof mit dem Verbraucher, aber auch über die neuen Medien sollten die Landwirte mit Mut und Zuversicht in die Zukunft gehen. Dabei dürften sie nie vergessen, dass sie nicht nur ein ganz starker Wirtschafsfaktor, sondern auch das prägende Element des ländlichen Raumes sind. „Wir Bauern, wir sind das Gesicht Bayerns“, sagte Bittlmayer.

Zuvor hatte der Bamberger Kreisobmann Edgar Böhmer einen eher düsteren Blick in die Zukunft gewagt: „Die Anforderungen, die auf uns zukommen, sind eigentlich der Wahnsinn“, sagte er. Die gesamte Branche stehe vor unheimlichen Veränderungen. Wie sollten junge Leute da noch Planungssicherheit, geschweige denn eine Zukunftsperspektive finden? Scharf griff Böhmer den Umweltpopulismus an, der viele Verbraucher total verunsichere. Dabei werde die bayerische Kulturlandschaft maßgeblich von der Nutztierhaltung geprägt. Doch die Tierhalter fühlten sich im Stich gelassen.

Mit der Ehrung von Leo Göller aus Hirschaid gab es beim Scheßlitzer Bauerntag aber doch auch einen Lichtblick. Göller hatte beim Wettbewerb „Bayern blüht auf“ auf Landesebene den dritten Platz erzielt und bekam dafür aus den Händen von Landesbäuerin Anneliese Göller und von Oberfrankens BBV-Präsident Herman Greif eine Urkunde. „ Solche engagierte Blühbotschafter brauchen wir“, sagte die Landebäuerin.

Auch die Grußwortredner waren bemüht, Optimismus zu verbreiten. Ihr sei es ein Herzensanliegen, dass die Familienbetriebe Zukunft haben, sagte die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner. „Probleme sind lösbar“, so Landrat Johann Kalb, der an alle Beteiligten appellierte, sich nicht vom Dialog zu verabschieden. Landwirte sollten versuchen mit prägnanten Bildern und einprägsamen Schlagworten die Diskussion in der Öffentlichkeit zu beherrschen, meinte der Scheßlitzer Bürgermeister Roland Kauper und Georg Hollfelder, Landesvorsitzender der bayerischen Rinderzüchter stellte fest, dass es das Grundproblem der Gesellschaft ist, dass sie satt sei. Hollfelder: „Wer Hunger hat, der hat ein Problem. Wer satt ist, findet jeden Tag ein neues Problem.“

Bilder:
1. Der Bamberger Kreisobmann Edgard Böhmer (links) bedankte sich beim Amtschef des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums Hubert Bittlmayer mit einem Korb voller Spezialitäten aus dem Bamberger Land.
2. Für den dritten Platz beim Wettbewerb Bayern blüht auf“ wurde Leo Göller aus Hirschaid geehrt. Im Bild (von links): BBV-Geschäftsführer Werner Nützel, Kreisobmann Edgar Böhmer, Landesbäuerin Anneliese Göller, Pia und Leo Göller, Landrat Johann Kalb, Amtschef Hubert Bittlmayer und der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif.
      

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05.02.2019

Messen des Wissens mitten in der Ausbildung / Rekordverdächtige Teilnahme beim Berufswettbewerb der Landjugend

Bayreuth. Nein, nicht Konrad Adenauer ist der Kanzler der Wiedervereinigung, sondern Helmut Kohl. Die Mauer ist auch nicht 1990 gefallen, sondern bereits 1989. „Beim Allgemeinwissen könnte man sich grundsätzlich noch verbessern“, sagte Hauswirtschafterin Sabine Raupach von der Berufsschule III in Bayreuth. Sie gehörte zum Prüfungsteam im Land- und Hauswirtschaftlichen Berufswettbewerb der Landjugend, bei dem diesmal rekordverdächtige 53 angehende Landwirte und zehn angehende Hauswirtschafterinnen teilgenommen hatten.

Wenn auch beim Allgemeinwissen bei dem einen oder anderen etwas haperte, im fachlichen waren alle bestens vorbereitet. Hier ging es bei den Landwirten beispielsweise darum, Getreide und Sämereien zu unterscheiden, eine Düngeberechnung anzustellen, Kenntnisse im Pflanzenbau unter Beweis zu stellen, sowie Werkstoffe und Futtermittel zu bestimmen. Wenn diese fachlichen Fragen rundum gut gelöst worden seien, so habe es bei der praktischen Aufgabe trotzdem ein Problem gegeben, sagte Fritz Asen vom Amts für Landwirtschaft in Bayreuth, der ebenfalls dem Prüferteam angehörte. Bei der Konstruktion und beim Bau eines Flaschenöffners aus Metall, zu dem auch das ziemlich komplizierte Heraussägen einer Acht-Kant-Schraube gehörte, sei nämlich meist der Arbeitsschutz vergessen worden. Gerade der sei aber wichtig, so Asen. Er wusste auch von einigen Flaschenöffnern, die einfach nicht funktionieren wollten.

Unterm Strich habe der Leistungswettbewerb der Landjugend auf Kreisebene aber beeindruckende Ergebnisse gebracht und den hohen Ausbildungsstand der jungen Leute eindrucksvoll unter Beweis gestellt, sagte BBV-Kreisobmann Karl Lappe, Die angehenden Landwirte und Hauswirtschafterinnen rief er auf, den Berufsstand selbstbewusst nach außen zu vertreten. Es gebe allen Grund dazu.

Das Messen des Wissens mitten in der Ausbildung soll auch ein Stück weit Orientierung geben, so der Bayreuther Landrat Hermann Hübner, der allen Teilnehmer persönlich seine Anerkennung aussprach. Die Verbraucher seien kritischer geworden und wollten wissen, woher die erzeugten Lebensmittel kommen, so Hübner. Nicht zuletzt deshalb sei höchste Qualität in den Grünen Berufen so gefragt.

Die drei Erstplatzierten im Bereich Hauswirtschaft sind der Reihe nach: Kordelen Esmer aus Wunsiedel, Gastschülerin Johanna Gößwein aus Wolframs-Eschenbach und Anja Herold aus Weismain. Bei den Landwirten siegte Raphael Roth aus Kupferberg, zweite wurden mit gleicher Punktzahl Lukas Haberberger aus Pegnitz und Achim Leicht aus Heiligenstadt.

Bilder:
1. Zusammen mit Ehrengästen und Verbandsvertretern präsentierten sich die jeweiligen Erstplatzierten des Berufswettbewerbs der Landjugend zum offiziellen Siegerfoto.
2.
Beim Berufswettbewerb der Landjugend siegten im Bereich Hauswirtschaft (von links): Kordelen Esmer aus Wunsiedel, Johanna Gößwein aus Wolframs-Eschenbach und Anja Herold aus Weismain.

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02.02.2019

„Wer lacht, kann nicht aggressiv sein“ / Ordensschwester Teresa Zukic beim Bayreuther Landfrauentag – Erzeuger-Verbraucher-Dialog soll gestärkt werden

Bayreuth. Zu mehr Gelassenheit hat Schwester Teresa Zukic die Bayreuther Landfrauen aufgerufen. Bei ihrem Auftritt beim Bayreuther Landfrauentag in der Tierzuchtklause rief die TV-bekannte Ordensschwester von der Kleinen Kommunität der Geschwister Jesu aus Weisendorf bei Erlangen dazu auf, mehr zu lachen, jeden Tag bewusster zu genießen und vor allem sich selbst stets treu zu bleiben.

Wenn Schwester Teresa auftritt ist der Saal voll. Auch am Samstagnachmittag. Gerade in der Region, denn vom Landkreis Bayreuth aus, genauer gesagt von Pegnitz aus, startete Schwester Teresa in den 1990er Jahren ihren Siegeszug. Hier gründete sie 1994 die Kleine Kommunität und wurde nach einem Fernsehauftritt bei Margarethe Schreinemakers als Skateboard fahrende Nonne bekannt. Egal ob Beckmann, Lanz oder Pilawa, mittlerweile ist sie in jeder TV-Sendung aufgetreten, sogar als Sängerin bei „Immer wieder sonntags“, sie hat Bücher geschrieben, neun Musicals komponiert, eine eigene Kochshow auf YouTube und hält unermüdlich Vorträge.

So auch am Samstagnachmittag beim Landfrauentag in Bayreuth. „Jeder ist normal, bis du ihn kennst“, lautete ihr Thema und nach einer guten Stunde kam sie zu dem Schluss: „Wir müssen gar nicht normal sein, denn wir sind alle Originale, Originale Gottes“. Und so tut Schwester Teresa das, was man von einer Ordensschwester kaum erwartet hätte: sie erzählt ihre Lieblingswitze. „Lachen stärkt das Immunsystem und hat keine negativen Nebenwirkungen“, sagt sie. Wer lacht, der könne auch nicht aggressiv sein.

Überhaupt seien negative Gedanken ziemlich überflüssig. „Negative Gedanken führen zu negativen Gefühlen“. Dabei sei es das meiste gar nicht wert, dass man sich darüber aufregt. Wozu Zeit verschwenden. Worauf sollen wir warten, wenn dieser Tag vorbei ist, kommt er nie wieder, gab Schwester Teresa zu bedenken. Und auch, dass jeder Mensch so seine Schönheitsfehler habe, äußerlich wie innerlich. „Jeder ist irgendwie seltsam, so will es auch die Bibel vermitteln.“

Zuvor hatte sich Kreisbäuerin Angelika Seyferth dagegen verwahrt, dass die Landwirtschaft für alles und jedes als Sündenbock herhalten muss. „Ob Feinstaub oder Insektensterben: die Landwirtschaft ist doch nicht Versucher all dieser Probleme“, sagte sie. Ganz im Gegenteil: die Bauern wirkten mit ihrer Arbeit vielen Problemen massiv entgegen.

Jeder habe seinen Anteil am Insektensterben, so die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert. Sie  ging auch auf das Jahresthema der Landfrauen „Im Dialog bleiben“ ein. Der Dialog sei gefragt: In der Partnerschaft, in der Familie, zwischen den Generationen, in der Nachbarschaft, vor Ort im Dorf genauso wie in der Gesellschaft insgesamt. „Im Dialog zu bleiben, ist keine Einbahnstraße, sondern bedeutet zuhören und aufeinander eingehen.

Gerade der Erzeuger-Verbraucher-Dialog zwischen bäuerlichen Familien und der nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung komme meist zu kurz, so die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Ein echter Austausch finde viel zu wenig statt. Dabei sei es wichtiger als je zuvor, den Menschen aufzuzeigen, was durch die Pflege der Kulturlandschaft alles entstanden ist. „Wir brauchen eine Werbekampagne im positiven Sinn, und kein Volksbegehren“, so Brendel-Fischer.

Konventionelle und ökologisch wirtschaftende Betriebe sollten sich auf Augenhöhe begegnen, denn auch die konventionelle Landwirtschaft werde zunehmen ökologischer, sagte Christa Reinert-Heinz, Stellvertreterin des Landrats und Abteilungsleiterin beim Amt für Landwirtschaft in Bayreuth. Landfrauen zeigten Flagge und würden nicht müde, die vielfältigen Leistungen der Landwirtschaft immer wieder öffentlich darzustellen, so Bayreuths dritte Bürgermeisterin Dr. Beate Kuhn.

Zum Landfrauentag gehörten diesmal auch eine Präsentation der Stadt Pottenstein durch Bürgermeister Stefan Frühbeißer, eine Trachtenmodenschau und der Auftritt des Landfrauenchors unter der Leitung von Martina Schill.

Bilder:
- Die TV-bekannte Ordensschwester Teresa Zukic von der Kleinen Kommunität der Geschwister Jesu aus Weisendorf bei Erlangen bei ihrem Auftritt beim Bayreuther Landfrauentag.
- Kreisbäuerin Angelika Seyferth (links) und ihre Stellvertreterin Doris Schmidt (rechts) bedankten sich bei Schwester Teresa für ihren Vortrag beim Bayreuther Landfrauentag.

 

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02.02.2019

Otter bedroht Oberfrankens Teiche / Teichwirtschaft soll als immaterielles Kulturerbe anerkannt werden - Teichgenossenschaft ernannte Günther Denzler zum Ehrenmitglied

Himmelkron. Während die oberfränkischen Teichwirte die Kormoran- und Graureiher-Problematik einigermaßen im Griff haben, werden die Schäden durch Fischotter immer schlimmer. Bei der Mitgliederversammlung der Teichgenossenschaft Oberfranken in Himmelkron sprach der Vorsitzende Dr. Peter Thoma aus Thiersheim von einem „Riesendrama“.

Ein ganzer Teich, komplett vom Fischotter leergefressen, diese Erfahrung musste selbst der Vorsitzende jetzt machen. „Die Schäden sind unbeschreiblich“, sagte Thoma. Der Otter werde die komplette Fischerei ruinieren, wenn nicht schnellstmöglich Gegenmaßnahmen ergriffen werden, so Thoma, der das Raubtier auch als „Sargnagel der Fischerei“ bezeichnete.

Einigermaßen im Griff habe man dagegen die Kormoran-Problematik. Als Grund dafür nannte der Vorsitzende die Allgemeinverfügung zum Abschuss des Vogels. „Wir sind damit in der Lage uns zu wehren“, sagte Thoma. Gleiches gelte für den Graureiher, den die Teichwirte nach entsprechender Erlaubniserteilung mittlerweile ebenfalls schießen dürfen. Ein größeres Problem stelle dagegen der Silberreiher dar, bei dem die sogenannte Vergrämung nicht erlaubt ist.

Ein Ziel für die kommenden Monate ist die Anerkennung der Teichwirtschaft als immaterielles Kulturerbe der UNESCO. Eine solche Anerkennung wäre auch mit einem entsprechenden Schutzstatus verbunden, sagte Thoma. Als immaterielles Kulturerbe werden kulturelle Ausdrucksformen bezeichnet, die unmittelbar von menschlichem Wissen und Können getragen und die von Generation zu Generation weitervermittelt werden. Die flächengebundene Teichwirtschaft gehöre unbedingt dazu, so der Vorsitzende. Er appellierte an alle Teichwirte auch künftig, auf höchste Qualität zu achten, denn nur durch Qualität könne man sich von den Billigimporten aus östlichen Ländern abgrenzen.

Einen Einschnitt muss die oberfränkische Teichwirtschaft derzeit durch personelle Veränderungen an entscheidender Stelle hinnehmen. So wurde Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler nach 15 Jahren an der Spitze des Bezirks in den Ruhestand verabschiedet und zum Ehrenmitglied der Teichgenossenschaft ernannt. Der Bezirk ist traditionell sehr eng mit der Fischerei verbunden, weil bei ihm die entsprechende Fachberatung für Fischerei angesiedelt ist.

Denzler habe allen neuen Ideen der Teichwirte offen und kooperativ gegenübergestanden, Traditionen fortgeführt, aber auch neue Akzente gesetzt, sagte Hartmut Koschyk, früherer Bundestagsabgeordneter und Finanzstaatssekretär, aber auch früherer Vorsitzender der Teichgenossenschaft in seiner Laudatio. Denzler habe während seiner 15-jährigen Amtszeit vieles für die Teichwirtschaft und für die Fischerei in Oberfranken getan und sich damit hohe Verdienste erworben.

Ebenfalls in den Ruhestand verabschiedet wurde der langjährige Leiter des Referats Fischerei und Fischwirtschaft beim bayerischen Landwirtschaftsministerium, Dr. Franz Geldhauser. Der Fischereireferent habe für Oberfranken stets ein offenes Ohr gehabt, sagte der frühere Leiter der Fischereifachberatung Dr. Robert Klupp. Geldhauser habe die Teichbauprogramme im Regierungsbezirk ganz wesentlich mitgestaltet. „Dr. Franz Geldhauser hat der Fischerei den Stellenwert gegeben, den sie auch verdient“, so Klupp

Die dritte Persönlichkeit, die von der Teichgenossenschaft verabschiedet wurde, ist der langjährige Beirat Michael Lindenberger aus Heroldsbach im Landkreis Forchheim. Zum Nachfolger des 82-Jährigen wählten die Mitglieder Martin Heilmann, ebenfalls aus dem Landkreis Forchheim. Bei den turnusgemäßen Neuwahlen gab es keine Veränderungen. Dr. Peter Thoma wurde als Vorsitzender, Manfred Popp aus Benk und Karl-Peter Schlegel aus Wiesenttal als Stellvertreter und Otto Norbert Grußka aus Rödental jeweils einstimmig in ihren Ämtern für die kommenden vier Jahre bestätigt. 

Die Teichwirtschaft zu bewahren und zu fördern, das sei das Ziel, das den Bezirk und die Teichgenossenschaft verbinde, sagte der Direktor der Bezirksverwaltung Peter Meyer. Die hiesigen Teichwirte sollten künftig noch stärker herausstellen, dass in Oberfranken die besten Karpfen produziert werden, so der Forchheimer Landtagsabgeordnete Michael Hofmann. Von der traditionell großen Bedeutung der Teichwirtschaft sprach auch der Kulmbacher Landrat Klaus Peter Söllner. „Teichwirte sind es, die Tradition und Zukunft verbinden“, so Söllner.

Bild: Der bisherige Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler (Mitte) ist vom Vorsitzenden Dr. Peter Thoma (rechts) und früheren Vorsitzenden und ehemaligen Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk zum Ehrenmitglied der Teichgenossenschaft Oberfranken ernannt worden.

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01.02.2019

Mehr Effizienz, mehr Automatisierung und Revolutionen beim Pflanzenschutz / Hofer Lichtmessempfang des BBV: „Öffentlichkeitsarbeit 2.0“ und ein Blick in die Zukunft

Kleinlosnitz. Allen derzeitigen Widrigkeiten zum Trotz: die Bedeutung und die Verantwortung der Landwirtschaft als globaler Ernährer werden in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch deutlich zunehmen. Diese Auffassung vertritt Otto Körner, Leiter der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf. Beim Lichtmessempfang des BBV Hof im Oberfränkischen Bauernhofmuseum Kleinlosnitz wagte er einen Blick weit voraus bis in das Jahr 2050 gestützt auf Statistiken, Zahlen und Tabellen, an deren Ende eine wichtige Erkenntnis stand: „Wir können die Ernährung 2050 nur dann sicherstellen, wenn wir die Produktion steigern, Ackerbauflächen und Anbauerträge verdoppeln sowie Nahrungs-  und Verarbeitungsverluste reduzieren“.

Was bedeuten diese globalen Voraussagen für den Landwirt vor Ort? Otto Körner wagte auch hier eine Prognose, die nicht unbedingt positiv ist. Den typisch bäuerlichen Familienbetrieb werde es dann so nicht mehr geben. „Es wird nicht mehr ohne Fremdarbeitskräfte gehen“, sagte der Agraringenieur. Dazu müsse mehr Effizienz, etwa durch eine noch stärkere Automatisierung etwa durch eine wahre Revolution beim Pflanzenschutz kommen.

Zu den romantisierenden Erwartungen der Gesellschaft einer bäuerlichen, vielfältigen und kleinstrukturierten Landwirtschaft passe dies alles nicht, doch auch die gesellschaftlichen Tendenzen stimmten damit nicht überein. 80 Prozent der unter 30-jährigen würden im Jahr 2050 in den immer größer werdenden Städten leben. Dabei sei der urbane Ernährungskonsum, den meist Fast-Food-Ketten abdecken, schon heute von Schnelligkeit, Standardisierung, Einfachheit und ständiger Verfügbarkeit aus globaler Produktion geprägt. 

Ebenfalls in die Zukunft gerichtet war der Vortrag der beiden Hofer Junglandwirte Christian Findeiss und Andreas Wolfrum. Ihnen war es tatsächlich gelungen, mit ihrer Imagewerbung für die Landwirtschaft nicht nur in Fachkreisen einen gewissen Bekanntheitsgrad vor Ort zu erreichen. Unter dem Motto „Öffentlichkeitsarbeit 2.0“ zeigen sie auf Facebook, Instagram und YouTube wie Landwirtschaft von heute aussieht.

„Es wird immer schwieriger, die Menschen auf die Höfe zu bekommen, also müssen wir mit unseren Höfen zu den Menschen und das geht über die Social-Media-Kanäle“, sagte Andreas Wolfrum, der den Verbrauchern vor allem mit interessanten Videos einen Einblick in seine tägliche Arbeit gestattet. Auch Christian Findeiss, der auf seinem Hof unter anderem eine Milchtankstelle betreibt, geht es darum, aufzuklären, beispielsweise in dem er zeigt, wie viel Arbeit in einem Liter Milch steckt. „Trauen sie sich in die Öffentlichkeit und sprechen sie mit den Leuten, man kann letztlich nur gewinnen“, waren sich die beiden Junglandwirte einig. Die Welt könne man deswegen nicht retten, aber vielleicht doch ein Stückchen besser machen.

Zuvor hatte Kreisobmann Hermann Klug vom  größten Trockenjahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gesprochen, von der Diskussion um die geplanten Stromtrassen, die nach derzeitigem Stand wohl auch den Landkreis Hof tangieren würden, und von der Feinstaubdiskussion, an der plötzlich die Landwirtschaft schuld sein soll. Da kamen die aufmunternden Worte von Landrat Oliver Bär gerade recht. „Wenn es der Landwirtschaft gut geht, geht es auch dem Land gut“, sagte er. Die Landwirtschaft habe zwar breite Schultern, doch alles könne sie nicht aushalten. Zur Unterstützung der Landwirtschaft trage der Landkreis unter anderem durch sein Engagement für ein Grünes Zentrum in Münchberg bei. Dort sollen künftig die Kompetenzen von Amt, Schule, Bauernverband und Maschinenring unter einem Dach gebündelt werden.

Bild: Ihre „Öffentlichkeitsarbeit 2.0“ zu Gunsten der Landwirtschaft stellten die beiden Hofer Junglandwirten Christian Findeiss (rechts) und Andreas Wolfrum vor.

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29.01.2019

Faire Preise für fairen Handel / Bewerbung zur Öko-Modellregion Fränkische Schweiz auf den Weg gebracht

Bayreuth. Die Bewerbung für eine Öko-Modellregion Fränkische Schweiz (ÖMR) ist auf den Weg gebracht. Bei einem Treffen von Vertretern der  ÖMR-Lenkungsgruppe und der Landwirtschaft in Bayreuth haben sich alle beteiligten Akteure unter der Federführung der Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer zuversichtlich gezeigt, dass die Region genügend Alleinstellungsmerkmale besitzt, um als Öko-Modellregion anerkannt zu werden.

Ziel dieser Regionen ist neben der Förderung des ökologischen Landbaus und der regionalen landwirtschaftlichen Erzeugung auch die entsprechende Vermarktung von Lebensmitteln sowie die Bewusstseinsbildung für eine nachhaltige Entwicklung. Die Öko-Modellregion Fränkische Schweiz wäre die erste derartige Einrichtung in Oberfranken und zugleich eine von sechs neuen Öko-Modellregionen, die das Bayerische Landwirtschaftsministerium ab April/Mai festschreiben will. Damit verbunden ist auch eine Förderung auf zwei Jahre in Höhe von 150.000 Euro für eine Projektstelle, bei der die Fäden zusammenlaufen sollen.

Den Öko-Modellregionen liegt der Gedanke zugrunde, dass vor dem Hintergrund der großen globalen Konkurrenz regionale Lebensmittel zunehmend wertvoller werden. Durch die Modellregionen sollen ökologische Produkte aus der Region im ländlichen Raum deshalb einen höheren Stellenwert bekommen. Dabei geht es aber nicht nur um die Steigerung des Anteils an Bio-Produktion, sondern auch um regionale Identität, um wertschätzenden Umgang mit der Natur. Tätigkeitsschwerpunkte der Öko-Modellregionen sind unter anderem die Stärkung des ländlichen Raumes und die Identifikation von Perspektiven für die bäuerliche Landwirtschaft, die Steigerung des Bioanteils in der Gastronomie und die Einbindung in das touristische Angebot sowie die Bewusstseinsbildung für regionale, transparente Kreisläufe.

„In Begleitung des Teams der ILE und der Beratungsangebote des Landwirtschaftsministeriums haben die Initiatoren ein schlüssiges Konzept entworfen und werden damit die Bewerbungshürden gut überspringen“, sagte Brendel-Fischer. Der Bewerbung zugrunde liegt eine Initiative innerhalb des Gemeindeverbundes der Integrierten Ländlichen Entwicklung „Wirtschaftsband A9 Fränkische Schweiz“ in Kooperation mit der ILE Fränkische Schweiz AKTIV.  „Wir wollen das Bewusstsein nicht nun bei den Erzeugern optimieren, sondern vor alle auch bei den Verbrauchern“, sagte Brendel-Fischer. Fairer Handel soll dabei nicht nur mit Erzeugern aus anderen Kontinenten, sondern auch und vor allem aus der näheren Umgebung betrieben werden. „Wir wollen auch ein Bewusstsein für faire Preise schaffen“, so die Abgeordnete. Schließlich würden vor Ort qualitativ hochwertigste Lebensmittel erzeugt.

Die Initiative richte sich ausdrücklich nicht gegen jemanden, alle sollten davon profitieren, so Dieter Hoch, früherer Lehrer und Stadtrat von Pottenstein sowie einer der Motoren der geplanten Öko-Modellregion. Er sei zuversichtlich, dass es gemeinsam vorangeht, sagte Michael Breitenfelder, ILE-Manager des Wirtschaftsbandes A9 Fränkische Schweiz, der die Bewerbung für die Öko-Modellregion vorstellte.

So soll zum Beispiel ein ökologisches Getreidelager entstehen, um Landwirten die Umstellung auf den ökologischen Landbau zu erleichtern. Auch die Zusammenarbeit regionaler Erzeuger und Vermarkter mit Großküchen, Kantinen und Versorgungseinrichtungen soll angestrebt werden, um regionale Strukturen zu stärken. Ein bereits existierendes Alleinstellungsmerkmal ist das Projekt „100 Hektar Silphie“. Dabei geht es um den Anbau der ausdauernden und mehrjährigen Pflanze mit dem Namen Silphie-Becherpflanze, die aufgrund ihrer großen Biomasseproduktion als Energiepflanze und damit als idealer Ersatz für Mais angebaut werden kann.

Miteinbezogen werden sollen in die weiteren Überlegungen auch Schäfer und Waldbauern, Jäger und Imker aber auch Vertreter von Bildungsträgern, Ämtern und Verbänden.

Bild: Machen sich für die Öko-Modellregion Fränkische Schweiz stark: „Motor“ Dieter Hoch und die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer

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15.01.2019

Dialoge nicht ins Digitale verlagern /
Klinikseelsorger Josef Epp beim Pegnitzer Landfrauentag

Pegnitz. Dialoge sind heute weitgehend ins Digitale verlagert, echte Zwiegespräche bleiben auf der Strecke. Das hat Josef Epp, Klinikseelsorger und Religionslehrer aus dem Allgäu beim Pegnitzer Landfrauentag am Dienstagnachmittag im ASV-Sportheim bedauert. Er rief dazu auf, wieder zu echter Kommunikation zurückzukehren, denn „wir brauchen den Dialog, wenn es um unsere Zukunft geht“.

„Im Dialog bleiben“ lautet das Jahresmotto der Landfrauenarbeit im Bauernverband. Es sei wichtig, miteinander zu reden und sich auszutauschen, sagte Kreisbäuerin Angelika Seyferth. Gerade auf den Bauernhöfen, wo oft noch mehrere Generationen unter einem Dach leben. Im Dialog sollte man als Landwirt aber auch mit den Verbrauchern bleiben und immer wieder die eigene Arbeit darstellen, von der viele Menschen in den Städten überhaupt keine Ahnung mehr haben. „Klären sie auf, wenn es beispielsweise darum geht, die Leistungen der Landwirtschaft für den Naturschutz herauszustellen“, sagte Seyferth.

Zuvor hatte die Kreisbäuerin eine gemischte Bilanz über das zurückliegende Jahr gezogen. Die Erntebedingungen seien gut, die Ernte selbst sei aber schlecht gewesen, sagte sie. Aktuell würden viele Berufskollegen in Südbayern unter den großen Schneemassen leiden. Von Skifahrern und Ausflüglern werde immer wieder berichtet, von den Bauern, zu denen kein Milchwagen mehr durchkommt, sei in der Öffentlichkeit kaum die Rede. „Auf solche Wetterkapriolen müssen wir uns wohl in Zukunft noch mehr einstellen“, so Seyferth.

Im Dialog bleiben setze voraus, dass man sich überhaupt im Dialog befinde, sagte Referent Josef Epp, der auch durch seine Buchveröffentlichungen bekannt geworden war. Er bezweifelte das. Immer weniger seien Menschen bereit, sich zu öffnen und anderen wirklich mitzuteilen. Viele Entscheidungen seien von Egoismus geprägt, der Konsens gehe verloren, die Gesellschaft drifte auseinander.

Doch wer keinen Dialog mehr führt, der verweigere sich auch dem sozialen Umfeld. Gerade auf den Dörfern mache sich dies schon bemerkbar, wenn beispielsweise Vereine keine Vorstände mehr finden. „Jeder macht sein Ding, das Miteinander bleibt auf der Strecke.“ Josef Epp rief deshalb dazu auf, wieder zum Dialog zurückzukehren, eigene Positionen zu vertreten, aber nicht ohne dem Gegenüber offen, aufmerksam und mit entsprechender Wertschätzung zu begegnen. Dialog benötige Zeit, Dialog benötige Humor, dann könnte nicht nur wieder ein Miteinander der Generationen möglich sein, sondern auch ein Konsens bei wichtigen Fragen innerhalb der Gesellschaft.

Für die großartige und ehrenamtliche Arbeit der Landfrauen bedankten sich in ihren Grußworten unter anderem Landrat Hermann Hübner, Bürgermeister Uwe Raab, Christa Reinert-Heinz vom Amt für Landwirtschaft und die stellvertretende oberfränkische Bezirksbäuerin Beate Opel aus dem Landkreis Kulmbach. Landrat Hübner merkte positiv an, dass heimische Produkte wieder hoch im Kurs stünden und der Verbraucher meist auch bereit sei, den Preis dafür zu bezahlen. Bürgermeister Raab appellierte an die Landwirtschaft, immer wieder den Dialog mit der Gesellschaft zu führen und so zu einem konstruktiven Miteinander zu kommen.

Umrahmt wurde der Pegnitzer Landfrauentag einmal mehr mit den Liedern des Bayreuther Landfrauenchors unter der Leitung von Martina Schill. Neben einer Trachtenmodenschau gab es auch eine Präsentation des Marktes Weidenberg durch die 3. Bürgermeisterin und frühere stellvertretende Bayreuther Kreisbäuerin Martina Meyer-Gollwitzer.

Bilder:
1.
       Der Bayreuther Landfrauenchor unter der Leitung von Martina Schill eröffnete den Landfrauentag im ASV-Sportheim.
2.
       Die stellvertretende Kreisbäuerin Doris Schmidt (rechts) und Kreisbäuerin Angelika Seyferth bedankten sich beim Referenten Josef Epp, der eigens aus dem Allgäu zum Pegnitzer Landfrauentag angereist war.

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29.11.2018

Bewusstsein für Wald und Holz schaffen/ Neue Infotafel soll auf vielfältige Leistungen der Waldbauern aufmerksam machen

Scheßlitz, Lks. Bamberg. „Holz ist in, auf den Zug sollten wir aufspringen.“ Eva Kaube von Pro-Holz-Bayern bringt es auf den Punkt, was die Waldbauern derzeit antreibt. Sie wollen darauf aufmerksam machen, wie bedeutsam die Waldbewirtschaftung ist. Im Scheßlitzer Stadtwald im Landkreis Bamberg geschieht dies mit einer großformatigen Tafel entlang eines beliebten Wanderweges. „In wenigen Worten wollen wir hier den Menschen klar machen, dass Holznutzung eine gute Tat für den Wald ist“, so Forstdirektor Michael Kreppel vom Amt für Landwirtschaft in Bamberg.

Auch wenn es abgedroschen klingt: „Nur wenn wir die Wälder nützen, schützen wir sie auch“, sagte Angelika Morgenroth, die Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Bamberg bei der Enthüllung der Informationstafel im Scheßlitzer Stadtwald. Die Tafel soll deshalb ganz besonders auf die großen Leistungen der Forstwirtschaft aufmerksam machen.

Holznutzung sei doch nichts falsches, wehrte sich Forstdirektor Kreppel gegen entsprechende Vorwürfe, wie sie manchmal von Teilen der Gesellschaft zu hören sind. Nur die Nutzung von Holz binde auch das Kohlendioxid. Die Tafel soll deshalb auch die vielfältigen Funktionen des Waldes in den Mittelpunkt stellen: Natur-, Wasser- und Artenschutz, aber auch die Erholungsfunktion für die Bevölkerung und eben auch die Einkommensfunktion für die Waldbauern.

Ganz wichtig werde es in Zukunft sein, bei Menschen außerhalb der Branche ein Bewusstsein für Wald und Holz zu schaffen, sagte Geschäftsführerin Eva Veit von Pro-Holz-Bayern. Sie erinnerte auch daran, dass die Forstwirtschaft nicht nur äußerst nachhaltig arbeitet, sondern auch sehr langlebig ist: „Was wir jetzt angehen, wird in 100 Jahren geerntet.“

Der örtliche Landtagsabgeordnete Holger Dremel (CSU) warb dafür, Wald und Holz schon im Kindesalter erlebbar zu machen. „Ein schöner Wald muss auch gepflegt werden, damit es ein schöner Wald bleibt“, sagte Bürgermeister Roland Kauper. Seine Stadt ist nicht nur die größte Kommune im Landkreis Bamberg sondern auch eine Gemeinde mit einem überaus großem Waldanteil. Allein der Stadtwald umfasst rund 400 Hektar.

Bei dem Termin zur Enthüllung der Informationstafel wurde auch immer wieder darauf angesprochen, dass 2018 ein Katastrophenjahr für den Wald mit langfristigen Auswirkungen sein wird. „Durch den Käfer und durch den Klimawandel werden wir in den kommenden Jahren viele Wälder verlieren“, sagte Geschäftsführer Patrick Hammerschmidt von der WBV Bamberg. „Wir steuern auf ein Waldsterben 2.0 hin“, so die Vorsitzende Angelika Morgenroth. Sie sprach von bundesweit 80000 Hektar Wald, die allein wegen der Trockenheit aktuell wieder aufgeforstet werden müssen.

Die Waldbesitzervereinigung Bamberg betreut im nordöstlichen Landkreis Bamberg rund 11500 Hektar Wald. Die Selbsthilfeorganisation hat circa 2350 Mitglieder. Im Waldkompetenzzentrum am Neumarkt in Scheßlitz sind neben dem Bereich Forsten des Amtes für Landwirtschaft, der Waldbesitzervereinigung Bamberg, der Revierverwaltung der Bayerischen Staatsforsten auch die Forstwirtschaftliche Vereinigung Oberfranken (FVO) und seit Juli der Bayerische Waldbesitzerverband mit einer Außenstelle unter einem Dach vertreten.

Bild: Kaum zu übersehen ist diese neue Infotafel im Stadtwald von Scheßlitz. Im Bild von links:  FVO-Geschäftsführer Jörg Ermert, Iris Götting-Henneberg vom Bayerischen Waldbesitzerverband, Ingrid Palecek von der WBV, Revierleiter Matthias Ott, WBV-Geschäftsführer Patrick Hammerschmidt, WBV-Vorsitzende Angelika Morgenroth, MdL Holger Dremel, Eva Veit von Pro Holz, der forstliche Berater Hans-Peter Schreier, Bürgermeister Roland Kauper und Forstdirektor Michael Kreppel.

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03.11.2018

Monströse Maschinen und grazile Girls / Landjugend im Lokschuppen: Kalendergirlparty im Deutschen Dampflokomotivmuseum

Neuenmarkt, Lks. Kulmbach. Super Stimmung, eine perfekte Location und jede Menge sexy Mädels: nicht nur der Jungbauernkalender ist längst Kult, auch die dazugehörige „Kalendergirl-Party“. Diesmal fand sie im Deutschen Dampflokomotivmuseum (DDM) im Neuenmarkt statt. Rund 1500 Landjugendliche aus ganz Bayern fanden den Weg nach Oberfranken.

Schlanke Models und schwere Dampfrösser, grazile Girls und monströse Maschinen: die Heldinnen der Landwirtschaft hatten hier einen grandiosen Auftritt, live und in Lebensgröße, als wären sie gerade dem Kalenderblatt entstiegen. Dabei machten sie nicht nur auf den Bildern des Salzburger Fotografen Christian Maislinger eine ausgesprochen gute Figur. Sie alle haben auch einen landwirtschaftlichen Bezug: Vermessungstechnikerin Erika (28) aus Unterfranken, Fahrzeuginnenausstatterin Julia (20) aus der Oberpfalz, Agrarmanagementstudentin Sina (25) aus Schwaben, Hauswirtschafterin Theresa (22) aus Oberbayern, die tiermedizinische Fachangestellte Barbara (21) aus dem Allgäu und Physiotherapeutin Stefanie (27), ebenfalls aus der Oberpfalz. Sie alle waren sich einig und wurden nicht müde zu immer wieder zu betonen: „So vielfältig und abwechslungsreich wir die Landwirtschaft ist kein anderer Beruf.“

Beim Landjugend Bezirksverband Oberfranken freute man sich besonders, dass es die Kalendergirlparty als erste ehrenamtliche Großveranstaltung in dieser Dimension ins DDM geschafft hatte. „Wir möchten nicht nur den Kalender feiern und die Models präsentieren, sondern auch eine Lanze für die Landwirtschaft brechen“, sagte Bezirksvorsitzender Max Raimund von der Landjugend Schreez.  

Im Mittelpunkt stand natürlich der spektakuläre Kalender der Jungbauernschaft, der spätestens seit der Party die eine oder andere Stalltür schmücken wird. Auf jedem der zwölf Bilder wurden die sechs Mädels künstlerisch und höchst professionell in Szene gesetzt. Im riesigen Lokschuppen von Neuenmarkt spielte die Coverband „Blechhulza“ aus der Fränkischen Schweiz mit Sängerin Jasmin, angeheizt wurde die Stimmung durch die Cheerleadergruppe aus Kulmbach und durch Moderator Christian Höreth vom Lokalsender Radio Mainwelle.

Am Rande stellt der Landjugend-Bezirksverband erstmals seine neue Landjugend-App vor. Sie soll ein ganz neues Werkzeug der Jugendarbeit sein, alle Ortsgruppen in Bayern vernetzen und noch im Herbst allen Usern zur Verfügung gestellt werden, so Michael Kießling vom Arbeitskreis Jugend- und Gesellschaftspolitik. Allein in Oberfranken gibt es 35 Ortsgruppen.

Außerdem kündigten die Verantwortlichen das neue Großprojekt 2019 mit dem Titel „HeimatWurzeln“ an. Dabei sollen zum 70. Geburtstag der Landjugend und zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes 70 Obstbäume in ganz Oberfranken gepflanzt werden. An jedem Baum soll ein graviertes Blechschild mit einem Artikel des Grundgesetzes angebracht werden.

„Wir sind die, die draußen auf dem Dorf dafür sorgen, dass was los ist“, sagte Kießling. In Neuenmarkt hat die Landjugend einmal mehr gezeigt, was sie alles kann: eine Super-Party ehrenamtlich organisieren, der Landwirtschaft ein jugendliches, modernes Image verpassen und dabei auch noch erotisch rüberkommen. „Das schafft nur die Landjugend“, so Kießling.

Bilder:
1.
  Machen auch in Tracht eine gute Figur; die Kalendergirls des Jahres 2018.
2.
 September-Girl Julia.
3. Januar-Girl Sina..
3.
 April-Girl Teresa.

unten:.
 
o.l.:
 Wo sonst schwere Maschinen eingeheizt werden, heizten die sechs Kalendergirls der 2018er Edition ein.
o.r.:
 Die Cover-Band Blechhulza aus der Fränkischen Schweiz mit Sängerin Jasmin.
u.l.:
 Cheerleaders aus Kulmbach und Moderator Christian Höreth sorgten im DDM für Stimmung.
u.r.:
 Landjugend im Lokschuppen: das Dampflokomotivmuseum hatte Platz für 1500 Partygäste.


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19.10.2018

Extreme werden extremer / Forum „Waldkontroversen“ an der Universität Bayreuth zeichnet düsteres Bild von den Auswirkungen des Klimawandels

Bayreuth. Eines steht fest: der Wald wird ein anderer werden. Die Veränderungen in unseren Wäldern scheinen vor dem Hintergrund des Klimawandels auch wirklich das einzige Beständige zu sein. Dieses Bild zeichnete das 2. Forum „Waldkontroversen“, das die Campus-Akademie für Weiterbildung, das Bayreuther Zentrum für Ökologie und Umweltforschung und der Ökologisch-Botanische Garten an der Universität Bayreuth veranstaltet haben.

Konkrete Ergebnisse, wie der Wald der Zukunft mit dem Klimawandel zurechtkommen könne,  stellte Christian Ammer (links), Professor für Waldbau und Waldökologie an der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Georg-August-Universität Göttingen den rund 120 Vertretern der Staatlichen Forstverwaltung, des Privatwaldes, der Jagd und des Naturschutzes vor. Je unterschiedlich die Baumarten und ihre Ansprüche sind, umso eher sind positive Effekte zu erwarten, das heißt, umso besser können die Bäume trockene Phasen tolerieren. Die Begründung von Mischbeständen bezeichnete der Waldprofessor als eine Option, um den Klimawandel zumindest etwas abzufedern. Ammer nannte dabei die Große Küstentanne, die Schwarzkiefer, die Douglasie und die Roteiche als zu empfehlende Arten, für die einiges spreche.

Was die Bestandsbehandlung angeht, so setzt der Fachmann auf Durchforstung. Je stärker durchforstet wird, umso mehr Wasser komme in den Boden. Ammer sprach von kräftigen, aber nicht zu starken Durchforstungen, die das Trockenstressrisiko gerade in Fichtenbeständen wirkungsvoll begrenzen könnten. Er stellte aber auch klar, dass die genannten Optionen die Symptome des Klimawandels lediglich lindern, die Ursachen aber nicht bekämpfen können. „Hier sind wir vielmehr in unserer Rolle als Konsumenten gefordert“, so Ammer.

Der Klimawandel ist längst im Gange, das stellte einmal mehr Johannes Lüers (links) von der Abteilung Mikrometeorologie an der Universität Bayreuth klar. Alle Messreihen zeigten seit Mitte der 1980er Jahre einen Knick nach oben, auch in Oberfranken. Seit Beginn der 1980er Jahre gebe es immer mehr heißte Tage und immer weniger kalte Tage, Oberfranken werde wärmer, und zwar zu allen Jahreszeiten. Dazu kommt es nach den Worten des Wissenschaftlers, dass Starkregenereignisse sowohl an Häufigkeit, als auch an Intensität zunehmen und dass es schon lange keinen einzigen Monat mehr mit Dauerfrost gegeben hat.

Das wiederum führe zu neuen Schädlingen und Baumkrankheiten, so Ralf Petercord (links) von der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft. Insekten reagierten etwa durch eine schnellere Generationenfolge, durch ein erhöhtes Vermehrungspotenzial, durch eine Zunahme der Aggressivität und durch die Änderung der Verbreitungsgebiete auf den Klimawandel. „Es gibt keine Baumart ohne Risiko“, sagte Petercord. Klare Gewinner des Klimawandels seien schon jetzt der Eichenprozessionsspinner oder etwa der Schwammspinner.

Sogenannte Jahrhundertsommer kämen jetzt schon alle drei bis fünf Jahre, zeichnete Petercord ein düsteres Bild. „Extreme werden extremer“, sagte er. Für den Wissenschaftler stand deshalb auch fest: „Wir werden die Fichte über kurz oder lang auf einer ganz großen Fläche verlieren.“

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08.10.2018

Engagiert, modern und aktiv / Landesbäuerin Anneliese Göller über 70 Jahre Landfrauen - Erntedank in Höchstädt im Fichtelgebirge

Höchstädt im Fichtelgebirge, Lks. Wunsiedel. Zusammen mit Landesbäuerin Anneliese Göller hat der BBV-Kreisverband Wunsiedel in der Peter-und-Paul-Kirche von Höchstädt im Fichtelgebirge Erntedank gefeiert. Im Mittelpunkt stand dabei die „Frauenpower vom Land“, wie es Göller formulierte. Göller, die auch oberfränkische Bezirksbäuerin und Bamberger Kreisbäuerin ist, sprach zum Jubiläum 70 Jahre Landfrauen im Bauernverband, während der Posaunenchor Höchstädt-Thierstein und der Landfrauenchor „Sechsämtermoila“ die passende musikalische Umrahmung in der prächtig geschmückten Kirche beisteuerten.

Zuvor hatte Pfarrer Knut Meinel aus Thierstein dazu aufgerufen, auch in Zeiten leerer Scheunen, staubtrockener Felder und Verlusten von rund 30 Prozent im Landkreis das Danken nicht zu vergessen. „Uns geht es gut in diesem Land“, sagte der Geistliche. Mit Blick auf das Landfrauenjubiläum sagte Meinel: „70 Jahre Landfrauen bedeutet auch 70 Jahre des Wohlstandes“.

Doch nicht nur das: 70 Jahre Wachstum und Fortentwicklung seien auch 70 Jahre Frieden, so Kreisobmann Harald Fischer. Das sei keine Selbstverständlichkeit, genauso wie die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln gerade in einem Jahr wie diesem. „Wir sind dankbar für die Ernte, die wir trotz der Trockenheit einfahren durften“, so Fischer. Immer wieder sollte man die Menschen daran erinnern, dass die gefüllten Regale in den Lebensmittelmärkten das Ergebnis bäuerlichen Wirtschaftens sind.

Vernetzung und Dialog, Bildung und Kultur, soziale Anliegen und ein stetiges Miteinander, dafür stünden seit Jahrzehnten die Landfrauen, sagte Anneliese Göller. Vieles habe man für Frauen im ländlichen Raum erreicht. Heute sei es allerdings wichtiger denn je zuvor, mit den Verbrauchern in den Dialog zu treten und sich für ein lebenswertes Leben auf dem Land einzusetzen. Eine aktive Bildungsarbeit gehört zwangsläufig dazu, ebenso wie Veranstaltungsangebote wie der Kindertag auf Bauernhöfen. „Kinder sollen den Weg der Lebensmittel von der Erzeugung bis zum Verzehr kennen und schätzen lernen“, sagte Göller. Deshalb sei es wichtiges Anliegen, das Wissen der Landfrauen an die junge Generation weiterzugeben.

„Engagiert, modern, aktiv, so sind wir“, sagte die Landesbäuerin und berichtete von 70 Landfrauenchören mit rund 1500 Sängerinnen, von circa 26000 ehrenamtlichen Kräften auf Orts-, Kreis- und Bezirksebene. Jüngstes Projekt der Landfrauenarbeit sei die vom Bundesentwicklungsministerium finanzierte Zusammenarbeit mit den Bäuerinnen in Kenia. In Afrika gehe es darum, dortige Milchviehhaltung durch Seminare für die Kälberaufzucht voranzubringen und die Bäuerinnen beim Aufbau von Selbsthilfeorganisationen zu unterstützen. 75 Prozent der Arbeit auf dem Land werde dort von Frauen geleistet, doch sie hätten bislang keine Stimme.

Bilder:
1.
 Kreisobmann Harald Fischer, Kreisbäuerin Karin Reichel und ihre Stellvertreterin Christine Medick bedankten sich bei Landesbäuerin Anneliese Göller für ihre Ansprache zum Kreiserntedank in Wunsiedel.
2.
 In der Peter-und-Paul-Kirche von Höchstädt im Fichtelgebirge hat der BBV Kreisverband Wunsiedel sein Erntedankfest gefeiert.
3. Die Bamberger Kreisbäuerin, oberfränkische Bezirksbäuerin und bayerische Landesbäuerin Anneliese Göller war die Festrednerin in der prächtig geschmückten Kirche von Höchstädt im Fichtelgebirge.

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07.10.2018

EU-Agrarpolitik nach 2020: Furcht vor noch mehr Bürokratie / Matthias Borst beim Königsfelder Jurabauerntag – Ernteeinbußen bei rund 30 Prozent im Bamberger Land

Königsfeld. Konditionalität statt Cross Compliance und Greening: Einen Ausblick auf die EU-Agrarpolitik nach 2020 hat der stellvertretende BBV-Generalsekretär Matthias Borst beim Königsfelder Jurabauerntag gewagt. Vieles soll anders werden, nicht unbedingt alles besser, das wurde dabei schnell deutlich.

Tatsächlich wird es die Begriffe Greening und Cross Compliance nicht mehr geben. „Die Inhalte werden aber bleiben“, nahm Borst den Bauern alle Illusionen. Der neue Namen Konditionalität stehe dabei für Bedingungen, die bei den Direktzahlungen als Bezugspunkte gelten sollen. Eine Basisprämie werde es nach wie vor geben, dazu einen Junglandwirtezuschlag und eine Umverteilungsprämie für die ersten Hektare, um bäuerliche Strukturen stärker zu fördern. Dazu soll außerdem eine Nachhaltigkeitsprämie kommen.

„Die Frage wird sein: Ist das alles Praxistauglich umsetzbar und wie sehen die Kontrollen aus“, sagte der Generalsekretär. Er befürchtete außerdem mehr Verwaltungs- und Kontrollbürokratie. Nicht ausgehebelt werden dürften dabei die ohnehin bestehenden Kulturlandschafts- und Vertragsnaturschutzprogramme. Auch ein Ausschluss von Nebenerwerbslandwirten und Einkommenkombinierern stehe zu befürchten.

Bis das Ganze allerdings spruchreif wird, kann es noch dauern. Die Diskussionen auf europäischer Ebene seien nicht einfach, sagte Borst. Dazu komme der schwierige Zeitplan bedingt durch die Brexit-Verhandlungen und die Europa-Wahl 2019. Der Referent ging deshalb davon aus, dass bis zum Jahr 2022 erst einmal Übergangsregelungen gelten werden.

Neben der fachlichen Information stand beim Königsfelder Jurabauerntag auch die Erntedankfeier im Mittelpunkt. Nach dem Gottesdienst, den der Ortsgeistliche Michael Herrmann in der St.-Jakobus-Kirche zelebriert hatte, wurde die Erntekrone an der Spitze eines Festzuges zu den Klängen der Aufseßtaler Blaskapelle in den Schleuppner-Saal getragen.

Dort erinnerte Kreisobmann Edgar Böhmer an eine Zeit, in der eine gute Ernte noch überlebenswichtig war. Trotz der Trockenheit heuer und trotz der Ernteausfälle von durchschnittlich rund 30 Prozent im Bamberger Land könne seien die Bauern froh und dankbar, dass sie überhaupt eine Ernte einbringen konnten. Andernorts seien die Ausfälle noch viel schlimmer.

Auch Bürgermeisterin Gisela Hofmann vertrat die Ansicht, dass Dankbarkeit am Ende von allem stehen sollte, auch wenn es für die Landwirte nach dieser langen Trockenperiode schwer falle. Viele Betriebe seien am Rande der Existenz, hoffentlich nicht darüber hinaus. „Ein weiteres Leugnen der selbstgemachten Klimakatastrophe werden der Menschheit nichts nützen“, fand die Bürgermeisterin ernste Worte.

Hoffnungsvoll blickten Melanie Huml, bayerische Gesundheitsministerin und Bamberger Abgeordnete, sowie Landrat Johann Kalb in die Zukunft. „Ländlicher Raum ist für mich Lebensraum“, sagte Huml. Es gäbe die wunderbare Kulturlandschaft nicht, wenn die Bauern nicht so unwahrscheinlich verantwortungsvoll mit der Natur umgegangen wären. Landrat Kalb erinnerte daran, dass die vielzitierte Genussregion Oberfranken kein Selbstläufer ist. „Ohne Bauern auch keine Genussregion. Landwirtschaft und Genuss, das gehöre einfach zusammen.“

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 Mit einem Festzug von der Pfarrkirche St.-Jakobus zum Jurabauerntag im Schleuppner-Saal wurde in Königsfeld Erntedank gefeiert.
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 Einen Geschenkkorb mit Produkten aus dem Bamberger Land überreichte Kreisobmann Edgar Böhmer (links) dem stellvertretenden BBV-Generalsekretär Matthias Borst.

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30.09.2018

Landwirtschaft ist der Problemlöser der Zukunft / Forchheimer Kreiserntedank lockte viele tausend Besucher nach Muggendorf

Muggendorf, Lks. Forchheim. Das Forchheimer Kreiserntedankfest im Wiesenttaler Ortsteil Muggendorf ist traditionell eines der größten in Oberfranken. Doch diesmal konnte sich keiner der Beteiligten daran erinnern, dass jemals zuvor so viele Besucher ins Herz der Fränkischen Schweiz gekommen waren. Viele tausend Besucher säumten bei prächtigem Herbstwetter die Straßen von Muggendorf um den Erntedankfestzug mit vielen hundert Mitwirkenden, mehreren aufwändig geschmückten Wagen, Blaskapellen, Tanzgruppen, Landfrauen und sogar Böllerschützen zu verfolgen. Zu den Mitwirkenden gehörten unter anderem auch die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert, die Landtagsabgeordneten Michael Hofmann und Thorsten Glauber, „gekrönte Häupter“, wie die Fränkische Kirschkönigin Sandra Grau, die Spargelkönigin Theresa Bub, die Forchheimer Bierkönigin Miriam Leiner und mehrere Weinprinzessinen, genauso wie Vertreter von Vereinen, Tanzgruppen, Kirchen, Schulen und Fahnenabordnungen.

Laut Bürgermeister Helmut Taut war es das 45 Kreiserntedankfest in Zusammenarbeit mit dem BBV, einen Festzug gibt es bereits seit 1949 und das gleichzeitig stattfindende Kürbisfest wird schon seit gut 150 Jahren gefeiert. Auch für den Bürgermeister hat der Festzug diesmal alles Dagewesene übertroffen. „Der Zug war s groß, wie schon lange nicht mehr“, sagte er und bedankte sich bei den vielen ehrenamtlichen Helfern, die ein Woche lang mit vollstem Einsatz gearbeitet haben.

Trotz aller Feiern stehe der Dank im Vordergrund sagte der oberfränkische BBV-Bezirkspräsident und Forchheimer Kreisobmann Hermann Greif. Er rief dazu auf, dankbar zu sein, auch wenn der Ertrag heuer geringer ausgefalle ist. „Die Ernte war schlechter, aber es gab eine Ernte und das ist nicht selbstverständlich“, sagte Greif. Weite Teile der Bevölkerung merkten allerdings gar nicht mehr, ob die Ernte gut oder schlecht war. Die Regale seien schließlich immer voll.

Darauf zielte auch der unterfränkische BBV-Bezirkspräsident Stefan Köhler ab. Leider habe Erntedank heute seine Bedeutung verloren, bedauerte er. „Die Milch fließt endlos aus dem Tetrapack“, Gemüse, Fleisch und Eier liegen massenweise in den Regalen und Brot und Brötchen werden aus dem Automaten geworfen“. Allzu sicher sollte man sich trotzdem nicht sein. Deutschland habe nur noch einen Selbstversorgungsgrad von 85 Prozent. Das bedeutet, 15 Prozent der erforderlichen Nahrungsmittel müssten bereits importiert werden.

Köhler stellte außerdem klar, dass die Landwirtschaft keine Branche der Vergangenheit, sondern der Problemlöser der Zukunft ist. Ernährungssicherheit, Energieversorgung und Klimaschutz, das seien die Herausforderungen der Zukunft und für alles habe die Landwirtschaft Lösungen parat.

In den Dienst der guten Sache stellten sich auch heuer wieder die Landfrauen. Sie spendeten nach den Worten von Kreisbäuerin Rosi Kraus diesmal wieder zwischen 80 und 90 Kuchen und Torten sowie über 800 „Küchla“. Der Erlös in Höhe von mehreren 1000 Euro kommt dem bäuerlichen Hilfsdienst und der Lebenshilfe Forchheim zugute.

Bilder:
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Ein stattlicher Festzug bewegte sich durch Muggendorf, einem Ortsteil des Marktes Wiesenttal in der Fränkischen Schweiz.
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 Schulen und Kindergärten bereicherten den Festzug mit liebevoll geschmückten Kürbiswägen.
3. Mehrere aufwändig herausgeputzte Erntedankgespanne waren einer der Höhepunkte des Festzuges

4. Kreisbäuerin Rosi Kraus und der oberfränkische BBV-Bezirkspräsident und Forchheimer Kreisobmann Hermann Greif (rechts) überreichten dem unterfränkischen Bezirkspräsidenten Stefan Köhler einen Geschenkkorb mit Spezialitäten aus der Region.

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21.09.2018

„Alle tierschutzrechtlichen Vorgaben eingehalten“ / Peta-Anzeigen wegen Karpfensaisoneröffnung

Bad Alexandersbad. Wegen angeblicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz hat die Organisation Peta gegen alle aktiv Beteiligten an der Eröffnung der bayerischen Karpfensaison Ende August in Bad Alexandersbad Anzeige erstattet. Dazu gehören neben der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber auch die beiden Landtagsabgeordneten Ludwig von Lerchenfeld und Martin Schöffel, Bezirkstagspräsident Günther Denzler, Landrat Karl Döhler, der Bürgermeister von Bad Alexandersbad, Peter Berek und der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken, Dr. Peter Thoma.

Peta spricht von Tierquälerei und hat nicht nur wegen vermeintlicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz sondern auch gegen die Tierschutzschlachtverordnung Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Hoff eingereicht. „Wir haben die Zeitungsberichte über die Veranstaltung gesehen. Auch ist uns ein Video zugespielt worden, das panisch zappelnde Karpfen in einem Bottich mit sehr flachem Wasser zeigt. Schließlich sind die Fische von Politikern in die Hand genommen worden", wird Edmund Haferbeck von Peta in der örtlichen Presse zitiert. Lebende Fische dürften nur in Behältern aufbewahrt werden, deren Wasservolumen den Tieren ausreichende Bewegungsmöglichkeiten biete.

„Heute wissen wir, dass ein Fisch ein Jemand ist und kein Etwas. Da ist das bewusste Zufügen von Angst, Leid und Atemnot und für eine PR-Aktion ethisch und juristisch inakzeptabel“, so Dr Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei Peta. In einer auf der Internetseite der Organisation veröffentlichten Pressemitteilung ist außerdem von „um Luft ringenden Fischen“ und „panisch zappelnden Karpfen“ die Rede. Fische seien neugierige und freundliche Wirbeltiere mit individuellen Persönlichkeiten, heißt es weiter.

Diesen Aussagen widerspricht Teichgenossenschafts-Vorsitzender Dr. Peter Thoma energisch: „Zu den Vorwürfen ist zu sagen, dass alle tierschutzrechtlichen Vorgaben vollständig eingehalten wurden“, so Thoma. Das Verbringen der Fische zum Sortiertisch sei mit wassergefüllten Bottichen erfolgt. Der Sortiertisch sei mit vorgenässter Glattbeschichtung versehen gewesen und die „Wasserspritzer“ beim Aufgeben der Fische auf den Sortiertisch seien in den Aufnehmen deutlich zu sehen.

„Die Politiker waren vorher eingewiesen wurden, wie das Handling der Fische zu erfolgen habe und die Zeit der Fische an Luft hat sich nicht vom normalen Sortiervorgang unterschieden, der erforderlich ist um die Fische auf Verletzungen durch Prädatoren und Außenparasiten zu kontrollieren und in die Fischarten, also Karpfen Schleie oder Hechte, und Fischgrößen zu trennen.“ Danach seien die Fische wieder in wassergefüllte Behältnisse gegeben worden, sagte der Vorsitzende und weiter: „Somit hat alles der guten fachlichen Praxis entsprochen.“

Bild: Alle, die einen Karpfen in Händen halten, hat die Organisation Peta wegen eines angeblichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz angezeigt (von links): Dr. Peter Thoma, Ludwig von Lerchenfeld, Martin Schöffel, Michaela Kaniber, Karl Döhler, Inge Aures (ohne Karpfen), Peter Berek und Günther Denzler.

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14.09.2018

Hoher Aufwand, hohe Abschusszahlen / BBV und Jäger informierten über revierübergreifende Drückjagd

Kulmbach. „Manche schrecken davor zurück, so dramatisch ist es aber gar nicht“, sagt Otto Kreil. Der 2. Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägervereins Kulmbach spricht von der revierübergreifenden Drückjagd, eine der effektivsten Möglichkeiten, der immer weiter steigenden Zahl von Wildschweinen Herr zu werden. Was bei der Planung und Durchführung einer solchen Drückjagd alles zu beachten ist, darüber berichtete Kreil bei einer gemeinsamen Informationsveranstaltung zusammen mit dem Bauernverband vor Jägern, Jagdpächtern, Jagdvorstehern und Landwirten in Kulmbach.

Die höchsten Abschusszahlen würden derzeit noch immer mit der klassischen Ansitzjagd erzielt. Pro erlegter Wildsau kommen die Fachleute allerdings auf 20 Stunden, während bei einer Drückjagd schon mal zehn bis 15 Tiere in zweieinhalb Stunden erlegt werden könnten. Der organisatorische Aufwand sei freilich ungleich größer, manchmal auf der finanzielle. „Mancher Jäger weiß vor lauter Paragraphen nicht mehr, wo hinten und vorne ist, das schreckt ab“, sagte Kreil, der aber trotzdem ganz klar die revierübergreifende Drückjagd favorisiert.

Notwendig dazu sind neben einem geeigneten Revier, guten Kontakten zu den Reviernachbarn, ausreichender Revierkenntnis auch genügend Helfer und vor allem gut ausgebildete Hunde. „Alleine werdet ihr es nicht schaffen“, sagte Kreil. Gleichzeitig stellte er auch fest, dass ein guter erfahrener Hund mehr wert ist, als zehn Treiber. Was noch notwendig ist: Sichere und stabile Reviereinrichtungen, denn nur von einer stabilen Einrichtung sei auch ein sicherer Schuss möglich.

Was den Versicherungsschutz angeht, so stellte der 2. Vorsitzende fest, dass jeder Jagdleiter über seine Jagdhaftpflicht ausreichend versichert ist. Vieles sei damit schon von Haus aus abgedeckt. Kreil sagte aber auch: „Eine gesetzeskonforme Absolution werden sie nie bekommen.“ Wenn ein Schaden auftaucht, werde sich zunächst einmal jeder Versicherung winden. Trotzdem sollten immer gründliche Jagdscheinkontrollen, gegebenenfalls auch Kontrollen des Schießnachweises stattfinden.

Als einen der wichtigsten Punkte überhaupt nannte der Fachmann die Verkehrsabsicherung. Gemeindeverbindungs- und Kreisstraßen ließen sich relativ einfach managen, bei Bundesstraße werde es ungleich schwieriger. Kreil empfahl die gesamte Palette von Sicherungsmaßnahmen voll auszuschöpfen. Dies beginne bei Warnschildern, gehe über Warnmeldungen in der Presse und im lokalen Radiosender bis hin zur Absicherung durch die örtliche Feuerwehr, wenn es sein muss auch mit Blaulicht, das sei besonders wirksam. Bei Vollsperrungen fielen dagegen schnall mal Kosten im vierstelligen Bereich an. Trotzdem sollte die Sicherheit stets an oberster Stelle stehen.

Trotz aller Bürokratie: „Die Jagd sollte immer noch ein gesellschaftliches Highlight bleiben“, sagte Kreil. Geselligkeit und Kameradschaft gehörten auch dazu wie Traditionen. Jäger bräuchten sich nicht verstecken. „Wir tun ja schließlich auch etwas für die Gesellschaft und für die Natur, und wir brauchen uns auch vor Tierschützern nicht zu schämen“, so der Sprecher.

Bild: Sie haben das Schwarzwild im Focus (von links): BBV-Geschäftsführer Harald Köppel, der Kulmbacher Landtagsabgeordnete Ludwig von Lerchenfeld und Otto Kreil, 2. Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägervereins Kulmbach.

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09.09.2018

Heizung, Holz und Häcksler: Größte Forstmesse der Fränkischen Schweiz / 50 Aussteller und rund 3000 Besucher beim Wald-Holz-Energietag in Weidensees

Weidensees, Lks. Bayreuth. Fast 50 Aussteller, so viele wie nie zuvor, hatten sich diesmal am Holztag der Forstbetriebsgemeinschaft im Betzensteiner Ortsteil Weidensees beteiligt. Die Großveranstaltung, die seit 2006 alle zwei Jahre auf dem Gelände des Unternehmens Holzbau Hümmer stattfindet, heißt mittlerweile Wald-Holz-Energietag und gilt mit bis zu 3000 Besuchern als größte Forstmesse der Fränkischen Schweiz.

Im Mittelpunkt stand die Trockenheit der zurückliegenden Monate. Schon der evangelische Pfarrer Ulrich Böhm aus Betzenstein machte sich beim Festgottesdienst unter freiem Himmel seine Gedanken über den Klimawandel. Nach der Regenzeit von Oktober 2017 bis Anfang 2018 und dem trockenen Rekordsommer ab April 2018 bereite der Borkenkäfer jetzt große Sorgen, sagte der Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft, Werner Lautner aus Creußen. Die wichtigste Frage der Zukunft für alle Waldbesitzer laute deshalb: „Wie richte ich mich für die Zukunft aus?“. Stabile Mischwälder müssten dabei im Focus stehen.

Dazu riet auch die bayerische Waldkönigin Johanne Gierl. Die Botschafterin der Wälder und der Waldbesitzer aus dem Landkreis Regen sprach sich für multifunktionale Wälder aus, um künftig auf alles vorbereitet zu sein. Dazu benötige es auch starke Partner wie die FBG Pegnitz, damit die Forstbranche optimal aufgestellt ist.

Forstoberrat Udo Wenzel vom Amt für Landwirtschaft in Bayreuth sprach ebenfalls die große Trockenheit an und appellierte an alle Waldbesitzer, gerade jetzt regelmäßige Borkenkäferkontrollen durchzuführen. Die niedrigere Vitalität der Waldbäume führe unweigerlich zu einer höheren Schädlingsgefahr. Nester müssten sofort ausgeräumt und Bäume sollten am besten entrindet werden.

Auf die große Gemeinschaft der rund 700000 Waldbesitzer in Bayern machte die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer aufmerksam. Viele davon seien gleichzeitig auch Landwirte, gab sie zu bedenken. Der Wald habe deshalb große Bedeutung in Bayern. Auch die Politik habe dies längst erkannt. Beispielsweise seien jetzt wieder neue Försterstellen geschaffen worden. Am Rande ihres Grußwortes sagte Brendel-Fischer auch zu, keinen dritten Nationalparkt in Bayern zu schaffen, sondern stattdessen die Naturparke zu stärken.

Die Natur braucht den Menschen nicht, an diese Tatsache erinnerte Betzensteins 2. Bürgermeister Peter Marschall. Der Wald existiere bereits seit knapp 300 Millionen Jahren und damit länger als der Mensch auf der der Erde. Der Bürgermeister mahnte auch den Flächenverbrauch an und rief zu größerer Sensibilität damit auf. Wald sei Erholungsraum, Wirtschaftsfaktor und Energielieferant zugleich, das alles funktioniere aber nur dann, wenn der Wald nicht nur gepflegt, sondern auch bewirtschaftet werde.

Zum Wald-Holz-Energietag gehörten unter anderem spektakuläre Häckselvorführungen, Infostände von Heizungsbauern, Imkern und von der Jägervereinigung Pegnitz. Der Maschinenring Bayreuth-Pegnitz informierte über die Bekämpfung des Maiszünslers mit Hilfe von Drohnen und die Bayerischen Staatsforsten zeigten auf, wie wichtig der Wegebau im Wald ist.

 

Bilder:
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 Spektakuläre Häckselvorführungen zogen beim Wald-Holz-Energietag der Forstbetriebsgemeinschaft Pegnitz alle Blicke auf sich.
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Prominente Besucher konnten (von links) der FBG-Vorsitzende Werner Lautner, sein Stellvertreter Bernd Kiefhaber und Monika Reichel (4. von links) von der FBG mit der Bayerischen Waldkönigin Johanna Gierl, Forstoberrat Udo Wenzel, der Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer und dem 2. Bürgermeister von Betzenstein Peter Marschall begrüßen.
3. Überall gab es auf dem weitläufigen Gelände der Firma Holzbau Hümmer in Weidensees etwa zu sehen.
4. Über die Notwendigkeit des Waldwegebaus informierten die Bayerischen Staatsforsten.

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07.09.2018

Hölzerne Eule als Blickfang / Staatsforsten und Maschinenring: Kunstwerk als äußeres Zeichen der engen Zusammenarbeit

Bayreuth/Pegnitz. Als äußeres Zeichen der langjährigen guten Zusammenarbeit haben die Bayerischen Staatsforsten dem Maschinenring Bayreuth-Pegnitz eine rund 1,50 Meter große, mit der Motorsäge geschnitzte Eule überreicht. Das Kunstwerk stammt von Alfred Popp (44), Mitarbeiter der Staatsforsten, aus Hummeltal, der die hölzerne Eule eigens für den Maschinenring angefertigt und sogar das entsprechende Logo eingearbeitet hatte.

Popp schnitzt bereits seit 20 Jahren derartige Skulpturen, die von den Bayerischen Staatsforsten auch gerne als Blickfang an exponierten Stellen im Wald platziert werden. „Für uns ist das auch ein kleiner Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit“, sagt Gerhard Steininger, Leiter der Servicestelle des Forstbetriebs Pegnitz. Die Zusammenarbeit zwischen Maschinenring und Staatsforsten reicht von den verschiedensten Dienstleistungen über die Maschinenring Oberfranken-Mitte GmbH bis zur Verwertung von Holzhackschnitzeln oder der Anlage von Blühflächen. „Wenn die Staatsforsten einen zuverlässigen Dienstleister brauchen sind wir stets zur Stelle“, so Maschinenring-Geschäftsführer Johannes Scherm Das Kunstwerk empfängt künftig alle Besucher der Maschinenring-Geschäftsstelle in der Adolf-Wächter-Straße 1a.

Bild: Eine hölzerne Eule für den Maschinenring (von links): Geschäftsführer Bernd Müller vom Maschinenring Oberfranken-Mitte, Vorsitzender Reinhard Sendelbeck aus Creußen, Künstler Alfred Popp aus Hummeltal, Gerhard Steininger, Leiter der Servicestelle des Forstbetriebs Pegnitz, und Geschäftsführer Johannes Scherm vom Maschinenring Bayreuth-Pegnitz.

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31.08.2018

Dramatische Dürre und mehr Förderung für die Dörfer / Ministerin Kaniber diskutierte mit Landwirten über aktuelle Themen

Bayreuth. Die Dürre des zurückliegenden Sommers, der Wolf in Oberfranken und Leerstände in den Dörfern waren unter anderem Themen eines Kontaktgesprächs mit der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, zu der die örtliche Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer Vertreter eingeladen hatte. Die Ministerin appellierte dabei insbesondere an die Verbraucher, Lebensmittel aus regionaler Erzeugung mehr wert zu schätzen. Es könne nicht sein, dass ein Liter Mineralwasser mehr kostet als ein Liter Milch. Ebenso wenig sei es zu akzeptieren, wenn auf der Terrasse ein sündhaft teurer Grill steht, aber letztlich nur Billigstfleisch darauf kommt.

Hans Engelbrecht aus Lankendorf sprach von der Trockenheit als dem zentralen Thema. Seinen Worten zufolge sei die Situation sogar noch dramatischer als beim letzten Hitzesommer 2003, weil es diesmal in weiten Teilen Frankens nicht einmal im August Regen gegeben habe. „Keiner weiß, wie es weitergeht, ich befürchte das Schlimmste“, sagte Engelbrecht. Die Futterbeihife sei nur bedingt hilfreich, da es auf dem Markt kein Futter mehr gibt und Importe aus dem Nachbarland Tschechien aufgrund der Afrikanischen Schweinepest nicht möglich sind. Um die Viehbestände aktuell reduzieren zu können, schlug Engelbrecht Exportbeihilfen vor.

Die Dürre sei aber auch in den Wäldern dramatisch, sagte Forstbetriebsleiter Fritz Maier von den Bayerischen Staatsforsten. Eine Folge davon sei, dass sich der Borkenkäfer derzeit rasend schnell ausbreitet. Um den Rohstoff Holz zu konservieren seien dringend Nasslager notwendig, die aufgrund der notwendigen Genehmigungen allerdings schwierig auf den Weg zu bringen seien. Bei Nasslagern handelt es sich um Aufbewahrungsorte für eingeschlagenes Holz, bei dem die Baumstämme künstlich beregnet werden.

Große Sorge bereits aber auch die zunehmende Gegenwart des Wolfes, auch in Oberfranken. Er habe bereits fünf Kälber und ein Rind durch den Wolf verloren, sagte Norbert Böhmer, Mutterkuhhalter aus Plankenfels im Landkreis Bayreuth. Bisherige Schutzmaßnahmen wie Herdenschutzhunde oder die Errichtung von Zäunen seien nicht nur aufwändig und teuer, sondern auch nutzlos. Deshalb müsse die Politik entscheiden, ob sie in Bayern weiterhin Weidetierhaltung möchte oder lieber die Ansiedlung des Wolfes. Ministerin Kaniber räumte ein, dass die Risse täglich mehr werden. Deshalb könne der Wolf künftig schon beim ersten Zugriff „entnommen“ werden, wenn er die Scheu verliert und sich dem Menschen nähert. Kaniber kritisierte dabei auch, dass der Tierschutzgedanke stets auf Seiten des Wolfes sei.

Nach den Worten der Landwirtschaftsministerin werde der ländliche Raum der Gewinner der Zukunft sein. Schon jetzt platzten die Städte in den Metropolregionen aus allen Nähten. Der Druck auf das Land werde enorm sein, wenn die Menschen Wohnraum suchen, sagte Kaniber. Das neue Förderprogramm „Innen statt außen“ der Bayerischen Staatsregierung soll deshalb die Dörfer fit für die Zukunft machen, indem insbesondere leerstehende Gebäude und Brachen wieder nutzbar gemacht und dadurch Flächen gespart werden. Die zentrale Rolle zum Leben auf dem Land werde allerdings die Landwirtschaft einnehmen, zeigte sich die Ministerin überzeugt. Landwirtschaft stehe für Infrastruktur, Tradition und Kultur, so Kaniber.

Bilder:
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 Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (rechts) und Kreisbäuerin Angelika Seyferth.
2.
 Die stellvertretende Bayreuther Landrätin Christa Reinert-Heinz, Bayreuths Altoberbürgermeister Michael Hohl, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer und Bezirksrat Stefan Specht (von links).
3. Landwir
tschaftsministerin Michaela Kaniber und Mitglieder der oberfränkischen Jungbauernschaft.

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31.08.2018

Tierschutz heißt Teiche schützen / Ministerin Kaniber eröffnete Karpfensaison – Überdurchschnittliche Ernte erwartet

Bad Alexandersbad, Lks. Wunsiedel. Trotz Trockenheit, hoher Temperaturen und stellenweise sogar Wasserknappheit erwarten die Teichwirte eine hervorragende Karpfenernte. „Die Karpfen werden fleisch- und eiweißreich sein und die Erntemenge wohl über dem guten Niveau des Vorjahres liegen“, sagte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber bei der Eröffnung der Karpfensaison am Rogler-Weiher in Bad Alexandersbad.

Bewirtschaftet wird der Teich von Markus Fuchs, einem gelernten Bankkaufmann, der die Teichwirtschaft mittlerweile im Haupterwerb betreibt. Er hat eine eigene Räucherei aufgebaut, führt einen Fischladen, bietet Catering und Partyservice und ist mit einem Grill- und Verkaufswagen mobil. Fuchs sichere damit als einer von bayernweit gerade einmal 50 der insgesamt rund 8500 Karpfenteichbetriebe seinen Lebensunterhalt ausschließlich über die Fischerei, sagte die Ministerin. Das verdiene Respekt und Anerkennung, so Kaniber.

Mit einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 2,5 Hektar besitze Bayern zwar ausgesprochen kleine Strukturen, sei aber trotzdem bei der Karpfenerzeugung bundesweit führend. Nach den Worten der Landwirtschaftsministerin gibt es im Freistaat etwa 20000 Hektar Teichfläche verteilt auf rund 30000 Einzelteiche. Mit etwa 6000 Tonnen im Schnitt pro Jahr erzeugten die bayerischen Teichwirte rund 55 Prozent der deutschen Produktion.

Michaela Kaniber sprach aber auch die Herausforderungen für die Teichwirtschaft an: „Kormoran und Fischotter machen ihnen die Ernte streitig“, sagte sie. Zur Entspannung beitragen soll das bayerische Kormoranmanagement, das bundesweit die besten Möglichkeiten zur Regulierung des fischfressenden Vogels biete. „Ich bin froh, dass es uns gelungen ist, die artenschutzrechtliche Ausnahmeverordnung bis Juli 2027 zu verlängern und auch deutlich im Sinne unserer Teichwirte auszubauen“, sagte die Ministerin. Durch die nun zehn- statt bisher fünfjährige Geltungsdauer sei die Rechtssicherheit deutlich erhöht worden.

Auch den Schäden durch den Fischotter begegne Bayern mit einem eigenen Managementplan. Dazu gehörten der Einsatz von drei Otterberatern, die Möglichkeit, Zäune bis zu 50 Prozent über den europäischen Meeres- und Fischereifonds zu fördern, sowie eine seit 2016 großzügige Entschädigungsregelung. Vor dem Hintergrund der dramatisch gestiegenen und existenzbedrohenden Schäden von zuletzt weit über einer Million Euro in 2017 habe der Landtag beschlossen, die Entnahme des Otters dort, wo keine Abwehrmaßnahmen möglich sind, in den Managementplan mitaufzunehmen. „Tierschutz bedeutet auch, wenn wir unsere Teiche schützen“, so Kaniber.

Wie dramatisch die Situation wirklich ist, verdeutlichte der Wunsiedler Landrat Karl Döhler. Im Nachbarlandkreis hätten bereits 55 Teichwirte aufgegeben und auch im Wunsiedler Landkreis kenne er Teichwirte, die sagen: „Wir setzen nichts mehr ein, es macht einfach keinen Sinn mehr“. Lösungen seien deshalb dringend notwendig. Angesichts der Wasserknappheit des Sommers machte sich Bezirkstagspräsident Günther Denzler für den Bau neuer Teiche stark. Teiche seien hervorragende Wasserrückhaltebecken in der Fläche, sie seien wichtig für die Grundwasserneubildung und bedeutende Rückzugsgebiete für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Er könne es deshalb nicht nachvollziehen, wenn Teichbauprojekten keine Genehmigung erteilt werde.

Die Teichwirtschaft sei im Fichtelgebirge fest verankert, sagte der Bürgermeister von Bad Alexandersbad Peter Berek. Selbst innerhalb der Ortsgrenzen gebe es noch einen Dorfweiher mit Fischrechten und auch im örtlichen Naturbad gebe es Graskarpfen. „Teichwirtschaft und ein Heilbad, das passt bei uns sehr wohl zusammen“, so Bürgermeister Berek.

Nach den Worten von Dr. Peter Thoma, dem Vorsitzenden der fast 1000 Mitglieder zählenden Teichgenossenschaft Oberfranken ist der heimische Karpfen ein reines Naturprodukt, das seit Jahrhunderten unverändert erzeugt wird. Bei den Teichwirten handle es sich ausschließlich um Familienbetriebe, die meist seit Generationen die Teichwirtschaft extensiv betreiben. „Hier verbinden sich Tradition, naturnahe Erzeugung und Landschaftspflege auf ideale Weise“, so Thoma.

Bilder:
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 Zusammen mit seinen Mitarbeitern hat Markus Fuchs den Rogler-Teich bei Bad Alexandersbad abgefischt.
2.
 Freuen sich über eine gute Karpfenernte (von links): der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken, Dr. Peter Thoma, die Landtagsabgeordneten Ludwig von Lerchenfeld und Martin Schöffel, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, Landtagsvizepräsidentin Inge Aures, der Bürgermeister von Bad Alexandersbad Peter Berek und Bezirkstagspräsident Günther Denzler.
3. Das sind
die ersten Karpfen aus der Ernte von Teichwirt Markus Fuchs.

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26.07.2018

Umweltschutz und Landwirtschaft Hand in Hand / Positives Zwischenfazit für ersten großflächigen Anbauversuch mit der Becherpflanze Silphie

Fernreuth. Die Familie Murrmann aus Fernreuth bei Hollfeld ist bekannt dafür, dass sie innovativen Ideen aufgeschlossen gegenübersteht und deren Umsetzung auch tatkräftig angeht. Drei Generationen leben und arbeiten auf dem landwirtschaftlichen Betrieb. Schon 1996 hatte die Familie eine Windkraftanlage errichtet und damit als eine der ersten in Oberfranken dieses Potenzial erkannt. Dann setzten die Murrmanns mit einer Biogasanlage ihr Engagement in Sachen Energiewende fort. Jetzt hatten sich Inge und Stefan Murrmann an dem Demonstrationsprojekt Becherpflanze „Silphie“ beteiligt und auf zwei Flächen insgesamt knapp viereinhalb Hektar davon angebaut. Zu einer Zwischenbilanz kamen vor wenigen Tagen gleich zwei Minister auf den Betrieb: Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Umweltminister Marcel Huber.

Im Grunde geht es darum, die Silphie als Ersatzpflanze für den Energiemais einzusetzen. Davon profitieren der Gewässerschutz, die Insektenvielfalt und vor allem auch die Landwirtschaft, so lautete ein Ergebnis des Anbauversuchs, an dem neben den Landwirten unter anderem auch die Universität Bayreuth mit ihrem Ökologisch-Botanischen Garten, das Bayreuther Zentrum für Ökologie und Umweltforschung sowie das Technologie- und Förderzentrum für nachwachsende Rohstoffe in Straubing beteiligt waren. Koordinierend war die Regierung von Oberfranken tätig. „Der Becherpflanze wird viel Potenzial als Energiepflanze beim Ersatz von Mais bescheinigt“, zog Regierungspräsidentin Heidrun Piewernetz ein positives Zwischenfazit.

Als mehrjährige Pflanze könne die durchwachsene Silphie Nährstoffe im Ackerboden gut zurückhalten. Zudem hielten die Wurzeln der Becherpflanze den Boden ganzjährig fest und schützten den Boden so vor Erosion. „Damit ist die Becherpflanze Silphie eine innovative und gleichzeitig naturverträgliche Alternative zu herkömmlichen Energiepflanzen“, heißt es in einem Zwischenbericht.

Eine Politikerin, die sich seit Jahren für den Anbau der Becherpflanze stark macht, ist die Bayreuther Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer (CSU). „Ich habe immer an den Durchbruch der Silphie geglaubt“, sagte die Abgeordnete. Die Anschubförderung bringe die Becherpflanze jetzt auf den Weg.

Zum Demonstrationsprojekt gehören über 100 Hektar, fast 50 Landwirte aus den Landkreisen Bamberg, Bayreuth, Forchheim und Kulmbach sind daran beteiligt. Finanziert wurde das Projekt mit jeweils gut 300000 Euro vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium und vom Bayerischen Umweltministerium.

Ministerin Michaela Kaniber sprach von einem echten Zukunftsprojekt. Noch zu Beginn der sechziger Jahre sei der Mais aufgrund des aufwändigen Anbaus und der bescheidenen Erntetechnik eine Nischenkultur gewesen. Erst nach jahrzehntelanger Forschung sei dann der Durchbruch auf der Fläche gelungen. Vielleicht wird es der Becherpflanze Silphie genauso gehen, hoffte die Ministerin. „Umweltschutz und Landwirtschaft gehen hier Hand in Hand“, so Kaniber, die auch von einem großen Miteinander sprach und hoffte, dass dieses Projekt bald bayernweit umgesetzt werde. Vielleicht ist es wirklich die Wunderpflanze, nach der wir suchen“, sagte Umweltminister Huber. Schließlich sei die „sympathische Tiefwurzlerin aus Nordamerika“ ohne natürliche Feinde, boden-, grundwasser- und insektenfreundlich.

Bild (oben):
Sie freuen sich über das positive Zwischenfazit beim Anbauversuch mit der durchwachsenen Becherpflanze Silphie in Fernreuth bei Hollfeld (von links): Regierungspräsidentin Heidrun Piewernetz, die Landtagsabgeordneten Martin Schöffel und Gudrun Brendel-Fischer, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, die Landwirte Stefan und Inge Murrmann, Umweltminister Marcel Huber und der Landtagsabgeordnete Klaus Adelt.

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29.06.2018

Auch Oberfranken hat eine Enklave / Mit den Limbacher Weihern trägt der 20. Teich im Regierungsbezirk das seltene Prädikat Kulturgut

Pommersfelden. Sie gehören zu Oberfranken und liegen doch in Mittelfranken: die Limbacher Weiher. Umgeben vom Landkreis Erlangen-Höchstadt bildet die Teichkette die einzige oberfränkische Enklave. Die Teichgenossenschaft Oberfranken hat jetzt das Augenmerk auf diese historische Besonderheit gerichtet. Der Zusammenschluss von Teichwirten aus der Region zeichnete die Jahrhunderte alten Gewässer offiziell als Kulturgut aus.

Seit 20 Jahren wird die Auszeichnung Kulturgut Teich verliehen. Verbunden mit der Aufstellung einer Informationstafel und der Übergabe einer Urkunde an Bewirtschafter und Eigentümer gehe es vor allem darum, die große Bedeutung und die lange Historie der Fischwirtschaft herauszustellen, sagte der Vorsitzende der Teichgenossenschaft, Dr. Peter Thoma aus Wunsiedel bei der kleinen Feierstunde am Ufer der Weiher.

Die Geschichte der Teichkette reicht bis in das 17. Jahrhundert zurück. Seitdem sind die Weiher im Familienbesitz, so der Eigentümer Johannes Weiß. Weil die Flächen drum herum zu den Besitzungen der Grafen von Schönborg gehörten, habe auch die Gebietsreform von 1972 nichts daran ausrichten können, dass die Teiche zur Gemeinde Pommerfelden im Landkreis Bamberg und damit zu Oberfranken gehören. Johannes Weiß produziert in den klassischen Waldteichen Karpfen, Schleien und Zander.

Oberfranken könne auf eine lange Historie der Teichwirtschaft zurückblicken, das soll mit der Auszeichnung deutlich gemacht werden, sagte Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler. Fische gehörten untrennbar zur Genussregion Oberfranken, so der Bamberger Landrat Hans Kalb. Von einer vorbildlich betriebenen Fischzucht sprach der Bürgermeister von Pommersfelden Hans Beck und Oberfrankens Bauernverbandspräsident Hermann Greif nannte die Teiche ein ganz besonders erhaltens- und schützenswerten Kleinod.

Neben der prägenden Bedeutung für die Landschaft, der Bewirtschaftung und der belegten Historie müsse ein als Kulturgut ausgezeichneter Teich auch eine besondere ökologische Bedeutung haben, so Vorsitzender Thoma. Das alles sei bei den Limbacher Weihern erfüllt. Damit seien sie nicht nur Landschaftsbestandteile, sondern auch wertvolle Kulturgüter. Das sah auch die Jury so, zu der unter anderem die Fischereifachberatung des Bezirks Oberfranken gehört.

Bilder:
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 Sie enthüllten die Informationstafel an den Limbacher Weihern (von rechts): Bürgermeister Hans Beck, Landrat Hans Kalb, Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler, TEGOF-Vorsitzender Dr. Peter Thoma und Eigentümer Johannes Weiß (verdeckt).
2.
 Der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif (links) und der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Dr. Peter Thoma würdigten die Teichkette als besonders schützenswertes Kleinod.
3. Auf den ersten Blick nichts Besonderes: die Limbacher Weiher sind nicht nur Oberfrankens einzige Enklave, sie erhielten jetzt auch noch das Prädikat Kulturgut Teich.

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22.06.2018

Mit Insekten gegen Insekten /
Landwirte setzen auf biologische Schädlingsbekämpfung

Bayreuth. Noch ist es nur ein Anfang, doch für das kommende Jahr erwarten Johannes Scherm vom Maschinenring Bayreuth-Pegnitz und Reinhard Ostermeier vom Amt für Landwirtschaft einen deutlichen Anstieg: Auf rund 120 Hektar Fläche wird der Maiszünsler (Ostrinia nubilalis), einer der wirtschaftlich relevantesten Schädlinge in Maisbeständen, im Raum Bayreuth nicht mehr chemisch, sondern biologisch bekämpft. Möglich machen dies Schlupfwespen. Sie fressen die Larven des Maiszünslers einfach auf. „Wir sind damit voll auf die biologische Schiene abgefahren“, sagt Johannes Scherm, dem es auch darum geht, das Image der Landwirtschaft mit der alternativen Schädlingsbekämpfungsmethode zu verbessern.

Aktuell ist die biologische Schädlingsbekämpfung vor allem deswegen geworden, weil der Maiszünsler in hiesigen Breiten enorm zugenommen hat. Ursache dafür, da sind sich Fachleute einig, ist die Klimaerwärmung. „Im mittleren und östlichen Oberfranken waren die Schäden im zurückliegenden Jahr ganz massiv“, sagt Reinhard Ostermeier. Schuld daran waren der relativ kühle Winter, in dem die Larve im Maisstoppeln überwintert, und die trockene warme Witterung während des Falterfluges, wenn die Eiablage stattfindet. Regnet es nicht, werden die Eigelege auch nicht zerstört und der Maiszünsler kann sich ungehindert ausbreiten.

Hat sich der Maiszünsler, ein drei bis vier Zentimeter langer Falter, erst einmal im Bestand breit gemacht, knicken die Blätter, brechen ganze Pflanzen oder fallen die Kolben ab. Die Ernte ist dahin. Um das zu verhindern, sei es am wirksamsten die Stoppeln nach der Ernte zu zerkleinern und im Boden verrotten lassen. „Dort kann der Falter nicht schlüpfen“, so Reinhard Ostermeier. Das sei die gängige Maßnahme, die den Landwirten auch empfohlen wird. Ist es dafür zu spät, dann gibt es zwei Möglichkeiten: die chemische Keule oder eine biologische Bekämpfung.

Die biologische Bekämpfung sieht die Ausbringung der Schlupfwespe „Richogramma brassicae“ auf befallene Bestände vor. Das Insekt ist ein natürlicher Feind des Maiszünslers. Bei rechtzeitiger Ausbringung werden die Eier parasitiert und so effizient bekämpft. Konkret werden im 14-tägigen Abstand zwei Mal jeweils um die 100000 Wespen pro Hektar verteilt. Dazu muss der Landwirt exakt die Hauptflugzeit erwischen, die durch Lichtfallen ermittelt wird.

Erhältlich sind die Wespen bei einem Unternehmen, das sich auf die biologische Schädlingsbekämpfung spezialisiert hat und die Wespen züchtet. Jeweils 1000 Wespen sind als Larven in Kugeln aus Maisstärke. „Das System gibt es schon seit 20 Jahren“, so Ostermeier. Früher seien die Behälter mit den Larven allerdings direkt an den Maispflanzen angebracht worden, heute könne die Verteilung punktgenau per Drohne erfolgen.

Genau da kommt auch der Maschinenring Bayreuth-Pegnitz ins Spiel, der seinen Mitgliedern die Wespenkugeln und die Drohnenausbringung durch einen externen Unternehmer kostengünstig anbieten kann. Gemeinsam mit dem benachbarten Maschinenring Fränkische Schweiz sei eine entsprechende Aktion gestartet worden, sagt Geschäftsführer Johannes Scherm. Mit Kosten von rund 67 Euro pro Hektar für Wespen und Ausbringung sei die biologische Variante nur unwesentlich teurer als die chemische. Der Wirkungsgrad sei nahezu der gleiche.

Die biologische Maiszünslerbekämpfung wird wohl schon bald zur Standardvariante werden, so Johannes Scherm. Fachleute haben auch längst bestätigt, dass durch die Wespen das biologische Gefüge nicht in Ungleichgewicht gerät, vor allem deshalb, da die Schlupfwespe vor Ort bleibt und nicht großartig umherfliegt. Scherm: „Warum sollten wir es also chemisch machen, wenn es auch biologisch geht.“

Bild: Per Drohne werden die Schlupfwespen über befallene Maisbestände ausgebracht.

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17.06.2018

Mit historischen Schleppern durch Schirradorf/ Landtechnik Nicklas lockte viele hundert Besucher zum Tag der Landwirtschaft - Modenschau in der Maschinenhalle

Schirradorf. Es muss nicht immer John Deere oder Fendt sein. Eicher zum Beispiel war der Markenname der bis in die 1990er existierenden Eicher-Traktorenfabrik in Forstern in Oberbayern. Oder Normag: Das steht für Nordhauser Maschinenbau. Das Unternehmen aus dem Harz hatte bereits 1957 seine Produktion eingestellt. Es gibt sie aber noch, die teilweise Jahrzehnte alten Bulldogs und sie funktionieren auch noch, so wie der Lanz, Baujahr 1958 von Raimund Schramm von den Traktorfreunden Dankenfeld im unterfränkischen Landkreis Hassberge oder der McCormick International D430 von Andrea Popp von den Traktorfreunden Altenplos.

Zum Familiensonntag der Landwirtschaft auf dem Gelände des Landtechnikunternehmens Nicklas in Schirradorf hatten sie alle wieder ihre Fahrzeuge auf Hochglanz gebracht. Eicher, Normag, aber auch McCormick oder Kramer, alles Namen von Hersteller, die bei Traktorfreunden wie Musik in den Ohren klingen. Manche Hersteller gibt es noch, viele sind schon lange Geschichte. Doch auch der Laie ist fasziniert, dass sie noch immer funktionieren.

Ältestes aller teilnehmenden Fahrzeuge war ein Normag aus dem Jahr 1951 mit 17 PS von Manfred Kolb aus Schirradorf. Ganz aus der Reihe fiel der Unimog, Baujahr 1964 mit 32 PS von Karl Heinz Popp, ebenfalls von den Traktorfreunden Altenplos. Sie alle schafften nicht nur den gut zwei Kilometer langen Rundkurs durch das Dorf mit seiner über 20-prozentigen Steigung, sondern auch die Hin- und Rückfahrt von den Heimatorten ohne Ausfall. Manche Teilnehmer waren schon früh um acht Uhr losgefahren, um rechtzeitig beim Oldtimertreffen zu sein.

Überhaupt war die Oldtimerrundfahrt durch Schirradorf mit dem Nicklas-Firmengelände als Start und Ziel der Höhepunkt des Familiensonntags. 23 Teilnehmer wurden diesmal verzeichnet, damit allerdings auch ein paar weniger als im Vorjahr. Manch Oldtimerfreund hatte offensichtlich befürchtet, nicht mehr rechtzeitig zum WM-Spiel zu Hause zu sein. Höchstgeschwindigkeiten sind mit den betagten Fahrzeugen schließlich nicht mehr machbar. Dafür war der Zuspruch bei den Besuchern ungebrochen. „Wir sind überwältigt vom Besuch“, sagte Friedbert Weiß vom mitveranstaltenden John-Deere-Fanclub.

Zweiter großer Programmpunkt war wie auch in den Vorjahren eine Modenschau. Dort, in der großen Halle von Edwin Nicklas, wo sonst die schweren Schlepper und Mähdrescher stehen, hatte Gabis Modestübchen aus Wirsberg alles aufgeboten, was derzeit angesagt ist. Präsentiert von Amateurmodels und moderiert von Kreisbäuerin Beate Opel gab es trendige Mode in allen Größen für jeden Typ und jeden Anlass.

Eingebettet war die Modenschau in ein buntes Programm, das trotz vieler Konkurrenzveranstaltungen in der Region wieder viele hundert Besucher auf das Betriebsgelände der Firma Nicklas gelockt hatte. Da gab es Backwaren und Bauernhofeis sowie moderne Landtechnik zum Anfassen. Begonnen hatte der Tag der Landwirtschaft mit einem Gottesdienst in der Maschinenhalle, gestaltet vom evangelischen Pfarrer Daniel Städteler aus Wonsees zusammen mit dem Kulmbacher Landfrauenchor und dem Wonseeser Posaunenchor.

Bilder:
1. Viele Besucher des Tages der Landwirtschaft in Schirradorf staunten nicht schlecht über die vielen historischen Oldtimer, die auf dem Gelände des Landtechnikunternehmens Nicklas ausgestellt waren.
2. Links 30 PS, rechts 300 PS: in Schirradorf war eindrucksvoll zu erleben, wie sich die Technik in der Landwirtschaft weiterentwickelt hat.
3. Höhepunkt des Oldtimertreffens war die Rundfahrt durch Schirradorf.
4. Ganz aus der Reihe fiel der Unimog, Baujahr 1964 mit 32 PS von Karl Heinz Popp, von den Traktorfreunden Altenplos.
5. Friedbert Weiß (links) vom John-Deere-Fanclub hieß die Teilnehmer der Rundfahrt auf dem Betriebsgelände von Landtechnik Nicklas willkommen.

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17.06.2018

„Hot Spot der nachhaltigen Forstwirtschaft“ / Frankenwaldtag lockte um die 10000 Besucher nach Schwarzenbach am Wald

Schwarzenbach am Wald. „Wir wollen die Forstwirtschaft weiter voranbringen“, sagt Ralf Kremer. Der Unternehmer aus Steinbach bei Geroldsgrün gehörte zum Organisationsteam der Frankenwaldtages 2018, der verbunden mit einem regionalen Waldbesitzertag wieder um die 10000 Besucher nach Schwarzenbach lockte.

„Die Gesellschaft soll für die Themen Wald und Forst sensibilisiert werden“, so Kremer, der auch Initiator des Holzforums Schwarzenbach ist. Das Gremium bündelt eine hochkarätige Expertenrunde aus den Bereichen Forst und Holz sowie verschiedener Behörden, Regional- und Wirtschaftsverbände, und ist einer der Mitveranstalter des Frankenwaldtages.

Wo, wenn nicht in Schwarzenbach am Wald sollte dieser Tag stattfinden, sagte Bürgermeister Dieter Frank bei der Eröffnung. „Wir machen unseren Namen damit alle Ehre“. Als „großes und wichtiges Kulturgut“ bezeichnete Bundestagsvizepräsident Hans Peter Friedrich den Wald. Der Lebens- und Erholungsraum Wald sei aber nicht entstanden, indem man ihm sich selbst überlassen hätte. Er sei vielmehr das Ergebnis einer jahrhundertelangen Bewirtschaftung, so der frühere Bundesinnenminister, der selbst aus dem Frankenwald stammt.

Josef Ziegler, Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes sprach vom Frankenwald als „Hot Spot der nachhaltigen Forstwirtschaft“. Hier werde das gelebt, was Waldwirtschaft ausmacht. Das sei zum einen Ökologie und Ökonomie, zum anderen aber auch die Sozialfunktion, indem jeder Bürger ein Betretungsrecht für den Wald habe. „Damit ist der Wald ein echtes Multitalent“, so Ziegler. Ein Multitalent, das eben auch Verpflichtungen mit sich bringt, sagte die bayerische Waldkönigin Johanna Gierl. Natur sei nicht einfach nur so da, der Mensch müsse schon eingreifen.

Mit einem ganz besonderen Beitrag zeigte der Hofer Schauspieler Peter Kampschulte, dass Wald und Kultur gar nicht so weit auseinander liegen. In der Rolle des Nürnberger Rats- und Handelsherrn Peter Stromer gab er den Vater der Forstkultur aus dem 14. Jahrhundert, der auch als Erfinder der geregelten Forstwirtschaft gilt. Stromer hatte die so genannten Nürnberger Nadelwald-Saaten entwickelt. Dank dieser planmäßigen Aufforstungstechnik wurde der Nürnberger Reichswald zum ersten Kunstforst der Welt.

Auf dem großzügigen Festgelände in Schwarzenbach präsentierten sich Ämter, Forstzusammenschlüsse und Vereine, Unternehmen der Forstwirtschaft und der Holzverarbeitung, die Jagdverbände unter anderem mit einem Laser-Schießkino und verschiedene Kunsthandwerker vom Drechsler bis zum Motorsägenkünstler. „Forstwirtschaft erleben“ war parallel dazu das Motto eines Waldparcours am nahen Döbraberg. Hier konnten alle Interessierten sehen, wie Profis im Wald arbeiten, von der Verjüngung über die Pflege bis hin zur Holzernte. In verschiedenen Vorträgen ging es unter anderem um die Eiche im Frankenwald, um nicht heimische Baumarten oder um Ergänzungspflanzungen bei vorhandener Naturverjüngung.

Die Veranstalter, Forstverwaltung, die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau sowie die Stadt Schwarzenbach mit ihrem Holzforum hatten über 10000 Waldbesitzer und deren Familien aus den Landkreisen Hof und Wunsiedel sowie aus den Frankenwaldgemeinden der Landkreise Kulmbach und Kronach mit einem persönlichen Schreiben eingeladen. Nach Angaben der Veranstalter waren die allermeisten auch gekommen.

Nach dem Frankenwaldtag 2018 steht das nächste überregionale forstliche Großereignis in Schwarzenbach am Wald bereits für das kommende Jahr an. Forstunternehmer Ralf Kremer konnte entscheidend dazu beitragen, dass die Regionalmeisterschaften der Waldarbeiter vom 21. bis zum 23. Juni 2019 erstmals in Oberfranken stattfinden.

Bilder:
1. Bereichsleiter Forsten Thomas Krämer vom Amt für Landwirtschaft, Schauspieler Peter Kampschulte als Peter Stromer, die bayerische Waldkönigin Johanna Gierl, Bundestagsvizepräsident Hans-Peter Friedrich, Waldbesitzerverbandspräsident Josef Ziegler, Fritz Maier, Leiter des Forstbetriebes Nordhalben und der Schwarzenbacher Bürgermeister Dieter Frank (von links).
2. Der Hofer Schauspieler Peter Kampschulte in der Rolle des Nürnberger Rats- und Handelsherrn Peter Stromer, einem Vater der Forstkultur aus dem 14. Jahrhundert.
3. Forstunternehmer Ralf Kremer aus Steinbach bei Geroldsgrün gehört zu den Initiatoren des Frankenwaldtages.
4.
 Besonders von Kindern umlagert war der Stand der Bayerischen Staatsforsten, die mit einem breiten Informations- und Spielangebot aufwarteten.
6. – 8. Alles das, was zur Waldbewirtschaftung notwendig ist, aber auch spektakuläres Großgerät zeigte eine stattliche Zahl von Ausstellern beim Frankenwaldtag in Schwarzenbach.

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14.06.2018

„Landwirte stehen zu Unrecht am Pranger“ / Agrarexperte Albert Deß beim Schirradorfer Bauerntag – Landtechnik sucht Nachwuchs

Schirradorf. Hetzkampagnen gegen Landwirte hat Albert Deß (CSU), Europaabgeordneter aus Neumarkt in der Oberpfalz und Agrarsprecher der Europäischen Volkspartei, scharf verurteilt. Bei den derzeitigen Diskussionen in Deutschland könne man nur noch den Kopf schütteln, sagte Deß beim Schirradorfer Bauerntag auf dem Gelände des Landtechnikunternehmens Nicklas.

Wenn die Bauern ständig am Pranger stehen, dann müsse man sich schon langsam Sorgen um den Nachwuchs in der Landwirtschaft machen, sagte Deß. Wenn Landwirte nur noch schikaniert werden, dann könne man fest davon ausgehen, dass die Produktion schon bald ins kostengünstigere Ausland verlagert würde, und zwar dorthin, wo Tierhaltung und Pflanzenbau meist unter fragwürdigen Bedingen stattfinden. Allen Kritikern, die gegen den Einsatz moderner Technik protestieren, schrieb der Abgeordnete ins Stammbuch, dass damit noch effektiver und umweltschonender gearbeitet werden könne, als dies ohnehin schon der Fall sei.

Das gleiche Thema hatte sich zuvor der stellvertretende BBV-Kreisobmann Harald Peetz vorgenommen. „Die Landwirte stehen zu Unrecht am Pranger“, sagte er. Den meisten Tier- und Naturschutzorganisationen warf Peetz vor, nichts anderes im Sinn zu haben, als das Ende der konventionellen Tierhaltung. Dafür würden gutgläubigen Mitbürgern auch noch Spendengelder aus der Tasche gezogen.

Ganz konkrete Nachwuchssorgen hat bereits Edwin Nicklas vom gleichnamigen Landtechnikbetrieb. Es sei eine große Herausforderung für die Branche, Nachwuchs zu finden, sagte er und warb für den Beruf des Landmaschinentechnikers. „Die Landtechnik kann es mit allen Berufen aufnehmen“, so Nicklas. Bei einem Praktikum könnten junge Leute sehen, wie vielseitig der Beruf ist. Habe man es erst einmal zum Meister gebracht, dann stehe man einem universitären Bachelor-Abschluss in nichts nach, stellte Nicklas fest. Er zeigte sich überzeugt davon: „Handwerk und Landwirtschaft haben goldenen Boden.

Ein weiteres Thema des Bauerntages in Schirradorf war die gemeinsame europäische Agrarpolitik für die neue Förderperiode ab dem Jahr 2020. Leider enthalte der bislang vorliegende Entwurf viele negative Punkte, sagte der stellvertretende Kreisobmann. Insbesondere kritisierte Peetz die Mittelkürzungen zu Lasten der Landwirtschaft aufgrund des Brexit. „Direktzahlungen müssen unbedingt erhalten bleiben, schließlich steigen ja auch die Kosten“, so Peetz. Er forderte außerdem eine bessere Unterstützung für die bäuerlichen Familienbetriebe, für die nicht selten die gesamte Existenz davon abhängt.

Der Europaabgeordnete Albert Deß räumte ein, dass die Landwirtschaft vor allem durch das Ausscheiden Großbritanniens wohl nicht ungeschoren davon kommen würde. Realistisch müsse man mit insgesamt sechs Prozent weniger Mittel im künftigen Agrarhaushalt rechnen. Darüber hinaus würden aber auch die hiesigen Bauern das Ausscheiden Großbritanniens zu spüren bekommen. „Wir verlieren ein wichtiges Exportland“, so Deß. Die jährlichen Lieferungen deutscher Agrarprodukte nach Großbritannien hätten ein Volumen von 4,6 Milliarden Euro. Umgekehrt beliefen sich die Lieferungen von Großbritannien nach Deutschland auf lediglich 1,6 Milliarden Euro.

Bilder:
1. Die Kulmbacher BBV-Kreisvorstandschaft traf sich auf dem Gelände des Landtechnikunternehmens Nicklas in Schirradorf zum Meinungsaustausch mit dem Europaabgeordneten und EVP-Agrarsprecher Albert Deß.
2. Einen Präsentkorb mit Spezialitäten aus der Genussregion Oberfranken überreichten der stellvertretende Kreisobmann Harald Peetz (rechts) und Friedbert Weiß (Mitte) vom mitveranstaltenden John-Deere-Fanclub an den Europaabgeordneten Albert Deß.
3. Mit jeweils 1000 Euro haben die VR-Bank Oberfranken-Mitte und die Sparkasse Kulmbach-Kronach die „Young Farmers Party“ in Schirradorf unterstützt. Entsprechende Schecks überrreichten Helmut Potzel und Frank Ramming zusammen mit den Ehrengästen an die Vertreter der Jungbauernschaft.

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10.06.2018

Geballte Forstkompetenz unter einem Dach /
Waldkompetenzzentrum Scheßlitz offiziell eröffnet

Scheßlitz, Lks. Bamberg. Mit einem Informationstag ist das neue Waldkompetenzzentrum nun auch offiziell in Betrieb gegangen. Unter einem Dach sind künftig am Neumarkt in Scheßlitz neben dem Bereich Forsten des Amtes für Landwirtschaft, der Waldbesitzervereinigung (WBV) Bamberg, der Revierverwaltung der Bayerischen Staatsforsten auch die Forstwirtschaftliche Vereinigung Oberfranken (FVO) und ab Juli der Bayerische Waldbesitzerverband mit einer Außenstelle vertreten. Mit dieser einmaligen Bündelung an Wald- und Forstkompetenz könne sich Scheßlitz getrost als Waldhauptstadt Bayerns bezeichnen, sagte Bürgermeister Roland Kauper.

Sämtliche Vereinigungen stellten sich beim Waldinformationstag mit Infoständen der Öffentlichkeit vor. Mit Hilfe von Gewinnspielen, Mitmachaktionen und Fachgesprächen wurde den zahlreichen Besuchern aus der Stadt Scheßlitz und dem Landkreis Bamberg nicht nur die Bedeutung des Waldes für die gesamte Gesellschaft nahe gebracht. Im Rahmen eines Tages der offenen Tür konnten alle Interessierten auch die großzügigen Räumlichkeiten besichtigen.

Höhepunkt des offiziellen Teils war die öffentliche Ehrung von zwei Waldbesitzern, die sich seit Jahrzehnten um den Wald im Landkreis Bamberg verdient gemacht haben, durch die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml. Sie zeichnete Alfred Deinlein aus Neudorf bei Scheßlitz und Walter Beringer aus Busendorf bei Rattelsdorf mit Urkunden aus.

Deinlein war 1969 Gründungsmitglied der damaligen Forstbetriebsgemeinschaft Bamberg Ost, einem Vorgänger der WBV Bamberg. Er ist seitdem ohne Unterbrechung als Funktionsträger tätig. Angelika Morgenroth, Vorsitzende der WBV Bamberg nannte Deinlein ein „Sprachrohr für den Wald“ und ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Amt, seinen Förstern und den Waldbauern. Deinlein bewirtschaftet zusammen mit seiner Familie rund 30 Hektar Wald, zwei Drittel davon hat er bereits in klimatolerante Mischwälder umgebaut.

Der zweite Geehrte Walter Beringer war vor 40 Jahren Gründungsmitglied der WBV Bamberg Nord, ebenfalls ein Vorgänger der heutigen WBV Bamberg. Auch er ist ein langjähriger Funktionsträger und durch seine unermüdlichen Aktivitäten weit über den Landkreis hinaus bekannt. Beringer bewirtschaftet 8,3 Hektar Wald auf zehn Flurstücken, wo er durch den Anbau von Kirsche, Ahorn, Elsbeere, Lärche und Douglasie ebenfalls klimatolerante Mischbestände forciert.

Gesundheitsministerin Huml hatte zuvor den Beitrag des Waldes für die menschliche Gesundheit herausgestellt. Wald strahle Ruhe aus, er ist deshalb gut für die psychische Gesundheit, sagte sie. Jeder, der sich im Wald bewegt, der tue auch etwas für seine eigene Gesundheit, so mit Ministerin. Nicht zuletzt vermittle der Wald gerade Kindern viele wichtige Kompetenzen.

Zum Wohl der Mitglieder profitierten in Scheßlitz alle Beteiligten von den kurzen Wegen, so der FVO-Vorsitzende Wolfgang Schultheiß. Unter dem Dach der FVO sind seinen Worten zufolge rund 20000 Mitglieder mit einer Waldfläche von circa 140000 Hektar zusammengeschlossen. In Scheßlitz sei künftig die geballte Kompetenz vorhanden, um für die nächsten Jahrzehnte und Jahrhunderte gewappnet zu sein, sagte die bayerische Waldkönigin Johanna Gierl.

Ernste Worte sprach Josef Ziegler, Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, an. Er bezeichnete den Klimawandel als dramatische Herausforderung für die Waldbauern. Sie seien die ersten Leidtragenden des Klimawandels, obwohl sie ihn gar nicht verursacht hätten. Gerade die zurückliegenden Monate, der heiße April und der ebenfalls heiße Mai, ließen nicht Gutes erwarten und zeigten, dass ein Pakt zwischen Gesellschaft und Waldbesitz zur Bewältigung dieser Herausforderung nötiger denn je zuvor ist.

Bilder:
1.
 Waldbesitzerverbandspräsident Josef Ziegler, Waldkönigin Johanna Gierl, Ministerin Melanie Huml, die beiden geehrten Waldbesitzer Walter Beringer und Alfred Deinlein, WBV-Vorsitzende Angelika Morgenroth, Forstdirektor Hans-Rüdiger Schmittnägel und FVO-Vorsitzender Wolfgang Schultheiß (von links) beim Waldinformationstag in Scheßlitz.
2.
 Vorsitzender Wolfgang Schultheiß erläuterte der bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml die Aufgaben der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken.
3. An Infoständen präsentierten alle beteiligten Forstorganisationen ihre Aufgabengebiete.
4. Über die Tätigkeit des in Scheßlitz angesiedelten Bereichs Forsten informierte das Bamberger Amt für Landwirtschaft an seinem Stand.

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13.05.2018

Fränkischer Dreiklang: Bratwürste, Brot und Bier / Ein Fest für den Gaumen – Stephan Jamm aus Markt Einersheim wurde Bratwurstkönig

Pegnitz. Zunächst war es eine Schnapsidee, mittlerweile ist aus dem Fränkischen Bratwurstgipfel eines der schönsten Feste in der Region geworden: 14 Metzger, davon jeweils sechs aus Ober- und aus Mittelfranken sowie zwei aus Unterfranken, sind im Pegnitzer Wiesweiherpark zum Wettstreit um den Titel des Fränkischen Bratwurstkönigs angetreten. Alles in allem brutzelten fast 30 Bratwurstsorten auf dem Rost.

Bratwurstkönig wurde der Metzger Stephan Jamm von der Metzgerei Deininger aus Markt Einersheim in Unterfranken einmal mit seiner „Kerwa-Bratwurst“, zum zweiten mit seiner „Gyros-Bratwurst“. Erlaubt war alles, was schmeckt. Gebraten wurden in diesem Jahr in der Kategorie Kreativbratwurst unter anderem eine „Wildbretwurst mit Kraut und Beeren“, ein „Zwetschgen-Röster“; eine „Schokoladen-Eierlikör Bratwurst“ und eine „Kürbisbratwurst im Bändel“. In der Kategorie klassische Bratwurst war in diesem Jahr erstmals eine „Original Nürnberger Rostbratwurst“ mit am Start, angeboten von der Genußwerkstatt Nina Weiß aus Nürnberg.

Die Schirmherrschaft hatte die neue bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber übernommen. Jede fränkische Region habe ihre eigene Bratwursttradition, sagte sie. Kaniber überreichte an Bürgermeister Uwe Raab die Urkunde zur Auszeichnung „100 Genussorte Bayerns“.

Bei den drei Wettbewerben bewerteten drei Jurys die Bratwürste. Prominente Juroren, darunter die Bayreuther Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert, Matthias Matuschik von Bayern 3, Bürgermeister Uwe Raab und HWK-Präsident Thomas Zimmer saßen über die fränkische Wurstvielfalt zu Gericht.

Der „Gipfel“ sei längst Kult geworden, sagte Bürgermeister Uwe Raab. In der größten Stadt des Bayreuther Landkreises war vor fünf Jahren die Idee zu dem Fest entstanden. Der Dreiklang von Bratwürsten, Brot und Bier halte Leib und Seele zusammen. Organisator Michael Breitenfelder, der das Wirtschaftsband A9 aus 18 Kommunen managt, betonte die Bedeutung des Gipfels für den Wirtschaftsstandort Pegnitz. Es gehe darum, die Qualität der Erzeugnisse zu vermitteln, die täglich in den Betrieben hergestellt werden — und dies nachhaltig: „Die Wirkung des Gipfels soll nicht zu Ende sein, wenn die Holzkohlenasche im Grill verglommen ist.“

Die Ausnahmeveranstaltung sei eine Riesenchance für die Metzgerbetriebe, ihr Handwerk zu präsentieren, so Thomas Zimmer, Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken und zweiter Vorsitzender des Vereins zum Schutz der fränkischen Bratwurstkultur. Er sprach vom größten Event, den die drei fränkischen Kammern gemeinsam ausrichten. „Gewinner sind die Metzger“, sagte Zimmer. Das Motto, das er diesmal zum Bratwurstgipfel ausgab, lautete: „Erlaubt ist, was schmeckt.“.

Veranstaltet wurde der Fränkische Bratwurstgipfel vom Verein zur Förderung der fränkischen Bratwurstkultur e.V. zusammen mit den fränkischen Handwerkskammern. Erstmals wurde heuer ein Eintritt von fünf Euro erhoben, was im Vorfeld für Irritationen gesorgt hatte. Allerdings war im Eintrittspreis ein Verzehrbon von drei Euro enthalten. Trotz des umstrittenen Eintritts waren aber nach offiziellen Angaben zwischen 17000 und 18000 Besucher gekommen, nur geringfügig weniger, als in den zurückliegenden Jahren.

Bilder:
1.
       Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, die oberfränkische Bierkönigin Christina Pollnick, HWK-Präsident Thomas Zimmer, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (von links) sowie der Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab (rechts) kürten Stephan Jamm von der Metzgerei Deininger und aus Markt Einersheim zum fränkischen Bratwurstkönig.
2.
Handwerkskammerpräsident Thomas Zimmer, die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert und der Vizepräsident des Bayreuther Landgerichts Michael Eckstein (von links) testeten als Jurymitglieder die verschiedenen Bratwurstkreationen.

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11.05.2018

Faszinierende Welt der Bienen / Christine Medick aus dem Fichtelgebirge hat die Imkerei als Hobby für sich entdeckt

Kothigenbibersbach. Imkern wird jünger und weiblicher, das ist sich Christine Medick sicher. Die langjährige Kreisbäuerin aus Kothigenbibersbach bei Thiersheim im oberfränkischen Landkreis Wunsiedel hat vor fünf Jahren die Welt der Bienen für sich entdeckt und sie ist noch immer schwer begeistert davon. „Wenn du bei den Bienen bis, dann vergisst du alles“, sagt sie.

Dabei hätte Christine Medick wirklich genug um die Ohren. Zusammen mit ihrem Mann Roland und Sohn Fabian bewirtschaftet sie einen Ferkelerzeugerbetrieb mit 250 Zuchtsauen mit 60 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche plus fünf Hektar Teiche und fünf Hektar Wald. Seit 1997 ist sie im Bauernverband aktiv, davon 15 Jahre als Kreisbäuerin, davor fünf Jahre als Stellvertreterin und aktuell wieder als Stellvertreterin, nachdem sie bei den zurückliegenden Wahlen freiwillig in die zweite Reihe zurückgetreten ist.

Dazu kommt noch das politische Engagement für die Freien Wähler seit 2002 im Kreistag von Wunsiedel und seit dem gleichen Jahr auch im Marktgemeinderat von Thiersheim. Eigentlich ist sie gelernte Bürokauffrau. 1987 hat die heute 48-Jährige in die Landwirtschaft eingeheiratet, 1995 hat ihr Mann den Betrieb, damals noch mit Schwerpunkt Bullenmast, von seinem Vater übernommen.

„Willst du Gotten Wunder sehen, musst du zu den Bienen gehen“, heißt ein Sprichwort und wer sich von Christine Medick die Welt der Bienen erklären lässt, der weiß, dass an diesem Spruchwort etwas dran ist. „Es ist so faszinierend, wie das alles funktioniert“, sagt sie und spricht von aktuell sehr arbeitsintensiven Tagen von Mai bis Juli, wenn tägliche Schwarmkontrollen, Milbenkontrolle und schließlich auch der Beginn der Honigernte auf dem Programm stehen.

Dabei hat alles gar nicht so erfreulich begonnen. Von einem Mitglied eines Imkervereins erhielt sie eines Tages eine böse E-Mail, in der sinngemäß stand, dass die Landwirtschaft wieder einmal an allem schuld sei, auch am Bienensterben. „Wir waren entsetzt“, erinnert sich Christine Medick, begann im Internet zu recherchieren und kam mit dem Vorsitzenden des Arzberger Imkervereins Gerhard Armbruster, ihrem heutigen Imkerpaten, ins Gespräch.

Weil schon der Großvater ihres Mannes Imker war und eine Honigschleuder und alte Kästen noch vorhanden waren, entschloss sich Christine Medick, es selbst einmal zu versuchen. Die Ausstattung war zwar nicht mehr zu gebrauchen, doch das Interesse war geweckt und sie besuchte erste Veranstaltungen bis hin zum Anfängerkurs in Theorie und Praxis. Dann besorgte sie sich die entsprechende Schutzkleidung, also Imkerhut mit Schleier und Handschuhe, die entsprechenden Geräte wie „Smoker“ und Stockmeißel. Das erste Volk kam vom Verein und los ging es mit der Imkerei.

Aktuell schwirren zwei Völker um das hölzerne Bienenhaus herum. Dabei sind die Völker noch im Aufbau, 30000 bis 40000 Bienen sind es pro Volk am Ende. Im Schnitt kann Christine Medick um die 40 Kilogramm Honig ernten, wobei sie im ersten Jahr mit 60 Kilogramm gleich den besten Ertrag hatte. Natürlich wird der Honig auch verkauft, über einen Landhändler in Thiersheim und am eigenen Hof. Die Imkerei ist trotzdem nur ein Hobby, auch wenn ein eigener Kurs notwendig war, um den Gewährverschluss mit aufgedruckter Kontrollnummer des Deutschen Imkerbundes als geschütztes Warenzeichen zu bekommen.

Man muss immer etwas haben, worauf man sich besonders freuen kann, sagt Christine Medick und schwärmt für ihr Hobby, das sie die Sorgen vergessen lässt. Seit dem vergangenen Jahr ist allerdings noch ein zweites Hobby dazugekommen. 2017 hat sie den Motorradführerschein gemacht. Seitdem unternimmt sie gerne auch mal Touren durch die Fränkische Schweiz, durch die Oberpfalz oder durch das benachbarte Tschechien.

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09.05.2018

Fischotter: Zu spät für Kompromisse / Werbung für heimischen Fisch - Teichgenossenschaft eröffnete Fischgrillsaison

Förbau. Die Zeit des Stockfisches ist vorbei, ebenso die Karpfensaison, ab Mai ist Fisch wieder als Grillgut gefragt. Dabei sollte es natürlich heimischer Fisch sein, meinen die Akteure der Teichgenossenschaft Oberfranken. Um darauf hinzuweisen und die Vielfalt heimischen Fisches herauszustellen, haben sie zusammen mit Vertretern aus der Politik werbewirksam die Fischgrillsaison eröffnet. Diesmal in Förbau, einem Ortsteil von Schwarzenbach an der Saale im Landkreis Hof.

Dort betreiben Dana und Christoph Teschner seit knapp drei Jahren die „Herrschaftliche Gastwirtschaft“, die sich auf heimische Spezialitäten konzentriert. Zusammen mit dem jungen Teichwirt Stefan Vider, der die Fische liefert, haben sie dabei eindrucksvoll gezeigt, was man mit Fisch aus Oberfranken so alles machen kann: Saure Zipfel vom heimischen Waller beispielsweise, ein Saiblings-Filet im Bierteig oder das Forellensteak vom Holzkohlengrill mit Wildkräutersalat und Ofenkartoffeln.

Fisch ist immer ein Thema und zwar über Parteigrenzen hinweg, sagte der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Dr. Peter Thoma aus Thiersheim im Landkreis Wunsiedel. Neben Landtagsvizepräsidentin Ulrike Gote von den Grünen konnte er auch die Landtagsabgeordneten Alexander König (CSU) und Klaus Adelt (SPD) begrüßen.

Die Teichwirtschaft sei in Oberfranken nicht unbedingt der Haupterwerbszweig, aber doch ein hohes Kulturgut, sagte König. Viele Menschen wüssten es gar nicht zu schätzen was es für ein tolles Angebot an heimischen Fisch in Oberfranken gibt, so Adelt. Landtagsvizepräsidentin Gote sprach in ihrem Grußwort auch das heikle Thema Fischotter an. Er sei schon auch wichtig für die ökologische Vielfalt, meinte sie. Erst wenn sein aufkommen nicht mehr zu händeln ist, müsse man über entsprechende Maßnahmen nachdenken, so Gote. Sie appellierte an die Teichwirte, Kompromisse einzugehen.

Damit zog sich Gote den Unmut der Teichwirte zu. Für Kompromisse sei es längst zu spät, hieß es. Ein Teich nach dem anderen sei bereits leer, die Schäden seien längst viel zu massiv, entgegnete Teichwirt Vider. Die bereitgestellten Entschädigungen für Fischotterschäden seien zwar nett, doch wenn man nicht mehr liefern kann, weil der Fischotter nichts übrig gelassen hat, dann wird es für den Teichwirt problematisch, so Vorsitzender Thoma.

Der Fischotter frisst tatsächlich die Teiche leer, wusste auch Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Besonders die Landkreise Hof und Wunsiedel seien betroffen. Erst der Kormoran, dann der Biber, jetzt der Otter: „Wir können nicht zulassen, dass über Jahrhunderte gewachsene Strukturen zerstört werden“, so Denzler. Er sprach sich dafür aus, an dem Drei-Säulen Modell „Information, Prävention und gezielte Entnahme“ festzuhalten, um der Problematik Herr zu werden. Denzler wunderte sich dabei auch über den Widerstand beim Bau neuer Teichanlagen. „Wir sollten ein bisschen mehr Vertrauen in die Natur haben“, sagte er.

Bildtext:
1. Christoph Teschner von der „Herrschaftlichen Gastwirtschaft“ in Förbau bereitete zur Eröffnung der Fischgrillsaison unter anderem einen Salat vom geräucherten Saibling mit fränkischem Spargel zu.
2.
Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, Vorsitzender Dr. Peter Thoma, Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler, MdL Alexander König, der Schwarzenbacher Bürgermeister Hans-Peter Baumann, MdL Klaus Adelt, Dr. Thomas Speierl von der Fischereifachberatung des Bezirks und Landtagsvizepräsidentin Ulrike Gote (von links) haben die Fischgrillsaison in Oberfranken eröffnet.

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11.04.2018

Jagddruck auf Oschenberg erhöhen / Wo einst Panzer durchs Gelände fuhren, tummelt sich jetzt Schwarzwild – Bauern sprechen von existentiellen Schäden

Nemmersdorf. „Wir sind praktisch der Supermarkt für die Sauen.“ Markus Weishäupl, Landwirt aus Deps, hat die Nase voll. 50 Wildschweine hat er binnen weniger Tage auf seinen Feldern rund um den Oschenberg nahe der Bayreuther Stadtgrenze gezählt. „Man kommt gegen das Schwarzwild einfach nicht an“, so Weishäupl. Zusammen mit anderen Landwirten, die rund um den Oschenberg Felder und Grünland bewirtschaften, hat er sich nun zusammengetan, um mit der Bayreuther Bundestagsabgeordneten Dr. Silke Launert (CSU) eine Lösung zu finden.

Der Oschenberg bei Bayreuth nimmt in Sachen Schwarzwild eine absolute Sondersituation ein. Es handelt sich dabei um den rund 300 Hektar großen, ehemaligen Truppenübungsplatz der Bundeswehr, der seit dem Abzug der Soldaten als Muschelkalkgebiet unter Naturschutz steht und nicht verpachtet ist. Bewirtschaftet wird er im Auftrag der Bundesimmobilienanstalt (BIMA) von der Naturerbe GmbH. Drumherum haben die Bauern ihre Felder und ihr Grünland.

Früher, als die Panzer über den Oschenberg fuhren und Wehrpflichtige durch das Gebüsch robben mussten, verirrte sich keine einzige Wildsau auf das Gelände. Heute bieten die vielen Büsche, Hecken und Dickichte prima Versteckmöglichkeiten. Tagsüber verwüsten die Tiere auf der Suche nach Nahrung die Umgebung, nachts ziehen sich auf den Oschenberg zurück, wo sie sich absolut sicher fühlen können.

„Den Abschuss in den Griff zu bekommen, ist unheimlich schwierig“, sagte Landwirt Christian Popp bei dem Gespräch mit der Abgeordneten und verwies auf die vielen Rückzugsgebiete. Durch die herkömmliche Ansitzjagd sei es unmöglich, zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen, so Berufskollege Simon Schmidt. Seinen Worten zufolge gibt es die größten Schäden bei Mais, Raps, Weizen, Erbsen und Grünland. Die durchschnittlichen Schäden bezifferte er beim Weizen auf 186 Euro pro Hektar bei einem niedrig angesetzten Ausfall von zehn Prozent der Ernte. Beim Mais kommt Schmidt auf rund 547 Euro pro Hektar für Saatgut und Ertragsausfall.

„Die ökonomischen Schäden werden mittlerweile existentiell“, sagte Schmidt. Bereits unternommene Vergrämungsmaßnahmen wie die Aufstellung von Wildscheuchen, die Ausbringung von elementarem Schwefel oder spezielle Saatgutbeizen hätten, wenn überhaupt, nur kurzzeitigen Erfolg gezeigt. Dabei hätten sich die Strecken binnen kürzester Zeit verdoppelt und verdreifacht, erläuterte Hans Popp, Jagdberater des Landkreises.

Als probates Mittel gegen das Schwarzwild bezeichnete er die andernorts mit großem Erfolg angewandten Drückjagden. Rund um den Oschenberg seien sie allerdings mit einem gigantischen Aufwand verbunden. Gründe sind die nahe Staatsstraße und die nahezu parallel verlaufenden Bahnlinie Bayreuth – Weidenberg, die beide gesperrt werden müssten.

„Ziel muss es sein, der Bundesimmobilienanstalt nahe zu bringen, dass rund um den Oschenberg bei Bayreuth dringender Handlungsbedarf besteht“, sagte die Bundestagsabgeordnete Launert. Sie will sich deshalb vor allem dafür einsetzen, bei der Behörde Sensibilität für das Thema zu wecken. Als weitere Möglichkeiten, das Schwarzwild einzudämmen brachten die beteiligten Landwirte unter anderem die Errichtung von Lebendfallen („Saufängen“), die Ausgabe von mehr Begehungsscheinen und damit den Einsatz von mehr Jägern, die derzeit im Naturschutzgebiet verbotene Kirrung (Anlockfütterung) sowie Erleichterungen bei der Genehmigung von Nachtsichtgeräten ins Gespräch.

Bild: In Sachen Schwarzwild besteht rund um den Oschenberg dringender Handlungsbedarf: die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert und Hans Popp, Jagdberater des Landkreises Bayreuth bei dem Fachgespräch in Nemmersdorf.

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13.03.2018

Bodenkultur und Bodenfruchtbarkeit verbessern / Auf dem Ackerbaubetrieb von Alexander Wölfel in Kulmbach werden Boden- und Gewässerschutz groß geschrieben

Kulmbach. Rund 100 landwirtschaftliche Demonstrationsbetriebe für den Gewässer-, Boden- und Klimaschutz gibt es in Bayern. Mit dem Betrieb von Alexander Wölfel am Eulenhof ist dabei auch einer im Landkreis, genauer am Stadtrand von Kulmbach angesiedelt.

2016 hatte Alexander Wölfel die Tierhaltung aufgegeben. Er bewirtschaftet seinen Hof ökologisch als Ackerbaubetrieb im Nebenerwerb. Wichtigste Feldfrüchte sind zweijährig Kleegras, Winterweizen, Körnermais, Sommergerste, Erbsen und Triticale.

„Das bayernweite Netzwerk von Demonstrationsbetrieben soll eine Austauschplattform rund um Boden und Gewässer sein“, sagte Bernadette Ackermann. Sie ist als Wasserberaterin beim Amt für Landwirtschaft in Bayreuth angesiedelt und für die Landkreise Bayreuth, Kulmbach und Kronach zuständig. Die Demonstrationsbetriebe sind für sie ein optimales Mittel, um Landwirten, aber auch Beratern und Auszubildenden in der Landwirtschaft sowie einer interessierten Öffentlichkeit zu zeigen, wie Gewässer- und Erosionsschutz funktionieren.

Wichtigstes Mittel nicht nur für Landwirt Alexander Wölfel ist der Anbau von Zwischenfrüchten auf rund 15 Hektar. Auf den Flächen hat er verschiedene Parzellen angelegt, um verschiedene Anbausysteme und Zwischenfruchtmischungen auszutesten. „Wir wollen wissen, welche Mischungen sich am besten eigenen, wie man sie am besten sät und düngt“, so Wölfel. Seine optimale Mischung besteht unter anderem aus Alexandrinerklee, Buchweizen, Senf, Raps, Kresse, Ölrettich und Tillagerettich.

Ein Vorteil von Zwischenfrüchten ist es nach den Worten von Sachgebietsleiter Klaus Schiffer-Weigand vom Amt für Landwirtschaft in Kulmbach, dass Nährstoffe aufgenommen und gebunden werden. Diese Nährstoffe stünden dann der Folgekultur wieder zur Verfügung. Damit werde ein Auswaschen von Stickstoff in das Grundwasser verringert. Die zusätzliche organische Masse der Pflanzen verbessere die Bodenstruktur und die Bodenfruchtbarkeit. Zwischenfrüchte werden nach der Ernte im Sommer gesät, in der Regel im Winter eingepflügt und damit dem Boden wieder zurückgegeben.

Zwischenfrüchte fördern also vor allem das Bodenleben, Humus werde aufgebaut und die Böden seien besser in der Lage, Nährstoffe zu speichern. Eine bewachsene Fläche in den Wintermonaten wird außerdem als bester Schutz gegen Erosion bezeichnet. Als weiteren Effekt nannte es Alexander Wölfel, dass bei bedecktem Boden der Wuchs von Unkraut unterdrückt wird.

Doch nicht nur das Wasser und die Böden profitieren von der Maßnahme, auch die Imker freuen sich, denn Bienen nähmen die Zwischenfrüchte dankbar an. Der Kulmbacher Landwirt sagt aber auch, dass der Zwischenfruchtanbau ein langwieriger Prozess sei. „Dort wo der Boden schlecht ist, dort wächst auch die Zwischenfrucht schlechter“, gibt er zu bedenken.

Die Kosten der Maßnahme beziffert Alexander Wölfel auf rund 60 Euro pro Hektar für die Mischung, 50 Euro pro Hektar für die Saat und weitere 35 Euro pro Hektar für die Bearbeitung. Die 145 Euro lohnten sich aber schon deshalb, da am Ende höhere Erträge stehen. „Die Kosten kommen im Rahmen der Fruchtfolge wieder herein“, fasst der Landwirt das Ergebnis des Demonstrationsanbaus zusammen. Förderungsmöglichkeiten gibt es außerdem über die europäischen Direktzahlungen und über das bayerische Kulturlandschaftsprogramm.

Bild: So sieht der optimale Boden aus (von links): Thomas Ruckdeschel vom Wasserwirtschaftsamt, Landwirt Alexander Wölfel, Sachgebietsleiter Klaus Schiffer-Weigand vom Amt für Landwirtschaft in Kulmbach und Wasserberaterin Bernadette Ackermann vom Amts für Landwirtschaft in Bayreuth begutachten den lockeren und gut durchwurzelten Boden unter der Zwischenfrucht auf einem Feld direkt am Radweg zwischen Leuchau und Kulmbach.

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12.03.2018

Realität statt Romantisierung / BBV-Kreisversammlung: Landwirte werden zu Öffentlichkeitsarbeitern in eigener Sache

Kulmbach. Da ist noch Luft nach oben. Guido Winter vom Amt für Landwirtschaft in Kulmbach brachte es am Ende auf den Punkt, was die Öffentlichkeitsarbeit in der Landwirtschaft angeht. Bei der öffentlichen Kreisversammlung des BBV Kulmbach ging es vor allem um das Image der Bauern. Das soll der 2016 gegründete Verein „Unsere bayerischen Bauern“ aufpolieren.

Geschäftsführerin Eva-Maria Haas zog dabei ein überaus positives Fazit der bisherigen Arbeit. Sie sprach von über 1,3 Millionen Aufrufen der Internetseite www.unsere-bauern.de, von gut 61000 Likes bei Facebook, von rund 600 Facebook-Beiträgen und von zahlreichen Kurzfilmen, auch zu kritischen Themen, einem neuen Newsletter, Plakaten und Radiospots bis hin zu Rezepten und Veranstaltungshinweisen. „Wir wollen aber nicht nur mit Fakten, sondern auch mit Sympathie überzeugen“, sagte Eva-Maria Haas. Dazu sei es wichtig, die Realität darzustellen und nicht eine romantisierte Landwirtschaft.

Eine derartige Imagekampagne kostet freilich auch Geld. Bislang wurde die Arbeit von allen beteiligten Mitgliedsorganisationen aus den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, Fischerei und vielen benachbarten Zusammenschlüssen finanziert. Neu sind Sponsoren aus der Wirtschaft. Um den angestrebten Wunschetat von drei bis 3,5 Millionen Euro zu erreichen, seien nun aber auch Branchenbeiträge der Landwirte notwendig. „Auf freiwilliger Basis, orientiert am Umsatz und an der vermarkteten Menge“, so Eva Maria Haas. Konkret geht es um 0,45 Promille vom Umsatz, also um 45 Cent pro 1000 Euro. Nur so können wir nachhaltig und langfristig zum Verbraucher durchdringen“, sagte die Geschäftsführerin. Nur wenn sich möglichst viele Landwirte an der Finanzierung beteiligen, könne die Image-Kampagne fortgesetzt werden.

Zuvor hatte Kreisobmann Wilfried Löwinger bereits von einer Erfolgsgeschichte gesprochen. Löwinger appellierte an seine Berufskollegen, den Verein zu unterstützen. „Wenn es diesmal nicht klappt, dann funktioniert es nie wieder“, sagte er und erinnerte an die 2009 vor allem wegen der Finanzierung heftig kritisierten Auflösung der „Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft“ (CMA).

Auch Löwinger rückte das Image der Bauern in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. „Wir sind keine Giftmischer oder Tierquäler“, sagte er. Löwinger kritisierte insbesondere „Phantomdiskussionen“, in der jeder seinen Senf dazu gebe, egal ob er eine Ahnung von der Sache hat, oder nicht. Der Kreisobmann forderte ein Stückweit mehr Vernunft und weniger ideologisch geprägtes Gedankengut.

Das sah Landtagsabgeordneter Martin Schöffel ähnlich. Die Darstellung der modernen Landwirtschaft werde eine der wichtigsten Aufgaben der Zukunft sein, sagte er. Die heimische Landwirtschaft genieße das Vertrauen der Bevölkerung. Noch nie habe es so hochwertige Nahrungsmittel gegeben, noch nie sei das Tierwohl von so großer Bedeutung gewesen. Trotzdem gebe es in vielen Medien immer wieder Beiträge, die mit der Realität nichts zu tun haben, in denen Fakten vermischt oder verdreht werden. Schöffel: „Da müssen wir dagegen halten.“

Egal ob die Erzeugung hochwertiger Nahrungsmittel, die Pflege der Kulturlandschaft oder die Bereitstellung von Energie: die Landwirtschaft genieße im Landkreis Kulmbach einen hohen Stellenwert, so der stellvertretende Landrat Jörg Kunstmann. Zweiter Bürgermeister Stefan Schaffranek stellte den neuen Studiengang „Life Science – Food and Health“ vor, den die Universität Bayreuth am Standort Kulmbach realisieren möchte. Damit bekomme Kulmbach eine eigenständige Fakultät für Lebensmittel und Gesundheit. Bereits im Wintersemester 2020/2021 sollen die ersten Studenten am neuen Campus studieren können.

Bild: BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger bedankte sich bei Eva-Maria Haas, der Geschäftsführerin des Vereins „Unsere bayerischen Bauern“.

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01.03.2018

Mehr Kühe als Menschen / Neuer Geschäftsführer, neues Büro: MR Münchberg bietet breite Angebotspalette – Herdenmanagerin Lisa Tutsch berichtete über Milchproduktion in Neuseeland

Selbitz, LKs. Hof. Sie wollte nach ihrem Landwirtschaftsstudium die Welt sehen und ging für ein halbes Jahr nach Neuseeland. Auf einem landwirtschaftlichen Betrieb verdiente sie sich das notwendige Geld und irgendwie blieb sie hängen. Jetzt dreieinhalb Jahre später hat Lisa Tutsch ihren Lebensmittelpunkt auf Neuseeland, sie ist mittlerweile stellvertretende Herdenmanagerin auf einer „Kuhfarm“ mit 1200 Tieren. Für ein paar Tage kam Lisa Tutsch jetzt in ihre Heimat nach Rothenbürg bei Selbitz im Landkreis Hof zurück und war bei mehreren Veranstaltungen eine gefragte Referentin. So auch bei der Jahresversammlung des  Maschinen- und Betriebshilfsrings Münchberg und Umgebung in Selbitz.

„Ställe gibt es kaum, in Neuseeland ist alles grundsätzlich Weidehaltung“, sagte Lisa Tutsch. Die Zahl der Kühe in dem Land am anderen Ende der Welt bezifferte sie auf 4,8 Millionen (zum Vergleich: Deutschland 4,2 Millionen). Damit gibt es in Neuseeland mehr Kühe als Menschen. „Kühe sieht man eigentlich überall“, sagte sie und zeigte beeindruckende Fotos und Videos mit Kühen vor prächtiger Kulisse.

Die Milchproduktion des Landes gab sie mit 21 Millionen Tonnen pro Jahr an. Zum Vergleich Deutschland hat eine jährliche Produktion von gut 32 Millionen Tonnen. Aufgrund der extensiven Haltung gebe es in Neuseeland zwar mehr Kühe, aber weniger Milch, erläuterte die Referentin. 95 Prozent davon gingen in den Export, wobei Neuseeland aber trotzdem nur drei Prozent an der Weltproduktion hält. Abgerechnet werde nach Inhaltsstoffen, nicht nach Menge.

Geleitet würden die Farmen von Managern, Besitzer seien entweder Privatpersonen oder Firmen, beziehungsweise Investorengruppen, die teilweise aus dem Ausland kommen. Die Arbeit, beispielsweise das Melken am zentralen Melkstand oder am Karussell machen Fremdarbeitskräfte. Interessant auch die Kommunikation der Mitarbeiter untereinander, die nicht nur über Listen oder „White Boards“ erfolgt, sondern auch über Whatsapp- oder Facebook-Gruppen.

Der Vortrag von Lisa Tutsch war der Höhepunkt der Jahresversammlung des Münchberger Maschinenrings. Sie stand aber auch im Zeichen eines Führungswechsels. Dabei wurde Patrick Heerdegen, 24 Jahre alt und aus Marktschorgast im Landkreis Kulmbach stammend, als neuer Geschäftsführer vorgestellt. Er löst Gerhard Böhner ab, der seit 1994 für den Ring tätig war. Böhner wird weiterhin Geschäftsführer der GmbH bleiben.

Ein Ende hat künftig die Raumnot des Maschinenrings. „Wir hatten bislang „das kleinste Großraumbüro des Universums“, sagte Vorsitzender Siegfried Hüttner. Nachdem das Grüne Zentrum in Münchberg frühestens im Jahr 2020 fertiggestellt wird, zieht der Maschinenring als Zwischenlösung in das ehemalige Raiffeisengebäude in Ahornberg ein.

Der Maschinen- und Betriebshilfsring Münchberg hat nach den Zahlen des bisherigen Geschäftsführers Böhner 909 Mitgliedsbetriebe, einen mehr als im Vorjahr. Die Dorf- und Betriebshelfer und -helferinnen leisteten 35335 Stunden Betriebshilfe (Vorjahr 34121), davon waren 30530 Stunden soziale und 4805 wirtschaftliche Betriebshilfe. Im der klassischen Maschinenvermittlung wurde ein Verrechnungswert von knapp 2,1 Millionen Euro erzielt, was einem Anstieg von rund vier Prozent entspricht. Ein weiteres wichtiges Geschäftsfeld ist das Beratungsangebot unter anderem beim Agrardieselantrag, bei der Mehrfachantragsstellung, bei der Düngebedarfsermittlung und bei der einzelbetrieblichen Beratung.

Im Tochterunternehmen MR Hochfranken GmbH betreibt der MR Münchberg zusammen mit dem Nachbarring aus Wunsiedel unter anderem Winterdienst, Grünflächen- und Gehölzpflege, womit ein Umsatz von 1,9 Millionen Euro erzielt wurde. Das entspricht einem Plus von knapp 200000 Euro.

Bilder:
1.
 Über Milchproduktion in Neuseeland referierte Lisa Tutsch bei der Jahresversammlung des Müpnchberger Maschinenrings
2.
Der zweite und der erste Vorsitzende, Stefan Heinold und Siegfried Hüttner bedankten sich beim langjährigen Geschäftsführer Gerhard Böhner (von links).

3.
 Neuer Geschäftsführer ist der 24-jährige Patrick Heerdegen aus Marktschorgast.

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03.02.2018

Otterüberfälle bedrohen Teichwirtschaft in Oberfranken /
Teichgenossenschaft fordert Abschussgenehmigung – Neues Vermarktungsportal für heimischen Fisch

Himmelkron. Für die Teichwirte geht es mittlerweile um das nackte Überleben. „Es ist die Tragödie schlechthin“, sagte Dr. Peter Thoma, Vorsitzender der oberfränkischen Teichgenossenschaften, bei der Jahresversammlung in Himmelkron.

Thoma zielt dabei auf den Fischotter ab. Er frisst ganze Teiche leer und gefährdet damit nicht nur die heimische Produktion, sondern auch die Existenz der Teichwirte. „Da zieht eine Katastrophe auf uns zu“, sagte der Vorsitzende. Ganz schlimm sei die Situation bereits in der Oberpfalz, während Oberfranken hauptsächlich im Bereich Wunsiedel betroffen sei. Der Bereich des Mains sei dagegen noch weitgehend unangetastet.

Alexander Horn aus Helmbrechts, einer von drei Otterberatern in Bayern, weiß von Betrieben, die mittlerweile vor dem Ruin stehen. In der nördlichen Oberpfalz, für die Horn ebenfalls zuständig ist, sei beispielsweise ein Teichwirt mit allen drei Anlagen betroffen, in einem Teich seien bis zu sechs Otter unterwegs, die Schadensmeldung belaufe sich mittlerweile auf über 90000 Euro.

„In der Oberpfalz ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen, da geht es längst um das bloße Überleben“, sagte Horn, der sich in der Teichgenossenschaft als Beirat engagiert. In Oberfranken sei die Situation  im Nordosten am schlimmsten, speziell im Einzugsbereich der Eger. Einzelne Vorkommen gebe es aber bereits auch von Naila kommend über Kronach bis nach Lichtenfels. Ein großes Problem sei es, dass viele Teichwirte lange nicht merken, dass sie längst zu den betroffenen gehören.

Ziel von Alexander Horn ist es nicht nur, sich um die Schäden zu kümmern und entsprechende Anträge entgegenzunehmen, sondern auch eine Bestandsaufnahme durchzuführen. „Wir müssen nachweisen, dass der Otter nicht mehr gefährdet ist, dann erst kann er auch entnommen werden“, sagte Horn. Entnehmen heißt dabei schießen, was derzeit verboten ist. Die Schaffung eines Überblicks über die Otterpopulation sei deshalb so wichtig, weil es im Moment noch überhaupt keine verlässlichen Daten gebe.

„Wir wollen mit unserer Hände Arbeit Geld verdienen und Fische verkaufen“, sagte Walter Jakob, Vorsitzender der Nachbarteichgenossenschaft Aischgrund. Er kritisierte den Schutz einzelner Arten, ohne dass man „das große Ganze“ im Blick behält. Angekommen ist das Problem mittlerweile auch in der Politik. „Wir wollen Maßnahmen zur verstärkten Entnahme erreichen“, sagte die Bayreuther Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Die Entnahme muss Teil eines Managementplanes werden, forderte ihr Fraktionskollege Martin Schöffel aus Wunsiedel. Wenn sich solche Tiere breit machen, würden nicht nur ganze Arten verschwinden, sondern auch Kulturgüter, wie Fische aus heimischen Teichen.

Von einer Riesenherausforderung für die heimische Fischwirtschaft sprach Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Wegen der Otterüberfälle gebe es bereits verstärkt Betriebsaufgaben. „Wir müssen zwingend am Ball bleiben, um unserer Teichwirtschaft zu helfen“, so Denzler. Auf einem guten Weg sei man dagegen beim Kormoran und beim Biber. Beim Kormoran, der den Teichwirten seit Jahrzehnten das Leben schwer macht, konnte eine weitere Bejagung bereits festgeschrieben werden, beim Biber würden erste Anstrengungen Früchte tragen.

Ein neues benutzerfreundliches Marketinginstrument zur Vermarktung des heimischen Fisches ist das Regionalvermarktungsportal www.regionales-bayern.de der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Dort könnten sich alle Erzeuger unkompliziert und kostenfrei anmelden. Möglich ist es dort unter anderem Betriebsbeschreibungen, Öffnungszeiten, Kontaktdaten, eine Zufahrtsbeschreibung, ja sogar ein eigenes Logo hochzuladen.

Neu in der Vorstandschaft der Teichgenossenschaft Oberfranken ist Kassenverwalterin Elke Grußka aus Rödental. Sie tritt die Nachfolge von Georg Fiedler aus Altenkunstadt an, der nach mehreren Jahrzehnten ehrenamtlicher Tätigkeit für die Teichgenossenschaft mittlerweile seine Teichanlagen verkauft hat. Die Teichgenossenschaft Oberfranken hat knapp 1000 Mitglieder, darunter viele Klein- und Nebenerwerbsbetriebe.

Bilder:
- „Der Fischotter bedroht die Teichwirtschaft in Oberfranken“: Alexander Horn, Otterberater für Oberfranken.
- Der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Dr. Peter Thoma bedankte sich bei Vorstandsmitglied Georg Fiedler für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement.

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29.01.2018

Technik, Tradition und Toleranz / Markus Söder beim Bayreuther Landfrauentag

Bayreuth. „Für mich liegt die Zukunft Bayerns auf dem Land.“ Der designierte Ministerpräsident wusste genau, was die Landfrauen von ihm hören wollten. Beim Bayreuther Landfrauentag in der Tierzuchtklause legte er ein klares Bekenntnis zur Landwirtschaft ab und sagte zu, die Landwirte zu unterstützen und nicht zu drangsalieren.

Eingeladen hatte die Vorstandschaft Markus Söder als Finanz-, Landesentwicklung- und Heimatminister. Letzteres ist wichtig, denn Heimat lautet auch das Thema der Landfrauenarbeit in der laufenden Periode. Natürlich stimmte Söder ein Loblied auf Bayern und ganz besonders auf Franken an. Dafür verantwortlich sei in ganz besonderer Art und Weise die Landwirtschaft. „Die Familienbetriebe sind die Basis für den ländlichen Raum“, sagte er. Agrarfabriken und Agrarkonzerne möchte in Bayern niemand haben. 

Die Menschen hätten die Heimat wieder entdeckt und gemerkt, wo die eigentlichen Schwerpunkte der Zukunft liegen: „Was Bayern ausmacht, findet nicht nur in den Ballungszentren statt“, so Söder. Technik und Innovation gehöre dazu genauso wie Brauchtum und Tradition. Diese Verbindung mache Bayern so unglaublich attraktiv.

Auch einige politische Botschaften hatte der designierte Ministerpräsident mitgebracht. So kündigte er die Abschaffung der umstrittenen Straßenausbausatzung („Strabs“) an, sagte gleichzeitig aber auch zu, dass die Straßen in den Gemeinden trotzdem weiterentwickelt werden sollen. Auch zum Thema Flächenverbrauch meldete sich Söder zu Wort. So nannte er die  Entwicklungen im Ausgleichsflächenmanagement hanebüchen und stellte besondere Privilegien für die Landwirtschaft in Aussicht. „Wir wollen die Landwirte schätzen und nicht dauern belasten“, so Söder.

Schließlich plädierte Söder für Toleranz. Vor dem Hintergrund des Streits um ein Kreuz im Gerichtssaal sagte er, dass das Kreuz für Nächstenliebe und Toleranz und damit für die „Kernbasis unseres Staates“ stehe. „Diese Werte müssen, wir klar und deutlich machen“, so der Minister. Wer zu uns kommt müsse sich auch unseren Sitten und Gebräuchen anpassen.

Statt Grußworte hatte Kreisbäuerin Angelika Seyferth mehrere Damen nach vorne gebeten, um zusammen mit Markus Söder über ganz private Berührungspunkte zum Thema Landwirtschaft zu plaudern. So erfuhren die Zuhörer, dass Söder früher selbst auf dem Hof seines Onkels zum Schlepperfahren war und, dass seine Tante den besten Marmorkuchen der Welt backt.

Auch die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer beherrscht das Schlepperfahren, „auch wenn die Technik immer komplizierter wird“, so Brendel-Fischer, die als Abgeordnete ständig zwischen der Fränkischen Schweiz und dem Fichtelgebirge unterwegs ist. Ihr ist das Weitergeben von Kultur und Lebensart besonders wichtig. Die stellvertretende Bezirksbäuerin Beate Opel, die aus Berlin stammt, aber seit 37 Jahren im Landkreis Kulmbach lebt, gab an, dass sie ganz besonders an Franken hängt. „Immer wenn ich in Berlin bin, vermisse ich Franken, meine Heimat“, so Opel.

Bilder:
- Markus Söder beim Gruppenbild mit dem Bayreuth Landfrauenchor.
- Kreisbäuerin Angelika Seyferth (rechts) und ihre Stellvertreterin Doris Schmidt bedankten sich beim designierten Ministerpräsidenten Markus Söder.
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 Sechs Damen und ein Herr plaudern über Landwirtschaft (von links): Pastoralreferentin Rita Grzonka, Veterinärdirektorin Iris Fuchs, Markus Söder Kreisbäuerin Angelika Seyferth, ihre Stellvertreterin Doris Schmidt, die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer und die stellvertretende Bezirksbäuerin Beate Ope
- Der Bayreuther Landfrauenchor umrahmte den Landfrauentag mit bekannten Volksliedern.
- Gespannt lauschte das Publikum in der Tierzuchtklause den Ausführungen des Heimat- und Finanzministers Markus Söder.

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17.01.2018

Kritische Töne zum Thema Heimat /
Bezirksheimatpfleger Günter Dippold beim Pegnitzer Landfrauentag

Pegnitz. „Das ist Heimat“ lautet heuer das Motto der Landfrauenarbeit im Bayerischen Bauernverband. Allerdings definiert jeder Heimat etwas anders. Für den oberfränkischen Bezirksheimatpfleger Professor Günter Dippold bedeutet Heimat unter anderem Aufgeschlossenheit, Offenheit und Neugier. Für den Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab ist Heimat da, „wo wir gerne sind“. Für den Bayreuther Kreisobmann Karl Lappe ist die Landwirtschaft die älteste Berufsgruppe, die im Laufe der Jahreszeiten schon immer Heimat mitgestaltet hat und Karin Seehofer, Ehefrau des Bayerischen Ministerpräsidenten, sagt: „Jeder, der für sich seine Heimat gefunden hat, kann sich glücklich schätzen“.

Sie alle waren am Mittwochnachmittag Gäste des Pegnitzer Landfrauentages im ASV-Sportheim und läuteten mit ihren Ansprachen einen unterhaltsamen Nachmittag ein. Kreisbäuerin Angelika Seyferth blickte dabei dankbar auf das zurückliegende Jahr, in dem sich die Erzeugerpreise ein wenig stabilisiert hätten, zugleich aber auch sorgenvoll auf das neue Jahr. „Der Milchpreis sinkt, manche meinen, er stürzt ab“, so Seyferth. Auch die Schweinemäster und Ferkelerzeuger seien alarmiert, weil die Afrikanische Schweinepest vor der Tür steht. Die Infektion ist zwar für den Menschen völlig ungefährlich, allerdings müssten betroffene Betriebe ihren gesamten Bestand keulen.

Die Kreisbäuerin hatte allerdings auch Positives zu vermelden. So könnten die Landfrauen im Bauernverband heuer ihr 70-jähriges Bestehen feiern. Ein  Jubiläum, das auch an dem Bayreuther Kreisverband nicht vorübergehen wird. Bei einer eigenen Festveranstaltung sollen unter anderem langjährige aktive Ortsbäuerinnen geehrt werden.

Hauptreferent des Landfrauentages war der oberfränkische Bezirksheimatpfleger Professor Günter Dippold, der auch einige kritische Töne zum Thema Heimat fand. Heimat ist etwas anderes, als das, wozu sie ein verkitschtes Heimatbild gemacht habe. Derzeit sei Heimat in aller Munde, sie scheine ein gutes Image zu haben. Doch Vorsicht: schon einmal, in den 50er Jahren sei der Begriff so viel benutzt worden, dass er verbraucht und verkitscht wurde.

Auch nannte es Dippold bedauerlich, dass der zur Heimat gehörende Gemeinsinn derzeit verloren gehe. Nicht nur Gesangs- und Geschichtsvereine, auch Sportvereine hätten mehr und mehr mit Mitgliedeschwund zu kämpfen. Gemeinschaft werde als Ballast empfunden, bedauerte der Heimatpfleger.

Vielen Menschen hätten vor dem Hintergrund der Globalisierung Furcht vor Veränderung und Angst vor Fremden. Vielen sei damit ein wirkliches Heimatgefühl abhandengekommen. Dabei stamme vieles, was als typisch fränkisch gilt und unsere Heimat prägt, von Auswärtigen: Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth beispielsweise von Giuseppe Galli Bibiena aus Parma, Schloss Seehof bei Bamberg von Antonio Petrini aus dem Trentino und selbst das Frankenlied hatte Viktor von Scheffel gedichtet, der aus dem Badischen kam.

Landfrauen wüssten sehr genau, wie wichtig es ist, verwurzelt zu sein, sagte Karin Seehofer, die Gattin des Bayerischen Ministerpräsidenten. Sie bezeichnete die Landfrauen als beeindruckende Vorbilder, die sich Tag für Tag in die Gemeinschaft einbrächten. Als ein Stück Tradition und damit auch als ein Stück Heimat bezeichnete der Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab die Landfrauen. „Heimat heißt für mich, Kultur zu wahren, Natur zu wertschätzen und den Boden zu achten“, so Raab.

Kreisobmann Karl Lappe rief dazu auf, sich auf sinkende Preise einzustellen. „Nach jedem Hoch kommt ein Tief“, sagte er. Zuletzt hätten die Betriebe im Landkreise diese Tiefs in den Jahren 2009 und 2014/2015 einigermaßen überstanden. Als Herausforderungen für 2018 bezeichnete er auch den Kampf gegen das Bürokratiemonster namens Düngeverordnung. Da müsse dringend nachgebessert werden, forderte Lappe.

Der Pegnitzer Landfrauentag wurde wieder vom Bayreuther Landfrauenchor, diesmal unter der Leitung von Martina Schill umrahmt. Zum Landfrauentag gehörten auch eine Vorstellung der Stadt Bad Berneck durch Florian Fraaß und einige Lieder zum Mitsingen mit der Volksmusikerin Stefanie Zachmeier.

Bilder:
1. Kreisbäuerin Angelika Seyferth (links) und ihre Stellvertreterin Doris Schmidt (rechts) bedankten sich bei Karin Seehofer, die als Ehrengast zum Landfrauentag nach Pegnitz gekommen war.
2. D
er Bayreuther Landfrauenchor wurde bei seinem Auftritt beim Pegnitzer Landfrauentag von Martina Schill geleitet.
3. Kreisbäuerin Angelika Seyferth (links) und ihre Stellvertreterin Doris Schmidt überreichten dem oberfränkischen Bezirksheimatpfleger einige Kostproben landwirtschaftlicher Erzeugnisse aus der Region.

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17.11.2017

Naturschutz und Nutzung im Widerstreit / „Forum Waldkontroversen“ an der Universität Bayreuth: Klares Bekenntnis zum Rohstoff Holz

Bayreuth. „Holz ist der Rohstoff der Gegenwart und er wird noch mehr der Rohstoff der Zukunft sein.“ Das sagt Frank Pirner, Leiter des Forstbetriebs Pegnitz der Bayerischen Staatsforsten. Nach den Worten von Götz von Rotenhan, dem 1. Vizepräsidenten des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, ist Bayern ohnehin das „Holzland Nummer 1“. Voll und ganz hinter der heimischen Holznutzung stehen die Jäger, wie Ramona Pohl, Referentin beim Bayerischen Jagdverband betont. Und selbst Ralf Straußberger, Wald- und Jagdreferent beim Bund Naturschutz in Bayern, bekennt sich zur Nutzung des heimischen Rohstoffes Holz, wenn auch klar unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit.

Eigentlich waren sich alle einig, beim „Forum Waldkontroversen“, das die Universität Bayreuth zusammen mit dem Ökologisch-Botanischen Garten, dem Zentrum für Ökologie und Umweltforschung sowie der Campus-Akademie veranstaltet hat. Unterschiedliche Standpunkte gab es trotzdem. Sie konzentrierten sich vor allem auf die Frage: „ Ökonomie oder Ökologie?“.

60 bis 80 Kubikmeter Holz würden jährlich in Deutschland eingeschlagen, das ist deutlich weniger, als nachwächst, so Gregor Aas, Leiter des Ökologisch-Botanischen Gartens (ÖBG) in Bayreuth. Gleichzeitig werde aber deutlich mehr Holz benötigt. Da sei es doch besser mehr heimisches Holz einzuschlagen, als Holz einzuführen, das in Skandinavien oder in Rumänien unter fragwürdigen Bedingungen produziert wird, so Götz von Rotenhan.

Er erntete damit den Widerspruch von Ralf Straußberger. „Wir können nicht unsere eigenen Wälder plündern mit dem Verweis auf andere Regionen, die eine schlechtere Waldwirtschaft betreiben“, sagte der der BN-Vertreter und sprach sich klar gegen eine Erhöhung der Holzeinschläge aus. „Wir müssen die Grenzen sehen, und die gibt es zweifellos“, so Straußberger.

Vor allem dann, wenn Holz zunehmend nicht mehr nur stofflich, sondern auch energetisch verwertet wird. „Es wird immer populärer, mit Holz zu schüren“, sagte Gregor Aas vom ÖBG. Holz in großem Umfang zu verbrennen, dafür sei es zu schade, so BN-Sprecher Straußberger. Da sollte man doch das Holz besser für Dämmplatten verwenden, um den Energieverbrauch in Gebäuden zu senken. Dem widersprach Frank Pirner. Holz zu verbrennen sei auf jeden Fall besser, als Erdöl zu verbrennen und Götz von Rotenhan ergänzte, dass bei jeder Waldbewirtschaftung ja auch viel Holz anfällt, das aufgrund seiner Beschaffenheit nicht in die Produktion gelangen kann und damit ideal für eine energetische Verwertung sei.

Auch das Thema Waldumbau vor dem Hintergrund des Klimawandels nahm beim „Forum Waldkontroversen“ in Bayreuth breiten Raum ein. Deutschland wäre von Natur aus überwiegend ein Laubwaldgebiet, sagte Carl Beierkuhnlein, Inhaber des Lehrstuhls für Biogeographie an der Universität Bayreuth. Tatsächlich dominierten in den Wäldern aber klar die Nadelbäume.

Das wird sich ändern, versprach Frank Pirner. Die Witterungsextreme nähmen zu, der Wald sei heute nicht mehr so widerstandsfähig, wie er sein sollte. „Der Wald von morgen wird anders aussehen“, sagte er und kündigte an, den Focus künftig immer mehr auf gemischte Wälder zu richten. So soll das Nadelholz in den kommenden Jahren im Bereich der Bayerischen Staatsforsten um zehn Prozent abnehmen, was zu Lasten von Fichte und Kiefer gehen werde. Der Tannen-Anteil soll allerdings von zwei auf fünf Prozent mehr als verdoppelt und der Douglasien-Anteil von derzeit einem auf drei Prozent erhöht werden. Laubholz soll deutlich zunehmen, wobei die Staatsforsten vor allem auf die Buche und auf Edellaubhölzer setzen wollen.

Bilder:
1. Frank Pirner (links), Leiter des Forstbetriebs Pegnitz der Bayerischen Staatsforsten und Christian Kölling vom Landwirtschaftsamt in Roth.
2. Ramona Pohl, Referentin beim Bayerischen Jagdverband, und Götz von Rotenhan, 1. Vizepräsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes.
3. Ralf Straußberger, Wald- und Jagdreferent beim Bund Naturschutz in Bayern.

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04.09.2017

Teichwirtschaft auf ehemaligem Maisacker / Wasserarmer Winter und trockener Sommer verhindern Rekordernte - Teichwirte eröffneten oberfränkische Karpfensaison

Mengersdorf. Ähnlich wie das Schäufele gehört auch der Karpfen zu den fränkischen Nationalgerichten. Gerade jetzt in den Monaten mit dem Buchstaben „r“. Alle Karpfenfreunde in Oberfranken können sich heuer auf eine ausgezeichnete Qualität freuen, der Fisch ist hochrückig, schön bespiegelt, hat einen Fettgehalt zwischen 2,5 und sechs Prozent und schmeckt einfach gut, sagte Karl-Peter Schwegel aus Wiesentthal in der Fränkischen Schweiz bei der Eröffnung der oberfränkischen Karpfensaison auf seinen Teichanlagen in Mengersdorf bei Obernsees im Landkreis Bayreuth.

Die erzeugte Menge wird nach offiziellen Angaben bayernweit heuer allerdings geringfügig unter dem langjährigen Schnitt von 6000 Tonnen pro Jahr liegen. Schuld daran seien der wasserarme Winter und der teilweise trockene Sommer, die den Besatz mancher Teiche verhindert haben. Aus Oberfranken kommen dabei rund zehn Prozent der erzeugten Karpfen. Bevor die Teiche abgefischt werden, wachsen die Fische drei Jahre heran und erhalten als Beifutter ausschließlich Getreide.

Karl-Peter Schwegel ist einer der wenigen Karpfenteichwirte, die in Oberfranken im Vollerwerb wirtschaften und der alleine auf sechs Tonnen erzeugten Speisekarpfen pro Jahr kommt. In der Regel vermarktet Schwegel direkt auf den Wochenmärkten von Bayreuth, Forchheim, Erlangen, Neunkirchen am Brand sowie auf verschiedenen Sonntagsmärkten.

„Was wäre dir Genussregion Oberfranken ohne ihre Teichwirte“, sagte die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer aus Bayreuth bei der Eröffnung der Karpfensaison. Heimischer Karpfen sei ein reines Naturprodukt, das heute noch unverändert so erzeugt wird, wie seit Jahrhunderten.

Mit ihrer extensiven und naturnahen Teichwirtschaft sorgen die Karpfenerzeuger nicht nur für eine besonders nachhaltige Erzeugung, sondern auch für die Erhaltung einer einzigartigen und charakteristischen Naturlandschaft, sagte der oberfränkische Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Zudem seien die Karpfenteiche auch wertvolle Rückzugsräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten.

Das wird an den vier Teichen von Karl-Peter Schwegel in Mengersdorf besonders deutlich. Wo bis 2007 ein ordinärer Maisacker war, sind jetzt die vier Teiche, in deren Umgriff sich bereits Schwarzstörche, Eisvogel und Ringelnatter niedergelassen haben. „Erst durch die Bewirtschaftung werden die Teiche ökologisch wertvoll“, sagte Dr. Peter Thoma aus Thiersheim, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken.

Die Kulturlandschaft profitiere davon, dass in Oberfranken noch so viele Teichwirte im Zu- und Nebenerwerb wirtschaften, sagte der Präsident des Verbandes der bayerischen Berufsfischer (VBB), Albert Deß. Gerade in den Tourismusregionen sei die Kulturlandschaft so wichtig, denn Urlauber wollten keine pure Naturlandschaft wie im Urwald, sondern eine von Menschenhand gestaltete Kulturlandschaft und dazu würden die vielen Teichwirte eine ganz wichtigen Beitrag leisten.

Bilder:
1. Mit der Abfischung der Teichanlage von Karl-Peter Schwegel in Mengersdorf ist die oberfränkische Karpfensaison offiziell eröffnet worden.
2. Ab September gibt es in zahlreichen Gaststätten und Restaurants wieder frischen Karpfen.
3. Peter Piroschka vom Gutshof Mengersdorf hat in den kommenden Monaten zahlreiche Karpfenvariationen auf seiner Speisekarte.
4. An der Sortierrinne zeigen die ersten Prachtexemplare (von links): Thomas Speierl von der Fischereifachberatung des Bezirks Oberfranken, Teichwirt Karl-Peter Schwegel, Teichgenossenschaftsvorsitzender Peter Thoma, VBB-Präsident Albert Deß, die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer, Bezirkstagspräsident Günther Denzler, und Herbert Rebhan vom Sachgebiet Naturschatz an der Regierung von Oberfranken.

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21.07.2017

Forchheimer Kirschbauern sind Aldi-tauglich / Große Früchte können Kirschanbau rentabel halten - Bundestagsabgeordnete Silke Launert zu Besuch im Obstinfozentrum Hiltpoltstein

Hiltpoltstein. Obstbau ist kein nostalgisches Hobby, sondern für viele ein Betrag zur Lebensgrundlage. Das sagt Hans Schilling, Kreisfachberater für Obstbau und Chef am Obstinfozentrum in Hiltpoltstein im Landkreis Forchheim. Weil der Landkreis europaweit zu den bedeutendsten zusammenhängenden Obstanbaugebieten gehört, leistet sich der Landkreis eine eigene Versuchsanlage am Standort Hiltpoltstein.

Die Geschichte der sechs Hektar großen Versuchsanordnungen zu neuen Sorten und Unterlagen im Kirschenbereich reicht bis in das Jahr 1972 zurück, sagte Kreisfachberater Schilling bei einem Besuch der Bundestagsabgeordneten Silke Launert. Aktuell arbeiteten die Mitarbeiter an der Optimierung des modernen Kirschanbaus im Bereich Sorten, Unterlagen, Überdachung und Bewässerung. Weitere Versuche fänden auf der zweiten großen Fläche in Dietzhof am Walberla, ebenfalls im Landkries Forchheim statt.

Hiltpoltstein versteht sich dabei in erster Linie als Beratungs-, Schulungs- und Demonstrationszentrum. Seit der Wiedereröffnung im April 2014 gibt es hier am Ortsrand der Marktgemeinde Hiltpoltstein moderne Räumlichkeiten mit hervorragender technischer Ausstattung. Vorher habe es nicht einmal Toiletten gegeben, was bei Besuchern, die mit Bussen gekommen waren, regelmäßig für Unstimmigkeiten sorgte. Mittlerweile nimmt sogar die Volkshochschule die Einladung gerne an, Kochkurse in den Räumen des Obstinfozentrums zu veranstalten.

„Wir wollen den Kirschbauern zeigen, wie sie den Kirschanbau rentabel halten können, sagt Schilling. Wer davon leben will, benötige Sorten mit großen Früchten, schließlich seien Pflege und Ernte schon aufwändig genug. Deshalb werden beispielsweise Überdachungsversuche mit Tropfbewässerung für Süßkirschen durchgeführt, neue Sorten im Bereich Süßkirschen und Zwetschgen getestet sowie Sorten- und Unterlagenversuche für Süßkirschen angelegt. Ein wichtiges Ziel ist es beispielsweise, die beiden Hauptfeinde der Kirsche, die Kirschfruchtfliege und die Kirschessigfliege fernzuhalten. Ebenso einmalig ist in Hiltpoltstein die Durchführung des Sachkundenachweises Pflanzenschutz mit Schwerpunkt Obstanbau.

Welche Bedeutung der Kirschanbau in der Fränkischen Schweiz wirklich hat, zeigt die Tatsache, dass die Obstbaugenossenschaft im benachbarten Igensbach weit über 1000 Mitglieder, die Genossenschaft in Pretzfeld rund 600 und die In Mittelehrenbach 400 Mitglieder hat. Allein im Fall der drei Genossenschaften gehe es um fast 1000 Hektar, auf den Kirschen angebaut werden. Der Großteil davon geht mittlerweile an den Lebensmitteleinzelhandel, nachdem im Obstinfozentrum Konzepte entwickelt wurden, die der Lebensmitteleinzelhandel akzeptiert. „Damit sind wir also auch aldi-tauglich“, so Schilling.

Wenn dem Landkreis Forchheim der Unterhalt eines eigenen Obstinfozentrum derart am Herzen liegt, dann vor allem auch deshalb, dass Obstbauern zu den wichtigsten Landschaftspflegern gehören, sagte die Bundestagsabgeordnete Silke Launert. Die Obstbauern seien letztlich in ganz besonderer Art und Weise für die Kulturlandschaft verantwortlich, wegen der so viele Urlauber in die Fränkische Schweiz kommen. „In Bayern ist es in jedem Fall einmalig, dass ein Landkreis eine eigene Versuchs- und Informationsanlage unterhält“, so Launert.

Bilder:
- Fast 1000 Kirschbauern nehmen pro Jahr an einer der Schulungen im neuen Hiltpoltsteiner Obstinfozentrum teil.
- Hans Schilling vom Obstinfozentrum Hiltpoltstein erläutert der Bundestagsabgeordneten Silke Launert die neuen Überdachungsversuche für Süßkirschen.

 

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20.07.2017

Artenschutz durch Aufessen / Amerikanische Krebse auf den Tellern sollen heimische Edelkrebse in den Gewässern schützen

Speichersdorf, Lks. Bayreuth. Eingewanderten Kamber- oder Signalkrebsen soll es verstärkt an den Kragen, beziehungsweise an den Panzern gehen. Nur so sei es möglich einheimische Edelkrebsarten zu schützen. Darin sind sich die Verantwortlichen von der Arge Fisch im oberpfälzischen Landkreis Tirschenreuth, von der Teichgenossenschaft Oberfranke und vom Bezirk Oberfranken einig. Bei einem Aktionstag in der Tauritzmühle bei Speichersdorf im Landkreis Bayreuth machten sie deutlich, wie schmackhaft der amerikanische Krebs und zugleich wie schützenwert der heimische Edelkrebs ist.

Edelkrebse gab es bis zur Mitte des 19 Jahrhunderts hinein auch in unseren Breiten praktisch in jedem Wiesengraben. Bis die „Krebspest“ durch ganz Europa zog und alle einheimischen Edel- und auch Steinkrebse bis auf kleine Restbestände vernichtete. Eingeschleppt wurde die „Krebspest“ durch amerikanische Krebse, die gegen die Krankheit resistent sind. Während der einheimische Edelkrebs heute fast schon ausgestorben ist und praktisch nur noch in geschlossenen Gewässersystemen wie Baggerseen, Kies- und Schottergruben oder Fischteichen vorkommt, konnten sich die amerikanischen Arten wie etwa der Kamber- oder den Signalkrebs in unseren Gewässern ungehindert ausbreiten.

Was kann man also tun, um den einheimischen Edelkrebs zu retten und den amerikanischen Krebs zu dezimieren? Das dachten sich die Arge Fisch, die Teichgenossenschaft und der Bezirk Oberfranken. Die drei führenden Institutionen der Fisch- und Teichwirtschaft in Nordbayern kamen zu dem Schluss, den durchaus schmackhaften amerikanischen Krebs einfach zu verspeisen, um so ihren Bestand zu dezimieren und gleichzeitig dem heimischen Krebs wieder eine Überlebenschance zu geben.

Wie gefragt Krebse zu früheren Zeiten waren, zeigt, dass ein Pfund Rindfleisch gegen vier heimische Edelkrebse eingetauscht wurde, sagte der oberfränkische Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Viele Flurnamen („Krebsgasse“) zeigten noch heute wie verbreitet und allgegenwärtig Krebse zu früheren Zeiten waren. Das Verspeisen des gebietsfremden Krebses nannte Manfred Löbl, Bereichsleiter für Wasser- und Naturschutz an der Regierung von Oberfranken, eine sinnvolle Verwertung, aber auch eine effektive Möglichkeit, die invasive Krebsart zu bekämpfen. Früher war der Krebs ein echter Leckerbissen, und genau das soll er auch wieder werden, sagte Peter Thoma von der Teichgenossenschaft Oberfranken. Um den Krebs als eiweißreiches Nahrungsmittel bekannter zu machen, könnte er sich sogar einen Krebsburger bei McDonalds vorstellen.

Bilder:

-   (oben): So sieht er aus, der amerikamische Signalkrebs, der sich in den hiesigen Gewässern ungehindert ausbreiten konnte, während heimische Edelkrebse immer weniger wurden.

-   (Mitte): Susi Schömann und Uwe Schöffler von der Tauritzmühle bei Speichersdorf im Landkreis Bayreuth präsentieren den leckeren Signalkrebs, der künftig verstärkt auf heimischen Tellern landen sollte, um angestammten Edelkrebsen wieder eine Chance zu geben.

(unten): Von links: Bezirksrat Stefan Specht, Bürgermeister Manfred Porsch, Hans Klupp von der Arge Fisch Tirschenreuth, Manfred Löbl von der Regierung von Oberfranken, Thomas Speierl von der Fischereifachberatung des Bezirks Oberfranken, Bezirkstagspräsident Günther Denzler und der TEGOF-Vorsitzende Peter Thoma.

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13.07.2017

Felsengarten, Fischzucht und goldene Forellen / Weithin bekanntes Kleinod der Fränkischen Schweiz trägt künftig das Prädikat Kulturgut

Pottenstein. Es ist ein ganz herausragendes Kleinod der Fränkischen Schweiz mit weit überregionaler Bedeutung: das Klumpertal bei Pottenstein im Landkreis Bayreuth, bekannt als Felsengarten und Wanderparadies. Jetzt ist das völlig unberührte Tal mit seinen steilen Felswänden und insgesamt 18 kleinen Teichen ganz offiziell zum Kulturgut erklärt worden. Die Teichgenossenschaft Oberfranken zeichnete die Teichanlage, die es dort nachweislich seit dem Jahr 1721 gibt und die seitdem ununterbrochen bewirtschaftet wird, mit dem Prädikat „Kulturgut Teich“ aus.

Ein einziger Forellenweiher war es, der 1721 urkundlich erwähnt wird, 50 Jahre später war bereits ein zweiter dazugekommen und es liegen bereits Hinweise auf eine Fischzucht vor. Schon vorher hatte der Hofmarschall und fürstliche Rat Lorenz von Guttenberg, der das nahe Schloss Kühlenfels besaß, eine Mühle errichtet, von der heute allerdings nichts mehr übrig ist.

Im 19. Jahrhundert wurde dann eine „Forellenzuchtanstalt“ aufgebaut und es entstanden die Teiche in ihrer jetzigen Form. Eigentümer ist heute die Katholische Kirchenstiftung Kühlenfels, Bewirtschafter sind seit 2012 die beiden Teichwirte Lothar Kornburger und Oswald Schütz. Sie haben die malerisch gelegene und nur auf unbefestigten Wegen erreichbare Teichanlage in den zurückliegenden Jahren liebevoll saniert und gesichert und betreiben dort heute eine Satzfischzucht mit Bachforellen.

„Fischteiche leisten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag für die Kulturlandschaft“, sagte der Direktor der Bezirksverwaltung Rudolf Burger bei der Auszeichnung, zu der auch die Enthüllung einer Informationstafel direkt am Teichufer gehörte. Burger sprach von der hohen ökologischen Bedeutung der Teiche, die einen wertvollen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten darstellen.

Rund um das Klumpertal rankten sich viele Sagen, so der Pottensteiner Bürgermeister Stefan Frühbeißer. So soll an Ort und Stelle der Teiche bis in das 19. Jahrhundert hinein nach Gold geschürft worden sein, „leider ohne Erfolg“, so der Bürgermeister. Auch von goldenen Forellen war die Rede, zumindest, wenn sie in der Nähe der Quelle gesichtet wurden. Die Stadt sei heute bemüht, das Klumpertal etwa durch die Ausweisung verschiedener Rundwanderwege noch bekannter zu machen. Auch die Auszeichnung Kulturgut Teich werde künftig zur Attraktivität beitragen.

Die Auszeichnung Kulturgut Teich wird nach den Worten des Vorsitzenden Peter Thoma seit 19 Jahren vergeben. Neben einer lückenlosen Historie des Teichobjekts seien die landschaftsprägende Bedeutung, die besondere ökologische Gewichtung und die noch immer aktuelle Bewirtschaftung wichtige Kriterien für die Auszeichnung. Die Auswahl des jeweiligen Preisträgers nimmt eine Jury vor, zu der Vertreter der Teichgenossenschaft, des Bezirks Oberfranken und der Fachberatung für Fischerei gehören.

Bild: Rudolf Burger (links) von der Bezirksverwaltung und Peter Thomas von der Teichgenossenschaft Oberfranken haben den Fischteichen im Klumpertal in der Fränkischen Schweiz das Prädikat Kulturgut verliehen und eine Informationstafel am Ufer der Anlage enthüllt.

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02.06.2017

Lautstarker Protest der Land- und Forstwirtschaft / Demo gegen möglichen Nationalpark Frankenwald

Neukenroth. Eine solche Demonstration hat der kleine Ort Neukenroth bei Stockheim nahe der Stadt Kronach wohl noch nie gesehen. Mehrere hundert Land- und Forstwirte mit rund 120 Schleppern, landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Holztransportern haben Stimmung gegen einen möglichen Nationalpark Frankenwald gemacht. Hintergrund war der gleichzeitige Besuch der bayerischen Umweltministerin Ulrike Scharf, die in einem Hotel in Neukenroth die Planungen für einen Nationalpark vorstellte.

Der Verkehr auf der mitten durch den Ort führenden Bundesstraße B85 kam dabei für längere Zeit komplett zum Erliegen, da die Route der Demonstranten vom Treffpunkt an der Zecherhalle bis zum Hotel Rebhan rund einen Kilometer über die vielbefahrene Bundesstraße führte. Die Teilnehmer der Demo ließen dabei unter anderem Motorsägen aufheulen und machten ihren Unmut über die Pläne mit Transparenten, Trillerpfeifen und Signalhupen Luft.

Vom großen Zuspruch in Neukenroth waren selbst die Organisatoren vom BBV überrascht. „Ich bin stolz auf euch“, rief der stellvertretende Kreisobmann Klaus Siegelin ins Megaphon. Besonders ins Visier der Demonstranten geriet dabei der örtliche Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner (CSU). Er hatte den Frankenwald als möglichen Nationalpark überhaupt erst ins Gespräch gebracht. „Baumgärtner und Co machen unseren Frankenwald k.o.“ stand nun auf Transparenten zu lesen, oder „Ich dachte er heißt Baumgärtner und nicht Baumvernichter“.

Für die Ministerin wurde dabei erstmals deutlich: Ein möglicher Nationalpark Frankenwald stößt in Oberfranken auf massiven Widerstand. „Nationalpark? Kein Bedarf Frau Scharf“, wurde auch sie auf Transparenten namentlich genannt. Symbolisch trugen BBV-Mitglieder dazu den Frankenwald in Sargform zu Grabe.

Umweltministerin Scharf, die von den Demonstranten mit Pfiffen empfangen wurde, hatte bereits Mitte Mai angekündigt, den Frankenwald in die Suche nach einem dritten bayerischen Nationalpark mit aufzunehmen. Als Standort sind derzeit noch weitere drei Regionen im Gespräch: die Donauauen, die Rhön und der Spessart. In Neukenroth hob sie die positiven Seiten eines möglichen Nationalparks hervor. Zugleich versicherte sie, man werde nicht über die Köpfe der Bevölkerung hinweg entscheiden. „Es gilt der Grundsatz der Freiwilligkeit.“ Einen Nationalpark bezeichnete sie als „Entwicklungssprung für den Frankenwald“ - touristisch, ökologisch und wirtschaftlich. Die Entscheidung über den Standort des dritten bayerischen Nationalparks will die Staatsregierung bereits im Juli treffen.

Mit der Auftaktveranstaltung sei eine Informationsbasis geschaffen worden, auf der nun eine ausführliche Diskussion aufbauen können, sagte der Landtagsabgeordnete Baumgärtner. „Ich denke, wir sollten gemeinsam diskutieren und abwägen, welche Chance ein Nationalpark im Frankenwald für die Region sein kann.“ Ihm sei es wichtig, noch einmal darauf hinzuweisen, dass er einen ergebnisoffenen Dialog mit den Kommunalpolitikern, Vereinen, Verbänden und Interessensgruppen sowie den Bürgern der Region angestoßen habe und er bis heute nicht auf eine Antwort ja oder nein zu einem Nationalpark im Frankenwald festgelegt sei, so Baumgärtner.

Bilder: Demo gegen möglichen Nationalpark Frankenwald in Neukenroth im Landkreis Kronach.

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24.05.2017

Gesund und ganz ohne Transportwege /
Oberfränkische Teichwirte eröffneten Fischgrillsaison

Lauter. Der Mai ist der erste Monat im Jahr ohne den Buchstaben „r“. Für Fischfreunde bedeutet das: es gibt keinen Karpfen mehr. In Oberfranken haben sich die Anbieter von heimischem Fisch deshalb auf die Suche nach Alternativen gemacht. Da fast 90 Prozent aller Deutschen regelmäßig grillen, lag der Schluss nahe, anstatt Steaks oder Bratwürste doch lieber Fisch als Grillgut zu verwenden.

Wenn schon Fisch, dann sollte es aber auch heimischer Fisch sein, denn er gilt als wertvolles und vor allem gesundes Nahrungsmittel, das nahezu ohne Transportwege immer frisch zu haben ist. Genau das will die Teichgenossenschaft Oberfranken, ein Zusammenschluss von fast 1000 Teichwirten aus dem Regierungsbezirk, meist im Nebenerwerb, mit der öffentlichkeitswirksamen Eröffnung der Fischgrillsaison alljährlich den Verbrauchern vermitteln.

Diesmal hatten sich die Teichwirte den Forellenhof Deusdorfer Mühle bei Lauter im Landkreis Bamberg ausgesucht, eine Mühle im Lautergrund, die schon vor über 500 Jahren zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde und in der vor über 50 Jahren die ersten Forellen gezüchtet und vermarktet wurden. Bereits 1964 sei der Mühlenbetrieb aufgegeben und erste Forellenteiche angelegt worden, sagte der heutige Besitzer Gerhard Rudolf. Zusammen mit seiner Frau Maria bewirtschaftet er seit 38 Jahren die Deusdorfer Mühle. Nach und nach seien Schlachthaus und Räucherei dazugekommen, vor 18 Jahren auch eine Gastronomie, die zwischen September April  immer freitags geöffnet hat.

„Wir sind ständig bemüht, ein gesundes Nahrungsmittel auf kurzem Weg zu produzieren“, sagte der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Peter Thoma aus Thiersheim. Um den Absatz von heimischem Fisch zu fördern gebe es neben der Fischgrillsaison auch die Auszeichnung „Oberfranken-Fisch krönt den Tisch“, die auch die Deusdorfer Mühle bereits erhalten habe, sagte Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Die Förderung der Teichwirtschaft ist auch eine zentrale Aufgabe der Fachberatung für Fischerei, die zum Bezirk Oberfranken gehört.

„Teiche müssen gehegt und gepflegt werde, denn sie sind Teil unserer Kulturlandschaft“, waren sich bei der Eröffnung der Fischgrillsaison auch die beiden Landtagsvizepräsidenten Ulrike Gote und Peter Meyer einig. Die heimische Fischproduktion sei durchaus ausbaufähig, dann könnte die Einfuhr von Seefischen aus den überfischten Weltmeeren oder aus Fernost vielleicht sogar zurückgefahren werden. Karpfen gab es übrigens bei der Eröffnung der Fischgrillsaison doch, und zwar als „Salat am Karpfen“ in der Vorspeise.

Bilder: Maria (links) und Gerhard Rudolfs sowie Michelle Martin von der Deusdorfer Mühle in Oberfranken zeigten, was man mit heimischem Fisch alles machen kann.

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01.05.2017

Maibaum für Toleranz / Landjugend Stockau-Lehen startet mit eigener Maikönigin in den Wonnemonat

Lehen. Mit einem Appell für Toleranz und Miteinander hat die Landjugend Stockau-Lehen in diesem Jahr ihr traditionelles Maibaumfest verknüpft. „Toleranz geht Hand in Hand mit Respekt“, sagte der Vorsitzende Julian Raps. Deshalb habe sich die Landjugend der Aktion „Maibaum für Toleranz“ angeschlossen, zu dem das Bayerische Bündnis für Toleranz in diesem Jahr aufgerufen hatte.

Ohne gelebtes Miteinander wäre auch das Aufstellen des geschmückten Maibaumes nicht möglich gewesen. Zum 62. Mal in ununterbrochener Reihenfolge hatte die Landjugendgruppe ihre Maifeier rund um die Großraumhalle der Obstkelterei Rauh unmittelbar an der Bundesstraße 22 Kemnath-Bayreuth im Ortsteil Lehen ausgerichtet. Rund 30 starke Helfer waren notwendig, um den fast 25 Meter hohen Fichtenstamm fachmännisch aufzurichten, ohne Hilfsmittel wie etwa einem Kran, sondern ausschließlich mit Holzstangen und viel Muskelkraft.

Besinnliche Gedanken trug Maikönigin Madeleine Krug vor, die traditionell aus der Feder des Altmitgliedes und EKD-Synodalen Günter Meyer aus Stockau stammen. Die Maikönigin wird von der Landjugendgruppe immer schon vor Ostern in geheimer Wahl gewählt.

Die Landjugend Stockau-Lehen pflege damit ein Brauchtum, „das Teil unserer Heimat und unserer kulturellen Identität ist“, sagte die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert. Die Landjugend stehe für eine lebendige Gesellschaft genauso wie für gemeinsames Erleben, für dabei sein und dazugehören. Sich aktiv zu beteiligen und gemeinsam etwas bewirken und auf die Beine stellen, das präge die Arbeit der Landjugend Stockau-Lehen in ganz besonderer Art und Weise.

Den großen Einsatz der Landjugend für den ländlichen Raum stellte der frühere Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich ganz besonders hervor. Gerade junge Menschen interessierten sich wieder mehr für ihre Heimat und suchten nach Traditionen. Aufgrund der Digitalisierung sagte Friedrich dem ländlichen Raum eine große Zukunft voraus, denn damit könne der ländliche Raum den Metropolen künftig auf Augenhöhe begegnen.

Bild oben: Während im Hintergrund der Maibaum aufgestellt wird haben sich im Vordergrund die Festdamen der Landjugend zusammen mit dem früheren Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich, Maikönigin Madeleine Krug, Vorsitzendem Julian Raps und der Bundestagsabgeordneten Dr. Silke Launert postiert.

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04.02.2017

„Otter wird Oberfranken überrennen“ / Kormoran, Biber und Fischotter bedrohen Teichwirtschaft

Himmelkron. Kormoran, Grau- und Silberreiher, Biber und Fischotter: so possierlich manche dieser Tiere auch sein mögen, den Teichwirten können sie im Extremfall die Existenz kosten. „Die Schäden an unseren Teichen sind gewaltig“, sagte Peter Thoma, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken bei der Jahresversammlung in Himmelkron. Trotzdem gab es bei der Veranstaltung auch einige positive Signale.

So soll die bis 15. Juli dieses Jahres geltende artenschutzrechtliche Ausnahmeverordnung, die in Bayern den Abschuss von Kormoranen vorgibt, übergangslos weitergeführt werden. „Es wird daran gearbeitet entsprechende Regelungen hinzubekommen“, sagte Manfred Löbl, der für die Fischerei fachlich zuständige Bereichsleiter an der Regierung von Oberfranken. Die Regelung besagt, dass der Abschuss von Kormoranen zur Abwendung erheblicher fischereiwirtschaftlicher Schäden und zum Schutz der heimischen Tierwelt von Mitte August bis Mitte März in einem Umkreis von 200 Metern um Gewässer erlaubt ist.

Auch was den Fischotter angeht, ist Hilfe in Sicht. Noch im Februar soll ein Berater eingesetzt werden, der für die Oberpfalz und für Oberfranken zuständig sein wird. Er kommt an die entsprechenden Teiche, sucht nach Spuren, dokumentiert Schäden, leiht entsprechendes Gerät aus und hilft den Teichwirten bei Anträgen auf Entschädigung. „Manche Betriebe sind schon fast am Ende“, machte Alexander Horn von der Teichgenossenschaft die Dimension der Schäden durch den Fischotter deutlich. Er bezifferte die Schäden für einzelne Betriebe auf bis zu 30000 Euro. Noch schlimmer sei die Situation in der Oberpfalz. In einzelnen Teichen seien bereits bis zu 80 Prozent des Besatzes betroffen. Das Tückische am Fischotter sei, dass man ihn nicht sieht, sagte Vorsitzender Thoma und Alexander Horn befürchtet: „Der Otter wird auch Oberfranken überrennen.“

Daneben sind es auch Biber, Grau- und Silberreiher, die Teichanlagen zerstören und Jagd auf heimischen Fisch machen. Während die Biberproblematik durchaus in der Öffentlichkeit diskutiert werde, würden die massiven Verluste durch Grau- und Silberreiher nur von den betroffenen Teichwirten wahrgenommen. „Wir wollen keine Reiher ausrotten, aber man muss doch bei Schäden eingreifen können“, so Thoma.

Die Probleme sind mittlerweile auch in der Politik angekommen, das machten die Aussagen der beiden Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer und Peter Meyer deutlich. Brendel-Fischer forderte, nicht die Entschädigungsleistungen immer mehr zu erhöhen, sondern vorher einzugreifen und die Populationen durch geeignete Maßnahmen einzuschränken. Meyer sprach sich für ein Monitoring für Graureiher aus. Hier seien die Daten längst nicht mehr aktuell, weil sie noch aus dem Jahr 2008 stammten. Die Problematik werde zunehmend erkannt, so Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Neben dem Ottermanager, der in diesen Wochen seinen Dienst aufnehmen wird, leiste auch ein eigener Kormoranmanager hervorragende Dienste.

Doch nicht nur Kormoran und Co. machen den Teichwirten zu schaffen, auch ein extrem trockenes und niederschlagsarmes Wetter, wie der Hitzesommer 2015. Simon Abt von der Fischereifachberatung des Bezirks hatte eine Umfrage gestartet, wie sich diese immer häufiger auftretenden Wetterkapriolen auf die Betriebsergebnisse auswirken. Über die Hälfte der Teichwirte hatte 2015 Einbußen, hielt er als ein Ergebnis fest. Am Schlimmsten betroffen gewesen seien wegen der warmen Wassertemperatur Forellenteiche, bei einzelnen Teichwirten war die Fischernte komplett ausgefallen. Diese Situation wird sich auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten nicht verbessern, sagte Abt. Die Teichwirtschaft werde sich darauf nur schwer einstellen können. Ein großes Problem seien dabei auch Privatleute, die zur Bewässerung ihres Gartens über Pumpen größere Wassermengen aus Fließgewässern entnehmen, die eigentlich Teichanlagen speisen. „Da bleibt für den Teichwirt nicht mehr viel an Frischwasser übrig, sagte er und forderte solche Verstöße konsequent zu ahnden.

Erfolge sehen die oberfränkischen Teichwirte in ihren Marketingbemühungen. Die Preise für heimischen Fisch beginnen leicht anzuziehen, sagte Thoma. Problem für viele Verbraucher sei, dass sie kaum Direktvermarkter kennen, nicht einmal in ihrer engsten Umgebung. Die Teichgenossenschaft habe deshalb auf ihrer Homepage (www.tegof.de) eine Liste mit sämtlichen Direktvermarktern Oberfrankens veröffentlicht, die Fisch in ihrem Angebot haben. Als Anregung schlug der Vorsitzende auch vor, regelmäßig heimischen Fisch als Menü in den Mensen der Hochschulen und Universitäten anzubieten. Thoma: „Fisch ist eiweißreich, liegt nicht schwer im Magen und ist gut fürs Hirn.“

Bild: In Vertretung von Georg Kaiser aus Willersdorf hat Walter Jakob (rechts) von der Teichgenossenschaft Aischgrund eine Urkunde aus den Händen des Vorsitzenden Peter Thoma (links) und von Bezirkstagspräsident Günther Denzler entgegen genommen. An den Teichen von Georg Kaiser im Landkreis Forchheim war im Herbst die aktuelle Karpfensaison eröffnet worden.

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22.11.2016

Denkmäler und Brunnen für Karpfen und Co / Neuerscheinung: Fischregion veröffentlicht  den stattlichen Band „Fischkultur in Oberfranken“

Bayreuth. Karpfen und Forelle auf der einen Seite, Kunst und Kultur auf der anderen. Das hat nichts miteinander zu tun, könnte man meinen. Der Verein Fischregion Oberfranken hat jetzt auf 232 Buchseiten nachgewiesen, dass sich Fische und Kultur gerade im Regierungsbezirk näher sind, als man glauben möchte. Nirgendwo anders gibt es eine solche Fülle an Werken der bildenden Kunst, die in einem engen Bezug zur Fischerei stehen. Dazu kommen die vielen Teiche, die seit Jahrhunderten, manche sogar seit über 1000 Jahren bewirtschaftet werden und deshalb ebenfalls als Kulturgut gelten. Nachzulesen ist dies alles in 50 Beiträgen von 19 Autoren in der Neuerscheinung „Fischkultur in Oberfranken – Kunst und Kultur mit Fisch & Co“, die jetzt in Bayreuth vorgestellt wurde.

Schaut man einmal genau hin, dann stellt man schnell fest, Fische sind relativ häufig Gegenstand von Gemälden und Skulpturen, vor allem der jüngeren Kunstgeschichte. Dennoch reicht das älteste Kunstwerk, das der Band aufführt, mit dem Weismainer Stadtbrunnen bis in das 16. Jahrhundert zurück. Ganz bedeutende Kunstwerke kommen mit den Brunnen der Abtei Ebrach, dem Bamberger Gabelmann oder den markgräflichen Kunstwerken der Bayreuther Eremitage aus dem 18. Jahrhundert. Das Buch enthält aber auch die beiden Fischskulpturen des Bayreuther Kulturpreisträgers von Axel Luther in Behringersmühle und Waischenfeld, die erst vor wenigen Jahren geschaffen wurden.

Lediglich gestreift wird der Bereich Kunst am Bau, der mit zwei Wohnhäusern des Architekten Eberhard Kellner in Bayreuth vertreten ist. Aus den unzähligen kirchlichen Fischdarstellungen haben die Autoren bewusst ein Beispiel herausgegriffen: einen kunstvollen Türgriff in Fischform in der St.-Johannis-Kirche in Hirschaid.

Im zweiten Teil des Buches sind Denkmäler der Fischwirtschaft zu finden. Dazu gehören die Gewässer, die von der Teichgenossenschaft Oberfranken seit 1998 als Kulturgut Teich ausgezeichnet wurden, aber auch einige bedeutende Ensembles wie das einstige Bamberger Fischerviertel Klein-Venedig oder die Zeugnisse zisterziensischer Fischkunst in Ebrach und Klosterlangheim. 

Mit Abstand die meisten Beiträge verfasst hat der Kunsthistoriker Robert Schäfer aus Sassanfahrt. Seinen Worten zufolge reichen die ersten Überlegungen für das Buch knapp zwei Jahre zurück. Auch ihm sei das Thema Fisch als Kulturträger damals nicht so gegenwärtig gewesen, sagte Schäfer. Das Buch sei wissenschaftlich fundiert geschrieben, aber dennoch gut lesbar und somit auch als ein Reiseführer der anderen Art durch Oberfranken zu verwenden. Mit dem neuen Buch werde die Fischerei aus einem ganz ungewöhnlichen Blickwinkel beleuchtet, sagte Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Es soll aber auch zum Nachdenken über den Fischartenschutz beitragen.

Als „kleines Schatzkästlein“ und als „wichtiges Dokument für die Nachwelt“ bezeichnete Franz Geldhauser, Fischereireferent im Bayerischen Landwirtschaftsministerium die Neuerscheinung. Das Buch dokumentiere eine Kultur, die wirklich prägend für unsere Gegend ist, so Peter Thoma, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken. Es zeige aber auch, dass sich Natur und Fischerei nicht ausschließen, sondern gemeinsam sogar ein prägendes Kulturgut sein können, sagte Reinhard Krug vom Bezirksfischereiverband.

Das Buch „Fischkultur in Oberfranken – Kunst und Kultur mit Fisch & Co“ hat 232 Seiten, mehrere hundert Fotos und ist in einer Erstauflage von 1500 Stück erschienen. Herausgeber sind der langjährige Leiter der Fischereifachberatung des Bezirks Robert Klupp, der Historiker Robert Schäfer aus Hirschaid und der Ehrenpräsident des Bezirksfischereiverbandes Albert Schütze im Auftrag des Vereins Fischregion Oberfranken und in Zusammenarbeit mit dem Bezirk Oberfranken. Kooperationspartner waren der Bezirksfischereiverband und die Teichgenossenschaft Oberfranken sowie der Bayerische Landesfischereiverband. Das Buch ist beim Verein Fischregion Oberfranken, Cottenbacherstraße 23 in 95445 Bayreuth gegen Porto- und Unkostenerstattung in Höhe von zehn Euro erhältlich (ISBN 978-3-00-054139-1).

Bild: Herausgeber des Buches „Fischkultur in Oberfranken“ sind der langjährige Leiter der Fischereifachberatung des Bezirks Robert Klupp, der Historiker Robert Schäfer aus Hirschaid und der Ehrenpräsident des Bezirksfischereiverbandes Albert Schütze (von rechts).

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14.10.2017

Werbung für den Wald / Staatsforsten eröffnen am Weißenstein ihren ersten Waldpflegeparcours

Stammbach. Verständnis für die Waldbewirtschaftung wecken, das ist das Ziel des ersten Waldpflegeparcours, den die Bayerische Forstverwaltung am Weißenstein eröffnet hat. Dabei  wurden auf dem Parkplatz am Weißensteinturm und entlang des fast zweieinhalb Kilometer langen Rundwegs um den Stammbacher Hausberg insgesamt sieben großformatige Informationstafeln aufgestellt, die bei Spaziergängern und Wanderern Verständnis für die Waldbewirtschaftung wecken sollen. Die Maßnahme hat neben jeder Menge Manpower insgesamt 3300 Euro gekostet, wobei der Markt Stammbach vor allem beim Aufstellen der Tafeln geholfen hat.

„Wir wollen kein Lehrbuch aufschlagen, sondern Interesse wecken“, sagte Thomas Krämer, Leiter der Forstverwaltung in Bad Steben bei der Eröffnung des Parcours. Allen Interessierten soll Forstwirtschaft anschaulich und in wenigen Sätzen erklärt werden. Auf den Tafeln geht es beispielsweise darum, warum Eingriffe in den Wald notwendig sind oder warum Wege zur Waldbewirtschaftung gebaut werden müssen. Weitere Themen sind unter anderem  der Schutz junger Bäume vor Wildverbiss, die wichtige Funktion sogenannter Biotopbäume und die Holzernte mit dem Harvester.

„Wir wollen aber auch Waldbesitzer ansprechen“, sagte Krämer. Vor allem denen, die kaum einen Bezug zu ihrem Wald haben, will die Forstverwaltung Informationen bieten und Anregungen geben. Allein in den beiden Landkreisen Hof und Wunsiedel, dem Zuständigkeitsbereich der zum Landwirtschaftsamt Münchberg gehörenden Forstverwaltung Bad Steben, gebe es über 10000 private und kommunale Waldbesitzer. Die Finanzierung des neuen Parcours erfolgte über das Klimaprogramm des Freistaates, zu dem auch ein Forstprogramm gehört, um das Thema Waldbewirtschaftung in die Öffentlichkeit zu bringen.

Der befestigte und deshalb auch bei schlechtem Wetter und im Winter begehbare  Rundweg sei bereits vor Jahren zum Zweck einer besseren Waldbewirtschaftung errichtet worden, so Bürgermeister Karl Philipp Ehrler. Seinen Worten zufolge besitzt Stammbach knapp 80 Hektar Gemeindewald, der von der Forstverwaltung bewirtschaftet wird und in dem der Waldumbau in vollem Gange ist. „Damit sind wir für den Klimawandel gerüstet“, sagte Ehrler.

Nach den Worten des Landtagsabgeordneten Alexander König stellt das Projekt auch ein wichtiges Stück Umweltbildung dar. Genau deshalb soll der Waldpflegeparcours laut Albrecht Roth, dem zuständigen Revierförster, aktiv über die Forstämter und Waldbesitzervereinigungen beworben werden.

Der 661 Meter hohe Weißenstein bei Stammbach ist Teil der Münchberger Hochfläche und liegt zum einen genau am Kreuzungspunkt der drei Landkreis Bayreuth, Hof und Kulmbach sowie direkt am Schnittpunkt zwischen Fichtelgebirge und Frankenwald. Er gilt als beliebtes Ausflugsziel mit Aussichtsturm und ganzjährig bewirtschafteter Gaststätte. Aufgrund seiner seltenen Eklogit-Vorkommen ist der Weißenstein auch Teil des Geoparks Bayern-Böhmen.

Bilder:
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 Revierförster Albrecht Roth (links) erläutert die neuen Schautafeln, die Spaziergänger und Wanderer über die Notwendigkeit der Waldbewirtschaftung aufklären sollen.
- Der neue Waldpflegeparcours rund um den Weißenstein bei Stammbach ist eröffnet (von links): der Landtagsabgeordnete Alexander König, der Leiter der zuständigen Forstverwaltung Thomas Krämer und Bürgermeister Karl Philipp Ehrler.

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09.10.2016

Landwirtschaft: Wahrnehmung und Wertschätzung verändern / Neue Imagekampagne „Unsere Bayerischen Bauern“

Königsfeld. Den meisten Menschen fehlt die Nähe zur Landwirtschaft. Sie wüssten nicht mehr, wie Nahrungsmittel erzeugt werden, wieviel Leidenschaft und Herzblut die Bauern dazu aufwenden, sagt Eva-Maria Haas. Die junge Rosenheimerin ist Geschäftsführerin des neu gegründetes Vereins „Unsere Bayerischen Bauern e.V.“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Imagewerbung für die Landwirtschaft zu betreiben. In Königsfeld im Landkreis Bamberg stellte Eva-Maria Haas den Verein, seine Ziele und seine Maßnahmen vor.

Die Landwirtschaft werde oft negativ beäugt, oft müssten sich die Bauern verteidigen, und das obwohl 50 Prozent der Fläche Bayerns landwirtschaftliche genutzt werden. „Der neue Verein soll deshalb die Wahrnehmung und die Wertschätzung im Kopf der Verbraucher ändern“, sagt Eva-Maria Haas. Ziel sei es, die Menschen neugierig zu machen und auf das Thema Erzeugung zu lenken. Eines ist für Eva-Maria Haas dabei ganz wichtig: „Wir wollen nicht die romantisierte Landwirtschaft zeigen, sondern die reelle.“ 

Hinter dem Verein stecken alle nur erdenklichen Organisationen, Unternehmen, Zusammenschlüsse, Vereine und Verbände, die irgendwie mit der Landwirtschaft zu tun haben und zum ersten Mal gemeinsame Sache machen. Die Bayerischen Staatsforsten seien genauso dabei, wie die Maschinenringe, die Waldbesitzerverbände, die Baywa oder, als Gründungsmitglied, der Bauernverband.

Zu den Marketingbemühungen gehört natürlich eine eigene Internetseite (www.unsere-bauern.de). Zur Oktoberfestzeit und zum Zentralen Bayerischen Landwirtschaftsfest sei ganz München mit großformatigen Plakaten ausgestattet worden. Auf den Plakaten prangten flotte Sprüche mit Wortspielen wie „Es ist uns eine Ähre, für sie zu arbeiten“ für die Getreidebauern oder „Meine Mädels und ich geben alles für ihren Latte Macchiato“ für die Milchbauern. „Weiß denn wirklich jeder, dass im Latte Macchiato mehr Milch als Kaffee drin ist?“, so Eva-Maria Haas.

Es gibt Fernsehspots, die im privaten Lokalfernsehen gezeigt werden, genauso wie Radiospots, die der Bayerische Rundfunk seit Anfang September regelmäßig bringt und mittlerweile großformatige Banner an über 220 Standorten in Bayern. Ein eigener Facebook-Auftritt gehört natürlich auch dazu, vor allem um ein jüngeres Publikum anzusprechen. 5000 „Freunde“ innerhalb der ersten vier Wochen, seien schon mal ein Erfolg, zumal die gesamte Kampagne langfristig angelegt ist.

„Wir versuchen, vom Verbraucher her zu denken“, sagt Eva Maria Haas. Auf der Website gebe es deshalb beispielsweise einen Servicebereich mit Rezepten und Veranstaltungstipps vom Apfelmarkt bis zum Weinfest. Das persönliche Erleben könnten freilich kein Plakat und keine Internetseite ersetzen, weiß auch die Geschäftsführerin.

Jeder einzelne Bauer müsse zum Verbraucherdialog bereit sein, sagte Landesbäuerin Anneliese Göller. „Wir wollen dem Verbraucher mit der neuen Kampagne verdeutlichen, wie viel Mühe und Arbeit die Bäuerinnen und Bauern täglich aufwenden, um gesunde Lebensmittel zu produzieren.“  Erst wenn klar sei, wie viel Engagement nötig ist, könnten die  Verbraucher den Lebensmitteln wieder die Wertschätzung entgegenbringen, die sie auch verdienen.

Bild: Marketing für die Landwirtschaft: Geschäftsführerin Eva-Maria Haas vom Verein „Unsere Bayerischen Bauern e.V.“.

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01.09.2016

Karpfenernte über Durchschnitt / Mehr als 6000 Tonnen aus bayerischen Gewässern – Karpfensaison 2016 in Oberfranken eröffnet

Willersdorf, Lks. Forchheim. Die bayerischen Teichwirte starten voller Optimismus in die Karpfensaison. Bei der Eröffnung der Saison in Willersdorf sprach Friedrich Mayer vom Landwirtschaftsministerium von einer zu erwartenden Erntemenge, die um zehn Prozent über dem Durchschnitt liegt und die aller Voraussicht nach die 6000-Tonnen-Marke überschreiten wird. In den kommenden Monaten mit dem Buchstaben „r“ werden auf den Speisekarten vieler Restaurants und Gaststätten wieder Karpfen oder Karpfenfilets gebacken, „blau“ im Zwiebelsud oder Karpfen nach Müllerin-Art, also in Mehl gewendet, stehen. Franken gilt seit jeher als Hochburg der Karpfenzucht.

Ursache für die gute Ernte ist der ausreichende Niederschlag, der die Teiche gut versorgt hat. Auch die Temperaturen haben gestimmt. So lag die Durchschnittstemperatur in diesem Sommer um 1,5 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel. Für den Karpfen seien das die besten Eigenschaften, um drei Jahre lang zum Speisefisch heranzuwachsen, so Mayer. Was den bayerischen Karpfen so besonders macht, ist, dass ihm als Eiweißquelle das Zooplankton dient, das im Teich wächst. Zur Nahrungsergänzung gibt es lediglich Getreide. „Genverändertes Soja brauchen wir nicht“, sagte der Vertreter aus dem Ministerium. Dazu komme, dass jedem Karpfen im dritten Sommer rechnerisch rund 15 Quadratmeter Teichfläche zur Verfügung stehen. In Vietnam müssten sich diese Fläche 150 Pangasien teilen.

Offiziell eröffnet wurde die Karpfensaison diesmal am Erleinsee, den der Teichwirt Georg Kaiser bewirtschaftet. Seine anderen Karpfenteiche liegen alle auf mittelfränkischem Gebiet. Der Erleinsee ist dabei nicht nur sein einziger Teich in Oberfranken, sondern auch der mit knapp acht Hektar größte nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete Teich im Aischgrund. Noch in den 1970er Jahren sei an der Stelle des Teiches Ackerland gewesen, erinnerte sich Walter Jakob von der Teichgenossenschaft Aischgrund.

Dabei gilt der Aischgrund im Dreieck der Städte Nürnberg, Bamberg und Neustadt an der Aisch als die berühmteste Karpfenregion Deutschlands. Der Aischgrund gilt zugleich auch als das Teichgebiet mit dem wohl ältesten schriftlichen Nachweis in Europa, der sich bis zum Jahr 912 nachverfolgen lässt. Unterlagen zufolge liegen im Aischgrund weit über 7000 Teiche mit einer Fläche von fast 3000 Hektar eng beieinander.

Bundesweit liege die Karpfenteichfläche bei etwa 40000 Hektar, die Hälfte davon entfällt auf Bayern. 20000 Hektar bedeute ein Siebtel der gesamten bayerischen Wasserflächen oder anders ausgedrückt der Fläche von 28000 Fußballfeldern. Aus Bayern stammten rund 55 Prozent der deutschen Karpfenproduktion.

Die öffentlichkeitswirksame Eröffnung der bayerischen Karpfensaison nutzte Mayer auch dazu, auf die Probleme der Karpfenteichwirtschaft einzugehen. Ständig neue bürokratische Auflagen für die Familienbetriebe gehörten genauso dazu, wie Kormoran, Biber und Fischotter. Der Kormoran sei eigentlich kein aktuelles, sondern ein permanentes Problem, sagte Mayer. Mittlerweile gebe es in Bayern aber auch schätzungsweise 15000 Biber in 3500 Revieren, die in der Teichwirtschaft große Schäden anrichten. Dazu komme immer öfter auch der Fischotter. Derzeit setze das Ministerium bereits einen entsprechenden Managementplan um.

Das Lebensmittel Fisch sei nicht nur gesund, sondern auch ökologisch über jeden Zweifel erhaben, sagte der oberfränkische Bezirkstagspräsident Günter Denzler. Deshalb sei auch der Bezirk Oberfranken am Erhalt und der Förderung der Teichwirtschaft interessiert. Besonders aus landwirtschaftlicher Sicht sei der Landkreis Forchheim so vielfältig wie kaum ein anderer Landkreis. Während es im Osten verschiedene Sonderkulturen, Obstbau und sogar Hopfen gebe, spiele im Westen des Landkreises die Teichwirtschaft eine wichtige Rolle, so Landrat Hermann Ulm. Allen Kritikern an neuen Teichbauprojekten schrieb Hallerndorfs Bürgermeister Torsten Gunselmann ins Stammbuch, dass sämtliche Teiche irgendwann einmal künstlich angelegt wurden, heute aber fester Bestandteil unserer Kulturlandschaft seien.

Bild: Mit dem Abfischen des Erleinsees in Willersdorf im oberfränkischen Landkreis Forchheim ist die Karpfensaison 2016 eröffnet worden (von links): die bayerische Karpfenkönigin Katrin Uano, Staatssekretär Thomas Silberhorn, Friedrich Mayer vom Landwirtschaftsministerium, Bezirkstagspräsident Günther Denzler, der Forchheimer Landrat Hermann Ulm, Peter Thoma von der Teichgenossenschaft Oberfranken und Walter Jakob von der Teichgenossenschaft Aischgrund.

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30.06.2016

Spurensuche am Figurenweiher / 600 Jahre Fischwirtschaft vor Schloss Seehof: Teichgenossenschaft zeichnete Gewässer mit dem Prädikat Kulturgut Teich aus

Memmelsdorf, Lks. Bamberg. Seit dem Jahr 1403 ist er nachweislich ein fester Bestandteil, der das Landschaftsbild vor den Toren Bambergs prägt: der Figurenweiher von Schloss Seehof. Seinen Namen hat er vom Gott des Weines Bacchus und von dem Sänger Orpheus, beides Figuren der griechischen Mythologie, die seit ihrer Restaurierung im Jahr 2013 als steinerne Figureninseln wieder mitten in dem Teich stehen. Nun ist der überregional bedeutsame Figurenweiher von der Teichgenossenschaft Oberfranken auch offiziell als Kulturgut anerkannt worden. Sichtbares Zeichen ist eine großformatige Tafel am Fußweg zwischen Weiher und Schlosspark. Außerdem erhielt der Bewirtschafter und Eigentümer Christoph Oberle aus den Händen des oberfränkischen Bezirkstagspräsidenten Günther Denzler und des Teichgenossenschaftsvorsitzenden Peter Thoma die Urkunde „Kulturgut Teich“.

Die Teichanlagen rund um Schloss Seehof waren ganz gezielt für die Fischzucht entstanden, denn Fisch galt schon im frühen Mittelalter als Fastenspeise. Die erste Erwähnung der Teichwirtschaft im Bamberger Land geht bis in das Jahr 1122 zurück, die Weiher vor dem späteren Schloss Seehof wurden 1403 erstmals im Zusammenhang mit der Anstellung eines Seewarts erwähnt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden das Jagd- und Lustschloss Seehof als Sommerresidenz der Bamberger Fürstbischöfe errichtet und die Teichanlagen in den weitläufigen Park integriert. 1771 entstand die berühmte Kaskade, das Herzstück des Parks und noch immer ein beliebtes Fotomotiv. Kurz zuvor wurde der Park mit Figuren ausgeschmückt, zu denen auch Bacchus und Orpheus im Figurenweiher gehörten.

Bewirtschafter und Eigentümer Christoph Oberle erinnerte bei der Feierstunde am Ufer an seinen Vater, der die Teiche 1973 gekauft und mit großem Aufwand hergerichtet hatte. 70 Prozent der Fläche sei damals mit Schilf zugewachsen gewesen. Bis Ende der 1970er Jahre sei es eine Vorzeigeanlage gewesen, bis ein Abwasserproblem auftauchte, von dem sich die Anlage noch immer nicht ganz erholt habe. „Trotzdem sind wir froh, dass wir diese Teiche haben“, sagte Oberle, der heute Karpfen, Schleien, Hechte, Zander und Welse im Figurenweiher und den umliegenden Teichen züchtet.

Bei der Übergabe der Auszeichnung brach Bezirkstagspräsident Denzler auch eine Lanze für den Bau neuer Teichanlagen, die manchmal nicht ganz unumstritten sind. Neue Teichanlagen stellten zweifellos einen Eingriff in die Natur dar,  sagte Denzler. Man dürfe dabei aber nicht vergessen, dass die Vorteile bei weitem überwiegen. So seien Teiche Rückhaltebecken bei den immer öfter auftretenden Starkregenfällen, Teiche sorgten in ihrem Umgriff für eine hohe Artenvielfalt und sie seien schließlich die beste Produktionsstätte für ökologische Lebensmittel.

Die Auszeichnung Kulturgut Teich wird nach den Worten des Vorsitzenden Peter Thoma seit 18 Jahren vergeben. Neben einer lückenlosen Historie des Teichobjekts seien die landschaftsprägende Bedeutung, die besondere ökologische Gewichtung und die noch immer aktuelle Bewirtschaftung wichtige Kriterien für die Auszeichnung. Die Auswahl des jeweiligen Preisträgers nimmt eine Jury vor, zu der Vertreter der Teichgenossenschaft, des Bezirks Oberfranken und der Fachberatung für Fischerei gehören.

Bild: Mit dem Prädikat „Kulturgut Teich“ wurde der überregional bedeutsame Figurenweiher vor Schloss Seehof im Landkreis Bamberg ausgezeichnet. Teichgenossenschaftsvorsitzender Peter Thoma und der oberfränkische Bezirkstagspräsident Günther Denzler überreichten dem Bewirtschafter und Eigentümer Christoph Oberle (von links) die dazugehörige Urkunde.

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11.09.2015

Waldnaturschutz durch Holzernte / Exkursion: Im Forstrevier Thurnau gehen Naturschutz und Waldbewirtschaftung Hand in Hand

Kulmbach. Schützen und Nützen: das sind keine Gegensätze: Fachleute in Sachen Wald und Forst weisen seit jeher darauf hin. Ganz im Gegenteil: Schützen und Nützen ergänzt sich hervorragend. Um diese Tatsache auch in der Gesellschaft ein Stück weit bekannt zu machen, und um den Naturschutz in den bayerischen Wäldern stärker ins Bewusstsein zu rücken, wurde 2015 zum „Aktionsjahr Waldnaturschutz“ erklärt. Das Landwirtschaftsamt in Kulmbach wollte darüber nicht nur reden, sondern veranstaltete eine Exkursion, um Vertretern der Naturschutzbehörde, der Jägerschaft, der Kommunen und der Öffentlichkeit zu zeigen, wie praktizierter Waldnaturschutz durch Holzeinschlag aussieht.

„Käseglockenartiger Naturschutz, durch die Unterschutzstellung von Waldflächen, Nutzungsverzicht und alles weitere der Natur zu überlassen, hat sicher seine Berechtigung in Nationalparks, in bewirtschafteten Wälder aber sollte der Denkansatz ein anderer sein“, sagte Gerhard Lutz, der die Abteilung Forst am Landwirtschaftsamt in Kulmbach leitet. Er spricht auch vom „Schaffen lichter Waldstrukturen“ durch den Einschlag oder anders ausgedrückt von Waldnaturschutz durch Holzernte.

In den bayerischen Wäldern werde seit Jahrzehnten eine nachhaltige und naturnahe Waldbewirtschaftung praktiziert, die Holznutzung und Naturschutz miteinander in Einklang bringt, sagte Lutz. „Wir wollen nicht Urwälder auf der einen Seite des Wanderweges und Holzplantagen auf der anderen.“ Ziel sei es vielmehr, ökologisch wertvolle Wälder auf der gesamten Fläche zu schaffen, und dazu leisteten private und kommunale Waldbesitzer seit jeher einen wichtigen Beitrag. Was die wenigsten wissen: bei vielen dieser Maßnahmen könnten Waldbesitzer über das Vertragsnaturschutzprogramm Wald finanziell gefördert werden.

Beim Wacholderweg in Wonsees liegt die Maßnahme noch gar nicht so lange zurück. Im vergangenen Winter hatte die Marktgemeinde als Eigentümer die zuletzt starke Beschattung des direkt an den Ort angrenzenden Wacholdertals, einem geschützten Landschaftsbestandteil, zurückgenommen und der einzigartigen, zehn bis 15 Hektar großen Wacholderheide dadurch wieder mehr Licht und Sonne zukommen lassen. „Nur so konnte diese wertvolle Naturschutzfläche erhalten werden“, sagte Peter Nützel, der das Forstrevier Thurnau seit 37 Jahren leitet. Durch die Maßnahme konnte auch eine einzigartige Lindenallee wieder freigestellt werden, die nicht zuletzt durch zahlreiche Spechthöhlen interessant ist. Die Freilegung wurde durch den gesamten Gemeinderat mit seinem Bürgermeister in Eigenleistung freigelegt.

Rund zehn Jahre zurück liegt die zweite Maßnahme im Felsental zwischen Azendorf und Schirradorf. Hier gibt es zahlreiche markante Felsformationen, die im Laufe der Jahrzehnte nahzu zugewachsen sind. Ziel sei es gewesen, den Wald wieder aufzulichten und die Felsen sichtbar zu machen, sagte Revierleiter Nützel. Auch Pflanzen, die nur auf den Felsen wachsen können, hätten von dieser Maßnahme profitiert. Nicht zuletzt hat das Projekt auch eine touristische Wirkung. Durch die Felsenfreilegung entstünden landschaftlich ganz reizvolle Waldansichten. Der Talweg zwischen Azendorf und Schirradorf  habe sich mittlerweile zu einem der begehrtesten Wanderwege im Landkreis Kulmbach entwickelt.

Ebenfalls um ein touristisches Ziel handelt es sich beim Turmberg in Kasendorf. Südlich des Berges hat sich noch eine ganz ursprüngliche Form der Waldbewirtschaftung erhalten. Im Privatwald von Dieter Bauer  aus Neudorf wird ein über drei Hektar großer Laubwald hauptsächlich mit Eichen, Buchen und Linden seit Generationen als Mittelwald bewirtschaftet. Konkret wird jedes Jahr ein etwa 20 Meter breiter Waldstreifen „auf den Stock gesetzt“. Das heißt, die Bäume werden weitestgehend gefällt, die Stöcke schlagen wieder aus und nach 15 bis 20 Jahren beginnt die Waldbewirtschaftung wieder von vorne. Früher sei dies die übliche Form der Bewirtschaftung gewesen, erklärt Revierleiter Nützel. Auch hier gilt: die Mittelwaldbewirtschaftung wird über das Vertragsnaturschutzprogramm Wald finanziell gefördert. Auskünfte dazu erteilt das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kulmbach.

Bilder:
1. Diese Lindenallee ist einzigartig und als Wanderweg mittlerweile ein begehrtes Ziel von Touristen.
2. Holznutzung und Naturschutz müssen keine Gegensätze sein, das erläutert Revierleiter Peter Nützel (links) bei einer Exkursion durch das Thurnauer Revier.
3. Freigelegte Felsen sehen nicht nur schön aus, sondern dienen auch dem Naturschutz und der Waldbesitzer, hier die Marktgemeinde Kasendorf profitiert vom Einschlag.
4. Stefan Hannas-Bökkerink, beim Amt für Landwirtschaft für das Natura-2000-Programm zuständig und Abteilungsleiter Gerhard Lutz zeigen, wo im Landkreis Kulmbach die größten privaten und kommunalen Waldflächen zu finden sind.

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04.09.2015

Gute Ernte trotz Trockenheit und hoher Temperaturen / Weg von Bio und hin zum Regionalen: Oberfränkische Karpfensaison gestartet

Neustadt bei Coburg. Gute Nachrichten für alle Feinschmecker in Oberfranken: Ab sofort gibt es bis zum kommenden Frühjahr wieder fangfrischen Karpfen aus heimischen Teichen. Offiziell eröffnet wurde die oberfränkische Karpfensaison 2015 auf der Teichanlage von Otto Norbert Grußka in Haarbrücken, einem Stadtteil von Neustadt bei Coburg.

Trotz langer Trockenheit im Sommer, hoher Temperaturen und stellenweise sogar Wasserknappheit seien auch in den zurückliegenden Monaten wieder weitestgehend Fische bester Qualität herangewachsen, sagte der oberfränkische Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler. Mit der Fachberatung für Fischerei unterhält der Bezirk die einzige fischereiliche Dienststelle in Oberfranken.

Zwar seien Karpfen in manchen Gegenden etwas kleiner ausgefallen, als in den zurückliegenden Jahren, doch hätten die Fische kaum Vernarbungen oder Verletzungen. Allerdings habe der Sommer mit seiner außergewöhnlich langen Trockenphase in einigen Regionen durchaus Probleme bereitet. Mancherorts hätten Algen und Wasserpflanzen überhandgenommen, unvernünftige Zeitgenossen hätten aus manchen Teichen verbotenerweise Wasser abgepumpt und dann gebe es noch die natürlichen Feinde wie Biber, Fischotter oder Kormoran, die vielen Teichwirten Schwierigkeiten machen. Vielerorts wurde deshalb besonders im Aischgrund ein vorzeitiges Abfischen und Umsetzen der Fische notwendig.

Trotzdem werde die Gesamtmenge nach Meinung der Experten wieder im langjährigen Durchschnitt liegen, so der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken, Dr. Peter Thoma aus Thiersheim.  Die Teichgenossenschaft ist ein Zusammenschluss von Teichwirten im Haupt-, Neben- und Zuerwerb aus dem gesamten Regierungsbezirk mit insgesamt fast 900 Mitgliedern.

Laut Bernhard Feneis, dem Präsidenten des Verbandes der Deutschen Binnenfischerei und Aquakultur, entspricht der Karpfen genau dem aktuellen Trend, der da lautet: „Weg von der Bioschiene und hin zum Regionalen“. Als Aushängeschild der Region würdigte der Coburger Landtagsabgeordnete Jürgen W. Heike den Karpfen und eine länderübergreifende Zusammenarbeit regte Marco Jung, Geschäftsführer des sächsischen Fischereiverbandes, an.

Bayern ist laut Landwirtschaftsministerium Deutschlands größtes Karpfen-Erzeugerland: Auf einer Teichfläche von rund 20000 Hektar werde im Freistaat mehr als die Hälfte der gesamten deutschen Karpfenmenge produziert. Nach den Worten von Bezirkstagspräsident Denzler ist heimischer Karpfen ein reines Naturprodukt, das seit Jahrhunderten unverändert erzeugt wird. Bei den Karpfenerzeugern handle es sich ausschließlich um Familienbetriebe, die meist seit Generationen die Teichwirtschaft extensiv betreiben. „Hier verbinden sich Tradition, naturnahe Erzeugung und Landschaftspflege auf ideale Weise“, so Denzler. Heimischer Karpfen stehe nicht nur für besonderen Genuss und Frische, der Verbraucher leiste mit dem Verzehr auch einen Beitrag für den Erhalt der regionalen Teichwirtschaft und der Kulturlandschaft.

Wie traditionsverbunden die Teichwirtschaft wirklich ist, machte Otto Norbert Grußka, Bewirtschafter und Eigentümer der Anlagen, daran deutlich, dass sich die Existenz seiner Anlage anhand alter Pläne tatsächlich bis in das 13 Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Er selbst bewirtschaftet die Teiche vor den Toren Neustadts erst seit 1996, nachdem er als Bezirksschornsteinfegermeister in den Ruhestand gegangen war und gleichzeitig seine Gesellen- und anschließend seine Meisterprüfung als Fischwirt abgelegt hatte. Grußka ist außerdem seit Anfang 2012 Geschäftsführer der Teichgenossenschaft Oberfranken.

Bilder:
1. Der heimische Karpfen gilt als gesundes Lebensmittel mit einer hervorragenden Ökobilanz.

2.
Der Landtagsabgeordnete Jürgen W. Heike, Dr. Peter Thoma von der Teichgenossenschaft Oberfranken, Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler und Dr. Thomas Speierl von der Fachberatung für Fischerei (von links) beim Abfischen.
3. An den Teichanlagen von Otto Norbert Grußka nahe Neustadt bei Coburg wurden die oberfränkische Karpfensaison offiziell eröffnet.

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10.07.2015

Teich im ehemals toten Winkel / Oberfränkische Teichgenossenschaft zeichnete Jung-Teiche bei Trogenau als Kulturgut aus

Trogenau. Auch Teiche können ein Kulturgut sein. Die Teichgenossenschaft Oberfranken stellt dies seit vielen Jahren mit einer ganz besonderen Auszeichnung eindrucksvoll unter Beweis. Seit 17 Jahren verleiht der Zusammenschluss von Teichwirten im Haupt-, Neben- und Zuerwerb mit seinen fast 900 Mitgliedern die Auszeichnung „Kulturgut Teich“. Diesmal ging das Prädikat, das unter anderem mit der Aufstellung einer Informationstafel verbunden ist, an die Teich AG Trogenau-Regnitzlosau und an die von ihr bewirtschafteten Jung-Teiche an der fränkisch-sächsischen Grenze bei Trogenau, Gemeinde Regnitzlosau im Landkreis Hof.

50 Jahre alt wird die Teich AG in diesem Jahr. Dabei handelt es sich um eine Vereinigung von Verwandten und Freunden, die den Teich bewirtschaftet, Karpfen und Forellen erzeugt und die gleichzeitig auch Eigentümer ist. Die Jung-Teiche selbst sind allerdings schon wesentlich älter, sie wurden 1794 erstmals urkundlich erwähnt und befanden sich damals zum Teil auf Bayreuth-Brandenburgischem Boden, zum anderen Teil auf Sächsisch-Kurfürstlichem Gebiet.

In den 1930er Jahren wurden die Gewässer trockengelegt und verlandeten für die nächsten drei Jahrzehnte, ehe sich die Teich-AG ihrer annahm und auf den mittlerweile landwirtschaftlich genutzten Flächen wieder Fischteiche anlegte. Das Besondere an den Jung-Teichen ist, dass sie zum einen direkt auf der Wasserscheide zwischen Saale und Weißer Elster liegen und, dass sie bis 1989 keine zehn Meter vom Eisernen Vorhang entfernt lagen. Deshalb war die Feierstunde zur Auszeichnung des Teiches und seiner Bewirtschafter und Eigentümer auch eine Art Gipfeltreffen der Fischerei zwischen Bayern, Sachsen und Tschechien.

„Zum 25. Jubiläum haben die Jung-Teiche die Auszeichnung Kulturgut Teich mehr als verdient“, sagte der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken, Dr. Peter Thoma aus Thiersheim. Schon durch seine besondere Lage ganz am Rande Oberfrankens in einem ehemals toten Winkel seien die Weiher etwas ganz besonderes. Damit seien die Jung-Teiche nicht nur ein oberfränkisches Kulturgut, sie spiegelten ein Stück weit auch deutsche und europäische Geschichte wider.

Ziel der Auszeichnung ist es nach den Worten des Vorsitzenden unter anderem, die Bevölkerung darauf hinzuweisen, welchen Schatz die Teiche innerhalb der oberfränkischen Landschaft darstellten, sagte Thoma. Als Kriterien für die Auswahl nannte er unter anderem den Zeitpunkt der erstmaligen urkundlichen Nennung, die landschaftsprägende und ökologische Bedeutung sowie die teichwirtschaftliche Nutzung.

Teiche seien schon immer landschaftsprägend gewesen, so der oberfränkische Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler. Teiche dienten der Artenvielfalt, der Wasserversorgung und der Produktion eines sehr gesunden Lebensmittels. Aufgrund der besonderen Lage der Jung-Teiche waren zur Enthüllung der Informationstafel und zur Übergabe der entsprechenden Urkunde auch Gäste aus Sachsen und Tschechien nach Trogenau gekommen. Der Vorsitzende des westböhmischen Angelverbandes Michal Blahusek sprach von einer hervorragenden Zusammenarbeit, würde sich aber Vereinfachungen bei den Angelbedingungen für deutsche und tschechische Angler in den Gewässern des jeweils anderen wünschen.

Teiche formten seit vielen Jahrhunderten bis heute unsere Kulturlandschaft, so Marco Jung, Geschäftsführer des sächsischen Fischereiverbandes. Das werde oft verkannt, sagte Jung, und Tomas Skurka, stellvertretender Geschäftsführer des Fischereibetriebs Marienbad, freute sich darüber, dass es mittlerweile eine fruchtbare Zusammenarbeit über Grenzen hinweg gibt und die Zeiten vorbei sind, „in denen zwischen uns ein Stacheldraht gezogen war“.

Bild:
1. TEGOF-Vorsitzender Dr. Peter Thoma, Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler, Landtagsvizepräsident Peter Meyer, der stellvertretende Hofer Landrat Hans Peter Baumann und Bezirkstagsvizepräsident Eberhard Siller (von links) haben die Informationstafel an den Jung-Teichen bei Trogenau enthüllt.
2. Eine Urkunde „Kulturgut Teich“ überreiche Dr. Peter Thoma (links) und Bezirkstagspräsident Günther Denzler (4. Von links) an die Eigentümer und Bewirtschafter Siegmar Dimmling und Peter Rietsch (2. und 3. von links). Mit im Bild: Bürgermeister Hans-Jürgen Kropf, der stellvertretende Landrat Hans Peter Baumann und Bezirkstagsvizepräsident Eberhard Siller (von rechts).
3. Eigentümer, Bewirtschafter und Gäste feierten am Ufer der Jung-Teiche die Verleihung des Prädikats „Kulturgut Teich“.

4. Einen Steinwurf vom einstigen Vorhang entfernt liegen die Jung-Teiche.

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26.- 28.06.2015

Jugend macht Land / Eintopf mit und ohne Fleisch - Am Wochenende fand in Bayreuth der 60. Bayerische „Landeslandjugendtag“ statt

Bayreuth. „Der bayerische Landjugendtag ist als Treffpunkt für hunderte Jugendliche aus ganz Bayern unersetzlich geworden“, sagte Landesvorsitzender Martin Baumgärtner. Diesmal war Oberfranken an der Reihe: Der alle zwei Jahre stattfindende Landeslandjugendtag der Bayerischen Jungbauernschaft fand am Wochenende auf dem Gelände der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth statt. Für die Veranstalter war die Veranstaltung, die eigentlich drei Tage dauerte, einmal mehr eine „Plattform zum Kennenlernen, zum Austausch und zur Vernetzung, aber auch zum Feiern“. Um eine Veranstaltung dieser Größenordnung stemmen zu können waren allein an die 200 ehrenamtliche Helfer notwendig. Nicht alle, aber viele Teilnehmer hatten einen landwirtschaftlichen Hintergrund.

Zur 60. Auflage hatten sich die Macher aus Oberfranken ein neues Konzept ausgedacht. Der Landjugendtag sollte jünger, moderner, vielfältiger und attraktiver werden. Weniger Reden, mehr Information, weniger Theorie, mehr Praxis. Die Grundidee, Gemeinschaft, Spaß, Netzwerk, Erfahrungsaustausch und Traditionspflege an einem Wochenende zu Leben und Erleben, stand dabei aber auch weiterhin im Mittelpunkt und die Rechnung ist voll aufgegangen, wie der Landesvorsitzende Martin Baumgärtner am Ende bestätigte.

Unter dem Motto „Politiker kochen auch nur mit Wasser“  gab es beispielsweise einen ungewöhnlichen Kochevent. Ziel sollte es sein, dass Jugendliche am Kochtopf zwanglos mit Politikern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ins Gespräch kommen und Distanzen abzubauen. Die Rechnung ging auf, auch wenn die meisten Politiker kurzfristig abgesagt hatten. Mit Gudrun Brendel-Fischer aus Bayreuth war gerade mal eine echte Abgeordnete gekommen. Immerhin waren auch Landesbäuerin Anneliese Göller, zahlreiche Kommunalpolitiker, Verbandsvertreter und Ehemalige da, um die Landjugend tatkräftig zu unterstützen.

Um gesunde Ernährung ging es dabei genauso wie um Themen, die Jugendliche auf dem Land betreffen. Am Ende gab es einen leckeren Eintopf, mal vegetarisch, mal mit Fleischeinlage. Das Rezept dazu ist unter anderem auch in dem neuen Landjugendkochbuch zu finden, das beim Landjugendtag offiziell vorgestellt wurde. Es enthält 60 ganz persönliche Rezepte zum Nachkochen von Landjugendlichen und Landfrauen aus ganz Bayern, so auch von Landesbäuerin Anneliese Göller oder der Bayreuther Kreisbäuerin Katrin Lang. Das Kochbuch ist ab sofort zum Preis von fünf Euro in allen bayerischen Geschäftsstellen der Landjugend erhältlich.

Im Mittelpunkt stand neben dem traditionellen „Spiel ohne Grenzen“ der Auftakt zur bundesweiten Landjugendwettaktion „jugend.macht.land“. Die Jugendlichen wollen dabei unter Beweis stellen, was sie durch ihre Motivation und ihr Miteinander in einem bestimmten Zeitraum erreichen können, von einer Blutspendenaktion, über die bekannten 72-Stunden-Aktionen bis zu einem Kurzprojekt zum demographischen Wandel sei dabei alles möglich, so die Festausschussvorsitzende und stellvertretende oberfränkische Bezirksvorsitzende Nina Meister. „Für uns ist die bayerische Auftaktaktion zu jugend.macht.land mehr als eine Wette am Rande des Landeslandjugendtages. Es ist ein Versprechen und zugleich ein Bekenntnis für unseren ländlichen Raum.“, so Nina Meister.

Aus ganz Oberfranken hatten sich zahlreiche Gruppen an dieser Aktion beteiligt. Die Landjugend ging mit der Stadt Bayreuth die Wette ein, innerhalb von zwei Stunden etwas Nachhaltiges für die Bayreuther Bevölkerung zu schaffen. Die Aktion findet zugunsten der Bayreuther Sportler und Sportlerinnen im Waldgebiet Am Buchstein statt. Dort wurde der Trimm-Dich-Pfad an den Landwirtschaftlichen Lehranstalten binnen weniger Stunden auf Vordermann gebracht. Dazu beigetragen hatten über 40 Landjugendliche, eine Menge Holz und viel Motivation. Im Einzelnen wurden mehrere Balken gestrichen, das Umfeld der Sportgeräte mit Hilfe von Hackschnitzeln auf Vordermann gebracht und eine komplette Treppe erneuert.

Gefeiert wurde bei der Stadt.Land.Kuss-Party inklusive der Band „Highline“ einer „Schlag den Rasser-Party“ mit Bernd Rasser und Christian Höreth von Radio Mainwelle. Allein daran hatten fast 600 Landjugendliche aus allen Teilen Bayerns teilgenommen. Programmpunkte des Sonntags waren das Landjugend-Ehemaligentreffen, ein Volkstanzwettbewerb und erstmals eine Landjugendmesse. Aussteller waren dabei neben den Landjugend-Bezirksverbänden Kooperationspartner aus den Bereichen Agrar, Kultur und Ernährung. Sieger im Volkstanzwettbewerb wurde  die Landjugend Schreez gefolgt von der Landjugend Görschnitz und der Landjugend Unterkonnersreuth/Cottenbach. (alle aus dem Landkreis Bayreuth).

Zum neuen Konzept gehörte es auch, dass auf Reden und Ansprachen fast völlig verzichtet wurde. Fast, denn mit dem oberfränkischen Bezirkstagspräsidenten und Schirmherrn Günther Denzler gab es zumindest einen, der den Besuchern seine Sicht des Ehrenamtes nahe bringen konnte. Oberfranken habe die höchste Ehrenamtsquote in Bayern, sagte Denzler. Die Landjugendgruppen seien daran nicht ganz unschuldig. Mehr zu tun als seine Pflicht, das mache sich später auch bei Bewerbungen und im Beruf gut. Allerdings hätten das noch längst nicht alle Arbeitgeber erkannt, sagte der Präsident und appellierte an die Wirtschaft, das ehrenamtliche Engagement von Mitarbeitern zu fördern und nicht zu blockieren.

Die Bayerische Jungbauernschaft (BJB) ist mit rund 17000 Mitgliedern einer der größten Jugendverbände im ländlichen Raum Bayerns. Die 1953 gegründete Jungbauernschaft wird rein ehrenamtlich geführt.  Neben dem immer noch sehr stark ausgeprägten agrarischen Engagement mischt sich der Verein zunehmend stärker in das jugend- und gesellschaftspolitische Geschehen ein. So vielfältig wie die Aktivitäten sind auch die Namen der Untergliederungen. Landjugendgruppen, Bayerische Jungbauernschaften, Ringe jungen Landwirte und Landfrauen, Jungwinzer, Junggärtner und Jungzüchterclubs, sie alle sind in der BJB vereint.

Bilder:
1. Landjugend begeistert die Massen, das zeigt dieser Blick in die große Bodenhalle der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth.

2. Beste Laune bei der Eröffnung (von links): der oberfränkische Bezirksvorsitzende Stefan Walther, die stellvertretende Bezirksvorsitzende Nina Meister und die Landesvorsitzende Carolin Bezold.
3. Landfrauen wissen, wie es geht: Landesbäuerin Anneliese Göller (Mitte), die Forchheimer Kreisbäuerin Rosi Kraus (rechts) und Andreas Biedermann (links) von der Landjugend Schwarzenbach.
4. In der Bodenhalle der Landwirtschaftlichen Lehranstalten feierten die Landjugendgruppen Gottesdienst.
5. Die beiden Landesvorsitzenden Carolin Bezold und Martin Baumgärtner haben den Landeslandjugendtag in Bayreuth federführend organisiert.

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11.06.2015

Bayern driftet  weiter auseinander - Land braucht Zusammenarbeit / Fachtagung zur ländlichen Entwicklung - Landwirtschaftsminister Brunner kündigt neue Förderrichtlinie an

Hirschaid, Lks. Bamberg.  Ländliche Entwicklung ist nur zusammen mit den Bürgern möglich. Zugegeben, so neu ist diese Erkenntnis nicht, die sämtliche Redner bei der Fachtagung „Starke Gemeinden- starkes Land“ in Hirschaid bei Bamberg immer wieder betont haben. Bei der Veranstaltung, an der rund 470 Bürgermeister, Vertreter von Ämtern, des Bauernverbandes und viele Planer aus ganz Bayern teilgenommen haben, ging es aber auch um Problemstellungen wie den demographischen Wandel oder das Auseinanderdriftens Bayerns in stärker und schwächer werdende Gebiete. Außerdem hatte Landwirtschaftsminister Helmut Brunner eine neue Förderrichtlinie im Gepäck.

2036 kreisangehörige Kommunen gibt es in Bayern, rund 600 davon gehe es nicht besonders gut, „um nicht zu sagen hundsmiserabel“, so der Präsident des Bayerischen Gemeindetages Uwe Brandl. Die Schwächung des Landesentwicklungsplanes nannte er einen der größten Sündenfälle der zurückliegenden Jahre. Gerade Oberfranken mit seinen Strukturproblemen aufgrund weggebrochener Industriezweige und der weiter voranschreitenden demographischen Entwicklung benötige dringend ordnungspolitische Maßnahmen.

„Volkswirtschaftlich ist das, was da in Hochfranken passiert eine Katastrophe, sagte Brandl. Er sprach von einer entvölkerten Region und von Immobilien, die praktisch nichts mehr wert seien. Arbeitsplätze, Bildungseinrichtungen, ein funktionierender öffentlicher Personennahverkehr, das alles reiche schon nicht mehr. „Hier brauchen wir echte Lebensperspektiven“, so Brandl.

Landwirtschaftsminister Helmut Brunner hatte zuvor noch von durchwegs positiven Nachrichten aus dem ländlichen Raum gesprochen. Die Arbeitslosenquote habe sich seit 2006 mehr als halbiert, die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten sei deutlich, um 14 Prozent, gestiegen. Freilich wusste auch Brunner, dass die Geschwindigkeit des Wachstums nicht überall gleich sei. „Es gibt Gemeinden, die laufen Gefahr, den Anschluss zu verlieren“, so der Minister.

Brunner legte einen Fünf-Punkte-Katalog vor, um die Gemeinden zu stärken. Gemeindeallianzen und Stadt-Land-Partnerschaften gehörten genauso dazu wie die Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze, eine flächendeckende Daseinsvorsorge oder die Gestaltung vitaler Ortskerne. Auch die bäuerliche Landwirtschaft als wichtiger Aktivposten im ländlichen Raum, denn bäuerliche Familienbetriebe schaffen Wertschöpfung und Beschäftigung. Grundvoraussetzung sei aber auch die Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen.

Brunner nutzte das Fachforum auch, um eine neue Förderrichtlinie vorzustellen. Mit dem neuen Förderinstrument sollen Gemeinden im ländlichen Raum künftig noch gezielter und schneller bei der Umsetzung von Projekten unterstützt werden. Nach einem zügigen Auswahlverfahren an den Ämtern für Ländliche Entwicklung sollten rasch und flächendeckend Dorferneuerungs- und Infrastrukturprojekte mit 60 Prozent der Kosten aus EU-Mitteln gefördert werden. Die formelle Einleitung von Dorferneuerungen sei dazu nicht mehr erforderlich. „Dieses neue Förderinstrument punktet mit Schnelligkeit und eröffnet Freiräume“, sagte Brunner. Gefördert würden zum Beispiel Nahversorgungs- oder Gemeinschaftseinrichtungen zur Stärkung der Ortszentren oder Infrastrukturprojekte wie Verbindungs-, Wald- und Feldwege.

Keine guten Nachrichten hatte dagegen Manfred Miosga, Professor für Stadt- und Regionalentwicklung an der Universität Bayreuth im Gepäck: trotz zurückgehender Arbeitslosenzahlen und wachsender Beschäftigung habe das Auseinanderdriften Bayerns eher zugenommen, sagte der Wissenschaftler. „Die Schere der Entwicklung geht weiter auseinander“, so Miosga. Bayern sei mehr denn je geprägt von starken regionalen Unterschieden. Die Lösung liegt nach den Worten des Professors in intensiven Kooperationen der Kommunen untereinander aber auch in der Kooperation zwischen Kommunen und Freistaat.

Wie so ein Entwicklungsprozess ablaufen kann, machten Thomas Müller vom Amt für ländliche Entwicklung, Karlheinz Donner vom Planungsbüro Landimpuls in Regenstauf und Bürgermeister Stefan Frühbeißer für die Gemeinde Pottenstein in der Fränkischen Schweiz im Rahmen einer Spielszene deutlich. Ortsbegehungen, Vitalitätschecks, die Suche nach Schwerpunktprojekten, eine zweitägige Klausurtagung an der Schule für Dorf- und Flurerneuerung in Klosterlangheim, das alles gehörte dazu und immer wieder sei es darum gegangen, Bürger zur Mitarbeit zu bewegen. Am Ende seien wichtige Grundsteine für die Zukunft von Pottenstein gelegt worden, sagte Karlheinz Donner. Als Beispiele nannte er den Kulturpark Püttlachtal, ein Nutzungskonzept für die leer stehende Schule Kirchenbirkig oder die Gestaltung eines neuen Dorfplatzes in Weidenhüll. „Wichtig ist es, den Bürger nicht nur zu Wort kommen zu lassen, sondern ihn aktiv zu beteiligen“, so Bürgermeister Frühbeißer.

Bilder:
- Der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner.
- Gemeindetagspräsident Uwe Brandl.
-
 Manfred Miosga, Professor für Stadt- und Regionalentwicklung an der Universität Bayreuth.
- Uwe Brandl, Helmut Brunner, Moderator Heiner Gremer vom Bayerischen Rundfunk und Manfred Miosga (von links).

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29.05.2015

Grillgut Fisch: Vom Teich auf den Teller / Forelle, Karpfen und Saibling statt Bratwürste und Burger -  Oberfränkische Teichgenossenschaft eröffnete Fischgrillsaison

Gräfenthal, Lks. Bayreuth. Bratwürste, Steaks und Burger auf dem heimischen Grill, das kennt man. „Wir wollen die Menschen dazu bringen, zuhause auch mal Fisch auf den Grill zu legen“, sagt Peter Thoma aus Thiersheim. Er ist Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken, einem Zusammenschluss von rund 1000 Teichwirten, meist Landwirte, die im Nebenerwerb einen oder mehrere Teiche bewirtschaften.

Sobald es draußen wärmer ist, werden der Grill entstaubt, die Gartenstühle aufgebaut, die Salate zubereitet, Familie und Freunde eingeladen. Beim Grillen sind die Deutschen Weltmeister. Wenn es aber um das Grillgut geht, dann hört der Einfallsreichtum schnell auf. Allenfalls noch Gemüse gibt es neben den üblichen Würsten und Steaks. „Warum nicht auch heimischen Süßwasserfisch“, hat sich die Teichgenossenschaft Oberfranken schon vor Jahren gedacht. Seitdem wird die Fischgrillsaison von den Mitgliedern zusammen mit dem Bezirk Oberfranken und dem Hotel- und Gaststättenverband immer im Mai eröffnet und der Absatz damit werbewirksam angekurbelt.

Allerdings sollte es nicht irgendein Fisch sein, sondern Fisch aus Oberfranken. „Wir wundern uns, dass viele Verbraucher noch immer auf Pangasius auf Vietnam zurückgreifen, der meist mit Antibiotika vollgestopft ist“, so der oberfränkische Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Der Bezirk gehört zu den Mitveranstaltern der Marketingaktion, weil die Bezirke in Bayern für die Fischereifachberatung zuständig sind.

Einer, der ganz wenigen in Oberfranken, der seine Teiche im Haupterwerb bewirtschaftet, ist Karl-Peter Schwegel von der Forellenzucht Aufseßtal. Schwegel, seit über 35 Jahren Vollerwerbsteichwirt  hat diesmal zur Eröffnung der Fischgrillsaison Saibling, Forellen und Karpfen frisch geschlachtet und an das Landhaus Gräfenthal bei Bindlach im Landkreis Bayreuth geliefert, wo sie sofort frisch verarbeitet wurden.

Und zwar von Helmut Lauterbach. Er weiß um die große Vielfalt von Fisch aus heimischen Gewässern. Da gibt es gebeiztes Saiblingsfilet, Forelle, Karpfenfilet, aber auch Zanderkotelette oder Hechtpflanzerl. „Wir wollen die Menschen dazu bringen, für den nächsten Grillabend auch mal Fisch vom Teichwirt um die Ecke zu nehmen“, sagt Vorsitzender Thoma.

Ökologisch sei heimischer Fisch sowieso eines der besten Lebensmittel überhaupt, so Bezirkstagspräsident Denzler. Ziel der Arbeit des Bezirks sei es deshalb auch, die heimische Teichwirtschaft zu stärken. Dazu gehöre es auch, dass neue Teiche angelegt werden, was ein falsch verstandener Naturschutz oft verhindere. Gerade in Oberfranken seien neue Teiche so wichtig, denn die heimische Produktion reiche für die Eigenversorgung nicht aus, so dass jedes Jahr Fisch importiert werden muss. Überhaupt gehe es beim Fisch auch immer um Naturschutz und um den Erhalt der Artenvielfalt. „Jeder Teich in Oberfranken ist ein Biotop“, sagt Fachmann Karl-Peter Schwegel und wirbt immer wieder für die Neuanlage von Teichen.

Für die feierliche Eröffnung der Fischgrillsaison hatte Helmut Lauterbach unter anderem Karpfenfilet auf asiatischem Gemüse, Forelle im Ganzen auf gegrilltem Spargelsalat und Zanderkotelette mit Kapuzinerkresse-Pesto auf Kartoffelstampf vorbereitet.

Se haben die oberfränkische Fischgrillsaison eröffnet (von links): Der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Peter Thoma, Helmut Lauterbach vom Landhaus Gräfenthal, Thomas Speyerl von der Fischereifachberatung, die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer, Bezirkstagsvizepräsident Eberhard Siller, Bezirksrätin und Bürgermeisterin Beate Kuhn sowie Bezirkstagspräsident Günther Denzler.

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05.09.2014

„Karpfen statt Käpt´n Iglo“ / Warmer Winter, kalter Sommer: Karpfenernte fällt heuer schlechter aus - Karpfensaison 2014 im Landkreis Wunsiedel eröffnet

Thierstein. Die Karpfenernte 2014 fällt etwas schlechter aus als in den zurückliegenden Jahren. „Vom Wachstum her ist es tatsächlich etwas weniger“, sagt Alfred Rippl (59) aus dem Nachbarort Thiersheim. Rippl ist Teichwirt im Nebenerwerb und bewirtschaftet nahe der Autobahn A93 im Landkreis Wunsiedel rund eineinhalb Hektar Wasserfläche verteilt auf neun kleine Teiche.

Für Alfred Rippl ist der Rückgang allerdings eine normale Schwankung, gerade hier im Fichtelgebirge, wo die Teiche teilweise noch im April Eis tragen. Rippls Behauptung wird aber auch von vielen anderen Experten bestätigt: Vor allem der warme Winter und das trockene Frühjahr hätten den Teichwirten die Arbeit erschwert, heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium.

Rund 1000 Tonnen Karpfen werden in Oberfranken im Durchschnitt pro Jahr produziert und auch konsumiert, so Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler. In diesem Jahr seien waren der trockene Frühsommer und im Anschluss der relativ kalte Sommer eine Herausforderung für jeden Teichwirt gewesen. Denzler zufolge rechneten die oberfränkischen Teichwirte aufgrund der ungünstigen Bedingungen mit einem Rückgang von rund 20 Prozent, also nur mit 800 Tonnen bei der diesjährigen Karpfenernte. Denzler: „Wir werden sehen, wie die Zahlen am Ende der Saison dann aussehen.“

Die Karpfenteichwirtschaft gilt in Oberfranken als Sonderkultur der Landwirtschaft. Die meisten der fast 1000 Teichwirte wirtschaften wie Alfred Rippl im Zu- oder Nebenerwerb. Anfang September, wenn die Monate mit dem Buchstaben „r“ wieder im Kalender auftauchen, veranstaltet die Teichgenossenschaft Oberfranken immer zusammen mit dem Bezirk und anderen Partnern die Eröffnung der Karpfensaison. „Wir möchten damit auf die große Bedeutung der oberfränkischen Karpfenteichwirtschaft hinweisen und den bayerischen Karpfen noch ein Stück weit mehr nach vorne bringen“, sagt der Vorsitzende Dr. Peter Thoma aus Wunsiedel.  

Bewusst hatten sich die verantwortlichen dazu heuer eine Teichanlage im Landkreis Wunsiedel ausgesucht. Hier im Wunsiedler Becken habe die Karpfenzucht eine jahrhundertealte Tradition, maßgeblich geprägt seit dem frühen Mittelalter durch die nahe liegende Zisterzienserabtei in Waldsassen, so der Vorsitzende: „Die naturräumlichen Gegebenheiten sind für die Karpfenproduktion einfach hervorragend.“

Einen klaren Vorteil hat der geringfügige Rückgang bei der Karpfenernte: die Qualität ist noch besser als in den Vorjahren, denn schwierige Witterungsbedingungen haben für ein langsames Wachstum der Fische gesorgt, das Fleisch ist deshalb fest und schmackhaft und kann vor allem vielfältig verwendet werden, etwa als klassischer „Karpfen blau“, als bequemes, weil praktisch grätenfreies gebackenes Karpfenfilet oder mal anders als gebratener Karpfen mit Paprikastreifen. Auch die verschiedensten Salatvariationen vom gebeiztem Karpfen sind möglich.

Die Genussregion Oberfranken wäre ohne den Karpfen undenkbar, sagte Hans Peter Friedrich, Hofer Bundestagsabgeordnete und Ex-Bundeslandwirtschaftsminister, der die Karpfensaison in seinem Stimmkreis eröffnete. Ein klares Bekenntnis zur regionalen Erzeugung legte Landtagsvizepräsident Peter Meyer ab: ganz im Gegensatz zum heimischen Karpfen wisse beim Pangasius aus Fernost niemand so genau, wo er herkommt und womit er gefüttert wurde. Karpfen aus Oberfranken hätten außerdem die deutlich bessere Ökobilanz, so Regierungsvizepräsidentin Petra Platzgummer-Martin.

Der stellvertretende Wunsiedler Landrat Gerald Schade rief dazu auf, weiter am Image des Karpfens zu arbeiten. „Bei der Forelle klappt es, beim Karpfen noch nicht“, sagte er und mit Blick auf eine junge Zielgruppe meinte er: „Unser Ziel sollte es sein, dass der Karpfen Käpt´n Iglo besiegt.“ Damit die Teichwirte auch weiterhin ökonomisch wirtschaften können, sei aber auch Augenmaß beim Naturschutz gefragt: „Unser Ziel ist es, die Gewässer für den Menschen zu schützen“, so Benno Strehler vom Wasserwirtschaftsamt in Hof.

In Oberfranken hat die Teichwirtschaft vor allem auch eine große wasserwirtschaftliche Bedeutung. Die Teiche werden im Frühjahr gefüllt und in der Regel im Herbst wieder abgelassen. So können sie als kleinräumige Wasserspeicher in der Fläche wirken und damit ganz bedeutend zur Grundwasserneubildung beitragen.

Bilder:
1. Sie eröffneten die Karpfensaison in Oberfranken (von links): Thomas Speyerl vom Bezirk, Präsident Günther Denzler, Landtagsvizepräsident Peter Meyer, der stellvertretende Wunsiedler Landrat Gerald Schade, Regierungsvizepräsidentin Petra Platzgummer-Martin, die Bezirksräte Eberhard Siller und Henry Schramm, der VBB-Vizepräsident Günter Gabsteiger, Ex-Landwirtschaftsminister  Hans-Peter Friedrich und der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Peter Thoma.
2. Mit dem Abfischen der Teiche von Alfred Rippl in Thierstein wurde die Karpfensaison 2014/2015 eröffnet.
3. Teichwirtschaft live erleben, das konnten zahlreiche Interessierte bei der Eröffnung der Karpfensaison in Thierstein im Fichtelgebirge.

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15.08.2014

Maisfeld als Besuchermagnet / BBV Wunsiedel eröffnet wieder einen Mais-Irrgarten in Bergnersreuth

Bergnersreuth. „Wir wollen der Öffentlichkeit zeigen, was die Maispflanze alles zu bieten hat“, sagt Reinhold Wunderlich. Er ist der Leiter des Arbeitskreises Öffentlichkeitsarbeit beim BBV Wunsiedel und war auch in diesem Jahr wieder federführend tätig beim Aufbau des Mais-Irrgartens am Volkskundlichen Gerätemuseum Arzberg-Bergnersreuth.

Wunderlich war es gelungen, trotz regnerischen Wetters zur Eröffnung des Irrgartens nicht nur den Landrat und den örtlichen Bundestagsabgeordneten zu gewinnen, sondern auch die bayerische Milchprinzessin Carola Reiner. Für sie war der Termin ein ganz besonderer, schwärmte die Prinzessin von einem tollen Nachmittag. Carola Reiner war die ehrenvolle Aufgabe angetragen worden, den Mais-Irrgarten ganz offiziell mit dem Zerschneiden eines Bandes zu eröffnen. Tatkräftige Unterstützung erfuhr sie dabei von den Kindern aus Arzberg und Umgebung, die an diesem Nachmittag zum Gerätemuseum gekommen waren.

Der Mais-Irrgarten war bereits im zurückliegenden Jahr ein echter Besuchermagnet. Tagtäglich suchten sich ganze Scharen an Kindern und Erwachsenen ihren Weg durch das ungewöhnliche Labyrinth. Das Feld war Ziel für Kindergartengruppen und Schulklassen, genauso wie für Wanderer, Radler, Sonntagsspaziergänger, aus der unmittelbaren Umgebung genauso wie von weit her.

Eine romantische Veranstaltung war die nächtliche Fackelwanderung durch das Labyrinth, die auch in diesem Jahr wieder angeboten wird. Am 20. September ab 19 Uhr wird es soweit sein. Alle Besucher können dann in den dunkeln Gängen zwischen den meterhohen Maispflanzen ein kleines Abenteuer erleben und dürfen sich nach dem Rundgang bei Kartoffelgulasch aus dem Kessel und der stimmungsvollen musikalischer Umrahmung mit dem Duo Hermann und Christoph gutgehen lassen.

Wie Reinhold Wunderlich erklärte, soll der Mais-Irrgarten aber nicht nur eine Ferienattraktion für Jung und Alt sein, der Irrgarten soll auch das Image der Maispflanze verbessern. „Mais bringt die größte Ertragsleistung pro Hektar, egal ob als Futter- oder als Energiepflanze“, sagt Wunderlich und verweist auf den relativ geringen Pflanzenschutzaufwand und den guten Vorfruchtwert.

Arzbergs dritter Bürgermeister Stefan Klaubert, gleichzeitig Hornmeister der Jagdhornbläser Wunsiedel/Marktredwitz, sprach dem BBV-Kreisverband Wunsiedel und Gerätemuseum Bergnersreuth seine Anerkennung aus. Der Mais-Irrgarten sei eine ganz wichtige Aktion für die Stadt Arzberg. Der Irrgarten bringe aber auch zwei wichtige Anliegen zusammen, so der Landtagsabgeordneter Martin Schöffel: Informationen über die moderne Landwirtschaft und eine echte Touristenattraktion.

An Schautafeln und beispielhaften Anpflanzungen könne jeder interessierte Besucher erfahren, warum der Mais im Fichtelgebirge so wichtig ist, sowohl als Futterpflanze, als auch in seiner Eigenschaft als Energieträger. BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif ging auf die wichtige Bedeutung von Mais als Fruchtpflanze ein. Das negative Image habe der Mais nicht verdient, so Greif. Reinhold Wunderlich zufolge ist die Anbaufläche im Landkreis Wunsiedel während der zurückliegenden drei Jahre ohnehin gleich geblieben.

Der Mais-Irrgarten am Volkskundlichen Gerätemuseum, Wunsiedlerstraße 12 – 14 in 95659 Arzberg-Bergnersreuth hat noch bis Ende immer von Dienstag bis Donnerstag zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet. Neben der Fackelnacht am 20. September wird am 28. September ab 14 Uhr ein großes Backofenfest gefeiert. Während der gesamten Dauer der Aktion findet auch wieder ein Suchspiel statt. Auf die Teilnehmer wartet eine kleine Belohnung. Die Gewinner werden ebenfalls beim Backofenfest bekannt gegeben.

Bilder:
- Zusammen mit Kindern aus der Umgebung hat die bayerische Milchprinzessin Carola Reiner den Mais-Irrgarten eröffnet.
- Symbol für ein gutes Miteinander von Jägern und Landwirten vor Ort: die Jagdhornbläser Wunsiedel/Marktredwitz.
 

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16.07.2014

Teichwirtschaft seit über sechs Jahrhunderten: Mit dem Schlossweiher in Aufseß tragen 16 Teiche in Oberfranken das Prädikat „Kulturgut Teich“

Aufseß. Teiche sind nicht nur Landschaftsbestandteile, sondern auch wertvolle Kulturgüter. Das stellt die Teichgenossenschaft Oberfranken zusammen mit dem Bezirk seit 16 Jahren eindrucksvoll unter Beweis. Mit dem Schlossweiher in Aufseß (Landkreis Bayreuth), der eigentlich „Ecken-Weiher“ heißt, erhielt diesmal ein Gewässer in der Fränkischen Schweiz das seltene Prädikat „Kulturgut Teich“. Besitzer ist Eckart von und zu Aufseß, Pächter und Bewirtschafter ist der Bezirk Oberfranken, das Areal gehört zur Lehranstalt für Fischerei.

Die Geschichte des Schloßweihers lässt sich bis in das Jahr 1385 zurückverfolgen. Deshalb, und weil der Teich seitdem ein fester Bestandteil des Landschaftsbildes ist und viel zum Erhalt der Artenvielfalt beiträgt, werden Wanderer und Spaziergänger künftig mit einer großen Informationstafel auf die reichhaltige Geschichte des Gewässers und seiner Umgebung aufmerksam gemacht.

Neben der prägenden Bedeutung für die Landschaft, der Bewirtschaftung und der belegten Historie müsse ein ausgezeichneter Teich auch eine besondere ökologische Bedeutung haben, so Dr. Peter Thoma, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken aus Wunsiedel. Viele Teiche hätten einen hohen kulturellen Wert, sagte der oberfränkische Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler bei der Enthüllung der neuen Informationstafel. Bereits um 1400 hätten die Bamberger Bischöfe eigene „Seemeister“ beschäftigt. Sie hatten die Aufgabe, sich um die Gewässer in der Region zu kümmern. Dies zeige eindrucksvoll auf, dass Fisch schon im Mittelalter ein begehrtes und geschätztes Lebensmittel gewesen sei.

Der Schlossweiher in Aufseß, der eigentlich „Ecken-Weiher“ heißt, von den Einheimischen „Unterer Weiher“ genannt wird und bei den Beschäftigten der Lehranstalt „Großer Weiher“ heißt, ist seit seiner ersten urkundlichen Erwähnung  1385 im Besitz der Familie von und zu Aufseß und wird seitdem beinahe ununterbrochen bewirtschaftet. Eine einzige Zäsur gab es in den Nachkriegsjahren, als der Teich mehr und mehr verlandete und die bestehenden Bruthäuser verfallen waren. Erst Ende der 1960er Jahre nahm Eckart von und zu Aufseß die Fischerei wieder auf.

Der Weiher habe damals wie ein Feld mit vielen nassen Stellen ausgesehen, erinnerte sich Eckart von und zu Aufseß. Er selbst habe die Fischerei wieder aufleben lassen, die Bewirtschaftung übernommen und große Pläne gehabt. Allerdings hab er schnell einsehen müssen, dass er kein Fachmann ist, und so sei das Angebot des Bezirks Oberfranken im Jahr 1980 gerade recht gekommen, auf dem Gelände eine Lehranstalt für Fischerei zu errichten. „Somit ist die gesamte Teichanlage ein echtes Juwel geblieben“, freute sich Eckart von und zu Aufseß.

Heute gilt der Schloßweiher als sommerwarmer Karpfenteich, in dem auch Schleien, Rotaugen, Rotfedern und die selten gewordenen Karauschen zu Hause sind. Drumherum haben viele Amphibien einen wertvollen Lebensraum gefunden. Eingebettet ist der Weiher in die Lehranstalt für Fischerei, die sich als weit über die Grenzen Oberfrankens hinaus bedeutende Aus- und Weiterbildungsstätte für Fischer und Teichwirte versteht, die sich mit ihrem Kurs- und Informationsangebot aber auch an eine breite Öffentlichkeit wendet. Die Lehranstalt dient zudem als kompetentes Zentrum in allen Fragen der Fischzucht und des Fischartenschutzes.

Bilder: Der oberfränkische Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler (rechts), Besitzer Eckart von und zu Aufseß (Mitte) und der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Dr. Peter Thoma haben am Ufer des Schloßweihers („Ecken-Weihers“) in Aufseß eine Informationstafel enthüllt, die das Gewässer künftig als Kulturgut ausweist.

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29.06.2014

Insel der Ruhe in lärmender Gesellschaft / Frankenwald- und regionaler Waldbesitzertag in Schwarzenbach am Wald

Schwarzenbach am Wald, Lks. Hof. „Wir brauchen die Technik ganz dringend“, widersprach Josef Spann, Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, den beiden Geistlichen Pfarrer Jens Güntzel und Pastoralreferent Herbert Punzelt aus Schwarzenbach am Wald. Beide hatten in ihrer ökumenischen Andacht zu Beginn des Waldbesitzertages Kritik am vermeintlich übermäßigen Technikeinsatz in den Wäldern geübt.

Der Wald sei zwar eine wichtige Konstante in einer sich rasant verändernden Gesellschaft. Doch ähnlich wie in der Landwirtschaft könne man auch in der Forstwirtschaft heute nicht mehr mit der Technik aus vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten arbeiten. Im Gegenteil: „Moderne Technik vereinfacht die Tätigkeit der Waldarbeiter und sorgt für deren Sicherheit“, sagt Spann.

Es ist schon ist es eine kleine Tradition, wenn das Holzforum Schwarzenbach am Wald zusammen mit der Stadt, den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Münchberg und Kulmbach, der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) sowie dem Cluster Forst und Holz in Bayern zum mittlerweile 4. Frankenwaldtag und zugleich zum 4. Regionalen Waldbesitzertag aufgerufen hat.

Der Tag in Bayerns waldreichster Gegend ist den rund 700000 Waldbesitzer in Bayern gewidmet, die ihr eigenes Stück Wald bewirtschaften und damit einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft und zur Stärkung des ländlichen Raumes leisten. Klimawandel, neue Forsttechniken und gesamtwirtschaftliche Entwicklungen heißen die Herausforderungen, bei denen der Waldbesitzer Orientierung und fachliche Unterstützung braucht. All das war diesmal auch wieder in Schwarzenbach am Wald zu finden.

Hier gab es ein großes „Waldforum“, einen Ausstellungsbereich mit Messecharakter und einen „Waldparcours“. Viele der angekündigten Vorführungen mussten diesmal allerdings dem schlechten Wetter geopfert werden. Ein Schwerpunkt war die Warnung vor den erheblichen Unfallrisiken, die der Wald bietet. Moderne Holzernteverfahren und sichere Arbeitsweisen können diese Gefährdungen minimieren, wie ein Spannungssimulator, ein Fixlängenkatapult und ein Helmtester eindrucksvoll veranschaulichten. Bloß gut, dass dabei nur eine Melone und kein echter Kopf zu Schaden kam. Jeder der die Vorführung live gesehen hat, wird künftig bei den Forstarbeitern im Wald nicht mehr leichtsinnig auf den Helm verzichten. Die Vorführungen der Sozialversicherung SVLFG fanden auf jeden Fall immer ihr interessiertes Publikum.

Nirgends anders sei Ökologie, Ertrag und Erholung auf einer einzigen Fläche möglich“, so Waldbesitzerpräsident Josef Spann. Wer könnte sich rühmen, dabei auch noch so kostbare Nebenprodukte wie Sauerstoff und Trinkwasser zu haben. Deshalb benötige die Forstwirtschaft auch mehr Verständnis gerade aus den Reihen der Stadtbevölkerung, denn sie könne auf über 300 Jahre Nachhaltigkeit verweisen.

Vom Wald als „Insel der Ruhe in einer lärmenden Gesellschaft“ sprach der Schirmherr, Ex-Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich, der aus der Nachbarstadt Naila kommt. Waldbesitzer sollen ihre Verantwortung auch weiterhin individuell wahrnehmen können, sagte der ehemalige Minister und weiter: „Wer Eigentum hat und es verantwortlich nutzt, der verdient auch, dass er vom Staat unterstützt wird und dass ihm andere nicht hineinreden.“ Und noch ein Argument für den Wald hatte Friedrich parat: „Wer heute ein Stück Wald aufforstet, der weiß, dass er selbst davon nicht mehr profitieren wird, sondern vielmehr seine Kinder und Enkel.“ Wald bedeute deshalb auch Verantwortung weit über die eigene Generation hinaus.

Der Frankenwald- und Waldbesitzertag erfuhr durch die Anwesenheit gleich dreier „Königinnen“ eine ganz besondere Aufwertung. Neben der Bayerischen Waldkönigin Isabella Wimmer, was auch die neue Bayerische Bierkönigin Tina-Christin Rüger und die Hochfrankenkönigin Katharina Fuchs anwesend. Ebenso zu den prominenten Gästen gehörte Hans Carl von Carlowitz, dargestellt von dem Schauspieler Peter Kampschulte vom Theater Hof. Der sächsische Bergrat Carlowitz verfasste vor über 300 Jahren das erste geschlossene Werk über die Forstwirtschaft und gilt als wesentlicher Schöpfer des forstlichen Nachhaltigkeitsbegriffs.

Bilder:

1. Ohne schweres Gerät geht es im Forst kaum noch. Wofür die Technik gut ist, konnten die Besucher beim Waldtag in Schwarzenbach sehen.

2. Über alles Wissenswerte rund um denn Wald informierte die Bayerische Forstverwaltung an einem aufwändig gestaltetem Messestand.

3. Spannende Vorführungen über die Sicherheit bei Waldarbeiten gab es am Stand der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG).

4. Die Bayerischen Waldkönigin Isabella Wimmer, Peter Kampschulte als Hans Carl von Carlowitz, Hochfrankenkönigin Katharina Fuchs, der frühere Landwirtschaftsminister Hans Peter Friedrich, die neue Bayerische Bierkönigin Tina-Christin Rüger, Josef Spann, der Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes und Bürgermeister Dieter Frank (von links).

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01.06.2014

Gewinner sind die Metzger - Ein Fest für die Bratwurst / „Erlaubt ist, was schmeckt“: Rekordbesuch beim 4. Fränkischen Bratwurstgipfel

Pegnitz. 15 Metzgereien im Wettstreit um den Titel des Fränkischen Bratwurstkönigs, Kreativmetzger Klaus Lindner aus Pegnitz und Berufsschulklassen aus Fürth und Hof außer Konkurrenz am Grill, alles in allem über 30 Bratwurstsorten brutzelten auf dem Rost - kein Wunder, dass in diesem Jahr der Rekord von 20000 Besuchern beim 4. Fränkischen Bratwurstgipfel im Wiesweiherpark noch einmal übertroffen wurde.

Bratwurstkönig wurde der Metzger Jürgen Brunner aus Erlangen mit der klassischen Erlanger Bratwurst und einer kreativen Paprikabratwurst mit dem Namen Jalapenos. Brunner siegte auch in der Sparte klassische Bratwurst, während  bei den kreativen Würsten Volker Gagel aus Michelau vorne lag. Publikumsliebling wurde der Gesamtsieger des Vorjahres, Metzgermeister Jürgen Reck aus Erlangen mit der Bändel- und der Krautsbratwurst.

Erlaubt war alles, was schmeckt. Gebraten wurden in diesem Jahr in der Kategorie Kreativbratwurst ein Coburger Samba Griller, Erdbeer-Minz Bratwurst mit grünem Pfeffer, Bratwurst Hawaii und vielerlei mehr. In der Kategorie klassische Bratwurst gab es unter anderem Erlanger Bratwürste, Nürnberger Bratwürste und Fränkische Bratwürste im Bändel.

„Pegnitz forever“ gab Bürgermeister Uwe Raab als Losung aus und meint damit, dass die größte Stadt des Landkreises Bayreuth, in der vor fünf Jahren die Idee zu dem Fest geboren wurde, auch künftig Veranstaltungsort bleiben möchte, weil der „Gipfel“ längst Kult geworden ist. Der Dreiklang von Bratwürsten, Brot und Bier halte Leib und Seele zusammen, so Raab, der eigens zum Bratwurstgipfel eine 80-köpfige Delegation aus den Partnerstädten Slany in Tschechien und Guyancourt in Frankreich eingeladen hatte.

Organisator Michael Breitenfelder, der das Wirtschaftsband A9 aus 18 Kommunen managt, betonte die Bedeutung des Gipfels für den Wirtschaftsstandort Pegnitz. Es gehe darum, die Qualität der Erzeugnisse zu vermitteln, die täglich in den Betrieben hergestellt werden — und dies nachhaltig: „Die Wirkung des Gipfels soll nicht zu Ende sein, wenn die Holzkohlenasche im Grill verglommen ist.“

Eine Riesenchance für die Metzgerbetriebe, ihr Handwerk zu präsentieren, sei die Ausnahmeveranstaltung, lobte der Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken, Heinrich Mosler. Er sprach vom größten Event, den die drei fränkischen Kammern gemeinsam ausrichten. Sein Kollege von der oberfränkischen Kammer, Thomas Zimmer, pflichtete ihm bei: „Gewinner sind die Metzger.“ Das Motto, das Zimmer diesmal zum Bratwurstgipfel ausgab, lautete: „Erlaubt ist, was schmeckt.“.

Bei den drei Wettbewerben bewerteten drei Jurys die Bratwürste. Die Metzger beurteilen die Produkte der erstmals zum Wettstreit antretenden Berufsschulen. Prominente Juroren, darunter Bürgermeister Raab, der Bayreuther Landrat Hermann Hübner, HWK-Hauptgeschäftsführer Thomas Koller, die stellvertretende Regierungspräsidentin Petra Platzgummer Martin und die HWK-Präsidenten Thomas Zimmer und Heinrich Mosler, saßen über die klassischen Würste zu Gericht. Die ausgefallenen Kreativbratwürste wurden von den Bürgermeistern des Wirtschaftsbandes A9 verkostet. Sie seien schließlich von vielerlei Terminen her ausgewiesene Bratwurstexperten mit hohen Erfahrungswerten und ganz feinen Geschmacksnerven , so Organisator Breitenfelder.

Bilder: - Der oberfränkische HWK-Präsident Thomas Zimmer, Moderator Bernd Rasser und der mittelfränkische HWK-Präsident Heinrich Mosler kosteten zum Start des Bratwurstgipfels die ersten Würste frisch vom Grill.
- Schülerinnen und Schüler der Pegnitzer Hotelfachschule servierten durchnummerierte Bratwürste für die einzelnen Wettbewerbe.
- Der Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab (links) und der Bayreuther Landrat Hermann Hübner gehörten zu den Testessern.

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20.05.2014

Fränkischer Dreiklang: Bratwürste, Brot und Bier /
4. Bratwurstgipfel am 1. Juni soll erneut 20000 Besucher nach Pegnitz locken

Pegnitz. 15 Metzger aus drei Regierungsbezirken, 30 verschiedene Bratwurstkreationen und rund 20000 Besucher: der 4. Fränkische Bratwurstgipfel am 1. Juni in Pegnitz soll einmal mehr alle Rekorde übertreffen.

Dorfmetzger Jürgen Reck aus Möhrendorf in Mittelfranken hat ein Ziel: er möchte seinen Titel als amtierender Bratwurstkönig verteidigen. „Zwei Mal hat bislang Oberfranken gewonnen, ein Mal Mittelfranken, da wäre eine Titelverteidigung schon angesagt“, meint der Metzgermeister, der sich erst vor drei Jahren selbstständig gemacht hat. Am Sonntag, 1. Juni ab 11 Uhr hat er im Pegnitzer Wiesweiherpark die Gelegenheit dazu. In der Disziplin Bratwurst klassisch tritt er diesmal mit einer Bändelbratwurst an, in der Sparte Bratwurst kreativ mit einer Krautsbratwurst, mehr verrät der Vorjahressieger nicht.

Da sind andere Teilnehmer schon offener. Frank Glumbik von der gleichnamigen Fleischerei aus Rödental bei Coburg geht in der Creativ-Sparte mit einem echten Coburger Samba-Griller an den Start. Zum einen sei Coburg die Stadt des Sambafestivals, zum anderen gehe es ihm um einen Vorgeschmack auf die Fußball-Weltmeisterschaft. Und so soll in der Bratwurst unter anderem Mango und Aprikose und sogar ein Schuss Chili zu schmecken sein. Thomas Wiesenmüller von der gleichnamigen Metzgerei in Bayreuth nennt seine Kreativ-Kreationen Bratwurst Lolly Rio und will neben Chili auch mit Schoko- und Orangenabrieb punkten.

Ein ganz anderes Geschmackserlebnis verspricht Markus Lindner von Lindners Hausmetzgerei in Weidenberg. Er nennt seine Würste „Brofis“, was für Bratwürste mit Fisch stehen soll. Auch Lammbratwürste, Bierbratwürste, Hawaiibratwürste und sogar vegetarische Bratwürste soll es geben. Bei den Klassikern sind dagegen Erlanger, Nürnberger, Bamberger, Aischgründer und  Hofer Bratwürste im Angebot. Letztere stammen einmal mehr von der Metzgerei Max in Hof, die 2011 den Titel des 1. Fränkischen Bratwurstkönigs erzielt hatte.

„Erlaubt ist, was schmeckt“, sagt der Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken Thomas Zimmer. Sein mittelfränkischer Amtskollege Heinrich Mosler sprach vom größten Event, das die drei fränkischen Kammern gemeinsam ausrichten. Der Dreiklang von Bratwürsten, Brot und Bier halte Leib und Seele zusammen, so der Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab, der eigens zum Bratwurstgipfel eine 80-köpfige Delegation aus den Partnerstädten Slany in Tschechien und Guyancourt in Frankreich eingeladen hat.

Neu ist in diesem Jahr ein eigener Nachwuchspreis, bei dem die staatlichen Berufsschulen Fürth und Hof gegeneinander antreten. Festgehalten wird dagegen an den verschiedenen Verkostungswettbewerben auf der Bühne durch Promi- und Expertenjurys. Gleichzeitig haben alle Besucher Gelegenheit, über einen Bewertungsbogen vor Ort ihre Lieblingsmetzgerei zu bestimmen.

Begleitet wird die außergewöhnliche Mischung aus Volksfest, Genussfest mit Livemusik von der Gruppe „The Rockin Lafyette“ und dem Kabarettisten Klaus Karl Kraus. Daneben gibt es jede Menge touristische Informationen und Spezialitätenstände mit regionalen Produkten, darunter Kuchen, Küchla, Spritzgebäck, Marmeladen, Biere, Säfte, Liköre oder Sekt. Unterstützt wird die Veranstaltung von der Stadt Pegnitz, dem Verein Genussregion Oberfranken, der Handwerkskammer, dem Zusammenschluss Wirtschaftsband A9 und dem Tourismusverband Franken. Schirmherr ist der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly.

Der 4. Fränkische Bratwurstgipfel wird am Sonntag, 1. Juni um 11 Uhr im Pegnitzer Wiesweiherpark eröffnet.

Bilder:
- Vor dem Altenstädter Schloss in Pegnitz stellten alle Beteiligten Metzger und die Verantwortlichen der Handwerkskammer das Programm zum 4. Fränkischen Bratwurstgipfel vor.
- Die verschiedensten Bratwurstkreationen werden am 1. Juni in Pegnitz auf dem Grill landen.
- Zwei Metzgermeister und Bratwurstkönige: Jürgen Reck (links) aus Möhrendorf holte 2013 den Bratwurstpokal, Klaus Lindner aus Pegnitz wurde 2012 an die Spitze gewählt.

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02.05.2014

Fränkische Forellen statt Fisch aus Fernost / Karpfen und Saiblinge als Alternative zu Bratwürsten und Steaks: Teichgenossenschaft eröffnete oberfränkische Fischgrillsaison

Coburg. King Prawns aus Malaysia und Pangasius aus Thailand: das muss nicht sein, meinen die 2000 oberfränkischen Teichwirte, von denen rund 900 in der Teichgenossenschaft organisiert sind. Sie setzen stattdessen auf heimische Forellen, Karpfen, Saiblinge, Hechte, Waller oder Zander. In den kommenden Monaten soll der Fisch aus heimischen Gewässern vor allem auch auf den Grill, denn, so der oberfränkische Bezirkstagspräsident Günther Denzler: „Feinschmecker wissen es schon lange, dass sich nicht nur Bratwürste und Steaks, sondern auch Fisch aus heimischen Gewässern als hervorragendes Grillgut eignen.

Fisch als Grillgut erleben, das ist auch die Absicht der Teichgenossenschaft Oberfranken, die seit einigen Jahren zusammen mit dem Bezirk und seiner Fischereifachberatung sowie dem Hotel- und Gaststättenverband werbewirksam die Fischgrillsaison eröffnet. Fisch aus Fernost werde häufig chemisch aufbereitet, damit er frisch wirkt. Doch damit nicht genug: Fisch aus Fernost bedeute meist auch das Heranwachsen unter industriellen Bedingungen, den Schutz vor Krankheitserregern mit Antibiotika und einen extrem langen Transportweg. Bei heimischen Fischen sei dies alles nicht notwendig, denn sie kommen vom Teichwirt von nebenan, so Peter Thoma, Vorsitzender der Teichgenossenschaft.

Diese leistungsfähigen Fischbetriebe sind es, die hervorragende Delikatessen erzeugen, so Bezirkstagspräsident Günter Denzler. Einer davon, der seinen Betrieb sogar im Vollerwerb erwirtschaftet, ist Kurt Werner Human, Chef der Fischzucht Lautertal nördlich von Coburg. Von seinem Betrieb stammten die Forellen und Karpfen, aus denen Günther Bräutigam und sein Team vom Restaurant Rosengarten in Coburg die Grillteller mit Sahnemeerrettich und verschiedenen Beilagen zur Eröffnung der Fischgrillsaison zubereitet hat.

Immer mehr Menschen möchten bewusster leben und essen, da sei die Bedeutung des heimischen Fisches gar nicht hoch genug einzuschätzen, so Denzler. Fisch sei verdaulich, eiweißreich und fettarm. Nicht zuletzt werde durch den Verzehr von heimischen Fischspezialitäten auch die regionale Teichwirtschaft gestärkt und ein nicht zu unterschätzender Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt in den Gewässern geleistet.

„Aus der Region, für die Region“, so funktioniert Nachhaltigkeit, meinte der örtliche Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach. Die Teichwirte würden stets aufs Neue beweisen, dass das Gute so nah liegt, und dass das Ferne nicht unbedingt das Bessere sein muss. Teichwirtschaft habe auch immer mit Lebensqualität zu tun, so Landtagsabgeordneter Jürgen W. Heike. Er warnte vor Auswirkungen eines rigorosen Naturschutzstreifens entlang des „Grünen Bandes“ an der ehemaligen Zonengrenze, der die Teichwirte besonders treffen würde. „Naturschutz ja, aber bitte mit Augenmaß und Ziel“, so Heike.

Bild: Fisch als Grillgut wiederentdecken, dafür warben (von links) Thomas Speyerl von der Fachberatung für Fischerei des Bezirks, Kurt Werner Humann, Günther Bräutigam, Helmut Wedekind von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Peter Thoma aus Wunsiedel, Friedrich Schmauser vom Bezirksfischereiverband, der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach, Bezirkstagspräsident Günther Denzler und der Landtagsabgeordnete Jürgen W. Heike.

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19.11.2013

Besser zu trocken als zu kalt
Bayerische Bäume zum Weihnachtsfest: Preise bleiben auf Vorjahresniveau

Oberalbach, Lks. Erlangen-Höchstadt. Vier Millionen Christbäume werden pro Jahr in Bayern benötigt, doch nur die Hälfte stammt auch aus dem Freistaat. Da ist noch einiges an Überzeugungsarbeit notwendig, um die Verbraucher auf die heimischen Bäume hinzuweisen. Ein Teil dieser Überzeugungsarbeit ist die alljährliche werbewirksame Eröffnung der bayerischen Christbaumsaison, diesmal mitten in den riesigen Christbaumkulturen des Betriebs Rippel-Beßler im mittelfränkischen Oberalbach bei Wachenroth.

Obwohl Landwirtschaftsminister Helmut Brunner eigentlich nichts anderes macht, als eine knapp zwei Meter hohe Tanne umzusägen, was keine 20 Sekunden dauert, kommen Medienvertreter in Scharen, um von dem Ereignis zu berichten. Eine gute Gelegenheit, die Werbetrommel für die bayerischen Bäume zu rühren, meint auch die frischgekürte Deutsche Weihnachtsbaumkönigin Katharina Püning, die extra aus Everswinkel im Sauerland angereist war.

Thomas Emslander, Vorsitzender des Vereins der Bayerischen Christbaumanbauer aus Ergolding, lobt die spezielle Nadelhaltbarkeit heimischer Bäume, die während einer Mondphase gefällt werden. Bäume, die erst kurz vor dem Fest geschnitten werden, müssten nicht zwangsläufig auch am längsten halten, so Emslander. Er sprach von einem guten Jahr für die Christbaumanbauer, vor allem, weil es keine Spätfröste gegeben habe. Spätfröste seien das Schlimmste für Christbäume, Trockenheit sei dagegen kein großes Problem, das halte der Baum meist besser aus als der Mensch.

Ihm gehe es vor allem darum, ein regionales Produkt in den Vordergrund zu stellen, sagte Minister Brunner. Produkte aus der Region stünden für kurze Transportwege („wir kutschieren die Bäume nicht durch halb Europa“), aber auch für eine lokale Wertschöpfung, die im Falle des Weihnachtsbaums bis hin zur Kompostierung oder thermischen Verwertung nach dem Fest reicht. „Wirtschaft und Umwelt profitieren gleichermaßen, das ist beim Christbaum nicht anders als bei Milch, Käse oder Fleisch.“

Brunner zufolge entscheiden sich fast drei Viertel aller Verbraucher in Bayern für eine Nordmanntanne, gefolgt von der Blaufichte. Aber auch Exoten, wie etwa die Korktanne seien auf dem Vormarsch. Nicht ganz so der Renner sei dagegen die heimische Tanne. Gute Nachrichten für den Verbraucher hatte der Minister auch im Gepäck: so sollen die Endpreise stabil bei 18 bis 22 Euro pro Meter bleiben.

Am Rande der Christbaumsaisoneröffnung verriet der Minister auch, dass er privat bereits den Trend zum Zweitbaum aufgegriffen habe. Ein Baum soll ab dem Heiligen Abend im Wohnzimmer stehen, ein zweiter wird rechtzeitig zum ersten Advent im Freien an der Eingangstür seinen Platz finden.

Der Betrieb Rippel und Beßler betreibt eine Weihnachtsbaumkultur, die fast 200 Hektar groß ist. In der Saison beschäftigt der Betrieb 35 Mitarbeiter, während des Jahres gibt es sieben feste Vollzeit und zwei Teilzeitarbeitskräfte.

Bilder:
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Landwirtschaftsminister Helmut Brunner und die deutsche Weihnachtsbaumkönigin Katharina Püning aus Everswinkel
- Banderole „Bayerischer Christbaum“

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Der Vorsitzende des Vereins Bayerischer Christbaumanbauer Thomas Emslander, Landwirtschaftsminister Helmut Brunner und Landrat Eberhard Irlinger (von links).

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06.10.2013

„Nahrung ist Gabe Gottes“: Feiern mit Blaskapellen und Böllerschützen / Ausgelassene Stimmung und nachdenkliche Töne beim Zentralen Bayerischen Erntedankfest

Muggendorf, Lks. Forchheim. Seit 1973 feiert der BBV-Kreisverband Forchheim sein Erntedankfest alljährlich in Muggendorf, dem kleinen Ort mitten in der Fränkischen Schweiz, der zusammen mit Streitberg den Kern der Marktgemeinde Wiesenttal bildet. In diesem Jahr erhielt das Fest seinen Ritterschlag und durfte die Kulisse für das Zentrale bayerische Erntedankfest sein, das viele tausend Besucher aus dem gesamten Freistaat anlockte.

Blaskapellen, Böllerschützen, Fahnenabordnungen, Pferdekutschen, historische und moderne Schlepper und viele Trachtenvereine: der Festzug durch den kleinen Ort schien kein Ende zu nehmen. Festlich geschmückte Erntewagen waren dabei, genauso wie Landfrauenchöre, die Obst- und Gartenbauvereine aus der Umgebung und die Kinder der örtlichen Schulen. Der BBV-Kreisverband Forchheim war diesmal sogar mit einem eigenen Themenwagen vertreten.

In Muggendorf hat das Erntedankfest eine lange Tradition, zumal die Feierlichkeiten auch mit dem alljährlich stattfindenden Kürbisfest verbunden werden. Dem Fest voran ging bereits tags zuvor ein fränkischer Heimatabend und zum Erntedank ein ökumenischer Gottesdienst mit Dekan Günter Werner,  Pater Flavian Michali und dem Forchheimer Landfrauenchor.

Trotz der ausgelassenen Stimmung im großen Festzelt schlug der oberfränkische BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif auch nachdenkliche Töne an. „Merken denn die Menschen überhaupt noch, ob die Ernte eine Jahres gut oder schlecht war“, diese Frage stellte er in den Raum. Vor dem Hintergrund immer prall gefüllter Regale in den Supermärkten zeigte sich Greif eher skeptisch. Äpfel aus Chile, Knoblauch aus China, Spargel aus Griechenland oder Steaks aus Argentinien: was für den Verbraucher ganz praktisch ist, sei allerdings nur über den Preis geschädigter Ökosysteme möglich.

Hier setze das Erntedankfest an, denn es soll die Menschen daran erinnern, dass die Nahrung eine Gabe Gottes ist und eine ausreichende Versorgung mit Lebensmitteln nicht selbstverständlich ist. Greif rief den Menschen auch die große Bedeutung des Bauernstandes in Erinnerung. Landwirte sorgen nicht nur für hochwertige Nahrungsmittel, sondern auch für erneuerbare Energien und für eine schöne Landschaft, was besonders in Tourismusregionen wie der Fränkischen Schweiz nicht vergessen werden darf.

In der Gesamtschau seien die bayerischen Bauern mit der Ernte heuer nicht sonderlich begeistert, sagte BBV-Präsident Walter Heidl. Beim Getreide hätten die bayerischen Bauern eine leicht überdurchschnittliche Ernte einfahren können. Doch habe längst nicht jeder Landwirt auch wirklich zufrieden sein können. So gebe es aufgrund der Wetterkapriolen und der extremen Witterungsverhältnisse extreme regionale Unterschiede. Mancherorts habe es sogar Totalausfälle gegeben. Besonders hart seien dabei die Hopfenbauern getroffen worden, die seit 50 Jahren die schlechteste Ernte vermelden. Auch bei Kartoffeln werde heuer die niedrigste Erntemenge der Nachkriegszeit erwartet.

Die Bauern würden aber auch damit zurechtkommen. Was sie dringend brauchen sei allerdings die Unterstützung der Verbraucher durch einen regionalen Einkauf. Bei vielen Umfragen stehe der Wunsch nach Regionalität mittlerweile an erster Stelle, das müssten die Menschen nun auch umsetzen. Auch Landesbäuerin Anneliese Göller erinnerte daran, dass unser tägliches Brot gar nicht so selbstverständlich sei, wie wir es vielleicht in unserer Überflussgesellschaft gewohnt sind. Das Können und die Tüchtigkeit der Bauern sei wichtig, aber es liege eben nicht alles in Menschenhand, so Göller.

 

Bilder oben:
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Eine ganze Kolonne historischer Schlepper war beim Festzug zum Erntedankfest in Muggendorf zu sehen.

2.
 Kürbisse geschmückt und geschnitzt stehen in der Fränkischen Schweiz seit jeher bei Groß und Klein hoch im Kurs.
3.
 Mit viel Liebe und großem Geschick hatten mehrere Vereine dem Kürbis einen eigenen Themenwagen gewidmet.
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Die Ehrengäste marschierten an der Spitze des Festzuges: links im Bild der oberfränkische BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif, rechts Kreisbäuerin Rosi Kraus, dazwischen Landesbäuerin Anneliese Göller, rechts davon BBV-Präsident Walter Heidl.
 

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Die gesamte Fränkische Schweiz war zum Landeserntedankfest in Muggendorf auf den Beinen.
 

Trachtenkapellen begegnen Themenwagen: der Festzug durch die Ortschaft bildete den Höhepunkt des Landeserntedankfestes in Muggendorf.

Erntedankbrot für die Ehrengäste: Kreisbäuerin Rosi Kraus und Bezirkspräsident Hermann Greif teilten das eigens gebackene und kunstvoll verzierte Erntedankbrot

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02.09.2013

Teichwirtschaft mit Technik und Tradition /
Bayerische Karpfensaison in Oberfranken eröffnet

Thüngfeld. Teichwirt Johannes Weiner ist zufrieden. Seine Helfer holen gerade echte Prachtexemplare aus den neuen Teichen in Thüngfeld bei Schlüsselfeld im Landkreis Bamberg. Drei Pfund dürfte so ein Karpfen haben. Kein Wunder, obwohl das Wetter in diesem Jahr absolut zweigeteilt, zuerst kühl und regnerisch, dann sonnig und heiß, war, dauert es doch drei Jahre, bis der Karpfen heranwächst.

Die neuen Teiche der Familie Weiner wurden in diesem Jahr zur offiziellen bayerischen Karpfensaison auserkoren. Weil Landwirtschaftsminister Helmut Brunner kurzfristig krankheitsbedingt absagen musste, nahm Gesundheitsstaatssekretärin Melanie Huml die ersten Exemplare in Augenschein. „Karpfen ist schließlich auch gesund“, sagte die Politikerin. Aber nicht nur das, der Karpfen sei auch das beste Beispiel für ein absolut regionales Produkt, das noch dazu in sämtlichen Variationen immer hervorragend schmeckt. Ein besonders dickes Lob hatte Huml für Teichwirt Johann Weiner parat. Sein Einsatz zeige eindrucksvoll auf, dass sich die Teichwirtschaft nicht nur eine große Tradition hat, sondern dass sie sich auch zeitgemäß unter Einsatz neuester Technik weiterentwickelt und somit eine gute Zukunft haben wird.

Die Anlagen der Familie Weiner mit insgesamt 17 kleinen Teichen auf einer Fläche von sechs Hektar gelten deshalb als außergewöhnlich, weil sie nicht wie sonst üblich schon seit Jahrhunderten bestehen, sondern erst 2003 von Marita und Karl-Heinz Weiner angelegt wurden. Sohn Johannes hat in jüngster Vergangenheit fünf weitere Teiche hinzugefügt. Außergewöhnlich ist die Anlage aber auch deshalb, weil neben Karpfen, Welse und Schleien dank des ausreichenden Zulaufwassers auch Bachforellen und Bachsaiblinge herangezogen werden.

Trotz der ausgesprochen gespaltenen Wetterlage erwartete Franz Geldhauser, der im Landwirtschaftsministerium für die Fischerei zuständig ist, heuer eine leicht überdurchschnittliche Ernte von bayernweit etwa 5500 bis 6000 Tonnen. Oberfranken, Mittelfranken und auch die Oberpfalz gehörten zu den bedeutendsten Erzeugergebieten für bayerische und deutsche Karpfen, sagte Geldhauser. Die hier erzeugte Menge entspreche gut der Hälfte der gesamten deutschen Jahresproduktion. Geldhauser bezifferte die Zahl der bayerischen Teiche auf etwa 30000 Hektar. Das seien rund ein Siebtel der gesamten Wasserfläche im Freistaat.

Der Ministeriumssprecher begrüßte ausdrücklich, dass die fränkischen Regierungsbezirke nach acht Jahren intensiven Ringens endlich die Freigabe der EU-Kommission für die geschützte geographische Angabe „Frankenkarpfen“ erhalten haben. „Es hat sich gelohnt: nun darf sich kein fremder Karpfen mehr als wachechter Franke bezeichnen“, so Geldhauser.

Das sei auch richtig so, denn in Oberfranken würde der Karpfen im Gegensatz zu vielen östlichen Nachbarländern noch dezentral erzeugt, sagte Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Meistens sogar im Nebenerwerb, denn oberfrankenweit gebe es lediglich eine geringe Zahl von Vollerwerbsbetrieben. Denzler machte sich dabei auch für den Bau neuer Teiche stark. „Teichwirte sind keine Gegner des Naturschutzes“, sagte er. Im Gegenteil, Teiche seien Rückhaltebecken für lange Trockenperioden, auch wenn ein Teichbau zunächst einen Eingriff in die Natur darstellt.

Bild: Sie haben die bayerische Karpfensaison in Oberfranken eröffnet (von links): Der Landtagsabgeordnete Heinrich Rudroff, der oberfränkische BBV-Bezirkspräsident Hermann Greiff, Teichwirt Johannes Weiner, der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Dr. Peter Thoma, Staatssekretärin Melanie Huml, der Landtagsabgeordneten Eduard Nöth und Thomas Hacker sowie Bezirkstagspräsident Günther Denzler.

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23.08.2013

Mit der Becherpflanze gegen Vermaisung und Schwarzwild / Jagdverband startete mit dem Landwirt Bernd Dietel ein Pilotprojekt zum Anbau von Energiepflanzen

Münchberg, Lks. Hof. Es könnte für manchen Landwirt die Entwarnung sein: Bei einem Pilotprojekt zum Anbau der Becherpflanze (Silphium perfoliatum) in Münchberg fanden die Initiatoren heraus, dass die Energiepflanze das Schwarzwild nicht so sehr anlockt wie Mais. Sollte sich doch ein Wildschwein in das Becherpflanzenfeld verirren, dann seien längst nicht die Schäden zu beklagen, wie in einem Maisfeld. Landwirt Bernd Dietel aus Gottersdorf bei Münchberg stellte bei einem Ortstermin des oberfränkischen Bezirksverbandes für Gartenbau und Landespflege aber auch klar, dass die Erträge bei der Becherpflanze niedriger ausfallen als beim Mais. „Das lässt sich momentan noch nicht kompensieren“, so seine Einschätzung.

Das Pilotprojekt auf dem rund 1,2 Hektar großen Feld nahe Münchberg unweit der Bundesautobahn A9 im Landkreis Hof war auf ganz kuriose Art und Weise zustande gekommen. Nicht etwa Landwirt Bernd Dietel war der Initiator, sondern der Bayerische Jagdverband in Person seines Bezirksvorsitzenden Professor Hartmut Wunderatsch. Anlass dafür sei die Vermaisung der Landschaft gewesen, wobei er schnell korrigiert, dass er den Mais keinesfalls verdammen möchte. Aber trotzdem sei die Jägerschaft an Alternativen interessiert.

So sei man auf die Familie Dietel gekommen, die ganz in der Nähe eine Biogasanlage betreibt und sich dem Vorhaben aufgeschlossen zeigte. Fast 48000 Pflanzen im Wert von 6300 Euro seien bestellt und mit Hilfe alter Pflanzmaschinen in den Boden eingebracht worden. „Zunächst sah das alles recht kümmerlich aus“, erinnert sich Wunderatsch. Doch dazu müsse man wissen, dass die Pflanze im ersten Jahr keinen Ertrag einbringt. Schon im zweiten Jahr hätten sich die Pflanzen prächtig entwickelt, mittlerweile, im dritten Jahr stehe man kurz vor der Ernte. „Wir gehen davon aus, dass wir noch viele Jahre unsere Freunde daran haben werden.“

Als absolut charakteristisch für die Becherpflanze bezeichnete Wunderatsch neben der schönen dekorativen gelben Blüte die extrem festen Blätter, die sich anfühlen wie Sandpapier. Das könnte auch der Grund dafür sein, dass Schwarzwild eher einen Bogen um das Feld macht. Das glaubt Landwirt Dietel nicht so ganz. Allerdings musste auch er einräumen, dass die Schäden der Wildschweine bei weitem nicht so groß waren, wie in einem benachbarten Maisfeld.

Der Ertrag liege allerdings deutlich unter dem vom Mais, so Dietel. Er war im ersten Jahr auf neun Tonnen Trockenmasse gekommen. Beim Mais seien es auf einer gleichgroßen Fläche in der Nachbarschaft zuletzt 16 Tonnen gewesen. Allerdings sei im vergangenen Jahr auch „absolut sparsam“ gedüngt worden, außerdem sei noch niemandem  so recht klar, wann eigentlich der richtige Erntezeitpunkt ist. Für das laufende Jahr geht der Bewirtschafter von rund zwölf Tonnen Trockenmasse aus.

Die Bezirksvorsitzende des Vereins für Gartenbau und Landespflege, die Bayreuther Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer bezeichnete Landwirt Bernd Dietel als absoluten Trendsetter. Sie bedauerte, dass die Masse der Bauern noch eher skeptisch sei, was aufgrund der höheren Arbeitsintensität und der hohen Kosten für die Pflanzen verständlich sei.

Die Wissenschaft beschäftige sich erst seit dem Jahr 2005 intensiv mit der Becherpflanze, mit Mais dagegen schon seit weit über 50 Jahren, gab Ferdinand Scheithauer von der Erfurter Samen- und Pflanzenzucht GmbH Chrestensen zu bedenken. Die Landwirte sollten schon deshalb die Erwartungshaltung an die neue Energiepflanze nicht zu hoch ansetzen: Die Silphium hat auch ihre Grenzen, sie ist keine eierlegende Wollmilchsau“, so Scheithauer.

Ein weiteres Pilotprojekt zur Becherpflanze führt seit Jahren Dr. Pedro Gerstberger, Botaniker vom Lehrstuhl für Pflanzenökologie an der Universität Bayreuth, zusammen mit den Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks Oberfranken durch. Damit soll erforscht werden, welche Wildpflanzen-Dauerkultur für die Biogasproduktion geeignet ist und welche Pflanzen dabei besonders als Biogassubstrat in Frage kommen. Auch bei Gerstberger steht die Becherpflanze im Mittelpunkt. Hier sei nur einmal eine Aussaat erforderlich, danach ergäbe sich mindestens eine 15-jährige Standzeit. Die Becherpflanze sei zudem weniger frostempfindlich, mache keinen Zwischenfruchtanbau erforderlich, Krankheiten oder Schädlinge seien bislang nicht bekannt und der Boden werde wenig verdichtet, da er nur zwei Mal pro Jahr befahren werden muss, bei der Düngung und bei der Ernte. Freilich gibt es auch Nachteile gegenüber dem Mais: So sei der Einsatz von Herbiziden zur Saatbeet-Vorbereitung notwendig und Erträge seien erst ab dem zweiten bis dritten Jahr zu erwarten, da die Bestände erst dann ausreichend dicht sind, so Gerstberger.

Bilder:
Auf einem Feld ganz in der Nähe von Münchberg hat der Jagdverband zusammen mit dem Landwirt Bernd Dietel ein Pilotprojekt zum Anbau der Becherpflanze gestartet. Eine Delegation des Bezirksverbandes für Gartenbau und Landespflege sowie der Imkerschaft informierte sich jetzt vor Ort über die Vorteile der neuen Staudenpflanze.

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13.08.2013

Vom Teich auf den Teller: Fischtag statt „Veggie-Day“/ Schutzgebiet europäischen Rangs:  Mit dem Nassanger Weiher trägt der 15. Teich in Oberfranken das seltene Prädikat „Kulturgut Teich“

Lichtenfels. Teiche sind nicht nur Landschaftsbestandteile, sondern auch wertvolle Kulturgüter. Das stellt die Teichgenossenschaft Oberfranken zusammen mit dem Bezirk seit 15 Jahren eindrucksvoll unter Beweis. Mit dem Nassanger Weiher bei Trieb erhielt diesmal ein Teich in der Nähe von Lichtenfels das seltene Prädikat „Kulturgut Teich“.

Die Geschichte des Nassanger Weihers lässt sich bis in das Jahr 1530 zurückverfolgen. Deshalb, und weil der Teich seitdem ein fester Bestandteil des Landschaftsbildes ist und viel zum Erhalt der Artenvielfalt beiträgt, werden Wanderer und Spaziergänger künftig mit einer großen Informationstafel auf die reichhaltige Geschichte des Gewässers und seiner Umgebung aufmerksam gemacht. Bewirtschaftet wird der Nassanger Weiher seit vielen Jahren vom Fischwirtschaftsmeister Alexander Krappmann vom Fischzuchtbetrieb Seehof.

Der Nassanger Weiher liegt unweit des einstigen Gutshofes Nassanger, einem markanten kreisrunden Bauwerk, das einst zum Kloster Langheim gehörte Nach der Auflösung des Klosters 1803 sollten die damals insgesamt sechs Weiher trocken gelegt und als Ackerland ausgewiesen werden. 56 Zentner Karpfen, sechs Zentner Hechte und über zwei Zentner Schleien sollen damals abgefischt worden sein. Einzig der heutige Nassanger Weiher blieb erhalten

Neben der prägenden Bedeutung für die Landschaft, der Bewirtschaftung und der belegten Historie müsse ein ausgezeichneter Teich auch eine besondere ökologische Bedeutung haben, sagte Dr. Peter Thoma, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken aus Wunsiedel. Genau das sei auch erfüllt, denn die Landschaft zwischen Trieb und Hochstadt sei ein Schutzgebiet europäischen Ranges, so der Bewirtschafter Alexander Krappmann.

Der oberfränkische Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler nutzte bei der Enthüllung der neuen Informationstafel die Gelegenheit, um Werbung für Süßwasserfische aus Oberfranken zu machen. An die Verbraucher appellierte Denzler, nicht länger Fischfilet aus Südostasien zu kaufen, wenn doch die köstlichsten Süßwasserfische direkt vor der Haustüre produziert würden. „Das Wettschwimmen zwischen dem thailändischen Pangasius und der oberfränkischen Forelle gewinnt auf jeden Fall die Forelle“, sagte Denzler. Die Fischproduktion im Nassanger Weiher sei das beste Beispiel für kurze Wege vom Teich auf den Teller.

Die Landtagsabgeordnete Ulrike Gote von den Grünen aus Bayreuth verteidigte augenzwinkernd nicht nur den heftig diskutierten Vorschlag der Grünen, einen „Veggie-Day“ einzuführen, nach den Worten der Abgeordneten sollte künftig auch ein Fischtag mit Produkten aus regionaler Erzeugung eingeführt werden. Davon würde nicht nur die Gesundheit der Menschen profitieren, sondern auch die Region durch den Erhalt einer vielfältigen ökologisch wertvollen Teichlandschaft. Landtagsvizepräsident Peter Meyer nannte die oberfränkische Fischproduktion das beste Beispiel für nachhaltiges Wirtschaften und für die Produktion hochwertigster Ernährung.

Bild: Der oberfränkische Bezirkstagspräsident Der. Günther Denzler (links) und der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Dr. Peter Thoma haben am Ufer des Nassanger Weihers eine Informationstafel enthüllt, die das Gewässer künftig als Kulturgut ausweist.

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24.05.2013

Flurbereinigung und Windkraft: Der ganze Ort profitiert von den Windrädern Bürgerwindpark Creußen ging bereits vor rund zehn Jahren ans Netz und gilt noch immer als Vorbild

Neuhof. Drei Erfolgsfaktoren sind es nach den Worten von Anton Hepple, dem Leiter des Amtes für Ländliche Entwicklung Oberfranken in Bamberg, mit denen die Akzeptanz von Windrädern erreicht wird: die Einwohner müssen in den Prozess von Anfang an eingebunden werden, ein ausreichender Abstand der Anlagen zur Wohnbebauung muss gegeben sein und die Ortschaft darf nicht von Windrädern umzingelt werden.

„Wenn es gelingt, die Bürgerschaft und insbesondere die Grundstückseigentümer frühzeitig von einem gemeinsamen Vorgehen bei der Planung und Umsetzung eines Windparks zu überzeugen, kann eine Win-Win-Situation für alle erreicht werden“, sagt Hepple. In Neuhof bei Creußen ist es gelungen. Nicht irgendwie, sondern so mustergültig, so dass Neuhof heute oft als Positivbeispiel hergenommen wird. Nicht nur, dass die Bürger Anteile an „ihrem Bürgerwindpark“ zeichnen konnten, der ganze Ort profitiert praktisch indirekt von den Windrädern vor der Haustür.

Zwei Besonderheiten haben die Ortschaft mit ihren rund 130 Einwohnern und die Realisierung des dortigen Windparks zu bieten: die drei Räder mit ihren jeweils über 100 Meter hohen Naben und einem Rotordurchmesser von 82 Metern gingen bereits vor knapp zehn Jahren ans Netz, also lange vor Fukushima und damit vor einem Boom, der heute vielerorts für Unbehagen sorgt. Die zweite Besonderheit ist es, dass die Realisierung mitten in ein offenes Flurbereinigungsverfahren „geplatzt“ war.

Seit 1990 lief ein kombiniertes Verfahren der ländlichen Entwicklung, also Flurbereinigung und Dorferneuerung. „Das Verfahren Neuhof umfasste eine Fläche von 377 Hektar mit 131 Besitzständen“, so der Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft Robert Büdel vom Amt für Ländliche Entwicklung in Bamberg. Der Plan über die gemeinschaftlichen und öffentlichen Anlagen sei bereits genehmigt und ein Teil des landwirtschaftlichen Wegenetzes bereits ausgebaut gewesen. Zeitgleich hatte die Teilnehmergemeinschaft bereits erste Dorferneuerungsmaßnahmen umgesetzt.

In diese Situation kam ein Anruf der Firma SoWiTec beim Vorsitzenden der Teilnehmergemeinschaft. Der namhafte Windkraft-Projektentwickler und Betreiber aus Baden-Württemberg wollte in Neuhof einen Windpark realisieren und dazu Nutzungsverträge mit den Grundeigentümern abschließen und Entschädigungen auszahlen. „Da ist das Thema hochgekocht, und wir wussten, dass wie reagieren mussten“, erinnert sich Robert Büdel. Er und sein Vorstand fürchteten nun um die Weiterführung der Flurneuordnung. Wohl nicht zu Unrecht bestand die Sorge, dass die Grundeigentümer nun an kleinen Einlageflächen festhalten würden und die im Interesse der Landwirtschaft stehende Flächenzusammenlegung behindern wird. Weiteres Problem war, dass die neue Situation bei der durchgeführten Wertermittlung natürlich nicht berücksichtigt war. „Wir befürchteten, dass sich insgesamt in der Ortschaft ein Spannungsfeld Pro und Contra Windkraft aufbaut“, so Robert Büdel.

In einem beispielhaften Gemeinschaftswerk konnten das Amt für Ländliche Entwicklung, die Stadt Creußen und die Betreiber von SoWiTec  genau das verhindern. Nach einem halben Jahr des Nachdenkens, des Abwägens und des Planens in vielen langen Sitzungen hatten sich die Beteiligten auf das folgende „Flächenmodell“ geeinigt: der Stadt wurde die unmittelbare Standortfläche im Flurneuordnungsverfahren zugeteilt, SoWiTec gewährte den Alteigentümern im sogenannten Windfeld Mindestentgelte in Form jährlicher Zahlungen oder kapitalisierter Einmalzahlungen. Die neuen Eigentümer der direkten Beeinträchtigungsflächen im Abstand von 75 Meter um das Windrad herum erhalten eine flächenanteilige Ausgleichszahlung. Eine verbleibende Differenz zwischen der Ausschüttung an die Grundstückseigentümer und dem vereinbarten Gesamtnutzungsentgelt (vier Prozent der Nettostromerlöse)  fließt jährlich zurück an die Ortsgemeinschaft. Das sind immerhin zwischen 12.000 und 15.000 Euro pro Jahr.

Viele Dinge konnten auf diese Art und Weise schon realisiert werden, sagt Vorstandsmitglied Christian Böhner, im Hauptberuf Mitarbeiter der Trocknung im nahen Prebitz und im Nebenberuf eine Art „Hausmeister“ des Windparks. Ein Holzspalter wurde beispielsweise angeschafft, zwei neue Tore für den Fußballplatz, der Jugendraum über dem Gemeinschaftshaus wurde ausgebaut, die Feuerwehr hat profitiert, und so weiter. Größter Einzelposten war die Asphaltierung des Fuß- und Fahrradweges nach Creußen.

Der Bürgerwindpark erzeugt heute im Schnitt zehn Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr, eine Menge, mit der rechnerisch etwa 4000 Haushalte versorgt werden können. Dank dieser regenerativen Form der Stromerzeugung werde pro Jahr fast 6000 Tonnen Kohlendioxid eingespart.

Bild: Robert Büdel, der Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft, Vorstandsmitglied Christian Böhner und Anton Hepple, Leiter des Amts für ländliche Entwicklung (von links).

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12.05.2013

In Pegnitz ging es wieder einmal um die Wurst:
Juxveranstaltung und ernster Wettkampf zugleich / 3. Fränkischer Bratwurstgipfel lockte erneut rund 20000 Besucher in den Wiesweiherpark

Pegnitz. 16 Metzgereien, 32 verschiedene Bratwurstsorten und um die 20000 Besucher: zum 3. Mal haben sich am Sonntag Metzger aus ganz Franken in Pegnitz (Landkreis Bayreuth) zu einem ausgeklügelten Bratwurstwettbewerb getroffen. Kaum eine andere Veranstaltung hat es jemals geschafft, für die fränkische Bratwurst als Kultobjekt und Streitpunkt zugleich so viel Aufmerksamkeit zu erreichen. Wer macht die beste Bratwurst und welche schmeckt am besten? Diese Fragen werden seit drei Jahren mit riesigem Aufwand und riesigem Zuspruch immer wieder aufs Neue geklärt.

Fein, halbgrob oder grob. Einzeln, als Paar oder im Dreierpack. In der Semmel, auf Kraut, als Beilage oder als Hauptgericht, mit oder ohne Senf. Wie kaum ein anderer Leckerbissen verkörpert die fränkische Bratwurst Vielfalt und Genuss. Jede teilnehmende Metzgerei durfte deshalb auch heuer wieder zwei Bratwurstspezialitäten ins Rennen schicken, und zwar eine sogenannte „Kreativbratwurst“ und eine klassische Bratwurst.

„Erlaubt ist, was schmeckt“, erläuterte Bernd Sauer von der Handwerkskammer. Und tatsächlich landeten in diesem Jahr auf dem Grill: eine Winzerbratwurst mit Silvaner, eine Bruschettta-Bratwurst, eine Bamberger Zwiebelbratwurst, eine vegetarische Bratwurst und viele andere verrückte Kreationen. Die Kategorie klassische Bratwurst reichte unter anderem von der Coburger Bratwurst, traditionell auf Kiefernzapfen gegrillt, über die Würzburger Bratwurst und zum ersten Mal waren auch echte Nürnberger Bratwürste im Rennen.

„Der Fränkischer Bratwurstgipfel lässt sich als Mischung aus Kulinarik, Information, Unterhaltung, Verkostung und Wettbewerb umschreiben“, sagte Sauer. Als Herzstück bezeichnete er die verschiedenen Verkostungswettbewerbe durch bunt zusammengesetzte Promi- und Expertenjurys. Sie sollten die Besucher anregen, sich intensiv mit den verschiedenen Bratwürsten zu beschäftigen. Gleichzeitig hatten die Besucher Gelegenheit über einen Bewertungsbogen vor Ort, ihre Lieblings-Metzgerei zu bestimmen.

Viele tippten dabei auf die Rödentaler Fleischerei Glumbik. Sie veredelt die fränkische Leibspeise mit Mozzarella, Tomaten und raffinierten Gewürzen und vermarktet sie als Bruschetta-Bratwürste. Nach den Worten von Metzgermeister Frank Glumbik kommen zum mittelfeinen Brät Mozzarella, getrocknete Tomatenstückchen und Gewürze dazu. Bei den klassischen Bratwürsten schickte Glumbik eine typische mittelfeine Coburger ins Rennen und erzielte damit prompt Platz 1 im der Sparte Klassische Bratwurst“. „Doch egal, ob klassisch oder kreativ: Es kommt in erster Linie auf das Fleisch und den Speck an“, so der Metzgermeister aus Rödental.

Konkurrenz bekam Glumbik unter anderem von der Metzgerei Brehm aus Dietersdorf bei Seßlach. In der Kategorie „Bratwurst klassisch“ startete Markus Brehm mit einer groben Coburger Hausmacher. In der Kategorie Kreativ mit einem Dietersdorfer Gourmet-Zipfel. Bei ihm kommen zum feinen Brät Kräuter, Spinat und Käse.

Außer Konkurrenz dabei war diesmal auch Matthias Puchtler aus Friedmannsdorf bei Zell im Fichtelgebirge mit seiner Forellenräucherei. Die Veranstalter hätten zu dem vielfältigen Bratwurstangebot auch eine Alternative bieten wollen, sagt Puchtler, deshalb sei er eingeladen worden. An einer Fischbratwurst arbeite er bereits. Puchtler war im März von der Handwerkskammer mit dem Design- und Erfinderpreis ausgezeichnet worden. Damit wurde seine Kreation gewürdigt, bei der ein Forellenfilet in ein Roggenbrötchen eingebacken wird.

Begleitet wurde die außergewöhnliche Mischung aus Bratwurstwettbewerb und Genussfest unter anderem von der Musik der „Peterlesboam Revival Band“ und dem Kabarettisten „Mäc Härder“. Organisiert wurde der Bratwurstgipfel von der Stadt Pegnitz, dem Verein Genussregion Oberfranken, unterstützt durch die fränkischen Handwerkskammern, das Wirtschaftsband A9 und weitere Sponsoren. In beiden vergangenen Jahren hatte mit der Metzgerei Max aus Hof (2011 und der Metzgerei Lindner aus Pegnitz (2012) immer Metzgereien aus Oberfranken gewonnen.

Bilder:
-   Metzgermeisterin Nina Weiss aus Nürnberg;
-   Bratwürste auf Grill;
-   Schülerinnen der Pegnitzer Hotelfachschule richteten die Probierteller her;
- 16 Metzgermeister aus drei Regierungsbezirken waren in Pegnitz beim3. Fränkischen Bratwurstgipfel an den Start gegangen.

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08.05.2013

Statt Bratwurst und Steaks: Mehr Fische auf fränkische Tische / Oberfränkische Teichwirtschaft eröffnete Fischgrillsaison in der Fränkischen Schweiz

Muggendorf, Lks. Forchheim. Sobald es draußen wärmer ist, werden der Grill entstaubt, die Gartenstühle aufgebaut, die Salate zubereitet, Familie und Freunde eingeladen. Beim Grillen sind die deutschen Weltmeister. Wenn es aber um das Grillgut geht, dann hört der Einfallsreichtum schnell auf. Steaks. Bratwürste, allenfalls noch Gemüse. „Warum nicht auch heimischen Süßwasserfisch“, hat sich die Teichgenossenschaft Oberfranken schon vor Jahren gedacht. Seitdem wird die Fischgrillsaison Anfang Mai eröffnet und der Absatz werbewirksam angekurbelt.

Die Teichgenossenschaft Oberfranken, das sind fast 1000 Mitglieder aus allen Landkreisen des Regierungsbezirk. In der Regel handelt es sich dabei um Landwirte, die ihre Teiche im Nebenerwerb bewirtschaften. Einer, der ganz wenigen in Oberfranken, die ihre Teiche im Haupterwerb bewirtschaften ist Karl-Peter Schwegel von der Forellenzucht Aufseßtal. Schwegel, seit 35 Jahren Vollerwerbsteichwirt , hat diesmal zur Eröffnung der Fischgrillsaison sämtliche Fische frisch geschlachtet und an das Muggendorfer Hotel Goldner Stern geliefert, wo sie sofort verarbeitet wurden.

Ob Bachforellen, Regenbogenforellen oder Lachsforellen, Karpfen und Saibling: sämtliche Fische stammen aus dem Herzen der Fränkischen Schweiz. Nicht etwa aus Vietnam, wie der Pangasius, der dort unter industriellen Bedingungen heranwächst, mit Antibiotika vor Krankheitserregern geschützt wird und einen extrem langen Transportweg zurücklegt, bis er auf dem Teller landet. „Jeder Teich in Oberfranken ist ein Biotop“, sagte Schwegel und warb für die Neuanlage von Teichen, was allerdings von manchen Behörden angeblich aus Naturschutzgründen kritisch gesehen wird.

Für die Eröffnung der Fischgrillsaison hatte Inhaber Andreas Bugl vom Hotel Goldner Stern unter anderem Filets vom Saibling im Bananenblatt mit Kochbanane, Minze und Chilli, Regenbogenforellen im Ganzen mit Knoblauch, Petersilie und Paprika, Lachsforellen mit Rosmarin sowie Sommerkarpfen auf den Grill gelegt. Andreas Bugl kennt sich mit Fischen aus, denn in seinem Hotel finden nicht nur regelmäßig die für die Fränkische Schweiz typischen Fliegenfischkurse statt, sondern einmal im Jahr auch ein internationales Fliegenfischertreffen.

Vor dem Hintergrund der immer wieder für Schlagzeilen sorgenden Lebensmittelskandale könne man den Fisch aus Oberfranken nur empfehlen, sagte Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Fisch sei verdaulich, eiweißreich und fettarm und die Wertschöpfung bleibe in der Region. Die Strategie müsse lauten: „Schützen durch Nützen“, so die Landtagsabgeordnete Ulrike Gote. Teiche hätten eine große Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz und die Teichwirtschaft sei eine echte Veredelungswirtschaft, die zu Recht mit Geldern aus dem Kulturlandschaftsprogramm gefördert wird. „Teiche sind wichtig für das Klima und den Wasserhaushalt“, sagte der Landtagsabgeordnete Thorsten Glauber. Karpfen, Forellen und andere heimische Fische bezeichnete Regierungspräsident Wilhelm Wenning als wichtige Bestandteile der Genussregion Oberfranken.

Bild: Fisch als Grillgut wiederentdecken, dafür warben (von links) MdL Thorsten Glauber, Robert Klupp von der Fischereifachberatung, MdL Ulrike Gote, Regierungspräsident Wilhelm Wenning, Bezirkstagspräsident Günther Denzler und der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Peter Thoma aus Wunsiedel.

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05.04.2013

Bienen gehören zu Bayern / Brunner in Büchenbach: Imker, Bauern und Teichwirte arbeiten für den Natur- und Landschaftsschutz

Büchenbach, Mehr Verständnis für die Belange der Bienen haben Imker aus der Region beim Besuch von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner in Büchenbach bei Pegnitz gefordert. „Wir Imker wollen nicht den nächsten Lebensmittelskandal“, sagte Michael Zeilinger aus Oberreichenbach in Mittelfranken. Schon mit kleinen Maßnahmen, wie der Verschiebung der Spritzmittelausbringung in die Abendstunden könnten Erfolge zum Wohle der Bienen erreicht werden. Zusammen mit der Bezirksvorsitzenden des Verbandes für Gartenbau und Landespflege, der Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer, hatte der Minister in Büchenbach die Bioimkerei und den Lehrbienenstand von Maria und Anton Herzing sowie die Teichanlagen von Margot und Karl-Heinz Herzing besucht.

Brunner brach dabei eine Lanze für die Imker: „Bienen werden noch oft unterschätzt“, sagte er. Nur mit flächendeckenden Bienenvölkern sei eine dauerhafte Bestäubung gewährleistet, deshalb gehörten Bienen untrennbar zu Bayern. Allerdings stellte Brunner auch fest, dass das Verständnis für Bienen und die Belange der Imker in der Gesellschaft deutlich zugenommen habe. Im Rahmen von Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen von Landwirten werde mittlerweile regelmäßig auf die Bienenverträglichkeit verschiedener Maßnahmen hingewiesen. Auch das gehöre zur guten fachlichen Kompetenz von Landwirten, die von der Bevölkerung vorausgesetzt werde.

Bauern und Imker forderte Brunner auf, bei strittigen Fragen tragbare Kompromisse zu finden. Die Verwendung von bienenschädlichen Beizmitteln gehe beispielsweise bereits seit Jahren zurück. Bestens bewährt habe sich mittlerweile auch das Projekt „Imker auf Probe“ der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Das Projekt soll insbesondere jungen Leuten ohne große Verbindlichkeiten einen ersten Einblick in die theoretischen und praktischen Grundlagen der Imkerei ermöglichen. Die betreuenden Imkervereine erhalten dafür einen finanziellen Zuschuss. Brunner zufolge gibt es bayernweit rund 29000 Imker.

Zwei, die sich seit Jahren um die Nachwuchsgewinnung der Imker kümmern sind Maria und Anton Herzing, die in Büchenbach bei Pegnitz einen Lehrbienenstand und eine Bio-Imkerei betreiben. Das Ehepaar war 1998 zur Imkerei gekommen, hatte ein entsprechendes Grundstück am Ortsrand gekauft, eine Streuobstwiese angepflanzt, und sich mittlerweile zu leidenschaftlichen Imkern entwickelt. Anton Herzing ist Vorsitzender des Creußener Imkervereins und betreibt eine rege Jugendarbeit für Schulklassen und Kindergärten. Seit Juni ist Herzing einer von bayernweit 200 biozertifizierten Imkern mit derzeit 42 Bienenvölkern.

Fast in Sichtweite des Lehrbienenstandes betreibt Herzings Bruder Karl-Heinz im Nebenerwerb seine Anlage mit 24 Teichen, in denen er hauptsächlich Regenbogen- und Bachforellen sowie Saiblinge züchtet, aufzieht und als Satzfisch in einem Umkreis von 150 Kilometern vermarktet. Als einer der ersten Teichwirte wurde Herzing bereits 1998 zertifiziert, mit großem Aufwand hat er seitdem sämtliche Teichanlagen selbst gebaut und immer wieder modernisiert. Besorgt zeigte sich Herzing, dass der Kormoran wegen des langen Winters wieder zunimmt. Die Teichwirte forderten deshalb, die artenschutzrechtliche Ausnahmeverordnung auszusetzen, damit der Kormoran länger geschossen werden darf.

Am Rande des Ministerbesuchs  appellierten die Bezirksvorsitzende Brendel-Fischer und Stellvertreter Günter Reif aus Kulmbach an den Minister, im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft – Unser Dorf soll schöner werden“ ehrenamtliches Engagement künftig stärker zu gewichten. Gerade vor dem Hintergrund einer extrem kurzen Antragsfrist im laufenden Jahr sollte bürgerschaftliches Engagement stärker in den Vordergrund gestellt werden. Für den Wettbewerb auf Landkreisebene müssen die Unterlagen bereits bis Ende Juni eingereicht werden, noch vor der Sommerpause werden sie Kommissionen ihre Entscheidungen treffen. Im kommenden Jahr fallen die Entscheidungen auf Bezirksebene, 2015 sollen die Landessieger gekürt werden. Erst 2016 werden dann die bayerischen Golddörfer am Bundeswettbewerb teilnehmen, ehe der Wettbewerb wieder von vorne startet. Brendel-Fischer nannte es dabei besonders bemerkenswert, dass von den zuletzt bayernweit 345 beteiligten Dörfern, 144 aus Oberfranken und nur zehn aus Oberbayern kamen. „Der Wettbewerb motiviert die Menschen durch Eigenverantwortlichkeit und schärft das Bewusstsein für die Werte im eigenen Dorf“, sagte die Abgeordnete. Damit leiste der Wettbewerb einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des gesamten ländlichen Raums.

Bild oben: Am Lehrbienenstand von Anton Herzing betrachteten Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, die zuständige staatlich Fachberaterin Barbara Bartsch vom Amt für Landwirtschaft und die Landtagsabgeordnete und Bezirksvorsitzende  des Verbandes für Gartenbau und Landespflege Gudrun Brendel-Fischer (von links) ein überwinterndes Bienenvolk.

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19.03.2013

Vom Schandfleck zum Schmuckstück
Erster Bauabschnitt der Dorferneuerung Betzenstein abgeschlossen

Betzenstein, Lks. Bayreuth. „Die kleine Stadt ist zum echten Kleinod geworden.“ Landwirtschaftsminister Helmut Brunner hatte sich trotz der widrigen Witterung viel Zeit genommen, um die Dorferneuerungsmaßnahmen in Betzenstein zu besichtigen. 3,6 Millionen Euro wurden bisher in einem ersten Bauabschnitt investiert, weitere 1,3 Millionen Euro sollen bis Ende 2014 im zweiten Bauabschnitt folgen. Den Förderbescheid über die Hälfte, also über 650000 Euro überreichte Brunner am Ende seines Rundgangs an Bürgermeister Claus Meyer. Die Federführung der Dorferneuerung Betzenstein liegt beim Amt für ländliche Entwicklung Oberfranken.

Über zehn Jahre reicht der Beschluss des Stadtrates bereits zurück. Es sei ein schwieriger Start gewesen, erinnerte sich der Bürgermeister. Hauptgrund dafür war die relativ hohe Eigenbeteiligung der Bürger. 1,2 von den 3,6 Millionen Euro habe die Stadt aufbringen müssen, für die Hälfte davon seien die Bürger direkt zur Kasse gebeten worden. Doch es hat sich gelohnt, die mit 2500 Einwohnern kleinste Stadt Frankens sei mittlerweile wieder ein Schmuckstück mit hoher Aufenthaltsqualität. Zuzüge junger Familien kann der Bürgermeister mittlerweile sogar aus dem nicht allzu fernen Nürnberg verbuchen.

Mit jedem Euro Fördergeld würden sechs bis sieben Euro an Privatinvestitionen ausgelöst, sagte Minister Brunner. Die Maßnahmen in Betzenstein zeigten beispielhaft, was im ländlichen Raum alles möglich ist, welche Entwicklungspotentiale vorhanden sind und wie mit Hilfe der Dorferneuerung auch Aufträge und Arbeitsplätze entstehen können. „Sie haben den Durchbruch geschafft, ich sehe Betzenstein auf dem besten Weg“, so der Minister.

Zu den herausragenden Beispielen und Besonderheiten, die Minister Brunner bei seinem Rundgang besichtigte gehört beispielsweise das Maasen-Haus, eines der ältesten Häuser der Stadt und die mit über einer Million bislang teuerste Einzelmaßnahme der gesamten Dorferneuerung. Bis in die 1990er Jahre sei es noch bewohnt gewesen, danach habe es lange leer gestanden und wurde zum Schandfleck, nun ist es auf dem besten Weg, zu einem zentralen Punkt an der Hauptstraße zu werden.

Mittlerweile im Besitz der Stadt sollen im Maasen-Haus künftig die Tourismus Information, eine Bücherei und ein Trauungszimmer eingerichtet werden. Das Besondere an dem denkmalgeschütztem Gebäude war es, dass in der Vergangenheit Mensch und Tier hier ganz eng beieinander gelebt hätten. Während im Erdgeschoss die Stallungen waren seien im ersten Stock die Wohn- und Schlafräume gewesen. „Eine derartige Konstellation mitten im Ort ist sehr selten“, so Architekt Manfred Witt.

Weitere Beispiele der Dorferneuerung sind die grundlegende Sanierung des Pflegamtsschlosses, die städtebauliche Entwicklung des Oberen Marktes, die Einrichtung eines Kommunikationsmittelpunktes mit einem modernen Buswartebereich am Unteren Markt sowie die Errichtung eines Hackschnitzelheizanlage mit Nahwärmenetz im Scheunenviertel. Die Anlage hinter dem Torbogen heizt versorgt neben Privathäusern auch den Kindergarten, das in privater Hand befindliche ehemalige Pflegamtsschloss, das Gemeindehaus und eine Edelbrennerei. In den folgenden knapp zwei Jahren sollen nun unter anderem ein vorbeugender Hochwasserschutz mit einem Wasserrückhaltebecken errichtet werden, zusätzliche Gehwege gebaut und weitere Gestaltungsmaßnahmen innerhalb des Stadtkerns erfolgen.

In Betzenstein habe man längst begriffen, dass das reichhaltige historische Erbe keine Last sondern eine Chance ist, so Landrat Hermann Hübner. Gerade junge Leute würden vermehrt schätzen, dass endlich etwas passiert. Bis man allerdings die Bürger aktiv zur Mitwirkung gewinnen konnte, habe man allerdings zunächst „Klingen putzen“ müssen, so der Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft Thomas Müller.

Bilder:
- Lothar Winkler vom Amt für ländliche Entwicklung Oberfranken zeigt (von links) der Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer, Landrat Hermann Hübner, dem Vorsitzenden der Teilnehmergemeinschaft Thomas Müller und Landwirtschaftsminister Helmut Brunner Bilder von der Situation vor und nach der Dorferneuerung.
- Einen Förderbescheid in Höhe von 650000 Euro übergab Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (2. von links) an den Betzensteiner Bürgermeister Claus Meyer. Mit im Bild die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer und der Bayreuther Landrat Hermann Hübner (links).

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05.02.2013

Keine fischfreien Gewässer entlang des Grünen Bandes
Fast 1000 Teichwirte produzieren in Oberfranken heimischen Fisch

Himmelkron. Das „Grüne Band“ bereitet Fischern und Teichwirten Kopfzerbrechen. Ursprünglich als harmloser Streifen für den Naturschutz entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze gedacht, sollen nun Korridore in einer Entfernung von bis zu 25 Kilometern einbezogen werden. Viele Teichwirte könnten davon betroffen sein, warnte Otto Norbert Grußka, Geschäftsführer der Teichgenossenschaft Oberfranken.

„Diese bislang von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtete Naturschutzgroßprojekt könnte für uns Teichwirte erhebliche Probleme aufwerfen“, sagte Grußka bei der Jahresversammlung der Teichgenossenschaft Oberfranken, einem Zusammenschluss von fast 1000 Teichwirten aus dem Regierungsbezirk. Nach den Worten Grußkas sehen die bislang bekannten Pläne vor, Flächen der Natur zuzuführen und dabei weitestgehend auf menschliche Nutzung zu verzichten. Für die Teichwirte würde dies unter anderem eine Reduzierung des Fischbestandes bis hin zu fischfreien Gewässern, eine Anhebung der Verlandungszone um rund ein Drittel sowie jeglicher Verzicht auf Düngung oder Kalkung bedeuten. „Damit würden wir auf die Nutzung unserer Teiche und somit auf unser Eigentum  verzichten“, sagte der Geschäftsführer. Ausgleichszahlungen seien zwar vorgesehen, doch hätten sie eine Laufzeit von 20 Jahren, außerdem müssten bestimmte Unterhaltsmaßnahmen wie das Mähen von Wiesen auch weiterhin erfolgen.

Auch künftig ein Thema ist der Kormoran, auch wenn die jetzigen Bejagungsmöglichkeiten einen deutlichen Fortschritt darstellen. Noch besser wäre allerdings eine Bestandsregulierung, also bereits eine Eingriffsmöglichkeit in die Nester der brütenden Vögel, so Thoma. „Auch wenn es einige noch immer nicht glauben wollen, der Kormoran ist längst nicht das possierliche Vögelchen, als das er von ideologisch geprägten Vogelschützern dargestellt wird.“ Die nächsten Feinde der oberfränkischen Fischerei seien allerdings schon im Anmarsch, so Gudrun Brendel-Fischer, Landtagsabgeordnete und Mitglied des Landwirtschaftsausschusses. Vor allem beim Biber und beim Fischotter sollten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, damit keine entsprechenden Populationen entstehen.

Schwer getroffen hat die oberfränkischen Teichwirte auch der Wegfall der pauschalen Förderung aus dem Europäischen Fischereifonds (EFF) im vergangenen Spätherbst. Vorsitzender Thoma sprach von einem Erdrutsch, Förderfachmann Peter Leitel bedauerte den Wegfall, zumal die Ausgestaltung des neuen EU-Fischereiförderprogramms für den Förderzeitraum 2014 bis 2020 noch völlig offen sei. Leitel betonte aber auch, dass die bisherige Förderung von Einzelmaßnahmen nach Nachweis auch künftig erhalten bleiben soll. Umso ärgerlich nannte es Franz Geldhauser vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium, dass sämtliche bereits bewilligten Pauschalsätze aus den Jahren 2007 bis 2012 zurückbezahlt werden müssen. Sicher ist es nach den Worten Geldhausers, dass die Förderung nach dem Einzelnachweis auch künftig unter anderem für Maßnahmen der Direktvermarktung, Absatzförderung, für Umweltleistungen oder Marktstudien gelten soll.

Aller Unwägbarkeiten zum Trotz steige der Absatz von Fisch derzeit wieder konstant an, so der Vorsitzende. Als Gründe dafür nannte er unter anderem die zahlreichen Marketingbemühungen wie zum Beispiel die werbewirksame Eröffnung der Fischgrillsaison, der Karpfensaison oder die Beteiligung der Teichwirtschaft bei Kochwettbewerben. „Steter Tropfen höhlt den Stein“, sagte Thoma. Mit den Fischmarketingaktionen sei die Teichgenossenschaft auf dem richtigen Weg. Vor allem hätten viele Verbraucher mittlerweile gelernt, den heimischen Karpfen dem vietnamesischen Pangasiusfilet vorzuziehen, so der oberfränkische Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Auf diesem Weg leisteten die Teichwirte auch einen unverzichtbaren Beitrag für eine attraktive heimische Gastronomie.

Seinen letzten Auftritt hatte bei der Jahresversammlung der leitende Direktor der Fischereifachberatung des Bezirks Oberfranken Robert Klupp. Nach fast 40 Jahren in Diensten des Bezirks wird Klupp seinen Ruhestand im September antreten. Er gehörte 1975 zu den Gründervätern der Teichgenossenschaft. „Robert Klupp hat die Fischerei in Oberfranken entscheidend geprägt“, sagte der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Peter Thoma. Klupp selbst rief die Teichwirte dazu auf, den Menschen immer wieder zu verdeutlichen, dass die Teichwirte einen unschätzbaren Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft leisten und dabei wertvollste Lebensmittel erzeugen.

Bild: Noch im laufenden Jahr steht ein Wechsel in der Fischereifachberatung des Bezirks Oberfranken an (von links): Der neue Leiter Thomas Speyerl, der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Peter Thoma und der bisherige Fischereifachberater Robert Klupp.

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12.10.2012

„Lebensmittel sind Mittel zum Leben“: Ministerpräsident Seehofer und Sternekoch Alexander Herrmann warben für regionale Produkte

Kulmbach. Der lockere Ausklang war gleichzeitig der Höhepunkt der ersten Bayerischen Ernährungstage des neuen Kompetenzzentrums für Ernährung in Kulmbach. Essen soll schließlich auch Spaß machen und alle Sinne ansprechen. Und so griff Ministerpräsident Horst Seehofer kurzerhand zum Kochlöffel, kritisch beäugt vom TV-bekannten Sternekoch und gebürtigen Kulmbacher Alexander Herrmann.

„Kulmbach ist der wichtigste Lebensmittelstandort Europas“, sagte Seehofer. Er rief dazu auf, Lebensmittel als Mittel zum Leben zu begreifen. Während Fleisch oder auch Schokoriegel noch zu seiner Kindheit ein seltener Genuss waren, sei dieser Genuss heute die Regel. Kein Wunder, wenn so die Wertschätzung für die Nahrung verloren gehe. Dank einer leistungsfähigen Landwirtschaft und einer breit aufgestellten Ernährungsindustrie könne man heute in Deutschland von den besten Lebensmitteln sprechen, „die wir je hatten“. Gute Lebensmittel seien dabei durchaus auch gleichbedeutend mit guter Lebensqualität. Deshalb müsse das Bewusstsein des Verbrauchers immer wieder geschärft werden und genau das sei die Aufgabe des Kompetenzzentrums für Ernährung.

Die Show im neuen Museumspädagogischen Zentrum des Bayerischen Brauerei und Bäckereimuseums zum Ende des ganztägigen Symposiums „Ernährung ist MehrWert“ hatte natürlich auch einen ernsten Hintergrund. Die Ernährung sei das Megathema des 21. Jahrhunderts, sagte Martin Neumeyer vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium. Deshalb sei es einer der wichtigsten Aufgaben, des genau vor einem Jahr eröffneten Kompetenzzentrums für Ernährung (KErn), das Bewusstsein für Nahrungsmittel aus der Region zu schärfen.

„Die regionale gesunde Basis ist unser Weg und nicht Erdbeeren aus China mitten im Herbst“, so Neumeyer mit Blick auf die Magen-Darm-Grippewelle in Ostdeutschland, als deren Verursacher mit Noroviren verunreinigt Tiefkühlerdbeeren ausgemacht wurden. Aufgabe des Kompetenzzentrums ist es, den Austausch zwischen Forschung, Ernährungswirtschaft, Produktion, Ernährungsbildung und Dienstleistern zu forcieren. „Wir sind nach einem Jahr in Kulmbach gut angekommen und werden Kulmbach weiter ausbauen“, kündigte Neumeyer an.

Gemeinsam mit Sternekoch Alexander Herrmann und Kulmbachs Oberbürgermeister Henry Schramm bereitete Ministerpräsident Seehofer im Anschluss panierte Weißwurststücke auf Roter Bete zu. Der Ministerpräsident rieb dazu die Brötchen und schlug die Eier auf, räumte aber gleich zu Beginn mit der ihm eigenen Selbstironie ein, dass er in der Küche, „wenn überhaupt, dann nur zu leichteren Hilfstätigkeiten“ zu gebrauchen sei.

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23.09.2012

Weichen für den Wald stellen
Rund 10000 Besucher beim Oberpfälzer Waldtag in Amberg

Amberg. Die Anziehungskraft der Themen Wald und Holz ist ungebrochen: An die 10000 Besucher lockte der „Waldtag Oberpfalz“ am Sonntag nach Amberg, wo das dortige Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten eine Großveranstaltung mit fast 80 Ausstellern, zahlreichen Vorführungen und der richtigen Mischung aus Information und Unterhaltung auf die Beine gestellt hatte.

„Der Wald ist mehr als eine Ansammlung von Bäumen, der Wald ist Ökosystem, Lebens- und Erholungsraum, Wasseraufbereiter und –speicher, Sauerstoffproduzent und Rohstofflieferant und vieles mehr“, sagte Behördenleiter Willibald Götz. Alle diese Funktionen den Menschen klar zu machen, das sei das erklärte Ziel des Waldtages.

Information sei aber auch deshalb so wichtig, weil die Forstwirtschaft aktuell vor großen Herausforderungen steht, so Landwirtschaftsminister Helmut Brunner. Schon in knapp 20 Jahren sollen zwei Drittel der privaten Waldbesitzer sogenannte „urbane Waldbesitzer“ sein, denen es am Verständnis und am Wissen um den Wald fehlt. Sie mit den forstlichen Zusammenschlüssen zusammenzubringen und für Waldpflege- und Nutzungsverträge zu gewinnen, das sei eines seiner erklärten politischen Ziele, so Brunner. Die Forstbetriebsgemeinschaften und Waldbesitzervereinigungen würden dafür schon heute mit rund drei Millionen Euro pro Jahr unterstützt.

Als zweite große Herausforderung bezeichnete Brunner den Klimawandel, der den Wald am stärksten trifft. Als wirksames Gegenmittel sieht der Minister den Umbau der gefährdeten Nadelwälder in stabile Mischwälder. „Vorsorgen ist besser und billiger als heilen“, so Brunner. Wer in 100 Jahren klimatolerante Mischwälder haben möchte, müsse jetzt die Weichen dafür stellen. Auch das kostet freilich Geld: Neben den regulären Haushaltsmitteln werde die Staatsregierung deshalb weitere sieben Millionen Euro für Waldumbaumaßnahmen und Klimaforschung bereitstellen.

Sorgen bereiten dem Minister schließlich auch die „überzogenen Forderungen des Naturschutzes“ nach Flächenstilllegungen. Die nachhaltige und zukunftsfähige Forstwirtschaft Bayerns gerate dadurch in Gefahr, sagte Brunner. Es sei ein Irrglaube, dass nur stillgelegte Wälder einen Wert für die Natur haben. Schließlich seien die naturnahen Waldbestände, auf die der Naturschutz ein Auge wirft, nicht trotz, sondern wegen der Bewirtschaftung in einem derart guten Zustand.

Zentraler Programmpunkt des Waldtages war die Erstaufführung eines Waldfilmes, den Studenten der Medientechnik an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Amberg/Weiden unter ihrem Betreuer Stefan Breunig erstellt hatten. Unterhaltsam und in teilweise spektakulären (Luft-)Bildern zeigt der etwa zwölf Minuten lange Streifen die Aufgaben des Amtes für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Amberg. Der Film zeigt ganz konkret, wie Förster Hans Eiber einen Waldbesitzer berät, was ein Harvester ist, wie ein Motorsägenkurs abläuft und wie Förster Werner Lang Drittklässlern Waldwissen vermittelt. Daneben erfährt der Betrachter beispielsweise, dass im Landkreis Amberg zwei Drittel des Waldes über 13000 privaten Waldbesitzern gehören und dass im gesamten Landkreis pro Jahr etwa 100000 bis 120000 Festmeter Holz eingeschlagen werden.

Behördenleiter Götz sah den Oberpfälzer Waldtag in Amberg am richtigen Ort. Der Landkreis Amberg/Sulzbach zähle zu den waldreichsten in Bayern, sagte er. Nach den Worten von Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer gehört die Stadt Amberg außerdem zu den größten kommunalen Waldbesitzern Bayerns. Ein absoluter Glückstreffer war dabei auch die Wahl der Standorte für den Waldtag im Innenhof und auf den Parkplätzen der Hochschule sowie in der Parkanlage Maxallee vor dem ehemaligen Bayerischen Forstamt. Hier war Platz für das großzügige Waldforum und den Marktplatz, für die vielen Vorführungen mit forstlichen Großmaschinen und nicht zuletzt auch für ein Festzelt und eine riesige Bühne, auf der beispielsweise Zimmererleute Zunftlieder sangen oder Jagdhornbläser Signale vortrugen.

Bilder:
- Die bayerische Waldprinzessin Eva Ritter und Landwirtschaftsminister Helmut Brunner erfuhren von Birgit Eichinger und deren Vater, dem Bogenbauer Günther Kurz (von links) aus Hohenburg/Voggenhof, was man aus Holz alles machen kann.
- Informationen zu den Themen Wald und Holz gab es von den fast 80 Ausstellern im Waldforum.
- Vorführungen von forstwirtschaftlichem Großgerät lockten Forstprofis und Neugierige gleichermaßen.
- Kunstvolle Skulpturen aus Holz fertigten Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten live vor den Augen der staunenden Besucher an.

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14.09.2012

Artgerecht, naturverträglich und ökologisch korrekt: Hervorragendes Karpfenjahr / Teichwirte eröffneten oberfränkische Karpfensaison - Regierungsbezirk ist drittstärkster Karpfenproduzent in Bayern

Stiebarlimbach. Gute Nachricht für alle Oberfränkischen Feinschmecker: Ab sofort gibt es in allen Monaten mit dem Buchstaben „r“ im Namen wieder fangfrischen Karpfen aus heimischen Teichen. „Das Karpfenjahr war hervorragend“, sagte der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken, Dr. Peter Thoma aus Thiersheim, bei der oberfränkischen Karpfensaisoneröffnung in Stiebarlimbach bei Hallerndorf im Landkreis Forchheim.  Bedingt durch das Wetter seien die Karpfen in bester Qualität herangewachsen. Nach Mittelfranken und der Oberpfalz gilt der Regierungsbezirk Oberfranken als drittstärkster Karpfenproduzent in Bayern.

Bevor der Fisch allerdings als Karpfen blau, gebacken mit Salzkartoffeln, zerlassener Butter und Meerrettich oder als Karpfenlocken auf den Tisch kommt, muss er aus dem Teich. Diesmal hatte Johann Weiß seine Weiher in dem kleinen Ort Stiebarlimbach im oberfränkischen Teil des Aischgrundes und damit ganz im Westen des Regierungsbezirks abgefischt und sich dabei Unterstützung von Regierungspräsident Wilhelm Wenning, Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler sowie von den Landtagsabgeordneten Eberhard Nöth und Thorsten Glauber geholt. Der „Fischbauernhof" Weiß gilt dabei nach den Worten aller Beteiligter als echter Vorzeigebetrieb in Oberfranken, der mit seinen kleinen Teichen einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leistet.

„Heimischer Karpfen ist ein reines Naturprodukt, das seit Jahrhunderten nahezu unverändert erzeugt wird“, so der oberfränkische Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler. Bevor die Teiche abgefischt werden, müssten die Karpfen drei Jahre lang heranwachsen. Während dieser Zeit ernährten sie sich ausschließlich von Plankton und anderen Kleinlebewesen. Zugefüttert werden müsse lediglich Getreide, das in Oberfranken meist aus eigener Erzeugung der Teichwirte stammt. „Damit ist der Karpfen ein artgerechtes und naturverträgliches Erzeugnis“, sagte Denzler. Doch damit nicht genug: Rechnerisch stünden stehe jedem oberfränkischen Karpfen rund 20000 Liter Wasser als Lebensraum zur Verfügung. „Das sind paradiesische Zustände“, so der Präsident. Schließlich werde der Karpfen auch älter, als jedes andere landwirtschaftliche Nutztier.

Oberfranken biete auch eine Vielzahl an Gasthöfen, die den Karpfen in allen Variationen zubereiten. Diese enge Verbindung von Teichwirtschaft und Gastronomie garantiere dem Verbraucher ein gesundes, frisches Lebensmittel unmittelbar aus der Region, so Regierungspräsident Wilhelm Wenning . Aufgrund dieser geringen Transportwege könne der Karpfen auch auf eine hervorragende Ökobilanz verweisen, sogar die Stiftung Warentest habe regional erzeugte Karpfen im Gegensatz zum Pangasiusfilet aus Fernost mittlerweile als „ökologisch korrekt“ eingestuft.

Teichwirt zu sein, heißt heimatverbunden zu sein und die Liebe zur Natur jeden Tag aufs Neue unter Beweis zu stellen, so der Landtagsabgeordnete Eduard Nöth. Die Politik habe deshalb in den zurückliegenden Jahren nicht ohne Erfolg immer wieder große Anstrengungen unternommen, um die Teichwirtschaft zu unterstützen und sie vor Bürokratie zu entlasten.

Bilder:
- Heimischer Karpfen ist ein reines Naturprodukt: Der oberfränkische Regierungspräsident Wilhelm Wenning, der Bürgermeister von Buttenheim Johann Kalb, MdL Thorsten Glauber, der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif, Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler, Teichwirt Johann Weiß, TEGOF-Vorsitzender Dr. Peter Thoma und MdL Eduard Nöth bei der oberfränkischen Karpfensaisoneröffnung.
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Höhepunkt im Jahreslauf der Teichwirte: Die Eröffnung der Karpfensaison beginnt traditionell mit dem Abfischen eines Teiches, wie diesmal in Stiebarlimbach im Landkreis Forchheim.

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22.08.2012

Pflanzen für die Energiegewinnung der Zukunft / Lehrstuhl Pflanzenökologie der Universität Bayreuth will Einführung der Becherpflanze als Alternative zum Mais forcieren

Bayreuth. Es muss nicht immer zwangsläufig Mais sein. Auch eine ganze Reihe anderer Pflanzen ist zur Biogasproduktion geeignet. Vielleicht sogar besser als Mais, so Dr. Pedro Gerstberger, Botaniker vom Lehrstuhl für Pflanzenökologie an der Universität Bayreuth. Der Wissenschaftler führt seit einigen Jahren zusammen mit den Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks Oberfranken in Bayreuth ein Pilotprojekt durch, mit dem erforscht werden soll, welche Wildpflanzen-Dauerkultur für die Biogasproduktion geeignet ist und welche Pflanzen dabei besonders als Biogassubstrat in Frage kommen. Bei einer Vorstellung des Forschungsprojekts mit Anne Weydenhammer von der Bioenergieregion Bayreuth, dem Parlamentarischen Finanzstaatssekretär und Bayreuther Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk und dem Verwalter der Lehranstalten Martin Höpfel führte Gerstberger eine ganze Reihe solcher Pflanzen auf, die vornehmlich aus Nordamerika stammen. Die Becherpflanze (Silphium perfoliatum) stellte er dabei ganz besonders heraus.

Hier sei nur einmal eine Aussaat erforderlich, danach ergäbe sich mindestens eine 15-jährige Standzeit. Die Becherpflanze sei zudem weniger frostempfindlich, mache keinen Zwischenfruchtanbau erforderlich, Krankheiten oder Schädlinge seien bislang nicht bekannt und der Boden werde nur wenig verdichtet, da er nur zwei Mal pro Jahr befahren werden muss, bei der Düngung und bei der Ernte. Freilich gibt es auch Nachteile gegenüber dem Mais: So sei der Einsatz von Herbiziden zur Saatbeet-Vorbereitung notwendig und Erträge seien erst ab dem zweiten bis dritten Jahr zu erwarten, da die Bestände erst dann ausreichend dicht sind.

Kritiker behaupten, bei der „Vermaisung“ der Landschaft sei man mittlerweile zu weit gegangen. Dabei biete der Mais als Bioenergiepflanze bei weitem nicht nur Vorteile. Nach den Worten von Gerstberger nähmen Schädlinge, wie der Maiszünsler oder der Maiswurzelbohrer zu. Damit einher gehe ein wachsender Einsatz von Pestiziden. Mais verringere zudem den Humusanteil im Boden und könne erst relativ spät ausgesät werden. Schließlich nähmen auch die Schäden durch Wildschweinpopulationen zu und die Maisblüten seien als Nektarquelle für Insekten nicht nutzbar, so beklagen es die Imker.

„Diesem Thema gehört die Zukunft“, sagte Staatssekretär Koschyk. Er bezeichnete das Projekt der Bioenergieregion als absolut vorbildlich, weil es über kommunale Grenzen hinaus angelegt sei. Die Becherpflanze könne aufgrund ihrer hervorragenden Ökobilanz eine echte Alternative zum Mais sein, zumal damit auch das Überleben der Bienen in der Region gesichert sei. Nun müsse eine erhöhte Akzeptanz bei den Landwirten erreicht werden, was beispielsweise durch veränderte europäische Förderbedingungen begünstigt werden könne. „Wir müssen Anreize setzen, um die Einführung von Saatgut für die Becherpflanze zu erleichtern“, so Koschyk. Auch das Bundeslandwirtschaftsministerium könne dazu beitragen, die Forschung, den Transfer und die Markteinführung der Becherpflanze zu begünstigen.

Die Becherpflanze ist freilich nicht die einzige Bioenergiepflanze, die den Mais ablösen könnte. Versuchsflächen in und um Bayreuth gebe es bereits auch für den Gelben Kronbart, die Riesen-Scheinaster, den Wasserdost, die Fächermalve oder die einheimische Sumpf-Gänsedistel. „Die Becherpflanze scheint aber die Beste zu sein“, so Gerstbergers Zwischenstand seiner bisherigen Untersuchungen. Alle genannten Sorten würden von Insekten bestäubt, so dass sie auch Imker interessant sind. Interessant für die Landwirte dürfte dabei sein, dass der jährliche Hektarertrag bei der Nutzung als Energiepflanze deutlich über dem vom Mais liegt. Gerstberger sprach dabei von über 500 Euro im Vergleich zum Mais, allerdings mittel- und langfristig gerechnet. Bis es soweit ist, müssten die Landwirte erst einmal investieren. Gerstberger rechnete mit etwa 3600 Euro pro Hektar.

Bild: Der Botaniker Dr. Pedro Gerstberger (rechts) von der Universität Bayreuth erläutert dem Parlamentarischen Staatssekretär Hartmut Koschyk die Vorzüge der Becherpflanze, die auf dem Gelände der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth bereits angebaut wird.

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29.06.2012

Fischerei seit einem halben Jahrtausend / Teichgenossenschaft Oberfranken zeichnete Markgrafenteiche in Selb als überregional bedeutsames Kulturgut aus

Selb. Mit dem Prädikat „Kulturgut“ sind die „Markgrafenteiche“ in Selb ausgezeichnet worden. Die Anlage könne auf eine über 500 Jahre alte Geschichte zurückblicken, begründete Dr. Peter Thoma, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken, die Auszeichnung.

Eine Besonderheit und gleichzeitig die Voraussetzung für die Verleihung des Prädikats sei es dabei, dass die „Markgrafenteiche“ noch immer bewirtschaftet werden. Zum Bestand gehören Karpfen, Rotfedern, Moderlieschen, Zander und Hechte. Mit der Auszeichnung einher geht nicht nur die Übergabe einer Urkunde an den Fischereiverein Selb, sondern auch die Aufstellung einer umfangreichen Informationstafel direkt am Ufer der Teichanlage. Sie soll Spaziergänger und Wanderer künftig über die wechselvolle Geschichte der Gewässer aufklären.

Zusammen mit dem Bezirk Oberfranken und deren Fachberatung für Fischerei nimmt die Teichgenossenschaft seit 1998 die Auszeichnung vor. Als wichtige Kriterien nannte Dr. Thoma unter anderem  die landschaftsprägende Bedeutung der Teiche, ihre besondere ökologische Gewichtung sowie den historischen Nachweis über eine seit Jahrhunderten andauernde Bewirtschaftung. Genau das sei in Selb der Fall, auch wenn von der ursprünglich zehn Teiche umfassenden Anlage nur mehr drei vorhanden sind. Die Zusammenarbeit aller Bewahrer der Teichwirtschaft habe es auch bei diesem Kulturgut möglich gemacht, die Teiche in ihrer von alters her überbrachten Nutzungsform der Nachwelt zu erhalten, sagte der Vorsitzende. Die Zahl der teichwirtschaftlichen Betriebe im gesamten Regierungsbezirk bezifferte er auf knapp 2200.

Die Entstehung der „Markgrafenteiche“ geht nachweislich bis in das 15. Jahrhundert zurück. Bereits zwischen 1412 und 1414 fiel das Gebiet um Selb, und damit auch die Teichflächen, der späteren Markgrafschaft Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth zu. Kurios mutet die Tatsache an, dass Markgraf Christian Ernst mit den Erträgen aus den Gütern in Selb und damit auch aus den Markgrafenteichen dazu benutzte, um das von ihm gestiftete Gymnasium Christian Ernestinum in Bayreuth zu finanzieren. Der spätere Markgraf Friedrich, Gemahl der berühmten Markgräfin Wilhelmine,  finanzierte wiederum mit den Einkünften aus den Selber Kammergütern die Gründung der Universität Erlangen.

Nach dem 30-Jährigen-Krieg gehörten die Teiche zweitweise der Stadt Eger, bis sie ein wohlhabender Gastronom zurückkaufte und der Stadt Selb zum Geschenk machte. Spätere Besitzer waren ab Mitte des 19. Jahrhunderts in der Regel Privatleute. Heute werden die „Markgrafenteiche“ vom Fischereiverein Selb bewirtschaftet, der sich nicht nur um den Fischbestand kümmert, sondern auch zum Großteil Besitzer der Anlage ist.

Landrat Karl Döhler bezeichnete die Markgrafenteiche nicht nur als größte Teiche im Landkreis Wunsiedel, sondern auch als echte Schmuckstücke und als Musterbeispiel für den Einklang von Ökologie und Ökonomie. Der Oberbürgermeister von Selb Wolfgang Kreil erinnerte daran, dass die Markgrafenteiche direkt an die historische Verbindungstrasse von Selb nach Eger angrenzen. Was heute ein verträumter Waldweg ist, sei früher eine bedeutende Verbindung gewesen, die während des 30-Jährigen Krieges an die 60000 Soldaten durchzogen.

 

Bilder:
1.
Landrat Karl Döhler (links) und der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Peter Thoma enthüllten eine Informationstafel am Uferstreifen der Markgrafenteiche bei Selb. Die Tafel weist die Teichanlage als historisches Kulturgut aus.
2. Der Oberbürgermeister von Selb Wolfgang Kreil, Peter Thoma von der Teichgenossenschaft Oberfranken, Landrat Karl Döhler und der stellvertretende Vorsitzende des Fischereivereins Selb Karl Höllering (von links) vor der neuen Informationstafel: Die Tafel weist die Markgrafenteiche als historisches Kulturgut aus.
3.
Hier wird seit 500 Jahren eine aktive Teichwirtschaft betrieben: Die Markgrafenteiche bei Selb im Landkreis Wunsiedel.

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22.05.2012

Maria und Hans-Jürgen Lips betreiben den einzigen Bioland-Bauernhof in Bamberg und führen Besucher über die Landesgartenschau

Bamberg. Wie kommt die Ziegenmilch in die Flasche? Wie kommt der Honig ins Glas? Das sind nur zwei von vielen Fragen, auf die Maria und Hans-Jürgen Lips immer die passenden Antworten parat haben. Derzeit geben sie ihr Wissen auf der Landesgartenschau in Bamberg an Ausflügler, Schulklassen und Landfrauen weiter.

„Das Thema Nachhaltigkeit ist uns ganz wichtig“, sagen beide mit Blick über das sogenannte ERBA-Gelände. Früher sei hier eine riesige Industriebrache gewesen, mit der Landesgartenschau ist ein Paradies entstanden, nicht nur aber vor allem auch für Kinder. Immer dienstags heißt es auf der Landesgartenschau „Schule im Grünen“, und so führt das Ehepaar Lips auch heute wieder eine Schulklasse, die zehnte Klasse des Bamberger E.T.A.-Hoffmann-Gymnasiums durch die blühenden Gartenlandschaften am Stadtrand der Weltkulturerbestadt.

Maria und Hans-Jürgen Lips bewirtschaften seit 1982 in Wildensorg bei Bamberg, direkt unterhalb der nahe gelegenen Altenburg, einen Erlebnisbauernhof mit Schafen und Ziegen. Es ist ein klassischer Nebenerwerbsbetrieb mit Grünland, Kleegras, Gemüsebau, Streuobstwiesen und Direktvermarktung in einem kleinen Hofladen mit selbstgemachten Spezialitäten.  „Wir sind zur Zeit der einzige Bioland-Bauernhof in Bamberg“, sagt Lips. Auf den rund 14 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche baut das Ehepaar Gemüse und Obst nach den strengen Richtlinien des Bioland-Anbauverbandes an. 

Eigentlich ist Hans-Jürgen Lips gelernter Bankkaufmann, wenn auch mit landwirtschaftlichem Hintergrund. 1983 hatte er seinen seinen Beruf an den Nagel gehängt und begonnen, sich mit der Landwirtschaft zu beschäftigen. Als ländlicher Gästeführer, beziehungsweise als Erlebnisbäuerin wurden beide gefragt, ob sie ihr Wissen nicht hin und wieder den Besuchern der Landesgartenschau  nahe bringen wollten und so kam der Kontakt zu den Veranstaltern zustande.

Zuhause, bei ihren Führungen auf dem Hof lernen Kinder und Erwachsene die Schaf- und Ziegenhaltung kennen, gemeinsames Melken, Filtrieren der Milch und die Herstellung von Ziegenbutter gehören genauso dazu wie anschließende Kostproben von Ziegenmilch und Ziegenkäse. In einem weiteren Erlebnisangebot beschäftigen sich Maria und Hans-Jürgen Lips mit der Imkerei. „Willst Du Gottes Wunder sehen musst Du zu den Bienen gehen“, lautet eines der Lieblingszitate von Hans-Jürgen Lips, der den Besuchern auf seine ganz eigene humorvolle Art dabei erläutert, wo und wie die Biene den Nektar sammelt, ihn zum Bienenstock bringt und wie daraus Honig wird. Interessierte haben die Möglichkeit, die Frühjahrsblüte, die Befruchtung durch die Bienen und das Entstehen der Früchte kennen zu lernen. „Wir erklären die Entwicklung vom Ei bis zur fertigen Biene und bieten unseren fertig geschleuderten Honig zum Probieren an“, so Lips.

In weiteren Themenführungen geht es um Schafswolle und ihre Verwendung, um den früheren Weinanbau in und um Bamberg oder um das Landschaftsschutzgebiet „Altenburg“ in Bamberg. Daneben bietet das Ehepaar Kräuterführung am Südhang der Altenburg und durch den Wildensorger Kräutergarten an, klären über Getreidesorten auf oder veranstalten zusammen mit einem engagierten Helferteam bis zu 100 Kindergeburtstage pro Jahr auf ihrem Hof.

„Zuhause auf dem Betrieb als auch hier auf der Landesgartenschau möchten wir allen Interessierten nahe bringen, was es bedeutet, natürliche Ressourcen zu schützen und die Artenvielfalt unserer Kulturlandschaft zu erhalten“, sagt Maria Lips. Die Erzeugung gesunder Lebensmittel gehöre genauso dazu, wie ganz praktische Tipps zum Umweltschutz mit dem Einkaufskorb. Obwohl die Familie Lips in ihrem Hofladen ein breites Angebot von selbstgemachten Spezialitäten wie Landwurst, Schinken, Kuchen und Gebäck anbietet und außerdem einen festen Kundenstamm hat, merken auch sie mittlerweile, dass die Konkurrenz härter wird. „Es gibt einfach zu viele Biosupermärkte in Bamberg“, klagt Maria Lips und ist skeptisch, ob sich diese Entwicklung wieder umkehren lassen wird.

Auf der Landesgartenschau haben sie ihren eigenen Betrieb Anfang Mai drei Tage auf der Ausstellungsfläche des Landwirtschaftsministeriums präsentiert. Gleich neben den Kleingärten, über die sich das Ehepaar am meisten freut. Die Kleingärten gab es schon immer, sie wurden früher von den Beschäftigten der ERBA bewirtschaftet und zur Erholung genutzt. Im Zuge der Bauarbeiten für die Gartenschau hätten sie eigentlich weichen sollen. Erst nach entsprechendem Protest der Kleingärtner sagten ihnen die Verantwortlichen ein Bleiberecht zu, mittlerweile wurden die Gärten sogar aufgewertet und gelten als wertvoller Bestandteil der Gartenschau. „Auch das ist Nachhaltigkeit im besten Sinne“, so Hans-Jürgen Lips.

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20.05.2012

Fränkisches Nationalgericht, Leibspeise und Kultprodukt / 2. Fränkischer Bratwurstgipfel lockte diesmal rund 20000 Besucher nach Pegnitz

Pegnitz. Keine Chance für Vegetarier: zum 2. Mal ging es in Pegnitz um die Wurst, genauer um die Bratwurst. 16 Metzger aus ganz Franken waren angetreten, um mit über 30 Wurstkreationen um den Titel des fränkischen Bratwurstkönigs zu kämpfen. Diesmal waren es laut Veranstalter rund 20000 Besucher, die sich das Spektakel im Wiesweiherpark mitten in der Stadt nicht entgehen ließen. Darunter auch jede Menge Prominenz, wie etwa der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (Bild rechts) und der bayerische Innenminister Joachim Herrmann.

„Die Bratwurst ist eines der Herzstücke fränkischer Kulinaristik“, erklärte der Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken Thomas Zimmer. Er beschrieb die Bratwurst als „Aushängeschild unserer fränkischen Metzgermeister“, als Nationalgericht, Leibspeise und Kultprodukt der Franken zugleich. Genau deshalb hätten die drei fränkischen Handwerkskammern, die Genussregion Oberfranken und die Stadt Pegnitz beschlossen, für die fränkische Bratwurst ein Zeichen zu setzen, ihr einen eigenen Tag und ein besonderes Fest zu widmen: den Fränkischen Bratwurstgipfel.

16 Metzgereien, je vier aus Ober-, Mittel- und Unterfranken, hatten sich diesmal mit exakt 32 Bratwurstkreationen und –sorten beteiligt. Sie alle servierten ihre Bratwurstspezialitäten nicht nur frisch vom Grill, sondern stellten sich auch mit verschiedensten Blindverkostungen und mit Hilfe von Publikumsbewertungen dem Wettbewerb. Jede Metzgerei schickte dazu zwei Bratwurstspezialitäten ins Rennen. Gegeneinander gebrutzelt wurde dabei in den zwei Kategorien „Klassische Bratwurst“ und „Kreativbratwurst“.

Der Kreativität waren dabei keine Grenzen gesetzt. Feinschmecker konnten wählen aus Sorten wie Bärlauch-, Tomate-Mozzarella-, Red-Hot-Chili-Roaster-, oder gar Schoko-Chili-Bratwurst. Es gab sie mit Spargel, Kümmel, Hickory und sogar Chili oder Mango. Aber auch die klassischen Bratwürste wurden in den unterschiedlichsten Variationen angeboten: grob, fein, dick, schmal, und sogar evangelisch und katholisch. Sogar eine „Bratwurst für Verliebte“ gab es von der Metzgerei Herpich aus Hof, genauso wie eine kreolische Bratwurst von der Metzgerei Fabis aus Bayreuth oder den Chili-Knoblauch-Griller vom Dorfmetzger Reck aus Möhrendorf.

Als echter Bratwurstkenner outete sich der frühere Ministerpräsident Günther Beckstein: Die Bratwurst eigne sich genauso als schnelle Zwischenmahlzeit im Brötchen wie als gemütliche Brotzeit zu Sauerkraut, Brot und einem Seidla Bier, sagte der bekennende Franke. Beckstein: „Keine Region hat eine solche Bratwurstkultur wie unser Franken.“  Je südlicher man nach Bayern kommt, umso schlechter schmecke die Wurst, sagte der Pegnitzer Bürgermeister Manfred Thümmler. Weißwurst sei nur weiß, bestätigte Beckstein, aber Bratwurst sei individuell, ganz wie die Franken.

Davon überzeugten sich diesmal auch internationale Gäste, wie Francois Deligne aus der französischen Partnerstadt von Pegnitz, Guyancourt bei Paris, oder Moreno Pizzoni aus Foligno, nahe dem italienischen Assisi. Pizzoni ist einer der wenigen italienischen Metzger, der auch Bratwürste herstellt. Da die Region um Assisi genauso wie Oberfranken als Genussregion gilt, soll der bereits seit zehn Jahren bestehende Jugendaustausch zwischen dem Landkreis Bayreuth und Assisi künftig als Partnerschaft auf eine breite Basis gestellt werden, erklärte der Parlamentarische Finanzstaatssekretär und Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, der den italienischen Bratwurstmetzger nach Pegnitz eingeladen hatten.

Die Veranstaltung Fränkischer Bratwurstgipfel lässt sich als Mischung aus Kulinarik, Information, Unterhaltung, Verkostung und Wettbewerb umschreiben. Wir lebten in einer Welt der Bilder, Werbung versuche, uns mit klaren und einfachen Botschaften emotional anzusprechen. Genau dasselbe müsse getan werden, um regionale Produkte wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen zu rücken, erläuterte HWK-Präsident Zimmer den ernsten Hintergrund des Bratwurstgipfels. Um regionalen Produkten eine Seele einzuhauchen, ihnen ihren Charakter zurück zu geben, vielleicht sie sogar zum Kult werden zu lassen, gehörten auch öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen dazu, die ruhig auch Eventcharakter haben dürfen. Der Fränkische Bratwurstgipfel gehe genau diesen Weg. „Es war wichtig und richtig, der fränkischen Bratwurst endlich eine eigene Veranstaltung zu geben und sie zu feiern“, zog Zimmer eine positive Bilanz der Großveranstaltung.

Am Ende blieb der Titel übrigens in Pegnitz: Klaus Lindner von der gleichnamigen Metzgerei wurde zum zweiten fränkischen Bratwurstkönig gekrönt. „Ich weiß zwar, dass ich gut bin, aber damit hab ich nicht gerechnet, ich bin sprachlos, glücklich, zufrieden und aufgeregt“, sagt Lindner nach der Verleihung der Krone. Dazu bekam er ein Zepter, gestiftet vom Vorjahressieger, der Metzgerei Max aus Hof. Bürgermeister Manfred Thümmler überreichte Lindner außerdem den Gipfel mit einer Bratwurst an der Spitze. Lindner hatte bei den drei Wettbewerben Publikumsliebling, klassische und Spezialbratwurst die meisten Punkte geholt. In der Kategorie Publikumsliebling siegte er ebenfalls. Im Bereich klassische Bratwurst kam der Pegnitzer Metzger auf Platz zwei. Hier war die Metzgerei Romuald Hoinka aus Nürnberg vorne. In der Kategorie Spezialbratwurst holte sich die Metzgerei Kalb aus Bamberg mit Kümmel-Bratwürsten den Titel.

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04.10.2011

Amtschef: „Freude über Verlagerung hält sich in Grenzen“ / Erster Spatenstich für umstrittenen Neubau des Oberpfälzer Amtes für ländliche Entwicklung

Tirschenreuth. Sieben Jahre nach dem entsprechenden Kabinettsbeschluss hat Minister Helmut Brunner in Tirschenreuth am Dienstag den symbolischen ersten Spatenstich für den Neubau des Oberpfälzer Amtes für ländliche Entwicklung getätigt. Damit gab der Minister grünes Licht für die heftig umstrittene Verlagerung des Amtes von Regensburg in die nördliche Oberpfalz.

Die kritischen Töne des Obersten Bayerischen Rechnungshofes, die Kritik des Haushaltsausschusses im Landtag und auch die Petitionen der Mitarbeiter sollten nichts bewirken, der politische Wille war am Ende stärker. „Uns geht es darum, Verwaltungsarbeitsplätze in die Fläche zu verlagern“, sagte Brunner beim Spatenstich. Er wisse sehr wohl, dass die Verlagerung für viele Beschäftigte große persönliche Härten mit sich bringt. Letztlich habe aber bei jeder Ämterverlagerung am Ende die Zustimmung überwogen, so der Minister, der dabei ausdrücklich an die Verlagerung von Teilen des Bayerischen Landesamtes für Umwelt nach Hof und die Verlagerung der zentralen Bußgeldstelle nach Viechtach erinnerte.

Offen sprach Brunner an, dass bisher 21 Mitarbeiter die Behörde verlassen und weitere 80 die Möglichkeit der Altersteilzeit genutzt hätten. Speziell Teilzeitbeschäftigte und auch Schwerbehinderte, die nicht umziehen möchten, oder denen ein Standortwechsel nicht zuzumuten ist, sollen an andere Dienststellen in Regensburg und Umgebung vermittelt werden. Brunner: „Dies fällt uns sehr schwer, weil wir damit sehr gut ausgebildete und erfahrene Fachkräfte verlieren.“

Offen räumte der Minister auch ein, dass das Amt für Ländliche Entwicklung der Oberpfalz seine Sollstärke damit erst einmal unterschreiten wird. Allerdings soll schon bald gegengesteuert werden. Bereits für das kommende Jahr sei geplant, zwölf Dienstanfänger einzustellen und zu Technikern für ländliche Entwicklung auszubilden. Die Ausschreibung soll oberpfalzweit erfolgen, wobei davon auszugehen sei, dass sich in erster Linie junge Leute mit Realschulabschluss oder qualifizierendem Hauptschulabschluss aus der nördlichen Oberpfalz bewerben. „Damit schaffen wir einen wichtigen Brückenschlag zum neuen Standort und erzielen einen ersten strukturpolitischen Effekt dieser Behördenverlagerung“, so Brunner.

Er könne nicht verhehlen, dass sich bei einem Großteil der Mitarbeiter die Freude über die Verlagerung in engen Grenzen hält, sagte zuvor Amtschef Thomas Gollwitzer. Er räumte aber auch ein, dass die Würfel nun gefallen sind und appellierte deshalb an alle Skeptiker, jetzt nach vorne zu blicken. Was die Ausstattung mit Personal angehe, so stufte er sein Amt allerdings als wenig gut gerüstet ein. Gollwitzer sprach von einem dramatisch sinkenden Personalbestand, der bereits zu spürbaren Kompetenz- und Wissensverlusten geführt habe.

Voller Optimismus war dagegen beim Spatenstich der Tirschenreuther Bürgermeister Franz Stahl (CSU). Das Projekt sei ein wichtiger Meilenstein für seine Stadt, sagte er und forderte alle Gegner der Verlagerung auf, Tirschenreuth nicht länger als „Pampa“ oder gar als „Sibirien“ zu bezeichnen. Es gebe gute strukturpolitische Gründe für die Verlagerung in eine Region, in der während der zurückliegenden Jahrzehnte ganze Wirtschaftszweige wie etwa die Porzellanindustrie einfach weggebrochen seien.

Dem zuständigen Bauamt Amberg-Sulzbach zufolge kostet der Neubau auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände an der Falkenberger Straße 8,3 Millionen Euro. Er bietet Platz für bis zu 150 Mitarbeiter und soll bereits Anfang 2013 bezogen werden. Die Architekten Dr. Emil Lehner aus Weiden und Wolfgang Gerlach aus Marktredwitz haben dazu auf dem über 9000 Quadratmeter großen Grundstück einen zweigeschossigen Baukörper in Holzbauweise mit einem geschlossenen Innenhof entworfen.

Bilder:
- Mit dem symbolischen ersten Spatenstich machen die Verantwortlichen mit der Verlagerung des Amtes für ländliche Entwicklung von Regensburg nach Tirschenreuth jetzt ernst (von links): Bürgermeister Franz Stahl, Minister Helmut Brunner, die Oberpfälzer Regierungspräsidentin Brigitta Brunner, Landrat Wolfgang Lippert und Behördenchef Thomas Gollwitzer.

- So wie auf dieser Computersimulation soll der 8,3 Millionen teure Neubau des Oberpfälzer Amtes für ländliche Entwicklung nach seiner Fertigstellung Anfang 2013 aussehen.

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29.09.2011

Einen Pater als Chef und Bienenvölker als Haustiere / Theresia Brandl absolvierte ihr erstes praktisches Lehrjahr im oberpfälzischen Kloster Speinshart

Speinshart – „Manche hat es richtig in die Krise gestürzt“, sagt Prior Pater Benedikt von der Praemonstratenserabtei Speinshart im oberpfälzischen Landkreis Neustadt an der Waldnaab. Pater Benedikt spricht von den Auszubildenden zur Hauswirtschaft, die hier im Kloster tätig sind. Vor allem mit ihrer freien Zeit hätten manche Lehrlinge erhebliche Probleme, was schließlich dazu führte, dass sie nur noch weg wollten.

Nicht so Theresia Brandl aus Wiesendorf bei Weiden, die ihr erstes praktisches Ausbildungsjahr in Speinshart zum 31. Juli abgeschlossen hat. „Natürlich ist im Kloster vieles anders“, so die 17-Jährige, die sich hier merklich wohl fühlt, und die auch jetzt noch regen Kontakt hält. Nach verschiedenen Praktika, unter anderem auch in einem Kindergarten, war sie in der Faschingswoche 2010 ebenfalls im Zuge eines Praktikums auf das Kloster Speinshart gestoßen, einem der wenigen noch verbliebenen Ausbildungsbetriebe für Hauswirtschafterinnen in der nördlichen Oberpfalz.

„Schon nach drei Tagen habe ich mich hier total wohl gefühlt“, sagt sie, schwärmt vom vertrauten Umgang und vom Choralgesang, den man immer wieder auf den Gängen hören könne. Ihr Verhältnis zur Kirche ist für die gläubige Katholikin seitdem ein ganz anderes geworden: „Man lebt hier ein Stück weit mit den Patres zusammen.“ Auch den kirchlichen Jahreskreis bekomme man hier viel intensiver mit. Dies beginne bei der Feier der Namenstage, setze sich bei der Gestaltung des Altars, etwa an Fronleichnam, fort und ende in dem in Speinshart ganz besonders gefeiertem Rosenkranzfest alljährlich Anfang Oktober.

Der Klosteralltag beginnt um 6.30 Uhr mit der Zubereitung des Frühstücks für die acht Patres, zu denen sich nicht selten die einen oder anderen Gäste gesellen. Vormittags muss die Wäsche besorgt werden, ehe das Mittagessen gekocht wird. Auch einen Kaffee gibt es am Nachmittag und schließlich das Abendbrot. Insofern unterscheidet sich das Kloster gar nicht zu sehr von anderen Arbeitsstellen, außer vielleicht, dass Gemüse, Salate, Kräuter, Obst und Beeren fast komplett aus dem eigenen Klostergarten stammen.

Ein großer Unterschied freilich ist der, dass sie den Klausurbereich, also den gesamten zweiten Stock des Klosters nie betreten durfte. Dafür gibt es sogar eigene Reinigungskräfte, sagt Hauswirtschaftsleiterin Jutta Bundscherer. Zumindest gewöhnungsbedürftig war auch das Bügeln der langen weißen Habits, also der Ordenstracht. Daneben ist Theresia Brandl wohl auch die einzige angehende Hauswirtschafterin, die für die Pflege der zum Kloster gehörenden Gräber auf dem nahe gelegenen Friedhof zuständig war. Aber auch das machte ihr, die schon ein Praktikum in einem Floristik-Betrieb absolviert hatte und laut ihrer älteren Schwester Christine „super Sträuße“ binden kann, sichtlich Spaß. Und auch mit dem fast schon historischen Holzofen hatte sie sich schnell arrangiert.

„Wir sind ein ganz normaler Ausbildungsbetrieb“, bestätigt Prior Pater Benedikt. Er versichert, dass der katholische Glaube kein Kriterium bei der Ausbildung sei. Anders als bei landwirtschaftlichen Betrieben gebe es hier freilich keinen richtigen Familienanschluss. Man müsse sich halt selbst beschäftigen. Pater Benedikt bedauert, dass das Sterben der Lehrbetriebe in der nördlichen Oberpfalz so eklatant zugenommen habe. Neben dem Staatsbetrieb in Almesbach und einer Käserei sei man die einzige Stelle, die noch Hauswirtschafterinnen ausbilde. Doch auch die Zahl der Bewerbungen nimmt ab. Während man vor einigen Jahren unter mindestens zehn Anfragen auswählen konnte, müsse man heute schon froh sein, wenn sich überhaupt noch jemand bewirbt.

Zunächst als Mittel gegen Langeweile gedacht, hatte sich Theresie Brandl in Speinshart ungewöhnliche Haustiere angeschafft: Zwei Bienenvölker. Den Patres war es recht, zum einen gab es schon bald Honig, zum anderen wurde damit eine uralte Tradition wieder aufgegriffen. Das notwendige Wissen hatte sie sich angelesen, wie sie bescheiden sagt, und mit nur drei Stichen ist sie relativ glimpflich davongekommen. Den Honigsachkundenachweis hat sie mittlerweile auch erfolgreich absolviert.

Theresia Brandl stammt aus einem Nebenerwerbsbetrieb mit Milchviehhaltung, Mastschweinen, Geflügel und Feldfruchtanbau. Sie ist die jüngste von fünf Geschwistern und hat in ihrem ersten Lehrjahr die Hauswirtschaftsschule in Neustadt an der Waldnaab besucht. An der Hauswirtschaft schätzt sie vor allem die Vielseitigkeit und die reichlichen Möglichkeiten, die der Beruf bietet. „Gerade in der heutigen Zeit würde eine derartige Ausbildung vielen gut tun“, so Theresia Brandl. Viele wüssten doch gar nicht mehr, dass man die Zubereitung einer Suppe mit Gemüse beginnt und nicht mit dem Fix-Würfel. In ihrer noch verbleibenden Freizeit ist sie bei den Pfadfindern in Weiden aktiv oder geht mit Schwester Christine im Revier des Onkels auf die Jagd, auch für den Führerschein hat sie sich bereits angemeldet.

Derzeit leistet Theresia Brandl ihr zweites praktisches Ausbildungsjahr in Almesbach ab. „Wir legen in Speinshart großen Wert auf einen einjährigen Ausbildungsvertragt“, so Prior Benedikt. Die Auszubildende soll schließlich noch etwas anderes kennen lernen, nur so könne eine Lehrzeit auch wirklich etwas für die Persönlichkeit bringen.

Was für Theresia Brandl danach kommt, ist noch nicht ganz klar. Der Hauswirtschaft will sie auf jeden Fall treu bleiben und entweder die Dorfhelferinnenschule in Pfaffenhofen besuchen oder als Hauswirtschafterin auf einem landwirtschaftlichen Betrieb im Ausland arbeiten: „Neuseeland oder Australien, das wäre schon etwas.“

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11.05.2011

Streetworker für die Landwirtschaft / Martin Flohrschütz aus dem Landkreis Coburg engagiert sich seit seiner Jugend für den bäuerlichen Berufsstand

Tremersdorf - „Andere spielen Fußball oder gehen in die Kneipe.“ Für Martin Flohrschütz (Bild) aus Tremersdorf, Gemeinde Lautertal im Landkreis Coburg ist das ehrenamtliche Engagement seit jeher wichtiger. „Man sieht, dass man schon etwas erreichen kann“, sagte der 38-jährige, der unter anderem als Ortsobmann, als stellvertretender Kreisobmann, als Mitglied in mehreren BBV-Ausschüssen und Arbeitskreisen, als CSU-Gemeinderat und in der Jungbauernschaft seit vielen Jahren aktiv ist.

„Ich möchte vor allem den jungen Landwirten eine Stimme geben“, so Flohrschütz. Außerdem benötige die Landwirtschaft eine gute Berufsvertretung im BBV. „Andere Organisationen dürfen uns doch nicht den Rang ablaufen“, sagt er und verweist diskret aber bestimmt auf die Naturschutzverbände. Zweifellos werde auch dort gute Verbandsarbeit geleistet, deshalb müsse sich die Landwirtschaft auch mit ihnen auseinandersetzen. Es könne jedoch nicht angehen, dass diese Verbände über Grund und Boden der Bauern bestimmen.

Vor mittlerweile fast elf Jahren hatte Flohrschütz den Hof von seinen Eltern Isolde und Walter übernommen. „Auf dem Betrieb bin ich praktisch der Alleinunterhalter“, sagt er. Ehefrau Susanne ist als Steuerfachangestellte tätig, die Eltern kümmerten sich um die Direktvermarktung in dem kleinen Hofladen direkt an der Bundesstraße. Zu tun gäbe es eigentlich genug. Flohrschütz bewirtschaftet rund 140 Hektar, hauptsächlich Ackerland, und betreibt eine Schweinemast mit rund 700 Mastplätzen. Was die Arbeit nicht gerade einfacher macht, ist die Witterung hier an den Ausläufern des Thüringer Waldes, nur einen Steinwurf von der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze entfernt.

Schon seit den späten 80er Jahren ist Flohrschütz Mitglied der Landjugend im nahen Meeder. Vier Jahre war er Ortsvorstand, drei Jahre lang Kreisvorsitzender und schließlich von 1995 bis 2001 Bezirksvorsitzender der oberfränkischen Landjugend. Damit nicht genug: bis 2006 fungierte Flohrschütz als Sprecher des Arbeitskreises Agrar, seitdem ist er als „freier Mitarbeiter“ im Bezirksverband tätig und entlastet die Geschäftsführung wenn es darum geht, die einzelnen Ringe zu betreuen. Diese Tätigkeit sei durchaus mit einem Streetworker vergleichbar. Immer wenn es irgendwo ein Problem gibt, hilft Flohrschütz und sorgt dafür, dass das Innenleben der Landjugend im Agrarischen rund läuft. Darüber hinaus gehe es auch darum, die Interessen der Jungbauernschaft zu bündeln und den jungen Berufskollegen eine Stimme zu geben.

Als Höhepunkte seiner Tätigkeit in der Landjugend nennt Flohschütz ganz spontan die drei Aufenthalte im Rahmen eines Austauschprogramms in den USA. „Diese Zeit, die Erlebnisse und die Erfahrungen in den Staaten haben mich sehr geprägt“, sagt er, der im Zuge weiterer Partnerschaftsprogramme auch schon zwei Mal bei Junglandwirten in Russland war. Doch auch vor Ort ist die Landjugend präsent: mehrfach organisierte er federführend die so genannte 72-Stunden-Aktion der Landjugend Meeder: Sechs Sitzgruppen in der Gemeinde und der Neubau eines Bushäuschens haben das Ortsbild dank der Landjugend maßgeblich verschönert.

Unter seinen vielen Ämtern ist Martin Flohschütz eines ganz besonders wichtig: der Sitz im BBV-Ausschuss für Bildung und Beratung auf Landesebene. Für die Zukunft des Berufsstandes sei es von großer Bedeutung, dass den jungen Leuten das richtige Wissen vermittelt werde. Den Regierungsbezirk Oberfranken sieht Flohschütz dabei als Bildungsstandort gut gerüstet. Für die Zukunft mahnt Flohrschütz seine Berufskollegen, den Wandel in der Landwirtschaft aktiv zu begleiten. Die Mitgliederzahlen werden abnehmen, das sei unstrittig. Umso wichtiger sei es, das sämtliche Produktionsrichtungen auch weiter in der Arbeit des BBV vertreten sind. „Das sehe ich als eine der Herausforderungen der nächsten Jahre.“

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30.10.2010

Hackschnitzel statt roter Teppich / Spagat zwischen konservativ und modern: 4. Jungbauernkalender zeigt erotische Seite der Landwirtschaft

Bayreuth. Den Status des berühmt-berüchtigten Pirelli-Kalenders hat er noch nicht erreicht, Kultobjekt und begehrtes Sammlerstück ist er trotzdem: der Jungbauernkalender der bayerischen Landjugend. Vorgestellt wurde er diesmal in Bayreuth, was hauptsächlich darin begründet ist, dass mit Lisa (19) und Christina (18) gleich zwei der Models aus dem Landkreis stammen. Nachnamen und Wohnort wollen die Kalendergirls bewusst nicht veröffentlicht haben, wohl um sich vor aufdringlichen Verehrern zu schützen.

Bei der Vorstellungsrunde in der Bodenhalle der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth war den sechs bayerischen Kalendergirls eines gemeinsam: kalt war es bei den Fotoaufnahmen, die bereits im Frühjahr in Unterfranken stattfanden und bei denen die Mädels logischerweise wenig anhatten. Umso heißer dann die Party mit mindestens 2000 Besuchern aus ganz Bayern. Obwohl man dieses Mal das Motto „Heimat und Film“ gewählt hatte, gab keinen roten Teppich, sondern Hackschnitzel, keine schicken Limousinen, sondern betagte Schlepper vom Oldtimerclub Zedtwitz und auch keine Preisverleihung, sondern eine Trachtenmodenschau.

Wichtigster Punkt für die sechs bayerischen Kalendergirls, die unter 250 Bewerbungen ausgewählt wurden, war der Bezug zur Landwirtschaft. „Septembergirl“ Lisa aus dem Landkreis Bayreuth beispielsweise ist selbst Mitglied der Landjugend, die Eltern von „April-Model“ Christina haben einen Milchviehbetrieb, die Eltern von Andrea aus Niederbayern einen Ackerbaubetrieb. Jasmin studiert im dritten Semester Landwirtschaft, Anna aus Oberbayern hat die Übernahme des elterlichen Hofs bereits fest im Blick, genauso wie Männermodel Matthias aus Schwaben, der gerade seinen Landwirtschaftsmeister macht.

Auch einige Blicke hinter die Kulissen lassen die Models an diesem Abend zu. „La dolce vita“ ist das Motto des Monats September, auf dessen Bild Lisa in schwarzer Corsage verführerisch in einem Brunnen posiert. Dass sie dazu Anglerstiefel trägt, sieht ja niemand. Christina denkt noch heute daran, wie das Shooting direkt neben einer viel befahrenen Bundesstraße stattfand und sich mancher Brummifahrer verwundert die Augen rieb. Jasmin fand überhaupt alles „sehr lustig“, während Jasmin, schon ganz Profi, sehr entspannt gewesen sei, obwohl sie praktisch gar nichts anhatte, was auf dem Bild allerdings so nicht zu sehen ist.

Die sechs Mädels aus Bayern sollen die schönen Seiten der Landwirtschaft verkörpern, sagte die Vorsitzende der oberfränkischen Jungbauernschaft Katrin Engelbrecht. Sie nannte den Kalender ein fotografisches Kunstwerk, das durchaus auch das neue Selbstbewusstsein der Landwirtschaft widerspiegle. Kritik am Jungbauernkalender ließ Alexandra Krause, Jugendreferentin der Jungbauernschaft Oberfranken nicht gelten. „Über Schönheit und Geschmack lässt sich streiten“, erklärte sie, außerdem sei oft auch Neid im Spiel. Den Spagat zwischen konservativ und modern schaffe der Kalender in jedem Fall. Ein weit verbreitetes Vorurteil sei es auch, dass ausschließlich Männer den Kalender erwerben. Freilich kaufen Frauen den Kalender vor allem deshalb, um ihn (ihren) Männern zu schenken. Bestellungen lägen im Büro mittlerweile nicht nur aus ganz Deutschland, sondern auch aus Belgien und Luxemburg vor, eine Mail hatte das Büro sogar aus Mexiko erreicht.

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10.03.2010

Als Porsche noch Traktoren baute: Schlepper ganz ohne GPS und Navi
„Von wegen alte Stinker“: Die Oldtimer-Traktorfreunde Arzberg/Schirnding lassen es krachen und scheppern und begeistern damit auch Frauen

Schirnding - Die Entdeckung der Langsamkeit ist es, da sind sich Fritz Müller (61) und Reiner Wohlrab (54) einig, was die eigentliche Faszination ausmacht. Doch anders als in dem gleichnamigen Roman des Schriftstellers Sten Nadolny sind Müller, Wohlrab und ihre rund 25 weiteren Mitstreiter weder Hochseekapitäne noch Polarforscher. Ihnen macht es einfach Spaß, mit historischen Traktoren über Land zu fahren, an den alten Stahlrössern zu basteln und zu schrauben und am Wirtshaustisch über ihr Hobby zu fachsimpeln.

„Wir führen aber nicht nur Dieselgespräche“, sagt Reiner Wohlrab, im Hauptberuf Bürgermeister von Schirnding, ein Markt im Landkreis Wunsiedel mit knapp 1400 Einwohnern im östlichsten Oberfranken. Ein Steinwurf von der tschechischen Grenze entfernt, war dort so um 1996 herum aus purem Zufall ein Oldtimer-Traktor-Stammtisch entstanden. Eigentlich habe er nur Holz aus dem Wald für den heimischen Kachelofen gebraucht und sei dazu auf der Suche nach einem geeigneten Transportfahrzeug gewesen, erinnert sich Wohlrab. Als Postzusteller kannte er damals sämtliche landwirtschaftlichen Betriebe in der Umgebung und wusste ganz genau, wo so ein altes Gefährt steht, das für diesen Zweck genau das richtige ist. Als er aber zum ersten Mal auf seinem Porsche Diesel Junior, Baujahr 1958, mit 14 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern saß, war er sofort angetan, von der historischen Technik, die immer noch funktioniert.

Schnell fand man Gleichgesinnte, traf sich zum Gedankenaustausch und beschloss den Stammtisch zu gründen. Buchstäblich ins Rollen kam die Sache im Zuge einer ersten gemeinsamen Ausfahrt ins benachbarte Höchstädt. Nicht nur die zwölf Gründungsmitglieder seien dabei gewesen, auch die Ehefrauen waren schnell für dieses Hobby zu begeistern, zumal bei den Traktorfreunden ja stets auch die Geselligkeit im Vordergrund stehen soll.

Mit der Teilnahme an Traktortreffen, mit gemeinsamen Ausfahrten und Tagestouren wurde der Kreis der Stammtischfreunde immer größer, bis schließlich die erste Anfrage kam, einen Feuerwehrfestzug mitzugestalten. Alle waren begeistert und so blieb es bis heute nicht bei dem einen Feuerwehrfest, die Oldtimer-Traktorfreunde bereichern Maifeiern, Erntefeste, Dorfmärkte und andere Veranstaltungen mit ihrer Teilnahme. Wichtig sei es, so Bürgermeister, dass sich auf diesen Festen etwas bewegt, dass es „kracht und scheppert“, denn „dann kommen auch die Leut´.“ Speziell bei den Treffen sind immer auch die unterschiedlichsten Fabrikate zu bewundern, Marken wie MAN, Allgaier, Fahr, Fendt, Lanz, Porsche, Hanomag, Ursus oder Nordtrab, die echten Fans wie Musik in den Ohren klingen.

„Die alte Technik ist eben auch ein Stück Kulturgut, deshalb fasziniert sie so viele Menschen“, ist sich Fritz Müller sicher. Der gelernte Maschinenschlosser, der auf dem Wertstoffhof tätig ist und im Arzberger Ortsteil Schlottenhof einen Ferienhof mit Urlaub auf dem Bauernhof betreibt, kann insgesamt neun historische Schlepper sein Eigen nennen. Höhepunkte seiner Sammlung sind ein 15er Deutz LF1 Baujahr 1950 mit 50 PS sowie ein Röhr, Baujahr 1950, der im niederbayerischen Landshut produziert wurde. Überhaupt habe damals ja fast jede Maschinenfabrik ihre eigenen Traktoren gebaut. Die Zeit der Spezialisierung kam erst später. Tatsächlich mag es für heutige Automobilfans kurios klingen, dass ausgerechnet der Sportwagenhersteller Porsche etwa zwischen 1955 und 1960 auch Traktoren produziert hat.

Mittlerweile arbeitet der Traktor-Oldtimer-Stammtisch Arzberg/Schirnding auch schon grenzübergreifend. Bei irgendeinem dieser Feste seien plötzlich zwei Oldtimerfreunde aus Tschechien mit ihren Schleppern aufgetaucht. Schnell kam man ins Gespräch und schon ein Jahr später traf man sich in Skalna, nahe Franzensbad im böhmischen Vogtland, wo man wieder neue Fahrzeuge, etwa den Svoboda Baujahr 1938 kennen lernen und bei einer gemeinsamen Ausfahrt bestaunen durfte.

Fritz Müller räumt dabei auch mit dem Vorurteil auf, dass die historischen Schlepper allesamt „alte Stinker“ wären. „Von wegen“, sagt Müller und verweist auf einen extrem geringen Dieselverbrauch aufgrund der niedrigen PS-Zahl und des geringen Hubraums. Wenn allerdings die Schwungmasse mal in Bewegung ist und die Maschine läuft, entpuppt sich so mancher historischer Traktor als wahres Kraftpaket.

Freilich geht halt alles langsamer, so Fritz Müller und Rainer Wohlrab. Kollegen von ihnen, seien mit dem Schlepper schon an den Chiemsee gefahren und hätten dort Urlaub gemacht. Die Polizei musste die Schlepper damals durch Regensburg lotsen, was für großes Aufsehen gesorgt habe. Anders als im Roman „Die Entdeckung der Langsamkeit“ haben die Traktorfreunde aus Schirnding und Umgebung keine Schwierigkeiten, mit der Schnelllebigkeit ihrer Zeit Schritt zu halten. Doch genauso wie im Roman sind sie aufgrund ihrer Beharrlichkeit mittlerweile zu großen Entdeckern geworden. Vor allem wenn es darum geht, ihre Umgebung genauer wahrzunehmen, Land und Leute kennen zu lernen und persönliche Kontakte zu knüpfen.

Bild: „Nicht nur Dieselgespräche“: Bürgermeister Rainer Wohlrab (links) und Fritz Müller gehören zu den Gründern der Oldtimer-Traktorfreunde Arzberg/Schirnding.

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