Stephan Herbert Fuchs
 

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24.11.2021

Nahrungsmittelsicherheit ins Grundgesetz / BBV-Gebietsversammlung: Gemischte Bilanz und schlechte Stimmung - Maschinenring sucht dringend Betriebshelfer

Kulmbach. „Bei den Bauern herrscht nur noch großer Frust.“ So hat BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger bei der Kulmbacher Gebietsversammlung die aktuelle Stimmungslage in der Landwirtschaft beschrieben. Schuld daran seien immer mehr Bürokratie, Angriffe aus der Gesellschaft sowie praxisfremde Richtlinien und Gesetze aus der Politik. „Betriebe hören derzeit reihenweise auf“, sagte Löwinger. Im Moment sei ein Strukturwandel festzustellen, wie es ihn noch nie vorher gegeben habe.

Bei der Gebietsversammlung, die aufgrund der aktuellen Situation einmal mehr online durchgeführt werden musste, stellte Löwinger die Forderung auf, Nahrungsmittelsicherheit ins Grundgesetz aufzunehmen. Hintergrund ist der Eindruck der meisten Berufskollegen, dass Gesellschaft und Politik die Tierhaltung in Deutschland „kaputt machen“ möchten. „Von Ernährungssicherheit spricht kein Mensch mehr.“ Der Kreisobmann warnte allerdings davor, dass man sich gerade bei der Ernährung vom Ausland abhängig macht. Damit dies nicht geschieht, benötigten die Bauern eine gewisse Intensität in der Produktion. „Unsere Landwirtschaft war in den zurückliegenden Jahrzehnten stets ein Erfolgsmodell“, sagte Löwinger. Da sei mittlerweile vieles verloren gegangen.

Trotzdem müssten Tag für Tag rund 83 Millionen Bundesbürger satt werden. Diese Tatsache gerate viel zu oft in Vergessenheit. Eine Verlagerung ins Ausland käme auf keinen Fall billiger und die Qualität würde auch nicht unbedingt besser werden. Überhaupt sollte die Qualität wieder mehr herausgestellt werden. „Darin unterscheiden wir uns von großen Teilen der Welt.“ Ursache dafür seien die hierzulande geltenden hohen Auflagen. Das müsse dem Verbraucher immer wieder klargemacht werden.

Die Bilanz des Kreisobmanns über das zurückliegende Jahr fiel durchaus gemischt aus. Vom Wetter her hätten die Bauern nach drei Dürrejahren in Folge erstmals wieder zufrieden sein können. Während sich die Märkte beim Rindfleisch aktuell im Höhenflug befänden, Getreide und auch Raps derzeit fast täglich nach oben kletterten und die Milch einigermaßen als mittelmäßig einzustufen sei,  ist die Lage im Schweinebereich absolut katastrophal. „Hier kann kein Geld mehr verdient werden“, sagte Löwinger. Als Hauptursache nannte er die Corona-bedingt ausgefallene Sommersaison in der Gastronomie. Dazu komme die Afrikanische Schweinepest, die in Mecklenburg-Vorpommern nun erstmals auch bei Hausschweinen angekommen ist.

Eventuelle Mehreinnahmen der Bauern müssten allerdings an anderer Stelle wieder ausgegeben werden. So würden derzeit Rohstoffe knapp, bei Baumaterialien gebe es lange Wartezeiten und Ersatzteile seien kaum zu bekommen. Die Preise für Stickstoffdünger würden genauso wie die für Pflanzenschutzmittel oder gar für Diesel zu ungeahnten Höhenflügen ansetzen. „Egal ob Diesel, Dünger oder Pflanzenschutz, alles geht nach oben.“

Trotz aller Probleme und Schwierigkeiten sah Kreisobmann Löwinger eine Zukunft für die Landwirtschaft. „Wir sollten eines nicht tun, den Kopf in den Sand stecken“, ermunterte er seine Berufskollegen. Er gab aber auch zu bedenken, dass man sich stets auf Veränderungen einstellen sollte. Das gelte insbesondere mit Blick auf die neue Bundesregierung.

Am Rande der Gebietsversammlung richtete der Geschäftsführer des Kulmbacher Maschinenrings Horst Dupke den Appell an alle Landwirte, dass derzeit Betriebshelfer dringend gesucht würden. „Wir sind dankbar um jeden, der sich meldet“, sagte Dupke. Hintergrund ist die derzeit überaus angespannte Lage durch zahlreiche Langzeiteinsätze, durch die viele der Helfer an einen Betrieb gebunden seien. „Unsere Helfer laufen wirklich am Limit“, sagte der Geschäftsführer.

Bild: „Keine Abhängigkeiten vom Ausland“: der Kulmbacher BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger bei der Online-Gebietsversammlung.

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15.11.2021

Spielburg, Sauna und Salzgrotte: Ein ganzes Dorf zum Urlaub machen / Familie Schramm betreibt am Rande von Marktleugast das Feriendorf Kosertal

Marktleugast. „Unvergessliche Momente inmitten des Naturparks Frankenwald“. Mit diesem Slogan verspricht die Familie Schramm aus Marktleugast nicht zu viel. Aus einem einfachen landwirtschaftlichen Betrieb mitten im Ort hervorgegangen, hat die Familie auf dem Hochplateau nahe der Ortschaft ein ganzes Feriendorf mit über 50 Betten verteilt auf neun Häusern errichtet. Die klassische Landwirtschaft kommt dabei nicht zu kurz. Noch immer bewirtschaften Sylvia und Ferdinand Schramm 180 Hektar Land, betreiben Viehzucht und Rindermast. „Wir sind eben ein innovativer Betrieb in alle Richtungen“, sagte Ferdinand Schramm (53).

Schon 1984 hatte Schramms Vater den Betrieb ausgesiedelt, 1990 baute die Familie ihr Wohnhaus, ab dem Jahr 2000 entstand ein Ferienhaus nach dem anderen. Das war die Gründung des Feriendorfes Kosertal, ehe Ferdinand 2012 den Betrieb ganz vom Vater übernahm. 18 Beschäftigte hat der Betrieb mittlerweile, 15 im Bereich des Ferienhofes, drei für die Landwirtschaft.

Zwei Portale gibt es zwar noch, die das Feriendorf bewerben, doch im Wesentlichen läuft mittlerweile alles über Mund-zu-Mund-Propaganda. Vor allem Gäste aus dem Osten Deutschlands, aus Berlin und aus dem Rhein-Main-Gebiet wüssten die herrliche Lage zu schätzen. An den Erfolg des Feriendorfes hatte Ferdinand Schramm von Anfang an geglaubt: „Dort wo es landwirtschaftlich schwierig wird, ist es landschaftlich eine super Gegend, um Urlaub zu machen.“

Allerdings weiß der Chef auch, wie man seine Gäste verwöhnt. Die Ausstattung des Feriendorfes kann mit jedem Hotel der gehobenen Klasse mithalten. Hier gibt es Sauna, Whirl-Pool, eine Salzgrotte, einen kleinen Teich mit Floß, einen Dart-Raum, für Kinder Streichelzoo, Spielburg eine Märchenalm und das volle Reitprogramm, für das Tochter Nadine , eine ausgebildete Reittherapeutin, zuständig ist. Einige Häuser sind sogar behindertengerecht ausgebaut, einmal in der Woche gibt es einen Pizza-Abend in der Koser-Alm.

Die touristische Schiene macht freilich nur einen Teil, wenn auch den augenfälligsten, aus. Auf einem großen Teil der 180 Hektar Ackerland wird Braugerste angebaut, die Ferdinand Schramm an die Augustiner Brauerei in München vermarktet. Neben einem Drittel Grünland wird auf den Flächen auch Raps, Dinkel. Emmer und Leinsamen produziert. Mehr und mehr soll eine eigene Vermarktung entstehen, nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus.

Immer mit im Boot ist Raphael Roth aus Kupferberg. Der 21-jähige hat eine landwirtschaftliche Ausbildung gemacht und war als Lehrling auf dem Betrieb von Ferdinand Schramm. Mittlerweile ist er in Vollzeit hier und bereitet sich auf seine Meisterprüfung vor. „Wir arbeiten eng zusammen“, sagt Ferdinand Schramm.

Er bedauert, dass der Bezug zur Landwirtschaft in der Gesellschaft größtenteils verlorengegangen ist. Egal ob lila Kuh oder die Milch, die von den Bären kommt, bis hin zu unberechtigten Vorwürfen in Sachen Tierwohl sei alles dabei. Doch Ferdinand Schramm versucht gegenzusteuern. „Wir zeigen, wie es früher war und wie es heute ist.“ Grund und Boden bezeichnet er als das wichtigste Produktionsgut. Kein verantwortungsvoller Landwirt würde das kaputt fahren, verdichten, Erosionen verursachen. Vielmehr gelte es, das natürliche Bodenleben anzuregen. Dann habe man den Ertrag, auch wenn man wenig düngt. Ferdinand Schramm: „Am wichtigsten ist es, mit der Natur und nicht gegen sie zu arbeiten.“

Bilder:
1.
 Sie wissen immer, wo man gerade anpacken muss: Ferdinand Schramm und Mitarbeiter Raphael Roth.
2.
 Keine Ferienwohnung, sondern ein ganzes Feriendorf, bietet die Familie Schramm ihren Gästen.
3.
 Mit originellen und witzigen Ideen hebt sich das Feriendorf Kosertal von der breiten Masse touristischer Angebote ab.
4. Sogar ein eigenes Ortsschild besitzt der Ferienhof.

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20.10.2021

Hundert Prozent Wasser, null Chemie / Erfolgsmodell umweltfreundliche Unkrautbekämpfung mit Heißwasser – Einsatz auf dem Neuenmarkter Friedhof

Neuenmarkt. Umweltfreundlicher geht es nicht, auch wenn es manche nicht glauben wollen: Unkraut lässt sich am besten mit Heißwasser bekämpfen. Wie das geht, hat die Maschinenring Oberfranken Mitte GmbH in diesen Tagen auf dem Neuenmarkter Friedhof gezeigt. Dort war Florian Maser mit dem nagelneuen Trägerfahrzeug mit Heißwassertechnik unterwegs, um Löwenzahn und Co von den Gehwegen zu verbannen.

Die Heißwassertechnik setzt vereinfacht gesprochen darauf, dass Eiweiß bei 70 Grad Celsius gerinnt. Wurzel und Pflanze sterben ab, die Blätter und Stängel verwittern und zerfallen, für das Umfeld entsteht keinerlei Schaden. Das sei nicht nur umweltfreundlich, sondern auch kostengünstig, erklärt Harald Hubert vom MR Oberfranken Mitte, in dem die Maschinenringe Bayreuth, Kulmbach und Fränkische Schweiz ihre gewerbliche Aktivitäten gebündelt haben. „Es ist nur Wasser, keine Chemie“, erklärt Huber immer wieder, wenn sich Passanten um Insekten sorgen und die Mitarbeiter darauf ansprechen. „Wir gießen Unkraut mit heißem Wasser“, so Huber.

Ein Erfolgsfaktor der Methode ist es, dass nicht nur die Oberfläche behandelt wird, sondern das Wasser tief in das Erdreich eindringt. Während chemische Mittel die Pflanze nur oberflächlich zerstören, packt Heißwasser das Übel an der Wurzel, sogar an der Pfahlwurzel. Selbst gegen den giftigen Riesenbärenklau sei die umweltfreundliche Unkrautbekämpfung erfolgreich.

Nun könnte man sagen, da hätte man doch schon viel früher drauf kommen können. In anderen Länder sei man auch schon früher drauf gekommen, erläutert Alexander Hollweg vom Maschinenring Kulmbach. Speziell in den nordischen Ländern oder auch in den Niederlanden. Hierzulande seien chemische Pflanzenschutzmittel wie das umstrittene Glyphosat für jedermann greifbar, deshalb auch üblich und wahrscheinlich sogar günstiger gewesen. Die Technik der Unkrautbekämpfung mit Heißwasser steckt dagegen noch immer ein wenig in den Kinderschuhen.

Während die Maschinenring-Mitarbeiter in der Testphase im zurückliegenden Jahr noch mit kleinen Tanks und Lanzen das Heißwasser ans Unkraut brachten, können sie mittlerweile auf neueste Technik setzen. Der Selbstfahrer mit aufgebauter Technik hat einen 650 Liter Wasser fassenden Tank, der in der Regel für bis zu eineinhalb Stunden ausreicht. Die Bearbeitungsbreite liegt bei fast 1,50 Metern, statt wie bisher bei 30 Zentimetern, so dass die Wege wesentlich schneller unkrautfrei gemacht werden können.

Immer mehr Kommunen würden zwischenzeitlich auf die Dienstleistung der Maschinenringe zurückgreifen. So kommt die Heißwassertechnik aktuell auch auf dem Friedhof von Kulmbach zum Einsatz. Aber auch im Landkreis Bayreuth, etwa in Aufseß, Gefrees oder Hollfeld mache man sich die Formel „Heißwasser statt Glyphosat“ zunutze. Denkbar sei die Anwendung auch auf ganzen Straßenzügen, Parkplätzen oder im privaten Bereich.

Für den Neuenmarkter Bürgermeister Alexander Wunderlich hat sich die Unkrautbekämpfung per Heißwasser längst bewährt. Nach der Testphase im vergangenen Jahr spricht er von einer Erfolgsgeschichte, mit deren Hilfe die örtlichen Bauhofmitarbeiter entlastet werden. Der Friedhof soll schließlich ein Aushängeschild der Gemeinde sein, deshalb werde die Unkrautbekämpfung dort ganz gezielt vorangetrieben.

Bild: Bürgermeister Alexander Wunderlich, Alexander Hollweg und Harald Huber (von links) von der Maschinenring Oberfranken Mitte GmbH verfolgen den Einsatz des von Florian Masel gesteuerten Trägerfahrzeugs zur Unkrautbekämpfung mit Heißwasser auf dem Neuenmarkter Friedhof.

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09.10.2021

Dankbarkeit als Grundhaltung des Lebens / Hofer Landwirte feierten Erntedank in der Michaeliskirche

Hof. Mehr Wertschätzung für den bäuerlichen Berufsstand hat Kreisobmann Hermann Klug beim Erntedankfest in Hof gefordert. „Unsere Hauptaufgabe ist es, die Ernährung zu sichern, wir werden aber auch unseren Beitrag zur Bewältigung des Klimawandel leisten“, sagte der BBV-Kreisobmann bei einem Gottesdienst in der Michaeliskirche, der größten evangelischen Kirche in Oberfranken.

Das Besondere an dem Erntedankgottesdienst war nicht nur seine reiche musikalische Ausgestaltung mit den Instrumentalgruppen Viererblech und Saitenklar sowie der jungen Organistin Sejin Kim an der Heidenreich-Orgel des Gotteshauses. Es war auch der Erntekronenwettbewerb, den die Hofer Landjugend im zweijährigen Turnus veranstaltet. Damit kehrt endlich wieder ein Stück Normalität in das Landjugendleben ein, freuten sich Tobias Puchta, Vorsitzender des Kreisverbandes Hof/Wunsiedel. Die Platzierung sollte dabei gar nicht mehr die große Rolle spielen, wenngleich die Jury die kunstvoll gebundene Erntekrone der Landjugend Schwarzenbach an der Saale auf den ersten Platz wählte. Gewonnen hatten eigentlich alle Teilnehmer, auch die der Landjugendgruppen aus Plösen, Reuthlas, Großlosnitz und Zettlitz.

Kreisobmann Klug wusste, dass trotz des Dankes für die Ernte nicht bei jedem Bauern Feierlaune aufkommt. Berufskollegen, die vom Hochwasser betroffen waren oder die ihren Schweinestall leer stehen lassen müssen, weil sie damit keine Erlöse mehr erzielen, hätten bestimmt keinen Grund zu feiern. Trotzdem plädierte der Hofer Dekan Günter Saalfrank für Dankbarkeit als Grundhaltung des Lebens, gerade in schwierigen und ungewissen Zeiten. Dazu gehöre auch die leidvolle Tatsache, dass die Gesellschaft die wertvolle Arbeit der Bauern, aber auch die der Metzger und Bäcker, der Brauer und Winzer nicht immer hoch genug einschätzt. „Gott sei Dank, dass es sie gibt“, sagte der Dekan.

Landwirtschaft werde nicht ohne Grund als der primäre Sektor bezeichnet, sagte Landrat Oliver Bär. De Herausforderungen würden wohl auch in Zukunft nicht weniger und die finanziellen Schwankungen für die Bauern nicht geringer, doch die Aufgabe bleibe die größte, nämlich die Menschen zu ernähren. Der Erntekronenwettbewerb zeige, dass die Landjugend nicht nur ein bloßer Verein ist. „Die Landjugend lebt die Identität unserer Heimat“, sagte Bär. Lange und intensiv habe er zusammen mit Dekan Saalfrank, Heimatpfleger Adrian Roßner und Bernd Schnabel vom Vorstand der VR-Bank Bayreuth/Hof die Bewertung vorgenommen und sei sich dabei sehrt wohl bewusst gewesen, welche Arbeit hinter dieser Art von gelebten Brauchtum steckt.

Neben der Mitwirkung von Pfarrerin Anette Jahnel trug auch Mundartdichterin Sonja Keil einige Gedanken zu Erntedank vor. Die Kollekte des Erntedankgottesdienstes kommt den Flutopfern in Nordrhein-Westfalens und Rheinland-Pfalz zu Gute.

Bilder:
1. Festlich geschmückt präsentierte die Hofer Michaeliskirche zum Erntedankfest des Bauernverbandes.

2. Die Erntekrone des Landjugendverbandes Schwarzenbach an der Saale wurde von der Jury auf den 1. Platz gewählt.

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07.10.2021

Sorge um Zukunft der Landwirtschaft / Steigerungen trotz Corona beim Maschinenring Münchberg

Dörnthal. Gerade in Krisenzeiten zeigt sich die große Bedeutung bäuerlicher Selbsthilfeeinrichtungen. So konnte der eher zu den kleineren gehörende Maschinen- und Betriebshilfsring Münchberg und Umgebung auch im Corona-Jahr 2020 steigende Zahlen verbuchen. Die Arbeit war also mehr denn je gefragt, wie auf der Jahresversammlung in Dörnthal bei Selbitz deutlich wurde. „Wir werten das als Zeichen, dass man mit unserer Arbeit zufrieden ist“, sagte der Vorsitzende Siegfried Hüttner aus Mühldorf bei Schauenstein.

So konnte der Gesamtverrechnungswert trotz Corona um etwa zehn Prozent auf über 4,4 Millionen Euro gesteigert werden. Den Löwenanteil davon macht die Maschinenvermittlung mit knapp 3,1 Millionen Euro aus. Die Steigerung liegt dabei sogar bei fast 13 Prozent. Stärkste Bereiche waren die Segmente Futterbau und Strohernte, Düngung, Saat und Pflege, sowie die Vermittlung von Schleppern und Transporten.

Zweite Säule der Arbeit ist die Betriebshilfe, die mit über 310000 Euro zu Buche schlug. Weit über 32000 Stunden seien dabei geleistet worden, im Vorjahr waren es noch knapp 31000. Mit 153 habe dabei die Zahl der wirtschaftlichen Einsätze über der Zahl der sozialen Einsätze (107) gelegen, so Geschäftsführer Patrick Heerdegen.

Auch wenn der Weg der Betriebshilfe steiniger wird, wie es Vorsitzender Hüttner ausdrückte, weil der Sozialversicherungsträger die Einsatzstunden immer stärker kürzt, so sei der Maschinenring trotzdem auf der Suche nach weiteren Betriebshelfern. Vor allem für nebenberufliche Kräfte sei das bei einem Stundenlohn von 19,50 Euro interessant, so Geschäftsführer Heerdegen.

Weitere Tätigkeitsfelder des Maschinenrings Münchberg waren die Beratungsleistungen, vor allem zur Düngeverordnung, die Futtervermittlung und die durchaus lohnenswerte Dieselsammelbestellung, die einen Preisvorteil von vier Cent pro Liter bringt. Der MR Münchberg hat gut 900 Mitglieder, die zusammen eine Fläche von über 42000 Hektar bewirtschaften.

Trotz der positiven Entwicklung äußerste Vorsitzender Hüttner bei der Jahresversammlung auch seine große Sorge um die Zukunft der Landwirtschaft. Vor allem die Gängelung durch Politik und Teilen der Medien machten den Bauer schwer zu schaffen. Nun komme auch noch die eklatante Preissteigerung bei Betriebsmitteln, wie etwa beim Dünger dazu. Auch die Politik der neuen Regierung lasse nichts Gutes erahnen.

Nach 15 Jahren an der Spitze kündigte der Vorsitzende außerdem seinen Rückzug an. Wer Nachfolger werden könnte, stehe allerdings noch in den Sternen. Hüttner selbst hatte seinen Betrieb im zurückliegenden Jahr aufgegeben.

Für das zusammen mit dem Nachbarring in Wunsiedel gemeinsame Tochterunternehmen Maschinenring Hochfranken GmbH ist seit Januar Daniel Seuß aus Förstenreuth bei Stammbach als Geschäftsführer tätig. Die MR Hochfranken GmbH ist hauptsächlich in der Grünflächen-, Gehölz- und Stromtrassenpflege, im Winterdienst tätig und erzielte in 2020 einen Umsatz von rund 1,7 Millionen Euro.

Neu im Team des MR Münchberg ist der 23-jährige Markus Müller aus Schwärzhof bei Himmelkron im Landkreis Kulmbach. Der Absolvent der Staatlichen Technikerschule in Triesdorf verstärkt das Team künftig als Organisationskraft. Als Betriebshelferin mit den meisten Einsatzstunden haben der Vorsitzende und sein Geschäftsführer Brigitte Stange aus Schwarzenbach an der Saale mit einem Präsent ausgezeichnet.

Bilder:
1. Arbeit für die Landwirte in der Region: das ist die Mannschaft des Maschinen- und Betriebshilfsring Münchberg und Umgebung.
2.
Im Dauereinsatz für den Maschinen- und Betriebshilfsring Münchberg und Umgebung: Brigitte Stange wurde vom Vorsitzenden Siegfried Hüttner (links) und von Geschäftsführer Patrick Heerdegen für die meisten geleisteten Stunden im Jahr 2020 ausgezeichnet.

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01.10.2021

Gesunder Menschenverstand und gerechte Preise / Statements statt Erntedank – Neue Projekte im Landkreis Wunsiedel

Bergnersreuth. Corona-bedingt hat es im Landkreis Wunsiedel heuer kein Erntedankfest gegeben. „Wir wollten traditionell wieder im Volkskundlichen Gerätemuseum in Bergnersreuth feiern, doch der Aufwand hätte in keinem Verhältnis zum Ergebnis gestanden“, bedauert Kreisobmann Harald Fischer. Die Akteure der Bauernverbandes, der Kirche und der Politik versammelten sich trotzdem zu einem Termin mit Pressevertretern auf der Museumswiese, um in kurzen Statements an die Bedeutung des Erntedank zu erinnern, aber auch, um die eine oder andere Neuigkeit zu verkünden.

„Wir Bauern pflegen 3G schon lange“, sagte Fischer augenzwinkernd: „Gesät, gepflegt und geerntet“. Nun bräuchten die Landwirte auch non ein viertes und ein fünftes G: „gerechte Preise und einen gesunden Menschenverstand“. Vieles, was derzeit passiert, sei für die Bauern einfach nicht mehr nachvollziehbar. Während zum Beispiel an der Ladentheke die Preise für Schweinefleisch steigen, würden die Erlöse für die Bauern sinken. Trotz allem sei die Ernte im Landkreis Wunsiedel gut verlaufen und man sei überwiegend von Starkregenereignissen verschont worden.

Landwirte arbeiten mit der Natur, so der stellvertretende Wunsiedler Landrat Wolfgang Kreil. Die Arbeit sei aber immer auch ein Ringen mit der Natur. Das wüssten viele Verbraucher nicht mehr zu schätzen und stellten romantisierende Forderungen auf, die mit der Realität wenig zu tun haben.

Bayern und Deutschland müssten alles daran setzen, eine eigene Nahrungsmittelproduktion zu haben. Das nannte der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel eine zentrale Botschaft aus den zurückliegenden Corona-Zeiten. Schöffel appellierte aber auch an alle Verbraucher, verstärkt darauf zu achten, wo die gekauften Lebensmittel herkommen.

Eine Neuigkeit konnte Kreisbäuerin Karin Reichen verkünden. Nachdem es mit der Einführung eines Schulfaches „Alltagskompetenzen“ nicht geklappt hatte, gebe es künftig verpflichtende Projektwochen. Im Landkreis Wunsiedel sollen diese Wochen in Kooperation mit dem Volkskundlichen Gerätemuseum Bergnersreuth durchgeführt werden. Damit könne man die gesamte Infrastruktur des Museums nutzen und die Landfrauen könnten ihr Fachwissen vor Ort an die jungen Leute weitergeben. Viele Betriebe seien schon mit Feuereifer dabei.

„Wir können ein echtes Grünes Klassenzimmer anbieten“, so Museumsleiterin Sabine Zehetmeier. Ihr sei es ein ganz großes Anliegen, die vorhandenen Räumlichkeiten zu nutzen und mit den Ausstellungen den entsprechenden Rahmen dafür zu bieten. Schließlich hätten ja viele Schulen keine Schulküchen oder Wirtschaftsräume mehr. Mit diesem Projekt sei der Fortbestand des Museums mehr als gesichert, bekräftigte der Arzberger Bürgermeister Stefan Göcking.

Eine weitere Neuigkeit präsentierte der Wunsiedler Dekan Peter Bauer. So stehe ein Regionalportal im Internet kurz vor dem Start, mit dessen Hilfe vor allem Großverbraucher, wie die Heime des Diakonievereins oder des Evangelischen Bildungszentrums Bad Alexandersbad, aber auch Privatleute ihren benötigten Bedarf bestellen können. Das Portal soll in Kooperation von Bauernverband und Diakonie über einen kostenneutralen Zusammenschluss, etwa eine gemeinnützige GmbH, ohne Gewinnorientierung betrieben werden. Für die Landwirte sei es das Ziel, gerechte Preise und sichere Abnehmer zu bieten. Auch das verarbeitende Handwerk, wie Bäckereien und Metzgereien hätten bereits ihre Bereitschaft zur Mitwirkung signalisiert.

Bild: Auf der Museumswiese trafen sich Vertreter von Bauernverband, Kirche und Politik, um der Presse ihre Gedanken zu Erntedank zu verkünden.

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29.09.2021

Mehr Anerkennung für die Ökos / Bio-Bauern dürfen nicht auf der Strecke bleiben - Video-Konferenz der oberfränkischen Öko-Betriebe

Bayreuth/Bamberg. Mehrere tausend Mitglieder des Bauernverbandes bewirtschaften Bio-Betriebe, Tendenz steigend. Grund genug, dass sich Ralf Huber, Vorsitzender des Landesfachausschusses für ökologischen Landbau bei einer Videokonferenz des BBV Oberfranken den Mitgliedern einmal vorstellte. Huber ist nicht nur Bio-Bauer, sondern seit Februar auch oberbayerischer BBV-Bezirkspräsident in der Nachfolge des verstorbenen Anton Kreitmair.

Laut Mitgliedsbarometer des Deutschen Bauernverbandes könnten sich 17 Prozent der Betriebe vorstellen, in den kommenden zwei Jahren auf eine ökologische Bewirtschaftung umzusteigen, sagte Huber. Das liege auch daran, dass sich die Anerkennung für die „Ökos“ nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch im Verband selbst geändert hat. „Wenn wir etwas sagen, dann hat das auch Bedeutung“, so der Bezirkspräsident, der zusammen mit seinem Sohn in der Nähe von Allershausen im Landkreis Freising einen Ackerbaubetrieb mit 180 Hektar Fläche bewirtschaftet.

In der Videokonferenz befürchtete Michael Bienlein, Kreisobmann aus Lichtenfels, trotzdem, dass vor dem Hintergrund der Öko-Ziele des Staates viele Biobauern auf der Strecke bleiben. Wenn die Politik 20 bis 30 Prozent Öko-Anteil fordert, der Lebensmitteleinzelhandel vor Ort aber gerade fünf Prozent des Gesamtsortimentes mit Öko umsetzt, werde vielen Betrieben auf Dauer das Wasser abgegraben. „Ich mache mir Sorgen, um diejenigen, die es aus Leidenschaft machen“, so Bienlein. „Wenn wir zu stark in das Bio-Wachstum reingehen, wird der Markt überschwemmt.

Diese Befürchtungen wollte Daniela Gehler, Referentin für ökologischen Landbau beim BBV-Generalsekretariat, nicht teilen. Die Märkte und die Verbraucherausgaben würden seit Jahren nur eine Richtung kennen, und zwar die nach oben. Freilich spiele sich das ganze derzeit noch auf relativ niedrigem Niveau ab. Deshalb sei es wichtig, die Nachfrageseite zu bearbeiten und dabei verstärkt auf Regionalität zu setzen. Große Hoffnungen setzte sie dabei auf den Außer-Haus-Verzehr etwa in Kantinen.

Wichtig ist auch die Öffentlichkeitsarbeit für den ökologischen Landbau. Hans Rebelein, langjähriger Geschäftsführer der BBV-Kreisverbände Coburg und Lichtenfels berichtete dabei von einer Öko-Erlebnisradtour, die er vor wenigen Wochen im Landkreis Coburg veranstaltet hatte. „Diese Radtour hat voll eingeschlagen“, so Rebelein. Vor allem habe man damit auch viele Personen aus einem nichtlandwirtschaftlichen Umfeld erreicht. Bei den zwei Touren an zwei Tagen mit jeweils 20 Teilnehmern wurden mehrere Biobetriebe angefahren, die sich den Radlern präsentieren konnten. Dabei seien gute Gespräche und Diskussionen, etwa zum Thema Tierwohl zustande gekommen. Die Betriebe hätten dabei weder Aufwand noch Mühen gescheut, was in Corona-Zeiten nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Damit die Öko-Betriebe ihre Ware in Zukunft noch besser vermarkten können, ist bereits im Januar die Main-Öko Erzeugergemeinschaft gegründet worden, die Geschäftsführer Thomas Zehnter den Mitgliedern bei der Videokonferenz vorstellte. Das Interesse der Handelspartner an ökologisch erzeugter Ware steige, auch konventionelle Abnehmer suchten verstärkt Bio-Ware. Dinkel sei heuer bereits erfolgreich vermarktet worden, Im Focus stünden noch Roggen und Weizen, auch Nischenprodukte wie Emmer, Soja, Quinoa und Amaranth sollen künftig zum Angebot gehören.

Vermarktet wird laut Geschäftsführer Zehnter unabhängig von der Verbandszugehörigkeit, zum Geschäftsgebiet gehören alle drei fränkischen Regierungsbezirke. Die Main-Öko-EG hat keine eigenen Lagerhäuser, kauft die Ware nicht an, sondern vermittelt lediglich die entsprechenden Verträge. „Damit grenzen wir uns auch von der Erzeugergemeinschaft Ökofranken ab“, sagte Zehnter. Auch eine Andienungspflicht gebe es nicht. Der Geschäftsführer stellte dabei auch klar, dass sich die Main-Öko-EG nicht über den Markt hinwegsetzen kann. Zehnter: „Wir können nicht zaubern, haben aber schon das eine oder andere vermittelt, das sich sehen lassen kann.“

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27.09.2021

Ein Denkmal für den Erdapfel

An den bisher bekannten frühesten Kartoffelanbau in Bayern und sogar in ganz Deutschland erinnert das Kartoffeldenkmal in Pilgramsreuth bei Rehau im Landkreis Hof. Die Bronzeplastik im Kirchhof neben der Markgrafenkirche zeigt einen Landwirt mit einem Gerät zum Graben und eine Bäuerin mit einem Kartoffelkorb, beide gekleidet in bäuerlichen Gewändern des 17. Jahrhunderts. Das Denkmal soll daran erinnern, dass etwa um das Jahr 1647 herum der Pilgramsreuther Landwirt und Kartoffelpionier Hans Rogler zusammen mit einigen Berufskollegen mit dem systematischen Feldanbau des Erdapfels begonnen hatte.

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24.09.2021

Erfolgreiches Jahr trotz Corona / Maschinenring Fränkische Schweiz sucht Betriebshelfer

Aufseß/Windischgaillenreuth. Mit der Erhöhung des Mitgliedsbeitrages von bisher 50 auf künftig 65 Euro im Jahr will der Maschinen- und Betriebshilfsring Fränkische Schweiz den wachsenden Bedürfnissen der Selbsthilfeorganisation und ihrer Mitglieder Stand halten. Ein entsprechender Beschluss wurde auf der Jahreshauptversammlung am Freitag in Windischgaillenreuth gegen drei Stimmen gefasst. Unverändert bleibt der Hektarsatz von 1,30 Euro pro Hektar, der auf 150 Hektar gedeckelt ist und der von den Mitgliedern zusätzlich zum Grundbetrag aufgewandt werden muss.

Für das Geld hat der MR Fränkische Schweiz mit Sitz in Aufseß seinen 782 Mitgliedern aber auch einiges zu bieten. Besonders zugenommen hat nach den Worten von Geschäftsführer Manuel Appel der Bereich Beratung. Egal ob Düngeverordnung, Mehrfachantrag oder Dieselantrag, Statistikmeldungen, Waldprämie oder die Meldung zur EEG-Umlage: All diese Dinge seien mittlerweile so komplex geworden, dass ihre Bearbeitung einen immensen Zeitaufwand in Anspruch nimmt. „Hier ist der Maschinenring der richtige Ansprechpartner“, sagte Appel. Manchmal sei es aber auch so, dass ein Betrieb die Bearbeitung zwar gerne machen würde, es letztlich aber an einer leistungsfähigen Internetverbindung scheitert.

Erfolgreich war der MR Fränkische Schweiz in seinen klassischen Aufgabenbereichen, der Betriebshilfe und der Maschinenvermitttlung. Mit 16 Prozent hat der Bereich Bodenbearbeitung im Vergleich zum Vorjahr besonders stark zugenommen. Viele Betriebe hätten zwar leistungsfähige Schlepper, doch fehle es an der angebauten Technik. Ebenfalls im Plus: die Bereiche Düngung, Saat und Pflanzenschutz. Um fast 17 Prozent rückläufig seien dagegen die Bereiche Futterbau und Strohernte sowie die organische Düngung gewesen. Hier hätten die Betriebe im Ringgebiet wohl in letzter Zeit selbst sehr stark in leistungsfähige Technik investiert.

Bei der Betriebshilfe verzeichnete der MR Fränkische Schweiz in 2020 laut Geschäftsbericht gut 8700 Stunden im sozialen Bereich, also wenn auf einem Hof ein Unfall, eine Krankheit oder ein Todesfall eintritt. Knapp 4500 Stunden entfallen auf die wirtschaftliche Betriebshilfe, etwa zur Abdeckung von Auftragsspitzen. Der Ring beschäftigt derzeit fünf hauptamtliche Kräfte, einen Selbstständigen und 29 nebenberufliche Kräfte. Ohne die Betriebshilfe könnten sich viele Höfe nicht mehr weiterentwickeln, sagte der Vorsitzende Bernhard Hack. Gute Mitarbeiter seien deshalb immer gefragt, egal ob haupt- oder nebenberuflich, selbstständig oder auf Minijob-Basis.

Zum Portfolio des Maschinenrings Fränkische Schweiz gehört auch die Übernahme der Geschäftsführung für das Biomasse Heizwerk Hollfeld, für die Bioenergie Hollfeld und für die Regnitz-Jura-Düngetrac GmbH. Neu ist ab dem laufenden Jahr die Beteiligung am künftigen Biomasseheizwerk Gößweinstein, das im November seinen Betrieb aufnehmen wird.

Insgesamt kann der MR Fränkische Schweiz für 2020 trotz Corona eine gute Bilanz vorweisen. Nach den Worten des Geschäftsführers wurde der Verrechnungswert sogar geringfügig auf gut drei Millionen Euro gesteigert, knapp 2,8 Millionen davon macht allein die Vermittlung von Maschinen aus.

Der MR Fränkische Schweiz stellt ein besonderes Konstrukt dar, weil sich sein Tätigkeitsgebiet gleich auf drei Landkreise erstreckt. Neben zwei Gemeinden aus dem Landkreis Bamberg gehören vier Gemeinden aus dem Landkreis Bayreuth dazu, der Rest gehört zum Landkreis Forchheim. Begründet wird dies mit der Historie des Rings, die auf den ehemaligen Landkreis Ebermannstadt zurückgeht, der während der Gebietsreform in den 1970er Jahren auf Bamberg, Bayreuth und Forchheim aufgeteilt wurde.

Bild: Erfolgreiches Jahr trotz Corona: Geschäftsführer Manuel Appel (rechts) und Vorsitzender Bernhard Hack vom Maschinen- und Betriebshilfsring Fränkische Schweiz.

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10.09.2021

Ökofranken üben Selbstkritik / Mangelnde Transparenz und fehlende Konsequenz: „Nicht alles richtig gemacht“

Welsberg, Lks. Coburg. Nach teilweise heftigen Vorwürfen wegen Missmanagements gegen die Erzeugergemeinschaft Ökofranken mit Sitz in Welsberg, Gemeinde Itzgrund, haben die Verantwortlichen erstmals Stellung zu der Misere genommen. Im Gespräch mit dem Wochenblatt räumten Vorstand Roland Schrenker und der eigens engagierte Berater Hero Schulte aus dem niedersächsischen Westerstede dabei auch Versäumnisse ein. „Wir haben sicherlich nicht alles richtig gemacht“, sagte der ehrenamtliche Vorstand Schrenker, Landwirt aus Treppendorf bei Hollfeld im Landkreis Bayreuth.

Die Ökofranken eG. ist ein Zusammenschluss mit rund 300 Mitgliedern für ökologisch erzeugte landwirtschaftliche Produkte nach diversen Ökostandards. Kunden sind im Wesentlichen die Backwaren- und die Flockenindustrie sowie Brauereien und Mälzereien. Das System funktioniert so, dass alle Landwirte in einem Vermarktungspool einliefern und entsprechend ihren Lieferungen zunächst Abschlagszahlungen abzüglich der Kosten für Transport und Reinigung bekommen. Je nachdem, wie gut vermarktet werden konnte, bekommen die Landwirte danach eine Abschlusszahlung. Dabei kann es allerdings auch passieren, dass die Abschlagszahlungen höher waren als die späteren Vermarktungsergebnisse. In diesen Fällen werden Gelder aus den Abschlagszahlungen zurückgefordert. Das ist bei einzelnen Mitgliedern seit 2017 der Fall und hat für erheblichen Ärger bei den Betroffenen gesorgt.

Das Hauptproblem sehen die Verantwortlichen darin, dass die, in der Satzung fixierte, sogenannte Andienungspflicht nicht konsequent umgesetzt worden sei. „Viele Mitglieder haben sich nicht mehr an die Spielregeln gehalten“, sagte Schulte, der sich im landwirtschaftlichen Umfeld als Berater bundesweit einen Namen gemacht hat, und der seit Juli daran arbeitet Lösungsmodelle zu entwickeln, um die Ökofranken in eine bessere Zukunft zu führen. Die Bauern müssen in der Regel im Frühjahr melden, wie viel Getreide sie anliefern möchten. „Natürlich nicht auf die Dezitonne genau, das geht ja schon aufgrund der immer häufiger vorkommenden Wetterkapriolen gar nicht“, so Schulte. Trotzdem sollte es eine realistische Menge mit Hektar-Angabe sein, damit die Genossenschaft entsprechende Vermarktungsverträge abschließen kann. Zu viele Mitglieder hätten aber, bewusst oder unbewusst, mal viel weniger oder auch mal viel mehr geliefert, wodurch die Vermarktung gehörig durcheinander gewirbelt wurde. Und die Genossenschaft hat nicht eingegriffen. „Das ist nicht so gelaufen, wie es hätte laufen sollen“, sagte Schrenker.

So sei es auch zu erklären, dass die Vermarktungspools 2017 und 2018 erst verspätet aufgelöst worden seien. Das Ergebnis habe damals nicht den Erwartungen entsprochen. So hätten die Verantwortlichen versucht, den Pool ein Jahr stehen zu lassen, um von potentiell besseren Preisen zu profitieren. Allerdings hatte man sich da gehörig verschätzt, denn im Folgejahr wurde die Ertragssituation nicht besser. „Heute wissen wir, dass das verkehrt war“, so der Vorstand. Hintergrund ist, dass der Markt für Bioprodukte vor allem aufgrund der Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels extrem schwierig geworden sei.

Als weiteren Punkt nannten Schrenker und Schulte die mangelnde Transparenz. „Die Probleme seien nicht von Anfang an kommuniziert worden“, sagte Schulte. „Wir hätten den Mitgliedern gleich reinen Wein einschenken sollen“, so Schrenker, der davon überzeugt ist, dass ein offener und ehrlicher Umgang respektiert worden wäre. Das soll sich nun ändern. Die Ökofranken haben bereits eine Task Force gegründet, deren Ziel es ist, die Versäumnisse aufzuarbeiten und unter anderem für mehr Transparenz zu sorgen. Eine Internetseite mit geschütztem Mitgliederbereich für tagesaktuelle Informationen sei bereits in Arbeit.

Das alles ändere freilich nichts daran, dass bei zahlreichen Mitgliedern Abschlagszahlungen im kleinen dreistelligen Bereich bis hin zu fünfstelligen Forderungen für die Jahre 2017 bis 2019 im Raum stehen, die teilweise bereits mit den neuen Anlieferungen verrechnet wurden. Auch Gerichte mussten schon bemüht werden. Dennoch sieht Schrenker die Nicht-Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat bei der zurückliegenden Mitgliederversammlung nicht als Misstrauensvotum an. Vielmehr sei er als Vorstand ja für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt worden.

Die Ökofranken eG beschäftigt einen hauptamtlichen Geschäftsführer und einen Mitarbeiter für Büro und Lager.

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07.09.2021

Regionalität und erneuerbare Energien / BBV gab Grünen-Kandidatin Susanne Bauer seine Anliegen mit auf den Weg

Mistelgau. Sie wollte sich nicht dem Vorwurf aussetzen, kein Interesse an der Landwirtschaft zu haben. Susanne Bauer, Bundestagskandidatin der Grünen aus Pegnitz, war beim offiziellen Politikergespräch des Bauernverbandes mit den Kandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien verhindert. Kurzerhand setzte der BBV einen zweiten Termin an, zu dem Bauer mit dem Grünen-Kreisvorstandsmitglied und Geoökologen Andreas von Heßberg sogar Verstärkung mitbrachte.

„Wir haben die Sorge, dass die Landwirtschaft nach Kernkraft und Kohle der nächste Zweig ist, dem der Garaus gemacht werden soll“, brachte Kreisobmann Karl Lappe die Situation auf den Punkt. Schon jetzt würden die Landwirte viel zu oft an den Pranger gestellt und pauschal verunglimpft. „Was uns wehtut, ist die Kampfansage an die Nutztierhaltung“, so Lappe in Richtung Grünen-Wahlprogramm. Man glaubt, man benötige die Bauern einfach nicht mehr, sagte BBV-Kreisvorstandsmitglied Christa Ziegler. Für viele sind wir nur noch Umweltverschmutzer. „Da braucht man sich gar nicht mehr blicken lassen, wenn man mit dem Schlepper durch die Stadt fährt.“

Susanne Bauer, Sozialarbeiterin und gelernte Ergotherapeutin, setzt in ihrer Politik vor allem auf Regionalität. Kein Schlagwort fiel an diesem Abend öfter. Wenn die Sojabutter aus Südamerika kommt, der Bio-Apfel aus Neuseeland, oder Avocados aus Peru, dann sei einfach der Bogen überspannt. Andersherum könne es nicht sein, dass beispielsweise Hähnchenflügel nach Ghana exportiert werden und die Existenzen der dortigen Geflügelzüchter vernichten. Als Paradebeispiel nannte sie das Zehn-Kilometer-Bier, das eine Brauerei in Gräfenberg anbiete. Dabei kämen sämtliche Zutaten aus einem Umkreis von zehn Kilometern.

Nicht gelten ließ Bauer den Einwand des Kreisobmanns, dass Deutschland mit jeweils zwischen einen und zwei Prozent Anteil an der Weltbevölkerung und an der weltweiten Fläche in Sachen Klimawandel ohnehin kaum etwas ausrichten werde. „Wir sind von der Fläche her zwar klein, sind aber auch die viertgrößte Volkswirtschaft und haben den weltweit viertgrößten Anteil an Kohlendioxidausstoß“, entgegnete die Kandidatin. Deshalb sei es schon richtig, in erneuerbare Energien zu investieren.

Ein wichtiges Thema für die engere Kreisvorstandschaft des BBV Bayreuth war die Zukunft der Anbindehaltung. Lappe forderte längere Übergangsfristen, so wie bei den Kastenständen für Zuchtsauenhalter. Rund 15000 Betriebe gebe es noch bei der Anbindehaltung für Milchkühe in Bayern. Keine 1000 werden übrig bleiben, da sich für sie das Investieren nicht mehr lohne, befürchtete der Kreisobmann. Deshalb seien erträgliche Ausstiegsregelungen notwendig. Lappe stellte das Ende der Anbindehaltung aber auch grundsätzlich in Frage. Seit Jahrhunderten existiere diese Haltungsform, on vielen Ländern sei sie gängige Praxis. „Wir wollen nicht, dass das Gleiche passiert, wie bei der Käfighaltung für Hühner.“ Die sei in Deutschland verboten worden. Nun werde etwa Flüssigei für die Backindustrie aus Ländern mit Käfighaltung importiert.

Auch das Thema Wald spielte bei dem Gespräch eine Rolle. Lappe forderte dabei, bei der Bundeswaldprämie künftig auf den Zertifizierungsnachweis zu verzichten. Warum sollte der kleine Waldbesitzer, der sein Holz regional verkauft, den drei zugelassenen Zertifizierungsfirmen zehn Jahre lang „das Geld hinterherwerfen“. Er fand dabei die Zustimmung von dem an der Universität Bayreuth tätig Geoökologen Andreas von Heßberg. Von den Zertifizierern gebe es letztlich nichts anderes als einen Ablassbrief. „Wir brauchen keine zertifizierten Wälder“, sagte Heßberg. Besser sei eine klimaakzeptable Bewirtschaftung, die auf natürliche Prozesse setzt. „Man muss den Wald auch mal walten lassen.“

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06.09.2021

Ein Karpfen für Kulmbach

Kulmbach. Zum 125-jährigen Jubiläum des Bezirksfischereivereins Kulmbach haben sich die Verantwortlichen selbst ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk gemacht: Vor ihrem Vereinsheim an der Mainaue haben die Mitglieder einen „Phantastischen Karpfen“ aufgestellt. Er soll alle vorbeikommenden Passanten in dem beliebten Naherholungsgebiet darauf hinweisen, dass der Verein mit rund 800 Mitgliedern der zweitstärkste Verein in der Bierstadt und gleichzeitig der drittgrößte unter den oberfränkischen Fischereivereinen ist. Die Aufmerksamkeit ist dem Fischereiverein gewiss, steht die vom Bayreuther Kreativverein „Rote Katze“ bemalte Skulptur doch gleichzeitig nahe des Kiosks, den Ausflügler, Spaziergänger und Wanderer gerne zur Rast nutzen. Auf dem Karpfen-Unikat wurde unter anderem der Verlauf des Roten und des Weißen Mains skizziert, auch das Kulmbacher Wahrzeichen, die Plassenburg ist zu sehen.

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30.08.2021

Mister Maschinenring geht in den Ruhestand / Geschäftsführer Werner Friedlein verabschiedet – Positive Bilanz – Keine Veränderung bei Neuwahlen

Kulmbach. Mit dem Ausscheiden von Geschäftsführer Werner Friedlein geht nicht nur für den Maschinen- und Betriebshilfsring Kulmbach eine Ära zu Ende. Friedlein war weit über Kulmbach hinaus hoch geschätzt und geachtet. Nach fast 40 Jahren Tätigkeit wurde der Mann, dessen Markenzeichen ein Cowboyhut ist, jetzt bei der Jahreshauptversammlung in den Ruhestand verabschiedet.

Corona-bedingt fand die Jahreshauptversammlung diesmal nicht im Frühjahr, sondern im Spätsommer statt. Veranstaltungsort war die großzügige Reithalle von Ralf Michel in Neufang. Die Laudatio auf Friedlein hielt der Mann, der am längsten mit ihm zusammengearbeitet hatte: Dieter Eschenbacher, Maschinenringvorsitzender von 1980 bis 2006 und heute Ehrenvorsitzender. Er erinnerte an Friedlein als den Bauernsohn aus Lopp bei Kasendorf, der nach seinem Agrarstudium vor knapp 40 Jahren in der Nachfolge von Herbert Sattler die Stelle des Geschäftsführers übernahm. „Aus der damaligen Anstellung wurde eine Lebensaufgabe“, sagte Eschenbacher.

Als Verdienste von Friedlein nannte Eschenbacher unter anderem die Mitbegründung und Betreuung der gewerblichen Tochter MR Oberfranken Mitte GmbH, die Gründung mehrerer Maschinengemeinschaften, die Geschäftsführung des Kompostrings Oberfranken sowie die Einführung der Kompostierung auf dezentralen Anlagen, die von Landwirten betrieben werden. Friedlein hatte außerdem den Arbeitskreis Bäuerinnen und den Betriebshelferstammtisch gegründet, den Pflanzenbautag in Lopp ins Leben gerufen und lange vor der Gründung einer gewerblichen Tochter die Sportplatz- und Grünflächenpflege als Geschäftsfeld entdeckt.

„Es gibt wenige Einrichtungen, in denen ein Geschäftsführer so mit Leib und Seele tätig ist“, sagte der Landtagsabgeordneter Martin Schöffel. Friedlein habe in seiner über 40-jährigen Tätigkeit Großartiges für die Landwirtschaft geleistet. „Auf Werner Friedlein konnten sich Bauern im Landkreis Kulmbach verlassen.“ Auch Landrat Klaus-Peter Söllner würdigte Friedlein, der stets neue Geschäftsfelder aufgetan habe und mit dem der Landkreis stets hervorragend zusammengearbeitet hatte.

Auch wenn die Stunden in der klassischen sozialen als auch in der wirtschaftlichen Betriebshilfe dem Trend entsprechend 2020 rückgängig waren, konnte Friedlein in seinem letzten Geschäftsbericht eine positive Bilanz ziehen. Bei der sozialen Betriebshilfe musste der Maschinenring einen Rückgang im Verrechnungswert von knapp 189000 Euro im Jahr 2019 auf gut 143000 Euro im zurückliegenden Jahr hinnehmen. Auch die wirtschaftliche Betriebshilfe war rückläufig, und zwar von über 200000 Euro in 2019 auf 176000 Euro in 2020.

Steigende Zahlen gab es dagegen bei den Maschineneinsätzen. Insbesondere die Bereiche Futter- und Strohernte, Landschaftspflege sowie Körnerernte und Aufbereitung sowie die Vermittlung von Schleppern verbuchten höhere Einsatzzahlen. Der Verrechnungswert bei den Maschineneinsätzen stieg leicht von 2,5 auf 2,6 Millionen Euro.

Für den Maschinenring Kulmbach sind aktuell zwei Dorfhelferinnen, vier hauptberufliche Betriebshelfer über das Evangelische Bildungszentrum Hesselberg, drei selbst eingestellte Kräfte und ein selbstständiger Betriebshelfer tätig. Der MR hat aktuell 852 Mitglieder, vier weniger als im Jahr zuvor. Sie alle bewirtschaften eine Fläche von zusammen 27171 Hektar (Vorjahr 27680 Hektar).

Wenig Veränderungen gab es bei den turnusgemäßen Neuwahlen. Vorsitzender bleibt Andreas Textores, Stellvertreter Hans-Herrmann Reinhardt, beide aus Kulmbach. Beide wurden ohne Gegenstimme gewählt. Der Beirat besteht künftig aus: Wolfgang Biedermann (Unterlangenroth), Heiko Kaiser (Appenberg), Daniel Kaßel (Windschenhaig), Oliver Kienesberger (Grafendobrach), Michael Sack (Maierhof) und Alexander Wölfel (Eulenhof).

Bilder:
1. Der langjährige Geschäftsführer Werner Friedlein (links) wurde vom Vorsitzenden Andreas Textores und von MR-Mitarbeiterin Angela Schmidt verabschiedet. Als Symbol für die Ballonfahrt als Abschiedsgeschenk gab es schon mal einen Miniballon.
2. Vorsitzender Andreas Textores (links) und Einsatzleiter Horst Dupke (rechts) haben Johannes Heimann und Manfred Schuster als die beiden Betriebshelfer mit den meisten Einsatzstunden ausgezeichnete.

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28.08.2021

„BioGenussmarkt“ zum 800. Geburtstag / Öko-Modellregion Siebenstern präsentierte Direktvermarkter aus dem Fichtelgebirge

Bernstein. Corona und dem wechselhaften Wetter zum Trotz: Mehrere hundert Besucher waren nach Bernstein, einem Ortsteil von Wunsiedel, gekommen, um das 800-jährige Bestehen des kleinen Dorfes mit seinen rund 240 Einwohnern zu feiern. Dazu gehörte auch der „BioGenussmarkt“ der Ökomodellregion Siebenstern, den die Veranstalter mitten auf einer Wiese am Ortsrand aufgebaut hatten.

Unter dem Motto „Vielfältig, regional und biologisch“ stellten sich dabei Direktvermarkter aus dem Fichtelgebirge mit ihren Produkten vor. Da gab es Eier und Nudeln, Kartoffeln und Hanföl, Wein und Wurst, aber auch Pflanzen für den eigenen Garten sowie Fell- und Wollprodukte der Schäferei Frank.

Der Markt war gleichzeitig der Auftakt zu den Bio-Erlebnistagen im Fichtelgebirge. Dabei stehen noch bis zum 10. Oktober unter anderem geführte Hofrundgänge, Vorträge, Radl-Touren und verschiedene Mitmach-Aktionen auf dem Programm. Einen Überblick über die einzelnen Veranstaltungen und die Möglichkeiten, sich anzumelden gibt es im Internet unter www.oekomodellregionen.bayern/siebenstern/termine.

Die Öko-Modellregion Siebenstern ist seit 2019 eine von insgesamt 27 bayerischen Öko-Modellregionen. In ihr haben sich die Gemeinden Bad Alexandersbad, Nagel und Tröstau sowie die Städte Weißenstadt und Wunsiedel zusammengeschlossen. Ziel ist es unter anderem, regionale Wertschöpfungsketten zu etablieren und weiter auszubauen.

Bild: Mitten auf einer Wiese am Ortsrand hatten Direktvermarkter aus dem Fichtelgebirge ihre Stände aufgebaut.

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27.08.2021

„Blühende Rahmen“ für Umweltschutz und Artenvielfalt / Landwirt Matthias Kießling bietet Blühpatenschaften an

Tiefendorf. Koriander, Malven, Fenchel und viele andere Arten blühen auf den Feldrändern in Tiefendorf nahe Töpen im Landkreis Hof. Wie so viele andere Bauern im Landkreis hat auch Landwirt Matthias Kießling eine Blühfläche angelegt, um Lebensraum für Bienen, Insekten und andere Wildtiere zu schaffen. Bei einem Pressetermin stellte der BBV Hof die Initiative der Öffentlichkeit vor und warb gleichzeitig für die Blühpatenschaften, die Matthias Kießling anbietet.

„Es tut schon weh, wenn wir Bauern von der Heimatzeitung als schuldig für den Klimawandel hingestellt werden und wenn es heißt, dass wir Zahlungen bedingungslos erhalten“, machte Kreisobmann Hermann Klug seinem Ärger über einen entsprechenden Kommentar tags zuvor in der örtlichen Zeitung Luft. Die Aktion „Blühende Rahmen“ zeige genau das Gegenteil. Sie zeige, dass die Bauern für die Umwelt und Artenvielfalt in Feld einstehen. Bereits seit 2011 gebe es diese Aktion, die der Bauernverband zusammen mit dem Landesverband der Bayerischen Imker durchgeführt wird. Viele Bauern legten dabei freiwillig und auf eigene Kosten Blühstreifen um ihre Felder an.

Alle Bauern, die mitmachen, können ihre Blühflächen auf eine interaktive Karte eintragen (www.BayerischerBauernVerband.de/Bluehstreifen-Karte) und so gemeinsam mit ihren Berufskollegen zeigen, mit welch großem Engagement sie sich für Umweltschutz und Artenvielfalt einsetzen. Landwirt Matthias Kießling geht dabei noch einen Schritt weiter und stellt seine Blühstreifen allen Interessierten für Patenschaften zur Verfügung. Die Patenschaft erstreckt sich auf ein Jahr und kostet 60 Euro. Dafür gibt es eine personalisierte Patenurkunde mit der man seinen Einsatz für die Artenvielfalt unter Beweis stellen kann. Matthias Kießling arbeitet dafür mit zertifiziertem Saatgut mit über 50 verschiedenen einheimischen mehrjährigen Kräuter- und Blühpflanzen, das im Frühjahr ausgebracht wird. Die Fläche bleibt natürlich, wird weder gedüngt, noch gespritzt und auch nicht abgeerntet.

Begrüßt wird die Aktion auch von den örtlichen Imkern. „Bienen brauchen die Blüten und die Blüten brauchen die Bienen“, bringt es der Imker Alois Goebel auf den Punkt. Die Blühflächen der Landwirte sorgten für ein hervorragendes Nahrungsangebot für die Bienen und alle anderen Insekten.

Bild: Sie treten für Artenvielfalt ein (von links): Alexa-Leander Kießling, Matthias Kießling, Jannek Kießling, Thomas Lippert und Theresa Hick vn der BBV-Geschäftsstelle, Ortsobmann Bernhard Schmid, Jäger Gerhard Hüttner, Kreisbäuerin Karin Wolfrum, Kreisobmann Hermann Klug und Imker Alois Goebel.

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26.08.2021

Bestandsschutz für die Bauern / SPD und Grüne glänzten durch Abwesenheit: Politikergespräch des BBV Bayreuth zur Bundestagswahl

Mistelgau. Planungssicherheit: das ist das Wort, das beim Politikergespräch des BBV Bayreuth zur Bundestagswahl am häufigsten genannt wurde. „Wir haben den Eindruck, dass die Landwirtschaft in Deutschland gar nicht mehr gewünscht ist“, sagte der stellvertretende Kreisobmann Harald Galster vor dem Hintergrund ständig neuer Verordnungen, mit denen die Bauern zurechtkommen müssen.

Enttäuscht war der BBV-Kreisvorstand auch, dass die beiden Vertreterinnen von SPD und Grüne ihre Teilnahme zum Politikergespräch im Feuerwehrhaus von Mistelgau kurzfristig abgesagt hatten. Immerhin waren mit Silke Launert (CSU), Thomas Hacker (FDP) und Tobias Peterka (AFD) drei Bundestagsabgeordnete gekommen, um sich die Sorgen und Nöte der Bauern im Raum Bayreuth anzuhören.

Egal ob Milchkühe, Schweine oder Rinder, die Vorschriften besonders in der Tierhaltung werden immer mehr, so Kreisobmann Karl Lappe. Die Auflagen und Vorschriften grenzen schon manchmal an Schikane, sagte Kreisvorstandsmitglied Gerhard Meyer, der einen Milchviehbetrieb in Hummeltal bewirtschaftet. Wegen dem drohenden Ende der Anbindehaltung habe ihr Betrieb die Tierhaltung bereits aufgegeben, so Christa Ziegler aus Bayreuth.

Christa Ziegler brachte noch ein ganz anderes Problem ins Gespräch. Viele Hundehalter glaubten, die Feldwege gehörten ihnen. Sie stellten sich nicht nur den Landwirten in den Weg, in einigen Fällen sei es sogar schon zu Bedrohungen gekommen. Darüber hinaus gebe es große Probleme mit Hundekot und Kotbeuteln im Futter. „Die Situation ist mittlerweile echt dramatisch“, so Christa Ziegler.

Mehr Wertschätzung für den ländlichen Rau forderte die stellvertretende Kreisbäuerin Doris Schmidt ein. Apotheken würden immer weniger. Wenn Arzt- und Facharztpraxen aufhören, sei meist kein Nachfolger mehr zu finden und nach der Schließung der Geburtenstation in Pegnitz müssten Frauen aus dem südlichen Landkreis zur Entbindung entweder nach Bayreuth oder nach Nürnberg.

Als sehr ernst bezeichnete die CSU-Bundestagsabgeordnete Silke Launert die Lage. Sie gab aber auch zu bedenken, dass sich in der Gesellschaft vieles verändert habe und sich die Bevölkerung nicht mehr mit der Landwirtschaft identifiziere. Zusätzliche Erwartungen beispielsweise in Sachen Tierschutz müsse der Landwirt vergütet bekommen, um ein Auskommen erwirtschaften zu können.

Thomas Hacker von der FDP appellierte an die Bevölkerung, der Landwirtschaft wieder mehr Wertschätzung entgegenzubringen. Es könne doch nicht sein, dass Hunde mehr zählen als die Landwirte, ging er auch das von Christa Ziegler geschilderte Problem mit den Hundehaltern ein. Zur Wertschätzung gehöre auch, dass endlich Schluss damit sein muss, die Dinge immer komplizierter zu machen. „Im Gegenteil: vieles muss einfacher werden“, sagte Hacker und versprach weniger Bürokratie. Hacker ging auch auf die geforderte Planungssicherheit ein. „Wenn wir die nicht bieten können, werden viele Betriebe kein Nachfolger mehr finden.“ Was heute Gültigkeit hat, könne nicht in fünf Jahren Makulatur sein.

Man möchte eine schöne Natur, aber der Bauernhof dürfe dabei nur als Dekoration dienen, beschrieb Tobias Peterka von der AFD die Situation. Es müsse endlich Schluss damit sein, die Landwirte als Klimakiller und Tierquäler darzustellen. Was die Planungssicherheit angeht plädierte Peterka zum einen dafür, nicht ständig mit neuen Vorschriften zu kommen, zum anderen aber auch dafür, nicht alles „mit der Lupe“ auszulegen. Deutschland regle mehr, als eigentlich gefordert wird, jede Umsetzung erfolge zu mindestens 100 Prozent, während man etwa in Spanien oder Frankreich gar nicht so genau hinsehe.

Bild: Politikergespräch unter Corona-Bedingen (von links) Silke Launert, Kreisbäuerin Angelika Seyferth, Kreisobmann Karl Lappe, Thomas Hacker und Tobias Peterka im Feuerwehrhaus von Mistelgau im Landkreis Bayreuth.

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23.08.2021

Ohne Wegebau kein Abtransport / Vermarktete Holzmenge mehr als verdoppelt - WBV Kulmbach/Stadtsteinach fordert mehr Personal in den Ämtern

Langenstadt. Die Käferproblematik hat es deutlich gemacht: „Wir haben große Aufgaben vor uns“, so Carmen Hombach, Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Kulmbach/Stadtsteinach. Sie meint damit in erster Linie den Wegebau, um das Holz aus dem Wald zu schaffen. „Eine vernünftige Erschließung ist das A und O.“ Ihre Forderung lautet deshalb, neue Stellen an den Ämtern zu schaffen, die sich ausschließlich um die Erschließung des Privatwaldes kümmern.

Auch für die WBV Kulmbach war der Borkenkäfer in den zurückliegenden Monaten das alles beherrschende Thema. „Der Käfer hat uns voll im Griff“, so Carmen Hombach. Erste Kahlflächen würden bereits sichtbar und trotzdem wollten es viele Waldbesitzer noch immer nicht wahrhaben. Für die Vorsitzende ist der Käfer auch der Beweis dafür, dass die Klimaprognosen nicht nur zutreffen, sondern noch übertroffen werden. „Der Borkenkäfer wird uns auch in den kommenden Jahren begleiten“, ist sie sich sicher.

Derzeit komme man kaum mehr nach, das Holz aus dem Wald zu holen. Dabei sind nicht nur die fehlenden Wege das Problem, auch die mangelnden Kapazitäten. 150 Anrufe pro Tag mit dem Auftrag, Holz abzutransportieren, seien derzeit keine Seltenheit. Eine Ursache dafür seien auch die neuen Fördersätze für die insektizidfreie Borkenkäferbekämpfung von bis zu 30 Euro pro Festmeter für besonders betroffene Regionen. Darunter fallen im Bereich der WBV Kulmbach die Regionen nördliche der fränkischen Linie, die dem Frankenwald zugerechnet werden.

Was den Wegebau angeht, fordert Carmen Hombach nicht nur Personal in den Ämtern, sondern auch 100 Prozent Förderung für Waldbesitzer, die bereits Kahlflächen haben. „Wir brauchen die Erschließung, um das Holz zu jedem Zeitpunkt und bei jedem Wetter aus dem Wald transportieren zu können.“ Es könne doch nicht angehen, dass man erst eine Rückeweg bauen muss, um das Holz aus den dem Wald zu bekommen. Im Übrigen seien Erschließungswege auch für Jagd, für Rettungsmaßnahmen und nicht zuletzt für den Brandschutz wichtig.

Insgesamt sind laut Geschäftsführer Theo Kaiser im zurückliegenden Jahr rund 150.000 Festmeter Holz und damit mehr als doppelt so viel wie 2019 im Auftrag der Mitglieder vermarktet worden. Für das laufende Jahr rechnet Kaiser mit einer Holzmenge von rund 200.000 Festmetern. Die Zahl der Mitglieder bezifferte der Geschäftsführer auf 1878, was ein Plus von 43 bedeutet. Zusammen bewirtschaften die Mitglieder eine Waldfläche von 12.658 Hektar im gesamten Landkreis Kulmbach. Lediglich die drei südlichen Gemeinden Thurnau, Wonsees und Kasendorf gehören traditionell zur benachbarten WBV Hollfeld.

Interessant ist, dass bei der Forstpflanzenvermittlung im zurückliegenden Jahr die Fichte mit einem einzigen Prozent praktisch keine Rolle mehr gespielt hat, während der Laubholzanteil bei 60 Prozent lag. Die Bundeswaldprämie haben 512 Mitglieder mit zusammen 6803 Hektar beantragt.

Bild: Der Käfer ist das Problem, sind sich die Vorsitzende der WBV Kulmbach/Stadtsteinch Carmen Hombach und Geschäftsführer Theo Kaiser einig.

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23.07.2021

„Taskforce“ soll für Klarheit sorgen / Ökofranken fordern Geld von ihren Mitgliedern zurück – Erzeugergemeinschaft weiter in Schwierigkeiten

Itzgrund. Vieles läuft hinter verschlossenen Türen und kommt nicht an die Öffentlichkeit. Auch entsprechende Kontrollen durch den Genossenschaftsverband haben nicht gefruchtet. Es sind schwere Vorwürfe, die Mitglieder gegen die Erzeugergemeinschaft Ökofranken erheben. Bei der Jahreshauptversammlung Ende vergangenen Jahres wurden weder Vorstand noch Aufsichtsrat entlastet, aber geändert hat sich seitdem kaum etwas.

Ökofranken eG. Ist ein Zusammenschluss mit rund 300 Mitgliedern für ökologisch erzeugte landwirtschaftliche Produkte in Oberfranken und angrenzenden Gebieten mit Sitz in Itzgrund (Landkreis Coburg). Die Bauern müssen dabei keinem Anbauverband angehören, sie können auch die nach niedrigeren Standards erzeigte EU-Ökoware liefern.

Das System der Ökofranken funktioniert vereinfacht ausgedrückt so, dass alle Landwirte entsprechend ihren Lieferungen zunächst einen Abschlag aus einem Pool bekommen. Je nachdem, wie gut vermarktet werden konnte, bekommen die Landwirte danach bei einer Art Endabrechnung weitere Gelder ausbezahlt. So lief es zumindest bis zum Jahr 2017. Nachdem der Vermarktungspool seit dem Jahr 2017 allerdings nicht mehr aufgelöst worden sei, sollen weit über 100 Bauern teilweise bis zu fünfstellige Beträge plötzlich zurückzahlen. Grund dafür sei angeblich die schlechte Marktlage.

Auch ein Ökolandwirt aus dem Raum Kulmbach wird derzeit für eine Lieferung aus dem Jahr 2019 zur Kasse gebeten. „Ich bin ganz konkret selbst betroffen“, sagt er. Um die 1000 Euro soll er zurückbezahlen. Als Hintergrund vermutet er Kredite, die von der Genossenschaft aufgenommen wurden und die jetzt getilgt werden müssen. „Wäre ordentlich abgerechnet worden, hätte das nicht passieren dürfen“, so der Landwirt, der seinen Betrieb bereits vor Jahrzehnten ökologisch umgestellt hatte. Damals sei es nicht so einfach gewesen, Ökoprodukte zu vermarkten, deshalb sei er bei den Ökofranken gelandet. Mit der Geschäftsführer habe es aber von Anfang an Probleme gegeben.

Bereits im Umfeld der nichtöffentlichen Jahreshautpversammlung Ende 2020 haben mehrere Mitglieder von Versäumnissen in der Geschäftsführung gesprochen. Dort sei schlecht gewirtschaftet, sprich schlecht verkauft worden. Außerdem könne man doch nicht erst 2020 feststellen, dass man 2017 keine Erlöse gehabt habe.

Vorstand Roland Schrenker hatte Anfang des Jahres mitgeteilt, dass sich die Verbindlichkeiten der Genossenschaft durch Forderungen aufheben. Er wies auch darauf hin, dass die Ökofranken der jährlichen Prüfung durch den Genossenschaftsverband unterlägen.

Nun gibt es ein Rundschreiben, das der Redaktion vorliegt und in dem der Vermarktungszusammenschluss von einer „zunehmenden Unzufriedenheit der Mitglieder über die Leistungsfähigkeit unserer Gesellschaft“ spricht. As dem Schreiben geht hervor, dass man nun eine „Taskforce“ gegründet hat, mit deren Hilfe die Vergangenheit aufgearbeitet werden soll. „Diese Arbeiten laufen und über die Ergebnisse wird später ausführlich berichtet“, so heißt es. Auch ein Zukunftsmodell soll mit Hilfe eines Fragebogens erarbeitet werden, um künftig verlässliche Aussagen über Preisgestaltung und Zahlungsmodalitäten machen zu können. Als erster Schritt möchten die Ökofranken die Kommunikation mit ihren Mitgliedern verbessern. Im Gespräch ist unter anderem eine Internetseite mit einem Mitgliederportal.

Vorstand Roland Schrenker wollte sich auf Nachfrage aktuell nicht zur derzeitigen Situation äußern, hat aber eine Stellungnahme innerhalb der kommenden Wochen zugesagt.

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22.07.2021

Gute Aussaat, wenig Auswinterungen, viel Wasser / Oberfränkische Landwirte gehen von tendenziell guter Ernte aus

Neudorf, Lks. Bamberg. In Oberfranken gehen die Landwirte heuer von einer „vernünftigen Erntesituation“ aus. „Die Ernteaussichten sind tendenziell noch gut“, sagte BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif aus Forchheim bei einem Pressetermin zum Start der Ernte auf dem Betrieb von Dagmar und Jörg Deinlein in Neudorf bei Scheßlitz.

Das liegt vor allem an den Niederschlägen der zurückliegenden Monate. „Was wir heuer in Franken endlich einmal hatten, war Wasser“, so Greif, der auch Pflanzenbaupräsident des Bauernverbandes ist. Mittlerweile könne man in Teilen Oberfranken, wie etwa im nördlichen Landkreis Hof, allerdings auch fast schon wieder von zu viel des Guten sprechen. Umso mehr komme es nun auf eine beständige und trockene Witterung an, damit die Flächen für die Mähdrescher und Feldhäcksler befahrbar sind und die Ernte trocken eingebracht werden kann.

Zu den guten Voraussetzungen im Anbaujahr 2020/2021 gehörten vor allem auch die meist optimalen Aussaatbedingungen im Herbst und im Frühjahr. Auswinterungen durch Kahlfröste seien durch die geschlossenen Schneedecken kaum zu verzeichnen gewesen. Gefährlich seien allenfalls mancherorts die Wechselfröste Anfang März mit nächtlichen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und tagsüber schnell ansteigenden Temperaturen ohne schützende Schneedecke gewesen. Die Kulturen hätten aber bereits die nötige Winterhärte entwickelt und seien ohne Schäden davongekommen.

Eine der wichtigsten Feldfrüchte ist und bleibt in Oberfranken die Braugerste. „In keiner anderen Region wird so viel Braugerste angebaut, wie bei uns“, sagte Greif. Rund ein Drittel der bayerischen Erntemenge komme aus dem Regierungsbezirk. Dennoch sei die Anbaufläche in den vergangenen fünf Jahren um etwa 7000 Hektar zurückgegangen. Als Gründe dafür nannte der BBV-Präsident vor allem die eher schlechteren Preise und die durch die Trockenheit der letzten Jahre eher unterdurchschnittlichen Erträge. Aktuell sei der Braugerstenpreis allerdings auf einem eher niedrigeren Niveau. Grund dafür sei die Corona-Pandemie, die gerade die Brauereien, deren Hauptgeschäft bei den Gaststätten liegt, stark belastet hat.

Der steigende Bedarf nach klimafreundlichen Biokraftstoffen, um die Vorgaben der Treibhausgaseinsparungen zu erfüllen, hat nach Angaben des BBV für einen positiven Preisverlauf bei Raps und Mais gesorgt. Die hochwertige und bienenfreundlichen Blattfrucht Raps hatte Anfang des Jahres mir rund 500 Euro pro Tonne sogar einen Rekordpreis erzielt. Auch der Mais hatte richtig Schwung in die Märkte gebracht, weil die Nachfrage konstant gewachsen sei.

Ganz wichtig in Oberfranken ist auch das Grünland, das in den ersten beiden Schnitten aufgrund der Niederschläge bisher gute Mengen und gute Qualitäten hervorgebracht hatte. Besonders nach der trockenheitsbedingt oft angespannten Futtersituation in den zurückliegenden Jahren sei dies von großer Bedeutung für viele Betriebe.

Insgesamt sei 2021 oberfrankenweit weniger Raps und Sommergerste angebaut worden, während die Fläche bei Mais, Klee und Ackergras deutlich anstieg. Hier spiegle sich der Futterbedarf von Tierhaltern nach den trockenen Jahren wider. Auch sei bei den Druschfrüchten eine Verschiebung von Winterweizen und Wintergerste zu Gunsten des Dinkelanbaus erkennbar.

Das Ernte-Pressegespräch fand diesmal auf dem Franzenhof der Familie Deinlein in Neudorf im Landkreis Bamberg statt. Dagmar und Jörg Deinlein bewirtschaften dort rund 300 Hektar Fläche. Wichtigstes Standbein ist die Ferkelerzeugung, ein weiteres Standbein ist eine Biogasanlage, mit der Strom produziert wird. Der Betrieb ist qualifiziertes Mitglied der Interessensgemeinschaft „Lernort Bauernhof“, Dagmar Deinlein ist staatliche geprüfte Hauswirtschafterin und qualifizierte Erlebnisbäuerin. Jüngste Errungenschaft ist ein kleines Hofcafe, das immer Sonntagnachmittag geöffnet hat.

Oberfrankenweit gibt es rund 8000 landwirtschaftliche Betriebe (Mehrfachantragsteller), etwa zwei Drittel davon werden im Nebenerwerb geführt.

Bilder:
1.
 Freuen sich über tendenziell gute Ernteaussichten: Der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif, die Landwirte Jörg und Dagmar Deinlein sowie BBV-Direktor Wilhelm Böhmer (von links).
2. In weiten Teilen Oberfrankens ist die Ernte bereits in vollem Gang.
3
. Mit dem BBV-Schlepper in Neudorf bei Scheßlitz im Landkreis Bamberg (von links): die Landwirte Dagmar und Jörg Deinlein, BBV-Präsident Hermann Greif und BBV-Direktor Wilhelm Böhmer.

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17.07.2021

Regional konsumieren statt importieren / Oberfränkische Landjugend wirbt in der Bayreuther Innenstadt für Lebensmittel aus heimischer Erzeugung

Bayreuth Einen besseren Platz hätte die Jungbauernschaft kaum finden können: Mitten auf dem Bayreuther Marktplatz und damit im Herzen der Stadt hat die BBV-Traktortour 2021 zur besten Einkaufszeit am Samstagvormittag Station gemacht. „Wir wollen dem Verbraucher den Wert der Direktvermarktung nahebringen und auf die große Bedeutung regionaler Lebensmittel hinweisen“, erklärte Maximilian Raimund, Bezirksvorsitzender der oberfränkischen Landjugend.

Die Jungbauernschaft war es auch, die zusammen mit 15 Aktiven fünf Stunden lang auf dem Stadtparkett das Gespräch mit den Verbrauchern suchte. Als Blickfang diente dabei der Essen-aus-Bayern-Traktor, direkt daneben am großen Infostand gab es nicht nur jede Menge Informationsmaterial und das kleine Kochbuch der Landjugendküche, sondern auch Eier, Nudeln, Buchweizen und Kartoffeln in Probierpackungen zum Mitnehmen.

Mit der Landjugend möchte sich auch die nächste Generation an der Schleppertour beteiligen und für die regionale Erzeugung von Lebensmitteln in bester Qualität werben, sagte Jugendreferentin Alexandra Münchberg von der Bezirksgeschäftsstelle in Bayreuth. Viele Leute in der Stadt würden die Landjugend nur mit den Dorffesten verbinden, so Maximilian Raimund. Doch neben einem starken Gemeinschaftsgefühl gehe es bei der Landjugend vor allem auch um inhaltliche Arbeit. Ein Motto laute deshalb auch: „Regional konsumieren statt importieren“.

Die Landjugendlichen hatten den Standort Stadtparkett in der Fußgängerzone Maxstraße auch deshalb ausgewählt, weil es von dort nur wenige Minuten zum Wochenmarkt in der Bayreuther Rotmainhalle sind. Jeden Mittwoch und jeden Samstag bieten dort Direktvermarkter aus dem Bayreuther Land ihre frischen Produkte an.

Am Infostand vor Ort waren mit Michael und Maike Färber vom Forkenhof bei Mistelbach auch Direktvermarkter aus dem Landkreis. Beide berichteten aus erster Hand von den Produktionsbedingungen vor Ort und warben für die Direktvermarktung in ihrem „Milchhäusla“, wo es neben frischer Mich auch Eier sowie selbst erzeugte und regionale Produkte wie Nudeln, Bienenhonig oder Kartoffeln gibt.

Unter dem Motto „Essen aus Bayern“ ist der von Deutz-Fahr gesponserte Schlepper seit 1. Juni kreuz und quer durch Bayern unterwegs, um in allen Landkreisen für regionale Erzeugung zu werben und aufzuzeigen, woher das Essen aus Bayern kommt.

Bild: Mitten in der Bayreuther Fußgängerzone warben (von links) Landjugend-Bezirksvorsitzender Maximilian Raimund, Jana-Lisa Mönch vom Regionalmanagement des Bayreuther Landkreises, Jugendreferentin Alexandra Münchberg, die Direktvermarkter Michael und Maike Färber sowie die Vorstandsmitglieder Franziska Hahn, Theresa Hofmann und Sebastian Feulner für Lebensmittel aus heimischer Erzeugung.

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14.07.2021

Mit Digitalisierung zu mehr Tierwohl / BBV-Traktortour machte im Landkreis Hof Station

Großlosnitz. Beispiele mustergültiger Erzeugung und Produktion mit dem Schwerpunkt Regionalität möchte der Bauernverband mit seiner Traktortour 2021 aufzeigen. Im „Milchlandkreis“ Hof konnte das natürlich nur ein Milchviehbetrieb sein, und zwar der von Tobias Puchta in Großlosnitz, das zur Gemeinde Zell im Fichtelgebirge gehört.

Nicht weit davon entfernt ist Kleinlosnitz, bekannt durch das Oberfränkische Bauernhofmuseum. Dort kann jeder Besucher sehen, wie ein Kuhstall früher ausgesehen hat: eng, muffig, dunkel, klein und stickig. „Von wegen gute alte Zeit“, sagt Karin Wolfrum. Jedes Tier ist ein Individuum und jedes Tier hat Achtung und Respekt verdient“, so die Kreisbäuerin.

Tobias Puchta (25) und seine Eltern Klaus und Sandra Puchta haben in Sachen Stallbau vorbildliches auf die Beine gestellt. Die Tiere haben frische Luft, Auslauf, Tageslicht und jede Menge Komfort. Sogar nach draußen können sie, Regen, Schnee oder auch Hitze erleben. Letzteres ist allerdings gar nicht so gefragt.

2019 hatte die Familie mit dem Stallbau begonnen, Ende März 2020 war der Einzug. 95 Milchkühe plus Nachzucht, haben hier ein neues Zuhause gefunden, 130 Kühe sollen es im Endausbau sein. Der Stall ist weit rund 2400 Quadratmeter groß, so dass jedes Tier einen Liegeplatz hat. Gemolken wird per Melkroboter, die Überwachung der Tiere findet digital per Transponder statt, so dass Tobias Puchta sofort auf seinem Bildschirm sieht, wenn mit einer Kuh etwas nicht stimmt. So könne die Digitalisierung auch gut zum Tierwohl beitragen.

„Der Stallbau war schon ein großer Schritt“, sagt Seniorchefin Sandra Puchta. Schließlich sei es nicht so einfach, wenn man bedenkt, womit die Bauern derzeit so alles zu kämpfen hätten. Doch irgendwann sei man vor der Frage gestanden, die Sandra Puchta mit dem alten Spruch beschreibt: „Wachsen oder weichen“.

Die erzeugte Milch, Tobias Puchta spricht von 1,4 bis 1,5 Millionen Kilogramm Milch pro Jahr, geht zur Weiterverarbeitung an die zur Bayernland eG gehörende Käserei im etwa 25 Kilometer entfernten Bayreuth.

„Für uns steht regionale Wertschöpfung an erster Stelle“, so Annika Popp. Die stellvertretende Landrätin und Bürgermeisterin von Leupoldsgrün war eigens zum Schleppertour gekommen, um sich selbst ein Bild vom zukunftsgerichteten modernen Stallbau der Familie Puchta zu machen. Im Landkreis Hof sei die Landwirtschaft sehr kleinteilig ausgerichtet mit noch verhältnismäßig vielen Betrieben. Dem Landkreis sei die große Bedeutung der Landwirtschaft vor Ort sehr wohl bewusst, deshalb unterstützte er sie auch nach Kräften, versicherte Annika Popp.

Bild:
- Landwirt Tobias Puchta steht für mustergültige Erzeugung und Produktion.

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 Der neue Milchviehstall der Familie Puchta in Großlosnitz war einer der Stationen der BBV-Traktortour.

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13.07.2021

Bestes Beispiel für Regionalität / Galloways als Burger und Braten - BBV-Traktortour machte in Kornbach Station

Kornbach. So funktioniert Regionalität: Johannes Herold erzeugt auf seinem Betrieb in Kornbach bei Gefrees hochwertiges Weidefleisch von Galloways-Rindern, gleich nebenan im Gasthof Kornbachtal von Sebastian Loos kommt das Fleisch auf den Teller, und zwar in vielen verschieden Variationen, etwa als Burger, Rouladen, Braten oder Steaks.

„Ein ganz tolle Symbiose und ein Musterbeispiel für regionale Erzeugung und Vermarktung“, findet der Kreisgeschäftsführer des Bauernverbandes Harald Köppel. Um darauf aufmerksam zu machen, war Kornbach auch eine der Stationen im Rahmen der BBV-Traktortour 2021. Unter dem Motto „Essen aus Bayern“ ist der von Deutz-Fahr gesponserte Schlepper seit 1. Juni kreuz und quer durch Bayern unterwegs, um in allen Landkreisen für regionale Erzeugung zu werben und aufzuzeigen, woher das Essen aus Bayern kommt.

Eigentlich ist alles, was es im Gasthof Kornbachtal gibt aus regionaler Erzeugung, Fleisch, Eier, Brot, Bier, Fleisch sowieso und sogar das Eis. „Regionalität wird bei uns gelebt“, sagt Sebastian Loos, der den Gasthof zum 1. Januar dieses Jahres zusammen mit seiner Frau Svenja von seinen Eltern Hedwig und Konrad Loos übernommen hatte. Zunächst galt es erst einmal einige Monate Lockdown zu überstehen, bis endlich Ende Mai der Biergarten wieder öffnen konnte..

2017 kam zum ersten Mal ein Galloway-Rind auf den Tisch. Jedes Jahr gibt es seitdem ein Weidefest, Galloway-Abende oder Fleischpakete zum Außer-Haus-Verkauf. Mittlerweile stehe die aus Schottland stammende Rinderrasse in allen Variationen sogar auf der Karte, erklärt Sebastian Loos, gelernter Koch, der zuvor in der Bischofsgrüner Höhenklinik tätig war. „Die kurzen Wege sind einfach unschlagbar“, sagt er. Jeder Gast könne vom Biergarten direkt auf die Weide blicken und den Galloways beim Grasen zusehen. Zugegeben, geschlachtet werden müssen die Rinder noch, aber auch das passiert ganz in der Nähe in Lanzendorf im Nachbarlandkreis Kulmbach.

Die Herde gehört Johannes Herold, der seinen Betrieb im Nebenerwerb führt und aktuell 40 Tiere hat. Jahrzehntelang wurden auf dem Hof Mastschweine gehalten, bis er aufgrund der Rahmenbedingungen sich auf die Suche nach etwas neuem machte. „Wir wollten nicht von den Märkten abhängig sein“ sagt Johannes Loos. So sei man nach einiger Recherche auf die Galloways gestoßen und hatte erst einmal mit fünf Tieren begonnen. 50 bis 60 sollen es noch werden.

Bild: In Kornbach bei Gefrees machte der Essen-aus-Bayern-Traktor des BBV Station. Um für regionale Erzeugung zu werben trafen sich (von links): BBV-Kreisgeschäftsführer Harald Köppel, Kreisbäuerin Angelika Seyferth, die Seniorchefin des Gasthofs Kornbachtal Hedwig Loos, Juniorchef Sebastian Loos und Galloway-Halter Johannes Herold.

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12.07.2021

Rohstoffe aus der Region / Braugerste im Focus - BBV-Traktortour machte Station im Landkreis Wunsiedel

Wunsiedel. Im Landkreis haben die Verantwortlichen die BBV-Traktortour dafür genutzt, um für die Hauptfrucht des gesamten Fichtelgebirges, die Braugerste, die Trommel zu rühren. Auf knapp 4000 Hektar und damit auf über einem Drittel der landwirtschaftlich genutzten Fläche wird die Sommergerste im Landkreis angebaut. Also machte der „Essen-aus-Bayern-Traktor“ zunächst auf einem Acker von Landwirt Werner Schricker im Ortsteil Holenbrunn Station, dann ging es weiter zur Traditionsbrauerei Lang im nahen Schönbrunn.

In Oberfranken passt die Sommergerste einfach zu den Böden. Auch wenn die Anbaufläche insgesamt ein wenig zurückgegangen ist, so wird immer noch auf 25661 Hektar Sommergerste angebaut. Etwa 80 Prozent davon sind von der Qualität her Braugerste, so Martin Schöffel, Landtagsabgeordneter und zugleich stellvertretender Vorsitzender des oberfränkischen Braugerstenvereins. Die restlichen 20 Prozent werden in der Regel zu Futtergerste. Das entspreche rund 7,5 Millionen Hektoliter Bier, rechnete er vor. „Was wir hier in hervorragender Qualität anbauen hat weit überregionale, ja bundesweite Bedeutung“, sagte Schöffel. Er verschwieg aber auch nicht, dass der Bierabsatz aufgrund der Pandemie zuletzt stark gelitten hatte. Die Gastronomie sei monatelang geschlossen gewesen, Volksfeste hätten nicht stattgefunden.

Einer, der auf Braugerste aus der Region setzt, ist Richard Hopf von der Brauerei Lang im Wunsiedler Ortsteil Schönbrunn, ein „Aushängeschild der Region“, wie es Kreisobmann Harald Fischer formulierte, zugleich aber auch noch eine von insgesamt vier verbliebenen Brauereien im Landkreis. „Wir setzen seit Generationen auf Rohstoffe aus der Region“, so Hopf. Er kenne seine Landwirte noch persönlich. Die Brauerei Lang hat insgesamt 14 Biersorten in ihrem Portfolio, darunter die Klassiker wie Helles, Dunkle, Pils, Weißbier, aber auch saisonale Biere, Craft-Biere und, wie es Richard Lang nennt, Spaßsorten, wie zum Beispiel, kein Witz, ein „Erotikbier“.

Insgesamt hofft Kreisobmann Harald Fischer in diesem Jahr auf gute Erträge. Die Pandemie habe gezeigt, wie wichtig die regionale Lebensmittelerzeugung ist. „Deshalb wollen wir auch das Bewusstsein für die regionale Erzeugung fördern und den Konsum heimischer Lebensmittel ankurbeln“, so Fischer. Die Auswahl im Supermarkt sei heute bei nahezu jedem Produkt riesengroß. „Wer die heimische Landwirtschaft gezielt unterstützen möchte, kauft regional“.

Landtagsabgeordneter Schöffel sprach sich in diesem Zusammenhang dafür aus, dass die Eigenversorgung mit Nahrungsmitteln in Deutschland im Grundgesetz verankert werden soll. „Wir müssen darauf achten, dass Lebensmittel dauerhaft aus dem eigenen Land kommen“, Schöffel. Gerade in Zeiten, in denen der Lebensmitteleinzelhandel die Bedingungen nach oben schraubt, sollte auch darauf geachtet werden, dass bei Importen unsere Standards gelten. Preisdruck mit ausländischer Ware dürfe man nicht zulassen.

Bild: In einem Feld bei Holenbrunn hat der „Essen-aus-Bayern-Traktor“ Station gemacht. Mit dabei waren (von links): Bürgermeister Nicolas Lahovnik, der stellvertretender Kreisobmann Stephan Regnet, Kreisbäuerin Karin Reichel, Kreisobmann Harald Fischer, der stellvertretende Landrat Roland Schöffel, Landtagsabgeordneter Martin Schöffel und Landwirt Werner Schricker.

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07.07.2021

Neuer Rückewagen für die WBV Hollfeld

Drosendorf. Ihren neuen Rückewagen hat die Waldbesitzervereinigung Hollfeld in diesen Tagen in Betrieb genommen. Es ist bereits der vierte Rückewagen der über 1600 Mitglieder starken WBV.

„Der Bedarf nach einem weiteren Rückewagen war da“, sagt Vorsitzender Christian Dormann. Die bisherigen drei Wägen seien ständig ausgebucht gewesen, oft hätten Mitglieder sogar Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Deshalb hatte sich die WBV schon Ende des zurückliegenden Jahres um Verstärkung bemüht. Wer jetzt bestellt, müsse aufgrund der guten Fördersituation durch das Investitionsprogramm des Bundes meist noch viel länger warten. „Gerade bei Forstmaschinen sei der Markt wegen der Prämien überhitzt“, so 2. Vorsitzender Matthias Weigand.

Der neue Wagen der Marke Stepa gilt als „Mercedes“ unter den Rückewagen und kostet rund 35000 Euro. Dafür ist er auch absolut robust und zuverlässig. „Genau das brauchen unsere Mitglieder“, so Harald Gardill, auf dessen Hof in Drosendorf bei Hollfeld sich der Maschinenstützpunkt der WBV befindet.

Die Mitglieder der WBV Hollfeld kommen aus den Landkreis Bamberg, Bayreuth und Kulmbach. Die Menge des für die Mitglieder vermarkteten Holzes lag im vergangenen Jahr bei rund 30000 Festmeter. Die knapp 1600 Mitglieder der WBV Hollfeld bewirtschaften zusammen eine Fläche von rund 12400 Hektar.

Bild: Die Vorstandschaft der WBV Hollfeld hat den neuen Rückewagen in Empfang genommen (von links): 2. Vorsitzender Matthias Weigand, Vorsitzender Christian Dormann, Kassenwartin Carola Betz, Schriftführer Helmut Stenglein sowie Maschinenwart Helmut Gardill mit Ehefrau Sonja.

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05.07.2021

Kohl und Knoblauch aus dem Knast / Gefängnisgärtnerei hinter barocken Mauern – Genügsame Sorten und flexible Bewirtschaftung

Bayreuth. Man mag es kaum für möglich halten, doch einer der größten Gemüseanbaubetriebe der Region liegt tatsächlich hinter dicken Gefängnismauern. „Wir produzieren rund 40 bis 45 Tonnen eigenes Gemüse im Jahr“, sagt der leitende Gärtnereimeister der Justizvollzugsanstalt Bayreuth–St. Georgen Jörg Eckel. Knapp die Hälfte davon bleibt zur Eigenversorgung in der JVA, der Rest geht in den freien Verkauf an jedermann.

Das Besondere an der Gefängnisgärtnerei: hier werden nicht nur 55 bis 60 verschiedene Gemüsesorten angebaut, alles ist auch biologisch, denn der Betrieb ist seit 2020 EU-bio-zertifiziert. Welche Philosophie hinter der Gemüseproduktion im Gefängnis steckt, davon konnte sich eine Delegation des Bezirksverbandes für Gartenbau und Landespflege bei einer Besichtigung in der Reihe „Gartengespräche“ jetzt ein Bild machen.

Bis etwa zum Jahr 2000 wurden hauptsächlich Blumen und Zierpflanzen angebaut, erinnert sich Gärtnermeister Eckel. Irgendwann habe aber auch die Gefängnisgärtnerei nicht mehr mit dem Billigangebot von Baumärkten und Lebensmitteleinzelhandel mithalten können, so dass sich die verantwortlichen für den Umstieg zu Nutzpflanzen entschieden haben.

Schnell sei allerdings klar geworden, dass die Nachfrage der Kunden nach biologisch produzierter Ware immer größer wurde. So habe man zum Beispiel nach und nach von konservativen Düngemitteln auf biologischen Pflanzenschutz und Naturdünger umgestellt. Auch das Saatgut wird in der Regel selbst produziert. Zu Gute kam der Gefängnisgärtnerei bei der Umstellung auf eine biologische Wirtschaftsweise unter anderem aufgrund der kurzen Wege die innerstädtische Lage der Anbaufläche. „Ansonsten muss man aber schon wesentlich flexibler sein, als beim konservativen Anbau“, sagt Eckel. Man benötige auch Sorten, die genügsamer sind.

So gibt es in einem der zahlreichen Gewächshäuser rund 850 Tomatenpflanzen auf einer Fläche von 300 Quadratmeter. Direkt daneben wachsen in einem weiteren Gewächshaus die Gurken. Pro Jahr werde etwa 900 Quadratmeter Feldsalat gepflanzt. Die Kunden, hauptsächlich aus der Stadt Bayreuth, profitieren vor allem von der Frische des Angebots. „Bei uns gibt es praktisch keine Transportwege, alles kommt vom Feld frisch auf die Theke“, so Völkl.

Neben Jörg Eckel sind in der Gärtnerei ein weiterer Gärtnermeister, ein Landschaftsgärtnermeister und zwei qualifizierte Kräfte beschäftigt. Dazu kommt eine stark wechselnde Zahl an Häftlingen, die allerdings genau auf ihre Zuverlässigkeit hin ausgewählt werden. „Es ist ein begehrter Arbeitsplatz, wir können aber nur handverlesene Leute“ nehmen, so der Leiter der Arbeitsverwaltung Rainer Völkl.

Die JVA Bayreuth – St. Georgen ist eine der ältesten und gleichzeitig eine der größten Haftanstalten Bayerns. Sie wurde nach den Worten von Anstaltsleiter Matthias Konopka 1724 von Markgraf Friedrich als Zucht- und Arbeitshaus errichtet. Hinter Mauern und Stacheldraht verbüßen derzeit rund 800 Häftlinge Freiheitsstrafen von wenigen Wochen Dauer bis zu lebenslang, darunter auch gut 100 Untersuchungshäftlinge, die noch auf ihren Prozess warten.

Da Gefangene zur Arbeit verpflichtet sind, gibt es in Bayreuth 15 handwerkliche Eigenbetriebe, von der Kfz-Werkstatt bis zur Schlosserei, so Rainer Völkl von der Arbeitsverwaltung. Sie arbeiten teilweise für die Eigenversorgung der Anstalt, teilweise für Unternehmen von außerhalb.

Bilder:
1
. Rund 850 Tomatenpflanzen beherbergt alleine dieses eine Gewächshaus auf dem Areal an der Markgrafenallee in Bayreuth.
2. Gärtnermeister Jörg Eckel (links) und Rainer Völkl von der Arbeitsverwaltung der JVA erläuterten die Wirtschaftsweise der Gefängnisgärtnerei.
3. Die biologisch betriebenen Anstalts-Gärtnerei der Justizvollzugsanstalt St.-Georgen Bayreuth hat der Verband für Gartenbau und Landespflege besichtigt.
 

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29.06.2021

Über 400 Tiere vor dem Mähtod bewahrt - Rehkitzrettung Oberfranken zieht positive Bilanz

Bayreuth. Landwirte und Tierschützer Hand in Hand. Das ist durchaus möglich. Ein Musterbeispiel für die Zusammenarbeit ist die Kitzrettung Oberfranken. „Wir konnten heuer beim ersten Schnitt schon über 400 Rehkitze vor dem sicheren Mähtod bewahren“, sagt Britta Engelhardt von der Kitzrettung. Angst, dass man sich militante Tierschützer auf seine Wiese holt, haben die Bauern in der Region nicht mehr. „Wir sehen die Arbeit der Kitzrettung als Praktiker sehr positiv“, sagt Reinhard Sendelbeck, Vorsitzender des Maschinenrings Bayreuth-Pegnitz. Harald Köppel, Geschäftsführer des BBV in Bayreuth ergänzt: „Wir sind zusammen mit der Kitzrettung auf einem guten Weg“. Anerkennung kommt schließlich auch aus der Jägerschaft. „Wir zollen den ehrenamtlichen Mitstreitern Respekt“, sagt Kreisjagdberater Georg Bayer.

Ziel des Vereins „Kitzrettung Oberfranken“ mit seinen rund 40 bis 50 Aktiven ist es, Wildtiere kurz vor dem Schnitt aufzuspüren und sie entweder zu verscheuchen oder solange festzusetzen und damit zu sichern, bis das Grünland gemäht ist. Vor allem die Rehkitze seien in den ersten Lebenswochen sehr gefährdet, denn die Wiesen sind in dieser Zeit so eine Art Kinderstube der Tierbabys. Die Tiere hätten in den ersten Wochen keinen Fluchtinstinkt und würden bei Gefahr regungslos an ihrem Platz liegenbleiben. Die Kitzrettung unterstützt damit die Landwirte und die Jagdpächter beim Absuchen der Wiesen und verhindert so den meist qualvollen Tod der Kitze. Das Tätigkeitsfeld der Rehkitzrettung erstreckt sich auf die Landkreis Bayreuth, Hof, Wunsiedel und Kulmbach.

„Wir sehen uns als Partner der Landwirte“, sagt Britta Engelhardt. Heuer hätten sie und ihre Mitstreiter gar nicht alle Anfragen bearbeiten können. „Wir konnten gar nicht alle Bauern unterstützen, weil das Zeitfenster der Mahd wetterbedingt so eng war.“ Trotzdem fällt die Bilanz mit 314 direkt geretteten Jungtieren und weiteren 100, die von externen Drohnenpiloten aufgespürt werden konnten, überaus positiv aus. Im Jahr zuvor waren es nur 193 Kitze.

Trotz der positiven Zahlen gibt es immer wieder spektakuläre Einzelfälle, bei denen ein Rehkitz verendet. „Wir machen den Landwirten keinen Vorwurf“, stellt Britta Engelhardt klar. Eine hundertprozentige Garantie könne niemand geben: „Wir können vieles möglich machen, aber wir können natürlich nicht zaubern“. Sie appelliert an alle Landwirte, zeitnah nach dem Drohnenüberflug zu mähen. Immerhin habe die Hälfte der geretteten Tiere per Drohne aufgespürt werden können.

Dabei beschäftigt das Thema die Bauern nicht erst seit gestern, wie Harald Köppel vom Bauernverband feststellt. Technische Lösungen gebe es bereits, sie seien aber noch ausbaufähig, so dass man auf die Arbeit der Rehkitzrettung keineswegs verzichten könne. Insgesamt könne man feststellen, dass die Aufmerksamkeit vieler Menschen für das Thema immens gestiegen ist.

Technische Lösungen, bei denen das Mähwerk automatisch abschaltet, wenn Temperatur- und Farbindexmessung sowie Infrarotsensoren anspringen seien bereits in den Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks getestet worden, so Lehrkraft Tobias Weggel. Sie hätten zwar funktioniert, doch seien auch Probleme aufgetreten. Zum einen seien die Systeme auf ein Mähtempo von nur acht Stundenkilometern ausgelegt, was die Arbeit erheblich einschränkt. Zum anderen sei die Zahl der Fehlalarme sehr groß gewesen, weil die Abschaltsysteme auch auf Hundekotbeutel, weggeworfene Chipstüten und anderen Müll reagiert hätten.

Nach den Worten von Kreisjagdfachberater Peter Meister steigt durch die Rehkitzrettung das gesellschaftliche Verständnis für die Arbeit der Bauern. Auch der Jägerverein hat bereits zwei Drohnen angeschafft, mit denen Rehkitze im hohen Gras aufgespürt werden können, so Adolf Reinel vom Jägerverein.

Mit der Vernetzung aller beteiligten Akteure sei man auf dem richtigen Weg, sagte Reinhard Sendelbeck vom Maschinenring. Er bezeichnete die Drohne als derzeit wichtigstes Instrument. Allerdings könne man auch damit keine hundertprozentige Sicherheit gewährleisten.

Bild: Von der Wildscheuche bis zur Drohne gibt es bereits Hilfsmittel um Rehkitze aufzuspüren. Eine positive Bilanz nach dem ersten Schnitt zogen (von links): Tobias Weggel, Georg Bayer, Harald Köppel, Britta Engelhardt, Johannes Scherm, Reinhard Sendelbeck, Norbert Dörfler, Adolf Reinel und Peter Meister.

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29.06.2021

Bioenergie und Borkenkäfer / Land- und Forstwirtschaft im Frankenwald – Informationsfahrt von Regierungspräsidentin Piwernetz

Wilhelmsthal. Das Bioenergiedorf Effelter und die Borkenkäferschäden bei Eichenbühl waren zwei Stationen der Landwirtschaftsfahrt von Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, die heuer in den Landkreis Kronach geführt hat. „Es wird viel zu wenig darüber diskutiert, was die Bauern hier alles leisten“, zog Piwernetz eine positive Bilanz. Jeder siebte Arbeitsplatz hänge im Landkreis von der Landwirtschaft ab. Die Regierungspräsidentin rief Landwirte und Verbraucher dazu auf, im Dialog zu bleiben. Trotz der vielen kritischen Stimmen in der Öffentlichkeit sei man aber insgesamt auf einem guten Weg.

Zum Start der Informationstour gab es zunächst eine kleine Wanderung durch den Wald auf den Steinberg bei Eichenbühl in der Gemeinde Wilhelmsthal. Viel ist dort nicht mehr üblich geblieben vom einst so üppigen Fichtenwald. Als Ursache dafür nannte Michael Schmidt, Leiter des Landwirtschaftsamte4s Kulmbach die extreme Borkenkäferplage im Frankenwald. Auslöser für die Massenvermehrung seien die heißen und trockenen Sommer der letzten Jahre gewesen. „Viele Waldflächen sind abgestorben oder werden in diesem Jahr noch absterben“, so Schmidt. Seinen Worten zufolge sind seit 2018 bereits rund fünf Prozent des Waldes im Landkreis abgestorben. Die Wiederaufforstung dieser Kahlflächen bezeichnete er als riesige Aufgabe.

Vor Ort waren auch zahlreiche Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe des Frankenwaldgymnasiums Kronach, die sich im Rahmen zweier Seminarreihen mit dem Thema beschäftigen. Sie planen die Wiederaufforstung der Kahlfläche. Gemeinsam mit dem Waldbesitzer wollen die Schüler noch im Herbst 2021 selbst mit Hand anlegen und klimatolerante Bäume pflanzen. Als mögliche Baumarten schlugen die Elftklässer unter anderem die Stieleiche, die Roteiche, die Libanon-Zeder, die korsische Schwarzkiefer vor. Das W-Seminar (früher Facharbeit) der Schüler trägt bezeichnenderweise den Namen: „SOS – Frankenwald in Not“.

Ebenfalls in der Gemeinde Wilhelmsthal liegen der Betrieb der Familie Appel und das Bioenergiedorf Effelter. Die Familie bewirtschaftet rund 300 Hektar landwirtschaftliche Fläche, wobei die Flächen auf einer Höhe zwischen 400 und 700 Meter über NN liegen. Im Stall sind 135 Milchkühe, zusammen mit der weiblichen Nachzucht kommt Betriebsleiter Ewald Appel auf rund 300 Tiere.

Zweites Standbein des Betriebes ist die Erzeugung von Strom und Wärme. Neben einer großen Photovoltaikanlage betreibt die Familie eine Biogasanlage, die über 40 Einheiten in Effelter mit Wärme versorgt. Die Anlage wurde 2002 als erste im Landkreis gebaut und 2014 erweitert. „Diese nachhaltige, klimaneutrale und kleinteilige Energieerzeugung ist wichtig. Zudem wird der Aufwuchs extensiv bewirtschafteter Wiesen genutzt. Das kommt auch der Natur zugute“, betont Behördenleiter Schmidt.

Letzte Station der Informationsfahrt war der „Daumahof“ im nahen Rechenbach. Der Biobetrieb mit Schwerpunkt Milchviehhaltung und Urlaub auf dem Bauernhof wird von der Familie Förtsch geführt. Sie bewirtschaften 150 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche und 45 Hektar Wald und halten drei Ferienwohnungen vor.

„Die Corona-Pandemie hat uns eindringlich vor Augen geführt, welche Bedeutung die Produktion hochwertiger Nahrungsmittel vor der Haustür hat“, zog Regierungspräsidentin Piwernetz am Ende ein positives Fazit. Die Leistungen der oberfränkischen Bauern zur Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen verdienten wahrlich Anerkennung.

Der Landkreis Kronach umfasst eine Gesamtfläche von über 65000 Hektar. Davon sind rund 18000 Hektar landwirtschaftliche genutzte Fläche, die Waldfläche beträgt zirka 38500 Hektar. Damit ist der Landkreis Kronach mit fast 60 Prozent Waldanteil eine der waldreichsten Landschaften in Bayern. Von den rund 700 landwirtschaftlichen Betrieben haben nur gut 100 mehr als 50 Hektar Fläche. Punkten kann der Landkreis mit dem oberfrankenweit höchsten Ökoflächenanteil von etwa 23 Prozent.

Bilder:
1.
 Der Leiter des Kulmbacher Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Michael Schmidt erläuterte der oberfränkischen Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz die Borkenkäfersituation.
2.
Auf dem Steinberg bei Eichenbühl im Landkreis Kronach hat der Borkenkäfer große Schäden angerichtet.
3.
Milchviehhaltung und Energieerzeugung stand auf dem Betrieb Appel in Effelter im Mittelpunkt.
4. Ewald Appel hat die erste Biogasanlage im Landkreis Kronach gebaut.

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23.06.2021

Üppige Bestände und wenig Schädlinge / Erzeugergemeinschaft für Qualitätsraps in Oberfranken zieht positive Bilanz

Medlitz. Draußen auf den Feldern steht ein Super-Raps und die Preise dafür sind auf einem historischen Hoch: „Rapsanbau macht wieder Spaß“. Das hat Klaus Siegelin, alter und neuer Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsraps in Oberfranken bei der Mitgliederversammlung in Medlitz bei Rattelsdorf festgestellt.

Schon die Tatsache, dass die Versammlung endlich wieder als Präsenzveranstaltung stattfinden konnte, wurde von den Mitgliedern positiv bewertet. Umso besser, dass die Bilanz auch noch durchweg positiv ausgefallen ist. „Raps ist schließlich auch eine überaus interessante Kultur und was den Klimawandel und die Energiewende angeht ein wichtiger Teil der Lösung“, so Geschäftsführer Torsten Gunselmann von der BBV-Geschäftsstelle in Bamberg.

Schon bei der Aussaat im Herbst habe alles bestens funktioniert. Fluffige Böden hätten für leichtes Arbeiten und der anschließende Regen für üppige Bestände gesorgt. Zumindest ab und zu schneebedeckte Böden im Winter und genügend Wasser im Frühjahr hätten schließlich für die wirklich guten Bestände gesorgt, so Vorsitzender Siegelin. Auch von Schädlingsseite sei die Situation deutlich besser als in den Jahren zuvor. Die Einstiche des Stängelrüsslers habe der Raps gut verkraftet und das Auftreten des Rapsglanzkäfers sei historisch gering gewesen.

Wo viel Licht ist, da gibt es natürlich auch Schatten. Nach den Worten von Geschäftsführer Torsten Gunselmann ist die Anbaufläche in Oberfranken seit 2010 von damals rund 20000 Hektar auf mittlerweile etwa 13000 Hektar zurückgegangen. Vor zwei Jahren seien es sogar nur noch cirka 10000 Hektar gewesen. Dies entspreche exakt dem europäischen Trend seit einigen Jahren. Europa sei beim Raps ohnehin auf Importe angewiesen. Der Abstand zwischen Verbrauch und Erzeugung in der EU sei derzeit so groß wie nie zuvor.

Rückläufig war schließlich auch die Mitgliederentwicklung der Erzeugergemeinschaft. Immerhin hat der Zusammenschluss noch knapp 600 Mitglieder, geringfügig weniger als noch im Jahr zuvor. Die Mitgliedschaft lohnt sich allerdings, zumal die Erzeugergemeinschaft mit einer eigenen Whats-App-Gruppe absolut auf der Höhe der Zeit ist. Dort gibt es ständig aktuelle Marktdaten und interessante Informationen über den Rapsanbau exklusiv für alle Mitglieder.

Insgesamt hatte Vorsitzender Siegelin, der auch stellvertretender Kreisobmann in Kronach ist, gehofft, dass die Landwirtschaft gestärkt aus der Pandemie hervorgeht. Doch auch wenn die Landwirtschaft als systemrelevant eingestuft worden ist, sei von den Bauerddemos nicht mehr viel übrig geblieben. Siegelin: „Ich habe gedacht, wir zählen wieder was bei der Politik, doch dem war leider nicht so.“

Bei den turnusgemäßen Neuwahlen gab es wenig Veränderungen. Vorsitzender bleibt Klaus Siegelin aus Küps, 2. Vorsitzender Jürgen Finkel aus Ummersberg bei Ebensfeld und als weiterer stellvertretender Vorsitzender wurde Jürgen Dederl aus Bayreuth gewählt. Sie alle erhielten keine einzige Gegenstimme. Für jeden Landkreis Oberfrankens hat die Erzeugergemeinschaft einen Beisitzer: Jörg Marth aus Arzberg (Landkreis Wunsiedel), Markus Koch aus Küps (Landkreis Kronach) Martin Flohrschütz, aus Lautertal (Landkreis Coburg), Christoph Seitz aus Himmelkron (Landkreis Kulmbach), Johannes Angermüller aus Lichtenfels, Markus Ziegler aus Bayreuth, Jens Körber aus Schönbrunn (Landkreis Bamberg). Neu sind Dominik Galster aus Pinzberg (Landkreis Forchheim) und Patrick Heerdegen aus Stammbach (Landkreis Hof).

Bild: Sie stehen an der Spitze der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsraps in Oberfranken (von links): Geschäftsführer Torsten Gunselmann, Vorsitzender Klaus Siegelin, 2. Vorsitzender Jürgen Finkel und der weitere stellvertretende Vorsitzende Jürgen Dederl.

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11.06.2021

"Fliegender Bauer" / Das Flurbereinigungsdenkmal in Wüstenstein

„Fliegender Bauer“ hat der Künstler Herbert Hunstein aus Haag in der Fränkischen Schweiz sein Kunstwerk genannt, das von Streitberg kommend am Ortseingang von Wüstenstein (Landkreis Forchheim) steht. Vor genau fünf Jahren hat der „Haager Schmied“ mit seiner Eisenskulptur dem damals gerade zu Ende gegangenen Flurbereinigungsverfahrens in Wüstenstein, einem Ortsteil des Marktes Wiesentthal, einen ganz besonderen Abschluss beschert. Heute ist der stilisierte Landwirt, dessen völlig veralteter Pflug ihm regelrecht aus den Händen fliegt, ein beliebtes Fotomotiv für Ausflügler und Wanderer.

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08.06.2021

Bauern sind keine Buhmänner / Botschaft des Spaßes: Virtueller Landfrauentag des BBV Bayreuth

Bayreuth. Glaube und Humor, das muss kein Widerspruch sein. Im Gegenteil: Glaube und Humor geben sich die Hand. Das hat Pfarrer Hannes Schott in seinem Referat beim ersten Online-Landfrauentag für Bayreuth und Pegnitz festgestellt. Ähnlich ist es mit dem Thema der Landfrauenarbeit in diesem Jahr. „Richtig gut leben“ lautet das Generalthema. Doch wie soll das gehen, in Zeiten einer Vielzahl von Vorwürfen gegen die Landwirtschaft.

„Die Bauern sind bei allem die Buhmänner“, sagte Kreisbäuerin Angelika Seyferth. Sie sprach von einer „ganz harten Zeit“. Viele Betriebe stünden in den kommenden Monaten vor dem Aus. Als einen Grund dafür nannte sie das angekündigte Verbot der Anbindehaltung. „Viele fragen sich wie soll es weitergehen“, so Seyferth.

Doch sie hatte nicht nur negative Botschaften. Corona habe gezeigt, dass die Landwirte systemrelevant sind. Deshalb konnten sie auch der Arbeit nachgehen und gerade als Direktvermarkter seien sie gefragt gewesen. Es habe sich auch herausgestellt, dass die Forderung nach einem eigenen Schulfach Alltagskompetenzen richtig ist. Denn gerade in Zeiten von Lockdown und Homeoffice habe zum Beispiel das Kochen zu Hause wieder einen ganz neuen Stellenwert erfahren.

„Es ist dringend notwendig, dass auch die Kirche wieder mehr Freude und Spaß zeigt“, sagte Pfarrer Hannes Schott, der heute an der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Jakob in Nürnberg tätig ist, den aber viele noch aus seiner Zeit an der Katharina-von-Bora-Kirche in Bayreuth-Meyernberg kannten. Schott weiß, wovon er spricht, wurde er doch besonders durch seine humorvollen Andachten auf Radio Mainwelle, seine Mitwirkung beim Kirchenkabarett „Zammgebicht“ und seine Buchveröffentlichungen auch einem breiten Zuhörerkreis bekannt.

Der Glaube trage durch schwere Zeiten, sagte Schott, der aus Heinersreuth stammt. Deshalb wäre auch vieles leichter, wenn die Kirche etwas lockerer wäre. Jesus sei ein froher und freundlicher Mensch gewesen, auch wenn er, geprägt von Passion, Karfreitag und Kreuzestod, meist ernst dargestellt wird. Nicht umsonst sei ja von der frohen Botschaft die Rede.

Zahlreiche Grußwortredner hatten sich zu den rund 60 Teilnehmern des virtuellen Landfrauentages eingeklinkt. Sie alle drückten den Landfrauen ihre Anerkennung aus und bedankten sich dafür, dass der Landfrauentag trotz Corona stattfinden konnte. Landfrauen hätten viel mehr Wertschätzung verdient, so der Bundestagsabgeordnete Thomas Hacker. Leben auf dem Land bedeute vor allem auch Bodenständigkeit, Verwurzelung und Tradition, so die Abgeordnete Silke Launert.

Landfrauen hätten sich schon immer neuen Herausforderungen stellen müssen und dies auch erfolgreich getan, so Landrat Florian Wiedemann. Er betonte besonders die starke Funktion der Landwirtschaft als Bewahrer unserer Naturschönheiten. „Sie tragen dazu bei, dass unser schöner Landkreis Bayreuth so liebenswert erhalten wird, wie er ist“, so Wiedemann zu den Landfrauen. Bayreuths zweiter Bürgermeister Andreas Zippel würdigte die Landfrauen als einen der größten Verbände im ländlichen Raum. Die Landfrauen schafften es scheinbar problemlos, Alltag, Familie, Beruf und Ehrenamt unter einem Hut zu bringen.

Christa Reinert-Heinz vom Amt für Landwirtschaft erinnerte daran, dass die Ämter Bayreuth und Münchberg zum 1. Juli zusammengelegt werden. Der Dienstbetrieb gehe jedoch wie gewohnt weiter, versicherte sie, und auch die Landwirtschaftsschulen sollen erhalten bleiben. Im September werde in Bayreuth außerdem ein neues Semester Hauswirtschaft starten.

„Wenn wir richtig gut leben wollen, müssen wir auch deutlich machen, wo uns der Schuh drückt in der Landwirtschaft. Nur so können wir Veränderungen bewirken“, sagte Landesbäuerin Anneliese Göller. Landfrauen seien mit verantwortlich für den Betrieb und leisteten einen großen Beitrag. Deshalb rief sie alle ihre Berufskolleginnen auf, am Ball zu bleiben und Themen mitzugestalten.

Statt des Bayreuther Landfrauenchores, der bislang alle Landfrauentage musikalisch umrahmt hatte, spielte Corona-bedingt diesmal Alleinunterhalter Siggi Stadter auf und schaffte es, auch online für Stimmung zu sorgen.

Bild: Botschafter des Spaßes: Pfarrer Hannes Schott beim virtuellen Bayreuther Landfrauentag.

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28.05.2021

Wichtiger Betrag zum Klimaschutz / Anbaufläche und Preise ziehen wieder an: Raps bleibt attraktive Marktfrucht für fränkische Betriebe

Ebensfeld. Der erste Eindruck täuscht: Auch wenn so viele Felder leuchtend gelb blühen, Raps ist auf dem absteigenden Ast. Wurde vor zehn Jahren in Oberfranken noch auf rund 21000 Hektar Raps angebaut, waren es vor zwei Jahren nur noch 9800 Hektar. Auch wenn es derzeit wieder bergauf zu gehen scheint und bezirksweit immerhin bereits wieder auf fast 14000 Raps zu finden ist, suchen viele Bauern verstärkt nach Alternativen. Das hat Klaus Siegelin, Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsraps in Oberfranken und stellvertretender BBV-Kreisobmann von Kronach, bei einem Pressetermin auf Gut Ummersberg bei Ebensfeld im Landkreis Loichtenfels festgestellt.

Die Gründe für den Rückgang sind vielschichtig. An erster Stelle steht dabei nach den Worten Siegelins der Preisverfall. Dazu kämen die schlechten Ernten aufgrund der Trockenheit in den zurückliegenden Jahren und auch das fehlende Verständnis in der Bevölkerung, dass Raps so intensiv bearbeitet werden muss. Siegelin bedauerte, dass die nur noch eingeschränkten Möglichkeiten im Pflanzenschutz den Rapsanbau unattraktiv gemacht hätten.

Immerhin in Sachen Preis hatte Torsten Gunselmann, Geschäftsführer der gut 600 Mitglieder starken Erzeugergemeinschaft, gute Nachrichten. Waren es zuletzt nur mehr 35 bis 36 Euro pro Doppelzentner, könnten die Bauern heuer mit rund 50 Euro rechnen. „Damit ist und bleibt Raps eine interessante und wirtschaftliche Marktfrucht für viele fränkische Betriebe“, so Gunselmann. Zurückzuführen ist der bessere Preis sowohl auf zu erwartende globale Nachfragesteigerungen als auch auf die höheren Erträge, mit denen Experten aktuell rechnen.

Grundsätzlich komme Raps sehr gut mit den klimatischen Bedingungen und Standortvoraussetzungen in Oberfranken zurecht, sagte Gunselmann. Allerdings hätten viele Tierhalter aufgrund der Trockenheit die schlechten Erträge im Futterbau durch eine Reduzierung des Rapsanbaus ausgleichen müssen. Dennoch bleibe der Raps in vielen Betrieben ein wichtiger Bestandteil der mehrgliedrigen Fruchtfolge. Zum einen sorge der Raps mit seiner tiefen Wurzelbildung für eine gute Durchlüftung und Lockerung des Bodens, zum anderen werde die biologische Aktivität des Bodens gefördert und der Verbleib von Wurzeln und Stroh auf den Äckern rege die Humusbildung an.

Raps gilt weltweit als eine der wichtigsten Ölpflanzen nach Palm und Soja. Der Großteil des Rapses werde zu Biodiesel verarbeitet und spare so über 50 Prozent der Treibhausgasemission Vergleich zu fossilen Kraftstoffen ein. „Damit ist Raps ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz“, so der Lichtenfelser Kreisobmann Michael Bienlein. Neben der Verwendung als technisches Öl wird Rapsöl auch in der Lebensmittelherstellung genutzt und in der wohl bekanntesten Form als Speiseöl angeboten. Darüber hinaus fällt bei der Erzeugung von Biokraftstoff der Pressrückstand an, der als wertvolles gentechnikfreies Eiweißfuttermittel in der Rinder- und Schweinehaltung Verwendung findet.

Aufgeteilt auf die Landkreise sind die meisten Rapsfelder im Landkreis Bamberg gefolgt von den Landkreisen Lichtenfels und Hof zu finden. Den idyllisch gelegenen Gutshof Ummersberg mit Rindermast und Ackerbau betreibt die Familie Finkel seit 1964. Zum Gut gehören 400 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche im Umkreis von zehn Kilometern Luftlinie. Auf einem Viertel wird Raps angebaut. „Raps hat auf unserem Betrieb seit jeher einen hohen Stellenwert“, sagt Junior Jochen Finkel. Auf den anderen Flächen Zuckerrüben, Mais, Winterweizen und Wintergerste. Auch 20 Hektar Grünland gehören dazu. Außerdem betreibt die Familie Photovoltaikanlagen und bietet Urlaub auf dem Bauernhof an. Auf dem Betrieb sind   neben der Familie zwei festangestellte Vollzeitkräfte tätig.

Bild: Ortstermin an einem blühendem Rapsfeld auf Gut Ummersberg (von links): Juniorchef Jochen Finkel, Adolf Ruff vom Amt für Landwirtschaft Coburg, EZG-Vorsitzender Klaus Siegelin, Seniorchef Jürgen Finkel, EZG-Geschäftsführer Torsten Gunselmann und Kreisobmann Michael Bienlein.

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20.05.2021

Dialogforum an der Uni Bayreuth: „Kampf ums Wasser“ / Fachleute und Praktiker diskutierten über Trockenheit in Franken – Wasser in der Fläche halten

Bayreuth. Einen Paradigmenwechsel im Gewässermanagement haben mehrere Teilnehmer einer Podiumsdiskussion zum Thema „Zu wenig, zu warm: Niedrigwasser in Bächen und Flüssen“ gefordert. Die Ämter für Wasserwirtschaft und die Ämter für Landwirtschaft sollten dabei künftig verstärkt zusammen und nicht gegeneinander arbeiten, so lautete eine der Forderungen. „Wir müssen sämtliche Akteure zusammenbringen, um Lösungen zu fordern“, sagte der Hydrogeologe Jürgen Geist vom Wissenschaftszentrum Weihenstephan.

Die online durchgeführte Podiumsdiskussion war zugleich der Auftakt für das „Dialogforum Wasserkontroversen“ an der Universität Bayreuth. Dabei wollen Fachleute aus Wissenschaft und Praxis künftig die Herausforderungen diskutieren, die der Klimawandel rund ums Wasser mit sich bringt und zu deren Lösung es immer wieder kontroverse Positionen gibt. „Das Thema Niedrigwasser gilt schließlich als einer der wichtigsten Aspekte des Klimawandels“, so Frauke Preißinger vom Bayerischen Wissenschaftsministerium.

Die Lage ist bekannt: Drei trockene Jahre in Folge haben im fränkischen Wasserhaushalt ihre Spuren hinterlassen. Davon zeugen gesunkene Grundwasserpegel, Niedrigwasser in vielen Bächen und Flüssen und ausgetrocknete Quellen. Professor Stefan Pfeiffer vom Lehrstuhl für Hydrologie an der Universität Bayreuth bezeichnete die in Nordbayern besonders ausgeprägte zunehmende Trockenheit und den Rückgang der Quellschüttungen als alarmierend. Die trockenen Sommer der zurückliegenden Jahre hätten vielfältige Auswirkungen auf Felder und Wälder, auf Bäche und Flüsse und damit immer auch auf das Grundwasser.

 „Schädigen wir das Wasser, schädigen wir uns“. Auf diesen gemeinsamen Nenner brachte Isabella Hirsch, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft in Franken die Problematik. In Franken, wo das Wasser seit jeher ein knappes Gut ist, sei die Landwirtschaft von den Folgen ganz besonders betroffen. Isabella Hirsch bewirtschaftet mit ihrer Familie einen landwirtschaftlichen Betrieb bei Feuchtwangen. Sie befürchtet, dass irgendwann der „Kampf ums Wasser“ kommen wird. Für Kontroversen werde in vielen Fällen die Frage sorgen, wer bei Niedrigwasser das verbleibende Wasser in Bächen und Flüssen für welche Zwecke nutzen darf, zum Beispiel zum Bewässern von Gemüseplantagen oder Obsthainen.

„Der Zustand des Wasserhaushalts ist dramatisch“, sagte Sebastian Schönauer, langjähriger Sprecher des Arbeitskreis Wasser im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und stellvertretender BN-Landesvorsitzender. Er sah dringenden Handlungsbedarf, vor allem, wenn es um die Rückhaltung der Gewässer in der Landschaft geht. Während man das Wasser früher aus der Landschaft über Gräben und Drainage abfließen ließ, müsse man es heute wieder in der Landschaft halten.

Die Reihe „Wasserkontroversen“ an der Universität Bayreuth soll in den kommenden Monaten mit weiteren Veranstaltungen fortgesetzt werden.

Bild: Teiche, wie der Nassanger Weiher bei Trieb im Landkreis Lichtenfels, werden immer wichtiger, denn sie halten das Wasser in der Fläche.

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12.05.2021

Mit Comics gegen Futterverschmutzung / Mit Schildern appellieren Landwirte an die Vernunft der Hundeführer

Melkendorf. Wer kennt sie nicht, die Tretminen auf den Gehwegen. Ein ganz besonderes Problem haben Landwirte mit den Hinterlassenschaften von Vierbeinern. Mit einer pfiffigen Idee macht derzeit der Bauernverband in Melkendorf bei Kulmbach alle Hundebesitzer darauf aufmerksam, dass Hundekot im Grünland schnell zu eine großen Problem werden kann.

 „Wir wollen die Hundebesitzer nicht angreifen“, sagt Manuela Berthold. Sie hat die Schilder zusammen mit ihrem Mann Stefan, der zugleich stellvertretender BBV-Ortsobmann ist, entworfen. Unter dem Motto „Nimm´s mit - bleib fit!“, weisen die Schilder in Form eines kurzen Comic-Strips auf das Problem der Futterverschmutzung durch Hundekot hin. Unterhaltsam und ohne erhobenen Zeigefinger werden die Gefahren schwerer Erkrankung bei Kühen aufgezeigt, wenn sich im Grünfutter Hinterlassenschaften von Hunden befinden. Besser ist es, die Tretmine im Beuten aufzusammeln und an geeigneter Stelle zu entsorgen, lautet die Botschaft.

Der Hundekot kann beim Mähen ins Heu oder in die Silage gelangen. Fressen Kühe die verdorbenen Futterbestandteile mit, können damit auch Erreger wie Salmonellen oder den Hundebandwurm aufgenommen werde. Das führt in der Regel zu Verdauungsstörungen oder Euterentzündungen bis hin fütterungsbedingte Totgeburten.

 „Das Problem ist nicht neu“, sagt Ortsobmann Hermann Grampp. Immer wieder gebe es entsprechende Vorkommnisse. Man habe sich deshalb entschlossen, mit Hilfe der witzigen Schilder an die Vernunft der Hundehalter zu appellieren. Acht großformatige Schilder wurden bislang entlang einiger Wiesen und Felder westlich von Kulmbach aufgestellt. Realisiert wurde das Ganze mit Hilfe der Kulmbacher Firma FH Werbetechnik, die Kosten hat der Bauernverband übernommen.

Nicht nur Hundehalter sollen sich dabei angesprochen fühlen, auch Spaziergänger und Wanderer seien aufgerufen, ihren Müll wieder mitzunehmen, so BBV-Geschäftsführer Harald Köppel. „Wenn plötzlich Cola-Dosen in der Silage auftauchen, wird es für die Bauern schwierig“, so Köppel. Er hofft, dass die Schilder zum Stehenbleiben und zum Nachdenken anregen.

BiId: BBV-Geschäftsführer Harald Köppel, sowie die Landwirte Hermann Grampp, Stefan und Manuela Berthold (von links) weisen rund um Kulmbach mit großformatigen Schildern auf die Problematik der Futterverschmutzung durch Hundekot hin.

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28.04.2021

Wolf oder Weidetierhaltung / Angst vor weiteren Rissen – Schutzstatus absenken / Online-Diskussion oberfränkischer Landwirte mit Ministerin Kaniber

Bayreuth. Die Wolfsrisse bei Betzenstein beschäftigen die Landwirte in Oberfranken derzeit wie kein anderes Thema. Kaum ein Redner, der sich bei einer von der Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer initiierten Online-Konferenz mit Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber nicht zum Wolf äußerte.

Eines wurde dabei klar: es muss dringend eine Lösung her. Andreas Weidinger, Landwirt aus Weidensees bei Betzenstein hat beispielsweise Angst um seinen Milchviehbetrieb. Eine wolfssichere Einzäunung, so hat er es errechnen lassen, würde ihm rund 100000 Euro kosten. Wenn die Gesellschaft den Wolf will, müssen wir das irgendwie schultern können“, sagte er. Dabei ist längst nicht erwiesen, ob die Einzäunung überhaupt etwas nützt. Ein 30 Zentimeter tiefer Untergrabungsschutz spiele für den Wolf keine Rolle. „Da gräbt er sich locker durch“, sagte Christian Leißner aus Riegelstein. Er ist einer der betroffenen Landwirte, in seinem Damwildgehege sind vor wenigen Wochen sieben Tiere, im benachbarten Illafeld 18 Tiere dem Wolf zum Opfer gefallen. Auch die geforderte Höhe von zwei Metern für einen Schutzzaun zweifelt Leißner an, weil der Wolf da ohne weiteres drüber springen könnte. „Bei uns läuft der Wolf mittlerweile kreuz und quer durch die Gegend, sogar tagsüber“, so der betroffene Landwirt.

„Auf der einen Seite will man die Weidetierhaltung, auf der anderen Seite will man den Wolf“, übte Ministerin Kaniber Kritik an der doppeldeutigen Haltung in weiten Teilen der Gesellschaft. Sie plädierte unter anderem für ein europaweites Wolfsmonitoring, denn schließlich mache der Wolf ja nicht vor Grenzen halt. Darüber hinaus müsse der Schutzstatus des Wolfes abgesenkt werden, um weitere Entnahmen herbeizuführen, denn schließlich könne man in vielen Lagen Bayerns gar keine Zäune errichten. Kaniber gab aber auch zu bedenken, dass übergriffige Wölfe schon jetzt entnommen werden könnten.

Ein Reizwort für viele Bauern ist, und auch das wurde bei der Konferenz wieder einmal deutlich, der Begriff Tierwohl. „Wir haben beste Betriebe, die alle wahnsinnig viel Geld investiert haben“, sagte Hans Engelbrecht. Mit völlig überzogenen Forderungen habe man bereits die Hühnerhaltung aus Deutschland heraus in andere Länder vertrieben, bei den Schweinen sei man gerade dabei und mit dem Verbot der Anbindehaltung drohe dieses Schicksal auch der Milchviehhaltung. „Da haben viele die Schnauze voll und hören auf“, sagte Engelbrecht.

Damit das nicht passiert, benötigten die Bauern Planungssicherheit für die nächsten zehn bis 15 Jahre, so Jens Pöhlmann, 24 Jahre jung und frischgebackener Landwirtschaftsmeister. Er investiere gerade eine beträchtliche Summe in einen neuen Milchviehstall und da sei es Voraussetzung, dass die derzeitigen Auflagen Bestand haben. Keinesfalls dürfe das Hamsterrad mit immer neuen Anforderungen immer schneller gedreht werden, wie es Reinhard Sendelbeck vom Maschinenring Bayreuth-Pegnitz formulierte.

„Wir wollen so viele bäuerliche Betriebe wie möglich in die Zukunft führen“, sagte Kaniber und versprach für menschliche und wirtschaftlich gute Rahmenbedingungen zu kämpfen. Sie gab aber auch zu bedenken, dass letztlich der Verbraucher an der Ladentheke die Entscheidung treffe und dass man sich einem gewissen gesellschaftlichen Wandel stellen müsse. Der Fleischkonsum gehe insgesamt zurück, alternative Nahrungsmittel nähmen eher zu.

Heftige Kritik gab es in der Diskussion auch an der weiter fortschreitenden Konzentration des Lebensmitteleinzelhandels. Er könne die Entscheidung des Bundeskartellamtes nicht nachvollziehen, nach der Edeka nun auch einen Teil der Real-Märkte übernehmen darf, so Markus Täuber aus Hollfeld, der eine weitere Monopolstellung befürchtete. Das Kartellamt arbeite allerdings autonom, entgegnete Ministerin Kaniber. Da seien der Politik die Hände gebunden.

Sie verfolge derzeit allerdings einen anderen Ansatz, in dem sie sich zusammen mit dem Lebensmitteleinzelhandel für Produkte aus dem Freistaat stark machen möchte. So soll ein Modellprojekt des Discounters Lidl mit einem eigenen Bayern-Regal aufgrund seines großen Erfolges nun auf den gesamten Freistaat ausgedehnt werden.

„Ich kämpfe für Bayern“, so Kaniber, die den Landwirten gerade in der Krise höchste Anerkennung zollte. Die Sorge, dass Lieferketten abreißen und die Lebensmittelversorgung in Gefahr gerät, sei aufgrund der großen Leistung der bayerischen Landwirte völlig unbegründet gewesen

Bild: Online-Konferenz mit der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber.

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23.04.2021

Terra Preta aus Thurnau / Bionero produziert schwarze Wundererde – Abgeordnete Brendel-Fischer besuchte Unternehmen im Kulmbacher Land

Thurnau. Die Wiederentdeckung der schwarzen Wundererde „Terra Preta“ hat ihren Anfang in Oberfranken genommen. Hier waren Vater Uwe und Sohn Aaron Saßmannshausen zusammen mit dem aus dem Fichtelgebirge stammenden Bodenbiogeochemiker Bruno Glaser zum ersten Mal auf das Thema gekommen. Heute wird die nach dem Vorbild der Amazonas-Ureinwohner gefertigte Erde industriell in Thurnau hergestellt. Gebrauchsfertig bekommt man sie in (fast) jedem Bau- und Gartenmarkt. Damit werden Ökonomie und Ökologie sinnvoll verbunden, sagte die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer bei einem Besuch auf dem Firmengelände im Industriegebiet von Thurnau.

Bionero heißt das Unternehmen, das aus biogenen Reststoffen und Holzhackschnitzeln hochwertige Pflanzenkohle herstellt und zu fruchtbaren Schwarzerden verwandelt. Ursprünglich wollte der geschäftsführende Gesellschafter Aaron Saßmannshausen seine Mutter in deren Pensionspferdestall bei Eckersdorf bei der Entsorgung des Pferdemistes unterstützen. Wegen zahlreicher düngerechtlicher Verschärfungen war die Entsorgung des Mistes ab 2016 in allen landwirtschaftlichen Betrieben zu einem sehr sensiblen Thema geworden. Neben der Suche nach einer technischen Entsorgungslösung wollte er die wertvollen Inhaltsstoffe des Pferdemistes erhalten und in die natürlichen Stoffkreisläufe zurückzuführen. Aber auch der sich schon damals abzeichnende gesellschaftliche Wandel im Sinne von Ökologie und Nachhaltigkeit habe im Mittelpunkt seiner Überlegungen gestanden.

So war Saßmannshausen 2016 auf die beiden Themen „Pflanzenkohle“ und „Terra Preta“ gestoßen. Bereits im 16. Jahrhundert hatten spanische Pioniere von einer florierenden Hochkultur im Amazonas berichtet, die ihre mehreren 100000 Einwohner durch eine üppige Landwirtschaft ernährte, obwohl das Gebiet vorwiegend aus ausgewaschenen und nährstoffarmen Tropenböden bestand.

Erst im 20. Jahrhundert konnte das Geheimnis um die fruchtbare „Terra Preta“ (portugiesisch für „schwarze Erde“) schließlich gelüftet werden. Wissenschaftler identifizierten bei der Entschlüsselung als den wesentlichsten Wirk- und Inhaltsstoff eine Pflanzenkohle, die auch für die tiefschwarze Färbung der Erde verantwortlich ist. Mit einer spezifischen Oberfläche von bis zu 800 Quadratmeter pro Gramm kann die Pflanzenkohle wie eine Art Superschwamm Wasser, Nährstoffe sowie Mikroorganismen speichern und gibt die Speicherstoffe wieder an die Pflanze ab, wenn diese sie abruft. Diese Eigenschaften haben dazu geführt, dass Terra Preta heute als „wiederentdeckte Wundererde“ bezeichnet wird.

Aus Liebe und der Ehrfurcht zur Natur entwickelte Saßmannshausen mit Hilfe von Professor Bruno Glaser, der 1999 an der Universität Bayreuth promoviert hatte und der heute an der Universität Halle-Wittenberg lehrt, ein hochmodernes, industrialisiertes Pyrolyseverfahren, das aus biogenen Reststoffen und Holzhackschnitzeln eine höchstwertige Pflanzenkohle herstellt. Glaser gilt heute in Fachkreisen als Pionier der schwarzen Wundererde. Die Pflanzenkohle wird in weiteren Verarbeitungsschritten veredelt und reift zu einem hochwirksamen und gebrauchsfertigen Kultursubstrat, das die Qualität der „Ur-Terra Preta“ sogar noch übertrifft, sagt Prof. Glaser. „bionero‘s Bio-Aktiverde“ ist damit die erste und einzige industriell hergestellte gebrauchsfertige Terra Preta in Deutschland.

Gerade im Hinblick auf die Düngeverordnung sieht die Abgeordnete Gudrun Brendel-Fischer bei einer möglichen Erweiterung großes Potenzial für Landwirte aus der Region. Bionero sei ein vorbildliches innovatives Unternehmen, das den Grundgedanken der Nachhaltigkeit beispielhaft verwirklicht habe.

Bild: Die beiden Bionero-Geschäftsführer Aaron und Uwe Saßmannshausen zeigen der Abgeordneten Gudrun Brendel-Fischer wie die schwarze Wundererde produziert wird.

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06.04.2021

Nudeln und Bier aus der Dicken Trespe / Pilotprojekt an den Landwirtschaftlichen Lehranstalten: Back und Braueigenschaften einer vergessenen Sorte

Bayreuth. Ihr Name klingt so, als hätte sie Wilhelm Busch für eine seiner Bildergeschichten erfunden. Doch die seltene Dicke Trespe (Bromus grossus) heißt wirklich so. Im Gegensatz zu anderen Trespenarten ist sie bei weitem kein Unkraut, sondern eine uralte, schon in der Steinzeit kultivierte und noch im Mittelalter genutzte Grasart, die im 20. Jahrhundert nahezu völlig verschwunden war. Pedro Gerstberger, bislang am Lehrstuhl für Pflanzenökologie an der Universität Bayreuth tätig, führt derzeit mit den Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks Oberfranken, dem Kulmbacher Lebensmittelhersteller IREKS und dem Uni-Lehrstuhl für Bioprozesstechnik ein Forschungsprojekt durch , in dem die Dicke Trespe erstmals auf Back- und Bierbraueigenschaften untersucht wird. Gefördert wird das Projekt von der Oberfrankenstiftung.

Angefangen habe alles mit der Roggentrespe (Bromus secalinus), so Gerstberger. Bei einem Testbrauverfahren mit der Verwendung von Gerste und Roggentrespe, habe man immerhin 40 Liter Bier brauen können, das ähnlich wie ein Weizenbier geschmeckt habe. Dann startete Gerstberger einen Versuch mit der kurz vor dem Aussterben stehenden Dicken Trespe. Von Art-Erhaltungskulturen aus den Botanischen Gärten in Bonn und Frankfurt erhielt er eine Handvoll Körner, die er fachgerecht vermehrte und das gewonnene Saatgut, immerhin vier Kilogramm, auf einer Fläche von 1300 Quadratmetern auf dem Gelände der Lehranstalten ausbrachte. Im zweiten Jahr habe der Ertrag dann bereits bei einer halben Tonne gelegen. Geerntet wurde mit einem kleinen Parzellenmähdrescher im vergangenen Sommer durch das oberfränkische Versuchswesen beim AELF.

Gerstberger zufolge erreichen die Körner der Trespe die Größe von primitiven Getreidearten. Sie fallen nach der Reife nicht aus der Rispe, wie bei Wildgräsern, sondern verbleiben an der Pflanze und können so ohne Verluste geerntet werden. Zudem erfolge die Keimung rasch und die Keimungsrate sei sehr hoch, was besonders wichtig für die Mälzung der Körner ist.

Das Besondere an der Trespe ist, dass sie im 20. Jahrhundert infolge der modernen Reinigung des Getreide-Saatgutes nahezu völlig verschwunden war und einheimische Vorkommen mittlerweile extrem selten sind. „Es ist zu befürchten, dass sie gänzlich ausstirbt“, so Gerstberger. Durch die FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat) und durch die Bundesartenschutzverordnungsind Wildvorkommen der Trespe mittlerweile geschützt.

Ähnlich wie beim Roggen entwickelte sich die Trespe aus einer Wildart durch die Jahrtausende lange Inkulturnahme und unbewusste Auslese durch den Menschen. „Die Dicke Trespe hat es fast zu einem Getreide geschafft´, indem sie sich an die besonderen Bedingungen des Ackerbaus und der nachfolgenden Ernte angepasst hat“, erläutert Gerstberger. Am besten sei die Trespe noch mit Hafer vergleichbar. Der Wissenschaftler rechnet mit einem Ertrag von gut 40 Doppelzentner pro Hektar. Doch bis es soweit ist, müsse man erst einmal herausfinden, was man mit der Trespe eigentlich alles anstellen kann.

Ziel der Studie sei es deshalb, Back-Versuche mit einem gewissen Anteil an Trespenmehl durchzuführen. Da das Korn nicht viel Stärke besitzt, habe sich der Prozess des Mahlens bislang schwieriger als gedacht gestaltet. Aufgrund des hohen Proteingehalts der Körner wäre allerdings auch die Herstellung von Nudeln möglich. Darüber hinaus sollen im Lehrstuhl für Bioprozesstechnik an der Universität Bayreuth Biersorten gebraut und mit unterschiedlichen Anteilen des Trespenmalzes zum Gerstenmalz geschmacklich bewertet werden. Gleichzeitig laufen auf der produktionsbiologischen Seite auch Züchtungsanstrengungen, die zum Ziel haben, die Körnerzahl pro Pflanze zu erhöhen. Damit sollen letztlich Erkenntnisse gewonnen und Nutzungsmöglichkeiten erkundet werden, um die Trespe vor dem völligen Aussterben zu bewahren und sie wieder einer landwirtschaftlichen Nutzung zuzuführen.

„Jede Art, die verschwindet, ist ein unwiederbringlicher Verlust“, sagt Volker Höltkemeyer, Leiter der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth. Gerade in Zeiten des Klimawandels müsse man sich dies immer wieder vor Augen führen. Die Zusammenarbeit mit der Universität habe eine gute Tradition, vor allem Wissenschaftler aus verschiedenen Fachbereichen seien immer wieder auf dem Gelände tätig. Nicht zuletzt habe Pedro Gerstberger hier auch bereits vor Jahren erste Anbauversuche mit der Energiepflanze Silphie gestartet.

Bilder:
1.
Noch am besten mit Hafer zu vergleichen: Die seltene Dicke Trespe (Bromus grossus) ist alles andere als Unkraut.
2.
Mit einem Parzellenmähdrescher des AELF wurde die Dicke Trespe im zurückliegenden Sommer auf dem Gelände der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth geerntet.

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29.03.2021

Erfolgreiche Arbeit trotz Corona / Maschinen- und Betriebshilfsring Kulmbach zog überwiegend positive Bilanz

Kulmbach. Eine überwiegend positive Bilanz ziehen die Verantwortlichen beim Maschinen- und Betriebshilfsring Kulmbach über das zurückliegende Jahr. Zwar seien die geleisteten Stunden sowohl bei der klassischen sozialen Betriebshilfe als auch bei der wirtschaftlichen Betriebshilfe zurückgegangen, jedoch habe man den Verrechnungswert bei der Maschinenvermittlung steigern können, so Geschäftsführer Werner Friedlein.

Bei der sozialen Betriebshilfe musste der Maschinenring einen Rückgang im Verrechnungswert von knapp 189000 Euro im Jahr 2019 auf gut 143000 Euro im zurückliegenden Jahr hinnehmen. Auch die wirtschaftliche Betriebshilfe war rückläufig, und zwar von über 200000 Euro in 2019 auf 176000 Euro in 2020. Für den Maschinenring Kulmbach sind aktuell zwei Dorfhelferinnen, vier hauptberufliche Betriebshelfer über das Evangelische Bildungszentrum Hesselberg, drei selbst eingestellte Kräfte und ein selbstständiger Betriebshelfer tätig. Im Kulmbacher Büro sind mit Geschäftsführer Friedlein vier Personen beschäftigt.

Steigende Zahlen konnte der Ring bei den Maschineneinsätzen verbuchen. Insbesondere die Bereiche Futter- und Strohernte, Landschaftspflege sowie Körnerernte und Aufbereitung sowie die Vermittlung von Schleppern verbuchten höhere Einsatzzahlen. Der Verrechnungswert bei den Maschineneinsätzen stieg leicht von 2,5 auf 2,6 Millionen Euro.

Eine Besonderheit in Kulmbach ist der Betrieb von Sammel- und Kompostierungsplätzen für Rasen- und Strauchschnittgut aus dem privaten Haus- und Gartenbereich unter der Regie des Maschinenrings. Die gesammelte Menge konnte 2020 um rund 5000 auf 47000 Kubikmeter gesteigert werden. „Wahrscheinlich haben viele Menschen aufgrund der Corona-Situation verstärkt im eigenen Garten gearbeitet“, so Friedlein. Seit Beginn der Gartenabfall- und Grüngutsammlung kommt Friedlein auf eine Menge über 1,1 Millionen Kubikmeter. Beim „Kulmbacher Kompostmodell“ geht es darum, Grüngutabfälle auf kurzem Weg wieder in natürliche Kreisläufe zurückzuführen. Dazu werden die Mengen zerkleinert und zur Heißrotte auf Mieten aufgesetzt. Danach werden die Mengen zu einem großen Teil wieder einer landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt.

Insgesamt sei die Arbeit aufgrund der Corona-Situation nicht unbedingt einfacher geworden, sagt Mitarbeiter Horst Dupke. Die Hilfestellung bei der Bearbeitung von Anträgen, wie dem Mehrfachantrag, sei in der Regel online oder telefonisch erfolgt. Schulungen, Lehrgänge und Veranstaltungen seien praktisch komplett ersatzlos gestrichen worden. Aufgrund der anstehenden Neuwahlen haben es Friedlein und Dupke aber noch nicht aufgegeben, eventuell im Herbst eine Mitgliederversammlung im Präsenzmodus durchführen zu können.

Stattgefunden hatte dagegen der traditionelle Pflanzenbautag unter Federführung des Maschinenrings auf der Sorten-Demoanlage in Lopp bei Kasendorf. Allerdings anders als gewohnt. Alle Interessierten konnten sich mit bereitgestellten Handzetteln und über Schaukästen über die Feldversuche mit den verschiedensten Getreidearten informieren. Der Aufwand hat sich gelohnt, sagt Friedlein, der von mindestens 60 Interessierten Landwirten aus der Region ausgeht, die vor Ort waren.

Ausgezeichnet wurde der MR Kulmbach für seine herausragenden Anstrengungen im Bereich der Agrarfoliensammlung, die trotz Corona im zurückliegenden Herbst durchgeführt werden konnte. Über 30 Tonnen Folien kamen dabei zusammen. Dafür gab es das Klimaschutz-Zertifikat der entsprechenden Verbände. Durch die Zuführung des Materials zum Recycling seien rechnerisch 34600 Kilogramm Treibhausgase eingespart worden, dies entspreche den Treibhausemissionen, die knapp 2500 Bäume in Euro pro Jahr binden.

Hervorragend laufe auch die Zusammenarbeit mit dem gewerblichen Tochterunternehmen Maschinenring Oberfranken Mitte (OMI), zu dem neben Kulmbach auch die Ringe Bayreuth und Fränkische Schweiz gehören. Kulmbach sei dabei mit einem guten Marktsegment im Bereich des Winterdienstes vertreten. Auch die Nachfrage nach Grünpflege nehme derzeit zu. Dazu kommen die Unkrautbekämpfung mit Heißwasser, die Klauenpflege und die Baumbearbeitung.

Der Maschinen- und Betriebshilfsring Kulmbach hat aktuell 852 Mitglieder, vier weniger als noch im Jahr zuvor. Sie alle bewirtschaften eine Fläche zusammen 27171 Hektar (Vorjahr 27680).

Bild: Auf ein gemischtes Jahr blicken Werner Friedlein (links) und Horst Dupke vom Maschinen- und Betriebshilfsring Kulmbach zurück.

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24.03.2021

Berg- und Talfahrt: Holzmenge angestiegen, Umsatz eingebrochen / WBV Hollfeld will weiter investieren – Angespannte Lage bei der Pflanzenvermittlung

Hollfeld. Die Situation ist bei allen Waldbesitzervereinigungen die gleiche: die Menge des vermarkteten Holzes ist gewaltig angestiegen, gleichzeitig sind die Erlöse immens eingebrochen. Schuld daran sind Corona und der Borkenkäfer. Ganz besonders hat es die WBV Hollfeld mit ihren knapp 1600 Mitgliedern aus den Landkreisen Bamberg, Bayreuth und Kulmbach erwischt. „Der Umsatz hat rapide abgenommen und ist um etwa ein Drittel eingebrochen“, sagt der Vorsitzende Christian Dormann. Gleichzeitig sei die Menge des für die Mitglieder vermarkteten Holzes von rund 25000 auf etwa 30000 Festmeter angestiegen.

„Es war kein schönes Jahr“, blickt der Vorsitzende auf 2020 zurück. „Den Wald zu Grabe zu tragen, das ist eigentlich nicht das, was wir wollen“, so Dormann. Eine Berg- und Talfahrt habe es ja schon immer gegeben, aber nicht so extrem.

Mehr als 90 Prozent der vermarkteten Holzmenge seien Fichten gewesen, über zwei Drittel davon Schadholz. Doch manche Säger hätten gar nicht mehr unterschieden zwischen Käferholz und gesunden Bäumen. Stattdessen hätten sie nur mehr Einheitspreise geboten. Wenn die Menge des vermarkteten Holzes nicht noch größer ausgefallen sei, dann nur deshalb, weil viel Holz über den Jahreswechsel hinaus auf den Lagerplätzen befand und erst jetzt so langsam in die Vermarktung gelangte. Zum Glück für die Waldbesitzer, denn die Preise ziehen wieder an.

Sprunghaft angestiegen sei mittlerweile die Vermittlung von Pflanzen. „Es tritt das ein, was wir befürchtet haben“, sagt Dormann. Teilweise seien gar keine Laubhölzer mehr zu bekommen und wenn, dann zu horrenden Preisen. „Teilweise müsse das Doppelte bezahlt werden, weiß der Vorsitzende. Man könne nur hoffen, dass sich die Lage wieder entspannt, damit die Waldverjüngung wieder angegangen werden kann.

Auch bei der WBV Hollfeld hatte die Abwicklung der Bundeswaldprämie im zurückliegenden Jahr einen großen Teil der Arbeit ausgemacht. Eine Besonderheit in Hollfeld ist, dass alle Mitglieder bereits PEFC-zertifiziert sind. „Das hat uns viel Arbeit erspart“, so der Vorsitzende. Wahrgenommen hätten das Angebot der Prämie etwa 60 Prozent der Mitglieder. Die Restlichen wollten sich entweder zu nichts verpflichten oder hätten Waldstücke, die kleiner als ein Hektar sind und die somit keinen Anspruch auf die Prämie haben.

Wichtigstes Vorhaben im laufenden Jahr ist es für Dormann, zu investieren. Zum einen in Personal, zum anderen in Technik. So soll die Geschäftsstelle in Treppendorf, die derzeit mit drei Forstkräften und einer Bürokraft besetzt ist, um eine Person ergänzt werden, um den Mitgliedern mehr Service bieten zu können. Zum anderen soll ein neuer Rückewagen angeschafft werden, weil die WBV an ihre Grenzen stoße, was den Verleih der Maschinen angeht.

Ein wenig für Optimismus sorgt die derzeitige Preisentwicklung. Im ersten Quartal hätten die Preise wieder angezogen und da kann der Vorsitzende der Corona-Situation sogar etwas Positives abgewinnen. Weil die Grenzen zum Beispiel nach Tschechien dicht sind und die Sägewerke dringend Holz benötigten, könnten sie bei dem derzeitigen Bedarf gar nicht anders, als das Holz der Waldbesitzer aus der Region anzukaufen.

Keine Rolle spiele derzeit allerdings der Markt mit Hackschnitzeln. Die Läger seien voll. Da ist es wie bei den Negativzinsen, man müsse für die Abholung sogar noch etwas verlangen.

Die knapp 1600 Mitglieder der Waldbesitzervereinigung Hollfeld bewirtschaften zusammen eine Fläche von rund 12400 Hektar.

Bild: Christian Dormann ist seit einem Jahr Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Hollfeld

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22.03.2021

Lobby für den Wald / Waldbauernvereinigung Bamberg klagt über Trockenheit, Käferbefall und die Folgen von Corona

Scheßlitz. Für die Waldbesitzer im Landkreis Bamberg ist es im zurückliegenden Jahr knüppeldick gekommen. Von der Gesamtmenge von rund 42000 vermarkteten Festmetern Holz seien 39500 Festmeter Fichtenholz gewesen, „und zwar zu 100 Prozent Schadholz“, sagt Geschäftsführer Patrick Hammerschmidt.

„Das war wirklich der Gipfel“, so der Geschäftsführer. Nach zwei absoluten Trockenjahren habe man ausnahmslos geschädigte Flächen bearbeiten müssen, die Waldbauern seien aufgrund des starken Befalls kaum mehr nachgekommen. Mit der Aufarbeitung seien viele noch immer beschäftigt, die Kosten dafür könnten nicht mehr gedeckt werden. Unterm Strich hätten viele Waldbesitzer drauflegen müssen. Hammerschmidt: „Der Holzpreis war total im Keller.“

Dabei seien die 39500 Festmeter Schadholz, die in den Büchern der WBV stehen, wohl nur die Spitze des Eisbergs. Geschäftsführer Hammerschmitt rechnet mindestens mit der doppelten Menge, Abteilungsleiter Gregor Schießl sogar mit der vier- bis fünffachen Menge an tatsächlichem Schadholz, das wohl hauptsächlich den Brennholzlagern zugeführt worden sei. Dabei sei keine Baumart wirklich verschont geblieben.

Als Hauptursache für das ganze Dilemma bezeichnete Hans-Rüdiger Schmittnägel, Chef des Amts für Landwirtschaft in Bamberg und Leiter des Bereiches Forsten die große Trockenheit. Der Borkenkäfer sei nur die logische Folge davon. Man müsse sich immer wieder klar machen, dass der Käfer ausnahmslos in geschwächte Bäume geht. „Im dritten Trockenjahr in Folge hätten eben viele Bestände nicht mehr mitgemacht.“

Irgendwie ist an dem Dilemma aber auch die Corona-Situation mit schuld, denn die WBV konnte keine Schulungen veranstalten, so dass ausnahmslos Einzelberatungen stattfinden mussten. Die Fachleute haben damit nur einen kleinen Teil der Betroffenen erreicht. „Das war vor Corona alles viel einfacher“, so die Vorsitzende Angelika Morgenroth.

Landkreisweit ist die Situation die gleiche, wie Amtschef Schmittnägel erläutert. Er spricht von rund 220 Hektar Kahlflächen im Amtsbereich, zu dem neben dem Landkreis Bamberg auch der Nachbarlandkreis Forchheim gehört. Weitere 130 Hektar an Kahlflächen seien bereits prognostiziert worden. Schmittnägel kündigte an, ein Konzept zur Wiederaufforstung mit verschiedenen klimatoleranten Baumarten zu erstellen, zum einen um das Risiko künftig breiter zu streuen, zum anderen, um die Biodiversität zu fördern.

Allerdings sehen die Verantwortlichen auch einen Silberstreif am Horizont. Mittlerweile seien die Preise wieder gestiegen. Die Nachfrage ziehe an, sogar aus dem Ausland kämen Anfragen an die WBV. Außerdem hätte die winterlichen Niederschläge der zurückliegenden Wochen das Wasserreservoir der Böden wieder aufgefüllt.

Potential sieht die WBV als Vermittler von Dienstleister gerade für urbane Waldbesitzer. Hier sei ein großer Markt am Entstehen, zumal immer mehr Waldbesitzer Pflanzung, Pflege, oder Durchforstung nicht mehr selbst machen und die Arbeiten an Profis auslagern.

Die WBV Bamberg hat rund 2500 Mitglieder, die zusammen rund 11500 Hektar Wald bewirtschaften. Das entspricht einem Plus bei den Mitgliedern um etwa 150 und bei der Fläche um rund 350 Hektar. Allerdings seien landkreisweit nur etwa 25 Prozent der Waldbesitzer in der WBV organisiert. Von den etwa 2000 Mitgliedern, die eine Förderung durch die Bundeswaldprämie in Anspruch nehmen können, weil sie mehr als einen Hektar Wald bewirtschaften, habe bislang rund jedes zweite Mitglied eine entsprechenden Antrag gestellt.

Bild: Geschäftsführer Patrick Hammerschmidt und die erste Vorsitzende Angelika Morgenroth.

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22.03.2021

Schweinestau und ASP ließen Preise abstürzen / Virtueller Stallrundgang auf dem Hof von Marina und Reiner Herr

Küps. Die Corona-Pandemie und die Afrikanische Schweinepest haben in den zurückliegenden Monaten dazu geführt, dass Ferkelerzeuger in große Bedrängnis geraten sind. „Die Preise sind ins Bodenlose gefallen“, sagt Reiner Herr vom „Schafhof“ bei Küps. Bei einem virtuellen Stallgespräch für die örtliche Presse ließ er zusammen mit seiner Frau Marina nicht nur einen offenen und ehrlichen Einblick in seine Stallungen zu, sondern nahm auch Stellung zur derzeitigen Situation. Marina Herr ist stellvertretende Kreisbäuerin und Ernährungsfachfrau des BBV, Reiner Herr ist Ortsobmann.

Ein ziemliches Auf und Ab war es ja schon immer bei den Schweinepreisen. Was Marina und Reiner Herr aber in den zurückliegenden Monaten erlebt haben, war einmalig. 60 Euro pro Ferkel bezeichnete Reiner Herr als kostendeckend, bei rund 90 Euro wäre sogar etwas verdient, doch zeitweise war der Preis pro Ferkel auf bis zu 30 Euro abgestürzt. „Man hat pro Arbeitsstunde mehr draufgezahlt, als der Mindestlohn in Deutschland ausmacht“, so der Landwirt.

Das Ehepaar Herr bewirtschaftet den „Schafhof“ bereits in siebter Generation. Aus einem relativ kleinen Betrieb mit Milchviehhaltung kommend haben die Eltern von Reiner Herr einen bereits in den 70 Jahren auf Sauenhaltung umgestellt. Zuletzt hat das Ehepaar 2013 umfassend investiert und auf modernste Technik im Deckzentrum, Tragebereich und in den Abferkelbuchten gesetzt. Aktuell sind 200 Muttersauen auf dem Hof. Wenn die Ferkel etwa 30 Kilogramm schwer sind, werden sie an Mäster in der Region verkauft.

Doch genau das sei in letzter Zeit nicht mehr so ganz rund gelaufen, sagt Reiner Herr. Aufgrund der Corona-Situation seien die Schlachtungen verzögert, teilweise sogar massiv zurückgefahren worden. In der Folge kam es zu einem Schweinestau mit hohen Preisrückgängen. Der normale Drei-Wochen-Rhythmus sei gehörig durcheinander gewirbelt worden, so dass die Familie Herr auf ihrem Hof schon bald Platzprobleme bekam.

Die zweite Baustelle, mit der sich Schweinehalter derzeit herumplagen müssen, ist die Afrikanische Schweinepest. Die ASP habe den Sprung nach Deutschland geschafft. Dadurch sei es zu Exportproblemen gekommen, die Erlöse hätten die Unkosten einfach nicht mehr gedeckt. „Wir haben binnen kürzester Zeit sehr viel draufgezahlt“, so Marina Herr, die daran erinnerte, dass sämtliche Verpflichtungen ja unvermindert weiterlaufen.

Was vielen Bauern letztlich das Genick bricht, wie es der stellvertretende Kronach Kreisobmann Klaus Siegelin, ebenfalls Ferkelerzeuger, ausdrückte, seien die hohen Kosten für immer neue Auflagen. Die aktuellen Beschlüsse sehen einen tierwohlgerechteren Umbau bestehender Ställe vor. Viele Änderungen müssten sofort umgesetzt werden, doch der Mehraufwand könne nicht auf den Verbraucher umgelegt werden. „Unterm Strich verdienen wir ja nicht mehr“, so Siegelin.

Wenig Verständnis hat die Familie Herr für den Trend zum Strohschwein. Die Gefahr, sich Keime in den Stall zu schleppen, sei gerade in Zeiten von ASP enorm. Überhaupt habe Stroh immense Nachteile. Durch die hohe Feuchtigkeit des Strohs sei der Spaltenboden wesentlich hygienischer und auch der Arbeitsaufwand sei für den Landwirt viel höher. Für Klaus Siegelin sind Strohschweine ein klarer Beleg dafür, dass nicht etwa das Tierwohl, sondern eher ein gutes Gewissen vermarktet werden soll.

Bild: Stallgespräch virtuell: Marina uns Reiner Herr führten durch ihrem Ferkelerzeugerbetrieb bei Küps im Landkreis Kronach.

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15.03.2021

Mehr Holz, weniger Geld / Waldbauernvereinigung Bayreuth: Borkenkäfer sorgte für historisch niedrige Erlöse

Bayreuth. Auf den ersten Blick klingt die Bilanz gut: Rund 28300 Festmeter Holz hat die Waldbauernvereinigung Bayreuth im zurückliegenden Jahr im Auftrag ihrer Mitglieder vermarktet, das ist deutlich mehr, als noch im Jahr zuvor (rund 22800 Festmeter). Das allerdings ist nur die halbe Wahrheit. In Wirklichkeit kommt die Zahl einem Einbruch gleich. Schuld daran ist der Borkenkäfer, der 2020 wie lange nicht mehr sein Unwesen getrieben hat. Der Preis pro Festmeter Käferholz fiel auf etwa 25 Euro, der eine oder andere Waldbesitzer hat aufgrund schlechterer Qualitäten im Schnitt nur mehr 18 Euro bekommen, was einem historisch niedrigem Niveau gleichkommt, so dass viele Waldbesitzer letztlich draufzahlen mussten.

„Die Situation war wirklich dramatisch“, sagt Hans Schirmer, Vorsitzender der WBV Bayreuth. Bei derartigen Preisen komme einfach nichts mehr raus. Viele Waldbesitzer hätten bereits aufgegeben, andere würden das Käferholz einfach stehen lassen, obwohl sie eigentlich dazu verpflichtet sind, Käferholz zu beseitigen. Schirmer: „Mich wundert es nicht, wenn der Waldbesitzer sagt, ich bin nicht mehr bereit, Arbeit und Geld in Aufforstung zu investieren.“

Wenig entschädigen konnten dabei staatlichen Zuschüsse für die schnelle Abfuhr und Außerwaldbringung von Käferholz. Die Sägewerke seien gar nicht nachgekommen, sagt Schirmer, außerdem seien Lohnunternehmer für den Einschlag und Transport des Holzes aus dem Wald auf Wochen ausgebucht gewesen. Entstandene Nebenkosten für die angemieteten Sammellagerplätze konnten durch die Fördergelder oftmals nicht gedeckt werden. Die Waldbauern würden sich deshalb auch wünschen, dass Bedingungen für die Auszahlung von Fördermitteln praxistauglicher ausgestaltet werden.

Im Mittelpunkt der Arbeit der WBV Bayreuth stand vor allem zum Jahresende hin die Durchführung des Verfahrens für die Bundeswaldprämie. Vor allem im November und Dezember habe es pro Tag immer so um die 50 Anrufe in Sachen Waldprämie gegeben, erinnert sich Geschäftsführer Gerhard Potzel. Letztlich seien bislang rund 400 Anträge gestellt worden. Es sei zwar gut, dass der Staat den Wald mit einer Prämie von 100 Euro pro Hektar unterstützt, sagt Vorsitzender Schirmer. Allerdings gelte dies nur für Wald, der nach PEFC-Standards für nachhaltige Waldbewirtschaftung zertifiziert ist. Alle anderen Waldbesitzer, die ebenfalls ordentlich wirtschaften, sich aber nicht binden wollen, blieben auf der Strecke.

Zum Kerngeschäft der WBV gehört auch die Vermittlung von zuletzt über 36000 Pflanzen im zurückliegenden Jahr, was zeige, dass wieder aufgeforstet wird. Auch die Vermittlung von Equipment wie Zaunmaterial oder Schutzhüllen sowie die Sammelbestellungen von Diesel und Schmierstoffe seien wieder gut angenommen worden.

Trotz der Umstände blickt die WBV Bayreuth optimistisch in die Zukunft. Grund dafür ist, dass sich die Preissituation mittlerweile wieder verbessert habe. Aktuell würden für den Festmeter Käferholz im Schnitt zwischen 35 und 40 Euro gezahlt. Die Tendenz steigt, die Nachfrage ist gut, so Geschäftsführer Potzel. Optimistisch stimmt ihn auch, dass Holz als Baustoff immer mehr benötigt werde. Dazu kommt, dass Säger aus grenznahen Gebieten aufgrund der Corona-Situation auf Holzlieferungen aus Tschechien verzichten müssen.

Die WBV Bayreuth hat aktuell rund 1579 Mitglieder mit einer Gesamtfläche von 8340 Hektar Wald, was einem Zuwachs von 46 Mitgliedern und 572 Hektar gegenüber dem Vorjahr entspricht. Aufgrund des Generationenwechsels werde immer mehr Wald vererbt und damit zersplittert. So gebe es immer mehr Kleinwaldbesitzer.

Bild: Trotz Corona konnte die Waldbauernvereinigung Bayreuth auch 2020 einige Pflanzenschulungen durchführen.

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09.03.2021

Käfer und Corona ließ Holzpreise einbrechen / Forstbetriebsgemeinschaft Pegnitz beklagt Einbruch bei der Abnahme von Hackschnitzeln

Betzenstein. „Es hätte schlimmer kommen können“, sagt Werner Lautner, erster Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Pegnitz. Trotz Corona und trotz Käfer stehe die FBG gar nicht so schlecht da. Trotzdem mache der Lockdown den Waldbauern gewaltig zu schaffen.

Die FBG vermittelt für ihre Mitglieder unter anderem die Holzhackschnitzel für die Heizwerke des Cabriosol-Bades in Pegnitz und der Raststätte Pegnitz entlang der Bundesautobahn A9. Allein beim Cabriosol seien es dabei im vergangenen Jahr über zwei Drittel weniger gewesen, als im Jahr zuvor. Lautner berichtet von rund 3500 Schüttraummetern Hackschnitzel noch in 2019. Im Corona-Jahr 2020 seien es höchstens noch 1000 Schüttraummeter gewesen. Gleiches gelte für die Tank und Rast, nachdem Gastronomie und Motels seit Monaten geschlossen sind. „Da ist uns richtig was weggebrochen“, so Lautner.

Ein wenig ausgeglichen werden konnte der Wegfall durch die Lieferungen an die Klinik Hohe Warte in Bayreuth. Dort konnte die Liefermenge aufgrund einer baulichen Erweiterung auf rund 4000 Schüttraummeter sogar leicht gesteigert werden. Gut läuft auch die Belieferung der Heizanlage Kellerberg der Wohnungsgenossenschaft Pegnitz, die durch die Naturwärme Pegnitz versorgt wird. Das alles könne aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Lagerhalle in Neudorf derzeit mit rund 4500 Schüttraummeter komplett voll ist.

Trotzdem würde sich der Vorsitzende mehr Unterstützung für die Waldbesitzer von Seiten der Politik wünschen, beispielsweise dann, wenn Modernisierungen anstehen. Bei jedem Einschlag fallen etwa 20 Prozent Fällholz an, das zu Hackschnitzeln verarbeitet wird. Dort, wo es Sinn macht, wo also keine großen Leitungsnetze möglich sind, wäre die Umstellung auf regenerative Energien statt Öl oder Gas eine große Hilfe. Vor allem Kommunen seien gefragt, etwa bei Schulen, Krankenhäusern oder ähnlichen Einrichtungen.

Nicht nur wegen Corona, auch wegen des Borkenkäfers war der Holzpreis im zurückliegenden Jahr komplett eingebrochen. Meist seien nicht einmal mehr die Kosten der Aufarbeitung gedeckt gewesen, so der forstliche Mitarbeiter Stefan Failner. Die gesamte Holzvermarktung der FBG Pegnitz war im zurückliegenden Jahr von gut 15000 auf rund 13000 Festmetern gesunken.

Allerdings hätten sich zum ersten Quartal 2021 erstmals wieder nennenswerte Preissteigerungen eingestellt. Aktuell liegen die Preise laut den Zahlen der FBG bei der Fichte bei 50 bis 66 Euro pro Festmeter, für Käferholz wird 30 bis 35 Euro bezahlt. Weiterhin nur sehr mäßig nachgefragt wird die Kiefer, die preislich bei rund 45 Euro pro Festmeter liegt.

Im Büro der FBG in Betzenstein waren die Verantwortlichen 2020 hauptsächlich mit der Bundeswaldprämie beschäftigt. Alle etwa 1500 Waldbesitzer, die Mitglieder sind und mehr als ein Hektar Wald haben, seien angeschrieben worden, etwa die Hälfte davon habe sich zurückgemeldet, um in einem, zugegeben recht umständlichen Verfahren die Prämie in Höhe von 100 Euro pro Hektar zu bekommen. Vorsitzender Lautner spricht von einem hohen Verwaltungsaufwand und von viel Bürokratie. Allerdings habe sich die Prämie für viele Waldbesitzer auch wirklich ausbezahlt.

Die FBG Pegnitz hat aktuell 1676 Mitglieder mit einer Waldfläche von zusammen 11760 Hektar. Die Zahlen entsprechen einer leichten Steigerung um 31 Mitglieder und rund 1000 Hektar gegenüber dem Vorjahr.

Bild: Vorsitzender Werner Lautner begutachtet die Holzhackschnitzel, von denen die Forstbetriebsgemeinschaft Pegnitz derzeit rund 4500 Schüttraummeter in der Halle in Neudorf bei Pegnitz zwischenlagert.

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08.03.2021

„Sachlichkeit und Fachlichkeit bleiben auf der Strecke“ / Digitale BBV-Kreisversammlung in Kulmbach: Frust sitzt bei Landwirten tief

Kulmbach. Von einem echten Sorgenjahr für die Landwirtschaft hat BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger bei der ersten digitalen Kreisversammlung gesprochen. Dabei war und ist es nicht nur die Corona-Pandemie, die den Bauern zu schaffen macht, sondern auch viele andere Dinge machen ihnen das Leben schwer. Als Beispiele nannte der Kreisobmann die Verschärfung von Dünge- und Nutztierhalteverordnung, die Afrikanische Schweinepest, die Diskussionen um die Neuausrichtung der gemeinsamen europäischen Agrarpolitik, die Beratungen um die Insektenschutzverordnung, der Preisverfall auf dem Schweinemarkt oder die Diskussion um erste große Wolfsrisse in Oberfranken.

Besondere Zeiten erforderten besondere Maßnahmen, sagte Löwinger. Er sprach von schmerzhaften Einschnitten auf vielen Gebieten. „Nichts ist mehr so, wie es einmal war.“ Trotz allem: die Arbeit geht für die Bauern auch im Kulmbacher Land weiter. Die Politik habe die Landwirtschaft als systemrelevant eingestuft, doch trotzdem setze die Politik derzeit „ohne Skrupel“ Maßnahmen durch, die auf viele Bauern wie Nadelstiche wirken. „So geht man nicht mit systemrelevanten Gruppen um“, schimpfe der Kreisobmann. Fachlichkeit und Sachlichkeit blieben auf der Strecke, draußen herrsche großer Frust, und das bei weitem nicht nur wegen Corona.

Die Landwirtschaft habe in den zurückliegenden Jahren große Leistungen vollbracht, doch jetzt habe man mit Gesetzen und Verordnungen jeden Bezug zur Realität verloren. „Die Planwirtschaft haben wir im Osten abgeschafft, unter dem Deckmantel der Demokratie bauen wir sie gerade wieder auf“, fand Löwinger deutliche Worte.

BBV-Generalsekretär Georg Wimmer bestätigte: „Der Frust sitzt tief.“ Er rief die Bauern dazu auf, sich gemeinsam dagegen zu stemmen und in die Zukunft zu blicken. Denn trotz Pandemie gehe auch die politische Arbeit weiter. Am Beispiel der Ausgestaltung einer neuen europäischen Agrarpolitik machte Wimmer deutlich, dass gerade der Bauernverband in Hintergrundgesprächen schon vieles erreicht habe. Es laufe unwahrscheinlich viel hinter den Kulissen, das sei eine wahre Sissiphus-Arbeit, sagte er. Dabei konnte sich Wimmer einen Seitenhieb auf den Zusammenschluss „Land schafft Verbindung“ nicht verkneifen: „Es läuft eben nicht alles nur durch Schlepperfahren.“

Nicht so ohne weiteres stehen ließ der Generalsekretär die Kritik an der „Bauernmilliarde“. Die Probleme mit der Düngeverordnung seien damit freilich nicht gelöst und Auflagen und Bürokratie könne man damit auch nicht regeln, doch kämen im ersten Antragsfenster bei den baulichen Anlagen 53 Prozent und bei den Maschinen immerhin 41 Prozent der Antragssteller aus Bayern. „Wir sind schon froh, dass es immer noch so viele Landwirte im Freistaat gibt, die investieren wollen“, so Wimmer.

Einmal mehr forderte der Generalsekretär, die Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels einzudämmen und kritisierte die UTP-Richtlinien zur Eindämmung unlauterer Handelspraktiken. Der Lebensmitteleinzelhandel versuche, sich mit aller Macht, davon zu stehen, die Zeche zahle am Ende der Landwirt. Das könne nicht sein, so Wimmer. Er sprach sich dafür aus, das Verramschen von Lebensmitteln endlich zu verbieten. „Die Zeit ist reif dafür“, so der Generalsekretär.

Auch zum Thema Wolf nahm Wimmer Stellung. Die Wolfsrisse bei Betzenstein im Landkreis Bayreuth dominieren seit Tagen die öffentliche Diskussion in Oberfranken. „Wir brauchen ein Umdenken, der Wolf gehört ins Jagdrecht“, sagte der Generalsekretär und sprach sich klar für eine schnelle Entnahme aus. Wolf und Weidehaltung werde es parallel nicht geben können, so Wimmer, auch wenn Umweltverbände immer wieder massiv für den Wolf werben.

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04.03.2021

Ursachen statt Symptome bekämpfen / Ortstermin an dem von Wolfsrissen geplagten Wildgehegen in Betzenstein

Betzenstein. In einem Wildgehege in Illafeld bei Betzenstein waren 18 gerissene Tiere gefunden worden, in einem Gehege im nur zwei Kilometer entfernten Riegelstein sieben tote Tiere. Experten sind sich sicher, dass das Damwild einem oder mehreren Wölfen zum Opfer gefallen ist. Bei dem Vorfall waren allen Tieren die Kehlen durchgebissen worden. Einer der Kadaver in Illafeld zeige zudem ein für Wölfe typisches Fraßbild. Wie viele Wölfe in das Wildgehege eingedrungen waren, könne derzeit noch nicht gesagt werden, heißt es. Zwar sei der Zaun an einer Stelle untergraben worden, über die Anzahl der eingedrungenen Tiere lasse das aber keine Rückschlüsse zu.

Zusammen mit den betroffenen Landwirten Christian Leißner aus Riegelstein und Hans Ertel aus Illafeld traf sich die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer jetzt zu einem Ortstermin an den beiden Gehegen. Mit dabei waren auch der Landwirt, ehemalische oberbayerische BBV-Präsident und frühere Abgeordnete Max Weichenrieder sowie der Betzensteiner Bürgermeister Claus Meyer. Dabei wurde klar, die Scheu der Tiere wird immer geringer. Eine Aufrüstung des ohnehin schon vorhandenen Elektrozauns sei unter anderem deshalb finanziell so kostspielig, weil ein 20 Zentimeter tiefer Untergrabenschutz notwendig sei.

Der südlichste Zipfel des Bayreuther Landkreises sei ein immens gefährdetes Gebiet, sagte die Abgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Bayern sei ein dicht besiedeltes Land, in dem die zunehmende Wolfspopulation keinen Platz habe. „Wer die von der Gesellschaft erwünschte Weidehaltung auch in Zukunft gesichert sehen will, der muss sich von der Illusion des friedlichen Zusammenlebens mit dem Wolf verabschieden“, so die Abgeordnete. Ansonsten sehe sie die Gefahr, dass es der Wolf jeden Tag wieder versucht. Ein kompletter Schutz durch Umzäunungen scheine schon aus finanziellen Gründen für viele kleinere aber auch größere Viehhalter aus.

Schon allein die Tatsache, dass der Wolf nun ein zweites Mal im selben Umfeld zugeschlagen hat, beweise ihr die Notwendigkeit einer raschen Handlungsanweisung durch das zuständige Landesamt für Umwelt, das dem Umweltministerium unterstellt ist. Umweltminister Thorsten Glauber habe die Möglichkeit bei besonderer Auffälligkeit des Wolfes eine Entnahme anzuordnen. „Ich erwarte, dass der Umweltminister umgehend reagiert, bevor es zu weiteren Vorfällen kommt“, so Brendel-Fischer. Es könne nicht angehen, dass man nur die Symptome, aber nicht die Ursachen bekämpft. „Ohne Bestandsminimierung und ohne Eingriffe wird es ohnehin nicht gehen“, sagte Max Weichenrieder. Er sah die Zukunft der Weidehaltung generell in Gefahr.

Auch ob die Tiere aus dem Rudel des nahe gelegenen Veldensteiner Forsts stammen, könne erst nach Auswertung der DNA-Proben sicher gesagt werden. Ob es sich überhaupt um einen Wolf handelte, soll die obligatorische Wolfsbeprobung zeigen, wobei Christian Leißner beklagte, dass er auf das Ergebnis „zwischen sieben und 30 Tagen“ warten müsse.

Dass ein Tier alleine eine derart große Anzahl an Wild reißt, halten Wildtierexperten für durchaus möglich. Während sich der Wolf in freier Wildbahn mit dem schwächsten Tier einer Gruppe zufrieden gibt und dieses nach dem Reißen in Ruhe auffrisst, gleiche ein Wildgehege einem gedeckten Tisch, da es das Wild an der Flucht hindere. Schon vor Jahren hatten sich Wölfe im Veldensteiner Forst angesiedelt. Jetzt hätten sie offenbar bemerkt, dass sich das Wild in Gattern leichter jagen lasse, als in freier Wildbahn.

Bild: Ortstermin in Riegelstein: Dieses Wildgehege war vor wenigen Tagen aller Wahrscheinlichkeit nach Ziel einer Wolfsattacke.

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02.03.2021

Ämterreform: Keine Änderung für Landwirte vor Ort / Erster Bayreuther Online-Bauerntag – Ärger über den Wolf im Landkreis

Bayreuth. Keine Brotzeit, kein Landfrauenchor, keine Geselligkeit: der momentanen Zeit entsprechend fand der Bayreuther Bauerntag in diesem Jahr erstmals online statt. Zur besten Zeit waren es bis zu 84 Teilnehmer, die sich zugeschaltet hatten. Damit sei fast schon die Zahl erreicht worden, die einer Präsenzveranstaltung entspricht, freute sich Kreisobmann Karl Lappe.

Im Mittelpunkt stand die Vorstellung von Landrat Florian Wiedemann (Freie Wähler), der seit den Kommunalwahlen im zurückliegenden Jahr an der Spitze des Bayreuther Landkreises steht. Eines der zentralen Themen in der Diskussion war allerdings die Zukunft des Grünen Zentrums in Bayreuth. „Wie geht es weiter mit dem Amt und mit den Schulen in Bayreuth“, wollte Hans Engelbrecht aus Weidenberg wissen.

Bei der letzten Ämterreform wurde Bayreuth mit Münchberg im Landkreis Hof zusammengelegt. „Nun stehen wir im Konkurrenzkampf der Schulstandorte“, sagte Engelbrecht und erwartete klare Worte vom Landrat, immerhin sei der Landkreis Sachaufwandsträger der Schulen. Landrat Wiedemann antwortete prompt und rief alle Beteiligten auf, „an einem Strang zu ziehen, damit uns nichts weggenommen wird“.

Entwarnung konnte Amtschef Georg Dumpert aus Bayreuth geben. „Für die Landwirte wird sich wenig ändern“, sagte er. Sämtliche Ansprechpartner vor Ort sollen bleiben. Insgesamt komme das neue Amt Bayreuth-Münchberg auf rund 150 Beschäftigte. Neu in Bayreuth werde das Sachgebiet Nutztierhaltung sein. Darüber hinaus werde jedes relevante Thema wie bisher auch an jedem Standort angeboten. Dumpert bekräftigte, dass auch die Schulen zusammengelegt werden. Es soll jeweils ein Jahrgang abwechselnd in Bayreuth und in Münchberg starten. Voraussetzung dafür ist, wie bisher auch, die Mindestanzahl von 16 Teilnehmern. Unverändert bestehen bleiben soll die Hauswirtschaftsschule.

Während das Bamberger Amt unangetastet bleibt und für Forchheim mit zuständig ist, werden Coburg und Kulmbach zu einem Amt zusammengelegt, das auch für Kronach und Lichtenfels mit zuständig ist. Das Bayreuther Amt kommt mit dem Hofer Amt in Münchberg zusammen und wird außerdem auch für den Landkreis Wunsiedel mit zuständig sein.

Ein weiteres Thema, das den Bauern im Bayreuther Land auf den Nägeln brannte, war das Auftauchen des Wolfes. Bei Betzenstein seien bereits erste Nutztiere im Landkreis gerissen worden, sagte Kreisobmann Karl Lappe. „Müssen in einem derart dichtbesiedelten und bevölkerungsstarken Land wie Deutschland Wölfe wirklich sein?“, wollte der Kreisobmann wissen. Mit dem Wolf seien in jedem Fall Risiken verbinden, so die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Gerade in den zurückliegenden Monaten hätten sich Schadensbestände erhöht. Die Abgeordnete kritisierte die Doppelmoral der Gesellschaft, die einerseits die Weidehaltung möchte, andererseits sich aber auch für den Wolf ausspreche. Brendel-Fischer befürwortete, den Schutzstatus zu reduzieren. Heftiger Gegenwind komme aber von Naturschutzverbänden wie dem NABU, der offen bedauere, dass es nicht noch mehr Wölfe gibt.

Landrat Wiedemann hatte zuvor in seinem Referat an Verbraucher und Agrarwirtschaft appelliert, sich mehr aufeinander zuzubewegen und sich gegenseitig zu respektieren. Um regional erzeugten Lebensmitteln noch mehr Wertschätzung zukommen zu lassen, habe die Bayerische Staatsregierung acht Modellregionen für die Belieferung von Kantinen mit regionalen Lebensmitteln ins Leben gerufen. Zusammen mit der Stadt Bayreuth und dem Landkreis Wunsiedel gehöre auch der Landkreis Bayreuth dazu.

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02.03.2021

Schlechte Stimmung – Gute Bilanz / Maschinenring Fränkische Schweiz stellt höheren Beratungsbedarf fest

Aufseß. Die Stimmung bei den Landwirten ist schlecht. „Viele Bauern sind frustriert und verunsichert und wissen nicht, wie es weitergehen soll“, sagt Manuel Appel, Geschäftsführer des Maschinenrings Fränkische Schweiz mit Sitz in Aufseß. Dabei stehe nicht nur die Düngeverordnung im Zentrum der Kritik, sondern vor allem die ausufernde Bürokratie durch immer neue Dokumentationspflichten. Beim Maschinenring bekommen Appel und seine Mitstreiter den Ärger der Bauern derzeit immer wieder zu spüren.

Für 2020 kann der Maschinenring Fränkische Schweiz trotz Corona eine gute Bilanz vorweisen. Nach den Worten des Geschäftsführers wurde der Verrechnungswert geringfügig auf drei Millionen Euro gesteigert, den weitaus größten Teil davon macht die Vermittlung von Maschinen aus. Hauptumsatzträger sind dabei die Bereiche Futterernte und Körnerernte, wobei der Sektor Gülleausbringung aufgrund der immer komplexer werdenden Technik ebenfalls stark angestiegen ist.

Zuwächse konnte Appel auch im Bereich der sozialen Betriebshilfe verzeichnen, was hauptsächlich über die hauptberuflichen Mitarbeiter abgedeckt werden konnte. Für den Maschinenring Fränkische Schweiz waren 2020 zwischen zehn und zwölf nebenberufliche und vier hauptberufliche Betriebshelfer tätig. Der Rest wird über die Kräfte der MR Oberfranken Mitte GmbH abgedeckt. Dazu gehören neben dem Maschinenring Fränkische Schweiz auch die Ringe Bayreuth-Pegnitz sowie Kulmbach. Unverändert geblieben ist 2020 die Mitgliederzahl bei 782.

„Im Vergleich zu anderen Branchen haben wir durch Corona relativ wenige Einschränkungen hinnehmen müssen“, so Appel. So sei die Geschäftsstelle durchgehend besetzt und für die Mitglieder zumindest telefonisch stets erreichbar gewesen. Das sei auch wichtig, denn Manuel Appel stellte durchaus einen höheren Beratungsbedarf, beispielsweise aufgrund der neuen Düngeverordnung fest. Viele Bauern seien stark verunsichert, mit dem Maschinenring hätten sie stets einen kompetenten Ansprechpartner.

Für das laufende Jahr planen die Verantwortlichen unter anderem eine Erweiterung des Wärmenetzes in Hollfeld. Dort hat der Maschinenring die Geschäftsführung für das Heizwerk und die Biogasanlage. Nicht nur fortgesetzt, sondern auch ausgebaut werden sollen die Geschäftsfelder unter dem Dach der MR Oberfranken-Mitte GmbH. Dazu gehören die chemiefreie Unkrautbekämpfung sowie die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners mit der bewährten Heißwassermethode, der Einsatz gegen den Maiszünsler sowie die Verstärkung des eigenen Klauenpflegetrupps.

Der Maschinenring Fränkische Schweiz stellt ein besonderes Konstrukt dar, weil sich sein Tätigkeitsgebiet gleich auf drei Landkreise erstreckt. Neben zwei Gemeinden aus dem Landkreis Bamberg gehören vier Gemeinden aus dem Landkreis Bayreuth dazu, der Rest gehört zum Landkreis Forchheim. Manuel Appel begründet dies mit der Historie des Rings, die auf den ehemaligen Landkreis Ebermannstadt zurückgeht, der während der Gebietsreform in den 1970er Jahren auf Bamberg, Bayreuth und Forchheim aufgeteilt wurde. Deshalb kann der Maschinenring Fränkische Schweiz auch 2022 bereits sein 60-jähriges Bestehen feiern. „Hoffentlich wieder unter normalen Umständen“, sagt der Geschäftsführer. Das Jubiläum bezieht sich auf die Gründung der beiden „Ur-Ringe“ in Ebermannstadt und Hollfeld.

Bild: Gute Bilanz trotz Corona: Manuel Appel, Geschäftsführer des Maschinenrings Fränkische Schweiz.

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02.03.2021

Maschinenring Münchberg stemmt sich erfolgreich gegen den Trend / Deutlicher Anstieg bei Betriebshilfe und Maschinenvermittlung

Ahornberg. Der Maschinen- und Betriebshilfsring Münchberg und Umgebung hat sich im Corona-Jahr 2020 erfolgreich gegen den Trend gestemmt. „Der Verrechnungswert des Vorjahres wurde um rund elf Prozent übertroffen und stieg von knapp 3,9 auf über 4,3 Millionen Euro an“, sagt Geschäftsführer Patrick Heerdegen, der von einem „wirklich tollen Ergebnis“ spricht. Man könne sich über die wirtschaftliche Lage nicht beklagen, „bei uns läuft es richtig gut“.

„Wir sind da, wir waren immer da und wir wollen immer da sein“, so der Vorsitzende Siegfried Hüttner. Trotz der positiven Zahlen bedauert er sehr, dass die Nähe zu den Mitgliedern derzeit nicht stattfinden kann. Allerdings gibt sich der Vorstand vorsichtig optimistisch, dass eventuell im Sommer doch noch eine Mitgliederversammlung, vielleicht sogar im Open-Air-Modus, also unter freiem Himmel, stattfinden kann.

Der Anstieg beim Verrechnungswert stützt sich in erster Linie auf die Maschinenvermittlung in den Bereichen Futterbau und Strohernte (von 873000 auf 905000 Euro) sowie Schlepper und Transporte (von 448000 auf 703000 Euro). Aber auch die klassische soziale Betriebshilfe konnte gesteigert werden, von 221000 auf 300000 Euro).

„Es war immer unser Anliegen, Kräfte zu reaktivieren und den Leuten eine Zusatzperspektive zu geben“, sagt Geschäftsführer Heerdegen, der etwa in der Landwirtschaftsschule auch schon mal aktiv für den Maschinenring geworben hat. Derzeit sind für den Maschinenring Münchberg drei selbstangestellte hauptberufliche Kräfte, vier weitere, die über den evangelischen Betriebs- und Dorfhelferinnendienst am Hesselberg beschäftigt sind, drei selbstständige sowie 35 nebenberufliche Kräfte tätig.

Heerdegen sagte aber auch, dass es bei der Betriebshilfe momentan einen starken Einbruch gebe. Operationen würden aufgeschoben, Rehabilitationsmaßnahmen und Kuren fänden nicht statt, so dass die soziale Betriebshilfe nur dann benötigt wird, wenn es auf den Höfen zu schweren Unfällen oder gar zu Todesfällen kommt. Ganz ausfallen lassen musste der Maschinenring im zurückliegenden Jahr auch sämtliche Fortbildungsveranstaltungen sowie den Praxistag, ob es heuer einen geben wird, stehe derzeit noch nicht fest.

Wichtigstes Vorhaben für den Maschinenring ist im laufenden Jahr der Umzug von der bisherigen ehemaligen VR-Bank-Geschäftsstelle in Ahornberg in das neue Grüne Zentrum Münchberg. „Wir streben einen nahtlosen Übergang an“, sagt Heerdegen, gleichwohl stehe das genaue Datum aufgrund von Verzögerungen an dem stattlichen Neubau noch nicht fest.

Neu ist für den Ring auch der Einstieg in den Bereich der MR Personaldienste, einer Tochterfirma des Landesverbandes. Bereits seit Anfang Februar ist mit Uwe Heckel ein eigener Standortleiter vor Ort in der Geschäftsstelle tätig, der sich um Personaldienstleistungen, Arbeitnehmerüberlassung und Arbeitsrecht kümmert. „Unser Ziel ist es, unsere Leute in möglichst vielen Bereichen einzusetzen.“

Zum Maschinenring Münchberg gehört als gewerbliche Tochtergesellschaft seit 2004 zusammen mit dem Ring in Wunsiedel die MR Hochfranken GmbH. Auch hier habe die Arbeit im Corona-Jahr 2020 unverändert fortgesetzt werden können, der Gesamtumsatz lag 2020 bei rund 1,8 Millionen Euro. Haupttätigkeitsfelder der MR Hochfranken GmbH sind die Stromtrassenpflege, die Baumpflege sowie der Winterdienst.

Der Maschinen- und Betriebshilfsring Münchberg und Umgebung hat 910 Mitglieder, einer mehr als im zurückliegenden Jahr.

Bild: Sie blicken trotz Corona optimistisch in die Zukunft: Vorsitzender Siegfried Hüttner (links) und Geschäftsführer Patrick Heerdegen vom Maschinenring Münchberg und Umgebung.

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17.02.2021

Steigerungen trotz Corona / Maschinen- und Betriebshilfsring Wunsiedel. Starker Dienstleister im ländlichen Raum

Wunsiedel. Im Fichtelgebirge geht die Arbeit des Maschinen- und Betriebshilfsrings trotz der Corona-Pandemie unverändert weiter. Der Gesamtverrechnungswert des Rings in Wunsiedel konnte im zurückliegenden Jahr sogar leicht gesteigert werden, was sich im Wesentlichen auf einen Anstieg bei der Maschinenvermittlung zurückführen lässt. In der Betriebshilfe ging der Wert nur minimal zurück. Abgesagt werden mussten allerdings zahlreiche Präsenzveranstaltungen wie der Praxistag mit den Jungzüchtern, die Betriebshelferfortbildungen oder das traditionelle Sommerfest mit dem die Arbeit aller Beteiligten gewürdigt werden sollte, die turnusgemäßen Neuwahlen stehen dagegen erst im kommenden Jahr an.

Nach den Worten von Geschäftsführer Andreas Hager war der Verrechnungswert bei der Betriebshilfe von gut 234000 auf knapp 226000 Euro zurückgegangen. Mit knapp 164000 Euro entfiel dabei der weitaus größte Teil auf die Sozialeinsätze, während die wirtschaftlichen Einsätze rund 62000 Euro ausmachten. Für den Ring sind in Wunsiedel 18 nebenberufliche Kräfte tätig, vier weitere sind über den Berufsverband und eine Kraft über den Evangelischen Betriebshelferdienst Bayern (Hesselberg) beschäftigt.

Ein leichtes Plus konnte der Maschinenring Wunsiedel bei der Maschinenvermittlung verzeichnen. Hier war der Verrechnungswert im abgelaufenen Jahr von rund 1,9 auf rund zwei Millionen angestiegen wobei die Bereiche Futterbau, Düngung, Saat und Pflege im Vordergrund standen. Zusammen mit den Geschäftsfeldern Landschaftspflege, Hilfsmittel und Futter kommt der MR Wunsiedel für 2020 auf einen Gesamtverrechnungswert von 2,89 Millionen Euro gegenüber 2,81 Millionen Euro im Vorjahr.

Der Maschinen- und Betriebshilfsring Wunsiedel hat aktuell 607 Mitglieder, eines mehr als im Vorjahr. „Damit sind ca. 95 Prozent der aktiven Landwirte bei uns Mitglied“, sagt Geschäftsführer Hager. Die ca. 95 Prozent bewirtschaften 22500 Hektar von insgesamt rund 23000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche im Landkreis.

Für gewerbliche Dienstleistungen aller Art hat der Maschinenring Wunsiedel zusammen mit dem Ring in Münchberg bereits 2004 die Maschinenring Hochfranken GmbH als Tochtergesellschaft gegründet. Auch hier habe die Arbeit im Corona-Jahr 2020 unverändert fortgesetzt werden können, so Geschäftsführer Reinhard Rasp. Den Gesamtumsatz der GmbH für 2020 bezifferte er auf rund 1,8 Millionen Euro.

Hauptkunde der Hochfranken GmbH ist der Netzbetreiber Bayernwerk, für den die beteiligten Landwirte Trassenpflegemaßnahmen auf einer Länge von zusammen 280 Kilometern durchführen. Im Zentrum steht außerdem der Winterdienst mit einem Anteil von 60 Prozent am Gesamtumsatz, wobei die GmbH größtenteils für Gewerbekunden tätig ist. In den zurückliegenden Jahren hinzugekommen sind Hausmeisterdienste für die Verbrauchermärkte in der Region.

Weitere Betätigungsfelder im reichhaltigen Portfolio der Hochfranken GmbH sind die Beteiligung an der Holzenergie Hochfranken GmbH (HEH), die für die Wärmeversorgung des Gesundheitshotels in Weißenstadt, des Hallenbades in Selb und des Schulzentrums in Hof zuständig ist. Eine weitere Beteiligung besteht an der Gemeinschaft für Sportplatzpflege im Landkreis Wunsiedel. Hinzu kommen Auftragsarbeiten im Bereich der Landschaftspflege für den Naturpark Fichtelgebirge.

Bild: Gute Zahlen trotz Corona: die Spitze des Maschinen- und Betriebshilfsrings Wunsiedel mit (von links) Reinhard Rasp (Geschäftsführer MR Hochfranken GmbH), dem stellvertretenden Vorsitzenden Michael Groschwitz, Vorsitzender Martin Goldschald und Geschäftsführer Andreas Hager.

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17.02.2021

Kitzrettung, Klauenpflege und Unkrautbekämpfung / Maschinenring Bayreuth-Pegnitz verzeichnet Corona-bedingten Rückgang bei der Betriebshilfe

Bayreuth. Natürlich hat die Corona-Pandemie die Arbeit der Maschinenringe im zurückliegenden Jahr stark beeinflusst. „Trotzdem, Abrechnungsservice, Futtervermittlung, Maschinenvermittlung und Maschinenverleih laufen unverändert weiter“, so Geschäftsführer Johannes Scherm vom Maschinenring Bayreuth-Pegnitz. Auch die Geschäftsstelle in Bayreuth sei durchgehend besetzt gewesen und habe nicht geschlossen werden müssen. Der Besucherverkehr sei freilich auf ein Mindestmaß reduziert worden.

Was stark zurückgegangen ist, sind die Zahlen der Betriebshilfe. „Wir haben rund 20 Prozent weniger Einsatzstunden zu verzeichnen, weil eben auch weniger Reha-Maßnahmen oder Operationen stattgefunden haben“, so Scherm. Wichtig für den Maschinenring: Die Betriebshilfe läuft auch in Corona-bedingten Einsätzen unter Einhaltung strikter Hygienemaßnahmen weiter.

Um vor allem die soziale Betriebshilfe zukunftsfest zu machen, sei die Möglichkeit der Festanstellung in 2020 sogar weiter ausgebaut worden. Die Arbeit in der Betriebshilfe habe sich deutlich von der Neben- zur Haupttätigkeit verlagert, wobei der Maschinenring Bayreuth-Pegnitz die Mitarbeiter seit 2018 selbst anstellen und  mit der landwirtschaftlichen Sozialversicherung selbst abrechnen kann.

In absoluten Zahlen ist die Betriebshilfe von 38500 auf 35900 Stunden zurückgegangen. Die wirtschaftliche Betriebshilfe macht davon 15800 Stunden, die soziale Betriebshilfe 20100 Stunden aus. Den gesamten Verrechnungswert beziffert der Maschinenring auf 7,23 Millionen Euro (Vorjahr 7,57 Millionen Euro). Die Anzahl der Mitglieder war ebenfalls leicht rückläufig und verringerte sich um 42 auf 1290.

Trotz des außergewöhnlichen Jahres hat der Maschinenring Bayreuth-Pegnitz auch 2020 einige zukunftsweisende Projekte auf den Weg gebracht, die im laufenden Jahr weiter ausgebaut werden sollen. Ein wichtiger Punkt dabei ist die Wildtierrettung. Dazu wurde eine Zusammenarbeit mit dem Verein Kitzrettung Oberfranken in die Wege geleitet. Hier geht es um den Abbau von Barrieren und eine Zusammenarbeit zum Wohl der Tiere“, erläuterte der zweite Vorsitzende Matthias Roder. Es gehe dabei keinesfalls um militante Tierschützer, sondern vielmehr um das Annehmen der Hilfe von Menschen, die sich ehrenamtlich zum Wohl der Rehkitze engagieren. „Wir Landwirte freuen uns über jede Unterstützung“, sagt Roder.

Weiter ausgebaut werden soll auch die biologische Maiszünslerbekämpfung, die der Maschinenring seit 2018 anbietet. Neu ist, dass diese Form der Schädlingsbekämpfung über das Kulturlandschaftsprogramm jetzt mit 50 Euro pro Hektar gefördert wird. „Die Nachfrage wird steigen“, ist sich Geschäftsführer Scherm sicher, zumal der Maschinenring als Marktführer in der biologischen Schädlingsbekämpfung gilt und die günstigsten Konditionen anbietet.

Ebenfalls erweitert werden soll im laufenden Jahr die eigene Heißwassertechnik zur chemiefreien Unkrautbeseitigung und zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners. „Der Druck, Unkraut ohne chemische Keule zu bekämpfen, wird gerade für unsere Hauptkunden, die Kommunen, immer größer“, so Bernd Müller vom Maschinenring Oberfranken-Mitte, zu dem die Ringe Bayreuth, Kulmbach und Fränkische Schweiz gehören. Deshalb soll in zusätzliche Technik investiert werden.

Ein weiteres wichtiges Vorhaben, vor allem für die Milchviehhalter in der Region, ist die Verstärkung des eigenen Klauenpflegetrupps. Seit 2017 ist der Maschinenring auf diesem Geschäftsfeld unterwegs, im zurückliegenden Jahr wurde mit Sebastian Schmidt aus Schirradorf eine zweite Kraft beschäftigt, die gerade zum staatlich gepflegten Klauenpfleger ausgebildet wird. Hier gehe es nicht nur um eine wichtige Dienstleistung für die Landwirte, sondern auch um eine Verbesserung des Tierwohls, sind sich die verantwortlichen einig.

Alles in allem werde es für den Maschinenring immer wichtiger, in eigene Technik zu investieren, so Geschäftsführer Scherm. Darüber hinaus suche der Ring auch immer wieder neue Kräfte zur Mitarbeit in allen Bereichen. Allein der Zusammenschuss Oberfranken-Mitte beschäftigt aktuell 23 Personen mit einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit zwischen 30 und 35 Stunden, also nahezu in Vollzeit.

Bild: So sieht der Klauenpflegestand des Maschinenrings Oberfranken-Mitte aus.

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25.01.2021

Weniger Kühe, weniger Umsatz / Rinderzuchtverband Oberfranken leidet unter negativen Rahmenbedingungen

Bayreuth. Für das zurückliegende Zuchtjahr muss der Rinderzuchtverband Oberfranken erneut ein rückläufiges Ergebnis vermelden. Wie aus dem jetzt vorgelegten Jahresbericht hervorgeht, sind die Vermarktungszahlen um gut 1600 auf 30400 Tiere zurückgegangen, der Umsatz verringerte sich um etwa eine Million Euro auf rund 14,9 Millionen Euro. Als wesentliche Ursachen dafür nennen der Vorsitzende Georg Hollfelder aus Litzendorf im Landkreis Bamberg und Zuchtleiter Markus Schricker die verminderten Kuhzahlen, niedrigere Preise, das Wetter und die Corona-Krise. Das Geschäftsjahr des Rinderzuchtverbandes ist nicht identisch mit dem Kalenderjahr. Es beginnt immer am 1. Oktober und endet am 30. September.

Der Rückgang im Gesamtumsatz geht dem Bericht zufolge auf einen wiederum gefallenen Preis bei den männlichen Nutzkälbern und auf die geringeren Stückzahlen zurück. Die Kälbermärkte konnten trotz Corona und ursprünglichem Verbot abgehalten werden, bei den Großviehmärkten seien die Termine im März und April abgesagt worden, der Mai-Markt habe dann wieder stattgefunden, allerdings ohne Zuchtbullen. Von den ursprünglich zehn angesetzten Märkten hätten letztlich nur sieben in gewohnter Weise stattfinden können. Die Bullen von den ausgefallenen Märkten seien dann ab Stall ober per Telefonkonferenz vermarktet, beziehungsweise versteigert worden.

Es gebe wohl kaum einen Bereich, der nicht durch Covid 19 beeinflusst wurde und beeinflusst wird, heißt es in dem Bericht. Durch Schließungen der Gastronomie und Behinderungen beim Fleischexport sei auch der Verzehr von Rindfleisch weiter zurückgegangen. Daneben habe es den Schlacht- und Verarbeitungsbereich mit Schließungen und verringerten Schlachtzahlen schwer getroffen. Als weitere Gründe für das rückläufige Ergebnis gilt die anhaltende Trockenheit, aber auch die zunehmende Ablehnung von Lebensmitteln tierischen Ursprungs durch weite Teile der Bevölkerung.

Der Rinderzuchtverband Oberfranken hatte im zurückliegenden Zuchtjahr noch 1064 Mitgliedsbetriebe, 61 weniger als im Jahr zuvor. Die Zahl der Herdbuchkühe ist dem Jahresbericht zufolge ebenfalls deutlich gesunken, und zwar um 1544 auf nun 66255. Die Durchschnittsgröße der Betriebe wird mit 62 Kühen angegeben (Vorjahr 60).

Während diese Statistik nur die Kreiszuchtgenossenschaften und die Mitgliedsbetriebe des Rinderzuchtverbandes betrifft, listet der umfangreiche Jahresbericht traditionell auch die gesamte Milchviehhaltung in Oberfranken auf. Hier sank die Zahl der Milchkühe um 2700 auf 82921. Damit liege Oberfranken deutlich über dem deutschen und bayerischen Trend, so Zuchtleiter Schricker.

Unverändert fortgesetzt hätten sich auch die Betriebsaufgaben. Wieder 115 Betriebe weniger bedeute noch 1766 Milchviehhalter in Oberfranken. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt statistisch bei 48,5 Kühen pro Betrieb. Die meisten Milchkühe werden in den Landkreisen Bayreuth und Hof gehalten, die wenigsten in den Landkreisen Kronach, Forchheim und Lichtenfels.

Die Zahlen seien ein Indiz dafür, dass die Investitionen in den Milchviehbereich deutlich nachgelassen haben und die aufstockenden Betriebe die Kuhzahl nicht konstant halten. Die Betriebsaufgaben hätten sich fast ungebremst fortgesetzt und bei weitem nicht mehr nur auf Betreibe unter 30 Kühe beschränkt. Die derzeitigen Vorzeichen sprechen nach Ansicht des Rinderzuchtverbandes Oberfranken eher dafür, dass sich diese Entwicklung noch beschleunigt.

Bild: Der Strukturwandel in der Landwirtschaft geht weiter, das zeigt die aktuelle Bilanz des oberfränkischen Rinderzuchtverbandes.

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25.01.2021

Starker Strukturwandel, große Betriebe / Milcherzeugerring Oberfranken legte Bilanz 2020 vor

Bayreuth. Der Ausstieg aus der Milchviehhaltung geht weiter. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht des Milcherzeugerrings Oberfranken hervor. Demnach zeichnet sich auch in Zukunft ein relativ konstanter Ausstieg ab.

Auf ähnlichem Niveau wie in den Vorjahren bewege sich auch heuer die Anzahl der Betriebsaufgaben in Oberfranken, heißt es in dem Bericht. Durch den Rückgang von insgesamt 93 Betrieben sei die Zahl der Milchviehhalter nunmehr auf 1256 Betriebe gesunken. Auf fast gleichem Niveau habe sich auch der Rückgang der Milchkühe belaufen. Dem Bericht zufolge reduzierte sich der oberfränkische Milchviehbestand um 2141 auf 73242 Kühe. Ein Zuwachs des Bestandes bleibe bereits seit einigen Jahren aus.

Bayernweit gibt es die meisten Milchkühe in Oberbayern mit über 31 Prozent des gesamtbayerischen Bestandes, gefolgt von Schwaben (24 Prozent) und der Oberpfalz (12 Prozent). Oberfranken liegt mit knapp acht Prozent an vorletzter Stelle unter den sieben bayerischen Regierungsbezirken. Ein ähnliches Bild ergibt sich der Statistik zufolge bei den Milchviehhaltern. Auch hier steht Oberbayern mit 34,5 Prozent der Betriebe an der Spitze, gefolgt von Schwaben (23,2 Prozent) und Niederbayern (12,8 Prozent). Auch hier steht Oberfranken mit 6,9 Prozent an vorletzter Stelle. Den letzten Platz nimmt jeweils Unterfranken mit 2,4 Prozent der bayerischen Milchkühe und 2,1 Prozent der Milchviehhalter ein.

An der Spitze liegt Ober- und auch Mittelfranken dagegen bei der durchschnittlichen Betriebsgröße. In beiden Regierungsbezirken kommt man statistisch auf 58,3 Tiere pro Betrieb. Als Grund dafür wird genannt, dass es sowohl in Ober- als auch in Mittelfranken bereits einen starken Strukturwandel gegeben habe und sich deshalb auch dort die größten Milchviehbetriebe befinden.

Als überaus positiv wertet der Bericht die enormen Leistungssteigerungen in den einzelnen Landkreisen. Ganz Oberfranken liege mit einer Leistungssteigerung von 300 Kilogramm pro Kuh und Jahr im bayerischen Schnitt mit ganz vorne. „Im Vergleich zum Vorjahr konnten in allen Landkreisen hohe bis sehr hohe Leistungszuwächse in den Herden erreicht werden“, heißt es in dem Bericht. Allen voran steht der Landkreis Kronach mit einem satten Plus von 397 Kilogramm, gefolgt von Hof mit 393 Kilogramm.

In diesem Zusammenhang stellt Milcherzeugerring in seinem Jahresbericht auch klar, dass eine hohe Milchleistung nicht mit negativem Tierwohl in Verbindung zu bringen ist. Ganz im Gegenteil: wie die Zahlen zeigen, steige die Herdenleistung mit der Betriebsgröße kontinuierlich an. „Es ist wohl auch unbestritten, dass Tiere nur hohe Leistungen hervorbringen können, wenn sie sich wohl fühlen.“

Größere Unterschiede findet man in den einzelnen Landkreisen bei der Herdengröße. So sind die größten Milchviehbetriebe im Landkreis Bayreuth mit durchschnittlich 64 Kühen pro Betrieb zu finden. Als zweiter Landkreis hat Coburg mit rechnerisch 60,7 Milchkühen die 60-Kuh-Marke überschritten.

Durchschnittlich stehen in den oberfränkischen Ställen 58,3 Milchkühe, bayernweit sind es nur 50,4 Kühe pro Betrieb. Zum Stichtag 30. September 2020 standen exakt 72288 Milchkühe in 1179 Betrieben unter der Milchleistungsprüfung. Im Vorjahr waren es noch 74340, also über 2000 mehr.

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20.01.2021

Zukunft der naturnahen Teichwirtschaft in Gefahr/ Oberfränkische Teichwirte beklagen immense Biberschäden

Mitwitz. Der Biber macht den oberfränkischen Teichwirten derzeit wieder immens zu schaffen. „Alle Beteiligten müssen sich Gedanken machen, wie wir mit dieser Problematik umgehen, wenn wir eine naturnahe Teichwirtschaft auch in Zukunft aufrechterhalten wollen“, sagt Christian Holoch, Betriebsleiter der forstlichen Güterverwaltung in Mitwitz. (Landkreis Kronach) Holoch ist auch Beirat der Teichgenossenschaft Oberfranken, er bewirtschaftet rund 30 Hektar Gewässer rund um Mitwitz.

Dazu gehört auch der Breitensee am Ortsrand des Markts Mitwitz, den Holoch bereits seit 20 Jahren bewirtschaftet und der aufgrund seiner Jahrhunderte alten Historie bereits als „Kulturgut Teich“ ausgezeichnet worden ist. Hier sind die Biberschäden auch für den Laien deutlich zu sehen. „Wir haben seit einigen Jahren eine komplette Population hier“, sagt Holoch und zeigt auf gut ein Dutzend Zitterpappeln am Ufer, die der Biber schon gefällt hat und die im Wasser liegen. Von den Stämmen unter der Wasseroberfläche nagt der Biber dann die Rinde ab. Auf einer kleinen Insel ist die riesige Biberburg zu sehen, die der Nager im zurückliegenden Sommer gebaut hat.

Den Teichwirten geht es freilich nicht um die Schäden an den Gehölzen, sondern um die Dämme, die der Biber aufstaut und um die unterirdischen Ausbuchtungen, die ringsum Wege untergraben und die immer wieder große Schäden anrichten. In der Haftung ist der Teichwirt, denn er hat eine Sicherungspflicht für den gesamten Uferbereich. Doch wovon soll er teure Reparaturen bezahlen, etwas dann, wenn aufwändige Baggerarbeiten notwendig werden? Die Erlöse decken den Aufwand längst nicht mehr.

Ein weiteres Problem ist, dass der Biber die Karpfen aus der Winterruhe treibt. Die Fische leiden dann unter einem Energiemangelsyndrom, erläutert Kay Kuhlen von der Fischereifachberatung des Bezirks Oberfranken. Das bedeute, dass der Fisch dann im Frühjahr keine Energie mehr besitzt und im weiteren Verlauf daran zu Grunde gehen kann.

Sauer stößt es den betroffenen Teichwirten auf, wenn die Situation von Seite des Naturschutzes verharmlost wird. In den Naturschutzbehörden sei vielerorts bereits ein Problembewusstsein entstanden, ganz im Gegensatz zu den Naturschutzverbänden. Dort sei es oft noch nicht klar, dass die seit Jahrhunderten gewachsene Teichwirtschaft ein ebenso schützenswertes Gut sei.

Dabei ist der Karpfen, der beispielsweise hier im Breitensee heranwächst, das Bio-Lebensmittel schlechthin. Der Breitensee ist Bestandteil des Naturschutzprogramms des Freistaates, die Fische fressen ausschließlich Naturfutter. „Noch mehr Einklang mit der Natur ist nicht möglich“, sagt Kay Kuhlen. „Wir wollen nützen und schützen“, so Holoch. Das sei doch allemal besser, als wenn Fische künftig in riesigen Bassins in Fabrikhallen heranwachsen müssen. Diese Form der industriellen Erzeugung ist in Fernost schon längst an der Tagesordnung.

Holoch räumt auch offen ein, dass er keine Patentlösung parat hat. Sicher ist nur, dass den Teichwirten mit dem Fischotter neues Ungemach ins Haus steht. Wenn auch noch nicht am Breitensee, so ist der Fischotter in ganz Oberfranken bereits verbreitet. Er ist deshalb so gefürchtet, da er nicht nur ganze Teiche leer frisst, sondern sich oft nur die „Filetstücke“ des Fisches, also die fett- und eiweißreichen Innereien herauspickt und den restlichen Kadaver liegen lässt. Einzäunen sei beispielsweise bei der Größe des Breitensees unmöglich, auch das Einziehen von Stahlmatten komme viel zu teuer und stehe in keinem Verhältnis.

Bilder:
1.
 Hier hat der Biber schon sein Unwesen getrieben: Teichwirt Christian Holoch zeigt eine gefällten Zitterpappeln am Ufer des Breitensees in Mitwitz.
2.
Auf dieser kleinen Insel hat der Biber seine stattliche Burg gebaut.

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16.12.2020

„Wasserkraft soll die Wirtschaftlichkeit entzogen werden“ / Anlagenbetreiber aus dem Raum Bayreuth werfen Behörden Zerstörung von Existenzen vor

Döhlau. Einst markierte sie den Beginn der Elektrifizierung, jetzt soll sie vielerorts platt gemacht werden: die Kleine Wasserkraft. „Die Betreiber werden mit Auflagen so sehr gegängelt, dass sie den Forderungen nicht mehr nachkommen können und aufgeben müssen“, sagt Reinhard Moosdorf aus Tüchersfeld von der Interessengemeinschaft „Strom aus Wasserkraft“. Die Mitglieder sprechen einhellig von einer „Zerstörung von Existenzen“ und vom „Kahlschlag in der Gewässerökologie“. Dabei gibt es die Anlagen schon seit Jahrhunderten und jetzt sollen sie plötzlich bedenklich für den Fischbestand sein.

Doch um den Fischartenschutz und die Durchgängigkeit für sämtliche Fische gehe es nur vordergründig, sagen die Betreiber. In Wirklichkeit sei die Wasserkraft einfach nicht gewünscht. Investitionen von 100000 bis 200000 Euro für den Einbau von Aufstiegshilfen seien von den Betreibern einfach nicht leistbar. „Die Intention der Behörden ist es, uns die Wirtschaftlichkeit zu entziehen oder zumindest in Frage zu stellen“, so Norbert Hedler, Betreiber einer Wasserkraftanlage in Mittlernhammer bei Warmensteinach im Fichtelgebirge.

Dabei wäre die Wasserkraft vor dem Hintergrund der Energiewende ein wichtiger Beitrag dazu, die Klimaproblematik in den Griff zu bekommen. „Wir sprechen hier von einer sinnvollen Art der Energieerzeugung in dezentralen Anlagen, die wir als Ergänzung unbedingt brauchen“ so Reinhard Moosdorf. Energisch widerspricht er dem Argument, dass die Wasserkraft nur etwa vier Prozent an der gesamten Stromerzeugung ausmache. Das sei nur der in das öffentliche Netz eingespeiste Strom. Man müsse mindestens noch einmal vier Prozent dazu rechnen, wenn man den Strom zum Eigenverbrauch der Betreiber miteinbeziehe.

Die Schuldigen sehen Reinhard Moosdorf und seine Mitstreiter unter anderem beim Landratsamt Bayreuth und der zuständigen Fachbehörde, das für den Landkreis Bayreuth zuständige Wasserwirtschaftsamt Hof. Die vor rund einem Jahr aus einem Stammtisch hervorgegangene Interessengemeinschaft vertritt die Inhaber und Betreiber von etwa 30 Wasserkraftanlagen in der Region. Die Gemeinschaft wirft den Behörden fadenscheinige ökologische Begründungen vor, um die Wasserkraft kaputt zu machen.

Waren es vor 100 Jahren noch 23 Wasserkraftanlagen entlang der Steinach im Landkreis Bayreuth seien es heute gerade einmal noch neun Anlagen. Eine davon betreibt Müllermeister Konrad Switalski im Weidenberger Ortsteil Döhlau. Seit dem Jahr 1398 existiere die Mühle schon, seit 1954 befinde sie sich in Familienbesitz, sagt Switalski, der im Nürnberger Land noch eine zweite Mühle besitzt, 15 Mitarbeiter beschäftigt und der hauptsächlich die Gastronomie mit Weizen- und Roggenmehl beliefert.

Er würde gerne statt des derzeitigen Schützenwehrs ein Klappenwehr einbauen, um Hochwasserereignissen vorzubeugen, bei denen manchmal ganze Baumstämme aus dem Fichtelgebirge angeschwemmt werden. Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt würden dies aber nur genehmigen wenn auch ein Fischauf- und -abstieg realisiert wird. Laut Konrad Switalski würde dies die veranschlagten Kosten von geschätzten 100000 Euro auf etwa 300000 Euro verdreifachen und damit die gesamte Mühle in den Ruin treiben.

Was den oft ins Spiel gebrachten Fischreichtum angeht, so habe es vor 100 Jahren, also zu Zeiten der zehnfachen Zahl an Wasserkraftanlagen, wesentlich mehr Arten und Individuen gegeben, als heute. Die wahren Gründe für den Rückgang seien ganz woanders zu suchen, als bei den Wasserkraftanlagen. Der Fischbestand gehe aufgrund der chemischen Belastung vor allem durch Schwermetalle, aber auch durch den oft unterschätzten Reifenabrieb allgemein zurück. „Doch der schwarze Peter wird einfach auf die Wasserkraft geschoben“, so Reinhard Moosdorf.

Darüber hinaus seien die kleinen Bäche ohnehin nie ganz durchgängig gewesen. Doch „Theoretiker und Ideologen“ wollten die Europäische Wasserrahmenrichtlinie am liebsten bis ganz zur Quelle durchsetzen, mutmaßt Norbert Hedler. Dabei seien die Wasserkraftanlagen gerade in Trockenzeiten wichtig für den Fischbestand, weil die Staubereiche vor den Anlagen wichtige Rückzugsmöglichkeiten für Bachforellen oder Saiblinge bieten.

Bestes Beispiel für die Vorwürfe der Anlagenbetreiber ist eine Wasserkraftanlage, die der Speichersdorfer Landwirt Herbert Nickl in Ranna, zwischen Auerbach und Pegnitz betrieben hat. Er wollte die Anlage mit einer Jahreserzeugung von 110000 bis 120000 Kilowattstunden vor vier Jahren an einen Nachfolger übergeben, doch der Freistaat hatte von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht. Nun soll die seit dem 12. Jahrhundert bestehende Anlage trotz bestehender Fischtreppe platt gemacht werden. Klagen dagegen wurden bereits abgewiesen. Dabei hatte Umweltminister Thorsten Glauber versprochen, unter seiner Leitung kein einziges Wasserkraftwerk stillzulegen.

Bild: Müllermeister Konrad Switalski (links) und der Speichersdorfer Landwirt Herbert Nickl in der Mühle im Weidenberger Ortsteil Döhlau.

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11.12.2020

Ökofranken in Schwierigkeiten / Erzeugergemeinschaft verlangt hohe Rückforderungen - Mitglieder sprechen von einem Skandal

Itzgrund. Gegen den Erzeugerzusammenschluss Ökofranken werden von Mitgliedern schwere Vorwürfe erhoben. Nachdem der Vermarktungspool seit dem Jahr 2017 nicht mehr aufgelöst worden sei, sollen weit über 100 Bauern jeweils hohe fünfstellige Beträge zurückzahlen. Grund dafür sei die schlechte Marktlage. Ökofranken eG. Ist ein Zusammenschluss mit rund 300 Mitgliedern für ökologisch erzeugte landwirtschaftliche Produkte in Oberfranken und angrenzenden Gebieten mit Sitz in Itzgrund (Landkreis Coburg). Die Bauern müssen dabei keinem Anbauverband angehören, sie können auch die nach niedrigeren Standards erzeigte EU-Ökoware liefern.

Ein Biobauer aus Oberfranken spricht von horrenden Rückforderungen, weil der Vermarktungszusammenschluss gewaltig in die Roten Zahlen gerutscht sei. Ihm liege eine entsprechende Liste von Landwirten vor. „Die Situation ist äußerst verfahren“ so der Landwirt. Abgerechnet werde nach einem Poolsystem, bei dem der Preis je nach Vermarktungslage höher oder tiefer liegen kann. Allerdings sei dieser Pool seit 2017 nicht mehr aufgelöst worden. „Das hätte längst passieren müssen.“ Die Rückforderungen schwanken dabei je nach Liefermenge gewaltig. Wer nur fünf Tonnen angeliefert hat, müsse nur 50 bis 100 Euro zurückzahlen, wer allerdings 1000 Tonnen und mehr geliefert hat, bei dem würde es sich entsprechend summieren.

Die schlechte Marktsituation nimmt der Biobauer dem Zusammenschluss nicht ab. Er sieht vielmehr Versäumnisse in der Geschäftsführung. Dort sei schlecht gewirtschaftet worden. „Die haben dermaßen schlecht verkauft, das hätte man doch längst merken müssen.“ So sei Bio-Roggen zuletzt beispielsweise für 15 Euro pro Doppelzentner abgerechnet worden. Hätte er herkömmlichen Roggen ohne jeden Qualitätsanspruch an Biogasanlagenbetreiber verkauft, hätte er mehr bekommen.

Außerdem könne man doch nicht erst 2020 merken, dass man 2017 keine Erlöse gehabt habe. Angeblich seien 2017, 2018 und 2019 ausschließlich miserable Preise erzielt worden. Schon die Ernte 2019 sei ihm nicht ausbezahlt worden, berichtet der Landwirt. Angeblich, weil bei ihm Rückzahlen von über 10000 Euro offen stünden, da habe die Geschäftsführung seine Lieferung einfach einbehalten.

Einem Mitglied zufolge hat die Erzeugergenossenschaft bei den Banken Verbindlichkeiten von rund einer Million Euro. „Das Geld will man wahrscheinlich wieder reinholen.“.  Der Biolandwirt fasst sich aber auch an die eigene Nase. „Es war Leichtsinn von uns allen.“ Die Preise seien ja wirklich nicht besonders hoch gewesen. Auf der anderen Seite sei bis zum Jahr 2017 alles nahezu glatt gelaufen. Meist habe es eine Nachzahlung gegeben, weil letztlich doch zu einem besseren Preis verkauft wurde. Außerdem seien eventuelle Forderungen für die Jahre vor 2017 ohnehin verjährt. Illusionen macht er sich nicht: „Die Bauern werden wahrscheinlich wieder bluten müssen.“

Zu den Vorwürfen wollte sich Vorstand Roland Schrenker auf Nachfrage nicht äußern. Die Mitgliederversammlung vor wenigen Tagen fand nur online statt, nur Mitglieder durften daran teilnehmen. Schriftlich teilte Schrenker mit, dass die Ökofranken eG. über 300 Mitglieder hat. Einige von ihnen bekämen eine Nachzahlung, andere, die über das Poolsystem zu viel erhalten hätten, müssten es zurückzahlen. Was die Verbindlichkeiten angeht, könnten die Mitglieder aus der Bilanz 2019 entnehmen, dass sich diese durch Forderungen aufheben, so Schrenker. Er wies auch darauf hin, dass die Genossenschaft der jährlichen Prüfung durch den Genossenschaftsverband unterliege. Mehr könne er zum jetzigen Stand der Dinge nicht sagen. Dem Vernehmen nach wurden Vorstand und Aufsichtsrat bei der Jahreshauptversammlung nicht entlastet.

Foto: Bei der Erzeugergemeinschaft Ökofranken scheint es derzeit gewaltig zu stauben: Für Verluste aus den letzten Jahren werden von den Mitgliedern Rückforderungen erhoben. (Symbolbild).

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11.11.2020

„Schluss mit lustig“: Landwirte fordern deutlich höhere Markterlöse / Forderungspapier an Molkereien überreicht - 15 Cent mehr pro Liter Milch

Scheßlitz. Unter dem Motto „Schluss mit lustig – uns geht die Luft aus“ haben Mitglieder der Bewegung „Land schafft Verbindung“ (LSV) und des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) ein Forderungspapier an die Verantwortlichen von Molkereien und Schlachtbetriebe überreicht. Darin verlangen sie deutlich höhere Erlöse für Milch, Rinder, Schweine und Geflügel. In Scheßlitz (Landkreis Bamberg) überreichten Marianne Schuster aus Pödeldorf für den BDM und Michael Gabler aus Straßgiech (LSV) ein entsprechendes Papier an Geschäftsleiter Wolfgang Dötzer und an zuständigen Betreuer der Landwirte Johannes Mahr von dem zur Frischli-Gruppe gehörenden Milchhof Albert.

Wir fordern schon lange einen besseren Milchpreis, damit die gesamtwirtschaftliche Situation für uns besser wird, sagte Michael Gabler. „Wir bekommen seit Jahren immer weniger“, so der Nebenerwerbslandwirt. Der Aufwand zur Produktion der Milch sei nicht mehr gedeckt. Durch die Dürre und dem teureren Futterzukauf sei die Situation in den zurückliegenden Jahren noch zusätzlich schlimmer geworden. Gabler: „Für mich als kleinen Betrieb ist es einfach schwierig, eigentlich legen wir im Moment drauf und müssen über andere Betriebszweige wie dem Ackerbau querfinanzieren.“  

In der gleichen Situation befindet sich Marianne Schuster, die einen Betrieb im Haupterwerb bewirtschaftet. „Wir müssen unsere Rechnungen bezahlen, haben aber nicht den Erlös, den wir dafür brauchen. Bei der BayWa zahlen wir beispielsweise 89 Euro für die Stunde und selbst wird es uns verwehrt, zehn Euro in der Stunde zu verdienen“, so die Landwirtin. In diesem Jahr fehlten ihrem Betrieb bereits rund 50000 Euro. Dabei arbeiteten die Landwirte jeden Samstag, jeden Samstag, manchmal auch in der Nacht sowie an sämtlichen Feiertagen.

„Ich bin mir sicher, bei den Molkereien bleibt genug hängen“, sagte Marianne Schuster. 30, beziehungsweise 31 Cent pro Liter seien einfach zu wenig. „Wir brauchen einen anderen Preis.“ Sie bekräftigte deshalb noch einmal die Forderung nach 15 Cent mehr, zuzüglich der Mehrwertsteuer.

Die Situation der Vertragspartner sei auch der Molkerei bewusst, sagte Johannes Mahr vom Milchhof Albert. Allerdings hatte man vor zehn Jahren in Deutschland 28 Milliarden Kilogramm Milch, derzeit seien es 34 Milliarden, von denen die Hälfte in den Export gehe. „Wenn wir an dieser Situation wirklich etwas ändern wollen, wird das nur funktionieren, wenn die gesamte Wertschöpfungskette, also Verbraucher, Handel, Politik, Verarbeiter und Landwirte, an einem Strang ziehen.“ Mahr gab auch zu bedenken, dass 70 Prozent der deutschen Milch in genossenschaftlicher Hand, also in Bauernhand, sind. Damit hätten es die Bauern doch auch selbst in der Hand, etwas zu verändern. Er habe Verständnis für die Forderungen der Landwirte, doch auch in den Molkereien werde im Schichtbetrieb an 365 Tagen im Jahr und 24 Stunden am Tag gearbeitet. Kritisch merkte der Molkerei-Sprecher an, dass es immer noch Expansionstendenzen bei den Landwirten gebe, es werde immer noch gebaut und ausgebaut. Notwendig sei nicht zuletzt eine konkrete europäische Mengensteuerung.

Bild: Die beiden Landwirte Marianne Schuster und Michael Gabler überreichten ein Papier mit der Forderung nach deutlich höheren Markterlösen an Johannes Mahr (rechts) vom Milchhof Albert in Scheßlitz.

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15.10.2020

Geld für Aufforstung statt Prämien für Stilllegung / Bundesministerin Klöckner besichtigte Waldschadensflächen im Coburger Land

Großheirath. „Nicht nur am Amazonas brennen die Wälder, auch Frankens Wälder brennen, jedoch ohne Rauch. Die Folgen aber sind die Gleichen.“ Mit diesen dramatischen Worten hat der Vorsitzende der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken Wolfgang Schultheiß beschrieben, was die oberfränkischen Waldbauern derzeit umtreibt. Bei einem Besuch von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in Großheirath machte Schultheiß klar, dass ein Nachwachsen des Rohstoffes Holz künftig so nicht mehr stattfinden wird. Nicht nur die Erholungsfunktion der Wälder gehe dabei verloren, auch ein Stück Heimat bleibe auf der Strecke.

Mit Oberfranken war die Ministerin in eine der waldreichsten Regionen Bayerns gekommen. Der dortige CSU-Bundestagsabgeordnete nannte seinen Wahlkreis Coburg zusammen mit dem Nachbarlandkreis Kronach den waldreichsten in Oberfranken. Deshalb habe die Politik hier auch die Ernsthaftigkeit der Situation erkannt, versicherte Michelbach, der von schweren Schäden in den Wäldern des Coburger Landes und vom einem dramatischen Preisverfall auf dem Holzmarkt sprach.

Ministerin Klöckner kündigte das mit 1,5 Milliarden Euro ausgestattete „größte Aufforstungsprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik“ an. Damit sollen rund 285000 Hektar wiederbewaldet werden. 99,5 Millionen würden dabei nach Bayern fließen, acht Millionen Euro nach Oberfranken, 1,3 Millionen Euro in das Coburger Land. Mit dem Geld sollen vor allem standortangepasste Bäume gepflanzt und Schadholz geräumt werden. Oberstes Ziel seien klimastabile Mischwälder.

Als absolut falsch bezeichnete Klöckner die Forderung aus dem Bundesumweltministerium, Wald stillzulegen. Waldstilllegungsprämien stellten ein großes Problem dar, sagte sie. Stattdessen sollte ein Mix zur Naturverjüngung standortangepasster Wälder geschaffen werden. Auch die Ausgewogenheit von Wald und Wild lag der Ministerin am Herzen. „Es dürfe weder Wald vor Wild, noch Wild vor Wald heißen“, so Klöckner. Derartige Schlagworte würden nicht weiterhelfen. Vielmehr seien die Waldbauern aufgefordert, durch entsprechende Maßnahmen einen Verbissschutz zu schaffen.

Auch Klöckner wusste, dass viele Waldbauern derzeit mit dem Rücken zu Wand stehen. „Halten sie durch“, appellierte sie deshalb an die Waldbauern und gab zu bedenken, dass deren Arbeit für kommende Generationen geschehe. Insofern sei die Arbeit der Waldbauern auch ein Stückweit Bewahrung der Schöpfung.

Bundesministerin Klöckner hatte sich bei ihrem Termin in Coburg nicht nur mit Verantwortlichen der Waldbesitzervereinigungen und der Fortwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken getroffen, sie besichtigte auch eine große Schadfläche und ein Wiederaufforstungsprojekt im Ortsteil Watzendorf.

Zuvor hatte der Abgeordnete Michelbach die über 18000 Hektar Wald in seinem Landkreis nicht nur als wichtiges Erholungsgebiet und bedeutenden Lebensraum für Tiere und Pflanzen bezeichnet. Der Wald sei vor allem auch wichtiger Wirtschaftsfaktor. Geld für den Wald sei deshalb auch immer gut angelegtes Geld.

Auch für die Gemeinde Großheirath habe der Wald eine großes Bedeutung, so Bürgermeister Udo Siegel. Von den 320 Hektar Wald seien 80 Hektar im Gemeindebesitz. An vielen Stellen würden der Borkenkäferbefall und das enorme Schadholzaufkommen bereits erschreckend ins Auge fallen.

Bilder:

1. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner bei ihrem Besuch in Großheirath im Landkreis Coburg.
2. Wolfgang Schultheiß (rechts), zeigt Ministerin Julia Klöckner eine Schadfläche bei Watzendorf in der Gemeinde Großheirath. Links im Bild der örtliche Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach.
3. Unter den Augen ihres Stimmkreiskollegen hat sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in das Goldene Buch der Gemeinde Großheirath eingetragen.

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12.10.2020

Facebook und Co erklären Landwirtschaft / VMB zog Bilanz: Corona hat Milchmarkt durcheinandergewirbelt

Bayreuth. Bodenvergifter, Giftspritzer, Tierquäler: Das Image der Landwirtschaft in weiten Teilen der Bevölkerung ist nicht gerade das Beste. Andreas Wolfrum aus Döberlitz im Landkreis Hof hat bereits 2017 eine umfassende Social-Media-Kampagne gestartet, um das zu ändern. Beim Infotreff Milch des Verbandes der Bayerischen Milcherzeuger (VMB) in Bayreuth stellte der 29-.jährige Landwirt seine Aktivitäten vor und ermunterte die Berufskollegen, aktiv zu werden: „Wir müssen selbst agieren und nicht immer nur reagieren“.

Über 11000 Abonnenten hat allein seine Facebook-Seite, seine Bilder und Kurzvideos sehen regelmäßig viele Tausend User. Auch auf Instagram und You Tube ist Andreas Wolfrum unterwegs. Nicht nur das örtliche Fernsehen, auch der Radiosender Antenne Bayern und viele andere Medien sind dadurch bereits auf ihn aufmerksam geworden. Andreas Wolfrum bewirtschaftet im nördlichsten Teil Oberfrankens einen konventionellen Milchviehbetrieb mit rund 100 Milchkühen, außerdem betreibt er mit einem Nachbarn eine Biogasanlage.

„Nutztierhaltung wird in Zukunft nur noch funktionieren, wenn wir die Landwirtschaft der Öffentlichkeit und der Politik erklären“, so Andreas Wolfrum, Mitglied der BBV-Kreisvorstandschaft in Hof und Sohn von Kreisbäuerin Karin Wolfrum. Man müsse nach außen kommunizieren, dass Tierwohl entgegen mancher Meinung für die Bauern ganz oben auf der Agenda steht.

Größtes Problem dabei sei es, dass es immer weniger Landwirte gibt und dadurch auch der Bezug der Gesellschaft zur Landwirtschaft immer mehr abnimmt. Dazu komme, dass viele Verbraucher idyllische Vorstellungen von der Landwirtschaft haben und dass sie empfänglich für Negativschlagzeilen sind. Dabei entstehe so manche Diskrepanz: „Jeder will regionale Lebensmittel, aber keinen will einen Stallneubau“, so Andreas Wolfrum. Dieses Phänomen gelte auch für andere Bereiche: „Jeder will erneuerbare Energien, aber keiner will Windräder“.

Mit seinen Facebook-, Instagram- und You Tube-Aktivitäten will Andreas Wolfrum die klassische Öffentlichkeitsarbeit nicht in Abrede stellen. Ein Vorteil sei es allerdings, absolut spontan auf alles reagieren und selbst bestimmen zu können, was dargestellt werden soll. Unschlagbar sei die Verbreitung: „Wir kommen mit den sozialen Medien vom tiefsten Land in das höchste Hochhaus der Stadt“. Außerdem könne man mit einer realistischen Darstellung auch mit so manchen Vorurteil aufräumen. Das Bauer-sucht-Frau-Klischee etwa, sei nicht gerade hilfreich und viele Menschen glaubten immer noch, dass Landwirte den ganzen Tag mit zerrissenen Hosen und verdreckten Hemden herumlaufen. Den Strukturwandel werde man freilich nicht aufhalten können und so manch abwegige Meinung werde man aushalten müssen. „Jeden zu bekehren, das geht nicht“, so Andreas Wolfrum.

Neben dem Hauptreferat von Andreeas Wolfrum zog Geschäftsstellenleiter Jürgen Geyer aus Kempten eine gemischte Bilanz über den Milchmarkt der zurückliegenden Monate. Corona habe alles kräftig durcheinandergewirbelt, so sein Fazit. Eigentlich sei man gut ins Frühjahr gestartet. Doch mit Corona seien die Absätze im globalen Handel binnen kürzester Zeit eingebrochen. „Corona hat uns komplett aus den Socken gehoben und Gesellschaft wir Wirtschaft total durcheinandergebracht. Grenzen seien geschlossen, Handelsströme unterbrochen worden und die Welthandelspreise seien komplett nach unten gegangen. Den Tiefststand habe man dann im Juni mit einem durchschnittlichen Milchpreis von 31 Cent pro Kilogramm konventionell erzeugter Milch erreicht.

Auch wenn beispielsweise alle Weihnachtsfeiern wegfallen werden und Hotels, Großküchen und Kantinen immense Probleme haben, blicken die Verantwortlichen optimistisch in Zukunft. Positive Tendenzen und Zeichen der Entspannung seien erkennbar, der Warentransfer werde sich wieder normalisieren. Trotzdem rechne man unterm Strich für 2020 mit einem Gesamtmilchpreis, der um etwa einen Cent unter dem des Jahres 2019 liegen werden.

Bild: Setzt auf Facebook, Instagram und You Tube zu einer besseren Außendarstellung der Landwirtschaft: Andreas Wolfrum aus dem Landkreis Hof.

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01.10.2020

Zufrieden mit der Ernte – Unzufrieden mit der Politik / BBV: „Jeder zweite Ferkelerzeuger wird 2021 aufgeben“ - Bauernverband zieht zum Erntedankfest gemischte Bilanz

Kulmbach. Auf eine knapp unterdurchschnittliche Ernte können die Landwirte im Landkreis Kulmbach zurückblicken. „Die Bestände sind nicht überragend, aber trotz aller Wetterkapriolen können wir mit dem zurückliegenden Erntejahr zufrieden sein“, sagte BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger im Vorfeld des Erntedankfestes, das heuer Corona-bedingt nicht, wie ursprünglich geplant, in großem Rahmen gefeiert werden kann.

Erntedank sei eines der größten Feste in der Landwirtschaft. Es habe nach wie vor seine Berechtigung, auch wenn die Regale voll sind, so Löwinger. Das zurückliegende Erntejahr sei von einer so großen Frühjahrstrockenheit geprägt gewesen, dass man im April und Mai noch mit sehr gemischten Gefühle auf die weitere Entwicklung blicken musste. „Eine Frühjahrstrockenheit in derart ausgeprägter Form hatten wir noch nie“, sagte der Kreisobmann. Nachdem in den Sommermonaten die ganz große Hitze ausgeblieben sei, habe man aber wieder zuversichtlich nach vorne blicken können.

Als Sorgenkind bezeichnete Löwinger die Wintergerste mit minderen Erträgen. Zufriedenstellend sei die Situation dagegen beim Mais und beim Grünland. Nachdem der erste Schnitt katastrophal gewesen sei, habe der zweite und dritte Schnitt wieder einigermaßen Erträge gebracht, so dass genug Futter für den Winter da ist.

So zufrieden die Bauern mit der Ernte sind, so unzufrieden sind sie mit dem politischen Umfeld. „Wir sind auf dem besten Weg, die Landwirtschaft und vor allem die Tierhaltung hierzulande kaputt zu machen“, so Löwinger. Schuld daran seien politische Entscheidungen, die in keiner Weise mehr der Praxis entsprechen und von den Landwirten nicht mehr nachvollzogen werden können. Als Beispiel nannte er die Nutztierverordnung, die längst nicht mehr mit der Praxis vereinbar sei. Das gleiche gelte für die Düngeverordnung oder für das Kastrationsverbot.

Schließlich müssten alle Bauern, aber ganz besonders die Schweinehalter und Ferkelerzeuger derzeit die Zeche für den „Tönnies-Skandal“ zahlen. Die Preise seien im Keller und jetzt müssten die Landwirte auch noch mit dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest kämpfen. „Das hat das Fass jetzt wirklich zum Überlaufen gebracht“, so Löwinger. Dabei habe man noch Glück im Unglück gehabt, dass es eineinhalb Jahre dauerte, bis die für den Menschen völlig ungefährliche Tierseuche nach Deutschland übergeschwappt ist. Löwinger geht davon aus, dass aufgrund der aktuellen Entwicklungen im kommenden Jahr 50 Prozent aller Ferkelerzeuger aufgeben werden.

„Wir wissen, was wir an unseren Landwirten haben“, stellte sich Landrat Klaus Peter Söllner demonstrativ an die Seite der Bauern. Söllner bedauerte, dass es heuer keine Erntedankveranstaltungen gibt, seien sie doch immer die beste Werbung für die Landwirtschaft gewesen. Die Bauern im Kulmbacher Land arbeiteten mit höchster Verantwortung und versorgten die Menschen mit hochwertigen Lebensmitteln. „Für uns im ländlichen Raum ist die Landwirtschaft ein ganz wichtiger Partner.“

Bewahren und erhalten, das gelte für den Bauernstand seit Jahrhunderten, sagte Kreisbäuerin Beate Opel. Die Auflagen und Verordnungen seitens der Politik seien nicht nur kaum umzusetzen, sie würden auch die Bauernfamilien extrem belasten. Der Kreisbäuerin zufolge zeige Corona auch, dass man auf die einfachen Dinge des Lebens wieder mehr Wert legen und nicht immer nach größer, besser und weiter streben sollte. Für Beate Opel sei die Corona-Krise insofern besonders belastend, als dass die Landfrauenarbeit praktisch zum Erliegen gekommen ist. „Ich vermisse meine Landfrauen sehr“, sagte sie und kündigte für das Winterhalbjahr zumindest wieder Treffen auf kleinerer Ebene an.

Der Bauernverband sei trotz Corona stets für seine Mitglieder da gewesen, so Geschäftsführer Harald Köppel. Die Geschäftsstelle sei stets offen gewesen und die Online-Bewältigung aller Aufgaben habe besser funktioniert, als zunächst gedacht. Gleichwohl gab auch Köppel zu bedenken, dass viele persönliche Kontakte auf der Strecke geblieben sind.

Bild: Mit gemischten Gefühlen blicken die Kulmbacher Landwirte zum Erntedankfest in die Zukunft. Im Bild von rechts: Kreisobmann Wilfried Löwinger, BBV-Geschäftsführer Harald Köppel, Kreisbäuerin Beate Opel und der Kulmbacher Landrat Klaus Peter Söllner.

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29.09.2020

Ökologisch sinnvoll und auf Dauer günstiger / Solare Trocknungsanlage reduziert Klärschlamm um weit über die Hälfte

Bayreuth. Die Ausbringung von Klärschlamm auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ist nach der Novellierung der Düngemittelverordnung eigentlich nicht mehr möglich. Also muss man sich auf der Suche nach neuen Lösungen machen. Eine besonders innovative Lösung gibt es schon seit 2016 im Bayreuther Klärwerk. Hier entstand eine solare Trocknungsanlage, mit deren Hilfe die Menge des mechanisch entwässerten Schlamms aus den Faultürmen von rund 11000 Tonnen pro Jahr auf etwa 3700 Tonnen pro Jahr verringert wird. Wie das funktioniert, das konnten zahlreiche Bürgermeister aus dem Landkreis bei einer von der Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel Fischer organisierten Führung durch das Klärwerk erleben.

Durch die Trocknung wir die Menge wesentlich reduziert, sagte Lothar Ziegler, Leiter des Abwasserbetriebs im Klärwerk Bayreuth. Die rund sechs Millionen Euro teure solare Trocknungsanlage, die 2016 in Betrieb gegangen war, sei von Anfang an ökologisch sinnvoll gewesen und werde sich in vier Jahren amortisiert. Die Ersparnis an Entsorgungskosten pro Jahr bezifferte Ziegler auf rund 800000 Euro.

Vertragspartner für die Klärschlammentsorgung ist das Unternehmen Südwasser. Das Tochterunternehmen der Bayernwerk AG verwertet den Klärschlamm thermisch über Zementwerke, Kohlekraftwerke und Klärschlamm-Monoverbrennungsanlagen. Konkret hat die solare Trocknungsanlage eine Größe von 120 mal 60 Metern, sie ist damit so groß wie ein Fußballfeld. Sie sieht aus, wie ein herkömmliches Gewächshaus, in dem sich der Schlamm zur Trocknung auf fünf Straßen verteilt. Die Wärme kommt von der Sonne und von der benachbarten Biogasanlage. Wie beim einem Heuwender wird der trockene Schlamm ständig nach unten und der feuchte nach oben transportiert. Die feuchte Luft wird über Abluftwäscher nach außen transportiert. Nach einem Monat bleiben 90 Prozent Trockenmasse und zehn Prozent Wasser übrig. Die Trockenmasse wird wöchentlich von drei Lkw abgeholt.

Nachdem die Ausbringung von Klärschlamm in der Landwirtschaft kritisch geworden ist, seien innovative Lösungen wie in Bayreuth von großer Bedeutung, sagte die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Der stellvertretende Landrat Klaus Bauer bezeichnete die Abwärmenutzung durch die benachbarte Biogasanlage als echten Glücksfall für beide Partner. Die Reduzierung von Klärschlamm sei genauso wie beim Müll extrem wichtig geworden, so Oberbürgermeister Thomas Ebersberger. Die Müllverbrennungsanlage Schwandorf habe keinerlei Erweiterungskapazitäten mehr und nehme spätestens in zwei Jahren keinen Gewerbemüll mehr an.

An das Klärwerk Bayreuth sind neben der Stadt auch die Umlandgemeinden Eckersdorf, Creußen sowie Teile von Haag und damit etwa 90000 Einwohner angeschlossen. Im kommenden Jahr sollen außerdem Neunkirchen, Mistelbach und die restlichen Ortsteile von Haag dazukommen. „Wir hätten aber noch Kapazitäten frei“, sagt Lothar Ziegler. Die Haupteinleitungen kämen allerdings nicht von Privathaushalten, sondern von großen Industriebetrieben, wie dem Schlachthof, der Käserei oder der Brauerei Gebrüder Maisel. Das Klärwerk hat eine Größe von zehn Hektar Fläche, zwischen dem Zulauf und dem Anlauf liegt ein Kilometer Strecke. Tagsüber ist die Anlage mit 22 Mitarbeitern besetzt.

Bilder:
1.
 Lothar Ziegler leitet den Abwasserbetrieb im KLärwerk Bayreuth.
2,
Lothar Ziegler erläutert, wie Klärschlamm um weit über die Hälfte reduziert werden kann. Rechts im Bild die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer.
2. Wie ein Gewächshaus, nur ohne Pflanzen: die solare Trocknungsanlage im Klärwerk Bayreuth.

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25.09.2020

Flächenprämien nur für aktive Landwirte / Europaabgeordnete Monika Hohlmeier bei BBV-Bezirksversammlung

Himmekron, Lks. Kulmbach. Die oberfränkische Europa-Abgeordnete Monika Hohlmeier (CSU) will sich für eine gerechtere Verteilung von Flächenprämien stark machen. „Die EU-Zahlungen an Landwirte sollen ein Einkommensausgleich sein und kein attraktives Investment“, sagte sie bei der BBV-Bezirksversammlung vor den oberfränkischen Kreisbäuerinnen und Kreisobmännern in Himmelkron.

Die Kommission müsse einen genauen Überblick darüber haben, wer eigentlich die Flächenprämien bekommt. Es könne nicht sein, dass große Flächen von Investoren angekauft, und dann gar nicht landwirtschaftlich genutzt werden. Für den Investor lohne sich die Hektarprämie, doch beim Landwirt entstehe ein gewaltiger Konkurrenzdruck.

Um das künftig zu verhindern kündigte Hohlmeier ein „Echtzeit-Info-System“, an, das vor allem mehr Transparenz schaffen soll. Darüber hinaus sollen die Obergrenzen der Zahlungen gekappt und ausschließlich auf natürliche, nicht auf juristische Personen ausgelegt werden. Davon würden alle bäuerlichen Betriebe profitieren. „Millionäre, die tausende von Hektar aufkaufen, werden bei der Flächenprämie dagegen künftig leer ausgehen“, sagte die Abgeordnete. Hohlmeier: „Wenn wir das Geld vernünftig verteilen, dann kriegen es auch die Richtigen.“ Wer dagegen kein aktiver Landwirt sei, der benötige auch keinen Einkommensausgleich. 

Nach den Worten der Abgeordneten sollen in der künftigen gemeinsamen Agrarpolitik außerdem 40 Prozent der Gelder für Klimamaßnahmen verwendet werden. Das große Problem dabei werde sein, was die Kommission als klimarelevant einstuft. Daneben sollen in der künftigen GAP auch soziale Belange ihren Niederschlag finden. Illegale Beschäftigung dürfe dann kein Thema mehr sein. In Deutschland existierten entsprechende Regelungen, ganz im Gegensatz zu anderen EU-Staaten allerdings längst.

Der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif forderte die Abgeordnete bei allen ihren Aktivitäten auf, dafür zu sorgen, dass die Landwirte nicht mit noch mehr Bürokratie überzogen werden. Vor allem kleine Familienbetriebe, die vielleicht nebenbei noch die eine oder andere Ferienwohnung anbieten, dürften nicht mit noch mehr Bürokratie belastet werden.

Immer mehr Auflagen sorgten dafür, dass immer weniger junge Leute die Landwirtschaft weiterführen, sagte der Bamberger Kreisobmann Edgar Böhmer. Er kritisierte vor allem die Umsetzung von EU-Vorgaben auf Bundes- und Landesebene, wo „immer noch eins draufgesetzt“ werde. Da stelle sich für ihn schon die grundsätzliche Frage, ob landwirtschaftliche Produktion so noch gewollt sei, oder nicht. Die Bauern hätten derzeit Null-Planungssicherheit, was durch die Corona-Krise noch einmal verschärft worden sei. Nur Erschwernisse und Auflagen, das könne mit der Zeit nicht gut gehen, schon jetzt würde viele Berufskollegen den psychischen Druck nicht mehr standhalten.

Das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration bedauerte bei dem Gespräch die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner. Für sie sei die Sache aber noch nicht gelaufen, denn das Verbot sei ausschließlich auf den Koalitionspartner SPD zurückzuführen. Unter einer neuen politischen Konstellation werde sie das Thema erneut zur Sprache bringen.

Bild: Diskutierten bei der oberfränkischen Bezirksversammlung in Himmelkron mit den Kreisbäuerinnen und Kreisobmännern (von links): der Bundestagsabgeordnete Friedrich, die Europaabgeordnete Monika Hohlmeier und die Bundestagabgeordnete Emmi Zeulner.

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31.08.2020

Nächtliche Sternfahrt und Mahnfeuer zum Auftakt der Agrarministerkonferenz

Lahm. Aus Solidarität mit den Berufskollegen bei der EU-Agrarministerkonferenz in Koblenz hat der Zusammenschluss „Land schafft Verbindung - Landwirtschaft verbindet Bayern“ eine Sternrundfahrt über Lichtenfels, Bad Staffelstein und Ebensfeld nach Lahm im Itzgrund veranstaltet. Dort tauschten sich die Aktivisten am Abend bei einem Mahnfeuer unter dem Motto „Wegen uns muss der Regenwald nicht brennen“ aus, nachdem Lothar Teuchgräber, stellvertretender Lichtenfelser BBV-Kreisobmann aus Bad Staffelstein, noch einmal die wichtigsten Forderungen des Bauernprotestes verkündet hatte. Eine Änderung der Umwelt- und Tierwohlstandards dürfe nicht zu Lasten der Sozialstandards und der Einkommen der Bauern gehen, lautete eine der zentralen Botschaften. Eine Verlagerung der Produktion ins Ausland verlagere die Probleme nur. Je mehr Agrarprodukte importiert werden, desto mehr Regenwald wird gerodet“, so Teuchgräber. An der Sternfahrt hatten sich an die 50 Schlepper, teilweise mit Transparenten, beteiligt.

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28.08.2020

Trockenheit und Kalamitäten machen Coburger Wald zu schaffen / WBV beklagt fehlende politische Unterstützung

Watzendorf. Soll man die Fichte aufgeben oder nicht, darüber streiten sich selbst Fachleute. Ralf Keller, stellvertretender Geschäftsführer der Waldbauernvereinigung Coburger Land, meint, man sollte die restlichen Fichten, die es noch gibt, schützen. Etwa durch Waldhygiene. Dort, wo die Fichte noch steht, müsse man den Wald vom Borkenkäfer frei räumen. Andernfalls würde das benötigte Fichtenholz aus dem Ausland, etwa aus Sibirien, importiert.

Eine ganz andere Auffassung vertrat bei einem Ortstermin in Watzendorf bei Seßlach der stellvertretende Coburger Landrat Christian Gunsenheimer (Freie Wähler). Die Kombination von Trockenheit und Kalamitäten werde dazu führen, dass man sich gedanklich von der Fichte verabschieden muss, sagte er. „Wir werden generell mit der Fichte nicht mehr glücklich werden“, so Gunsenheimer.

Vor dem Hintergrund des Klimawandels sagte er voraus, dass die Trockenheit der zurückliegenden drei Jahren künftig der Dauerzustand sein wird. „Trockenheit und Sturmschäden werden wir noch öfter bekommen“, so der stellvertretende Landrat. Deshalb müsse man mit dem Thema ganzheitlich umgehen, das bedeute zum Beispiel, Holzhackschnitzelheizungen stärker zu forcieren, mehr mit Holz zu bauen und dies auch in den Regularien der Bauvorschriften so festsetzen.

Die große Bedeutung des Waldes im Landkreis Coburg machte der WBV-Vorsitzende Wolfgang Schultheiß an einer ganzen Reihe an Zahlen deutlich. Er bezeichnete die WBV als „größte Klimaschutzorganisation Coburgs“. Gehe man davon aus, dass der Wald rund zehn Tonnen Kohlendioxid pro Hektar und Jahr bindet, dann komme man im Landkreis auf rund 200000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Das entspreche dem Jahresausstoß von etwa 100000 Pkw, wobei es im Landkreis Coburg aber nur etwa 50000 Pkw gebe.

Aktuell sprach Schultheiß von der „größten Käferkalamität seit Menschengedenken“. Der Verfall des durchschnittlichen Holzpreises von 90 auf 25 Euro pro Festmeter spreche für sich. Minderwerte Sortimente und Hackschnitzel seien derzeit absolut unverkäuflich. Der Vorsitzende beklagte außerdem, dass es aktuell weder finanziell noch emotional irgendeine politische Unterstützung für die Waldbesitzer gebe. Dazu kämen unglückliche Aussage von Ministerpräsident Markus Söder, der sich für einen „urigen Wald mit Totholz“ statt eines Wirtschaftswaldes ausgesprochen hatte und das ständige Gerede von Waldstilllegungen.

Schultheiß hatte aber auch eine Reihe von Handlungsempfehlungen parat, die er bei dem Ortstermin dem stellvertretenden Landrat und dem Coburger CSU-Landtagsabgeordneten Martin Mittag erläuterte. Dazu gehöre die Borkenkäferbekämpfung mit Insektiziden genauso, wie entsprechende Rahmenbedingungen für eine zügige Abfuhr des Holzes aus dem Wald. Möglich sollte es auch wieder sein, das Holz mit 500 Metern Abstand aus dem Wald zu bringen und auf landwirtschaftlichen Flächen zu lagern, ohne dass es mit dem Kulturlandschaftsprogramm Konflikte gebe. Alle Waldbesitzer, die nicht in der Lage seien, innerhalb von einigen Wochen ihre Wälder aufzuarbeiten, sollten aufgefordert werden, sich an Sammeldurchforstungen und –vermarktungen zu beteiligen.

Was den Wildverbiss angeht, forderte der WBV-Vorsitzende eine höhere Abschussquote sowie eine Förderung des Baus von Schutzzäunen. Nicht zuletzt sei auch eine Neuauflage der Förderung für Biomasseheizungen notwendig. Corona-bedingt seien der WBV Coburg, die zusammen mit der WBV Kronach und der WBV Lichtenfels eine Biomasse GmbH betreibt, einige große Abnehmer von Hackschnitzeln wie etwa die Therme Bad Staffelstein weggebrochen, so dass sogar die Auflösung der Biomasse GmbH im Raum steht.

Die WBV Coburg hat rund 1000 Mitglieder mit einer Waldfläche von zusammen 12000 Hektar.

Bild: Der stellvertretende WBV-Vorsitzende Daniel Angermüller, stellvertretender Landrat Christian Gunsenheimer, WBV-Vorsitzender Wolfgang Schultheiss und der Landtagsabgeordnete Martin Mittag (von links) bei einem Ortstermin nahe Watzendorf bei Seßlach.

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20.08.2020

Klöckner in Kulmbach: Tierwohl und Trockenheit / Bundeslandwirtschaftsministerin diskutierte mit Junglandwirten

Kulmbach. Die Region Kulmbach steht für Ernährung, für gute fachliche Praxis sowie für Einklang von Natur und Produktion. Dieses Fazit zog Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner bei ihrem Besuch in der Region. Klöckner besichtigte unter anderem das Unternehmen Raps und das Max-Rubner-Institut und sprach mit Vertretern des Uni Campus Kulmbach. Während der Unternehmensbesuch und die Stippvisite im Max-Rubner-Institut weitgehend nichtöffentlich stattfanden, gab es zuvor eine Diskussion mit Junglandwirten auf einem Feld zwischen Appenberg und Gundersreuth bei Mainleus. Gleich zu Beginn ihres Besuches hatte sie die Aufgabe, die Bauern mit einer negativen Meldung zu konfrontieren: Die für Januar 2021 geplante weltweite Leitmesse der Agrarbranche, die Grüne Woche in Berlin, werde Corona-bedingt ausfallen.

Es gehe ihr bei dem Besuch in Kulmbach darum, zu erfahren, was junge Landwirte an Hilfestellungen brauchen, um das leisten zu können, was die Gesellschaft von ihnen verlange, sagte Klöckner. Da gehe es um mehr Umweltschutz und um mehr Klimaschutz, aber auch um die Sicherung unserer Ernährung. Landwirtschaft sei schon immer dem Wandel unterworfen gewesen. Genauso habe die Gesellschaft auch schon immer wechselnde Anforderungen an die Nahrungsmittelproduktion. Während es vor 40, 50 Jahren darum gegangen sei, Ernten zu sichern, stünden heute die Produktionsbedingungen im Vordergrund, so die Ministerin.

Landwirte müssten heute vor dem Hintergrund des Klimawandels aber auch in ihrem eigenem Interesse viel mehr an Erwartungen erfüllen. Der Klimawandel habe sich an drei sehr trockenen Jahren hintereinander bemerkbar gemacht. Das bedeute, man brauche viel mehr Fruchtwechsel, viel mehr Zwischenfrüchte, um den Boden locker zu halten und Feuchtigkeit zu speichern. Genauso gut gehöre die Reduktion von Pflanzenschutz- und Düngemitteln dazu.

In der Tierhaltung spiele das Tierwohl eine ganz große Rolle. Wenn Ställe dafür umgebaut werden sollen, müsse man die Landwirte begleiten. Klöckner gab dabei auch zu bedenken: „Wenn kleine Landwirte vor Ort aufgeben und wir dann die Produkte importieren müssen, haben wir auf die Produktionsstandards keinen Einfluss mehr.“ Es könne nicht angehen, dass sich jeder Verbraucher eine regionale Lebensmittelerzeugung wünsche, im Supermarkt aber gleichzeitig Cent-Beträge für die Kaufentscheidung ausschlaggebend seien.

Großes Lob zollte die Ministerin der jungen Generation an Landwirten. Die jungen Leute würden sich nicht beklagen, sondern wollen Landwirtschaft betreiben, seien offen für neue Züchtungen und für die Digitalisierung. Dafür fordere sie völlig zurecht auch Planungssicherheit ein. Das soll jetzt auch bei der nächsten EU-Agrarministerkonferenz, die in Deutschland stattfindet, eingebracht werden. Dabei machte die Ministerin aber auch keinen Hehl daraus, dass die künftige gemeinsame europäische Agrarpolitik „grüner und nachhaltiger“ werde und dass es in Sachen Tierwohl kein Zurück mehr geben werde. Eine betäubungslose Ferkelkastration werde es beispielsweise nicht mehr geben. „Tierwohl geht vor, wenn sie von der Gesellschaft akzeptiert sein wollen.“

Die jungen Landwirte gaben der Ministerin allerdings auch zahlreiche Forderungen mit auf den Weg. Der Anbau von Zwischenfrüchten zur Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit müssten halt auch honoriert werden, sagte Tobias Weggel. Bestandsschutz für Ferkelerzeuger forderte Heiko Kaiser. Wenn aufgrund der Tierwohldiskussionen Ausbauten in den Ställen notwendig werden, bedeute das für viele Landwirte, dass sie die erforderlichen Investitionen nicht mehr stemmen können und stattdessen aufgeben. Zu viel Bürokratie beim Bau von Güllegruben kritisierte Milchviehhalter Manuel Faßold aus dem Landkreis Lichtenfels. Aufgrund der vielen Sonderauflagen für jedes einzelne Bauteil habe niemand mehr Lust, eine Güllegrube zu bauen. Dabei seien sie so dringend notwendig, sagte Berufskollege Andreas Popp. Auf der einen Seite soll im Herbst keine Gülle mehr ausgebracht werden, auf der anderen Seite werde der Bau von Güllegruben erschwert.

Ein weiteres Thema war auch der katastrophale Zustand des Waldes aufgrund der Trockenheit. „Wir müssen hektarweise Wald wegschlagen“, so Johannes Hick aus Königsfeld. Mittlerweile sei bereits die dritte Borkenkäfergeneration dieses Jahres zugange. Die Waldbesitzer seien ganz einfach überfordert, sagte Susanne Löblein, ebenfalls aus dem Landkreis Bamberg. Bei der Holzvermarktung lege man im Moment drauf. Den „extremen Druck“ seitens des Lebensmitteleinzelhandels prangerte schließlich Stefan Scherzer vom gleichnamigen Gemüsebaubetrieb an. Während sein Betrieb mit hohen Investitionen aufgrund immer weiter steigender Anforderung zurechtkommen müsse, zähle für den Lebensmitteleinzelhandel am Ende jeder Cent, alles andere, auch die regionale Erzeugung sei nachrangig.

Zuvor hatte die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner der Ministerin die kleinstrukturierte Landwirte in der Region vorgestellt, die etwa zur Hälfe im Voll- und im Nebenerwerb betrieben werde. Die Region sei extrem von der Trockenheit geprägt, so Zeulner zum derzeitigen Hauptproblem der Landwirte in der Region.

Bilder: Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner im Gespräch mit Junglandwirten auf einem Feld in der Gemeinde Mainleus.

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19.08.2020

Vom Laichfisch bis zum Grillfisch: Wichtige Institution für die Umweltbildung / Lehranstalt für Fischerei des Bezirks Oberfranken feierte 40-jähriges Bestehen

Aufseß. Mit der Enthüllung einer Karpfenskulptur hat der Bezirk Oberfranken das 40-jährige Bestehen der Lehranstalt für Fischerei in Aufseß gefeiert. Der „Phantastische Karpfen“, der künftig vor dem Verwaltungsgebäude alle Besucher begrüßen wird, wurde von der Künstlergruppe des Vereins „Rote Katze“ aus Bayreuth gestaltet. Der Verein unterstützt Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen bei der Entdeckung und Entwicklung ihrer kreativen Begabungen.

Als „Kompetenzzentrum rund um den Fisch“ bezeichnete Bezirkstagspräsident Henry Schramm die Lehranstalt für Fischerei, die am 1. Mai 1980 ihren Betrieb aufgenommen hatte. Oberstes Ziel sei es von Anfang an gewesen, den heimischen Fisch und seine Lebensbedingungen in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit zu rücken. Das sei auch gelungen, sagte Schramm. Er sprach von 5000 Menschen, die jedes Jahr den Weg nach Aufseß finden. Viele Teichwirte seien darunter, aber auch Schulklassen und Kindergärten, denen die große Bedeutung von Fischen und Gewässern nahe gebracht werden soll. Schwerpunkt der Lehrgänge zur Fortbildung von Fischern und Teichwirten ist nach den Worten des Bezirkstagspräsidenten die Verwertung heimischer Fischarten, aber auch deren Nachzucht, kurz: „vom Laichfisch bis zum Grillfisch“.

Mit über 2000 registrierten Betrieben sei die Teichwirtschaft in Oberfranken bayernweit ganz vorne angesiedelt, sagte Bezirkstagspräsident Schramm. Über 14000 Teiche mit fast 3000 Hektar Fläche und rund 2000 Kilometer Uferstreifen würden für sich sprechen.

Die Idee zur Lehranstalt, die damals noch Beispielbetrieb hieß, hatte der langjährige Leiter der beim Bezirk angesiedelten Fischereifachberatung Robert Klupp. Er habe frühzeitig den Bedarf an fischereilicher Aus- und Fortbildung erkannt, sagte Schramm. Wichtige Mitstreiter seien von Anfang an der Bezirksfischereiverband und die Teichgenossenschaft Oberfranken gewesen. Heute ist die Lehranstalt sogar ein Ausbildungsbetrieb mit aktuell drei Lehrlingen zum Fischwirt.

Peter Thoma, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken, würdigte die enge Zusammenarbeit mit der Lehranstalt, sprach aber auch die Probleme an, mit denen die Teichwirte derzeit zu kämpfen haben. Dazu gehörten zum einen die aufgrund der Trockenheit zurückgehenden Wasserreserven sowie die immense Zunahme tierischer Schädlinge, ganz besonders des Fischotters. „Wenn wir dieses Problem nicht lösen, werden viele Teichwirte aufgeben müssen“, so Thoma. Auch die Angelfischerei finde in der Lehranstalt immer wieder kompetente Ansprechpartner, sagte der zweite Vorsitzende des Bezirksfischereiverbandes Reinhard Krug, Er sprach von einer wichtigen Institution zur Umweltbildung mit dem Projekt „Fische machen Schule“. Aber auch die Erzeugung und Bereitstellung hervorragender Besatzfische sei der Lehranstalt zu verdanken.

Der farbenfrohe Entwurf für den „Phantastischen Karpfen“ stammt von Petra Blume aus Bayreuth, die selbst Mitglied der Künstlergruppe „Rote Katze“ ist. Umgesetzt wurde der Entwurf von vier weiteren Mitgliedern, die daran mehrere Tage lang in einer eigens angemieteten Scheune im Landkreis gearbeitet hätten. Aufgrund der Corona-bedingt geforderten Abstandsregelungen sei das angestammte Atelier zu klein gewesen, so dass das Projekt beinahe gescheitert wäre, berichtete Petra Blume. Nun freue sie sich umso mehr über den neu entstandenen Blickfang.

Bild: Vor dem Verwaltungsgebäude der Lehranstalt für Fischerei in Aufseß hat der Bezirk Oberfranken zum 40-jährigen Bestehen einen „Phantastischen Karpfen“ enthüllt.

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14.08.2020

Ideale Botschafterin für die Landwirtschaft / Energiepflanze zur Papiergewinnung – Donau-Silphie-Tour machte Station bei Leo Göller in Hirschaid

Hirschaid. Die Durchwachsene Silphie („silphium perfoliatum“) kennt man als Energiepflanze zur Verarbeitung in der Biogasanlage. Doch was ist, wenn das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ausläuft? Auf seiner Tour durch ganz Deutschland stellte das Saatgutunternehmen Metzler & Brodmann Saaten, das vom „Hahnennest“ im baden-württembergischen Ostrach aus die „Donau-Silphie“ vertreibt eine neue Form der Verwertung vor. „Wir möchten die Fasern der Silphie zur Papierherstellung, vornehmlich zur Herstellung von Verpackungsmaterial nutzen“, sagte Produktmanagerin Alexandra Kipp bei der 13. von 20 Stationen im oberfränkischen Hirschaid bei Bamberg.

Dort baut Landwirt Leo Göller die Silphie seit drei Jahren an, aktuell auf einer Fläche von vier Hektar. Der Bestand aus dem Jahr 2018 hatte schon so einiges durchgemacht, von extremer Trockenheit bis zum Hagel, steht aber trotzdem hervorragend da. Es handele sich dabei um ein Projekt im Wasserschutzgebiet, das von der Regierung von Oberfranken, den Wasserversorgern von Bamberg und Hirschaid mit betreut wird. Bisher hatte er die Ernte in Biogasanlagen verarbeitet, neue Versuche für Papierproduktion laufen.

Alexandra Kipp schwärmt von der Silphie als die ideale „Botschafterin für die Landwirtschaft“. Die Pflanze habe viele Vorteile, sie bringe Insektenschutz, Klimaschutz und Wasserschutz unter einem Hut. Ihr Unternehmen arbeite derzeit intensiv an zukunftsfähigen Lösungen für die Zeit nach dem EEG und habe vor wenigen Monaten eine neu gebaute Fasergewinnungsanlage in Betrieb nehmen können. „Wir wollen Silphienfasern für die Papierherstellung gewinnen und soweit aufbereiten, dass sie in einer Papierfabrik direkt weiterverarbeitet werden können“, so die Produktmanagerin. Die Testphase laufe bereits auf Hochtouren, erste Ergebnisse konnte sie bei dem Feldtermin in Hirschaid bereits den Landwirten vorstellen. Rund 100 Bauern aus allen Teilen Oberfrankens waren gekommen, was zeigt, dass das Interesse groß ist. Die Energiepflanze könnte damit auch für diejenigen Landwirte interessant sind, die keine Biogasablage betreiben.

Die Papierherstellung könnte ein interessanter Markt sein, sagte Alexandra Kipp und zeigte mehrere Verwendungsmöglichkeiten für die unterschiedlichsten Qualitäten. Die reichen von Eierkartons bis hin zu Verpackungen für Teebeutel. Deutschland habe 2,5 Mal mehr Bedarf an Papier, als es selbst erzeugt. Die Silphie wäre hervorragend dazu geeignet, Papier in großen Mengen zu erzeugen und damit die Einzelhandelsketten zu beliefern, zumal der Chemieeinsatz deutlich unter dem der herkömmlichen Papierherstellung liegt. Die Aufbereitungsschritte sollten dabei bei der Landwirtschaft liegen, denn am Ende sollte das Geld rausspringen, das dann nicht mehr aus dem EEG-Topf kommt.

Während die Energiepflanze bislang auf Flächen angebaut worden sei, die nicht so hundertprozentig in die landwirtschaftliche Produktion gepasst haben, sei dann auch der Anbau der Silphie auf besseren Flächen denkbar. Geerntet werden könne ganz normal mit dem Maishäcksler. Produktmanagerin Alexandra Wild verriet am Rande der Veranstaltung auch den Saatgutpreis fü die „Donau-Silphie“. Er liegt bei 1950 Euro pro Hektar.

Die Durchwachsene Silphie stammt ursprünglich aus Nordamerika und gehört zur Pflanzenfamilie der Korbblütler. Sie wird bis zu 3,50 Meter hoch, blüht von Juni bis September leuchtend gelb, wurzelt bis zu zwei Meter tief und gilt als relativ anspruchslos. Im ersten Jahr wächst sie allerdings nur kniehoch, deshalb wird sie in der Regel als Untersaat zum Mais gesät. So kann das erste Silphie-Jahr ohne Ertragsausfall überbrückt werden

Bilder:
1.
 Auf einem Versuchsfeld in Hirschaid machte die Donau-Silphie-Tour Station um für die Energierpflanze und deren Vwrwendungsmöglichkeit zur Papierproduktion zu werben.
2. Papiergewinnung als zukunftsfähige Lösung: Produktmanagerin Alexandra Kipp vom Energiepark Hahnennest erläuterte die Vorzüge der Silphie.
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 Baut die Durchwachsene Silphie seit vier Jahren an: Landwirt Leo Göller aus Hirschaid bei Bamberg.
 

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20.07.2020

Entspannung in Sachen Futternot / Gemischte Erntebilanz des BBV Oberfranken – Corona hat auch in der Landwirtschaft Spuren hinterlassen

Isaar. Von einer leicht unterdurchschnittlichen Ernte geht der Bauernverband für Oberfranken aus. Die Landwirte im Regierungsbezirk sind aber trotz aller regionalen Unterschiede guter Dinge: „Noch so ein Trockenjahr wie 2018 und 2019 hätte das endgültige Aus für viele Betriebe bedeutet“, so BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif bei der oberfränkischen Erntepressekonferenz auf dem Hof von Kreisobmann Hermann Klug in Isaar bei Töpen.

Diesmal sei es nicht die Trockenheit gewesen, die den Bauern Kopfzerbrechen bereitete, obwohl noch im April und Mai einiges daraufhin gedeutet habe. Diesmal sei das Problem eher der Spätfrost rund um die Eisheiligen gewesen, die zum Beispiel den Obstbauern im Landkreis Forchheim Ernteausfälle von 50 bis 100 Prozent einbrachten.

Auch die Wintergerste, die zu 100 Prozent ins Futter geht, habe unter den Spätfrösten gelitten. „Die Eisheiligen kosteten richtig Ertrag“, sagte Greif. Vor allem im nordwestlichen Oberfranken sei die Kälte zur Unzeit gekommen, so dass die Befruchtung der Kornkammer ausblieb. Wintergerste wurde in Oberfranken auf fast 24000 Hektar angesät.

Die größte Anbaufläche belegt mit fast 34000 Hektar der Mais. Auch er sei diesmal etwas zögerlich aufgegangen, habe sich aber nach dem Maifrost wieder erholen können. Die zweitgrößte Anbaufrucht belegte der Winterweisen. Hier rechneten die Bauern mit einer durchschnittlichen Ernte, weil die Trockenheit des Frühjahrs durch den Niederschlag im Juni absolut ausgeglichen werden konnte. Bayernweit Spitze ist Oberfranken bei der Sommergerste, beziehungsweise der Braugerste, auch wenn die Anbaufläche erneut rückläufig gewesen sei, diesmal von 30500 auf 26250 Hektar. Bleibt noch der Raps, als einer der wichtigsten Lieferanten für nachhaltiges und heimisches Proteinfutter. Er wurde wieder mehr angebaut, die Fläche stieg binnen Jahresfrist von 9800 auf rund 12000 Hektar, wobei die Erträge aber durch die fehlende Beizung des Saatgutes eher unterdurchschnittlich sein werden.

Absolut auf Normalniveau liegen die Erträge dem BBV-Präsidenten zufolge beim Grünland. Während die Landwirte in den zurückliegenden Beiden Jahren mit großer Sorge betrachteten, habe der erste Schnitt heuer schon frühzeitig durchgeführt werden können, um das dringend benötigte Futter einzufahren. Durch den Regen der zurückliegenden Wochen sei das Grünland gut gewachsen, so dass der zweite und wohl auch der dritte Schnitt zufriedenstellend sein werden. Greif: „Dies dürfte Futterengpässe erst einmal beenden.“

Ihre Spuren hinterlassen hat die Corona-Krise in der Landwirtschaft, auch wenn sie als systemrelevant eingestuft wurde. Schlagartig sei der Bevölkerung bewusst gemacht worden, wie abhängig wir vom weltweiten Warenverkehr sind, wie wichtig in Sondersituationen aber auch ausländische Arbeitskräfte sind. „Wir hoffen, unsere Bevölkerung hat wahrgenommen, dass in Krisenzeiten eine sichere heimische Versorgung notwendig ist.“ Die Versorgung habe funktioniert, darauf könnten die Bauern stolz sein.

Eine mittlere Ernte erwartet Kreisobmann Hermann Klug für seinen Betrieb. Er bewirtschaftet einen Steinwurf von der bayerisch-thüringischen Grenze entfernt insgesamt rund 150 Hektar Land, hat 74 Milchkühe im Stall zuzüglich der Nachzucht und er betreibt eine Biogasanlage mit rund einem Drittel Gülleanteil. Auf einem Viertel seiner Fläche baut er Mais an, auf dem Rest Triticale, Sommer- und Wintergerste, Winterweizen und Kleegras. Größte Sorge bereiten ihm derzeit die 20 Hektar Wald, weil die Bäume aufgrund der Dürre der vergangenen Jahre nach und nach absterben.

Dem Kreisobmann zufolge, habe Corona das Übrige dazugetan, dass die Preise eher im Keller angesiedelt seien. Oft werde Corona aber auch nur vorgeschoben. Nicht zuletzt werde Corona nach Ansicht von Hermann Klug auch mit Blick auf die Düngeverordnung und die Tierwohldiskussion von der Politik dazu benutzt, um den Bauern einer Auflage nach der anderen aufzubürden.

Bild: Kreisobmann Hermann Klug begutachtete zusammen mit den oberfränkischen BBV-Präsidenten Hermann Greif, BBV-Direktor Dr. Wilhelm Böhmer und Kreisgeschäftsführer Thomas Lippert (von links) die Qualität auf seinen Beständen.

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07.07.2020

Waldbesitzer fordern Trockenprogramm für Franken / Großflächiges Waldsterben befürchtet – Holzmarkt komplett eingebrochen

Windischletten. Mit einem dramatischen Appell wenden sich die Verantwortlichen der Waldbesitzervereinigung Bamberg derzeit an Politik und Öffentlichkeit. Ohne finanzielle und ideelle Unterstützung werde der Wald in Oberfranken großflächig absterben, so befürchten es die Fachleute. Erste Anzeichen dafür seien bereits nicht mehr zu übersehen.

„Es brennt, und zwar im übertragenen Sinne“, sagt Angelika Morgenroth, 1. Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Bamberg. Große Teile der Wälder nicht nur im Raum Bamberg sondern in ganz Oberfranken sowie in Mittel- und Unterfranken leuchteten rotbraun durch Schädlingsbefall und Trockenheit. „Den Waldbesitzern brennt das Waldvermögen unter der Säge weg“, so Morgenroth und bei den Waldbesitzervereinigungen würden inzwischen die Telefonleitungen durchbrennen.

„Wenn das so weiter geht, werden wir in wenigen Jahren fast überall freie Bergkuppen sehen“, bestätigte auch der forstliche Berater Hans Peter Schreier vom Landwirtschaftsamt in Scheßlitz. Auf Grund der anhaltenden Trockenheit könnten allein in Oberfranken Waldflächen im fünfstelligen Bereich verloren gehen. Zusätzlich werde die Situation durch den starken Wind und die heftige Sonneneinstrahlung beschleunigt. Die Winterfeuchtigkeit fehle mittlerweile völlig und das Frühjahr starte bereits mit extremer Trockenheit. „Die Geschwindigkeit, mit der der Klimawandel zuschlägt, überrascht selbst Förster und Waldbesitzer“, so Schreier.

Viele Waldbesitzer seien in der Folge nicht mehr in der Lage, den vom Bayerischen Waldgesetz gebotenen Waldschutz bei Räumungskosten zu leisten. Die Kosten würden bei weiten die Erlöse durch den Holzverkauf überschreiten. Teilweise gebe es für verschiedene Sortimente überhaupt keinen Markt mehr. Deshalb würden Waldbesitzer verzweifelt aufgeben.

Die Förderrichtlinien der Bayerischen Staatsregierung für waldbauliche Maßnahmen scheitern nach Ansicht der Beteiligten an den regionalen Problemen in Franken und sind einfach nicht oder nur schwer anwendbar. Trotz vieler positiver und neuer Fördertatbestände könnten sie teilweise nicht abgerufen werden. Angelika Morgenroth und Hans Peter Schreier fordern deshalb ganz konkret ein Trockenprogramm für ganz Franken, ein Aufarbeitungsprogramm für die Kleinstprivatwaldbesitzer sowie stärkere personelle Unterstützung für die Forstverwaltung. Die WBV könne die Arbeit alleine nicht mehr leisten.

Dabei geht es den Verantwortlichen aber nicht nur um finanzielle Unterstützung. Auch die Einsicht, dass der Wald die Basis für unsere Existenz ist, sei bei weitem nicht überall verbreitet. Ob Speicherung von Kohlendioxyd oder die Zukunft der Trinkwasserversorgung, ob Mountain-Biking oder der Modetrend „Waldbaden“: ohne Wald geht nichts. „Jeder will den Wad nutzen, aber keiner will Verantwortung dafür übernehmen“, so Angelika Morgenroth.

Eine Lehre, die Wald- und Forstexperten aus der derzeitigen Situation ziehen lautet: „Wir müssen den Waldumbau forcieren.“ Dort, wo ein Waldumbau schon länger stattgefunden habe, sei die Situation zumindest optisch nicht ganz so dramatisch.

Unter dem Motto „Oberfranken brennt“ hat die WBV Bamberg zusammen mit den beiden Landtagsabgeordneten Martin Schöffel und Holger Dremel (beide CSU) vor kurzem auch ein Krisengespräch an der Windischlettener Linde durchgeführt. Zahlreiche Funktionsträger und Waldbesitzer auch aus benachbarten Amtsbereichen sowie ein Team des Bayerischen Fernsehens war dabei. Sie alle konnten an diesem markanten Punkt des Regierungsbezirks die „brennenden“, also abgestorbenen Bergkuppen vom Jura, über den Steigerwald, den Hassbergen, Thüringer Wald, Frankenwald und den Gottesacker des Maintals erkennen. Allen Teilnehmern sei dabei schnell klar geworden: „So dramatisch war die Situation noch nie.“

Bild: Bei einem Krisengespräch an der Windischlettener Linde  verdeutlichte WBV-Vorsitzende Angelika Morgenroth den Abgeordneten Martin Schöffel (links) und Holger Dremel die dramatische Situation des Waldes.

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03.07.2020

Grünes Zentrum für grüne Berufe / In Münchberg setzt der Landkreis Hof ein Zeichen für die Landwirtschaft

Münchberg. Mit einem Kostenvolumen von rund elf Millionen Euro entsteht derzeit in Münchberg ein Grünes Zentrum. Der stattliche Neubau nahe der Autobahnanschlussstelle Münchberg-Nord soll ab Ende des Jahres gleich mehrere landwirtschaftliche Institutionen unter einem Dach vereinen: das Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten, den Bauernverband, den Maschinenring, die Landwirtschaftsschule und die zentrale Vergabestelle der staatlichen landwirtschaftlichen Führungsakademie.

„Wir wolle ein Zeichen für die Land- und Forstwirtschaft sowie für die grünen Berufe setzen“, sagt Landrat Oliver Bär. „Wir wollen hier in Münchberg die Dinge zusammenführen und Synergien schaffen.“ Er sei fest davon überzeugt, dass die Landwirtschaft im Landkreis Hof eine Zukunft habe. Die Betriebe seien gut aufgestellt, durch das neue Grüne Zentrum könnten sie die bestmöglichste Unterstützung erfahren. Der Landrat spricht von einer bewussten Standortentscheidung aufgrund der guten Erreichbarkeit aufgrund der Nähe zur Autobahn und der prägnanten Lage am Ortseingang der Stadt Münchberg.

Nach den Worten von Christine Schmoelzer-Glier, der Leiterin des Fachbereichs Hochbau am Hofer Landratsamt, beträgt die reine Nutzfläche des neuen Grünen Zentrums rund 2000 Quadratmeter. Im Gebäude wird Platz für 80 Büroarbeitsplätze sein. Daneben gibt es zwei Unterrichtsräume für jeweils 24 Schüler sowie 72 Stellplätze auf dem großzügig angelegten und ansprechend gestalteten Freigelände. Schmoelzer-Glier spricht von einem abgewinkelten Baukörper, der sich hervorragend in die topographische Lage einfügt. In die Räume des bisherigen Amtes unweit des Neubaus wird übergangsweise zu Beginn des kommenden Jahres die Krankenhausverwaltung des Klinikums Münchberg einziehen.

Eine Besonderheit des Baus ist nach den Worten von Karsten Hilbert und Ulrich Wendland vom Architekturbüro ghsw-Architekten in Hof die Verwendung von Holz von der Fassade bis zu den Echtholztüren im Innern. „Hier wird ausschließlich mit hochwertigen, naturnahem Materialien gearbeitet“, so die Architekten. Für die Wärme soll eine Pellets-Heizung, für die Kälte ein Geothermie-System sorgen. Außerdem werde auf den Dächern eine Photovoltaikanlage installiert.

Froh über die neuen Räumlichkeiten zeigt sich Karl Fischer, Leiter des AELF Münchbergs, auch wenn er selbst nicht mehr einziehen wird, da er zum Sommer seinen Ruhestand antritt. Er gehe davon aus, dass das neue Erstsemester im Herbst noch im alten Schulgebäude starten und später in das Grüne Zentrum umziehen wird. Fischer zufolge gebe es bei den Anmeldezahlen für das neue Schuljahr keinesfalls einen Einbruch, im Gegenteil, der Ausbildungswille sei klar erkennbar und die magische Zahl von 16 Studierenden werde man deutlich übertreffen. Der Behördenchef spricht dabei auch von einer Zukunftsoffensive für die Landwirtschaft im Landkreis Hof. Eine herausragende, aber auch ortsnahe Ausbildung sei für die Zukunft der Landwirtschaft unabdingbar.

Baubeginn für das neue Grüne Zentrum war bereits im August 2018, im Oktober 2018 fand die Grundsteinlegung statt und im September 2019 konnte Richtfest gefeiert werden. Derzeit läuft der Innenausbau auf Hochtouren, so dass bis zum Ende des Jahres 2020 mit der Fertigstellung gerechnet wird.

Bilder:
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 Mit einem Kostenaufwand von rund 11 Millionen Euro entsteht an einer der Einfallsstraße nach Münchberg derzeit das künftige Grüne Zentrum des Landkreises Hof.
2.
Behördenleiter Karl Fischer vom Amt für Landwirtschaft, die Architekten Karsten Hilbert und Ulrich Wendland, Christine Schmoelzer-Glier vom Fachbereich Hochbau am Hofer Landratsamt sowie Landrat Oliver Bär, (von links) bei einer Baustellenbegehung.

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02.07.2020

Heißwasser statt Glyphosat / Maschinenring Oberfranken Mitte setzt im Kulmbacher Land auf umweltfreundliche Unkrautbekämpfung

Neuenmarkt/Himmelkron. Hundert Prozent Wasser, null Prozent Chemie: das ist die Erfolgsformel gegen Unkraut und Schädlinge. Im Kulmbacher Land ist der Maschinenring in diesen Tagen wieder unterwegs, um die Wege des Friedhofs in Neuenmarkt von Unkraut und die Eichen entlang der Bundesstraße B303 bei Himmelkron vom Eichenprozessionsspinner zu befreien.

„Eigentlich ist die Sache ganz einfach“, so Geschäftsführer Bernd Müller vom Maschinenring Oberfranken Mitte, der gewerblichen Tochterfirma der Maschinenringe Bayreuth, Kulmbach und der Fränkischen Schweiz. Eiweiß gerinnt bei 70 Grad Celsius, also wird sowohl das Unkraut als auch der Eichenprozessionsspinner mit 100 bis 110 Grad heißem Wasser besprüht. Das sei nicht nur umweltfreundlich, sondern auch kostengünstig, so Müller. Immer mehr Kommunen würden deshalb auf diese Dienstleistung des Maschinenrings zurückgreifen.

In Neuenmarkt kam der Auftrag von der Gemeinde. „Für uns ist es eine Testphase, um zu prüfen, inwiefern wir den Bauhof entlasten können“, so Bürgermeister Alexander Wunderlich. Der Friedhof soll schließlich ein Aushängeschild der Gemeinde sein, deshalb werde die Unkrautbekämpfung dort ganz gezielt vorangetrieben. MR-Geschäftsführer Müller geht von vier Durchgängen aus, bis die Wege tatsächlich unkrautfrei sind. Im Tank von Uwe Glass aus Creußen, der für den Maschinenring tätig ist, sind 800 Liter Wasser. Zwölf Liter benötigt er pro Minute.

Spektakulärer gestaltet sich der Heißwassereinsatz in Himmelkron entlang der B303. Die Bundesstraße musste für den Einsatz mit einer Ampelregelung gesperrt werden, damit Harald Galster aus Gefrees und Gerhard Schultheiß aus Kleinweiglareuth von einer Hebebühne aus die Nester des Eichenprozessionsspinners gezielt besprühen können. Auch hier sei die Arbeit durchaus von Nachhaltigkeit geprägt. Während im zurückliegenden Jahr auf dem Gelände der Bundespolizei in Bayreuth drei volle Tage notwendig gewesen waren, um den Prozessionsspinner den Garaus zu machen, sei man heuer schon in einem halben Tag fertig gewesen, so sehr konnte die Verbreitung durch die Heißwassermethode eingeschränkt werden.

An manchen der über 30 befallenen Eichen seien die Auswirkungen des Schädlings schon deutlich zu sehen, so Harald Huber vom Maschinenring. Er spricht von rund 40 Nestern an manchen Bäumen, an besonders stark befallene Bäume habe er auch schon 80 Nester gezählt. Das gefährliche an dem Schädling, der bei weitem nicht nur Eichen befällt, sind die Brennhaare, die im Extremfall lebensbedrohliche allergische Reaktionen bei manchen Menschen auslösen können. „Die Haare der Raupen führen zu Allergien, Asthma und mitunter zu einem allergischen Schock“, so Müller. Zu den häufigsten Symptomen gehörten lokale Hautausschläge, begleitend dazu könnten Allgemeinsymptome wie Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündungen auftreten.

Die Maschinenring Oberfranken Mitte GmbH hatte im zurückliegenden Jahr mit dem Einsatz der Heißwassertechnik begonnen. Geschäftsführer Müller kann bereits jetzt ein positives Zwischenfazit ziehen. Die Unkraut- und Schädlingsbekämpfung mit der Heißwassermethode habe sich bewährt. Gegen Heißwasser sei kein Unkraut resistent, Wurzel und Pflanze würden absterben, für das Umfeld entstehe keinerlei Schaden. Konkret würden die Raupen und speziell deren Nesselhaare „gekocht“ und damit das auf Eiweißbasis aufgebaute Nesselgift vollständig zerstört.

Prominenteste Einsatzorte seien die markgräflichen Parks der Eremitage und des Hofgarten gewesen, wo sich ebenfalls der Eichenprozessionsspinner breit gemacht hatte. Selbst in den Parks habe sich der Schädling so rasant vermehrt, so dass bereits Bereiche abgesperrt werden mussten. Vorrangig müsse die Bekämpfung überall dort in Erwägung gezogen werden, wo Menschen durch die Gifthaare gefährdet sind. Zur Abwehr der Gesundheitsgefahr auf öffentlichem Gelände seien die Gemeinden, bei Privatgrundstücken die Eigentümer zuständig.

Bilder:
1.
 Uwe Glass aus Creußen bearbeitet die Wege des Neuenmarkter Friedhofs mit der Heißwassertechnik. Über die Schulter blicken ihm dabei Bürgermeister Alexander Wunderlich, Harald Fischer vom Bauhof in Neuenmarkt und Geschäftsführer Bernd Müller vom Maschinenring Oberfranken Mitte.
2. Entlang der Bundesstraße B3030 im Gemeindegebiet von Himmelkron ist der Maschinenring im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner im Einsatz.

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27.06.2020

50 historische Gebäude aus 300 Jahren / Im Oberpfälzischen Freilandmuseum Neustadt-Perschen scheint die Zeit stehen geblieben zu sein

Neusath-Perschen. Früher müssen die Menschen alle kleiner gewesen sein. In sämtlichen Räumen sind die Zimmerdecken bedrohlich nah. Unbeschadet hinein kommt man meist nur dann, wenn man im Türstock den Kopf einzieht. Das ist nicht die einige Überraschung in den rund 50 historischen Gebäuden aus den zurückliegenden 300 Jahren, die im Oberpfälzischen Freilandmuseum in Neusath-Perschen, einem Ortsteil von Nabburg im Landkreis Schwandorf, wiederaufgebaut wurden.

Die größte Überraschung ist eigentlich die kaum beschreibbare Idylle auf dem rund 30 Hektar großen Gelände, über das der gut zwei Kilometer lange Rundweg führt. Überall gackern die Hühner, Enten laufen über den Weg, Frösche springen in den Dorfweiher. Weit und breit kein Auto. Es ist gerade so, als sei die Zeit stehen geblieben. Oder ist man in einen der kitschigen Heimatfilme der 50er Jahre geraten? Als perfekte Kulisse dafür wäre das Freilandmuseum bestens geeignet.

Wohnen und Leben der Menschen in der Oberpfalz zu zeigen und zu dokumentieren, das hat sich der Bezirk als Betreiber auf die Fahnen geschrieben. Seit den 1970er Jahren wurde hier ein gewaltiger Aufwand betrieben, um die Häuser und Hofstellen von Bauern, Häuslern, Tagelöhnern, Hirten, Müllern und vielen anderen an ihrem Originalstandort abzubrechen und in dem Museumsdorf neu aufzubauen und liebevoll einzurichten.

Dazu verbindet der Rundweg gleich fünf kleine „Dörfer“, besser Weiler, die den historischen Regionen der Oberpfalz entsprechen sollen: da gibt es ein Stiftlanddorf, weiter geht es ins Waldlerdorf, ins Naabtaldorf und in das Juradorf, sowie in das Mühlental. Die breiten sonnigen Spazierwege sind den alten Landstraßen aus dem 19. Jahrhundert nachempfunden, sie wechseln sich ab mit schmalen, schattigen Waldpfaden. Sogar eine schmucke Kapelle aus dem Jahr 1870 gibt es. Sie stand einst bei Hirschau und wurde hier im Originalzustand mit der kompletten Inneneinrichtung wiederaufgebaut.

Ausgestellt werden zahlreiche landwirtschaftliche Geräte zum Beispiel zum Kartoffelanbau und zur Kartoffelernte. Da gibt es einen Kohlenmeiler, eine Sägemühle. Im Mühlental wird die Teichwirtschaft erklärt, die in der wasserreichen Oberpfalz seit jeher eine große Rolle spielt, als Stauwasser für die Mühlen, als Tiertränke, als Löschwasser, zur Flößerei und Grünlandbewässerung und natürlich zur Fischzucht, über die es im ehemaligen Herrenhaus eine eigene Ausstellung gibt.

Auf dem gesamten Gelände werden auch traditionelle Pflanzen- und Getreidesorten angebaut. Nicht nur Sommer- oder Winterweizen ist hier zu sehen, sondern auch seltenere Saaten wie zum Beispiel Öllein, Schwarzhafer oder Emmer. Im Hopfengarten wird die Sorte „Hersbrucker Spät“ angebaut. Bewirtschaftet werden die Flächen von Landwirten, die das Museum beauftragt hat. Dazu gehört auch die große Streuobstwiese, die der örtliche Kreisverband für Gartenbau und Landespflege zusammen mit den Oberpfälzer Kreisfachberatern angelegt hatte. Hier ist es das erklärte Ziel, alte heimische Obstsorten zu pflegen und zu erhalten.

Viele Tiere bevölkern das Museumsdorf, Pinzgauer Rinder, eine ganz alte Rasse mit dem Namen „Voigtländer Schlag“, Schwäbisch-Hällische Schweine, Coburger Fuchsschafe, weiße deutsche Edelziegen und alle möglichen Hühner, Enten und Gänse.

In einem der ältesten Museen dieser Art in Bayern hat aber auch die Neuzeit Einzug gehalten: Auf einem großen Holzschuppen wurde ein Solardach installiert. Die Anlage aus dem Jahr 2002 liefert ein Drittel der Energie für die Temperierung der benachbarten Rauberweihermühle.

Info:
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 Für jedes Alter
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 Halb-/Ganztagesausflug
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 Lage: Neusath-Perschen liegt nahe der Stadt Nabburg. Die A 93 garantiert eine günstige Anbindung.
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 Öffnungszeiten: Von Frühlingsbeginn bis zur ersten Novemberwoche jeweils Dienstag bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr.
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 Eintritt: Erwachsene 6 Euro, Schüler, Studenten, Behinderte, Teilnehmer am Freiwilligendienst, Inhaber der Bayerischen Ehrenamtskarte 4 Euro
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 Parken: viele kostenlose Parkplätze im Eingangsbereich
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 Einkehr: Das Museumswirtshaus „Beim Wirth“ bietet während der Saison regionale Brotzeiten und Spezialitäten, bei schönem Wetter auch im Biergarten vor dem Haus, außerdem gibt es im nahen Nabburg zahlreiche Einkehrmöglichkeiten.
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 Oberpfälzisches Freilandmuseum Neusath-Perschen, Neusath 200, 92507 Nabburg, Telefon: 09433/2442-0, freilandmuseum@bezirk-oberpfalz.de,www.freilandmuseum.org.

Bilder:
1.
 Ganze Hofstellen aus allen Teilen der Oberpfalz wurden in dem Museumsdorf wieder aufgebaut.
2.
 Alte Bauerngärten zieren die meisten historischen Häuser.
3.
 Alle liebevoll eingerichtete Stuben darf der Besucher betreten.
4.
 Viele Tiere bevölkern das Museumsdorf.


Die Rauberweihermühle, ein herrschaftliches Jagdhaus mit Mahlmühle aus dem Jahr 1710, stand einst in Wackersdorf bei Schwandorf.


Fast schon etwas kitschig, aber trotzdem wunderschön: der Museumsbesucher trifft auch echte Postkartenidylle.


Der Schallerhof war einst in der Weidener Umgebung angesiedelt, jetzt ist er im Freilandmuseum wiedererrichtet worden.


Sogar einen Dorfteich gibt es im „Stiftlanddorf“.


Vor der Kulisse des Kleinstädtchens Nabburg grasen diese Rinder, die zum Freilandmuseum gehören.


Wie im Heimatfilm: die alten Bauernhäuser sind von allen Seiten eine wahre Augenweide.

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26.05.2020

Rettung von Rehkitzen und Bekämpfung von Borkenkäfern / Biologisch, fortschrittlich und sicher: Drohneneinsatz in der Landwirtschaft

Bayreuth. Allein schon das Wort klingt wie eine Bedrohung: Drohne. Doch diese für viele unheimlichen Flugobjekte müssen nicht automatisch Misstrauen wecken. Ganz im Gegenteil: in der Landwirtschaft können sie auch ein Segen sein. Geschäftsführer Johannes Scherm, Vorsitzender Reinhard Sendelbeck und sein Stellvertreter Matthias Roder vom Maschinenring Bayreuth-Pegnitz zeigen auf, wofür Drohnen alles gut sein können, und warum sie in der Landwirtschaft eine echte Bereicherung darstellen, egal ob zur biologischen Schädlingsbekämpfung, zur Rehkitzrettung oder zur Feststellung von Borkenkäferbeständen. Der Maschinenring sei in der Lage, die passenden Dienstleister für nahezu alle Einsatzmöglichkeiten von Drohnen zu vermitteln, so Geschäftsführer Scherm.

„Wir wollen die Drohne nicht schönreden“, sagt er. Doch dann, wenn eine Drohne über ein Maisfeld fliegt, müsse niemand gleich die Polizei rufen. Nicht selten handele es sich um die Bekämpfung des Maiszünslers auf biologischen Weg durch die Ausbringung von Schlupfwespen. Scherm erklärt, wie das funktioniert:  Die Larven der Schlupfwespen (Richogramma brassicae) werden in Kugeln aus Maisstärke über befallenen Beständen abgeworfen. Das Insekt ist ein natürlicher Feind des Maiszünslers (Ostrinia nubilalis). Bei rechtzeitiger Ausbringung werden die Eier parasitiert und so effizient bekämpft. Konkret werden im 14-tägigen Abstand zwei Mal jeweils um die 100000 Wespen punktgenau pro Hektar verteilt.

Genau hier kommt auch der Maschinenring Bayreuth-Pegnitz ins Spiel, der seinen Mitgliedern die Wespenkugeln und die Drohnenausbringung durch einen externen Unternehmer günstig anbieten kann. Mit Kosten von rund 72 Euro pro Hektar für Wespen und Ausbringung sei die biologische Variante nur unwesentlich teurer als die chemische. Der Wirkungsgrad sei aber nahezu der gleiche.

Von den Landwirten wird dies längst honoriert. Waren es 2018 exakt 158 Hektar Mais im Landkreis Bayreuth und auf dem Gebiet des benachbarten Maschinenrings Fränkische Schweiz, wurden 2019 bereits 294 Hektar Mais biologisch behandelt. „So lange wir Erfolg mit dieser Art von biologischen Schädlingsbekämpfung haben, müssen wir nicht mit der Spritze übers Feld“, so Scherm, der davon ausgeht, dass sich die Maiszünslerbekämpfung per Schlupfwespe schon bald als Standardverfahren etablieren wird.

Als großen Fortschritt sehen die Verantwortlichen des Maschinenrings auch den Einsatz von Drohnen in Kombination mit einer Wärmebildkamera bei der Rettung von Rehkitzen. „Für den Landwirt ist es Schlimmste, was passieren kann, wenn er ein Kitz erwischt“, versichert Vorsitzender Sendelbeck. Der Einsatz von den ehrenamtlich tätigen Beobachtern der Rehkitzrettung Oberfranken wird allgemein begrüßt. Noch effektiver ist er in Verbindung mit einem Drohnenüberflug.

Der kann aber auch helfen, sandige und trockene Stellen auf den Feldern auszuspüren, um dadurch die ideale Düngung für jede Fläche zu ermitteln. Im Wald trage die Drohne dazu bei, Trockenschäden oder sogar Borkenkäferbefall rechtzeitig aus der Luft zu erkennen. „Eine einfache Kamera reicht dazu aus“, so der zweite Vorsitzender Matthias Roder aus Würnsreuth bei Seybothenreuth. Als weitere Einsatzgebiete nennt er das Aufspüren von Wespennestern, die Erkennung von Dachschäden auf landwirtschaftlichen Gebäuden oder das Feststellung von defekten Solarmodulen.

Nicht zuletzt könne die Drohne auch effektiv zur Bekämpfung von Schwarzwild eingesetzt werden. Bestehe der Verdacht, dass ein Rudel wieder einmal ein Maisfeld verwüstet, könne dies per Drohne aus der Luft bestätigt werden, ehe die Jägerschaft am Boden ihrer Aufgabe nachkommt.

Matthias Roder, der auch als „Drohnenpilot“ unterwegs ist, weiß worauf man achten muss. Das Fliegen unter anderem über Menschenansammlungen, Autobahnen oder militärischen Einrichtungen oder generell bei Nacht sei natürlich strikt verboten. Bei Geräten, die mehr als zwei Kilogramm wiegen ist ein „Führerschein“ notwendig und bei Drohnen mit einem Gesamtgewicht über fünf Kilogramm müsse sogar die Luftfahrtbehörde eingeschaltet werden.

Bild: Geschäftsführer Johannes Scherm, Vorsitzender Reinhard Sendelbeck und sein Stellvertreter Matthias Roder (von links) vom Maschinenring Bayreuth-Pegnitz zeigen worauf es beim Drohneneinsatz in der Landwirtschaft ankommt.

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07.05.2020

„Nicht prinzipiell gegen Photovoltaik“ / Kronacher Landwirte befürchten Verlust wertvoller Ackerflächen durch Solarpark-Vorhaben – Betreiber widerspricht: „Viele Chancen für den ländlichen Raum“

Gössersdorf. Die Landwirte rund um den kleinen Ort Gössersdorf bei Weißenbrunn sind sauer. Weil das Energieunternehmen Münch Energie aus dem benachbarten Ort Rugendorf (Landkreis Kulmbach) immer mehr Flächen pachten möchte, um dort Solarparks zu installieren, befürchten sie den Verlust wertvoller Ackerfläche. Klarer Widerspruch kommt von Mario Münch, geschäftsführender Inhaber von Münch Energie und selbst Sohn eines Landwirts. Seinen Worten zufolge gibt es genug Potential um für alle eine Win-Win-Situation herzustellen.

„Jede Photovoltaikanlage auf der Grünen Wiese ist der Tod für den praktizierenden Landwirt“, sagt Dittmar Alex, Land- und Gastwirt aus Gössersdorf. Was die Bauern vor allem antreibt, das Energieunternehmen treibt die Pachtpreise ihrer Meinung nach in schwindelnde Höhen. Ralf Sachs, der in Gössersdorf zusammen mit seinen Nachbarn Dieter Hofmann als GbR einen Milchviehbetrieb und eine Biogasanlage betreibt, spricht von Pachtpreisen, die bis zum Zehnfachen in die Höhe schießen. Den Eigentümern könne man da keinen Vorwurf machen, doch bei solchen Preisen könnten die Bauern einfach nicht mithalten.

An die 17 Hektar Fläche seien bereits für die Photovoltaikanlagen genehmigt, weitere 20 seien dafür geplant, und das allein auf Gössersdorfer Flurgebiet. Zwischen Grafendobrach im Landkreis Kulmbach und Fischbach bei Kronach sollen es sogar rund 130 Hektar sein, die für den Bau der Photovoltaikanlagen geplant sind, nicht nur durch das Unternehmen Münch Energie sondern auch durch den Ökostromanbieter Naturstrom, der Flächen für geplante Windkraftanlagen beanspruchen soll. Darüber hinaus sei auch ein über 40 Hektar großes Gewerbegebiet auf der Grünen Wiese zwischen Gössersdorf und Rugendorf in der Planung, das mit dem Strom aus den Solarparks versorgt werden soll.

„Für die Landwirte vor Ort wäre die wertvolle Ackerfläche dann für immer verloren“, sagt Ralf Sachs, der zusammen mit Dieter Hofmann in den zurückliegenden Jahren gewaltig investiert hat und die für ihre 70 Kühe im modernen Freilaufstall dringend auf das Grünfutter angewiesen sind. Ausgleichsflächen gibt es nicht, so Sachs. Warum werden die Photovoltaikanlagen nicht woanders realisiert, auf schwer zu bewirtschaftenden Steilhängen beispielsweise. „Wir sind ja prinzipiell nicht gegen Photovoltaik, aber nicht auf wertvollen Äckern, sondern auf Dächern, an Böschungen oder entlang der Autobahn“, so Dittmar Alex und Ralf Sachs ergänzt: „Wir haben keine Alternativen.“

Burkhard Hartmann, Kreisvorsitzender der BBV-Arbeitsgemeinschaft Jagdgenossenschaften, bringt noch ein anderes Argument ins Spiel: „Wenn wir nicht mehr vor Ort produzieren können, dann muss künftig alles importiert werden“. Gerade in Zeiten, in denen wieder verstärkt über Selbstversorgung nachgedacht wird, könne das doch kein vernünftiger Mensch wirklich wollen. Dittmar Alex hat ebenfalls noch ein weiteres Argument: Für ihn sind auch die Photovoltaikanlagen Flächenfraß. Zwar würden die Böden nicht versiegelt, doch sie fallen dauerhaft aus der landwirtschaftlichen Produktion. Und nicht zuletzt sieht er auch einen großen Einschnitt in das Tourismuspotenzial, schließlich führe der mehrfach ausgezeichnete Wanderweg mit dem Namen Frankenwaldsteig direkt an den geplanten Photovoltaikflächen vorbei.

Mario Münch sieht die Sache ganz anders. „Unser aktuelles Projekt birgt wahnsinnig vielen Chancen für den ländlichen Raum“, sagt er. Anders als in anderen Regionen Deutschlands habe man in Gössersdorf die Besonderheit, dass für alle Interessengruppen ausreichend Flächen zur Verfügung stehen. Denn tatsächlich handele es sich im ersten Schritt in Gössersdorf nur um 15 Hektar, wovon zehn Hektar familieneigenen Flächen und fünf Hektar Flächen eines bald in Rente gehenden Landwirtes sind. In vier bis sechs Jahren sollen weitere zehn Hektar von Münch bewirtschaftete Flächen folgen, sowie 7,8 Hektar, bei denen schon Ausgleichsflächen für die Biogasbetreiber verbindlich zugesagt worden seien. „In beiden Schritten entfallen faktisch und nachweislich keine Flächen für die darauf angewiesenen Landwirte“, so Münch.

Zudem bekräftigte er nochmals seine bereits getroffene Zusage, gemeinsam mit den Biogasanlagenbetreibern weitere 50 Hektar für Ihre Biogasanlage in Einzelgesprächen mit den im Dorf noch existierenden Flächen von Rentnern oder Nebenerwerbslandwirten zu akquirieren. „Auch das Angebot bezüglich der Zukunftsperspektive der bestehenden Biogasanlage wollen wir nochmals aussprechen.“ Mit dem direkten Anschluss der Biogasanlage an das geplante Gewerbegebiet und der direkten Versorgung von Industriellen Abnehmern von Wärme, Regelstrom oder direkter  Biogaslieferung könne die Biogasanlage nicht nur nach dem Ende der staatlichen Förderung weiterbetrieben werden, sondern durch die daraus entstehende Direktvermarktung könne dann mit deutlich weniger Flächenverbrauch und Arbeitseinsatz deutlich wirtschaftlicher betrieben werden.

Beim angesprochenen Gewerbegebiet handelt es sich Münch zufolge um einen mit ökologisch nachhaltigem Energiepark. Energie soll dort nicht wie bisher über Förderungen oder Subventionen erzeugt und von anderen vermarktet, sondern vor Ort hergestellt und nicht über Umwege sondern direkt an die Abnehmer verkauft werden. Das erhöhe die Wertschöpfung für eine Ortschaft wie Gössersdorf ungemein und habe zudem vielfältige positive Auswirkungen auf die Arbeitsplätze und den Wohlstand der Region insgesamt.

„Aktuell stehen wir aufgrund des Klimawandels und des extrem trockenen Frühjahres an einem wesentliche Punkt der Agrarwende“, sagt Münch. Es müsse jedem klar sein, dass es ein weiter so, beziehungsweise ein Hoffen auf „nächstes Jahr wird die Ernte wohl besser“ schon keine Lösung mehr ist. Die Veränderungen seien unumgänglich. Münch: „Wir Landwirtsfamilien sind für unsere Anpassungsfähigkeit bekannt.“

Bilder:
Rechts: Die Landwirte aus Gössersdorf und Umgebung sind sauer. So haben sie sich die Energiewende nicht vorgestellt. Im Bild von links: Gernot Hofmann, Burkhard Hartmann, Ralf Sachs, Alex Dittmar und Dieter Hofmann.

Links: Mario Münch, geschäftsführender Inhaber des Energieunternehmens Münch Energie.

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23.04.2020

Ohne Pflanzenschutz und Düngung keine gelben Felder: Rapsanbau ist in Oberfranken dramatisch zurückgegangen

Altenreuth. Jetzt leuchten sie wieder, die gelben Felder landauf landab: Der Raps steht in voller Blüte. Doch der Schein trügt. Die Anbaufläche in Oberfranken ist während der zurückliegenden zehn Jahre um 50 bis 60 Prozent zurückgegangen. Allein von 2018 bis 2019 sank der Rapsanbau im Regierungsbezirk von knapp 16300 Hektar auf unter 10000 Hektar. Um auf diesen dramatischen Rückgang aufmerksam zu machen, hatten sich Vertreter der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsraps Oberfranken auf einem Rapsfeld von Wilfried Löwinger in Altenreuth bei Harsdorf im Landkreis Kulmbach getroffen. Löwinger ist nicht nur BBV-Kreisobmann in Kulmbach, sondern auch stellvertretender Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft.

Vorsitzender ist Klaus Siegelin aus Tiefenklein bei Küps im Nachbarlandkreis Kronach. „Uns Rapsbauern ist in den zurückliegenden Jahren vieles genommen worden in Sachen Pflanzenschutz“, begründet er den regelrechten Einbruch. Für die Zukunft hat Siegelin schlimmste Befürchtungen. Durch die Düngeverordnung könnte dem Rapsanbau in Oberfranken endgültig der Garaus gemacht werden. „Wenn keine Herbstdüngung mehr möglich ist, dann geht die Pflanzen hungrig in den Winter“, so der Vorsitzende, der daran erinnert, dass die Rapssaat in  der Regel schon unmittelbar nach der Ernte ab dem 20. August beginnt. Doch damit nicht genug: auch die Frühjahrsdüngung soll den Rapsanbauern mit der Düngeverordnung noch verboten werden.

„Eigentlich müsste man doch alles dafür tun, dass die Pflanze nicht verhungert“, sagte Wilfried Löwinger. Gerade in der jetzigen Zeit, in der wieder von der Notwendigkeit nationaler Versorgung gesprochen werde, könne es sich doch niemand leisten, die Nahrungsmittelproduktion wieder zurückzufahren. Doch fachliches Wissen zähle scheinbar nichts mehr, so Löwinger.

Grundsätzlich komme Raps sehr gut mit den Anbaubedingungen in Oberfranken zurecht, sagte Tobias Wunner, der Geschäftsführer des Erzeugerverbandes. Raps sei in vielen Betrieben noch Bestandteil der vielgliedrigen Fruchtfolge. Durch die tiefe Durchwurzelung des Bodens sorge er für eine gute Durchlüftung und Lockerung. Im Wechsel mit dem Getreideanbau habe Raps große Vorteile als Vorfrucht: die biologische Aktivität des Bodens wird gefördert, der Verbleib von Wurzeln und Stroh auf den Äckern rege zur Humusbildung an und führe zur Erholung des Ackers.

Doch was geschieht eigentlich mit dem Ras aus Oberfranken? Raps sei ein hochwertiges Eiweißfutter, das in der Lage ist, Sojaschrot eins zu eins zu ersetzen, so Klaus Siegelin. Fast noch wichtiger sei das Rapsöl als eigentliches „Abfallprodukt“. Etwa zwei Drittel des gepressten Öls gehe in die Erzeugung von Biodiesel, der Rest werde zu Speiseöl verarbeitet.

An den einzelnen Kulturen auf oberfränkischen Äckern hat Raps nach Angaben des Bauernverbandes nur noch einen Anteil von fünf Prozent. Zum Vergleich: Winterweizen und Silomais liegen mit jeweils 17 Prozent Anteil vorne. Aufgeteilt nach Landkreisen wird im Bamberger Land noch am meisten Raps (knapp 2900 Hektar) angebaut, gefolgt von Hof (1950 Hektar) und Bayreuth (1170 Hektar). Am wenigsten Raps ist in den Landkreisen Kronach (240 Hektar) und Forchheim (320 Hektar) zu finden.

Bild: Schaut im Moment besser aus, als er eigentlich ist, der Raps auf dem Feld von Wilfried Löwinger (rechts) in Harsdorf im oberfränkischen Landkreis Kulmbach. Zusammen mit Klaus Siegelin (Mitte) und Tobias Wunner vom Rapserzeugerring begutachtete er die diesjährige Qualität.

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16.03.2020

Konventionell auf extensivem Weg / Bauer und Bürgermeister: Fast 87 Prozent für Thomas Betz aus Wattendorf

Wattendorf. Vier halbe Tage pro Woche verbringt Thomas Betz in seinem Büro im Rathaus des Stadelhofener Ortsteils Steinfeld. Hier hat die Verwaltungsgemeinschaft Steinfeld, zu der seit der Gebietsreform 1978 die Gemeinden Königsfeld, Stadelhofen und Wattendorf gehören ihren Sitz. Der 50-Jährige ist ehrenamtlicher Bürgermeister von Wattendorf, die mit rund 650 Einwohnern kleinste Gemeinde im Landkreis Bamberg und eine der kleinsten in ganz Oberfranken. In seine zweiten Leben ist Thomas Betz Landwirt. Er bewirtschaftet rund 100 Hektar Ackerland.

Gerade wurde er von den Wattendorfern mit einem Traumergebnis in seine zweite Amtsperiode geschickt. Fast 87 Prozent der Stimmen konnte er auf sich vereinen. Gegenkandidaten hatte er keinen. Das war bei seiner ersten Wahl 2014 noch anders. Damals kam er auf 72 Prozent, mit einem Gegenkandidaten. Doch Thomas Betz hatte damals schon eine Amtsperiode im Gemeinderat vorzuweisen, ebenso ehrenamtliches Engagement in vielen Bereichen, etwa als Feldgeschworener oder als Feuerwehrvorstand.

Zweitranging ist für Thomas Betz, dass er auch von der CSU nominiert worden war. Viel wichtiger ist in Wattendorf eine ausgewogene Interessensvertretung der fünf Ortsteile. Betz ist in Bojendorf zuhause, folglich gehört er der Liste Bojendorfer Wählergemeinschaft (BWG) an.

Einen Schritt weiter weg als jeder andere Landwirt ist er durch das Bürgermeisteramt schon von seinem Betrieb, räumt Thomas Betz ein. Aber da kommt ihm sein Organisationstalent zugute. Ebenso seine Einstellung: „Ich arbeite konventionell auf extensivem Weg“, sagt er und meint damit, dass er versucht, mit einem überschaubaren Aufwand ordentliche Ware zu erzielen. Aktuell baut er auf knapp der Hälfe seiner bewirtschafteten 100 Hektar Getreide an, auf etwa 15 Hektar Mais, der Rest ist Grünland.

Das war nicht immer so. Zunächst hatte er sich gegen den elterlichen Vollerwerbsbetrieb entschieden und eine Lehre zum Fernmeldehandwerker in Bamberg absolviert. Dann leistete er bei der Caritas in Bamberg seinen Zivildienst ab. In dieser Zeit sei auch die Entscheidung gereift, es doch mit der Landwirtschaft zu versuchen. Als Quereinsteiger besuchte er die Landwirtschaftsschule, machte seine Gesellenprüfung und ließ ein Jahr Technikerschule in Bayreuth folgen. Diese Schule gibt es schon lange nicht mehr, doch damals habe sie ihm eine prima Gelegenheit geboten, über den Tellerrand zu blicken.

Zurück auf dem elterlichen Hof reifte die Erkenntnis, dass der Gewinn nicht für zwei Familien reicht. Zunächst arbeitete er deshalb unter anderem bei der Biogasanlage eines Berufskollegen mit, drei Jahre lang war er Leistungsoberprüfer und Futterberater bei der LKV (Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredlung) in Bayreuth und leistete Betriebshilfe über den Maschinenring.

Als sich abzeichnete, dass die Rahmenbedingungen für den Milchviehbetrieb mit Anfang 30, zuletzt noch 15 Kühen immer schwieriger werden, und der Anbindestall mitten in der Ortschaft ohnehin keine Zukunft mehr haben wird, schaffte er die Tierhaltung ab. Seitdem sieht er sich gut aufgestellt. Als Landwirt und Bürgermeister ist er für die Bürger stets greifbar. Feste Sprechstunden hätten sich nicht bewährt, er ist immer ansprechbar.

Als Bürgermeister treiben ihn derzeit mehrere Baustellen um. Da ist zum einen der Ausbau der Mobilfunkversorgung, zum anderen der schlechte Zustand der Ortsdurchfahrten. Hohe Fixkosten verursachen zudem die vier kleinen Kläranlagen. Derzeit werde an einer Machbarkeitsstudie gearbeitet, um einen Teil der Abwasserentsorgung vor dem Hintergrund weiter steigender Auflagen und anders zu lösen.

Doch auch viel Positives kann der alte und neue Bürgermeister vermelden: vor eineinhalb Jahren war es gelungen, das große Kreismusikfest ins kleine Wattendorf zu bringen, die Breitbandversorgung ist in der gesamten Ortschaft mit 50 Mbit angekommen und erst vor wenigen Tagen wurde eine versteinerte Riesenschildkröte aus der Jurazeit im Bamberger Naturkundemuseum präsentiert. Gefunden wurde das 150 Millionen Jahre alte Fossil im Steinbruch Schorr in Wattendorf.

Bild: Im Rathaus von Steinfeld hat der Wattendorfer Bürgermeister Thomas Betz sein Amtszimmer.

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09.03.2020

Schlepperdemo an der bayerisch-thüringischen Grenze / Über 500 Landwirte haben beim Besuch von Bundesagrarministerin Klöckner protestiert

Töpen. Für eine „Tierwohl-Umlage“ hat sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ausgesprochen. „Wir brauchen vier bis fünf Milliarden Euro pro Jahr mehr, um die Erwartungen der Verbraucher umzusetzen“, sagte Klöckner bei einem Gespräch mit Vertretern zahlreicher landwirtschaftlicher Verbände in Töpen bei Hof. Die Umlage soll auf Fleischprodukte erhoben werden und in einen Fonds fließen, aus dem tierwohlbedingte Stallneu- und -umbauten gefördert werden. In Töpen, am Sitz des Bio-Großhändlers Dennree, hatte die Ministerin zuvor ein nichtöffentliches Gespräch mit der Unternehmensspitze geführt.

Während des Gesprächs waren nach offiziellen Angaben über 500 Landwirte aus Oberfranken und dem benachbarten Sachsen und Thüringen vorgefahren, um lautstark ihrem Unmut über die Agrarpolitik im Bund und in der EU Luft zu machen. Die Polizei hatte trotz eines Riesenaufgebots alle Hände voll zu tun, um die Verkehrssicherheit in dem rund 1000 Einwohner zählenden Dorf direkt an der thüringischen Grenze aufrechtzuerhalten. Nach dem offiziellen Gespräch mit den Landwirtschaftsvertretern im Rathaus von Töpen wandte sich die Ministerin per Megaphon nur kurz direkt an die Demonstranten, sicherte ihnen ihre Unterstützung zu und lud eine Abordnung von „Land schafft Verbindung“ spontan zum Gespräch ins Landwirtschaftsministerium ein.

Im Sitzungssaal des Rathauses sprach Julia Klöckner dagegen ausführlich Klartext. Etwa wenn es darum ging, die sogenannte Bauernmilliarde zu verteidigen. „Es ist nicht fair, zu sagen das brauchen wir nicht“, so die Ministerin. Sie forderte von den Bauern offen Zustimmung statt Ablehnung, schließlich habe sie, genauso wie der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, um das Geld gekämpft. „Da wären wir doch bescheuert gewesen, das jetzt wieder abzulehnen“, sagte Klöckner, die sich ausdrücklich gegen den Begriff der Bauernmilliarde wehrte und stattdessen von einem Investitionsprogramm für die Landwirtschaft sprach.

Immer wieder appellierte Klöckner an einen fairen Umgang miteinander. „Die Wahrheit liegt meiste in der Mitte“, sagte sie. Scharfe Kritik übte sie am Lebensmitteleinzelhandel, der mit Lockpreisen für Fleisch, Gemüse und Obst werbe und die Differenz am Ende auf andere Produkte wieder draufschlage. Trotzdem gab sie aber auch zu bedenken, dass die Politik keine Preise machen könne. „Wer das glaubt, der will ein anderes Wirtschaftssystem“, so die Politikerin.

Obwohl die Bundesagrarministerin im Zeitdruck war, ließ sie zahlreiche Beiträge von Vertretern der verschiedenen Organisationen zu. Die Bauern im „Milchlandkreis Hof“, wo die Quote der Haupterwerbsbetriebe noch bei über 50 Prozent liegt, stünden vor riesigen Problemen, so Kreisbäuerin Karin Wolfrum. Kreisobmann Hermann Klug machte seinem Unmut über die Düngeverordnung Luft. Die Getreidebestände zeigten jetzt schon Nährstoffmangel, weil sie nicht gedüngt werden. Hintergrund ist, dass es während des zurückliegenden Winters selbst im Hofer Land keinen richtigen Frost gegeben hatte.

„Allen Bauern, die mit ihren Schleppern demonstrieren, geht es um die blanke Existenz“, so Andreas Wolfrum von Land schafft Verbindung. „Wir stehen vor einer echten Zerreißprobe“, sagte er. Wolfrum appellierte an die Ministerin, in Sachen Lebensmitteleinzelhandel ein Machtwort zu sprechen. Andernfalls würden die kleinstrukturierten Familienbetriebe abgeschafft.

Zuvor hatte Klöckner den Hauptsitz der Bio-Großhandelsunternehmensgruppe Dennree besucht und mit der Geschäftsleitung hinter verschlossenen Türen gesprochen. Lediglich beim Besuch einer der rieseigen Hallen für Gemüse durften Pressevertreter dabei sein. Dennree beliefert mit rund 5500 Mitarbeitern und einem Sortiment aus circa 13000 Artikeln über 1400 Biomärkte und Bio-Supermärkte in Deutschland, Österreich, Luxemburg und Südtirol/Italien. Dennree ist der umsatzstärkste Fachgroßhändler für Bio-Lebensmittel und Naturkosmetik im deutschsprachigen Raum.

Bilder:
1.
 Ministerin Klöckner im Dennree-Zentrallager, links Dennree-Chef Thomas Geim, rechts Landrat Oliver Bär und Marketingleiter Lukas Nossol.
2.
 Von links: Dennree-Chef Thmas Greim, Ministerin Julia Klöckner, Landrat Oliver Bär und Bürgermeister Klaus Grünzner.
3.
 Ministerin Klöckner beim Fachgespräch im Rathaussaal von Töpen.
4.
 Landrat Oliver Bär und Ministerin Julia Klöckner.
5.
 Landrat Oliver Bär, Ministerin Julia Klöckner und Bürgermeister Klaus Grünzner.
6.
 Andreas Wolfrum von Land schafft Verbindung und Minnisterin Julia Klöckner.

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24.02.2020

Weniger Betriebe, weniger Kühe, weniger Umsatz/ Rinderzuchtverband Oberfranken leidet unter negativen Rahmenbedingungen

Bayreuth. Im zurückliegenden Zuchtjahr hat der Rinderzuchtverband Oberfranken sein hohes Ergebnis aus dem Jahr zuvor nicht halten können. Laut Jahresbericht, den der Vorsitzende Georg Hollfelder aus Litzendorf im Landkreis Bamberg und Zuchtleiter Markus Schricker bei der Jahresversammlung in der Tierzuchtklause in Bayreuth vorlegten, waren es mit gut 32000 Tieren aller Kategorien über 400 weniger, der Gesamtnettoumsatz habe sich um etwa zwei Million Euro auf rund 16 Millionen Euro verringert. „Der Rückgang ist das Ergebnis aus den niedrigen Preisen, besonders bei Nutzkälbern“, sagte Zuchtleiter Schricker.

Das abgelaufene Jahr sei von Hitze, Trockenheit, Ernteausfällen und dem Exportstopp für Kälber nach Spanien geprägt gewesen, so Hollfelder. Die seit dem Sommer praktizierte Vorgehensweise der Veterinärbehörden, Kälberexporte auf eine Transportdauer von maximal acht Stunden zu beschränken, hatte allerdings im Dezember ein Verwaltungsgericht in Baden-Württemberg wieder gekippt, so dass zumindest von Baden-Württemberg aus wieder Transporte nach Spanien möglich sind. „Wir sehen uns gezwungen, nun ebenfalls Klage einzureichen, kündigte Hollfelder an, der auch Vorsitzender des Landesverbandes Bayerischer Rinderzüchter ist.

Ausdrückliches Lob zollte Hollfelder der Bewegung „Land schafft Verbindung“, die mit ihren Schlepperdemos für großes Aufsehen gesorgt habe. Das sei auch nötig, denn auf vielen Höfen gehe die blanke Existenzangst um. Mit der sogenannten Bauernmilliarde sei dies nicht so einfach gut zu machen. „Was auf uns Bauern so alles eindrischt, geht auf keine Kuhhaut mehr“, so Hollfelder.

Der Rinderzuchtverband Oberfranken hatte im zurückliegenden Zuchtjahr, das immer am 30. September endet, noch 1125 Mitgliedsbetriebe, 144 weniger als im Jahr zuvor. Die Zahl der Herdbuchkühe ist dem Jahresbericht zufolge ebenfalls deutlich gesunken, und zwar um 2818 auf nun 67799. Die Durchschnittsgröße der Betriebe wird mit 60 Kühen angegeben (Vorjahr 55).

Während diese Statistik nur die Kreiszuchtgenossenschaften und die Mitgliedsbetriebe des Rinderzuchtverbandes betrifft, wurde bei der Jahresversammlung traditionell auch die gesamte Milchviehhaltung in Oberfranken betrachtet. Hier sank die Zahl der Milchkühe den Berichten zufolge um 2700 auf 85589. „Die Grenze von 90000 Milchkühen scheint also dauerhaft unterschritten“, sagte Zuchtleiter Schricker.

Unverändert weiter seien auch die Betriebsaufgaben gegangen. Wieder 150 Betriebe weniger bedeute noch 1881 Milchviehhalter. Im Vorjahr seien es noch 2031 gewesen. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt statistisch bei 45,5 Kühen pro Betrieb. Die meisten Milchkühe werden mit knapp 21000 in Stadt und Landkreis Bayreuth gehalten, die wenigsten mit 3583 im Landkreis Kronach.

Von großen Herausforderungen sprach der Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses Martin Schöffel. Was die Bauern machen, sei von großer Sachkunde geprägt. Kritik übte Schöffel deshalb nicht nur an großen Teilender Verbraucher und deren Einstellung zur Nutztierhaltung, sondern auch an überzogenen Kontrollen auf den Höfen und an Aussagen der Grünen, die nichts mit der Realität zu tun hätten.

Vom großen Frust in der Landwirtschaft berichtete die stellvertretende Bayreuther Landrätin Christa Reinert-Heinz. Sie forderte von der Gesellschaft wieder mehr Wertschätzung ein. In vielen anderen Ländern rüste die Landwirtschaft derzeit auf und mache sich unabhängig, bei uns habe man oft den Eindruck, geschehe das Gegenteil.

Trotz oder gerade wegen der prekären Situation gebe es aber auch viele junge Leute, die in der Landwirtschaft eine Zukunft sehen. Georg Dumpert, der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sprach von 19 Schülern, die an der Landwirtschaftsschule jetzt mit dem ersten Semester begonnen hätten. Dazu kämen weitere 16 junge Damen im Bereich Hauswirtschaft plus jeweils 25 junge Leute im den Bildungsprogrammen (BiLa) Landwirtschaft und Wald.

Erwin Schwarz, der stellvertretende BBV-Präsident von Oberfranken aus Kronach wehrte sich dagegen, dass wohl auf Druck des Ministeriums die Leistungsprüfung durch ein Monitoring ersetzt werden soll. „Wohin kommen wir, wenn die Leistung der Tiere nicht mehr honoriert wird“ sagte er.

Bei der Jahresversammlung wurden zwei Betriebe für ihre herausragenden Leistungen ausgezeichnet: Christa Lauterbach aus Tressau bei Kirchenpingarten und Christiane Böhm aus Neuhaus bei Aufseß.

Bilder:
1. Der Vorsitzende des Rinderzuchtverbandes Oberfranken Georg Hollfelder aus Litzendorf im Landkreis Bamberg ist gleichzeitig Vorsitzender des Landesverbandes Bayerischer Rinderzüchter.
2. Für ihre Verdienste um die Förderung der Rinderzucht ist Christa Lauterbach aus Tressau bei Kirchenpingarten mit der staatlichen Züchtermedaille in Silber ausgezeichnet worden. Im Bild von links: Zuchtleiter Markus Schricker, Vorsitzender Georg Hollfelder, der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel, Christa Lauterbach und der stellvertretende Vorsitzende Thomas Erlmann.

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18.02.2020

Keine Wertschöpfung ohne Wertschätzung / Bayreuther Bauerntag: Weniger Bürokratie durch Reform der Grundsteuer

Bayreuth. Mit der Grundsteuerreform und ihre Auswirkungen auf die Landwirtschaft stand beim Bayreuther Bauerntag diesmal ein fachliches Thema im Vordergrund. Nachdem das Bundesverfassungsgericht die aktuelle Situation im April 2018 als verfassungswidrig erklärt hatte liegen mittlerweile ein neuer Beschluss des Bundes und dank der Länderöffnungsklausel auch Entwürfe der Neugestaltung für Bayern vor. „Das bayerische Modell könnte weniger Bürokratie enthalten“, machte Martin Bauer den Landwirten vor Ort Hoffnung. „Wir sind damit auf einem guten Weg“, so der juristischer Referent beim BBV-Generalsekretariat in München.

Bayern werde sich bei der Grundsteuer A an der Bundesregelung orientieren und nur für die Grundsteuer B – zu der künftig auch der Wohnteil der Land- und Forstwirtschaft gehören soll – eine eigene Regelung treffen, so Martin Bauer. Bei der Grundsteuer B dürfte das von Bayern favorisierte wertunabhängige Modell vom bürokratischen Aufwand deutlich einfacher sein. Allerdings werde für „unbebaute, baureife Grundstücke“ die Einführung einer Grundsteuer C in Erwägung gezogen.

Die Gundsteuer ist für die Gemeinden neben der Gewerbesteuer die wichtigste Einnahmequelle. „Die Gemeinden sind darauf angewiesen“, gab Landrat Hermann Hübner zu bedenken. Sofern die Grundsteuer fair geregelt sei, dürfte es seiner Ansicht nach aber keine Probleme geben.

Fairness forderte der Landrat auch für die Bauern ein. Zwischen den Landwirten und der Gesellschaft sei einiges aus den Fugen geraten, sagte Hübner. Es könne aber nicht angehen, dass ausgerechnet die Bauern immer stärker ins Visier genommen werden. Stattdessen sollten die Verbraucher reagieren und an der Ladentheke fragen, woher die angebotenen Lebensmittel kommen. Es stimme optimistisch, dass immer mehr Menschen über ihre Nahrungsmittel nachdenken. Wenn die Bauern wieder mehr Wertschätzung erfahren, dann könne auch die geforderte Wertschöpfung vor Ort bleiben.

Auch die Demonstrationen von „Land schafft Verbindung“ (LSV) hätten einige wachgerüttelt, sagte Kreisobmann Karl Lappe. Er gab einmal mehr zu bedenken, dass es die Bauern sind, die qualitativ hochwertigste Nahrungsmittel erzeugen und ohne die eine Energiewende gar nicht denkbar sei. Allerdings müssten hinter allen Entscheidungen, die Landwirte betreffen, mehr Fachlichkeit und weniger Bürokratie stehen.

Eng mit der Landwirtschaft verbunden sah Bayreuths 2. Bürgermeister Thomas Ebersberger die Stadt Bayreuth. Deshalb habe sich die Stadt auch an dem neuen Label „Bayreuther Land“ beteiligt. Oberstes Ziel sei es dabei, den Absatz regionaler Lebensmittel zu stärken. Dies sei auch notwendig, denn, so Ebersberger: „Die landwirtschaftlichen Familienbetriebe sind das Herzstück und das Gesicht unseres ländlichen Raumes, gerade in den Tourismusregionen Fränkische Schweiz und Fichtelgebirge.“

Domkapitular Josef Zerndl plädierte in seinem Grußwort dafür, dass sich Kirche und Landwirtschaft nicht auseinanderdividieren lassen. Hintergrund ist die über weite Strecken unterschiedliche Haltung beim Artenschutzvolksbegehren vor rund einem Jahr. Der Kirche sei durchaus bewusst, dass es die Bauern sind, die zum Erhalt der Schöpfung beitragen und die dafür sorgen, dass die Welt erhaltenswert bleibt.

Eine ganz besondere Ehrung wurde beim Bauerntag Stefan Murrmann vom „Bierzapfhof“ aus Fernreuth bei Hollfeld zuteil. Sein Hof ist seit dem Jahr 1509 amtlich nachgewiesen. Deshalb wurde er „in Anerkennung der Treue zur Heimatscholle“ in das Altbesitzer-Matrikel des Bayerischen Bauernstandes eingetragen, was der BBV mit einer Urkunde dokumentierte.

Bilder:
1.
 Vom BBV-Generalsekretariat konnte Kreisobmann Karl Lappe beim Bayreuther Bauerntag den Steuerfachmann Martin Bauer in Bayreuth willkommen heißen.
2. Hohe Ehrung für Stefan Murrmann (Mitte) vom „Bierzapfhof“ in Fernreuth b
ei Hollfeld. Sein Betrieb wurde in das Altbesitzer-Matrikel des Bayerischen Bauernstandes aufgenommen. Kreisobmann Karl Lappe (rechts) und BBV-Geschäftsführer Harald Köppel überreichten die dazugehörige Urkunde.

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12.02.2020

Kein Land ohne Landwirtschaft / Festakt für 19 frischgebackene Landwirtschaftsmeister aus Oberfranken

Bayreuth. Über mangelnde Wertschätzung konnten sich die 19 frischgebackenen Landwirtschaftsmeister aus Oberfranken nicht beklagen. Mit dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick und der oberfränkischen Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz waren zwei hochrangige Vertreter aus dem Regierungsbezirk angetreten, um den Meistern, 18 junge Männer und eine Frau, zu gratulieren.

Was der Erzbischof verlauten ließ, das ließ durchaus aufhorchen. Er sei auf dem Land aufgewachsen und habe als junger Mann selbst schon auf einem landwirtschaftlichen Betrieb innerhalb der Familie gearbeitet, sagte der Oberhirte von rund 670000 Katholiken im Erzbistum Bamberg. Er könnte Traktoren und Mähmaschinen fahren, Melkmaschinen bedienen und notfalls auch mit der Hand melken, sagte Schick. Sogar beim Kalben habe er schon geholfen, sagte Schick, der 1949 im hessischen Marburg geboren wurde. Auch auf die Jagd sei er schon gegangen und nicht zuletzt habe er gern geangelt. „Ich bin mit der Landwirtschaft verbunden, Hand und Fuß, Kopf und Herz“, so der Erzbischof.

Was folgte, war ein Plädoyer für das Land und für die Landwirtschaft. „Land ohne Landwirtschaft wird es nicht geben“, sagte Schick. Er plädierte für mehr Regionalisierung bei der Nahrungsmittelerzeugung und für einen guten Mix aus ökologischer und konventioneller Bewirtschaftung. Der Erzbischof räumte auch ein, dass ihm die Artenvielfalt am Herzen liege. Allerdings sei die Erhaltung der Artenvielfalt ein Gemeinschaftswerk, das nicht einseitig den Landwirten aufgebürdet werden dürfe. Deshalb befürwortete er auch nicht alle Punkte des umstrittenen Volksbegehrens.

Ebenfalls nah an der Landwirtschaft dran ist Regierungspräsidentin Piwernetz. So habe die Landwirtschaft seit 2018 wieder einen festen Anker an den bayerischen Bezirksregierungen. Der wiedergeschaffene Bereich IV. sei auch hervorragend gestartet. Seit August 2019 sind die Bezirksregierungen auch die zuständige Stelle für die Ausbildung im Bereich der Landwirtschaft und deshalb fand der Festakt zur Meisterbriefübergabe nach Jahren erstmals wieder im schmucken Landratssaal der Regierung von Oberfranken in Bayreuth statt.

Den frischgebackenen Landwirtschaftsmeistern gab die Regierungspräsidentin mit auf den Weg, dass eine Zukunft mir großen Herausforderungen vor ihnen liege. Unter anderem nannte Piwernetz die Stichpunkte Klimawandel, Digitalisierung, demographischer Wandel und Biodiversität. Die Anforderungen wachsen ständig weiter, deshalb werde lebenslanges Lernen unabdingbar zur Zukunft der Landwirtschaftsmeister gehören. Sicher sei vor allem auch eines: „Die Landwirtschaft bleibt eine der Schlüsselbranchen des 21. Jahrhunderts.“

Eine wichtige Rolle in der landwirtschaftlichen Ausbildung spielen die Landkreise. Mit Ausnahme von Coburg sind sie Sachaufwandsträger der Landwirtschaftsschulen und tragen damit einen nicht unerheblichen Teil zur Bildung bei. Der Bayreuther Landrat Hermann Hübner nannte die Landwirtschaftsmeister echte Mutmacher und einen Segen für ganz Oberfranken. Sie zeigten, dass es eine Zukunft gibt, auch und gerade für die Landwirtschaft, die es eigentlich nie leicht hatte. „Woher sollen die Menschen denn die Wertschätzung für die Landwirtschaft nehmen, wenn ihnen allwöchentlich von den großen Discountern Lebensmittelpreise im Sturzflug vorgeführt werden“, so Hübner.

Bilder:
1.
 Das sind die frischgebackenen Landwirtschaftsmeister des aktuellen Jahrgangs aus Oberfranken.
2.
 Plädoyer für die Landwirtschaft: Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick.

 

Die Landwirtschaftsmeister sind:

Landkreis Bayreuth: Andreas Degen (Hollfeld), Reiner Dittmer (Weidenberg), Andreas Hacker und Jens Pöhlmann (beide aus Bindlach), Christian Lappe (Mistelgau) und Tobias Schlegel (Gefrees).

Landkreis Bamberg: Jochen Bauer (Pommersfelden) und Lukas Brehm (Viereth-Trunstadt).

Landkreis Coburg: Johannes Ruppert (Seßlach) und André Steiner (Meeder).

Landkreis Hof: Maximilian Niederle (Stammbach) und Simon Schleicher (Regnitzlosau).

Landkreis Kulmbach: Patrick Burkhardt (Presseck), Andreas Kauper (Wonsees) und Markus Unger (Thurnau).

Landkreis Lichtenfels: Andreas Hagel (Ebensfeld) und Stefan Schnapp (Hochstadt).

Landkreis Wunsiedel: Lukas Purucker (Marktleuthen).

Aus dem unterfränkischen Landkreis Haßfurth kommt die einige Dame: Lea Schleicher (Pfarrweisach).

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03.02.2020

LSV contra Bauernverband: Aufgeheizte Stimmung beim Scheßlitzer Bauerntag / Marlene Mortler verteidigte BBV – Aufruf zu Geschlossenheit

Scheßlitz, Lks. Bamberg. Da kochten die Emotionen beim Scheßlitzer Bauerntag diesmal richtig hoch. Nicht nur, dass „Land schafft Verbindung“ mit über 30 Schleppern vor der TSV-Turnhalle vorgefahren war und der Saal so voll war, dass viele Besucher sogar mit einem Stehplatz vorlieb nehmen mussten. LSV-Sprecher Dieter Laub kritisierte mit scharfen Worten sowohl den Bauernverband als auch die CSU.

Dass ließ Hauptrednerin Marlene Mortler, Europaabgeordnete und frühere Bundestagsabgeordnete; so freilich nicht stehen. Sie verteidigte nicht nur ihre Partei, sondern auch den Bauernverband. „Wenn jemand in jahrzehntelanger Arbeit versucht hat, alles für die Bauern rauszuholen“, dann doch der Bauernverband“, so Mortler. Den BBV in Bausch und Bogen sei völlig fehl am Platz. Wenn man wirklich etwas erreichen möchte dann nur zusammen, rief sie die Landwirte zu Geschlossenheit auf. Jetzt einen Keil in den Bauernstand zu treiben und den Berufsstand zu spalten bringe gar nichts.

Dabei hatte Mortler zuvor in ihrer Rede noch überaus lobende Worte für die Bewegung „Land schafft Verbindung“ gefunden. Durch die LSV-Aktionen hätten wirklich alle erkannt, dass es den Landwirten ernst ist. Gerade die bestens ausgebildeten jungen Bauern, die jetzt in der Verantwortung stehen, seien es gewesen, die mit spektakulären Aktionen für Aufsehen gesorgt hätten. „Ihr habt es geschafft, dass das Thema Landwirtschaft ganz oben ist“, so Mortler. Das Verständnis in der Bevölkerung nehme wieder zu, die Mehrzahl der Menschen stehe auf der Seite der Bauern.

Auch die Kritik an der sogenannten Bauernmilliarde konnte Mortler verstehen. „Die Bauern wollen Wertschätzung und fair behandelt werden“, sagte sie. LSV-Sprecher Laub rechnete dagegen vor, dass er die 950 Euro pro Jahr und Betrieb längst bei den Aktionen mit seinem Schlepper verfahren habe. Damit habe die Bewegung aber auch „verdammt viel“ erreicht, ganz im Gegensatz zum BBV, wie es der Sprecher ausdrückte.

Das ließ auch Kreisobmann Edgar Böhmer so nicht auf sich sitzen. Auch er sei nicht immer mit allem einverstanden, aber genau deshalb engagiere er sich ja als Kreisobmann. Er rief alle Aktivisten auf, sich ebenfalls einzubringen, beispielsweise in den Gemeinderäten oder Kreistagen. Dort könne man wirklich etwas bewegen.

Auch wenn die Stimmung aufgeheizt war und der Streit zwischen LSV und BBV den Bauerntag diesmal überschattete, so kamen Sachthemen trotzdem nicht zu kurz. Am besten brachte die Vielfalt der Anliegen ein Sketch auf den Punkt, in dem die wichtigsten Anliegen gleich zu Beginn der Veranstaltung auf den Punkt gebracht wurden. Kreisobmann Böhmer und Georg Deinlein aus Neudorf kritisierten dabei witzig und überspitzt, aber durchaus mit ernstem Hintergrund als „Franz und Gerch“ die vielen Auflagen, die Bürokratie, die negativen Rahmenbedingungen, das Freihandelsabkommen Mercosur und schließlich auch den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder: „Wer die Bauern quält, wird nicht gewählt“, skandierten beide am Ende des Sketches..

Bilder:
1.
 Scheßlitzer Bauerntag (von links): Landesbäuerin Anneliese Göller, Landrat Johann Kalb, die Europaabgeordnete Marlene Mortler, Landtagsabgeordneter Holger Dremel, die stellvertretende Kreisbäuerin Marion Link, Kreisobmann Edgar Böhmer und Geschäftsführer Werner Nützel.
2.
 Trotz Faschingsdeko im Sportheim: die Stimmung beim Scheßlitzer Bauerntag war ernst und emotional.
3. Als Franz und Gerch nahmen Georg Deinlein (links) und Edgar Böhmer in ihrem Sketch die Politik aufs Korn.

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03.02.2020

Ohne Landwirte werden die Dörfer zu reinen Schlafstätten / Bayreuther Landfrauentag: „Leistung der Bauern ist nicht selbstverständlich“

Bayreuth. Ähnlich wie den Landfrauen geht es dem gesamten Bauernstand. Die Leistungen werden als selbstverständlich empfunden. Was bei den Landfrauen für Haus und Hof gilt, ist bei der Landwirtschaft die gesamte Gesellschaft. „Ohne unsere Bauernhöfe gäbe es kein Leben im ländlichen Raum“, sagte der Wunsiedler Landtagsabgeordnete Martin Schöffel beim Bayreuther Landfrauentag.

Es passe einfach nicht zusammen, wenn große Teile der Verbraucher den Bauern vorschreiben möchten, wie sie Nahrungsmittel zu produzieren haben, sie aber nicht bereit sein, auch entsprechend dafür zu zahlen, so Schöffel, der auch stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses im Bayerischen Landtag ist. Für die Landwirte habe es schon immer höchsten Stellenwert, dass es den Tieren gut geht, dass Wasser und Böden sauber sind und die Landschaft intakt ist.

Allerdings benötigten die Bauern dafür auch eine faire Entlohnung und deshalb müssten Lebensmittel eben auch ihren Preis haben. „Kampfpreise“, also Verkaufspreise unter dem Einstandspreis seien ohnehin verboten. Aber auch die regelmäßigen Lockangebote führten den Verbraucher in die völlig falsche Richtung.

Zuvor hatte Kreisbäuerin Angelika Seyferth darauf hingewiesen, dass die Zahl der Dörfer weiter zunimmt, in denen es keinen Landwirt, aber auch keinen Metzger oder Bäcker mehr gibt. „Wir müssen aufpassen, dass unsere Dörfer nicht zu reinen Schlafstätten werden“, sagte sie. Denn eines stehe fest: Ohne Landwirte gibt es keine heimische Nahrungsmittelproduktion, keinen Erhalt der Kulturlandschaft und auch keine Tradition und kein Brauchtum mehr. Angelika Seyferth forderte deshalb gute Nahverkehrsanbindungen für den ländlichen Raum, die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung, den Erhalt der Schulverbünde sowie das Eintreten für Arbeitsplätze in Industrie und Handwerk.

Ziel müsse es in jedem Fall sein, die Lebensmittelproduktion auch künftig im eigenen Land zu halten. Wenn die Dinge erst einmal aus dem Ausland kommen, dann habe niemand mehr Einfluss auf die Produktionsbedingungen. Deshalb sollte man mit allen Mitteln verhindern, dass man sich hierzulande aus der Produktion zurückzieht.

Die Einführung von Projektwochen zum Thema Alltagskompetenz begrüßte die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Schon vor Jahren hätten dies die Landfrauen angestoßen. Es sei auch zu begrüßen, dass Praktiker dafür zuständig sein sollen, denn gerade die Landfrauen führten ihren Haushalt meist nachhaltiger als so mancher Klimaaktivist. Lobende Worte für die Arbeit der Landfrauen fand auch Beate Kuhn, 3. Bürgermeisterin der Stadt Bayreuth. „Sie gestalten die Region, Sie setzen sich für berufsständische Belange ein und Sie tragen zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen bei“, sagte Kuhn zu den Landfrauen. Die große Frustration habe aber nicht nur die Landwirtschaft, sondern die gesamte Gesellschaft erfasst, so die stellvertretende Landrätin Christa Reinert-Heinz. Es sei noch nie so viel „gemeckert und gemotzt“ worden, und das, obwohl es den meisten Menschen in der Gesellschaft doch eigentlich gut gehe.

Zum Landfrauentag gehörte auch ein Auftritt des Bayreuther Landfrauenchors unter der Leitung von Martina Schill, eine Vorstellung der Stadt Pegnitz durch Bürgermeister Uwe Raab sowie eine Spendenaktion zu Gunsten des Vereins „Pegnitz für Kinder“, der sich für die Förderung von Vorschulkindern und für die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtungen und Grundschulen einsetzt.

Bilder:
1. Der Bayreuther Landfrauenchor eröffnete den Landfrauentag in der Tierzuchtklause.

2. Kreisbäuerin Angelika Seyferth (rechts) und ihre Stellvertreterin Doris Schmidt bedankten sich bei Martin Schöffel, dem Hauptredner des Landfrauentages in Bayreuth.

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01.02.2020

Teichwirtschaft als integraler Bestandteil der Genussregion / Teichgenossenschaft Oberfranken:
„Gigantische Leistungen für die Allgemeinheit“

Himmelkron. Gerade in Zeiten des Klimawandels kann die heimische Teichwirtschaft ganz massiv punkten. Das haben nahezu alle Redner bei der Jahresversammlung der Teichgenossenschaft Oberfranken in Himmelkron hervorgehoben. Doch leider fehlt den Teichwirten oft die entsprechende Wertschätzung, auch das wurde bei der Zusammenkunft deutlich.

Im Gegenteil: Ausgerechnet Teichwirten wird nicht selten mangelnde fachliche Praxis vorgeworden, beispielsweise von PETA. Die Tierrechtsorganisation hatte vor rund eineinhalb Jahren Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Hof gegen Verantwortliche der Teichgenossenschaft wegen angeblicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz bei der Karpfensaisoneröffnung in Bad Alexandersbad erstattet. Nicht nur der dortige Teichwirt sei betroffen gewesen, auch Vorsitzender Dr. Peter Thoma und eine Reihe von Politiken, darunter die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber.

Nun konnte Thoma vermelden, dass sämtliche Anzeigen eingestellt worden seien. „Für uns ist ein vernünftiger Umgang mit den Fischen ohnehin selbstverständlich“, sagte Thoma. Das Verbringen der Fische zum Sortiertisch entspreche sämtlichen tierschutzrechtlichen Vorgaben, außerdem sei der Vorgang notwendig, unter anderem um die Fische auf Verletzungen durch Prädatoren und Außenparasiten zu kontrollieren. Trotzdem habe man bei der einen oder anderen Karpfensaisoneröffnung zwischenzeitlich feststellen müssen, dass sich, vermutlich aus Angst vor einer ähnlichen Anzeige, kaum ein Außenstehender mehr einen Karpfen anzufassen traut. „Wir lassen uns nicht abschrecken“, sagte Thoma und verurteilte das Vorgehen von PETA scharf.

Der Vorsitzende sprach stattdessen von gigantischen Leistungen der Teichwirte für die Allgemeinheit, indem sie sich für den Gewässer- und Artenschutz stark machen und dabei gesunde Lebensmittel erzeugen. De traditionelle Teichwirtschaft zu erhalten und zu fördern ist auch das Ziel des Bezirks Oberfranken mit seiner Fachberatung für Fischerei, so der Leiter der Bezirksverwaltung Peter Meyer. Aufgrund erschwerter Rahmenbedingungen vor allem durch die Klimaveränderung plädierte er für eine höhere Wertschätzung der Teichwirte und ihrer Arbeit. Unabdingbar dazu gehörten auch effektive Förderprogramme, praktikable Teichbauempfehlungen und eine Stärkung der Fachberatung bei den Bezirken.

Die enorm wichtige Funktion der Teichwirte für die Sicherung der Wasserversorgung sprach der Kulmbacher Landrat Klaus Peter Söllner an. Er bezeichnete die Teichwirte aber auch als „integralen Bestandteil der Genussregion“. Fisch aus der Region habe nicht nur einen hohen Gesundheitswert, sondern sei auch für die ökologischen Zusammenhänge immens wichtig.

Trotzdem musste Vorsitzende Thoma eine abnehmende Nachfrage nach Mitteln aus der Teichbauförderung feststellen. Als Ursache dafür vermutete er, dass sich die Förderung mittlerweile zu einem „bürokratischen Monster“ entwickelt habe. Auch die neuen Teichbaurichtlinien, die noch verabschiedet werden müssen und gegen die noch Einsprüche erhoben werden können, würden nicht gerade zu einer Vereinfachung beitragen. Beispielsweise sei eine Verschärfung bei den Auflagen zum Hochwasserschutz geplant.

Scharfe Kritik am Volksbegehren zum Artenschutz übte unter anderem Walter Jacob, der Vorsitzende der Nachbarteichgenossenschaft Aischgrund. Die Kritik von großen Teilen der Gesellschaft sei symptomatisch für die Bevölkerung, die sich weit von der landwirtschaftlichen Produktion entfernt habe. Albert Deß, Vorsitzender des Verbandes der Bayerischen Berufsfischer, sprach von einer „großen Volksverdummung“. De Ziele des Volksbegehrens kämen für viele Land- und Teichbewirtschafter einer Enteignung gleich. Der großstädtischen Bevölkerung, die sich hauptsächlich für das Volksbegehren ausgesprochen habe, warf Deß arrogantes Verhalten vor.

Für seine seit vielen Jahren andauernde Tätigkeit als Justitiar der Teichgenossenschaft wurde der frühere oberfränkischen Regierungsvizepräsident Horst Müller ausgezeichnet. Mit seinen herausragenden Kenntnissen im Verwaltungsrecht und seinem exzellenten Wissen und Können habe sich Müller stets für die Belange der Teichwirtschaft eingesetzt, sagte der Vorsitzende Dr. Thoma. Müller konnte erst kürzlich seinen 80. Geburtstag feiern.

Bild: Für seinen Einsatz zu Gunsten der Teichgenossenschaft Oberfranken wurde der frühere oberfränkische Regierungsvizepräsident Horst Müller (rechts) vom Vorsitzenden Dr. Peter Thomas ausgezeichnet. Müller ist als Justitiar für die Teichgenossenschaft tätig.

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30.01.2020

Wertschöpfung contra Wertschätzung / Betzensteiner Bauerntag: Landwirtschaft steht zu Unrecht im Focus der Kritik

Betzenstein. Der Wind bläst der Landwirtschaft immer stärker ins Gesicht. Diesmal seien es aber nicht nur die rein wirtschaftlichen Ursachen, sondern Bürokratie, Auflagen und Vorschriften, die sich in nie gekanntem Ausmaß über die Landwirtschaft erstrecken, so der Bayreuther Kreisobmann Karl Lappe. Da könne nicht einmal mehr die sogenannte Bauernmilliarde“ etwas daran ändern. Grund dafür ist: Was sich zunächst nach sehr viel anhört, ist am Ende vielleicht gerade einmal 1000 Euro pro Betrieb und Jahr. Da bleibt nicht viel, so Lappe beim Betzensteiner Bauerntag.

In weiser Voraussicht hatte man sich deshalb auch mit Veterinärdirektorin Dr. Iris Fuchs aus Pegnitz eine Fachreferentin eingeladen. Die Leiterin des Fachbereich Veterinärwesen und Verbraucherschutz am Landratsamt Bayreuth ist zudem auch Erste Vizepräsidentin der Bundestierärztekammer und damit bundesweit keine Unbekannte.

Die Landwirtschaft habe so viel getan zum Thema Tiergesundheit und trotzdem stehe sie permanent im Focus der Kritik, sagte Dr. Fuchs. Als Ursache dafür nannte sie die Tatsache, dass Anspruch und Wirklichkeit sowohl beim Handel als auch beim Verbraucher weit auseinandergehen. „Der Handel hält den Verbraucher für dumm“, fand sie klare Worte. Die aktuellen Lebensmittelpreise spiegelten den Aufwand zur Erzeugung nicht wider. Dazu komme eine Lebensverschwendung, die mittlerweile ein gigantisches Ausmaß angenommen habe. 90 Millionen Tonnen Lebensmittel landeten in Europa pro Jahr auf dem Müll. Zwischen Wertschöpfung und Wertschätzung klaffe eben eine große Lücke.

Zuvor war Kreisobmann Karl Lappe zum einen auf die Düngeverordnung, zum anderen auf die Afrikanische Schweinepest eingegangen. Was die Düngeverordnung angeht, sei das Ziel aus fachlicher Sicht weit verfehlt worden. „In den wenigen Frühsommermonaten soll die Gülle des ganzen Jahres ausgebracht werden“, stellte Lappe fest. Pflanzenbiologisch sei dies mehr als in Frage zu stellen. Ein absolutes Chaos sah der Kreisobmann für den wahrscheinlichen Fall des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest auf die Bauern zukommen. Nach zwei Jahren absoluter Trockenheit würden die Bauern das geplante Ernteverbot im 30-Kilometer-Radius um die Kernzone nicht überstehen. Völlig offen sei, was entsprechende Versicherungen abdecken.

Deutliche Worte zur aktuellen Situation in der Landwirtschaft fand die die stellvertretende Bayreuther Landrätin Christa Reinert-Heinz. „Identifizieren sie sich nicht mit den schwarzen Schafen der Branche“, sagte sie. De allergrößte Mehrzahl der Bauern arbeite korrekt und vorbildlich. Wenn das drei Prozent nicht tun, dann müsse man das auch sagen. Es sei zutiefst ungerecht, wenn alle Betriebe über einen Kamm geschoren werden. Alle Entscheider in der Politik rief Reinert-Heinz dazu auf, alles zu tun, um die Landwirtschaft in den derzeitigen Strukturen zu erhalten. Andernfalls sei nicht mehr zu garantieren, dass Landwirtschaft in unseren Breiten überhaupt noch stattfindet.

Bild: Kreisbäuerin Angelika Seyferth (links), Stellvertreterin Doris Schmidt (rechts) und Kreisobmann Karl Lappe konnten mit Dr. Iris Fuchs die Veterinärchefin aus dem Bayreuther Landratsamt beim Betzensteiner Bauerntag begrüßen.

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23.01.2020

Die Region positiv gestalten / Pegnitzer Landfrauentag im ASV-Sportheim

Pegnitz. Die immer schwerer werdende Erzeugung von Lebensmitteln hat Kreisbäuerin Angelika Seyferth beim Pegnitzer Landfrauentag im ASV-Sportheim angeprangert. Es wird immer schwieriger wirtschaftliche zu arbeiten“, sagte Seyferth. Schuld daran seien zahlreiche Auflagen wie die Düngeverordnung, Einschränkungen bei der Bewirtschaftung von Gewässerrandstreifen, das Mercosur-Abkommen und vieles mehr. „Wir brauchen wieder Rahmenbedingungen, die auch umsetzbar sind“, appellierte sie an die Politik. An den Verbraucher gerichtet, forderte sie, regionale Lebensmittel zu bevorzugen. Der Verbraucher bestimme die Nachfrage, die Discounter richteten sich danach.

Hauptrednerin des Landfrauentages war diesmal die Europa-Abgeordnete und frühere Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler aus dem Nürnberger Land. Sie zählte auf, was in unserem Land alles in Schieflage geraten sei und forderte gegenzusteuern. Jeder einzelne könne seinen Beitrag leisten und die Region positiv gestalten, sagte Mortler und griff damit auch gleich das Jahresthema der Landfrauenarbeit im Bauernverband „Die Region gestalten“ auf. Dazu gehöre es beispielsweise die heimischen Einzelhändler, Bäcker und Metzgereien zu unterstützen anstatt im Internet bei Amazon oder Doc Morris zu bestellen. Nur dann sei noch eine gewisse Grundversorgung in ländlichen Regionen möglich. Man müsse sich stets vor Augen halten, was eine Kaufentscheidung für meine Region bedeutet.

Gegen Intoleranz und die Radikalisierung der Gesellschaft machte sich die Bundestagsabgeordnete Silke Launert stark. So sehr sie sich zunächst darüber gefreut habe, dass sich die Jugend engagiere, so sehr mache es ihr nun Angst, wenn eine gewisse Radikalisierung eintritt. Das sogenannte „Oma-Lied“ bezeichnete Launert als absolute Dreistigkeit. Ausgerechnet die Generation werde beschimpft, die mit ganz wenig Dingen zurechtgekommen ist. Ohnehin brauche man den Bäuerinnen nichts von Nachhaltigkeit erzählen. Niemand anderes stehe so für Nachhaltigkeit wie die Landfrauen, da gebe es nichts, was nicht noch wiederverwertet werde. Launert warnte, dass die derzeit zu beobachtende Radikalisierung nicht nur klimamotiviert, sondern gegen das gesamte System gerichtet sei. „Nicht nur das rechte Lager, auch das linke Lager möchte das System abschaffen“, so die Abgeordnete.

Auch der Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab stellte immer mehr Polarisierung, Spaltung und Populismus fest. „Setzen wir ein Zeichen dagegen und stehen für Zusammenhalt und Gemeinschaft“, sagte er. Nur so werde es weiterhin gelingen, in diesem Land in Frieden zu leben.

Froh über die Einführung von verbindlichen Projektwochen zum Thema Alltagskompetenz an allen Schularten zeigte sich die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Schon vor zehn Jahren hätten die Landfrauen dafür mit Unterschriftenaktionen intensive Vorarbeit geleistet. Es dürfe dabei aber nicht nur um Kochen lernen oder rein theoretische Vorträge gehen. Im Vordergrund sollte vielmehr der Praxisbezug stehen. „Welterklärer haben wir genug“, so Brendel Fischer.

Die stellvertretende Landrätin Christa Reinert-Heinz zog für die Dachmarke „Bayreuther Land“ ein erste positive Resümee. Seit der Einführung Anfang Oktober habe sich die Dachmarke sehr gut entwickelt. Ziel sei es, dass mehr Wertschöpfung bei den Landwirten hängen bleibt. Reinert-Heinz machte sich außerdem für die Hotelfachschule Pegnitz stark. „Lassen wir uns im Landkreis nicht auseinander dividieren“, warnte sie. Die Schule sei gerade in Zeiten des Fachkräftemangels für den Landkreis eminent wichtig.

Zum Rahmenprogramm des Pegnitzer Landfrauentages gehörte auch der Auftritt des Bayreuther Landfrauenchors unter der Leitung von Martine Schill sowie ein Vortrag des dritten Bürgermeisters von Bischofsgrün Jens Stenglein, der den Landfrauen seine Gemeinde präsentierte.

Bilder:
1. Kreisbäuerin Angelika Seyferth und ihre Stellvertreterin Doris Schmidt bedankten sich bei der jetzigen Europaabgeordneten Marlene Mortler mit einem Blumenstrauß.

2. Frauenpower beim Pegnitzer Landfrauentag (von links): die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer, die Europaabgeordnete Marlene Mortler, Kreisbäuerin Angelika Seyferth und die Bundestagsabgeordnete Silke Launert.
3. Der Bayreuther Landfrauenchor unter der Leitung von Martina Schill.

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04.12.2019

Umweltminister Glauber: „Landwirte müssen wieder mit einer Stimme sprechen“ / Selbstbewusstsein statt Büßergewand - Schlepperdemo im Vorfeld der vlf-Landesversammlung

Kloster Banz. Rund 250 Bauern haben mit ihren Schleppern im Umfeld der vlf-Landesversammlung auf Kloster Banz demonstriert. Hintergrund der spektakulären Aktion der Vereinigung „Land schafft Verbindung“: der bayerische Umweltminister Torsten Glauber war einer der Hauptredner beim Verband für landwirtschaftliche Fachbildung (vlf). Ihm überreichten sie einen Forderungskatalog, der unter anderem einen Abbau der Bürokratie, Nachbesserungen beim Agrarpaket und bei der Düngeverordnung sowie bei der Umwidmung von landwirtschaftlichen Nutzflächen zu Naturschutzflächen, wie Streuobstwiesen, beinhaltet.

Die Bauern blockierten mit ihren Schleppern auf über zwei Kilometern teilweise die Zufahrten zur Tagungsstätte und erzwangen so das Gespräch mit dem Minister. Pünktlich zu Beginn der Versammlung zogen die Landwirte wieder ab. Vlf-Landesvorsitzender Hans Koller sprach im Anschluss von einer disziplinierten und sachlichen Diskussion der Betroffenen mit dem Minister.

Glauber stellte sich in seiner Ansprache vor den bayerischen vlf-Mitgliedern auf die Seite der Bauern. Er ermahnte die Landwirte aber auch, künftig doch bitte wieder mit einer Stimme zu sprechen. „Die Landwirtschaft in Bayern ist völlig heterogen und nicht mehr mit einer Stimme unterwegs“, sagte er. Ob Bauernverband, BdM oder Almbäuerinnen, alle legten völlig unterschiedliche Sichtweisen an den Tag. „Sorgen Sie als Verband dafür, dass die Landwirtschaft wieder mit einer Stimme spricht, andernfalls wird die Arbeit noch schwieriger“, sagte Glauber zu den vlf-Mitgliedern.

Das ließ Landesvorsitzender Koller nicht so stehen: Von der Politik habe man den Eindruck, dass sie kleinere Randgruppen befeuert, sagte er unter dem Applaus der Mitglieder. Der Dialog mit dem Verbraucher werde immer wichtiger, dabei dürfe man sich aber nicht dem Zeitgeist anpassen, so Koller. Der Vorsitzende kritisierte die Verunsachlichung der Diskussion, etwa im Umgriff des Volksbegehrens zum Artenschutz. Dies werde schon im veränderten Sprachgebrauch deutlich, wenn etwa immer wieder von Pestiziden, Ackergiften oder von industrieller Landwirtschaft die Rede sei. Seine Berufskollegen rief er auf, sich keinesfalls ein Büßergewand überzustreifen, sondern selbstbewusst an die Öffentlichkeit zu gehen.

Ganz so leicht macht es die Öffentlichkeit den Bauern derzeit allerdings nicht. Der Berufsstand des Bauern sei in der Stadt hoch angesehen, das was die Bauern machen allerdings nicht, berichtete Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung in Berlin. Der Wissenschaftler gab den Bauern mit auf den Weg, die Kluft zwischen Experten und Laien kleiner zu machen, um Vertrauensverluste zu mindern, „soweit es geht“. Grundlage jeder Kommunikation müsse die Transparenz sein, wenn Glaubwürdigkeit das Ziel ist. Im unternehmerischen Bereich möge Transparenz eher suspekt klingen und Besorgnisse um Betriebsgeheimnisse aufkommen lassen. Erfolgreiche Vorbilder zeigten jedoch den Mehrwert für den einzelnen Betrieb, zum Beispiel von Prüfzeichen, die unabhängig, neutral und eben transparent von Verbänden oder Testzentren organisiert werden.

Die ihren Worten nach stilvolle Demonstration der Landwirte nicht nur auf Kloster Banz, sondern auch vor kurzem am Brandenburger Tor in Berlin habe vielen Leuten die Bedeutung der Landwirtschaft bewusst gemacht, sagte die örtliche Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU). Trotzdem müsse sich einiges ändern, damit auf den Höfen wieder Mut aufkommt, so der oberfränkische vlf-Bezirksvorsitzende Mario Güldner. Eine fachlich fundierte Ausbildung und eine umfassende berufliche Fortbildung sei eine essentielle Voraussetzung für den Berufsstand, so Landesbäuerin Anneliese Göller.

Für ihr herausragendes Engagement für den vlf wurden die folgenden Persönlichkeiten mit dem Goldenen Verbandsabzeichen geehrt: Dagmar Hartleb (Meeder, Lks. Coburg), Rudi Steuer (Burgkunstadt, Lks. Lichtenfels), Konrad Rosenzweig (Wiesenthal, Lks. Forchheim), Reinhard Kortschak (Ködnitz, Lks. Kulmbach), Georg Hollfelder (Litzendorf, Lks. Bamberg), Werner Schwarz (Völkenreuth, Lks. Hof), Finni Herb (Kempten), Alois Kling Pfronten, Inge Kaspar (Neukirchen, Lks. Sulzbach-Rosenberg), Johann Ziegler (Albenried, Lks. Schwandorf), Georg Neidlein, Wassertrüdingen, Lks. Ansbach) sowie der langjährige Europaabgeordnete Albert Deß aus Röckersbühl, Lks. Neumarkt) und Ministerialdirigent Wolfram Schöhl vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium in München.

Bilder:
1. Der Landfrauenchor Lichtenfels umrahmte die Landesversammlung musikalisch.
2. Umweltminister Thorsten Glauber bei seiner Ansprache vor der vlf-Landesversammlung.
3. Aus ganz Bayern waren vlf-Mitglieder zur Landesversammlung ins oberfränkische Kloster Banz gekommen.
4. Der bayerische vlf-Landesvorsitzende Hans Koller.

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29.11.2019

Vier Punkte für den Wald von Morgen / Projekt „Neue Baumarten“ im Rahmen der Initiative „Zukunftswald Bayern“ gestartet – Kritik an Fridays-for-Future-Bewegung

Heiligenstadt. Die Mischung macht´s: Olaf Schmidt, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft Freising plädiert dafür, auf der Suche nach zukunftsfähigen, klimatoleranten Wäldern auf Risikostreuung zu setzen. „Ein anpassungsfähiger Mischwald ist die beste Strategie“, sagte Schmidt in Heiligenstadt beim Start des Projekts „Neue Baumarten“ im Rahmen der Initiative „Zukunftswald Bayern“.

Bei der Eröffnungsveranstaltung im evangelischen Gemeindezentrum, bei der symbolisch auch eine Libanon-Zeder gepflanzt wurde, stellte Schmidt vier Punkte für den Wald von Morgen vor. Zunächst sollten heimische Baumarten, abseits von Fichte, Buche, Kiefer und Eiche, gefördert werden. Die vier genannten Arten würden kaum noch eine Chance haben, war sich der Präsident sicher.  Ganz im Gegensatz etwa zur Weißtanne. Dann sollte man seltene heimische Baumarten forcieren, Feld- und Spitzahorn gehörten dazu, aber auch die Elsbeere, die Hainbuche oder der Speierling. In einem dritten Schritt kommt das, was Schmidt Pionierarten nennt: Aspe, Salweide, Vogelbeere oder Traubenkirsche. Erst danach spricht der Präsident von hierzulande wirklich neuen Baumarten wie Edelkastanien, Silberlinden, Baumhasel, Zerreiche, Mannaesche, oder die amerikanischen Arten wie Roteiche, Edeltanne oder der Riesenlebensbaum.

Freilich gebe es immer auch „Nebenwirkungen“. Manche der neuen Baumarten ziehen keine Insekten an. Ein ausbleibendes Nahrungsangebot für Vögel und Fledermäuse ist die Folge. Auch mit dem schwer zersetzbaren Streu, etwa bei der Roteiche, müsse man noch klarkommen. Trotz aller neuen Baumarten: Palmen am Chiemsee oder Olivenbäume in Franken werde es auch in Zukunft nicht geben. Mildere Winter bedeutet nicht automatisch, dass es keine Frostnächte mehr gibt, sagte Schmidt. Die Trockenheit werde aber weiter zunehmen, und damit auch Insektenkalamitäten, Sturmereignisse oder Waldbrände. Besonders betroffen davon wird Nordbayern sein.

Zuvor hatte sich der Heiligenstädter Bürgermeister Helmut Krämer kritisch über die Fridays-for-Future-Bewegung geäußert. „Wir demonstrieren nicht, wir handeln“, sagte er mit Blick auf das neue Baumarten-Projekt. Im Gegensatz zu manch öffentlich geäußerter Meinung stellte der Bürgermeister klar, dass gerade im Landkreis Bamberg schon viele Initiativen und Aktionen durchgeführt worden seien, um der Klimaveränderung zu begegnen. „Aktionismus und Hysterie helfen da nicht weiter“, sagte er vor dem Hintergrund der Ausrufung des Klimanotstandes auf europäischer Ebene.

Absolut vorbildlich sei dabei der Markt Heiligenstadt, wie der Bürgermeister an den folgenden Zahlen verdeutlichte: Gut elf Millionen Kilowatt Strom seien 2018 in Heiligenstadt verbraucht worden, satte 24 Millionen Kilowattstunden seien im gleichen Zeitraum aus regenerativen Energien, also Photovoltaik, Biomasse und  Windkraft, erzeugt worden. Der Anteil erneuerbarer Energien am Energiebedarf von Heiligenstadt liege dabei rechnerisch bei 218 Prozent. Das müsse erst einmal jemand nachmachen.

„Der Wald der Zukunft wird  ein anderer Wald sein, als der, den wir seit Jahrzehnten kennen“, sagte der Landtagsabgeordnete Holger Dremel. Deshalb sei der Versuchsanbau neuer Baumarten so wichtig. Das alles sehe das Projekt vor. Am Ende sollte ein „echter Zukunftswald“ stehen, an dessen Entstehen sich möglichst alle Waldbesitzer beteiligen. „Wir wollen nicht schwarzmalen, aber auch nichts beschönigen“, stellte zuvor der Leiter des Bamberger Landwirtschaftsamtes Hans-Rüdiger Schmittnägel fest. Der schlechte Zustand der Wälder sei mittlerweile im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen. Schmittnägel bezeichnete den Wald als Opfer der Klimaerwärmung, aber auch als Teil der Lösung, denn schließlich sei der Wald der CO2-Spender schlechthin.

Das Projekt „Neue Baumarten“ im Rahmen der Initiative „Zukunftswald Bayern“ sieht die Anlage von mehreren Versuchsflächen im Landkreis Bamberg vor, auf denen die Standorteignung verschiedener neuer Baumarten, Mischungsmöglichkeiten und Pflanzverbände getestet werden sollen. Das Projekt ist zunächst auf zwei Jahre angelegt, wird von der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft, der Uni Freising, der FH Weihenstephan und dem Ökologisch Botanischen Garten Bayreuth wissenschaftlich begleitet. Projektpartner sind die Waldbauernvereinigung Oberfranken, die Waldbesitzervereinigung, die Naturschutzverbände und die Naturschutzverwaltung. Projektmanager ist ab 1. Januar der Forstwirt David Schwarzmann aus Coburg.

Bilder:

1. Sie alle wollen dazu beitragen, dass aus dem Projekt „Neue Baumarten“  krisenfeste Zukunftswälder  für den Landkreis Bamberg und weit darüber hinaus entstehen.
2. Amtschef Hans-Rüdiger Schmittnägel (links) bedankte sich beim Präsidenten der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft Olaf Schmidt, der das Projekt „Neue Baumarten“ in Heiligenstadt symbolisch gestartet hat.

3
ine Libanon-Zeder haben Vertreter der beteiligten Verbände und Institutionen symbolisch zum Auftakt des Projektes „Neue Baumarten“ in Heiligenstadt geplanzt.

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27.11.2019

Bundesinstitut für Risikobewertung: „Glyphosat-Grenzwerte reichen aus“ / Am Artenschwund sind nicht nur Pflanzenschutzmittel schuld

Kulmbach. Artensterben und Klimawandel: viele Verbraucher geben den Bauern die Schuld. Meistens geschieht dies aus Unwissenheit. Alle wollen mitreden, doch die genauen Hintergründe kennen nur die Wenigsten. Um aufzuklären, hat der Ring junger Landwirte Kulmbach zu einer gemeinsamen Informationsveranstaltungen zusammen mit dem Verband für landwirtschaftliche Fachbildung mit Jens Schuberth einen Spezialisten eingeladen.

Schuberth ist bei dem 2002 gegründeten und zum Geschäftsbereich des Bundeslandwirtschaftsministeriums gehörenden Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) tätig, das unter anderem Bundesministerien berät, wenn es um die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln geht. Das Berliner Institut mit seinen rund 1000 Mitarbeitern erstellt weisungsunabhängig Risikobewertungen, allerdings nicht nur für Pestizide, sondern beispielsweise auch für E-Zigaretten, Shishas und alle möglichen Chemikalien.

„Pflanzenschutzmittel sind nicht alleine verantwortlich für den Artenschwund“, sagte der Wissenschaftler. Auch der zunehmende Flächenverbrauch oder die Anlage von Monokulturen hauptsächlich im Norden Deutschlands gehörten zu den Verursachern.

In der Gemeinschaftsveranstaltung ging es hauptsächlich um das überaus kontrovers diskutierte Thema Glyphosat. Anhand des mittlerweile seit acht Jahren andauernden Verfahrens machte Schuberth deutlich, mit welchem immensen Aufwand seine Behörde arbeitet. 2011 sei die Neubewertung gestartet worden, es folgten Kommentierungsphasen der einzelnen EU-Staaten, Expertenrunden auf nationaler und internationaler Ebene sowie immer wieder neue Bewertungen aufgrund des großen öffentlichen Drucks und aktueller, teils widersprüchlicher Studien. Erst 2017 konnte die Genehmigung erneuert werden, aber nur für fünf Jahre bis zum 15. Dezember 2022 und nicht wie üblich für 15 Jahre.

Auch wenn der endgültige Glyphosat-Ausstieg durch das Bundeslandwirtschaftsministerium für 2023 bereits beschlossen ist, blieb der Fachmann bei seiner Einschätzung, dass der geltende Grenzwert von 0,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag bei der Aufnahme durch den Menschen ungefährlich und deshalb völlig ausreichend sei.

Schubert machte keinen Hehl daraus, dass Glyphosat-Rückstände im Bier durchaus nachvollziehbar seien, da die Anwendung im Getreide ja auch zugelassen ist. Allerdings in so geringer Menge, dass man unglaubliche 1000 Liter Bier pro Tag trinken müsste, um die festgelegten Grenzwerte tatsächlich zu übersteigen. Während aber über die Glyphosat-Rückstände im Gerstensaft leidenschaftlich diskutiert werde, sei das Thema Gesundheitsgefahren durch Alkohol kaum mehr Gegenstand öffentlicher Diskussionen, kritisierte Schuberth.

Überhaupt gab der Experte Teilen der Medien eine Mitschuld daran, dass über Pflanzenschutzmittel so einseitig diskutiert werde. Wenn darüber berichtet werde, dann sei meist von Giftcocktails oder von Ackergift die Rede. Niemand kümmere es da, wenn sein Institut über 1000 wissenschaftliche Studien allein zum Thema Glyphosat ausgewertet hatte. Auch nicht die Politik, denn die habe, wie es BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger ausdrückte, mit dem Glyphosat-Verbot eine rein ideologische und keine fachliche Entscheidung getroffen. „Ist das nicht frustrierend?“, sagte Löwinger zum Referenten. Der ließ aber auch von politischen Entscheidungen nicht beirren: „Wir werden nicht aufhören, unsere Meinung fachlich fundiert zu kommunizieren“, sagte er.

Bild: Einen Geschenkkorb mit Spezialitäten aus der Genussregion Oberfranken überreichte der Kulmbacher Vlf-Vorsitzende Reinhard Kortschack (rechts) an Jens Schubert vom Bundesinstitut für Risikobewertung.

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20.11.2019

„Eigentum verpflichtet“ / Landjugend pflanzt Kulmbacher „Grundgesetzbaum“

Kulmbach. Die Aktion „HeimatWurzeln“ des Landjugend-Bezirksverbandes Oberfranken ist noch nicht zu Ende. Zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes und zugleich zum 70. Geburtstag des Dachverbandes „Bund der Deutschen Landjugend“ sollen in ganz Oberfranken insgesamt 70 verschiedene Bäume gepflanzt werden. Einen der letzten der 70 „Grundgesetzbäume“ haben Vertreter der Landjugend jetzt in der Kulmbacher „Flutmulde“ entlang des Weißen Mains gepflanzt.

Pate des Apfelbäumchens ist der Kulmbacher Bauernverband. Die Verantwortlichen haben Artikel 14, Absatz 1 und 2 des Grundgesetzes gewählt: „Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt. Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen“ Weitere Bäume sind bereits auf dem Grundstück des ehemaligen oberfränkischen BJB-Bezirks- und -Landesvorsitzenden Manfred Nüssel in Rimlas bei Bad Berneck, sowie von mehreren oberfränkischen Bundes- und Landtagsabgeordneten gepflanzt worden.

Bild: Ein Baum zu Ehren des Grundgesetzes (von links): Sebastian Feulner von der Kulmbacher Landjugend, Bezirksvorsitzender Maximilian Raimund aus Creußen, BBV-Geschäftsführer Harald Köppel und der stellvertretende Kulmbacher Kreisobmann Harald Peetz.

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15.11.2019

Zukunftsfähige Wälder brauchen Zeit / WBV Bamberg: Diskussion über die Zukunft des Waldes

Steinfeld. Alle sind guten Willens, doch wirklich weiter hilft das keinen. Ein wenig Resignation war schon zu spüren bei der Diskussions- und Informationsveranstaltung mit dem Titel „Hat unser Wald noch Zukunft“, die von der Waldbesitzervereinigung Bamberg in Steinfeld veranstaltet wurde. Die Analyse ist einfach: die Temperaturen waren in den beiden zurückliegenden Jahren zu hoch, die Niederschläge zu gering. In der Folge ist es in relativ kurzer Zeit viel wärmer und gleichzeitig viel trockener geworden. Das haut die stärkste Fichte um, möchte man sagen, und tatsächlich wird die Situation von den Waldbesitzern aktuell als katastrophal eingeschätzt.

Vor zwei Jahren war die Welt noch in Ordnung, sagte Forstoberrat Gregor Schießl, Abteilungsleiter Forsten am Amt für Landwirtschaft in Bamberg. „Nun aber schaut es böse aus um die Zukunft des Waldes.“ Schießl sprach von starken Schäden an den Nadelhölzern, von großflächigem Absterben der Kiefernbestände, von einem streckenweisen Komplettausfall der Tannenbestände, von dramatischem Absterben der Buchenwälder und von starken Schäden an Laubhölzern. Fichten zum Beispiel, seien einfach vertrocknet, da habe es gar keinen Käfer mehr gebraucht, so der Fachmann.

Schießl (Bild links) machte eine einfache Rechnung auf: Ein Kleinwaldbesitzer mit 3,6 Hektar Fläche, bei dem die Hälfte vom Borkenkäfer betroffen ist, sei nun gezwungen, das Holz aufzuarbeiten, zu verwerten und die Fläche zu räumen. Nimmt man 540 Festmeter Schadholz an, koste die Aufarbeitung rund 5400 Euro. Bei 2,50 Euro pro benötigter Pflanze komme man trotz staatlicher Förderung von 1,10 Euro pro Pflanze auf 7560 Euro. Macht alles in allem fast 13000 Euro an Kosten, um die Schadenssituation zu beheben. Früher hätte der Waldbesitzer für die gleiche Holzmenge eine stattliche fünfstellige Summe bekommen.

„Da ist noch mehr Unterstützung notwendig“, sagte der Landtagsabgeordnete Holger Dremel aus Scheßlitz. Er rief dazu auf, die besondere Situation Oberfrankens immer wieder nach München zu tragen. Der Wald habe Zukunft, aber es würden noch große Anstrengungen notwendig sein. Ein weiteres Problem sah die Vorsitzende der WBV Bamberg Angelika Morgenroth in der Gesellschaft. Viele Menschen würden Waldbesitzer völlig zu Unrecht als die Schuldigen ausmachen. Dabei seien es gerade die Waldbesitzer, die große Leistungen für die Gesellschaft erbringen.

„Wir brauchen halt etwas Zeit, um zukunftsfähige Wälder zu schaffen“, so Andreas Hahn (linkls) von der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft in Weihenstephan. Der Wald werde nicht sterben, aber er werde sich verändern, und zwar in Richtung lichte, südländische Wälder. Eine Baumart ganz ohne Schädlinge werde es aber auch in Zukunft nicht geben. Holz sei der Rohstoff des nächsten Jahrtausends, machte der Steinfelder Revierleiter Michael Bug den Waldbesitzern Hoffnung. Grund dafür ist, dass Holz der einzige Rohstoff ist, der nachwächst.

Weniger dramatisch sah Muhidin Seho vom Bayerischen Amt für Waldgenetik in Teisendorf die Situation. Klimatolerante Baumarten müssten ganz schnell her. Im Zusammenspiel mit heimischen Baumarten würden sie künftig das Rückgrat des Waldes der Zukunft bilden. Ähnlich wie auf dem Aktienparkett empfahl Seho den Waldbesitzern, das Risiko auf mehrere Baumarten zu verteilen.

Bild oben: Diskutierten in Steinfeld über die Zukunft des Waldes (von links): Holger Dremel, Andreas Hahn, Muhidin Seho, Michael Bug, und Gregor Schießl.

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02.11.2019

Verfahren mit vielen Höhen und Tiefen / Nach 40 Jahren: Dorferneuerung und Flurneuordnung im Steinwiesener Ortsteil Nurn abgeschlossen

Nurn. Was lange währt, wird endlich gut: 40 Jahre nach dem Start sind das Dorferneuerungs- und Flurneuordnungsverfahren in Nurn, einem Ortsteil von Steinwiesen im oberfränkischen Landkreis Kronach, jetzt abgeschlossen worden. Bei der Segnung eines Gedenksteines am neuen Ringweg oberhalb der Ortschaft und bei einer Feierstunde im Mehrzweckhaus wurde deutlich, dass dieses Verfahren ungewöhnlich viele Höhen und Tiefen erlebt hat. Das Ergebnis aber hat sich gelohnt, sowohl für die 490 Einwohner der Ortschaft, als auch für alle beteiligten Landwirte.

Rund 2,3 Millionen Euro haben Dorferneuerung und Flurneuordnung nach den Worten des Steinwiesener Bürgermeisters Gerhard Wunder gekostet. Weitere 2,7 Millionen Euro haben die Nurner Grundstückseigentümer für entsprechende Maßnahmen wie energetische Sanierungen, Erneuerungen von Fenstern und Dächern und vieles mehr ausgegeben. Die dafür eingereichten 184 Förderanträge wurden mit fast einer halben Million Euro vom Markt Steinwiesen, vom Freistaat, vom Bund und von der EU bezuschusst.

Alle diese Zahlen können sich sehen lassen: „Es ist schon absolut vorbildlich, was da in Nurn gelaufen ist“, sagte Anton Hepple, der Leiter des oberfränkischen Amtes für Ländliche Entwicklung. 184 Anträge bei 490 Einwohnern: für Hepple ein echter Grund, den Bewohnern von Nurn ein Riesenkompliment zu machen. Schließlich sei dies auch alles Geld, das nicht nur dem Ort, sondern auch den Unternehmen in der Region zu Gute kommt.

Bürgermeister Wunder erinnerte in seinen Worten noch einmal an den Start des Verfahrens am 29. Juni 1979. Allein 14 Jahre habe es aufgrund von Widerständen aus Teilen der Bevölkerung gedauert, bis die ersten Maßnahmen anliefen. Sogar ein Petitionsverfahren im Landtag sei notwendig gewesen, ehe es den Verantwortlichen gelang, die Mehrheit der Landwirte von der Notwendigkeit der Flurbereinigung zu überzeugen. Später gab es dann im Jahr 2012 für die Bodenordnung und das Beweidungskonzept sogar einen Staatspreis des Landwirtschaftsministeriums.

Nun seien die Ziele der Dorf- und Flurneuordnung endlich in vollem Umfang erreicht. Es habe sich gezeigt, dass eine intakte Dorfgemeinschaft Voraussetzung dafür ist, dass Visionen und Träume eines Tages Wirklichkeit werden, so der Bürgermeister. Alle Maßnahmen hätten die Infrastruktur in Nurn verbessert und die Attraktivität des ländlichen Raumes erhöht.

Der Vorstandsvorsitzende der Teilnehmergemeinschaft Nurn Karl Saueressig freute sich besonders über die neuen Wege mit einer Gesamtlänge von acht Kilometern. Allein die Kosten dafür hätten bei 1,1 Millionen Euro gelegen. Rund 300000 Euro davon seien an Eigenleistung notwendig gewesen, vieles davon hätten die Nurner in Form von Hand- und Spanndiensten etwa beim Pflastern oder bei der Bepflanzung geleistet. Nun aber seien sämtliche Wege im besten Zustand und würden auch gerne angenommen.

„Der ländliche Raum braucht Dorferneuerungsmaßnahmen“, so Anton Hepple. So wie in Nurn müssten zu den öffentlichen Maßnahmen wie etwa den komplett neu hergerichteten Plätzen in der Ortsmitte, am Gemeinschaftshaus oder an der Schule auch immer private kommen, sonst werde die Dorferneuerung kein Erfolg. Für ihre aktive Mitwirkung überreichte Hepple Dankurkunden an die Vorstandsmitglieder Stefan Schuberth, Josef und Edgar Hader, Bruno Franz, Markus Merkl sowie an Anneliese, Karlheinz, Otto und Fritz Deuerling.

Bilder:
1. Mit einem Festzug vom neuen Gedenkstein zum Mehrzweckhaus wurde der gesamte Ort in die Feierlichkeiten zum Abschluss der Dorferneuerung und Flurneuordnung einbezogen.
2. Pfarrer Richard Reis aus Steinwiesen hat den neuen Gedenkstein am oberen Ringweg von Nurn feierlich gesegnet.

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22.10.2019

Bauern demonstrieren – Bayreuth steht still / „Land schafft Verbindungen“: Protestfahrt der Landwirte legte Verkehr über Stunden lahm

Bayreuth. Es war eine der größten Demonstrationen, die Bayreuth je erlebt hat. Nach Veranstalterangaben waren es über 1000 Landwirte aus ganz Oberfranken und den angrenzenden Regionen, die mit ihren Traktoren in einem zwölf Kilometer langen Konvoi von der Gemeinde Bindlach nördlich der Stadt bis zum Grünen Zentrum ganz im Süden Bayreuths fuhren. Nicht nur der Verkehr, sondern auch Teile des öffentlichen Lebens standen dabei über mehrere Stunden lang still. So fiel zum Beispiel an mehreren Schulen ab dem späten Vormittag der Unterricht aus, zahlreiche Linien des Stadtbusverkehrs stellten ihren Betrieb ein.

Bayreuth war neben München und Würzburg Teil der Aktionen, die von der Bewegung „Land schafft Verbindung“ veranstaltet wurden. Start war in Eckershof bei Bindlach, Ziel war die Tierzuchtklause des oberfränkischen Rinderzuchtverbandes in der Adolf-Wächter-Straße. Sämtliche Kreuzungen und Einmündungen dazwischen wurden von der Polizei abgesperrt, kreuzender Verkehr konnte die Route nur eingeschränkt passieren. Bereits im Vorfeld hatten Stadt und Straßenverkehrsamt empfohlen, großräumig auszuweichen.

Alle gut 40 Ampeln entlang der Route waren mit Polizisten besetzt, Sogar ein Polizeihubschrauber war im Einsatz. Laut Pressesprecher Jan Koch und dem Leiter der Verkehrsbetriebe Werner Schreiner konnten die Stadtbusse etwa ein Drittel der rund 370 Haltestellen in Bayreuth ab 11 Uhr nicht mehr erreichen. Grundsätzlich gab es auf fast allen Linien Verspätungen.

Der Konvoi selbst schien einfach nicht enden zu wollen. De letzten Traktoren waren noch gar nicht in Bindlach losgefahren, als die ersten bereits die Tierzuchthalle erreicht hatten. Den Kfz-Kennzeichen zufolge nahmen auch Landwirte aus Regensburg, Cham und Schwandorf teil, ebenso wie aus dem thüringischen Saalfeld. Gerhard Ehrlich, Coburger BBV-Kreisobmann, der selbst morgens um 5.30 Uhr von seinem Betrieb in Neuses losgefahren war, wertete die Aktion als Erfolg. Nicht ein einziger Stinkefinder sei ihm gezeigt worden, nur hochgestreckte Daumen als Zeichen der Zustimmung. Das zeige eindrucksvoll, was die Bevölkerung will.

Die Landwirte hätten in den vergangenen Monaten versucht, sich Gehör zu verschaffen, mit der Politik ins Gespräch zu kommen. „Aber wir werden einfach nicht gehört“, sagte Andreas Wolfrum aus dem mehr als 15-köpfigen oberfränkischen Organisationsteam bei der Kundgebung. Viele Familienbetriebe, auch und gerade in Oberfranken, würden sich in einer ausweglosen Situation befinden, so der junge Landwirt aus Gattendorf bei Hof.

Zuletzt sei das Image der Landwirtschaft durch das Artenschutz-Volksbegehren in Bayern erheblich in Misskredit gezogen worden. „Wir werden hingestellt als die, die die Insekten vergiften und das Grundwasser verschmutzen, doch das stimmt einfach nicht.“ Schließlich brauchen die Bauern die Natur. Die Demonstration sieht Wolfrum als „Weckruf an den Verbraucher“. Ein Weckruf für ein neues Bewusstsein, regional zu kaufen, die Landwirtschaft und die nachgelagerten Betriebe, also Bäcker, Metzger und den regionalen Handel, zu unterstützen.

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06.10.2019

Faire Preise sind keine Armutsfalle / Landtagsabgeordneter Holger Dremel beim Königsfelder Jurabauerntag

Königsfeld. Von einer regional höchst unterschiedlichen Ernte im Landkreis Bamberg hat Kreisobmann Edgar Böhmer berichtet. Beim Jurabauerntag zum Erntedankfest in Königsfeld sprach er von einer größtenteils zufriedenstellenden Getreideernte, aber auch von Ertragseinbußen beispielsweise beim Mais um rund ein Drittel. Die Futtersituation sei etwas besser gewesen als im Trockenjahr 2018, aber längst noch nicht so, wie sie sich die Bauern gewünscht hätten.

Grund, für die Ernte zu danken, habe man trotzdem, sagte der Kreisobmann, auch wenn man sich von der Politik unverstanden fühle. Dieses Bild gerade zu rücken, dazu war erstmals Holger Dremel, seit 2018 CSU-Stimmkreisabgeordneter des Bamberger Landes, zum Jurabauerntag gekommen. „Unsere Bauern haben es nicht verdient, von den Grünen und Co so an den Pranger gestellt zu werden“, sagte er und verwahrte sich gegen einseitige Schuldzuweisungen zu Lasten der Bauern.

Zum Artenschutz-Volksbegehren stellte Dremel aber auch klar, dass es keine andere Möglichkeit gegeben habe, den Gesetzesentwurf anzunehmen und ihm mit einem Begleitgesetz zu modifizieren. „Hätten wir eine Abstimmung gemacht, dann hätten wir das auch 1:1 annehmen müssen“, stellte Dremel klar. Immerhin hätten sich bayernweit rund 1,8 Millionen Menschen und damit 18,4 Prozent der Stimmberechtigten in die Listen eingetragen. „Was glauben sie, wie da eine Abstimmung zwischen Landwirtschaft und Naturschutz ausgegangen wäre?“, so Dremel.

Der Abgeordnete forderte nun vor allem praktikable Regelungen, die zusammen mit den Bauern erarbeitet werden sollten, etwa bei der Novellierung der Düngeverordnung, bei den neuen Anforderungen zum Tierwohl, bei der Anbindehaltung oder beim Einsatz von Glyphosat. Dremel ging auch auf die große Bedeutung der Landwirtschaft ein, die jeden 7. Arbeitsplatz in Bayern sichere. „Landwirtschaft hat Zukunft“, sagte er. Allerdings müssten die Verbraucher auch bereit sein, an der Ladentheke etwas mehr für gesunde Lebensmittel auszugeben. In keinem anderen Industrieland seien Nahrungsmittel billiger als in Deutschland, da seien faire Preise wirklich keine Armutsfalle.

„Im weltweiten Vergleich sind wir auf einem absolut hohen Niveau und das hat auch seinen Preis, pflichtete ihm Anneliese Goller, Bamberger Kreisbäuerin, oberfränkische Bezirksbäuerin und bayerische Landesbäuerin bei. Kurze Wege und regionale Produkte, das sei gelebter Klimaschutz. Deshalb müsse es aufhören, dass die Bauern permanent an den Pranger gestellt werden. Sie sollten stattdessen wieder in die Mitte der Gesellschaft gerückt werden.

In Vertretung von Bürgermeisterin Gisela Hofmann hieß der dienstälteste Gemeinderat Ottmar Grasser die Gäste in Königsfeld willkommen. Auch er beklagte Unkenntnis, fehlende Informationen und Stimmungsmache bei Teilen der Bevölkerung zu Lasten der Bauern. Generationen zuvor sei dies noch ganz anders gewesen. Doch der Kontakt zu den Bauern und das Wissen um die Landwirtschaft seien längst verloren gegangen.

Vor dem Jurabauerntag im Schleuppner-Saal feierten alle Beteiligten einen festlichen Erntedankgottesdienst mit Pfarrer Michael Herrmann in der nahen St.-Jakobus-Kirche. Von dort aus setzte sich nach dem Gottesdienst ein Festzug zum Schleuppner-Saal in Bewegung, angeführt von der Aufseßtaler Blaskapelle und Helfern des Fränkische-Schweiz-Vereins mit der stattlichen Erntekrone auf den Schultern. 

Bilder:
1.
 Ein stattlicher Festzug bewegte sich vom Gottesdienst in der St.-Jakobus-Kirche zum Jura-bauerntag im Schleuppner-Saal.
2. BBV-Geschäftsführer Werner Nützel, Kreisobmann Edgar Böhmer, der Landtagsabgeordnete Holger Dremel, Kreis-, Bezirks- und Landesbäuerin Anneliese Göller und der dienstälteste Gemeinderat Ottmar Grasser (von links) vor der Erntekrone beim Königsfelder Jurabauerntag.

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04.10.2019

Auch Vegetarier und Veganer brauchen die Bauern / Landwirtschaftsministerin Kaniber verteidigte Annahme des Artenschutz-Volksbegehrens

Betzenstein. „Umwelt- und Naturschutz passieren längst, und zwar durch Bauernhand.“ Das hat die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber bei einer Veranstaltung der Jungen Union Bayreuth-Land in Betzenstein unmissverständlich klar gemacht. Die Politikerin verteidigte dabei in erster Linie die Annahme des Volksbegehrend zum Artenschutz durch die Staatsregierung. „Andernfalls hätten wir den Gesetzesentwurf der Organisatoren eins zu eins übernehmen müssen“, sagte sie.

So aber habe man im Begleitgesetz noch Einfluss nehmen und das Schlimmste für die Bauern verhindern können. Egal ob die umstrittenen Vorschriften zum Walzen oder Mähverbote, all das konnten wir noch ausbessern“, so Kaniber. Nun müsse sich allerdings die gesamte Gesellschaft fragen lassen, was sie denn für den Artenschutz unternehme. Kirchen, Kommunen und vor allem Privatleute seien jetzt gefragt, ihr Verhalten auf den Prüfstand zu stellen. Es könne nicht sein, dass alles auf den Bauern abgeladen werde. 

Nun sei der Verbraucher gefragt. Kaniber bezeichnete es als großen Widerspruch, wenn 84 Prozent der Bevölkerung Bioprodukte super finden, sie aber nur sieben Prozent wirklich kaufen. Deswegen werde die Staatsregierung auch keine Bioquote festschreiben und die Bauern damit in eine Ecke drängen, die für sie unrentabel ist. Ziel sei es dennoch bis zum Jahr 2030 den Ökolandbau von derzeit zehn auf dann 30 Prozent der bewirtschafteten Fläche auszudehnen. Die Ministerin nannte diese Zahl eine Zielvorgabe, erzwingen könne man das nicht. Allerdings sei der Freistaat schon jetzt innerhalb Deutschlands das Bioland Nummer 1, denn in keinem anderen Bundesland würden so viele so viele Ökoflächen bewirtschaftet.

Bei der Veranstaltung gab sie auch erste Details zur neuen Imagekampagne für die Landwirtschaft bekannt. Vor allem in den Schulen soll die Landwirtschaft erklärt werden. „Damit die jungen Leute wieder wissen, woher Brot und Milch kommen“, so die Ministerin. Auch wenn es abgedroschen klinge, noch immer glauben viele Kinder an die lila Kuh. Die neue Imagekampagne soll durchaus auch provokant ausfallen und in erster Linie die sozialen Medien bedienen. „Wir müssen die Bevölkerung aufrütteln, denn wir haben klasse Produkte, die weltweit nachgefragt werden“. Doch leider sei der Kontakt zum Verbraucher über weite Strecken völlig abgerissen.

Zuvor hatte sich der stellvertretende Vorsitzende der JU Bayreuth-Land Friedrich Ziegler gegen die massive Kritik an der Landwirtschaft gewehrt: „Niemand sollte je vergessen, der Bauer sorgt für das Essen“, sagte er und gab zu bedenken, dass dies auch für Vegetarier und Veganer gelte. In einer Diskussion am Ende beklagte Hans Engelbrecht aus Lankendorf die noch immer zunehmende Bürokratie, Landjugend-Bezirksvorsitzender Max Raimund warb für regionale Produkte und Matthias Roder aus Seybothenreuth forderte langfristige Leitlinien für die Landwirtschaftspolitik. Andernfalls werde aus dem Strukturwandel ein Strukturbruch und den würden vor allem viele kleinere Betriebe in der Region nicht überleben.

Bild: Eine Mini-Milchkanne und ein Glas Honig aus dem Landkreis überreichten JU-Vorsitzender Matthias Straub und sein Stellvertreter Friedrich Ziegler der Bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber.

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04.10.2019

Libanon-Zeder und Esskastanie statt Fichte und Tanne / Startschuss für Initiative Zukunftswald

Kulmbach. Atlas-Zeder, Libanon-Zeder oder Esskastanie: diese Baumarten vertragen Trockenheit, Hitze und Kälte gleichermaßen. Sie könnten die Bäume für den Wald der Zukunft sein und langfristig Fichten und Tannen ersetzen. Um erste Erfahrungen mit diesen Baumarten sammeln zu können, ist im Stadtwald von Kulmbach einen Versuchspflanzgarten für Bäume angelegt worden, ein sogenanntes „Arboretum“. Die Fläche ist Teil der Initiative Zukunftswald Bayern. Den ersten Baum pflanzte jetzt die Landwirtschaftsministerin Michaelas Kaniber zusammen mit der siebenjährigen Amelie Löffler.

„Der Wald steckt in einer ganz großen Krise“, sagte Kaniber. Wetterkapriolen, Sturmereignisse, Borkenkäferplagen, das alles zeige, wie sehr der Wald unter den zunehmenden Klimaveränderungen leide. Dabei sei doch gerade der Wad nicht nur die grüne Lunge, sondern der Klimaschützer Nummer 1. Dem Waldumbau komme deshalb die höchste Priorität zu. Kaniber bezeichnete es als wichtigste Aufgabe der Forstverwaltung die Wälder gemeinsam mit privaten und körperschaftlichen Waldbesitzern zukunftsfähig zu machen.

Die Ministerin sprach von einer echten Mammutaufgabe, bis zum Jahr 2030 rund 200000 Hektar labile Nadelholzwälder in Bayern in klimastabile Mischwälder umzubauen. Weil dies alles Geld kostet, hat der Bund auf dem nationalen Waldgipfel vor kurzem 550 Millionen Euro vor allem für die Schadensbeseitigung und die Wiederbewaldung zur Verfügung gestellt. Rund 100 Millionen sollen davon voraussichtlich nach Bayern fließen.

Dazu kommt jetzt die Initiative Zukunftswald Bayern, zu der die Kulmbacher Versuchsfläche gehört. Hier soll nach den Worten Kanibers getestet werden, unter welchen Voraussetzungen welche Bäume am besten wachsen. „So können wir unseren Waldbesitzer künftig bestmöglich beraten, welche Auswahl an Bäumen sie für ihre Wälder zur Verfügung haben.

Michael Schmidt, Leider des Landwirtschaftsamtes in Kulmbach, bezeichnete die Fränkische Linie in den Landkreisen Kulmbach und Kronach als einen Brennpunkt des derzeitigen Borkenkäfergeschehens. Mit den 350000 Euro, die in den kommenden Jahren im Rahmen der Initiative Zukunftswald nach Kulmbach fließen, sollen deshalb unter anderem zwei Projektkräfte beschäftigt werden, um die Schäden zu erfassen und um Lösungen zu erarbeiten. „Es muss etwas geschehen“, sagte Schmidt. „Sollte sich der Klimawandel weiter verstärken, wird es wirklich eng für unseren Wald.“

Auch Landrat Klaus Peter Söllner sprach von einer extrem problematischen Situation. Er könne nachvollziehen, dass bei den Waldbesitzern derzeit der totale Frust herrscht. Gerade im Landkreis Kulmbach, genauso wie im Nachbarlandkreis Kronach spiele der Wald eine ganz große Rolle und erfülle ganz wichtige Funktionen, für Klima, Luft und Boden, aber auch für den Tourismus. So betrage der Anteil des Waldes im Landkreis Kronach rund 60 Prozent, im Kulmbach geringfügig weniger. Der Versuchspflanzgarten im Kulmbacher Stadtwald sei deshalb enorm wichtig und eine überaus positive Geschichte, mit der Kulmbach bayernweit eine Vorreiterrolle übernehme.

Bild oben: Zusammen mit der siebenjährigen Amelie pflanzte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber den ersten Baum im neuen Versuchspflanzgarten des Kulmbacher Stadtwaldes.
Bild unten (von links): Landrat Klaus Peter Söllner, der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, der Landtagsabgeordnete Rainer Ludwig und Kulmbachs 2. Bürgermeister Ralf Hartnack bei der Baumpflanzung zusammen mit der siebenjährigen Amelie.

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30.09.2019

Vielfalt statt Landwirtschaft aus dem Bilderbuch / Agrarpolitischer Sprecher Artur Auernhammer bei Fachgespräch in Bayreuth

Bayreuth. Beim derzeitigen Megathema Klimaschutz ist die Landwirtschaft nicht das Problem, sondern die Lösung. Das hat der Agrarpolitische Sprecher der CSU im Bundestag, Artur Auernhammer aus dem mittelfränkischen Weißenburg, bei einem agrarpolitischen Fachgespräch von Dr. Silke Launert und der Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer festgestellt. Ob in Sachen Erneuerbare Energien oder beim Wald und Forst, die Landwirtschaft habe großes Potenzial, um zum Klimaschutz beizutragen.

„Gerade in der Landwirtschaft wissen wir, dass der Klimawandel stattfindet“, sagte Auernhammer. Allen sollte klar sein, dass etwas geschehen muss. Für die Landwirtschaft sei es nun wichtig, bei den Lösungsansätzen dabei zu sein. Beispielsweise könnten die Waldbauern dazu beitragen mit Holzhackschnitzel die Lücke zu schließen, wenn es keine Ölheizungen mehr in Neubauten geben soll.

Einen Königsweg, um alle Probleme der Landwirtschaft zu lösen gibt es nicht, sagte Auernhammer. Ebenso wenig gebe es die Bilderbuchlandwirtschaft, von der viele träumen. Was die Landwirtschaft heute ausmacht, sei eine nahezu unglaubliche Vielfalt und gerade die gelte es zu nutzen. So setze er beispielsweise beim Thema Regionalität auf den Verbraucher. Im Nachbarland Österreich sei das Regionalbewusstsein schon wesentlich stärker ausgeprägt als hierzulande. Regionalität sei außerdem das beste Rezept gegen ungeliebte Handelsabkommen. „Den Welthandel werden wir nicht stoppen, schon gar nicht als deutsche Landwirtschaft“, so Auernhammer. „Aber wir sollten versuchen, ihn intelligent für uns zu nutzen.

Auch wenn die Landwirtschaft derzeit vor vielen Problemen und Herausforderungen steht, habe man Grund zu danken, sagte die Abgeordnete Launert vor dem Hintergrund der vielen Erntedankfeste in unseren Breiten. Der Gesellschaft gehe es gut, die Menschen hierzulande seien vor großen Naturkatastrophen verschont geblieben. Aufgrund der aktuellen Ernteeinbußen, der Dürrephasen der beiden zurückliegenden Jahre, mancher umstrittener gesetzlicher Regelung und auch aufgrund des Klimawandels fehle allerdings gerade jungen Landwirten die Planungssicherheit. Dabei sollte es allen Verbrauchern klar sein: wenn es hierzulande keine Landwirtschaft mehr gibt, müssten Nahrungsmittel aus Ländern importiert werden, in denen deutlich niedrigere Umwelt- und Tierwohlstandards gelten.

Die Landtagsabgeordnete Brendel-Fischer sagte, dass man bei den Auswirkungen des Volksbegehrens zum Artenschutz Kompromisse finden müsse, mit denen sowohl die Befürworter als auch die Bauern leben könnten. Abgesehen von den Schutzmaßnahmen für Gewässerstreifen soll deshalb bei sämtlichen Maßnahmen auf Freiwilligkeit gesetzt werden. Was die künftige Ausgestaltung einer gemeinsamen europäischen Agrarpolitik angeht, will Bayern erreichen, dass die Förderung bei den ersten Hektaren noch einmal deutlich aufgestockt wird. Gerade die kleinteilige Landwirtschaft in unserer Region würde davon profitieren.

Bei der anschließenden Diskussion spielte unter anderem das Reizthema Wolf eine wichtige Rolle. „Der Wolf muss in Zaum gehalten werden“, forderte Karl-Heinz Frank, Vorsitzender des Ziegenzuchtverbandes Oberfranken. Während in unseren Breiten bislang nur einzelne Tiere aufgetaucht sind, habe man in Brandenburg bereits ganze Rudel festgestellt. Agrarsprecher Auernhammer plädierte dafür, den Wolf in bestimmten Gebieten zuzulassen, in allen anderen Regionen aber jagdlich einzugreifen, also abzuschießen. „Wenn wir nicht rechtzeitig eingreifen, passiert uns das Gleiche wie bei den Wildschweinen“, so Auernhammer. Während das Schwarzwild noch vor wenigen Jahrzehnten als Seltenheit galt, hat es sich längst zur Plage entwickelt.

Scharfe Kritik am Klimaschutzpaket der Bundesregierung übte Hans Engelbrecht aus Lankendorf. Benzinsteuer, Kfz-Steuer, Mehrwertsteuer und jetzt soll auch noch die CO-2-Steuer kommen. Davon wäre die Landwirtschaft besonders betroffen, sagte Engelbrecht und forderte deshalb das Geld über die Dieselrückvergütung wieder zurück. MdB Auernhammer konnte ihm da allerdings wenig Hoffnung machen. Fast alle anderen Parteien wollten die Dieselrückvergütung für Landwirte völlig abschaffen, das könne man schon zufrieden sein, den jetzigen Stand zu halten.

Bild: Die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert (rechts) und ihre Landtagskollegin Gudrun Brendel-Fischer bedankten sich bei Artur Auernhammer, der zu einem agrarpolitischen Fachgespräch nach Bayreuth gekommen war.

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29.09.2019

Keine Höchstleistung zu Tiefstpreisen / Kulmbacher Kreiserntedank: Kritik an der „großen Politik“

Himmelkron. Die schlechte Ernte im Landkreis Kulmbacher haben Vertreter der Politik und des Bauernverbandes beim Kreiserntedank in Himmelkron beklagt. Speziell im Kulmbacher Land seien Trockenheit und Dürre besonders ausgeprägt gewesen, sagte Kreisobmann Wilfried Löwinger. Bei vielen Bauernfamilien lägen die Nerven deshalb blank.

Ganz so einfach falle es deshalb nicht, für die Ernte zu danken. Zu tief sitze der Frust. Wenn es trotzdem Grund zur Dankbarkeit gebe, dann deshalb, weil man von gravierenden Unwettern, Starkregen und Überschwemmungen, wie in vielen anderen Teil der Welt, verschont geblieben sei.

Löwinger sprach aber auch von einer erneut außergewöhnlichen Hitzeperiode von Ende Mai bis Ende August. Die bis dato guten Bestände seien dahin gewesen. Der Kreisobmann bezifferte die Ertragsausfälle beim Weizen im Landkreis Kulmbach auf 30 Prozent, bei der „Königsfrucht“, der Braugerste, sogar auf 50 Prozent. Als regelrechte Naturkatastrophe bezeichnete er den Zustand der Wälder. Ohne entsprechende staatliche Programme werde keine Aufforstung möglich sein.

Auch der „großen Politik“, wie es Löwinger nannte, zu danken, falle schwer. Zu sehr bestimmten Ideologie, Aktionismus, Populismus und Geschäftemacherei das Geschehen, fachliches Wissen bleibe auf der Strecke. Zuvor hatte schon der stellvertretende Kreisobmann und Himmelkroner Ortobmann Harald Peetz mahnende Worte an die Politik gerichtet. Er sprach von vielen meist praxisfremden und unsinnigen Auflagen. Vor dem Hintergrund des Volksbegehrens seien auch die Parteien mittlerweile der einseitigen Berichterstattung in den Medien und dem „Gutmenschentum“ verfallen.

In Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft habe man in Sachen Volksbegehren vieles abfedern können, verteidigte sich der örtliche Stimmkreisabgeordnete Martin Schöffel (CSU), stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses im Landtag. Alle Beteiligten hätten einen Schritt aufeinander zugemacht, alle Seiten seien berücksichtigt worden.

Für Schöffel steht es nun an erster Stelle, die gesellschaftliche Akzeptanz wiederherzustellen. „Da hilft es nur, aufeinander zuzugehen“, sagte er. Aus der Verteidigung heraus könne man ein Spiel nicht gewinnen, zog er eine Parallele zum Fußball. Der Abgeordnete kündigte an, mehr Aufklärung über die Landwirtschaft sowie über Ernährung und Alltagskompetenzen in die Schulen zu bringen. In einem weiteren Vorhaben soll speziell die Großstadtbevölkerung informiert und emotional an die Landwirtschaft herangeführt werden.

„Andernfalls verlieren wir das wichtigste, was wir haben, und das ist die heimische Nahrungsmittelproduktion“. Doch viele Menschen realisierten überhaupt nicht mehr, wie Landwirtschaft wirklich funktioniert. Grund dafür: Die Regale der Discounter seien immer voll. Doch Höchstleistung zu Tiefstpreisen sei eben nicht möglich. Daneben müssten die Bauern auch das produzieren, was der Markt abnimmt, und das seien eben mal nicht hundert Prozent bio, sondern nur zehn Prozent.

Im weltweiten Vergleich lägen wir bei den Standards für Qualität, Umwelt- und Tierschutz auf ganz hohem Niveau, sagte die stellvertretende Kulmbacher Landrätin Christina Flauder (SPD). Nur nachhaltig bewirtschaftete Äcker würden auch gute Ernten hervorbringen, nur nachhaltig betriebene Tierhaltung sein eine Tierhaltung im Respekt vor dem Mitgeschöpf. Der sorgsame Umgang mit der Natur und der Schöpfung sei für Landwirte nicht nur Verpflichtung sondern lebensnotwendig.

Zum Kulmbacher Kreiserntedank in der Himmelkroner Frankenfarm gehörte neben Auftritten des Landfrauenchors auch ein geistlicher Impuls von Ortspfarrer Michael Krug. Landwirtschaft verdiene Respekt und Wertschätzung, sagte er und begrüßte ausdrücklich die Aktionen mit den mahnenden grünen Kreuzen auf vielen Feldern. Der Geistliche rief die Bauern dazu auf, die neue Begeisterung in weiten Teilen der Gesellschaft für die Natur in ein neues Interesse für die Landwirtschaft umzusetzen.

Bilder:
1.
 Kreisobmann Winfried Löwinger (links) bedankte sich beim örtlichen Stimmkreisabgeordneten Martin Schöffel.
2. Der Kulmbacher Landfrauenchor umrahmte die Erntedankfeier in der Himmelkroner Frankenfarm.

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22.09.2019

Regional ist optimal / Ernste Worte zu Erntedank - Mehrere zehntausend Besucher beim Genussfest im Landkreis Bamberg

Scheßlitz. Mit diesem Ansturm hatte kaum einer gerechnet. Mehrere zehntausend Besucher haben ersten Schätzungen zufolge den 4. Genusstag der Region Bamberg verbunden mit dem BBV-Kreiserntedankfest besucht. An den meisten der über 60 Stände der Anbieter regionaler Produkte bildeten schon kurz nach dem offiziellen Auftakt lange Schlangen und in der für den Verkehr gesperrten Hauptstraße des Jura-Städtchens gab es schon am frühen Nachmittag kaum mehr ein Durchkommen.

Höhepunkt des Genusstages und des Kreiserntedankfestes war ein stattlicher Festzug durch den Ort, der den Jahresablauf der Feldarbeit von der Aussaat bis zur Ernte anhand historischer Landmaschinen und Geräte mit alten Traktoren zeigte. Allein dabei wurden über 350 Teilnehmer, mehrere Blaskapellen und zahlreiche Gespanne mit historischen Gerätschaften gezählt. Zuvor hatte Domkapitular Norbert Jung des Festgottesdienstes in der Pfarrkirche St. Kilian zelebriert. Dabei wirkte erstmals der Bamberger Landfrauenchor unter der Leitung von Gudrun Kraus mit.

In den Ansprachen später im Festzelt ließ kaum ein Redner das derzeitige Topthema Klimawandel aus. Einig waren sich dabei alle: „Die Landwirtschaft ist nicht das Problem, sondern ein Teil der Lösung“. Schließlich seien es die Bauern, die den Klimawandel als erste spürten, sagte Kreisobmann Edgar Böhmer.

Eine gute Ernte entsteht durch die Kräfte der Natur und die Arbeit des Menschen. Während man auf die Natur keinen Einfluss habe, würden die Bauern alles unternehmen, um eine gute Ernte einzufahren, so Böhmer. Trotzdem fehle ihnen derzeit die Akzeptanz aus Teilen der Bevölkerung, was gerade bei jungen Leuten für große Unsicherheit sorge. Die Ernte 2019 im Landkreis Bamberg bezeichnete der Kreisobmann als regional höchst unterschiedlich. Die fehlenden Futterreserven aus dem Vorjahr hätten allerdings nicht aufgefüllt werden können.

Dank unserer heimischen Landwirtschaft brauche man keine Angst haben, Hunger leiden zu müssen, sagte BBV-Vizepräsident Günter Felßner. Wenn hierzulande alle satt sein können, dann liege das an der modernen Landwirtschaft, sie sei die Ursache für unseren hohen Lebensstandard. Trotzdem sei diese Landwirtschaft gerade dabei sich zu verabschieden. „Unserer deutschen Bevölkerung laufen die Bauern davon“, fand er drastische Worte. Und erklärte die BBV-Aktion mit den grünen Feldkreuzen, die derzeit überall aufgestellt werden. Die Stimmung unter den Landwirten sei so schlecht wie nie zuvor, unser aller Konsumverhalten stehe auf dem Prüfstand. „Bauern und Bürger müssen wieder eine Einheit werden, momentan sind wir davon allerdings meilenweit entfernt“.

Positiv stimmte allerdings der Zuspruch für das Genussfest. Damit feierte die Regionalkampagne des Landkreises Bamberg gleichzeitig ihr 15-jähriges Bestehen. Aus den Anfangs 30 Gründungsmitgliedern ist mittlerweile eine Kampagne mit 130 Betrieben und rund 300 Produkten entstanden. Ziele sind nach den Worten von Landrat Johann Kalb die Nachhaltigkeit, Natur- und Klimaschutz aber auch die Freude am Genuss und die Wertschätzung regionaler Produkte.

„Regional ist optimal“ gab Thomas Silberhorn als Devise für das Genussfest und Kreiserntedank aus. Der örtliche Bundestagsabgeordnete, Verteidigungsstaatssekretär und Schirmherr des Genussfestes plädierte vor dem Hintergrund der aufgeheizten Diskussionen dafür, wieder ein Maß der Mitte zu finden. „Ökologisches Wirtschaften ja, aber es muss auch ökonomisch sein“, sagte Silberhorn. Bamberg, das seien für ihn nicht nur die Symphoniker und die Basketballer sondern auch fränkische Gemütlichkeit mit Bier, Bratwürsten und allerhand Spezialitäten.

„Fast schon geflasht“, wie sie es ausdrückte zeigte sich wegen des großen Zuspruchs in Scheßlitz die neue bayerische Milchkönigin Beatrice Scheitz. Auch sie warb für die große Vielfalt regionaler Produkte und rief dazu auf, mit jedem Schluck Milch auch einen wenig die bayerische Heimat zu genießen.

Bilder:
1.
 Im Schatten der Scheßlitzer Pfarrkirche präsentierten beim Festzug die einzelnen Ortsverbände ihre Erntekronen.
2.
 Historische Traktoren, festlich geschmückt zogen alle Blicke auf sich.
3.
 Alte Traditionen verkörperten einige Gespanne des stattlichen Festzuges zum Kreiserntedank in Bamberg.
4. Geschenke für die Hoheiten (von links): Staatssekretär Thomas Silberhorn, die Fränkische Kirschkönigin Rebekka, die Bayerische Milchkönigin Beatrice, die Bamberger Hörnla-Königin Annalena und Landrat Johann Kalb.

5. Kürbis zum Einmachen oder als Deko, auch das hatte der Genussmarkt in Scheßlitz im Angebot.

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18.09.2019

Retter des Rotviehs / Kleinwendern ist Bayerns erstes Arche-Dorf

Kleinwendern. Rotes Höhenvieh, Thüringer Wald Ziege, Coburger Fuchsschaf: ob sie und viele andere Tiere auf Noahs Arche waren, ist nicht überliefert. Im Arche-Dorf Kleinwendern, eine Ortsteil von Bad Alexandersbad im Fichtelgebirge haben sie und einige andere Haustierrassen jetzt ein neues Zuhause gefunden und konnten damit vor dem Aussterben gerettet werden.

Naturschutz, Artenschutz, Erhalt von Biodiversität, das sind Schlagworte, die derzeit in aller Munde sind. In dem Dorf Kleinwendern, das aktuell 80 Einwohner und 185 Tiere zählt, wollte man keine Schlagworte mehr hören, sondern Nägel mit Köpfen machen. „Uns geht es vor allem darum, die alten Nutztierrassen zu erhalten“, sagt Ronald Ledermüller (45), Ideengeber für das Arche-Dorf und hauptamtlicher Geschäftsführer des Naturparks Fichtelgebirge. Erst in zweiter Linie geht es ihm und seinen Mitstreitern aus dem Dorf um die touristische Vermarktung von Kleinwendern.

Wanderer, Mountaine-Biker und Nordic-Walker sind schon da und gehen an der Weide entlang, auf denen die Rotviehherde von Landwirt Rudi Küspert zuhause ist. „Mit dem Rotvieh fing alles an“, erinnert sich Ronald Ledermüller. Über ein Projekt des Bayerischen Landschaftspflegeverbandes war er vor rund zehn Jahre darauf gestoßen, dass im Fichtelgebirge einst das Sechsämterrotvieh gehalten wurde. Davon zeugt nicht nur ein Bild des Malers Johann Christoph Ziegler aus dem Jahr 1829, auch der Dichter Jean Paul hatte „die rote Kuh“ im Fichtelgebirge literarisch verewigt („Was Wunder? Die sehr rote Kuh … gibt weiße Milch, Quarkkäs dazu“). Tatsächlich handelt es sich beim Roten Höhenvieh um eine der ältesten Rinderrassen Europas, da sind sich Fachleute sicher.

Ab den 1930er/1940er Jahren wurde die Rasse aufgrund ihrer zu geringen Milchleistung nicht mehr gehalten, ja sogar hierzulande verboten. 26 Tiere soll es zuletzt noch gegeben haben, als Rudi Küspert anfing, die seltenen Kühe zu halten. „Zuerst herrschte Skepsis vor, doch irgendwann war der Knoten geplatzt“, sagte Ronald Ledermüller. Die Investitionen wurden vom Bayerischen Umweltministerium und von der Unteren Naturschutzbehörde gefördert. Heute vermarktet Rudi Küspert das Fleisch der Rinder in Bio-Qualität für 15 Euro pro Kilo und hat damit einen so großen Erfolg, dass er die Nachfrage jetzt beim ersten Mal bei weitem nicht befriedigen konnte

Mit dem Rotvieh startete gleichzeitig ein bayernweit einzigartiges bürgerschaftliches Gemeinschaftsprojekt. Mit Begeisterung begannen die Kleinwenderner alte Nutztierrassen zu züchten. Erst im Frühjahr dieses Jahres wurde Kleinwendern zum Arche-Dorf nach den Kriterien der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen erklärt. Nach Steinlah in Niedersachsen ist Kleinwendern somit das zweite Arche-Dorf in Deutschland und das erste in Bayern.

Bevor die Anerkennungsurkunde überreicht wurde, zogen nach und nach Sundheimer Hühner, Reichshühner, Coburger Fuchsschafe, Thüringer Wald Ziegen, Bayerische Landgänse, Rheinische Schecken und blauäugige Hermelinkaninchen in dem Ortsteil von Bad Alexandersbad ein. Voraussetzung für die Ernennung zum Arche-Dorf ist die Haltung von mindestens sechs verschiedenen Rassen aus drei verschiedenen Tierartenkategorien, die auf der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen stehen. Die Rassen müssen in Herdbuchzucht geführt werden.

Vom Bayerischen Rundfunk bis zur Westdeutschen Allgemeinen Zeitung geben sich mittlerweile Journalisten und Presseteams in Kleinwendern die Klinke in die Hand. „Für den Naturpark Fichtelgebirge ist es eine großartige Werbung“, so Ronald Ledermüller, der auch Vorsitzender des Fichtelgebirgsvereins Bad Alexandersbad ist. Er hebt besonders die großartige Dorfgemeinschaft hervor, die mit der Verwirklichung des Projekts entstanden ist. Egal ob Haupterwerbslandwirt, Nebenerwerbslandwirt oder Hobbyzüchter, alle ziehen in Kleinwendern an eine Strang. Die Stimmung im Dorf habe sich gewandelt, mittlerweile seien sogar wieder junge Familien hierher gezogen. Auch ein Dorffest hat man nach vielen, vielen Jahren wieder einmal gefeiert und dabei auf die Ernennung zum Arche-Dorf angestoßen.

Bild: Ronald Ledermüller ist der Ideengeber des Arche-Dorfes Kleinwendern. Er ist der Ideengeber des Archeprojektes, mit dem das Rotvieh im Fichtelgebirge wieder eine Heimat gefunden hat.

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15.09.2019

Bienen im Zangengriff von Mobilfunk und Insektiziden / Bayerischer Imkertag: Katharina II. und Alexandra I. sind neuen bayerischen Honighoheiten

Amberg. Katharina Gegg aus Neuburg an der Donau und Alexandra Krumbachner aus Traunstein sind die neuen bayerischen Honighoheiten. Die neue Honigkönigin und die neue Honigprinzessin wurden beim Bayerischen Imkertag in Amberg von Verbandspräsident Stefan Spiegl und von BBV-Präsident Walter Heidl vorgestellt und gekrönt. Die beiden jungen Frauen lösen Katharina Eder aus Vilsbiburg und Doris Grünbauer aus Weiden ab. Sie waren in den zurückliegenden beiden Jahren als die Honigbotschafterinnen aus dem Freistaat unterwegs.

Zusammen hätten sie dabei fast 60000 Kilometer zurückgelegt und rund 220 Termine, von der Grünen Woche bis zum Zentralen Landwirtschaftsfest wahrgenommen, berichtete Katharina Eder. „Langweilig war es nie“, sagte Doris Grünbauer und beide waren sich einig: „Uns hören die Verbraucher besser zu als den Politikern“.

Die neue Honigkönigin Katharina Gegg ist 25 Jahre jung und zusammen mit fünf Geschwistern auf dem Hof der Eltern groß geworden. „Papa hat seit seiner Kindheit Bienen gehalten“, sagte sie. Bis vor zehn Jahren, dann sei die Arbeitsbelastung zu groß geworden. Katharina sei es schließlich gewesen, die sich dafür stark gemacht habe, die Honigbienen wieder zurückzuholen. Inzwischen gebe es zwei Völker auf dem elterlichen Hof im oberbayerischen Neuburg an der Donau. Neben ihrem Studium „Management und Technology“ absolvierte sie bereits einen Imkerkurs. „Durch das Volksbegehren ist die Biene wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen gerückt“, sagte Katharina II. in ihrer Antrittsrede. Nun seien alle gefordert, Flächenverbrach und Versiegelung zu reduzieren, um eine insektenfreundliche Umgebung zu schaffen.

Honigprinzessin Alexandra Krumbachner ist 24 Jahre jung, gelernte Hauswirtschaftsmeisterin, sie arbeitet als Besamungstechnikerin. Auf dem elterlichen Hof werden bereits seit mehreren Generationen Bienen gehalten. Alexandra I. übernimmt bereits alle imkerlichen Aufgaben bis hin zur Zucht. Auch in ihrer Abschlussarbeit zur Hauswirtschaftsmeisterin behandelte sie die Themen Honig und Bienenprodukte. Die Arbeit mit den Bienen sei der perfekte Ausgleich, sagte sie. Als wichtigstes Ziel bezeichnete sie es, Erwachsenen und vor allem Kindern die Vielseitigkeit der Biene zu zeigen.

Die beiden frisch gekürten Hoheiten werben gemeinsam mit den rund 30000 Imkern des Landesverbandes Bayerischer Imker und den rund 4000 Mitgliedern des Verbandes Bayerischer Bienenzüchter für Honig aus Bayern. Sie repräsentieren damit circa ein Drittel der gesamten deutschen Imkerschaft.

Inhaltlich ging es beim Imkertag diesmal vor allem um das weltweite Phänomen des Insektenrückgangs und die hohe Sensibilisierung in der Bevölkerung für das Thema. „Die Bienen befinden sich in einer Art Zangengriff“, sagte Dr. Gernot Spielvogel aus Memmingen. Nach den Worten des Geologen liege der Schwarze Peter aber nicht allein bei der Landwirtschaft. Landverbrauch, Straßenverkehr, Dieselsmog, Stickstoffemissionen: das alle seien Gründe für den Insektenrückgang. Und eben auch der Mobilfunk, weil er nahezu flächendeckend vorhanden und immer aktiv sei. In den elektromagnetischen Feldern, die vom Mobilfunk, aber auch von Überlandleitungen ausgehen, seien besonders die Bienen beeinträchtigt. Versuche hätten gezeigt, dass Bienen unter dem Einfluss elektromagnetischer Wellen mehr und mehr aggressiv werden, ihre Brut ausräumen und letztlich die gesamte Honigproduktion zum Erliegen kommt.

Ganz besonders im Focus steht dabei neue 5-G-Technologie. Sie werde von der Weltgesundheitsorgansation WHO als möglicherweise krebserregend eingestuft. „Würde ein Medikament als möglicherweise krebserregend eingestuft, bekäme es keine Zulassung“, sagte Spielvogel. Er plädierte deshalb für einen vernünftigen Umgang mit dem Mobilfunk. Natürlich wolle niemand zurück ins Mittelalter, doch sollten alle beteiligten so viel Einsicht haben, mit der neuen Technologie maßvoll umzugehen.

Was den Bienen noch zu schaffen macht, sind nach Aussage von Professor Dr. Dr. Randolf Menzel vom Institut für Biologie der Freien Universität Berlin Pflanzenschutzmittel. Besonders die Gruppe der Neonicotinoide seien „Gehirndrogen für Insekten“, sagte der Neurobiologe. Auch hier seien Bienen wieder besonders gefährdet, weil sie die Funktion des Umweltindikators hätten. Bienen könnten kommunizieren, sie seien in der Lage, Signale wahrzunehmen, sicher zu navigieren und ein gutes Gedächtnis auszubilden. Obwohl das Gehirn der Biene gerade mal so groß ist wie ein Sandkorn, befänden sich darin rund eine Million Nervenzellen.

Der Wissenschaftler hatte herausgefunden, dass diese Zellen selbst unter dem Einfluss extrem niedriger Dosen der Insektizide durcheinander geraten. Die Bienen seien in ihrer Wahrnehmung gestört und verlieren ihr Gedächtnis. In der Folge könnten sie beispielsweise nicht mehr nach Hause zurückkehren. Selbst wenn ein Insektizid als „bienenungefährlich“ deklariert werde, bedeutet dies noch lange nicht, dass es ungefährlich sei. Nach den Worten des Professors seien in Frankreich seit kurzem sämtliche Neonicotinoide verboten.

As wahre Fundgrube für alle Freunde der Biene stellte die Biologin und Naturheilkundlerin Dr. Elke Puchtler schließlich den Aromagarten Erlangen, einen Teil des dortigen Botanischen Gartens vor. Vom Bärlauch über das Duftveilchen bis zu Süßdolde sei dort auf 9000 Quadratmetern alles vertreten, was für die Artenvielfalt und damit auch für die Bienen wichtig sei.

Beim Bayerischen Imkertag wurde Eckhard Radke aus Dietmannsried mit der Zander-Medaille in Gold, der höchsten Auszeichnung des Landesverbandes Bayerischer Imker, ausgezeichnet. Radke war unter anderem von 2012 bis 2018 Präsident des Verbandes. Daneben ist er bis heute Präsidiumsmitglied auf Bundesebene. Er hatte das Patenimkermodell, das sogenannte „Dietmannsrieder Modell“ ins Leben gerufen und sei damit weit über die bayerischen Grenzen hinweg bekannt geworden, sagte der deutsche Imkerpräsident Peter Maske, der die Ehrung vornahm.

Der nächste Bayerische Imkertag findet am 5. und 6. September 2020 im niederbayerischen Ruhstorf an der Rott statt.

Bilder:
1.
 Die neuen und die bisherigen Honighoheiten mit Imkerverbandspräsident Stefan Spiegl und von BBV-Präsident Walter Heidl. Honigkönigin Katharina Gegg (sitzend links) und Honigprinzessin Alexandra Krumbachner (sitzend rechts). Sie lösten Katharina Eder (stehend lins) und Doris Grünbauer (stehend rechts) ab.
2.
 BBV-Präsident Walter Heidl bei der Inthronisation von Honigkönigin Katharina Gegg (links) und Honigprinzessin Alexandra Krumbachner.
3. Der Geologe Dr. Gernot Spielvogel aus Memmingen.
4. Der Neurobiologe Professor Dr. Dr. Randolf Menzel vom Institut für Biologie der Freien Universität Berlin.
5. Hohe Auszeichnung für Eckhard Radke aus Dietmannsried. Er wurde vom Deutschen Imkerpräsidenten Peter Maske mit der Zander-Medaille in Gold ausgezeichnet. Im Bild von links: Honigkönigin Katharina Gegg, Eckhard Radke mit Ehefrau Annemarie, der deutsche Imkerpräsident Peter Maske und der bayerische Imkerpräsident Stefan Spiegl.

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16.08.2019

Vom „Wooch-Heisla“ in den Schlachthof / In Kornbach bei Gefrees existiert eine der letzten noch voll funktionierenden Viehwaagen

Kornbach. In jedem Dorf gab es früher mindestens eine Viehwaage. Seit den 1980er Jahren wurden sie sukzessive abgebaut, Schlachtvieh wurde von nun an in den Schlachthöfen gewogen. Ein Ort, in dem noch immer eine geeichte Viehwaage existiert ist Kornbach, ein keiner Ortsteil von Gefrees im Landkreis Bayreuth. Eigentümer der Viehwaage mitten im Dorf ist die Stadt Gefrees. Dem Bauernverband wurde die Waage schon 1981 zusammen mit dem dazugehörigen Gebäude und der Zufahrt zur mietfreien Nutzung überlassen. Heute kümmert sich ein eigenes Team um den Erhalt des alten bäuerlichen Kulturgutes.

„Früher haben alle im Dorf Tiere gehalten, heute gibt es nur noch einen einzigen Nebenerwerbsandwirt, sagt Claudia Drescher, die sich zusammen mit einigen Mitstreitern rührend um die alte Viehwaage kümmert. Über den Bau und die Geschichte der Waage gibt es kaum noch Unterlagen. Weder bei der Stadt, noch im Dorf. Einzig die Nachkommen von Karl Brey, dem letzten vereidigten Wiegemeister besitzen noch das letzte Waagbuch, in dem Käufer, Verkäufer, die gewogenen Tiere und die Waaggebühren eingetragen wurden.

Mit Hilde der Gebühren wurde die Waage instand gehalten und geeicht, so Karin Brey. Ihr 2009 verstorbener Schwiegervater war in Kornbach der letzte amtlich vereidigte „Wäger“. 1955 hatte er beim Eichamt in Münchberg seine Prüfung abgelegt. Erzählungen aus dem Dorf zufolge hatte man ihn den Apotheker genannt, weil er sich immer sehr viel Zeit genommen habe, das Gewicht ganz genau zu ermitteln.

Aus den Aufzeichnungen von Karl Brey ergibt sich, dass die Waage zwischen 1971 und 1984 durchschnittlich 112 Mal pro Jahr genutzt wurde. 195 Tiere wurden dabei im Schnitt pro Jahr gewogen, hauptsächlich Schweine, Kühe, Kälber, Bullen, aber auch Hirschen und immer wieder Kleinvieh, also Schafe und Ziegen. Einmal soll sogar die Polizei gekommen sein, um ein Motorrad zu wiegen, das man ganz in der Nähe wegen offensichtlicher Überladung aus dem Verkehr gezogen hatte. Immerhin hat die Waage, deren Waagbalken von der Firma Steinbauer aus Eppingen stammt, eine Höchstlast von 1300 Kilogramm, wobei in 500-Gramm-Schritten gewogen wird. Nach 1984 ging die Zahl der gewogenen Tiere massiv zurück. Schon 1984 und 1985 waren es jährlich nur mehr etwa 130 Tiere, die gewogen wurden.

Als Erinnerung an die alten Zeiten, in denen die Viehwaage noch eine wichtige Rolle spielte, wird in Kornbach alljährlich am Pfingstmontag das „Woochheisla-Fest“, also das Fest zu Ehren des Waage-Häuschens, gefeiert. Dazu gibt es ein eigenes „Woochheisla-Team“, das aus einem Pferdestammtisch entstanden ist. 2002 habe mal wieder das Eichen angestanden, doch die 300 Euro dafür seien nicht aufzutreiben gewesen, erinnert sich Klaus Kopp, einer der Initiatoren des Festes. Auch ihm war daran gelegen, die alte Einrichtung in der Ortsmitte wiederzubeleben. Zwischenzeitlich wurde sogar ein neuer Dachstuhl aufgebracht und das Wiegehäuschen ein wenig erhöht, damit auch größere Pferde problemlos gewogen werden können. Auch mehrere kleine Schrifttafeln vermitteln dem Interessierten die Geschichte der Einrichtung.

Heuer am Pfingstmontag durfte das Team das Gewicht von immerhin 72 Pferden, fünf Hunden und fünf Zweibeinern feststellen. Zwei Euro kostete das Wiegen für die großen Tiere. Hunde und Menschen mussten nur die Hälfte zahlen. Schwiegermütter werden kostenlos gewogen, heißt es augenzwinkernd auf der Preisliste. Mit dem Erlös kann die Kornbacher Viehwaage regelmäßig geeicht werden. Das nächste „Wooch-Heisla-Fest“ findet am Pfingstmontag 2020 statt.

Bilder:
1.
 Mitten in Kornbach steht das Wiegehäuschen.
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 Claudia Drescher, Klaus Kopp, Karin Brey, Christine Seibel und Andrea Kraft (von links) kümmern sich liebevoll um den Erhalt des alten Kulturgutes.
3. So sieht es aus, wenn alljährlich zum Pfingstmontag in Kornbach die Pferde gewogen werden.

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24.07.2019

Schleppertour des Bauernverbandes: Artenvielfalt im Blick / Positive Zwischenbilanz zum Anbau der Energiepflanze Sylphie

Sachsendorf. Er habe schon immer die Artenvielfalt im Blick gehabt, sagt Landwirt Mario Güldner aus Sachsendorf bei Aufseß. Deshalb habe ihn auch das Volksbegehren zum Artenschutz und die damit verbundene Kritik an den Bauern sehr getroffen. Weil er mit gutem Beispiel vorangehen möchte hatte er auf einem Teil seiner Felder die durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum) angebaut und sich damit an einem von Umwelt- und Landwirtschaftsministerium geförderten Demonstrationsprojekt „Silphie-Anbau in der nördlichen Frankenalb“ beteiligt. Erste Ergebnisse stellten die Verantwortlichen bei der „Schleppertour“ des Bauernverbandes vor, mit der die vielfältigen Leistungen der Landwirtschaft herausgestellt werden sollen.

Der Anbau der Energiepflanze Sylphie, auch Becherpflanze genannt, leistet einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt, hielt Franz Moder vom Büro Opus (Ökologische Planungen, Umweltstudien und Service) als wichtigstes Ergebnis fest. Zusammen mit dem Geo-Team Bayreuth, einer Gesellschaft für umweltgerechte Land- und Wasserwirtschaft, und in Kooperation mit der Universität Bayreuth hatte er unter anderem die Auswirkungen auf die Umwelt untersucht und das Projekt naturschutzfachlich begleitet.

Auch die Bodenfauna hatte das Büro genau unter die Lupe genommen und war zu dem Ergebnis gekommen, dass sich allein 20 verschiedene Spinnenarten, dazu jede Menge Laufkäfer und Regenwürmer in der Erde tummeln. Was blütensuchende Insekten angeht, sei die Energiepflanze ohnehin nahezu unschlagbar. Nachdem die Pflanze den Boden das ganze Jahr über begrünt, liege der Restnitratgehalt deutlich unter dem von Mais, so Reinhard Wesinger vom Geo-Team.

Dabei sei die durchwachsene Silphie nicht nur aus landwirtschaftlicher, sondern genauso aus wasserwirtschaftlicher Sicht von Bedeutung, sagte Walter Fischer von der Regierung von Oberfranken. Zumindest ab dem zweiten Jahr sei kaum mehr Unkrautbekämpfung notwendig, die Silphie halte das Nitrat zurück und funktioniere als ausgezeichneter Erosionsschutz.

Es gehe nicht darum, den Mais komplett zu ersetzen, vielmehr sollten Alternativen geboten werden, so Klaus Schiffer-Weigand vom Fachzentrum Diversifizierung und Strukturentwicklung am Amt für Landwirtschaft in Münchberg. Als entscheidenden Vorteil sprach er davon, dass die Silphie eine Dauerkultur sei, die nicht jährlich neu angesät werden müsse. Die Artenvielfalt sei auf jeden Fall gegeben, das werde schon alleine daran deutlich, dass man es auf fast jeder Blüte summen hört. Dazu sei die Silphie im Kultur- und Landschaftsprogramm Kulap enthalten und für Greening-Maßnahmen geeignet.

Insgesamt sind es im Landkreis Bayreuth 50 Landwirte, die sich mit 70 Feldstücken und insgesamt 110 Hektar an dem Projekt beteiligen. Damit hatte sich die Anbaufläche in den zurückliegenden beiden Jahren nahezu verdoppelt.

Als Energiepflanze kann die durchwachsene Silphie unter Umständen den Mais gut ergänzen, sagt Kreisobmann Karl Lappe. Die Silphie stehe auch symptomatisch für die Vielfalt des landwirtschaftlichen Pflanzenbaus, neben Getreide, Mais und Hackfrüchten (Kartoffeln, Futterrüben, Feldgemüse) auch Lein (Flachs), Kleegras und Sonnenblumen anbaut. Schließlich ist auch die Abnahme der Silphie gesichert, sie wird größtenteils in die Hollfelder Biogasanlage geliefert.

Bild: Ein Silphie-Feld zwischen Sachsendorf und Hollfeld bildete die Kulisse für die Schleppertour des Bauernverbandes, bei der alle Beteiligten auf die vielfältigen Leistungen der Landwirtschaft zum Artenschutz hingewiesen hatten.

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03.07.2019

Prädikat für ein Juwel der Teichwirtschaft / Münchteich bei Kothigenbibersbach zum Kulturgut erklärt

Kothigenbibersbach. Der Münchteich bei Kothigenbibersbach, Gemeinde Thiersheim im Landkreis Wunsiedel, ist ganz offiziell zu einem überregional bedeutsamen Kulturgut erklärt worden. Der Weiher präge seit Jahrhunderte die Landschaft, werde bis heute teichwirtschaftlich genutzt und trage maßgeblich zum Erhalt der Artenvielfalt bei, heißt es auf der Urkunde, die der Direktor der Bezirksverwaltung Peter Meyer und der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Dr. Peter Thoma an die Eigentümer und den Bewirtschafter überreichten. Vergeben wird die Auszeichnung „Kulturgut Teich“ seit 1998 von der Teichgenossenschaft. Dokumentiert wird die Auszeichnung durch eine Informationstafel, die nahe des Münchteichs wurde.

Neben einer traditionsreichen Geschichte komme es dabei vor allem auf die landschaftsprägende und ökologische Bedeutung an, erläuterte Vorsitzender Thoma. Die Auswahl treffe dabei eine Jury, die sich aus Vertretern der Teichgenossenschaft, des Bezirks Oberfranken und dessen Fachberatung für Fischerei besteht. Aufgrund seiner traditionsreichen Geschichte stelle der Münchteich innerhalb der oberfränkischen Teichlandschaft ein herausragendes Kulturgut dar, begründete Thoma die Entscheidung.

Die erste urkundliche Erwähnung des Münchteichs ist auf das Jahr 1499 datiert. Wahrscheinlich ist der Teich aber noch viel älter. Zunächst gehörte er dem Orden der Barfußmönche in Eger, später hatten ihn sechs Mühlen in der Umgebung erworben und genutzt. Die Mühlen gibt es heute längst nicht mehr, den Teich schon. Er gehört Georg Tröger und Artur Steinel und wird von dem Teichwirt Markus Fuchs bewirtschaftet.

„Der Münchteich ist seit 500 Jahren ein fester Bestandteil der Landschaft und trägt drüber hinaus viel zur heimischen Artenvielfalt bei“, sagte Peter Meyer vom Bezirk Oberfranken. Meyer erinnerte auch an die lange Tradition der Teichwirtschaft im Wunsiedler Becken, die auf das Zisterzienserstift Waldsassen zurückgeht. Aber auch klimatisch stellt die Region eine Besonderheit dar. Durch die kühleren Temperaturen benötige der Karpfen zwar länger bis zu Reife, besitze dafür aber eine ganz herausragende Qualität.

Als örtliche Besonderheit wurde auf Initiative des Thiersheimer Heimatpflegers Siegfried Schelter gleich neben der neuen Informationstafel ein Flurnamenstein errichtet, der ebenfalls auf den Münchteich hinweist.

Bilder:
1. Der Direktor der Bezirksverwaltung Peter Meyer (rechts) und der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Dr. Peter Thoma haben die neue Informationstafel nahe des Münchteichs enthüllt.
2. Urkunden gab es für die Eigentümer des Münchteichs Arthur Steinel und Georg Tröger aus den Händen des Vorsitzenden Dr. Peter Thoma und Peter Meyer vom Bezirk Oberfranken, sowie für den Bewirtschafter Markus Fuchs (von links), im Bild mit den Kindern Fiona und Philipp.

3. Wanderer und Spaziergänger werden künftig mit dieser Informationstafel und einem Flurnamenstein an die traditionsreiche Geschichte des Münchteichs erinnert.

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30.06.2019

Trachten, Traktoren und Tradition / Wochenende der Landwirtschaft bei Landtechnik Nicklas lockte trotz der Hitze viele hundert Besucher nach Schirradorf

Schirradorf. In seinen Adern fließt kein Blut, in seinen Adern fließt Benzin: Raimund Schramm (55) aus dem kleinen Örtchen Dankenfeld im unterfränkischen Landkreis Haßberge. Zusammen mit Tochter Katharina und Sohn Johannes hatte er am Sonntag bei der traditionellen Oldtimerrundfahrt beim Tag der Landwirtschaft in Schirradorf teilgenommen.

Er selbst mit einem Johan Deere Lanz 500 aus dem Jahr 1964, Johannes mit einem John Deere 820 Baujahr 1975, Katharina mit einem Lanz 2016 von 1958 mit immerhin 230 PS. Weil die Anfahrt mit den drei historischen Schleppern aus Dankenfeld über dreieinhalb Stunden dauert, war die Familie bereits am Vorabend angereist und hatte in Schirradorf übernachtet. 15 Liter braucht der John Deere Lanz auf 100 Kilometer, aber das zählt in diesem Falle nicht. „Was zählt ist der Spaßfaktor“, so der Oldtimerfreund und Kfz-Mechaniker, der auch stellvertretender Vorsitzender des mitveranstaltenden John-Deere-Fanclubs ist.

Die große Oldtimerrundfahrt durch Schirradorf mit dem Firmengelände des Landtechnikunternehmens Nicklas als Start und Ziel war einmal mehr der Höhepunkt des Familiensonntags. 30 historische Traktoren waren diesmal dabei, starke Abordnungen schickten unter anderem die Bulldog-Freunde Rotmaintal, die Traktorfreunde Kirchleus-Lösau und als stärkste Gruppe die Traktorfreunde Altenplos. Zu den ältesten Fahrzeugen gehörte dem Organisator Friedbert Weiß vom John-Deere-Fanclub zufolge ein Güldner GUN, mit dem Dieter Thein aus Ruppach vorgefahren war. Die längst aufgelösten Güldner Motorenwerke Aschaffenburg hatten den Schlepper 1950 gebaut.

Bei der Rundfahrt gab es beispielsweise einen Eicher Panther mit 19 PS aus dem Jahr 1961 zu bestaunen. Das Fahrzeug gehört Norbert Tribhe von den Bulldog Freunden Rotmaintal. Kenner der Szene staunten ebenfalls über einen Kramer KLS 140 mit 14 PS. Das reichte in diesem Fall aus, denn der Besitzer Sebastian Born kam direkt aus dem benachbarten Wonsees. Hersteller wie Eicher, Allgaier oder McCormick sind heute längst Geschichte und wer hätte gedacht, dass Porsche bis 1963 tatsächlich auch Traktoren gebaut hat. Ein besonders schönes Exemplar machte sich mit einem Standard Star 219 immerhin mit 30 PS auf dem Weg durch Schirradorf und hatte auch bei den Steigungen nicht die geringsten Probleme. Am Steuer des immerhin 40 PS starken Gefährts saß der Besitzer Georg Düthorn aus Görau. „Überhaupt habe es keine besonderen Vorkommnisse gegeben, so Organisator Friedbert Weiß, auch wenn einige der älteren Maschinen am Berg schon alles geben mussten.

Einen besonderen Blickfang hatte Andreas Dormann aus Wüstenstein bei Wiesentthal in der Fränkischen Schweiz mit diesem Mercedes 170 DA OTP mitgebracht. Das 40 PS starke Fahrzeug wurde 1951 als Polizeifahrzeug beim Bundesinnenministerium in Bann zugelassen und befindet sich noch heute im Topzustand.

Überhaupt war am Sonntag in der großen Halle von Edwin Nicklas, wo sonst die schweren Schlepper und Mähdrescher stehen einiges geboten. Da gab es trachtiges für Damen und Herren sowie Kindermode samt Accessoires zu sehen, authentisch vorgeführt von 17 Damen und Herren. „Wir zeigen Trachtenmode für die ganze Familie, modisch, elegant und zünftig“, sagte Annelinde Rußwurm vom gleichnamigen Landhausmodengeschäft in Schwürbitz.

Eingebettet war die Vorführung in ein buntes Programm, das trotz tropischer Temperaturen viele hundert Besucher auf das Betriebsgelände der Firma Nicklas gelockt hatte. Da gab es Roulade und Schäuferla mit Kloß und Kraut, Backwaren und Bauernhofeis. Hoher Besuch war mit dem bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger schon am Freitag auf dem Firmengelände. Nun startete der Familiensonntag mit einem Gottesdienst, den der Posaunenchor Wonsees und der Landfrauenchor Kulmbach feierlich umrahmten und den der evangelische Pfarrer Daniel Städler aus Wonsees zelebriert hatte.

Bilder:
1.
 Raimund Schramm aus Dankenfeld  mit seinem Jahn Deere Lanz 500 aus dem Jahr 1964.
2.
 Marcel Merkmann aus Untersteinbach zeigt seinen 18 PS starken John Deere Lanz 100.
3.
 Mit Gleichgesinnten fachsimpeln, das war beim Tag der Landwirtschaft in Schirradorf immer wieder zu erleben.
4.
 Trotz tropischer Temperaturen machten sich am Sonntag 30 Traktoren auf einer Rundfahrt durch Schirradorf.
5.
 Dort, wo sonst Traktoren und Mähdrescher ausgestellt werden, gab es zum Wochenende der Landwirtschaft eine unterhaltsame Modenschau. Dabei zeigten diese Models, dass Tracht längst wieder in ist.

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28.06.2019

Kümmel, Klatschmohn und Königskerzen: Staatsforsten sorgen für blühenden Wald – Artenschutz schon vor dem Volksbegehren

Pottenstein. Artenschutz ist in aller Munde. Kaum bemerkt von der Öffentlichkeit haben die Bayerischen Staatsforsten schon im vergangenen Jahr damit begonnen, entsprechende Blühflächen auf ihren Flächen anzulegen. „Wir haben viereinhalb Hektar Blühflächen in allen unseren Revieren angelegt“, sagte Gerhard Steininger, Servicestellenleiter des Forstbetriebs Pegnitz bei einem Ortstermin mit der Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer.

Kümmel, Schafgarbe, Klatschmohn, Totklee, Königskerzen, Spitzwegerich: in der neu angelegten, rund 0,15 Hektar großen Fläche mitten in einem Waldstück zwischen Prüllsbirkig und Haselhof bei Pottenstein summt und brummt es. Nahezu alle blütensuchenden Insektenarten würden dadurch begünstigt, vor allem Wildbienen, aber auch Schmetterlinge und viele Käferarten, so Thomas Kreil vom Forstbetrieb. Auch insektenfressende Vögel und Bodenbrüter würden von den Blühflächen profitieren. Möglich machten dies über 30 Kräuter und vier Grassorten der speziellen Saatgutmischung, die von den Forstleuten im vergangenen Jahr ausgebracht wurden. Fünf Jahre lang soll die Fläche jeweils von Anfang ai bis Ende September aufblühen, langfristig sei die Überführung in blütenreiches Dauergrünland geplant, sagt der stellvertretende Leiter des Forstbetriebs Eduard Meyerhuber.

Was von den Staatsforsten tatkräftig umgesetzt wird, finanziert der Freistaat über das Sonderprogramm Naturschutz mit dem Titel: Der Wald blüht auf“. Oberstes Ziel sei es, die Artenvielfalt zu erhöhen, erklärte die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Ganz wichtig: Staatsregierung und Staatsforsten hätten das Programm lange vor dem umstrittenen Volksbegehren zum Artenschutz umgesetzt. Brendel-Fischer begrüßte das Engagement aller Beteiligten und nannte die Aktion absolut vorbildlich. „Das ist praktizierter Artenschutz“, sagte sie. Jeder Euro, der dafür ausgegeben wurde sei gut angelegtes Geld.

Bild: Ortstermin auf einer Blühwiese in eine Waldstück bei Pottenstein (von links): Thomas Kreil, Eduard Meyerhuber, die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer und Gerhard Steininger.

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27.06.2019

Mehr gesunder Menschenverstand / Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger beim Schirradorfer Bauerntag

Schirradorf, Lks. Kulmbach. Ein klares Bekenntnis zur bäuerlichen Landwirtschaft haben sämtliche Redner beim Schirradorfer Bauerntag abgelegt. Allen voran Hubert Aiwanger, bayerischer Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident. „Wir brauchen uns nicht zu verstecken und wir brauchen uns auch nicht belehren lassen“, sagte Aiwanger in der großen Halle des Landtechnikunternehmens Nicklas. Die Bauern seien die Garanten dafür, dass dieses Land ernährt wird und dass es so schön erhalten wird, wie es ist. Diese Leistung wollten die Bauern aber auch ehrlich anerkannt wissen.

Freilich wusste auch der Wirtschaftsminister, dass sich die Landwirtschaft derzeit so sehr an den Pranger gestellt sieht, wie nie zuvor. Er verteidigte, dass die Staatsregierung das Volksbegehren angenommen hatte und nun mit einem Begleitgesetz für Entschärfungen sorgen möchte. „Hätten wir das nicht getan, wäre das Begehren bei einem Volksentscheid im Herbst eins zu eins umgesetzt worden.“ Dies habe man verhindert. Aiwanger zeigte sich überzeugt, davon und versprach auch sich dafür einzusetzen, dass die Staatsregierung nun das Beste aus der Situation machen werde. „Wir haben gerettet, was zu retten war“, sagte er. Aiwanger sagte aber auch: „Ich finde es nicht in Ordnung, dass der Bauernverband uns dafür jetzt kritisiert“.

Vor dem Hintergrund einer „gefährlichen Entfremdung der Bevölkerung von der Landwirtschaft“ plädierte der Minister wieder für mehr gesunden Menschenverstand. Freilich müsse alles seine Ordnung haben, doch gewisse Spielräume seien immer möglich. Und deswegen werde er alles daran setzen, um zu verhindern, dass die Landwirtschaft jetzt wieder in die Bredouille gebracht wird.

Zuvor hatte Kreisobmann Wilfried Löwinger ein düsteres Bild des Berufsstandes gezeichnet. Düngeverordnung, Blauzungenkrankheit, Wolf und jetzt auch noch das Volksbegehren. Viele Landwirte hätten Angst vor der Zukunft. Fachliches Wissen zähle nicht mehr, stattdessen gehe es nur noch um Ideologie. Mit der Trockenheit und den heißen Temperaturen im Juni drohe den Bauern neues Ungemach. Noch seien die Folgen der Dürre des vergangenen Jahres nicht überwunden, da gebe es schon wieder keine nennenswerten Niederschläge. „Wir befürchten schlimmstes“, sagte Löwinger. Wenn es so weitergeht, werde es noch eine größere Katastrophe geben als im zurückliegenden Jahr, weil unter anderem die Futtervorräte aufgebraucht sind.

Über Personal- und Fachkräftemangel klagte Edwin Nicklas, Chef des Schirradorfer Landtechnikunternehmens. „Ich weiß nicht, wo die künftigen Handwerker herkommen sollen“, sagte er und kritisierte die hohen Abitur- und Studienquoten. Kritisch stufte Nicklas auch die Europäische Datenschutzgrundverordnung ein, die in Deutschland gleich zu 200 Prozent umgesetzt worden sei. Ihm als typischen mittelständischen Betrieb habe dies bereits eine fünfstellige Summe und viel, viel Zeit gekostet.

Großen Einsatz für die heimischen Bauern versprach der Landtagsabgeordnete Rainer Ludwig. Arbeitsplätze, vorbildlicher Umweltschutz, innovative Energiekonzepte aber auch Tradition und Brauchtumspflege: all das mache die Landwirtschaft in Bayern aus und deswegen sei es so wichtig, die Bauern zu stärken. Nicht zulassen dürfe man dagegen, dass die gesamte Branche schlecht geredet wird. Ludwig: „Wir sehen sie in der Mitte unserer Gesellschaft, sie genießen Vertrauen, Respekt und höchste Wertschätzung.“

Bilder:
1.
 "Ich will unsere bäuerliche Landwirtschaft erhalten“: der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger beim Schirradorfer Bauerntag.
2.
Die Kulmbacher BBV-Kreisvorstandschaft traf sich auf dem Gelände des Landtechnikunternehmens Nicklas in Schirradorf zum Meinungsaustausch mit dem bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger.
3. Einen Präsentkorb mit Spezialitäten aus der Genussregion Oberfranken überreichten Kre
isobmann Wilfried Löwinger (rechts) und Friedbert Weiß (links) vom mitveranstaltenden John-Deere-Fanclub an Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger.

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12.06.2019

Naturschutz und Landwirtschaft an einem Tisch: Ausstieg bedeutet Artenverlust / Zehn Jahre „Wiesenmeisterschaft“: BN und LfL ziehen positive Bilanz

Körbeldorf. Neben dem weiteren Ausbau der Förderung extensiver Wiesen- und Weidebewirtschaftung fordert der Bund Naturschutz mehr Fachkräfte an den Unteren Naturschutzbehörden und eine aktive Programmberatung an den Ämtern für Landwirtschaft. „Notwendig ist eine bessere Beratung und eine bessere Ausstattung der Naturschutzbehörden“, sagte BN-Agrarreferentin Marion Ruppaner bei einer Bilanz zu zehn Jahren „Wiesenmeisterschaft“ auf dem Betrieb von Günter Braun und Gertraud Wagner-Braun in Körbeldorf bei Pegnitz im Landkreis Bayreuth.

Das Ziel dieser „Wiesenmeisterschaft“ könnte vor dem Hintergrund des Volksbegehrens zum Artenschutz aktueller nicht sein: „Wir wollen die Leistungen der Landwirte für die Artenvielfalt durch eine extensive und besonders umweltgerechte Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden würdigen“, sagte Marion Ruppaner. Gleichzeitig soll die Aktion ein Impuls sein, sich intensiver mit der Artenvielfalt zu beschäftigen.

Zehn Jahre nach der ersten „Wiesenmeisterschaft“ haben der BN sowie die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) nun noch einmal nachgefragt, wie die Preisträger der zurückliegenden Jahre die Situation der artenreichen Wiesen und Weiden auf ihren Betrieben bewerten. Das Ergebnis sei durchwegs positiv ausgefallen. Die Möglichkeit, den Wiesenaufwuchs wirtschaftlich für die Fütterung zu nutzen sowie gut ausgestattete und langfristig sichere staatliche Förderprogramme seien ein wesentlicher Anreiz für die Bauern extensive Wiesen nicht nur zu erhalten, sondern auch weiterhin extensiv zu nutzen. Dazu sei allerdings eine neutrale Beratung seitens der Ämter notwendig, sagte Marion Ruppaner. Noch immer komme es vor. Dass den Landwirten von vornherein abgeraten wird.

Extensiv nutzen, das macht auch die Familie Braun auf ihrem Naturland-Betrieb im Pegnitzer Ortsteil Körbeldorf unmittelbar an der A9 im Landkreis Bayreuth. Der Vollerwerbsbetrieb mit Milchviehhaltung hatte mit dem Konzept einer abgestuften Nutzung bei den „Wiesenmeisterschaften“ 2010 den zweiten Platz erreicht. Abgestuft heißt, dass der wüchsigere Unterhang der rund 1,6 Hektar großen Wiese zwei Mal pro Jahr gemäht wird und vorrangig als Futterfläche für das Fleckvieh dient. Am Oberhang hatte sich ein landschaftstypischer Halbtrockenrasen mit über 40 Kräutern und Leguminosen entwickelt, der nur einmal pro Jahr gemäht wird und durch mehr als acht Rote-Liste-Arten besticht.

Günter Braun hatte 1993 den damals im Nebenerwerb geführten elterlichen Betrieb übernommen und auf ökologischen Landbau umgestellt. Mittlerweile bewirtschaftet das Ehepaar 140 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 45 Hektar Ackerland und 95 Hektar Grünland. In dem Außenklimastall am Ortsrand haben 80 Milchkühe, 50 Jungrinder und 25 Mastrinder Platz und Auslauf. Zur Fütterung wird ausschließlich hofeigenes Futter eingesetzt.

So wie die Familie Braun haben sich an den „Wiesenmeisterschaften“ in den zurückliegenden zehn Jahren über 450 Landwirte beteiligt, ein knappes Drittel davon waren Ökobetriebe. Fast alle „Meisterwiesen“ der jeweils fünf Erstplatzierten existierten noch, sagte Ruppaner. Damit

Laut Sabine Heinz von der LfL sind die Artenzahlen auf Flächen mit Agrarumweltmaßnahmen eindeutig höher, als auf Flächen ohne Maßnahmen. Oft liege die Artenzahl auch deutlich höher als der bayerische Durchschnitt von derzeit 20 Arten pro 25 Quadratmeter. Die Neuaufnahme, beziehungsweise Beibehalten von Agrarumweltmaßnahmen lassen die Artenzahlen nochmals steigen, während umgekehrt der Ausstieg einen Artenverlust bedeutet. „Wenn öfter gemäht wird, geht auch die Zahl der für Bestäuber attraktiven Blüten zurück“, sagte Sabine Heinz.

Für den 22. Oktober kündigte BN-Sprecherin Marion Ruppaner ein Symposium zu dem Thema im Landwirtschaftsministerium an. Bis dahin soll nicht nur eine ergänzte und aktualisierte Broschüre zu zehn Jahren Bayerische „Wiesenmeisterschaften“ erscheinen,  auch wie die Aktion fortgeführt wird, soll dann bekanntgegeben werden.

Bild: Hier wird ausschließlich hofeigenes Futter verwendet (von links): Sabine Heinz von der LfL, BN-Agrarreferentin Marion Ruppaner, sowie Gertraud Wagner-Braun und Günter Braun.

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02.06.2019

Bezirkschöretreffen in Bischofsgrün / Bayreuther Landfrauenchor feierte 40-jähriges Bestehen

Bischofsgrün „Wenn mal ein falscher Ton dabei ist, dann ist es halt so“. Die Bayreuther Kreisbäuerin Angelika Seyferth bringt es auf den Punkt, was das Singen im Landfrauenchor ausmacht: Singen in der Gemeinschaft, Pflege von Tradition, Geselligkeit und Miteinander. Auch das Bezirkschöretreffen zum 40. Geburtstag des Bayreuther Landfrauenchors im Kurhaus von Bischofsgrün war kein Wettbewerb, sondern eine Zusammenkunft von allen, die Freude an der Musik haben.

40 Jahre ist der Bayreuther Landfrauenchor jung und damit der drittälteste in Oberfranken nach Wunsiedel und Kronach. Mit Anne Gubitz, Elisabeth Haupt, Erna Will und Margarethe Bauernfeind gibt es noch vier Gründungsmitglieder, von denen sich drei auch beim Chöretreffen in Bischofsgrün dabei waren. Für Margarethe Bauernfeind nahm ihre Tochter Elisabeth Raps die Urkunde aus den Händen von Landesbäuerin Anneliese Göller entgegen. Die große Urkunde zum 30-jährigen Bestehen ging an die Chorbeauftragte Helga Vogel.

Neben dem Bayreuther Landfrauenchor unter der Leitung der engagierten Kirchenmusikerin Martina Schill aus Creußen traten beim Bezirkstreffen in Bischofsgrün die Chöre aus Hof, Coburg, Bamberg und Lichtenfels aus. Letzterer ist noch älter als der Bayreuther Chor und hat die Feier zum 40. Geburtstag bereits hinter sich. Hier besteht sogar die Hälfte des Chores noch aus Gründungsmitgliedern. 30 Jahre jung wurde heuer der Coburger Chor, der in einer erneuerten Coburger Tracht auftrat. Mit 13 Jahren ist der Bamberger Chor relativ jung, dafür zählt er von der Mitgliederzahl her zu den stärksten. Bleibt noch der Hofer Chor, der erst zwei Tage zuvor ebenfalls sein 30-jähriges Bestehen gefeiert hatte. Die Liedauswahl des Bezirkschöretreffens reichte von geistlichem Liedgut über volkstümliche Weisen bis hin zu Schlagern und Pop-Songs.

Es kommt nicht auf den Ton und den Text an, wichtig sei es, dass das Singen seinen Zweck erfüllt und der ist ganz einfach die Freude, sagte Pfarrerin Beate Winkler zu Beginn des Treffens. Sie stellte auch fest: „Singen ist eine Gabe Gottes, die jedem geschenkt wurde“. Das Gefühl anderen Menschen eine Freude zu bereiten, das sei der Lohn für die vielen Singstunden, so Kreisbäuerin Angelika Seyferth. Als die sympathischen Botschafter des Berufsstandes bezeichnete Landesbäuerin Anneliese Göller die Landfrauenchöre. „Singende Bäuerinnen schlagen eine Brücke und die Landwirtschaft zeigt sich mit einem anderen Gesicht.“

Bilder oben:
1. Landfrauenchor Bayreuth.
2.
  Bezirkschorbeauftragte Karin Wolfrum (links), Dieter Heberlein von der Bezirksgeschäftsstelle und Landesbäuerin (Anneliese Göller (2. von rechts) überreichten an Helga Vogel eine Urkunde zum 40. Geburtstag des Bayreuther Landfrauenchors.

Im Uhrzeigersinn: die Landfrauenchöre Coburg. Lichtenfels, Bamberg und Hof.

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01.06.2019

Milch im Mittelpunkt / Käsesommelier beim Milchmarkt am Maxplatz

Hof. Zum Tag der Milch hat der Bauernverband den traditionellen Wochenmarkt am Hofer Maxplatz diesmal durch einen eigenen Milchmarkt bereichert. Zusammen mit der neuen bayerischen Milchprinzessin Miriam Weiß aus Kempten und Käsesommelier Markus Raupach aus Bamberg rührte die Vorstandschaft die Werbetrommel für Milch und Käse sowie das breite Sortiment regionaler Molkereien.

Von den rund 1100 landwirtschaftlichen Betrieben im Landkreis Hof produziere nahezu die Hälfte Milch, die von regionalen Molkereien verarbeitet wird, erläuterte Kreisobmann Hermann Klug. Ihm und seinen Berufskollegen ging es vor allem darum, über Erzeugerpreise und die kritische Situation in der Milchwirtschaft zu informieren. „Wir möchten die Verbraucher in der Region dafür sensibilisieren, dass Schleuderpreise für Lebensmittel eine nachhaltige Landwirtschaft und eine Lebensmittelerzeugung zu hohen Standards unmöglich machen“, so Klug.

Das wusste auch der Hofer Oberbürgermeister Harald Fichtner, der die Aktion des Bauernverbandes nachdrücklich unterstützte. Freilich freue sich der Verbraucher zunächst einmal über günstige Lebensmittelpreise. Doch Fichtner zeigte ich auch überzeugt davon, dass viele Menschen bei besserer Kenntnis durchaus auch bereit wären, mehr Geld für die hohe Qualität der Lebensmittel auszugeben. Fichtner warb zugleich auch für den Hofer Wochenmarkt: „Wer hier kauft, der kann sicher sein, dass die Produkte aus der Region kommen und nicht kreuz und quer durch Europa gekarrt wurden.

Werbung für Franken als Genussregion machte schließlich auch Käsesommelier Markus Raupach, der bereits zahlreiche Bücher zum Thema Essen und Trinken in Franken veröffentlicht hatte. Franken sei zwar nicht das Land, das den Käse erfunden hatte, aber das Land, das ihn beständig weiterentwickelt, so Raupach. Er kritisierte vor allem, dass hierzulande noch immer so viele Lebensmittel einfach weggeworfen werden. Nicht das Mindesthaltbarkeitsdatum sei immer ausschlaggebend. Bestes Beispiel dafür sei ein reifender und sich immer weiter entwickelnder Käse.

Zusammen mit Milchprinzessin Miriam Weiß bereitete der Käsesommelier zahlreiche Variationen und Genusskombinationen zu, die von den Besuchern des Milchmarktes gleich vor Ort verkostet werden konnten. Bürgermeister Fichtner, der Zweite Bürgermeister Eberhard Siller und der Landtagsabgeordnete Alexander König, die SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat Eva Döhla und Kreishandwerksmeister Christian Herpich hatten danach die Aufgabe leckere Brotzeitvariationen mit Käse und heimischen Kräutern zuzubereiten und damit auf die verschiedenen Produkte hinzuweisen, die aus regionaler Milch hergestellt werden.

Bilder:
1.
 Käsesommelier Markus Raupach und Milchprinzessin Miriam Weiß rührten die Werbetrommel für Milch und Käse.
2.
 Kreisbäuerin Karin Wolfrum (rechts) stellten verschiedene Kostproben zusammen.
3. Milchprinzessin Miriam Weiß blickt dem Hofer Oberbürgermeister Harald Fichtner beim Zubereiten einer Brotzeit aus regionalen Zutaten über die Schulter.

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29.05.2019

Fisch aus heimischer Produktion: Gesund, leicht verdaulich und kalorienarm / Teichgenossenschaft eröffnete oberfränkische Fischgrillsaison

Büchenbach. Es muss nicht immer Fleisch sein. Auch Fisch aus heimischen Gewässern kann durchaus auch auf dem Grill landen. Dafür setzt sich seit Jahren die Teichgenossenschaft Oberfranken ein. Mit Erfolg: Längst ziehen viele Verbraucher Bachsaiblinge und Regenbogenforellen den sonst üblichen Steaks und Bratwürsten vor. Um die heimische Fischvielfalt noch bekannter zu machen, eröffnet die Teichgenossenschaft alljährlich werbewirksam die Fischgrillsaison. Diesmal auf dem Vollerwerbsbetrieb von Karl-Heinz Herzing in Büchenbach bei Pegnitz im Landkreis Bayreuth. 

Karl-Heinz Herzing, der als Beirat die Interessen der Teichgenossenschaft für den Landkreis Bayreuth vertritt, ist der Inhaber des seit 30 Jahren aus Naturteichen bestehenden Quellwasserbetriebes. Seine Fische stammen ausschließlich aus eigener Zucht. In der Hauptanlage am Ortsrand von Büchenbach werden die Fische als Sömmerlinge und Satzfische gezüchtet und verkauft. In einem weiteren Quellwasserbetrieb im nahen Bodendorf hält er Bachforellen, Bachsaiblinge und Regenbogenforellen als Speisefische für den Besatz in heimischen Gewässern. Im Bruthaus Birklmühle erfolgt die Erbrütung zum Sömmerling.

„Wir wollen den Verbrauchern mit unserer Aktion das regionale Lebensmittel Fisch näher bringen“, sagt Dr. Peter Thoma, Vorsitzender der Teichgenossenschaft. Von einer steigenden Nachfrage berichtete auch Bezirkstagspräsident Henry Schramm. Fisch aus heimischer Produktion sei gesund, leicht verdaulich, kalorienarm und die Transportwege vom Erzeuger zum Verbraucher seien extrem kurz.

Das war auch für Tim Pargent, Landtagsabgeordneter der Grünen aus Bayreuth, ein wichtiges Argument. Es könne nicht sein, dass beispielsweise Shrimps aus großen Aquakulturen in den Skandinavischen Ländern nach Afrika zur Weiterverarbeitung transportiert werden, um anschließende in unseren Supermärkten zu landen. „Dabei haben wir doch alles, was wir brauchen“, so Pargent, der ganz besonders die Arbeit der Teichwirte für die Artenvielfalt herausstellte.

Das soll in Zukunft auch so bleiben, sagte der Abgeordnete, der sich für einen offenen Dialog mit den Teichwirten aussprach. Bezirkstagspräsident hatte bereits zuvor die immer größer werdenden Herausforderungen angesprochen und als Beispiel den Fischotter erwähnt, der längst auch im Landkreis Bayreuth zur Bedrohung geworden sei. „Für viele Kleinbetriebe lohnt sich die Teichwirtschaft einfach nicht mehr, weil das Risiko zu groß ist“, sagte Schramm. Doch die Betriebe sind wichtig, denn so Karl-Heinz Herzing: „Fischer und Teichwirte sind mit Leib und Seele Naturschützer.“

Bilder:
1. Grillmeister Gerhard Rudolf vom Forellenhof Deusdorfer Mühle im Landkreis Bamberg demonstrierte, wie hervorragend sich heimischer Fisch auf dem Grill eignet.
2.
Fisch als Grillgut, dafür warben (von links) Vorsitzender Dr. Peter Thoma, MdL Tim Pargent, der 2. Bürgermeister von Pegnitz Wolfgang Nierhoff, Dr. Thomas Speyerl von der Fischereifachberatung des Bezirks, Margit und Karl-Heinz Herzing, Bezirkstagspräsident Henry Schramm und Grillmeister Gerhard Rudolf von der Deusdorfer Mühle.

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20.05.2019

Freiwilligkeit statt Ordnungsrecht / Volksbegehren und Versöhnungsgesetz Ministerin Kaniber startete in Oberfranken Reihe der Regionalkonferenzen

Kulmbach. Das Maß ist längst voll, das Ende der Fahnenstange ist erreicht, die Bauern werden enteignet: Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber musste sich zum Auftakt der bayernweiten Regionalkonferenzen zum Volksbegehren Artenschutz in der Kulmbacher Stadthalle harsche Kritik von Seiten der Bauern anhören.

Nach französischem Vorbild waren viele der Bauern in Gelbwesten angetreten, hatten Transparente dabei und Trillerpfeifen. Die Stimmung war angeheizt und obwohl der neue Kulmbacher Amtschef Michael Schmidt an die Bauern appellierte, sich mit Pfeifkonzerten zurückzuhalten, musste die Ministerin manch persönlichen Angriff hinnehmen.

„Sie können wunderschön reden, aber die Wirklichkeit sieht ganz anders aus“, sagte Landwirt Peter Hofmann aus dem Landkreis Forchheim. Sie sehe es als Armutszeugnis für die Politik, wenn eine Ministerin durchs Land reisen muss, um die Bauern wieder einzufangen, so die Wunsiedler Kreisbäuerin Karin Reichel. Landwirt Hermann Hildner aus dem Landkreis Kulmbach mutmaßte gar, dass zwei Prozent an Bauern geopfert werden, um die Wähler in der Stadt wieder einzufangen.

Viele Redner äußerten aber auch schlicht und einfach ihre tiefen Sorgen und Zukunftsängste. „Mir wird Angst um meinen Berufsstand“, so die Coburger Kreisbäuerin Heidi Bauersachs. Vieler sind einfach nicht mehr bereit, nach ihrer Ausbildung in diesem Beruf zu bleiben, so Wolfgang Schultheiß aus dem Landkreis Coburg. Von einer klaren Enteignung sprach Peter Hofmann: „Von Landwirten erschaffene Biotope werden unter Schutz gestellt, damit sind sie nichts mehr wert.“

Ministerin Kaniber hatte zuvor den Stand der Dinge in Sachen „Volksbegehren und Versöhnungsgesetz“ erläutert und dabei klargestellt, dass die Staatsregierung auf Freiwilligkeit statt auf Ordnungsrecht setze. „Freiwilligkeit ist die zentrale Botschaft für unsere Bauern“, sagte sie. Kaniber sah in dem Volksbegehren auch ein stückweit die Chance, den Menschen den Spiegel vorzuhalten. Nicht zulassen dürfe man es, dass eine gesamte Branche so schlecht geredet werde.

Sie räumte aber auch ganz offen ein, dass man 1,8 Millionen Unterschriften nicht so einfach ignorieren könne. „Uns geht es nicht drum, die Landwirte zu gängeln, doch ohne gesellschaftliche Akzeptanz hat die Landwirtschaft keine Zukunft.“ Sie wisse sehr wohl, dass Kompromisse nie einfach sind, aber die Politik lebe nun einmal davon.

Viele konkrete Beispiele der beabsichtigten Ausgestaltung erläuterte Kaniber den Bauern. Etwa, dass die jeweiligen Bezirksregierungen spezifisch über das Walzverbot von Grünland entscheiden und somit unterschiedliche Walzzeiten ermöglichen sollen. Als machbar bezeichnete die Ministerin eine Reduzierung bei Pflanzenschutzmitteln um 50 Prozent durch moderne Präzisionstechnik. Auch was den Ökolandbau betrifft, soll niemand zu einer Umstellung gezwungen werden. Die Zielvorgabe von 30 Prozent bis zum Jahr 2030, soll vielmehr „am Markt entlang“ geschehen.

Mit einem Appell zum Zusammenhalt innerhalb des Berufsstandes hatte der neue Leiter des Amtes für Landwirtschaft in Kulmbach, Michael Schmidt, den Abend eröffnet. Auch wenn es kein einfacher Abwägungsprozess sei, müsse man jetzt konstruktiv den Dialog suchen.

Bilder:
1.
Von links: Michael Schmidt vom Amt für Landwirtschaft in Kulmbach, Konrad Schmid vom Landwirtschaftsministerium, Ministerin Michaela Kaniber, Friedrich Meyer vom Ministerium und LfL-Präsident Jakob Opperer.
2.
Hermann Greif in der vollbesetzten Kulmbacher Stadthalle.
3. Sorgen um die Zukunft der oberfränkischen Landwirte äußerte der BBV-Bezirkspräsident

 

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19.05.2019

Kooperation statt Konfrontation / Landfrauen luden Politiker zum „Frühstück auf dem Bauernhof“ ein

Windischenhaig. Landfrauen stehen für Dialog und gesunde Ernährung. Im Landkreis Kulmbach hat sich der Bauernverband deshalb entschieden, die bayernweite Aktion „Frühstück auf dem Bauernhof“ mit dem 70. Geburtstag der Landfrauenbewegung zu verbinden und Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Berufsstand auf dem Betrieb der Familie Kaßel in Windischenhaig einzuladen.

Die Familien von Seniorchef Reinhold und Junior Daniel Kaßel betreiben dort im Nebenerwerb einen Ackerbaubetrieb mit Direktvermarktung und Hühnerhaltung in einem mobilen Laufstall. Erst 2018 war die Familie in die Legehennenhaltung eingestiegen, damals mit 65 Hühnern in einem selbstgebauten Stall. Der ist mittlerweile einem mobilen Stall mit einer Kapazität für über 200 Hühner gewichen. Eine weitere Herausforderung ist die derzeit laufende Umstellung auf Ökolandbau.

„Die ganze Familie hilft mit“, erläuterte Junior Daniel Kaßel, der in Triesdorf Landwirtschaft studiert hatte und der hauptamtlich beim Bauernverband in Bamberg beschäftigt ist. Zum Beispiel muss der über Photovoltaik komplett autarke Stall einmal pro Woche versetzt werden. Wenn sich zwischen den Hühnern mehrere Ziegen tummeln, dann deshalb, um dadurch den Habicht fernzuhalten. „Die Hühner haben optimalen Auslauf“, so Kaßel. Neben den Eiern werden auch Nudeln und Kartoffeln im „24-Stunden-Eier-Heisla“ direkt vermarktet.

Natürlich gab es zum Frühstück auf dem Bauernhof ausnahmslos heimische Produkte. Die Damen aus der Kreisvorstandschaft hatten unter anderem selbstgebackene Küchla, Wurst Käse, Obatzn, Joghurt und sogar leckere Smoothies vorbereitet. Aber auch ernste Worte waren zu hören. „Wir haben Angst um unsere landwirtschaftlichen Betriebe, sagte Kreisbäuerin Beate Opel vor dem Hintergrund des erfolgreichen Volksbegehrens zum Artenschutz. Wenn die Bürokratie weiter zunimmt, könne man die Höfe bald zusperren. An den Berufsstand appellierte sie, noch enger zusammenzurücken. „Sonst machen die da vorne mit uns, was sie wollen“, fand die Kreisbäuerin deutliche Worte.

Als eine Möglichkeit, den Menschen moderne Landwirtschaft wieder näher zu bringen, bezeichnete sie es, bereits bei den jüngsten anzusetzen. Beate Opel begrüßte deshalb die Initiative, Alltags- und Lebenskompetenz als Schulfach einzuführen. Aber auch in den Schulbüchern sollte die Landwirtschaft wieder realitätsnah und nicht romantisierend dargestellt werden.

Auf den Punkt brachte die Misere Kreisobmann Wilfried Löwinger: „Den Menschen ist es noch nie so gut gegangen, den Tieren ging es noch nie so gut, wir haben blühende Landschaften und trotzdem ist keiner zufrieden.“ Nicht die Landwirtschaft habe sich verändert, sondern der Mensch, sagte Löwinger. Die Betroffenheit bei seinen Berufskollegen sein deshalb riesengroß, zumal die Spaltung innerhalb der Gesellschaft immer größer werde.

Bei den Vertretern aus der Politik ernteten die Verbandsvertreter ausnahmslos Zustimmung. Die Landwirtschaft im Landkreis Kulmbach sei vorbildlich und schon deshalb von den Regelungen des Volksbegehrens kaum betroffen, stellte beispielsweise der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel fest. Einzelne Regelungen, wie etwa das Walzverbot zum Schutz von Bodenbrütern ab 15. März, müssten freilich noch flexibel ausgestaltet werden.

Bezirkstagspräsident und Kulmbachs Oberbürgermeister Henry Schramm erinnerte daran, dass nicht der Supermarkt die Nahrung liefert, sondern der Bauer. „Das vergessen viele Menschen in unserer schnelllebigen Zeit“, sagte er. Schramm rief dazu auf, die Arbeit der Bauern wieder mehr zu schätzen und nicht als selbstverständlich hinzunehmen. Er selbst habe größten Respekt von der Arbeit der Landwirte.

Auch Jörg Kunstmann, stellvertretender Landrat, rief zu „Kooperation statt Konfrontation“ auf. „Wir brauchen unsere Bauern vor Ort“, sagte er. Als falschen Weg bezeichnete Kunstmann die strikte Trennung von konventionell und biologisch. Das eine sei nicht schlechter als das andere. Alle Nahrungsmittel, die von den Bauern vor Ort produziert werden, seien gesund und wohlschmeckend.

Bilder:
1.
 Optimaler Auslauf für die Hühner: Daniel (links) und Reinhold Kaßel auf ihrem Hof in Windischenhaig.
2.
 Der stellvertretende Landrat Jörg Kunstmann, Bezirkstagspräsident und Oberbürgermeister Henry Schramm, Kreisbäuerin Beate Opel, der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel und der stellvertretende BBV-Kreisobmann Harald Peetz (von links) beim „Frühstück auf dem Bauernhof“.
3. So sieht der vollmobile Hühnerstall auf dem Bauernhof der Familie Kaßel in Windischenhaig aus.

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15.05.2019

Hochwertige Nahrungsmittel natürlich produziert / Kirche und Landwirtschaft: Regionalbischöfin Dorothea Greiner besuchte Milchviehbetrieb

Schollenreuth. Anfeindungen der Gesellschaft machen den Bauern derzeit schwer zu schaffen. „Vor allem das Volksbegehren zum Artenschutz hat viele Berufskollegen total verunsichert“, sagte der Hofer Kreisobmann Hermann Klug bei einem Besuch von Regionalbischöfin Dorothea Greiner auf dem Milchviehbetrieb von Bettina und Martin Riedel in Schollenreuth bei Feilitzsch im Landkreis Hof.

Neben Gemeindebesuchen, Firmenbesichtigungen und Gesprächen mit den Mitarbeitern kirchlicher Einrichtungen hatte sich die Regionalbischöfin auch Zeit für den Austausch mit Vertretern des Bauernverbandes und für den Besuch des modernen Laufstalls am Ortsrand von Schollenreuth genommen. Bettina Riedel und ihr Mann Martin führten Greiner und den Hofer Dekan Günter Saalfrank zusammen mit Kreisbäuerin Karin Wolfrum, Kreisobmann Klug und einigen Vorstandsmitgliedern durch den Stall und erläuterten unter anderem die Funktionsweise des Melkroboters.

Bettina Riedel hatte den Hof von ihren Eltern übernommen, Ehemann Martin stammt zwar auch aus der Landwirtschaft, ist aber trotzdem Quereinsteiger. Er hatte zunächst eine Ausbildung als Landschaftsgärtner abgeschlossen und dann den Abschluss zum Landwirt über Abendkurse nachgeholt. Vor acht Jahren löste der moderne Stall mit derzeit rund 80 Tieren die Anbindehaltung ab, vor zwei Jahren wurde der Stall noch einmal mit viel Platz für das Jungvieh erweitert.

„Wir produzieren auf natürlichem Weg hochwertige Nahrungsmittel“, sagte Martin Riedel. Leicht sei dies im Moment nicht. Leichtfertig würden die Bauern von großen Teilen der Gesellschaft in eine Schublade gesteckt „Wir werden als die Bösen dargestellt“, so Riedel, der offen zugab, dass dies eine große Belastung für ihn und seine Berufskollegen sei.

„Es war mein ausdrücklicher Wunsch, dass wir bei der Visitation zusammen mit den regionalen Vertretern des Bauernverbandes auch einen landwirtschaftlichen Betrieb besuchen“, sagte Regionalbischöfin Greiner. „Landwirte arbeiten oft ohne Urlaub und freie Tage, tragen mit ihrem Unternehmen oft große finanzielle Risiken, doch die Wertsteigerung ihrer Erzeugnisse bleibt in unserem Land aus“. Nach den Worten Greiners verdienen die Bauern unseren Rückhalt und unsere Wertschätzung. Landwirte mit biologischen und konventionellen Betrieben seien die wichtigsten Landschaftspfleger und erarbeiteten unsere Grundnahrungsmittel. Dabei gelten die Bauern auch als Säulen unserer Gesellschaft und unserer Kirche. Ihr sei es ein großes Anliegen gewesen, diese Botschaft zu transportieren und sie könne gegenwärtig wohl nicht oft genug vermittelt werden. Greiner: „Wir brauchen für den Schöpfungsschutz den Schulterschluss mit den Bauern“.

„Die Sorgen und Nöte der Landwirte sind uns sehr wichtig“, so Dekan Saalfrank. Hintergrund sei, dass die Landwirtschaft gerade im Raum Hof eine ganz exponierte Rolle spiele. Saalfrank zeigte sich froh darüber, dass es keinerlei Agrarfabriken in der Region  gibt  Gerade der Betrieb der Familie Riedel zeige, dass der Landwirt noch einen echten Bezug zu seinen Tieren hat und mit einem Blick erkennt, ob es ihnen gut geht oder nicht.

Bild: Auf Tuchfühlung mit den Milchkühen der Familie Riedel ging Regionalbischöfin Dorothea Greiner bei einem Stallbesuch in Schollenreuth.

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01.05.2019

Für Miteinander und gegen Individualismus / Gute Tradition: Landjugend Stockau-Lehen startet mit eigener Maikönigin in den Wonnemonat

 Gedanken zum Thema Heimat und wahre Lobeshymnen auf die Landjugend standen diesmal im Mittelpunkt des traditionellen Maibaumfestes der Landjugend Stockau-Lehen. Auch wenn der Heimatbegriff jahrzehntelang als rückständig und überholt galt: „Jeder Mensch braucht Heimat“, sagte der Bayreuther Dekan Jürgen Hacker, der diesmal die Festrede übernommen hatte.

„Wer Menschen die Heimat nimmt, der entwurzelt sie“, so Hacker. Er erinnerte daran, dass Heimat auch vergänglich sein kann, sagte er mit Blick auf die vielen Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg und auch die Millionen Menschen, die heute auf der Flucht vor Hunger, Krieg, Krankheiten und Seuchen sind. Mit ihrem Maibaumfest setze die Landjugend Stockau-Lehen ein starkes Zeichen für Miteinander und gegen Individualismus. „So eine Gemeinschaft ist zugleich die beste Demokratieschule, die man sich denken kann“, sagte Hacker.

Lobende Worte für die Landjugend fanden auch die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert, die stellvertretende Landrätin Christa Reinert-Heinz und der Weidenberger Bürgermeister Hans Wittauer. Die Landjugend Stockau-Lehen pflege damit ein Brauchtum, „das Teil unserer Heimat und unserer kulturellen Identität ist“, sagte die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert. Den großen Einsatz der Landjugend für den ländlichen Raum stellte Christa Reinert-Heinz ganz besonders heraus und Bürgermeister Wittauer würdigte den Gemeinschaftssinn, der bei der Landjugend groß geschrieben werde. Das vorbildliche Miteinander zu verschiedenen Anlässen sei ein wichtiger Bestandteil der Jugendarbeit in einer Gemeinde.

Tatsächlich wäre das Aufstellen des geschmückten Maibaumes ohne gelebtes Miteinander nicht möglich gewesen. Zum 64. Mal in ununterbrochener Reihenfolge hatte die Landjugendgruppe ihre Maifeier rund um die Großraumhalle der Obstkelterei Rauh unmittelbar an der Bundesstraße 22 Weiden-Bayreuth im Ortsteil Lehen ausgerichtet. Rund 30 starke Helfer waren notwendig, um den fast 25 Meter hohen Fichtenstamm fachmännisch aufzurichten, ohne Hilfsmittel wie etwa einem Kran, sondern ausschließlich mit Holzstangen und viel Muskelkraft.

Besinnliche Gedanken trug Maikönigin Annika Keil vor, die traditionell aus der Feder des Altmitgliedes und EKD-Synodalen Günter Meyer aus Stockau stammen. Die Maikönigin wird von der Landjugendgruppe immer schon vor Ostern in geheimer Wahl gewählt.

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12.04.2019

Keine grünen Ideologien auf dem Rücken der Bauern / Wirtschaftsminister Aiwanger beim 1. Hollfelder Bauerntag zur Eröffnung der neuen Claas-Niederlassung

Hollfeld, Lks. Bayreuth. Für Hollfeld war es eine echte Premiere: zur offiziellen Standorteröffnung der neuen Claas-Niederlassung gab es hier erstmals einen Bauerntag. Als prominenten Gast konnte der BBV den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger gewinnen. In einer launigen Rede spannte er einen weiten Bogen über eine Vielzahl landwirtschaftlich relevanter Themen und zeigte sich dabei als engagierter Fürsprecher der Bauern.

Das Volksbegehren zum Artenschutz bezeichnete Aiwanger dabei offen als „großen Mist“ und sicherte den Bauern zu, aus der jetzigen Situation das Beste zu machen. Er sprach sich dafür aus, landwirtschaftliche genutzte Flächen im Gegenzug vor unkontrolliertem Konsumverhalten zu schützen. So hätten beispielsweise Hunde auf Grünland nichts verloren. Es könne ja nicht sein, dass Hunde dort Gassi gehen könnten, wo der Bauer nicht mehr reinfahren darf.

„Erhalten wir die Landwirtschaft, damit wir auch morgen noch gesunde Lebensmittel bekommen“, lautete Aiwangers Aufforderung. „Grünen Ideologen“ schrieb er ins Stammbuch, dass deren Tagträume nicht auf den Rücken der Bauern ausgetragen werden dürfen. Und wenn es schon Nutzungseinschränkungen gebe, dann müssten die Bauern dafür auch entschädigt werden. Um künftig sach- und praxisfremden Entscheidungen vorzubeugen, will der Minister wieder Alltagskompetenzen an die Schulen bringen. „Wir müssen aufpassen, dass der Unsinn nicht immer noch größer wird“, sagte er

Zuvor hatte Hausherr Georg Appel, Geschäftsführer der Claas Bordostbayern sein Unternehmen vorgestellt. Die Claas Nordostbayern GmbH ist demnach an acht Standorten in Oberfranken und der Oberpfalz vertreten und beschäftigt 118 Mitarbeiter, 23 davon sind Auszubildende. Größter Standort ist Hollfeld mit einer Fläche von rund 10000 Quadratmetern und 24 Mitarbeitern. In dem neuen dreistöckigen Lager seien Ersatzteile im Wert von einer halben Million Euro permanent verfügbar. Bereits Ende Mai möchte Claas einen weiteren Standort in Hof eröffnen.

Begeistert über den großen Zuspruch, den der Hollfelder Bauerntag erfahren hatte, zeigte sich Kreisobmann Karl Lappe. „Wenn Technik und Maschinen dabei sind, dann stimmt auch die Besucherzahl“, sagte er. Als größte Baustellen, die derzeit zu bislang nie gekannter Resignation bei den Bauern führten, bezeichnete er neben dem Volksbegehren die Düngeverordnung und die gesamten Auflagen in der Tierhaltung. Aufgeben sei aber der falsche Weg: „Die Landwirtschaft ist der Ernährungsproduzent schlechthin, und das wollen wir auch bleiben“, rief Lappe seinen Berufskollegen zu.

Unter den Grußworten ragte eines ganz besonders heraus: das der bayerischen Milchkönigin Sonja Wagner, die aus dem nahen Wonsees im Landkreis Kulmbach kommt. Für sie, die auf einem Milchviehbetrieb groß geworden war, war es einer der letzten offiziellen Auftritte im Amt. Sonja Wagner zog eine überaus positive Bilanz ihrer zweijährigen Amtszeit mit vielen interessanten Begegnungen. Einfach sei der Verbraucherdialog nicht immer gewesen, sagte die Milchkönigin. Wichtig sei es ihr beispielsweise, den Menschen zu erklären, dass die Existenz von rund 400 verschiedenen Käsesorten nur „mit dem großen Knowhow und dem Herzblut unserer Landwirte“ möglich sei.

Bild: Von links: Die Hollfelder Bürgermeisterin Karin Barwisch, Milchkönigin Sonja Wagner, Kreisbäuerin Angelika Seyferth, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und Kreisobmann Karl Lappe.

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05.04.2019

Waldbauern suchen alternative Baumarten / Klimawandel und Trockenheit: WBV Kulmbach/Stadtsteinach zog gemischte Bilanz

Stadtsteinach. Die Trockenheit und der Käfer haben bei der Waldbesitzervereinigung Kulmbach/Stadtsteinach im zurückliegenden Jahr für große Probleme gesorgt. „Der Markt ist gekennzeichnet von einem Überangebot und vollen Sägewerken“, sagte Geschäftsführer Theo Kaiser bei der Jahresversammlung in Stadtsteinach. Trotz aller Probleme hat die WBV im zurückliegenden Jahr 47000 Festmeter Holz vermarktet, deutlich mehr als im Jahr zuvor (35000 Festmeter).

Der Geschäftsführer wünscht sich für die kommenden Monate vor allem Regen und kühlere Temperaturen. „Die künftige Witterung wird entscheidend sein“, sagte Kaiser, räumte aber auch ein: „Ich befürchte, dass es eher schlimmer wird“. Man könne froh sein, wenn man das Holz noch zu einigermaßen vernünftigen Preisen loswerde.

Schuld an dem Dilemma sind der Klimawandel und die Erderwärmung. Doch die Waldbesitzer im Kulmbacher Land hätten den Ernst der Lage erkannt. So seien 2018 exakt 31149 Forstpflanzen vermittelt worden, knapp ein Drittel davon waren Laubbäume. „Wir müssen den Waldumbau stärker beschleunigen“, sagte Kaiser. Als „ganz dramatisch“ bezeichnete er die Lage bei der Kiefer. Befallene Stämme seien derzeit nur mehr als Paletten zu vermarkten, so schwach ist die Nachfrage. Dazu würden Kupferstecher und Trockenheit auch beim Industrieholz dafür sorgen, dass große Mengen auf den Markt kommen und die Nachfrage im Großen und Ganzen eher schleppend ist.

Den Ernst der Lage müsste nun auch der letzte verstanden haben, brachte die Vorsitzende Carmen Hombach die schwierige Situation auf den Punkt. Sie sprach von ganz vielen Herausforderungen, die nur mit einer ganzen Reihe von Partnern und Verbündeten bewältigt werden könnten. Die Politik gehöre dazu, um die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen und um die Waldbauern von der Bürokratie zu befreien. Aber auch die Forschung, die sich auf die Suche nach alternativen Baumarten machen sollte. Ein ganz wichtiger Partner sei die Jagd, denn ohne Jagd kein verträglicher Rehwildbestand und ohne diesen keinen Waldumbau. Schließlich seien auch die Gemeinden gefordert Holzlagerplätze außerhalb des Waldes auszuweisen.

Ein Unternehmen, das beim Waldumbau schon einen Schritt weitergekommen ist, sind die Esterhazy-Forstbetriebe im österreichischen Bundesland Burgenland. David Simon, Forstingenieur und Mitglied der Esterhazy-Geschäftsführung. „Den Wald, wie wir ihn heute haben, wird es in Zukunft nicht mehr geben“, sagte er. Sein Unternehmen erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 2,1 Millionen Euro auf einer forstwirtschaftlich genutzten Fläche von 22400 Hektar und kommt auf einen Jahreseinschlag von 24000 Festmeter.

Die Esterhazy-Forstbetriebe haben nach den Worten von David Simon bereits ernst gemacht mit der Baumartenvielfalt. Die Fichte macht hier nur mehr neun Prozent aus. „Fichten hat keine Zukunft, das haben wir eingesehen“, sagte der Referent. Als gute Alternativbaumarten nannte er die Robinie, die Douglasie, die Küsten und die Weißtanne sowie die amerikanische Roteiche. Massive klimatische Veränderungen seien nicht mehr zu leugnen, darauf haben wir reagiert“, so Simon. Neben dem Waldbau seien Bereiche wie forstliche Nebennutzungen, Naturschutz, Biodiversität und die Jagd wichtige Bausteine einer erfolgreichen, zukunftsweisenden Waldbewirtschaftung. Am Ende des Tages werde die Klimaerwärmung schneller da sein, als die Forstwirtschaft reagieren kann.

Die WBV Kulmbach/Stadtsteinach hat aktuell 1801 Mitglieder, 47 mehr als im Vorjahr. Sie alle bewirtschaften zusammen eine Waldfläche von 11856 Hektar.

Bild: Geschäftsführer Theo Kaiser (links) und die Vorsitzende Carmen Hombach konnten bei der Jahresversammlung in Stadtsteinach David Simon von den Esterhazy-Forstbestrieben in Österreich begrüßen.

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29.03.2019

Erst Stürme dann Käfer: Waldbesitzervereinigung Bamberg zog gemischte Bilanz

Steinfeld. Der Umbau des Waldes hin zu stabilen Mischbeständen schreitet voran. „Wir haben das Problem erkannt und sind bereits gut vorangekommen“, sagte Urban Treutlein vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium bei der Jahresversammlung der Waldbesitzervereinigung Bamberg in Steinfeld. Seinen Worten zufolge ist der Laubwaldanteil im Freistaat während der zurückliegenden 35 Jahre von 22 auf mittlerweile 36 Prozent stetig angestiegen.

Als eine der größten Herausforderungen für die Zukunft bezeichnete Treutlein den Generationswechsel. Bis zum Jahr 2030 sei über ein Drittel aller Waldbesitzer mit einer Fläche von bayernweit 400000 bis 450000 Hektar betroffen. Viele Menschen seien darunter, die noch nie mit dem Wald in Kontakt standen und oft gar nicht wüssten, wo ihre Fläche genau ist. Hier seien die Selbsthilfeeinrichtungen ganz besonders gefordert. Deshalb werde auch der Bedarf an forstlichen Dienstleistungen steigen sagte der Ministerialrat und sah im Ausbau des Dienstleistungsangebotes eine wichtige Zukunftsaufgabe und auch Chance für die Waldbesitzervereinigungen.

„Erst Stürme, dann Käfer“, so fasste Wolfgang Schultheiß, Vorsitzender der forstwirtschaftlichen Vereinigungen Oberfranken (FVO) das zurückliegende Jahr zusammen. Insgesamt hätten die Waldbauern im Regierungsbezirk ganz schöne Abschläge hinnehmen müssen, denn die Holzpreise seien im Keller.

Auf die WBV Bamberg treffe dies nur bedingt zu, so Geschäftsführer Patrick Hammerschmidt. „Im Gegensatz zu den Kollegen aus dem Steigerwald, die gleich zwei Mal schwer getroffen wurde, sind wir in Bamberg einigermaßen verschont geblieben“, so Hammerschmidt. Mittlerweile seien sowohl die Preise als auch die Mengenkontingente von allen Vertragspartnern gesenkt worden. Die WBV Bamberg sei allerdings durch ihre kontinuierliche Vertragspartnerschaft relativ gut weggekommen.

Nach den Zahlen von Geschäftsführer Hammerschmidt habe die WBV Bamberg im zurückliegenden Jahr insgesamt 21229 Festmeter Holz vermarktet, 2000 Festmeter mehr als 2017. 54 Prozent davon sei Fichtenholz, 31 Prozent Kieferholz. Den Laubholzanteil bezifferte Hammerschmidt auf 15 Prozent. Für das laufende Jahr bezeichnete es der Geschäftsführer als das wichtigste Ziel, jetzt erst einmal das Material aus dem Wald zu bekommen. Fichte und Kiefer seien stark unter Druck geraten und die steigenden Schadholzmengen sorgten für eher mäßige Aussichten.

Die Werbetrommel für heimische Hackschnitzel rührte die Vorsitzende Angelika Morgenroth. „Wir müssen uns verstärkt um den Absatz heimischer Hackschnitzel kümmern“, sagte sie. Warum Pellets oder Gas, wenn das Material da ist. Deshalb sollten die Waldbauern verstärkt Druck auf die Kommunalpolitik ausüben.

Bei den turnusmäßigen Neuwahlen gab es nur geringe Veränderungen. Vorsitzende bleibt Angelika Morgenroth, 2. Vorsitzender Thomas Kraus, 3. Vorsitzender Markus Dippold, Rechnungsführer Roland Krapp. Als Schriftführer löst Johannes Hölzl, Leiter der Stadtforstverwaltung Bamberg, den bisherigen Schriftführer Christian Heuer ab. Neue Kassenprüfer sind Johannes Hösch und Matthias Schick. Zu Beiräten wurden gewählt: Walter Beringer, Christian Dorsch, Helga Ebitsch, Willi Hennemann, Rainer Hoh, Christian Hojer, Hans-Georg Klauer, Edmund Klaus, Hans-Jürgen Knoblach, Manfred Knorr, Johann Georg Kriebel und Josef Pfeufer.

Für ihr langjähriges Engagement für die WBV Bamberg wurden die folgenden Persönlichkeiten geehrt: Schriftführer Christian Hoyer, die Beiräte Klaus Schulz und Alfred Deinlein, Obfrau Beate Zenck, Obmann Herbert Eichhorn und Kassenprüfer Hans Helmreich.

Bild: Ehrungen bei der WBV Bamberg (von links): Geschäftsführer Patrick Hammerschmidt, Alfred Deinlein, Beate Zenck, Ministerialrat Urban Treutlein vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium, Vorsitzende Angelika Morgenroth, Christian Hoyer, Hans Helmreich, Herbert Eichhorn und Klaus Schulz.

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27.03.2019

Topthema Landwirtschaft: Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung / Wechsel an der Spitze des Amtes in Bayreuth: Georg Dumpert folgt auf Dr. Ernst Heidrich

Bayreuth. Georg Dumpert ist der neue Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayreuth. Der 62-jährige Forstdirektor löst damit Dr. Ernst Heidrich ab, der seit November 2009 an der Spitze der Behörde stand. Bei einer Feierstunde in der Tierzuchtklause in Bayreuth verabschiedete Walter Christl, Abteilungsleiter im Bayerischen Landwirtschaftsministerium, Heidrich in den Ruhestand und führte Dumpert in sein neues Amt ein.

So neu ist das Amt für Dumpert allerdings nicht mehr. Seit November 2016 leitete er bereits den Bereich Forsten in Bayreuth und war gleichzeitig Stellvertreter des Behördenleiters. Inoffiziell steht er bereits seit 1. Februar an der Spitze des Bayreuther Amtes.

„Was lange währt wird endlich gut“, sagte der neue stellvertretende Amtsleiter Klaus Meier-Harnecker, der künftig neben der Abteilung Förderung nun auch die Abteilung Landwirtschaft übernehmen und als Leiter der Landwirtschaftsschule fungieren wird. Meier-Harnecker spielte damit auf die Tatsache an, dass Heidrich bereits im Juli seinen Ruhestand angetreten hatte. Es sei höchste Zeit geworden, dass die Stelle jetzt wieder besetzt ist, so Harald Raps von der Personalvertretung des Amtes. Es gebe Entscheidungen, die eben nur ein Behördenleiter fällen kann.

Landwirtschaftliche Themen stünden im Focus der Gesellschaft, es seien echte Zukunftsthemen, sagte Ministerialdirigent Walter Christl. Nicht umsonst habe sich die Landwirtschaftsverwaltung für dieses Jahr die Themen Artenvielfalt und Biodiversität auf die Fahnen geschrieben, und das lange vor dem Volksbegehren. Wenn sich Landwirte dadurch an den Pranger gestellt sehen, so gebe es keinen Grund dafür, sagte der Ministeriumssprecher.

Zu den Gratulanten gehörte unter anderem die Bayreuther Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert. Sie bezeichnete Landwirtschaft und Ernährung als Topthemen. Jeder glaube, plötzlich mitreden zu können, doch die wirklichen Fachleute seien die bestens ausgebildeten Bäuerinnen und Bauern und genau für die sei das Amt zuständig. Während sie begrüßte, dass in der Gesellschaft ein neues Bewusstsein für Nachhaltigkeit, für gesunde Ernährung und für die Schöpfung entstanden sei, sah sie das Volksbegehren in seiner konkreten Ausgestaltung kritisch Es sei wichtig, dass wir unsere familiengeführten landwirtschaftlichen Betriebe erhalten und, dass die Familien nicht frustriert aufgeben.

Uwe Raab, stellvertretender Bayreuther Landrat und Bürgermeister von Pegnitz, erinnerte sich an viele konstruktive, freundschaftliche und nette Begegnungen mit dem bisherigen Behördenleiter, etwa bei den regelmäßigen Tagen der Landwirtschaft oder bei den Landfrauentagen. Nachfolger Dumpert habe von 1998 bis 2005 das Pegnitzer Forstamt geleitet und gelte mit diesen sieben Jahren Einsatz bereits als halber „Bengatzer“, scherzte der der Bürgermeister.

Auf die großen Veränderungen in der Landwirtschaft, die Heidrich stets konstruktiv begleitet hatte, sprach der Bayreuther Stadtrat Thomas Hacker an. BBV-Kreisobmann Karl Lappe stellte besonders den Einsatz Heidrichs um den Erhalt des Schulstandortes heraus und Rudi Steuer vom oberfränkischen Meister- und Ausbilderverband nannte Heidrichs Leistungen für die Verbände VLF und VLM, deren Geschäftsführung Heidrich 2010 übernommen hatte und die er zu einer gemeinsamen Bezirksversammlung zusammen führte.

Bild: Wechsel an der Spitze des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayreuth (von links): Georg Dumpert, die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert , Ministerialdirigent Walter Christl und Dr. Ernst Heidrich.

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19.03.2019

Einwendungen als Eintrittskarte zum Erörterungstermin / BBV und Bürgerinitiative machen gegen Stromtrasse mobil – Planungen nehmen an Fahrt auf

Stammbach, Lks. Hof. Es wird ernst in Sachen Süd-Ost-Link: Nachdem bis Mitte März die Verfahrensunterlagen für die geplante Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung (HGÜ-Leitung) öffentlich ausgelegen haben, sind nun bis zum 12. April Einwendungen gegen die Planungen im Abschnitt C, das ist der Bereich zwischen Hof und Schwandorf, möglich. „Die Planungen für die Trasse nehmen an Fahrt auf, sagte Jürgen Becher, Vorsitzender der Bürgerinitiative Ölschnitztal bei einer gemeinsamen Informationsveranstaltung zusammen mit dem Bauernverband in Stammbach.

Zwei Dinge wurden dabei unmissverständlich festgestellt: Wenn die Leitung tatsächlich gebaut wird, dann ist der Landkreis Hof in jedem Fall betroffen. Das bestätigte unter anderem Landrat Oliver Bär. Hauptbetroffene sind nach den Worten von Harald Köppel, BBV-Geschäftsführer für Bayreuth, Kronach und Kulmbach, die Land- und Forstwirte. Die Leitung stelle in ihrer Planung als Erdkabel eine massive Beeinträchtigung und einen Wertverlust der Fläche dar, sagte er. „Alles in allem führt die Trasse letztendlich zu Ertragsverlusten“, so Köppel.

Ganz wichtig für alle betroffenen Landwirte: Nach Ende der Einspruchsfrist wird die Bundesnetzagentur einen Erörterungstermin festsetzen. Zutritt dazu habe allerdings nur, wer eine Einwendung gemacht hat. „Einwendungen sind die Eintrittskarten für den Erörterungstermin“, sagte Köppel und ermunterte die Berufskollegen, tätig zu werden. Der Bauernverband stehe dazu jederzeit helfend zur Seite. Trotzdem sollten die Einwendungen individuell sein. Vorgefertigte Textbausteine würden kaum weiterhelfen.

Argumente gegen die Trasse gibt es aus Sicht der Land- und Forstwirtschaft genügend. Sie reichen vom Flächenverbrauch, nicht nur für die eigentliche Trasse, sondern auch für Projekt- und Ausgleichsflächen, über Beeinträchtigungen des land- und forstwirtschaftlichen Wegenetzes bis hin zu befürchteter Bodenverdichtung, Bodenerwärmung und Grundwasserbeeinträchtigung. „So ein Eingriff lässt sich nicht einfach abschütteln“, sagte Köppel. Und weiter: „Man kann sich auf keinen Fall zurücklehnen und hoffe, dass der Kelch an einem vorbeigeht.“

Auch der Hofer Landrat Oliver Bär nannte es sinnvoll, dass all diejenigen, die potentiell betroffen sind, ihre Einwände vorbringen. Auch der Landkreis werde gemeinsam mit den Kommunen wie übrigens auch der BBV Einwände gegen die Trasse vorbringen. „Wir sind in einem Verfahrensstadium, bei dem es sich lohnt zu sagen, das und das wollen wir nicht.“ Auch aus Sicht des Landkreischefs gebe es noch viele offene Fragen: Warum muss die Trasse bis zu 30 Meter breit sein? Warum wird der Verlauf nicht mit den Bundesautobahnen gebündelt? Wie entwickelt sich die Energiepolitik insgesamt weiter?

Aktuell gibt es für die Stromtrasse zwei mögliche Varianten: Eine durch das Fichtelgebirge und eine weitere grob entlang des Bundesautobahn A9. Die Entscheidung trifft die Bundesnetzagentur. Nur massive Proteste können den Trassenbau verzögern oder vielleicht auch noch verhindern“, sagte BI-Vorsitzender Jürgen Becher. Scharf ins Gericht ging er mit dem geplanten Beschleunigungsgesetz von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, das Einspruchsmöglichkeiten reduzieren soll. Becher bezeichnete die Leitung einmal mehr als unnötig. „Wir lehnen die Trasse ab, egal, wo sie gebaut wird.“

Bild: BBV-Geschäftsführer Harald Köppel ermunterte die Landwirte Einspruch gegen die Planungen für die Stromtrasse zu erheben.

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14.03.2019

Dürresommer bestimmte das Holzjahr / WBV Hollfeld feierte 50-jähriges Bestehen

Hollfeld. Auf ein in jeder Hinsicht schwieriges Holzjahr musste die Waldbesitzervereinigung Hollfeld zurückblicken. Schuld daran war der trockene Sommer 2018, der spätestens ab Anfang August zunehmend für Käferholz sorgte. Bei der Jahresversammlung in der Hollfelder Stadthalle wurde zugleich der 50. Geburtstag der Selbsthilfeeinrichtung gefeiert.

Von einem echten Dürresommer sprach der forstliche Mitarbeiter Lars Andersen. Allerdings habe schon im Januar das damalige Sturmtief Friederike den Holzmarkt negativ beeinflusst. Ab August bestimmte dann der Käfer das Bild. „Da ging es richtig zur Sache“, so der Mitarbeiter aus der Geschäftsstelle. Mangelnde Kapazitäten, etwa bei den Einschlagsunternehmern, bei den Holztransportern oder bei den Sägewerken seien die Folge gewesen.

Andersen berichtete von einem bundesweiten Überangebot an Rundholz mit schlechter Qualität. Trotzdem habe die WBV die laufenden Altverträge alle noch zu einigermaßen akzeptablen Preisen bedienen können. Die vermarktete Holzmenge bezifferte der forstliche Mitarbeiter auf 19698 Festmeter. Im Jahr zuvor seien es 21970 Festmeter gewesen. Vor dem Hintergrund der Gesamtumstände sprach Andersen dennoch von einem guten Ergebnis.

Bei den Sammelbestellungen kam der Experte auf 31340 Pflanzen, wobei sich Nadel- und Laubhölzer in etwa die Waage halten. Die WBV Hollfeld hat aktuell 1573 Mitglieder, 19 Neuaufnahmen habe nur eine einzige Kündigung gegenübergestanden. Bei 90 Prozent der Mitglieder ist die Waldfläche nicht größer als zehn Hektar.

Von einer Käferkatastrophe sprach Wolfgang Schultheiß, 1. Vorsitzender der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken (FVO). Schultheiß kommt aus dem Coburger Land, wo es zwei Grad Celsius wärmer ist und der Käfer deshalb noch heftiger in Erscheinung getreten ist. „Noch so ein Trockenjahr, und die Fichte ist bei uns Vergangenheit“, so der Vorsitzende. Im Coburger Land seien bereits 50 Prozent des Waldes betroffen.

Die hohe Mitgliederzahl zeige eindrucksvoll wie wichtig die WBV ist, sagte die Hollfelder Bürgermeisterin Karin Barwisch. „Ohne WBV könnten wir die Vermarktung gar nicht bewerkstelligen“, so das Stadtoberhaupt. Der neue Bayreuther Amtschef Georg Dumpert wies die Waldbesitzer auf gut gefüllte Fördertöpfe hin. „Nutzen sie diese, um Waldumbau- und Waldverjüngungsmaßnahmen durchzuführen“, sagte er. Der stellvertretende Bamberger Landrat Johann Pfister bezeichnete den Wald als ganz wichtigen Wirtschaftsfaktor, der gehegt und gepflegt werden muss. Obwohl Hollfeld im Landkreis Bayreuth liegt, gehören die Bereiche Stadelhofen und Königsfeld im Landkreis Bamberg zur WBV Hollfeld.

Einen Rückblick auf die vergangenen fünf Jahrzehnte gestaltete der forstliche Berater Klaus Wagner. Die Aufgaben seien die gleichen wie bei der Gründung geblieben, nur die Namen hätten sich verändert, sagte Wagner. Er erinnerte an die Vereinsgründung am 25. Februar 1969 mit 244 Mitgliedern und einer Waldfläche von zusammen 2649 Hektar aus 16 Gemeinden. Heute bewirtschaften die 1573 Mitglieder zusammen 11301 Hektar Wald. Zwei Persönlichkeiten ragten in seiner Chronik besonders heraus: Gründungsmitglied Christian Schramm ist seit 1969 als Kassenprüfer tätig und Gründungsmitglied Peter Winkler war bis 2006 37 Jahre lang als Kassier tätig.

Notwendig wurde auch eine Nachwahl: Weil der bisherige 2. Vorsitzende Wolfgang Tempel aus beruflichen Gründen im Herbst zurückgetreten war, wählten die Mitglieder einstimmig den bisherigen 3. Vorsitzenden Christian Dormann zum Nachfolger. Ein neuer 3. Vorsitzender wird aus formalen Gründen allerdings erst im kommenden Jahr gewählt.

Bild: Christian Dormann ist neuer 2. Vorsitzender der WBV Hollfeld. Die Nachwahl wurde notwendig, weil der bisherige 2. Vorsitzende Wolfgang Tempel zurückgetreten war.

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10.03.2019

Mutbotschafterin beim Landfrauentag / Kulmbacher Landfrauen stellten eigenes Kochbuch vor

Stadtsteinach. Jungen Landwirten Mut zu machen, eigene Ideen zu verwirklichen. Das ist das Ziel von Anne Körkel aus Kehl in Baden-Württemberg. Die 35-Jährige ist nicht nur Agraringenieurin und praktizierende Bäuerin, sondern auch ausgezeichnete Unternehmerin des Jahres 2017 und „Mutbotschafterin“. Beim Kulmbacher Landfrauentag in Stadtsteinach hat sie ihre Berufskollegen dazu aufgerufen, mutig in die Zukunft zu blicken. „Unsere Branche braucht Mut mehr denn je, denn sie ist eine tolle Branche“, sagte sie.

Zuvor hatte die engagierte Öffentlichkeitsarbeiterin in Sachen Landwirtschaft sich und ihre noch junge Unternehmensgeschichte vorgestellt. Nach dem Wiesenhof-Skandal von 2013 hatte sie mit 280 Tieren begonnen, frische, küchenfertige Freilandhähnchen aufzuziehen und zu vermarkten. Mit regionaler Schlachtung, ohne Medikamente, ohne Antibiotika, aber mit großem Erfolg. 80 Prozent des Futters stammen vom Hof der Schwiegereltern.

Unter der Marke „Annes Ha(h)nauer“ verlangt sie aktuell 9,20 Euro pro Kilogramm bei einem Durchschnittsgewicht von 2,3 Kilogramm pro Tier. Heute ist sie bei knapp 1000 Freilandhähnchen angelangt und hat einen Kundenstamm von 1100 Menschen aus einem Radius von rund 80 Kilometern. Die Kunden müssen telefonisch oder per Internet vorbestellten, verkauft werden nur ganze oder halbe Hähnchen, keine Edelstücke.

Der Konsument von heute will jemand, dem er vertrauen kann, sagte Anne Körkel. Bei ihr kauften die Verbraucher eben auch ein Stück Heimat, deshalb habe sie nie das Ziel schneller, höher und weiter verfolgt, sondern konsequent auf Qualität gesetzt. Das sei für den Erfolg unabdingbar, ebenso wie Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache und vor allem auch in den neue Medien, also im Internet oder auf Facebook. Die Bäuerin wusste auch, dass es viele ihrer Berufskollegen leid sein, zu kämpfen. Anders aber würden sie aus dem Fadenkreuz, in das die Landwirtschaft geraten ist, nicht mehr herauskommen. Oberste Gebote seien es, authentisch und ehrlich zu bleiben und vor allem immer wieder zu erklären.

Zuvor hatte Kreisbäuerin Beate Opel die Landfrauenarbeit im Bauernverband vorgestellt. „Wir engagieren uns für alle Themen rund um Ernährung und Hauswirtschaft“, sagte sie. Landfrauen seien prädestiniert dafür, zu zeigen, was Landwirtschaft wirklich ist. Das sei heute wichtiger denn je zuvor, denn gerade einmal zwei Prozent der Menschen seien noch in der Landwirtschaft tätig, 98 Prozent hätten kaum mehr Berührungspunkte. Deshalb sei es auch so wichtig, mit dem Verbraucher im Dialog zu bleiben.

Eine Form der Öffentlichkeit ist das neue Kochbuch, das die Kulmbacher Landfrauen zum 70-jährigen Jubiläum der Landfrauenarbeit im Bauernverband vorgestellt haben. Unter dem Titel „Komm koch und back mit uns“, enthält es zahlreiche Rezepte für deftige Suppen, Salate, leckere Hauptgerichte mit Fisch, Geflügel, Rind, Schwein und Wild, zauberhafte Nachspeisen, Torten und Kuchen. Mit in das repräsentative Buch aufgenommen wurden auch Tipps und Tricks, Tischgebete und Anleitungen für den gedeckten Tisch. „Die Kulmbacher Landfrauen haben das Buch mit viel Liebe zusammengetragen“, sagte Beate Opel. Sponsoren sind die Sparkasse Kulmbach-Kronach, die VR-Bank Oberfranken Mitte, die Ireks GmbH, der Neff Landmaschinenpark, Bäcker Ralph Groß sowie der Ferienhof Kosertal und die Familie Karl-Heinz Opel aus Neufang. Das Kochbuch ist zum Preis von 15 Euro in der BBV-Geschäftsstelle in Kulmbach erhältlich.

Bilder:
1. Die bayerische Landesbäuerin Anneliese Göller, Kreisbäuerin Beate Opel (von links) und ihre Stellvertreterin Silvia Schramm (rechts) bedankten sich bei „Mutbotschafterin“ Anne Körkel“.

2. Stellten das neue Kochbuch der Kulmbacher Landfrauen vor (von links): Frank Ramming von der Sparkasse, Kreisbäuerin Beate Opel, Landrat Klaus Peter Söllner, die stellvertretende Kreisbäuerin Silvia Schramm und Helmut Potzel von der VR-Bank.

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27.02.2019

Vielseitig, innovativ und bestens ausgebildet / Elke Pelz-Thaller beim Hofer Landfrauentag

Köditz, Lks. Hof. Mit einer Mischung aus Trauer und Empörung haben einige Sprecher beim Hofer Landfrauentag auf den Ausgang des Volksbegehrens Artenschutz reagiert. „Das Volksbegehren hat uns völlig erschlagen“, sagte Kreisbäuerin Karin Wolfrum und Landesbäuerin Anneliese Göller stellte fest: „Wir haben so viel für den Artenschutz gemacht, aber es wird einfach nicht gesehen.

Obwohl alle Forderung des Volksbegehrens die Landwirte betreffen, werde nicht mit ihnen gesprochen, so Karin Wolfrum. Dabei seien es doch gerade die Bauern, die sich schon immer um die Artenvielfalt kümmern. Jeder Einzelne kann etwas dafür tun und mithelfen, da gebe es unzählige Möglichkeiten, aber gerade an den Landwirten bleibe alles hängen. Landesbäuerin Anneliese Göller rief die Berufskolleginnen dazu auf, sich nicht auseinanderdividieren zu lassen. „Wir müssen zusammen stehen“, sagte sie. Klar sei allerdings auch, dass viele Landwirte die freiwilligen Maßnahmen künftig nicht mehr mitmachen.

Zuvor hatte Karin Wolfrum den Berufsstand als vielseitig, innovativ und bestens ausgebildet beschrieben. „Wir begleiten die Natur, unterstützen und pflegen sie“, sagte die Kreisbäuerin. Die Landwirte müssten aber auch davon leben können. Immerhin würden im Landkreis Hof 50 Prozent der Familienbetriebe noch im Haupterwerb geführt. Hier würden Lebensmittel in bester Qualität erzeugt, leider meist nicht zum angemessenen Preis.

„Stargast“ des Landfrauentages war die Mental- und Persönlichkeitstrainerin Elke Pelz-Thaller, die selbst Bäuerin auf einem Aussiedlerhof in der Hallertau ist. Unter dem Motto „Eigheirat“ (Eigeheiratet) sprach sie in ihrem ehrlichen und humorvollen Vortrag ein brisantes Thema mit vielen Facetten und noch mehr Zündstoff an. Das mutige Thema stehe auch irgendwie für das Jahresthema der Landfrauenarbeit im BBV, die heuer unter dem Motto „Im Dialog bleiben“ steht. In der gewohnten Mischung aus Comedy, Lebens- und Überlebenstipps, charmanter Plauderei und persönlichen Erlebnissen zog die „Bäuerin mit Leib und Seele“ dabei wieder alle Register und hatte schon nach wenigen Sätzen die gesamten Zuhörerschaft auf ihrer Seite.

Das Fazit der Mentalbuerin lautete: Für ein gutes Miteinander ist zunächst ein Perspektivwechsel nötig. Notwendig sei es, sich in die vorhandenen Personen einzufühlen, ihren Standpunkt zu verstehen und Brücken zu bauen, statt einen Platz einzufordern: „Nicht der andere muss sich bewegen, damit es mir besser geht, sondern ich habe diesen Schritt zuerst zu machen“, so Elke Pelz-Thaller

Traditionell stellten sich beim Hofer Landfrauentag in der Köditzer Göstrahalle auch einige Persönlichkeiten den Zuhörerinnen vor. Dr. Henning Wendt beispielsweise, der aus Niedersachsen stammende neue Geschäftsführer und Stationstierarzt der Besamungsstation Wölsau bei Marktredwitz. Simone Baumann, gelernte Hauswirtschafterin aus Geroldsgrün im Landkreis Hof ist die neue Dorfhelferin des Maschinenrings Münchberg. Susanne Taubald ist ebenfalls beim Maschinenring Münchberg die neue Organisationskraft und der erst 25-jährige Patrick Heerdegen aus Marktschorgast im Landkreis Kulmbach der neue Geschäftsführer.

Der Landfrauentag wurde einmal mehr vom Hofer Landfrauenchor unter der Leitung von Helmut Lottes umrahmt. Der Chor wird heuer am 31. Mai mit einem großen Jubiläumskonzert mit vielen Gästen in Helmbrechts sein 30-jähriges Bestehen feiern.

Bilder:
1.
 Der Hofer Landfrauenchor unter der Leitung von Helmut Lottes feiert heuer sein 30-jähriges Bestehen.
2.
 Stellten sich beim Hofer Landfrauentag vor (von links): Dorfhelferin Simone Baumann, Landesbäuerin Anneliese Göller, Geschäftsführer Dr. Henning Wendt, Kreisbäuerin Karin Wolfrum, Maschinenring-Mitarbeiterin Susanne Taubald und Maschinenring-Geschäftsführer Patrick Heerdegen.
3. Mentaltrainerin und Bäuerin Elke Pelz-Thaller in der Köditzer Göstrahalle in Aktion.

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26.02.2019

Gesellschaftlicher Konsens als zentrale Herausforderung der Zukunft / Anton Dippold beim Bayreuther Bauerntag – Kritik am Ausgang des Volksbegehrens

Bayreuth. Die Sicherung von Arbeitsplätzen und eine stärkere Wertschöpfung vor Ort, das sind zwei der wichtigsten Ziele bayerischer Landwirtschaftspolitik. Anton Dippold, Leiter des Referats Bayerische Agrarpolitik im Landwirtschaftsministerium, hat diese Ziele den Besuchern des Bayreuther Bauerntags in der Tierzuchtklause vorgestellt. Bittner war dabei für den dienstlich kurzfristig verhinderten Amtschef des Landwirtschaftsministeriums Hubert Bittlmayer eingesprungen. Das Thema „Was kommt auf die Landwirte zu?“ ist allerdings das gleiche geblieben und es hätte nicht aktueller sein können, so Kreisobmann Karl Lappe.

Tatsächlich sprach Dippold einige Herausforderungen der Zukunft offen an. Eine davon sei der gesellschaftliche Konsens. Ihn zu erreichen werde schwer sein, sagte er. Gleichwohl dürfe man sich nichts vormachen, der Konsens sei wichtig. Als weitere Herausforderung bezeichnete er die veränderten Nahrungs- und Ernährungsgewohnheiten bei vielen Verbrauchern, die manches bisher gewohnte auf den Kopf stellen.

Zur gemeinsamen Agrarpolitik nach 2020 merkte der Ministerialrat an, dass eine Aufstockung der bisherigen Umverteilungsprämie für die ersten Hektare der bayerischen Struktur sehr entgegen käme. Deshalb kämpfe man im Freistaat aktuell dafür, diese Prämie von derzeit 46 Hektar weiter aufzustocken. Auch die Einführung einer Junglandwirteprämie begrüße Bayern, denn es sei längst nicht mehr selbstverständlich, dass stets ein Hofnachfolger bereit stehe.

Als wichtiges Ziel des Ministeriums bezeichnete Dippold den Ausbau der bayerischen Premiumstrategie und damit der Marle Bayern. „Wir wollen heimische Produkte vermarkten und damit noch mehr Wertschöpfung generieren“, sagte er. Aktionen und Projekte wie die Auszeichnung von Genussorten, die Klassifizierung „Ausgezeichnete Bayerische Küche“ aber auch das Setzen auf unternehmerische Vielfalt durch Einkommenskombinationen gehörten unabdingbar dazu.

Im Mittelpunkt der Ausführungen sämtlicher Redner stand einmal mehr das erfolgreiche Volksbegehren zum Artenschutz. „Das hat uns schwer getroffen“, bekannte Kreisobmann Lappe ganz offen. Viel zu kurz sei seiner Meinung nach bislang der Aspekt gekommen, dass Millionen an Fördergeldern leichtfertig verspielt werden, weil gesetzliche Vorgaben im Gegensatz zu freiwilligen Leistungen nicht mehr gefördert werden können. Ohne Pflanzenschutz werde es kaum noch blühende Rapsfelder geben, warnte Lappe.

Das Volksbegehren sei einfach zu kurz gedacht gewesen, so der Bayreuther Landrat Hermann Hübner. Er rief dazu auf, noch mehr miteinander zu sprechen und zeigte sich zuversichtlich, dass der Runde Tisch positive Ansätze bringt. Der Landrat erinnerte aber auch daran, dass die Bauern gerade in der jetzigen Zeit Perspektiven und Vertrauen bräuchten. Andernfalls sehe es düster aus. Hübner: „Wenn der letzte Bauer zugesperrt hat, wird unser Dorf nicht mehr das sein, das es einmal war.“ Die gleiche Auffassung vertrat auch die 3. Bürgermeisterin der Stadt Bayreuth Beate Kuhn: „Was wäre die Fränkische Schweiz noch wert, wenn es keine Bewirtschaftung durch die Bauern mehr gibt?“, wollte sie wissen.

Von einer ganz schlechten Stimmung vor allem bei den jungen Berufskollegen sprach der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif. Nicht nur das Volksbegehren, auch die geplanten Verschärfungen in der Düngemittelverordnung oder in der Anlagenverordnung hätten die Landwirte extrem verärgert. Er habe deshalb mittlerweile Angst vor einem weiteren massiven Abbau an Betrieben. Richtig Spaß mache dies zurzeit alles nicht mehr, ließ Greif seinem Ärger freien Lauf.

Bild: Kreisobmann Karl Lappe (links) und Kreisbäuerin Angelika Seyferth bedankten sich bei Anton Dippold vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium mit einem Präsentkorb aus der Genussregion.

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21.02.2019

Qualifikation heißt auch Verantwortung / 17 frischgebackene Landwirtschaftsmeister aus Oberfranken verabschiedet

Bayreuth. 17 frischgebackene Landwirtschaftsmeister aus ganz Oberfranken haben bei einem Festakt in Bayreuth ihren Meisterbrief bekommen. Glückwünsche gingen dabei auch an die sieben Meisterinnen der Hauswirtschaft, die ihren Brief bereits bei anderer Gelegenheit erhalten hatten.

Alle 17 stünden nun auf der höchsten Stufe der Fortbildung im praktischen Bereich, sagte Gerhard Gradl von dem für die Meisterausbildung in Oberfranken zuständigen Fortbildungszentrum für Landwirtschaft und Hauswirtschaft in Almesbach bei Weiden. Der Bildungsweg sei damit aber hoffentlich noch nicht zu Ende, denn gerade für Landwirte gehöre lebenslange Weiterbildung genauso dazu, wie neue Ziele für Haus, Hof und Familie.

Qualifikation habe immer auch mit Verantwortung zu tun, sagte Regierungsvizepräsident Thomas Engel. Dazu gehöre Verantwortung für den Betrieb genauso wie für die Familie. Kostendruck und schwankende Märkte erforderten immer wieder neue Anstrengungen. Eine ganz besondere Herausforderung werde es schließlich sein, der veränderten Erwartungshaltung der Verbraucher gerecht zu werden. Trotzdem seien Agrarberufe die Berufe der Zukunft, so die stellvertretende Bayreuther Landrätin Christa Reinert-Heinz. Das gelte auch für die Hauswirtschaft. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels seien diese Kompetenzen mehr denn je zuvor gefragt.

Unternehmensberater Theo Bergauer aus Waldsassen gab den jungen Leuten einige Tipps mit auf den Weg, wie sie die eine oder andere Hürde in ihrem Berufsleben besser meistern können. Dazu zähle beispielsweise die Fähigkeit, Hilfestellungen anzunehmen und Hilfe nicht als Schwäche auszulegen, Herausforderungen aufzunehmen und auch mal etwas Neues zu probieren sowie Rahmenbedingungen zu akzeptieren, denn einen Idealzustand werde es nie geben. Gerade in der Zeit von Facebook, Twitter und Instagram sei es wichtig, zu seinem Wort zu stehen und sein Wort zu halten. „Seid zufrieden und dankbar und genießt jeden Tag“, rief Bergauer den jungen Leuten zu.

Mit einem Stipendium des Bayerischen Bauernverbandes wurden für ihre herausragenden Leistungen die beiden Brüder Daniel Paschold und Christoph Paschold aus Untersiemau ausgezeichnet. Das Stipendium überreichte Landesbäuerin Anneliese Göller. Außerdem wurden die folgenden vier Ausbilder ausgezeichnet, die zwischen 15 und 25 Lehrlinge auf ihren Betrieben ausgebildet hatten: Horst Reichel aus Kirchenlamitz, Edgar Böhmer aus Rattelsdorf, Hans Popp aus Weismain und Jörg Deinlein aus Scheßlitz.

Die frischgebackenen Landwirtschaftsmeister sind:

Landkreis Bamberg: Susanne Löhrlein aus Stadelhofen und Johannes Gick aus Königsfeld.

Landkreis Bayreuth: Elke Neuner aus Hollfeld, Julian Raps aus Seybothenreuth, Sebastian Schmidt aus Plech und Christian Zimmermann aus Emtmannsberg.

Landkreis Coburg: Daniel Paschold und Christoph Paschold aus Untersiemau sowie Christoph Rosenau aus Lautertal.

Landkreis Forchheim: Johann Zöllner aus Kleinsendelbach.

Landkreis Hof: Tobias Puchta aus Zell und Stefanie Deistler aus Kirchenlamitz.

Landkreis Lichtenfels: Jonas Amon aus Ebensfeld.

Landkreis Wunsiedel: Sabrina Kohler aus Marktredwitz und Christian Stöhr aus Wunsiedel.

Dazu kommen Johannes Steger aus Kirchenthumbach im oberpfälzischen Landkreis Neustadt an der Waldnaab und Mandy Nothnagel aus Schmalkalden. Beide hatten ihre Meisterausbildung in Oberfranken absolviert.

Bilder:
1. Das sind frischgebackenen Landwirtschaftsmeisterinnen und –meister sowie die Hauswirtschaftsmeisterinnen, die in Oberfranken verabschiedet wurden.
2. Beste Absolventen des Jahrgangs waren die beiden Brüder Daniel Paschold und Christoph Paschold aus Untersiemau. Sie bekamen aus den Händen von Landesbäuerin Anneliese Göller jeweils ein Stipendium des Bauernverbandes.

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13.02.2019

Schwarzwild: Keine Trendwende in Sicht / Jäger im Landkreis konnten Abschusszahlen um ein Drittel steigern - Jagdgenossenschaften im BBV zogen Bilanz

Kulmbach. Die Schäden durch Schwarzwild im Landkreis Kulmbach werden einer aktuellen Erhebung zufolge auf weit über 300000 Euro beziffert. Diese Zahl hat Burkhard Hartmann (Lindau), Kreisvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im Bauernverband, genannt. Bei der Jahresversammlung in Kulmbach sprach Hartmann von exakt 1753 Wildschweinen, die im Jagdjahr 2017/2018 erlegt worden seien. Das sei fast ein Drittel mehr als im vergleichbaren Jahreszeitraum des Vorjahres.

Der Großteil der Schäden sei dabei nicht beglichen worden. Nur gut 41000 Euro seien amtlich bestätigt, das heißt durch einen Gutachter festgestellt worden. Rund 76000 Euro Schäden seien zwar nicht amtlich bestätigt, allerdings habe eine gütliche Einigung zwischen Jäger und Landwirt erzielt werden können. Auf den restlichen Schäden seien die Bauern sitzen geblieben.

Der Vorsitzende begrüßte die vor knapp eine Jahr in Kraft getretene Änderung des Jagdschutzgesetzes, nach der Schwarzwild ganzjährig bejagt werden darf. Lediglich führende Bachen seien zu schonen. Hintergrund für die Gesetzesänderung sei das massive Auftreten der Afrikanischen Schweinepest in einigen europäischen Ländern gewesen. Nach dem aktuellen Vorkommen in Belgien gehen Fachleute mittlerweile davon aus, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis auch in Deutschland der erste Fall auftritt. Trotz der Gesetzesänderung sei allerdings eine Trendwende bei der massiven Zunahme von Wildschweinen noch nicht in Sicht.

In Mittelpunkt der Jahresversammlung stand die Vorstellung des forstlichen Gutachtens zur Situation der Waldverjüngung 2018 im Landkreis durch Michael Schmidt, den neuen Bereichsleiter Forsten am Amt für Landwirtschaft in Kulmbach. Dieses sogenannte Wildverbissgutachten wird alle drei Jahre mit großem Aufwand neu erstellt, um einen Abschussplan festzulegen und die Situation der Waldverjüngung zu erfassen. Im Landkreis Kulmbach wurden dazu 226 Verjüngungsflächen mit über 17000 Pflanzen genauer unter die Lupe genommen.

Als ein Ergebnis hielt Schmidt fest, dass sich der Wald im Landkreis ähnlich wie in ganz Bayern auf einem guten Weg hin zu stabilen Mischwäldern befindet. „Wir können zuversichtlich in die Zukunft blicken, wenn die Abschusszahlen weiterhin so eingehalten werden“, sagte der Forstdirektor. Dennoch gibt es auch im Landkreis einige Probleme. In den beiden Hegegemeinschaften Roter Main und Trebgast hatte sich die Verbisssituation verschlechtert, dass die Abschussempfehlung nach oben geschraubt werden musste. Besonders in den 18 Revieren der Hegegemeinschaft Roter Main hätten die Pflanzen mit Verbissschäden den höchsten Wert im gesamten Landkreis. Schmidt gab dabei auch zu bedenken, dass bei einem Verbisswert von 50 Prozent jede Pflanze binnen drei Jahren theoretisch einmal angeknabbert wird.

Neben der Schwarzwildproblematik und dem Verbissgutachten beschäftigt die Jagdgenossenschaften derzeit auch das Bürokratiemonster Datenschutzgrundverordnung. Obwohl für Facebook, Google oder Amazon gedacht, müssten sich auch die Jagdgenossenschaften damit herumschlagen, so Harald Köppel, BBV-Geschäftsführer für Bayreuth, Kulmbach und Kronach. Entwarnung konnte er zumindest in einem Punkt geben: Da die Jagdgenossenschaften in der Regel zur Führung eines Jagdkatasters verpflichtet sind, ist keine extra Einwilligung für die vertraglich erfasste Datenverarbeitung erforderlich.

Allerdings müssten alle Jagdgenossenschaften künftig einen Datenschutzbeauftragten als Ansprechpartner für sämtliche datenschutzrechtlichen Fragen benennen. Er muss im Falle eines Falles beispielsweise darüber Auskunft geben, welche Daten wo und wie lange gespeichert sind. Der Vorstand selbst oder ein engeres Vorstandsmitglied dürfe dabei nicht gleichzeitig Datenschutzbeauftragter sein. Das werde schwierig, jemanden für dieses Amt zu finden, zumal einige Jagdgenossenschaften schon Schwierigkeiten hätten, überhaupt einen Vorstand zu finden. Köppel riet allen Beteiligten, das Thema Datenschutzgrundverordnung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Allerdings werde wohl nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird, zumal der BBV noch auch Erleichterungen für die Jagdgenossenschaften hofft. Beim Verband seien auch die entsprechenden Mustervorlagen erhältlich. Geschäftsführer Köppel: „Lediglich der Papierkrieg wird bei der ganzen Geschichte immer mehr.“

Bild: Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im BBV Burkhard Hartmann (links) bedankte sich beim neuen Bereichsleiter Forsten am Amt für Landwirtschaft in Kulmbach Michael Schmidt für die Vorstellung des Verbissgutachtens.

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05.02.2019

Mit Mut und Zuversicht in die Zukunft / Scheßlitzer Bauerntag: Mit Optimismus gegen düstere Grundstimmung – "Bayern blüht auf": Leo Göller aus Hirschaid geehrt

Scheßlitz, Lks. Bamberg. Dieser Gegensatz ist mit vernünftigen Argumenten nicht zu erklären: Das Interesse an den Landwirten ist deutlich gestiegen, sie werden als zweitwichtigste Berufsgruppe überhaupt wahrgenommen, der Landwirt ist also positiv besetzt. Und trotzdem: Das „System Landwirtschaft“ wird deutlich kritischer beurteilt, es wird nicht verstanden und die meisten Menschen haben keinen Kontakt mehr dazu.

Was also tun? Dieser Frage ging der Amtschef des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums Hubert Bittlmayer beim Bauerntag in Scheßlitz nach. Er kam zu dem Ergebnis, dass die Landwirte mit Stolz und Selbstbewusstsein nach außen auftreten und die Menschen aufklären sollten. Persönlich auf dem Hof mit dem Verbraucher, aber auch über die neuen Medien sollten die Landwirte mit Mut und Zuversicht in die Zukunft gehen. Dabei dürften sie nie vergessen, dass sie nicht nur ein ganz starker Wirtschafsfaktor, sondern auch das prägende Element des ländlichen Raumes sind. „Wir Bauern, wir sind das Gesicht Bayerns“, sagte Bittlmayer.

Zuvor hatte der Bamberger Kreisobmann Edgar Böhmer einen eher düsteren Blick in die Zukunft gewagt: „Die Anforderungen, die auf uns zukommen, sind eigentlich der Wahnsinn“, sagte er. Die gesamte Branche stehe vor unheimlichen Veränderungen. Wie sollten junge Leute da noch Planungssicherheit, geschweige denn eine Zukunftsperspektive finden? Scharf griff Böhmer den Umweltpopulismus an, der viele Verbraucher total verunsichere. Dabei werde die bayerische Kulturlandschaft maßgeblich von der Nutztierhaltung geprägt. Doch die Tierhalter fühlten sich im Stich gelassen.

Mit der Ehrung von Leo Göller aus Hirschaid gab es beim Scheßlitzer Bauerntag aber doch auch einen Lichtblick. Göller hatte beim Wettbewerb „Bayern blüht auf“ auf Landesebene den dritten Platz erzielt und bekam dafür aus den Händen von Landesbäuerin Anneliese Göller und von Oberfrankens BBV-Präsident Herman Greif eine Urkunde. „ Solche engagierte Blühbotschafter brauchen wir“, sagte die Landebäuerin.

Auch die Grußwortredner waren bemüht, Optimismus zu verbreiten. Ihr sei es ein Herzensanliegen, dass die Familienbetriebe Zukunft haben, sagte die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner. „Probleme sind lösbar“, so Landrat Johann Kalb, der an alle Beteiligten appellierte, sich nicht vom Dialog zu verabschieden. Landwirte sollten versuchen mit prägnanten Bildern und einprägsamen Schlagworten die Diskussion in der Öffentlichkeit zu beherrschen, meinte der Scheßlitzer Bürgermeister Roland Kauper und Georg Hollfelder, Landesvorsitzender der bayerischen Rinderzüchter stellte fest, dass es das Grundproblem der Gesellschaft ist, dass sie satt sei. Hollfelder: „Wer Hunger hat, der hat ein Problem. Wer satt ist, findet jeden Tag ein neues Problem.“

Bilder:
1. Der Bamberger Kreisobmann Edgard Böhmer (links) bedankte sich beim Amtschef des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums Hubert Bittlmayer mit einem Korb voller Spezialitäten aus dem Bamberger Land.
2. Für den dritten Platz beim Wettbewerb Bayern blüht auf“ wurde Leo Göller aus Hirschaid geehrt. Im Bild (von links): BBV-Geschäftsführer Werner Nützel, Kreisobmann Edgar Böhmer, Landesbäuerin Anneliese Göller, Pia und Leo Göller, Landrat Johann Kalb, Amtschef Hubert Bittlmayer und der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif.
      

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05.02.2019

Messen des Wissens mitten in der Ausbildung / Rekordverdächtige Teilnahme beim Berufswettbewerb der Landjugend

Bayreuth. Nein, nicht Konrad Adenauer ist der Kanzler der Wiedervereinigung, sondern Helmut Kohl. Die Mauer ist auch nicht 1990 gefallen, sondern bereits 1989. „Beim Allgemeinwissen könnte man sich grundsätzlich noch verbessern“, sagte Hauswirtschafterin Sabine Raupach von der Berufsschule III in Bayreuth. Sie gehörte zum Prüfungsteam im Land- und Hauswirtschaftlichen Berufswettbewerb der Landjugend, bei dem diesmal rekordverdächtige 53 angehende Landwirte und zehn angehende Hauswirtschafterinnen teilgenommen hatten.

Wenn auch beim Allgemeinwissen bei dem einen oder anderen etwas haperte, im fachlichen waren alle bestens vorbereitet. Hier ging es bei den Landwirten beispielsweise darum, Getreide und Sämereien zu unterscheiden, eine Düngeberechnung anzustellen, Kenntnisse im Pflanzenbau unter Beweis zu stellen, sowie Werkstoffe und Futtermittel zu bestimmen. Wenn diese fachlichen Fragen rundum gut gelöst worden seien, so habe es bei der praktischen Aufgabe trotzdem ein Problem gegeben, sagte Fritz Asen vom Amts für Landwirtschaft in Bayreuth, der ebenfalls dem Prüferteam angehörte. Bei der Konstruktion und beim Bau eines Flaschenöffners aus Metall, zu dem auch das ziemlich komplizierte Heraussägen einer Acht-Kant-Schraube gehörte, sei nämlich meist der Arbeitsschutz vergessen worden. Gerade der sei aber wichtig, so Asen. Er wusste auch von einigen Flaschenöffnern, die einfach nicht funktionieren wollten.

Unterm Strich habe der Leistungswettbewerb der Landjugend auf Kreisebene aber beeindruckende Ergebnisse gebracht und den hohen Ausbildungsstand der jungen Leute eindrucksvoll unter Beweis gestellt, sagte BBV-Kreisobmann Karl Lappe, Die angehenden Landwirte und Hauswirtschafterinnen rief er auf, den Berufsstand selbstbewusst nach außen zu vertreten. Es gebe allen Grund dazu.

Das Messen des Wissens mitten in der Ausbildung soll auch ein Stück weit Orientierung geben, so der Bayreuther Landrat Hermann Hübner, der allen Teilnehmer persönlich seine Anerkennung aussprach. Die Verbraucher seien kritischer geworden und wollten wissen, woher die erzeugten Lebensmittel kommen, so Hübner. Nicht zuletzt deshalb sei höchste Qualität in den Grünen Berufen so gefragt.

Die drei Erstplatzierten im Bereich Hauswirtschaft sind der Reihe nach: Kordelen Esmer aus Wunsiedel, Gastschülerin Johanna Gößwein aus Wolframs-Eschenbach und Anja Herold aus Weismain. Bei den Landwirten siegte Raphael Roth aus Kupferberg, zweite wurden mit gleicher Punktzahl Lukas Haberberger aus Pegnitz und Achim Leicht aus Heiligenstadt.

Bilder:
1. Zusammen mit Ehrengästen und Verbandsvertretern präsentierten sich die jeweiligen Erstplatzierten des Berufswettbewerbs der Landjugend zum offiziellen Siegerfoto.
2.
Beim Berufswettbewerb der Landjugend siegten im Bereich Hauswirtschaft (von links): Kordelen Esmer aus Wunsiedel, Johanna Gößwein aus Wolframs-Eschenbach und Anja Herold aus Weismain.

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02.02.2019

„Wer lacht, kann nicht aggressiv sein“ / Ordensschwester Teresa Zukic beim Bayreuther Landfrauentag – Erzeuger-Verbraucher-Dialog soll gestärkt werden

Bayreuth. Zu mehr Gelassenheit hat Schwester Teresa Zukic die Bayreuther Landfrauen aufgerufen. Bei ihrem Auftritt beim Bayreuther Landfrauentag in der Tierzuchtklause rief die TV-bekannte Ordensschwester von der Kleinen Kommunität der Geschwister Jesu aus Weisendorf bei Erlangen dazu auf, mehr zu lachen, jeden Tag bewusster zu genießen und vor allem sich selbst stets treu zu bleiben.

Wenn Schwester Teresa auftritt ist der Saal voll. Auch am Samstagnachmittag. Gerade in der Region, denn vom Landkreis Bayreuth aus, genauer gesagt von Pegnitz aus, startete Schwester Teresa in den 1990er Jahren ihren Siegeszug. Hier gründete sie 1994 die Kleine Kommunität und wurde nach einem Fernsehauftritt bei Margarethe Schreinemakers als Skateboard fahrende Nonne bekannt. Egal ob Beckmann, Lanz oder Pilawa, mittlerweile ist sie in jeder TV-Sendung aufgetreten, sogar als Sängerin bei „Immer wieder sonntags“, sie hat Bücher geschrieben, neun Musicals komponiert, eine eigene Kochshow auf YouTube und hält unermüdlich Vorträge.

So auch am Samstagnachmittag beim Landfrauentag in Bayreuth. „Jeder ist normal, bis du ihn kennst“, lautete ihr Thema und nach einer guten Stunde kam sie zu dem Schluss: „Wir müssen gar nicht normal sein, denn wir sind alle Originale, Originale Gottes“. Und so tut Schwester Teresa das, was man von einer Ordensschwester kaum erwartet hätte: sie erzählt ihre Lieblingswitze. „Lachen stärkt das Immunsystem und hat keine negativen Nebenwirkungen“, sagt sie. Wer lacht, der könne auch nicht aggressiv sein.

Überhaupt seien negative Gedanken ziemlich überflüssig. „Negative Gedanken führen zu negativen Gefühlen“. Dabei sei es das meiste gar nicht wert, dass man sich darüber aufregt. Wozu Zeit verschwenden. Worauf sollen wir warten, wenn dieser Tag vorbei ist, kommt er nie wieder, gab Schwester Teresa zu bedenken. Und auch, dass jeder Mensch so seine Schönheitsfehler habe, äußerlich wie innerlich. „Jeder ist irgendwie seltsam, so will es auch die Bibel vermitteln.“

Zuvor hatte sich Kreisbäuerin Angelika Seyferth dagegen verwahrt, dass die Landwirtschaft für alles und jedes als Sündenbock herhalten muss. „Ob Feinstaub oder Insektensterben: die Landwirtschaft ist doch nicht Versucher all dieser Probleme“, sagte sie. Ganz im Gegenteil: die Bauern wirkten mit ihrer Arbeit vielen Problemen massiv entgegen.

Jeder habe seinen Anteil am Insektensterben, so die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert. Sie  ging auch auf das Jahresthema der Landfrauen „Im Dialog bleiben“ ein. Der Dialog sei gefragt: In der Partnerschaft, in der Familie, zwischen den Generationen, in der Nachbarschaft, vor Ort im Dorf genauso wie in der Gesellschaft insgesamt. „Im Dialog zu bleiben, ist keine Einbahnstraße, sondern bedeutet zuhören und aufeinander eingehen.

Gerade der Erzeuger-Verbraucher-Dialog zwischen bäuerlichen Familien und der nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung komme meist zu kurz, so die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Ein echter Austausch finde viel zu wenig statt. Dabei sei es wichtiger als je zuvor, den Menschen aufzuzeigen, was durch die Pflege der Kulturlandschaft alles entstanden ist. „Wir brauchen eine Werbekampagne im positiven Sinn, und kein Volksbegehren“, so Brendel-Fischer.

Konventionelle und ökologisch wirtschaftende Betriebe sollten sich auf Augenhöhe begegnen, denn auch die konventionelle Landwirtschaft werde zunehmen ökologischer, sagte Christa Reinert-Heinz, Stellvertreterin des Landrats und Abteilungsleiterin beim Amt für Landwirtschaft in Bayreuth. Landfrauen zeigten Flagge und würden nicht müde, die vielfältigen Leistungen der Landwirtschaft immer wieder öffentlich darzustellen, so Bayreuths dritte Bürgermeisterin Dr. Beate Kuhn.

Zum Landfrauentag gehörten diesmal auch eine Präsentation der Stadt Pottenstein durch Bürgermeister Stefan Frühbeißer, eine Trachtenmodenschau und der Auftritt des Landfrauenchors unter der Leitung von Martina Schill.

Bilder:
- Die TV-bekannte Ordensschwester Teresa Zukic von der Kleinen Kommunität der Geschwister Jesu aus Weisendorf bei Erlangen bei ihrem Auftritt beim Bayreuther Landfrauentag.
- Kreisbäuerin Angelika Seyferth (links) und ihre Stellvertreterin Doris Schmidt (rechts) bedankten sich bei Schwester Teresa für ihren Vortrag beim Bayreuther Landfrauentag.

 

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02.02.2019

Otter bedroht Oberfrankens Teiche / Teichwirtschaft soll als immaterielles Kulturerbe anerkannt werden - Teichgenossenschaft ernannte Günther Denzler zum Ehrenmitglied

Himmelkron. Während die oberfränkischen Teichwirte die Kormoran- und Graureiher-Problematik einigermaßen im Griff haben, werden die Schäden durch Fischotter immer schlimmer. Bei der Mitgliederversammlung der Teichgenossenschaft Oberfranken in Himmelkron sprach der Vorsitzende Dr. Peter Thoma aus Thiersheim von einem „Riesendrama“.

Ein ganzer Teich, komplett vom Fischotter leergefressen, diese Erfahrung musste selbst der Vorsitzende jetzt machen. „Die Schäden sind unbeschreiblich“, sagte Thoma. Der Otter werde die komplette Fischerei ruinieren, wenn nicht schnellstmöglich Gegenmaßnahmen ergriffen werden, so Thoma, der das Raubtier auch als „Sargnagel der Fischerei“ bezeichnete.

Einigermaßen im Griff habe man dagegen die Kormoran-Problematik. Als Grund dafür nannte der Vorsitzende die Allgemeinverfügung zum Abschuss des Vogels. „Wir sind damit in der Lage uns zu wehren“, sagte Thoma. Gleiches gelte für den Graureiher, den die Teichwirte nach entsprechender Erlaubniserteilung mittlerweile ebenfalls schießen dürfen. Ein größeres Problem stelle dagegen der Silberreiher dar, bei dem die sogenannte Vergrämung nicht erlaubt ist.

Ein Ziel für die kommenden Monate ist die Anerkennung der Teichwirtschaft als immaterielles Kulturerbe der UNESCO. Eine solche Anerkennung wäre auch mit einem entsprechenden Schutzstatus verbunden, sagte Thoma. Als immaterielles Kulturerbe werden kulturelle Ausdrucksformen bezeichnet, die unmittelbar von menschlichem Wissen und Können getragen und die von Generation zu Generation weitervermittelt werden. Die flächengebundene Teichwirtschaft gehöre unbedingt dazu, so der Vorsitzende. Er appellierte an alle Teichwirte auch künftig, auf höchste Qualität zu achten, denn nur durch Qualität könne man sich von den Billigimporten aus östlichen Ländern abgrenzen.

Einen Einschnitt muss die oberfränkische Teichwirtschaft derzeit durch personelle Veränderungen an entscheidender Stelle hinnehmen. So wurde Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler nach 15 Jahren an der Spitze des Bezirks in den Ruhestand verabschiedet und zum Ehrenmitglied der Teichgenossenschaft ernannt. Der Bezirk ist traditionell sehr eng mit der Fischerei verbunden, weil bei ihm die entsprechende Fachberatung für Fischerei angesiedelt ist.

Denzler habe allen neuen Ideen der Teichwirte offen und kooperativ gegenübergestanden, Traditionen fortgeführt, aber auch neue Akzente gesetzt, sagte Hartmut Koschyk, früherer Bundestagsabgeordneter und Finanzstaatssekretär, aber auch früherer Vorsitzender der Teichgenossenschaft in seiner Laudatio. Denzler habe während seiner 15-jährigen Amtszeit vieles für die Teichwirtschaft und für die Fischerei in Oberfranken getan und sich damit hohe Verdienste erworben.

Ebenfalls in den Ruhestand verabschiedet wurde der langjährige Leiter des Referats Fischerei und Fischwirtschaft beim bayerischen Landwirtschaftsministerium, Dr. Franz Geldhauser. Der Fischereireferent habe für Oberfranken stets ein offenes Ohr gehabt, sagte der frühere Leiter der Fischereifachberatung Dr. Robert Klupp. Geldhauser habe die Teichbauprogramme im Regierungsbezirk ganz wesentlich mitgestaltet. „Dr. Franz Geldhauser hat der Fischerei den Stellenwert gegeben, den sie auch verdient“, so Klupp

Die dritte Persönlichkeit, die von der Teichgenossenschaft verabschiedet wurde, ist der langjährige Beirat Michael Lindenberger aus Heroldsbach im Landkreis Forchheim. Zum Nachfolger des 82-Jährigen wählten die Mitglieder Martin Heilmann, ebenfalls aus dem Landkreis Forchheim. Bei den turnusgemäßen Neuwahlen gab es keine Veränderungen. Dr. Peter Thoma wurde als Vorsitzender, Manfred Popp aus Benk und Karl-Peter Schlegel aus Wiesenttal als Stellvertreter und Otto Norbert Grußka aus Rödental jeweils einstimmig in ihren Ämtern für die kommenden vier Jahre bestätigt. 

Die Teichwirtschaft zu bewahren und zu fördern, das sei das Ziel, das den Bezirk und die Teichgenossenschaft verbinde, sagte der Direktor der Bezirksverwaltung Peter Meyer. Die hiesigen Teichwirte sollten künftig noch stärker herausstellen, dass in Oberfranken die besten Karpfen produziert werden, so der Forchheimer Landtagsabgeordnete Michael Hofmann. Von der traditionell großen Bedeutung der Teichwirtschaft sprach auch der Kulmbacher Landrat Klaus Peter Söllner. „Teichwirte sind es, die Tradition und Zukunft verbinden“, so Söllner.

Bild: Der bisherige Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler (Mitte) ist vom Vorsitzenden Dr. Peter Thoma (rechts) und früheren Vorsitzenden und ehemaligen Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk zum Ehrenmitglied der Teichgenossenschaft Oberfranken ernannt worden.

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01.02.2019

Mehr Effizienz, mehr Automatisierung und Revolutionen beim Pflanzenschutz / Hofer Lichtmessempfang des BBV: „Öffentlichkeitsarbeit 2.0“ und ein Blick in die Zukunft

Kleinlosnitz. Allen derzeitigen Widrigkeiten zum Trotz: die Bedeutung und die Verantwortung der Landwirtschaft als globaler Ernährer werden in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch deutlich zunehmen. Diese Auffassung vertritt Otto Körner, Leiter der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf. Beim Lichtmessempfang des BBV Hof im Oberfränkischen Bauernhofmuseum Kleinlosnitz wagte er einen Blick weit voraus bis in das Jahr 2050 gestützt auf Statistiken, Zahlen und Tabellen, an deren Ende eine wichtige Erkenntnis stand: „Wir können die Ernährung 2050 nur dann sicherstellen, wenn wir die Produktion steigern, Ackerbauflächen und Anbauerträge verdoppeln sowie Nahrungs-  und Verarbeitungsverluste reduzieren“.

Was bedeuten diese globalen Voraussagen für den Landwirt vor Ort? Otto Körner wagte auch hier eine Prognose, die nicht unbedingt positiv ist. Den typisch bäuerlichen Familienbetrieb werde es dann so nicht mehr geben. „Es wird nicht mehr ohne Fremdarbeitskräfte gehen“, sagte der Agraringenieur. Dazu müsse mehr Effizienz, etwa durch eine noch stärkere Automatisierung etwa durch eine wahre Revolution beim Pflanzenschutz kommen.

Zu den romantisierenden Erwartungen der Gesellschaft einer bäuerlichen, vielfältigen und kleinstrukturierten Landwirtschaft passe dies alles nicht, doch auch die gesellschaftlichen Tendenzen stimmten damit nicht überein. 80 Prozent der unter 30-jährigen würden im Jahr 2050 in den immer größer werdenden Städten leben. Dabei sei der urbane Ernährungskonsum, den meist Fast-Food-Ketten abdecken, schon heute von Schnelligkeit, Standardisierung, Einfachheit und ständiger Verfügbarkeit aus globaler Produktion geprägt. 

Ebenfalls in die Zukunft gerichtet war der Vortrag der beiden Hofer Junglandwirte Christian Findeiss und Andreas Wolfrum. Ihnen war es tatsächlich gelungen, mit ihrer Imagewerbung für die Landwirtschaft nicht nur in Fachkreisen einen gewissen Bekanntheitsgrad vor Ort zu erreichen. Unter dem Motto „Öffentlichkeitsarbeit 2.0“ zeigen sie auf Facebook, Instagram und YouTube wie Landwirtschaft von heute aussieht.

„Es wird immer schwieriger, die Menschen auf die Höfe zu bekommen, also müssen wir mit unseren Höfen zu den Menschen und das geht über die Social-Media-Kanäle“, sagte Andreas Wolfrum, der den Verbrauchern vor allem mit interessanten Videos einen Einblick in seine tägliche Arbeit gestattet. Auch Christian Findeiss, der auf seinem Hof unter anderem eine Milchtankstelle betreibt, geht es darum, aufzuklären, beispielsweise in dem er zeigt, wie viel Arbeit in einem Liter Milch steckt. „Trauen sie sich in die Öffentlichkeit und sprechen sie mit den Leuten, man kann letztlich nur gewinnen“, waren sich die beiden Junglandwirte einig. Die Welt könne man deswegen nicht retten, aber vielleicht doch ein Stückchen besser machen.

Zuvor hatte Kreisobmann Hermann Klug vom  größten Trockenjahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gesprochen, von der Diskussion um die geplanten Stromtrassen, die nach derzeitigem Stand wohl auch den Landkreis Hof tangieren würden, und von der Feinstaubdiskussion, an der plötzlich die Landwirtschaft schuld sein soll. Da kamen die aufmunternden Worte von Landrat Oliver Bär gerade recht. „Wenn es der Landwirtschaft gut geht, geht es auch dem Land gut“, sagte er. Die Landwirtschaft habe zwar breite Schultern, doch alles könne sie nicht aushalten. Zur Unterstützung der Landwirtschaft trage der Landkreis unter anderem durch sein Engagement für ein Grünes Zentrum in Münchberg bei. Dort sollen künftig die Kompetenzen von Amt, Schule, Bauernverband und Maschinenring unter einem Dach gebündelt werden.

Bild: Ihre „Öffentlichkeitsarbeit 2.0“ zu Gunsten der Landwirtschaft stellten die beiden Hofer Junglandwirten Christian Findeiss (rechts) und Andreas Wolfrum vor.

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29.01.2019

Faire Preise für fairen Handel /
Bewerbung zur Öko-Modellregion Fränkische Schweiz auf den Weg gebracht

Bayreuth. Die Bewerbung für eine Öko-Modellregion Fränkische Schweiz (ÖMR) ist auf den Weg gebracht. Bei einem Treffen von Vertretern der  ÖMR-Lenkungsgruppe und der Landwirtschaft in Bayreuth haben sich alle beteiligten Akteure unter der Federführung der Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer zuversichtlich gezeigt, dass die Region genügend Alleinstellungsmerkmale besitzt, um als Öko-Modellregion anerkannt zu werden.

Ziel dieser Regionen ist neben der Förderung des ökologischen Landbaus und der regionalen landwirtschaftlichen Erzeugung auch die entsprechende Vermarktung von Lebensmitteln sowie die Bewusstseinsbildung für eine nachhaltige Entwicklung. Die Öko-Modellregion Fränkische Schweiz wäre die erste derartige Einrichtung in Oberfranken und zugleich eine von sechs neuen Öko-Modellregionen, die das Bayerische Landwirtschaftsministerium ab April/Mai festschreiben will. Damit verbunden ist auch eine Förderung auf zwei Jahre in Höhe von 150.000 Euro für eine Projektstelle, bei der die Fäden zusammenlaufen sollen.

Den Öko-Modellregionen liegt der Gedanke zugrunde, dass vor dem Hintergrund der großen globalen Konkurrenz regionale Lebensmittel zunehmend wertvoller werden. Durch die Modellregionen sollen ökologische Produkte aus der Region im ländlichen Raum deshalb einen höheren Stellenwert bekommen. Dabei geht es aber nicht nur um die Steigerung des Anteils an Bio-Produktion, sondern auch um regionale Identität, um wertschätzenden Umgang mit der Natur. Tätigkeitsschwerpunkte der Öko-Modellregionen sind unter anderem die Stärkung des ländlichen Raumes und die Identifikation von Perspektiven für die bäuerliche Landwirtschaft, die Steigerung des Bioanteils in der Gastronomie und die Einbindung in das touristische Angebot sowie die Bewusstseinsbildung für regionale, transparente Kreisläufe.

„In Begleitung des Teams der ILE und der Beratungsangebote des Landwirtschaftsministeriums haben die Initiatoren ein schlüssiges Konzept entworfen und werden damit die Bewerbungshürden gut überspringen“, sagte Brendel-Fischer. Der Bewerbung zugrunde liegt eine Initiative innerhalb des Gemeindeverbundes der Integrierten Ländlichen Entwicklung „Wirtschaftsband A9 Fränkische Schweiz“ in Kooperation mit der ILE Fränkische Schweiz AKTIV.  „Wir wollen das Bewusstsein nicht nun bei den Erzeugern optimieren, sondern vor alle auch bei den Verbrauchern“, sagte Brendel-Fischer. Fairer Handel soll dabei nicht nur mit Erzeugern aus anderen Kontinenten, sondern auch und vor allem aus der näheren Umgebung betrieben werden. „Wir wollen auch ein Bewusstsein für faire Preise schaffen“, so die Abgeordnete. Schließlich würden vor Ort qualitativ hochwertigste Lebensmittel erzeugt.

Die Initiative richte sich ausdrücklich nicht gegen jemanden, alle sollten davon profitieren, so Dieter Hoch, früherer Lehrer und Stadtrat von Pottenstein sowie einer der Motoren der geplanten Öko-Modellregion. Er sei zuversichtlich, dass es gemeinsam vorangeht, sagte Michael Breitenfelder, ILE-Manager des Wirtschaftsbandes A9 Fränkische Schweiz, der die Bewerbung für die Öko-Modellregion vorstellte.

So soll zum Beispiel ein ökologisches Getreidelager entstehen, um Landwirten die Umstellung auf den ökologischen Landbau zu erleichtern. Auch die Zusammenarbeit regionaler Erzeuger und Vermarkter mit Großküchen, Kantinen und Versorgungseinrichtungen soll angestrebt werden, um regionale Strukturen zu stärken. Ein bereits existierendes Alleinstellungsmerkmal ist das Projekt „100 Hektar Silphie“. Dabei geht es um den Anbau der ausdauernden und mehrjährigen Pflanze mit dem Namen Silphie-Becherpflanze, die aufgrund ihrer großen Biomasseproduktion als Energiepflanze und damit als idealer Ersatz für Mais angebaut werden kann.

Miteinbezogen werden sollen in die weiteren Überlegungen auch Schäfer und Waldbauern, Jäger und Imker aber auch Vertreter von Bildungsträgern, Ämtern und Verbänden.

Bild: Machen sich für die Öko-Modellregion Fränkische Schweiz stark: „Motor“ Dieter Hoch und die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer

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21.01.2019

Dürreperiode machten Bauern zu schaffen /
BBV-Neujahrsgespräch: Landwirtschafts-Bashing muss endlich aufhören

Bamberg. Die Trockenheit des zurückliegenden Jahres war das alles beherrschende Thema beim Neujahrspressegespräch des oberfränkischen Bauernverbandes in Bamberg. Bezirkspräsident Hermann Greif sprach von einer „Dürreperiode, wie ich sie noch nie erlebt habe“. Überhaupt sei Franken 2018 „der Hitzepol in ganz Bayern“ gewesen.

Viele Landwirte hätten von der schlechtesten Ernte seit 40 Jahren berichtet. Selbst der „Jahrhundertsommer“ 2003 habe nicht diese negativen Auswirkungen gehabt, weil die Trockenperiode damals nicht so lange, beinahe bis in den Winter hinein, angehalten habe. Besonders stark betroffen gewesen seien der Raps und die Wintergerste. Deutliche Qualitätseinbußen habe es beim Weizen gegeben. Beim Grünland sei oft nur ein einziger Schnitt möglich gewesen. Insgesamt berichteten die Bauern im Regierungsbezirk von Ernteeinbußen um durchschnittlich ein Drittel im Vergleich zu 2017.

BBV-Präsident Greif sagte aber auch, dass man zumindest in manchen Gebieten mit einem blauen Auge davongekommen sei. Ein Gutes hätten die dürrebedingten Ertragsausfälle auch gebracht: viele Bauern hätten sich gegenseitig geholfen. Noch einmal dürfe ein solcher Trockensommer aber nicht kommen. „Noch so ein Ding, dann wird es richtig haarig“, sagte Greif. Selbst jetzt, zu Beginn des Jahres seien die Böden noch immer nicht richtig wassergesättigt.

Was den Bauern nicht nur in Oberfranken noch zu schaffen macht ist, dass sie für alles verantwortlich gemacht und an den Pranger gestellt werden. „Gerade bei den jungen Leuten macht sich der Frust breit“, so die oberfränkische Bezirksbäuerin und bayerische Landesbäuerin Anneliese Göller. Egal ob Klima, Wasser oder Luft, überall soll die Landwirtschaft schuld sein. Dabei hätten doch alle Betriebsleiter ein hohes Ausbildungsniveau und die Qualität der Erzeugnisse sei hervorragend. „Wir haben so gute und sichere Lebensmittel wie nie zuvor“, sagte Göller, und weiter: „Dieses Landwirtschafts-Bashing muss irgendwann mal aufhören.“

Als bestes Bespiel dafür bezeichnete Präsident Greif das aktuell laufende Volksbegehren der ÖDP. „Auch wir sind am Erhalt der Artenvielfalt interessiert, der Schutz der Bienen und Insekten ist uns schon deshalb ein Anliegen, weil sie wichtig sind für die Bestäubung unserer Kulturpflanzen.“ Nachdem die Zahlen der Imker und die der Bienenvölker sogar steigend sind, vermutet der Bauernverband, dass die Bienen nur als Vorwand genommen werden, um ganz andere Dinge durchzudrücken.

Landwirte sollen mit ordnungsrechtlichen Maßnahmen gegängelt und der Ökolandbau soll so per Gesetz durchgedrückt werden. Dabei seien die Ökobetriebe im BBV ohnehin schon eine große und wachsende Mitgliedergruppe. In Oberfranken hätten im zurückliegenden Jahr beispielsweise 709 Betriebe insgesamt 30400 Hektar Fläche nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus bewirtschaftet. Dazu komme das große Engagement bei Agrarumweltmaßnahmen sowie Aktionen wie „Blühende Rahmen“ um die Felder. „Wehren wir uns gegen die Botschaften, die da in die Welt gesetzt werden, obwohl sie jeglicher Grundlage entbehren“, sagte BBV-Direktor Dr. Wilhelm Böhmer, der auch von Populismus sprach.

Um den ländlichen Raum, aber auch um modernste Technik geht es schließlich bei der Forderung nach einer flächendeckenden Digitalisierung, möglichst mit dem superschnellen 5G-Netz. „Wir brauchen das schnelle Netz, nicht nur an jeder Milchkanne, auch auf jedem Acker“, so Präsident Greif. Er sieht großes Potenzial vor allem bei der Arbeit auf dem Feld, wenn es beispielsweise um die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln geht. Digitale Daten müssten überall zur Verfügung stehen, dann könnten die Landwirte in Zukunft noch effizienter und vor allem noch umweltschonender arbeiten.

Bild: Auf viele Herausforderungen blickten Bezirks- und Landesbäuerin Anneliese Göller, Bezirkspräsident Hermann Greif (Mitte) und BBV-Direktor Dr. Gerhard Böhmer beim oberfränkischen Neujahrsgespräch in Bamberg zurück.

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18.01.2019

Vorurteile erwiesen sich als haltlos / Bio-Legehennenhof wird mittlerweile größtenteils akzeptiert - Kulmbacher BBV-Kreisvorstandschaft traf sich zum „Stallgespräch“ auf dem Betrieb der Familie Haas

Mannsflur. Erst wurde gegen den Neubau eines Hühnerstalles protestiert, demonstriert und sogar geklagt, jetzt, knapp drei Jahre später, kommen einige der früheren Gegner und kaufen die Bio-Eier selbst. „Manche der ehemaligen Demonstranten haben sich sogar entschuldigt“, sagt Landwirt Stephan Haas aus Mannsflur. „Solche Gesten sind schön, das baut einen auf“, so der 43-Jährige.

Für den Kulmbacher BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger ist diese Situation absolut typisch: „Jeder will bio und jeder will regional, aber bloß nicht vor der eigenen Haustür“, sagte er bei einem „Stallgespräch“, das parallel zur Grünen Woche in Berlin auf dem Bio-Legehennenhof der Familie Haas in Mannsflur stattgefunden hat. Das Beispiel zeige auch, wie viele falsche Vorstellungen und Vorurteile über die Landwirtschaft von heute in der Gesellschaft kursieren, die sich am Ende als völlig haltlos erweisen.

Um die 12000 Hühner sind es, die in dem Bio-Legehennenstall am Ortsrand des Marktleugaster Ortsteiles Mannsflur unterwegs sind. Gut 10000 Eier liefern sie täglich, der Großteil, davon geht an die Gutshof-Ei GmbH im sächsischen Taucha, von wo aus die Eier bundesweit vermarktet werden.

Noch bis vor einigen Jahren gab es statt der Legehennen rund 40 Milchkühe auf dem Hof der Familie Haas. Zu wenig, um den Hof wirtschaftlich weiter zu betreiben. Irgendwann konnten die Eltern nicht mehr, wollten, beziehungsweise mussten aufgeben. Zum einen waren die Stallungen 40 bis 60 Jahre alt und mussten dringend erneuert werden, zum anderen herrschte noch die Anbindehaltung vor. Als Stephan Haas und seine Frau Karolin den Hof übernahmen, hatten sie sich schon jahrelang Gedanken über die Zukunft gemacht und waren nach der Besichtigung von Bio-Legehennenställen in ganz Deutschland sicher, das wollten sie auch machen. Vor drei Jahren erfolgte dann die Umstellung auf bio, im Juli 2018 der Einzug in den neuen 30 mal 90 Meter großen Stall. Die Milchviehhaltung läuft derweil langsam aus

Insgesamt bewirtschaftet Stephan Haas, der zusätzlich halbtags noch bei der BayWa in Kronach tätig ist, 80 Hektar Ackerbau- und Grünland. Den Weizen verfüttert er direkt an seine Hühner, Klee und Luzerne werden zu Grünpellets verarbeitet und an eine Futtermühle geliefert, Im Gegenzug bekommt er weiteres Futter für die Hühner. Auch der Hühnerkot wird als Dünger auf den eigenen Flächen ausgebracht, so dass auf dem Biohof ein geschlossener Kreislauf herrscht, bei dem alles verwertet wird.

Nach dem Anfangs erbitterten Streit sei in Mannsflur mittlerweile längst wieder Ruhe eingekehrt. Nur einige wenige Hardliner habe er noch gegen sich. Kreisobmann Wilfried Löwinger spricht sogar von einem Vorzeigebetrieb, weil man sich hier viele Gedanken gemacht habe. Gedanken über die Hofnachfolge, über die Weiterentwicklung des Betriebes und über dessen Wirtschaftlichkeit. Löwinger lobt auch, dass sich Stephan Haas nicht von den Protesten beirren habe lassen und konsequent seinen Weg gegangen sei.

„Wir Bauern machen die Menschen satt“, das sei die Botschaft der Landwirte und nicht wie es auf den Demonstrationen am Rande der Grünen Woche in Berlin heißt: „Wir haben es satt“. Es könne nicht sein, dass die Landwirtschaft zum Sündenbock abgestempelt und für alles vom Klimawandel bis zum Bienensterben verantwortlich gemacht werde. „Auch wir Bauern wollen fair behandelt werden“, sagte Löwinger.

Bild: Hier werden die Bio-Eier Tag für Tag aussortiert und verpackt. Im Bild von links: BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger, Stephan Haas, BBV-Geschäftsführer Harald Köppel, Kreisböuerin Beate Opel, Vorstandsmitglied Harald Unger, Karolin Haas, VLF-Kreisvorsitzender Reinhard Kortschack und die stellvertretende Kreisbäuerin Silvia Schramm.

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15.01.2019

Dialoge nicht ins Digitale verlagern / Klinikseelsorger Josef Epp beim Pegnitzer Landfrauentag

Pegnitz. Dialoge sind heute weitgehend ins Digitale verlagert, echte Zwiegespräche bleiben auf der Strecke. Das hat Josef Epp, Klinikseelsorger und Religionslehrer aus dem Allgäu beim Pegnitzer Landfrauentag am Dienstagnachmittag im ASV-Sportheim bedauert. Er rief dazu auf, wieder zu echter Kommunikation zurückzukehren, denn „wir brauchen den Dialog, wenn es um unsere Zukunft geht“.

„Im Dialog bleiben“ lautet das Jahresmotto der Landfrauenarbeit im Bauernverband. Es sei wichtig, miteinander zu reden und sich auszutauschen, sagte Kreisbäuerin Angelika Seyferth. Gerade auf den Bauernhöfen, wo oft noch mehrere Generationen unter einem Dach leben. Im Dialog sollte man als Landwirt aber auch mit den Verbrauchern bleiben und immer wieder die eigene Arbeit darstellen, von der viele Menschen in den Städten überhaupt keine Ahnung mehr haben. „Klären sie auf, wenn es beispielsweise darum geht, die Leistungen der Landwirtschaft für den Naturschutz herauszustellen“, sagte Seyferth.

Zuvor hatte die Kreisbäuerin eine gemischte Bilanz über das zurückliegende Jahr gezogen. Die Erntebedingungen seien gut, die Ernte selbst sei aber schlecht gewesen, sagte sie. Aktuell würden viele Berufskollegen in Südbayern unter den großen Schneemassen leiden. Von Skifahrern und Ausflüglern werde immer wieder berichtet, von den Bauern, zu denen kein Milchwagen mehr durchkommt, sei in der Öffentlichkeit kaum die Rede. „Auf solche Wetterkapriolen müssen wir uns wohl in Zukunft noch mehr einstellen“, so Seyferth.

Im Dialog bleiben setze voraus, dass man sich überhaupt im Dialog befinde, sagte Referent Josef Epp, der auch durch seine Buchveröffentlichungen bekannt geworden war. Er bezweifelte das. Immer weniger seien Menschen bereit, sich zu öffnen und anderen wirklich mitzuteilen. Viele Entscheidungen seien von Egoismus geprägt, der Konsens gehe verloren, die Gesellschaft drifte auseinander.

Doch wer keinen Dialog mehr führt, der verweigere sich auch dem sozialen Umfeld. Gerade auf den Dörfern mache sich dies schon bemerkbar, wenn beispielsweise Vereine keine Vorstände mehr finden. „Jeder macht sein Ding, das Miteinander bleibt auf der Strecke.“ Josef Epp rief deshalb dazu auf, wieder zum Dialog zurückzukehren, eigene Positionen zu vertreten, aber nicht ohne dem Gegenüber offen, aufmerksam und mit entsprechender Wertschätzung zu begegnen. Dialog benötige Zeit, Dialog benötige Humor, dann könnte nicht nur wieder ein Miteinander der Generationen möglich sein, sondern auch ein Konsens bei wichtigen Fragen innerhalb der Gesellschaft.

Für die großartige und ehrenamtliche Arbeit der Landfrauen bedankten sich in ihren Grußworten unter anderem Landrat Hermann Hübner, Bürgermeister Uwe Raab, Christa Reinert-Heinz vom Amt für Landwirtschaft und die stellvertretende oberfränkische Bezirksbäuerin Beate Opel aus dem Landkreis Kulmbach. Landrat Hübner merkte positiv an, dass heimische Produkte wieder hoch im Kurs stünden und der Verbraucher meist auch bereit sei, den Preis dafür zu bezahlen. Bürgermeister Raab appellierte an die Landwirtschaft, immer wieder den Dialog mit der Gesellschaft zu führen und so zu einem konstruktiven Miteinander zu kommen.

Umrahmt wurde der Pegnitzer Landfrauentag einmal mehr mit den Liedern des Bayreuther Landfrauenchors unter der Leitung von Martina Schill. Neben einer Trachtenmodenschau gab es auch eine Präsentation des Marktes Weidenberg durch die 3. Bürgermeisterin und frühere stellvertretende Bayreuther Kreisbäuerin Martina Meyer-Gollwitzer.

Bilder:
1.
       Der Bayreuther Landfrauenchor unter der Leitung von Martina Schill eröffnete den Landfrauentag im ASV-Sportheim.
2.
       Die stellvertretende Kreisbäuerin Doris Schmidt (rechts) und Kreisbäuerin Angelika Seyferth bedankten sich beim Referenten Josef Epp, der eigens aus dem Allgäu zum Pegnitzer Landfrauentag angereist war.

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03.01.2019

Klarer Verfechter der Genossenschaftsidee / Erwin Schwarz aus Burggrub bringt als Delegierter oberfränkische Anliegen in den VMB ein

Burggrub. „Wenn Ehrenamt Spaß macht, dann ist das keine Arbeit.“ Das sagt Erwin Schwarz, seit 2011 Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes in Kronach, seit 1998 stellvertretender Vorsitzender des Maschinenrings Coburg-Kronach-Lichtenfels, und seit 22 Jahren ehrenamtlich für die Milchwerke Oberfranken-West tätig, davon seit zwölf Jahren als Vorstandsmitglied. Der 58-Jährige ist außerdem bei der Raiffeisenbank Mitwitz-Stockheim-Küps, im Landschaftspflegeverband, im Verein der Ökologischen Bildungsstätte sowie bei der Maschinenring-Tochter MARA aktiv jeweils an führender Stelle tätig. Für den Verband der Milcherzeuger Bayern (VMB) bringt er als Delegierter die oberfränkischen Anliegen ein.

Für jeden anderen wäre das alles schon genug, denn der Tag hat eben einmal nur 24 Stunden. Bei Erwin Schwarz scheint dies anders zu sein. Er bewirtschaftet so ganz neben bei noch rund 200 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche, auf der er unter anderem Raps, Winterweizen und Wintergerste, Silomais, Kleegras und Triticale anbaut. In dem 1992 errichteten Laufstall und einem weiteren 2003 gebauten Außenklimastall gleich hinter dem Wohnhaus stehen 180 Milchkühe. Zwei Fremdarbeitskräfte beschäftigen er und seine Frau Ute auf dem Hof in Vollzeit, dazu kommt die junge Auszubildende Tina Wenske aus Redwitz

„Es geht viel über das Telefon, deshalb dauert das Frühstück auch immer etwas länger“, verrät der Landwirt, der den Hof in Burggrub, einem Ortsteil der Gemeinde Stockheim im oberfränkischen Landkreis Kronach, 1985 nach dem Tod seines Vaters übernommen hatte. Außerdem gibt es ja nicht immer nur Probleme. Vieles läuft auch glatt, abgesehen vom schlechten Handy-Empfang hier in Burggrub.

„Da, wo man etwas ändern kann, da werde ich es auch versuchen“, zeigt sich Erwin Schwarz selbstbewusst und erinnert an den 2. Juni 2017. Damals hatte er eine Demonstration gegen einen möglichen Nationalparkt Frankenwald angeregt und damit mehrere hundert Land- und Forstwirte mit rund 120 Schleppern, landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Holztransportern mobilisiert.

Auch der Milchstreik vor einigen Jahren sei so ein Ärgernis gewesen. Nicht bei den Milchwerken Oberfranken-West, einem der international führenden Hersteller von Käsespezialitäten mit Sitz in Meeder bei Coburg. „In Gebieten mit Genossenschaften war meist Ruhe“, zeigt sich Erwin Schwarz als klaren Verfechter der Genossenschaftsidee. Allerdings müsse er seinen Berufskollegen immer wieder erklären, dass sie es sind, denen die Molkerei (mit)gehört. Die Bauern hätten ein Mitspracherecht, etwa, wenn es um anstehende Investitionen geht. Und sie würden regelmäßig informiert, zum Beispiel in der jährlichen Generalversammlung oder in den Gebietsversammlungen draußen in den Regionen. Von den gut 800 Milchlieferanten, die nicht nur aus Franken und dem angrenzenden Gebieten in Thüringen sondern sogar aus Hessen kommen, würde dies alles bestens angenommen, so dass Erwin Schwarz die Genossenschaft bestens aufgestellt sieht.

Überhaupt sieht Erwin Schwarz die genossenschaftliche Idee etwas zu kurz gekommen. Etwa 50 Prozent der Milch in Bayern würden in Genossenschaften verarbeitet. Trotzdem sei der Stellenwert der Genossenschaften gering, weil sie nicht so in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Dabei seien gerade die Genossenschaften der Garant für einen guten Milchpreis.

Allerdings treibt Erwin Schwarz und seine Frau Ute noch ein ganz anderes Problem um. Er führt seinen Hof mindestens in der sechsten Generation. Bis zurück zum Jahr 1750 sei die Hofstelle nachweisbar. Doch nun ist die Zukunft offen. Obwohl das Paar drei Kinder hat, machte es Erwin Schwarz beim letzten Kreiserntedankfest öffentlich, „um Spekulationen vorzubeugen“, wie er sagt: „Wir suchen ein Hofnachfolger. Die älteste Tochter Yvonne (37) geht sowohl beruflich als auch privat andere Wege, Sohn Erich (32) ist als Maschinenbauingenieur in Amerika tätig und der jüngste Sohn Uwe kann den Betrieb aufgrund einer Behinderung nicht übernehmen.

„Wer führt unser Lebenswerk weiter?“, diese Frage treibt die Familie Schwarz seit geraumer Zeit um. Vielleicht sind es die derzeitigen Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft, vielleicht ist es die schwach strukturierte Gegend in Sichtweite zum ehemaligen Eisernen Vorhang. Bisherige Interessenten seien abgesprungen, sie hatten sich die Landwirtschaft irgendwie anders vorgestellt. Auch unter den zwölf Auszubildenden der zurückliegenden Jahre sei kein geeigneter Interessent gewesen. „Und das, obwohl der Betrieb von seiner Größe her leicht ein gesichertes Einkommen bietet“, zuckt Erwin Schwarz mit den Schultern. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt.

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29.11.2018

Bewusstsein für Wald und Holz schaffen/
Neue Infotafel soll auf vielfältige Leistungen der Waldbauern aufmerksam machen

Scheßlitz, Lks. Bamberg. „Holz ist in, auf den Zug sollten wir aufspringen.“ Eva Kaube von Pro-Holz-Bayern bringt es auf den Punkt, was die Waldbauern derzeit antreibt. Sie wollen darauf aufmerksam machen, wie bedeutsam die Waldbewirtschaftung ist. Im Scheßlitzer Stadtwald im Landkreis Bamberg geschieht dies mit einer großformatigen Tafel entlang eines beliebten Wanderweges. „In wenigen Worten wollen wir hier den Menschen klar machen, dass Holznutzung eine gute Tat für den Wald ist“, so Forstdirektor Michael Kreppel vom Amt für Landwirtschaft in Bamberg.

Auch wenn es abgedroschen klingt: „Nur wenn wir die Wälder nützen, schützen wir sie auch“, sagte Angelika Morgenroth, die Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Bamberg bei der Enthüllung der Informationstafel im Scheßlitzer Stadtwald. Die Tafel soll deshalb ganz besonders auf die großen Leistungen der Forstwirtschaft aufmerksam machen.

Holznutzung sei doch nichts falsches, wehrte sich Forstdirektor Kreppel gegen entsprechende Vorwürfe, wie sie manchmal von Teilen der Gesellschaft zu hören sind. Nur die Nutzung von Holz binde auch das Kohlendioxid. Die Tafel soll deshalb auch die vielfältigen Funktionen des Waldes in den Mittelpunkt stellen: Natur-, Wasser- und Artenschutz, aber auch die Erholungsfunktion für die Bevölkerung und eben auch die Einkommensfunktion für die Waldbauern.

Ganz wichtig werde es in Zukunft sein, bei Menschen außerhalb der Branche ein Bewusstsein für Wald und Holz zu schaffen, sagte Geschäftsführerin Eva Veit von Pro-Holz-Bayern. Sie erinnerte auch daran, dass die Forstwirtschaft nicht nur äußerst nachhaltig arbeitet, sondern auch sehr langlebig ist: „Was wir jetzt angehen, wird in 100 Jahren geerntet.“

Der örtliche Landtagsabgeordnete Holger Dremel (CSU) warb dafür, Wald und Holz schon im Kindesalter erlebbar zu machen. „Ein schöner Wald muss auch gepflegt werden, damit es ein schöner Wald bleibt“, sagte Bürgermeister Roland Kauper. Seine Stadt ist nicht nur die größte Kommune im Landkreis Bamberg sondern auch eine Gemeinde mit einem überaus großem Waldanteil. Allein der Stadtwald umfasst rund 400 Hektar.

Bei dem Termin zur Enthüllung der Informationstafel wurde auch immer wieder darauf angesprochen, dass 2018 ein Katastrophenjahr für den Wald mit langfristigen Auswirkungen sein wird. „Durch den Käfer und durch den Klimawandel werden wir in den kommenden Jahren viele Wälder verlieren“, sagte Geschäftsführer Patrick Hammerschmidt von der WBV Bamberg. „Wir steuern auf ein Waldsterben 2.0 hin“, so die Vorsitzende Angelika Morgenroth. Sie sprach von bundesweit 80000 Hektar Wald, die allein wegen der Trockenheit aktuell wieder aufgeforstet werden müssen.

Die Waldbesitzervereinigung Bamberg betreut im nordöstlichen Landkreis Bamberg rund 11500 Hektar Wald. Die Selbsthilfeorganisation hat circa 2350 Mitglieder. Im Waldkompetenzzentrum am Neumarkt in Scheßlitz sind neben dem Bereich Forsten des Amtes für Landwirtschaft, der Waldbesitzervereinigung Bamberg, der Revierverwaltung der Bayerischen Staatsforsten auch die Forstwirtschaftliche Vereinigung Oberfranken (FVO) und seit Juli der Bayerische Waldbesitzerverband mit einer Außenstelle unter einem Dach vertreten.

Bild: Kaum zu übersehen ist diese neue Infotafel im Stadtwald von Scheßlitz. Im Bild von links:  FVO-Geschäftsführer Jörg Ermert, Iris Götting-Henneberg vom Bayerischen Waldbesitzerverband, Ingrid Palecek von der WBV, Revierleiter Matthias Ott, WBV-Geschäftsführer Patrick Hammerschmidt, WBV-Vorsitzende Angelika Morgenroth, MdL Holger Dremel, Eva Veit von Pro Holz, der forstliche Berater Hans-Peter Schreier, Bürgermeister Roland Kauper und Forstdirektor Michael Kreppel.

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26.11.2018

Braugerstenbonus für Franken“ / Oberfränkische Braugerstenschau: Größere Anbaufläche und höherer Ertrag trotz Rekordtrockenheit

Kulmbach. Bei der Braugerste war Oberfranken im zurückliegenden Jahr zweigeteilt: Während in den Landkreisen Hof und Wunsiedel sowie im Kulmbacher Oberland eine fast normale Ernte mit ausgezeichneter Qualität eingefahren werden konnte, haben die Bauern im südlichen und westlichen Oberfranken massive Ernteverluste zu beklagen. „Je nach Boden und Niederschlag liegt das Minus bei 30 bis 50 Prozent“, sagte Vorsitzender Hans Pezold (Marktleugast) vom oberfränkischen Braugerstenverein. Bei der Braugerstenschau im Kulmbacher Mönchshof war der trockene Sommer diesmal das alles beherrschende Thema.

Kreisobmann Wilfried Löwinger sprach von einer katastrophalen Ernte in Teilen des Landkreises Kulmbach. 2017 sei noch schlimmer gewesen als das Trockenjahr 1976. Damals sei wenigstens noch im Herbst ein wenig Regen gefallen. Deshalb, und vor allem auch wegen der Tatsache, dass der regionale Markt derzeit nicht in der Lage ist, den Bedarf zu decken, forderte Löwinger einen „Braugerstenbonus für Franken“. Noch so ein Trockenjahr würde eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes bedeuten, warnte der Kreisobmann.

Aktuelle Zahlen zur Trockenheit hatte Friedrich Ernst vom Fachzentrum Pflanzenbau beim Amt für Landwirtschaft in Bayreuth im Gepäck. Insgesamt hätten zwischen Mai und Juli mindestens 50, je nach Standorten auch über 70 Prozent Niederschlag des langjährigen Durchschnitts gefehlt. Die Gerste habe sich deshalb in ihren Hauptanbaugebieten, also in den Mittelgebirgslagen und im Jura, nur schwach entwickeln können. Wenn der Ertrag deshalb auch meist knapp gewesen sei, so konnte Friedrich Ernst dennoch von einer „oft zufriedenstellenden Qualität“ sprechen.

Insgesamt hatte die Anbaufläche für Sommergerste in Oberfranken nach den Zahlen des Fachzentrums um fast neun Prozent auf gut 33120 Hektar zugelegt. Das sind 16 Prozent der gesamten Ackerfläche im Regierungsbezirk, oder anders ausgedrückt: „Auf jedem sechsten Hektar stand heuer Braugerste“, so Friedrich Ernst. Bei einem Durchschnittsertrag von knapp 52 Zentner pro Hektar kam der Sprecher auf ein Braugerstenaufkommen von 128500 Tonnen, elf Prozent mehr als im Vorjahr.

Bei den Braugerstenmustern lag die Sorte „Solist“ mit 66 Prozent mit deutlichem Vorsprung vor „Catameran“ (13 Prozent) und „Avalon“ (11 Prozent) an der Spitze. Am Anteil stark abgenommen habe die Sorte „RGT Planet“ (von 13 auf 6 Prozent). Andere Sorten wie zum Beispiel „Grace“ (2,5 Prozent) oder „Laureate“ (unter 1 Prozent) hätten nur noch einen sehr geringen Anteil gehabt.

Preisträger der Braugerstenschau wurden in diesem Jahr: Maxi Küspert aus Wunsiedel (1. Preis), Roland Kolb aus Wonsees im Landkreis Kulmbach (2. Preis) und Tina Küspert aus Wunsiedel (3. Preis). Damit sind erstmals zwei Schwestern unter den Bestplatzierten. Landkreissieger wurden: Thomas Betz aus Wattendorf (für die Landkreise Bamberg/Forchheim), Bruno Bächmann aus Aufseß (Bayreuth), Axel Baumgärtner aus Meeder (Coburg), Rainer Michel aus Gattendorf (Hof), Vorsitzender Hans Pezold aus Marktleugast (Kulmbach/Kronach), Georg Tempel aus Weismain (Lichtenfels) und Reinhard Jarsch aus Arzberg (Wunsiedel).

Bilder:
1.
 Siegerbild mit den Preisträgern der oberfränkischen Braugerstenschau (von links): Kulmbachs stellvertretender Bürgermeister Frank Wilzok, Roland Kolb, Vorsitzender Hans Pezold, Maxi Küspert, der stellvertretende Vorsitzende und Landtagsabgeordnete Martin Schöffel und Tina Küspert.
2.
 Auf großes Interesse war die Musterausstellung zur oberfränkischen Braugerstenschau im Kulmbacher Mönchshof gestoßen.
3. Durchschnittlicher Ertrag trotz katastrophalem Trockenjahr: Friedrich Ernst vom Fachzentrum Pflanzenbau beim Amt für Landwirtschaft in Bayreuth.

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03.11.2018

Monströse Maschinen und grazile Girls / Landjugend im Lokschuppen: Kalendergirlparty im Deutschen Dampflokomotivmuseum

Neuenmarkt, Lks. Kulmbach. Super Stimmung, eine perfekte Location und jede Menge sexy Mädels: nicht nur der Jungbauernkalender ist längst Kult, auch die dazugehörige „Kalendergirl-Party“. Diesmal fand sie im Deutschen Dampflokomotivmuseum (DDM) im Neuenmarkt statt. Rund 1500 Landjugendliche aus ganz Bayern fanden den Weg nach Oberfranken.

Schlanke Models und schwere Dampfrösser, grazile Girls und monströse Maschinen: die Heldinnen der Landwirtschaft hatten hier einen grandiosen Auftritt, live und in Lebensgröße, als wären sie gerade dem Kalenderblatt entstiegen. Dabei machten sie nicht nur auf den Bildern des Salzburger Fotografen Christian Maislinger eine ausgesprochen gute Figur. Sie alle haben auch einen landwirtschaftlichen Bezug: Vermessungstechnikerin Erika (28) aus Unterfranken, Fahrzeuginnenausstatterin Julia (20) aus der Oberpfalz, Agrarmanagementstudentin Sina (25) aus Schwaben, Hauswirtschafterin Theresa (22) aus Oberbayern, die tiermedizinische Fachangestellte Barbara (21) aus dem Allgäu und Physiotherapeutin Stefanie (27), ebenfalls aus der Oberpfalz. Sie alle waren sich einig und wurden nicht müde zu immer wieder zu betonen: „So vielfältig und abwechslungsreich wir die Landwirtschaft ist kein anderer Beruf.“

Beim Landjugend Bezirksverband Oberfranken freute man sich besonders, dass es die Kalendergirlparty als erste ehrenamtliche Großveranstaltung in dieser Dimension ins DDM geschafft hatte. „Wir möchten nicht nur den Kalender feiern und die Models präsentieren, sondern auch eine Lanze für die Landwirtschaft brechen“, sagte Bezirksvorsitzender Max Raimund von der Landjugend Schreez.  

Im Mittelpunkt stand natürlich der spektakuläre Kalender der Jungbauernschaft, der spätestens seit der Party die eine oder andere Stalltür schmücken wird. Auf jedem der zwölf Bilder wurden die sechs Mädels künstlerisch und höchst professionell in Szene gesetzt. Im riesigen Lokschuppen von Neuenmarkt spielte die Coverband „Blechhulza“ aus der Fränkischen Schweiz mit Sängerin Jasmin, angeheizt wurde die Stimmung durch die Cheerleadergruppe aus Kulmbach und durch Moderator Christian Höreth vom Lokalsender Radio Mainwelle.

Am Rande stellt der Landjugend-Bezirksverband erstmals seine neue Landjugend-App vor. Sie soll ein ganz neues Werkzeug der Jugendarbeit sein, alle Ortsgruppen in Bayern vernetzen und noch im Herbst allen Usern zur Verfügung gestellt werden, so Michael Kießling vom Arbeitskreis Jugend- und Gesellschaftspolitik. Allein in Oberfranken gibt es 35 Ortsgruppen.

Außerdem kündigten die Verantwortlichen das neue Großprojekt 2019 mit dem Titel „HeimatWurzeln“ an. Dabei sollen zum 70. Geburtstag der Landjugend und zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes 70 Obstbäume in ganz Oberfranken gepflanzt werden. An jedem Baum soll ein graviertes Blechschild mit einem Artikel des Grundgesetzes angebracht werden.

„Wir sind die, die draußen auf dem Dorf dafür sorgen, dass was los ist“, sagte Kießling. In Neuenmarkt hat die Landjugend einmal mehr gezeigt, was sie alles kann: eine Super-Party ehrenamtlich organisieren, der Landwirtschaft ein jugendliches, modernes Image verpassen und dabei auch noch erotisch rüberkommen. „Das schafft nur die Landjugend“, so Kießling.

Bilder:
1.
  Machen auch in Tracht eine gute Figur; die Kalendergirls des Jahres 2018.
2.
 September-Girl Julia.
3. Januar-Girl Sina..
3.
 April-Girl Teresa.

unten:.
 
o.l.:
 Wo sonst schwere Maschinen eingeheizt werden, heizten die sechs Kalendergirls der 2018er Edition ein.
o.r.:
 Die Cover-Band Blechhulza aus der Fränkischen Schweiz mit Sängerin Jasmin.
u.l.:
 Cheerleaders aus Kulmbach und Moderator Christian Höreth sorgten im DDM für Stimmung.
u.r.:
 Landjugend im Lokschuppen: das Dampflokomotivmuseum hatte Platz für 1500 Partygäste.


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28.10.2018

Begeisterung auf eigenen Betrieben umsetzen / VLF- und VLM in Oberfranken verabschiedeten Geschäftführer Ernst Heidrich

Selb. Verantwortung, Erfahrung und eine gute Ausbildung: darauf sollten die Bäuerinnen und Bauern setzen, um die Zukunft zu meistern. „Sie wissen seit Generationen, wie es geht, da brauchen sie das Feld nicht selbsternannten Experten überlassen“, sagte der Wunsiedler Landtagsabgeordnete Martin Schöffel bei der Bezirksversammlung der beiden Verbände für landwirtschaftliche Fachbildung (VLF) sowie für landwirtschaftliche Meister und Ausbilder (VLM) in Selb zu den Vertretern der einzelnen Kreisverbände.

Der Landwirtschaft sagte Schöffel, der auch Mitglied im Agrarausschuss des Landtags ist, eine gute Zukunft und große Chancen voraus. Allerdings müssten die Bauern alles daran setzen, die Menschen besser darüber zu informieren, was auf den Höfen wirklich los ist. Nur dann könnten die Menschen auch die Zusammenhänge verstehen.

Zuvor hatte sich Mario Güldner als neuer oberfränkischer VLF-Bezirksvorsitzender vorgestellt. Der 34-Jährige hatte nach einer kurzen Zeit der Vakanz den Vorsitz von Konrad Rosenzweig übernommen. Güldner kommt aus Aufseß im Landkreis Bayreuth. Dort bewirtschaftet er einen Milchviehbetrieb und ist als landwirtschaftlicher Lohnunternehmer tätig. Güldner ist nicht nur ausgebildeter Landwirt, sondern hat auch eine Lehre als Landmaschinenmechaniker absolviert. Dem VLF gehört er seit 2012 an.

Für ihr vielfältiges Engagement und ihren großen Einsatz zu Gunsten der landwirtschaftlichen Aus- und Weiterbildung wurden bi der Bezirksversammlung Christa Ziegler, Gudrun Pezold, und Harald Galster (alles aus dem Landkreis Bayreuth) sowie Renate Mitlacher (Landkreis Coburg) mit dem Silbernen Verbandsabzeichen geehrt.

Goldene Meisterbriefe gab es für Petra Mergner aus Saalenstein im Landkreis Hof sowie für Erwin Fröber und Richard Schübel, beide aus Schönlind im Landkreis Wunsiedel. „Sie gehören zur Spitze der rund 10000 aktiven landwirtschaftlichen Ausbildungsbetriebe in Deutschland“, sagte der VLM-Bezirksvorsitzende Rudi Steuer zu den drei Geehrten. Alle drei seien das beste Beispiel dafür, wie man Betriebe vorausschauend und der Nachfrage entsprechend ausrichtet. Dazu komme es, dass die Betriebsinhaber ihr Wissen und ihre Freude am Beruf immer wieder jungen Leuten weitergeben, damit sie diese Begeisterung nach ihrer Ausbildung auf ihren eigenen Betrieben umsetzen können.

Bei der Bezirksversammlung wurde außerdem Dr. Ernst Heidrich verabschiedet. Er führte zehn Jahren lang die beiden Bezirksverbände als Geschäftsführer. Heidrich war bis Ende Juni Leiter des Amtes für Landwirtschaft in Bayreuth. Heidrich plädierte unter anderem dafür, die jetzige Struktur der beiden Verbände auch auf Bezirks- und Landesebene so beizubehalten. Nur dann würden VLF und VLM von Politik und Gesellschaft auch wahrgenommen. Heidrich: „Wenn wir die breite Anerkennung der Landwirtschaft wollen, müssen wir uns auch Gehör verschaffen.“

Dem pflichtete auch der stellvertretende VLF-Landesvorsitzende Harald Schäfer bei. Aus- und Weiterbildung müsse in der Landwirtschaft höchste Priorität haben. Der Einsatz für flächendeckende und qualitativ hohe Landwirtschaftsschulen gehöre unabdingbar dazu. „Wir brauchen den VLF und den VLM, um mit entsprechenden Bildungsoffensiven hinein in Politik und Gesellschaft zu wirken“, sagte der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif. Die stellvertretende Vorsitzende des Meisterverbandes Dagmar Hartleb nannte VLF und VLM wichtige Interessensvertreter im Bereich der agrarischen Bildung, die mittlerweile zu einem festen Bestandteil der Gesellschaft geworden seien.

Die große Bedeutung der Landwirtschaft im Landkreis Wunsiedel machte der stellvertretende Landrat Roland Schöffel an den folgenden Zahlen deutlich: Von den 65000 Hektar des Wunsiedler Landkreises seien 45 Prozent Wald, 38 Prozent landwirtschaftliche Nutzfläche und 1,5 Prozent Gewässer. Damit seien fast 85 Prozent der gesamten Landkreisfläche Naturraum. Der Rest setze sich aus besiedelter Fläche und Verkehrsflächen zusammen.

Bilder:
1. VLF-Bezirksvorsitzender Mario Güldner (links) und die stellvertretende VLM-Vorsitzende Dagmar Hartleb verabschiedeten den langjährigen Geschäftsführer Dr. Ernst Heidrich.
2. Silbernes Verbandsabzeichen (von links): Geschäftsführer Dr. Ernst Heidrich, VLF-Bezirksvorsitzender Mario Güldner, die stellvertretende VLM-Vorsitzende Dagmar Hartleb, Christa Ziegler, Gudrun Pezold, Renate Mitlacher und Harald Galster.
3. Goldene Meisterbriefe (von links): der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel, Geschäftsführer Dr. Ernst Heidrich, der stellvertretende VLF-Landesvorsitzende Harald Schäfer, die stellvertretende VLM-Vorsitzende Dagmar Hartleb, Erwin Fröber, Petra Mergner, Richard Schübel und der VLM-Bezirksvorsitzende Rudi Steuer.

 

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19.10.2018

Extreme werden extremer / Forum „Waldkontroversen“ an der Universität Bayreuth zeichnet düsteres Bild von den Auswirkungen des Klimawandels

Bayreuth. Eines steht fest: der Wald wird ein anderer werden. Die Veränderungen in unseren Wäldern scheinen vor dem Hintergrund des Klimawandels auch wirklich das einzige Beständige zu sein. Dieses Bild zeichnete das 2. Forum „Waldkontroversen“, das die Campus-Akademie für Weiterbildung, das Bayreuther Zentrum für Ökologie und Umweltforschung und der Ökologisch-Botanische Garten an der Universität Bayreuth veranstaltet haben.

Konkrete Ergebnisse, wie der Wald der Zukunft mit dem Klimawandel zurechtkommen könne,  stellte Christian Ammer (links), Professor für Waldbau und Waldökologie an der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Georg-August-Universität Göttingen den rund 120 Vertretern der Staatlichen Forstverwaltung, des Privatwaldes, der Jagd und des Naturschutzes vor. Je unterschiedlich die Baumarten und ihre Ansprüche sind, umso eher sind positive Effekte zu erwarten, das heißt, umso besser können die Bäume trockene Phasen tolerieren. Die Begründung von Mischbeständen bezeichnete der Waldprofessor als eine Option, um den Klimawandel zumindest etwas abzufedern. Ammer nannte dabei die Große Küstentanne, die Schwarzkiefer, die Douglasie und die Roteiche als zu empfehlende Arten, für die einiges spreche.

Was die Bestandsbehandlung angeht, so setzt der Fachmann auf Durchforstung. Je stärker durchforstet wird, umso mehr Wasser komme in den Boden. Ammer sprach von kräftigen, aber nicht zu starken Durchforstungen, die das Trockenstressrisiko gerade in Fichtenbeständen wirkungsvoll begrenzen könnten. Er stellte aber auch klar, dass die genannten Optionen die Symptome des Klimawandels lediglich lindern, die Ursachen aber nicht bekämpfen können. „Hier sind wir vielmehr in unserer Rolle als Konsumenten gefordert“, so Ammer.

Der Klimawandel ist längst im Gange, das stellte einmal mehr Johannes Lüers (links) von der Abteilung Mikrometeorologie an der Universität Bayreuth klar. Alle Messreihen zeigten seit Mitte der 1980er Jahre einen Knick nach oben, auch in Oberfranken. Seit Beginn der 1980er Jahre gebe es immer mehr heißte Tage und immer weniger kalte Tage, Oberfranken werde wärmer, und zwar zu allen Jahreszeiten. Dazu kommt es nach den Worten des Wissenschaftlers, dass Starkregenereignisse sowohl an Häufigkeit, als auch an Intensität zunehmen und dass es schon lange keinen einzigen Monat mehr mit Dauerfrost gegeben hat.

Das wiederum führe zu neuen Schädlingen und Baumkrankheiten, so Ralf Petercord (links) von der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft. Insekten reagierten etwa durch eine schnellere Generationenfolge, durch ein erhöhtes Vermehrungspotenzial, durch eine Zunahme der Aggressivität und durch die Änderung der Verbreitungsgebiete auf den Klimawandel. „Es gibt keine Baumart ohne Risiko“, sagte Petercord. Klare Gewinner des Klimawandels seien schon jetzt der Eichenprozessionsspinner oder etwa der Schwammspinner.

Sogenannte Jahrhundertsommer kämen jetzt schon alle drei bis fünf Jahre, zeichnete Petercord ein düsteres Bild. „Extreme werden extremer“, sagte er. Für den Wissenschaftler stand deshalb auch fest: „Wir werden die Fichte über kurz oder lang auf einer ganz großen Fläche verlieren.“

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18.10.2018

Von Wandern bis Wellness: Urlaub auf dem Bauernhof wird digital / Landesversammlung Bauernhof- und Landurlaub in der Oberpfalz

Falkenberg, Lks. Tirschenreuth. Von der Planung über die Vorbereitung bis hin zum eigentlichen Aufenthalt: die Digitalisierung hat den Urlaub komplett erfasst. Auch den Urlaub auf dem Bauernhof: „Der Online-Bereich wird weiter auf uns zurollen“, sagte Susanne Wibbeke, Geschäftsführerin des Landesverbandes Bauernhof- und Landurlaub in Bayern. Bei der Mitgliederversammlung im oberpfälzischen Falkenberg sprach sie von einer großen Herausforderung, der Verband sei allerdings schon heute hervorragend aufgestellt.

Pinterest, Instagram, Facebook oder Twitter: auf den Social-Media-Kanälen ist der Bauernhof-Urlaub überall präsent. „Wir haben unser Online-Budget aufgestockt“, sagte die Vorsitzende Gerda Walser. Auf der Website www.bauernhof-urlaub.com gibt es zwei nagelneue höchstprofessionelle Videos, den Unterschied zwischen Bauernhof- und Landurlaub visuell darstellen, für Messen eine digitale Katalogstele, Online-Gewinnspiele und Schnittstellen zu sämtlichen Buchungsportalen.

So sehen auch die Planungen für 2019 jede Menge Online-Aktivitäten vor. So sollen die Online-Buchungsmöglichkeiten eingeführt, Suchmaschinen optimiert, weiterer Content erstellt und die Social-Media-Kanäle weiter ausgebaut werden.

Gleichwohl haben die guten alten Prospekte aber noch lange nicht ausgedient. Um Gegenteil: die 30000 Urlaubskataloge des Jahres 2018 waren diesmal schon im August vergriffen. Damit das im Jahr 2020 zum Zentralen Landwirtschaftsfest (ZLF) nicht passiert, soll die Auflage sogar erhöht werden. „Wir brauchen den Katalog unbedingt“, so die Vorsitzende. Ihren Worten zufolge wurden zuletzt rund 7000 Exemplare online angefordert, rund 6000 gingen bei Veranstaltungen weg, die Übrigen fanden über Werbepartner, Touristikunternehmen über Katalogservices ihre Abnehmer.

Bildung und Beratung sollen auch bei der künftigen Arbeit des Verbandes im Mittelpunkt stehen, so Anja Hensel-Lieberth von Bayerischen Landwirtschaftsministerium. Sie sagte die weitere Unterstützung für die Kampagnen des Verbandes zu und mahnte auch für die Zukunft ein einheitliches Auftreten an. „Der Landesverband wirbt als Marketingorganisation und Interessensvertretung bayernweit für die Anbietergemeinschaften, er ist damit das Sprachrohr für den Urlaub auf dem Bauernhof“, so Hensel-Lieberth.

„Wir wollen ja nicht nur Familien mit Kindern, sondern vor allem außerhalb der Ferienzeiten auch Wanderer oder Wellnesstouristen ansprechen“, sagte Gerda Walser. Der Landesverband hat aktuell 1927 Mitglieder aus 17 Anbietergemeinschaften. Der Großteil kommt mit 571 Mitgliedern aus Oberbayern, gefolgt von 501 aus dem Bereich Schwaben/Allgäu, Der Rest ist im Bayerischen Wald, Niederbayern und der Oberpfalz sowie in Franken zuhause.

Bilder:
1. Sämtliche Teilnehmer an der Landesverbandsversammlung Bauernhof- und Landurlaub Bayern versammelten sich zum Gruppenbild vor der imposanten Burg Falkenberg in der Oberpfalz.
2. Die erste Vorsitzende Gerda Walser (links) und die zweite Vorsitzende Angelika Soyer.
3. Thorsten Alms von der Geschäftsstelle, Vorsitzende Gerda Walser, Geschäftsführerin Susanne Wibbeke und die zweite Vorsitzende Angelika Soyer (von links).

 

Selbstbewusst und stolz, bloß nicht emotional / Gerd Sonnleitner bei der Landesversammlung Bauernhof- und Landurlaub Bayern

Falkenstein, Lks. Tirschenreuth. „Wer sich selber klein, hässlich und niedrig macht, der wird auch so behandelt.“ Das sagt Gerd Sonnleitner, ehemaliger Präsident des bayerischen, des deutschen und des europäischen Bauernverbandes. Bei der Landesverbandsversammlung Bauernhof- und Landurlaub Bayern in Falkenstein rief der jetzige BBV-Ehrenpräsident die Mitglieder zu mehr Selbstbewusstsein auf. „Seien sie stolz auf das, was sie tun“, sagte er.

Der echte kritische Gast verbringe seinen Urlaub ja ohnehin nicht auf dem Bauernhof. Aber auch der suchende und vielleicht sogar lernwillige Gast könne kritische Fragen stellen. Sonnleitner rief dazu auf, stets ruhig und selbstbewusst zu bleiben und vor allem eines: „Bloß nicht emotional werden.“

Alle Anbieter sollten sich stets klarmachen, dass Urlaubsbauernhöfe die besten Werbeträger für die Landwirtschaft sind. „Urlaub auf dem Bauernhof, das ist die glaubwürdigte und kostengünstigste PR-Arbeit für alle Betriebe“, sagte der frühere BBV-Präsident. Diese Art von Imagearbeit sei unbezahlbar, weil sie ja stets für die gesamte Landwirtschaft und den ländlichen Raum geschieht.

Als Ergebnis hielt Sonneitner fest, dass die öffentliche Wahrnehmung und die Sympathien der Menschen ganz stark auf Seiten der Bauern sind. „Für die sind wir nicht die Umweltvergifter, Tierquäler und Sadisten, als die wir manchmal dargestellt werden.“ Die schweigende Mehrheit stehe auf Seiten der Bauern. Diese Masse der Sympathisanten gelte es zu erreichen und zu gewinnen, ihnen müsse man die Augen öffnen für die Vielfalt und die Schönheit der Regionen, die von den Bauern gestaltet wurden.

Wie wichtig das richtige Image ist, machte Sonnleitner daran fest, dass für bayerische Produkte fast überall höhere Preise erzielt werden könnten. Der Imageeffekt sei sehr wichtig, um zu besseren Konditionen zu kommen. Die schöne Landschaft gehöre dazu, aber auch die emotionale Bindung, und dabei spiele der Urlaub auf dem Bauernhof eine große Rolle.

Allen Anbietern schrieb Sonnleitner eine konsequente Qualitätsausrichtung ins Stammbuch genauso wie Geschlossenheit, enge Zusammenarbeit und, vor dem Hintergrund politischer Unwägbarkeiten, ein starkes Auftreten. Er erinnerte dabei auch an die Anfänge von Urlaub auf dem Bauernhof, die damals gar nicht so positiv gesehen wurden. Von zusätzlichen Belastungen der ohnehin überlasteten Bäuerin war die Rede und von offener Ablehnung.

Diese Zeiten seien gottlob längst vorbei und der Bauernhofurlaub sei längst als wichtige Einkommensquelle für die Anbieter sowie als Gesundbrunnen für Körper und Geist für den Gast angesehen. „Urlaub auf dem Bauernhof ist ein wichtiger Teil unsrer bayerischen Landwirtschaft“, sagte Sonnleitner, und weiter: „Je digitaler alles wird, desto mehr brauchen wir die analoge Welt“.

Bilder:
1.
 „Bloß nicht emotional werden“: BBV-Ehrenpräsident Gerd Sonnleitner bei der Landesverbandsversammlung Bauernhof- und Landurlaub Bayern.
2.
 Die Vorsitzende Gerda Walser (rechts) und ihre Stellvertreterin Angelika Soyer bedankten sich beim BBV-Ehrenpräsidenten Gerd Sonnleitner für sein Referat bei der Landesverbandsversammlung.

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12.10.2018

Goldkronach gegen den Südost-Link / BBV und Bürgerinitiative demonstrierten mit riesigem Traktor-Konvoi gegen Stromtrasse

Goldkronach, Lks. Bayreuth. Mit einer Großdemonstration haben der BBV und die örtliche Bürgerinitiative gegen die geplante Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung (HGÜ-Leitung) demonstriert. Landwirte und ihre Familien aus dem Landkreis Bayreuth und den Nachbarlandkreisen Hof und Kulmbach waren mit über 80 Traktoren gekommen, um im Konvoi von den Ortschaften Kottersreuth und Leisau auf der Kreisstraße BT 12 an der Stadt Goldkronach und dem Ortsteil Nemmersdorf vorbei bis zum Kreuzstein zu fahren. Auf diesem Korridor könnte die Trasse nach den vorliegenden Informationen verlaufen.

Man habe bewusst keine Kundgebung eingeplant, sollte wollte lediglich ein kurzes und prägnantes Zeichen gegen die flächenverschwendende und unnötige Wahnsinnstrasse setzen, deren einziges Ziel es ist, Braunkohlestrom von Ost nach Süd zu transportieren, erklärten der stellvertretende Kreisobmann Harald Galster, BBV-Geschäftsführer Harald Köppel und Martin Förster für die Bürgerinitiative Goldkronach. Für Aufsehen sorgte der Bulldog-Konvoi trotzdem, zumal viele Bauern ihre Fahrzeuge mit Transparenten und großen Plakaten geschmückt hatten. „Monstertrasse – nein danke“, stand darauf, oder: „Die echte Energiewende braucht Stromspeicher und intelligenten Netzausbau, aber keine Gleichstrompassagen“.

Als Hauptleidtragende einer im Moment geplanten Erdverkabelung bezeichnete der stellvertretende Kreisobmann die Landwirtschaft. Die rund zwei Meter tiefen und etwa 20 Meter breiten Rinnen, die gegraben werden müssten um die Kabel zu verlegen, würden das Bodengefüge völlig durcheinander bringen. Hinzu komme eine Erwärmung des Bodens in der Nähe der Kabel um bis zu vier Grad Celsius. Nach den Worten von Martin Förster von der Bürgerinitiative „Goldkronach gegen den Südost-Link“ stelle die Leitung falsche Weichen in der Energiepolitik und verbrauche vor allem zu viel Fläche.

Von der Politik äußerte sich lediglich die Bayreuther Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer (CSU) zu der Aktion. Sie wies darauf hin, dass der Netzbetreiber Tennet die Erdverkabelung mittlerweile mit einer boden- und flächenschonenden Technik ausführen kann. Dass dies dennoch einen erheblichen Eingriff darstellt, räumt sie aber ein. Deshalb habe die Staatsregierung in dem kürzlich geschlossenen Eigentumspakt auch die HGÜ-Leitung besonders herausgestellt und setze sich für wiederkehrende Entschädigungsleistungen betroffener Grundeigentümer ein. „Dadurch sollen dauerhafte Bewirtschaftungsnachteile verhindert werden“, erklärt Brendel-Fischer. Sie bezweifelt allerdings die Entbehrlichkeit der Trasse. Dies hätten mehrere unabhängige Expertisen bestätigt. Dass der alternative Intensivausbau von Biomasseanlagen, Flächen-Photovoltaikanlagen und Windkraft als notwendiger Ersatz für Stromimporte auf keine gesellschaftliche Akzeptanz stoße, zeige sich regelmäßig.

Bilder: Rund 80 Traktoren rollten aus Protest gegen die geplante HGÜ-Leitung an Goldkronach und Nemmersdorf vorbei.

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08.10.2018

Engagiert, modern und aktiv / Landesbäuerin Anneliese Göller über 70 Jahre Landfrauen - Erntedank in Höchstädt im Fichtelgebirge

Höchstädt im Fichtelgebirge, Lks. Wunsiedel. Zusammen mit Landesbäuerin Anneliese Göller hat der BBV-Kreisverband Wunsiedel in der Peter-und-Paul-Kirche von Höchstädt im Fichtelgebirge Erntedank gefeiert. Im Mittelpunkt stand dabei die „Frauenpower vom Land“, wie es Göller formulierte. Göller, die auch oberfränkische Bezirksbäuerin und Bamberger Kreisbäuerin ist, sprach zum Jubiläum 70 Jahre Landfrauen im Bauernverband, während der Posaunenchor Höchstädt-Thierstein und der Landfrauenchor „Sechsämtermoila“ die passende musikalische Umrahmung in der prächtig geschmückten Kirche beisteuerten.

Zuvor hatte Pfarrer Knut Meinel aus Thierstein dazu aufgerufen, auch in Zeiten leerer Scheunen, staubtrockener Felder und Verlusten von rund 30 Prozent im Landkreis das Danken nicht zu vergessen. „Uns geht es gut in diesem Land“, sagte der Geistliche. Mit Blick auf das Landfrauenjubiläum sagte Meinel: „70 Jahre Landfrauen bedeutet auch 70 Jahre des Wohlstandes“.

Doch nicht nur das: 70 Jahre Wachstum und Fortentwicklung seien auch 70 Jahre Frieden, so Kreisobmann Harald Fischer. Das sei keine Selbstverständlichkeit, genauso wie die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln gerade in einem Jahr wie diesem. „Wir sind dankbar für die Ernte, die wir trotz der Trockenheit einfahren durften“, so Fischer. Immer wieder sollte man die Menschen daran erinnern, dass die gefüllten Regale in den Lebensmittelmärkten das Ergebnis bäuerlichen Wirtschaftens sind.

Vernetzung und Dialog, Bildung und Kultur, soziale Anliegen und ein stetiges Miteinander, dafür stünden seit Jahrzehnten die Landfrauen, sagte Anneliese Göller. Vieles habe man für Frauen im ländlichen Raum erreicht. Heute sei es allerdings wichtiger denn je zuvor, mit den Verbrauchern in den Dialog zu treten und sich für ein lebenswertes Leben auf dem Land einzusetzen. Eine aktive Bildungsarbeit gehört zwangsläufig dazu, ebenso wie Veranstaltungsangebote wie der Kindertag auf Bauernhöfen. „Kinder sollen den Weg der Lebensmittel von der Erzeugung bis zum Verzehr kennen und schätzen lernen“, sagte Göller. Deshalb sei es wichtiges Anliegen, das Wissen der Landfrauen an die junge Generation weiterzugeben.

„Engagiert, modern, aktiv, so sind wir“, sagte die Landesbäuerin und berichtete von 70 Landfrauenchören mit rund 1500 Sängerinnen, von circa 26000 ehrenamtlichen Kräften auf Orts-, Kreis- und Bezirksebene. Jüngstes Projekt der Landfrauenarbeit sei die vom Bundesentwicklungsministerium finanzierte Zusammenarbeit mit den Bäuerinnen in Kenia. In Afrika gehe es darum, dortige Milchviehhaltung durch Seminare für die Kälberaufzucht voranzubringen und die Bäuerinnen beim Aufbau von Selbsthilfeorganisationen zu unterstützen. 75 Prozent der Arbeit auf dem Land werde dort von Frauen geleistet, doch sie hätten bislang keine Stimme.

Bilder:
1.
 Kreisobmann Harald Fischer, Kreisbäuerin Karin Reichel und ihre Stellvertreterin Christine Medick bedankten sich bei Landesbäuerin Anneliese Göller für ihre Ansprache zum Kreiserntedank in Wunsiedel.
2.
 In der Peter-und-Paul-Kirche von Höchstädt im Fichtelgebirge hat der BBV Kreisverband Wunsiedel sein Erntedankfest gefeiert.
3. Die Bamberger Kreisbäuerin, oberfränkische Bezirksbäuerin und bayerische Landesbäuerin Anneliese Göller war die Festrednerin in der prächtig geschmückten Kirche von Höchstädt im Fichtelgebirge.

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07.10.2018

EU-Agrarpolitik nach 2020: Furcht vor noch mehr Bürokratie / Matthias Borst beim Königsfelder Jurabauerntag – Ernteeinbußen bei rund 30 Prozent im Bamberger Land

Königsfeld. Konditionalität statt Cross Compliance und Greening: Einen Ausblick auf die EU-Agrarpolitik nach 2020 hat der stellvertretende BBV-Generalsekretär Matthias Borst beim Königsfelder Jurabauerntag gewagt. Vieles soll anders werden, nicht unbedingt alles besser, das wurde dabei schnell deutlich.

Tatsächlich wird es die Begriffe Greening und Cross Compliance nicht mehr geben. „Die Inhalte werden aber bleiben“, nahm Borst den Bauern alle Illusionen. Der neue Namen Konditionalität stehe dabei für Bedingungen, die bei den Direktzahlungen als Bezugspunkte gelten sollen. Eine Basisprämie werde es nach wie vor geben, dazu einen Junglandwirtezuschlag und eine Umverteilungsprämie für die ersten Hektare, um bäuerliche Strukturen stärker zu fördern. Dazu soll außerdem eine Nachhaltigkeitsprämie kommen.

„Die Frage wird sein: Ist das alles Praxistauglich umsetzbar und wie sehen die Kontrollen aus“, sagte der Generalsekretär. Er befürchtete außerdem mehr Verwaltungs- und Kontrollbürokratie. Nicht ausgehebelt werden dürften dabei die ohnehin bestehenden Kulturlandschafts- und Vertragsnaturschutzprogramme. Auch ein Ausschluss von Nebenerwerbslandwirten und Einkommenkombinierern stehe zu befürchten.

Bis das Ganze allerdings spruchreif wird, kann es noch dauern. Die Diskussionen auf europäischer Ebene seien nicht einfach, sagte Borst. Dazu komme der schwierige Zeitplan bedingt durch die Brexit-Verhandlungen und die Europa-Wahl 2019. Der Referent ging deshalb davon aus, dass bis zum Jahr 2022 erst einmal Übergangsregelungen gelten werden.

Neben der fachlichen Information stand beim Königsfelder Jurabauerntag auch die Erntedankfeier im Mittelpunkt. Nach dem Gottesdienst, den der Ortsgeistliche Michael Herrmann in der St.-Jakobus-Kirche zelebriert hatte, wurde die Erntekrone an der Spitze eines Festzuges zu den Klängen der Aufseßtaler Blaskapelle in den Schleuppner-Saal getragen.

Dort erinnerte Kreisobmann Edgar Böhmer an eine Zeit, in der eine gute Ernte noch überlebenswichtig war. Trotz der Trockenheit heuer und trotz der Ernteausfälle von durchschnittlich rund 30 Prozent im Bamberger Land könne seien die Bauern froh und dankbar, dass sie überhaupt eine Ernte einbringen konnten. Andernorts seien die Ausfälle noch viel schlimmer.

Auch Bürgermeisterin Gisela Hofmann vertrat die Ansicht, dass Dankbarkeit am Ende von allem stehen sollte, auch wenn es für die Landwirte nach dieser langen Trockenperiode schwer falle. Viele Betriebe seien am Rande der Existenz, hoffentlich nicht darüber hinaus. „Ein weiteres Leugnen der selbstgemachten Klimakatastrophe werden der Menschheit nichts nützen“, fand die Bürgermeisterin ernste Worte.

Hoffnungsvoll blickten Melanie Huml, bayerische Gesundheitsministerin und Bamberger Abgeordnete, sowie Landrat Johann Kalb in die Zukunft. „Ländlicher Raum ist für mich Lebensraum“, sagte Huml. Es gäbe die wunderbare Kulturlandschaft nicht, wenn die Bauern nicht so unwahrscheinlich verantwortungsvoll mit der Natur umgegangen wären. Landrat Kalb erinnerte daran, dass die vielzitierte Genussregion Oberfranken kein Selbstläufer ist. „Ohne Bauern auch keine Genussregion. Landwirtschaft und Genuss, das gehöre einfach zusammen.“

Bilder:
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 Mit einem Festzug von der Pfarrkirche St.-Jakobus zum Jurabauerntag im Schleuppner-Saal wurde in Königsfeld Erntedank gefeiert.
2.
 Einen Geschenkkorb mit Produkten aus dem Bamberger Land überreichte Kreisobmann Edgar Böhmer (links) dem stellvertretenden BBV-Generalsekretär Matthias Borst.

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01.10.2018

Raus aus der Kohle, rein ins Gas / Veranstaltung des BBV-Bildungswerks: N-Ergie Vorstandschef stellte HGÜ-Stromtrasse in Frage

Nemmersdorf. Gegen neue Netze und für Dezentralität in der Stromversorgung hat sich Josef Hasler, Vorstandsvorsitzender des Nürnberger Regionalversorgers N-Ergie ausgesprochen. Bei einer Veranstaltung des BBV-Bildungswerks zur geplanten Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung (HGÜ-Leitung) in Nemmersdorf bei Goldkronach stellte Hasler den Neubau des sogenannten Süd-Ost-Links in Frage.

Das Thema hat schon einmal hohe Wellen geschlagen. Aufgrund der gesellschaftlich wie politisch gewünschten Energiewende sollten die HGÜ-Leitungen von Norden nach Süden gebaut werden. Nachdem eine oberirdische Trasse wieder verworfen wurde, soll die Stromautobahn nun unterirdisch verlaufen. „Aus Sicht der Landwirtschaft ein zweischneidiges Schwert“, so BBV-Kreisobmann Karl Lappe. Die großen Masten seien zwar vom Tisch, doch auch die unterirdische Trasse verbrauche immens Fläche, in der Regel landwirtschaftliche Nutzfläche. Ist das wirklich notwendig, und wenn ja, wie sollen die Landwirte dafür entschädigt werden, das seien die zentralen Fragen. Der Bauernverband habe seinen Mitgliedern jedenfalls erst einmal dazu geraten, nichts zu unterschreiben, auch keine Absichtserklärungen.

Josef Hasler, Betriebswirtschaftler und Energieexperte, der auch schon im Kernkraftwerk Isar bei Landshut und für den E.on-Konzern in Ungarn tätig war, fand bei der Veranstaltung im randvoll besetzten Nemmersdorfer Sportheim deutliche Worte. „Wir sprechen über Industrie 4.0, über das Internet der Dinge, über autonomes Fahren und in der Energieversorgung fällt uns nichts anderes ein, als Leitungen von A nach B zu bauen“, sagte er.

Nur mit regenerativen Energien sei die Versorgungssicherheit nicht zu schaffen. Konventionelle Energie sei weiterhin notwendig. Um die Klimaziele zu erreichen könne die Lösung deshalb nur lauten: Raus aus der Braunkohle, raus aus der Steinkohle, rein ins Gas. Was noch dazu kommen muss, sei die Investition in Speichertechnologien. Der Bau der 600 Kilometer langen Südosttrasse, deren Kosten noch nicht einmal seriös beziffert werden könnten, gehöre nicht dazu.

In der Energieversorgung der Zukunft setzt N-Ergie-Vorstandschef Hasler auf die rund 800 Regionalversorger und nicht auf die vier großen Stromkonzerne. Natürlich sei es für die Politik einfacher, mit den vier großen Konzernen zu verhandeln, als mit den etwa 800 Stadtwerken in ganz Deutschland. Für den Verbraucher sei die Energieversorgung allerdings deutlich sicherer, wenn sie auf 800 Schultern ruht, als auf den vier Pfeilern der großen Konzerne.

Insgesamt sprach sich Hasler dafür aus, das gesamte Thema neu zu justieren. Die Energiewende fordere Kreativität, die entsprechenden Techniken seien da. Über die langfristigen Auswirkungen eines Erdkabels gebe es allerdings keinerlei Erfahrungen. Er persönlich glaube ohnehin nicht an die anvisierte Fertigstellung der Trasse bis zum Jahr 2025.

Deutliche Worte fand auch Hans Engelbrecht, Landwirt aus Lankendorf: Für die 600 Kilometer unterirdische Trasse querfeldein seien rund 50000 Hektar Land und zusätzlich weitere 50000 Hektar als Ausgleichsfläche nötig. Abgesehen vom gigantischen Flächenverbrauch werde dieses Vorhaben nur über Landenteignung durchzusetzen sein. Für Engelbrecht unmögliche Zustände, über die Folgen habe sich noch niemand Gedanken gemacht.

Bild: BBV-Kreisobmann Karl Lappe (rechts) bedankte sich bei N-Ergie-Vorstandschef Josef Hasler für die Informationen zum geplanten Süd-Ost-Link. Links im Bild der Bürgermeister der gastgebenden Gemeinde Goldkronach Holger Bär.

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30.09.2018

Landwirtschaft ist der Problemlöser der Zukunft / Forchheimer Kreiserntedank lockte viele tausend Besucher nach Muggendorf

Muggendorf, Lks. Forchheim. Das Forchheimer Kreiserntedankfest im Wiesenttaler Ortsteil Muggendorf ist traditionell eines der größten in Oberfranken. Doch diesmal konnte sich keiner der Beteiligten daran erinnern, dass jemals zuvor so viele Besucher ins Herz der Fränkischen Schweiz gekommen waren. Viele tausend Besucher säumten bei prächtigem Herbstwetter die Straßen von Muggendorf um den Erntedankfestzug mit vielen hundert Mitwirkenden, mehreren aufwändig geschmückten Wagen, Blaskapellen, Tanzgruppen, Landfrauen und sogar Böllerschützen zu verfolgen. Zu den Mitwirkenden gehörten unter anderem auch die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert, die Landtagsabgeordneten Michael Hofmann und Thorsten Glauber, „gekrönte Häupter“, wie die Fränkische Kirschkönigin Sandra Grau, die Spargelkönigin Theresa Bub, die Forchheimer Bierkönigin Miriam Leiner und mehrere Weinprinzessinen, genauso wie Vertreter von Vereinen, Tanzgruppen, Kirchen, Schulen und Fahnenabordnungen.

Laut Bürgermeister Helmut Taut war es das 45 Kreiserntedankfest in Zusammenarbeit mit dem BBV, einen Festzug gibt es bereits seit 1949 und das gleichzeitig stattfindende Kürbisfest wird schon seit gut 150 Jahren gefeiert. Auch für den Bürgermeister hat der Festzug diesmal alles Dagewesene übertroffen. „Der Zug war s groß, wie schon lange nicht mehr“, sagte er und bedankte sich bei den vielen ehrenamtlichen Helfern, die ein Woche lang mit vollstem Einsatz gearbeitet haben.

Trotz aller Feiern stehe der Dank im Vordergrund sagte der oberfränkische BBV-Bezirkspräsident und Forchheimer Kreisobmann Hermann Greif. Er rief dazu auf, dankbar zu sein, auch wenn der Ertrag heuer geringer ausgefalle ist. „Die Ernte war schlechter, aber es gab eine Ernte und das ist nicht selbstverständlich“, sagte Greif. Weite Teile der Bevölkerung merkten allerdings gar nicht mehr, ob die Ernte gut oder schlecht war. Die Regale seien schließlich immer voll.

Darauf zielte auch der unterfränkische BBV-Bezirkspräsident Stefan Köhler ab. Leider habe Erntedank heute seine Bedeutung verloren, bedauerte er. „Die Milch fließt endlos aus dem Tetrapack“, Gemüse, Fleisch und Eier liegen massenweise in den Regalen und Brot und Brötchen werden aus dem Automaten geworfen“. Allzu sicher sollte man sich trotzdem nicht sein. Deutschland habe nur noch einen Selbstversorgungsgrad von 85 Prozent. Das bedeutet, 15 Prozent der erforderlichen Nahrungsmittel müssten bereits importiert werden.

Köhler stellte außerdem klar, dass die Landwirtschaft keine Branche der Vergangenheit, sondern der Problemlöser der Zukunft ist. Ernährungssicherheit, Energieversorgung und Klimaschutz, das seien die Herausforderungen der Zukunft und für alles habe die Landwirtschaft Lösungen parat.

In den Dienst der guten Sache stellten sich auch heuer wieder die Landfrauen. Sie spendeten nach den Worten von Kreisbäuerin Rosi Kraus diesmal wieder zwischen 80 und 90 Kuchen und Torten sowie über 800 „Küchla“. Der Erlös in Höhe von mehreren 1000 Euro kommt dem bäuerlichen Hilfsdienst und der Lebenshilfe Forchheim zugute.

Bilder:
1. Ein stattlicher Festzug bewegte sich durch Muggendorf, einem Ortsteil des Marktes Wiesenttal in der Fränkischen Schweiz.
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 Schulen und Kindergärten bereicherten den Festzug mit liebevoll geschmückten Kürbiswägen.
3. Mehrere aufwändig herausgeputzte Erntedankgespanne waren einer der Höhepunkte des Festzuges
4. Kreisbäuerin Rosi Kraus und der oberfränkische BBV-Bezirkspräsident und Forchheimer Kreisobmann Hermann Greif (rechts) überreichten dem unterfränkischen Bezirkspräsidenten Stefan Köhler einen Geschenkkorb mit Spezialitäten aus der Region.

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23.09.2018

Bauern stellen Versorgung in Krisenzeiten sicher / Günther Felßner beim Erntedankfest im Kulmbacher Land

Pechgraben, Lks. Kulmbach. Im Kulmbacher Land wurde heuer die schlechteste Ernte seit dem Trockenjahr 1976 verzeichnet. Das hat Kreisobmann Wilfried Löwinger festgestellt. Er sprach von Einbußen in Höhe von 30 bis 50 Prozent. Wenn trotzdem Erntedank gefeiert wurde, dann deshalb, weil man hierzulande von schlimmen Unwettern verschont geblieben sei und auch in diesem Jahr jedem ausreichend Nahrungsmittel zur Verfügung gestanden hätten. Vor dem Hintergrund von vielen Millionen Menschen, die auf der Welt hungern müssten, sei dies keine Selbstverständlichkeit.

Löwinger sprach von enormer Futterknappheit. Der erste Schnitt sei mäßig gewesen, der zweite habe nur noch den halben Ertrag erbracht, der dritte und vierte Schnitt sei dann völlig der Trockenheit zum Opfer gefallen. „Nur Betriebe, die noch Vorräte hatten, kamen über die Runde“, sagte der Kreisobmann. Alle anderen hätten bereits ihre Viehbestände reduziert, was wiederum zur Folge hatte, dass der Schlachtpreis in den Keller gerutscht sei.

Mittlerweile sei die Situation sogar noch schlimmer als im großen Trockenjahr 1976. „Noch so ein Jahr, und wir müssen die schlimmste Katastrophe befürchten“, so Löwinger. Die Situation zeige aber auch einmal mehr, dass sich das Land auf seine Bauern verlassen könne. Die Versorgung sei selbst in Krisenzeiten sichergestellt, wenngleich das wirtschaftliche Risiko die Bauern selbst tragen müssten. Löwinger: „Es sind die Bauern, die uns satt machen, nicht Aldi. Lidl und Co“.

„Unsere Produkte sind lebensnotwendig und lebenswichtig, das unterscheidet uns von anderen Branchen“, sagte Festredner Günther Felßner, stellvertretender BBV-Präsident aus dem Nürnberger Land. Die zentrale Erntedankbitte „Unser tägliches Brot gib uns heute“, habe deshalb nicht an Aktualität verloren. Erntedank gerade in einem solchen schwierigen Jahr zu feiern, das bedeutet nach den Worten Felßners auch, das Wunder des Lebens zu feiern. Ein Getreidekorn sei so ein Wunder des Lebens. Letztlich sei alles Leben auf ein solches Samenkorn aufgebaut und dafür gelte es zu denken.

Im Landmaschinenpark Neff, der gleichzeitig mit dem Erntedankfest sein 60-jähriges Betriebsjubiläum feierte, war die Bühne in der Maschinenhalle üppig mit Obst, Gemüse und Feldfrüchten dekoriert. Zuvor gab es dort einen festlichen Gottesdienst, den der evangelische Pfarrer Elmar Cromer zelebrierte. Er ging in seiner Predigt auch auf den Preisdruck der Lebensmittelkonzerne und auf das Höfesterben ein. Früheren Zeiten nachzutrauern, mache aber keinen Sinn. Das Rad der Zeit drehe sich immer schneller und sei die zentrale Herausforderung, damit umzugehen. Umrahmt wurde der Gottesdienst vom Kulmbacher Landfrauenchor unter der Leitung von Regina-Ulrike Böhmann.

Auf dem weiten Gelände der Firma Neff in Pechgraben bei Neudrossenfeld hatten der Ring junger Landfrauen und Landwirte, das Amt für Landwirtschaft und die Waldbauern sowie der Maschinenring ihre Stände aufgebaut. Das Unternehmen zeigte nicht nur modernste Technik, sondern sorgte auch dafür, dass der Nachwuchs einen abwechslungsreichen Tag mit verschiedenen Spielen verbringen konnte.

Bilder:
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 Prächtig geschmückt war die Bühne in der großen Halle des Landmaschinenparks Neff zum kreiserntedankfest, als Kreisobmann Wilfried Löwinger die zahlreichen Gäste begrüßte.
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Der Kulmbacher Kreisobmann Wilfried Löwinger (rechts) überreichte dem stellvertretenden BBV-Präsidenten Günther Felßner einen Geschenkkorb mit Kulmbacher Spezialitäten.

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21.09.2018

„Alle tierschutzrechtlichen Vorgaben eingehalten“ / Peta-Anzeigen wegen Karpfensaisoneröffnung

Bad Alexandersbad. Wegen angeblicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz hat die Organisation Peta gegen alle aktiv Beteiligten an der Eröffnung der bayerischen Karpfensaison Ende August in Bad Alexandersbad Anzeige erstattet. Dazu gehören neben der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber auch die beiden Landtagsabgeordneten Ludwig von Lerchenfeld und Martin Schöffel, Bezirkstagspräsident Günther Denzler, Landrat Karl Döhler, der Bürgermeister von Bad Alexandersbad, Peter Berek und der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken, Dr. Peter Thoma.

Peta spricht von Tierquälerei und hat nicht nur wegen vermeintlicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz sondern auch gegen die Tierschutzschlachtverordnung Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Hoff eingereicht. „Wir haben die Zeitungsberichte über die Veranstaltung gesehen. Auch ist uns ein Video zugespielt worden, das panisch zappelnde Karpfen in einem Bottich mit sehr flachem Wasser zeigt. Schließlich sind die Fische von Politikern in die Hand genommen worden", wird Edmund Haferbeck von Peta in der örtlichen Presse zitiert. Lebende Fische dürften nur in Behältern aufbewahrt werden, deren Wasservolumen den Tieren ausreichende Bewegungsmöglichkeiten biete.

„Heute wissen wir, dass ein Fisch ein Jemand ist und kein Etwas. Da ist das bewusste Zufügen von Angst, Leid und Atemnot und für eine PR-Aktion ethisch und juristisch inakzeptabel“, so Dr Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei Peta. In einer auf der Internetseite der Organisation veröffentlichten Pressemitteilung ist außerdem von „um Luft ringenden Fischen“ und „panisch zappelnden Karpfen“ die Rede. Fische seien neugierige und freundliche Wirbeltiere mit individuellen Persönlichkeiten, heißt es weiter.

Diesen Aussagen widerspricht Teichgenossenschafts-Vorsitzender Dr. Peter Thoma energisch: „Zu den Vorwürfen ist zu sagen, dass alle tierschutzrechtlichen Vorgaben vollständig eingehalten wurden“, so Thoma. Das Verbringen der Fische zum Sortiertisch sei mit wassergefüllten Bottichen erfolgt. Der Sortiertisch sei mit vorgenässter Glattbeschichtung versehen gewesen und die „Wasserspritzer“ beim Aufgeben der Fische auf den Sortiertisch seien in den Aufnehmen deutlich zu sehen.

„Die Politiker waren vorher eingewiesen wurden, wie das Handling der Fische zu erfolgen habe und die Zeit der Fische an Luft hat sich nicht vom normalen Sortiervorgang unterschieden, der erforderlich ist um die Fische auf Verletzungen durch Prädatoren und Außenparasiten zu kontrollieren und in die Fischarten, also Karpfen Schleie oder Hechte, und Fischgrößen zu trennen.“ Danach seien die Fische wieder in wassergefüllte Behältnisse gegeben worden, sagte der Vorsitzende und weiter: „Somit hat alles der guten fachlichen Praxis entsprochen.“

Bild: Alle, die einen Karpfen in Händen halten, hat die Organisation Peta wegen eines angeblichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz angezeigt (von links): Dr. Peter Thoma, Ludwig von Lerchenfeld, Martin Schöffel, Michaela Kaniber, Karl Döhler, Inge Aures (ohne Karpfen), Peter Berek und Günther Denzler.

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14.09.2018

Hoher Aufwand, hohe Abschusszahlen / BBV und Jäger informierten über revierübergreifende Drückjagd

Kulmbach. „Manche schrecken davor zurück, so dramatisch ist es aber gar nicht“, sagt Otto Kreil. Der 2. Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägervereins Kulmbach spricht von der revierübergreifenden Drückjagd, eine der effektivsten Möglichkeiten, der immer weiter steigenden Zahl von Wildschweinen Herr zu werden. Was bei der Planung und Durchführung einer solchen Drückjagd alles zu beachten ist, darüber berichtete Kreil bei einer gemeinsamen Informationsveranstaltung zusammen mit dem Bauernverband vor Jägern, Jagdpächtern, Jagdvorstehern und Landwirten in Kulmbach.

Die höchsten Abschusszahlen würden derzeit noch immer mit der klassischen Ansitzjagd erzielt. Pro erlegter Wildsau kommen die Fachleute allerdings auf 20 Stunden, während bei einer Drückjagd schon mal zehn bis 15 Tiere in zweieinhalb Stunden erlegt werden könnten. Der organisatorische Aufwand sei freilich ungleich größer, manchmal auf der finanzielle. „Mancher Jäger weiß vor lauter Paragraphen nicht mehr, wo hinten und vorne ist, das schreckt ab“, sagte Kreil, der aber trotzdem ganz klar die revierübergreifende Drückjagd favorisiert.

Notwendig dazu sind neben einem geeigneten Revier, guten Kontakten zu den Reviernachbarn, ausreichender Revierkenntnis auch genügend Helfer und vor allem gut ausgebildete Hunde. „Alleine werdet ihr es nicht schaffen“, sagte Kreil. Gleichzeitig stellte er auch fest, dass ein guter erfahrener Hund mehr wert ist, als zehn Treiber. Was noch notwendig ist: Sichere und stabile Reviereinrichtungen, denn nur von einer stabilen Einrichtung sei auch ein sicherer Schuss möglich.

Was den Versicherungsschutz angeht, so stellte der 2. Vorsitzende fest, dass jeder Jagdleiter über seine Jagdhaftpflicht ausreichend versichert ist. Vieles sei damit schon von Haus aus abgedeckt. Kreil sagte aber auch: „Eine gesetzeskonforme Absolution werden sie nie bekommen.“ Wenn ein Schaden auftaucht, werde sich zunächst einmal jeder Versicherung winden. Trotzdem sollten immer gründliche Jagdscheinkontrollen, gegebenenfalls auch Kontrollen des Schießnachweises stattfinden.

Als einen der wichtigsten Punkte überhaupt nannte der Fachmann die Verkehrsabsicherung. Gemeindeverbindungs- und Kreisstraßen ließen sich relativ einfach managen, bei Bundesstraße werde es ungleich schwieriger. Kreil empfahl die gesamte Palette von Sicherungsmaßnahmen voll auszuschöpfen. Dies beginne bei Warnschildern, gehe über Warnmeldungen in der Presse und im lokalen Radiosender bis hin zur Absicherung durch die örtliche Feuerwehr, wenn es sein muss auch mit Blaulicht, das sei besonders wirksam. Bei Vollsperrungen fielen dagegen schnall mal Kosten im vierstelligen Bereich an. Trotzdem sollte die Sicherheit stets an oberster Stelle stehen.

Trotz aller Bürokratie: „Die Jagd sollte immer noch ein gesellschaftliches Highlight bleiben“, sagte Kreil. Geselligkeit und Kameradschaft gehörten auch dazu wie Traditionen. Jäger bräuchten sich nicht verstecken. „Wir tun ja schließlich auch etwas für die Gesellschaft und für die Natur, und wir brauchen uns auch vor Tierschützern nicht zu schämen“, so der Sprecher.

Bild: Sie haben das Schwarzwild im Focus (von links): BBV-Geschäftsführer Harald Köppel, der Kulmbacher Landtagsabgeordnete Ludwig von Lerchenfeld und Otto Kreil, 2. Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägervereins Kulmbach.

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09.09.2018

Heizung, Holz und Häcksler: Größte Forstmesse der Fränkischen Schweiz / 50 Aussteller und rund 3000 Besucher beim Wald-Holz-Energietag in Weidensees

Weidensees, Lks. Bayreuth. Fast 50 Aussteller, so viele wie nie zuvor, hatten sich diesmal am Holztag der Forstbetriebsgemeinschaft im Betzensteiner Ortsteil Weidensees beteiligt. Die Großveranstaltung, die seit 2006 alle zwei Jahre auf dem Gelände des Unternehmens Holzbau Hümmer stattfindet, heißt mittlerweile Wald-Holz-Energietag und gilt mit bis zu 3000 Besuchern als größte Forstmesse der Fränkischen Schweiz.

Im Mittelpunkt stand die Trockenheit der zurückliegenden Monate. Schon der evangelische Pfarrer Ulrich Böhm aus Betzenstein machte sich beim Festgottesdienst unter freiem Himmel seine Gedanken über den Klimawandel. Nach der Regenzeit von Oktober 2017 bis Anfang 2018 und dem trockenen Rekordsommer ab April 2018 bereite der Borkenkäfer jetzt große Sorgen, sagte der Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft, Werner Lautner aus Creußen. Die wichtigste Frage der Zukunft für alle Waldbesitzer laute deshalb: „Wie richte ich mich für die Zukunft aus?“. Stabile Mischwälder müssten dabei im Focus stehen.

Dazu riet auch die bayerische Waldkönigin Johanne Gierl. Die Botschafterin der Wälder und der Waldbesitzer aus dem Landkreis Regen sprach sich für multifunktionale Wälder aus, um künftig auf alles vorbereitet zu sein. Dazu benötige es auch starke Partner wie die FBG Pegnitz, damit die Forstbranche optimal aufgestellt ist.

Forstoberrat Udo Wenzel vom Amt für Landwirtschaft in Bayreuth sprach ebenfalls die große Trockenheit an und appellierte an alle Waldbesitzer, gerade jetzt regelmäßige Borkenkäferkontrollen durchzuführen. Die niedrigere Vitalität der Waldbäume führe unweigerlich zu einer höheren Schädlingsgefahr. Nester müssten sofort ausgeräumt und Bäume sollten am besten entrindet werden.

Auf die große Gemeinschaft der rund 700000 Waldbesitzer in Bayern machte die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer aufmerksam. Viele davon seien gleichzeitig auch Landwirte, gab sie zu bedenken. Der Wald habe deshalb große Bedeutung in Bayern. Auch die Politik habe dies längst erkannt. Beispielsweise seien jetzt wieder neue Försterstellen geschaffen worden. Am Rande ihres Grußwortes sagte Brendel-Fischer auch zu, keinen dritten Nationalparkt in Bayern zu schaffen, sondern stattdessen die Naturparke zu stärken.

Die Natur braucht den Menschen nicht, an diese Tatsache erinnerte Betzensteins 2. Bürgermeister Peter Marschall. Der Wald existiere bereits seit knapp 300 Millionen Jahren und damit länger als der Mensch auf der der Erde. Der Bürgermeister mahnte auch den Flächenverbrauch an und rief zu größerer Sensibilität damit auf. Wald sei Erholungsraum, Wirtschaftsfaktor und Energielieferant zugleich, das alles funktioniere aber nur dann, wenn der Wald nicht nur gepflegt, sondern auch bewirtschaftet werde.

Zum Wald-Holz-Energietag gehörten unter anderem spektakuläre Häckselvorführungen, Infostände von Heizungsbauern, Imkern und von der Jägervereinigung Pegnitz. Der Maschinenring Bayreuth-Pegnitz informierte über die Bekämpfung des Maiszünslers mit Hilfe von Drohnen und die Bayerischen Staatsforsten zeigten auf, wie wichtig der Wegebau im Wald ist.

 

Bilder:
1.
 Spektakuläre Häckselvorführungen zogen beim Wald-Holz-Energietag der Forstbetriebsgemeinschaft Pegnitz alle Blicke auf sich.
2.
Prominente Besucher konnten (von links) der FBG-Vorsitzende Werner Lautner, sein Stellvertreter Bernd Kiefhaber und Monika Reichel (4. von links) von der FBG mit der Bayerischen Waldkönigin Johanna Gierl, Forstoberrat Udo Wenzel, der Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer und dem 2. Bürgermeister von Betzenstein Peter Marschall begrüßen.
3. Überall gab es auf dem weitläufigen Gelände der Firma Holzbau Hümmer in Weidensees etwa zu sehen.
4. Über die Notwendigkeit des Waldwegebaus informierten die Bayerischen Staatsforsten.

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07.09.2018

Hölzerne Eule als Blickfang / Staatsforsten und Maschinenring: Kunstwerk als äußeres Zeichen der engen Zusammenarbeit

Bayreuth/Pegnitz. Als äußeres Zeichen der langjährigen guten Zusammenarbeit haben die Bayerischen Staatsforsten dem Maschinenring Bayreuth-Pegnitz eine rund 1,50 Meter große, mit der Motorsäge geschnitzte Eule überreicht. Das Kunstwerk stammt von Alfred Popp (44), Mitarbeiter der Staatsforsten, aus Hummeltal, der die hölzerne Eule eigens für den Maschinenring angefertigt und sogar das entsprechende Logo eingearbeitet hatte.

Popp schnitzt bereits seit 20 Jahren derartige Skulpturen, die von den Bayerischen Staatsforsten auch gerne als Blickfang an exponierten Stellen im Wald platziert werden. „Für uns ist das auch ein kleiner Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit“, sagt Gerhard Steininger, Leiter der Servicestelle des Forstbetriebs Pegnitz. Die Zusammenarbeit zwischen Maschinenring und Staatsforsten reicht von den verschiedensten Dienstleistungen über die Maschinenring Oberfranken-Mitte GmbH bis zur Verwertung von Holzhackschnitzeln oder der Anlage von Blühflächen. „Wenn die Staatsforsten einen zuverlässigen Dienstleister brauchen sind wir stets zur Stelle“, so Maschinenring-Geschäftsführer Johannes Scherm Das Kunstwerk empfängt künftig alle Besucher der Maschinenring-Geschäftsstelle in der Adolf-Wächter-Straße 1a.

Bild: Eine hölzerne Eule für den Maschinenring (von links): Geschäftsführer Bernd Müller vom Maschinenring Oberfranken-Mitte, Vorsitzender Reinhard Sendelbeck aus Creußen, Künstler Alfred Popp aus Hummeltal, Gerhard Steininger, Leiter der Servicestelle des Forstbetriebs Pegnitz, und Geschäftsführer Johannes Scherm vom Maschinenring Bayreuth-Pegnitz.

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31.08.2018

Dramatische Dürre und mehr Förderung für die Dörfer / Ministerin Kaniber diskutierte mit Landwirten über aktuelle Themen

Bayreuth. Die Dürre des zurückliegenden Sommers, der Wolf in Oberfranken und Leerstände in den Dörfern waren unter anderem Themen eines Kontaktgesprächs mit der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, zu der die örtliche Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer Vertreter eingeladen hatte. Die Ministerin appellierte dabei insbesondere an die Verbraucher, Lebensmittel aus regionaler Erzeugung mehr wert zu schätzen. Es könne nicht sein, dass ein Liter Mineralwasser mehr kostet als ein Liter Milch. Ebenso wenig sei es zu akzeptieren, wenn auf der Terrasse ein sündhaft teurer Grill steht, aber letztlich nur Billigstfleisch darauf kommt.

Hans Engelbrecht aus Lankendorf sprach von der Trockenheit als dem zentralen Thema. Seinen Worten zufolge sei die Situation sogar noch dramatischer als beim letzten Hitzesommer 2003, weil es diesmal in weiten Teilen Frankens nicht einmal im August Regen gegeben habe. „Keiner weiß, wie es weitergeht, ich befürchte das Schlimmste“, sagte Engelbrecht. Die Futterbeihife sei nur bedingt hilfreich, da es auf dem Markt kein Futter mehr gibt und Importe aus dem Nachbarland Tschechien aufgrund der Afrikanischen Schweinepest nicht möglich sind. Um die Viehbestände aktuell reduzieren zu können, schlug Engelbrecht Exportbeihilfen vor.

Die Dürre sei aber auch in den Wäldern dramatisch, sagte Forstbetriebsleiter Fritz Maier von den Bayerischen Staatsforsten. Eine Folge davon sei, dass sich der Borkenkäfer derzeit rasend schnell ausbreitet. Um den Rohstoff Holz zu konservieren seien dringend Nasslager notwendig, die aufgrund der notwendigen Genehmigungen allerdings schwierig auf den Weg zu bringen seien. Bei Nasslagern handelt es sich um Aufbewahrungsorte für eingeschlagenes Holz, bei dem die Baumstämme künstlich beregnet werden.

Große Sorge bereits aber auch die zunehmende Gegenwart des Wolfes, auch in Oberfranken. Er habe bereits fünf Kälber und ein Rind durch den Wolf verloren, sagte Norbert Böhmer, Mutterkuhhalter aus Plankenfels im Landkreis Bayreuth. Bisherige Schutzmaßnahmen wie Herdenschutzhunde oder die Errichtung von Zäunen seien nicht nur aufwändig und teuer, sondern auch nutzlos. Deshalb müsse die Politik entscheiden, ob sie in Bayern weiterhin Weidetierhaltung möchte oder lieber die Ansiedlung des Wolfes. Ministerin Kaniber räumte ein, dass die Risse täglich mehr werden. Deshalb könne der Wolf künftig schon beim ersten Zugriff „entnommen“ werden, wenn er die Scheu verliert und sich dem Menschen nähert. Kaniber kritisierte dabei auch, dass der Tierschutzgedanke stets auf Seiten des Wolfes sei.

Nach den Worten der Landwirtschaftsministerin werde der ländliche Raum der Gewinner der Zukunft sein. Schon jetzt platzten die Städte in den Metropolregionen aus allen Nähten. Der Druck auf das Land werde enorm sein, wenn die Menschen Wohnraum suchen, sagte Kaniber. Das neue Förderprogramm „Innen statt außen“ der Bayerischen Staatsregierung soll deshalb die Dörfer fit für die Zukunft machen, indem insbesondere leerstehende Gebäude und Brachen wieder nutzbar gemacht und dadurch Flächen gespart werden. Die zentrale Rolle zum Leben auf dem Land werde allerdings die Landwirtschaft einnehmen, zeigte sich die Ministerin überzeugt. Landwirtschaft stehe für Infrastruktur, Tradition und Kultur, so Kaniber.

Bilder:
1.
 Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (rechts) und Kreisbäuerin Angelika Seyferth.
2.
 Die stellvertretende Bayreuther Landrätin Christa Reinert-Heinz, Bayreuths Altoberbürgermeister Michael Hohl, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer und Bezirksrat Stefan Specht (von links).
3. Landwir
tschaftsministerin Michaela Kaniber und Mitglieder der oberfränkischen Jungbauernschaft.

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31.08.2018

Tierschutz heißt Teiche schützen / Ministerin Kaniber eröffnete Karpfensaison – Überdurchschnittliche Ernte erwartet

Bad Alexandersbad, Lks. Wunsiedel. Trotz Trockenheit, hoher Temperaturen und stellenweise sogar Wasserknappheit erwarten die Teichwirte eine hervorragende Karpfenernte. „Die Karpfen werden fleisch- und eiweißreich sein und die Erntemenge wohl über dem guten Niveau des Vorjahres liegen“, sagte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber bei der Eröffnung der Karpfensaison am Rogler-Weiher in Bad Alexandersbad.

Bewirtschaftet wird der Teich von Markus Fuchs, einem gelernten Bankkaufmann, der die Teichwirtschaft mittlerweile im Haupterwerb betreibt. Er hat eine eigene Räucherei aufgebaut, führt einen Fischladen, bietet Catering und Partyservice und ist mit einem Grill- und Verkaufswagen mobil. Fuchs sichere damit als einer von bayernweit gerade einmal 50 der insgesamt rund 8500 Karpfenteichbetriebe seinen Lebensunterhalt ausschließlich über die Fischerei, sagte die Ministerin. Das verdiene Respekt und Anerkennung, so Kaniber.

Mit einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 2,5 Hektar besitze Bayern zwar ausgesprochen kleine Strukturen, sei aber trotzdem bei der Karpfenerzeugung bundesweit führend. Nach den Worten der Landwirtschaftsministerin gibt es im Freistaat etwa 20000 Hektar Teichfläche verteilt auf rund 30000 Einzelteiche. Mit etwa 6000 Tonnen im Schnitt pro Jahr erzeugten die bayerischen Teichwirte rund 55 Prozent der deutschen Produktion.

Michaela Kaniber sprach aber auch die Herausforderungen für die Teichwirtschaft an: „Kormoran und Fischotter machen ihnen die Ernte streitig“, sagte sie. Zur Entspannung beitragen soll das bayerische Kormoranmanagement, das bundesweit die besten Möglichkeiten zur Regulierung des fischfressenden Vogels biete. „Ich bin froh, dass es uns gelungen ist, die artenschutzrechtliche Ausnahmeverordnung bis Juli 2027 zu verlängern und auch deutlich im Sinne unserer Teichwirte auszubauen“, sagte die Ministerin. Durch die nun zehn- statt bisher fünfjährige Geltungsdauer sei die Rechtssicherheit deutlich erhöht worden.

Auch den Schäden durch den Fischotter begegne Bayern mit einem eigenen Managementplan. Dazu gehörten der Einsatz von drei Otterberatern, die Möglichkeit, Zäune bis zu 50 Prozent über den europäischen Meeres- und Fischereifonds zu fördern, sowie eine seit 2016 großzügige Entschädigungsregelung. Vor dem Hintergrund der dramatisch gestiegenen und existenzbedrohenden Schäden von zuletzt weit über einer Million Euro in 2017 habe der Landtag beschlossen, die Entnahme des Otters dort, wo keine Abwehrmaßnahmen möglich sind, in den Managementplan mitaufzunehmen. „Tierschutz bedeutet auch, wenn wir unsere Teiche schützen“, so Kaniber.

Wie dramatisch die Situation wirklich ist, verdeutlichte der Wunsiedler Landrat Karl Döhler. Im Nachbarlandkreis hätten bereits 55 Teichwirte aufgegeben und auch im Wunsiedler Landkreis kenne er Teichwirte, die sagen: „Wir setzen nichts mehr ein, es macht einfach keinen Sinn mehr“. Lösungen seien deshalb dringend notwendig. Angesichts der Wasserknappheit des Sommers machte sich Bezirkstagspräsident Günther Denzler für den Bau neuer Teiche stark. Teiche seien hervorragende Wasserrückhaltebecken in der Fläche, sie seien wichtig für die Grundwasserneubildung und bedeutende Rückzugsgebiete für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Er könne es deshalb nicht nachvollziehen, wenn Teichbauprojekten keine Genehmigung erteilt werde.

Die Teichwirtschaft sei im Fichtelgebirge fest verankert, sagte der Bürgermeister von Bad Alexandersbad Peter Berek. Selbst innerhalb der Ortsgrenzen gebe es noch einen Dorfweiher mit Fischrechten und auch im örtlichen Naturbad gebe es Graskarpfen. „Teichwirtschaft und ein Heilbad, das passt bei uns sehr wohl zusammen“, so Bürgermeister Berek.

Nach den Worten von Dr. Peter Thoma, dem Vorsitzenden der fast 1000 Mitglieder zählenden Teichgenossenschaft Oberfranken ist der heimische Karpfen ein reines Naturprodukt, das seit Jahrhunderten unverändert erzeugt wird. Bei den Teichwirten handle es sich ausschließlich um Familienbetriebe, die meist seit Generationen die Teichwirtschaft extensiv betreiben. „Hier verbinden sich Tradition, naturnahe Erzeugung und Landschaftspflege auf ideale Weise“, so Thoma.

Bilder:
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 Zusammen mit seinen Mitarbeitern hat Markus Fuchs den Rogler-Teich bei Bad Alexandersbad abgefischt.
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 Freuen sich über eine gute Karpfenernte (von links): der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken, Dr. Peter Thoma, die Landtagsabgeordneten Ludwig von Lerchenfeld und Martin Schöffel, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, Landtagsvizepräsidentin Inge Aures, der Bürgermeister von Bad Alexandersbad Peter Berek und Bezirkstagspräsident Günther Denzler.
3. Das sind
die ersten Karpfen aus der Ernte von Teichwirt Markus Fuchs.

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26.07.2018

Umweltschutz und Landwirtschaft Hand in Hand / Positives Zwischenfazit für ersten großflächigen Anbauversuch mit der Becherpflanze Silphie

Fernreuth. Die Familie Murrmann aus Fernreuth bei Hollfeld ist bekannt dafür, dass sie innovativen Ideen aufgeschlossen gegenübersteht und deren Umsetzung auch tatkräftig angeht. Drei Generationen leben und arbeiten auf dem landwirtschaftlichen Betrieb. Schon 1996 hatte die Familie eine Windkraftanlage errichtet und damit als eine der ersten in Oberfranken dieses Potenzial erkannt. Dann setzten die Murrmanns mit einer Biogasanlage ihr Engagement in Sachen Energiewende fort. Jetzt hatten sich Inge und Stefan Murrmann an dem Demonstrationsprojekt Becherpflanze „Silphie“ beteiligt und auf zwei Flächen insgesamt knapp viereinhalb Hektar davon angebaut. Zu einer Zwischenbilanz kamen vor wenigen Tagen gleich zwei Minister auf den Betrieb: Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Umweltminister Marcel Huber.

Im Grunde geht es darum, die Silphie als Ersatzpflanze für den Energiemais einzusetzen. Davon profitieren der Gewässerschutz, die Insektenvielfalt und vor allem auch die Landwirtschaft, so lautete ein Ergebnis des Anbauversuchs, an dem neben den Landwirten unter anderem auch die Universität Bayreuth mit ihrem Ökologisch-Botanischen Garten, das Bayreuther Zentrum für Ökologie und Umweltforschung sowie das Technologie- und Förderzentrum für nachwachsende Rohstoffe in Straubing beteiligt waren. Koordinierend war die Regierung von Oberfranken tätig. „Der Becherpflanze wird viel Potenzial als Energiepflanze beim Ersatz von Mais bescheinigt“, zog Regierungspräsidentin Heidrun Piewernetz ein positives Zwischenfazit.

Als mehrjährige Pflanze könne die durchwachsene Silphie Nährstoffe im Ackerboden gut zurückhalten. Zudem hielten die Wurzeln der Becherpflanze den Boden ganzjährig fest und schützten den Boden so vor Erosion. „Damit ist die Becherpflanze Silphie eine innovative und gleichzeitig naturverträgliche Alternative zu herkömmlichen Energiepflanzen“, heißt es in einem Zwischenbericht.

Eine Politikerin, die sich seit Jahren für den Anbau der Becherpflanze stark macht, ist die Bayreuther Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer (CSU). „Ich habe immer an den Durchbruch der Silphie geglaubt“, sagte die Abgeordnete. Die Anschubförderung bringe die Becherpflanze jetzt auf den Weg.

Zum Demonstrationsprojekt gehören über 100 Hektar, fast 50 Landwirte aus den Landkreisen Bamberg, Bayreuth, Forchheim und Kulmbach sind daran beteiligt. Finanziert wurde das Projekt mit jeweils gut 300000 Euro vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium und vom Bayerischen Umweltministerium.

Ministerin Michaela Kaniber sprach von einem echten Zukunftsprojekt. Noch zu Beginn der sechziger Jahre sei der Mais aufgrund des aufwändigen Anbaus und der bescheidenen Erntetechnik eine Nischenkultur gewesen. Erst nach jahrzehntelanger Forschung sei dann der Durchbruch auf der Fläche gelungen. Vielleicht wird es der Becherpflanze Silphie genauso gehen, hoffte die Ministerin. „Umweltschutz und Landwirtschaft gehen hier Hand in Hand“, so Kaniber, die auch von einem großen Miteinander sprach und hoffte, dass dieses Projekt bald bayernweit umgesetzt werde. Vielleicht ist es wirklich die Wunderpflanze, nach der wir suchen“, sagte Umweltminister Huber. Schließlich sei die „sympathische Tiefwurzlerin aus Nordamerika“ ohne natürliche Feinde, boden-, grundwasser- und insektenfreundlich.

Bild (oben):
Sie freuen sich über das positive Zwischenfazit beim Anbauversuch mit der durchwachsenen Becherpflanze Silphie in Fernreuth bei Hollfeld (von links): Regierungspräsidentin Heidrun Piewernetz, die Landtagsabgeordneten Martin Schöffel und Gudrun Brendel-Fischer, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, die Landwirte Stefan und Inge Murrmann, Umweltminister Marcel Huber und der Landtagsabgeordnete Klaus Adelt.

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30.06.2018

Tomaten, Gurken und Paprika soweit das Auge reicht / Scherzer & Boss Fruchtgemüse GmbH eröffneten neue Gemüsefarm im Kulmbacher Land

Feulersdorf. Nach gut einem Jahr Bauzeit haben die beiden Landwirte Fritz Boss und Stefan Scherzer aus dem Nürnberger Knoblauchsland im oberfränkischen Feulersdorf bei Wonsees eine der modernsten Gemüsefarmen Deutschlands eröffnet. Auf aktuell über neun Hektar Fläche wachsen unter Glas Tomaten, Gurken und Paprika.

Pro Woche werden nach den Worten des zuständigen Techniker Patrick Weggel an die 150 Tonnen Gemüse geerntet. Zwei bis drei große Lkw verlassen das Betriebsgelände täglich. Und das ist noch nicht alles: Bei der offiziellen Einweihung gaben die Verantwortlichen bekannt, dass für das kommende Jahr eine Verdopplung der Kapazität geplant ist. Bislang seien in die Feulersdorfer Gemüsefarm rund 20 Millionen Euro investiert worden.

Wo früher Felder und Grünland waren, sind jetzt unweit der Bundesautobahn A70 riesige Gewächshäuser, 7,50 Meter hoch, entstanden. Insgesamt ist das Areal 25 Hektar groß, einen wesentlichen Teil davon nimmt die Technik mit drei Blockheizkraftwerken und zwei Regenrückhaltebecken ein, dazu kommen Lager- und Verpackungshallen sowie Wohneinheiten für rund 50 Saisonarbeitskräfte.

Die Vermarktung erfolgt Patrick Weggel zufolge zu jeweils 40 Prozent über den Großmarkt und über den Lebensmitteleinzelhandel direkt. Die restlichen 20 Prozent finden über die Erzeugergemeinschaft Knoblauchsland den Weg zum Verbraucher. Produziert wird in einem computergesteuerten geschlossenen System, das heißt nicht verbrauchte Nährstoffe und Wassergaben werden nach der Aufbereitung wieder den Pflanzen im Kreislauf zugeführt. „Somit finden die Pflanzen optimale Kulturbedingungen vor“, so Fritz Boss.

Rund 20 der 80 Beschäftigten kommen aus der Region, so wie Patrick Weggel, gelernter Mechatroniker aus dem nahen Sanspareil. Nach den Worten von Fritz Boss sind aktuell rund 60 Erntehelfer im Einsatz. Sie kommen meist aus Rumänien.

Ursprünglich wollten Fritz Boss und Stefan Scherzer zunächst im Landkreis Fürth. Dann im nahen Weismain im Landkreis Lichtenfels ihre Megagewächshäuser verwirklichen, beide Male hatten Bürgerinitiativen das Projekt verhindert. In Feulersdorf wurden die Gemüsebauern dagegen mit offenen Armen empfangen. Hier hatten sie auch eine Produktions-GmbH gegründet, so dass der Markt Wonsees mit Gewerbesteuereinnahmen rechnen kann.

Bilder:
1.
 In den riesigen Gewächshäusern nahe der A70 werden vor allem Tomaten angebaut.
2.
 Glas, soweit das Auge reicht: im Landkreis Kulmbach konnten die Gemüsebauern aus dem Knoblauchsland ihr gigantisches Projekt verwirklichen.
3. Fritz Boss (rechts) und Stefan Scherzer bei der Einweihung der Gemüsefarm in Feulersdorf.

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29.06.2018

Auch Oberfranken hat eine Enklave / Mit den Limbacher Weihern trägt der 20. Teich im Regierungsbezirk das seltene Prädikat Kulturgut

Pommersfelden. Sie gehören zu Oberfranken und liegen doch in Mittelfranken: die Limbacher Weiher. Umgeben vom Landkreis Erlangen-Höchstadt bildet die Teichkette die einzige oberfränkische Enklave. Die Teichgenossenschaft Oberfranken hat jetzt das Augenmerk auf diese historische Besonderheit gerichtet. Der Zusammenschluss von Teichwirten aus der Region zeichnete die Jahrhunderte alten Gewässer offiziell als Kulturgut aus.

Seit 20 Jahren wird die Auszeichnung Kulturgut Teich verliehen. Verbunden mit der Aufstellung einer Informationstafel und der Übergabe einer Urkunde an Bewirtschafter und Eigentümer gehe es vor allem darum, die große Bedeutung und die lange Historie der Fischwirtschaft herauszustellen, sagte der Vorsitzende der Teichgenossenschaft, Dr. Peter Thoma aus Wunsiedel bei der kleinen Feierstunde am Ufer der Weiher.

Die Geschichte der Teichkette reicht bis in das 17. Jahrhundert zurück. Seitdem sind die Weiher im Familienbesitz, so der Eigentümer Johannes Weiß. Weil die Flächen drum herum zu den Besitzungen der Grafen von Schönborg gehörten, habe auch die Gebietsreform von 1972 nichts daran ausrichten können, dass die Teiche zur Gemeinde Pommerfelden im Landkreis Bamberg und damit zu Oberfranken gehören. Johannes Weiß produziert in den klassischen Waldteichen Karpfen, Schleien und Zander.

Oberfranken könne auf eine lange Historie der Teichwirtschaft zurückblicken, das soll mit der Auszeichnung deutlich gemacht werden, sagte Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler. Fische gehörten untrennbar zur Genussregion Oberfranken, so der Bamberger Landrat Hans Kalb. Von einer vorbildlich betriebenen Fischzucht sprach der Bürgermeister von Pommersfelden Hans Beck und Oberfrankens Bauernverbandspräsident Hermann Greif nannte die Teiche ein ganz besonders erhaltens- und schützenswerten Kleinod.

Neben der prägenden Bedeutung für die Landschaft, der Bewirtschaftung und der belegten Historie müsse ein als Kulturgut ausgezeichneter Teich auch eine besondere ökologische Bedeutung haben, so Vorsitzender Thoma. Das alles sei bei den Limbacher Weihern erfüllt. Damit seien sie nicht nur Landschaftsbestandteile, sondern auch wertvolle Kulturgüter. Das sah auch die Jury so, zu der unter anderem die Fischereifachberatung des Bezirks Oberfranken gehört.

Bilder:
1.
 Sie enthüllten die Informationstafel an den Limbacher Weihern (von rechts): Bürgermeister Hans Beck, Landrat Hans Kalb, Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler, TEGOF-Vorsitzender Dr. Peter Thoma und Eigentümer Johannes Weiß (verdeckt).
2.
 Der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif (links) und der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Dr. Peter Thoma würdigten die Teichkette als besonders schützenswertes Kleinod.
3. Auf den ersten Blick nichts Besonderes: die Limbacher Weiher sind nicht nur Oberfrankens einzige Enklave, sie erhielten jetzt auch noch das Prädikat Kulturgut Teich.

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29.06.2018

Mehr Umsatz trotz gesunkener Vermarktung / Fleischvermarkter warnen vor Verlagerung der Produktion ins Ausland – NVG legt erfolgreiche Bilanz 2017 vor

Himmelkron. Nach einer relativ starken Erhöhung der vermarktete Stückzahl von Nutz- und Schlachttieren im Jahr 2016 musste die Nordbayerischen Vermarktungsgesellschaft (NVG) Bovex GmbH 2017 einen leichten Rückgang hinnehmen. Das hat der neue NVG-Geschäftsführer Sebastian Hill bei der Vertreterversammlung der Viehvermarktungsgenossenschaft (VVG) Nordbayern in Himmelkron bekannt gegeben. Die NVG Bovex ist ein Tochterunternehmen der VVG. Beide haben ihren Sitz in Kitzingen, Geschäftsstellen gibt es in Wolpertshausen, Fensterbach und am Schlachthof in Bayreuth.

Der Geschäftsführer bezifferte die Vermarktungsleistung im zurückliegenden Jahr auf rund 466000 Tiere, was einen Rückgang um etwa 10000 Tiere oder gut zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. „Damit sind wir aber noch trotzdem immer sehr erfolgreich“, so Hill, zumal der Umsatz durch die höheren Preise um 6,5 Prozent auf über 119 Millionen Euro angestiegen war.

Eine weiterhin positive Entwicklung konnte der Geschäftsführer auch für die Monate Januar bis Mai des laufenden Jahres vermelden. Während die Schlachtzahlen beim Großvieh relativ konstant geblieben seien, gebe es bei Schweinen einen deutlichen Rückgang. Keine große Rolle spielen bei den Vermarktungszahlen Lämmer, wobei auch hier ein Rückgang festzustellen ist.

Seit Jahren sei ein zurückgehender Schweinemarkt zu beobachten, sagte Josef Ebert von der NVG. Er führte den Rückgang auf das gesunkene Image von Schweinefleisch zurück, was allerdings durch Exporte nach China und Ostasien einigermaßen aufgefangen werden konnte. Ein gutes Image habe dagegen der nach wie vor stabile Rindermarkt. Alleine die vielen Grillartikel in den Supermärkten zeigten, dass „High Quality“ nach wie vor gut läuft.

Vor dem Hintergrund der Tierwohl-Diskussion warnte der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif davor, dass die Produktion mehr und mehr ins Ausland verdrängt werde, wo die Kontrollen längst nicht so streng sind, wie in Deutschland. Greif kritisierte dabei vor allem den Lebensmitteleinzelhandel, der teilweise sogar über die Vorgaben des Gesetzgebers noch hinausgeht.

Aber auch die Politik sollte wieder mehr Fachlichkeit walten lassen, anstatt Entscheidungen nach Schlagzeilen zu treffen, so der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Johann Mayer, BBV-Kreisobmann im Landkreis Regensburg. Er begrüßte die jüngsten Aussagen von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die angekündigt hatte, NGOs (Nichtregierungsorganisationen) die Grenzen aufzuzeigen. Sie meinte damit Tierschutzorganisationen, die in der Vergangenheit immer wieder in Ställe eingebrochen waren, um vermeintliche Missstände zu dokumentieren.

Was Schweine- und Ferkelerzeuger genauso wie Vermarkter derzeit umtreibt ist die Afrikanische Schweinepest. „Wir sind auf den Krisenfall vorbereitet“, sagte Geschäftsführer Hill. Für sämtliche Lkw seien mobile Reinigungsanlagen angeschafft, jedes Fahrzeug halte Desinfektionsmittel vor, alle Fahrer seien grundlegend geschult worden. „Wir sind für den Fall der Fälle gut aufgestellt“, so Hill.

Bei den turnusmäßigen Ergänzungswahlen wurde Michael Stock aus Werneck-Schnackenwerth neu in den Vorstand gewählt. Er folgt auf Gerhard Endres aus Karlstadt-Rohrbach, der aufgrund des Erreichens der Altersgrenze nicht mehr gewählt werden konnte. Neu im Aufsichtsrat ist Roland Metz aus Burkardroth-Waldfenster, im Aufsichtsrat bestätigt wurden Johann Niebler aus Ursensollen-Stockau, Christian Seitz aus Großostheim und Hans Zintl aus Wiesau-Schönhaid.

In die 2006 gegründete NVG Bovex GmbH hat die VVG Nordbayern ihr operatives Geschäft ausgelagert. Das genossenschaftlich orientierte Unternehmen zur Vermarktung von Nutz- und Schlachttieren ist ein Tochterunternehmen der VVG und der Viehzentrale Südwest GmbH, die beide an der NVG mit jeweils 50 Prozent beteiligt sind. Die VVG Nordbayern hat ihren Sitz in Kitzingen, die Viehzentrale Südwest in Stuttgart. Damit ist die NVG als bäuerlicher Vermarkter im Auftrag der VVG Nordbayern e.G. und der Viehzentrale Südwest tätig, Vermarktungsgebiet ist im Wesentlichen Unter, Mittel- und Oberfranken sowie die Oberpfalz.

Bild: Der stellvertretende VVG-Vorstandsvorsitzende Johann Mayer, BBV-Kreisobmann von Regensburg verabschiedete das ausgeschiedene Vorstandsmitglied Gerhard Endres (von links). Mit im Bild: Aufsichtsratsvorsitzender Michael Stock und NVG-Geschäftsführer Sebastian Hill (von rechts).

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22.06.2018

Mit Insekten gegen Insekten / Landwirte setzen auf biologische Schädlingsbekämpfung

Bayreuth. Noch ist es nur ein Anfang, doch für das kommende Jahr erwarten Johannes Scherm vom Maschinenring Bayreuth-Pegnitz und Reinhard Ostermeier vom Amt für Landwirtschaft einen deutlichen Anstieg: Auf rund 120 Hektar Fläche wird der Maiszünsler (Ostrinia nubilalis), einer der wirtschaftlich relevantesten Schädlinge in Maisbeständen, im Raum Bayreuth nicht mehr chemisch, sondern biologisch bekämpft. Möglich machen dies Schlupfwespen. Sie fressen die Larven des Maiszünslers einfach auf. „Wir sind damit voll auf die biologische Schiene abgefahren“, sagt Johannes Scherm, dem es auch darum geht, das Image der Landwirtschaft mit der alternativen Schädlingsbekämpfungsmethode zu verbessern.

Aktuell ist die biologische Schädlingsbekämpfung vor allem deswegen geworden, weil der Maiszünsler in hiesigen Breiten enorm zugenommen hat. Ursache dafür, da sind sich Fachleute einig, ist die Klimaerwärmung. „Im mittleren und östlichen Oberfranken waren die Schäden im zurückliegenden Jahr ganz massiv“, sagt Reinhard Ostermeier. Schuld daran waren der relativ kühle Winter, in dem die Larve im Maisstoppeln überwintert, und die trockene warme Witterung während des Falterfluges, wenn die Eiablage stattfindet. Regnet es nicht, werden die Eigelege auch nicht zerstört und der Maiszünsler kann sich ungehindert ausbreiten.

Hat sich der Maiszünsler, ein drei bis vier Zentimeter langer Falter, erst einmal im Bestand breit gemacht, knicken die Blätter, brechen ganze Pflanzen oder fallen die Kolben ab. Die Ernte ist dahin. Um das zu verhindern, sei es am wirksamsten die Stoppeln nach der Ernte zu zerkleinern und im Boden verrotten lassen. „Dort kann der Falter nicht schlüpfen“, so Reinhard Ostermeier. Das sei die gängige Maßnahme, die den Landwirten auch empfohlen wird. Ist es dafür zu spät, dann gibt es zwei Möglichkeiten: die chemische Keule oder eine biologische Bekämpfung.

Die biologische Bekämpfung sieht die Ausbringung der Schlupfwespe „Richogramma brassicae“ auf befallene Bestände vor. Das Insekt ist ein natürlicher Feind des Maiszünslers. Bei rechtzeitiger Ausbringung werden die Eier parasitiert und so effizient bekämpft. Konkret werden im 14-tägigen Abstand zwei Mal jeweils um die 100000 Wespen pro Hektar verteilt. Dazu muss der Landwirt exakt die Hauptflugzeit erwischen, die durch Lichtfallen ermittelt wird.

Erhältlich sind die Wespen bei einem Unternehmen, das sich auf die biologische Schädlingsbekämpfung spezialisiert hat und die Wespen züchtet. Jeweils 1000 Wespen sind als Larven in Kugeln aus Maisstärke. „Das System gibt es schon seit 20 Jahren“, so Ostermeier. Früher seien die Behälter mit den Larven allerdings direkt an den Maispflanzen angebracht worden, heute könne die Verteilung punktgenau per Drohne erfolgen.

Genau da kommt auch der Maschinenring Bayreuth-Pegnitz ins Spiel, der seinen Mitgliedern die Wespenkugeln und die Drohnenausbringung durch einen externen Unternehmer kostengünstig anbieten kann. Gemeinsam mit dem benachbarten Maschinenring Fränkische Schweiz sei eine entsprechende Aktion gestartet worden, sagt Geschäftsführer Johannes Scherm. Mit Kosten von rund 67 Euro pro Hektar für Wespen und Ausbringung sei die biologische Variante nur unwesentlich teurer als die chemische. Der Wirkungsgrad sei nahezu der gleiche.

Die biologische Maiszünslerbekämpfung wird wohl schon bald zur Standardvariante werden, so Johannes Scherm. Fachleute haben auch längst bestätigt, dass durch die Wespen das biologische Gefüge nicht in Ungleichgewicht gerät, vor allem deshalb, da die Schlupfwespe vor Ort bleibt und nicht großartig umherfliegt. Scherm: „Warum sollten wir es also chemisch machen, wenn es auch biologisch geht.“

Bild: Per Drohne werden die Schlupfwespen über befallene Maisbestände ausgebracht.

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17.06.2018

Mit historischen Schleppern durch Schirradorf/ Landtechnik Nicklas lockte viele hundert Besucher zum Tag der Landwirtschaft - Modenschau in der Maschinenhalle

Schirradorf. Es muss nicht immer John Deere oder Fendt sein. Eicher zum Beispiel war der Markenname der bis in die 1990er existierenden Eicher-Traktorenfabrik in Forstern in Oberbayern. Oder Normag: Das steht für Nordhauser Maschinenbau. Das Unternehmen aus dem Harz hatte bereits 1957 seine Produktion eingestellt. Es gibt sie aber noch, die teilweise Jahrzehnte alten Bulldogs und sie funktionieren auch noch, so wie der Lanz, Baujahr 1958 von Raimund Schramm von den Traktorfreunden Dankenfeld im unterfränkischen Landkreis Hassberge oder der McCormick International D430 von Andrea Popp von den Traktorfreunden Altenplos.

Zum Familiensonntag der Landwirtschaft auf dem Gelände des Landtechnikunternehmens Nicklas in Schirradorf hatten sie alle wieder ihre Fahrzeuge auf Hochglanz gebracht. Eicher, Normag, aber auch McCormick oder Kramer, alles Namen von Hersteller, die bei Traktorfreunden wie Musik in den Ohren klingen. Manche Hersteller gibt es noch, viele sind schon lange Geschichte. Doch auch der Laie ist fasziniert, dass sie noch immer funktionieren.

Ältestes aller teilnehmenden Fahrzeuge war ein Normag aus dem Jahr 1951 mit 17 PS von Manfred Kolb aus Schirradorf. Ganz aus der Reihe fiel der Unimog, Baujahr 1964 mit 32 PS von Karl Heinz Popp, ebenfalls von den Traktorfreunden Altenplos. Sie alle schafften nicht nur den gut zwei Kilometer langen Rundkurs durch das Dorf mit seiner über 20-prozentigen Steigung, sondern auch die Hin- und Rückfahrt von den Heimatorten ohne Ausfall. Manche Teilnehmer waren schon früh um acht Uhr losgefahren, um rechtzeitig beim Oldtimertreffen zu sein.

Überhaupt war die Oldtimerrundfahrt durch Schirradorf mit dem Nicklas-Firmengelände als Start und Ziel der Höhepunkt des Familiensonntags. 23 Teilnehmer wurden diesmal verzeichnet, damit allerdings auch ein paar weniger als im Vorjahr. Manch Oldtimerfreund hatte offensichtlich befürchtet, nicht mehr rechtzeitig zum WM-Spiel zu Hause zu sein. Höchstgeschwindigkeiten sind mit den betagten Fahrzeugen schließlich nicht mehr machbar. Dafür war der Zuspruch bei den Besuchern ungebrochen. „Wir sind überwältigt vom Besuch“, sagte Friedbert Weiß vom mitveranstaltenden John-Deere-Fanclub.

Zweiter großer Programmpunkt war wie auch in den Vorjahren eine Modenschau. Dort, in der großen Halle von Edwin Nicklas, wo sonst die schweren Schlepper und Mähdrescher stehen, hatte Gabis Modestübchen aus Wirsberg alles aufgeboten, was derzeit angesagt ist. Präsentiert von Amateurmodels und moderiert von Kreisbäuerin Beate Opel gab es trendige Mode in allen Größen für jeden Typ und jeden Anlass.

Eingebettet war die Modenschau in ein buntes Programm, das trotz vieler Konkurrenzveranstaltungen in der Region wieder viele hundert Besucher auf das Betriebsgelände der Firma Nicklas gelockt hatte. Da gab es Backwaren und Bauernhofeis sowie moderne Landtechnik zum Anfassen. Begonnen hatte der Tag der Landwirtschaft mit einem Gottesdienst in der Maschinenhalle, gestaltet vom evangelischen Pfarrer Daniel Städteler aus Wonsees zusammen mit dem Kulmbacher Landfrauenchor und dem Wonseeser Posaunenchor.

Bilder:
1. Viele Besucher des Tages der Landwirtschaft in Schirradorf staunten nicht schlecht über die vielen historischen Oldtimer, die auf dem Gelände des Landtechnikunternehmens Nicklas ausgestellt waren.
2. Links 30 PS, rechts 300 PS: in Schirradorf war eindrucksvoll zu erleben, wie sich die Technik in der Landwirtschaft weiterentwickelt hat.
3. Höhepunkt des Oldtimertreffens war die Rundfahrt durch Schirradorf.
4. Ganz aus der Reihe fiel der Unimog, Baujahr 1964 mit 32 PS von Karl Heinz Popp, von den Traktorfreunden Altenplos.
5. Friedbert Weiß (links) vom John-Deere-Fanclub hieß die Teilnehmer der Rundfahrt auf dem Betriebsgelände von Landtechnik Nicklas willkommen.

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17.06.2018

„Hot Spot der nachhaltigen Forstwirtschaft“ / Frankenwaldtag lockte um die 10000 Besucher nach Schwarzenbach am Wald

Schwarzenbach am Wald. „Wir wollen die Forstwirtschaft weiter voranbringen“, sagt Ralf Kremer. Der Unternehmer aus Steinbach bei Geroldsgrün gehörte zum Organisationsteam der Frankenwaldtages 2018, der verbunden mit einem regionalen Waldbesitzertag wieder um die 10000 Besucher nach Schwarzenbach lockte.

„Die Gesellschaft soll für die Themen Wald und Forst sensibilisiert werden“, so Kremer, der auch Initiator des Holzforums Schwarzenbach ist. Das Gremium bündelt eine hochkarätige Expertenrunde aus den Bereichen Forst und Holz sowie verschiedener Behörden, Regional- und Wirtschaftsverbände, und ist einer der Mitveranstalter des Frankenwaldtages.

Wo, wenn nicht in Schwarzenbach am Wald sollte dieser Tag stattfinden, sagte Bürgermeister Dieter Frank bei der Eröffnung. „Wir machen unseren Namen damit alle Ehre“. Als „großes und wichtiges Kulturgut“ bezeichnete Bundestagsvizepräsident Hans Peter Friedrich den Wald. Der Lebens- und Erholungsraum Wald sei aber nicht entstanden, indem man ihm sich selbst überlassen hätte. Er sei vielmehr das Ergebnis einer jahrhundertelangen Bewirtschaftung, so der frühere Bundesinnenminister, der selbst aus dem Frankenwald stammt.

Josef Ziegler, Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes sprach vom Frankenwald als „Hot Spot der nachhaltigen Forstwirtschaft“. Hier werde das gelebt, was Waldwirtschaft ausmacht. Das sei zum einen Ökologie und Ökonomie, zum anderen aber auch die Sozialfunktion, indem jeder Bürger ein Betretungsrecht für den Wald habe. „Damit ist der Wald ein echtes Multitalent“, so Ziegler. Ein Multitalent, das eben auch Verpflichtungen mit sich bringt, sagte die bayerische Waldkönigin Johanna Gierl. Natur sei nicht einfach nur so da, der Mensch müsse schon eingreifen.

Mit einem ganz besonderen Beitrag zeigte der Hofer Schauspieler Peter Kampschulte, dass Wald und Kultur gar nicht so weit auseinander liegen. In der Rolle des Nürnberger Rats- und Handelsherrn Peter Stromer gab er den Vater der Forstkultur aus dem 14. Jahrhundert, der auch als Erfinder der geregelten Forstwirtschaft gilt. Stromer hatte die so genannten Nürnberger Nadelwald-Saaten entwickelt. Dank dieser planmäßigen Aufforstungstechnik wurde der Nürnberger Reichswald zum ersten Kunstforst der Welt.

Auf dem großzügigen Festgelände in Schwarzenbach präsentierten sich Ämter, Forstzusammenschlüsse und Vereine, Unternehmen der Forstwirtschaft und der Holzverarbeitung, die Jagdverbände unter anderem mit einem Laser-Schießkino und verschiedene Kunsthandwerker vom Drechsler bis zum Motorsägenkünstler. „Forstwirtschaft erleben“ war parallel dazu das Motto eines Waldparcours am nahen Döbraberg. Hier konnten alle Interessierten sehen, wie Profis im Wald arbeiten, von der Verjüngung über die Pflege bis hin zur Holzernte. In verschiedenen Vorträgen ging es unter anderem um die Eiche im Frankenwald, um nicht heimische Baumarten oder um Ergänzungspflanzungen bei vorhandener Naturverjüngung.

Die Veranstalter, Forstverwaltung, die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau sowie die Stadt Schwarzenbach mit ihrem Holzforum hatten über 10000 Waldbesitzer und deren Familien aus den Landkreisen Hof und Wunsiedel sowie aus den Frankenwaldgemeinden der Landkreise Kulmbach und Kronach mit einem persönlichen Schreiben eingeladen. Nach Angaben der Veranstalter waren die allermeisten auch gekommen.

Nach dem Frankenwaldtag 2018 steht das nächste überregionale forstliche Großereignis in Schwarzenbach am Wald bereits für das kommende Jahr an. Forstunternehmer Ralf Kremer konnte entscheidend dazu beitragen, dass die Regionalmeisterschaften der Waldarbeiter vom 21. bis zum 23. Juni 2019 erstmals in Oberfranken stattfinden.

Bilder:
1. Bereichsleiter Forsten Thomas Krämer vom Amt für Landwirtschaft, Schauspieler Peter Kampschulte als Peter Stromer, die bayerische Waldkönigin Johanna Gierl, Bundestagsvizepräsident Hans-Peter Friedrich, Waldbesitzerverbandspräsident Josef Ziegler, Fritz Maier, Leiter des Forstbetriebes Nordhalben und der Schwarzenbacher Bürgermeister Dieter Frank (von links).
2. Der Hofer Schauspieler Peter Kampschulte in der Rolle des Nürnberger Rats- und Handelsherrn Peter Stromer, einem Vater der Forstkultur aus dem 14. Jahrhundert.
3. Forstunternehmer Ralf Kremer aus Steinbach bei Geroldsgrün gehört zu den Initiatoren des Frankenwaldtages.
4.
 Besonders von Kindern umlagert war der Stand der Bayerischen Staatsforsten, die mit einem breiten Informations- und Spielangebot aufwarteten.
6. – 8. Alles das, was zur Waldbewirtschaftung notwendig ist, aber auch spektakuläres Großgerät zeigte eine stattliche Zahl von Ausstellern beim Frankenwaldtag in Schwarzenbach.

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14.06.2018

„Landwirte stehen zu Unrecht am Pranger“ / Agrarexperte Albert Deß beim Schirradorfer Bauerntag – Landtechnik sucht Nachwuchs

Schirradorf. Hetzkampagnen gegen Landwirte hat Albert Deß (CSU), Europaabgeordneter aus Neumarkt in der Oberpfalz und Agrarsprecher der Europäischen Volkspartei, scharf verurteilt. Bei den derzeitigen Diskussionen in Deutschland könne man nur noch den Kopf schütteln, sagte Deß beim Schirradorfer Bauerntag auf dem Gelände des Landtechnikunternehmens Nicklas.

Wenn die Bauern ständig am Pranger stehen, dann müsse man sich schon langsam Sorgen um den Nachwuchs in der Landwirtschaft machen, sagte Deß. Wenn Landwirte nur noch schikaniert werden, dann könne man fest davon ausgehen, dass die Produktion schon bald ins kostengünstigere Ausland verlagert würde, und zwar dorthin, wo Tierhaltung und Pflanzenbau meist unter fragwürdigen Bedingen stattfinden. Allen Kritikern, die gegen den Einsatz moderner Technik protestieren, schrieb der Abgeordnete ins Stammbuch, dass damit noch effektiver und umweltschonender gearbeitet werden könne, als dies ohnehin schon der Fall sei.

Das gleiche Thema hatte sich zuvor der stellvertretende BBV-Kreisobmann Harald Peetz vorgenommen. „Die Landwirte stehen zu Unrecht am Pranger“, sagte er. Den meisten Tier- und Naturschutzorganisationen warf Peetz vor, nichts anderes im Sinn zu haben, als das Ende der konventionellen Tierhaltung. Dafür würden gutgläubigen Mitbürgern auch noch Spendengelder aus der Tasche gezogen.

Ganz konkrete Nachwuchssorgen hat bereits Edwin Nicklas vom gleichnamigen Landtechnikbetrieb. Es sei eine große Herausforderung für die Branche, Nachwuchs zu finden, sagte er und warb für den Beruf des Landmaschinentechnikers. „Die Landtechnik kann es mit allen Berufen aufnehmen“, so Nicklas. Bei einem Praktikum könnten junge Leute sehen, wie vielseitig der Beruf ist. Habe man es erst einmal zum Meister gebracht, dann stehe man einem universitären Bachelor-Abschluss in nichts nach, stellte Nicklas fest. Er zeigte sich überzeugt davon: „Handwerk und Landwirtschaft haben goldenen Boden.

Ein weiteres Thema des Bauerntages in Schirradorf war die gemeinsame europäische Agrarpolitik für die neue Förderperiode ab dem Jahr 2020. Leider enthalte der bislang vorliegende Entwurf viele negative Punkte, sagte der stellvertretende Kreisobmann. Insbesondere kritisierte Peetz die Mittelkürzungen zu Lasten der Landwirtschaft aufgrund des Brexit. „Direktzahlungen müssen unbedingt erhalten bleiben, schließlich steigen ja auch die Kosten“, so Peetz. Er forderte außerdem eine bessere Unterstützung für die bäuerlichen Familienbetriebe, für die nicht selten die gesamte Existenz davon abhängt.

Der Europaabgeordnete Albert Deß räumte ein, dass die Landwirtschaft vor allem durch das Ausscheiden Großbritanniens wohl nicht ungeschoren davon kommen würde. Realistisch müsse man mit insgesamt sechs Prozent weniger Mittel im künftigen Agrarhaushalt rechnen. Darüber hinaus würden aber auch die hiesigen Bauern das Ausscheiden Großbritanniens zu spüren bekommen. „Wir verlieren ein wichtiges Exportland“, so Deß. Die jährlichen Lieferungen deutscher Agrarprodukte nach Großbritannien hätten ein Volumen von 4,6 Milliarden Euro. Umgekehrt beliefen sich die Lieferungen von Großbritannien nach Deutschland auf lediglich 1,6 Milliarden Euro.

Bilder:
1. Die Kulmbacher BBV-Kreisvorstandschaft traf sich auf dem Gelände des Landtechnikunternehmens Nicklas in Schirradorf zum Meinungsaustausch mit dem Europaabgeordneten und EVP-Agrarsprecher Albert Deß.
2. Einen Präsentkorb mit Spezialitäten aus der Genussregion Oberfranken überreichten der stellvertretende Kreisobmann Harald Peetz (rechts) und Friedbert Weiß (Mitte) vom mitveranstaltenden John-Deere-Fanclub an den Europaabgeordneten Albert Deß.
3. Mit jeweils 1000 Euro haben die VR-Bank Oberfranken-Mitte und die Sparkasse Kulmbach-Kronach die „Young Farmers Party“ in Schirradorf unterstützt. Entsprechende Schecks überrreichten Helmut Potzel und Frank Ramming zusammen mit den Ehrengästen an die Vertreter der Jungbauernschaft.

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10.06.2018

Geballte Forstkompetenz unter einem Dach / Waldkompetenzzentrum Scheßlitz offiziell eröffnet

Scheßlitz, Lks. Bamberg. Mit einem Informationstag ist das neue Waldkompetenzzentrum nun auch offiziell in Betrieb gegangen. Unter einem Dach sind künftig am Neumarkt in Scheßlitz neben dem Bereich Forsten des Amtes für Landwirtschaft, der Waldbesitzervereinigung (WBV) Bamberg, der Revierverwaltung der Bayerischen Staatsforsten auch die Forstwirtschaftliche Vereinigung Oberfranken (FVO) und ab Juli der Bayerische Waldbesitzerverband mit einer Außenstelle vertreten. Mit dieser einmaligen Bündelung an Wald- und Forstkompetenz könne sich Scheßlitz getrost als Waldhauptstadt Bayerns bezeichnen, sagte Bürgermeister Roland Kauper.

Sämtliche Vereinigungen stellten sich beim Waldinformationstag mit Infoständen der Öffentlichkeit vor. Mit Hilfe von Gewinnspielen, Mitmachaktionen und Fachgesprächen wurde den zahlreichen Besuchern aus der Stadt Scheßlitz und dem Landkreis Bamberg nicht nur die Bedeutung des Waldes für die gesamte Gesellschaft nahe gebracht. Im Rahmen eines Tages der offenen Tür konnten alle Interessierten auch die großzügigen Räumlichkeiten besichtigen.

Höhepunkt des offiziellen Teils war die öffentliche Ehrung von zwei Waldbesitzern, die sich seit Jahrzehnten um den Wald im Landkreis Bamberg verdient gemacht haben, durch die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml. Sie zeichnete Alfred Deinlein aus Neudorf bei Scheßlitz und Walter Beringer aus Busendorf bei Rattelsdorf mit Urkunden aus.

Deinlein war 1969 Gründungsmitglied der damaligen Forstbetriebsgemeinschaft Bamberg Ost, einem Vorgänger der WBV Bamberg. Er ist seitdem ohne Unterbrechung als Funktionsträger tätig. Angelika Morgenroth, Vorsitzende der WBV Bamberg nannte Deinlein ein „Sprachrohr für den Wald“ und ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Amt, seinen Förstern und den Waldbauern. Deinlein bewirtschaftet zusammen mit seiner Familie rund 30 Hektar Wald, zwei Drittel davon hat er bereits in klimatolerante Mischwälder umgebaut.

Der zweite Geehrte Walter Beringer war vor 40 Jahren Gründungsmitglied der WBV Bamberg Nord, ebenfalls ein Vorgänger der heutigen WBV Bamberg. Auch er ist ein langjähriger Funktionsträger und durch seine unermüdlichen Aktivitäten weit über den Landkreis hinaus bekannt. Beringer bewirtschaftet 8,3 Hektar Wald auf zehn Flurstücken, wo er durch den Anbau von Kirsche, Ahorn, Elsbeere, Lärche und Douglasie ebenfalls klimatolerante Mischbestände forciert.

Gesundheitsministerin Huml hatte zuvor den Beitrag des Waldes für die menschliche Gesundheit herausgestellt. Wald strahle Ruhe aus, er ist deshalb gut für die psychische Gesundheit, sagte sie. Jeder, der sich im Wald bewegt, der tue auch etwas für seine eigene Gesundheit, so mit Ministerin. Nicht zuletzt vermittle der Wald gerade Kindern viele wichtige Kompetenzen.

Zum Wohl der Mitglieder profitierten in Scheßlitz alle Beteiligten von den kurzen Wegen, so der FVO-Vorsitzende Wolfgang Schultheiß. Unter dem Dach der FVO sind seinen Worten zufolge rund 20000 Mitglieder mit einer Waldfläche von circa 140000 Hektar zusammengeschlossen. In Scheßlitz sei künftig die geballte Kompetenz vorhanden, um für die nächsten Jahrzehnte und Jahrhunderte gewappnet zu sein, sagte die bayerische Waldkönigin Johanna Gierl.

Ernste Worte sprach Josef Ziegler, Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, an. Er bezeichnete den Klimawandel als dramatische Herausforderung für die Waldbauern. Sie seien die ersten Leidtragenden des Klimawandels, obwohl sie ihn gar nicht verursacht hätten. Gerade die zurückliegenden Monate, der heiße April und der ebenfalls heiße Mai, ließen nicht Gutes erwarten und zeigten, dass ein Pakt zwischen Gesellschaft und Waldbesitz zur Bewältigung dieser Herausforderung nötiger denn je zuvor ist.

Bilder:
1.
 Waldbesitzerverbandspräsident Josef Ziegler, Waldkönigin Johanna Gierl, Ministerin Melanie Huml, die beiden geehrten Waldbesitzer Walter Beringer und Alfred Deinlein, WBV-Vorsitzende Angelika Morgenroth, Forstdirektor Hans-Rüdiger Schmittnägel und FVO-Vorsitzender Wolfgang Schultheiß (von links) beim Waldinformationstag in Scheßlitz.
2.
 Vorsitzender Wolfgang Schultheiß erläuterte der bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml die Aufgaben der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken.
3. An Infoständen präsentierten alle beteiligten Forstorganisationen ihre Aufgabengebiete.
4. Über die Tätigkeit des in Scheßlitz angesiedelten Bereichs Forsten informierte das Bamberger Amt für Landwirtschaft an seinem Stand.

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13.05.2018

Fränkischer Dreiklang: Bratwürste, Brot und Bier / Ein Fest für den Gaumen – Stephan Jamm aus Markt Einersheim wurde Bratwurstkönig

Pegnitz. Zunächst war es eine Schnapsidee, mittlerweile ist aus dem Fränkischen Bratwurstgipfel eines der schönsten Feste in der Region geworden: 14 Metzger, davon jeweils sechs aus Ober- und aus Mittelfranken sowie zwei aus Unterfranken, sind im Pegnitzer Wiesweiherpark zum Wettstreit um den Titel des Fränkischen Bratwurstkönigs angetreten. Alles in allem brutzelten fast 30 Bratwurstsorten auf dem Rost.

Bratwurstkönig wurde der Metzger Stephan Jamm von der Metzgerei Deininger aus Markt Einersheim in Unterfranken einmal mit seiner „Kerwa-Bratwurst“, zum zweiten mit seiner „Gyros-Bratwurst“. Erlaubt war alles, was schmeckt. Gebraten wurden in diesem Jahr in der Kategorie Kreativbratwurst unter anderem eine „Wildbretwurst mit Kraut und Beeren“, ein „Zwetschgen-Röster“; eine „Schokoladen-Eierlikör Bratwurst“ und eine „Kürbisbratwurst im Bändel“. In der Kategorie klassische Bratwurst war in diesem Jahr erstmals eine „Original Nürnberger Rostbratwurst“ mit am Start, angeboten von der Genußwerkstatt Nina Weiß aus Nürnberg.

Die Schirmherrschaft hatte die neue bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber übernommen. Jede fränkische Region habe ihre eigene Bratwursttradition, sagte sie. Kaniber überreichte an Bürgermeister Uwe Raab die Urkunde zur Auszeichnung „100 Genussorte Bayerns“.

Bei den drei Wettbewerben bewerteten drei Jurys die Bratwürste. Prominente Juroren, darunter die Bayreuther Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert, Matthias Matuschik von Bayern 3, Bürgermeister Uwe Raab und HWK-Präsident Thomas Zimmer saßen über die fränkische Wurstvielfalt zu Gericht.

Der „Gipfel“ sei längst Kult geworden, sagte Bürgermeister Uwe Raab. In der größten Stadt des Bayreuther Landkreises war vor fünf Jahren die Idee zu dem Fest entstanden. Der Dreiklang von Bratwürsten, Brot und Bier halte Leib und Seele zusammen. Organisator Michael Breitenfelder, der das Wirtschaftsband A9 aus 18 Kommunen managt, betonte die Bedeutung des Gipfels für den Wirtschaftsstandort Pegnitz. Es gehe darum, die Qualität der Erzeugnisse zu vermitteln, die täglich in den Betrieben hergestellt werden — und dies nachhaltig: „Die Wirkung des Gipfels soll nicht zu Ende sein, wenn die Holzkohlenasche im Grill verglommen ist.“

Die Ausnahmeveranstaltung sei eine Riesenchance für die Metzgerbetriebe, ihr Handwerk zu präsentieren, so Thomas Zimmer, Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken und zweiter Vorsitzender des Vereins zum Schutz der fränkischen Bratwurstkultur. Er sprach vom größten Event, den die drei fränkischen Kammern gemeinsam ausrichten. „Gewinner sind die Metzger“, sagte Zimmer. Das Motto, das er diesmal zum Bratwurstgipfel ausgab, lautete: „Erlaubt ist, was schmeckt.“.

Veranstaltet wurde der Fränkische Bratwurstgipfel vom Verein zur Förderung der fränkischen Bratwurstkultur e.V. zusammen mit den fränkischen Handwerkskammern. Erstmals wurde heuer ein Eintritt von fünf Euro erhoben, was im Vorfeld für Irritationen gesorgt hatte. Allerdings war im Eintrittspreis ein Verzehrbon von drei Euro enthalten. Trotz des umstrittenen Eintritts waren aber nach offiziellen Angaben zwischen 17000 und 18000 Besucher gekommen, nur geringfügig weniger, als in den zurückliegenden Jahren.

Bilder:
1. Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, die oberfränkische Bierkönigin Christina Pollnick, HWK-Präsident Thomas Zimmer, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (von links) sowie der Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab (rechts) kürten Stephan Jamm von der Metzgerei Deininger und aus Markt Einersheim zum fränkischen Bratwurstkönig.
2.
Handwerkskammerpräsident Thomas Zimmer, die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert und der Vizepräsident des Bayreuther Landgerichts Michael Eckstein (von links) testeten als Jurymitglieder die verschiedenen Bratwurstkreationen.

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11.05.2018

Faszinierende Welt der Bienen / Christine Medick aus dem Fichtelgebirge hat die Imkerei als Hobby für sich entdeckt

Kothigenbibersbach. Imkern wird jünger und weiblicher, das ist sich Christine Medick sicher. Die langjährige Kreisbäuerin aus Kothigenbibersbach bei Thiersheim im oberfränkischen Landkreis Wunsiedel hat vor fünf Jahren die Welt der Bienen für sich entdeckt und sie ist noch immer schwer begeistert davon. „Wenn du bei den Bienen bis, dann vergisst du alles“, sagt sie.

Dabei hätte Christine Medick wirklich genug um die Ohren. Zusammen mit ihrem Mann Roland und Sohn Fabian bewirtschaftet sie einen Ferkelerzeugerbetrieb mit 250 Zuchtsauen mit 60 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche plus fünf Hektar Teiche und fünf Hektar Wald. Seit 1997 ist sie im Bauernverband aktiv, davon 15 Jahre als Kreisbäuerin, davor fünf Jahre als Stellvertreterin und aktuell wieder als Stellvertreterin, nachdem sie bei den zurückliegenden Wahlen freiwillig in die zweite Reihe zurückgetreten ist.

Dazu kommt noch das politische Engagement für die Freien Wähler seit 2002 im Kreistag von Wunsiedel und seit dem gleichen Jahr auch im Marktgemeinderat von Thiersheim. Eigentlich ist sie gelernte Bürokauffrau. 1987 hat die heute 48-Jährige in die Landwirtschaft eingeheiratet, 1995 hat ihr Mann den Betrieb, damals noch mit Schwerpunkt Bullenmast, von seinem Vater übernommen.

„Willst du Gotten Wunder sehen, musst du zu den Bienen gehen“, heißt ein Sprichwort und wer sich von Christine Medick die Welt der Bienen erklären lässt, der weiß, dass an diesem Spruchwort etwas dran ist. „Es ist so faszinierend, wie das alles funktioniert“, sagt sie und spricht von aktuell sehr arbeitsintensiven Tagen von Mai bis Juli, wenn tägliche Schwarmkontrollen, Milbenkontrolle und schließlich auch der Beginn der Honigernte auf dem Programm stehen.

Dabei hat alles gar nicht so erfreulich begonnen. Von einem Mitglied eines Imkervereins erhielt sie eines Tages eine böse E-Mail, in der sinngemäß stand, dass die Landwirtschaft wieder einmal an allem schuld sei, auch am Bienensterben. „Wir waren entsetzt“, erinnert sich Christine Medick, begann im Internet zu recherchieren und kam mit dem Vorsitzenden des Arzberger Imkervereins Gerhard Armbruster, ihrem heutigen Imkerpaten, ins Gespräch.

Weil schon der Großvater ihres Mannes Imker war und eine Honigschleuder und alte Kästen noch vorhanden waren, entschloss sich Christine Medick, es selbst einmal zu versuchen. Die Ausstattung war zwar nicht mehr zu gebrauchen, doch das Interesse war geweckt und sie besuchte erste Veranstaltungen bis hin zum Anfängerkurs in Theorie und Praxis. Dann besorgte sie sich die entsprechende Schutzkleidung, also Imkerhut mit Schleier und Handschuhe, die entsprechenden Geräte wie „Smoker“ und Stockmeißel. Das erste Volk kam vom Verein und los ging es mit der Imkerei.

Aktuell schwirren zwei Völker um das hölzerne Bienenhaus herum. Dabei sind die Völker noch im Aufbau, 30000 bis 40000 Bienen sind es pro Volk am Ende. Im Schnitt kann Christine Medick um die 40 Kilogramm Honig ernten, wobei sie im ersten Jahr mit 60 Kilogramm gleich den besten Ertrag hatte. Natürlich wird der Honig auch verkauft, über einen Landhändler in Thiersheim und am eigenen Hof. Die Imkerei ist trotzdem nur ein Hobby, auch wenn ein eigener Kurs notwendig war, um den Gewährverschluss mit aufgedruckter Kontrollnummer des Deutschen Imkerbundes als geschütztes Warenzeichen zu bekommen.

Man muss immer etwas haben, worauf man sich besonders freuen kann, sagt Christine Medick und schwärmt für ihr Hobby, das sie die Sorgen vergessen lässt. Seit dem vergangenen Jahr ist allerdings noch ein zweites Hobby dazugekommen. 2017 hat sie den Motorradführerschein gemacht. Seitdem unternimmt sie gerne auch mal Touren durch die Fränkische Schweiz, durch die Oberpfalz oder durch das benachbarte Tschechien.

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09.05.2018

Fischotter: Zu spät für Kompromisse / Werbung für heimischen Fisch - Teichgenossenschaft eröffnete Fischgrillsaison

Förbau. Die Zeit des Stockfisches ist vorbei, ebenso die Karpfensaison, ab Mai ist Fisch wieder als Grillgut gefragt. Dabei sollte es natürlich heimischer Fisch sein, meinen die Akteure der Teichgenossenschaft Oberfranken. Um darauf hinzuweisen und die Vielfalt heimischen Fisches herauszustellen, haben sie zusammen mit Vertretern aus der Politik werbewirksam die Fischgrillsaison eröffnet. Diesmal in Förbau, einem Ortsteil von Schwarzenbach an der Saale im Landkreis Hof.

Dort betreiben Dana und Christoph Teschner seit knapp drei Jahren die „Herrschaftliche Gastwirtschaft“, die sich auf heimische Spezialitäten konzentriert. Zusammen mit dem jungen Teichwirt Stefan Vider, der die Fische liefert, haben sie dabei eindrucksvoll gezeigt, was man mit Fisch aus Oberfranken so alles machen kann: Saure Zipfel vom heimischen Waller beispielsweise, ein Saiblings-Filet im Bierteig oder das Forellensteak vom Holzkohlengrill mit Wildkräutersalat und Ofenkartoffeln.

Fisch ist immer ein Thema und zwar über Parteigrenzen hinweg, sagte der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Dr. Peter Thoma aus Thiersheim im Landkreis Wunsiedel. Neben Landtagsvizepräsidentin Ulrike Gote von den Grünen konnte er auch die Landtagsabgeordneten Alexander König (CSU) und Klaus Adelt (SPD) begrüßen.

Die Teichwirtschaft sei in Oberfranken nicht unbedingt der Haupterwerbszweig, aber doch ein hohes Kulturgut, sagte König. Viele Menschen wüssten es gar nicht zu schätzen was es für ein tolles Angebot an heimischen Fisch in Oberfranken gibt, so Adelt. Landtagsvizepräsidentin Gote sprach in ihrem Grußwort auch das heikle Thema Fischotter an. Er sei schon auch wichtig für die ökologische Vielfalt, meinte sie. Erst wenn sein aufkommen nicht mehr zu händeln ist, müsse man über entsprechende Maßnahmen nachdenken, so Gote. Sie appellierte an die Teichwirte, Kompromisse einzugehen.

Damit zog sich Gote den Unmut der Teichwirte zu. Für Kompromisse sei es längst zu spät, hieß es. Ein Teich nach dem anderen sei bereits leer, die Schäden seien längst viel zu massiv, entgegnete Teichwirt Vider. Die bereitgestellten Entschädigungen für Fischotterschäden seien zwar nett, doch wenn man nicht mehr liefern kann, weil der Fischotter nichts übrig gelassen hat, dann wird es für den Teichwirt problematisch, so Vorsitzender Thoma.

Der Fischotter frisst tatsächlich die Teiche leer, wusste auch Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Besonders die Landkreise Hof und Wunsiedel seien betroffen. Erst der Kormoran, dann der Biber, jetzt der Otter: „Wir können nicht zulassen, dass über Jahrhunderte gewachsene Strukturen zerstört werden“, so Denzler. Er sprach sich dafür aus, an dem Drei-Säulen Modell „Information, Prävention und gezielte Entnahme“ festzuhalten, um der Problematik Herr zu werden. Denzler wunderte sich dabei auch über den Widerstand beim Bau neuer Teichanlagen. „Wir sollten ein bisschen mehr Vertrauen in die Natur haben“, sagte er.

Bildtext:
1. Christoph Teschner von der „Herrschaftlichen Gastwirtschaft“ in Förbau bereitete zur Eröffnung der Fischgrillsaison unter anderem einen Salat vom geräucherten Saibling mit fränkischem Spargel zu.
2.
Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, Vorsitzender Dr. Peter Thoma, Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler, MdL Alexander König, der Schwarzenbacher Bürgermeister Hans-Peter Baumann, MdL Klaus Adelt, Dr. Thomas Speierl von der Fischereifachberatung des Bezirks und Landtagsvizepräsidentin Ulrike Gote (von links) haben die Fischgrillsaison in Oberfranken eröffnet.

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11.04.2018

Jagddruck auf Oschenberg erhöhen / Wo einst Panzer durchs Gelände fuhren, tummelt sich jetzt Schwarzwild – Bauern sprechen von existentiellen Schäden

Nemmersdorf. „Wir sind praktisch der Supermarkt für die Sauen.“ Markus Weishäupl, Landwirt aus Deps, hat die Nase voll. 50 Wildschweine hat er binnen weniger Tage auf seinen Feldern rund um den Oschenberg nahe der Bayreuther Stadtgrenze gezählt. „Man kommt gegen das Schwarzwild einfach nicht an“, so Weishäupl. Zusammen mit anderen Landwirten, die rund um den Oschenberg Felder und Grünland bewirtschaften, hat er sich nun zusammengetan, um mit der Bayreuther Bundestagsabgeordneten Silke Launert (CSU) eine Lösung zu finden.

Der Oschenberg bei Bayreuth nimmt in Sachen Schwarzwild eine absolute Sondersituation ein. Es handelt sich dabei um den rund 300 Hektar großen, ehemaligen Truppenübungsplatz der Bundeswehr, der seit dem Abzug der Soldaten als Muschelkalkgebiet unter Naturschutz steht und nicht verpachtet ist. Bewirtschaftet wird er im Auftrag der Bundesimmobilienanstalt (BIMA) von der Naturerbe GmbH. Drumherum haben die Bauern ihre Felder und ihr Grünland.

Früher, als die Panzer über den Oschenberg fuhren und Wehrpflichtige durch das Gebüsch robben mussten, verirrte sich keine einzige Wildsau auf das Gelände. Heute bieten die vielen Büsche, Hecken und Dickichte prima Versteckmöglichkeiten. Tagsüber verwüsten die Tiere auf der Suche nach Nahrung die Umgebung, nachts ziehen sich auf den Oschenberg zurück, wo sie sich absolut sicher fühlen können.

„Den Abschuss in den Griff zu bekommen, ist unheimlich schwierig“, sagte Landwirt Christian Popp bei dem Gespräch mit der Abgeordneten und verwies auf die vielen Rückzugsgebiete. Durch die herkömmliche Ansitzjagd sei es unmöglich, zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen, so Berufskollege Simon Schmidt. Seinen Worten zufolge gibt es die größten Schäden bei Mais, Raps, Weizen, Erbsen und Grünland. Die durchschnittlichen Schäden bezifferte er beim Weizen auf 186 Euro pro Hektar bei einem niedrig angesetzten Ausfall von zehn Prozent der Ernte. Beim Mais kommt Schmidt auf rund 547 Euro pro Hektar für Saatgut und Ertragsausfall.

„Die ökonomischen Schäden werden mittlerweile existentiell“, sagte Schmidt. Bereits unternommene Vergrämungsmaßnahmen wie die Aufstellung von Wildscheuchen, die Ausbringung von elementarem Schwefel oder spezielle Saatgutbeizen hätten, wenn überhaupt, nur kurzzeitigen Erfolg gezeigt. Dabei hätten sich die Strecken binnen kürzester Zeit verdoppelt und verdreifacht, erläuterte Hans Popp, Jagdberater des Landkreises.

Als probates Mittel gegen das Schwarzwild bezeichnete er die andernorts mit großem Erfolg angewandten Drückjagden. Rund um den Oschenberg seien sie allerdings mit einem gigantischen Aufwand verbunden. Gründe sind die nahe Staatsstraße und die nahezu parallel verlaufenden Bahnlinie Bayreuth – Weidenberg, die beide gesperrt werden müssten.

„Ziel muss es sein, der Bundesimmobilienanstalt nahe zu bringen, dass rund um den Oschenberg bei Bayreuth dringender Handlungsbedarf besteht“, sagte die Bundestagsabgeordnete Launert. Sie will sich deshalb vor allem dafür einsetzen, bei der Behörde Sensibilität für das Thema zu wecken. Als weitere Möglichkeiten, das Schwarzwild einzudämmen brachten die beteiligten Landwirte unter anderem die Errichtung von Lebendfallen („Saufängen“), die Ausgabe von mehr Begehungsscheinen und damit den Einsatz von mehr Jägern, die derzeit im Naturschutzgebiet verbotene Kirrung (Anlockfütterung) sowie Erleichterungen bei der Genehmigung von Nachtsichtgeräten ins Gespräch.

Bild: In Sachen Schwarzwild besteht rund um den Oschenberg dringender Handlungsbedarf: die Bundestagsabgeordnete Silke Launert und Hans Popp, Jagdberater des Landkreises Bayreuth bei dem Fachgespräch in Nemmersdorf.

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13.03.2018

Bodenkultur und Bodenfruchtbarkeit verbessern / Auf dem Ackerbaubetrieb von Alexander Wölfel in Kulmbach werden Boden- und Gewässerschutz groß geschrieben

Kulmbach. Rund 100 landwirtschaftliche Demonstrationsbetriebe für den Gewässer-, Boden- und Klimaschutz gibt es in Bayern. Mit dem Betrieb von Alexander Wölfel am Eulenhof ist dabei auch einer im Landkreis, genauer am Stadtrand von Kulmbach angesiedelt.

2016 hatte Alexander Wölfel die Tierhaltung aufgegeben. Er bewirtschaftet seinen Hof ökologisch als Ackerbaubetrieb im Nebenerwerb. Wichtigste Feldfrüchte sind zweijährig Kleegras, Winterweizen, Körnermais, Sommergerste, Erbsen und Triticale.

„Das bayernweite Netzwerk von Demonstrationsbetrieben soll eine Austauschplattform rund um Boden und Gewässer sein“, sagte Bernadette Ackermann. Sie ist als Wasserberaterin beim Amt für Landwirtschaft in Bayreuth angesiedelt und für die Landkreise Bayreuth, Kulmbach und Kronach zuständig. Die Demonstrationsbetriebe sind für sie ein optimales Mittel, um Landwirten, aber auch Beratern und Auszubildenden in der Landwirtschaft sowie einer interessierten Öffentlichkeit zu zeigen, wie Gewässer- und Erosionsschutz funktionieren.

Wichtigstes Mittel nicht nur für Landwirt Alexander Wölfel ist der Anbau von Zwischenfrüchten auf rund 15 Hektar. Auf den Flächen hat er verschiedene Parzellen angelegt, um verschiedene Anbausysteme und Zwischenfruchtmischungen auszutesten. „Wir wollen wissen, welche Mischungen sich am besten eigenen, wie man sie am besten sät und düngt“, so Wölfel. Seine optimale Mischung besteht unter anderem aus Alexandrinerklee, Buchweizen, Senf, Raps, Kresse, Ölrettich und Tillagerettich.

Ein Vorteil von Zwischenfrüchten ist es nach den Worten von Sachgebietsleiter Klaus Schiffer-Weigand vom Amt für Landwirtschaft in Kulmbach, dass Nährstoffe aufgenommen und gebunden werden. Diese Nährstoffe stünden dann der Folgekultur wieder zur Verfügung. Damit werde ein Auswaschen von Stickstoff in das Grundwasser verringert. Die zusätzliche organische Masse der Pflanzen verbessere die Bodenstruktur und die Bodenfruchtbarkeit. Zwischenfrüchte werden nach der Ernte im Sommer gesät, in der Regel im Winter eingepflügt und damit dem Boden wieder zurückgegeben.

Zwischenfrüchte fördern also vor allem das Bodenleben, Humus werde aufgebaut und die Böden seien besser in der Lage, Nährstoffe zu speichern. Eine bewachsene Fläche in den Wintermonaten wird außerdem als bester Schutz gegen Erosion bezeichnet. Als weiteren Effekt nannte es Alexander Wölfel, dass bei bedecktem Boden der Wuchs von Unkraut unterdrückt wird.

Doch nicht nur das Wasser und die Böden profitieren von der Maßnahme, auch die Imker freuen sich, denn Bienen nähmen die Zwischenfrüchte dankbar an. Der Kulmbacher Landwirt sagt aber auch, dass der Zwischenfruchtanbau ein langwieriger Prozess sei. „Dort wo der Boden schlecht ist, dort wächst auch die Zwischenfrucht schlechter“, gibt er zu bedenken.

Die Kosten der Maßnahme beziffert Alexander Wölfel auf rund 60 Euro pro Hektar für die Mischung, 50 Euro pro Hektar für die Saat und weitere 35 Euro pro Hektar für die Bearbeitung. Die 145 Euro lohnten sich aber schon deshalb, da am Ende höhere Erträge stehen. „Die Kosten kommen im Rahmen der Fruchtfolge wieder herein“, fasst der Landwirt das Ergebnis des Demonstrationsanbaus zusammen. Förderungsmöglichkeiten gibt es außerdem über die europäischen Direktzahlungen und über das bayerische Kulturlandschaftsprogramm.

Bild: So sieht der optimale Boden aus (von links): Thomas Ruckdeschel vom Wasserwirtschaftsamt, Landwirt Alexander Wölfel, Sachgebietsleiter Klaus Schiffer-Weigand vom Amt für Landwirtschaft in Kulmbach und Wasserberaterin Bernadette Ackermann vom Amts für Landwirtschaft in Bayreuth begutachten den lockeren und gut durchwurzelten Boden unter der Zwischenfrucht auf einem Feld direkt am Radweg zwischen Leuchau und Kulmbach.

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12.03.2018

Realität statt Romantisierung / BBV-Kreisversammlung: Landwirte werden zu Öffentlichkeitsarbeitern in eigener Sache

Kulmbach. Da ist noch Luft nach oben. Guido Winter vom Amt für Landwirtschaft in Kulmbach brachte es am Ende auf den Punkt, was die Öffentlichkeitsarbeit in der Landwirtschaft angeht. Bei der öffentlichen Kreisversammlung des BBV Kulmbach ging es vor allem um das Image der Bauern. Das soll der 2016 gegründete Verein „Unsere bayerischen Bauern“ aufpolieren.

Geschäftsführerin Eva-Maria Haas zog dabei ein überaus positives Fazit der bisherigen Arbeit. Sie sprach von über 1,3 Millionen Aufrufen der Internetseite www.unsere-bauern.de, von gut 61000 Likes bei Facebook, von rund 600 Facebook-Beiträgen und von zahlreichen Kurzfilmen, auch zu kritischen Themen, einem neuen Newsletter, Plakaten und Radiospots bis hin zu Rezepten und Veranstaltungshinweisen. „Wir wollen aber nicht nur mit Fakten, sondern auch mit Sympathie überzeugen“, sagte Eva-Maria Haas. Dazu sei es wichtig, die Realität darzustellen und nicht eine romantisierte Landwirtschaft.

Eine derartige Imagekampagne kostet freilich auch Geld. Bislang wurde die Arbeit von allen beteiligten Mitgliedsorganisationen aus den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, Fischerei und vielen benachbarten Zusammenschlüssen finanziert. Neu sind Sponsoren aus der Wirtschaft. Um den angestrebten Wunschetat von drei bis 3,5 Millionen Euro zu erreichen, seien nun aber auch Branchenbeiträge der Landwirte notwendig. „Auf freiwilliger Basis, orientiert am Umsatz und an der vermarkteten Menge“, so Eva Maria Haas. Konkret geht es um 0,45 Promille vom Umsatz, also um 45 Cent pro 1000 Euro. Nur so können wir nachhaltig und langfristig zum Verbraucher durchdringen“, sagte die Geschäftsführerin. Nur wenn sich möglichst viele Landwirte an der Finanzierung beteiligen, könne die Image-Kampagne fortgesetzt werden.

Zuvor hatte Kreisobmann Wilfried Löwinger bereits von einer Erfolgsgeschichte gesprochen. Löwinger appellierte an seine Berufskollegen, den Verein zu unterstützen. „Wenn es diesmal nicht klappt, dann funktioniert es nie wieder“, sagte er und erinnerte an die 2009 vor allem wegen der Finanzierung heftig kritisierten Auflösung der „Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft“ (CMA).

Auch Löwinger rückte das Image der Bauern in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. „Wir sind keine Giftmischer oder Tierquäler“, sagte er. Löwinger kritisierte insbesondere „Phantomdiskussionen“, in der jeder seinen Senf dazu gebe, egal ob er eine Ahnung von der Sache hat, oder nicht. Der Kreisobmann forderte ein Stückweit mehr Vernunft und weniger ideologisch geprägtes Gedankengut.

Das sah Landtagsabgeordneter Martin Schöffel ähnlich. Die Darstellung der modernen Landwirtschaft werde eine der wichtigsten Aufgaben der Zukunft sein, sagte er. Die heimische Landwirtschaft genieße das Vertrauen der Bevölkerung. Noch nie habe es so hochwertige Nahrungsmittel gegeben, noch nie sei das Tierwohl von so großer Bedeutung gewesen. Trotzdem gebe es in vielen Medien immer wieder Beiträge, die mit der Realität nichts zu tun haben, in denen Fakten vermischt oder verdreht werden. Schöffel: „Da müssen wir dagegen halten.“

Egal ob die Erzeugung hochwertiger Nahrungsmittel, die Pflege der Kulturlandschaft oder die Bereitstellung von Energie: die Landwirtschaft genieße im Landkreis Kulmbach einen hohen Stellenwert, so der stellvertretende Landrat Jörg Kunstmann. Zweiter Bürgermeister Stefan Schaffranek stellte den neuen Studiengang „Life Science – Food and Health“ vor, den die Universität Bayreuth am Standort Kulmbach realisieren möchte. Damit bekomme Kulmbach eine eigenständige Fakultät für Lebensmittel und Gesundheit. Bereits im Wintersemester 2020/2021 sollen die ersten Studenten am neuen Campus studieren können.

Bild: BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger bedankte sich bei Eva-Maria Haas, der Geschäftsführerin des Vereins „Unsere bayerischen Bauern“.

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01.03.2018

Mehr Kühe als Menschen / Neuer Geschäftsführer, neues Büro: MR Münchberg bietet breite Angebotspalette – Herdenmanagerin Lisa Tutsch berichtete über Milchproduktion in Neuseeland

Selbitz, LKs. Hof. Sie wollte nach ihrem Landwirtschaftsstudium die Welt sehen und ging für ein halbes Jahr nach Neuseeland. Auf einem landwirtschaftlichen Betrieb verdiente sie sich das notwendige Geld und irgendwie blieb sie hängen. Jetzt dreieinhalb Jahre später hat Lisa Tutsch ihren Lebensmittelpunkt auf Neuseeland, sie ist mittlerweile stellvertretende Herdenmanagerin auf einer „Kuhfarm“ mit 1200 Tieren. Für ein paar Tage kam Lisa Tutsch jetzt in ihre Heimat nach Rothenbürg bei Selbitz im Landkreis Hof zurück und war bei mehreren Veranstaltungen eine gefragte Referentin. So auch bei der Jahresversammlung des  Maschinen- und Betriebshilfsrings Münchberg und Umgebung in Selbitz.

„Ställe gibt es kaum, in Neuseeland ist alles grundsätzlich Weidehaltung“, sagte Lisa Tutsch. Die Zahl der Kühe in dem Land am anderen Ende der Welt bezifferte sie auf 4,8 Millionen (zum Vergleich: Deutschland 4,2 Millionen). Damit gibt es in Neuseeland mehr Kühe als Menschen. „Kühe sieht man eigentlich überall“, sagte sie und zeigte beeindruckende Fotos und Videos mit Kühen vor prächtiger Kulisse.

Die Milchproduktion des Landes gab sie mit 21 Millionen Tonnen pro Jahr an. Zum Vergleich Deutschland hat eine jährliche Produktion von gut 32 Millionen Tonnen. Aufgrund der extensiven Haltung gebe es in Neuseeland zwar mehr Kühe, aber weniger Milch, erläuterte die Referentin. 95 Prozent davon gingen in den Export, wobei Neuseeland aber trotzdem nur drei Prozent an der Weltproduktion hält. Abgerechnet werde nach Inhaltsstoffen, nicht nach Menge.

Geleitet würden die Farmen von Managern, Besitzer seien entweder Privatpersonen oder Firmen, beziehungsweise Investorengruppen, die teilweise aus dem Ausland kommen. Die Arbeit, beispielsweise das Melken am zentralen Melkstand oder am Karussell machen Fremdarbeitskräfte. Interessant auch die Kommunikation der Mitarbeiter untereinander, die nicht nur über Listen oder „White Boards“ erfolgt, sondern auch über Whatsapp- oder Facebook-Gruppen.

Der Vortrag von Lisa Tutsch war der Höhepunkt der Jahresversammlung des Münchberger Maschinenrings. Sie stand aber auch im Zeichen eines Führungswechsels. Dabei wurde Patrick Heerdegen, 24 Jahre alt und aus Marktschorgast im Landkreis Kulmbach stammend, als neuer Geschäftsführer vorgestellt. Er löst Gerhard Böhner ab, der seit 1994 für den Ring tätig war. Böhner wird weiterhin Geschäftsführer der GmbH bleiben.

Ein Ende hat künftig die Raumnot des Maschinenrings. „Wir hatten bislang „das kleinste Großraumbüro des Universums“, sagte Vorsitzender Siegfried Hüttner. Nachdem das Grüne Zentrum in Münchberg frühestens im Jahr 2020 fertiggestellt wird, zieht der Maschinenring als Zwischenlösung in das ehemalige Raiffeisengebäude in Ahornberg ein.

Der Maschinen- und Betriebshilfsring Münchberg hat nach den Zahlen des bisherigen Geschäftsführers Böhner 909 Mitgliedsbetriebe, einen mehr als im Vorjahr. Die Dorf- und Betriebshelfer und -helferinnen leisteten 35335 Stunden Betriebshilfe (Vorjahr 34121), davon waren 30530 Stunden soziale und 4805 wirtschaftliche Betriebshilfe. Im der klassischen Maschinenvermittlung wurde ein Verrechnungswert von knapp 2,1 Millionen Euro erzielt, was einem Anstieg von rund vier Prozent entspricht. Ein weiteres wichtiges Geschäftsfeld ist das Beratungsangebot unter anderem beim Agrardieselantrag, bei der Mehrfachantragsstellung, bei der Düngebedarfsermittlung und bei der einzelbetrieblichen Beratung.

Im Tochterunternehmen MR Hochfranken GmbH betreibt der MR Münchberg zusammen mit dem Nachbarring aus Wunsiedel unter anderem Winterdienst, Grünflächen- und Gehölzpflege, womit ein Umsatz von 1,9 Millionen Euro erzielt wurde. Das entspricht einem Plus von knapp 200000 Euro.

Bilder:
1.
 Über Milchproduktion in Neuseeland referierte Lisa Tutsch bei der Jahresversammlung des Müpnchberger Maschinenrings
2.
Der zweite und der erste Vorsitzende, Stefan Heinold und Siegfried Hüttner bedankten sich beim langjährigen Geschäftsführer Gerhard Böhner (von links).

3.
 Neuer Geschäftsführer ist der 24-jährige Patrick Heerdegen aus Marktschorgast.

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03.02.2018

Otterüberfälle bedrohen Teichwirtschaft in Oberfranken / Teichgenossenschaft fordert Abschussgenehmigung – Neues Vermarktungsportal für heimischen Fisch

Himmelkron. Für die Teichwirte geht es mittlerweile um das nackte Überleben. „Es ist die Tragödie schlechthin“, sagte Dr. Peter Thoma, Vorsitzender der oberfränkischen Teichgenossenschaften, bei der Jahresversammlung in Himmelkron.

Thoma zielt dabei auf den Fischotter ab. Er frisst ganze Teiche leer und gefährdet damit nicht nur die heimische Produktion, sondern auch die Existenz der Teichwirte. „Da zieht eine Katastrophe auf uns zu“, sagte der Vorsitzende. Ganz schlimm sei die Situation bereits in der Oberpfalz, während Oberfranken hauptsächlich im Bereich Wunsiedel betroffen sei. Der Bereich des Mains sei dagegen noch weitgehend unangetastet.

Alexander Horn aus Helmbrechts, einer von drei Otterberatern in Bayern, weiß von Betrieben, die mittlerweile vor dem Ruin stehen. In der nördlichen Oberpfalz, für die Horn ebenfalls zuständig ist, sei beispielsweise ein Teichwirt mit allen drei Anlagen betroffen, in einem Teich seien bis zu sechs Otter unterwegs, die Schadensmeldung belaufe sich mittlerweile auf über 90000 Euro.

„In der Oberpfalz ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen, da geht es längst um das bloße Überleben“, sagte Horn, der sich in der Teichgenossenschaft als Beirat engagiert. In Oberfranken sei die Situation  im Nordosten am schlimmsten, speziell im Einzugsbereich der Eger. Einzelne Vorkommen gebe es aber bereits auch von Naila kommend über Kronach bis nach Lichtenfels. Ein großes Problem sei es, dass viele Teichwirte lange nicht merken, dass sie längst zu den betroffenen gehören.

Ziel von Alexander Horn ist es nicht nur, sich um die Schäden zu kümmern und entsprechende Anträge entgegenzunehmen, sondern auch eine Bestandsaufnahme durchzuführen. „Wir müssen nachweisen, dass der Otter nicht mehr gefährdet ist, dann erst kann er auch entnommen werden“, sagte Horn. Entnehmen heißt dabei schießen, was derzeit verboten ist. Die Schaffung eines Überblicks über die Otterpopulation sei deshalb so wichtig, weil es im Moment noch überhaupt keine verlässlichen Daten gebe.

„Wir wollen mit unserer Hände Arbeit Geld verdienen und Fische verkaufen“, sagte Walter Jakob, Vorsitzender der Nachbarteichgenossenschaft Aischgrund. Er kritisierte den Schutz einzelner Arten, ohne dass man „das große Ganze“ im Blick behält. Angekommen ist das Problem mittlerweile auch in der Politik. „Wir wollen Maßnahmen zur verstärkten Entnahme erreichen“, sagte die Bayreuther Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Die Entnahme muss Teil eines Managementplanes werden, forderte ihr Fraktionskollege Martin Schöffel aus Wunsiedel. Wenn sich solche Tiere breit machen, würden nicht nur ganze Arten verschwinden, sondern auch Kulturgüter, wie Fische aus heimischen Teichen.

Von einer Riesenherausforderung für die heimische Fischwirtschaft sprach Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Wegen der Otterüberfälle gebe es bereits verstärkt Betriebsaufgaben. „Wir müssen zwingend am Ball bleiben, um unserer Teichwirtschaft zu helfen“, so Denzler. Auf einem guten Weg sei man dagegen beim Kormoran und beim Biber. Beim Kormoran, der den Teichwirten seit Jahrzehnten das Leben schwer macht, konnte eine weitere Bejagung bereits festgeschrieben werden, beim Biber würden erste Anstrengungen Früchte tragen.

Ein neues benutzerfreundliches Marketinginstrument zur Vermarktung des heimischen Fisches ist das Regionalvermarktungsportal www.regionales-bayern.de der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Dort könnten sich alle Erzeuger unkompliziert und kostenfrei anmelden. Möglich ist es dort unter anderem Betriebsbeschreibungen, Öffnungszeiten, Kontaktdaten, eine Zufahrtsbeschreibung, ja sogar ein eigenes Logo hochzuladen.

Neu in der Vorstandschaft der Teichgenossenschaft Oberfranken ist Kassenverwalterin Elke Grußka aus Rödental. Sie tritt die Nachfolge von Georg Fiedler aus Altenkunstadt an, der nach mehreren Jahrzehnten ehrenamtlicher Tätigkeit für die Teichgenossenschaft mittlerweile seine Teichanlagen verkauft hat. Die Teichgenossenschaft Oberfranken hat knapp 1000 Mitglieder, darunter viele Klein- und Nebenerwerbsbetriebe.

Bilder:
- „Der Fischotter bedroht die Teichwirtschaft in Oberfranken“: Alexander Horn, Otterberater für Oberfranken.
- Der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Dr. Peter Thoma bedankte sich bei Vorstandsmitglied Georg Fiedler für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement.

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29.01.2018

Technik, Tradition und Toleranz / Markus Söder beim Bayreuther Landfrauentag

Bayreuth. „Für mich liegt die Zukunft Bayerns auf dem Land.“ Der designierte Ministerpräsident wusste genau, was die Landfrauen von ihm hören wollten. Beim Bayreuther Landfrauentag in der Tierzuchtklause legte er ein klares Bekenntnis zur Landwirtschaft ab und sagte zu, die Landwirte zu unterstützen und nicht zu drangsalieren.

Eingeladen hatte die Vorstandschaft Markus Söder als Finanz-, Landesentwicklung- und Heimatminister. Letzteres ist wichtig, denn Heimat lautet auch das Thema der Landfrauenarbeit in der laufenden Periode. Natürlich stimmte Söder ein Loblied auf Bayern und ganz besonders auf Franken an. Dafür verantwortlich sei in ganz besonderer Art und Weise die Landwirtschaft. „Die Familienbetriebe sind die Basis für den ländlichen Raum“, sagte er. Agrarfabriken und Agrarkonzerne möchte in Bayern niemand haben. 

Die Menschen hätten die Heimat wieder entdeckt und gemerkt, wo die eigentlichen Schwerpunkte der Zukunft liegen: „Was Bayern ausmacht, findet nicht nur in den Ballungszentren statt“, so Söder. Technik und Innovation gehöre dazu genauso wie Brauchtum und Tradition. Diese Verbindung mache Bayern so unglaublich attraktiv.

Auch einige politische Botschaften hatte der designierte Ministerpräsident mitgebracht. So kündigte er die Abschaffung der umstrittenen Straßenausbausatzung („Strabs“) an, sagte gleichzeitig aber auch zu, dass die Straßen in den Gemeinden trotzdem weiterentwickelt werden sollen. Auch zum Thema Flächenverbrauch meldete sich Söder zu Wort. So nannte er die  Entwicklungen im Ausgleichsflächenmanagement hanebüchen und stellte besondere Privilegien für die Landwirtschaft in Aussicht. „Wir wollen die Landwirte schätzen und nicht dauern belasten“, so Söder.

Schließlich plädierte Söder für Toleranz. Vor dem Hintergrund des Streits um ein Kreuz im Gerichtssaal sagte er, dass das Kreuz für Nächstenliebe und Toleranz und damit für die „Kernbasis unseres Staates“ stehe. „Diese Werte müssen, wir klar und deutlich machen“, so der Minister. Wer zu uns kommt müsse sich auch unseren Sitten und Gebräuchen anpassen.

Statt Grußworte hatte Kreisbäuerin Angelika Seyferth mehrere Damen nach vorne gebeten, um zusammen mit Markus Söder über ganz private Berührungspunkte zum Thema Landwirtschaft zu plaudern. So erfuhren die Zuhörer, dass Söder früher selbst auf dem Hof seines Onkels zum Schlepperfahren war und, dass seine Tante den besten Marmorkuchen der Welt backt.

Auch die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer beherrscht das Schlepperfahren, „auch wenn die Technik immer komplizierter wird“, so Brendel-Fischer, die als Abgeordnete ständig zwischen der Fränkischen Schweiz und dem Fichtelgebirge unterwegs ist. Ihr ist das Weitergeben von Kultur und Lebensart besonders wichtig. Die stellvertretende Bezirksbäuerin Beate Opel, die aus Berlin stammt, aber seit 37 Jahren im Landkreis Kulmbach lebt, gab an, dass sie ganz besonders an Franken hängt. „Immer wenn ich in Berlin bin, vermisse ich Franken, meine Heimat“, so Opel.

Bilder:
- Markus Söder beim Gruppenbild mit dem Bayreuth Landfrauenchor.
- Kreisbäuerin Angelika Seyferth (rechts) und ihre Stellvertreterin Doris Schmidt bedankten sich beim designierten Ministerpräsidenten Markus Söder.
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 Sechs Damen und ein Herr plaudern über Landwirtschaft (von links): Pastoralreferentin Rita Grzonka, Veterinärdirektorin Iris Fuchs, Markus Söder Kreisbäuerin Angelika Seyferth, ihre Stellvertreterin Doris Schmidt, die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer und die stellvertretende Bezirksbäuerin Beate Ope
- Der Bayreuther Landfrauenchor umrahmte den Landfrauentag mit bekannten Volksliedern.
- Gespannt lauschte das Publikum in der Tierzuchtklause den Ausführungen des Heimat- und Finanzministers Markus Söder.

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17.01.2018

Kritische Töne zum Thema Heimat / Bezirksheimatpfleger Günter Dippold beim Pegnitzer Landfrauentag

Pegnitz. „Das ist Heimat“ lautet heuer das Motto der Landfrauenarbeit im Bayerischen Bauernverband. Allerdings definiert jeder Heimat etwas anders. Für den oberfränkischen Bezirksheimatpfleger Professor Günter Dippold bedeutet Heimat unter anderem Aufgeschlossenheit, Offenheit und Neugier. Für den Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab ist Heimat da, „wo wir gerne sind“. Für den Bayreuther Kreisobmann Karl Lappe ist die Landwirtschaft die älteste Berufsgruppe, die im Laufe der Jahreszeiten schon immer Heimat mitgestaltet hat und Karin Seehofer, Ehefrau des Bayerischen Ministerpräsidenten, sagt: „Jeder, der für sich seine Heimat gefunden hat, kann sich glücklich schätzen“.

Sie alle waren am Mittwochnachmittag Gäste des Pegnitzer Landfrauentages im ASV-Sportheim und läuteten mit ihren Ansprachen einen unterhaltsamen Nachmittag ein. Kreisbäuerin Angelika Seyferth blickte dabei dankbar auf das zurückliegende Jahr, in dem sich die Erzeugerpreise ein wenig stabilisiert hätten, zugleich aber auch sorgenvoll auf das neue Jahr. „Der Milchpreis sinkt, manche meinen, er stürzt ab“, so Seyferth. Auch die Schweinemäster und Ferkelerzeuger seien alarmiert, weil die Afrikanische Schweinepest vor der Tür steht. Die Infektion ist zwar für den Menschen völlig ungefährlich, allerdings müssten betroffene Betriebe ihren gesamten Bestand keulen.

Die Kreisbäuerin hatte allerdings auch Positives zu vermelden. So könnten die Landfrauen im Bauernverband heuer ihr 70-jähriges Bestehen feiern. Ein  Jubiläum, das auch an dem Bayreuther Kreisverband nicht vorübergehen wird. Bei einer eigenen Festveranstaltung sollen unter anderem langjährige aktive Ortsbäuerinnen geehrt werden.

Hauptreferent des Landfrauentages war der oberfränkische Bezirksheimatpfleger Professor Günter Dippold, der auch einige kritische Töne zum Thema Heimat fand. Heimat ist etwas anderes, als das, wozu sie ein verkitschtes Heimatbild gemacht habe. Derzeit sei Heimat in aller Munde, sie scheine ein gutes Image zu haben. Doch Vorsicht: schon einmal, in den 50er Jahren sei der Begriff so viel benutzt worden, dass er verbraucht und verkitscht wurde.

Auch nannte es Dippold bedauerlich, dass der zur Heimat gehörende Gemeinsinn derzeit verloren gehe. Nicht nur Gesangs- und Geschichtsvereine, auch Sportvereine hätten mehr und mehr mit Mitgliedeschwund zu kämpfen. Gemeinschaft werde als Ballast empfunden, bedauerte der Heimatpfleger.

Vielen Menschen hätten vor dem Hintergrund der Globalisierung Furcht vor Veränderung und Angst vor Fremden. Vielen sei damit ein wirkliches Heimatgefühl abhandengekommen. Dabei stamme vieles, was als typisch fränkisch gilt und unsere Heimat prägt, von Auswärtigen: Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth beispielsweise von Giuseppe Galli Bibiena aus Parma, Schloss Seehof bei Bamberg von Antonio Petrini aus dem Trentino und selbst das Frankenlied hatte Viktor von Scheffel gedichtet, der aus dem Badischen kam.

Landfrauen wüssten sehr genau, wie wichtig es ist, verwurzelt zu sein, sagte Karin Seehofer, die Gattin des Bayerischen Ministerpräsidenten. Sie bezeichnete die Landfrauen als beeindruckende Vorbilder, die sich Tag für Tag in die Gemeinschaft einbrächten. Als ein Stück Tradition und damit auch als ein Stück Heimat bezeichnete der Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab die Landfrauen. „Heimat heißt für mich, Kultur zu wahren, Natur zu wertschätzen und den Boden zu achten“, so Raab.

Kreisobmann Karl Lappe rief dazu auf, sich auf sinkende Preise einzustellen. „Nach jedem Hoch kommt ein Tief“, sagte er. Zuletzt hätten die Betriebe im Landkreise diese Tiefs in den Jahren 2009 und 2014/2015 einigermaßen überstanden. Als Herausforderungen für 2018 bezeichnete er auch den Kampf gegen das Bürokratiemonster namens Düngeverordnung. Da müsse dringend nachgebessert werden, forderte Lappe.

Der Pegnitzer Landfrauentag wurde wieder vom Bayreuther Landfrauenchor, diesmal unter der Leitung von Martina Schill umrahmt. Zum Landfrauentag gehörten auch eine Vorstellung der Stadt Bad Berneck durch Florian Fraaß und einige Lieder zum Mitsingen mit der Volksmusikerin Stefanie Zachmeier.

Bilder:
1. Kreisbäuerin Angelika Seyferth (links) und ihre Stellvertreterin Doris Schmidt (rechts) bedankten sich bei Karin Seehofer, die als Ehrengast zum Landfrauentag nach Pegnitz gekommen war.
2. D
er Bayreuther Landfrauenchor wurde bei seinem Auftritt beim Pegnitzer Landfrauentag von Martina Schill geleitet.
3. Kreisbäuerin Angelika Seyferth (links) und ihre Stellvertreterin Doris Schmidt überreichten dem oberfränkischen Bezirksheimatpfleger einige Kostproben landwirtschaftlicher Erzeugnisse aus der Region.

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03.01.2018

Rinder aus Oberfranken für die Türkei / Knapp 19 Millionen Umsatz mit fast 33000 Tieren: Rinderzuchtverband auf hohem Niveau – Wechsel an der Spitze der Bayreuther Kreiszuchtgenossenschaft

Bayreuth. Der Rinderzuchtverband Oberfranken hat im zurückliegenden Wirtschaftsjahr seinen Umsatz von 18,2 auf 18,9 Millionen Euro gesteigert. Die Zahl der vermarkteten Tiere war von 32600 auf 32799 angestiegen. Diese Zahlen hat der Vorsitzende Georg Hollfelder bei der Jahresversammlung der Kreiszuchtgenossenschaft und des Milcherzeugerrings Bayreuth genannt. Das Wirtschaftsjahr endet bei den Rinderzüchtern am 30. September.

RZV-Vorsitzender Hollfelder sprach von einem beachtenswerten Niveau. Die Zahlen stützten sich vor allem auf den Export, wobei die Türkei ganz vorne liege. Auch der Export nach Russland soll wieder verstärkt angegangen werden, zumal Zuchttieren nicht unter das Embargo fallen. Insgesamt ist sowohl die Zahl der rinderhaltenden Betriebe als auch die Zahl der Tiere im vergangenen Jahr zurückgegangen. Nach den Zahlen von Zuchtleiter Markus Schricker gab es in Oberfranken zuletzt 1361 Mitgliedsbetriebe mit zusammen 71201 Tieren. Das seien 63 Mitgliedsbetriebe und 204 Kühe weniger als noch im Jahr zuvor. Dies entspreche dem durchschnittlichen Rückgang der vergangenen Jahre in Höhe von jeweils um die fünf Prozent, sagte Schricker. Auch Stadt und Landkreis Bayreuth lägen dabei mit aktuell 339 Mitgliedsbetrieben mit zusammen 19532 Tieren im Trend. Die Zahl der Betriebe war dabei im Bayreuther Land um 18, die Zahl der Tiere um acht zurückgegangen.

Mit dem Verzicht auf eine erneute Kandidatur von Hans Engelbrecht als Vorsitzenden ist bei der Kreiszuchtgenossenschaft eine Ära zu Ende gegangen. Engelbrecht stand 21 Jahre lang an der Spitze des Zusammenschlusses. Zur Nachfolgerin wählten die Mitglieder ohne Gegenstimme Christiane Böhm aus Neuhaus bei Aufseß. Engelbrecht sprach von einer interessanten Zeit mit vielen Höhen und Tiefen. Er habe in den 21 Jahren viele Bauvorhaben mitbegleiten und wichtige Entscheidungen treffen können.

Auf ein schwieriges Jahr mit großen Herausforderungen hat BBV-Kreisobmann Karl Lappe bei der Versammlung seine Berufskollegen eingeschworen. 2017 hätten sich die meisten Märkte auf dem Zenit befunden, 2018 würden die Absatzwege schwieriger. Im Bereich Milch und Fleisch würden die die Bauern deutlich unter dem Russlandembargo leiden. „Wir hoffen, dass der Welthandel wieder anspringt, denn jeder einzelne zahlt die Zeche“, so Lappe. Er appellierte an die Bauern, sich darauf einzustellen, dass die Preise ab dem Frühsommer rückläufig sein werden.

Die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer (CSU) hob in ihrem Grußwort hervor, dass der Aufschlag von 15,3 Millionen Euro im Nachtragshaushalt den Stellenwert bäuerlicher Leistungsanerkennung deutlich mache. Als Beispiele für die Fortentwicklung des Bayerischen Weges nannte sie das nun umfassendere  KULAP-Paket,  das Bayerische Sonderprogramm Landwirtschaft sowie die erfolgreiche Bio-Regio-Strategie.

Ausgezeichnet wurden bei der Versammlung die folgenden sechs Betriebe mit den besten Jahresleistungen: Erna Eckert aus Funkendorf, Holger Popp aus Zettlitz, Udo Meister aus Brüderes, Jürgen Raab aus Lessau, Rudolf Opitz aus Kirmsees und Franz Schmidmair aus Bernheck.

Höhepunkt des kommenden Jahres wird die große Verbandstierschau zum 120-jährigen Bestehen des Rinderzuchtverbandes Oberfranken m Sonntag, 18. März in der Tierzuchthalle in Bayreuth sein.

Bilder:
- Hans Potzel vom Milcherzeugerring Oberfranken bedankte sich beim bisherigen Vorsitzenden Hans Engelbrecht (rechts), der nach 21 Jahren an der Spitze nicht mehr zur Wahl angetreten war.

- Für herausragende Leistungen zeichneten (von links) Zuchtleiter Markus Schricker und der bisherige KZG-Vorsitzende Hans Engelbrecht, Rainer Zimmermann, Christian Engelbrecht, Christiane Böhm, Thomas Mayer, Christiane Lauterbach, Martin Schamel, Christa Lauterbach, Franz Schmidmair, Jürgen Raab, Rudolf Opitz, Helmut Büttner und Josef Lodes aus. Mit im Bild die  Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer (4. von rechts).


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17.11.2017

Naturschutz und Nutzung im Widerstreit / „Forum Waldkontroversen“ an der Universität Bayreuth: Klares Bekenntnis zum Rohstoff Holz

Bayreuth. „Holz ist der Rohstoff der Gegenwart und er wird noch mehr der Rohstoff der Zukunft sein.“ Das sagt Frank Pirner, Leiter des Forstbetriebs Pegnitz der Bayerischen Staatsforsten. Nach den Worten von Götz von Rotenhan, dem 1. Vizepräsidenten des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, ist Bayern ohnehin das „Holzland Nummer 1“. Voll und ganz hinter der heimischen Holznutzung stehen die Jäger, wie Ramona Pohl, Referentin beim Bayerischen Jagdverband betont. Und selbst Ralf Straußberger, Wald- und Jagdreferent beim Bund Naturschutz in Bayern, bekennt sich zur Nutzung des heimischen Rohstoffes Holz, wenn auch klar unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit.

Eigentlich waren sich alle einig, beim „Forum Waldkontroversen“, das die Universität Bayreuth zusammen mit dem Ökologisch-Botanischen Garten, dem Zentrum für Ökologie und Umweltforschung sowie der Campus-Akademie veranstaltet hat. Unterschiedliche Standpunkte gab es trotzdem. Sie konzentrierten sich vor allem auf die Frage: „ Ökonomie oder Ökologie?“.

60 bis 80 Kubikmeter Holz würden jährlich in Deutschland eingeschlagen, das ist deutlich weniger, als nachwächst, so Gregor Aas, Leiter des Ökologisch-Botanischen Gartens (ÖBG) in Bayreuth. Gleichzeitig werde aber deutlich mehr Holz benötigt. Da sei es doch besser mehr heimisches Holz einzuschlagen, als Holz einzuführen, das in Skandinavien oder in Rumänien unter fragwürdigen Bedingungen produziert wird, so Götz von Rotenhan.

Er erntete damit den Widerspruch von Ralf Straußberger. „Wir können nicht unsere eigenen Wälder plündern mit dem Verweis auf andere Regionen, die eine schlechtere Waldwirtschaft betreiben“, sagte der der BN-Vertreter und sprach sich klar gegen eine Erhöhung der Holzeinschläge aus. „Wir müssen die Grenzen sehen, und die gibt es zweifellos“, so Straußberger.

Vor allem dann, wenn Holz zunehmend nicht mehr nur stofflich, sondern auch energetisch verwertet wird. „Es wird immer populärer, mit Holz zu schüren“, sagte Gregor Aas vom ÖBG. Holz in großem Umfang zu verbrennen, dafür sei es zu schade, so BN-Sprecher Straußberger. Da sollte man doch das Holz besser für Dämmplatten verwenden, um den Energieverbrauch in Gebäuden zu senken. Dem widersprach Frank Pirner. Holz zu verbrennen sei auf jeden Fall besser, als Erdöl zu verbrennen und Götz von Rotenhan ergänzte, dass bei jeder Waldbewirtschaftung ja auch viel Holz anfällt, das aufgrund seiner Beschaffenheit nicht in die Produktion gelangen kann und damit ideal für eine energetische Verwertung sei.

Auch das Thema Waldumbau vor dem Hintergrund des Klimawandels nahm beim „Forum Waldkontroversen“ in Bayreuth breiten Raum ein. Deutschland wäre von Natur aus überwiegend ein Laubwaldgebiet, sagte Carl Beierkuhnlein, Inhaber des Lehrstuhls für Biogeographie an der Universität Bayreuth. Tatsächlich dominierten in den Wäldern aber klar die Nadelbäume.

Das wird sich ändern, versprach Frank Pirner. Die Witterungsextreme nähmen zu, der Wald sei heute nicht mehr so widerstandsfähig, wie er sein sollte. „Der Wald von morgen wird anders aussehen“, sagte er und kündigte an, den Focus künftig immer mehr auf gemischte Wälder zu richten. So soll das Nadelholz in den kommenden Jahren im Bereich der Bayerischen Staatsforsten um zehn Prozent abnehmen, was zu Lasten von Fichte und Kiefer gehen werde. Der Tannen-Anteil soll allerdings von zwei auf fünf Prozent mehr als verdoppelt und der Douglasien-Anteil von derzeit einem auf drei Prozent erhöht werden. Laubholz soll deutlich zunehmen, wobei die Staatsforsten vor allem auf die Buche und auf Edellaubhölzer setzen wollen.

Bilder:
1. Frank Pirner (links), Leiter des Forstbetriebs Pegnitz der Bayerischen Staatsforsten und Christian Kölling vom Landwirtschaftsamt in Roth.
2. Ramona Pohl, Referentin beim Bayerischen Jagdverband, und Götz von Rotenhan, 1. Vizepräsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes.
3. Ralf Straußberger, Wald- und Jagdreferent beim Bund Naturschutz in Bayern.

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04.09.2017

Teichwirtschaft auf ehemaligem Maisacker / Wasserarmer Winter und trockener Sommer verhindern Rekordernte - Teichwirte eröffneten oberfränkische Karpfensaison

Mengersdorf. Ähnlich wie das Schäufele gehört auch der Karpfen zu den fränkischen Nationalgerichten. Gerade jetzt in den Monaten mit dem Buchstaben „r“. Alle Karpfenfreunde in Oberfranken können sich heuer auf eine ausgezeichnete Qualität freuen, der Fisch ist hochrückig, schön bespiegelt, hat einen Fettgehalt zwischen 2,5 und sechs Prozent und schmeckt einfach gut, sagte Karl-Peter Schwegel aus Wiesentthal in der Fränkischen Schweiz bei der Eröffnung der oberfränkischen Karpfensaison auf seinen Teichanlagen in Mengersdorf bei Obernsees im Landkreis Bayreuth.

Die erzeugte Menge wird nach offiziellen Angaben bayernweit heuer allerdings geringfügig unter dem langjährigen Schnitt von 6000 Tonnen pro Jahr liegen. Schuld daran seien der wasserarme Winter und der teilweise trockene Sommer, die den Besatz mancher Teiche verhindert haben. Aus Oberfranken kommen dabei rund zehn Prozent der erzeugten Karpfen. Bevor die Teiche abgefischt werden, wachsen die Fische drei Jahre heran und erhalten als Beifutter ausschließlich Getreide.

Karl-Peter Schwegel ist einer der wenigen Karpfenteichwirte, die in Oberfranken im Vollerwerb wirtschaften und der alleine auf sechs Tonnen erzeugten Speisekarpfen pro Jahr kommt. In der Regel vermarktet Schwegel direkt auf den Wochenmärkten von Bayreuth, Forchheim, Erlangen, Neunkirchen am Brand sowie auf verschiedenen Sonntagsmärkten.

„Was wäre dir Genussregion Oberfranken ohne ihre Teichwirte“, sagte die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer aus Bayreuth bei der Eröffnung der Karpfensaison. Heimischer Karpfen sei ein reines Naturprodukt, das heute noch unverändert so erzeugt wird, wie seit Jahrhunderten.

Mit ihrer extensiven und naturnahen Teichwirtschaft sorgen die Karpfenerzeuger nicht nur für eine besonders nachhaltige Erzeugung, sondern auch für die Erhaltung einer einzigartigen und charakteristischen Naturlandschaft, sagte der oberfränkische Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Zudem seien die Karpfenteiche auch wertvolle Rückzugsräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten.

Das wird an den vier Teichen von Karl-Peter Schwegel in Mengersdorf besonders deutlich. Wo bis 2007 ein ordinärer Maisacker war, sind jetzt die vier Teiche, in deren Umgriff sich bereits Schwarzstörche, Eisvogel und Ringelnatter niedergelassen haben. „Erst durch die Bewirtschaftung werden die Teiche ökologisch wertvoll“, sagte Dr. Peter Thoma aus Thiersheim, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken.

Die Kulturlandschaft profitiere davon, dass in Oberfranken noch so viele Teichwirte im Zu- und Nebenerwerb wirtschaften, sagte der Präsident des Verbandes der bayerischen Berufsfischer (VBB), Albert Deß. Gerade in den Tourismusregionen sei die Kulturlandschaft so wichtig, denn Urlauber wollten keine pure Naturlandschaft wie im Urwald, sondern eine von Menschenhand gestaltete Kulturlandschaft und dazu würden die vielen Teichwirte eine ganz wichtigen Beitrag leisten.

Bilder:
1. Mit der Abfischung der Teichanlage von Karl-Peter Schwegel in Mengersdorf ist die oberfränkische Karpfensaison offiziell eröffnet worden.
2. Ab September gibt es in zahlreichen Gaststätten und Restaurants wieder frischen Karpfen.
3. Peter Piroschka vom Gutshof Mengersdorf hat in den kommenden Monaten zahlreiche Karpfenvariationen auf seiner Speisekarte.
4. An der Sortierrinne zeigen die ersten Prachtexemplare (von links): Thomas Speierl von der Fischereifachberatung des Bezirks Oberfranken, Teichwirt Karl-Peter Schwegel, Teichgenossenschaftsvorsitzender Peter Thoma, VBB-Präsident Albert Deß, die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer, Bezirkstagspräsident Günther Denzler, und Herbert Rebhan vom Sachgebiet Naturschatz an der Regierung von Oberfranken.

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21.07.2017

Forchheimer Kirschbauern sind Aldi-tauglich / Große Früchte können Kirschanbau rentabel halten - Bundestagsabgeordnete Silke Launert zu Besuch im Obstinfozentrum Hiltpoltstein

Hiltpoltstein. Obstbau ist kein nostalgisches Hobby, sondern für viele ein Betrag zur Lebensgrundlage. Das sagt Hans Schilling, Kreisfachberater für Obstbau und Chef am Obstinfozentrum in Hiltpoltstein im Landkreis Forchheim. Weil der Landkreis europaweit zu den bedeutendsten zusammenhängenden Obstanbaugebieten gehört, leistet sich der Landkreis eine eigene Versuchsanlage am Standort Hiltpoltstein.

Die Geschichte der sechs Hektar großen Versuchsanordnungen zu neuen Sorten und Unterlagen im Kirschenbereich reicht bis in das Jahr 1972 zurück, sagte Kreisfachberater Schilling bei einem Besuch der Bundestagsabgeordneten Silke Launert. Aktuell arbeiteten die Mitarbeiter an der Optimierung des modernen Kirschanbaus im Bereich Sorten, Unterlagen, Überdachung und Bewässerung. Weitere Versuche fänden auf der zweiten großen Fläche in Dietzhof am Walberla, ebenfalls im Landkries Forchheim statt.

Hiltpoltstein versteht sich dabei in erster Linie als Beratungs-, Schulungs- und Demonstrationszentrum. Seit der Wiedereröffnung im April 2014 gibt es hier am Ortsrand der Marktgemeinde Hiltpoltstein moderne Räumlichkeiten mit hervorragender technischer Ausstattung. Vorher habe es nicht einmal Toiletten gegeben, was bei Besuchern, die mit Bussen gekommen waren, regelmäßig für Unstimmigkeiten sorgte. Mittlerweile nimmt sogar die Volkshochschule die Einladung gerne an, Kochkurse in den Räumen des Obstinfozentrums zu veranstalten.

„Wir wollen den Kirschbauern zeigen, wie sie den Kirschanbau rentabel halten können, sagt Schilling. Wer davon leben will, benötige Sorten mit großen Früchten, schließlich seien Pflege und Ernte schon aufwändig genug. Deshalb werden beispielsweise Überdachungsversuche mit Tropfbewässerung für Süßkirschen durchgeführt, neue Sorten im Bereich Süßkirschen und Zwetschgen getestet sowie Sorten- und Unterlagenversuche für Süßkirschen angelegt. Ein wichtiges Ziel ist es beispielsweise, die beiden Hauptfeinde der Kirsche, die Kirschfruchtfliege und die Kirschessigfliege fernzuhalten. Ebenso einmalig ist in Hiltpoltstein die Durchführung des Sachkundenachweises Pflanzenschutz mit Schwerpunkt Obstanbau.

Welche Bedeutung der Kirschanbau in der Fränkischen Schweiz wirklich hat, zeigt die Tatsache, dass die Obstbaugenossenschaft im benachbarten Igensbach weit über 1000 Mitglieder, die Genossenschaft in Pretzfeld rund 600 und die In Mittelehrenbach 400 Mitglieder hat. Allein im Fall der drei Genossenschaften gehe es um fast 1000 Hektar, auf den Kirschen angebaut werden. Der Großteil davon geht mittlerweile an den Lebensmitteleinzelhandel, nachdem im Obstinfozentrum Konzepte entwickelt wurden, die der Lebensmitteleinzelhandel akzeptiert. „Damit sind wir also auch aldi-tauglich“, so Schilling.

Wenn dem Landkreis Forchheim der Unterhalt eines eigenen Obstinfozentrum derart am Herzen liegt, dann vor allem auch deshalb, dass Obstbauern zu den wichtigsten Landschaftspflegern gehören, sagte die Bundestagsabgeordnete Silke Launert. Die Obstbauern seien letztlich in ganz besonderer Art und Weise für die Kulturlandschaft verantwortlich, wegen der so viele Urlauber in die Fränkische Schweiz kommen. „In Bayern ist es in jedem Fall einmalig, dass ein Landkreis eine eigene Versuchs- und Informationsanlage unterhält“, so Launert.

Bilder:
- Fast 1000 Kirschbauern nehmen pro Jahr an einer der Schulungen im neuen Hiltpoltsteiner Obstinfozentrum teil.
- Hans Schilling vom Obstinfozentrum Hiltpoltstein erläutert der Bundestagsabgeordneten Silke Launert die neuen Überdachungsversuche für Süßkirschen.

 

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20.07.2017

Artenschutz durch Aufessen / Amerikanische Krebse auf den Tellern sollen heimische Edelkrebse in den Gewässern schützen

Speichersdorf, Lks. Bayreuth. Eingewanderten Kamber- oder Signalkrebsen soll es verstärkt an den Kragen, beziehungsweise an den Panzern gehen. Nur so sei es möglich einheimische Edelkrebsarten zu schützen. Darin sind sich die Verantwortlichen von der Arge Fisch im oberpfälzischen Landkreis Tirschenreuth, von der Teichgenossenschaft Oberfranke und vom Bezirk Oberfranken einig. Bei einem Aktionstag in der Tauritzmühle bei Speichersdorf im Landkreis Bayreuth machten sie deutlich, wie schmackhaft der amerikanische Krebs und zugleich wie schützenwert der heimische Edelkrebs ist.

Edelkrebse gab es bis zur Mitte des 19 Jahrhunderts hinein auch in unseren Breiten praktisch in jedem Wiesengraben. Bis die „Krebspest“ durch ganz Europa zog und alle einheimischen Edel- und auch Steinkrebse bis auf kleine Restbestände vernichtete. Eingeschleppt wurde die „Krebspest“ durch amerikanische Krebse, die gegen die Krankheit resistent sind. Während der einheimische Edelkrebs heute fast schon ausgestorben ist und praktisch nur noch in geschlossenen Gewässersystemen wie Baggerseen, Kies- und Schottergruben oder Fischteichen vorkommt, konnten sich die amerikanischen Arten wie etwa der Kamber- oder den Signalkrebs in unseren Gewässern ungehindert ausbreiten.

Was kann man also tun, um den einheimischen Edelkrebs zu retten und den amerikanischen Krebs zu dezimieren? Das dachten sich die Arge Fisch, die Teichgenossenschaft und der Bezirk Oberfranken. Die drei führenden Institutionen der Fisch- und Teichwirtschaft in Nordbayern kamen zu dem Schluss, den durchaus schmackhaften amerikanischen Krebs einfach zu verspeisen, um so ihren Bestand zu dezimieren und gleichzeitig dem heimischen Krebs wieder eine Überlebenschance zu geben.

Wie gefragt Krebse zu früheren Zeiten waren, zeigt, dass ein Pfund Rindfleisch gegen vier heimische Edelkrebse eingetauscht wurde, sagte der oberfränkische Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Viele Flurnamen („Krebsgasse“) zeigten noch heute wie verbreitet und allgegenwärtig Krebse zu früheren Zeiten waren. Das Verspeisen des gebietsfremden Krebses nannte Manfred Löbl, Bereichsleiter für Wasser- und Naturschutz an der Regierung von Oberfranken, eine sinnvolle Verwertung, aber auch eine effektive Möglichkeit, die invasive Krebsart zu bekämpfen. Früher war der Krebs ein echter Leckerbissen, und genau das soll er auch wieder werden, sagte Peter Thoma von der Teichgenossenschaft Oberfranken. Um den Krebs als eiweißreiches Nahrungsmittel bekannter zu machen, könnte er sich sogar einen Krebsburger bei McDonalds vorstellen.

Bilder:

-   (oben): So sieht er aus, der amerikamische Signalkrebs, der sich in den hiesigen Gewässern ungehindert ausbreiten konnte, während heimische Edelkrebse immer weniger wurden.

-   (Mitte): Susi Schömann und Uwe Schöffler von der Tauritzmühle bei Speichersdorf im Landkreis Bayreuth präsentieren den leckeren Signalkrebs, der künftig verstärkt auf heimischen Tellern landen sollte, um angestammten Edelkrebsen wieder eine Chance zu geben.

(unten): Von links: Bezirksrat Stefan Specht, Bürgermeister Manfred Porsch, Hans Klupp von der Arge Fisch Tirschenreuth, Manfred Löbl von der Regierung von Oberfranken, Thomas Speierl von der Fischereifachberatung des Bezirks Oberfranken, Bezirkstagspräsident Günther Denzler und der TEGOF-Vorsitzende Peter Thoma.

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13.07.2017

Felsengarten, Fischzucht und goldene Forellen /
Weithin bekanntes Kleinod der Fränkischen Schweiz trägt künftig das Prädikat Kulturgut

Pottenstein. Es ist ein ganz herausragendes Kleinod der Fränkischen Schweiz mit weit überregionaler Bedeutung: das Klumpertal bei Pottenstein im Landkreis Bayreuth, bekannt als Felsengarten und Wanderparadies. Jetzt ist das völlig unberührte Tal mit seinen steilen Felswänden und insgesamt 18 kleinen Teichen ganz offiziell zum Kulturgut erklärt worden. Die Teichgenossenschaft Oberfranken zeichnete die Teichanlage, die es dort nachweislich seit dem Jahr 1721 gibt und die seitdem ununterbrochen bewirtschaftet wird, mit dem Prädikat „Kulturgut Teich“ aus.

Ein einziger Forellenweiher war es, der 1721 urkundlich erwähnt wird, 50 Jahre später war bereits ein zweiter dazugekommen und es liegen bereits Hinweise auf eine Fischzucht vor. Schon vorher hatte der Hofmarschall und fürstliche Rat Lorenz von Guttenberg, der das nahe Schloss Kühlenfels besaß, eine Mühle errichtet, von der heute allerdings nichts mehr übrig ist.

Im 19. Jahrhundert wurde dann eine „Forellenzuchtanstalt“ aufgebaut und es entstanden die Teiche in ihrer jetzigen Form. Eigentümer ist heute die Katholische Kirchenstiftung Kühlenfels, Bewirtschafter sind seit 2012 die beiden Teichwirte Lothar Kornburger und Oswald Schütz. Sie haben die malerisch gelegene und nur auf unbefestigten Wegen erreichbare Teichanlage in den zurückliegenden Jahren liebevoll saniert und gesichert und betreiben dort heute eine Satzfischzucht mit Bachforellen.

„Fischteiche leisten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag für die Kulturlandschaft“, sagte der Direktor der Bezirksverwaltung Rudolf Burger bei der Auszeichnung, zu der auch die Enthüllung einer Informationstafel direkt am Teichufer gehörte. Burger sprach von der hohen ökologischen Bedeutung der Teiche, die einen wertvollen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten darstellen.

Rund um das Klumpertal rankten sich viele Sagen, so der Pottensteiner Bürgermeister Stefan Frühbeißer. So soll an Ort und Stelle der Teiche bis in das 19. Jahrhundert hinein nach Gold geschürft worden sein, „leider ohne Erfolg“, so der Bürgermeister. Auch von goldenen Forellen war die Rede, zumindest, wenn sie in der Nähe der Quelle gesichtet wurden. Die Stadt sei heute bemüht, das Klumpertal etwa durch die Ausweisung verschiedener Rundwanderwege noch bekannter zu machen. Auch die Auszeichnung Kulturgut Teich werde künftig zur Attraktivität beitragen.

Die Auszeichnung Kulturgut Teich wird nach den Worten des Vorsitzenden Peter Thoma seit 19 Jahren vergeben. Neben einer lückenlosen Historie des Teichobjekts seien die landschaftsprägende Bedeutung, die besondere ökologische Gewichtung und die noch immer aktuelle Bewirtschaftung wichtige Kriterien für die Auszeichnung. Die Auswahl des jeweiligen Preisträgers nimmt eine Jury vor, zu der Vertreter der Teichgenossenschaft, des Bezirks Oberfranken und der Fachberatung für Fischerei gehören.

Bild: Rudolf Burger (links) von der Bezirksverwaltung und Peter Thomas von der Teichgenossenschaft Oberfranken haben den Fischteichen im Klumpertal in der Fränkischen Schweiz das Prädikat Kulturgut verliehen und eine Informationstafel am Ufer der Anlage enthüllt.

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07.06.2017

Jura-Wagyus in der Fränkischen Schweiz /
Auf dem Wiesenthof werden japanische Exoten gezüchtet – Landwirtschaftsstaatssekretär Bleser besuchte Betrieb der Familie Braun-Hofmann

Birkenreuth. Der bäuerliche Familienbetrieb soll auch in Zukunft das Leitbild der deutschen Landwirtschaft sein. Darauf hat der Parlamentarische Landwirtschaftsstaatssekretär Peter Bleser hingewiesen. Bei einem Besuch des Wiesenthofes der Familie Braun-Hofmann in Birkenreuth, einem kleinen Ortsteil des Marktes Wiesenttal im Landkreis Forchheim, legte Bleser großen Wert darauf, dass auch in Zukunft das bäuerliche Haupteinkommen aus dem Verkauf landwirtschaftlicher Produkte stammt und nicht aus den Bereichen Natur- und Landschaftspflege oder aus Tierschutzzahlungen.

Beim Familienbetrieb Braun-Hofmann muss sich der Staatssekretär dabei keine Sorgen machen. Die engagierten Landwirte haben es mit ihren Jura-Wagyus mittlerweile zu überregionaler Bekanntheit gebracht. Sogar eine Hamburger Spezialitätenmetzgerei wird mit dem Fleisch der Rinderrasse, die auch als Kobe-Rinder bekannt sind, beliefert. In der Region gibt es das feine und gleichmäßig marmorierte, extrem saftige und geschmackvolle Fleisch unter anderem bei der Metzgerei Meyer in Nürnberg oder bei der Metzgerei Max in Hof.

In Japan zahlt man dafür Spitzenpreise und das Fleisch erfreut Gourmets weit über Oberfranken hinaus. Dabei war Landwirt Peter Hofmann durch einen puren Zufall auf die Exoten gekommen. Er sah vor genau zehn Jahren einen Fernsehbeitrag über die Rinder, erzählte seiner Tierärztin davon, deren Mann wiederum Japaner ist, und schon war ein erster Kontakt hergestellt. Vier Tiere wurden im Jahr 2007 über Australien organisiert und fanden den Weg in die Fränkische Schweiz. Mittlerweile besteht die Herde aus etwa 60 Mutterkühen und vier Wagyu-Stieren, die zuverlässig für Nachkommen sorgen. Die Tiere dienen ausschließlich zur Zucht und zur Fleischgewinnung, die Milchviehhaltung hatte Hofmann schon vor zwölf Jahren aufgegeben. Zum Hof gehören auch eine Biogasanlage und vier Ferienwohnungen. Mittlerweile bewirtschaftet die Familie rund 200 Hektar Acker- und Grünland.

Auf den Birkenhof war der Staatssekretär aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium durch die Abgeordnete Silke Launert aus Bayreuth und deren Kontakt zu Susanne Braun-Hofmann gekommen. Die Bäuerin gehört nicht nur dem örtlichen Gemeinderat an und ist BBV-Ortsbäuerin, sie ist auch dritte Bürgermeisterin des Marktes Wiesenttal. Silke Launert nannte den Wiesenthof ein Musterbeispiel dafür, wie ein landwirtschaftlicher Betrieb in Nischen erfolgreich sein kann. Sie sprach sich auch dafür aus, mehr Basisarbeit für die Landwirtschaft zu leisten und beispielsweise in Schulen Kindern und Jugendlichen moderne Landwirtschaft zu vermitteln.

Staatssekretär Bleser bezeichnete es als dringliches Anliegen, bei Naturschutzverbänden für Verständnis zu werben, dass Landwirtschaft nach guter fachlicher Praxis auch ein Beitrag zum Naturschutz ist. Wenn hierzulande die Tierhaltung unterbunden wird, könne sie nirgends anders auf einem derart hohen Niveau fortgeführt werden, so der Bamberger BBV-Kreisobmann Edgar Böhmer.

Beherrschendes Thema war einmal mehr der geplante Bau von HGÜ-Erdverkabelungen, wobei der stellvertretende oberfränkische BBV-Präsident Erwin Schwarz aus Kronach einmal mehr die Forderung nach einer Entschädigung für die Zerstörung und notwendige Wiederherstellung der landwirtschaftlichen Ackerflächen und zusätzlich eine Pacht auf Dauer wiederholte. Diese wiederkehrende Leistung soll dafür sein, dass der Bauer die Erdverkabelung auf seinem Acker mit allen damit verbundenen Einschränkungen dulden muss. BBV-Direktor Wilhelm Böhmer aus Bamberg bezifferte dabei erstmals auch die offizielle Forderung des Bauernverbandes auf zehn Euro pro Jahr und Meter. Staatssekretär Bleser nannte diese Zahl hinsichtlich der immensen Baukosten angemessen. „Das ist keine unzumutbare Belastung“, sagte er, eine Strompreiserhöhung könne man damit nicht begründen.

Bild oben: Die Bundestagsabgeordnete Silke Launert und Landwirtschaftsstaatssekretär Peter Bleser gingen auf Tuchfühlung mit den Wagyu-Rindern auf dem Birkenhof der Familie Braun-Hofmann in der Fränkischen Schweiz. Über die Schulter blicken ihnen dabei die Bayreuther Kreisbäuerin Angelika Seyferth und die Forchheimer Kreisbäuerin Rosi Kraus (von rechts).

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02.06.2017

Lautstarker Protest der Land- und Forstwirtschaft /
Demo gegen möglichen Nationalpark Frankenwald

Neukenroth. Eine solche Demonstration hat der kleine Ort Neukenroth bei Stockheim nahe der Stadt Kronach wohl noch nie gesehen. Mehrere hundert Land- und Forstwirte mit rund 120 Schleppern, landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Holztransportern haben Stimmung gegen einen möglichen Nationalpark Frankenwald gemacht. Hintergrund war der gleichzeitige Besuch der bayerischen Umweltministerin Ulrike Scharf, die in einem Hotel in Neukenroth die Planungen für einen Nationalpark vorstellte.

Der Verkehr auf der mitten durch den Ort führenden Bundesstraße B85 kam dabei für längere Zeit komplett zum Erliegen, da die Route der Demonstranten vom Treffpunkt an der Zecherhalle bis zum Hotel Rebhan rund einen Kilometer über die vielbefahrene Bundesstraße führte. Die Teilnehmer der Demo ließen dabei unter anderem Motorsägen aufheulen und machten ihren Unmut über die Pläne mit Transparenten, Trillerpfeifen und Signalhupen Luft.

Vom großen Zuspruch in Neukenroth waren selbst die Organisatoren vom BBV überrascht. „Ich bin stolz auf euch“, rief der stellvertretende Kreisobmann Klaus Siegelin ins Megaphon. Besonders ins Visier der Demonstranten geriet dabei der örtliche Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner (CSU). Er hatte den Frankenwald als möglichen Nationalpark überhaupt erst ins Gespräch gebracht. „Baumgärtner und Co machen unseren Frankenwald k.o.“ stand nun auf Transparenten zu lesen, oder „Ich dachte er heißt Baumgärtner und nicht Baumvernichter“.

Für die Ministerin wurde dabei erstmals deutlich: Ein möglicher Nationalpark Frankenwald stößt in Oberfranken auf massiven Widerstand. „Nationalpark? Kein Bedarf Frau Scharf“, wurde auch sie auf Transparenten namentlich genannt. Symbolisch trugen BBV-Mitglieder dazu den Frankenwald in Sargform zu Grabe.

Umweltministerin Scharf, die von den Demonstranten mit Pfiffen empfangen wurde, hatte bereits Mitte Mai angekündigt, den Frankenwald in die Suche nach einem dritten bayerischen Nationalpark mit aufzunehmen. Als Standort sind derzeit noch weitere drei Regionen im Gespräch: die Donauauen, die Rhön und der Spessart. In Neukenroth hob sie die positiven Seiten eines möglichen Nationalparks hervor. Zugleich versicherte sie, man werde nicht über die Köpfe der Bevölkerung hinweg entscheiden. „Es gilt der Grundsatz der Freiwilligkeit.“ Einen Nationalpark bezeichnete sie als „Entwicklungssprung für den Frankenwald“ - touristisch, ökologisch und wirtschaftlich. Die Entscheidung über den Standort des dritten bayerischen Nationalparks will die Staatsregierung bereits im Juli treffen.

Mit der Auftaktveranstaltung sei eine Informationsbasis geschaffen worden, auf der nun eine ausführliche Diskussion aufbauen können, sagte der Landtagsabgeordnete Baumgärtner. „Ich denke, wir sollten gemeinsam diskutieren und abwägen, welche Chance ein Nationalpark im Frankenwald für die Region sein kann.“ Ihm sei es wichtig, noch einmal darauf hinzuweisen, dass er einen ergebnisoffenen Dialog mit den Kommunalpolitikern, Vereinen, Verbänden und Interessensgruppen sowie den Bürgern der Region angestoßen habe und er bis heute nicht auf eine Antwort ja oder nein zu einem Nationalpark im Frankenwald festgelegt sei, so Baumgärtner.

Bilder: Demo gegen möglichen Nationalpark Frankenwald in Neukenroth im Landkreis Kronach.

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24.05.2017

Gesund und ganz ohne Transportwege /
Oberfränkische Teichwirte eröffneten Fischgrillsaison

Lauter. Der Mai ist der erste Monat im Jahr ohne den Buchstaben „r“. Für Fischfreunde bedeutet das: es gibt keinen Karpfen mehr. In Oberfranken haben sich die Anbieter von heimischem Fisch deshalb auf die Suche nach Alternativen gemacht. Da fast 90 Prozent aller Deutschen regelmäßig grillen, lag der Schluss nahe, anstatt Steaks oder Bratwürste doch lieber Fisch als Grillgut zu verwenden.

Wenn schon Fisch, dann sollte es aber auch heimischer Fisch sein, denn er gilt als wertvolles und vor allem gesundes Nahrungsmittel, das nahezu ohne Transportwege immer frisch zu haben ist. Genau das will die Teichgenossenschaft Oberfranken, ein Zusammenschluss von fast 1000 Teichwirten aus dem Regierungsbezirk, meist im Nebenerwerb, mit der öffentlichkeitswirksamen Eröffnung der Fischgrillsaison alljährlich den Verbrauchern vermitteln.

Diesmal hatten sich die Teichwirte den Forellenhof Deusdorfer Mühle bei Lauter im Landkreis Bamberg ausgesucht, eine Mühle im Lautergrund, die schon vor über 500 Jahren zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde und in der vor über 50 Jahren die ersten Forellen gezüchtet und vermarktet wurden. Bereits 1964 sei der Mühlenbetrieb aufgegeben und erste Forellenteiche angelegt worden, sagte der heutige Besitzer Gerhard Rudolf. Zusammen mit seiner Frau Maria bewirtschaftet er seit 38 Jahren die Deusdorfer Mühle. Nach und nach seien Schlachthaus und Räucherei dazugekommen, vor 18 Jahren auch eine Gastronomie, die zwischen September April  immer freitags geöffnet hat.

„Wir sind ständig bemüht, ein gesundes Nahrungsmittel auf kurzem Weg zu produzieren“, sagte der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Peter Thoma aus Thiersheim. Um den Absatz von heimischem Fisch zu fördern gebe es neben der Fischgrillsaison auch die Auszeichnung „Oberfranken-Fisch krönt den Tisch“, die auch die Deusdorfer Mühle bereits erhalten habe, sagte Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Die Förderung der Teichwirtschaft ist auch eine zentrale Aufgabe der Fachberatung für Fischerei, die zum Bezirk Oberfranken gehört.

„Teiche müssen gehegt und gepflegt werde, denn sie sind Teil unserer Kulturlandschaft“, waren sich bei der Eröffnung der Fischgrillsaison auch die beiden Landtagsvizepräsidenten Ulrike Gote und Peter Meyer einig. Die heimische Fischproduktion sei durchaus ausbaufähig, dann könnte die Einfuhr von Seefischen aus den überfischten Weltmeeren oder aus Fernost vielleicht sogar zurückgefahren werden. Karpfen gab es übrigens bei der Eröffnung der Fischgrillsaison doch, und zwar als „Salat am Karpfen“ in der Vorspeise.

Bilder: Maria (links) und Gerhard Rudolfs sowie Michelle Martin von der Deusdorfer Mühle in Oberfranken zeigten, was man mit heimischem Fisch alles machen kann.

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01.05.2017

Maibaum für Toleranz / Landjugend Stockau-Lehen startet mit eigener Maikönigin in den Wonnemonat

Lehen. Mit einem Appell für Toleranz und Miteinander hat die Landjugend Stockau-Lehen in diesem Jahr ihr traditionelles Maibaumfest verknüpft. „Toleranz geht Hand in Hand mit Respekt“, sagte der Vorsitzende Julian Raps. Deshalb habe sich die Landjugend der Aktion „Maibaum für Toleranz“ angeschlossen, zu dem das Bayerische Bündnis für Toleranz in diesem Jahr aufgerufen hatte.

Ohne gelebtes Miteinander wäre auch das Aufstellen des geschmückten Maibaumes nicht möglich gewesen. Zum 62. Mal in ununterbrochener Reihenfolge hatte die Landjugendgruppe ihre Maifeier rund um die Großraumhalle der Obstkelterei Rauh unmittelbar an der Bundesstraße 22 Kemnath-Bayreuth im Ortsteil Lehen ausgerichtet. Rund 30 starke Helfer waren notwendig, um den fast 25 Meter hohen Fichtenstamm fachmännisch aufzurichten, ohne Hilfsmittel wie etwa einem Kran, sondern ausschließlich mit Holzstangen und viel Muskelkraft.

Besinnliche Gedanken trug Maikönigin Madeleine Krug vor, die traditionell aus der Feder des Altmitgliedes und EKD-Synodalen Günter Meyer aus Stockau stammen. Die Maikönigin wird von der Landjugendgruppe immer schon vor Ostern in geheimer Wahl gewählt.

Die Landjugend Stockau-Lehen pflege damit ein Brauchtum, „das Teil unserer Heimat und unserer kulturellen Identität ist“, sagte die Bundestagsabgeordnete Silke Launert. Die Landjugend stehe für eine lebendige Gesellschaft genauso wie für gemeinsames Erleben, für dabei sein und dazugehören. Sich aktiv zu beteiligen und gemeinsam etwas bewirken und auf die Beine stellen, das präge die Arbeit der Landjugend Stockau-Lehen in ganz besonderer Art und Weise.

Den großen Einsatz der Landjugend für den ländlichen Raum stellte der frühere Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich ganz besonders hervor. Gerade junge Menschen interessierten sich wieder mehr für ihre Heimat und suchten nach Traditionen. Aufgrund der Digitalisierung sagte Friedrich dem ländlichen Raum eine große Zukunft voraus, denn damit könne der ländliche Raum den Metropolen künftig auf Augenhöhe begegnen.

Bild oben: Während im Hintergrund der Maibaum aufgestellt wird haben sich im Vordergrund die Festdamen der Landjugend zusammen mit dem früheren Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich, Maikönigin Madeleine Krug, Vorsitzendem Julian Raps und der Bundestagsabgeordneten Dr. Silke Launert postiert.

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03.04.2017

Landwirtschaft wieder in die Mitte der Gesellschaft rücken / Anneliese Göller bleibt oberfränkische Bezirksbäuerin – Beate Opel aus dem Landkreis Kulmbach ist neue Stellvertreterin

Bamberg. Anneliese Göller aus Frensdorf im Landkreis Bamberg bleibt auch in den kommenden fünf Jahren oberfränkische Bezirksbäuerin. Bei der Bezirksversammlung der Landfrauen in Bamberg wurde Göller, die auch Bamberger Kreisbäuerin und amtierende bayerische Landesbäuerin ist, mit allen 53 möglichen Stimmen in ihrem Amt bestätigt. Einen Wechsel gab es dagegen im Amt der stellvertretenden Bezirksbäuerin. Hier löst Beate Opel aus Neufang bei Wirsberg im Landkreis Kulmbach die bisherige Stellvertreterin Rosi Kraus aus dem Landkreis Forchheim ab. Kraus war nicht mehr zur Wahl angetreten, Opel erhielt 51 von 53 möglichen Stimmen.

Zum oberfränkischen Bezirksvorstand der Landfrauen gehören außerdem drei gewählte Stellvertreterinnen. Erste Beisitzerin und gleichzeitig weitere Stellvertreterin der Bezirksbäuerin ist Heidi Bauersachs aus Meeder im Landkreis Coburg. Zu den beiden weiteren Beirätinnen wurden Karin Reichel aus Kirchenlamitz im Landkreis Wunsiedel und Marion Warmuth aus Lichtenfels gewählt.

Als oberstes Ziel ihrer Arbeit gab die alte und neue Bezirksbäuerin Anneliese Göller die Devise aus, die Landwirtschaft wieder in die Mitte der Gesellschaft zu rücken. Dort sei sie lange verankert gewesen, doch mittlerweile klafft eine große Lücke zwischen der Realität und der Vorstellung mancher Verbraucher. Göller möchte deshalb die Zusammenarbeit mit Kindergärten und Schulen verstärkt vorantreiben, denn dort seien die Verbraucher von morgen zu finden. Daneben sollen aber auch Partner und Mitstreiter aus anderen Bereichen gezielt gesucht werden, vor allem in den Bereichen Bildungsarbeit und Öffentlichkeitsarbeit.

„Wir stehen vor großen Herausforderungen“, sagte Göller. Dabei gehe es nicht nur um Dinge wie das geplante Arzneimittelgesetz, die Düngeverordnung oder die Diskussion über die Zukunft benachteiligter Gebiete, sondern auch um einen „Feldzug gegen die Landwirtschaft“, wie ihn zuletzt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks mit den sogenannten neuen Bauernregeln betrieben habe. Hier seien die Landfrauen in ganz besonderer Art und Weise mit ihren Beiträgen gefragt, um die Landwirtschaft wieder in der Mitte der Gesellschaft zu positionieren. Die Kindertage auf den Bauernhöfen gehörten genauso dazu, wie der Erzeuger-Verbraucher-Dialog, aber auch die Teilnahme an Demonstrationen.

Hier pflichtete der neue und alte BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif der Bezirksbäuerin bei. „Wir müssen in Zukunft noch öfter auf die Straße“, sagte Greif. Der Bauernverband sollte kampagnenfähiger werde. Die Landfrauen hätten dabei allerdings schon in den zurückliegenden Jahren immer wieder ihr großes Engagement unter Beweis gestellt.

Eine positive Bilanz über die turnusgemäßen und alle fünf Jahre stattfindenden Verbandswahlen in Oberfranken zog BBV-Direktor Wilhelm Böhmer. In den neun Kreisverbänden im Regierungsbezirk seien sieben Kreisbäuerinnen in ihren Ämtern bestätigt worden, neu gewählt worden sind mit Angelika Seyferth in Bayreuth und Karin Reichel in Wunsiedel zwei Kreisbäuerinnen. Von den stellvertretenden Kreisbäuerinnen seien fünf in ihren Ämtern bestätigt worden, neue Stellvertreterinnen sind Doris Schmitt (Bayreuth), Elke Browa (Hof), Susanne Teuchgräber (Kronach) und Christine Medick (Wunsiedel).

Bilder:
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 Beate Opel (links) aus Neufang im Landkreis Kulmbach und Anneliese Göller aus Frensdorf im Landkreis Bamberg stehen an der Spitze der oberfränkischen Landfrauen.
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Die neue Bezirksvorstandschaft der Landfrauen in Oberfranken (von links): Karin Reichel, BBV-Direktor Wilhelm Böhmer, Marion Warmuth, Beate Opel, Bezirksbäuerin Anneliese Göller, Heidi Bauersachs und BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif.

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29.03.2017

Information statt Ideologie / Hermann Greif als BBV-Bezirkspräsident bestätigt – Neuer Stellvertreter ist Erwin Schwarz aus dem Landkreis Kronach

Bamberg. Hermann Greif bleibt auch in den kommenden fünf Jahren oberfränkischer Bezirkspräsident des Bauernverbandes. Der 53-jährige Vollerwerbslandwirt aus Pinzberg im Landkreis Forchheim wurde bei der BBV-Bezirksversammlung in Bamberg mit allen 54 möglichen Stimmen in seinem Amt bestätigt. Einen Wechsel gab es im Amt des stellvertretenden Vorsitzenden. Hier konnte sich in einer Stichwahl Erwin Schwarz aus Burggrub im Landkreis Kronach durchsetzen. Der 56-jährige Schwarz löst Gerhard Ehrlich aus dem Landkreis Coburg ab, der aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl antreten konnte.

Neben Schwarz, seit 2012 Kreisobmann im Landkreis Kronach, hatten sich auch der Wunsiedler Kreisobmann Harald Fischer (58) und der Lichtenfelser Kreisobmann Michael Bienlein (52) um das Amt des Stellvertreters beworben. Während Fischer bereits im ersten Wahlgang die wenigsten Stimmen erhielt, unterlag Bienlein in der Stichwahl mit 23 zu 31 Stimmen. Allerdings wurde Bienlein schon zuvor zum Sprecher der Nebenerwerbsbetriebe in Oberfranken gewählt. Damit gehört er dem erweiterten Bezirksvorstand an.

Zuvor hatte der alte und neue BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif an die Geschlossenheit der Mitglieder im Verband appelliert. „In einer Zeit, in der wir immer weniger werden, dürfen wir uns nicht auseinanderdividieren lassen, sondern müssen zusammen stehen“, gab Greif als wichtigstes Ziel für die kommenden Jahre aus. „Wir sind die Vertretung der Landwirtschaft“, sagte er und rief seine Berufskollegen dazu auf, die Landwirtschaft so zu präsentieren, wie sie wirklich ist. Egal ob Milch in Tetrapacks oder Fleisch aus der Supermarkttheke, alles werde in modernen, gesunden, sauberen und luftigen Ställen produziert.

Einfacher sei es sicher nicht geworden, denn die gesellschaftlichen Ansprüche an die Landwirtschaft würden immer größer und hätten schon in den zurückliegenden fünf Jahren im Focus der Verbandsarbeit gestanden. Landwirtschaft habe eben nicht mit Haustierhaltung von Hund, Katze oder Hamster zu tun, sagte Greif. Das gelte es den Verbrauchern immer wieder klar zu machen und dabei auf Information zu setzen, nicht auf Ideologie.

Ein weiteres Anliegen war es dem Bezirkspräsidenten, dass der Bauernverband auch in Oberfranken wieder kampagnenfähig wird. „Wir müssen wieder mehr unterwegs sein und uns für unsere Anliegen stark machen“, sagte Greif. Als positives Beispiel führte er die zahlreichen Aktionen in Oberfranken gegen Schleuderpreise des Lebensmitteleinzelhandels an. Hermann Greif ist seit 25 Jahren Ortsobmann von Pinzberg, seit 15 Jahren Kreisobmann von Forchheim, seit 15 Jahren stellvertretender und seit fünf Jahren oberfränkischer BBV-Präsident. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und bewirtschaftet einen über 100 Hektar großen Betrieb unter anderem mit dem Schwerpunkt Getreideanbau und Obstanbau.

Die weiteren acht Mitglieder des Bezirksvorstandes vertreten traditionell verschiedene Organisationen und Produktgruppen. Sie wurden nahezu alle mit der höchstmöglichen Stimmenanzahl gewählt. Dem Bezirksvorstand gehören die folgenden Persönlichkeiten an: Jan Schrijer aus Meeder bei Coburg für den Bereich Veredelung, Werner Schwarz aus Schwarzenbach an der Saale und Harald Reblitz aus Herreth im Itzgrund für den Bereich Milch, Georg Hollfelder aus Litzendorf im Landkreis Bamberg für den Zuchtverband, Martin Gebhardt aus Görau im Landkreis Bayreuth für den Ökolandbau, Klaus Siegelin aus Tiefenklein bei Küps im Landkreis Kronach für den Ackerbau, Wolfgang Schultheiß aus Großheirath bei Coburg für den Forst und Peter Schlund aus Buttenheim im Landkreis Bamberg für die Zuckerrübenanbauer.

Bilder:
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Hermann Greif (links) und Erwin Schwarz stehen an der Spitze des Bauernverbandes in Oberfranken.
2.
Die neue oberfränkische BBV-Bezirksvorstandschaft (von links): Landes- und Bezirksbäuerin Anneliese Göller, Peter Schlund, Martin Gebhardt, Harald Reblitz, Präsident Hermann Greif, Wolfgang Schultheiß, der neue stellvertretende Präsident Erwin Schwarz, Klaus Siegelin, Jan Schrijer, Werner Schwarz und BBV-Direktor Wilhelm Böhmer.

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02.03.2017

Qualitätssiegel nicht inflationär verwenden / Regionalität an erster Stelle - Rewe-Manager diskutierten mit Landwirten

Bayreuth. In der Tierwohl-Diskussion wirft die Landwirtschaft dem Lebensmitteleinzelhandel seit langem überzogene Forderungen vor. Der Handel wiederum beruft sich auf die Wünsche der Verbraucher. In Bayreuth hat es die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer geschafft, beide Parteien an einen Tisch zu bringen. In der Tierzuchtkantine diskutierten Bauern und Managementvertreter von Rewe miteinander und wenn dabei eines klar wurde, dann die Tatsache, dass beide voneinander abhängig sind.

„Wir Bauern liefern qualitativ so hohe Produkte wie nie zuvor, wir möchten das aber auch entsprechend bezahlt haben“, brachte die bisherige Kreisbäuerin Katrin Lang das Problem auf den Punkt. Kreisobmann Karl Lappe prangerte dabei den ständigen Wettlauf um immer neue Qualitätssiegel und Qualitätsprogramme an. „Ob QM, QS oder Tierwohl-Label, wie schnell soll sich das Hamsterrad denn noch drehen?“, sagte er. Jeder versuche, mit einem neuen Label einen gewissen Mehrwert zu schaffen, doch wenn es alle machen ist das Label wertlos, so Lappe. Tatsache sei es auch, dass jede Zertifizierung Geld koste, die der Bauer selbst tragen muss. Es könne nicht sein, dass der Einzelhandel jeder vermeintlichen Botschaft von Tier- und Naturschutzorganisationen gleich nachläuft, sagte die Abgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Auch sie vertrat die Ansicht, dass Siegel nicht inflationär verwendet werden dürften.

Sowohl Norbert Kaulich, Verkaufsleiter Service und zuständig für 300 Bedientheken in bayerischen Rewe-Märkten, als auch Karl Seidl, der bei Rewe für den Bereich regionale Erzeugung verantwortlich ist, betonten bei dem Gespräch fast schon gebetsmühlenartig die große Bedeutung der Regionalität für die Rewe-Gruppe. „Das ist für uns kein Marketing-Gag“, sagte Seidl. Regionalität bedeute, da stehen ein Mensch mit einem Gesicht und ein Produkt mit einer Geschichte dahinter.

Dazu gehöre für Rewe untrennbar auch das Prüfsiegel „Geprüfte Qualität aus Bayern“. Das Siegel stehe für geboren, gemästet und geschlachtet in Bayern und genau das sei auch der Wunsch des Verbrauchers. „Ich glaube nicht, dass der Kunde im Detail wissen will, wie das Schwein produziert wurde“, so Norbert Kaulich. Relevant sei einzig, dass es sich um Qualität aus Bayern handelt.

„Geprüfte Qualität aus Bayern“, das ist für Rewe auch eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Nach den Worten Seidls habe man 2012 damit begonnen und mit den entsprechenden Produkten einen Jahresumsatz in Höhe von neun Millionen Euro erzielt. Nur fünf Jahre später habe man diesen Jahresumsatz mit über 100 Millionen Euro mehr als verzehnfachen können. Das zeige, regionale Produkte wachsen zweistellig, so Seidl. Bayernweit gebe es bei Rewe aktuell 320 Lieferanten, wobei ein lokaler Erzeuger mindestens fünf, höchstens 25 Märkte beliefert. „Wir sind immer bereit, lokale Produkte mit viel Gesicht und viel Charakter zu vermarkten“, sagte Seidl.

In aufwändigen Untersuchungen hatte Rewe versucht herauszufinden, wie der Kunde genau tickt. Ergebnisse seien unter anderem gewesen: Über drei Viertel der bayerischen Konsumenten bevorzugen Fleisch aus Bayern, fast zwei Drittel der Verbraucher im Freistaat greifen zu Fleisch aus Programmen mit höherem Tierwohl und ebenfalls knapp zwei Drittel bevorzugen Fleisch, das nachhaltig hergestellt wird. „Irgendwann macht es beim Verbraucher klick“, so Norbert Kaulich, und genau auf diesen Mehrwert komme es für das Unternehmen an. Kaulich machte auch einen absoluten Trend zu Premiumprodukten aus, etwa für den Grill. Kaum ein Thema sei, zumindest an den Bedientheken, Fleisch und Wurst aus biologischer Produktion. „Bio ist in der Bedienung nur ein Randartikel“, sagte Kaulich.

Insgesamt zogen die Rewe-Manager für den Fleisch- und Wurstbereich ein gutes Fazit. Die Rahmenbedingungen stimmten, der Verbraucher sei in Kauflaune. Tendenziell seien aber Schweinefleisch und Wurstwaren rückläufig. Während Hähnchenfleisch „ohne Ende“ ansteigt und ein richtig großes Wachstum verzeichnet. Putenfleisch bleibe auf gleich hohem Niveau. Als bei weitem nicht so dramatisch stufte Kaulich den Trend zu veganer Ernährung ein.

Bild: Trafen sich zum Meinungsaustausch in Bayreuth: Karl Seidl, Ursula Egger (beide von Rewe), die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer, die stellvertretende Landrätin Christa Reinert-Heinz und Rewe-Verkaufsleiter Norbert Kaulich (von links).

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04.02.2017

„Otter wird Oberfranken überrennen“ / Kormoran, Biber und Fischotter bedrohen Teichwirtschaft

Himmelkron. Kormoran, Grau- und Silberreiher, Biber und Fischotter: so possierlich manche dieser Tiere auch sein mögen, den Teichwirten können sie im Extremfall die Existenz kosten. „Die Schäden an unseren Teichen sind gewaltig“, sagte Peter Thoma, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken bei der Jahresversammlung in Himmelkron. Trotzdem gab es bei der Veranstaltung auch einige positive Signale.

So soll die bis 15. Juli dieses Jahres geltende artenschutzrechtliche Ausnahmeverordnung, die in Bayern den Abschuss von Kormoranen vorgibt, übergangslos weitergeführt werden. „Es wird daran gearbeitet entsprechende Regelungen hinzubekommen“, sagte Manfred Löbl, der für die Fischerei fachlich zuständige Bereichsleiter an der Regierung von Oberfranken. Die Regelung besagt, dass der Abschuss von Kormoranen zur Abwendung erheblicher fischereiwirtschaftlicher Schäden und zum Schutz der heimischen Tierwelt von Mitte August bis Mitte März in einem Umkreis von 200 Metern um Gewässer erlaubt ist.

Auch was den Fischotter angeht, ist Hilfe in Sicht. Noch im Februar soll ein Berater eingesetzt werden, der für die Oberpfalz und für Oberfranken zuständig sein wird. Er kommt an die entsprechenden Teiche, sucht nach Spuren, dokumentiert Schäden, leiht entsprechendes Gerät aus und hilft den Teichwirten bei Anträgen auf Entschädigung. „Manche Betriebe sind schon fast am Ende“, machte Alexander Horn von der Teichgenossenschaft die Dimension der Schäden durch den Fischotter deutlich. Er bezifferte die Schäden für einzelne Betriebe auf bis zu 30000 Euro. Noch schlimmer sei die Situation in der Oberpfalz. In einzelnen Teichen seien bereits bis zu 80 Prozent des Besatzes betroffen. Das Tückische am Fischotter sei, dass man ihn nicht sieht, sagte Vorsitzender Thoma und Alexander Horn befürchtet: „Der Otter wird auch Oberfranken überrennen.“

Daneben sind es auch Biber, Grau- und Silberreiher, die Teichanlagen zerstören und Jagd auf heimischen Fisch machen. Während die Biberproblematik durchaus in der Öffentlichkeit diskutiert werde, würden die massiven Verluste durch Grau- und Silberreiher nur von den betroffenen Teichwirten wahrgenommen. „Wir wollen keine Reiher ausrotten, aber man muss doch bei Schäden eingreifen können“, so Thoma.

Die Probleme sind mittlerweile auch in der Politik angekommen, das machten die Aussagen der beiden Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer und Peter Meyer deutlich. Brendel-Fischer forderte, nicht die Entschädigungsleistungen immer mehr zu erhöhen, sondern vorher einzugreifen und die Populationen durch geeignete Maßnahmen einzuschränken. Meyer sprach sich für ein Monitoring für Graureiher aus. Hier seien die Daten längst nicht mehr aktuell, weil sie noch aus dem Jahr 2008 stammten. Die Problematik werde zunehmend erkannt, so Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Neben dem Ottermanager, der in diesen Wochen seinen Dienst aufnehmen wird, leiste auch ein eigener Kormoranmanager hervorragende Dienste.

Doch nicht nur Kormoran und Co. machen den Teichwirten zu schaffen, auch ein extrem trockenes und niederschlagsarmes Wetter, wie der Hitzesommer 2015. Simon Abt von der Fischereifachberatung des Bezirks hatte eine Umfrage gestartet, wie sich diese immer häufiger auftretenden Wetterkapriolen auf die Betriebsergebnisse auswirken. Über die Hälfte der Teichwirte hatte 2015 Einbußen, hielt er als ein Ergebnis fest. Am Schlimmsten betroffen gewesen seien wegen der warmen Wassertemperatur Forellenteiche, bei einzelnen Teichwirten war die Fischernte komplett ausgefallen. Diese Situation wird sich auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten nicht verbessern, sagte Abt. Die Teichwirtschaft werde sich darauf nur schwer einstellen können. Ein großes Problem seien dabei auch Privatleute, die zur Bewässerung ihres Gartens über Pumpen größere Wassermengen aus Fließgewässern entnehmen, die eigentlich Teichanlagen speisen. „Da bleibt für den Teichwirt nicht mehr viel an Frischwasser übrig, sagte er und forderte solche Verstöße konsequent zu ahnden.

Erfolge sehen die oberfränkischen Teichwirte in ihren Marketingbemühungen. Die Preise für heimischen Fisch beginnen leicht anzuziehen, sagte Thoma. Problem für viele Verbraucher sei, dass sie kaum Direktvermarkter kennen, nicht einmal in ihrer engsten Umgebung. Die Teichgenossenschaft habe deshalb auf ihrer Homepage (www.tegof.de) eine Liste mit sämtlichen Direktvermarktern Oberfrankens veröffentlicht, die Fisch in ihrem Angebot haben. Als Anregung schlug der Vorsitzende auch vor, regelmäßig heimischen Fisch als Menü in den Mensen der Hochschulen und Universitäten anzubieten. Thoma: „Fisch ist eiweißreich, liegt nicht schwer im Magen und ist gut fürs Hirn.“

Bild: In Vertretung von Georg Kaiser aus Willersdorf hat Walter Jakob (rechts) von der Teichgenossenschaft Aischgrund eine Urkunde aus den Händen des Vorsitzenden Peter Thoma (links) und von Bezirkstagspräsident Günther Denzler entgegen genommen. An den Teichen von Georg Kaiser im Landkreis Forchheim war im Herbst die aktuelle Karpfensaison eröffnet worden.

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22.11.2016

Denkmäler und Brunnen für Karpfen und Co / Neuerscheinung: Fischregion veröffentlicht  den stattlichen Band „Fischkultur in Oberfranken“

Bayreuth. Karpfen und Forelle auf der einen Seite, Kunst und Kultur auf der anderen. Das hat nichts miteinander zu tun, könnte man meinen. Der Verein Fischregion Oberfranken hat jetzt auf 232 Buchseiten nachgewiesen, dass sich Fische und Kultur gerade im Regierungsbezirk näher sind, als man glauben möchte. Nirgendwo anders gibt es eine solche Fülle an Werken der bildenden Kunst, die in einem engen Bezug zur Fischerei stehen. Dazu kommen die vielen Teiche, die seit Jahrhunderten, manche sogar seit über 1000 Jahren bewirtschaftet werden und deshalb ebenfalls als Kulturgut gelten. Nachzulesen ist dies alles in 50 Beiträgen von 19 Autoren in der Neuerscheinung „Fischkultur in Oberfranken – Kunst und Kultur mit Fisch & Co“, die jetzt in Bayreuth vorgestellt wurde.

Schaut man einmal genau hin, dann stellt man schnell fest, Fische sind relativ häufig Gegenstand von Gemälden und Skulpturen, vor allem der jüngeren Kunstgeschichte. Dennoch reicht das älteste Kunstwerk, das der Band aufführt, mit dem Weismainer Stadtbrunnen bis in das 16. Jahrhundert zurück. Ganz bedeutende Kunstwerke kommen mit den Brunnen der Abtei Ebrach, dem Bamberger Gabelmann oder den markgräflichen Kunstwerken der Bayreuther Eremitage aus dem 18. Jahrhundert. Das Buch enthält aber auch die beiden Fischskulpturen des Bayreuther Kulturpreisträgers von Axel Luther in Behringersmühle und Waischenfeld, die erst vor wenigen Jahren geschaffen wurden.

Lediglich gestreift wird der Bereich Kunst am Bau, der mit zwei Wohnhäusern des Architekten Eberhard Kellner in Bayreuth vertreten ist. Aus den unzähligen kirchlichen Fischdarstellungen haben die Autoren bewusst ein Beispiel herausgegriffen: einen kunstvollen Türgriff in Fischform in der St.-Johannis-Kirche in Hirschaid.

Im zweiten Teil des Buches sind Denkmäler der Fischwirtschaft zu finden. Dazu gehören die Gewässer, die von der Teichgenossenschaft Oberfranken seit 1998 als Kulturgut Teich ausgezeichnet wurden, aber auch einige bedeutende Ensembles wie das einstige Bamberger Fischerviertel Klein-Venedig oder die Zeugnisse zisterziensischer Fischkunst in Ebrach und Klosterlangheim. 

Mit Abstand die meisten Beiträge verfasst hat der Kunsthistoriker Robert Schäfer aus Sassanfahrt. Seinen Worten zufolge reichen die ersten Überlegungen für das Buch knapp zwei Jahre zurück. Auch ihm sei das Thema Fisch als Kulturträger damals nicht so gegenwärtig gewesen, sagte Schäfer. Das Buch sei wissenschaftlich fundiert geschrieben, aber dennoch gut lesbar und somit auch als ein Reiseführer der anderen Art durch Oberfranken zu verwenden. Mit dem neuen Buch werde die Fischerei aus einem ganz ungewöhnlichen Blickwinkel beleuchtet, sagte Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Es soll aber auch zum Nachdenken über den Fischartenschutz beitragen.

Als „kleines Schatzkästlein“ und als „wichtiges Dokument für die Nachwelt“ bezeichnete Franz Geldhauser, Fischereireferent im Bayerischen Landwirtschaftsministerium die Neuerscheinung. Das Buch dokumentiere eine Kultur, die wirklich prägend für unsere Gegend ist, so Peter Thoma, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken. Es zeige aber auch, dass sich Natur und Fischerei nicht ausschließen, sondern gemeinsam sogar ein prägendes Kulturgut sein können, sagte Reinhard Krug vom Bezirksfischereiverband.

Das Buch „Fischkultur in Oberfranken – Kunst und Kultur mit Fisch & Co“ hat 232 Seiten, mehrere hundert Fotos und ist in einer Erstauflage von 1500 Stück erschienen. Herausgeber sind der langjährige Leiter der Fischereifachberatung des Bezirks Robert Klupp, der Historiker Robert Schäfer aus Hirschaid und der Ehrenpräsident des Bezirksfischereiverbandes Albert Schütze im Auftrag des Vereins Fischregion Oberfranken und in Zusammenarbeit mit dem Bezirk Oberfranken. Kooperationspartner waren der Bezirksfischereiverband und die Teichgenossenschaft Oberfranken sowie der Bayerische Landesfischereiverband. Das Buch ist beim Verein Fischregion Oberfranken, Cottenbacherstraße 23 in 95445 Bayreuth gegen Porto- und Unkostenerstattung in Höhe von zehn Euro erhältlich (ISBN 978-3-00-054139-1).

Bild: Herausgeber des Buches „Fischkultur in Oberfranken“ sind der langjährige Leiter der Fischereifachberatung des Bezirks Robert Klupp, der Historiker Robert Schäfer aus Hirschaid und der Ehrenpräsident des Bezirksfischereiverbandes Albert Schütze (von rechts).

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31.10.2015

Von Franken in alle Welt / BMI-Werk Zapfendorf feierte 50-jähriges Bestehen

Zapfendorf. Mit dem Milchwerk in Zapfendorf im Landkreis Bamberg ist im größten und bedeutendsten Werk der genossenschaftlich organisierten Bayerischen Milchindustrie (BMI) das 50-jährige Bestehen gefeiert worden. Als reines Trocknungsunternehmen 1965 gegründet, habe sich das Zapfendorfer Werk bis heute zu einem Unternehmen entwickelt, das die gesamte Produktpalette abbildet. Vorstand, Aufsichtsrat, Werkleitung und Beschäftigte feierten den runden Geburtstag als einzigartige Erfolgsgeschichte.

Innerhalb der Bayerischen Milchindustrie sei Zapfendorf als wichtigstes Werk gar nicht mehr wegzudenken, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Karl Beck. Hier würden Pulver-, Trocken- und Frischeprodukte hergestellt, die weltweit ihre Abnehmer finden und höchsten Qualitätsansprüchen genügen.

1964 war die Ankündigung, ein sogenanntes Trockenmilchwerk in Zapfendorf zu bauen, eine kleine Sensation, erinnerte sich Vorstandssprecher Peter Hartmann. Ziel sei in den ersten Jahren ausschließlich die Trocknung von Magermilch gewesen. Noch 1964 wurde der 45 Meter hohe Kamin errichtet und noch vor dem Richtfest sei bereits die Produktion gestartet worden. Während die damalige Tagesleistung bei 18 Tonnen Pulver lag, würden heute pro Tag bis zu 320 Tonnen Milch und Milchprodukte produziert. Das bedeute auch, dass täglich rund 100 Lkw das Werksgelände an der Scheßlitzer Straße verlassen.

Mit den 1980er Jahren habe die Veredelung der Produkte immer mehr an Bedeutung gewonnen. Aus dem einstigen Überschussverwerter sei ein Premiumhersteller geworden, sagte Vorstandssprecher Hartmann. In den 1990er Jahre habe Zapfendorf dann ganz entscheidend von der aufkommenden Bio-Welle profitiert. So gelte die BMI mittlerweile sogar als weltweit größter Hersteller  für Molkenerzeugnisse in Bio-Qualität. 1994 wurde die Frischeproduktion, also die Herstellung von Trinkmilch, Butter, Sahne, Joghurt und Quark, von Nürnberg nach Zapfendorf verlagert, 2008 seien die Milchwerke Mainfranken in die BMI integriert worden. Mehrere an das Firmenareal angrenzende Flächen wurden bereits erworben. „Damit bekennen wir uns auch in Zukunft zum Standort Zapfendorf“, sagte Hartmann.

Der BMI sei es in Zapfendorf hervorragend gelungen,, sich auf die Forderungen und Wünsche der Verbraucher einzustellen, sagte der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes Manfred Nüssel bei der Feierstunde zum Firmengeburtstag. Fast 50 Prozent des Bamberger Landkreises seien landwirtschaftlich genutzte Flächen, deshalb sei das Bekenntnis der BMI zum Standort Zapfendorf von höchster Bedeutung, so Landrat Johann Kalb. Auch wenn Oberfranken in erster Linie ein Bierland sei: „In Zapfendorf macht´s die Milch“, sagte Bürgermeister Volker Dittrich. Selbst das örtliche Freibad profitiere von dem BMI-Werk, indem das Bad mit der Abwärme des Milchwerkes beheizt wird und deshalb alljährlich als eines der ersten Freibäder in Bayern bereits am 1. April öffnet.

Die Bayerische Milchindustrie eG wurde 1952 gegründet. Sie besteht heute aus 27 Milchliefergenossenschaften und Molkereien und produziert an neun Standorten in Bayern, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Die BMI beschäftigt 975 Mitarbeiter, davon 200 in Zapfendorf. Der Jahresumsatz der BMI wird auf über 600 Millionen Euro beziffert. Kunden sind der Lebensmitteleinzelhandel, der Fachgroßhandel und die verarbeitende Industrie. Der Exportanteil liegt bei rund 50 Prozent.

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Das BMI-Werk in Zapfendorf gilt als größtes und