Stephan Herbert Fuchs
 

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25.10.2020

Mehrarbeit statt Kurzarbeit / Corona ist bei kda-Sozialsekretär Frank Meixner das alles bestimmende Thema

Coburg. Corona hat seine Arbeit gehörig durcheinandergewirbelt, doch eigentlich ist die gesamte Arbeitswelt in Bewegung geraten. „Neue Produkte und Arbeitsabläufe sind gefragt“, sagt Frank Meixner (59), der für den Kirchenkreis Bayreuth zuständige kda-Sozialsekretär. Kda steht für den kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt. Eines ist sich Meixner, der seit 2002 die Regionalstelle Coburg betreut, auch sicher: „Die fetten Jahre sind erst einmal vorbei.“

Corona habe gezeigt, dass man künftig mehr auf Nachhaltigkeit und Dauerhaftes setzen müsse. Auch die heimische Wirtschaft werde wieder mehr in den Focus rücken. „Wir sollten Corona zum Anlass nehmen, um umzudenken“, so Frank Meixner. Vielleicht sei dies auch ein positiver Nebeneffekt der Krise.

Natürlich geht es nicht jedem Unternehmen, das der Sozialsekretär betreut, schlecht. Die gesamten Lebensmittelbranche, von der Brauerei bis zum Gewürzhersteller, könne nicht klagen, und wenn, dann höchstens darüber dass Rohstoffe aufgrund von Lieferschwierigkeiten ausgeblieben sind. „Viele Betriebe haben gut zu tun, da ist Kurzarbeit kein Thema, höchstens Mehrarbeit“.

Doch es gibt auch die andere Seite: Unternehmen, bei denen Personalabbau und Entlassungen derzeit an der Tagesordnung stehen. Besonders betroffen seien dabei in Oberfranken beispielweise Automobilzulieferer oder Maschinenbauer. Die Arbeitnehmer wenden sich nicht selten an den kda und landen dann bei Frank Meixner. Durch Kurzarbeit, wegfallende Prämien und drohende Steuerforderungen müssten viele Betroffene gleich mehrfach bluten, weiß er aus eigener Erfahrung. Da falle es nicht selten schwer, zum Beispiel einen Immobilienkredit weiter zu bedienen.

Immer wieder bekommt Frank Meixner in den Betriebsratssitzungen die prekäre Lage mancher Arbeitnehmer mit. Deutlich zugenommen hätten vor allem aber auch die Einzelgespräche. Deshalb hatte der kda auch ein bayernweites Arbeitsseelsorgetelefon (0911/43100200) eingerichtet. Frank Meixner wechselt sich dort mit den Kollegen ab und bekommt so manches Einzelschicksal mit. Mancher bekommt seit Wochen einfach kein Geld mehr, ein Mann verliert seinen Arbeitsplatz ohne jede Abfindung und manch einer weiß so gar nicht mehr wie es weitergehen soll.

Nicht selten fließen Tränen. Meixner kritisiert auch, dass mancher Arbeitgeber Corona als Vorwand benutzt, um in die Arbeit des Betriebsrates einzugreifen und die Mitbestimmung auszuhebeln. Dabei seien die Betriebsräte jetzt wichtiger als je zuvor.

Sein Blick in die Zukunft ist eher düster, auch wenn manche schon wieder von einer anziehenden Industrie berichten. Oberfranken sei abhängig von der Automobilindustrie und deshalb besonders hart betroffen. „Im Moment brennt es in den Betrieben.“ Die fetten Jahre der zurückliegenden Zeit werde man da wohl nicht mehr erreichen.

Die Tätigkeit des kda werde in den kommenden Monaten und Jahren deshalb auch eher wichtiger. „Wenn ich in einer Betriebsversammlung spreche, dann erreiche ich 300, 400, manchmal 500 Menschen, darunter auch solche, die der Kirche fremd geworden sind oder die Vorbehalte haben“, sagt Meixner. Ihn nehmen sie ernst, denn er ist einer, der selbst aus der Arbeitswelt kommt und sich als Gewerkschafter engagiert hat. Der gelernte Maschinenschlosser war viele Jahre als Gruppenleiter bei der Wefa, den gemeinnützigen Werkstätten für angepasste Arbeit des Diakonischen Werkes Coburg in Ahorn tätig.

Was die Bildungsarbeit angeht, auch sie ist ein wesentlicher Bestandteil der kda-Arbeit, geht es Frank Meixner derweil wie allen anderen auch. Sie ist geprägt von Absagen, Ausfällen und Terminverschiebungen weit in das kommende Jahr hinein.

Bild: Corona prägt seine Arbeit: der für den Kirchenkreis Bayreuth zuständige kda-Sozialsekretär Frank Meixner.

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11.10.2020

„Irgendwie klang es schräg“ / Glockenanlage komplett überarbeitet / Gesamte Finanzierung durch Spendengelder

Berg. Plötzlich war das Glockengeläut nicht mehr das Gleiche wie zuvor. Erstaunt blickten im Frühjahr die Mitglieder der Gemeinde zum Turm der Sankt-Jakobus-Kirche, da stellte sich heraus, eine der vier Glocken hatte ihren Dienst versagt. „Jetzt besteht Handlungsbedarf“, das sei schnell allen klar gewesen, sagt Pfarrer Harald Losch.

Fest stand seit vielen Jahren, dass an der Glockenanlage etwas gemacht werden muss. Schon 2006 hatte der Sachverständige Sigurd Knopp eine Umrüstung angeregt. Immer wieder läuteten die Glocken ruckartig an, was aufgrund der Statik weder für den Turm, noch für die Glocke selbst wirklich gut ist. Aufgrund einer umfassenden Fensterrenovierung, bei der sämtliche Fenster ausgetauscht wurden, hatte man die Sache mit den Glocken einfach immer wieder aufgeschoben. Bis zum Frühjahr, doch mit der Installation einer neuen Elektronik durch das Unternehmen Bayreuther Turmuhren war das Problem noch immer nicht behoben.

„Irgendwie klang es schräg“, erinnert sich der Pfarrer, und tatsächlich war der Klöppel bei zwei weiteren Glocken nicht mehr mittig aufgehängt. Er musste also entfernt und neu justiert werden. Zu allem Überfluss funktionierten plötzlich auch die Motoren der beiden, eigentlich völlig eigenständigen Turmuhren nicht mehr richtig, so dass auch hier eigegriffen werden musste. Alles in allem wurden aus den ursprünglich veranschlagten 4800 Euro bei der Schlussabrechnung rund 6500 Euro, Geld, das alleine die Gemeinde zu tragen hatte. Da geschah, was zuvor keiner für möglich gehalten hatte und was Pfarrer Losch fast schon als ein kleines Wunder bezeichnet: Insgesamt kamen mehr Spenden zusammen, als eigentlich notwendig waren.

Einige Sponsoren waren darunter, wie die Sparkasse Hochfranken, die VR-Bank Fichtelgebirge und Frankenwald. Die ortsansässige Gartenbaufirma Württemberger Haus & Landschaft spendierte 1001 Euro in zwei Geldsäckchen mit 1001 Ein-Euro-Münzen und im Opferstock befanden sich eines Tages 1000 Euro von einem anonymen Spender. „Glocken lösen ein Heimatgefühl aus“, ist sich Pfarrer Losch sicher. Auch kirchenferne Menschen identifizierten sich mit dem Klang der Kirchenglocken. Anders könne diese überwältigende Spendenbereitschaft nicht erklärt werden.

Im Turm der Sankt-Jakobus-Kirche hängen insgesamt vier Glocken. Drei sind älter als der 1691 errichtete Turm. Die Hauptglocke trägt die Inschrift „Im Jahre des Herrn 1515“. Genauso alt ist die Betglocke, ein wenig jünger die Friedensglocke aus dem Jahr 1536. Zwei dieser Glocken wurden 1942 zum Einschmelzen abtransportiert, was aber dann doch verhindert werden konnte, 1947 kehrten sie nach Berg zurück. Die vierte Glocke ist dagegen noch fast neu. Sie stammt aus dem Jahr 1987, als der neue doppelgeschossige Glockenstuhl erstellt wurde.

Bild: Pfarrer Harald Losch freut sich, dass der Glockenstuhl im Turm der Berger Sankt-Jakobus-Kirche wieder im neuen Glanz strahlt und die Glocken wieder lupenrein klingen.

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04.10.2020

„Wir alle sind Teil der Schöpfung“ / Mit einem Feldgottesdienst feierte der BBV- Coburg das Erntedankfest

Herbartsdorf, Lks. Coburg. Auf ganz besondere Art und Weise hat der BBV Coburg heuer das Erntedankfest gefeiert. In Herbartsdorf, einem Ortsteil der Gemeinde Meeder, wurde kurzerhand eine Wiese neben der Maschinenhalle des Betriebes von Andrea und Oliver Truckenbrodt zum Andachtsraum im Freien umfunktioniert. Ein improvisierter Altar mit stattlicher Erntekrone, selbst mitgebrachte Camping-Stühle und ein atemberaubender Blick weit ins Coburger Land hinein, waren die Zutaten für einen Feldgottesdienst, der zwar allen Corona-Auflagen gerecht wurde, der aber auch nichts vermissen ließ, was zu einer Erntedankfeier gehört.

Pfarrerin Mirjam Wunderer von der Nachbargemeinde Wiesenfeld erwies sich dabei als Kennerin landwirtschaftlicher Problemstellungen. Sogar die Afrikanische Schweinepest erwähnte sie in ihrer Predigt und erinnerte daran, dass ein winzig kleiner Erreger die gesamte Arbeit zunichte machen kann. Ebenso sprach sie von den Sorgen und Nöten der Waldbauern. Große Flächen müssten kahl geschoren werden, weil Dürre und Borkenkäfer gemeinsam ihr Zerstörungswerk treiben. Die Pfarrerin forderte die Menschen auf, ihre arrogante Haltung gegenüber der Natur zu überdenken und sich bewusst zu machen, „dass wir alle ein Teil der Schöpfung sind“.

Das Erntedankfest sei keinesfalls veraltet oder nicht mehr zeitgemäß, so die Geistliche. Im Gegenteil: Gott habe die Menschen beauftragt, die Erde zu bebauen. Nun erwarte er aber auch, dass dieser Auftrag ernst genommen werde und dass die Menschen die Gefahren sehen, die da drohen. Sie meinte damit, dass das Wetter nicht nur Gottgegeben sei. Wenn sich die Temperatur derzeit verändere, dann habe der Mensch durch von ihm gemachte Verschmutzungen daran durchaus seinen Anteil.

Natürlich sei auch das Bauernjahr von Corona beeinflusst, sagte Kreisobmann Martin Flohrschütz im Anschluss an den Gottesdienst. Im Großen und Ganzen hätten die Bauern aber ihrer Arbeit nachgehen und eine sichere Lebensmittelversorgung garantieren können. „Eine ausreichende Nahrungsmittelversorgung trägt zum inneren Frieden bei“, gab Flohrschütz zu bedenken.

Der Kreisobmann sprach auch die zahlreichen Probleme an, mit denen sich die Landwirte nicht nur im Coburger Land derzeit belastet sehen. Düngeverordnung, Rote Gebiete, Afrikanische Schweinepest, Probleme in der Fleischwirtschaft, das alles mache den Bauer schwer zu schaffen. Flohschütz beklagte, dass beim Lebensmitteleinzelhandel derzeit scheinbar alle Dämme brechen. Man liefere sich geradezu ein Rennen um die größten Daumenschrauben für die Landwirte. Anstand und Moral blieben dabei auf der Strecke.

Unabhängig davon sagte der Kreisobmann aber auch, dass der Beruf des Landwirts immer noch einer der schönsten und vielseitigsten Berufe ist, die es gibt. Wenn man auch oft mit der gesamten Familie arbeite, könne man auch viel Zeit mit der Familie verbringen. Das sei in anderen Berufen bei weitem nicht der Fall. Flohrschütz: „Bitte lasst uns nicht nur die Nachteile, sondern auch die Vorteile unseres Berufes erkennen, das kommt mir manchmal ein bisschen zu kurz.“

Umrahmt wurde der Feldgottesdienst vom Posaunenchor Meeder unter der Leitung von Jürgen Fischer. Die Musiker stimmten unter anderem das alte Erntedanklied „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land“ an.

Bilder: Auf einer Wiese bei Herbartsdorf, nahe Meeder im Landkreis Coburg hat der BBV mit einem Feldgottesdienst das Erntedankfest gefeiert.

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27.09.2020

Verborgenen Glanz sichtbar machen / Trotz Corona: Tag der Markgrafenkirchen am 4. Oktober

Bayreuth. Der „Tag der Markgrafenkirchen“ findet zum Erntedankfest am 4. Oktober im gesamten Kirchenkreis Bayreuth statt. Auch wenn Corona einiges erschwert habe, so sei doch noch immer vieles möglich, sagt Hans Peetz, früherer Bayreuther Dekan und Vorsitzender des Vereins Markgrafenkirchen.

„Diese Kirchen sind ein Schatz, der noch stärker zum Leuchten gebracht werden soll“, umschreibt Peetz das Ziel des Vereins. 59 Markgrafenkirchen seien in einem entsprechenden Leader-Projekt mit dem Titel „Erschließung der Markgrafenkirchen in Oberfranken“ erfasst. Insgesamt wird die Zahl der Markgrafenkirchen, Kirchen im Markgrafenstil und auch Kirchen des protestantischen Barock in Oberfranken auf etwa 200 geschätzt. Der Verein will dazu beitragen, diese Kirchen geistlich, touristisch, kulturell und wissenschaftlich zu erschließen. „Wir wollen dabei möglichst viele Menschen erreichen“, so Peetz

Ein Baustein dazu ist der „Tag der Markgrafenkirchen“, der seit dem Jahr 2017 begangen wird. In der Regel gibt es dazu in den einzelnen Gemeinden Vorträge, Konzerte, Führungen oder auch mal das eine oder andere Kirchencafe. In diesem Jahr werden zwar alle Kirchen mit entsprechendem Hygienekonzept geöffnet sein, ob es gesonderte Aktionen gibt, müsse dagegen kurzfristig entschieden werden. Deshalb sei im Gegensatz zu den zurückliegenden Jahren auch keinen eigenen Flyer herausgegeben worden.

Dafür wird es einen neuen Imagefilm mit dem Titel „Verborgener Glanz“ geben, der in nur zwei Minuten anhand der beiden Gotteshäuser in Trebgast und Pilgramsreuth beispielhaft die Faszination der Markgrafenkirchen vermitteln soll. Der kurze aber raffiniert gestaltete Imagefilm soll künftig auch auf Freizeit- und Tourismusmessen eingesetzt werden.

Sicher ist dagegen, dass es die meisten Markgrafenkirchen schon aufgrund des üppigen Erntedankschmuckes wert sind, besucht werden. Analog zu den geschmückten Osterbrunnen könnte man beispielsweise auch eine Tour entlang der Markgrafenkirchen mit ihrem reichhaltigen Erntedankschmuck starten, sagt der Vorsitzende Hans Peetz.

Ausgangspunkt könnte dabei die Sankt-Jakobus-Kirche in Berg (Dekanat Hof) sein, deren aufwändig gestalteter Ernteteppich es bereits zu überregionaler Bekanntheit gebracht hat. Dabei legen die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins ein großes Bodenbild im Altarraum auf. Nicht nur Obst und Gemüse in den verschiedensten Farben und Formen findet dazu Verwendung, sondern auch Gewürze und Getreide. Manche Kirchen, wie etwa die Sankt-Michaels-Kirche in Weidenberg (Dekanat Bayreuth) werden neben dem regulären Gottesdienst am Sonntagvormittag auch einen eigenen Nachmittagsgottesdienst anbieten.

Aktuelle Informationen zum „Tag der Markgrafenkirchen“ und zu den Gotteshäusern selbst gibt es im Internet unter www.markgrafenkirchen-bayern.de und unter www.markgrafenkirchen.de.

Bild: Die Dreifaltigkeitskirche in Neudrossenfeld gilt als eine der herausragenden Markgrafenkirchen in Oberfranken.

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22.09.2020

Konfessionen spielen keine Rolle mehr / In der Musik wachsen Glaubensrichtungen zusammen - Kirchenmusiker beim Tutzinger Freundeskreis

Mit einer hochkarätigen Veranstaltung hat sich der Kulmbacher Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing nach einem halben Jahr Corona-Pause zurückgemeldet. Eingeladen hatte Bernd Matthes vom Freundeskreis den evangelischen Dekanatskantor Christian Reitenspieß und denm katholischen Regionalkantor Wolfgang Trottmann und damit die beiden namhaftesten Kirchenmusiker aus der Region.

In rund zweieinhalb Stunden spannten beide einen weiten kirchenmusikalischen Bogen von der Gregorianik bis hin zu Pop, Rock und Jazz. Sie stellten dabei die wichtigsten Vertreter der jeweiligen Epochen vor und präsentierten immer wieder auch Hörbeispiele und Lieder zum Mitsingen, natürlich nur mit Maske.

Christian Reitenspieß zog am Ende ein erstaunliches Fazit: In der Musik seien beide Konfessionen längst näher beieinander als in Glaubensfragen. »Wir erleben auf dem Gebiet der Musik ein Zusammenwachsen der Glaubensrichtungen«, sagte er. In den zurückliegenden 60 Jahren deute te alles darauf hin, dass die Grenzen verwischen. Zentrale Themen seien der große Reichtum an Vielfalt und die Mystik des Glaubens. Konfessionen spielten dabei keine große Rolle mehr.

Es gebe allerdings einen Zwiespalt zwischen Tradition und Innovation. Das sei aber wahrscheinlich ein ganz normaler Zustand der Kirche und vielleicht auch der gesamten Menschheit. Positiv merkte Christian Reitenspieß an, dass die Kirchenmusik aktuell von einer stilistischen Vielfalt wie nie zuvor geprägt sei. Man erlebe die verschiedensten Strömungen, ganz alte und ganz neue Musik, eine Renaissance der Romantik. Eine größere Entfaltung habe es speziell in der evangelischen Kirchenmusik noch nie gegeben.

Auch sein katholischer Kollege Wolfgang Trottmann, der an der Kulmbacher Hauptkirche »Unsere Liebe Frau« als Organist und Kantor tätig ist, sah die gegenwärtige Situation positiv. Immer wieder meldeten sich freilich auch kritische Stimmen zu Wort, wenn es um Jazz, Schlager, Pop- und Rockmusik in der Kirche und im Gottesdienst geht. »Solche Warnungen sind so alt wie die Kirchenmusik selbst«, sagte Trottmann. Als herausragende Beispiele der jüngeren Zeit nannte er Andrew Lloyd Webbers Rock-Oper »Jesus Christ Superstar« und dessen Musical »Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat«.

Den Gang durch die Geschichte der Kirchenmusik startete Wolfgang Trottmann allerdings beim Gregorianischen Choral, der, wie er es nannte, ältesten lebendig gebliebenen musikalischen Kunstform. Sie reicht bis in Jahr 600 zurück, in dem Papst Gregor diese Gesänge erstmals sammeln ließ. Erste Formen der Mehrstimmigkeit machte Christian Reitenspieß dann ab dem 13 Jahrhundert fest. Hier tauchten erstmals Formen der Mehrstimmigkeit auf.

Für das neue geistliche Lied sorgte dann Anfang des 16. Jahrhunderts Martin Luther. Reitenspieß nannte ihn einen »Technik-Freak«, weil er alle zur Verfügung stehenden Mittel wie Druckerpresse oder Flugblätter nutzte, um das Lied als strategisches Mittel zu verbreiten. So sei Luther auch zum »Liedermacher seiner Zeit« geworden, dem die Menschen seine neuen Gesänge teilweise aus den Händen gerissen hätten.

Eine herausragende Persönlichkeit, die auf katholischer Seite die Kirchenmusik in der Folge der Reformation entscheidend beeinflusst hatte, bezeichnete Trottmann den italienischen Komponisten Giovanni Pierluigi da Palestrina. Er nehme mit 104 komponierten Messen, 375 Motetten sowie zahlreichen weiteren Madrigalen und liturgischen Texten einen ganz hohen Rang in der katholischen Kirchenmusik ein.

Auf evangelischer Seite folgte als bedeutender protestantischer Kirchenmusiker seiner Zeit Heinrich Schütz, von dem im aktuellen evangelischen Gesangbuch noch immer zwei Lieder zu finden sind. Reitenspieß nannte Schütz den musikgeschichtlich ersten wichtigen Vertreter des musikalischen Barock auf deutschen Boden.

Schließlich stellte Christian Reitenspieß auch den »musikalischen Superlativ« Johann Sebastian Bach vor. Kein anderer Komponist habe die Musikgeschichte derart beeinflusst, wie Bach. Kein anderer Komponist steht derart für Kirchenmusik, wie Bach. »Bach ist der Kulminationspunkt des Barockzeitalters«. Christian Reitenspieß stellte aber auch eine andere Seite von Bach vor. Zu Lebzeiten sei er gar nicht so berühmt gewesen, habe als rückwärtsgewandt und als »aus der Zeit gefallen« gegolten. Das Interesse an Bach sei nach dessen Tod relativ gering gewesen, bis Felix Mendelssohn Bartholdy 100 Jahre später die Matthäuspassion aufführte und damit die Bach-Renaissance einleitete.

Zwei interessante lokalhistorische Bezüge stellte Wolfgang Trottmann her: Er berichtete von dem 1607 in Kulmbach geborenen Komponisten und Organisten Theophil Staden, der beim historischen Friedensmahl in Nürnberg zum Ende des Dreißigjährigen Krieges seine Friedensgesänge uraufführte. Zweite interessante Persönlichkeit ist der in Kulmbach verstorbene Orgelbauer Matthias Tretzscher. Er war Hoforgelbauer des Markgrafen Christian von Brandenburg-Bayreuth, Ratsherr in Kulmbach und Gotteshausvorsteher. Tretzscher sei damals der bedeutendste fränkische Orgelbauer gewesen.

Bild: Kirchenmusik in Kulmbach (von links): der evangelischen Dekanatskantor Christian Reitenspieß, Bernd Matthes vom Tutzinger Freundeskreis und der katholische Regionalkantor Wolfgang Trottmann.

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21.09.2020

Behörden wollen 28-Jährigen in den sicheren Tod schicken/ Mitglied des Kirchenvorstands soll abgeschoben werden – Dekan Saalfrank hatte Nasar R. noch im Oktober 2018 in Hof getauft

Hof. Zum ersten Mal soll in Bayern ein Mitglied eines Kirchenvorstandes nach Afghanistan abgeschoben werden. Dort würde ihm die Todesstrafe drohen, sagt der Hofer Dekan Günter Saalfrank (Bild links), der den 28-jährigen Naser R.  am 30. Oktober 2016 in der St. Michaeliskirche in Hof getauft hatte. Alle Beteiligten in Hof sind entsetzt über das Vorgehen der Behörden. Sie wollen alle Hebel in Bewegung setzen, damit Naser R.  hier bleiben kann.

Naser R. ist im Iran aufgewachsen und kam im November 2015 nach Deutschland und kurz darauf nach Hof. Hier besuchte er regelmäßig den Gottesdienst in der Kirche St. Michael und wenig später auch den zentralen Taufunterricht in Bayreuth. 2018 stellte er sich zur Wahl für den Kirchenvorstand und seitdem gehört er dem Kreis des erweiterten Kirchenvorstandes an. 

Nach den Worten von Dekan Saalfrank, der auch zuständiger Gemeindepfarrer von St. Michaelis ist, gilt Naser R. nur deshalb als Afghane, weil auch sein Vater Afghane, seine Mutter aber Iranerin ist. Seine Verwandte lebten dagegen alle im Iran. In Afghanistan habe er keine Familie, er kenne dort keinen einzigen Menschen und würde als konvertierter Christ wahrscheinlich gleich beim Aussteigen aus dem Flugzeug festgenommen, inhaftiert und zum Tod verurteilt. So sehe es die Scharia für Menschen vor, die sich einem anderen Glauben angeschlossen haben.

Sowohl Dekan Saalfrank, als auch die ehrenamtliche Flüchtlingsbeauftragte des Dekanats Elisabeth Frisch sind sich absolut sicher, dass Naser R. nach einer Glaubenserfahrung während der Flucht ganz bewusst für das Christentum entschieden habe. Seitdem gilt er an allen Ecken und Enden als überaus engagiert. So war er beim Umzug des Christlichen Vereins Junger Männer einer der Aktivsten, er übernahm seitdem regelmäßig Mesnerdienste in St. Michaelis und half freiwillig in Altenheimen mit.

„Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge als auch das Verwaltungsgericht hätten das alles würdigen müssen“, sagt Saalfrank. Eine Konversion sei kein einfacher Akt, sondern habe identitätsstiftendes Gewicht. Dazu komme, dass Naser R. bestens integriert ist, als völlig unbescholten gilt und mehrere Arbeitsangebote hat. Drei Praktika habe er in handwerklichen Berufen bereits geleistet, alle drei Arbeitgeber hätten ihn sofort beschäftigt. „Naser R. wollte Deutschland nie auf der Tasche liegen, er hat wirklich alles versucht, um Fuß zu fassen.“

Als erste Maßnahme hat sich Saalfrank im Namen des Kirchenvorstandes nun in einem Schreiben an den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder gewandt und eine Aufenthaltsperspektive für Naser R. gefordert. Auch die Hofer Oberbürgermeisterin Eva Döhla hat bereits in einem offenen Statement ihre Betroffenheit deutlich gemacht und sich für ein Bleiberecht ihres „Kollegen aus dem Kirchenvorstand“ ausgesprochen.

Flüchtlingsbeauftragte Elisabeth Frisch (kleines Bild oben links) war zusammen mit Naser R. bei der Ausländerbehörde in Bayreuth, wo ihm mitgeteilt wurde, dass er Deutschland wieder verlassen müsse. Man habe dort mit der Abschiebung gedroht, wenn er nicht freiwillig ausreise, sagte sie voller Unverständnis. Sie nannte Naser R. ein „tolles Beispiel für jemanden, der sich in die Gesellschaft integrieren möchte.  Er spreche ausgezeichnet deutsch und sei mittlerweile ein geschätzter Helfer in der Gemeinde geworden.

Scharfe Kritik am Ausländeramt in Bayreuth und am dortigen Verwaltungsgericht übte Stephan Reichel (kleines Bild oben rechts) , Vorsitzender der Flüchtlingshilfsorganisation Matteo. Er sprach von einer „besonders aggressiven Art, wie die Behörde in Bayreuth vorgeht“. Ziel der Behörde sei es, Integration, Arbeitsduldung und Aufenthaltsduldung um jeden Preis zu verhindern. Das für ganz Oberfranken zuständige Verwaltungsgericht Bayreuth spiele dabei ebenfalls eine sehr ungute Rolle. Es gelte als „das schärfste Gericht in ganz Bayern“ und habe beispielsweise bereits „hochnotpeinliche Glaubensprüfungen“ veranlasst.

Wie es nun weitergeht ist unklar, zumal Corona-bedingt aktuell keine Abschiebungen nach Afghanistan stattfinden. Die letzte Abschiebung nach Afghanistan habe am 10. März kurz vor dem Lockdown stattgefunden. Das könne sich allerdings auch wieder ändern. Bereits Mitte Oktober soll erneut über anstehende Abschiebungen entschieden werden und dann könnte alles ganz schnell gehen. Er halte Abschiebungen nach Afghanistan generell für fragwürdig, sagte Reichel. Dass Deutschland mitten in der Pandemie Abschiebungen vornehmen möchte, sei ein Skandal.

Naser R. scheint derweil mit der Situation nicht mehr klarzukommen. Durch den Abschiebedruck sei er bereits psychisch erkrankt und befinde sich in ärztlicher Behandlung.

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20.09.2020

Transfer zwischen Natur und Leben / Christel Sakalow hat einen Franziskusweg durch die markgräfliche Eremitage konzipiert

Eingefahrene Wege neu zu gehen, bekannte Orte aus unbekannter Perspektive erleben: im Zusammenhang mit spirituellen Impulsen kann das viel Positives bewirken. Einen Anstoß dazu möchte die frühere Bayreuther Lehrerin Christel Sakalow geben. Mit ihrem Büchlein »Franziskusweg Bayreuth« lädt sie dazu ein, sich mit dem Sonnengesang des Heiligen Franziskus auf den Weg durch die markgräfliche Eremitage in Bayreuth zu machen.

Die Idee dazu sei ihr bei einem Spaziergang auf dem Franziskusweg in der Rhön gekommen. Fünf bis sechs Kilometer weit führe der Weg dort durch eine fantastisch schöne Landschaft, an den einzelnen Stationen gebe es nicht nur künstlerische Holzskulpturen, sondern auch großformatige Infotafeln.

Das sei in der Eremitage nicht möglich gewesen, deshalb hatte sie das kleine Büchlein veröffentlicht, dessen Verkaufserlös an den Hospizverein und an den „Gnadenhof für Tiere" geht. Letzteres stützt sich darauf, dass Franz von Assisi seine Beziehung zu Gott besonders stark an Tieren festgemacht hat.

Tiere gibt es in dem großen Park der Eremitage an der östlichen Stadtgrenze von Bayreuth zwar nicht, doch lassen sich dort hervorragend Bezüge zu einzelnen Stichworten herstellen, über die an den Stationen nachgedacht und meditiert werden kann. Das Thema Sonne wird beispielsweise am Sonnentempel aufgegriffen, auf dem die Quadriga des Apoll im hellen Licht glänzt. Der Tod wird an einem antiken Grabmal festgemacht, dass die berühmte kunstsinnige Markgräfin Wilhelmine anlegen ließ, und das Wasser nimmt Bezug zu den Wasserspielen der Oberen Grotte.

Zu allen Stationen wählte Christel Sakalow, die an der Grundschule Bayreuth–St. Georgen Kinder der 1. bis zur 4. Jahrgangsstufe unterrichtet hat, Texte aus, die aus dem Sonnengesang des Franziskus oder aus Beiträgen des katholischen Theologen Elmar Gruber stammen. »Ich möchte immer einen Impuls anbieten, um sich mit der Sinnfrage zu beschäftigen«, erläutert die Autorin, die auch das »Gebet für unsere Erde« von Papst Franziskus mit aufgenommen hatte.

Christel Sakalow spricht von einem »Transfer zwischen dem eigenen Leben, der Kultur und der Natur«, der dazu anregen soll, sich mit sich selbst zu beschäftigen. »Ich möchte niemanden einlullen«, sagt sie, wohl aber möchte sie Denkanstöße geben.

Zunächst habe sie über das Evangelische und das Katholische Bildungswerk Führungen für Gruppen angeboten, dann sei die Idee entstanden, das Projekt auch in Form einer Veröffentlichung festzuhalten. VR-Bank und Sparkasse unterstützten das Büchlein finanziell, eine ganze Reihe weiterer Partner nicht nur von katholischer, sondern auch von evangelischer Seite sagte seine organisatorische, logistische und ideelle Unterstützung zu.

Ursprünglich sei der Park der Eremitage ein Rückzugsort des Markgrafen Georg Wilhelm gewesen, der hier, dem damaligen Zeitgeist folgend, immer wieder Tage in mönchischer Einsamkeit verbrachte. Markgräfin Wilhelmine habe dann die Bestimmung des Parks erweitert, ihn repräsentativ umgestaltet und die Eremitage ihren adeligen Besuchern zugänglich gemacht.

Der Franziskusweg von Christel Sakalow ist ungefähr zwei Kilometer lang, man benötigt zwischen 60 und 90 Minuten Gehzeit. Sitzgelegenheiten sind immer wieder verfügbar, die wenigen vorhandenen Stufen können leicht umgangen werden, so dass der Weg auch für Besucher mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator zugänglich ist.

Der Franziskusweg durch die Eremitage ist nicht das einzige Engagement von Christel Sakalow. Seit Jahren ist sie bereits in dem Verein »Assante« aktiv, der Kinder und Frauen im kenianischen Tiwi unterstützt. Dort leben die Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Mit Hilfe von Spenden sollen Kinder durch eine Schulausbildung und durch Schulspeisung aus der Armut geführt werden, in die sie geboren wurden.

In dem Selbsthilfeprojekt »Engel für Afrika« fertigen um die 70 Frauen dekorative Engelchen als Christbaumschmuck in verschiedenen Formen und Größen, sowie Herzen, Schmetterlinge und Weihnachtskarten, die hierzulande von den »Assante«-Mitgliedern auf Weihnachtsmärkten zum Kauf angeboten werden. Der Erlös geht zu 100 Prozent an die Frauen.

Der Verkauf eines einzigen Engels ermöglicht einer Frau in Tiwi den Erwerb von einem Kilogramm Maismehl und ein tägliches Mittagessen für ein Schulkind. Im Rahmen eines Sabbatjahres hatte Christel Sakalow selbst drei Monate an der Schule im kenianischen Tiwi unterrichtet und unter dem Titel »12 Wochen Afrika« darüber sogar ein Buch veröffentlicht hat.

Das kleine Führer über den Fraziskusweg in der Eremitage ist für 2 Euro in der Tourist-Information in der Opernstraße in Bayreuth, in der Buchhandlung »Christothek« in der Albert-Preu-Straße und im Kircheneck an der Stadtkirche erhältlich.

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13.09.2020

Aufbruch in eine neue Dimension / Lichtklanginstallation statt „Kosmos-Messe“ - Uraufführung des neuesten Werkes von Michael Lippert verschoben

Bayreuth. Die Programmhefte sind bereits gedruckt, das Orchester war engagiert und der Ewigkeitssonntag als Datum für die Uraufführung stand auch schon fest. Dann kam Corona und so wurde die „Messe des Kosmos“ abgesagt. Die Messe ist das mittlerweile neunte große abendfüllende Werk des Bayreuther Komponisten Michael Lippert. Statt der Aufführung wird es vom 22. bis zum 29. November 2020  nun eine Lichtklanginstallation in der Bayreuther Ordenskirche St. Georgen geben. Die Uraufführung soll dann im Frühjahr 2022 stattfinden.

Aktuell dürfen nur 100 Menschen gleichzeitig in die markgräfliche Ordenskirche. Doch 100 Sängerinnen und Sänger umfasst schon alleine der gewaltige Chor, den Michael Lippert für sein Werk braucht. Der Komponist und Dekanatskantor geht davon aus, dass es wohl erst im Herbst 2021 wieder klassische Chor- und Orchesterkonzerte geben wird. Doch da findet in der Bayreuther Oberfrankenhalle bereits die Aufführung des ebenfalls schon mehrfach verschobenen Martin-Luther-King-Musicals statt. Deshalb die Verschiebung der „Kosmos-Messe“ auf die Passionszeit 2022.

Das passt auch inhaltlich, denn in der Messe geht es um nicht mehr und nicht weniger als den Aufbruch in eine neue Dimension. Im Zusammenwirken mit der Berliner Schöpfungstheologin Brigitte Enzner-Probst, die für Konzeption verantwortlich ist, spannt Michael Lippert einen weiten Bogen von der Schöpfungsgeschichte bis hin zur Offenbarung des Johannes. Es geht ihm vor allem darum, das Bewusstsein dafür zu wecken, „dass in allem ein göttlicher Keim steckt“.

Michael Lippert spricht von einem stark gottesdienstlichen Charakter, „nur eben durchkomponiert“. Er selbst beschreibt seine Komposition als kurzweilig, abwechslungsreich und klangsinnlich. Stilistisch handele es sich tatsächlich um eine klassische Messe, allerdings mit Texten unter anderem von Hildegard von Bingen, Pierre Teilhard de Chardin, sowie aus Bibelworten, liturgischen Texten und Gebeten. All das exakt verstehen und nachvollziehen, das müsse man gar nicht, schließlich gehe es ja darum, das Geheimnis Gottes erfahrbar zu machen und ein Geheimnis könne man nun eben mal nicht erklären.

Musikalisch greift der Komponist auf die Vogtland-Philharmonie Reichenbach in Kammerbesetzung und einen großen Chor zurück. Dazu kommen die Orgel, ein Klavier, die Kirchenglocken, die ganz raffiniert am Ende des Werkes von außen nach innen übertragen werden, sowie einen Tempelgong, der eine große Rolle spielen wird.

Weil dies nun alles erst im Frühjahr 2022 zu erleben sein wird, möchte Michael Lippert unter dem Titel „Kunst Raum Kosmos“ nun vom 22. bis 29. November mit einer Lichtklanginstallation, umrahmt von Performances und Lesungen auf die Uraufführung hinweisen. Jeweils zwischen 16 und 20 Uhr wird es in der Woche vor dem 1. Advent eine Lichtinstallation und einen Klangraum zum Eintauchen mit Musik, Orgelklängen, Gesängen aber auch „kosmischen Geräuschen“ wie dem Gesang der Wale geben. Dazu steht täglich um 18 Uhr eine Lesung mit Meditation auf dem Programm, die von Orgelimprovisationen, Didgeridoo- oder Djemben-Klängen umrahmt wird.

Nachdem die Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele in diesem Jahr Corona-bedingt ausgefallen sind, hat Michael Lippert in diesem Sommer bewiesen, dass er gerne auch mal ganz klassisch musiziert. An der Ordenskirche Bayreuth St. Georgen veranstaltete er die ersten Turmfestspiele, bei denen von ihm und einigen Mitstreitern allabendlich Volkslieder, Choräle und sogar Werke von Richard Wagner vom Turm der Kirche geblasen wurden. Die Aktion hatte jeweils bis zu 200 Musikfreunde angelockt.

Bild: Der Bayreuther Komponist und Dekanatskantor Michael Lippert schlägt den Tempelgong, der in seinem neuesten Werk „Messe des Kosmos“ eine wichtige Rolle spielen wird.

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30.08.2020

Bachkantate statt Lobgesang / Dekanatskantor Christian Reitenspieß: „Heftiger Tritt auf die Bremse“ - Kirchenmusik in Zeiten von Corona

Kulmbach. Kaum war er in sein neues Amt eingeführt, da kam auch schon der sogenannte Lockdown. Christian Reitenspieß konnte damit alle seine ehrgeizigen Pläne erst einmal vergessen. Jetzt, einige Monate später, blickt der neue Kulmbacher Stadt- und Dekanatskantor relativ optimistisch in die Zukunft.

Es sei schon ein heftiger Tritt auf die Bremse gewesen, sagt Reitenspieß. Nur einen Tag nach der letzten Probe für die Markuspassion von Johann Sebastian Bach musste man wegen der Corona-Maßnahmen alles absagen. Die Markuspassion, deren Musik als verschollen gilt und die lediglich in rekonstruierten Formen vorliegt, wäre schon etwas ganz besonderes zum Einstieg gewesen.

Alles andere sei genauso geplatzt, ob Auftritt des Seniorenchors im Samstagabend-Gottesdienst oder das geplante Kindermusical „Daniel in der Löwengrube“. Nun wurde auch noch das große Herbstkonzert Anfang November gecancelt. Mit dem „Lobgesang“, der sinfonischen Kantate von Felix Mendelssohn Bartholdy hätte auch hier ein nicht alltägliches Werk auf dem Programm gestanden. Zusammen mit dem Kammerorchester Musica Juventa aus Halle hätten sich bis zu 90 Personen im Chorraum aufgehalten, das wäre einfach zu viel gewesen, egal, wie sich die künftigen Entwicklungen auch gestalten, deshalb sei die Absage auch schon zu Pfingsten gekommen.

Trotzdem war Christian Reitenspieß nicht untätig. Per E-Mail habe er ständig Kontakt zu den Mitgliedern der Kantorei gehalten. Das sei durchaus hilfreich und auch Mut machend gewesen. Schließlich sei die Kantorei ein Chor mit großer Fluktuation, den es zusammenzuhalten gilt. So entstand auch die Idee eines kleinen Kirchenchores, bestehend aus dem „harten Kern“ der Kantorei mit bis zu 18 Sängerinnen und Sängern, der die sonntäglichen Gottesdienste natürlich unter Einhaltung sämtlicher Hygienebestimmungen und Abstandsregeln während der zurückliegenden Wochen immer wieder bereicherte. „Für den Gottesdienst war dies eher ein Gewinn“, sagt Christian Reitenspieß. Alle Beteiligte hätten großen Spaß daran gehabt, freitags zu proben und gleich am Sonntag drauf zu singen.

Da nach derzeitigem Stand zwischen 160 und 190 Zuhörer in die Kulmbacher Petrikirche dürfen, plant Christian Reitenspieß für den 8. November eine Aufführung der frühen Bachkantate „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“ (BWV 106) in kleiner Besetzung und noch kleinerer instrumentalen Begleitung. Für den ersten Advent ist eine Aufführung von Benjamin Brittens Weihnachtskomposition „A Ceremony of carols“ angesetzt. Dazu benötige man nur eine Harfenbegleitung, außerdem dauere das Stück gerade mal eine halbe Stunde. Bachs Markuspassion und Mendelssohns Lobgesang sollen dann im kommenden Jahr nachgeholt werden.

Was während der zurückliegenden Monate geblieben sei, war das Spiel der Orgel. „Das war das einzige Lebenszeichen der Kirche nach dem Lockdown“, so Reitenspieß. Bis zu sechs Mal habe er pro Woche bei offener Kirchentür gespielt. Meist eher als öffentliches Üben. Mittlerweile hätten sich der Mittwochabend, 18.30 Uhr, in der Spitalkirche und der Sonntagmittag (11 Uhr) in der Petrikirche als „Musikalische Gebetszeiten“ etabliert, auch während der Ferienzeit. Nicht nur die Kulmbacher selbst, auch viele Besucher der Stadt treten ein, lauschen ein wenig den Klängen und gehen wieder. Genauso sei das auch gewollt. „Man muss halt Fantasie mitbringen“, so der Kantor.

Christian Reitenspieß wurde im mittelfränkischen Diespeck, bei Neustadt an der Aisch geboren. Im nahen Markt Erlbach spielte er zum ersten Mal die Orgel. Schon vorher, im Alter von neun Jahren, begann er mit dem Klavierspiel, mit zehn Jahren folgte die Posaune, ehe er sich mit elf für die Orgel entschied. Reitenspieß hat in Bayreuth Kirchenmusik studiert und in Hof sein Berufspraktikum absolviert. Nach 16 Jahren Tätigkeit wurde er im Oktober 2019 an seiner vorherigen Stelle in Melsungen, südlich von Kassel, in Nordhessen verabschiedet. Zuvor war er sechs Jahre lang im südhessischen Gelnhausen tätig. In Kulmbach ist er offiziell seit Anfang Dezember tätig.

Bild: Stadt- und Dekanatskantor Christian Reitenspieß am Spieltisch der Rieger-Orgel in der Kulmbacher Petrikiche.

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23.08.2020

Der Wald übernimmt die Grabpflege / Natur als letzte Ruhestätte: Weitere Wald- und Naturfriedhöfe in Oberfranken geplant

Issigau. Alternative Bestattungsmethoden haben Hochkonjunktur, ob Urnenwand, See- oder Diamantbestattung. Eine Form, die sich immer mehr durchsetzt ist die Baumbestattung. In Oberfranken betreibt die Reitzensteiner Land- und Forstwirtschafts GmbH bereits zwei Wald- und Naturfriedhöfe in Naila und Issigau (Landkreis Hof), zwei weitere sind in Heinersreuth bei Presseck (Landkreis Kulmbach) sowie in Schönwald bei Selb (Landkreis Wunsiedel) geplant.

„Wir wollen keine Konkurrenz zu kirchlichen Friedhöfen sein“, sagt Nina Burjakow, die für die Verwaltung der beiden Wald- und Naturfriedhöfe in Issigau und Naila zuständig ist. Beide Friedhöfe seien kirchlich, katholisch wie evangelisch, geweiht. Mindestens jede zweite Bestattung auf den 2018 eröffneten Friedhöfen ist kirchlich und wird von einem Pfarrer durchgeführt. Es sei also bei weitem nicht so, dass Wald- und Naturbestattungen nur für kirchenferne Menschen interessant sind. Im Gegenteil: den zentralen Andachtsplatz mit Sitzgelegenheiten und einem Pavillon auf einer kleinen Lichtung in Issigau dominiert sogar ein meterhohes hölzernes Kreuz und in Naila läuten bei der Bestattung die Glocken der evangelischen Stadtkirche und auch Posaunenchöre sind bei den Trauerfeiern gern gesehene Gäste.

Die Bestattungswälder stehen in der Regel unter der Trägerschaft der Gemeinde, in Naila gehört der Wald der Stadt, in Issigau ist er in privater Hand. Nina Burjakow schwärmt von dem parkähnlichen Waldstück in Naila, von dem aus man einen bezeichnenden Blick auf die Stadt mit der Stadtkirche im Zentrum habe. Issigau stehe dagegen mit seiner abgeschiedenen Lage noch mehr für Naturliebhaber, vor allem für Menschen, die von der nahegelegenen Stadt Hof schon immer gern zum Wandern in den Frankenwald gekommen sind.

Konkret sind die Wald- und Naturfriedhöfe so angelegt, dass ein Baum immer den Mittelpunkt bildet. Um ihn herum sind bis zu zwölf Urnengrabstätten möglich. Dezente Metallplaketten mit dem Namen des Verstorbenen sowie dessen Geburts- und Sterbedaten werden an einem hölzernen Pfahl befestigt. „Anonyme Grabstätten gibt es bei uns aus Respekt vor der jeweiligen Persönlichkeit nicht“, erklärt Nina Burjakow.

Die Grabpflege übernimmt der Wald. Hauptwege werden freilich gepflegt und im Winter auch geräumt. Grabschmuck ist dagegen nicht erwünscht und auch nicht erlaubt. Wald soll schließlich Wald bleiben. Lediglich zur Beisetzung seien kleine Handsträuße oder Blüten erlaubt.

Nina Burjakow legt Wert darauf, dass ihr Unternehmen keinen Bestatter ersetzen kann. Den benötige man trotzdem. Die Gebühren für die Baumgrabstätte seien je nach Laufzeit (20 bis 60 Jahre) sowie Baumart und –größe unterschiedlich. Was man sich allerdings in jedem Fall spare ist der Grabstein. Vorschrift seien dagegen Bio-Urnen, die sich nach einer bestimmten Zeit zersetzen.

Sollte ein Baum einmal gefällt werden müssen, werde umgehend die gleiche Baumart an der gleichen Stelle gepflanzt. Morsche Äste werden natürlich entfernt, schließlich habe der Betreiber auch eine Verkehrssicherungspflicht. Zuständig für das Gebiet des Wald- und Naturfriedhofes bleibt der örtliche Förster. Das Gelände des Friedhofes ist nicht eingezäunt, lediglich eine optische Abgrenzung gibt es, damit Wanderer und Spaziergänger wissen, wo der Friedhof beginnt und wo er endet. Wildtiere werden dagegen nicht ausgegrenzt.

Weitere Informationen: www.wnf-frankenwald.de

Bild:
1. Ein hölzernes Kreuz schmückt den zentralen Andachtsplatz am Wald- und Naturfriedhof Frankenwald in Issigau.

2. Nina
Burjakow von der Reitzensteiner Land- und Forstwirtschafts GmbH ist für die Verwaltung der Wald- und Naturfriedhöfe in Issigau und Naila zuständig

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23.08.2020

Petrus blickt seit über einem halben Jahrtausend auf die Kirchenbesucher / St.-Petri in Kulmbach wartet auf dringend notwendige Renovierungsmaßnahmen

Kulmbach. Eigentlich hätte die St.-Petri-Kirche in Kulmbach schon vor zehn Jahren renoviert werden sollen. Wegen der Corona-Pandemie wird sich die dringend notwendige Sanierung jetzt noch länger hinausziehen. „Kein Mensch kann derzeit sagen, ob es nochmal zu Verzögerungen kommt“, so Dekan Thomas Kretschmar. Er ist trotzdem optimistisch, dass im kommenden Jahr mit dem Kirchplatz rings um das Gotteshaus begonnen werden kann.

Petrus gab der Kirche seinen Namen. Seit dem Wiederaufbau nach dem Hussitenkrieg 1439 grüßt er, schon etwas verwittert, alle Kirchenbesucher über dem Haupteingang. Damals wurde St. Petri als spätgotische Hallenkirche wieder aufgebaut, 1878 bis 1880 wurde das Kircheninnere neugotisch ausgestaltet.

Längst ist ein größerer Eingriff unausweichlich. Die Dachschindeln machen Sorgen, sagt Dekan Kretschmar. Ein schwerer Hagelsturm könnte größeren Schaden anrichten. Oben auf dem Turm wurden sogar schon Netze gespannt, für den Fall der Fälle, dass sich etwas lockert. Doch zuvor müsste der Kirchplatz hergerichtet werden. In der topographisch schwierigen Lage am Fuße des Burgberges zur berühmten Plassenburg müsste das komplette Kanalsystem erneuert werden, sonst funktioniert die Entwässerung nicht mehr.

Erst dann könnten sich die Verantwortlichen dem Kircheninneren widmen. Ein genaues Konzept gibt es noch gar nicht. Natürlich müssen Heizung und Elektrik und Beleuchtung komplett ausgetauscht werden. Ein behindertengerechter Zugang fehlt bislang völlig. Erst dann könnte man einiges umgestalten: den Altarraum, rund um den bemerkenswerten Brenk-Altar etwa, in dem man kleinere Gottesdienste in einer ganz besonderen Atmosphäre mit bis zu 50 Besuchern feiern könnte. Auch der Taufstein müsste versetzt werden, denn dort sei es wegen der Heizungsschlitze im Boden bislang nicht einmal möglich, Stühle aufzustellen.

Als „heißes Eisen“ bezeichnet Dekan Kretschmar die Zukunft der Bestuhlung. Entweder nimmt man die harten Kirchenbänke komplett raus und stellt bequeme Stühle auf, die je nach Bedarf variiert werden könnten. Dann könnte man auch mal einen Tanzgottesdienst anbieten. Oder man lässt einen Teil der Bänke im Kirchenschiff stehen, um im hinteren Bereich Platz für eine Veranstaltungsfläche zu schaffen. Für ein Kirchencafe biete sich der Platz geradezu an.

Was mit den Grabstätten unter der Kirche geschehen soll ist dabei ebenfalls offen. Bis weit ins Mittelalter hinein seien die Kirche und ihr Umfeld wohl die einzigen Grabanlage in Kulmbach gewesen. Wenn die Bänke schon einmal alle ausgelagert werden, dann sollten auch die archäologischen Gräber gekennzeichnet und erfasst werden, meint Kretschmar.

Er bedauert, dass die St.-Petri-Kirche und ihre Sanierung ein wenig in den Dornröschenschlaf gefallen sind. Kretschmar möchte die Kirche in Zukunft auf jeden Fall mehr nutzen, „um deutlich zu machen, dass die Kirche kein Museum, sondern ein ganz wichtiger Teil unserer Kultur ist“.

Die »Petrikirche« wurde 1439 errichtet. Nachdem sie im Markgräflerkrieg zerstört wurde, begann ab 1559 der Wiederaufbau. In den Jahren 1878 bis 1880 bekam das Gotteshaus eine neue Ausstattung im Stil der Neugotik. Besonders sehenswert ist der imposante Altaraufbau, der die Kreuzabnahme Christi zeigt, sowie die Turmuhr, die anstelle von Ziffern Buchstaben zeigt. Sie ergeben im Uhrzeigersinn gelesen die beiden Worte »Wachet - Betet«.

Bild: Am Fuße der Plassenburg in Kulmbach wartet die St. Petri-Kirche seit Jahren auf eine Generalsanierung.

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16.08.2020

200 Meter Kabel für exzellente Übertragungsqualität / „Hybrid-Gottesdienste“ aus Oberfranken größter evangelischer Kirche erfahren riesigen Zuspruch

Hof. Ein überaus positives Zwischenfazit über die Internetübertragungen der Gottesdienste aus Oberfrankens größter evangelischer Kirche, der St.-Michaels-Kirche in Hof hat Dekan Günter Saalfrank gezogen. Die „hybriden Gottesdienste“, also gleichzeitig im Netz als auch vor Ort für eine bestimmte Anzahl Gläubiger unter strenger Einhaltung aller Corona-Regeln, hätten sich nicht nur bewährt, sondern auch unglaublich viel Kreativität freigesetzt. Derzeit denkt man sogar darüber nach, ungeachtet der weiteren Corona-Entwicklung, das digitale Angebot auch im kommenden Herbst weiter aufrechtzuerhalten.

Natürlich sei das Ganze eine Frage der Technik und des Personals. Dafür sorgt aktuell Christian Herrmann aus Hof. Er ist ein absoluter Profi und hat als ausgebildeter Veranstaltungstechniker in nicht-Corona-Zeiten schon viele große Produktionen mit allen möglichen TV-Stars in der Hofer Freiheitshalle technisch begleitet. Für die St.-Michaelis-Gemeinde, deren Kirchenvorstand er angehört, ist er ehrenamtlich tätig, was nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Was die Internet-Übertragung aus St. Michaelis so einzigartig macht, ist nicht nur der Profi am Mischpult, sondern auch immense technische Aufwand. Pro Gottesdienst werden über 200 Meter Kabel verlegt, drei Kameras aufgebaut und mehrere Mikrofone im Kirchenschiff verteilt. „Es soll nicht nur gut aussehen, sondern auch gut klingen“, so Christian Herrmann. Wollte man die Kosten des Materialeinsatzes beziffern, käme man auf eine fünfstellige Summe.

Seit 22. März ist jeder Gottesdienst lückenlos im Internet zu sehen gewesen. Dekan Günter Saalfrank spricht von einer überwältigen Resonanz. Gerade habe man bei den Aufrufen die 18000er Marke geknackt, wobei ein Aufruf in der Regel immer mehrere Gottesdienstteilnehmer bedeutet. Viele Wohnzimmer hätten sich seitdem Sonntag für Sonntag zu sakralen Räumen verwandelt. „Die Menschen zünden eine Kerze an und feiern mit uns“, so der Dekan. Eine ganz besondere Resonanz sei auch aus den diakonischen Einrichtungen gekommen, wo eigens für sonntägliche Live-Übertragung Großbildleinwände aufgestellt wurden. Positive Rückmeldungen seien aus ganz Deutschland, vereinzelt sogar von Menschen aus dem Ausland gekommen, die regelmäßig online dabei waren.

Bild: Dekan Günter Saalfrank schaut dem gelernten Veranstaltungstechniker Christian Herrmann über die Schulter, der für die Internet-Übertragungen der Gottesdienste aus St. Michaelis in Hof zuständig ist.

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09.08.2020

Der Clown und der Tod« / Birgit Sauerschell setzt sich als »Kaala Knuffl« auf ungewöhnliche Art mit dem Sterben auseinander

Lichtenfels. Ein Clown auf einer Beerdigung: das geht ja wohl gar nicht. Denk man zumindest im ersten Moment. Birgit Sauerschell aus Lichtenfels ist da anderer Meinung. Die Psychologin bringt zusammen, was auf den ersten Blick so gar nicht zusammen gehört: Trauer und Poesie, Tränen und Humor, Tod und Leben, Seit gut einem Jahr kann sie als »Kaala Knuffl« unter anderem für Beerdigungen und Trauerfeiern gebucht werden, sie kommt als Trauerrednerin oder als poetische Ergänzung zu der Feier, je nach Absprache mit den Verstorbenen zu Lebzeiten oder nach den Wünschen der Angehörigen.

Ein Clown, der auf einer Bank sitzt, während der Trauerzug auf dem Weg zum offenen Grab vorüberzieht, das ist nicht nur ein eindrucksvolles Bild, das kann auch etwas bewirken, glaubt Birgit Sauerschell.

Wenn dann noch jeder Trauernde einen weißen Luftballon in die Hand gedrückt bekommt und alle Anwesende die Ballons anschließend in den Himmel steigen lassen, dann komme der eine oder andere schon ins nachdenken. »Ein Clown kann eben Emotionen wecken«, weiß Birgit Sauerschell.

Entstanden ist die Idee des Trauerclowns aus ihrem langjährigen Engagement als Klinikclown. Die 56-Jährige, die unter anderem viele Jahre lang in der Suchtberatung und in der Asylarbeit der Diakonie tätig war sowie als Psychologin bereits selbstständig gearbeitet hatte, besuchte 2007 aus einer Laune heraus ein halbes Jahr lang eine Clownsschule mit dem Namen »Die Kunst des Stolperns« in Freising.

„Just for fun", wie sie sagt, einfach als eine Art Selbsterfahrungstrip. Dort lernte sie nicht nur Jonglieren und Improvisieren, sondern kam auch mit den Klinikclowns in Berührung. Das sind Clowns, die auf Kinderstationen, aber auch in Alten- und Pflegeheimen auftreten um zu trösten, um Hoffnung und Zuversicht zu spenden oder einfach den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Bis dahin war sie lediglich auf der einen oder anderen Familienfeier aufgetreten. Seitdem ist sie zusammen mit Kollegen regelmäßig unter anderem in den Krankenhäusern von Coburg und Lichtenfels sowie in verschiedenen Altenheimen im Bamberger Raum anzutreffen.

Man singt zusammen mit den alten Menschen Volkslieder und Schlager, stellt schillernde Seifenblasen für die Kleinsten her oder spielt auch mal auf der Geige. »Da ist manchmal auch ein schräger Ton dabei«, sagt sie, aber das Leben sei halt auch nicht immer perfekt. Wie ernst die Klinikclowns ihre Aufgabe nehmen, zeigt, dass sie zweimal pro Jahr an Fortbildungen teilnimmt, wo sie nicht nur von hochkarätigen Clowns lernt, sondern auch therapeutischen Fragen nachgeht.

Ein Workshop mit dem Titel »Der Clown und der Tod« brachte Birgit Sauerschell schließlich auf die Idee des trauernden Clowns. Der Clown sei schließlich nicht nur lustig, er ist vielmehr eine Figur, die alle möglichen Emotionen weckt. Die Bezeichnung Clown, so erläutert Birgit Sauerschell, komme übrigens von »colonus«, was soviel heißt, wie Bauer, Siedler oder Kolonist. Also jemand, der sicheres Terrain verläßt, Regeln durchbricht und immer auf der Suche nach dem Unbekannten ist. So könne es gelingen, sich seine eigene Welt zu erschaffen und Dinge in neuem Licht zu sehen.

So ist es für sie auch immer wichtig, dem Verstorbenen gerecht zu werden. Das kann in Form eines Musikstückes sein, eines Tanzes, einer kurzen Rede, im Freien oder im geschützten Raum, meist aber dezent im Hintergrund.

Schenkelklopfer sucht man bei Birgit Sauerschell alias »Kaala Knuffl« vergebens. Sowohl bei Hospizvereinen, als auch bei Bestattern und sogar bei Pfarrern ist ihre Idee bislang auf Wohlwollen gestoßen, sofern ihr Auftreten nicht innerhalb der Liturgie stattfindet.

Vereinzelte Auftritte, wie der zum 50-jährigen Bestehen der Lebenshilfe Kronach gehören dazu oder die Präsenz auf einschlägigen Messen. Auch die Funktion einer Trauerrednerin ohne Clownskostüm ist für sie denkbar.

Zu ihrem Programm gehört auch das Angebot einer Spielsequenz für Kinder im Vor- und Grundschulalter als Auseinandersetzung mit Tod, Trauer und Verlust. Gebucht werden kann sie von Kindergärten, Schulen, Einrichtungen für Menschen mit Förderbedarf und Gruppen, die einen ungewöhnlichen, einfühlsamen und bildhaften Einstieg in das Thema Tod und Trauer wünschen.

Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite von Birgit Sauerschell unter www.kaala-knuffl.de.

Bild: Die schwere Decke der Trauer etwas anheben möchte Birgit Sauerschell alias „Kaala Knuffl" als Trauerclown. (Foto: privat)

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09.08.2020

Bildung, Beratung und Begleitung / Erfolgreiche Bilanz: Drei Jahre Projekt „Brückenbauer“ in Kulmbach

Kulmbach. Wie finde ich eine Wohnung? Wie finde ich einen Job? Wo lerne ich am schnellsten deutsch? Das waren die drängendsten Fragen der jungen Geflüchteten an die Verantwortlichen des Projektes „Brückenbauer“. Damit habe man eine wichtige Lücke schließen können, sind sich Fachbereichsleiter Peter Engelhardt und Projektleiterin Vanesse Druse-Baum von der Geschwister-Gummi-Stiftung unter dem Dach der Diakonie in Kulmbach einig. Nach drei Jahren läuft das Projekt in diesem Sommer aus, die umfangreiche Beratungstätigkeit soll aber in jedem Fall fortgeführt werden.

Vanessa Druse-Baum kommt auf weit über 100 Kontakte, in denen man Flüchtlingen konkrete Hilfen anbieten konnte. Für viele von ihnen sind die „Brückenbauer“ feste Ansprechpartner geworden. Als ein erfolgreiches Gruppenangebot fällt Vanessa Druse-Baum spontan der „Mieterführerschein“ ein. Da ging es an fünf Abenden jeweils zwei Stunden darum, welche Rechte und Pflichten der Mieter einer Wohnung hat, was Kündigungsfristen sind, was die Abkürzungen in Zeitungsanzeigen bedeuten, bis hin zur Fragen, wie man richtg heizt, lüftet oder den Müll trennt. Zumindest theoretisch habe sich dieses Angebot auch an junge Deutsche gerichtet, praktisch war es aber die Gruppe der anerkannten Flüchtlinge, die dieses Informationsangebot rege in Anspruch genommen hatte.

In einem weiteren Gruppenangebot, das eine besonders starke Nachfrage unter Geflüchteten erfuhr, ging es um Qualifikationen für den Arbeitsmarkt. Ein Bewerbungstraining gehörte dazu, genauso wie Tipps zum Vorstellungsgespräch, Hintergründe zum Arbeitsvertrag oder die Frage, warum Pünktlichkeit so wichtig ist. Abgerundet wurde das Arbeitsseminar durch Betriebsführungen, etwa durch einen Metallbaubetrieb oder eine Zimmerei. „Wir waren positiv überrascht davon, wie aufgeschlossen viele Formen waren“, so Vanessa Druse-Baum.

Ein Höhepunkt sei der „Eritrea-Abend“ im Oktober des zurückliegenden Jahres gewesen. Referentin Sarah Mustafa-Ibrahim stellte dabei ihr Land vor, zugewanderte Eritreer steuerten nicht nur persönliche Beträge, sondern auch Köstlichkeiten aus der eritreischen Küche bei. Regelrecht überrannt worden seien die Verantwortlichen dann bei einem Kochabend im Kulmbacher Mehrgenerationenhaus

Entwickelt worden sei die Idee bereits im Jahr 2015, als viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, erinnert sich Peter Engelhardt von der Jugendsozialarbeit. Zusammen mit Augsburg und Fürth sei man dann erst 2017 an den Start gegangen. „Wir waren von Anfang an vor Ort in den Unterkünften und konnten das ganze schnell etablieren“, so Engelbrecht.

Wie so vieles andere auch, wurde das Projekt „Brückenbauer“ durch die Corona-Pandemie ausgebremst. Die Verantwortlichen hatten das Angebot daraufhin online fortgeführt. Vanessa Druse-Baum berichtet unter anderem von verschiedenen Apps zur Corona-Problematik, zu Möglichkeiten, die deutsche Sprache zu lernen, oder sich sportlich zu betätigen. Einzelberatungen würden längst wieder durchgeführt, telefonisch oder per E-Mail sei man für Hilfesuchende stets dagewesen.

Nun sind die verantwortlichen zuversichtlich, dass sie ihre Arbeit irgendwie fortsetzen können. Die inhaltliche Ausrichtung soll möglichst ähnlich dem „Brückenbauer“-Projekt sein, so Peter Engebrecht. Finanziell möglich gemacht haben das Projekt „Brückenbauer“ die Evangelische Landeskirche und das Deutsche Hilfswerk der Fernsehlotterie. Unterstützung kam auch von den beiden Dekanaten Kulmbach und Thurnau.

Bild: Fachbereichsleiter Peter Engelhardt und Projektleiterin Vanessa Druse-Baum haben sich im Rahmen des Projekts „Brückenbauer“ um junge Geflüchtete gekümmert.

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02.08.2020

Aufbruch in den Frankenwaldr/ Ehepaar Ulrike Schorn und Markus Müller werden heute als neue Dekane von Kronach-Ludwigstadt in ihr Amt eingeführt

Kronach. Pfarrersehepaare, die zusammen eine Stelle besetzen, sind gar nicht einmal so selten. Eine geteilte Dekanatsstelle schon eher. Da gibt es bayernweit nur ganz wenige. Künftig auch im oberfränkischen Dekanat Kronach-Ludwigstadt, wo Ulrike Schorn und Markus Müller von Regionalbischöfin Dorothea Greiner in ihr Amt eingeführt wurden.

„Wir teilen schon immer, wir kennen es nicht anders“, sagt das Paar, das zuletzt 15 Jahre lang gemeinsam die Pfarrstelle im mittelfränkischen Gutenstetten im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim innehatte. Das sei wirklich ein großes Glück gewesen, sagt Ulrike Schorn. Die beiden sind Jahrgang 1964 und haben an der theologischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen promoviert.

Großen Wert legen sie darauf, dass sie sich den Dekanatsbezirk Kronach-Ludwigstadt nicht regional aufteilen werden, höchstens funktional. Ganz wichtig ist ihnen auch, das sie weiterhin Pfarrer bleiben werden: „Wir wollen weiter mit Menschen zu tun haben und sie auf all ihren Lebenswegen begleiten“. Die theologische Reflexion dürfe schließlich nicht zu kurz kommen, oder anders ausgedrückt: „Unser Ziel ist es, einfach von Gott zu reden.“

Christsein habe stets mit Aufbruch zu tun, erklärt Markus Müller den Schritt in den Frankenwald. Unter Gottes Segen immer wieder neu aufzubrechen, darum gehe es ihnen. Dabei sind beide von klein auf eng mit Franken verbunden. Ulrike Schorn wurde als Pfarrerskind in Nürnberg geboren, wuchs in Fürth auf, lebte eine Zeit lang in Ebrach und besuchte in Schweinfurt das Gymnasium. Sie studierte in Heidelberg, Wien und Erlangen und ein halbes Semester am Max-Planck-Institut in Jerusalem. Später war sie unter anderem an der Theologischen Fakultät der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz als Assistentin tätig.

In Gutenstetten war Ulrike Schorn Dekanatsbeauftragte für die Notfallseelsorge und daneben auch theologische Referentin für das Museum Kirche in Franken in Bad Windsheim, eine Einrichtung die Einblicke in die Geschichte, Traditionen und Formen des fränkischen Protestantismus gibt. Besonders geprägt worden sei sie von nahezu lebenslangen freundschaftlichen Kontakten nach England.

Ehemann Markus Müller bezeichnet sich als halber Mittelfranken. Er stammt aus Dietersheim bei Neustadt/Aisch, wo er auch aufwuchs und zur Schule ging. Während seines Studiums verbrachte er ein Jahr an der Duke University Durham im US-Bundesstaat North Carolina. Während seiner Zeit in Gutenstetten war Markus Müller auch als Beauftragter für Lektoren und Prädikanten im Dekanatsbezirk Neustadt/Aisch tätig. Was die beiden noch gemeinsam haben, ist ihre Liebe zum Orient und zur Archäologie. Beide waren bereits mehrfach bei Ausgrabungen in Jordanien dabei, Markus Müller sogar im LIbanon und in Syrien.

An ihrer neuen Wirkungsstätte schätzen sie die vielseitige Kirchenlandschaft mit ihrer unterschiedlichen religiösen Prägung. Viele wunderbare Menschen hätten sie bereits kennengelernt. „Wir freuen uns, auf sie zugehen und Verantwortung übernehmen zu dürfen.“

Ulrike Schorn und Markus Müller folgen auf die langjährige Dekanin Dorothea Richter, die bereits im Dezember nach 24 Jahren im Amt in den Ruhestand verabschiedet wurde. Der Dekanatsbezirk Kronach-Ludwigstadt umfasst  den gesamten Landkreis Kronach mit Ausnahme der Kirchengemeinden Mitwitz und Gössersdorf, die zu den angrenzenden Dekanaten Michelau und Kulmbach gehören. In der jetzigen Form existiert das Dekanat erst sein 2010. Zuvor war der westliche Frankenwald in die beiden Dekanate Ludwigsstadt und Kronach aufgeteilt. Aufgrund der abnehmenden Bevölkerungszahl war es damals zu einer Fusion gekommen. Im Dekanatsbezirk leben knapp 20000 evangelische Christen in 23 Gemeinden. Während die Bevölkerung der Stadt Kronach zu gut zwei Dritteln der römisch-katholischen Kirche angehört, sind die meisten Orte in der Rennsteig-Region sowie der südliche Landkreis evangelisch geprägt.

Bild: Ulrike Schorn und Markus Müller teilen sich das Dekanatsamt Kronach-Ludwigstadt. Vom Garten des Dekanats in Kronach hat man einen wunderbaren Blick auf die Festung Rosenberg.

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30.06.2020

Lektor, Landjugend und Landessynode: Unabhängig, aber konservativ; Gerhard Herrmannsdörfer wurde zum Bürgermeister von Emtmannsberg gewählt

Emtmannsberg. „Mein Hobby war immer das Ehrenamt“, sagt Gerhard Herrmannsdörfer. Er war nicht nur Gründungsmitglied des Vereins „Markgrafenkirchen“, er ist Schatzmeister in der Förderstiftung der Hochschule für Evangelische Kirchenmusik, regelmäßig ist er in seiner Heimatgemeinde als Lektor aktiv und in der noch aktuellen Amtsperiode gehört er sogar der Landessynode an. Doch das sind längst nicht alle Ehrenämter, die der  50-jährige auf sich vereint. Jetzt ist er zum Ersten Bürgermeister von Emtmannsberg, einer 1100-Einwohner-Gemeinde an der Bayreuther Stadtgrenze gewählt worden.

Große Pläne hat er, der als ehrenamtlicher Bürgermeister tätig ist und deshalb gerade seinen Full-Time-Job als Sparkassenbetriebswirt auf 80 Prozent reduziert hat. Er möchte Emtmannsberg beispielsweise als eine Art „Hochzeitsdorf etablieren. Als Bürgermeister ist er dazu jetzt auch zum Standesbeamten ernannt worden und möchte im gerade mustergültig renovierten ehemals markgräflichen Schloss der Freiherrn von Stein standesamtliche Trauungen anbieten.

Keine 50 Meter weiter ist die stattliche Markgrafenkirche St. Bartholomäus aus dem Jahr 1667, wo die kirchliche Trauung stattfinden kann. Gefeiert wird dann wieder in den Schlossräumen, wo gerade eine ansprechende Gastronomie eröffnet wurde. „Manchmal sind die kirchlichen Hürden zu hoch“, sagt Herrmannsdörfer. Das müsse man den Leuten den Weg bereiten und entsprechende Pakete anbieten. Er selbst war der Erste, der im Schloss standesamtlich  geheiratet hat. Das war am Silvestertag 2018. Die kirchliche Heirat fand dann in der Schlosskirche zu Wittenberg statt, weil seine Frau von dort stammt.

Heimatverbunden sei er schon immer gewesen, sagt der Bürgermeister. So war er schon in jungen Jahren zur Landjugend gekommen und hatte sich dort mächtig engagiert. Im Rahmen der „72-Stunden-Aktion“ organisierte er beispielsweise eine Jugendwerkstatt und richtete zusammen mit den anderen den gesamten Kirchplatz her. Über den Bayreuth Kreisjugendring, dem er zehn Jahre lang als Vorsitzender vorstand, und über sein politisch ausgerichtetes Elternhaus kam er auch in die Politik. 2002 gründete er eine Unabhängige Bürgerliste für die Emtmannsberger Ortsteile Troschenreuth und Hauendorf und schaffte es auf Anhieb in den Gemeinderat. Als „Stimmenkönig“ wurde er 2014 Zweiter Bürgermeister. Jetzt gehört er der Wahlgemeinschaft Bayreuth an, deren Fraktionsvorsitzender er im Kreistag ist. „Ich wollte Politik immer ohne Parteibuch machen“, sagt er. „Unabhängig, aber konservativ ausgerichtet“, so sein Credo.

Parallel dazu entwickelte sich auch Hermannsdörfers reges kirchliches Engagement. Weil ihm die Kirchenmusik ganz besonders am Herzen liegt, ließ er sich 2008 zum Schatzmeister in der Förderstiftung der Hochschule für Evangelische Kirchenmusik in Bayreuth wählen, ein Amt, das er bis heute ausübt. „Kirchenmusik ist ein wichtiger Schlüssel, um mehr Menschen in die Kirche zu  bringen“, davon ist er überzeugt. 2014 kandidierte er dann „als Seiteneinsteiger“ für Landessynode und wurde auch Anhieb gewählt, obwohl er weder dem Kirchenvorstand, noch dem Dekanatsausschuss angehörte. In der Synode ist er Mitglied des Finanzausschusses. In der neuen Zusammensetzung wird er allerdings nicht mehr vertreten sein, er ist nur noch Ersatzsynodaler.

Ganz wichtig sind ihm regionale Wirtschaftskreisläufe und so war er auch maßgeblich an der Gründung des Emtmannsberger Dorfladens beteiligt. Das Vorzeigeprojekt hat es als „kleinster Dorfladen Bayerns“ mittlerweile zu landesweiter Berühmtheit gebracht.

Für die Zukunft möchte er als Bürgermeister auch weiterhin auf eine enge Verknüpfung zwischen Gemeinde und Kirche setzen. Beispielsweise bei der Durchführung von Veranstaltungen wie dem beliebten Adventsmarkt. Er möchte die Kindertagessstätte ausbauen und Emtmannsberg für Ausflügler interessant machen. Mit dem Schloss und der Markgrafenkirche habe seine Gemeinde die besten Voraussetzungen dazu.

Eine Besonderheit prägt den kleinen Ort Emtmannsberg: die Dekanatsgrenze verläuft mitten durch das Gemeindegebiet. Historisch bedingt gehört ein Teil zum Dekanat Bayreuth-Bad Berneck, der andere zum Dekanat Pegnitz.

Bild: Bürgermeister Gerhard Herrmannsdörfer vor dem Markgrafenwappen am Schloss Emtmannsberg.

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21.06.2020

Beten im Gottesgarten der Religionen

Bamberg. Viel mehr als ein Überbleibsel der Landesgartenschau 2012 in Bamberg ist die Gebetsstele am Ort der Stille auf dem Erba-Gelände. Sie ist auch heute noch, eingerahmt von Hecken und somit den Blicken von außen entzogen, ein vielbesuchter Ort des Gebets und der Meditation. Die Gebetstele aus Keramik hat einen dreieckigen Grundriss. Auf ihren drei Seiten steht das jeweils wichtigste Gebet der drei Weltreligionen in der Originalsprache und in einer deutschen Übersetzung.

Erstmalig in der Geschichte der Landesgartenschauen hatte es 2012 ein gemeinsames Projekt dreier Religionen gegeben: Katholische und evangelische Kirche, Israelitische Kultusgemeinde und die türkisch-islamische Gemeinde Bambergs präsentierten einen „Gottesgarten der Religionen“. Damit sollte vor allem ein Zeichen für das Miteinander gesetzt werden, wobei besonders gemeinsame Werte und Anliegen als verbindendes Element herausgestellt wurden.

Die Bamberger Gebetsstele vereint das „Schma Israel“ („Höre Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig“) auf Hebräisch und Deutsch, die erste Sure („Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes“) aus dem Koran auf Arabisch und Deutsch sowie das Vaterunser, das am weitesten verbreitete Gebet des Christentums, das alle Konfessionen vereint. Auf der Stele steht es in der heute gebräuchlichen deutschen Fassung sowie im griechischen Ursprungstext aus dem Matthäusevangelium.

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15.06.2020

„Fenster nach außen und Tür nach innen“ / Evangelische Bildungsarbeit wird neu ausgerichtet – Bayreuth nimmt Vorreiterrolle ein

Die evangelische Bildungsarbeit stellt sich derzeit neu auf. »Mit reinen ehrenamtlichen Strukturen können die Aufgaben einfach nicht mehr bewältigt werden«, nennt Jürgen Wolff, geschäftsführender Vorstand des Evangelischen Bildungswerkes Oberfranken-Mitte einen der Gründe. Zum neuen EBW gehören neben Bayreuth und Bad Berneck seit 2008 auch Pegnitz und seit dem zurückliegenden Jahr auch Kulmbach und Thurnau.

Wolff spricht von einer Vorreiterrolle nicht nur in Oberfranken, sondern in ganz Bayern. In den übrigen Dekanaten des Kirchenkreises Bayreuth gebe es zwar ähnliche Überlegungen, doch in der Mitte Oberfrankens sei die Fusion bereits vollzogen worden.

Für die einzelnen Dekanate existierten eigene Arbeitsgruppen, jedes Dekanat sei mit Sitz und Stimme im Vorstand vertreten. In Bayreuth ist zwar die Geschäftsstelle, aber das Bildungswerk ist auch in der Peripherie mit Veranstaltungen vertreten. Sogar das Logo sei gleichgeblieben und an dem umfangreichen Programmangebot mit rund 19000 Teilnehmerdoppelstunden im Jahr 2019, alles Veranstaltungen, zu denen das EBW selbst eingeladen hatte, habe sich auch nichts geändert. Wolff und sein Team hoffen nun, nach Corona daran wieder anknüpfen zu können.

Die evangelische Erwachsenenbildung sieht der Religionspädagoge, der seit 1990 in Bayreuth an der Spitze des EBW steht, als »Fenster nach außen und gleichzeitig als Tür nach innen«. Wolff: »Wir sind das Fenster zur Welt und gleichzeitig die Tür zur Kirche«. Die große Stärke der Erwachsenenildung sei es abei, dass sie schon früh begonnen habe, mit Kooperationspartnern wie Vereinen oder Selbsthilfegruppen zusammen zu arbeiten. So sei die Erwachsenenbildung auch als Brücke zwischen Kirche und aktuellen gesellschaftlichen Themen zu sehen.

Auf der Suche nach neuen Bildungsmodellen wurde Mitte der 1970er Jahre die Erwachsenenbildung neu aufgestellt. »Lebenslanges Lernen« lautete das Stichwort der damaligen Zeit und so wurden unter anderem Volkshochschulen, Gewerkschaften, die Landfrauenarbeit im Bayerischen Bauernverband und eben auch die Kirchen als Bildungsträger anerkannt. In Bayreuth wurde das EBW bereits 1974 gegründet, seit 1990 steht Jürgen Wolff an der Spitze.

Zu den großen Herausforderungen der zurückliegenden Jahre zählen seinen Worten nach unter anderem die Forderungen nach Qualitätsmanagement und Zertifizierung, der hohe Aufwand rund um den Datenschutz als auch die Notwendigkeit Gelder zur Finanzierung der Arbeit über Drittmittel zu beantragen. Deshalb sei 2017 ein bayernweites Innovationsprogramm angestoßen worden, mit dem Ziel die Bildungsarbeit neu auszurichten.

Im Evangelischen Bildungswerk Oberfranken-Mitte sind zwölf Menschen in Voll- und Teilzeit sowie ehrenamtlich tätig. Auch einen Umschüler zum »Kaufmann für Büromanagement« bildet das EBW aus. Umgerechnet entspricht das fünf Vollzeitstellen.

Bild: Seit 30 Jahren leitet der Religionspädagoge Jürgen Wolff das Evangelische Bildungswerk in Bayreuth, zu dem die Dekanate Bayreuth-Bad Berneck. Pegnitz und jetztv auch Kulmbach sowie Thurnau gehören.

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06.06.2020

„Pfarrer mit Leib und Seele“ / Der Pegnitzer Dekan Gerhard Schoenauer wird am Sonntag (21.06.) in den Ruhestand verabschiedet

Pegnitz. Einen Anrufbeantworter hart es im Hause Schoenauer nie gegeben. „Die persönliche Präsenz ist mir ganz wichtig, wir sind doch schließlich für die Menschen da“, begründet Gerhard Schoenauer seine Entscheidung, wenn irgendwie möglich, immer persönlich den Hörer abzunehmen. Nach über 21 Jahren wird der Pegnitzer Dekan am Sonntag (21.06.) in den Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger wird Markus Rausch, zuletzt Pfarrer in Kirchenlamitz im Fichtelgebirge.

Schoenauers Bilanz fällt ungetrübt positiv aus. Er schwärmt richtig von der tollen Zusammenarbeit und dem extremen Engagement seiner Mitarbeiter und der vielen Ehrenamtlichen im Dekanat. Er selbst und auch seine Frau Ulrike waren freilich stets ein leuchtendes Vorbild, beispielsweise, als es darum ging, einem abgelehnten Asylbewerber aus dem Irak unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit Kirchenasyl zu gewähren. Der junge Mann wäre abgeschoben worden, wenn ihn die Schoenauers 2017 nicht drei Monate lang bei sich im Pfarrhaus aufgenommen hätten. Heute ist der Iraker längst anerkannt und arbeitet in einer Münchner Bäckerei.

Aber auch die vielen Gruppen und Kreise im Dekanat, das reiche Gottesdienstleben, die herausragende Kirchenmusik und die funktionierende Ökumene, das alles wird Schoenauer vermissen, wenn er jetzt im Ruhestand nach Nürnberg zieht. Im Großraum Nürnberg leben seine fünf Kinder Nele, Jakob, Marie, Anton und Jonas und auch die sechs Enkelkinder. Tochter Marie ist Pfarrerin in Langenzenn.

Schoenauer war freilich nicht nur Dekan und elf Jahre lang Stellvertreter von Regionalbischöfin Drothea Greiner, sondern auch Vorsitzender des Diakonievereins und teilweise Geschäftsführer des Pegnitzer Brigittenheims, einer Alten- und Pflegeeinrichtung mit 141 Betten. In die, weit über die Grenzen von Pegnitz hinaus bekannten Einrichtung hat Schoenauer richtig Leben gebracht. „Wir wollten kein Ghetto für alte Menschen, sondern ein Lebenszentrum“ sagt er. Deshalb habe man dort auch Familiengottesdienste, ja sogar Krabbelgottesdienste und viele andere Veranstaltungen durchgeführt. Als eine der wichtigsten Herausforderungen der Gegenwart bezeichnet er es, genügend Fachkräfte für die Einrichtung zu finden.

Was Schoenauer nicht mag, sind weitere Fusionen von Gemeinden. „Wir müssen zu den Leuten raus“, sagt er. „Ich kann doch nicht predigen, wenn ich nicht mit den Menschen spreche.“ Er selbst sieht sich denn auch mehr als Pfarrer und weniger als Dekan. Und zwar als „Pfarrer mit Leib und Seele“, wie er sich selbst bezeichnet. Die Nähe zu den Menschen, sei das Pfund, mit dem die Kirche wuchern müsse. „Ich kann doch das Evangelium nicht auf dem Dienstweg verkünden.“ Tatkräftig unterstützt wurde er dabei stets von seiner Frau. Ulrike Schoenauer leitete Feierabend- und Frauenkreise, führte Besuchsdienste an Geburtstagen und im Brigittenheim durch, setzte sich für Geflüchtete ein, sang in der Kantorei und spielte im Posaunenchor.

Seinen Beruf sieht er als Hobby. „Einen schöneren Beruf gibt es doch nicht“, sagt Schoenauer. Trotzdem gibt es da noch ein Hobby, das er spontan nennt: das Fußballspielen. Bis zu seinem 43. Lebensjahr war der heute 65-Jährige aktiv, heute spielt er gerne mal in einer Hobbymannschaft mit Geflüchteten. Auch Landesbischof Heinrich Bedford Strohm war schon da und hat mitgekickt.

Nun aber heißt es für Gerhard Schoenauer und seiner Frau Ulrike die letzten Umzugskisten zu packen. Dann geht es vom Pfarrhaus hinter der St. Bartholomäus-Kirche in den Nürnberger Stadtteil Altenfurt. Ganz geht er Pegnitz nicht verloren. Den Vorsitz des Diakonievereins will er noch für ein paar Jahre behalten, denn so weit weg ist Pegnitz von Nürnberg aus ja auch nicht. Vielleicht kann sogar der offizielle Abschiedsgottesdienst, der wegen der Corona-Krise ausfallen muss, im kommenden Jahr nachgeholt werden.

Bilder: Die letzten Umzugskisten packen Gerhard Schoenauer und seine Frau Ulrike im Pegnitzer Pfarrhaus. Zu den Hobbys des langjährigen Pegnitzer Dekans gehörte das Fußballspielen, gerne auch mal mit Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in einer Mannschaft.

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28.05.2020

Kein Gast – Kein Geld / Evangelisches Jugendhaus Weihermühle leidet unter den Folgen von Corona

Mainleus. Menschen, die gerne Lost Places besuchen, hätten ihre wahre Freude. Im Foyer des Jugendhauses Weihermühle in Mainleus (Dekanat Kulmbach) stapeln sich die Stühle, Sitzecken wurden zusammengeschoben, der Gästeempfang ist verwaist, alle Türen sind versperrt und der Parkplatz ist leer. Zu normalen Zeiten bevölkern Schüler, Jugendliche und junge Erwachsene das malerisch gelegene Areal mitten in der Natur. 11500 Übernachtungen waren es noch im zurückliegenden Jahr, seit Mitte März war kein einziges der 84 Betten mehr belegt, die Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit.

„Jugendarbeit lebt von analogen Beziehungen, nicht von digitalen“, sagt Stefan Ludwig, Dekanatsjugendreferent und Geschäftsführer der Weihermühle. Ein wenig traurig war er, als Anfang März die ersten Stornierungen kamen. Niemals hätte er gedacht, dass es so schlimm kommt. Den Einnahmeausfall beziffert er mittlerweile auf rund 150000 Euro. Wenn der Gast fehlt, dann fehlt halt auch das Geld, so Ludwig, der es außerordentlich bedauert, dass er die sechs Beschäftigten, Hausmeister, Hauswirtschafts- und Verwaltungskräfte, in Kurzarbeit schicken musste. Auch die drei geringfügig beschäftigten Mitarbeiter gehen derzeit leer aus.

Dabei haben die Mitarbeiter noch Glück im Unglück, denn erst seit geraumer Zeit gibt es überhaupt Kurzarbeitergeld für kirchliche Mitarbeiter. Die Landeskirche habe den Betrag außerdem auf 80 Prozent des letzten Lohnes aufgestockt. „Ein wichtiges Zeichen“, wie Ludwig feststellt. Schließlich habe man wirklich ein tolles Team, das gerade jetzt fest zusammen hält und sich mit der Weihermühle in ganz besonderem Maß identifiziert.

Ludwig spricht auch von einem hoffnungsvollen Zeichen, dass niemand entlassen werden muss und alles fest daran glauben, dass es wieder weitergeht. Möglich wäre das derzeit schon wieder, zumindest für kleine Gruppen aus dem Bereich berufliche Fort- und Weiterbildung, doch aufgrund der strengen Hygieneschutzbestimmungen dürfte die Weihermühle derzeit nur 22 Gäste aufnehmen. Anders wären die Abstandsregelungen etwa im Speisesaal nicht einzuhalten. Da rentiert sich der Betrieb einfach nicht“, so der Geschäftsführer.

Ganz untätig ist man in der Weihermühle aufgrund der Zwangspause aber trotzdem nicht. „Wir versuchen die Zeit zu nutzen und sinnvoll zu füllen“, so Ludwig. Zum einen wurde das gesamte Haus einer aufwändigen Grundreinigung unterzogen, zum anderen wurde der Sportplatz komplett neu angelegt.

Als früheste Möglichkeit, wieder Gäste zu beherbergen nennt Ludwig den 1. September. Die Anfrage einer beruflichen Gruppe läge vor, trotzdem gebe es große Rechtsunsicherheiten und unterschiedliche Empfehlungen. Das Jahr 2020 werde man trotzdem mehr oder weniger abhaken können. „Wir hoffen auf 2021“, so der Geschäftsführer.

Der fast 6,8 Millionen Euro teure Neubau der evangelischen Jugendhauses Weihermühle wurde erst 2014 eröffnet. Zu den Gästen gehörten bislang Konfirmanden- und Jugendgruppen, Schulen, private Kreise, Menschen mit Behinderungen und vereinzelt Firmengruppen. Das Angebot reicht vom Erste-Hilfe- bis zum Töpferkurs. Die evangelische Ausrichtung spielgelt sich aber auch in Bibelarbeit und Andachten wider. Die Einrichtung gehört zum Gebiet der Gemeinde Mainleus im Landkreis Kulmbach. Das Haus hat 84 Betten in modernsten Ein-, Zwei und Vier-Bett-Zimmern, bietet eine Vollverpflegung aus eigener Küche und ist barrierefrei.

Bild: Leere Betten und ein verwaistes Foyer: das evangelische Jugendhaus Weihermühle nahe Kulmbach wurde von der Corona-Krise schwer getroffen. Geschäftsführer Stefan Ludwig hofft darauf, dass es bald wieder besser wird.

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25.05.2020

Kein Motorrad am Sonntag? / Biker-Pfarrer Wolfgang Oertel wehrt sich gegen geplante Gesetzesinitiative

Untersteinach. Als „Missachtung der Religionsfreiheit“ hat der Untersteinacher Pfarrer Wolfgang Oertel eine geplante Initiative des Bundesrats bezeichnet, nach der Motorradfahrten an Wochenenden und Feiertagen künftig untersagt werden sollen. Oertel war bis vor kurzem nicht nur Männerbeauftragter der Landeskirche sondern hat es auch als Biker-Pfarrer zu überregionaler Bekanntheit gebracht.

Für den 53-Jährigen sind Motorrad-Gottesdienste eine ideale Möglichkeit, um die frohe Botschaft zu verkünden. Sie sprechen Gläubige an, denen die traditionelle Gottesdienstform weniger zusagt. Da würden Menschen, egal ob evangelisch oder katholisch, erreicht, die in einen normalen Gottesdienst gar nicht gehen würden, die sich in der Gemeinschaft der Biker aber wohl fühlen und sogar das Abendmahl mit feiern. Geht die Bundesratsinitiative durch, wäre damit Schluss, denn Gottesdienste finden nun mal in der Regel an Sonn- und Feiertagen statt. „Hier werden unsere Werte mit Füßen getreten“, sagt Oertel, der auch von einem massiven Eingriff in bürgerliche Rechte spricht.

Oertel selbst geht normalerweise Ende Juni, Anfang Juli mit einer Gruppe Gleichgesinnter alljährlich auf eine große Ganztagesfahrt. Zuletzt war die kleinste Kirche Mitteldeutschlands, die Nikolaus-Kapelle im thüringischen Dörflas nahe Schleiz das Ziel der christlichen Biker. Oertel hat in den zurückliegenden Jahren im Team auch immer wieder die bayernweite Motorradsternfahrt nach Kulmbach mit einem eigenen Biker-Gottesdienst bereichert. Da die Großveranstaltung, die heuer Corona-bedingt ausgefallen ist, immer an einem Wochenende stattfindet, wäre es auch für sie das Ende.

„Motorradfahren gibt mir Kraft und Mut für den Alltag“, so der Pfarrer, der sich im Sattel seiner Honda Chopper und draußen in der Natur Gott ein Stück weit näher fühlt. Der Gesetzesentwurf ist für ihn deshalb absolut inakzeptabel und völlig unnötig. Oertel: „Ich bin wirklich fassungslos.“ Der Pfarrer gibt auch zu bedenken, dass die Motorradsaison ohnehin nur sehr kurz ist und sich in der Regel auf die Monate April bis September beschränkt.

Der Bundesrat zielt darauf ab, dass Motorräder künftig weniger Lärm verursachen. Die Länderkammer will sich nach einem aktuellen Beschluss dafür einsetzen, dass die zulässigen Geräuschemissionen aller Neufahrzeuge begrenzt werden. Künftig soll ein Maximalwert von 80 Dezibel gelten, der in etwa der Lautstärke eines vorbeifahrenden Lkws oder eines Rasenmähers entspricht. Außerdem soll Tuning härter bestraft werden, wenn das Motorrad dadurch erheblich lauter wird. Die Länder wollen aber auch beschränkte Motorrad-Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen ermöglichen. Die Entschließung des Bundesrats geht nun an die Bundesregierung. Sie entscheidet, ob und wann sie die Anregung umsetzen will.

Bild: Wolfgang Oertel, Biker-Pfarrer aus Unterteinach bei Kulmbach mit seiner Honda vor der St.-Oswald—Kirche.

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19.04.2020

„Viacolore“ für Körper, Geist und Seele /
An der Himmelkroner Autobahnkirche entsteht ein Meditationsweg

Himmelkron. Auf dem Gelände der Autobahnkirche Himmelkron entsteht derzeit ein kleiner Meditationsweg mit mehreren großformatigen Bildtafeln. Insgesamt werden sieben Elemente mit jeweils zwei unterschiedlichen, kunstvoll farbig gestalteten Motiven aufgebaut.

Die quadratischen Tafeln aus Edelstahl sind jeweils 82 mal 82 Zentimeter groß und zeigen stilisiert beispielsweise einen Baum, eine Friedenstaube oder fließendes Wasser. Die Tafeln, die jeweils auf beiden Seiten unterschiedliche Motive abbilden, wurden in Emaille-Technik ausgeführt und stammen von dem bildenden Künstler Gerhard Böhm, der sich auch für die Werke in der Kirche, so etwa für das prächtige Altarbild, verantwortlich zeigt. Der Maler hat die Tafeln zusammen mit dem Emaille-Künstler Peter Luban aus Plauen ausgearbeitet. Luban fertigte bereits das farbenfrohe Eingangsportal der markanten Kirche nach einem Entwurf von Gerhard Böhm.

„Die unterschiedlichen spirituellen Aussagen auf der Vorder- und Rückseite der Schilderständer sollen durch die Ausdruckskraft der Farben zum Innehalten, zum Nachdenken und zum Meditieren anregen und dem Besucher kurze Momente der Besinnung und Selbstfindung schenken“, heißt es von Seiten der Stiftung Autobahnkirche Himmelkron, die für den Meditationsweg verantwortliche ist. So stehe der Baum beispielsweise für Kraft, für Leben, Werden und Vergehen, das Wasser stehe für die Taufe, aber auch für den Umweltgedanken. Nach den Worten von Pfarrer Michael Osiak soll der Meditationsweg den Menschen das geben, was sie suchen: Innere Ruhe, Erholung für Körper, Geist und Seele.

Damit die großformatigen Tafeln auch in Augenhöhe platziert werden konnten, wurden sie auf Metallröhren befestigt, die ebenfalls durch ihre Farbgebung auffallen. Die Röhren wurden jeweils blau, grün und rot gestrichen, die Farben symbolisieren den Dreiklang „Glaube, Liebe, Hoffnung“.

Die Initiatoren legen Wert darauf, dass die Bildtafeln keine Kunstausstellung sein sollen. Gleichwohl hat man sich bereits für den Namen „Viacolore“ („Straße der Farben“) entschieden. Tatsächlich lebt die Darstellung aus der Kraft der Farben, der Kraft der Symbole und ihrem wechselseitigen Zusammenwirken. Im Endausbau soll schließlich auch eine Hecke den Meditationsweg einrahmen, um Besucher von dem benachbarten Autohof abzuschirmen und so für die notwendige Ruhe zu sorgen.

 Die Idee für den Weg war in enger Zusammenarbeit zwischen der Stiftung und der der Kirchenverwaltung entstanden. Bezuschusst wird das Vorhaben von der Gemeinde Himmelkron und von der VR Bank Oberfranken West. Trotzdem ist die Finanzierung des Vorhabend noch nicht sichergestellt, so dass derzeit noch kein Zeitpunkt für die offizielle Einweihung genannt werden kann.

Bild: Die ersten großformatigen Bildtafeln für den neuen Meditationsweg wurden bereits in Sichtweite zur Autobahnkirche aufgestellt.

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19.02.2020

Vertrauensvorschuss für den Kirchenmann /
Frank Meixner ist im Kirchenkreis Bayreuth als kda-Sozialsekretär tätig

Coburg. „Wie laufen die Tarifverhandlungen?“ Diese Frage stellt der Gewerkschafter, wenn er in einem Betrieb kommt. Der Mann von der Kirche stellt die Frage anders: „Wie geht es dir?“ So erklärt Frank Meixner das Verständnis seiner Tätigkeit. Der 59-Jährige ist der für den Kirchenkreis Bayreuth zuständige kda-Sozialsekretär. Kda steht für den kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der evangelisch-lutherischen Landeskirche. Frank Meixner betreut die Regionalstelle Coburg, eine von sieben in Bayern, seit 2002.

Ob der immense Stellenabbau beim Zigarettenhersteller British American Tobacco (BAT) vor einigen Jahren in Bayreuth, das Ende namhafter Polstermöbelhersteller in den Landkreisen Coburg und Kronach oder die aktuellen Turbulenzen bei den Automobilzulieferern im Raum Bamberg: Frank Meixner ist immer dort, „wo es gerade brennt“. Auch wenn es seine Aufgabe ist, die frohe Botschaft zu verkünden, geht es doch meist um ganz lebenspraktische Dinge. Wo muss ich mich melden, wenn ich arbeitslos bin? Was wird aus meinem Hauskredit? Was, wenn es in der Ehe kriselt? Mit dem Verlust des Arbeitsplatzes vor Augen wächst den Leuten alles über den Kopf, sagt der der Sozialsekretär. Ihm geht es dann vor allem darum, emotional zu helfen und notfalls auch mal das Arbeitsamt, die Krankenkasse oder einen Rechtsanwalt zu kontaktieren.

„Unser Vorteil ist es, dass wir die Arbeitswelt kennen“, sagt Meixner. Auf ihn trifft das ganz besonders zu. Der gelernte Maschinenschlosser war viele Jahre als Gruppenleiter bei der Wefa, den gemeinnützigen Werkstätten für angepasste Arbeit des Diakonischen Werkes Coburg in Ahorn tätig. In dieser Werkstatt für Menschen mit Behinderung war er sogar Mitarbeitervertreter. Schon vorher hat sich der gebürtige Coburger, der in den Haßbergen aufgewachsen ist und in Ebern zur Schule ging, gewerkschaftlich engagiert, unter anderem als Ortsjugendausschussvorsitzender der IG Metall in Coburg.

„Wenn ich von der Kirche komme, dann habe ich meist einen Vertrauensvorschuss“, sagt Meixner. Als Gewerkschafter wäre das anders. Trotzdem gibt es auch schon mal den einen oder anderen Betrieb, der ihm Hausverbot erteilt hat. „Die Geschäftsführung wollte nicht, dass ich die Leute berate.“ So einfach lässt sich Meixner freilich nicht abwimmeln. Er habe seine Beratungstätigkeit für die hilfesuchenden Menschen dann eben im nächsten Pfarrhaus durchgeführt.

Frank Meixner hat viele Themen, die ihn umtreiben. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, lautet einer seiner Grundsätze. Das gelte aber nicht nur für Mann und Frau, sondern auch für Ost und West. Auch die Tarifbindung liegt ihm am Herzen. Immer weniger Mitarbeiter sind in Betrieben tätig, die tariflich gebunden sind. Dafür gebe es immer mehr befristete Arbeitsverhältnisse, Leiharbeiter oder Teilzeitjobs. Und schließlich die Rente: „Wenn jemand seine Versicherungsjahre voll hat, dann muss er auch eine Rente bekommen, die zum Leben reicht.“

Eines seiner wichtigsten Themen ist der Schutz des Sonntags. Frank Meixner ist Sprecher der Coburger Sonntagsallianz, die es immerhin schon geschafft hat, dass Coburg die verkaufsoffenen Sonntage wegen der unklaren Rechtslage derzeit aufs Eis gelegt hat. Es könne nicht sein, dass es dem Handel nur darum geht, auf Kosten der Beschäftigten möglichst viel Gewinn zu machen, begründet er sein Engagement in dem Zusammenschluss von Gewerkschaften und Kirchen, die sich für den Erhalt des arbeitsfreien Sonntags einsetzen.

Der kda-Mann kommt immer dann in einen Betrieb, wenn es ein Problem gibt. Klar, dass diese stressige und oft belastende Arbeit einen Ausgleich braucht. Den findet Frank Meixner in alter Technik. Er hat einen kompletten Maschinenparkt zuhause und repariert gerne alte Traktoren. Auch der Sport ist für den Ausgleich immer gut. Früher spielte er Fußball als Vorstopper beim Bezirksligisten Memmelsdorf, heute fährt er die 18 Kilometer von seinem Wohnort im thüringischen Ummerstadt nach Coburg gerne mit dem Fahrrad.

Der kda ist die Facheinrichtung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern für die Bereiche Arbeit, Wirtschaft und die damit zusammenhängenden Themen. Der kda hält im Auftrag der Kirche Kontakt zu den Organisationen und Verbänden in Arbeit, Wirtschaft und Sozialpolitik. Gegliedert ist der kirchliche Dienst in eine zentrale Stelle in Nürnberg mit Aufgaben vorrangig im Grundsatz-, Leitungs- und Verwaltungsbereich und regionale Außenstellen in Augsburg, Ingolstadt, München, Regensburg, Schweinfurt und eben Coburg mit Aufgaben vorrangig im Bereich der Kontakte in die Arbeitswelt sowie der Krisenbegleitung von Menschen und Betrieben.

Bild: Frank Meixner (59), Sozialsekretär des kda für den Kirchenkreis Bayreuth an seinem Sachreibtisch am Glockenberg in Coburg.

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13.02.2020

Frauen sind Zaungäste /
In Untersteinach gibt es einmal im Jahr einen eigenen Männergottesdienst

Untersteinach. „Männer sind anders, Frauen auch.“ Unter dieses Motto hat Pfarrer Wolfgang Oertel aus Untersteinach bei Kulmbach vor mittlerweile über zehn Jahren seinen ersten Männergottesdienst gefeiert. Für Frauen gibt es viele Angebote, den Weltgebetstag zum Beispiel oder ein Frauenfrühstück, speziell für Männer gibt es fast nichts, dachte sich der 52-Jährige, der auch Männerbeauftragter der Landeskirche ist.

„Männerarbeit ist Nischenarbeit“, sagt Wolfgang Oertel und meint damit nicht unbedingt das Fässchen Bier, die Brezen den Leberkäs und die Weißwürste, die es nach dem Männergottesdienst gibt. Ihm geht es darum, Männer mit ihren Themen „geistlich in den Blick zu nehmen“. Männer lassen sich nicht so einfach ansprechen, das hat der Pfarrer gemerkt, als er einige im Ort auf den besonderen Gottesdienst aufmerksam gemacht hat, auf der Straße oder beim Bäcker. Doch er sei ganz bewusst auf diejenigen zugegangen, die sonst nicht oder nicht immer in die Kirche gehen. Viele positive Rückmeldungen seien der Lohn für seinen Einsatz gewesen.

„Wir müssen raus aus den Kirchenmauern und ganz bewusst auf die Menschen zugehen“, so Wolfgang Oertel, der auch Mitglied der Landessynode ist. Dabei erzählt er auch gerne eine Geschichte aus dem nahen Wirsberg, ebenfalls im Landkreis Kulmbach. Dort habe es einen Pfarrer gegeben, der einmal pro Monat in das örtliche Wirtshaus gegangen ist. Seine Ansage lautete dort: „Letzter Ausschank vor der geistlichen Andacht.“ Der Kollege habe den Wirthausgästen dann die Bibel ausgelegt und die Männer seien am Ende begeistert gewesen. Viele würden noch heute davon erzählen, dass der Pfarrer zu ihnen in die heute nicht mehr existierende Wirtschaft gekommen ist. „Leider gibt es heute keine solche Wirtshauskultur mehr, sonst würde ich das auch mal in Erwägung ziehen“, so Oertel, der für seine ungewöhnlichen Aktionen bekannt ist.

In Oertels Männergottesdiensten ging es mal um Gerechtigkeit, mal um Gnade, thematisiert wurden der Raubbau am eigenen Körper oder auch ganz einfach mal männliche Vorbilder. Frauen sind dabei nur Zaungäste, ganz im Gegensatz zu den regelmäßigen Gottesdiensten vor Ort, in denen Wolfgang Oertel den Frauenanteil auf rund zwei Drittel schätzt.

Auch der Ablauf des Gottesdienstes ist ein anderer. Statt Introitus und Kyrie gibt es ein „Anspiel“, das auf das jeweilige Thema hinführen soll. Die Lesung wird mit verteilten Rollen gestaltet und die Mitwirkung des (rein männlichen) Posaunenchors und eines Männerchors seien Ehrensache. Die Predigt koste schon viel mehr Zeit, als bei einer normalen Predigt, dafür seien die Männergottesdienste aber mittlerweile auch zu einer festen Institution geworden, es gebe sogar schon richtige Fans, die selbst dann noch kommen, wenn sie gar nicht mehr in der Gemeinde wohnen.

Noch etwas hat Wolfgang Oertel festgestellt: „Männer sind ziemlich unkompliziert.“ Sie packen an, sind handwerklich geschickt und holen einen Traktor, wenn zum „Bäumstellen“ vor der Konfirmation einer gebraucht wird. Glauben, Gottesdienste oder geistliche Impulse seien da erst einmal kein Thema. Trotzdem ist ihm eines wichtig: „Die Männer sollen merken, der Glaube betrifft mich.“

Wolfgang Oertel bearbeitet auch noch ein anderes Männerthema: Er feiert alljährlich „Biker-Gottesdienste“. Ende Juni, Anfang Juli geht es alljährlich auf große Ganztagesfahrt, zuletzt war die kleinste Kirche Mitteldeutschlands, die Nikolaus-Kapelle im thüringischen Dörflas nahe Schleiz das Ziel der stattlichen Gruppe, die sich mittlerweile gebildet hat. Als Biker-Pfarrer hat er sich längst einen Namen gemacht und so bereichert Wolfgang Oertel auch alljährlich die bayernweite Motorradsternfahrt nach Kulmbach Ende April mit einem eigenen Biker-Gottesdienst. Dort freilich sind nicht nur Männer, wobei Oertel zugeben muss, dass Frauen meist als Sozia ihres Partners unterwegs sind.

Der nächste Männergottesdienst in der St. Oswald-Kirche in Untersteinach findet am 11. Oktober 2020 statt.

Bilder:
1.
Wolfgang Oertel, Pfarrer in Untersteinach (Dekanat Kulmbach), Männerbeauftragter der Landeskirche und Mitglied der Landessynode.
2.
Auch das ist Männergottesdienst: Pfarrer Wolfgang Oertel und Gerd Kammerer spielen in der St-Oswald-Kirche in Untersteinach einen Ausschnitt aus dem Theaterstück „Luther – Rebell seiner Zeit“, das die Naturbühne Trebgast im Lutherjahr 2017 uraufgeführt hat.

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07.02.2020

Kreative Gemeinde: Der Tresen als Ort der Seelsorge /
In Naila gibt es eine christliche Kneipe mit dem Namen „Täubla“

Naila. Jesus scheint eher ein geselliger Typ gewesen zu sein, einer, der sich schon auch mal mit zwielichtigen Typen umgeben hat. Davon ist Dominik Rittweg fest überzeugt. Der 32-jährige ist seit Oktober 2018 Pfarrer von Marlesreuth, mit Aufgaben der Seelsorge in Steinbach sowie der Jugendarbeit im gesamten Dekanatsbezirk Naila. Auf dem Marktplatz der 7500 Einwohner zählenden Stadt Naila, zwischen Rathaus und Diakonie, hat er zusammen mit dem Trägerverein „Hoffnung und Malz e.V.“ das „Täubla“ eröffnet, eine christliche Kneipe in einer ehemaligen Szenebar mit dem Namen „Ben“.

Jesus wäre sicher auch in die Kneipe gegangen, zumindest in diese. Wer denkt, dass es in einer christlichen Kneipe nur Knabbergebäck, Kräutertee und stilles Wasser gibt, der irrt. „Hier gibt es auch fränkisches Bier vom Fass von den Brauereien aus der Umgebung“, stellt Dominik Rittweg klar. Mit Alkohol und ohne, mit Craft Beer und sogar Szenedrinks. Doch darauf kommt es nicht an. Ihm geht es darum, die Botschaft Jesu zu verkünden, und zwar auch an diejenigen, die nie einen Fuß in eine Kirche setzen würden.

Angefangen hat alles mit dem Auftrag des Dekans Andreas Maar, etwas für junge Erwachsene zu machen. Nach einigem Hin und her kam man auf die Idee mit der Kneipe und fand am Marktplatz 10 auch gleich die richtigen Räumlichkeiten dafür. 15 Jahre lang stand das alles leer, die Stunden, die Dominik Rittweg und sein mal mehr, mal weniger großes Team seitdem in den Umbau des gepachteten Objekts investiert haben, hat niemand gezählt. Natürlich war auch Geld notwendig, und so sprangen neben dem Dekanat mit einer größeren Summe auch der bundesweit tätige gemeinnützige Verein „Andere Zeiten“, die Sparkassenstiftung, die Landeskirche, das Amt für evangelische Jugendarbeit Nürnberg und einige private Spender ein. Sogar ein Gospelkonzert wurde zu Gunsten des „Täubla“ veranstaltet.

Zielgruppe sind junge Leute, so Anfang 20. Kommen darf aber jeder, auch wenn er nur ein Bier trinken, geräucherte Würstchen mit Senf, ein Schmalzbrot oder eine Butterbrezel essen möchte. Das alles soll es geben und dazu jeweils ein warmes Gericht. Der echten fränkischen Wirtshauskultur entsprechend, darf man sogar seine eigene Brotzeit mitbringen.

„Wir wollen den jungen Leuten eine neue geistliche Heimat geben“, sagt Dominik Rittweg, für den der Tresen ein seelsorgerischer Ort ist. Junge Erwachsene, auch ganz kirchenferne, abzuholen und ihnen einen Ort zu bieten, an dem sie sich wohl fühlen, das ist sein Ziel. Hinter dem Tresen ist es gut möglich den Pfarrer selbst anzutreffen, aber auch ein Team von ehrenamtlichen und hochmotivierten Mitstreitern, die nicht nur von ihrem Leben mit Gott berichten, sondern auch anpacken, bedienen, einschenken, Teller spülen oder die Brotzeit zubereiten. Dazu seien sie extra von den Mitarbeitern eines noblen Restaurants im nahen Lichtenberg geschult worden. Sogar die Trinkgelder wollen sie immer für ein bestimmtes Projekt spenden. Sollte die Kneipe einen Überschuss erzielen, dann wird der reinvestiert. Gewinne darf die Kneipe, beziehungsweise der als gemeinnützig anerkannte Trägerverein nicht machen. Im Nebenraum gibt es außerdem eine kleine Bühne, in dem Live-Bands auftreten und die jungen Leute einfach mal ausprobieren können.

Dominik Rittweg ist begeistert, von dem großen Zuspruch, den er schon im Vorfeld erfahren durfte. Der Bürgermeister sei sofort dabei gewesen, die Ämter hätten sich sehr kooperativ gezeigt, und so mancher Nailaer konnte es sich nicht verkneifen, einfach mal hereinzuschauen und in alten Erinnerungen zu schwelgen.

Viele Gedanken hat man sich über den Namen der neuen Kneipe gemacht. „Täubla“ ist klassisch christlich die Taube, die Taube steht für den Heiligen Geist und der Heilige Geist steht für die Kraft Gottes“

Das „Täubla“ hat vorerst immer samstags ab 19 Uhr geöffnet.

Warum machen Sie das?

„Weil wir mit klassischen kirchlichen Konzepten nur noch äußerst selten junge, kirchenfremde und von der Gesellschaft weniger etablierte Menschen erreichen. Weil wir den Glauben an Jesus für junge Menschen wieder relevant machen wollen. Genau deshalb möchten wir ein offener, kreativer und schwellenarmer Ort sein, der attraktiv für junge Menschen jeglicher Herkunft ist.“

Bilder:
1. Der Pfarrer am Zapfhahn: für Dominik Rittweg nichts Besonderes. Hier ist er fast jeden Samstag ab 19 Uhr anzutreffen.
2. Katharina Krenzler und Lena Franz gestalten die Wände des Nebenraums.
3. Sie haben bis zuletzt angepackt und aus dem ehemaligen „Ben“ das „Täubla“ gemacht (von links): Emil Bogedann, Simon Drechsel, Pfarrer Dominik Rittweg, David Schatz, Andreas Weber, Katharina Krenzler und Lena Franz.
4. Pfarrer Dominik Rittweg (32) aus Marlesreuth bei Naila.
5. Dieses eigens geschaffene Logo ziert die Eingangstür der neuen Kneipe.

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08.12.2019

„Gottes Liebe in die Herzen spielen“ / Petrikirche: Neuer Stadt- und Dekanatskantor Christian Reitenspieß ins Amt eingeführt

Kulmbach. Mit einem Festgottesdienst in der Petrikirche ist am Sonntag der neuen Stadt- und Dekanatskantor Christian Reitenspieß in sein Amt eingeführt worden. Dabei gab der neue Kirchenmusiker gleich eine überaus eindrucksvolle Visitenkarte ab: als Auszugsstück spielte er das virtuose Finale aus der Orgelsymphonie Nr. 1 in d-Moll des französischen Komponisten Alexandre Guilmant, für das er am Ende des Gottesdienstes mit einem langen Applaus belohnt wurde. Zuvor leitete er bei zwei vorweihnachtlichen Kompositionen erstmals offiziell die Kantorei.

„Wir bekommen einen waschechten Franken“, hatte sich bereits zu Beginn des Gottesdienstes Dekan Thomas Kretschmar gefreut. „Einer, der unsere Sprache spricht und sehr viel Erfahrung im Haupt- und Nebenamt mitbringt“, wie es die Landessynodale und stellvertretende Kulmbacher Landrätin Christina Flauder später ausdrückte.

Tatsächlich wurde der neue Stadt- und Dekanatskantor im mittelfränkischen Diespeck, bei Neustadt an der Aisch geboren. Im nahen Markt Erlbach spielte er zum ersten Mal die Orgel. Schon vorher, im Alter von neun Jahren, begann er mit dem Klavierspiel, mit zehn Jahren folgte die Posaune, ehe er sich mit elf für die Orgel entschied. Noch etwas verbindet Reitenspieß mit Franken, in diesem Fall sogar Oberfranken: er hat in Bayreuth Kirchenmusik studiert und in Hof sein Berufspraktikum absolviert. Reitenspieß wurde am 31. Oktober nach 16 Jahren Tätigkeit an seiner vorherigen Stelle in Melsungen, südlich von Kassel, in Nordhessen verabschiedet. Zuvor war er sechs Jahre lang im südhessischen Gelnhausen tätig.

Der Einführungsgottesdienst wurde zunächst musikalisch vom Bezirksposaunenchor Kulmbach unter der Leitung von Hermann Weiß gestaltet. Nach der offiziellen Einführung durch Landeskirchenrat Manuel Ritter und Dekan Kretschmar geleitete die Vertrauensfrau des Kirchenvorstandes Anja Gimpel-Henning den neuen Kantor zu seinem Arbeitsplatz, an den Spieltisch der Rieger-Orgel.

Das Adventslied „Die Nacht ist vorgedrungen“ von Johannes Petzold war das erste offizielle Werk, das Reitenspieß intonierte. Danach folgten noch zwei A-cappella-Sätze, bei denen Reitenspieß die Kantorei auf der Orgelempore leitete: der aus dem Weihnachtsoratorium bekannte Choral „Wie soll ich die empfangen“ von Johann Sebastian Bach und die Mottete „Machet die Tore weit“ von Andreas Hammerschmidt nach Psalm 24.

Diesen Psalm stellte Landeskirchenrat Manuel Ritter auch in den Mittelpunkt seiner Predigt. Mit dem bekannten Adventslied „Macht hoch die Tür“, der Nummer 1 des Evangelischen Gesangbuchs, hatte der Gottesdienst begonnen. Der Landeskirchenrat nannte die Mottete „“Machet die Tore weit“ eine Art „gecoverte Version“ davon. Auch Musik könne die Tore öffnen und Kirchenmusik im speziellen könne dem Glauben die Bahn bereiten, sagte er.

In der katholischen Kirche werde es manchmal schon schwierig, Organisten zu finden; sagte Pastoralreferentin Bärbel Jansing von der Katholischen Kirchengemeinde Kulmbach am Ende des Festgottesdienste in einem Grußwort. Sie wünschte Christian Reitenspieß einen erfolgreichen Start, genauso wie es danach Christina Flauder im Namen des Stadt, des Landkreises und der Landessynode tat. „Sie werden uns Gottes Liebe in unsere Herzen spielen“, sagte sie und bezeichnete die Verpflichtung von Reitenspieß als einen Glücksgriff für Kulmbach.

Zu den ersten Ideen und Projekten von Christian Reitenspieß gehört die Markuspassion von Johann Sebastian Bach, die er am Karfreitag mit der Kantorei in Kulmbach aufführen möchte. Die Proben dazu sollen bereits im Januar beginnen, interessierte Sängerinnen und Sänger sind schon jetzt eingeladen. Außerdem möchte Reitenspieß ein Kindermusicalprojekt starten Dazu werden sing- und schauspielbegeisterte Kinder zwischen 8 und 13 Jahren gesucht. Kinder und Eltern sind dabei zu einem Info-Nachmittag am 14. Januar um 17 Uhr ins Kantorat am Kirchplatz 4 eingeladen. Im gewohnten 14-tägigen Wechsel wird schließlich ab dem 15. Januar um 10 Uhr im Gemeindehaus in der Goethestraße auch wieder die Seniorenkantorei starten.

Bilder:
Landeskirchenrat Manuel Ritter, Landessynodale Christina Flauder, Christian Reitenspieß un der Kulmbacher Dekan Thomas Kretschmar bei der Amtseinführung des neuen Stadt- und Dekanatskantor.

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07.11.2019

Alte Ideologie zeigt sich in neuer Dreistigkeit / „Das Problem heißt Antisemitismus“: Preise im Hofer Schülerwettbewerb vergeben

Hof. Die einen hatten die Vergangenheit der eigenen Schule kritisch unter die Lupe genommen, die anderen hatten ein beklemmendes Hörspiel über die Judenverfolgung verfasst und produziert. Veronica Tschampel von der Berufsoberschule in Hof hatte in ihrer Seminararbeit Umfragen zu jüdischem Wissen gestartet und aufwändig in der jüdischen Gemeinde recherchiert, Mustafa Alabboud bot Unterrichtsstunden für muslinische Flüchtlinge zum Thema Antisemitismus an. Teilnehmer einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme fertigten jüdische Symbole in der Metallwerkstatt an und andfere Schülerinnen und Schüler  entwickelten eine App über das jüdische Hof.

Sie alle sind Teilnehmer und Preisträger zugleich beim Schülerwettbewerb „Das Problem heißt Antisemitismus – Schicksale jüdischer Hofer im Nationalsozialismus 1933 - 1945“. Der von der Hermann- und Bertl-Müller-Stiftung ausgelobte Wettbewerb sei bei den Hofer Schulen auf großes Interesse gestoßen, sagte die Stiftungsvorsitzende Gisela Strunz. Zahlreiche Schülerinnen und Schüler hätten zusammen mit ihren Lehrkräften mit großem Engagement und Zeitaufwand beeindruckende, ideenreiche und anrührende Beiträge auf hohem Niveau erarbeitet, so Ilse Emek, Geschäftsführerin der Volkshochschule Hofer Land. Die VHS hatte auch die Organisation und Koordination des Wettbewerbs übernommen.

Auslöser für den Wettbewerb war der zunehmende Antisemitismus in Teilen der Gesellschaft sowie einer ebenfalls zunehmende Unkenntnis über den Holocaust, auch und gerade unter Jugendlichen. Ziel des Wettbewerbs solle es deshalb sein, die notwendige historisch-politische Bildung zu intensivieren und bestenfalls Schülerinnen und Schüler als Akteure zu gewinnen.

Ein weiteres Ziel war es, auf Grundlage der Forschungsarbeit von Ekkehard Hübschmann zum „Schicksal der jüdischen Hofer im Nationalsozialismus“ bei den Jugendlichen mittels des lokalen Bezuges emotionale Verbundenheit mit den damaligen Opfern zu erreichen und zur Reflexion über Ungerechtigkeit, Ausgrenzung, Gewaltbereitschaft, das Entstehen von Verfolgung und jüdischem Massenmord anzuregen. Die jüdischen Hofer sind nicht anonyme Opfer, sondern „ganz normale“ Mitmenschen mit Familie, Beruf und unter-schiedlicher Glaubenszugehörigkeit.

Bayerns Antisemitismusbeauftragter und früherer Kulturminister Ludwig Spaenle fand bei der Preisverleihung deutliche Worte: „Die Fratze dieser Ideologie zeigt sich wieder in neuer Dreistigkeit, und zwar nicht nur auf Schulhöfen und Stammtischen, sondern auch in den asozialen Medien“, so Spaenle. Antisemitismus komme der Pest gleich und sei nichts anderes als pure Menschenverachtung.

Jakob Gonczarowski, der Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde in Hof verlas eine Grußbotschaft von dem terminlich verhinderten Präsidenten ndes Zentralrats der Juden in Deutschland Josef Schuster. Es komme einem Wunder gleich, dass der Mörder von Halle kein Blutbad in der Synagoge anrichten konnte, hieß es da. Judenfeindlichkeit sei in Halle auf fruchtbaren Boden gefallen. Nach den Worten Gonczarowskis gab es in den 1930er Jahren in Hof noch 160 Juden. „Sie wurden ausgegrenzt, entrechtet, vertrieben und ermordet.“ 1945 habe es in Hof keine Juden mehr gegeben.

Nachdem alle zehn eingereichten Beiträge von acht Schulen und Bildungseinichtungen mit zusammen weit über 1200 jungen Leuten von herausragender Qualität wearenm, gab es keine Platzierungen bei dem Wettbewerb. Die teilnehmenden Schulen waren die Christian-Wolfrum-Mittelschule, die Hofecker Mittelschule, die Münster-Mittelschule, das Jean-Paul-Gymnasium, das Johann-Christian-Reinhart-Gymnasium, das Schiller-Gymnasium sowie Veronice Tschampel von der BOS, die berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme Metall der VHS  und die VHS-Integrationsklasse unter Mustafa Alabboud.

Er sei froh, dass dieses dunkle Kapitel der Hofer Stadtgeschichte auf so eindrucksvolle Art und Weise aufgearbeitet wird, sagte der Hofer Dekan Günther Saalfrank. Er nannte es bemerkenswert, dass so viele junge Leute das Thema u ihrer Sache gemacht hätten. Gleichzeitig habe die Arbeit des Historikers Ekkehard Hübschmann auch deutlich gemacht, wie viele evangelische Christen damals in die Irre gelaufen sind und sich von dem braunen Gedankengut haben anstecken lassen. Geraqde in Hof: Hübschmann hatte in seiner Arbeit unter anderem von einem Deutschen Tag in Hof bereits im Jahr 1923 mit 150000 Teilnehmern berichtet. Ein Bestandteil dieses Deutschen tages sei auch ein Festgottesdienst af den Saale-Wiesen gewesen.

Bilder:
1. Der Innenhof der VHS Hofer Land bildende den feierlichen Rahmen für die Preisverleihung des Wettbwerbs  „Das Problem heißt Antisemitismus – Schicksale jüdischer Hofer im Nationalsozialismus“.
2. Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle VHS-Geschäftsführerin Ilse Emek, Preisträger Mustafe Alabboud, VHS-Koordinatorin Ingrid Ey und Stiftungsvorsitzende Gisela Strunz (von links).

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11.09.2019

Auskunftsstelle, Altkleiderkammer und Aufwärmstube  / 30 Jahre Deutsche Einheit: Die Hofer Bahnhofsmission spielte damals eine wichtige Rolle

Hof. Sie alle waren sich des historischen Augenblicks durchaus bewusst, damals im Herbst 1989, als die Züge mit DDR-Bürgern auf dem Hofer Bahnhof ankamen: die Mitarbeiter der Bahnhofsmission. Aktiv ist von den damaligen keiner mehr, aber irgendwie war fast jeder Hofer damals mit dabei. „Es herrschte wochenlang Ausnahmezustand“, erinnert sich Anne Müller. Die heute 82-Jährige war von 1974 bis 1997 als hauptamtliche Mitarbeiterin der Caritas für die Bahnhofsmission zuständig. Auch damals war sie mitten im Geschehen, wie überhaupt die Bahnhofsmission vor 30 Jahren eine wichtige Rolle spielte.

Zugegeben, Bahnhofsmission, das klingt wie aus einem alten Film in Schwarzweiss. Tatsächlich wurde andere Stationen, etwa am Bahnhof von Bahnberg oder von Ludwigstadt längst geschlossen. Nicht so in Hof, einem der größten Umsteigebahnhöfe Bayerns. Frank Schaal (57), heute der einzige hauptamtlicher Mitarbeiter der Einrichtung, die von Caritas und Diakonie gemeinsam getragen wird, kommt auf rund 14000 Kontakte jährlich, das sind rechnerisch 38 Begegnungen und damit Hilfeleistungen pro Tag. Freilich nur rechnerisch, eigentlich sind es noch viel mehr, denn Samstag und Sonntag hat die Bahnhofsmission mittlerweile leider geschlossen.

Ungefähr zwei Drittel der Kontakte finden draußen, auf dem Bahnsteig statt, ein Drittel sucht die drei hohen Räume am Ende des Bahnsteiggebäudes auf. Die Deutsche Bahn stellt die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung, alles andere läuft über Geld- und Sachspenden und anderen Zuwendungen. „Wir haben so gut wie keine Sponsoren“, klagt Annemarie Meyer von der Caritas. Bis auf Frank Schaal sind die vier jetzigen Mitarbeiter an den Werktagen zwischen 9 und 16 Uhr ehrenamtlich tätig, nach Bedarf kommt auch noch ein Praktikant dazu.

Die Palette der Hilfeleistungen reicht von der einfachen Auskunft für Reisende über Erste-Hilfe-Leistungen bis hin zu der Funktion als Wärmestube für Obdachlose. „Getränke sind immer da“, sagt Frank Schaal, für den Kaffee müsse man 30 Cent verlangen. Sogar eine kleine Kleiderkammer gibt es vor Ort. „Vieles hat sich geändert, die soziale Kompetenz ist heute wichtiger geworden“, so Susanne Kleinlein von der Diakonie. Sie bezeichnet die Bahnhofsmission als niederschwelliges Angebot und als neutrale Vermittlungsstelle.

Wenn  Frank Schaal und seine Mitstreiter damals auch noch nicht bei der Bahnhofsmission waren, so waren sie doch am Bahnhof, als die völlig überfüllten Züge teilweise im Viertel-Stunden-Takt ankamen. Es gibt kaum einen Hofer, den dies damals kalt gelassen hätte. Verplombte Züge, so was hatte damals noch keiner gesehen. Bei den Zügen, die über Ungarn kamen, hatten die Flüchtenden nicht einmal mehr einen Pass. „Man hat ihnen praktisch ihre Identität genommen“, schüttelt Frank Schaal noch heute dem Kopf.

Susanne Kleinlein, die ebenfalls vor Ort war, erinnert sich noch an die großen Berge mit Kleiderspenden, die von Hofer Bürgern in Windeseile gesammelt worden waren. „Da sind einem schon die Tränen gekommen“, sagt sie. Werner Roland (65) , der damals bei der Stadt Hof beschäftigt war, half damals mit, das Begrüßungsgeld auszuzahlen.  In seiner alten Aktentasche hatte er tatsächlich rund 100000 D-Mark durch die halbe Stadt getragen.

„Es war schon eine tolle Zeit“, so Anne Müller, die damals die Bahnhofsmission leitete. Die Züge seien unvorstellbar vollgestopft gewesen, die Bahnsteige ebenfalls: „Ich bin froh, dass es weder Tote noch Schwerverletzte gab“, so Müller. Besonders eindrucksvoll habe sie damals auch die Solidarität der Hofer empfunden, die nach entsprechenden Aufrufen im Lokalradio ganze Familien aus der DDR kurzerhand bei sich übernachten ließen. So auch Susanne Kleinlein, die sogar heute noch Kontakt zu den Menschen von damals hat.

Für Frank Schaal hatte das Ganze auch etwas Unheimliches. Man sei sich bewusst gewesen, „dass sich etwas rührt, dass sich etwas tut, dass was passiert“. Das war auch so und glücklicherweise völlig friedlich. Für ihn sei spätestens dann klar gewesen, dass die DDR keinen Bestand hat, als er beruflich für eine Krankenkasse in den ersten Monaten nach Sachsen kam. 20 DDR-Pfennige habe ein Stück Kuchen damals gekostet, bei einem damals amtlichen Wechselkurs von 1:3 also sieben Pfennige nach West-Rechnung. „Da war für mich klar, dieses System kann nicht weiter existieren.“

Bild: Sie sind und waren für  die Bahnhofsmission in Hof zuständig (von links): Werner Roland, Annemarie Meyer, Anne Müller, Susanne Kleinlein und Frank Schaal.

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15.08.2019

Gelebte Volksfrömmigkeit: „Hammricher Frauentag“ in Mehlmeisel

Mehlmeisel. Nach alter Tradition wird im Mehlmeisler Ortsteil Unterlind an Mariä Himmelfahrt der „Hammricher Frauentag“ gefeiert. Mittelpunkt ist alljährlich der Feldgottesdienst mit Kräuterweihe an der kleinen Kirche, die Freiherr von Altmannshausen 1686 errichten ließ.

Über 1000 Jahre alt ist der Brauch, für die Weihe einen Strauß aus Kräutern und Blüten zu binden, die um den Frauentag herum den intensivsten Duft und die stärkste Heilkraft haben. Auf langen Tischen und in großen Körben stapeln sich Kräuter, Lavendel, Schafgarbe, Rainfarn, Minze, Johanneskraut, Frauenmantel und vieles mehr – die, ergänzt mit bunten Blumen, als Huldigung an die Mutter Gottes zu duftenden Sträußen gebunden werden. Das ist gelebte Volksfrömmigkeit waren sich sämtliche Teilnehmer einig.

Die Büschel, die der örtliche Fichtelgebirgsverein vor dem Gottesdienst zugunsten des Hammerkirchls anbot, werden nach der Segnung zum Schutz vor negativen Einflüssen für Haus und Hof zuhause aufgehängt. Das Fest wird alljährlich im Wechsel von den drei „Hammricher“ Vereinen ausgerichtet – diesmal von der Freiwilligen Feuerwehr Unterlind, die ein attraktives Rahmenprogramm vorbereitet hatte.

Die Feierlichkeiten begannen an Maria Himmelfahrt traditionell bereits um 6 Uhr in der Früh mit dem Weckruf. Später ziehen die Gläubigen von der Festhalle zur Pfarrkirche zur Abholung der Vereine. Von dort aus ging es dann zum Hammerkirchl, wo der Gottesdienst mit Kräuterweihe gefeiert wurde. Zahlreiche Fahnenabordnungen der örtlichen Vereine sorgten beim Open-Air-Gottesdienst für einen würdigen Rahmen. Monsignore Harald Scharf kritisierte dabei, dass viele Menschen in der heutigen Zeit auf höchstem Niveau jammern. Er plädierte auch dafür, den Namen Gottes in die europäische Verfassung aufzunehmen.

Danach folgte ein Frühschoppen mit den Original Fichtelgebirgsmusikanten und den vielen Ehrengästen mit Bürgermeister Franz Tauber, Altbürgermeister Günther Pöllmann, der Bundestagsabgeordneten Dr. Silke Launert, den Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer und Martin Schöffel und vielen anderen. Den ganzen Tag über war um die Festhalle herum großer Marktbetrieb mit einem vielseitigen Angebot.

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15.05.2019

Veränderungen mit Optimismus begegnen / Diakoniepräsident Ulrich Lilie beim Evangelischen Bildungswerk Münchberg

Münchberg. Das 21. Jahrhundert ist auch das Jahrhundert der großen Chancen. Diese Ansicht hat Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland, am Mittwoch (15.05.) bei einer Veranstaltung des Evangelischen Bildungswerkes Münchberg vertreten. In einer Welt, die immer unterschiedlicher wird, gebe es große Chancen zu mehr Zusammenarbeit, Zusammenhalt und Kooperation und damit zu neuer Identität, zu Vertrauen und Sicherheit, sagte Lilie im Gespräch mit dem Hofer Journalisten und Buchautor Gerd Böhm in Münchberg.

Zuvor hatte der Diakoniepräsident den tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel skizziert, in dem sich nicht nur Deutschland aktuell befinde. Ulrich Lilie rief aber auch dazu auf, allen Veränderungen mit Optimismus zu begegnen. Als Symbolfigur dieser Veränderung bezeichnete er die schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg. Allerdings sprach sich Lilie dafür aus, eine neue Integrationsbewegung und keine Protestbewegung zu starten. Als Grundpfeiler nannte er Zusammenhalt und Gerechtigkeit.

Zu den nationale Veränderungen gehörten nicht nur die Tatsachen, dass Deutschland sozial immer ungleicher und die Gesellschaft immer älter werde, zum ersten Mal überhaupt gehörten in diesem Jahr weniger als die Hälfte aller Deutschen einer christlichen Kirche an. Auch die Auswirkungen der Digitalisierung sind nach den Worten des Präsidenten noch gar nicht abzusehen. So finde immer weniger echte, „analoge“ Kommunikation statt, was dazu führe, dass konstruktive Auseinandersetzungen ausbleiben. Viele Menschen fühlten sich ausgegrenzt und glauben, sie würden nicht mehr gehört. „Wir müssen deshalb wieder neu lernen, hinzusehen und uns gegenseitig zuzuhören“, so Lilie.

Skeptisch sah der Diakoniepräsident die Einführung eines immer wieder geforderten sozialen Pflichtjahres. „Junge Leute, die ältere Menschen pflegen oder Kinder beaufsichtigen sollen, müssen das von sich aus wollen, andernfalls geht es nicht gut“, sagte er. Positiv stand er dagegen einem Bonus-System gegenüber, das diejenigen belohnt, die sich engagieren. Dies könnte etwa durch bessere Chancen beim Numerus Clausus, durch Bevorzugung bei der Bewerbung um eine Lehrstelle oder spätere bessere Förderungen geschehen.

Zuvor hatte Gunter Maasberg, Vorstandsmitglied des Evangelischen Bildungswerkes Münchberg herausgestellt, dass Protestanten immer auch politische Menschen sein sollten. „Vor dem Hintergrund von Fake News, Wutbürgern, Shit Storms und Parallelgesellschaften sind wir aufgefordert, Position zu beziehen“, so Maasberg.

Bild: Diakoniepräsident Ulrich Lilie bei einer Veranstaltung des Evangelischen Bildungswerkes Münchberg im Gespräch mit dem Hofer Journalisten und Buchautor Gerd Böhm.

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13.03.2019

Landesbischof als Linksaußen /
Heinrich Bedford-Strohm besuchte Pegnitzer Dekanat – Fußballspiel mit Flüchtlingen

Pegnitz. Mit einem Besuch des Brigittenheims und einem außergewöhnlichen Fußballspiel hat der Besuch von Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm im Dekanat Pegnitz begonnen. Dabei traten Bedford-Strohm und der Pegnitzer Dekan Gerhard Schönauer zusammen mit Spielern aus Pfadfindergruppen in der Christian-Sammet-Halle gegen eine Fußballmannschaft aus Flüchtlingen, Zugereisten und Bürgermeister Uwe Raab an.

Dekan Schönauer hatte schon vor rund 40 Jahren zusammen mit Bedford-Strohm in Erlangen in einer Fußballmannschaft gespielt. Schönauer war damals Studieninspektor, der heutige Landesbischof hatte gerade sein Studium begonnen. In Erlangen seien öfter Studentenmannschaften aus den verschiedenen Wohnheimen gegeneinander angetreten, erinnerte sich Schönauer. Während der Dekan damals wie heute im Mittelfeld agierte, besetzte Bedford-Strohm die Linksaußenposition im Sturm.

Völlig zweitrangig war in Pegnitz das Ergebnis. Am Ende siegte die Kirchenmannschaft mit 8:4. Aus sportlicher Sicht interessant waren höchstens die beiden Tatsachen, dass das 1:0 für die Mannschaft des Landesbischofs schon nach rund drei Minuten durch ein Eigentor der Flüchtlingsmannschaft zustande kam und dass Bedford-Strohm sich mit dem vierten Tor für seine Mannschaft selbst in die Torschützenliste eintragen konnte. Als erfahrener Schiedsrichter fungierte dabei das örtliche Fußball-Urgestein Klaus Gebhardt vom ASV Pegnitz.

Bedford-Strohm, zugleich Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands, besuchte neben dem Brigittenheim auch das Integrationshaus, feierte einen großen Festgottesdienst in der St.-Bartholomäus-Kirche und lud zu einem Empfang in das Gemeindehaus ein. Am zweiten Tag des Besuchs standen Firmenbesuche auf dem Programm.

Im Integrationshaus machte sich der Bischof ein Bild von der dortigen Integrationsarbeit, die zusammen mit dem Arbeitersamariterbund durchgeführt wird. Nach den Worten der Integrationsbeauftragten Veronika Kobert werden dort Hausaufgabenbetreuung, Erste-Hilfe-Kurse, Yoga-Stunden und zusammen mit der Caritas auch Sprechstunden zu den Themen Flucht und Migration angeboten. „Wir haben an manchen Tagen zwischen 30 und 50 Besucher“, sagte Veronika Kobert.

Finanziert wird diese Flüchtlingsarbeit mit Fördergeldern aus der Gemeinschaftsinitiative Nationale Stadtentwicklungspolitik, privaten Spenden aus der heimischen Wirtschaft und einem Zuschuss der Evangelischen Landeskirche. Pegnitz ist eine von zehn Städten, die von der Nationalen Stadtentwicklungspolitik gefördert wurden. Dabei handelt es sich um eine Initiative von Bund, Ländern, Deutschem Städtetag und Deutschem Städte- und Gemeindebund.

Integrationsbeauftragte Veronika Kobert unterstützt die in Pegnitz lebenden Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund bei allen alltäglichen und organisatorischen Belangen, bei denen Hilfebedarf besteht. Sie ist die lokale Ansprechpartnerin für die Behörden und Vereine, Schulen und Kindergärten sowie ehrenamtliche Helferinnen und Helfer in Pegnitz.

Fotos: Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm beim Fußballspiel in der Pegnitzer Christian-Sammet-Halle.

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05.03.2019

Pfiffiger Name und gute Idee / Projekt „Auf Rädern zum Essen“ ausgezeichnet

Kulmbach. Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Kulmbach-Petrikirche ist von der Diakonie und der Landeskirche für ihr Projekt „Auf Rädern zum Essen“ ausgezeichnet worden. Das Projekt ist Teil der Initiative f.i.t („fördern-initiativ werden-teilhaben“). Jährlich werden dabei drei Gemeinden ausgezeichnet, deren Projekte ein Preisgeld von jeweils 5000 Euro erhalten.

„Wir wollen zeigen, dass auch an der Basis ganz herausragende soziale Projekte verankert sind“, sagte der Präsident der Diakonie Bayern Michael Bammessel bei der Übergabe des Preises im Evangelischen Gemeindehaus in Kulmbach. „Auf Rädern zum Essen“ bezeichnete er als ganz einfache, aber sehr gute Idee mit einem pfiffigen Namen, das vor allem von den ehrenamtlichen Helfern getragen und von der Kirche unterstützt wird.

„Wenn wir den Menschen nahe sein möchten, dann brauchen wir Kirche und Diakonie gemeinsam“, erläuterte Oberkirchenrates Detlev Bierbaum die Idee, die hinter der Auszeichnung steckt. Kirche und Diakonie seien zwei Seiten der gleichen Medaille, das werde an dem Projekt „Auf Rädern zu Essen“ exemplarisch sichtbar. Schon allein, weil die Gemeinden immer kleiner werden, wird auch die Zusammenarbeit zwischen Diakonie und Kirche immer wichtiger, so Dekan Thomas Kretschmar. Das Projekt zeige was Kirche und Diakonie ausmacht, so die stellvertretende Landrätin Christina Flauder. Immer dann, wenn Not am Menschen sichtbar wird, dann seien Kirche und Diakonie zur Stelle.

Der Mittagstisch „Auf Rädern zum Essen“, der einmal im Monat stattfindet, ist ein Angebot für ältere Menschen. Die Idee dabei ist, ältere, oft allein lebende Menschen in die Gemeinschaft einzubinden und mit einem unterhaltsamen Rahmenprogramm und einem kostengünstigen Mittagsmenü in Gesellschaft mit anderen Senioren Abwechslung in ihren Alltag zu bringen.

Als Zielgruppe bezeichnet Organisatorin Pia Schmidt von der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit der Diakonie in den Dekanaten Kulmbach und Thurnau zum einen ältere Menschen generell, aber auch ältere Menschen mit speziellen Einschränkungen, vereinsamte Menschen und ältere Menschen mit Migrationshintergrund. Die meisten seien zwischen 75 und 85 Jahre alt und kommen aus Stadt und Landkreis Kulmbach. Seit Beginn des Projektes kommt Pia Schmidt auf rund 300 Teilnehmer.

Kooperationspartner sind neben dem Diakonischen Werk Kulmbach/Thurnau und der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit (KASA), der Familienentlastender Dienst (FeD), der den Fahrdienst übernimmt, und die Menüfaktur Kulmbach als Caterer. Die Räume stellt die evangelische Kirchengemeinde St. Petri zur Verfügung, Der Fahrdienst ist dabei kostenlos, für das Mittagessen werden pauschal 7,50 Euro mit Getränken fällig.

F.i.t. ist eine gemeinsame Initiative der bayerischen Landeskirche und des Diakonischen Werks Bayern, durch die landesweit 60 Projekte finanziert werden, die unter anderem älteren Menschen zu Gute kommen. Dabei werden ausschließlich Maßnahmen gefördert, die von der örtlichen Kirchengemeinde und einer diakonischen Einrichtung gemeinsam durchgeführt werden.

Bild: Kirchenrat Detlev Bierbaum (2. von links) und Diakonie-Präsident Michael Bammessel überreichten den Preis an die Ehrenamtlichen der Initiative „Auf Rädern zum Essen“: Maria Forster (links), Waltraud Lindner (2. Von rechts) und Heidi Seidel (rechts). Mit auf dem Bild ist auch Organisatorin Pia Schmidt (3. von rechts) von der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit der Diakonie in den Dekanaten Kulmbach und Thurnau.

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04.12.2018

Gemeinschaft und gesundes Essen: Nahrung für Körper und Geist /
„Auf Rädern zum Essen“: In Kulmbach gibt es einen regelmäßigen Mittagstisch für ältere und einsame Menschen

Kulmbach: Essen auf Rädern, das kennt man. „Auf Rädern zum Essen“, das ist dagegen weit mehr als ein Wortspiel. In Kulmbach ist es Realität. „Es ist eine Einladung an ältere Menschen zum Mittagessen und mehr“, sagt Organisatorin Pia Schmidt von der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit der Diakonie in den Dekanaten Kulmbach und Thurnau.

„Es ist einfach schön hier, man trifft immer nette Leute und das Essen schmeckt sehr gut“, sind sich die Senioren einig. Viele von ihnen sind von Anfang an dabei. Als Vorspeise gibt es beispielsweise Kürbiscreme- oder Griesklößchensuppe, der Hauptgang besteht aus Hähnchenbrust mit Blumenkohl und Kartoffelpüree, Schweinebraten mit Kartoffelklößen und Kaisergemüse oder Fischfilet in Dillsoße und Wildreis. Zum Nachtisch werden schließlich Obstsalat, Früchtekompott oder Quark-Creme mit Saisonfrüchten serviert.

Untersuchungen hätten gezeigt, dass sich ältere alleinlebende Menschen oft unzureichend verpflegen und wenig am sozialen Leben teilnehmen. Das sollte sich durch das ehrgeizige Projekt „Auf Rädern zum Essen“ ändern. Interessante Mittagstisch‐Angebote ermöglichten eine ausgewogene Mahlzeit, sie sorgten dafür, dass ältere Menschen durch Kommunikation wieder aktiv werden. „Aktivierung und Teilhabe, Gemeinschaft und gesundes Essen, das steht bei uns im Vordergrund“, sagt Pia Schmidt.

Ausgangspunkt für das Projekt war nach ihren Worten von der erfolgreiche Verlauf eines Café-Treffs Ladentreff des Evangelischen Gemeindehauses in Kulmbach. Dazu seien im Schnitt zwölf ältere Mitbürger jeweils ein- bis zwei Mal pro Woche zusammengekommen. „Hier finden Begegnungen statt, Menschen knüpfen Kontakte, bauen Beziehungen auf und unterstützen sich gegenseitig“, erläutert die Sprecherin.

Basierend auf dieser Erfahrung sei im Oktober 2016 die Idee entstanden, am gleichen Ort barrierefrei einen Mittagstisch anzubieten. Ehrenamtliche, die das Projekt mit unterstützen, habe man schnell gefunden. Waltraud Lindner und Heidi Seidel aus Kulmbach zum Beispiel. Beide sind von Anfang an dabei. „Wir tun, was wir können“, sagt Waltraud Lindner. Spaß mache das Ganze auf jeden Fall, so Heidi Seidel. Inzwischen sei „Auf Rädern zum Essen“ zu einem festen monatlichen Angebot geworden. Die insgesamt sechs ehrenamtlichen Helfer sind längst ein eingespieltes Team und Pia Schmidt selbst ist natürlich immer mit dabei.

Ein Rahmenprogramm rundet den gemeinsamen Vormittag ab. Dazu gehörten das Vortragen von Sagen und Märchen aus Kulmbach und Umgebung, Spiele wie etwa das überaus beliebte Bingo oder Gedächtnisübungen, Sitztänze und kleine Bewegungsübungen. Hermann Müller von der Stadt hat beispielsweise Anekdoten und Geschichten über die Esskultur auf Lager, eine Mitarbeiterin des Kulmbacher Gewürzmuseums hat Kräuter und Gewürze zum fühlen, schmecken und riechen dabei und manchmal haben die Teilnehmer sogar schon selbst etwas vorgetragen, lustige Gedichte etwa oder Geschichten aus ihrem Leben, die zu schade zum Vergessen sind.

Als Zielgruppe bezeichnet Pia Schmidt zum einen ältere Menschen generell, aber auch ältere Menschen mit speziellen Einschränkungen, vereinsamte Menschen und ältere Menschen mit Migrationshintergrund. Die meisten seien zwischen 75 und 85 Jahre alt und kommen aus Stadt und Landkreis Kulmbach.

Seit Beginn des Projektes kommt Pia Schmidt auf rund 300 Teilnehmer. Trotzdem: „Qualität ist uns wichtiger als Quantität.“ Und deshalb hören sie und ihre Mithelfer auch mal zu, wenn jemand ein Problem hat, nehmen jemanden in den Arm und suchen den Kontakt zu jedem einzelnen.

Kooperationspartner sind neben dem Diakonischen Werk Kulmbach/Thurnau und der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit (KASA), der Familienentlastender Dienst (FeD), der den Fahrdienst übernimmt, und die Menüfaktur Kulmbach als Caterer. Die Räume stellt die evangelische Kirchengemeinde St. Petri zur Verfügung, Der Fahrdienst ist dabei kostenlos, für das Mittagessen werden pauschal 7,50 Euro mit Getränken fällig.

Bilder:
1.
 Organisatorin Pia Schmidt (Mitte) mit ihren Helferinnen Waltraud Lindner und Heidi Seidel.
2.
 Der frühere Mangersreuther Pfarrer Klaus Kurau trägt Geschichten aus der Bibel vor, die von den Senioren ergänzt werden sollen.
3.
 Hier wird die Suppe vorbereitet.
4.
 Die Vorspeise wird serviert.
 

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14.11.2018

Kinderaugen sehen Frieden /
Lions unterstützen Lernwerkstatt: Ausstellung im Friedensmuseum Meeder

Meeder. Welche Gedanken sich Kinder über den Frieden machen und was sie damit verbinden, das zeigt eine Sonderausstellung im Friedensmuseum Meeder (Landkreis Coburg). Dort sind fast 50 großformatige Gewinnerplakate des Lions-Friedensplakatwettbewerbs zu sehen, die von Schülern aus Frankreich, Österreich und Deutschland gestaltet und gezeichnet wurden.

Seit 1982 erzählt das Friedensmuseum Geschichte und Geschichten vom Frieden, seit 2011 im Untergeschoss der Anna-B.-Eckstein-Schule. In dem knapp 4000 Einwohner zählenden Dorf im Coburger Land wird seit 1650 mit einem jährlichen Friedensdankfest an das Ende des 30-Jährigen Krieges erinnert.

Im Museum sind unter anderem „Friedensverwandlungen“ zu sehen, wie etwa zu Kreuzen umgeschmiedete Patronenhülsen von Kindersoldaten in Afrika, aus Geschosshülsen hergestellte Krüge aus dem Ersten Weltkrieg, ein zum Küchensieb verwandelter Soldatenhelm, Blumenvasen aus Geschosshülsen oder ein Brautkleid aus einem Militärfallschirm. Außerdem dokumentiert das Museum die Auswirkungen politischer und gesellschaftlicher Ereignisse auf die Menschen in der Region und gewährt einen Einblick in die europäische Zeit- und Kulturgeschichte durch Zeitzeugenberichte Ein eigener Raum ist der Coburger Friedensaktivistin Anna Bernhardine Eckstein (1868 – 1947) gewidmet, die weltweit rund 2000 Millionen Unterschriften zur Abschaffung des Krieges gesammelt hatte und die für den Friedensnobelpreis nominiert war.

Die jetzige Ausstellung ist Teil der Museumspädgogik unter dem Motto „Lernwerkstatt Frieden“. Dabei führen Schülerinnen und Schüler, verkleidet als Anna B. Eckstein und als Caspar Wanks (ein ehemaliger Landsknecht durch das Museum.

„Frieden ist realisierbar, nicht nur auf Kinderzeichnungen, sondern auch in der Wirklichkeit“, sagte Markus Kießling aus Würzburg, Vertreter des Lions-Club International und Schirmherr der Ausstellung bei der Eröffnung. Die Initiative dazu war von den beiden Lions-Clubs aus Coburg sowie dem Club aus dem niederösterreichischen Horn und dem französischen Vesoul ausgegangen. Die Lions stünden für Toleranz, Humanität und Bildung. Deshalb unterstützten sie den Plakatwettbewerb, der Kinder die Bedeutung von Versöhnung und Völkerverständigung nahe bringen soll.

Kießling äußerte dabei auch seine Sorge über das gegenwärtige Auseinanderdriften Europas und kritisierte, dass extremen Gruppierungen durch das Schweigen der Mehrheit die Aufmerksamkeit überlassen werde. Er rief dazu auf, zusammen mit den gezeigten Bildern eine neue Sicht auf den Frieden zu entwickeln und den Optimismus der Kinder und Jugendlichen zu teilen. Deutschland-Sieger des Lions-Plakatwettbewerbes wurde der zwölfjährige Manuel Dietz aus Bad Königshofen.

Neben Augsburg sei Meeder der einzige Ort Bayerns mit einem eigenen Friedensfest, erklärte Bürgermeister Bernd Höfer. „In Meeder hat der Frieden seit Jahrhunderten sein Fest“, so Höfer, der ebenfalls seine Sorge über „erneut aufkommende Muskelspiele“ zwischen den Weltmöchten äußerte.

Um dem etwas entgegenzusetzen wurde nach der Ausstellungseröffnung eine Plakette am Kriegerdenkmal neben der evangelischen St.-Laurentius-Kirche enthüllt, die an den Elysee-Vertrag von 1963 erinnern soll. Dieser Vertrag habe das Ende der Gewalt zwischen Deutschland und Frankreich besiegelt und zur bisher längsten Friedenperiode in der Geschichte Europas geführt, so der Bürgermeister.

Die Ausstellung „Kinder plakatieren Frieden“ ist noch bis zum 10. Februar 2019 im Friedensmuseum Meeder, Schulstraße 18, 96484 Meeder zu sehen. Das Museum ist an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr, sowie nach Vereinbarung geöffnet. Weitere Information: www.friedensmuseum-meeder.de.

Bilder:
1. Großformatige Zeichnungen von Schülern aus Frankreich, Österreich und Deutschland sind in der Ausstellung „Kinder plakatieren Frieden“ im Friedensmuseum Meeder zu sehen.
2. Friede mit Fragezeichen: Pantomime-Darstellerin Maria Krumm aus Bamberg zusammen mit Louis und Elias von der „Lernwerkstatt Frieden“ zeigten bei der Ausstellungseröffnung eine nachdenklich machende Performance.
 

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23.09.2018

„Von den großen und kleinen Wundern erzählen“ /
Sabine Winkler neue Pfarrerin in Pegnitz

Pegnitz. Die Vakanz ist beendet: die dritte Pfarrstelle in Pegnitz ist wieder besetzt. Mit einem Festgottesdienst am Sonntagnachmittag in der St. Bartholomäuskirche ist Pfarrerin Sabine Winkler eingeführt worden. Die 51-jährige ist bereits seit 1. September im Amt, zusammen mit ihrem Mann Thomas und der Tochter Hannah ist sie bereits nach Pegnitz gezogen.

In einer Zeit, in der sich immer Menschen von der Kirche abwenden, erhalte man als Pfarrerin in Pegnitz große Unterstützung, denn hier seien die Menschen überaus engagiert, sagte Dekan Gerhard Schoenauer bei der Einführung. Sehr persönliche Worte fand die neue Pfarrerin in ihrer Predigt. Ein Religionslehrer habe in ihr noch zu Schulzeiten die Lust am Nachdenken über Gott geweckt. „Von Gott erzählen, von den großen und kleinen Wundern, das wollte ich, sagte Sabine Winkler.

Bei der feierlichen Installation der neuen Pfarrerin assistierten Gisela Schleifer aus Pegnitz, Irmgard Hoffmann, Vertrauensfrau der Gemeinde in Berndorf und Patin von Winklers Tochter, die langjährige Weggefährtin Pfarrerin Andrea Möller aus Ansbach und ihr Mentor, der frühere Pfarrer Helmut Münzer aus Erding. Kirchenmusikalisch ausgestaltet wurde der Festgottesdienst vom Pegnitzer Posaunenchor und der Kantorei St. Bartholomäus unter der Leitung von Dekanatskantor Jörg Fuhr. Zu den Gratulanten bei einem anschließenden Empfang im Gemeindehaus gehörten unter anderem die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert und der Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab.

Bilder:
1. Einzug zum Festgottesdienst in die St. Bartholomäuskirche in Pegnitz: die neue Pfarrerin Sabine Winkler (hinten, 3 von rechts) und Dr. Silke Launert (5. von rechts).
2. Dr. Silke Launert (links) gratulierte der neuen Pegnitzer Pfarrerin Sabine Winkler.

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15.08.2018

„Hoffnung und Trost haben für Christen Bestand“ /
„Hammricher Frauenfest“ an Maria Himmelfahrt in Mehlmeisel

Mehlmeisel. Mit einem festlichen Gottesdienst am „Hammerkirchl“ von Unterlind, einem zünftigen Frühschoppen in der Festhalle und einem bunten Markttreiben in den Straßen haben viele hundert Besucher an Maria Himmelfahrt das „Hammricher Frauenfest“ gefeiert. Dabei handelt es sich um ein altes und traditionelles Fest der Marienverehrung, in dessen Mittelpunkt die 1686 erbaute, barocke Wallfahrtskapelle Maria Loreto („Hammerkirchl“) im Mehlmeisler Ortsteil Unterlind steht.

Als Zeichen der Hoffnung und des Trostes feiern die Christen die Aufnahme der Muttergottes Maria in den Himmel. Gleichzeitig wird im Fichtelgebirge mit der Segnung von Blumen- und Heilkräuterbüschel an die Fülle des Sommers und im übertragenen Sinne auch an die Fülle des Lebens erinnert. Hoffnung und Trost hätten für die Christen aber lange über das fröhliche Sommerfest hinaus Bestand, sagte Dekan Hans Klier aus Selb, der den Gottesdienst vor dem „Hammerkirchl“ zusammen mit dem Mehlmeisler Diakon Franz Lauterbach leitete. „Maria ist unsere treue Begleiterin durchs Leben, sie gibt Hoffnung und Trost“, so Dekan Gier, der jahrelang die Pfarreien Fichtelberg und Mehlmeisel betreut hatte.

Zuvor zogen die Vereine angeführt von der Fichtelgebirgskapelle Ebnath zusammen mit Vertretern aus Politik, darunter die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert, der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel und Bürgermeister Franz Tauber, vom Festplatz zur Pfarrkirche und von dort aus zum „Hammerkirchl“. Nach dem Festgottesdienst feierten die Gläubigen aus Mehlmeisel und Umgebung, aber auch viele Urlauber aus dem Fichtelgebirge auf dem Festplatz weiter. Ausrichter war in diesem Jahr der Soldaten- und Kameradschaftsverein Unterlind, zahlreiche Vereine aus Mehlmeisel und Umgebung sorgten mit Fahnenabordnungen für einen würdigen Rahmen.

 

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12.07.2018

Frauenhaus, Freiwilligenzentrum und Flüchtlingsfragen / Wechsel an der Spitze der Caritas Bayreuth – Bozena Schiepert folgt auf Hermann Hinterstößer

Bayreuth. Nach 36 Jahren Tätigkeit bei der Caritas, davon 32 Jahre in der Diözese hat der Caritasverband Bayreuth seinen langjährigen Geschäftsführer Hermann Hinterstößer in den Ruhestand verabschiedet. Hinterstößer war auch Geschäftsführer des Caritasverbandes Kulmbach. Gleichzeitig wurde seine Nachfolgerin in Bayreuth, Bozena Schiepert, in ihr Amt eingeführt. Sie war zuletzt Leiterin des Altenheimes St. Martin in Bayreuth.

Für die vielen Jahre seines Dienstes in Bayreuth und weit darüber hinaus bedankte sich Vorstandsvorsitzender Dieter Scholl bei Hermann Hinterstößer. Der ausscheidende Geschäftsführer habe sehr dynamische, aber auch sehr wechselvolle Jahre der Caritas miterlebt und mitgestaltet, sagte der Vorstand des Diözesan-Caritasverbandes Helmar Fexer. Heute zeichne sich der Caritasverband in Bayreuth durch seine ungewöhnlich breite Aufstellung aus, die vom Freiwilligenzentrum über das Frauenhaus und Flüchtlingsfragen bis hin zur Schuldner- und Sozialberatung reiche. Groß geschrieben werde hier das Ehrenamt, sagte Fexer.

Die Stadt wisse sehr wohl, was sie an der Caritas hat, sagte Bayreuths 2. Bürgermeister Thomas Ebersberger. Ohne derartige soziale Einrichtungen könnte man die Bevölkerung niemals so gut versorgen. Ebersberger bescheinigte der Caritas professionelle Hilfe auf vielen Ebenen und würdigte die Arbeit in den zahlreichen gut funktionierenden Einrichtungen. Lob kam dabei nicht nur von der Stadt, sondern auch vom Landkreis Bayreuth. Sprecherin Dr. Anelia Sheljaskow sprach von einer engen Verbundenheit und bezeichnete Hermann Hinterstößer als „vertraute und vertrauensvolle, kompetente und unkomplizierte sowie bekannte und bewährte Persönlichkeit. In verbindlichen und konstruktiven Verhandlungen sei man stets zu akzeptablen Ergebnissen auf beiden Seiten gekommen.

Lob und Dank kam außerdem von Regionaldekan Dr. Josef Zerndl, vom Vertreter der Kreisverbände Heinz Kestler aus Ansbach und von der Vorsitzenden der Mitarbeitervertretung Verena Porsch. Sie alle würdigten die problemlose Zusammenarbeit mit Hermann Hinterstößer, sowie das stets kollegiale und herzliche Miteinander.

Hermann Hinterstößer wurde 1955 geboren hatte Sozialwesen an der Fachhochschule Bamberg studiert und war 1982 in die Dienste der Caritas in Berlin eingetreten. Schon ein Jahr später kam er nach Bayern, zunächst zur Caritas in den Landkreis Haßberge. 1986 trat er seinen Dienst bei der Caritas in Kulmbach an, 2004 wurde zusätzlich Geschäftsführer in Bayreuth.

Hier ging es zunächst um die Sicherung der Arbeitsplätze sowie um eine wirtschaftliche Konsolidierung. Schnell hatten sich die Sozialstationen Bayreuth, Hollfeld und Pegnitz stabilisiert, die laut Hermann Hinterstößer mittlerweile alle wirtschaftlich arbeiten. Kein Caritas-Mitarbeiter habe in dieser schwierigen Zeit seinen Arbeitsplatz verloren, im Gegenteil, ab 2011 seien die Personalstellen ausgebaut und erweitert worden. Ab 2015 habe sich der Caritas-Verband durch den hohen Zuzug von Flüchtlingen so stark engagiert, dass zusätzlich drei neue Mitarbeiterinnen eingestellt wurden, um die Erstaufnahmeeinrichtungen in Bayreuth zu betreuen.

Bild: Vorstandsvorsitzender Dieter Scholl und Aufsichtsratsvorsitzende Stefanie Hellbach (von rechts) verabschiedeten den bisherigen Geschäftsführer Hermann Hinterstößer und führten Bozena Schiepert (von links) als Nachfolgerin in ihr Amt ein.

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15.05.2018

Mit eigener Akademie gegen Fachkräftemangel /
Manuela Bierbaum ist neue Geschäftsführerin der Diakonie Hochfranken

Hof. Mit einer eigenen Akademie möchte die Diakonie Hochfranken etwas gegen den Fachkräftemangel unternehmen. Das hat die neue Geschäftsführerin Manuela Bierbaum bei ihrer Vorstellung angekündigt. Ziel der geplanten „Hochfranken-Akademie“ ist es, bisherige und potentielle Mitarbeiter fort- und weiterzubilden. Manuela Bierbaum steht künftig zusammen mit dem bisherigen Geschäftsführer Martin Abt an der Spitze der Diakonie Hochfranken. Sie ist die Nachfolgerin von Maria Mangei.

„Der Fachkräftemangel ist auch bei uns quer durch alle Bereiche ein großes Thema“, sagte Martin Abt und sprach von einer Riesenherausforderung. Es gäbe ja durchaus Bewerbungen, so Manuela Bierbaum, doch hätten die Bewerber oft nicht die richtige Qualifikation. Es dürfe also nicht nur darum gehen, Fachkräfte zu gewinnen, sondern sie auch auszubilden. Der neuen Geschäftsführerin zufolge gebe es bereits Gespräche mit der Fachhochschule Hof und mit der Fachakademie, um auch einen Abschluss generieren zu können. Der Zeitplan sieht vor, das genaue Konzept bis zum Jahresende vorzulegen. Ein eigener Bau sei allerdings vorerst nicht geplant. Räumlich gebe es aktuell genügend Kapazitäten

Insgesamt sieht die neue Geschäftsführerin keine Notwendigkeit für einen Kurswechsel. Veränderungen werde es immer geben, schließlich veränderten sich ja auch die Menschen und Diakonie sei keine statische Sache, sagte sie. Die bisher von ihrer Vorgängerin vorgegebene Richtung werde sie allerdings eins zu eins mittragen. „Wir sind ja schließlich für die Menschen da“, so Manuela Bierbaum.

Als konkrete Ziele für die Zukunft nannte sie unter anderem eine Umgestaltung des Wohnheims für Menschen mit psychischer Behinderung. Die Bewohner dort würden immer älter, so dass mittlerweile auch intensiver Pflegebedarf bestehe. Weitere Aufgaben seien die Einrichtung einer neuen Familienwohngruppe in der Jugendhilfe Marienberg oder der Bau einer neuen Kita in Helmbrechts. Daneben stünden mehrere Jubiläen an: die offene Behindertenarbeit könne auf 40 Jahre, der Treffpunkt Familie auf zehn Jahre zurückblicken.

Anfang Mai ist Manuela Bierbaum, die aus einem evangelischen Pfarrhaus stammt, in Ulm geboren wurde, in der Nähe von Augsburg aufwuchs und in Bamberg studiert hatte. offiziell in die Geschäftsführung der Diakonie Hochfranken eingetreten. Die Dipl.-Soziologin führt das Unternehmen gemeinsam mit Geschäftsführer Martin Abt als Doppelspitze. Manuela Bierbaum ist 35 Jahre alt, verheiratet, hat eine Tochter und wohnt in Kulmbach. Sie verantwortet künftig die Bereiche Kinder- und Jugendhilfe, Erwachsenenhilfe und Diakonie am Campus. Zuvor war sie bei einer Unternehmensberatung der Diakonie Bayern als Projektleitung tätig. Bei diakonischen Trägern der Altenhilfe wie der Jugendhilfe hatte sie bereits Geschäftsführungen auf Zeit übernommen.

Bei der Vorstellung zeigte sich der Aufsichtsratsvorsitzende der Diakonie Hochfranken, Dekan Günther Saalfrank glücklich darüber, dass mit Manuela Bierbaum und Martin Abt die Doppelspitze aufrechterhalten werden konnte. Das sei ein Erfolgsmodell, das sich bestens etabliert habe. Aufgrund der Vielfalt der Aufgaben wäre es allein gar nicht zu bewältigen. Die Diakonie Hochfranken hat rund 1600 Mitarbeiter. Bei der Weiterentwicklung der Diakonie Hochfranken gehe es ihm nicht um Wachstum um jeden Preis, sondern darum, verlässlich zu bleiben.

Foto: Dekan Günter Saalfrank (links) und Geschäftsführer Martin Abt stellten die neue Geschäftsführerin der Diakonie Hochfranken Manuela Bierbaum vor. Sie ist die Nachfolgerin von Maria Mangei.

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08.05.2018

Seelsorge wird geschätzt /
Regionalbischöfin Greiner besuchte Bundespolizei in Bayreuth

Bayreuth. Polizei und Kirche gehören eng zusammen. „Wir legen großen Wert auf ein gutes Verhältnis“, sagte Regionalbischöfin Dorothea Greiner nach einem Informationsbesuch bei der Bundespolizei in Bayreuth. Bei der Bundespolizei werde auch die Ökumene tatkräftig praktiziert, so Abteilungsführer Dieter Hader.

Die Bundespolizei leistet sich eine eigene Seelsorge. Mit Pfarrer Ingo Zwinkau, der seinen Sitz in München hat, und Pfarrer Jochen Fiedler mit Sitz in Bamberg sowie Pater Rainer Klostermann mit Sitz in Bayreuth und Pater Gabriel Wolf in Deggendorf gibt es jeweils zwei evangelische und zwei katholische Geistliche in Bayern. „Die Seelsorge genießt bei der Bundespolizei höchstes Vertrauen“, sagte Ingo Zwinkau beim Besuch der Regionalbischöfin. Analog zu Militärpfarrern seien die Geistlichen bei der Landespolizei und nicht bei der Landeskirche angestellt.

Regionalbischöfin Greiner zollte der Arbeit der Bundespolizei höchsten Respekt. Hier gehe es insbesondere darum, Gewalt zu vermeiden, bevor sie entsteht. Es gehe aber auch die Fähigkeit, entgegenschlagende Gewalt abzumildern und zu dezimieren. Sie habe Vertrauen zur Polizei, sagte Greiner und ihr Besuch habe ihr bestätigt, wie sehr dieses Vertrauen gerechtfertigt ist. Das Gespräch mit über 30 Beschäftigten habe ihr bei ihrem Besuch auch gezeigt, wie sehr das Verhältnis zu Kirche und das Angebot der Seelsorge geschätzt werden.

Hier gehe es um Menschen, die ganz besonderen Herausforderungen ausgesetzt sind, sagte Bundespolizeipfarrer Ingo Zwinkau. Ihm sei es wichtig, mit diesen Menschen unterwegs zu sein und ihnen Perspektiven aufzeigen zu können. Er bezeichnete die Seelsorge als sehr geschätzte Institution und als eine Einrichtung, der die Beschäftigen großes Vertrauen entgegenbringen. Für den Bayreuther Dekan Jürgen Hacker, der die Regionalbischöfin bei ihrem Besuch begleitete, war es das Kennenlernen einer wichtigen Institution vor Ort Er freue sich, dass der Draht schnell geknüpft werden konnte, sagte Hacker, für den der Besuch der erste Berührungspunkt mit der Bundespolizei war

Auch für Abteilungsführer Dieter Hader ist die Seelsorge ein fester Bestandteil der Bundespolizei. Er begrüßte besonders das Angebot von berufsethischen Seminaren und kirchlichen Tagungen, das regelmäßig großen Zuspruch finde, sowie die persönliche private seelsorgerische Betreuung.

Die Bundespolizeiabteilung Bayreuth ist nach den Worten von Dieter Hader eine von zehn Bundesbereitschaftspolizeiabteilungen mit fast 600 Mitarbeitern in Verwaltung und Vollzug. Neben dem Abteilungsstab gibt es unter anderem zwei Einsatzhundertschaften, eine Beweissicherungs- und Festnahmehundertschaft, eine Unterstützungseinheit und eine technische Einsatzeinheit. Aufgaben der Einheiten sind die Begleitung von Fußballspielen, Demonstrationen, Großereignissen wie dem G-20-Gipfel und die Unterstützung von Migrationseinsätzen an der Grenze zu Österreich.

Bild: Dekan Jürgen Hacker, Regionalbischöfin Dorothea Greiner, Bundespolizeipfarrer Jürgen Zwinkau und Abteilungsführer Dieter Hader (von links) bei ihrem Besuch des Bundespolizeistandorts Bayreuth.

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02.05.2018

Bogenschießen als Instrument der Selbsterkenntnis /
Haringke Fugmann ist landeskirchlicher Beauftragter für geistige und religiöse Strömungen – Kurse im meditativen Bogenschießen

Bayreuth. Bogenschießen: als olympische Sportart kennt das fast jeder. Für Haringke Fugmann ist Bogenschießen aber viel mehr als bloßer Wettkampf. „Mit dem Pfeil zu treffen ist nicht ausschlaggeben, mir geht es um Anmut und Selbsterkenntnis“, sagt Fugmann. Der 45-jährige Theologe ist landeskirchlicher Beauftragter der Evangelischen-Lutherischen Kirche in Bayern für geistige und religiöse Strömungen und hat sein Büro in Bayreuth. Er ist aber auch Veranstalter von ganz besonderen Kursen, in denen es um meditatives Bogenschießen geht.

Wie viele kleine Kinder kam auch Haringke Fugmann schon in jungen Jahren mit Pfeil und Bogen in Berührung. Doch bei ihm war alles anders. Fugmann wurde 1972 in Papua Neuguinea geboren, wo sein Vater, ebenfalls evangelischer Pfarrer, für das Missionswerk tätig war. Ganz entfernte Erinnerungen hat er noch daran, als ihm die Männer aus dem Dorf einen Kinderbogen in die Hand drückten, mit dem er auf Bananenstauden schießen durfte.

Viele Jahre später, Haringke Fugmann hatte inzwischen Theologie studiert, war Vikar in Schweinfurt und Nürnberg, hat eine Zusatzausbildung „Gottesdienst und Medien“ abgelegt, war Tourismusseelsorger in der Nürnberger Lorenzkirche und machte seine Habilitation an der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau, kam er wieder mit Pfeil und Bogen in Berührung. Zunächst organisierte er in Nürnberg eine kleine Bogengruppe, ehe er sich erfolgreich auf die Stelle des landeskirchlich en Beauftragten bewarb. Eine „inhaltlich unglaublich interessante und spannende Tätigkeit“, wie er sagt.

Hier geht es ihm um alle Formen von Religiosität und Spiritualität, die sich theologisch aber nicht unbedingt greifen lassen, also Astrologie, alternative Heilverfahren, rätselhafte Phänomene, Magie, Schamanismus oder Engel. „All diese Strömungen sind präsent“, sagt er. Haringke Fugmann forscht, recherchiert, nimmt an Veranstaltungen teil, beobachtet und dokumentiert. Die Ergebnisse veröffentlicht er in Form von Publikationen und Vorträgen, er ist aber auch seelsorgerisch und beratend tätig. Konkret nimmt er zu Phänomenen Stellung, berät beispielsweise Kollegen, ob sie einen Raum an eine bestimmte Gruppe vermieten sollen, berät staatliche Stellen wie Jugendämter und Stadtverwaltung bei Problemen und letztlich auch Privatleute, die sich mit Fragen an ihn wenden können. „Meine Tätigkeit ist an der Schnittstelle zwischen Kirche und Gesellschaft angesiedelt, sagt Fugmann, der auch einen Lehrauftrag in Neuendettelsau hat.

Unter dem Dach des evangelischen Bildungswerkes leitet er derzeit auch wieder einen meditativen Bogenkurs in der Konzertscheune des Theologen und Musikers Andy Lang in Gefrees im Landkreis Bayreuth. Hier geht es nicht um sportliche Wettkämpfe, wie beim Sportschießen, sondern um traditionelles intuitives Schießen mit Holzbögen und Holzpfeilen. Das Schießen ist dabei eingebettet in geistliche Impulse, Meditationen und offene Gespräche.

Teilnehmer sind Menschen jeden Alters, beiderlei Geschlechts und mit ganz unterschiedlichen Biographien. Sogar Gehörlose seien diesmal dabei, so Fugmann. Ihnen allen geht es darum, zur Ruhe zu kommen, ein Gespür für den eigenen Körper zu bekommen, die eigenen seelische und emotionale Situation zu klären, den Alltag und die Sorgen hinter sich zu lassen.

„Ich glaube nicht, dass Bogenschießen der Heilsweg ist“, sagt Haringke Fugmann. Es sei aber auf jeden Fall eine Kunst, die in ihren hochkomplexen und sehr verdichteten Bewegungsformen auch mit Anmut und Charakter zu tun hat. Nicht umsonst hätten sich auch Metaphorismen gehalten wie: „Worauf ziele ich im Leben?“, „Aus welchem Holz bin ich geschnitzt?“, „Warum habe ich Angst, den Bogen loszulassen?“ oder „Warum schieße ich über da Ziel hinaus?“.

„Bogenschießen ist ein spannendes Instrument zur Selbsterkenntnis“, sagt Haringke Fugmann, der auch von der „Schule der Anmut“ spricht. Es habe aber auch eine spirituelle Komponente und eine kulturgeschichtliche. Bereits im Herbst soll unter dem Dach des Evangelischen Bildungswerks Bayreuth/Bad Berneck/Pegnitz ein neuer Kurs „meditatives Bogenschießen“ angeboten werden.

Bild: Haringke Fugmann, der Landeskirchliche Beauftragter der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern für geistige und religiöse Strömungen, hat seinen Sitz in Bayreuth.

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29.04.2018

Generationswechsel gelungen /
Amtswechsel der Priorin in der Communität Christusbruderschaft Selbitz – Birgit-Marie Henniger folgte auf Anna-Marie aus der Wiesche

Selbitz. Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat am Sonntag die bisherige Priorin der Communität Christusbruderschaft Selbitz, Anna-Maria aus der Wiesche, in den Ruhestand verabschiedet. Gleichzeitig führte Bedford-Strohm Schwester Birgit-Marie Henniger als deren Nachfolgerin in ihr Amt ein.

Der Landesbischof bezeichnete die Communität als „wunderbaren und unverzichtbaren Ort geistlicher Stärkung für die gesamte Kirche“. Gleichzeitig sei die Communität auch ein wichtiger Ort des Zusammenlebens und ein Platz, „um geistliche Batterien wieder aufzuladen“. Die bisherige Priorin Anna-Maria aus der Wiesche bezeichnete Bedford-Strohm als leidenschaftliche Theologin und als musischen Menschen durch und durch. Nach den Worten des Landesbischofs stand sie zusammen 18 Jahre lang an der Spitze der Christusbruderschaft. Ihre Nachfolgerin Birgit-Marie Henniger besitze die außerordentliche Fähigkeit, keine Angst vor Finanzen zu haben. Sie hatte zuletzt zehn Jahre lang das Gästehaus der Communität geleitet.

Dankbar zeigte sich Regionalbischöfin Dorothea Greiner, Kuratoriumsvorsitzende der Christusbruderschaft, darüber, dass der Generationenwechsel im Orden gelungen sei. Hier gebe es eine starke, junge Generation, der geistige und geistliche Kraft geschenkt ist. „Der Generationenverbund trägt“, sagte Greiner. Der Orden wirke in unsere Kirche stärker hinein denn je, insbesondere durch Gastfreundschaft und geistliche Begleitung.

Die Communität Christusbruderschaft Selbitz ist eine Ordensgemeinschaft innerhalb der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland. Das Zentrum liegt im oberfränkischen Selbitz. Gegründet wurde die Communität 1948 durch den Pfarrer Walter Hümmer und seiner Frau Hanna. Die Communität ist deutschlandweit verzweigt.

Bild: Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat Schwester Birgit-Marie Henniger als neue Priorin der Communität Christusbruderschaft Selbitz in ihr Amt eingeführt.

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27.04.2018

Eisenbahnerkirche wird saniert – Neues Dach, neue Fassade, neue Gauben: Neuenmarkter Christuskirche wird saniert

Neuenmarkt. Die kirchenaufsichtliche Genehmigung ist da, die Finanzierung steht, in diesen Tagen rücken die Bauarbeiter an: die Christuskirche im Eisenbahnerdorf Neuenmarkt (Dekanat Kulmbach) bekommt ein neues Dach, einen neuen Anstrich und neue Gauben.

 Mit den beiden Dachgauben ging es auch los, erinnert sich Manfred Penning, Vertrauensmann im Kirchenvorstand. Schon im Jahr 2013 sei der desolate Zustand aufgefallen. Bei genauerem Hinsehen sei dann aufgefallen, dass auch die Fassade ziemlich ramponiert war. Von der Bombardierung des Neuenmarkter Bahnhofs am Ende des Zweiten Weltkriegs hatte auch die Kirche etwas abbekommen. 1948 seien die Schäden nur notdürftig repariert worden, wovon heute noch einige rote Dachziegeln auf der ansonsten schwarzen Eindeckung zeugen. Ein neuer Anstrich im ursprünglichen rötlichen Ton der Eisenbahn folgte Anfang der 1970er Jahre und das war er dann auch.

„Seitdem ist nichts mehr gemacht worden“, so Penning. Weil es in den Dachstuhl sogar hineingeschneit hatte, beschloss der Kirchenvorstand, das Dach zu reparieren. Ein Sachverständiger der Landeskirche riet allerdings schnell zu einer kompletten Dachsanierung und die soll noch im laufenden Jahr fertiggestellt werden. Einschränkungen erwartet Pfarrer Stefan Schleicher, der von Pappenheim kommend seit Januar 2017 in Neuenmarkt tätig ist, nicht. Lediglich die Tatsache, dass die Kirche eingerüstet sein wird, daran müsse man sich gewöhnen.

Die Gesamtkosten der Maßnahme werden auf 220000 Euro beziffert. Den Löwenanteil übernimmt mit knapp 94000 Euro die Landeskirche, der Rest kommt von der Gemeinde, vom Dekanat und von der Denkmalpflege. Von den gut 110000 Euro, die von der Gemeinde selbst geschultert werden müssen, sind noch 47000 Euro offen. „Wir hoffen auf Spenden und auf das Kirchengeld“, sagt Pfarrer Schleicher. Bange ist ihm nicht, denn er kann auf eine hohe Spendenbereitschaft verweisen. „Unsere Gottesdienste sind gut besucht, wir erfahren einen hohen Zuspruch“, so Schleicher.

Das war schon immer so. Auch beim Bau der mittlerweile denkmalgeschützten Kirche vor beinahe 100 Jahren. Schon damals wurde das Gotteshaus aus Spenden finanziert. Jeder Spender, der damals mindestens 20 Pfennige gegeben hatte, erhielt einen Bon als Nachweis und als Andenken. Fünf Pfennige bedeuteten fünf Backsteine. Auf einer nachgedruckten Postkarte sind die Bons abgebildet. Dort heißt es: „In Neuenmarkt in der Kirche Wand erglänzen fünf Backstein aus meiner Hand.“

Von den knapp 3000 Einwohnern Neuenmarkts sind seinen Worten zufolge etwa 1600 evangelisch. Die Gemeinde zeichne sich vor allem durch eine lebendige Jugendarbeit aus. Einmal mit Monat gibt es an einem Sonntag um 19.07 Uhr unter dem Motto „High seven“ auch einen Jugendgottesdienst, der komplett von Jugendlichen ohne Pfarrer gestaltet wird. „Es ist uns ganz wichtig, dass die Jugend vertreten ist“, so Pfarrer Schleicher. Auch der Kirchenvorstand stehe der Jugendarbeit äußerst positiv gegenüber.

Bilder:
1. In diesen Tagen beginnen die Sanierungsarbeiten an der Christuskirche in Neuenmarkt.
2. Pfarrer Stefan Schleicher (links) und Manfred Penning, Vertrauensmann im Kirchenvorstand.

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20.04.2018

Glanz und Elend einer jüdischen Gemeinde /
Levi-Strauss-Museum zeigt Sonderausstellung „Judentum in Buttenheim“

Buttenheim. Er ist der berühmteste Sohn des Markte Buttenheim im Landkreis Bamberg: Levi Strauss. 1848 war er in die USA ausgewandert, heute erinnert ein liebevoll gestaltetes Museum in seinem Geburtshaus an den „Erfinder“ der Blue Jeans. Levi Strauss war aber auch der berühmteste Jude von Buttenheim, ein Ort in dem jüdische Leben 500 Jahre lang blühte. Für Museumsleiterin Tanja Roppelt und dem Lehrstuhl für Judaistik der Otto-Friedrich Universität Bamberg Grund genug, vor dem Hintergrund des 900-jährigen Ortsjubiläums, in einer Sonderausstellung den Spuren jüdischen Lebens in Buttenheim nachzugehen.

„Schon im 15. Jahrhundert gab es Juden in Buttenheim“, sagt Tanja Roppelt. Zur Blütezeit im 18. und 19. Jahrhundert sei jeder fünfte Buttenheimer jüdischen Glaubens gewesen. Für einen Ort mit rund 800 Einwohnern auch damals eine Besonderheit. Während im 17. Jahrhundert genau vier jüdische Haushalte mit 16 Personen verzeichnet sind, waren es genau 100 Jahre später 47 Haushalte mit rund 200 Personen, die meisten davon „Schutzjuden“ des Freiherrn von Seefried, einem örtlichen Adelsgeschlecht. Es gab eine Synagoge, ein Ritualbad, einen eigenen Friedhof, eine Herberge, eine Religionsschule mit Lehrer und zeitweise sogar einen eigenen Rabbiner.

Mitte des 19. Jahrhunderts setzte dann eine große Auswanderungswelle ein, die Zahl der Juden nahm ab und 1892 tat sich die jüdische Gemeinde mir aus dem benachbarten Hirschaid zusammen. Mit dem Nationalsozialismus ging die Geschichte des Judentums in Buttenheim zu Ende, obwohl noch bis zuletzt viele jüdische Mitbürger bestens in das Gemeinde- und Vereinsleben integriert waren. Schon Mitte der 1920er Jahre war es zu ersten Übergriffen gekommen. 18 jüdische Bürger sind für 1933 verzeichnet, 1936 fand der letzte Gottesdienst, 1938 das letzte Begräbnis. Weil der damalige Ortspfarrer für die Juden Partei ergriffen hatte, gab es sogar einen Sprengstoffanschlag auf die Kirche. Die letzten Juden aus Buttenheim konnten über London nach New York emigrieren. Vom 2. Juni 1939 an wohnten in Buttenheim keine Juden mehr. 500 Jahre jüdische Geschichte waren zu Ende.

Noch heute erinnert der jüdische Friedhof an die große Tradition. Auch das Grab von Hirsch Strauss, dem Vater von Levi Strauss ist dort zu finden, der Grabstein sei Betreiben der Familie sogar erst vor einigen Jahren wieder hergerichtet worden, so dass die Inschrift wieder entziffert werden kann. Vom Inventar der damaligen Synagoge ist nicht übrig geblieben, wohl aber das einst so stattliche Gebäude, das heute eine Brauerei als Lagerraum nutzt.

Das alles und dazu viele grundsätzliche Informationen über das Judentum sind auf einer Vielzahl von Transparenten zu sehen. Viele historische Fotos und Dokumente sind da zu sehen, dazu ein großer Plan von Buttenheim mit allen jüdischen Wohnstätten und einige Ritualgegenstände. „Wir wollen damit zeigen, dass das Judentum lebt“, sagt Tanja Roppelt.

Die Sonderausstellung „Judentum in Buttenheim“ ist bis 6. Januar 2019 zu den normalen Öffnungszeiten des Museums, Dienstag und Donnerstag von 14 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr zu sehen. Gruppen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung willkommen. Der Eintritt kostet für Erwachsene vier Euro, für Schüler, Studenten und Schwerbeschädigte zwei Euro. Familien (2 Erwachsene und 2 Kinder ab 6 Jahre, zahlen pauschal zehn Euro. Das Levi-Strauss-Museum ist in der Marktstraße 31 – 33 in 96155 Buttenheim zu finden. Telefon: 09545/442602 (Museum) oder 09545/ 4409936 (Verwaltung), E-Mail: levi-strauss-museum@buttenheim.de.

Bild: Auf einem Ortsplan in der Sonderausstellung des Levi-Strauss-Museums zeigt Museumsleiterin Tanja Roppelt, wo sich das jüdische Leben in Buttenheim abspielte.

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26.02.2018

Vor 75 Jahren an der Ostfront gefallen / Heinersreuth erinnert an Pfarrer Peter Hupfer

Heinersreuth. Mit einem Gottesdienst und der Enthüllung einer Gedenktafel an der Versöhnungskirche hat die Gemeinde Heinersreuth bei Bayreuth an ihren ersten Pfarrer Peter Hupfer erinnert. Trotz Repression hatte Hupfer seine kritische Distanz zum NS-Regime nie verschwiegen. Er kam 1942 an der Ostfront ums Leben, er wurde nur 31 Jahre alt.

Anlass war der 75. Todestag, der genaugenommen bereits im zurückliegenden August war. Um das Gedenken an den Pfarrer nicht im Luther-Jahr untergehen zu lassen, habe sich die Gemeinde entschieden, erst jetzt an den streitbaren Geistlichen zu erinnern.

Pfarrer Hupfer war in keiner Widerstandsgruppe und auch nicht aktiv im Widerstand tätig. Er sei aber ein Bürger gewesen, von denen Deutschland damals mehr gebraucht hätte, sagte der jetzige Pfarrer Otto Guggemos. „Wir müssen bei Hupfer von innerem Widerstand sprechen.“ Trotz Propaganda habe Hupfer seine politischen Einsichten nicht für sich behalten. Er sei sich seiner Vorbildrolle als Person des öffentlichen Lebens bewusst gewesen und sei damit ein Risiko eingegangen. Die Mehrheit habe das aus Angst vor Repressalien vermieden.
In einer Diktatur, die sich im Krieg befindet, benötige es kein Gerichtsverfahren, um kritische Menschen zum Schweigen zu bringen. Während deutsch-christliche Pfarrer oft Schutz genossen und ungehindert Karriere machen konnten, sei Pfarrer Hupfer außerordentlich schnell an die Ostfront geschickt worden und dort gefallen. Von dem Mut Hupfers habe die Gemeinde erst in den zurückliegenden Jahren erfahren.

Nach den Worten des Historikers und Oberstudiendirektors Otto Hofmann war Peter Hupfer am 23. August 1942 an der Ostfront schwer verwundet worden. Beim Rücktransport in ein Lazarett sei er erneut unter Beschuss geraten und noch am gleichen Tag verstorben. Die genaue Grablage sei bis heute unbekannt. Erst knapp zwei Monate später habe seine Ehefrau in Heinersreuth die amtliche Mitteilung vom Tod ihres Mannes erhalten. „Er wäre sicher lieber bei seiner Familie geblieben, als sich am Feldzug gegen Russland zu beteiligen“, sagte Hofmann.

Hupfer war 1937 der erste Pfarrer in Heinersreuth. Im gleichen Jahr wurde die Versöhnungskirche eingeweiht. Vorher gehörte der Ort zur Stadtkirchengemeinde in Bayreuth. Hupfer sei während dieser Zeit stets standhaft geblieben und habe auch den überwiegenden Teil der Jugend auf seiner Seite gehabt. Trotzdem sei natürlich auch Heinersreuth fest im Griff der Diktatur gewesen. Im Januar 1942 hätten die Nationalsozialisten die Glocken der Kirche geholt, lediglich die kleinste Glocke, das Totenglöcklein, ließen sie zurück. Am 8. Februar 1942 habe Hupfer seine letzte Predigt in Heinersreuth gehalten.

Die Bilanz am Ende des Zweiten Weltkrieges ist bitter: 103 junge Männer aus Heinersreuth sind gefallen, darunter auch alle 20 aktiven Bläser des Posaunenchors. „Wie eine Blutspur zieht sich die Nazi-Diktatur durch unser Dorf“, sagte der Historiker. Im gesamten Kirchenkreis Bayreuth seien laut Hofmann 178 Pfarrer eingezogen worden, 24 davon sind gefallen, weitere sieben im Verlauf des Krieges verstorben.

Sie sei stolz auf die Gemeinde, die in der Zeit der Diktatur eine Kirche errichtet habe, sagte die Erste Bürgermeisterin Simone Kirschner in einem Grußwort beim Gedenkgottesdienst, an dem auch zahlreiche Vertreter aus der Politik, darunter die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert, teilnahmen. Das Gedenken an Pfarrer Peter Hupfer zeige, dass die Gemeinde über ein ausgeprägtes Geschichtsbewusstsein verfügt und sich ihrer Geschichte stellt. „Wer die Augen vor der Vergangenheit verschließt, wird blind für die Gegenwart“, zitierte Kirschner den ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.

Bilder:- Bürgermeisterin Simone Kirschner und Pfarrer Otto Guggemos enthüllten an der Außenwand der Heinersreuther Versöhnungskirche eine Gedenktafel für Pfarrer Peter Hupfer.- Zusammen mit Dekan Jürgen Hacker, Pfarrern aus der Umgebung und Kirchenvorsteher zogen die Ehrengäste in die Versöhnungskirche ein.
- Zum Gedenkgottesdienst an ihren ersten Pfarrer Peter Hupfer war die Heinersreuther Versöhnungskirche voll besetzt.

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25.11.2017

Seelsorge ohne Wenn und Aber /
Jahresgottesdienst der Seelsorgestiftung: Kein Strafbefehl bei Kirchenasyl

Kulmbach. Für die Vermeidung von Strafbefehlen gegenüber Geflüchteten und Pfarrern bei Kirchenasylen hat sich Regionalbischöfin Dorothea Greiner ausgesprochen. Seelsorge sei gänzlich unpolitisch, doch wer Seelsorge betreibt, werde auch politische Anliegen haben, sagte die Regionalbischöfin beim Jahresgottesdienst der Seelsorgestiftung in der Kulmbacher Petrikirche.

Greiner plädierte dafür, dass sowohl Geflüchtete wie auch Pfarrer keinen Strafbefehl erhalten, wenn ihr einziges Vergehen darin besteht, dass sie ins Kirchenasyl gegangen sind oder es gewährt haben. Im Kirchenasyl werde keine Person versteckt. Der Aufenthalt werde den Behörden umgehend angezeigt. „Kirchenasyl ist für uns kein politischer Weg, nicht einmal ein Notweg“, sagte Greiner. Kirchenasyl sei in einer Situation, in der Gefahr für Leib und Leben des Menschen besteht, eine Ultima Ratio unter großen Opfern, um dem Staat Raum und Zeit zu verschaffen, die Gefahr für Leib und Leben dieses Menschen wahrzunehmen. „Wir raten als Kirche nicht zum Kirchenasyl.“ Wenn es in größter Opferbereitschaft einer Kirchengemeinde oder eines Klosters doch gewährt wird, so bat Greiner darum, diesen, mit den Behörden abgesprochenen Notbehelf, nicht als Rechtsbruch zu werten.

Daneben warb Greiner für Konzilianz der Ausländerbehörden bei Anträgen auf Arbeitserlaubnis und für Vertrauen hinsichtlich des Glaubens der vom Islam konvertierten getauften Christen. Oft gebe es bei Anträgen auf Arbeitserlaubnis einen Ermessensspielraum. Was das Vertrauen bei den Entscheidern auf allen Ebenen gegenüber dem Glaubensbekenntnis der ehemals islamischen Geflüchteten angeht, könne sie manche Wertung, bei der die Taufe als asyltaktisch abgestempelt wird, aus der Kenntnis der Person nicht nachvollziehen. „Unsere Pfarrer machen keine Schnelltaufen“, sagte die Regionalbischöfin. Sie prüften soweit es möglich ist, ob ein echter Wille vorhanden ist, Christus als dem Herrn des Lebens zu folgen. Dies zu prüfen, sei Sache der Kirchen, nicht von Behörden und Gerichten. In Bayreuth müssten vor der Taufe mindestens zwölf Doppelstunden Glaubensunterricht absolviert sein.

Seelsorge an Geflüchteten unterscheide nicht nach Nützlichkeit des Menschen für unsere Gesellschaft, sie  gebe es für jeden Menschen, der sie will und braucht, ohne Vorbedingungen und ohne Wenn und Aber. Christliche Seelsorge an Geflüchteten kenne auch keine Vorbedingung. Sie frage nicht, ob die betreffende Person einmal für uns arbeiten können wird, nicht einmal, ob sie ein Recht hat bei uns zu sein. Sie frage nach der Not des Menschen. „Und die Not in den allermeisten Herzen der Geflüchteten fern der Heimat und Familie im fremden Land ist groß“, so Greiner.

„Menschen, die aus der Not kommen, ist eine Aufgabe, die seit Jesus Christus gilt“, sagte der Präsident der Diakonie Bayern, Pfarrer Michael Bammessel in seiner Predigt. Die Kirche freue sich, wenn geflüchtete Menschen mehr wissen wollen über Jesus Christus und wenn sie vielleicht den Weg zum Christentum finden. Die Kirche nutze aber nicht die Not der Menschen aus, wie es manche Sekten machten und in Flüchtlingsheimen für sich Werbung betreiben.

Bammessel sprach von einer tiefen gemeinsamen Basis zwischen Muslimen und Christen, die darin besteht, dass in beiden Religionen der feste Glaube vorherrscht, dass die Welt aus der Hand eines Schöpfers stammt. Der Diakonie-Präsident plädierte auch dafür, Menschen, die zu uns gekommen sind, nicht immer nur als die Hilfsbedürftigen anzusehen und damit ein Gefälle vom Starken zum Schwachen, vom Besitzenden zum Habenichts aufzubauen. Alle brächten etwas mit und alle hätten etwas zu geben, deshalb dürfe man die Menschen auch nicht zur Untätigkeit verdammen.

Die Seelsorgestiftung wurde vor sieben Jahren gegründet. Sie verfolgt zwei Ziele: Zum einen geht es darum, die Telefonseelsorge für Mittel- und Ostoberfranken mit Sitz in Bayreuth finanziell abzusichern. „Wir wollen jährlich 20000 Euro Stiftungsmittel zum Erhalt der Leitungsstelle beitragen, die Telefonseelsorger und –seelsorgerinnen ausbildet und die Arbeit koordiniert“, sagte Greiner. Alle anderen Mitarbeitenden seien Ehrenamtliche. Sie müssten gut ausgebildet und begleitet werden. „Wir schaffen immerhin schon die Hälfte des Betrages.“

Die Regionalbischöfin bezeichnete die Arbeit der Telefonseelsorge als überaus wichtig, auch wenn sie im Stillen vor sich geht. In der Telefonseelsorge seien Seelsorger für jeden Menschen, unabhängig von Religion oder Konfession erreichbar, und das 24 Stunden jeden Tag. Die Gespräche würden in absoluter Anonymität geführt. Das bedeute eine niedrige Kontaktschwelle für die Anrufenden. Für eine Ausbildung zum Telefonseelsorger würden aktuell auch Interessenten gesucht.

Das zweite Ziel der Seelsorgestiftung ist die Förderung aller anderen Bereiche der Seelsorge im ganzen Kirchenkreis, einschließlich der Gemeindeseelsorge. Dadurch würden auch die Aus- und Fortbildung gemeindlicher Besuchsdienste unterstützt. Die Fortbildung sollte grundsätzlich auf Dekanatsebene stattfinden, angestoßen werden könne sie aber von jedem. Aus dem weiten Feld der Seelsorge wird für den Jahresgottesdienst alljährlich ein anderer Bereich ausgewählt, in diesem Jahr die Seelsorge an Geflüchteten.

Bild:
Der Swahili-Chor aus Bayreuth umrahmte den Jahresgottesdienst der Seelsorgestiftung in der Petrikirche.
 

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18.09.2017

Anerkennung, Respekt und Verbundenheit mit den Menschen / Bayreuth-Medaille in Gold für Hans Peetz

Bayreuth. Mit der Bayreuth-Medaille in Gold ist der frühere Dekan und jetzige Beauftragte für die Markgrafenkirchen Hans Peetz ausgezeichnet worden. „Peetz habe sich als Seelsorger und Dekan über 18 Jahre hinweg für die Stadt, in herausragender Art und Weise für die Gemeinde und für die Menschen engagiert“, sagte Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe bei der Übergabe der Medaille. Die Oberbürgermeisterin würdigte besonders den Einsatz von Hans Peetz für Dialog und Zusammenarbeit von evangelischer und katholischer Kirche in der Stadt. Hans Peetz, der für eine offene und gelebte Kirche steht, habe großen Anteil daran, dass hier Ökumene gelebt wird und ein hervorragendes Verhältnis zwischen beiden Kirchen besteht.

In ganz unterschiedlichen, gesellschaftlichen Bereichen gehörten bei Hans Peetz Anerkennung, Respekt und Verbundenheit mit den Menschen und der Region zu dem, was das Leben des Dekans für die Stadt und die Region ausgemacht habe. Das sei für den früheren Dekan ebenso bezeichnend, wie seine Vorträge zu Religion, Spiritualität und Kunst. Merk-Erbe: „Hans Peetz knüpft Netze wischen Glauben, Kunst und Musik.“ Er habe auch nie erheblich widerstreitende Meinungen und entsprechend schwierige Situationen gescheut.

In die Amtszeit von Hans Peetz fallen Bauprojekte wie die Matthias-Claudius-Kapelle, das Kinderhaus und die Sanierung der Stadtkirche. Der 63-jährige war für 31 Kirchengemeinden und 26 Pfarreien zuständig. Zu seinen Aufgaben gehörte die Aufsicht über die Gesamtkirchenverwaltung und die Verwaltungsstelle, der trotz eigenem Dekanat auch Pegnitz mitangeschlossen ist. Das weitere Aufgabengebiet von Hans Peetz umfasste nach den Worten der Oberbürgermeisterin die Hochschule für evangelische Kirchenmusik, die Telefon-, Hochschul- und Krankenhausseelsorge, die Seelsorgestiftung Oberfranken, das Diakonische Werk, der Jean-Paul-Verein und das Evangelische Bildungswerk.

Über seine persönliche Ehrung hinaus werde damit auch der Beitrag der Kirche für das Gemeinwesen gewürdigt, sagte Hans Peetz. In Bayreuth sei man sich weitgehend bewusst, welchen Beitrag die Kirche für Wohlfahrt, Soziales, Bildung und Zusammenleben leisten. Große Bedeutung für die Stadt und die Region werde aber auch seine neue Tätigkeit als Beauftragter für die Markgrafenkirchen haben, sagte Peetz.

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17.09.2017

Ein Rastplatz für die Seele / In Plech ist Bayerns zweite Weidenkirche eingeweiht worden

Die nach Pappenheim zweite bayerische Weidenkirche ist am Sonntag in Plech (Dekanat Pegnitz), ganz im Süden des Bayreuther Landkreises und in Sichtweite der Bundesautobahn A9 mit einer ökumenischen Wallfahrt eingeweiht worden.

Größter Teil von den Gesamtkosten in Höhe von knapp 37000 Euro, die im Wesentlichen aus Spenden und Zuschüssen finanziert wurden, war das Metallgerüst in Form gotischer Bögen, das von den Metallbauern der Behinderteneinrichtung Lebenshilfe Münsinghof bei Velden aufgebaut wurde.

»Diese Kirche lockt, sie ist anziehend, ihre Tür ist immer offen, sie hat keine Schwelle, weder real noch symbolisch«, sagte Regionalbischöfin Dorothea Greiner in ihrer Festpredigt zur Einweihung. Nahe der Autobahn wirke die Weidenkirche wie ein »Rastplatz für die Seele«", den jeder nutzen kann.

Obwohl die Weidenkirche Plech direkt bei einer Autobahnausfahrt steht, könne sie nicht formal zur Autobahnkirche erhoben werden, weil sich in Trockau ganz in der Nähe schon eine Autobahnkirche befindet. Trotzdem sei die Weidenkirche eine Kirche nahe der Autobahn, die auch Reisende ansprechen soll, so Greiner.

Dekan Gerhard Schönauer aus Pegnitz nannte die Weidenkirche »ein starkes Zeichen für Glaube und Hoffnung«. In einer Zeit, in der Kirchen geschlossen oder verkauft würden, hätte er sich im Traum nicht vorstellen können, eine neue Kirche einzuweihen. »Das ist ein starkes Zeichen, wo-rüber sich der Himmel freut«, sagte Schönauer.

Das Besondere an der Einweihung war, dass eine ökumenische Wallfahrt des römisch-katholischen Dekanats Auerbach und des evangelisch-lutherischen Dekanats Pegnitz unter dem Motto „Gemeinsam wachsen" zur Weidenkirche führte. Das Motto soll das ökumenische Anliegen unterstreichen und natürlich den Bogen zur Weidenkirche spannen, so Pfarrer Christoph Weißmann aus Plech.

Die Wallfahrt führte in drei Zügen von Bernheck, Plech und Ottenhof aus sternförmig zur Weidenkirche, wo der feierliche Einweihungsgottesdienst mit rund 800 Gläubigen gefeiert wurde, ehe ein großes Fest Gelegenheit zur Begegnung gab. Neben Regionalbischöfin Greiner und Dekan Schönauer nahmen an der Weihe von katholischer Seite Regionaldekan Josef Zerndl, der Auerbacher Dekan Markus Flasinski und der Pfarrer der katholischen Nachbargemeinde Neuhaus Johannes Nikel. Dekanatskantor Jörg Fuhr aus Pegnitz leitete dazu die vereinigten Posaunenchöre des Dekanates.

Für die Weidenkirche im Gewerbegebiet Schönthal zwischen Ottenhof und Plech wurden 34 verzinkte Stahlsäulen, jede einzelne jeweils sieben Meter lang verbaut, die schweren Sitzsteine und der Altar stammen aus dem Altmühltal und die 350 Weidensetzlinge sind im Garten von Pfarrer Christoph Weißmann herangewachsen.

Das Modell für die Kirche hatte der Pfarrer selbst entworfen, die konkrete Planung erfolgte durch Dominik Büttner von der ortsansässigen Hausbaufirma Büttner. Dazu kommen der massive Altar, die Sitzbänke aus heimischem Naturstein, das Fundament und ein Altarbild, das eine Sonne mit einem Kreuz zeigt.

Das Projekt der Weidenkirche Plech wurde bereits seit Herbst 2015 geplant und ist ein offizieller Beitrag zum Reformationsjubiläum. Die Kirchengemeinde habe im Gemeinderat des Marktes große Unterstützung gefunden, erinnerte sich Pfarrer Weißmann. Nach den ersten Überlegungen und grundsätzlichen Beschlüssen zur Umsetzung habe es dann im Frühjahr 2016 Fahrt aufgenommen.

Zalreiche örtliche Firmen seien für die Erd- und Pflasterarbeiten gewonnen worden. Große Unterstützung für das Projekt sei außerdem vom Kirchenkreis Bayreuth, der Oberfrankenstiftung, der katholischen Kirchenstiftung Bernheck und aus der ganzen Bevölkerung gekommen.

Bild: Eine Kirche, die wächst und lebt und zum Leben im Glauben an Gott ermutigen soll: hinter dem Gewerbegebiet zwischen Ottenhof und Plech wurde die neue Weidenkirche errichtet.

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14.09.2017

Wertschöpfung begreifen lernen / Aufstehen und Mitmischen: Kirchen, Landjugendverbände und Bäckereien feiern zehn Jahre „Gott-sei-Dank-Brot-Aktion“ 

Bayreuth. Zum 10. Mal haben Handwerk, Kirche und Landjugend die Aktion Gott-sei-Dank-Brot gestartet. Viele Bäckereien in ganz Oberfranken werden in den kommenden Wochen bis zum  Erntedankfest ein eigens dafür eingebackenes Brot anbieten. Ziel der Aktion ist es den Erntedank wieder in den Mittelpunkt rücken und das regionale Bäckerhandwerk zu stärken, sagte Regionalbischöfin Dorothea Greiner am Donnerstag in Bayreuth bei der Vorstellung der Aktion zusammen mit den Konfirmanden der Stadtkirche in der Backstube von Thomas Zimmer von der Bäckerei Lang. Parallel zu der Aktion gibt es Begleitveranstaltungen in vielen Kirchengemeinden, Gebetskarten und Plakate und eine eigene Facebook-Seite.

Das Motto der „Gott-sei-Dank-Brot-Aktion“ lautet heuer „Steh auf! Misch mit“, Mit dem Motto möchten alle Beteiligten die klare Botschaft aussenden, sich zu beteiligen. Egal ob es darum geht, die Stimme gegen das Bäckersterben zu erheben, für die wertvolle Jugendverbandarbeit einzutreten oder bei der Bundestagswahl seine Stimme abzugeben, sagte Greiner. Den Konfirmanden sollte es vor allem darum gehen, Wertschöpfung begreifen zu lernen.

Zu jedem Erntedank-Tisch gehört ein runder Brotlaib. Er sei von jeher ein Symbol dafür gewesen, dass Gott die Nahrung wachsen lässt und uns gibt, was wir zum Leben brauchen, sagte die Regionalbischöfin. Das bunte Emblem „Gott sei Dank“, das jeder Brotlaib der Aktion trägt, soll den Dank ausdrücken für den Einsatz der Bauern in der Feldbewirtschaftung, für das Können der Handwerker, die daraus Brot backen und vor allem dafür, dass Gott uns schenkt, was wir zum Leben brauchen.

 „Wir freuen uns, wenn die Aktion weitertragen wird, als handfeste, schmackhafte Weise Gott zu danken, die Verbundenheit mit dem Handwerk auszudrücken, den Wert regionaler Nahrungsmittel neu in Erinnerung bringen und gemeinsam das Erntedankfest zu feiern“, sagte der Bäckermeister Thomas Zimmer, der gleichzeitig Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken ist. Zimmer nannte es einen hohen Anspruch für die Genussregion Oberfranken, sowohl Traditionen zu bewahren, und gleichzeitig immer wieder neues zu wagen.

Die Bäcker waren mit ihren Innungen von Anfang an dabei, ebenso der Kirchenkreis Bayreuth und die katholischen Erzdiözese Bamberg. Erst 2014 waren auch die Evangelische Landjugend Oberfranken-Oberpfalz, die Katholischen Landjugendbewegung Bamberg und 2015 der Landjugend Bezirksverband Oberfranken dazu gestoßen.

Weitere Informationen: www.kirchenkreis-bayreuth.de/Gott-sei-Dank-Brot sowie bei Facebook unter „Gott-sei-Dank-Brot“.

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22.06.2017

Die befreiende Erlösung des Barock / Kulturpolitikerin Karla Fohrbeck stellte beim Tutzinger Freundeskreis das Projekt Markgrafenkirchen vor

Kulmbach. Das Thema ist noch nicht wirklich aufgearbeitet. Doch wenn jemand Pionierarbeit geleistet hat, dann ist das die Kulturpolitikerin Karla Fohrbeck. Dabei sind die Markgrafenkirchen in der Region etwas ganz herausragendes. Ohne Karla Fohrbeck würden sie wohl weiterhin im Dornröschenschlaf liegen. Am Donnerstagabend stellte die frühere Kulturreferentin von Nürnberg die Markgrafenkirchen in der Region Bayreuth/Kulmbach beim Tutzinger Freundeskreis vor und so manch einem wurde die theologische wie kunsthistorische Bedeutung dieser Kirchen erst richtig bewusst.

Alle sprechen vom Weltkulturerbe des Markgräflichen Opernhauses in Bayreuth, dabei gebe es in der Region alle fünf bis sieben Kilometer ein Weltkulturerbe verdächtiges Objekt, sagte Karla Fohrbeck. Der Grund dafür ist: die gleichen Künstler, die das Markgräfliche Opernhaus, die Eremitage oder Sanspareil ausgestattet haben, waren auch für die Markgrafenkirchen verantwortlich. „Somit haben wir wahre Schätze vor der Haustür“, sagte die Referentin. Viele davon lohnten sich zu entdecken, wobei sie vor allem an der Basis eine unglaubliche Begeisterung für das Thema feststellen könne.

Insgesamt kommt Karla Fohrbeck auf rund 50 Markgrafenkirchen in den Städten und Landkreisen Bayreuth und Kulmbach, einschließlich der Randbereiche. Viele stünden für einen echten Überraschungseffekt. Von außen manchmal noch einer düsteren Wehrkirche gleichend, öffne sich von innen betrachtet der Blick auf die befreiende Erlösung des Barock. Ihre Blütezeit erlebten die Markgrafenkirchen, wie sollte es anders sein, unter Wilhelmine von Bayreuth. Allerdings seien die ersten Markgrafenkirchen bereits um 1700 entstanden, erste Kanzelaltäre, ein typisches Merkmal einer Markgrafenkirche, sogar schon 1682. Musterbeispiele dafür seien neben Neudrossenfeld auch die Kirchen in Himmelkron, in Bayreuth St. Georgen oder in Bad Berneck, der letzten Markgrafenkirche, die bereits unter preußischer Herrschaft im Jahr 1800 eingeweiht wurde.

Als herausragende Künstler dieser Zeit bezeichnete die Referentin die fränkische Bildschnitzerfamilie Brenck und den späteren markgräflichen Hofbildhauer Elias Räntz und dessen Söhne. Die Architekten der Markgrafenkirchen seien Freimaurer gewesen und die Stuckateure habe man eigens aus Italien geholt. Karla Fohrbeck gab dabei auch zu bedenken, dass die Markgrafen nicht nur die politische, sondern auch die geistliche Obrigkeit waren. Ihr Motiv bei Bau und Ausstattung der Kirchen sei nicht das Protzen gewesen, sondern eine tiefe christliche Verbundenheit.

Weitere Besonderheiten von Markgrafenkirche sind nach den Worten von Karla Fohrbeck Taufengel, Bildemporen, die Darstellungen des Auges Gottes und des Trinitätsdreiecks im Deckenstuck, und, wenn auch nicht überall, die Adelslogen.

Die teuerste aller Markgrafenkirchen in der Region war die von Seibelsdorf bei Marktrodach im Landkreis Kronach. Als Gegenpol zu den katholischen Kirchen aus dem Einflussreich der Bamberger Erzbischöfe gedacht, habe die Markgrafenkirche von Seibelsdorf damals 30000 Gulden gekostet. Zum Vergleich: die prächtige Dreifaltigkeitskirche von Neudrossenfeld kostete damals  „nur“ 12000 Gulden.

Ein Ziel der Initiative von Karla Fohrbeck ist es, dass die Kirchen in ihrer Gesamtheit zu festen Zeiten öffentlich zugänglich sind. Das ist längst nicht bei allen Kirchen der Fall. Bei der Kulmbacher Spitalkirche schon, wie Dekan Thomas Kretschmar versicherte. Dort kann jeder Interessierte seit Neuesten den Schlüssel gegenüber für eine Besichtigung ausleihen.

Bild: Für Bernd Matthes vom Kulmbacher Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing sind die Markgrafenkirchen ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Sie zu entdecken ist das Anliegen der Kulturpolitikerin Karla Fohrbeck.

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16.06.2017

Gegen ein falsches Bild von Israel / Deutsch-Israelische Gesellschaft Oberfranken feiert ihre Gründung mit einem Festakt

Bayreuth. „Wenn es um Israel geht, dann kochen die Emotionen oft hoch, zum Teil auch Aggressionen“, sagt Günter Beck-Mathieu. Für ihn herrscht in der Öffentlichkeit nur allzu oft ein völlig falsches Bild von Israel vor und genau dagegen wollte er mit der Gründung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft etwas unternehmen. Seit knapp einem Jahr hat Oberfranken eine Deutsch-Israelische Gesellschaft. Mit einem Festakt in der Bayreuther Zamirhalle wurde die Gründung jetzt auch offiziell gefeiert.

Anhand einiger Tatsachen rückte Beck-Mathieu, der erster Vorsitzender der Deutsch-israelischen Gesellschaft ist, das Bild Israels auch gleich zurecht. Es sei ein ganz kleines Land, kleiner als Albanien, es sei aber auch ein High-Tech-Land, das „Sillicon Valley des Nahen Ostens“. Vor allem aber sei Israel ein freies und offenes Land mit vielen unterschiedlichen Kulturen und ein demokratisches Land, „ganz im Gegensatz zur anderen Seite“, wie der Gründungsvorsitzende anmerkte.

„Wir wollen ein realistisches Bild von Israel vermitteln und die Menschen zusammenbringen“, sagte Beck-Mathieu. Ein Ziel könnte beispielsweise eine Städtepartnerschaft sein. Es gehöre leider wieder Mut dazu, Partei für Israel zu ergreifen, so der Vorsitzende. „Wir wollen den Mut dazu aufbringen.“

Die junge Generation trage keine Schuld, aber sie werde immer in der Verantwortung stehen, dass Deutschland das „Nie wieder“ an die Spitze aller politischen Bemühungen stellt, sagte der Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk. Manchmal scheine uns die Last der Geschichte zu erdrücken, doch wir sollten die Geschichte als Verantwortung für die Zukunft begreifen. Koschyk gab zu bedenken, dass Deutschland mit Israel die gleichen demokratischen Werte teile. Auch in Israel werde demokratisch um den richtigen Weg zum Frieden gerungen. Die Meinungsfreiheit in Deutschland müsse allerdings dort ihre Grenze haben, wo das Existenzrecht des Staates Israel in Frage gestellt wird. Vielmehr sollte das Existenzrecht stets von Europa verteidigt werden. Von der neuen Deutsch-Israelischen Gesellschaft erhoffte sich Koschyk viele wichtige Impulse für eine lebendige Zusammenarbeit.

Es gebe immer noch latente Formen des Antisemitismus, so Hellmut Königshaus, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und langjähriger Wehrbeauftragter des deutschen Bundestages. Natürlich könne man einiges, etwa die Siedlungspolitik, an Israel kritisieren. Doch gab der Präsident auch zu bedenken, dass außer Ägypten und Jordanien sämtliche Nachbarländer den Staat Israel tilgen möchten, die Hamas fordere sogar die Vernichtung Israels. „Israel ist ein Land, das permanent bedroht wird“, so Königshaus. Auch er erinnerte daran, dass Israel Rechtsstaat und Demokratie sei und gleichzeitig auch ein Land, das Menschen vorbildlich in Gesellschaft und Arbeitsleben integriert.

Menschliche, kulturelle und wirtschaftliche Verbindungen zu festigen und weiterzuentwickeln, das seien die Hauptaufgaben der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, so Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. Sie stellte klar, dass Antisemitismus, Ausgrenzung oder das Leugnen des Existenzrechtes des Staates Israel in Bayreuth keinen Platz hätten.

Der offizielle Festakt zur Gründung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft fand in der Zamirhalle, der Heimstätte des Zamirchores statt. Die Partnerschaft mit Israel und die Beschäftigung mit dem Holocaust seien wichtige Ziele des Chores, sagte die Gründerin und Leiterin Barbara Baier. Bereits 2008 habe das erste große Festkonzert zusammen mit einem israelischen Chor in Bayreuth stattgefunden, Höhepunkt der Chorgeschichte sei 2010 der Auftritt des Zamirchors zum Holocaust-Gedenktag bei den Vereinten Nationen in New York gewesen. „Es ist unser aller Lebensinhalt, an diesem Thema dranzubleiben“, sagte Baier.

Bilder:
- Die Partnerschaft mit Israel als Leitmotiv: der Bayreuther Zamirchor beim Festakt zur Gründung der Deutsch-Israelischen Gesells
chaft.
- v.l.n.r.: Günter Beck-Mathieu (Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Bayreuth), Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, Hellmut Königshaus (Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft), Barbara Baier (Leiterin des Zamir-Chores) und Bundesbeauftragter Hartmut Koschyk MdB.

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05.04.2017

Die Kirche lebt, wächst und verändert sich / 350 Setzlinge gepflanzt: In Plech entsteht Bayerns zweite Weidenkirche

Plech. 34 verzinkte Stahlsäulen, jede einzelne jeweils sieben Meter lang wurden verbaut, die schweren Sitzsteine und der Altar stammen aus dem Altmühltal und die 350 Weidensetzlinge sind im Garten von Pfarrer Christoph Weißmann herangewachsen: In Plech, ganz im Süden des Bayreuther Landkreises, am Eingangstor zur Fränkischen Schweiz und in Sichtweite der Bundesautobahn A9 entsteht derzeit die nach Pappenheim zweite bayerische Weidenkirche.

In den vergangenen Tagen haben Kinder der umliegenden Kindergärten, die Konfirmanden sowie Vertreter des Pegnitzer Dekanats und des Marktes Plech bei einer Pflanzaktion kräftig Hand angelegt. „Damit sind wir auf der Zielgerade“, sagt Pfarrer Christoph Weißmann. Die Kirche soll am 17. September mit einer ökumenischen Wallfahrt der Dekanate Pegnitz und Auerbach eingeweiht werden. Danach sind regelmäßige Gottesdienste und Andachten geplant.

„Das Projekt soll ein Symbol für eine Kirche sein, die lebt, wächst, sich verändert, sich mit der Schöpfung verbunden weiß, auf Jesus Christus gegründet und offen ist für alle, die eine Heimat in ihrem Glauben suchen", so Pfarrer Weißmann. Er war bei einem Besuch der Weidenkirche im mittelfränkischen Pappenheim so beeindruckt, dass er schon bald begann, für Plech ähnliche Pläne zu schmieden. Gemeinde, Kirchenvorstand und Bürgermeister standen dem Projekt von Anfang an positiv gegenüber und so ist die grüne Kirche mittlerweile der offizielle Beitrag des Pegnitzer Dekanats zum Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation.

Natürlich steckt auch in der Weidenkirche jede Menge Symbolik: Zwölf Bögen stehen für die Jünger Jesu, die vier Säulen für die Evangelisten und die drei Bögen im Altarraum für Vater, Sohn und Heiliger Geist. Die 16 Meter lange, elfeinhalb Meter breite und sechseinhalb Meter hohe Weidenkirche ergänzt hervorragend das ökologisch ausgerichtete Konzept der Gemeinde, die bereits von der Landeskirche mit dem Zertifikat „Grüner Gockel“ ausgezeichnet wurde. Dazu passt auch der Standort nahe eine Streuobstwiese, direkt neben einem Insektenhotel in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gewerbegebiet Ottenhof.

Größter Brocken bei den Gesamtkosten in Höhe von 43000 Euro, die im Wesentlichen aus Spenden und Zuschüssen finanziert werden, war das Metallgerüst in Form gotischer Bögen, das von den Metallbauern der Lebensgemeinschaft Münsinghof bei Velden, einer Behinderteneinrichtung, aufgebaut wurde. Das Modell dazu hatte der Pfarrer selbst entworfen, die konkrete Planung erfolgte durch einen Architekten der ortsansässigen Hausbaufirma Büttner. Dazu kommen der massive Altar, die Sitzbänke aus heimischem Naturstein, das Fundament und ein Altarbild, das eine Sonne mit einem Kreuz zeigen wird. Für die laufende Pflege setzt der Pfarrer auf ehrenamtliche Mitarbeit aus dem Dekanat.

Bis es soweit ist, gilt es Pflanzgräben anzulegen, die Containerpflanzen zu setzen, das Gelände zu nivellieren, Wasserleitung zu verlegen und immer wieder schaufeln und graben. Dazu waren jeweils immer einen Vormittag lang unter anderem die Kindergärten Plech und Riegelstein, die Grundschule Plech-Betzenstein, die Kindergruppe der evangelischen Kirchengemeinde, die Konfirmanden und eine Gruppe des Plecher Heimatvereins vor Ort.

Bild: Kinder des Kindergartens Riegelstein halfen in diesen Tagen kräftig mit, die Weidenkirche bei Plech zu pflanzen. Die offizielle Einweihung des außergewöhnlichen Gotteshauses ist für den 17. September geplant.

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12.01.2017

Interdisziplinär und niederschwellig: SPZ Hochfranken schließt Lücke bei der psychiatrischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Oberfranken

Hof. „Wichtig war für uns von Beginn an der interdisziplinäre Ansatz“, sagt Sabine Hofbeck. Sie ist leitende Oberärztin am Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) Hochfranken in Hof. Träger der Einrichtung nahe des Hauptbahnhofs der Saalestadt ist seit Anfang 2016 das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD). Der Sozial- und Bildungsträger hatte das Zentrum vor gut einem Jahr von der Integra Hof übernommen.

Interdisziplinär heißt beim SPZ Hochfranken, dass in der fachärztlich geleiteten Einrichtung Kinder- und Jugendärzte (Pädiater) zusammen mit weiteren medizinisch-therapeutischen und pädagogischen Fachkräften wie Psychologen, Logopäden, Ergotherapeuten oder Physiotherapeuten im Team arbeiten. Grundlegender Auftrag sei die Entwicklungsrehabilitation von Kindern und Jugendlichen im Altersbereich ab der Geburt bis zur Volljährigkeit, erläutert Sabine Hofbeck. Die Patienten werden von ihrem Sorgeberechtigten (Eltern oder Vormund) mit einer Überweisung durch den behandelnden Kinder- und Jugendarzt am SPZ vorgestellt.

Das SPZ engagiert sich nach den Worten seines kommissarischen Geschäftsführers Florian Ott für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit neurologischen Störungen, Entwicklungsauffälligkeiten oder schweren Erkrankungen. Ziel sei es, Entwicklungsauffälligkeiten zu überwinden oder eine größtmögliche Selbständigkeit der Betroffenen im Alltag zu erreichen. Das SPZ gilt als wichtige Anlaufstelle für Familien, die in der Region Hochfranken keine vergleichbare Diagnose- und Therapie-Einrichtung finden. Den Einzugsbereich beschreibt Florian Ott mit einem Radius von 100 Kilometern rund um Hof, die nächsten vergleichbare Einrichtungen seien in Bayreuth, Coburg sowie in Erlangen zu finden.

Zu den behandelte Erkrankungen und Störungen gehören unter anderem chronische Krankheiten und deren Folgen wie Asthma oder Adiposititas, Erkrankungen der geistigen Entwicklung  wie Intelligenzminderung oder Teilleistungsstörung, Verhaltensstörungen, orthopädische Erkrankungen, Epilepsie, Anfallsleiden, Störungen des Lernvermögens, Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS) oder psychosomatische Störungen. In der Regel erfolge als erstes eine ärztliche Anamnese mit Befragung und Untersuchung. Im Gespräch und mit Hilfe einer entwicklungsneurologischen Untersuchung erfasse der Arzt den Stand der Entwicklung und die genauer zu untersuchenden Aspekte der Entwicklung des Patienten.

Ganz wichtig ist den Verantwortlichen auch die Niederschwelligkeit des Angebotes. Sabine Hofbeck meint damit, dass es Eltern leichter fällt, mit ihren Kindern auf Anraten des Kinderarztes in einer ambulanten Einrichtung wie dem SPZ vorstellig zu werden, als gleich die Kinder- und Jugendpsychiatrie aufzusuchen. „Wir sehen uns als große Gemeinschaftspraxis“, so Sabine Hofbeck.

Wie der Arzt führen deshalb auch die einzelnen Fachbereichsmitarbeiter Gespräche mit den Eltern und berichten über die von ihnen erhobenen Befunde. Oberstes Ziel sei es, Entwicklungsauffälligkeiten zu überwinden oder zumindest abzumildern. „Somit begeben wir uns mit unserer Diagnostik neben der Suche nach Ursachen immer automatisch auch auf die Suche nach nötigen und möglichen therapeutischen Hilfen und Lösungsschritten“, so Sabine Hofbeck.

Das Sozialpädiatrisches Zentrum in Hof leiste einen wichtigen Beitrag für die psychiatrische Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Oberfranken, sagte die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml vor kurzem bei einem Besuch. Huml will sich vor allem dafür einsetzen, dass Menschen mit psychischen Leiden wohnortnah behandelt werden können. „Eine wohnortnahe Versorgung ist sehr wichtig. Denn dadurch können Patientinnen und Patienten eine Therapie annehmen und trotzdem im vertrauten Umfeld bleiben“, so Huml.

Träger des Sozialpädiatrischen Zentrums Hochfranken ist das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD), ein riesiger, aber trotzdem weitgehend unbekannter Sozial- und Bildungsträger. Das CJD bietet jährlich über 150000 jungen und erwachsenen Menschen Orientierung und Zukunftschancen. Sie werden von rund 10000 hauptamtlichen und vielen ehrenamtlichen Mitarbeitenden an über 150 Standorten in Deutschland gefördert, begleitet und ausgebildet. Grundlage ist das christliche Menschenbild mit der Vision „Keiner darf verloren gehen“".

Bild: Die leitende Oberärztlich Sabine Hofbeck und der kommissarische Geschäftsführer Florian Ott stehen an der Spitze des Sozialpädiatrischen Zentrum Hochfranken in Hof.

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24.11.2016

Bildung als zentrales Thema /
Neuer Dekan Thomas Kretschmar stellte sich beim Tutzinger Freundeskreis vor

Kulmbach. Die Bildungsarbeit der evangelischen Kirche sollte immer auch mit Glaubensinhalten zu tun haben. Diesen Anspruch hat der neue Kulmbacher Dekan Thomas Kretschmar am Donnerstagabend bei einer Veranstaltung des Freundeskreises der Evangelischen Akademie Tutzing formuliert. Allerdings müsse sich Bildung auch verändern, man benötige andere Methoden, um junge Menschen zu erreichen. Von Nachrichten, die auf Twitter-Größe reduziert werden, hält der Dekan freilich wenig.

Zu seinem Antrittsbesuch beim Freundeskreis hatte Kretschmar die Vorstellung seiner Person eng mit seinem Herzensthema Bildung verknüpft. „Die Tutzinger sind schließlich die Creme de la Creme in Sachen Bildung“, sagte er. Der Dekan stellte dazu einige Thesen und einige Forderungen auf. Eine davon lautet „Bildung muss das zentrale Thema für die Zukunft sein“, eine andere „Bildung habe immer mit Erfahrung zu tun“. Sobald eine eigene Erfahrung dahintersteht, werde es einfacher Inhalte weiterzugeben. Erst wenn die Motivation da sei, dann kommt auch die Freude an Bildungsinhalten.

Bildung habe aber auch immer etwas mit Beziehungen der Menschen untereinander zu tun. Bildung bedeute Lernen aus der Geschichte, damit die Gegenwart gelingen kann und Bildung beginne schon im Kindergarten, wobei auch das in vielen Familien längst nicht mehr selbstverständliche gemeinsame Mittagessen dazugehört.

Thomas Kretschmar wurde in Hamburg als jüngstes von vier Kindern geboren. Sein Vater hatte die Theologische Fakultät der Hansestadt gegründet. Kirche sei damals etwas ganz normales gewesen, erinnerte sich der Dekan. Im Alter von sechs Jahren war die Familie nach Oberbayern gezogen. Plötzlich waren die Katholiken immer in der Mehrzahl, was ihm damals durchaus schwer gefallen sei.

Es folgten der Besuch des Maximiliansgymnasiums in Schwabing und anschließend 15 Monate Bundeswehr als Sanitäter bei den Gebirgsjägern in Mittenwald. Eine Erfahrung, die Kretschmar heute nicht missen möchte. Aus diesem Grund plädierte er auch für ein soziales Pflichtjahr, das für junge Leute gar nicht so schlecht sei.

Bei Kretschmar kam daraufhin das Theologiestudium in München und Heidelberg, nebenbei engagierte er sich im Rettungsdienst bei den Johannitern und erteilte selbst Erste-Hilfe-Kurse, Erfahrungen, die ihm später in der Notfallseelsorge sehr zu Gute kommen sollten.

Nach dem Vikariat in Olching hatte Kretschmar dann mit 28 Jahren im Roding im Bayerischen Wald seine erste Pfarrstelle angetreten. Kontakte zu einigen seiner ersten Konfirmanden bestünden über Facebook noch heute, sagte der Dekan. Nach drei Jahren bei der Diakonie in Nürnberg habe es ihn dann wieder in den Gemeindedienst verschlagen, zunächst nach Haar bei München, zuletzt nach Kaufbeuren.

Bei der Veranstaltung gab Dekan Kretschmar auch deutlich zu verstehen, dass ihm viel an Ökumene liege. „Wenn wir keine Ökumene machen, dann fehlt in der Kirche etwas“, sagte er. Kirche sei erst mit Ökumene komplett. Ganz in diesem Sinne steht auch die nächste Veranstaltung des Freundeskreises der Evangelischen Akademie Tutzing, die laut Bernd Matthes, dem Vorsitzenden des Freundeskreises, bereits am kommenden Dienstag, 29. November um 19.45 Uhr im Pfarrzentrum der katholischen St.-Hedwig-Kirche am Galgenberg stattfindet. Zusammen mit der Katholischen Erwachsenenbildung Bayreuth wird dabei Professor Ottmar Fuchs zum Thema „Mit Luther über Luther hinaus - Ökumenisch für eine solidarische Welt“ sprechen.

Bild: Der neue Kulmbacher Dekan Thomas Kretschmar (rechts) und der Vorsitzende des Freundeskreises der Evangelischen Akademie Tutzing Bernd Matthes.

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01.10.2016

Einsatz für die Erneuerung und Einheit der Kirche / Thomas Kretschmar ist als neuer Kulmbacher Dekan in sein Amt eingeführt worden

Kulmbach. Mit einem Festgottesdienst hat Regionalbischöfin Dorotheas Greiner am Samstagnachmittag in der St. Petrikirche den neuen Kulmbacher Dekan Thomas Kretschmar in sein Amt eingeführt. Der 55-Jährige tritt die Nachfolge von Jürgen Zinck an, der bereits am 1. Mai in den Ruhestand verabschiedet wurde und der 16 Jahre lang Dekan in Kulmbach war.

Der neue Dekan, gleichzeitig Gemeindepfarrer an der Petrikirche, bringe durch seine langjährige Tätigkeit als Pfarramtsführer großer Kirchengemeinden, seine Mitarbeit in Dekanatsgremien, seine ausgeprägte theologische und liturgische Kompetenz und durch sein sehr freundliches, integratives Wesen eine außerordentliche Befähigung mit, sagte Regionalbischöfin Greiner.  Auch für den wichtigen Arbeitsbereich Diakonie sei er durch seine bisherigen Tätigkeiten gut gerüstet. „Thomas Kretschmar bringt so viele Gaben mit in dieses Amt und kann auf ein ungewöhnlich breites Spektrum an Leitungserfahrung zurückgreifen, dass er dafür mehr als geeignet ist“, so Greiner.

Allein großes Organisationstalent und ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit machten noch keinen Dekan. Dieses Amt sei ein geistliches Leitungsamt und es gelte als Dekan theologisch durchdacht zu leiten, geistliche Impulse zu setzen und zu evangelischer Frömmigkeit anzustiften. „Und das alles kann Thomas Kretzschmer“, sagte Greiner. Zum einen habe er eine große Liebe zum Gottesdienst und könne ihn in Liturgie und Predigt gehaltvoll und formvollendet gestalten. Zum anderen gehöre er als Michaelsbruder seit 2008 selbst zu einer verbindlichen geistlichen Gemeinschaft, die ihm ein zusätzliches geistliches Zuhause wurde. Ziel der evangelischen Michaelsbruderschaft ist die Vertiefung geistlichen Lebens und der Einsatz für die Erneuerung und die Einheit der Kirche.

Thomas Kretschmar war zuletzt als Pfarrer in Kaufbeuren im Allgäu tätig. Nach seinem Vikariat in Olching war er fünf Jahre Gemeindepfarrer in Roding im Bayerischer Wald, drei Jahre persönlicher Referent des Präsidenten des Diakonischen Werks Bayern und anschließend neun Jahre geschäftsführender Pfarrer der Jesuskirche in Haar nahe München. Der gebürtige Hamburger hat zusammen mit seiner Frau Sabine drei erwachsene Töchter, die in München und Nürnberg leben.

„Den Weg zum Glück schenkt uns alleine Christus“, sagte Kretschmar in seiner Antrittspredigt. Nicht Gesundheitswahn, nicht unendliche Arbeit, auch wenn sie gerne gemacht wird, und nicht das Schielen nach den großen Zahlen sorge für Lebensglück. Im Gegenteil: die wichtigen Dinge des Lebens kämen meistens zu kurz. Kretschmar sprach auch davon, dass die Zeiten vorbei sind, in denen die Hälfte der Deutschen katholisch und die andere Hälfte evangelisch war. Die demographischen Veränderungen würden auch die Kirche kleiner werden lassen. Beschwörungen der Vergangenheit seien dabei kein Heilsweg, ehe müsse es darum gehen, die Kirche der Zukunft festzumachen. Mobilität und neue Medien gehörten genauso dazu, wie neue Gemeinschaftsformen, die man sich heute vielleicht noch nicht vorstellen könne.

Er freue sich auf das Leben in der Stadt  Kulmbach und darauf, die Menschen dort und die Gemeinden im Dekanat Kulmbach begleiten zu können, sagte Kretschmar. Mit seinem Vorgänger Jürgen Zinck verbinde ihn die Geburtsstadt Hamburg, allerdings sei er in München groß geworden.

Von einem besonderen Tag der Freude für die Stadt, den Landkreis und die Kirchengemeinde St. Petri sprach der stellvertretende Dekan Holger Fischer aus Burghaig. „Wir erwarten deinen Dienst mit freudigem Herzen“, sagte Fischer zu Kretschmar.

Zum Dekanatsbezirk Kulmbach gehören 25 Kirchengemeinden mit insgesamt rund 30000 Gemeindegliedern.

Bilder:
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 Regionalbischöfin Dorothea Greiner hat Thomas Kretschmar in sein Amt als Dekan und Inhaber der Pfarrstelle Petrikirche eingeführt.
- Der neue Dekan Thomas Kretschmar bei seiner Antrittspredigt auf der Kanzel der St.-Petrikirche.
- Neben dem Bezirksposaunenchor und Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn an der Orgel umrahmte auch das Ensemble Tonart die Einführung des neuen Dekans Thomas Kretschmar in der St.-Petrikirche.
- Sie nahmen die Einführungshandlung des neuen Dekans Thomas Kretschmar (rechts) in der St. Petrikirche vor (von links): Pfarrer Traugott Burmann, die Vertrauensfrau des Kirchenvorstandes Adrienne Dörnhöfer, Thomas Wanninger vom Kirchenvorstand Kaufbeuren, Regionalbischöfin Dorothea Greiner, Peter Sachi von der Michaelsbruderschaft, der stellvertretende Dekan Holger Fischer und Christina Flauder, Mitglied der Landessynode.

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25.09.2016

Das Beste gegen Einfalt: Vielfalt /
Interkulturelle Wochen auf der Landesgartenschau in Bayreuth eröffnet

Bayreuth. Unter dem Motto „Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt“ sind am Sonntag auf der Landesgartenschau in Bayreuth die Interkulturellen Wochen eröffnet worden. Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, Gelegenheit zur Begegnung zu bieten, miteinander ins Gespräch zu kommen, sich gegenseitigen kennenzulernen, dadurch Vorurteile zu überwinden und Brücken zu bauen. Am Beginn standen ein überkonfessionelles Eröffnungsfest sowie die Segnung eines neu gepflanzten „Baumes der Integration“.

Dieser Baum nahe des Oratoriums ist ein Kunstwerk. Ihn schmücken 130 leuchtende Pads. Auf den bunten Platten in den verschiedensten Formen sind Namen und Herkunftsland von Flüchtlingen verewigt. „Im Gegensatz zu den Blättern, die der Baum im Herbst abwirft, werden die leuchtenden Stücke, die unsere Gesellschaft zusammenführen, bleiben“, sagte Beatrice Trost vom Kunstmuseum. Sämtliche Flüchtlinge, deren Name auf den Platten steht, seien im Rahmen einer Projektarbeit des Kunstmuseums persönlich aufgesucht worden. Ein eigenes Hinweisschild vor dem Baum haben die Metallbauerklasse und eine Flüchtlingsklasse der Berufsschule I im Rahmen des Unterrichts angefertigt.

Das Motto „Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt“ gebe den vielen Millionen Menschen in unserer Zivilgesellschaft Rückhalt, die sich für ein tolerantes und friedliches Zusammenleben in Vielfalt einsetzen und damit zur erfolgreichen Integration unserer Neubürger beitragen, sagte Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. Die Integration der Neubürger bezeichnete die Oberbürgermeisterin als eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben, die alle angehe. In dieser Hinsicht bestünde in Bayreuth über alle gesellschaftlichen Gruppen, Religionen und Organisationen hinweg ein großer Zusammenhalt. Merk-Erbe: „Gerade im Hinblick auf Menschen, die bei uns Schutz vor Krieg und Terrorsuchen, ist es umso wichtiger, dass wir zusammenstehen und deutliche Zeichen der Solidarität setzen.“

Das, was die Grundnorm unserer Verfassung ausmacht, sei jeden Tag aufs Neue bedroht und müsse verteidigt werden, sagte der Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, der Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk. Hass, Intoleranz und Gewalt bedrohten die Würde des Menschen. „Als Demokraten dürfen wir dazu nicht schweigen“, sagte Koschyk. Hier setzten auch die Interkulturellen Wochen an, die auf den Grundsatz aufbauen: „Ohne Kenntnis kein Verständnis“.

Es sei schon paradox, so der evangelische Dekan Hans Peetz: Diejenigen, die Flüchtlinge raus haben wollten, kennen keinen einzigen Flüchtling persönlich. Dort, wo die Ausländerfeindlichkeit am größten ist, gebe es in der Regel die wenigsten Ausländer. Peetz appellierte, den Geist der Besonnenheit gegen blinden Hass und Ideologie zu setzen. Er gab auch zu bedenken: „Die Aufnahme von Fremden gehört zentral zum Christentum.“

Die Interkulturellen Wochen finden in Bayreuth bis zum 5. Oktober statt. Die Veranstaltungsreihe, an der zahlreiche Organisationen und Initiativen mitwirken, leistet seit Jahren einen wichtigen Beitrag zum Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Religion. Sie trägt zur interkulturellen Verständigung bei und schafft zahlreiche Gelegenheiten für Begegnung und Dialog. Das diesjährige Programm der Interkulturellen Wochen enthält über 30 Veranstaltungsangebote – Ausstellungen, Vorträge, Diskussionsrunden, Filme, Workshops, Konzerte, Sport- und Kreativangebote sowie Kinderfeste.

Zu den zahlreichen Veranstaltungen der Interkulturellen Wochen gehören unter anderem eine „Literarische Weltreise“ (27.09. – 04.10., jeweils von 14.30 bis 16 Uhr) in der Kreativwerkstatt des RW 21, Richard-Wagner-Straße 21 in Bayreuth, ein marokkanischer Koch- und Erzählabend mit Hanane Amghar im Ort: Löhehaus, 1. Stock, Bismarckstr. 3 (27.09., 19 Uhr) und eine russischsprachige Führung durch die Ausstellung Miron Schmückle (28.09., 15 Uhr) im Bayreuther Kunstmuseum. Außerdem gibt es am Freitag, 30. September um 16 Uhr unter dem Motto „Ich bin wir und wir sind du“ Songs gegen Rassismus mit Schülern der Schule St. Georgen und dem bekannten Liedermacher Sandy Wolfrum auf der Seebühne der Landesgartenschau sowie am Samstag, 1. Oktober ein Interkulturelles Strassenfest mit Streetsoccer-Turnier in der Wilhelm-Busch-Straße, veranstaltet vom Verein „Bunt statt Braun - Gemeinsam stark für Flüchtlinge e.V.“

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15.09.2016

Tradition bewahren und Neues wagen / Kirchen, Landjugendverbände und Bäckereien starten „Gott-sei-Dank-Brot-Aktion“  

Kronach. Handwerk, Kirche und Landjugend: das sind die drei Akteure einer Aktion, die es bereits seit 2008 gibt und die seitdem immer wieder für großes Aufsehen gesorgt hat. Unter dem Namen „Gott-sei-Dank-Brot“ bieten viele Bäckereien in ganz Oberfranken rund um das Erntedankfest ein spezielles Brot an. Parallel zu der Aktion gibt es Begleitveranstaltungen in vielen Kirchengemeinden, Gebetskarten und Plakate und sogar eine eigene Facebook-Seite. Aufgrund der Betriebsübergabe der Traditionsbäckerei Oesterlein fand der Auftakt der „Gott-sei-Dank-Brot-Aktion“ diesmal in Kronach statt.

Alle drei Akteure haben eines gemeinsam: sie stehen für Tradition. Das Motto der „Gott-sei-Dank-Brot-Aktion“ lautet denn heuer auch Tradition. Zu jedem Erntedank-Tisch gehört ein runder Brotlaib. Er sei von jeher ein Symbol dafür gewesen, dass Gott die Nahrung wachsen lässt und uns gibt, was wir zum Leben brauchen, sagte Michael Thein, Referent von Regionalbischöfin Dorothea Greiner, die krankheitsbedingt nicht am Start der Aktion teilnehmen konnte . Die Marke „Gott sei Dank“, die jeder Brotlaib der Aktion trägt, soll den Dank ausdrücken für den Einsatz der Bauern in der Feldbewirtschaftung, für das Können der Handwerker, die daraus Brot backen und vor allem, dass Gott uns schenkt, was wir zum Leben brauchen.

Dabei sprach sich Thein auch dafür aus, berufliche und geschäftliche Lebensübergänge, so wie bei der Bäckerei Oesterlein, wieder mit der Bitte um Gottes Segen zu begleiten. Viele Traditionen hätten es verdient, bewahrt oder auch wiederentdeckt zu werden. Eine dieser Traditionen ist die „Gott-sei-Dank-Brot-Aktion“, an der sich nach den Worten des Kronacher Regionaldekans und neuen Domkapitulars Thomas Teuchgräber sowohl immer mehr Bäckereien als auch immer mehr Gemeinden beteiligen.

„Wir freuen uns, wenn die Aktion weitertragen wird, als handfeste, schmackhafte Weise Gott zu danken, die Verbundenheit mit dem Handwerk auszudrücken, den Wert regionaler Nahrungsmittel neu in Erinnerung bringen und gemeinsam das Erntedankfest zu feiern“, sagte der oberfränkische Handwerkskammerpräsident Thomas Zimmer. Er nannte es einen hohen Anspruch für die Genussregion Oberfranken, sowohl Traditionen zu bewahren, und gleichzeitig immer wieder neues zu wagen.

Die Bäcker waren von Anfang an dabei, ebenso der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Bayreuth und die katholischen Erzdiözese Bamberg. Erst 2014 waren auch die Evangelische Landjugend Oberfranken-Oberpfalz, die Katholischen Landjugendbewegung Bamberg und 2015 der Landjugend Bezirksverband Oberfranken dazu gestoßen.

Beim Auftakt der Aktion in der Kronacher Bäckerei Oesterlein segneten Pfarrer Michael Thein und Regionaldekan Thomas Teuchgräber die Geschäftsräume der alten Traditionsbäckerei, die künftig der erst 22-jährige Bäckermeister Sebastian Zeis aus Arnstein bei Weismain leiten wird. „“Backen ist meine Leidenschaft“, sagte Zeis. Er versprach, Traditionen beizubehalten, kündigte aber auch an neue und eigene Ideen einzubringen. Laut Georg Oesterlein wurde der Betrieb bereits 1533 erstmals urkundlich erwähnt, seit 1762 ist er nachweislich in Familienbesitz. Als kleinste Bäckerei in Kronach habe sein Betrieb stets höchste Ansprüche gesetzt. So werde bereits seit zwölf Jahren nach Bioland-Richtlinien gearbeitet.

Ein Abschlussgottesdienst Mitte November rundet die „Gott-sei-Dank-Brot-Aktion“ 2016 ab. Weitere Informationen: www.kirchenkreis-bayreuth.de/Gott-sei-Dank-Brot sowie bei Facebook unter „Gott-sei-Dank-Brot“.

Bilder:
1. Georg Oesterlein zeigt Sebastian Zeis und HWK-Präsident Thomas Zimmer (von links), wie er ein Kreuz in das Brot ritzt, bevor er es anschneidet.
2. Auch das ist Tradition: HWK-Präsident Thomas Zimmer (links) stellte auf traditionelle Weise Butter her, Sebastian Zeis und Georg Oesterlein (von rechts) blicken ihm dabei über die Schulter.
3. Sie haben die „Gott-sei-Dank-Brot-Aktion“ gestartet: Domkapitular Thomas Teuchgräber, Pfarrer Michael Thein, Georg Oesterlein, Sebastian Zeis, Michael Denhofer von der evangelischen Landjugend, Robin Bojer von der katholischen Landjugend, HWK-Präsident Thomas Zimmer, Aktionskoordinator und Diakon Jürgen Kricke sowie Marco Friedlein von der Jungbauernschaft (von links).

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01.06.2016

Hier wird die Glocke noch von Hand geläutet / Eines der ältesten Gotteshäuser der Fränkischen Schweiz: Klaussteinkapelle wurde generalsaniert 

Kirchahorn. Nach rund zwei Jahren umfangreicher Renovierung wird die Klaussteinkapelle im Ahorntal (Landkreis Bayreuth) von Regionalbischöfin Dorothea Greiner wieder eingeweiht. Die Generalsanierung des Gotteshauses hoch über dem Ailsbach hat knapp eine viertel Million Euro gekostet. Die kleine Kirche war einst Teil der mächtigen Burg Ahorn. Sie befindet sich auf einem Kalkfelsen direkt über der Sophienhöhle.

Die letzte Sanierung der Klaussteinkapelle lag mehr als 50 Jahre zurück. Der jetzige Putz sei 1962 aufgetragen, das Ziegeldach letztmals 1950 gedeckt worden, sagt Peter Zeh, seit 2005 Pfarrer von Kirchahorn. An der Westseite der Außenfassade war der Pilzbefall zuletzt nicht mehr zu übersehen. An der Südseite waren sogar große Teile des Putzes abgeplatzt. Das Mauerwerk lag offen und war Wind und Wetter ausgesetzt.

Neben dem neuen Außenputz mussten auch das Dach neu gedeckt, die Bänke gestrichen, sowie Elektrik und Beleuchtung erneuert werden. Auch eine neue Blitzschutzanlage sei durch die exponierte Lage dringend notwendig geworden. Mächtig gelitten hatte das Innere der Kapelle, an mehreren Stellen war bereits Feuchtigkeit eingedrungen. Nicht zuletzt gibt es jetzt auch eine moderne Alarmanlage.

Den größten Teil der Kosten muss die Kirchengemeinde mit rund 93000 Euro aus Rücklagen, Spendenaktionen und dem Kirchgeld selbst tragen. „Das Kirchgeld werden wir noch einige Jahre dafür verwenden müssen“, sagt Pfarrer Zeh. Größter Zuschussgeber ist die evangelische Landeskirche mit 55000 Euro. Dazu kommen weitere Zuschüsse der Oberfrankenstiftung (45000 Euro), der Bayerischen Landesstiftung (21000 Euro), der Stiftung für Denkmalpflege (11800 Euro) und der politischen Gemeinde Ahorntal (10000 Euro). Beim Landkreis Bayreuth sei ebenfalls ein Zuschuss beantragt worden.

Bei der Klaussteinkapelle handelt es sich um ein wichtiges Kulturdenkmal von überörtlicher Bedeutung. Taufen und Hochzeiten werden hier gern abgehalten. „Die Klaussteinkapelle ist eine der ältesten Kirchen der Fränkischen Schweiz“, so Pfarrer Zeh. Viele Menschen aus dem Nürnberger Land kämen regelmäßig zu Trauungen und Taufen hierher, aber auch aus Brasilien und aus Shanghai seien schon Gläubige eigens zu Trauungen und Taufen angereist. Im Sommer gibt es einmal im Monat einen Gottesdienst und am Nikolaustag versammeln sich die Kinder der Umgebung in der Kapelle, um eine fröhliche Nikolausandacht zu feiern und somit dem Namenspatron der Kapelle, dem heiligen Nikolaus, zu würdigen. Auch als kleiner Konzertsaal hat sich die Klaussteinkapelle einen Namen gemacht, sie ist beispielsweise regelmäßiger Aufführungsort für Kammermusik im Rahmen der Pegnitzer Sommerkonzerte.

Das Kirchenschiff ist im Kern romanisch mit einem kleinen spätgotischen Chor im Osten, dem ursprünglichen Altarraum, der heute als Sakristei dient. Die Kapelle wurde im 18. Jahrhundert im Sinne des Barocks umgestaltet. Statt des gotischen Choraltars kam 1723 ein viersäuliger Kanzelaltar des Auerbacher Bildschnitzers Johann Michael Doser in die Kapelle.

Die Geschichte der Kapelle geht zurück bis in das Jahr 1139. In diesem Jahr wurde erstmals eine Kapelle in der Burg „derer von Ahorn“ genannt. 1272 erlosch das Geschlecht und die Herren von Rabenstein übernahmen die Kapelle. Seit 1390 gilt sie nicht mehr als Burgkapelle, sondern als eigenständiger Sakralbau. Infolge der Reformation wurde die römisch-katholische St.-Nikolaus-Kapelle 1566 unter den Rabensteinern evangelisch-lutherisch und gehört heute als Filialkirche zu Kirchahorn.

Eine Besonderheit der Klaussteinkapelle ist auch das silberne Glöcklein in dem restaurierten Glockenturm, der wie seit Jahrhunderte die Gläubigen zu Gebet und Gottesdienst ruft. Dafür ist Marga Neuner zuständig. Die 77-Jährige ist seit über 50 Jahren als Mesnerin und Kirchenführerin der Klaussteinkapelle tätig. Um in die Kapelle zu gelangen, muss jeder Besucher, erst durch das landwirtschaftliche Anwesen der Familie Neuner spazieren. „Das war schon immer so“, sagt Marga Neuner, die sich auch Dichterin und Buchautorin („Klaussteiner Horizonte“) einen Namen gemacht hat. Die Kapelle ist täglich von 9 bis 17 Uhr zu besichtigen.

Bilder:
1. Hoch über dem Ailsbach auf einem Kalkfelsen direkt über der Sophienhöhle liegt die Klaussteinkapelle.
2. Der Kanzelaltar des Auerbacher Bildschnitzers Michael Doser stammt aus dem Jahr 1723, die Orgel wurde 1739 gebaut.
3
. Marga Neuner ist seit über 50 Jahren als Mesnerin der Klaussteinkapelle tätig. Mit im Bild: Peter Zeh, seit 2005 Pfarrer von Kirchahorn.

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09.03.2016

Licht und Farbe für St. Moriz / Coburger Stadtkirche wurde zwei Jahre lang aufwändig saniert – Hier predigte schon Martin Luther

Coburg. Fast genau zwei Jahre nach Beginn der umfangreichen Sanierungsarbeiten wird die Coburger St.-Moriz-Kirche an Ostern wiedereröffnet. „Die Gemeinde wird an Ostersonntag einziehen, nachdem die Salvatorkirche zwei Jahre lang als Ausweichquartier gedient hat“, freut sich Gertrud Göpfert, seit September 2014 geschäftsführende Pfarrerin in St. Moriz.

Als sie damals kam, da sei die Baustelle schon voll in Gang gewesen. Im Kirchenschiff gab es eine aufwändige Gerüstkonstruktion, die den gesamten Innenraum umfasste und die bis zu 15 Meter hoch war. Schon zuvor hatte für die evangelische Innenstadtgemeinde St. Moriz am Ostermontag 2014 mit einer Kirchenschließandacht die jüngste Zäsur in der mehrere Jahrhunderte überspannenden Geschichte der Kirche begonnen.

Dabei ist eigentlich eine turnusmäßige Sanierung, die alle 40 bis 50 Jahre fällig wird. Die letzte Innensanierung fand in den 1970er Jahren statt. Seit 2009 gebe es Planungen des Hochbauamtes der Stadt Coburg in Abstimmung mit der Landeskirche für eine Renovierung, die veränderten liturgischen Konzeptionen und Bedürfnissen für das gottesdienstliche und kirchenmusikalische Leben gerecht wird.

Im Hinterkopf hatten die Verantwortlichen allerdings immer auch das Reformationsjubiläum 500 Jahre Thesenanschlag in Wittenberg, das 2017 unter anderem mit einer großen Landesausstellung des Hauses der bayerischen Geschichte in Coburg gefeiert wird. Weil Martin Luther eng mit Coburg in Verbindung steht, sich im Jahr 1530 mehrere Monate lang auf der Veste aufhielt und an Ostern 1530 mehrfach in der St.-Moriz-Kirche predigte, sollte auch die Kirche als authentischer Ort in neuem Glanz erstrahlen.

Drei Dinge, sind es, die dem Betrachter besonders ins Auge fallen: Die Kirche wurde vom Staub mehrerer Jahrzehnte befreit und erstrahlt wieder in hellem Weiß. Der neue Anstrich setzt auch neue farbliche Akzente. Dominierten bisher in altrosa gehaltene Flächen, wird zukünftig ein hellgelb-beiger Farbton für Abwechslung sorgen. Auch die dunkle Wandverkleidung im Altarraum, die immer an ein Chorgestühl erinnerte, ist verschwunden. Dazu ist das Stufenpodest rund um den Altar großzügig erweitert worden.

Besonders augenfällig ist auch der Altar aus Ahornholz des Münchner Künstlers Werner Mally. Der Altar ist in sich verschiebbar und kann jeweils passend zum Fest des Kirchenjahres verändert werden kann. Ein Stehpult, ein Osterleuchter und ein Kreuz ergänzen die Ausstattung. In die Mitte gerückt wurde außerdem der historische Taufstein. Modernisiert wurden unter anderem die in die Jahre gekommene Elektrik sowie die Tonanlage und die Beleuchtung. Das Lichtkonzept ist künftig auf verschiedene Szenarien ausgerichtet, die der unterschiedlichen Nutzung für kleine und große Gottesdienste und für die Kirchenmusik gerecht werden. Auch der Boden wurde gründlich gereinigt und am Haupteingang gibt es eine neue Pforte. Die Bestuhlung bleibt allerdings die alte.

Das Herzstück des Altarraums ist der Epitaph des Bildhauers Nikolaus Bergner von 1598, ein Kunstwerk, das seinesgleichen sucht, und das die beiden Restauratorinnen Jutta Minor und Cornelia Petterson in mühevoller Kleinarbeit aufwändig hergerichtet haben. Ein ganz besonderes musikalisches Schmuckstück ist auch die 1989 errichtete Schuke-Orgel mit den erhaltenen, ursprünglichen Pfeifen der Orgel von 1740. Epitaph und Orgel überdauerten die Bauarbeiten gut geschützt und teilweise komplett eingehaust in der Kirche.

Nach den Worten der geschäftsführenden Pfarrerin Gertrud Göpfert wurde der Landeskirche die Baumaßnahme mit Gesamtkosten in Höhe von 1,4 Millionen Euro zur Genehmigung vorgelegt. Davon beträgt der kirchliche Anteil 500000 Euro, die Gemeinde hat davon 170000 Euro an Eigenmitteln aufzubringen, die Landeskirche ist mit der Bedarfszuweisung von 330000 Euro beteiligt. Den Hauptanteil trägt die Stadt Coburg mit 615000 Euro, die Oberfrankenstiftung mit 200000 Euro sowie die Denkmalpflege mit 85000 Euro. Das Epitaph ist in dieser Finanzierung nicht enthalten.

Die im Besitz der Stadt Coburg befindliche Morizkirche ist Hauptkirche der evangelischen Innenstadtgemeinde St. Moriz. Der erste urkundliche Nachweis der Kirche stammt aus den Jahren 1056/1057. Ältester Teil des heutigen Kirchenbaus ist der 1330 abgeschlossene Ostchor. Die Türme und das Portal der Kirche kamen um etwa 1420 hinzu. Um 1520 wurde mit der Aufrichtung des eigentlichen Kirchengebäudes begonnen.

Die offizielle Wiedereröffnung der Str.-Moritz-Kirche in Coburg wird Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm am Sonntag, 8. Mai mit einem Festgottesdienst ab 10 Uhr vornehmen. Auch Bedford-Strohm hatte an der Kirche schon einen Dienstauftrag: Er war von 1997 bis 1999 und von 2001 bis 2004 Pfarrer an der Coburger Morizkirche.

Bilder:
- Innenraum der Coburger St.-Moriz in Richtung Bergner-Epitaph.

- Innenraum der Coburg St. Morizkirche in Richtung Schuke-Orgel.

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02.10.2015

„Wollen selbstverständlicher Teil der Gesellschaft sein“ / Zentralratsvorsitzender der Sinti und Roma Romani Rose bei Interkultureller Woche in Bayreuth

Bayreuth. Als Bedrohung, nicht nur für Minderheiten, sondern für die gesamte Demokratie hat der Zentralratsvorsitzende der Sinti und Roma in Deutschland, Romani Rose, die vielen populistischen Bestrebungen der Gegenwart bezeichnet. „Wir sind derzeit Zeugen davon, dass Flüchtlingsheime brennen“, sagte Rose bei einem Vortrag im Rahmen der Interkulturellen Wochen in Bayreuth. Die Verteidigung demokratischer Werte sollte deshalb Aufgabe der Gesamtgesellschaft sein.

Der Zentralratsvorsitzende zeigte sich aber trotzdem überzeugt davon, „dass unsere gefestigte Demokratie auch die aktuellen Herausforderungen bewältigen wird“. Es gebe eben nicht nur brennende Flüchtlingsheime, sondern auch eine große Welle der Hilfsbereitschaft nahezu unzähliger haupt- und ehrenamtlicher Helfer. Höchsten Respekt zollte Rose auch Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihre von Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft getragene Haltung.

Rose beklagte aber auch die rassistische Gewalt gegen Sinti und Roma in vielen Ländern Europas. Wie keine andere Minderheit seien Sinti und Roma rassistischen Angriffen ausgesetzt. „Rassismus gegenüber unserer Minderheit ist noch immer an der Tagesordnung“, sagte er. Dieser allgegenwärtige Antiziganismus werde weder von der Politik noch von der Gesellschaft hinterfragt.

Aufgrund all dieser Vorkommnisse sei es wichtig, Aufklärungsarbeit zu leisten und dem Klischee die Wirklichkeit entgegenzusetzen. Dies sei unter anderem durch die Gründung des Zentralrats der Sinti und Roma 1982, durch die Einrichtung des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg und durch das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas in Berlin nahe des Reichstages geschehen.

„Uns geht es nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Wahrhaftigkeit, gesellschaftliche Aufklärung und historische Erinnerung“, sagte Rose. „Wir wollen aus der Opferrolle raus und selbstverständlicher Teil der Gesellschaft sein.“ Ausgrenzung dürfe keinen Platz mehr in der Gesellschaft haben. Allerdings gebe es noch immer kein ausreichendes Bewusstsein für die Verbrechen an Sinti und Roma. Über 500000 Sinti und Roma, die teilweise seit Generationen in Deutschland verwurzelt waren, sind erfasst, entrechtet, gettoisiert und schließlich ermordet worden. Der NS-Staat habe den Angehörigen der Sinti und Roma kollektiv das Lebensrecht abgesprochen, sagte Rose, dessen Großeltern und elf weitere nahe Familienangehörige in Konzentrationslagern ermordet wurden.

Weder politzisch, noch historisch habe nach dem Krieg eine Aufarbeitung dieser Verbrechen stattgefunden, noch 1956 seien Entschädigungen höchstrichterlich abgelehnt worden mit den gleichen Argumenten und der gleichen demagogischen Hetze wie von Seiten des Nationalsozialismus.

Auch Sinti und Roma seien während des Naziregimes systematisch ermordet worden, sagte der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, der Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk. Das aber sei im breiten Bewusstsein der Bevölkerung noch nicht verankert. Koschyk räumte ein, dass es lange gedauert habe, bis die Bundesrepublik ein entsprechendes Abkommen zur Anerkennung nationaler Minderheiten unterzeichnet habe. Der Bundesbeauftragte nannte es eine gesamteuropäische Verantwortung die Lebenssituation von zehn bis zwölf Millionen Sinti und Roma in ihren angestammten Ländern in und außerhalb von Europa zu verbessern.

Neben Dänen, Friesen und Sorben gelten Sinti und Roma in Deutschland als anerkannte Minderheit. Sinti und Roma sind gleichzeitig die größte nationale Minderheit in Europa ohne „Mutterland“. Der Begriff Sinti bezeichnet die Angehörigen der Volksgruppe vor allem in West-, Roma in Osteuropa. Etwa 90 Prozent der Sinti und Roma sind katholisch, der Rest protestantisch. In Bayreuth leben nach den Worten des zweiten Bürgermeisters Thomas Ebersberger rund 40 Sinti- und Roma-Familien, darunter ein großer Teil Jugendlicher.

Bildtexte:
1. „Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Wahrhaftigkeit“: Romani Rose, der Zentralratsvorsitzende der Sinti und Roma in Deutschland.
2. Der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, der Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk (links) hatte den Zentralratsvorsitzenden der Sinti- und Roma, Romani Rose, zur Interkulturellen Woche nach Bayreuth eingeladen und bedankte sich mit Buchgeschenken für sein Kommen.

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08.04.2015

Der Raum als Dialogpartner / Die Künstlerin Sabine Straub hat den Altarraum der Bayreuther Stadtkirche neu ausgestattet

Dem einen ist es zu schlicht, der andere findet die Schlichtheit geradezu genial. Kunst, auch die im sakralen Raum, kann es eben niemandem recht machen. »Es ist halt einfach kein Küchentisch, dem muss ich Rechnung tragen«, sagt Sabine Straub, bildende Künstlerin, die in Regensburg geboren wurde und die heute in München lebt. Sie hatte den Wettbewerb um die Gestaltung des Altarraums in der frisch renovierten Bayreuther Stadtkirche gewonnen.

Nun stehen sie da, Altartisch, Ambo, Kerzenständer und Taufsteinabdeckung, und werfen bei manchem Betrachter Fragen auf. Deshalb war Sabine Straub auch zu einem Künstlergespräch in die Stadtkirche gekommen, um mit Jutta Geyrhalter vom Evangelischen Bildungswerk über ihre Werke zu sprechen.

»Schweißen, Flexen, das alles war mir von Kindheit an vertraut«, sagt Sabine Straub (kleines Bild), die aus einer Schmiedefamilie kommt und deren Vater Metallbauer war. Heute arbeitet sie aber nicht nur mit Metall, sondern auch mit Beton, Bronze, Gips, Holz oder Stein.

Geradliniges Arbeiten, das ist ihr Ding, auch als Dozentin an der Technischen Hochschule in Nürnberg oder an der Hochschule Rosenheim, wo sie es hauptsächlich mit Architekten und Innenarchitekten zu tun hat. Wichtig ist für sie, »was der Ort braucht, was der Raum braucht«, aber auch ganz praktisch, »was der Etat hergibt«.

Das Praktische war aber auch bei der Ausgestaltung der Stadtkirche wichtig. Beispielsweise durfte der Altartisch nicht schwerer sein als gut 350 Kilogramm, schließlich befindet sich die Gruft der Bayreuther Markgrafen genau darunter. Aber auch grundsätzliche Überlegungen habe die Künstlerin miteinbezogen. Kein dominantes, lautes Objekt wollte sie, um den Blick auf den Taufstein im hinteren Altabereich nicht zu verstellen. Auch die Ähnlichkeit zum Taukreuz des Franziskanerordens sei durchaus gewollt, räumte Sabine Straub ein, die aus ihrem katholischen Glaubensbekenntnis keinen Hehl macht.

Aufgenommen wird diese Zeichensprache wieder im Kerzenständer und im Ambo, dem Rednerpult, in dem so viel Technik steckt. Das alles ist aus Stahl, lediglich die achteckige Taufsteinabdeckung sei wegen der auftretenden Feuchtigkeit in einem aufwändigen Verfahren aus eloxierten Edelstahl hergestellt worden. Bronzefertigungen seien nicht möglich gewesen, »sonst hätte ich den Etat um das dreifache getoppt«, so die Künstlerin.

Erst seit etwa sechs Jahren gestaltet Sabine Straub auch Kunst im sakralen Raum, viele liturgische Ausstattungen sind seitdem entstanden. Viele ihrer Werke sind aber auch in Schulen und Kindergärten zu sehen. In Obefranken gibt es im Forchheimer Klinikum eine Skulptur mit dem Titel »DNA« von Sabine Straub.

Eine Botschaft will sie trotzdem nicht mit ihren Werken verkünden. »Das ist nicht meine Aufgabe«, sagt sie. Sie sei froh und dankbar über jede Wertschätzung und nehme den Raum als Dialogpartner sehr ernst. Auch die Frage, ob man als Künstlerin im sakralen Raum auch gläubig sein muss, läßt Sabine Straub offen. Man müsse für Spiritualität offen sein, den Glauben ernst nehmen und wertschätzen. »Wenn ich eine solche Aufgabenstellung bekomme, dann muss ich mich auch darauf einlassen.

Sabine Straub hatte in Wien, London und Pforzheim studiert und war zunächst als Restauratorin in Würzburg, später wieder in Wien tätig.Sie hat bereits viele nationale und internationale Preise und Auszeichnungen erhalten, Ausstellungen veranstaltet und ist im Besitz mehrerer Lehraufträge.

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25.03.2015

Flagge zeigen gegen den Eisernen Vorhang / Friedenskirche von Wildenheid soll für eine Million Euro saniert werden - Gemeinde hofft auf Geld aus den USA

Wildenheid. „Senden sie uns ihre Dollars für den Kreuzzug der hölzernen Kirchen.“ Mit diesem Spruch beendete Anfang der 1950er Jahre der US-amerikanische Radiomoderator Fulton Lewis seine Sendungen. Ziel war damals mit Hilfe von Spenden entlang des gerade errichteten Eisernen Vorhangs in Deutschland Kirchen zu bauen, um Flagge zu zeigen gegen ein menschenverachtendes System. 48 solcher Kirchen waren damals geplant, die Hälfte wurde realisiert. Eine dieser hölzernen Kirchen, die allerdings dann doch nicht aus Holz, sondern im vertrauten Stein gebaut wurde, steht in Wildenheid, einem Stadtteil von Neustadt bei Coburg. Nun ist die Kirche in die Jahre gekommen und noch einmal wollen die Verantwortlichen versuchen, Spendengelder aus den Vereinigten Staaten zu akquirieren.

„Die Kirche hat heuer ihren 60. Geburtstag“, sagt Patricia Goldbach-Keim, die im Dekanat Coburg für das Fundraising zuständig ist. Ihren Worten zufolge ist es die erste Kirche in Oberfranken, die aus der „Company Wooden Church Crusade“ finanziert wurde. Weil das kleine Gotteshaus mittlerweile in die Jahre gekommen ist, soll es demnächst nicht nur generalsaniert, sondern auch ein wenig umgebaut, barrierefrei gemacht und modernisiert werden.

Die voraussichtlichen Kosten dafür werden mit rund einer Million Euro beziffert. Etwa ein Drittel wird die Landeskirche tragen, zehn Prozent der Freistaat. Den Rest hoffen die Verantwortlichen mit Hilfe von Stiftungen, Unternehmens- und Privatspenden und einem bescheidenem Eigenanteil der Kirchengemeinde zu schultern.

Natürlich hoffen alle Beteiligten, dass auch diesmal wieder Gelder aus Amerika kommen. „Wir wollen gezielt einige Spender in den USA finden“, so Goldbach-Keim. Kontakte zu den jeweiligen Honorarkonsuln  gibt es bereits. Sie sollen die Flyer gezielt an ausgewanderte Deutsche und deren Nachkommen verteilen. „Vielleicht findet sich ja der eine oder andere Geldgeber“, so hofft man in Wildenheid. „Jeder Cent zählt“, sagt die Fundraiserin, die auch schon kleine Spardosen in Kirchenform für Betriebe, Vereine und Stammtische ausgegeben und auf der Internetseite einen Spendenbutton angebracht hat.

Pfarrer Jörg Herrmann und Kirchenvorsteherin Eva Grempel haben mit dem Geld einiges vor. Zum einen, das war schon vor zehn Jahr bei den Feiern zum 50-jährigen Geburtstag der Kirche ein Riesenthema, soll es endlich einen rollstuhlgerechten Zugang geben. Schadstoffbelastungen habe man in einigen Fenstern, aber auch auf dem Dachboden festgestellt. Zu allem Überfluss regne es auch noch herein, so der Pfarrer.

Darüber hinaus wollen die Verantwortlichen die Bauarbeiten aber auch dazu nutzen, um im Innern der Kirche einiges zu verbessern. Der Windfang soll von drinnen nach draußen, der Altar soll ein wenig ins Kircheninnere, näher an die Gemeinde gerückt, und der Taufstein soll in Richtung Eingang versetzt werden. Wichtigste Neuerung: die Bänke sollen künftig nicht mehr klassisch wie im Theater aufgestellt, sondern der Länge nach aufgebaut werden, so dass sich die Gemeinde gegenüber sitzt. Dann wäre man auch flexibler, wenn es drum geht, zusätzliche Stühle aufzustellen, etwa für die Gottesdienste an Weihnachten und an Ostern. Nicht zuletzt sollen künftig auch an jeder Seite fünf neue Dachfenster für mehr Licht im Kirchenschiff sorgen. Schließlich sind auch im benachbarten, für heutige Verhältnisse viel zu engen Gemeindehaus einige Umbauten vorgesehen, etwa eine Vergrößerung des Gemeindesaals, der Einbau einer Behindertentoilette und eine neue Heizung.

Bild: Die Friedenskirche in Wildenheid soll zukunftsfähig werden, dafür sorgen (von links) Pfarrer Jörg Herrmann, Eva Grempel vom Kirchenvorstand und die für das Fundraising zuständige Patricia Goldbach-Keim.

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26.01.2015

Breite Gänge, strahlende Farben und eine nagelneue Heizung / Münchberger haben ihre Stadtkirche wieder – 4,2 Millionen teuere Generalsanierung abgeschlossen

Münchberg. Nach rund acht Jahren erstrahlt die Stadtkirche Peter und Paul wieder in neuem Glanz. Das innen und außen generalsanierte Gotteshaus wird am Sonntag, 8. Februar feierlich eingeweiht. Die Baukosten beziffert Dekan Erwin Lechner auf rund 4,2 Millionen Euro.

„Dabei ist die Kirche noch nicht ganz komplett“, sagt Lechner. Was fehlt ist die Orgel. Anstatt die alte Steinmeyer-Orgel für mehrere hunderttausend Euro aufwändig zu sanieren, muss sich die Gemeinde erst einmal mit einer elektronischen Orgel als eine Art Übergangsinstrument begnügen. Den Schaden schätzen Fachleute auf mindestens rund 250000 Euro. Also sollte es doch besser eine neue Orgel werden, die in dem historischen Prospekt eingebaut wird. Das kann aber noch drei bis vier Jahre dauern, ein breites kirchenmusikalisches Angebot werden die Münchberger trotzdem vorfinden, verspricht der Dekan.

Die Sache mit der Orgel ist aber auch schon die einzige Einschränkung, die im Zuge der Generalsanierung  hingenommen werden muss. Ansonsten werden die Gottesdienstbesucher viele neue Angebote vorfinden. Breitere Gänge, mehr Platz im Kirchenschiff und auf der Empore, eine nagelneue Fußbodenheizung statt der veralteten Dampfheizung, überall strahlende Farben, aber auch so banale Dinge, wie eine Toilette im Eingangsbereich.

Fallen gelassen hat man dagegen den Bau einer neuen, zweiten Sakristei. Während der Denkmalschutz einen modernen Anbau vorgeschrieben hatte, wollte die Stadt genau das Gegenteil, einen historisierenden Baukörper. So entstand eine Art Kompromiss, mit dem nun alle leben können: der Anbau wurde gestrichen, stattdessen gibt es ab Ende März zwei überdimensionale Schränke an der Rückwand, in denen rund 150 Stühle problemlos gestapelt und gelagert werden können und die darüber hinaus noch weitere Abstellflächen bieten.

Diese 150 Stühle könnten künftig im Notfall schnell und unkompliziert die acht Bänke ersetzen, die man herausgenommen hat, um mehr Platz für Kinderwägen und Rollstühle zu schaffen. Auch einen Beamer und eine überdimensionale ausfahrbare Leinwand wird es noch geben, auf der mal ein Bild zur Predigt gezeigt werden kann oder mit deren Hilfe das nächste Krippenspiel auch die Besucher auf den hinteren  Bänken optisch und akustisch erreicht.

Erste Erhebungen für die Generalsanierung reichten bereits zehn Jahre zurück, sagt Dekan Lechner, nachdem die letzte größere Sanierung auf 1960 datiert ist. An der Westseite der Kirche, der Wetterseite, war 2004 Wasser ins Mauerwerk eingedrungen, vom Dach tropfte es, so dass schnell klar war: „Um eine Generalsanierung kommen wir nicht herum.“ Von den Gesamtkosten in Höhe von rund 4,2 Millionen Euro trägt grob zwei Drittel der Staat. Das letzte Drittel teilen sich Oberfranken-Stiftung, Landeskirche, Bayerische Landesstiftung. Auch die Gemeinde muss einen kleinen Teil beisteuern.

Die Münchberger Stadtkirche wurde zwischen 1867 und 1872 von Karl Kaufmann als neugotischer Sandsteinquaderbau errichtet, nachdem ein Vorgängerbau 1837 abgebrannt war. In den Jahren 1893/1894 musste das ursprüngliche Steingewölbe der Decke wegen statischer Probleme durch ein leichteres Holzbalkengewölbe ersetzt werden. Bei der Untersuchung des Fundaments im Jahr 2006 stieß man auf keine Auffälligkeiten, die auf ein Sicherheitsrisiko hingewiesen hätten. Allerdings brachen in den letzten fünf Jahren mehrmals kleinere Steinblöcke aus dem Mauerwerk. Bereits vor Vollendung des Turmes wurden 1869 die Glocken, die 32 Jahre lang in einem hölzernen Glockenhaus auf dem Kirchplatz hingen, im neuen Turm installiert. Auch sie wurden mittlerweile aufwändig restauriert und konnten bereits 2010 wieder an ihren angestammten Platz zurückkehren. Höhepunkt der Einweihungsfeierlichkeiten wird ein Konzert des Windsbacher Knabenchors am Samstag, 28. Februar um 19 Uhr sein.

Bild: Knapp zwei Wochen vor der feierlichen Einweihung glich die Münchberger Stadtkirche noch immer einer Großbaustelle.

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16.01.2015

Schwerpunktthema Flüchtlinge und Asyl: Tendenz zur Unfreundlichkeit /
Nachdenkliche Worte beim Neujahrsempfang von Regionalbischöfin Greiner

Bad Alexandersbad. Eigentlich veranstaltet die oberfränkische Regionalbischöfin Dorothea Greiner keine Neujahrsempfänge. Besondere Herausforderungen erfordern allerdings auch besondere Antworten. Nachdem Greiner im abgelaufenen Jahr das Thema Flüchtlinge und Asylbewerber zu ihrem ganz persönlichen Schwerpunktthema gemacht hatte und die Zahl der Flüchtlinge dann ab dem Sommer dramatisch zunahm, bedankte sich Greiner nun mit einem Neujahrsempfang der anderen Art am Freitagabend im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum von Bad Alexandersbad bei allen ehren- und hauptamtlich Tätigen in der Flüchtlings-, Asyl- und Migrationsarbeit.

Mit bloßem Danken war es aber nicht getan. Die Regionalbischöfin ließ auch diejenigen zu Wort kommen, die an der Basis arbeiten, die tagtäglich das Leid der Flüchtlinge erfahren. Was sie zu sagen hatten, das machte nachdenklich. Sandra Windisch beispielsweise vom Helferkreis Asyl in Münchberg sagte offen: „Das Sicherheitsgefühl ist ins Wanken geraten.“ Nach zwei Vorfällen in Münchberg, bei denen Steine gegen Asylbewerbereinrichtungen geworfen wurden und Scheiben zu Bruch gegangen waren, gebe es unter den Flüchtlingen große Sorgen. Sie merke schon, dass sich die Stimmung in der Bevölkerung verändert, sagte Sandra Windisch. Es bestehe die Tendenz, dass es unfreundlicher wird. Die schlechte Stimmung werde auf die Flüchtlinge übertragen, auch wenn sie gar nichts damit zu tun haben.

Offene Worte fand auch Christa Stein von der Bayreuther Initiative „bunt statt braun“.  In Gegenwart der bayerischen Sozialministerin Emilia Müller sagte sie: „Ich wünsche mir, dass künftig aus München keine populistischen Gedankensprünge mehr kommen.“ So etwas bereitet den Ehrenamtlichen viel zusätzliche Arbeit und erschwere die Willkommenskultur ganz erheblich. Stein, die zusammen mit ihren Mitstreitern die Noterstaufnahme-Einrichtung in Bayreuth betreut, sprach auch davon, dass viele Helfer mittlerweile an der Belastbarkeitsgrenze angelangt seien. „Wir sind wirklich im Moment am Ende“, sagte sie. Ein Problem sei es beispielsweise, dass viele engagierte Studenten plötzlich wegfallen, weil sie ihre Prüfungen schreiben müssen und kein Ersatz in Sicht ist. Die Mitarbeiter von „bunt statt braun“ haben in Bayreuth unter anderem eine Kleiderkammer eingerichtet, sie organisieren die Essensausgabe, führen Fahrdienste durch oder dolmetschen.

Auch Regionalbischöfin Dorothea Greiner richtete ihre Worte direkt an die Sozialministerin und gab ihr eine dringende Bitte mit. Zwar sei die Zulassung von Flüchtlingen zum Arbeitsmarkt seit Jahresbeginn etwas erleichtert worden. Trotzdem dürften Flüchtlinge in vielen Arbeitsbereichen nur nachrangig zu Deutschen oder EU-Bürgern einen Arbeitsplatz erhalten. Faktisch seien die Vorrangprüfung und die Arbeitsmarktprüfung eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die ohnedies überlasteten Behörden und ein Verhinderungsmechanismus für die Wirtschaft angesichts historisch niedriger Arbeitslosenzahlen, fand Greiner deutliche Worte.

„Überlassen sie es doch bitte den Unternehmen, wen sie einstellen“, sagte die Bischöfin. Wenn ein geeigneter deutscher Bewerber da ist, würden die Unternehmer sowieso den Muttersprachler nehmen. Gerade der Kirchenkreis sei mit seiner besonderen Belastung durch den demographischen Wandel auf qualifizierte Arbeitskräfte von außen dringend angewiesen. „Da muss und da kann sich etwas tun“, sagte die Regionalbischöfin unter dem Applaus der vielen Helfer. Applaus gab es aber auch für den ausdrücklichen Dank der Bischöfin an die Ministerin. Dank dafür, dass es seit Amtsantritt von Emilia Müller kein einziges Mal ein abfälliges Wort über Flüchtlinge gegeben habe. Dank auch dafür, dass gleich nach Amtsantritt die Essenspakete abgeschafft wurden.

Einmal mehr sicherte Ministerin Müller zu, alles Menschenmögliche zu tun, um Asylbewerber und Flüchtlinge angemessen unterzubringen. Zu den „Montagsdemos“ in Dresden – beim Neujahrsempfang fiel kein einziges Mal das Wort Pegida – sagte Müller, dass man Ängste und Verunsicherungen dieser Menschen zwar ernst nehmen müsse, aber keinesfalls Hetze und Parolen erdulden dürfe, sondern strikt dagegen vorgehen müsse. Akzeptanz. Toleranz und Solidarität, diese Werte gelte es hochzuhalten. Vor dem Hintergrund des Terroranschlags von Paris sagte Müller, dass dies die Tat fehlgeleiteter Einzeltäter gewesen sei. Müller: „Wir dürfen nicht die islamische Religion unter Generalverdacht stellen.“

Bilder:

1. Die bayerische Sozialministerin Emilia Müller (links) und Regionalbischöfin Dorothea Greiner.

2. Der Gospelchor Wunsiedel und die St. Andrew-Singers aus Selb beim Neujahrsempfang im evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum von Bad Alexandersbad.

3. Müssen offen sein, für Menschen, die zu uns kommen und schwere Schicksale erleben mussten: die bayerische Sozialministerin Emilia Müller.

4. von links: Sandra Windisch vom Helferkreis Asyl in Münchberg, Martin Becher, Geschäftsführer des bayerischen Bündnisses für Toleranz, Ulrike Tontsch von der Initiative „Freund statt fremd“ in Bamberg, Udo Benker-Wienands, der sich für die in Selb-Erkersreuth untergebrachten Flüchtlinge einsetzt, und Christel Stein von „Bunt statt braun“ in Bayreuth.

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30.11.2014

Oberfrankens evangelische Hauptkirche für über 13 Millionen Euro saniert / Wiedereinweihung nach 400 Jahren: Bayreuths evangelische Christen haben ihre Stadtkirche wieder

Bayreuth. Auf den Tag genau 400 Jahre nach ihrer ersten Wiedereinweihung hat der neue Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland und bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm am Sonntag die Bayreuther Stadtkirche ein zweites Mal ihrer Bestimmung übergeben. Im Jahr 1605 war es ein großer Stadtbrand, der die Kirche zerstört hatte, neun Jahre lang dauerte damals der Wiederaufbau. Diesmal war es ein riesiger Sandsteinbrocken, der genau am 23. Mai 2006 aus dem Deckengewölbe gebrochen und zu Boden gestürzt war. Acht Jahre dauerten die Arbeiten diesmal, über 13 Millionen Euro waren für die Generalsanierung notwendig.

Es ist in diesem Jahrhundert die bisher teuerste Baumaßnahme an einer Kirche in Bayern. 90 Prozent der Kosten trägt der Freistaat. Trotzdem musste die Stadtkirchengemeinde rund eine Million Euro aus eigenen Mitteln aufbringen. Aufgrund des großen Andrangs von Interessierten waren die über 500 Platzkarten für den gestrigen Eröffnungsgottesdienst schon seit Wochen vergeben. Der Gottesdienst wurde deshalb nicht nur in die Spitalkirche übertragen sondern war auch per Livestream im Internet zu sehen. Ein zweiter Gottesdienst, mit Abendmahl und der Aufführung der Bach-Kantate hatte sich am Nachmittag angeschlossen, ehe am Abend eine Aufführung von Johann Sebastian Bachs h-Moll Messe stattfand.

Der Einsatz der öffentlichen Gelder sei durchaus gerechtfertigt, sagte der EKD-Vorsitzende und Landesbischof Bedford-Strohm. Die Bayreuther Stadtkirche habe eine große kulturhistorische Bedeutung und sei so etwas wie die Seele der Stadt. Einmal mehr verteidigte Bedford-Strohm sein Ja zum militärischen Schutz  verfolgter Christen in Syrien. Dass Menschen mit Gewalt geschützt werden müssen, das sei immer eine Niederlage. Er sprach von einer Situation, in der man sich so oder so Schuld auflade. Er appellierte aber auch an Politik und Gesellschaft, Jugendliche nicht abzuschreiben, die der IS-Propaganda auf den Leim gegangen sind und ihnen so zu zeigen, wie wunderbar es ist, in einem freien Land zu leben.

Glücklich und dankbar über die Wiedereinweihung der Stadtkirche zeigten sich zahlreiche Redner während des Gottesdienstes. Regierungspräsident Wilhelm Wenning sprach von einem der bedeutendsten Sakralbauten Oberfrankens und nannte die Generalsanierung eine echte Herkulesaufgabe. Mit dem „Stein des Anstoßes“ sei eine ganze Lawine ins Rollen gekommen, so Christoph Präg vom staatlichen Bauamt in Bayreuth. Die Kirche zeige sich künftig in einem neuen Glanz, ohne der Gemeinde fremd geworden zu sein.

Dem Baudirektor zufolge war die gotische Kirche romanischen Ursprungs 2006 akut einsturzgefährdet. Derartige Schadensbilder seien bislang unbekannt gewesen, für die Fachleute war es ein Rätsel, wie es sein konnte, dass die Kirche überhaupt noch stand. Die Statiker hatten damals die sofortige Schließung angeordnet. Stadtkirchenpfarrer Hans-Helmut Bayern erinnert sich noch daran, dass man Steine aus einem Fries an der Außenwand wie Äpfel herausbrechen konnte. Auf Jahre hinaus wurde damals die wesentlich kleinere Spitalkirche in der Innenstadt zur Heimat für die evangelischen Christen in Bayreuth. Doch das ist nun Schnee von gestern. „Nun hat die Stadt ihre Kirche zurück“, sagte Bayer.

Viel habe sich verändert, so Pfarrer Martin Kleineidamm. Die Kanzel habe einen neuen Platz gefunden, ebenso der Taufstein. Hinzugekommen seien ein Volksaltar, ein Osterkerzenständer und ein Lesepult der Münchner Künstlerin Sabine Straub. Sehr augenfällig seien die ins Kirchenschiff eingezogenen Heiligen, wie beispielsweise Maria Magdalena, ihr war der Vorgängerbau geweiht. Wie die neu ausgerichtete Kanzel so wollen auch der jetzt vorgezogene Chorraum mit seinen drei Stufen und der neu platzierte Taufstein den heutigen Menschen das Ja des dreieinigen Gottes zueignen und mit ihnen und durch sie Kirche für eine hoffnungsfrohe Zukunft bilden, so Pfarrer Kleineidamm.

Doch nicht nur das, es gibt sogar einige neue Attraktionen. So wurde beispielsweise die Grablege der Bayreuther Markgrafen unterhalb der Kirche, die Begräbnisstätte der Bayreuther Hohenzollernfürsten des 17. Jahrhunderts, gegen den Denkmalschutz mit einer gewundenen Treppe öffentlich zugänglich gemacht. Durch Glas geschützt können nun wieder die Sarkophage von 26 Mitgliedern der Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth eingesehen werden, die zwischen 1620 und 1733 hier bestattet wurden, darunter die Markgrafen Christian, Christian Ernst und Georg Wilhelm. Vollständig restauriert und für Besucher zugänglich gemacht wurde außerdem die einstige Türmerwohnung auf dem Nordturm in 50 Metern Höhe. Nicht nur komplett überholt, sondern sogar um ein zusätzliches Register ergänzt wurden die beiden Orgeln, die nach den Worten von Kantor Michael Dorn auch als Prüfungsorgeln der Hochschule für evangelische Kirchenmusik dienen.

Bilder:
1. Erster Gottesdienst im neuen Amt als EKD-Vorsitzender: Landesbischof Heinrich Bedford Strohm hielt zur Wiedereinweihung der Stadtkirche die Festpredigt.
2.
Nach über acht Jahren Bauzeit erstrahlt die Bayreuther Stadtkirche in neuem Glanz.
3. Regionalbischöfin Dorothea Greiner und EKD-Vorsitzender und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm am neuen Alter der Stadtkirche in Bayreuth.

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08.11.2014

Brote für Bangladesh und Luther für Bildungsgerechtigkeit / Margot Käßmann bei der Bundestagung der Arbeitsgemeinschaft Handwerk und Kirche

Bayreuth. Obwohl sich bei der Bundestagung der Arbeitsgemeinschaft Handwerk und Kirche am Wochenende in Bayreuth alles um den Wechsel an der Spitze gedreht hat, stand mit Margot Käßmann eine der prominentesten Kirchenrepräsentantinnen im Mittelpunkt. Die frühere Landesbischöfin und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland sowie jetzige Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017 besuchte zunächst die Backstube von HWK-Präsident Thomas Zimmer, um mit den Konfirmanden der Stadtkirche Brote für Bangladesch zu backen, ehe sie im Arvena-Hotel mit einigen interessanten Thesen zum Thema „Reformation und Politik“  aufwartete.

Hand in Hand für eine gute Sache arbeiten, so lautete das Motto in der Backstube, auch für Margot Käßmann, die trotz der gleichzeitigen EKD-Synode in Dresden auf eine Stippvisite nach Bayreuth gekommen war. Zusammen mit ihren Konfirmandenhelferinnen schnupperten die 14 „Nachwuchsbäcker“ unter der Anleitung und auf Einladung des Teams der Bayreuther Traditionsbäckerei Backstubenluft. Die Brote konnten dann am Sonntag in der Spitalkirche in Bayreuth nach den Gottesdiensten gegen eine kleine Spende von den Gottesdienstbesuchern erworben werden. Da sämtliche Zutaten kostenlos durch die Bäckerei Lang zur Verfügung gestellt wurden konnte der Gesamterlös der Aktion in das Bildungsprojekt in Bangladesch fließen.

Später würdigte Margot Käßmann vor den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft den großen Beitrag des Handwerks, wenn es zum Beispiel darum  geht, Menschen nicht auszugrenzen. Das Handwerk stelle Ausbildungsplätze zur Verfügung, „auch für Jugendliche an der Kante“, wie sie es ausdrückte, und leiste damit einen großen gesellschaftlichen Beitrag. Die Reformationsbotschafterin spannte damit einen Bogen zu Martin Luther, der schon vor 500 Jahren die Fürsten aufgefordert hatte, Schulen zu gründen, und zwar für Jungen und Mädchen. Damit habe Luther schon vor einem halben Jahrtausend aktuelle Themen der Bildungsgerechtigkeit angesprochen.

 „Handwerk und Kirche gehören zusammen“, das war die Kernbotschaft von Horst Eggers während seiner gesamten Amtszeit. Einmal mehr verwies er in seiner Abschiedsrede auf die große volkswirtschaftliche Bedeutung des Handwerks. Gerade im Hinblick auf die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise in den zurückliegenden Jahren sei es wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass in der Wirtschaftsgruppe Handwerk mit rund einer Million inhabergeführten Unternehmen und 5,3 Millionen Beschäftigten wirtschaftliches Handeln und gesellschaftliche Verantwortung eng miteinander verbunden sind.

„Handwerk und Kirche sind sehr nah am Menschen und sind insoweit Partner“, sagte Eggers. Handwerk und Kirche gehörten zusammen, weil die handwerkliche Wirtschaftsform den Ansprüchen an ein humanes, sozialverträgliches und gemeinwohlorientiertes Wirtschaften genügt. Zu wenig sei von den vielen kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben die Rede. Wenn es um wirtschaftliche Probleme geht, seien es meist die Manager der Großindustrie und die Funktionäre der Gewerkschaften, die das Wort führen und die politischen Entscheidungen maßgeblich beeinflussen.

Warum Handwerk und Kirche untrennbar zusammengehören, auf diese Frage fanden auch die zahlreichen Gratulanten viele Antworten. Der Respekt für die Schöpfung gehöre für das Handwerk untrennbar dazu, so die Bayreuther Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. Sowohl das Handwerk als auch die Kirchen gestalteten das Leben in Oberfranken wesentlich mit, so Regierungspräsident Wilhelm Wenning.

Der wirtschaftliche Aufbau in den Neuen Bundesländern hänge ganz eng mit dem Wirken des Handwerks zusammen, sagte der Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk am Vorabend des 25. Jahrestages des Mauerfalls. Auch der wirtschaftliche Erfolg unseres Landes sei untrennbar mit Handwerk und Mittelstand verbunden. Horst Eggers habe das Zusammenwirken von Handwerk und Kirche immer ganz besonders am Herzen gelegen, würdigte Koschyk das Lebenswerk des scheidenden Bundesvorsitzenden.

Nach zwölf Jahren an der Spitze hatte Horst Eggers sein Amt als Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Handwerk und Kirche abgegeben. Bei der Bundeskonferenz wurde Dieter Vierlbeck, Geschäftsführer der Handwerkskammer für München und Oberbayern zum Nachfolger gewählt. Eggers wird in seiner Funktion als stellvertretender Bundesvorsitzender des Evangelischen Verbandes Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt (KWA) noch bis zum Frühjahr 2015 aktiv bleiben.

Bilder: Margot Käßmann, Thomas Zimmer und die Konfirmanden der Bayreuther Stadtkirche beim Backen der Brote für Bangladesh.

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06.11.2014

Ersatzfamilie und erste Anlaufstelle nach der Schule / Die Nikodemus-Kirchengemeinde kümmert sich um sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche

Das Integrationsprojekt „Kids-Treff“ im Bayreuther Stadtteil Neue Heimat ist eine offene Einrichtung zur Freizeitgestaltung für Kinder und Jugendliche. Ziele sind unter anderem die Stärkung des Selbstwertgefühls, das Entwickeln einer eigenen Persönlichkeit und die Vermittlung christlicher Werte. Dazu bietet das Projekt sinnvolle Freizeitgestaltung mit Spiel- und Sportangeboten, Lernhilfen, festen Bezugspersonen und ein kostenloses Essen. Im Juni wurde das Projekt durch einen Abenteuerspielplatz erweitert, für das kommende Jahr ist die Errichtung eines eigenen Jugendtreffs geplant.

Bayreuth. „Kinder sind unsere Zukunft“, so heißt es immer. In diese Zukunft muss unsere Gesellschaft investieren. Das ist leicht daher gesagt und den guten Worten folgen oft nur halbherzig umgesetzte Taten. Auch in einer modernen Gesellschaft bleiben viele Kinder auf der Strecke, aus den verschiedensten Gründen: Alleinerziehende, schwierige familiäre Umstände, ein Migrationshintergrund, Sprachschwierigkeiten. Das alles führt dazu, dass Kinder in ihrer Entwicklung zurückbleiben und den Anschluss verlieren. Genau an dieser Stelle setzt das bereits 2006 gegründete Integrationsprojekt „Kids-Treff“ an.

„Bei uns ist alles ohne Anmeldung und kostenlos“, sagt Heike Meyer, die Leiterin der Einrichtung. „Kids-Treff“ verstehe  sich als offene kirchliche Sozialarbeit der evangelisch-lutherischen Nikodemus-Gemeinde für Kinder und Jugendliche. Wie viele genau kommen, das wisse man hier nie. Aktuell sind 15 Kinder im Haus, bis zum späten Nachmittag werden es wohl so um die 25 sein.

Einer der Ausgangspunkte für das ehrgeizige Projekt sei die Tatsache gewesen, dass in der Neuen Heimat im Vergleich zu anderen Bayreuther Stadtteilen überdurchschnittlich viele sozial schwache Menschen und auch viele Aussiedler leben. Dazu kommt ein großer Anteil von alleinerziehenden Müttern. Hier treffe man viele Kinder, die aus schwierigen familiären Verhältnissen kommen. Sie erhielten zu Hause wenig oder überhaupt keine Unterstützung. Viele Kinder und Jugendliche verbrachten bis 2006 tatsächlich ihre Zeit auf der Straße, erinnert sich Heike Meyer, die selbst am Rande des Viertels aufgewachsen ist.

Mit dem Projekt „Kids-Treff“ ist es gelungen, einen großen Teil davon von der Straße zu holen, ihnen sinnvolle Freizeitmöglichkeiten zu geben, soziale Defizite anzugehen und die Kinder in ihrem Selbstwertgefühl zu stärken. Im „Kids-Treff“ finden sie Ansprechpartner für ihre Sorgen und Nöte. Die fest angestellten Sozialpädagogen sowie über 40 ehrenamtliche Mitarbeiter kümmern sich um die Kinder und Jugendlichen im Alter von fünf bis neunzehn Jahren. Der „Kids-Treff“ hat an vier Tagen in der Woche von 15 bis 18 Uhr, der „Teen-Treff“ von 18.30 bis 21 Uhr geöffnet. Ab 13 Uhr gibt es bereits ein kostenloses Mittagessen und je nach Bedarf auch Ehrenamtliche, die bei den Hausaufgaben helfen können, die Lebensmittel von der Tafel holen oder die Wäsche waschen.

Fast 300 Kinder und Jugendliche, davon rund 70 Prozent mit Migrationshintergrund, nutzen die kostenlosen Angebote. „Wenn es uns nicht gäbe, wären sie alle auf der Straße“, so Sozialpädagoge Daniel Friedrich. Es gibt unter anderem Spiel-, Sport- und Kreativangebote sowie im Rahmen des Kids-Clubs auch Ausflüge in den Wochenenden und  in den Ferien. Gerade im Bereich der sozialen und motorischen Fähigkeiten sowie im Sprachlichen sollen die Kinder gefördert werden. Wenn es auch um die Vermittlung christlicher Werte geht, fragt niemand nach der Konfession.

Nicht immer schallt nur fröhliches Kinderlachen durch die Räume. Angst, Armut, Gewalt, miserable schulische Leistungen, Alkoholismus und Drogen bei den Eltern, das alles sind Dinge, denen sich die Mitarbeiter immer wieder stellen müssen. „Wir hatten wirklich schon üble Geschichten“, sagt Heike Meyer vielsagend. Für sie und ihre Mitstreiter ist es das wichtigste, den Kindern als feste Bezugspersonen zur Verfügung stehen zu können. „Manche blühen wirklich auf“, weiß Daniel Friedrich, der auch für den neuen Abenteuerspielplatz zuständig ist. Manchmal, wenn es gar nicht mehr anders geht,  müssten allerdings auch Jugendamt und Polizei eingeschaltet werden.

Der „Kids-Treff“ ist für viele Kinder im Stadtteil eine große Hilfestellung. Der Bezug zum pädagogischen Personal ist eng und die Einrichtung fungiert oft genug als eine Art Ersatzfamilie. Für viele Kinder ist der „Kids-Treff“ die erste Anlaufstelle nach der Schule. Da es in der neuen Heimat keine weiteren Formen der sozialen Arbeit gibt, kein Stadtteilbüro oder sonstige soziale Beratungsstellen, ist das Angebot der Nikodemus-Kirche besonders wertvoll. Finanziert wird es hauptsächlich aus Spenden, Firmenspenden, Gelder aus einem Förderkreis, Preisgelder und ein Zuschuss von der Stadt. Für Nikodemuskirchenpfarrer Dieter Opitz ist das Engagement vieler Aktiver der „Gruppe Luther“ wichtig, deren Leitungsteam er angehört.

Im Juni 2014 konnte ein weiterer Schritt gegangen werden. Da der „Kids-Treff“ im Gemeindehaus aus allen Nähten platzt, wurde in Kooperation mit der Stadt auf einem Grundstück ganz in der Nähe der Abenteuerspielplatz für Kinder und Jugendliche eröffnet. Ein niederschwelliges Angebot, das sich nach und nach zum Zentrum der Sozialarbeit im Stadtteil entwickeln soll. Hier wird gebaut, geplantscht, manche legen sich einen Garten an, und sogar einen eigenen „Steinbruch“ gibt es, aus dem sich die Kinder Versteinerungen herausschlagen können. „Wir haben mit diesem Angebot über 20 Kinder erreicht, die noch nie bei uns im „Kids-Club“ waren“, sagt Daniel Friedrich. 

Im Frühjahr 2015 soll dann ein eigener Jugendtreff in den Räumen der bisherigen Sparkassenfiliale mitten im Stadtviertel das Angebot erweitern. So haben auch die Jugendlichen, die sich in einer Einrichtung für Kinder nicht mehr aufgehoben fühlen, eine Möglichkeit, sich zu treffen. Nicht auf der Straße, sondern in einem geschütztem Raum.  „Wir haben die große Hoffnung, dass diejenigen, die ihre Kindheit hier verbracht haben, uns auch als Jugendliche erhalten bleiben“, sagt Heike Meyer. Offene Angebote, wie Café, Billard oder Darts werden ergänzt durch konkrete Angebote wie Bewerbungstrainings oder Hausaufgabenhilfe. Durch den Jugendtreff kann der Kontakt auch im Teenager-Alter gehalten und auf der positiven Basis der pädagogischen Arbeit im Kindertreff aufgebaut werden. Für den größten Teil der Finanzierung ist dabei die Benefizaktion Sternstunden des Bayerischen Rundfunks eingesprungen. Daneben gehört der Bayerische Jugendring zu den Geldgebern, einen kleinen Teil muss die Gemeinde schultern.

Drei Fragen an Dieter Opitz, Pfarrer der Nikodemuskirche:

1.            Warum engagieren Sie sich?

Die besondere Situation hier im Stadtteil ist eine Herausforderung. Wir sind keine traditionelle bürgerliche Gemeinde, denn hier im Stadtteil Neue Heimat leben viele sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche, ebenso viele mit Migrationshintergrund. Als ich 1997 hierher gekommen bin ist mir relativ schnell aufgefallen, dass hier ein besonderer Handlungsbedarf besteht.

2.            Was bringt das Projekt für die Menschen im Stadtteil?

Es bringt den Kindern ein Stück Heimat und bietet ihnen das, was sie meist zu Hause vermissen. Hier erfahren sie Familienersatz, Zuwendung, bekommen Werte vermittelt und erhalten nicht zuletzt ein richtiges Mittagessen. Es soll hier eben auch ein Stück Erziehungsarbeit bis ins Jugendalter hinein sein. Natürlich gehört auch die Vermittlung christlicher Werte dazu.

3.            Kann das Projekt ein Vorbild für andere Gemeinden sein?

In ähnlich strukturierten Lagen kann das Projekt sicher Vorbild sein. Eins zu eins wird es sicher nicht übertragbar sein, und man braucht immer auch das Personal. Aber Beratungsgespräche mit anderen Gemeinden hatten wir schon. Nicht zuletzt sind ja auch wir inspiriert worden von einem ähnlichen Projekt mit dem Namen „Stoffwechsel“, das die 2009 verstorbene Sabine Ball in Dresden aufgebaut hatte.

Bild: Die Sozialpädagogen Heike Meyer und Daniel Friedrich, Pfarrer Dieter Opitz und Martin Engelhardt von der offenen Jugendarbeit (von links) in den Räumen des „Kids-Treff“ in der Bayreuther Nikodemuskirche.
 

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08.10.2014

Seelsorge im Chatroom / Ökumenische Telefonseelsorge Bamberg mit zweitem Preis im Diakonie-Wettbewerb ausgezeichnet

Bamberg. Telefonseelsorge, das klingt wie aus dem vergangenen Jahrhundert. Ruft da wirklich noch jemand an und schüttet sein Herz aus? „Und ob“, sagt Pastoralreferentin Susanne Röhner, die Leiterin der Telefonseelsorge in Bamberg. Statistisch kommt sie auf ein Beratungsgespräch pro Stunde. Freilich gibt es längst auch modernere Angebote der Kontaktaufnahme, per E-Mail oder im Chat. Weil die Telefonseelsorge Bamberg dabei eine Vorreiterrolle übernommen hat, wurde sie jetzt mit einem der Ehrenamtlichenpreise des Diakonischen Werkes ausgezeichnet.

„Alle unsere Chatberater haben damit Neuland betreten“, sagt Susanne Röhner. Die Telefonseelsorge in Bamberg gibt es bereits seit 1979. Aktuell sind es über 70 ehrenamtliche Mitarbeiter. Sie bieten 24 Stunden am Tag und an sieben Tagen in der Woche die Möglichkeit zu einem anonymen und vertraulichen Gespräch für Menschen in Krisen und anderen schwierigen Situationen. Zum Einzugsgebiet gehört fast ganz Westoberfranken, also die Städte und Landkreise Bamberg, Coburg, Kronach und Lichtenfels.

„In der Regel geht es um Ehe- und Partnerschaftskonflikte, um psychische Erkrankungen oder um Probleme im sozialen Umfeld“, so die Leiterin. Ihr geht es vor allem darum, etwas anzustoßen, Mut zu machen und die Menschen zu stärken. „Wir können das Problem nicht lösen, wir können nur die Innere Verfassung stärken“, so die Leiterin, die schon seit elf Jahren bei der Telefonseelsorge ist und vorher unter anderem als Seelsorgerin in der JVA Bamberg tätig war.

Ins Leben gerufen wurde die Telefonseelsorge damals durch das Engagement engagierter evangelischer und katholischer Laien. „Wir sind ein Kind der Ökumene“, sagt Susanne Röhner. So arbeitet die Telefonseelsorge in Bamberg seit ihrer Gründung ökumenisch, sowohl bei der Finanzierung durch die beiden Träger (80 Prozent des Etats kommen vom Erzbistum, 20 Prozent von evangelischer Seite) als auch auf der Ebene der Mitarbeiter. „Die Mitarbeiter durchlaufen eine qualifizierte Ausbildung, sie werden unterstützt und begleitet durch regelmäßige Supervision und interessante Weiterbildungsmöglichkeiten“, sagt Susanne Röhner. Sie selbst und Gertrud Ruß als Verwaltungskraft sind hauptamtlich tätig und beim Erzbistum angestellt.

„Die Beratung am Telefon ist das Herzstück  unserer Arbeit“, so die Leiterin. Aber die Telefonseelsorge will auch anderen Medien und Beratungsformen gegenüber aufgeschlossen sein. Aus diesem Grund habe sich das Kuratorium der Telefonseelsorge  Bamberg 2011 entschlossen, in die Chatberatung einzusteigen. Dazu mussten zusätzliche Gelder in den Haushalt eingestellt werden, um die technischen Voraussetzungen zu schaffen und die Aus- und Weiterbildung der interessierten Mitarbeiter zu gewährleisten. Als Ansprechpartner für die Chatberater der Telefonseelsorge  Bamberg vervollständigte bislang Pfarrer Martin Schnurr von der evangelischen Studentengemeinde das Team der Hauptamtlichen.

Derzeit stehen in Bamberg mehrere Mitarbeiter zusätzlich zu ihrem Telefondienst für die Chatberatung zur Verfügung. In der Chatberatung ist es für die Ratsuchenden  möglich, ein Anliegen mit einem oder einer Mitarbeitenden der Telefonseelsorge in einem geschützten Chatroom zu besprechen. Technisch wird in der Internetberatung ein hohes Sicherheitsniveau gewährleistet. So wurde die Chatberatung in einen besonders sicheren Standard verschlüsselt, so dass auch von außen niemand Einblick in die Kontakte nehmen kann.

Die Chatberatung eignet sich für Menschen, die Probleme besser schriftlich formulieren können. Deutlich mehr junge Menschen wählen für sich die Beratungswege des Internets. Sie sind in einem noch höheren Maße anonym und senken damit die Hemmschwelle, Beratung und Seelsorge zu erbitten. So ist in der Chatberatung zu beobachten, dass nochmals mehr schambesetzte, schwere Themen wie selbstverletzendes Verhalten, Ängste und Niedergeschlagenheit oder Suizid angesprochen werden als am Telefon.

Unter den sieben Telefonseelsorgestellen in Nordbayern war die Ökumenische Telefonseelsorge Bamberg zum Start der Chat-Beratung 2012 die einzige und erste, die in diesem Bereich tätig wurde.

Bild: Susanne Röhner ist die Leiterin der Telefonseelsorge Bamberg.

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19.09.2014

Kindergottesdienst und Kirchencafé im Kantorat / Untersteinach weiht sein neues Gemeindezentrum ein

Untersteinach. „Als Pfarrer braucht man manchmal Visionen“, sagt Wolfgang Oertel beim Rundgang durch das neue Kantorat St. Oswald in Untersteinach (Dekanat Kulmbach). Während draußen noch die Handwerker die Wege anlegen wird drinnen schon die neue Küche eingeräumt. An diesem Wochenende findet die feierliche Einweihung der 1,2 Millionen Euro teuren Sanierung statt.

Es ist eines der ältesten Häuser in Untersteinach. Auf einem Rundbogen im Keller konnte sogar die Jahreszahl 1751 wieder freigelegt werden. „Wahrscheinlich hat man das Haus damals auf das alte Kellergewölbe aufgesetzt, denn die Grundmauern stimmen nicht mit denen des Kantorats überein“, sagt Pfarrer Oertel und zählt auf, was in dem Gebäude, das viele Jahre lang als Schule und Lehrerwohnung genutzt wurde künftig alles stattfinden soll: „Jugendarbeit, Kindergottesdienst, Jungschargruppen, Seniorenkreis, Frauenfrühstück, Posaunenchor, Bibelkreis, Konfirmandenunterricht, Kirchenvorstandssitzungen, Kirchencafé und vieles mehr.“

Wenn Wolfgang Oertel (Bild unten) vom Kantorat („da weiß in Untersteinach jeder, was gemeint ist“) spricht, dann meint er den lang ersehnten Gemeindesaal, ein Gemeindezentrum, eben einen Treffpunkt für alle. Die Lage nennt er genial, direkt neben der altehrwürdigen St. Oswald-Kirche, einem der schönsten Kirchenwehrensembles Oberfranken, das den gesamten Charme des Ortes ausmacht.

Die Zwangsschließung des ehemaligen ökumenischen Jugendheims wegen PCB- und Lindanbelastung vor sieben Jahren sei der eigentliche Grund für die Renovierung des Kantorats gewesen, denn plötzlich habe es keine Räume mehr für die kirchliche Jugendarbeit gegeben. Die Landeskirche hatte damals ihr Veto eingelegt, das alte Jugendheim zu renovieren, und so seien erste Pläne entstanden, das Kantorat umzugestalten.

Mit dem neuen Kantorat bekommt Untersteinach nicht nur einen kirchlichen Veranstaltungsraum, in dem künftig auch ganz besondere Veranstaltungen wie das ökumenische Osterfrühstück oder der Mitarbeiter-Jahresempfang stattfinden werden. Pfarrer Oertel denkt auch an weltliche Veranstaltungen wie Konzerte, ein Tango-Abend, ein Chanson-Abend oder an Vermietungen an andere Gruppen wie der Demenzgruppe der Johanniter. Auch private Veranstaltungen wie Familienfeste, Geburtstage oder Hochzeiten seien denkbar.

Möglich machen soll dies das intelligente Raumkonzept, mit einer mobilen Trennwand. Im besten Fall bietet der Raum 120 Quadratmeter Platz zusätzlich weiteren 35 Quadratmetern auf einer Empore. Von hier aus kann man auch das tolle Glasfenster sehen, das der örtliche Glaskünstler Wilfried Radtke im Stil von Marc Chagall entworfen hat und das den Stamm Naftali der zwölf Stämme Israels zeigt. Insgesamt bietet das Kantorat Platz für bis zu 150 Menschen.

Von den Baukosten in Höhe von insgesamt 1,2 Millionen Euro trägt den Löwenanteil von knapp 400000 Euro die Bayerische Landeskirche. 275000 Euro kommen von der Oberfrankenstiftung, 80000 Euro von der Bayerischen Landesstiftung. Die politische Gemeinde Untersteinach wird knapp 38000 Euro berappen und eine zum Grundstück gehörende Treppe für 6500 Euro sanieren. Von der politischen Nachbargemeinde Neuenmarkt kommen 1500 Euro, da der Neuenmarkter Ortsteil See kirchlich zu Untersteinach gehört. Den Rest stemmt im Großen und Ganzen die Kirchengemeinde etwa durch den Erlös des Jugendheimgrundstücks und durch Spenden, aktueller Stand knapp 33500 Euro.

Eine bauliche Besonderheit gibt es auch: der kleine Anbau für Küche, Treppenhaus und Toiletten wurde in eine auffallende Metallkonstruktion gesteckt. „Das war die Vorgabe des Denkmalschutzes“, sagt Pfarrer Oertel. Der Neubau sollte sich vom historischen Bau deutlich abheben, und zwar nicht nur in der Farbgebung, auch im Material und so hatte man sich für das rostfarbene Streckmetall entschieden.

Bild (oben): Zwischen Wehrkirche und Friedhof: das historische Kantorat (hier kurz vor der Fertigstellung) in Untersteinach beherbergt künftig ein modernes Gemeindezentrum.

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10.05.2014

Mustergültige Integrationsarbeit in Nürnberg / 30 Jahre Aussiedlerbeirat: Bundesbeauftragter Koschyk besuchte Aussiedlerkulturtage auf dem Kornmarkt

Nürnberg. Als vorbildlich hat der Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, der Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk die Integrationsarbeit in Nürnberg bezeichnet. Integration habe nichts mit Assimilation zu tun, sagte Koschyk bei einem Besuch der Aussiedlerkulturtage in Nürnberg. Richtig verstandene Integration bedeute vielmehr „ein gutes Leben in der Gemeinschaft der Bürger zu führen und dabei niemals die eigene Identität, Kultur und Tradition sowie das eigene Brauchtum zu vergessen“.

Geradezu mustergültig umgesetzt wurde dieser beispielhafte Integrationsansatz  bei den Aussiedlerkulturtagen der Stadt Nürnberg am Wochenende auf dem Kornmarkt. Nach einer Andacht mit dem evangelischen Pfarrer Werner Konnerth aus Schwabach, selbst gebürtiger Siebenbürgersachse, spielten unter anderem die Siebenbürgische Blaskapelle Nürnberg, sangen der Chor der Russlanddeutschen „Heimatklänge“ und der Chor der Siebenbürger aus Fürth und tanzten rund ein dutzend verschiedene Gruppen aller Altersstufen von traditionell bis modern. Mit einem Festakt wurde anschließend das Jubiläum „30 Jahre Aussiedlerbeirat“ gefeiert.

Gerade die kulturelle Vielfalt werde in Nürnberg mit den vielen Chören, Musik- und Tanzgruppen vorbildlich gepflegt, sagte Bundesbeauftragter Koschyk. Dem Haus der Heimat im Stadtteil Langwasser bescheinigte er eine mustergültige Arbeit. Die von dieser Einrichtung seit 25 Jahren veranstalteten Aussiedlerkulturtage seien mitten in der Stadt genau am richtigen Ort. „Nürnberg kann stolz auf sie alle sein“, so Koschyk, der das Haus der Heimat erst vor wenigen Wochen besucht hatte.

Seit 1998 haben Vertriebene und Aussiedler in Nürnberg mit dieser Einrichtung eine Heimstatt ersten Ranges. Das Haus der Heimat gilt als Bezugspunkt für eine beträchtliche Zahl der im Ballungsraum Nürnberg-Fürth-Erlangen-Schwabach lebenden Menschen. Ziel der Arbeit ist es, als Partner der Kulturpflege und der Integrationsarbeit Brücken zwischen Geschichte und Zukunft zu bauen. „Hier engagieren wir uns für eine Sache, deren Wurzeln in einem gemeinsamen Bekenntnis liegen, dem Bekenntnis zur Pflege der Tradition und Kultur des deutschen Volkes und der deutschen Stämme, die ihre osteuropäische Heimat verloren, jedoch hier im Raum Nürnberg Heimat gefunden haben“ so der Vorsitzende Horst Göbbel.

Das „Haus der Heimat“ soll der Begegnung und der Pflege von Kultur, Tradition, und Brauchtum der im Großraum Nürnberg ansässigen Landsmannschaften mit ihren Jugend- und Kulturgruppen aus den ehemaligen deutschen Ländern und Siedlungsgebieten in Osteuropa dienen. Landsmannschaften haben hier einen festen Platz und einen Bezugspunkt. Das Haus der Heimat bietet außerdem Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zusätzliche Möglichkeiten, um deutsche Sprachkenntnisse zu erwerben, zu vervollkommnen und damit die Integration in unsere Gesellschaft zu fördern.

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30.04.2014

Tradition und Zukunft mitten in Oberfranken / Kulmbacher Dekanat weiht 5,4 Millionen Euro teuren Neubau der Weihermühle ein

Weihermühle. Handy-Empfang gibt es keinen, die Weihermühle befindet sich in einem Funkloch. Das ist aber auch schon der einzige Schwachpunkt, an den sich die jugendlichen Gäste künftig gewöhnen müssen. Ansonsten bietet der 5,4 Millionen Euro teure Neubau des Jugendhauses alles, was für eine Jugendfreizeit wichtig ist: die denkbar beste Verpflegung, ein wunderbares Umfeld, jede Menge Freizeitmöglichkeiten  und vor allem 16 Vier-Bett-Zimmer, sechs Zwei-Bett-Zimmer, zwei behindertengerechte Drei-Bett-Zimmer, macht zusammen 82 großzügige und lichtdurchflutete Zimmer. Nach zehn Jahren Überlegung und Planung sowie nach drei Jahren Bauzeit ist das Jugendhaus Weihermühle des Kulmbacher Dekanats feierlich eingeweiht worden.

Geographisch liegt die Weihermühle mitten in Oberfranken, verkehrstechnisch eher abseits. Überhaupt die Lage: Die Weihermühle ist das Jugendgästehaus des Dekanats Kulmbach, sie liegt aber auf dem Gebiet des Dekanats Thurnau und gehört politisch zum Markt Mainleus. Die Gäste kamen in den zurückliegenden Jahren allerdings aus ganz Bayern und teilweise auch darüber hinaus.

Die Geschichte des Neubaus geht an die zehn Jahre zurück, damals waren alle Beteiligten noch von einer Renovierung der alten Mühle ausgegangen. Der Bayerische Jugendring habe nach den Worten von Dekan Jürgen Zinck schließlich den Ausschlag für den Neubau gegeben, denn von dort sei das Signal gekommen, dass ein Neubau auch nicht wesentlich teurer komme als die vollständige Sanierung des Altbaus. Zu den Geldgebern gehören unter anderem der Bayerische Jugendring, die Bayerische Landesstiftung, die Kulmbacher Raps-Stiftung aber auch der Landkreis Kulmbach und die Kulmbacher Bank.

Entstanden ist ein weitläufiger Atriumbau mit quadratischem Grundriss. „Der Sichtbeton mag vielleicht den einen oder anderen noch befremden“, sagte Dekan Zinck bei der Einweihung. Allerdings habe man eben mehr in das Innere als in die Fassade des Bauwerks investiert, schließlich sei die Weihermühle ja kein Hotelbau. Von einem Tag der Freude sprach Zinck, obwohl es in dem Haus auch ernsthaft zugehen soll. Zinck definierte die Weihermühle als reines Jugendhaus hauptsächlich für kirchliche Jugendgruppen und Konfirmandenfreizeiten. Die Nachfrage sei gut, für das laufende Jahr sei kein einziges Wochenende mehr frei. Ganz besonders wichtig für den Dekan ist das Miteinander: „Hier werden viele zum ersten Mal von ihren Eltern getrennt ein paar Tage verbringen und viele junge Leute werden hier zum ersten Mal ein Tischgebet sprechen“, so Zinck.

Es könne einer Gemeinde nur gut tun, wenn sie auch einen Ort hat, in dem übergemeindliches Leben möglich ist, so Oberkirchenrat Hans-Peter Hübner. Die Weihermühle habe Tradition aber nun auch eine hervorragende Zukunft, so Landrat Klaus-Peter Söllner. Als gut angelegtes Geld bezeichnete der Kulmbacher Oberbürgermeister Henry Schramm die gut eine Million Euro, die von der Oberfrankenstiftung zu den Gesamtkosten beigesteuert wurde. An die erste Einweihung 1978 erinnerte der Mainleuser Bürgermeister Dieter Adam. Er sagte dem Dekan eine finanzielle Unterstützung seitens der Marktgemeinde in Höhe von 54000 Euro für Spiel- und Freizeitgeräte zu. Der Entschluss dazu war erst in der Sitzung am Abend zuvor gefallen.

Bilder:
1. „Der Sichtbeton mag vielleicht den einen oder anderen noch irritieren“: das Jugendhaus Weihermühle des Kulmbacher Dekanats.

2. Der Schlüssel ist nur symbolisch, denn die Innentüren des Neubaus lassen sich nur mit einem Chip öffnen (von links): Weihermühle-Geschäftsführer Christian Hanf, Dekan Jürgen Zinck und Architekt Johannes Müller aus Kulmbach.

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28.03.2014

Das rechte Maß finden: Abtprimas Notker Wolf beim Bayreuther Fastenessen

Bayreuth. „Geteilte Freude ist doppelte Freude.“ Genau darum gehe es beim Fasten, sagte der Abtprimas der benediktinischen Konföderation Notker Wolf beim 6. Bayreuther Fastenessen im Festsaal des Studentenwerks Oberfranken, dem früheren Kolpinghaus.

Die Veranstaltungsreihe wurde 2009 von Bayreuther Bundestagsabgeordneten und jetzigem Bundesbeauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk ins Leben gerufen. Ziel ist es, dass Christen über Konfessionsgrenzen zusammenkommen, einen Glaubensimpuls erfahren und gleichzeitig etwa Gutes tun.

Etwas Gutes bedeutete diesmal, dass die Teilnehmer zusammen 2500 Euro für eine Fastenspeise spendeten, die vom Restaurant Eremitage zubereitet wurde. Der Erlös kommt dem „International Catholic Hospital“ des Benediktinerordens im Nordkoreanischen Rajin zu Gute. Das Krankenhaus mit seinen 190 Betten ist auf Initiative des Benediktinerordens entstanden und wird als Volkskrankenhaus geführt. Behandelt werden jährlich etwa 6000 Patienten stationär und 21000 Patienten ambulant. Mit fast 90 Ärzten ist das „International Catholic Hospital“ das größte Krankenhaus in der Region. Gerade wird mit Hilfe der deutschen Benediktiner ein neues Gebäude für ambulante Behandlungen gebaut.

Hartmut Koschyk dankte Notker Wolf, als dem höchsten Repräsentanten der Benediktiner weltweit, für seine Bemühungen, benediktinisches Wirken an den schwierigsten Orten der Erde umzusetzen. Koschyk erinnerte auch daran, dass der Abtprimas bereits vor zehn Jahren in Bayreuth gewesen sei, um damals im Rahmen eines Benefizkonzertes für das Projekt zu werben.

Zuvor sprach er aber über das Fasten und machte seinen Zuhörern klar, dass es nicht darum gehe, dass man nicht mehr essen darf oder sich nicht mehr am Leben erfreuen soll. Es gehe vielmehr darum, Fasten als wichtiges Zeichen zu sehen, dass so oder ähnlich auch in anderen Weltreligionen wie dem Islam, dem Judentum oder dem Buddhismus zu finden sei.

Fasten könne auch als Nebeneffekt des Christentums angesehen werden, wenn sich etwa auch Menschen aus gesundheitlichen oder modischen daran beteiligen, auch dann wenn sie gar nicht sonderlich religiös sind. Ein Fehler sei das nicht unbedingt, denn das Fasten sollte man nach den Worten des Abtprimas ohnehin nicht immer ganz so ernst nehmen. Es müsse vielmehr darum gehen, das rechte Maß zu finden.

Das eigentliche Fasten nach der christlichen Grundidee sei freilich etwas ganz anderes, nämlich das Geben, das Teilen und damit der Einsatz für notleidende Menschen. Das sei der Unterschied zu Vegetariern oder Veganern, die oft ideologisch argumentierten. „Solche Abstinenzler glauben manchmal, anderen Menschen etwas aufzwingen zu können“, sagte Notker Wolf und erinnerte an den Vorschlag eines „Veggie-Days“. Solche Ideologien benötige das Christentum nicht. Im christlichen Sinn gehe es vielmehr um das Miteinanderteilen, um Gemeinsamkeit und um das Helfen.

Den würdigen Rahmen erfuhr das Fastenessen durch den Auftritt des Konzertchores Musica-Vocalis Bayreuth unter der Leitung von Anna Baturina-Ringlein. Neben dem Restaurant Eremitage sorgten die Buchauer Holzofenbäckerei, die Brauerei Gebrüder Maisel sowie die Firmen Reha-Team Bayreuth und Textilreinigung Wild für das Zustandekommen der Fastenspende.

Bilder:
1. Notker Wolf ist weltweit der höchste Repräsentant des Benediktinerordens.

2. Einen Scheck in Höhe von 2500 Euro als Erlös des Bayreuther Fastenessens überreichte der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk (links) an Abtprimas Notker Wolf für das „International Catholic Hospital“ des Benediktinerordens im Nordkoreanischen Rajin.
3. Glaubensimpuls und gleichzeitig etwas Gutes tun: beim 6. Bayreuther Fastenessen trafen sich der Dekan im katholischen Dekanat Auerbach-Pegnitz Dominik Sobolewski , der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, Abtprimas Notker Wolf, der katholische Regionaldekan Josef Zerndl und der evangelische Dekan Hans Peetz (von links).

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26.11.2013

Der Ruhewald schlummert / Verein hat seine Zweifel, ob sich das Projekt in Bayreuth verwirklichen lässt

Bayreuth. Alles was neu ist, hat es zunächst einmal schwer - das scheint wohl auch für die geplante letzte Ruhestätte in einem Waldgebiet  am Stadtrand Bayreuths zuzutreffen. Obgleich es der Wunsch einer ernstzunehmenden Anzahl von Bürgern ist, kann sich nicht jeder damit anfreunden, dass die Asche Verstorbener künftig am Fuße eines Baumes in einem kleinen Wäldchen am Stadtrand der Erde übergeben werden kann. „Freilich werden mindestens drei Viertel aller Menschen weiterhin ein Erdgrab auf einem der Friedhöfe in und um Bayreuth bevorzugen“, sagt Beate Wihowski, viele Jahre lang Pfarrerin in Emtmannsberg, seit September in Bischofsgrün. Doch für die anderen, möchte sie zusammen mit einem eigenen Verein mit dem Namen „Ruhewald Bayreuth und Umgebung“ die gewünschten Alternativen anbieten.

Ein Waldgrundstück stünde zur Verfügung, doch irgendwie geht es einfach nicht weiter, so Beate Wihowski. Zusammen mit ihren Mitstreitern, darunter die frühere Landtagsvizepräsidentin Anneliese Fischer, bemüht sie sich schon seit sechs Jahren um einen Ruhewald. Momentan ist die Stadt am Zug. Man wartet auf ein Gutachten, das die genauen Kosten ermitteln soll. Aber das dauert noch. Eine Eröffnung für 2014 wird immer unwahrscheinlicher.

Geplant ist ein größenmäßig angemessenes Waldstück an der Hohen Warte am Waldrand unterhalb des Siegesturms. Der Wald gehört den Bayerischen Staatsforsten, die sich das Modellprojekt eines Ruhewaldes am dortigen Standort sehr gut vorstellen könnten. Allerdings müsste die Stadt das Waldstück pachten, daran hakt es aktuell, weil im Rathaus zu hohe Kosten befürchtet werden.

Träger sollte weder die Friedwald, noch die Ruheforst GmbH, sondern ebenfalls die Stadt Bayreuth sein, um rein kommerzielle Absichten von vornherein auszuschließen. „Dann könnte man auch die Kosten relativ gering halten“, sagte Beate Wihowski. Der Verein würde die Stadt begleiten, ein entsprechendes Konzept liegt bereits vollumfänglich ausgearbeitet vor.

Auch wenn einige die Idee eines Ruhewaldes verhindern wollen: „Aufhalten wird sich das Projekt nicht lassen“, ist Beate Wihowski überzeugt. Wenn  nicht in Bayreuth, dann vielleicht im Umland oder sonst irgendwo in Oberfranken. Bislang gibt es lediglich den kommerziell betriebenen Friedwald Fränkische Schweiz in Ebermannstadt und den ebenfalls kommerziell betriebenen Ruheforst Coburger Land bei Weitramsdorf. Die Friedwald GmbH ist auch Betreiber des evangelisch-lutherisches Friedwaldes auf dem unterfränkischen Schwanberg, dem ersten Friedwald unter kirchlicher Trägerschaft.

Sollte das Projekt in Bayreuth scheitern, könnte sich Beate Wihowski auch Alternativen in der Region vorstellen, die sind aber noch nicht spruchreif. „Wir wollen Menschen, die sich für diese Art der Bestattung und Ruhestätte entschieden haben, einen geschützten Raum in unserer Gegend ermöglichen“, sagt die Pfarrerin und will nicht, dass die Kirche dabei außen vor bleibt. Für viele Menschen sei es eben ein beruhigender Gedanke, dass die Natur die Grabpflege übernimmt und die vier Jahreszeiten die letzte Ruhestätte schmücken. Aufgrund des gesellschaftlichen Wandels ist vielen Menschen auch klar, dass sich später einmal niemand um ihr Grab kümmern kann.

Derweil gibt es immerhin die Alternative einer Baumgrabstätte, die Beate Wihowski während ihres Wirkens in Emtmannsberg verwirklicht hatte. 30 solcher Baumgrabstätten sind bereits belegt, 20 weitere reserviert. Im Emtmannsberg kostet eine solche Baumgrabstätte inklusive Beisetzung und Namenstäfelchen 600 Euro für einen Zeitraum von 15 Jahren.

In den bestehenden Beisetzungswäldern sind  zwei bis drei Bäume je zehn Quadratmeter als Bestattungsbäume ausgewiesen. Einige Wege sind ganzjährig zugängig. Ausdrücklich nicht erwünscht ist Grabschmuck jeder Art, also Gestecke, Blumen oder Porzellanengel. Allerdings ist der Friedwald eine klare Alternative zur anonymen Bestattung, denn an dem bestreffenden Baum gibt es in der Regel nicht nur Namenstafeln, möglich seien sogar Sprüche oder Zitate. Auch die Angehörigen erhalten eine Urkunde mit der genauen Ausweisung des Bestattungsbaumes. Keinen Widerspruch stellt der Friedwald zur christlichen Bestattungskultur dar. „Die Auferstehung ist an keine bestimmte Bestattungskultur gebunden.“

Bilder:
- Der Friedwald auf dem unterfränkischen Schwanberg ist der erste Friedwald unter kirchlicher Trägerschaft. Das symbolisiert auch die Figur auf dem zentralen Versammlungsplatz, die den Schutzmantel Christus zeigt und für einen Ort der Geborgenheit steht.
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Pfarrerin Beate Wihowski

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05.11.2013

Kirche und Kommune ziehen an einem Strang / Prävention als oberstes Gebot: Diakonin Sabine Dresel betreibt politische Jugendarbeit

Regnitzlosau. Besondere Herausforderungen benötigen besondere Lösungen: Mit der Einrichtung einer bayernweit einmaligen Stelle wollen kirchliche und politische Gemeinde von Regnitzlosau gegen verstärkte Aktivitäten von Rechtsextremisten vorgehen. Die Stelle wurde mit der Diakonin Sabine Dresel besetzt, die aus Nürnberg stammt, zuletzt als Dekanatsjugendreferentin in Traunstein tätig war und sich am Dienstag in Regnitzlosau der Öffentlichkeit vorstellte. Die besondere Herausforderung, mit der sich die Gemeinde Regnitzlosau auseinandersetzen muss, ist die Ansiedlung von szenebekannten Neonazis im Ortsteil Oberprex.

Bayernweit einmalig ist die Konstellation der neuen Stelle. Sie wird zu jeweils einem Viertel von den folgenden Partnern finanziert: von der Gemeinde Regnitzlosau, vom Landkreis Hof, vom Hofer Dekanat sowie von der Solidaraktion „Bunt statt braun“ des oberbayerischen Dekanats Weilheim. Derartige Herausforderungen lassen sich nur vernetzt angehen, sagte der Hofer Dekan Günter Saalfrank bei der Vorstellung von Sabine Dresel. Aufgabe der Diakonin soll es in den kommenden fünf Jahren sein, Persönlichkeitsbildung durch Jugendarbeit zu leisten, jungen Leuten ein demokratisches Bewusstsein nahezu bringen und aufzuklären über den Wert der Freiheit.

Derartige politische Jugendarbeit sei auch schon bisher Schwerpunkt ihrer Tätigkeit gewesen, sagte Sabine Dresel. Auch in ihrem bisherigen Wirkungskreis habe es Ansiedlungen von Rechtsextremisten gegeben. Als ihre Hauptaufgabe sieht sie es deshalb künftig an, immun zu machen gegen rechtes Gedankengut. Initialzündung für die Schaffung der Stelle war die Herbsttagung der evangelischen Landessynode im November 2012 in Hof. Dekan Saalfrank hatte damals nicht nur von der Problematik in Oberprex berichtet, sondern war mit den Synodalen auch vor Ort.

Regnitzlosau mit knapp 2500 Einwohnern habe schon in der Vergangenheit Jugendarbeit in den rund 40 Vereinen betrieben, sagte Bürgermeister Hans-Jürgen Kropf (Freie Wähler). Hier soll die neue Stelle anknüpfen und die bestehende Jugendarbeit ergänzen und koordinieren. „Prävention ist dabei das oberste Gebot“, so Kropf. Zwar liege bislang keine konkrete Gefährdung der Regnitzlosauer Jugendlichen durch die Rechten vor, doch Gefährdungspotential sei grundsätzlich immer vorhanden. Die Veranstaltungen der Rechten in Oberprex würden bislang eher unbemerkt von der Öffentlichkeit an den Wochenenden und Abenden stattfinden. Insidern könnte allenfalls die erhöhte Polizeipräsenz im Ort auffallen.

Bislang habe es in der Gemeinde nur eine viertel Stelle für die Jugendarbeit gegeben. „Das hätte nicht so weitergehen können“, sagte Pfarrer Holger Winkler. Deshalb sei er im Namen der Gemeinde unendlich dankbar dafür, dass die neue Stelle mit Pilotcharakter geschaffen werden konnte. „Wir wollen, dass dem Ungeist, der im Haus mit der Nummer 47 in Oberprex weht, ein anderer Geist entgegenweht, nämlich der Heilige Geist“, so der Pfarrer.  Wie dies aussehen könnte machte Dekan Saalfrank schon einmal deutlich. So sei es für die Rechten völlig irritierend gewesen, als er mit einer Gruppe engagierter Christen vor das Haus gezogen war, um dort zu beten und singen.

Bild oben: Gemeinsam gegen Rechts: Bürgermeister Hans-Jürgen Kropf, Diakonin Sabine Dresel, Pfarrer Holger Winkler und Dekan Günter Saalfrank (von links).

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04.11.2013

Ringen gegen den Rassismus / Bayreuth zeigt Ausstellung über Opfer rechter Gewalt seit 1990 in Deutschland

Bayreuth. Emil Wendland aus Neuruppin schlief auf einer Parkbank, als er am 1. Juli 1992 von einer Gruppe Skindheads angegriffen wurde, die sich zum „Pennerklatschen“ verabredet hatte. Die Skinheads schlugen Emil Wendland brutal zusammen und stachen ihn mehrfach mit einem Messer in den Oberkörper. Er verblutete noch an Ort und Stelle. Emil Wendland ist einer von 169 Opfern rechter Gewalt seit 1990 in Deutschland. Ihm und all den anderen ist eine sehenswerte Wanderausstellung der Berliner Künstlerin Rebecca Forner und der Opferorganisation „Opferperspektive e.V.“ gewidmet, die derzeit in der Bayreuther Stadtbibliothek „RW 21“ zu sehen ist.

169 Tafeln sind es, nicht immer haben die Opfer ein Gesicht, denn von vielen Ermordeten ist nicht einmal ein Foto geblieben. Das Erschrecken über die Dimension rechter Gewalt und die Betroffenheit über die Einzelschicksale, das sind die häufigsten Reaktionen der Besucher. „Wir wollten schlicht und einfach aufzeigen, dass aus rechtsextremistischen Motiven in Deutschland gemordet wird“, sagte Rebecca Forner, deren erste Überlegungen für die Ausstellung bis in das Jahr 2000 zurückreichen.

Damals studierte die engagierte junge Frau, die keine Angst vor Verunglimpfungen ihrer eigenen Person auf einschlägigen rechten Internetseiten hat, noch Kommunikationsdesign in Berlin. Zur Eröffnung der Ausstellung in Bayreuth räumte sie unter anderem mit dem Vorurteil auf, dass die Rechtsextremisten ausschließlich in den neuen Bundesländern zu finden seien. Für die alten Bundesländer verzeichnete sie 80, für die neuen Bundesländer 89 Opfer.

Nach Bayreuth geholt hatte die Ausstellung die Werner-Zapf-Stiftung, die sich unter anderem den Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Gewaltfreiheit auf die Fahnen geschrieben hat. Die Ausstellung soll ganz bewusst hineinplatzen in die Wohlfühlatmosphäre einer städtischen Bücherei, so Werner Zapf. Als wichtigen Beitrag gegen das Verdrängen und Vergessen bezeichnete Bayreuths Dritte Bürgermeisterin Beate Kuhn die Ausstellung. Sie nannte das Ringen gegen den Rassismus eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Rechtsextremistische Straftaten und Ordnungsstörungen werde die oberfränkische Polizei auch weiterhin konsequent verfolgen, sagte Polizeipräsident Reinhard Kunkel. Die Polizei werde auch weiterhin Druck machen, damit Oberfranken eine weltoffene und bunte Region bleibt, so Kunkel.

Die Ausstellung  „Opfer rechter Gewalt seit 1990 in Deutschland“ ist noch bis 28. November, jeweils von Dienstag bis Freitag zwischen 10 und 19 Uhr sowie Samstag von 10 bis 15 Uhr in der „RW 21“, der Stadtbibliothek und Volkshochschule, Richard-Wagner-Straße 21 in Bayreuth zu sehen. Zu der Ausstellung gehört ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Lesungen, Vorträgen, Talkrunden, Seminaren und Konzerten, die das Evangelische Bildungswerk, das Iwalewa-Haus und die Volkshochschule anbieten. Weitere Information: www.opfer-rechter-gewalt.de

Bild: Die Künstlerin Rebecca Former (rechts) erklärt Besuchern in der Bayreuther Stadtbibliothek „RW 21“ die Konzeption der Ausstellung „Opfer rechter Gewalt seit 1990 in Deutschland“.

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02.11.2013

„Luthers Schattenseite“: Tagung über die Judenschriften Martin Luthers

Bad Alexandersbad. Martin Luthers antijudaische Schriften sind starker Tobak. Selbst Kenner müssen schlucken, wenn da in unerträglich zynischer Sprache die Rede ist von den „verblendeten Kinder Satans“, von Dämonen, Zauberern und Teufeln und wenn die Rede davon ist, Synagogen zu verbrennen und die Juden zu vertreiben, so wie etwa in dem 1543 erschienen Pamphlet „Von den Juden und ihren Lügen“.

Wenigstens als Rechtfertigung für die Reichspogromnacht habe Luther nicht herhalten müssen, sagte Axel Töllner von der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau bei der Tagung mit dem Titel „Luthers Schattenseite“ im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum Alexandersbad. Sein Einblick in die Rezeptionsgeschichte Martin Luthers während des Dritten Reichs und in der völkischen Bewegung reichte vom Rassentheoretiker Houston Stewart Chamberlain, der Luther als schwachen Theologen, aber starken Politiker bezeichnete, bis hin zum oberfränkischen Gauleiter Hans Schemm. Er präsentierte Luther als das Bindeglied zwischen einem nationalen Protestantismus und dem Nationalsozialismus.

Aber nicht nur Nazi-Größen und deren Vordenker hätten sich um Martin Luther bemüht, um ihre Ansichten zu rechtfertigen, auch Theologen, wie der thüringische Landesbischof Martin Sasse, der zur Kirchenbewegung der Deutschen Christen gehörte. Sasse nannte Luther einen „deutschen Propheten“ und einen „Warner seines Volkes wider die Juden“. Pfarrer Ernst Daum aus Haßfurt, der obersten Vertreter der Deutschen Christen in Bayern wird mit den Worten zitiert: „Luther hat sich gewehrt, so wollen auch wir uns wehren.“ Pikanterweise habe Daum bereits 1949 wieder eine Pfarrstelle angetreten, und das ausgerechnet in Dachau als Pfarrer einer Flüchtlingsgemeinschaft.

Auch heute werde Martin Luther gerne von antikirchlichen Bewegungen auf seine Schattenseiten reduziert, sagte Pfarrer Michael Fragner aus Geroldshausen. Eine Bewegung, die Luthers Schattenseiten gerne für ihre Zwecke inszeniert, sei die Sekte „Universelles Leben“. Fragner wusste, wovon er sprach, war er doch zuvor als Pfarrer in Michelrieth, einem Ortsteil der Stadt Marktheidenfeld im Landkreis Main-Spessart in Unterfranken tätig, wo die Sekte ihren Sitz hat.

Martin Luther werde vom Universellen Leben als machtbesessener Fanatiker dargestellt, der zu Mord und Totschlag aufruft, sagte Fragner, der selbst oft genug ins Schussfeld der Sekte geraten war. Deren Flugblätter bezeichnete er als Konglomerat von historischen Halbwahrheiten und historischen Lügen, etwa wenn implementiert werde, dass die sogenannte Endlösung schon bei Luther zu finden gewesen sei.

Bei der Tagung war allerdings nicht nur von den Schattenseiten Luthers die Rede, sondern auch von den Sonnenseiten, vor allem in Form der Lutherkirchen als Kristallisationsorte lutherischer Identität. Von den 1930 evangelischen Kirchen, Kapellen und Gemeindezentren mit sakralen Räumen in Bayern würden genau 32 den Namen Martin Luthers tragen, so Oberkirchenrat Hans-Peter Hübner aus München. Allein zwölf dieser Lutherkirchen seien in Oberfranken zu finden. Sie reichten von der Lutherkapelle auf der Veste Coburg, einer einstigen Wohn- und Wirkungsstätte Luthers, bis zur erst 1981 eingeweihten Lutherkirche im Bayreuther Stadtteil Roter Hügel. Aber auch die Lutherkirchen seien nicht lutherischer als andere Kirchen. Nicht das Gebäude sei wichtig, sondern auf die Inhalte komme es an. Vor dem Hintergrund des Luther-Zitats: „Ich bitte, man wollte meines Namens schweigen …“, äußerste Hübner allerdings auch Zweifel, ob Luther mit der Benennung einverstanden gewesen wäre.

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31.10.2013

Lutherstadt bekommt Lutherpfarrer / Dieter Stößlein ist künftig als theologischer Referent für die Lutherdekade tätig

Coburg. Pfarrer Dieter Stößlein vom Evangelischen Bildungswerk in Coburg ist offiziell zum theologischen Referenten für die Lutherdekade ernannt worden. Die Einführung durch Dekan Christoph Liebst in das neue Amt fand am Reformationstag im Rahmen eines Gottesdienstes in der Coburger Morizkirche statt. Martin Luther selbst hatte dort während eines Coburger Aufenthaltes im Jahr 1530 mehrfach gepredigt.

Die Coburger selbst wüssten natürlich, dass Martin Luther 1530 auf der Veste gelebt und gearbeitet hatte, sagte Dekan Liebst, allen anderen aber sollte man es sagen. Deshalb sei die Stelle eines theologischen Referenten für die Lutherdekade eingerichtet worden. Dieter Stößlein hatte sich bereits in der Vergangenheit des Themas angenommen und war maßgeblich an der Errichtung eines Lutherweges durch Oberfranken beteiligt. Der eigens ausgeschilderte Wanderweg, der im Herbst 2012 eröffnet wurde, verbindet die oberfränkischen Lutherstätten in Bad Rodach, Coburg und Neustadt bei Coburg  miteinander.

Im Lutherjahr 2017, in dem sich der Thesenanschlag Luthers an die Schlosskirche zu Wittenberg zum 500. Mal jährt, werde es nicht um einen angeblichen Triumph der evangelischen gegen die katholische Kirche gehen, sagte Liebst. Vielmehr sollte die Botschaft der Reformation herausgearbeitet werden. Dazu gehöre es auch, dass die Reformatoren nicht die strahlenden Helden waren, als die sie früher oft gefeiert wurden. Die Reformatoren seien Menschen mit hellen und mit dunklen Seiten gewesen, Menschen mit wunderbaren Erkenntnissen, aber auch mit abgründigen Gedanken.

Dieter Stößlein möchte in seiner neuen Aufgabe nicht nur die Zusammenarbeit mit den Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen suchen, sondern auch mit der Stadt Coburg, den Kunstsammlungen der Veste, dem Tourismus und dem Stadtmarketing. Ziel sei es, die Themen der Lutherdekade einer breiten Öffentlichkeit deutlich zu machen. Darüber hinaus plant er Programme für die Begleitung von Besuchergruppen und möchte bereits vorhandene Projekte wie den Lutherweg weiter betreuen und ausbauen.

Die neue Stelle des theologischen Referenten für die Lutherdekade in Coburg ist als halbe Stelle konzipiert und bis Ende 2018 befristet, die andere Hälfte seiner Arbeitszeit wird Dieter Stößlein auch weiterhin beim Evangelischen Bildungswerk tätig sein.

Coburg gilt als die bayerische Lutherstadt. So war Coburg Raststätte bei den Pilgerreisen Martin Luthers von und nach Rom 1510 und 1511, auf dem Weg zur Heidelberger Disputation vom 14. bis zum 16 April 1518, im gleichen Jahr auf dem Weg nach Augsburg zum Verhör vor Kajetan sowie Aufenthaltsort vom 15. April bis zum 4. Oktober 1530 im Zusammenhang  mit dem Reichstag in Augsburg.

Bild: Dekan Christoph Liebst (rechts) hat Pfarrer Dieter Stößlein vom Evangelischen Bildungswerk als theologischen Referenten für die Lutherdekade in Coburg in der dortigen Morizkirche in sein Amt eingeführt.

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24.10.2013

Mit der Bibel als Fundament: Identifikation mit dem ländlichen Raum / Jürgen Kricke ist neuer ELJ-Jugendbildungsreferent für Oberfranken und die Oberpfalz

Bad Alexandersbad. Flagge zeigen gegen rechts: das sieht Diakon Jürgen Kricke als einen seiner künftigen Schwerpunkte an. Der gebürtige Straubinger, der bereits seit 5 Jahren im Fichtelgebirge lebt und arbeitet, ist der neue Jugendbildungsreferent der Evangelischen Landjugend (ELJ) für Oberfranken und die Oberpfalz. Er wurde am Sonntag offiziell mit einem Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Thiersheim in sein Amt eingeführt.

Ein ungewöhnliches Zuständigkeitsgebiet, das muss der 40 jährige zugeben. Doch was die Evangelische Landjugend betrifft gehören Oberfranken und Oberpfalz eben schon immer zusammen. Etwa 25 Ortsgruppen gibt es hier mit zusammen mehreren 100 Mitgliedern, die meisten davon in Oberfranken, einige wenige, dafür aber zahlenmäßig besonders starke und aktive in der nördlichen Oberpfalz. Mit Christoph Müller aus Mantel bei Weiden steht auch ein Oberpfälzer an der Spitze. Weibliche erste Vorsitzende ist Sabine Groß aus Höchstädt/Aisch, das zwar in Mittelfranken liegt, aber bei der Landjugend sieht man Bezirksgrenzen eher von der lockeren Seite.

Was die Evangelische Landjugend von der Bayerischen Jungbauernschaft unterscheidet, ist, dass die Bibel als Fundament allen Handelns immer ausdrücklich dazugehört. Das Glaubensbekenntnis auswendig aufsagen muss freilich keiner, der mitmachen will. „Jeder ist willkommen“, so Jürgen Kricke. Evangelisch müsse man dabei auch nicht unbedingt sein. Großen Wert legt der neue ELJ-Referent auf ein gutes Miteinander mit der Bayerischen Jungbauernschaft oder der Katholischen Landjugend.

Das ist gut so, denn schließlich bearbeitet man ja auch ähnliche Themen: Von der Altkleidersammlung bis zum Quiz, von der Mithilfe bei Dorffesten über das Maibaumaufstellen bis zur Podiumsdiskussion mit den örtlichen Politiker. Eine spannende Mischung, wie Jürgen Kricke findet. Ihm geht es dabei nicht nur um die inhaltliche Arbeit, sondern auch um die konzeptionellen Möglichkeiten. Deshalb sieht er seine Aufgabe schwerpunktmäßig in der Beratung und Begleitung der Aktivitäten. Keinesfalls will er sich als Aufsicht wahrnehmen, denn in der Evangelischen Landjugend handelt der Vorstand schon von der Satzung her komplett eigenständig. Wenn es dagegen um Rechtsfragen oder um Tipps und Tricks für die tägliche Arbeit geht, dann ist er zuständig.

Was er ganz besonders an den Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 14 und 27 schätzt, ist die hohe Selbstständigkeit, mit der die Dinge angegangen werden. Auch die Vertretung und öffentliche Darstellung des ländlichen Raumes werde dabei als eine der Hauptaufgaben angesehen. „Egal, ob mit familiären landwirtschaftlichen Hintergrund oder ohne, entscheidend ist doch, dass sich die jungen Leute überhaupt dazu aufraffen, etwas zu tun“, so Jürgen Kricke.

Jürgen Kricke war zuvor fünf Jahre lang als Referent für die schulbezogene Jugendarbeit und als Geschäftsführer des Schülercafes „Oase“, das er wesentlich mitaufgebaut hat, in Selb tätig. Kricke stammt aus Straubing, ist gelernter Einzelhandelskaufmann und hat später im Rahmen seiner Ausbildung zum Diakon in Rummelsberg Sozialpädagogik studiert. Zur Evangelischen Landjugend war er über eine Ausschreibung gekommen, nachdem die Stelle des Bezirksreferenten seit über einem Jahr vakant war. Vorgänger war der jetzige ELJ-Landessekretär Manfred Walter.

Sein Büro hat Jürgen Kricke in den Räumen des Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrums in Bad Alexandersbad. Vorher war die ELJ-Bezirksstelle in Bayreuth angesiedelt. Mit der Verlagerung nach Bad Alexandersbad soll auch ein deutliches Zeichen für Nordostbayern gesetzt und die Zusammenarbeit im Verein der Bildungszentren in den Bereichen „Kirche in der Region“ und Prävention von Rechtsextremismus“ verstärkt werden.

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04.07.2013

„Stöbern in der Geschichte hat sich gelohnt“ / Nach Jahrzehnten ist das Türmerstübchen der Bayreuther Stadtkirche wieder öffentlich zugänglich

Bayreuth. Die Eröffnung des komplett renovierten Türmerstübchens im Nordturm der Stadtkirche ist schon ein kleiner Vorgeschmack auf den 1. Advent 2014. An diesem Tag werde die Kirche keine Baustelle mehr sein, an diesem Tag könne die Gemeinde endlich wieder feierlich in das Kirchenschiff einziehen, sagte Pfarrer Hans-Helmut Bayer bei einer kleinen Einweihungsfeier in luftiger Höhe.

Das Ende ist also absehbar, sagte Bayer, der sich noch gut an den Mai 2006 erinnert, als er eines Morgens auf dem Boden mitten im Kirchenschiff herabgefallene Mauer- und Putzbrocken fand. In der Folge wurde die erste umfassende Sanierung der Gebäudesubstanz seit rund 400 Jahren notwendig. Noch immer wird zwischen Altarraum bis zur Orgelempore kräftigt gewerkelt. Planen und Baugerüste bestimmen im Inneren das Bild.

Wie gut, dass jetzt wenigstens ein winzig kleiner erster Teilabschnitt wieder der Öffentlichkeit übergeben werden konnte. Dabei handelt es sich um das einst höchste Wohnzimmer der Stadt. Bis 1934 leistete dort Johann Münch als letzter Bayreuther Türmer seinen Dienst ab. Wie schon Jahrhunderte zuvor war es Aufgabe des Türmers, vor Feuer und Tumult zu warnen, die Glocken zu läuten, die Uhren zu stellen, die Einwohner der Stadt zu wecken. In früheren Jahrhunderten war der Türmer immer auch Stadtpfeifer und Stadtmusikant. Münch wohnte zusammen mit Frau und Kindern in dem alten Sandsteingemäuer, hielt dort Hasen und andere Tiere, und als wäre das alles noch nicht genug, betrieb er auch noch eine kleine Schusterwerkstatt.

Große Verdienste um die Erinnerung an die Zeit der Türmer hat sich Turmführer Bernd Schwemmlein erworben. Er veröffentlichte nicht nur vor drei Jahren ein kleines Büchlein mit allerhand Wissenswerten um die Stadtkirche, ihre Türme und Türmer, sondern habe sich bei der Wiederherstellung des Türmerstübchens in herausragender Weise engagiert, wie Pfarrer Bayern und Bernhard Wanitzek, Vertrauensmann im Kirchenvorstand bei dem ungewöhnlichen Ortstermin feststellten.

Unter anderem richtete Schwemmlein eine Vitrine mit Fundstücken aus der damaligen Türmerwohnung im Pfarrhaus ein, kümmerte sich darum, dass teilweise die Original-Wandbemalung wieder zum Vorschein kam, und dass alles wieder so hergerichtet wurde, wie es einmal war. Seine Forschungsarbeiten stützt Schwemmlein hauptsächlich auf Gespräche mit Helmut Münch und Ursula Chromik, dem Enkel und der Urenkelin des letzten Stadtkirchentürmers Johann Münch.

„Das Stöbern in der Geschichte hat sich gelohnt“, sagte Schwemmlein, dem Vertrauensmann Wanitzek als Dank für seinen Einsatz ein historisches Signalrohr überreichte. Schwemmlein hatte es nicht nur geschafft, eine zeitgenössische Lampe aus dem Jahr 1907 VdE-gerecht in luftiger Höhe zu installieren, er hatte auch herausgefunden, dass die originale Wohnung tatsächlich dreistöckig war. Ganz unten war eine Art Schlafstube, in der Mitte eine Art Wohnküche und ganz oben unter der Turmspitze und nur mit einer Leiter zugänglich die kleine Werkstatt. Die unteren beiden Räume sind im Zuge von Turnführungen jetzt wieder öffentlich zu begehen.

Bilder:
- Turmblasen vor der einstigen Türmerwohnung mit dem Posaunenchor unter der Leitung von Dekanatskantor Michael Dorn.
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 Bernhard Wanitzek (rechts) vom Kirchenvorstand überreichte Bernhard Schwemmlein (links) ein zeitgenössisches Blasinstrument und gab zum Vergnügen von Stadtkirchenpfarrer Hans-Helmut Bayer (Mitte) gleich eine Kostprobe seines Könnens.
- Die Schlafkammer im Nordturm der Bayreuther Stadtkirche.

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15.06.2013

„Wer weiter denkt, kauft näher ein“ / In Stammbach entsteht ein moderner CAP-Markt – Betreiber ist die Diakonie Hochfranken

Stammbach. Die Gemeinde als Eigentümer und die Diakonie als Betreiber: In Stammbach im Landkreis Hof ist es mit Hilfe eines außergewöhnlichen Projekts gelungen, dass die gut 2400 Einwohner wieder einen Nahversorger vor der eigenen Haustür haben. Der CAP-Markt wird derzeit umgebaut und erweitert und soll noch im Sommer zum lebendigen Treffpunkt des Marktes werden. Im Rahmen ihrer Visitation des Dekanatsbezirks Münchberg machte sich Regionalbischöfin Dorothea Greiner am vergangenen Wochenende ein Bild von den Umbauarbeiten.

„Discounter haben eine klare Vorgabe: 4000 Einwohner plus X“, sagt Bürgermeister Karl Philipp Erler. „Das ist unmenschlich“, fügt er noch an, denn schließlich könnten auch die Menschen in seiner Gemeinde nicht immer wegen jeder Kleinigkeit gleich in die nächste Stadt fahren. Der Bürgermeister spricht von einer Notsituation, die entstanden sei, als vor einigen Jahren der diska-Markt seine Pforten für immer geschlossen hatte.

Die Rettung lag in dem Projekt „Lebensmittelpunkte“ der Diakonie Hochfranken und dem Konzept der CAP-Märkte. Die Diakonie sagte zu, einen solchen Markt in Stammbach zu betreiben, wenn die Gemeinde den Mut aufbringt, das Gebäude anzukaufen. Beides funktionierte: Die Gemeinde hatte den Mut und die Diakonie als Betreiber schaffte es, den Markt auf ein stabiles wirtschaftliches Fundament zu stellen. CAP steht dabei für Handicap, dem englischen Wort für Benachteiligung und damit für Menschen mit psychischen oder körperlichen Behinderungen. Sie werden im Markt unter absolut realistischen Bedingungen ausgebildet und sollen mit Hilfe einer Förderung durch die Arbeitsagentur ganz gezielt in den ersten Arbeitsmarkt eingegliedert werden, so Marktleiterin Elisabeth Grüner. Liefertechnisch sei der Markt an die Edeka-Organisation angebunden.

„Der CAP-Markt war unsere letzte Chance“, sagt der Bürgermeister. Jetzt, wo alles bestens läuft, habe man sich deshalb auch entschlossen, das Gebäude auszubauen, auf den neuesten technischen Stand zu bringen und mit einer Wärmedämmung zu versehen. „Die Bürger von Stammbach haben erkannt, wer weiter denkt kauft näher ein“, so Ehrler. Geplant ist unter anderem die Einrichtung einer Metzgerei, einer Poststelle und eines Stehcafes als lebendiger Treffpunkt. Die Kosten beziffert Ehrler auf mehrere 100000 Euro. Gefördert wird das Vorhaben sowohl vom Bund als auch vom Freistaat unter anderem mit Städtebaufördermitteln.

Regionalbischöfin Greiner sprach bei der Baustellenbegehung von einem echten Gewinn für Stammbach. Einkaufsmöglichkeiten vor Ort nannte sie auch unter ökologischen Aspekten ganz besonders wichtig. Wenn Menschen mit und ohne Handicap ganz normal zusammenleben verändere dies letztlich die ganze Gesellschaft. Greiner: „Dieses Projekt ist es wirklich wert gefördert zu werden, denn da steckt echte menschliche Wärme drin.“

CAP ist ein deutsches Handelsunternehmen mit Hauptsitz in Sindelfingen. Die meisten Märkte werden im Gegensatz zu Stammbach von Werkstätten für behinderte Menschen im Rahmen eines Franchising-Konzeptes betrieben. In Deutschland gibt es bereits rund 100 derartige CAP-Märkte. Grundgedanke ist die Verbesserung der Arbeitsplatzsituation und die Erweiterung der Möglichkeiten für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung.

Bilder:
- Ortstermin auf der Baustelle: Regionalbischöfin Dorothea Greiner mit Vertretern der Gemeinde im künftigen Stammbacher CAP-Markt
- Bürgermeister Karl Philipp Erler und Regionalbischöfin Dorothea Greiner vor der Bautafel mit dem Umbauplan des künftigen CAP-Marktes in Stammbach.
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 Marktleiterin Elisabeth Grüner und Regionalbischöfin Dorothea Greiner besichtigen das Gebäude des künftigen CAP-Marktes in Stammbach.
 

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04.05.2013

Kirche ist wieder gesund / Festgottesdienst und Fotoausstellung: Emtmannsberger Bartholomäuskirche wiedereingeweiht

Emtmannsberg. Nach knapp zwei Jahren Bauzeit ist am Samstag die grundlegend sanierte Bartholomäuskirche in Emtmannsberg mit einem Festgottesdienst wiedereingeweiht worden.  Auslöser für die rund 1,5 Millionen Euro teure Sanierung war, dass Feuchtigkeit in das Kirchschiff und in den Kirchturm eingedrungen war und sich die morschen Dachbalken verschoben hatten. Selbst die Kirchenglocken mussten daraufhin schweigen, weil die Statik nicht mehr garantiert werden konnte. Im Zuge der Arbeiten wurden nicht nur die tragenden Balken neu ausgerichtet und das Dach neu eingedeckt, sondern auch das komplette Gemäuer wetterfest gemacht.

Der Kirchenraum sei hoch gefährdet gewesen, sagte Regionalbischöfin Dorothea Greiner. „Vielleicht gäbe es ihn schon nicht mehr, wäre der Schaden nicht festgestellt worden.“ Bei großen Schwingungen hätte der ganze Turm einstürzen und auf den Kirchenraum fallen können. Faktisch sei deshalb der gesamte Glockenturm, der sich über Sakristei und Freskenraum erhebt, über ein Jahr nicht betretbar gewesen. Die Sakristei als wichtiger Sakralraum konnte erst zum Festgottesdienst wieder neu in Gebrauch genommen werden. Nun sei die Gefahr gebannt. Die Gemeinde könne wieder ungefährdet bei Glockengeläut im Gottesdienstraum sitzen. Greiner: „Ihre Kirche ist wieder gesund.“

Pfarrerin Beate Wihowski freute sich, dass die Emtmannsberger Pfarrkirche nach vielen anstrengenden Jahren voller Planen, Sammeln, dem Abhalten von zahlreichen Veranstaltungen, wie der Verkauf von Christbäumen oder die Versteigerung von bemalten Straußeneiern, wieder wunderschön saniert werden konnte. „Glücklich sind wir auch über den neuen Anstrich, dessen freundliche Farbgebung unsere Kirche schon von aller Weite wahrnehmen lässt.“

Die Emtmannsberger Bartholomäuskirche  geht auf die Burgkapelle St. Peter aus dem 13. Jahrhundert zurück. 1666 erfolgten eine Umgestaltung und eine Erweiterung nach Nord-West. Durch Markgraf Friedrich, zugleich Patronatsherr, erhielt die Kirche 1749 als Markgrafenkirche ihre jetzige Gestalt. Damit sei der Standort der Kirche mindestens über sieben volle Jahrhunderte hinweg ein Ort des Gebets, sagte Regionalbischöfin Greiner.

Vor dem Festgottesdienst mit Regionalbischöfin Dorothea Greiner wurde in der alten Schule neben der Kirche die Ausstellung „Blumen, Blüten und Vergehen“ des Ahorntaler Fotografen Ernst Tränkenschuh eröffnet. Die Ausstellung zeigt rund 40 großformatige Fotografien, von denen die meisten zum ersten Mal öffentlich zu sehen sind. Ihm sei es ein Bedürfnis, Blumen und Blüten so schlicht und einfach wie möglich abzubilden, um so die feinsten Details dieser architektonischen Meisterwerke zu zeigen, sagte Tränkenschuh. Der Fotograf beschrieb die Blume bei der Vernisssage als Verkörperung aller Widersprüche, die im Inneren schwelgen: Von der Anmut und Grazie, über die Geschmeidigkeit und Üppigkeit bis hin zum würdevollen Verblassen, Verwelken und Sterben.

Die Ausstellung kann bis zum 9. Juni, jeweils Dienstag und Freitag von 9 bis 12 Uhr, sowie im Anschluss an den Gottesdienst besichtigt werden. Unter 09209//246 können auch Führungen vereinbart werden. Sämtliche Bilder können käuflich erworben werden, 15 Prozent des Erlöses kommen dabei der Sanierung der Fresken in der Bartholomäuskirche zugute.

Bilder:
-   Die sanierte Emtmannsberger Bartholomäuskirche.
- „Der segnende Engel“ heißt diese Fotografie von Ernst Tränkenschuh (links), die in der Ausstellung zu sehen ist. Die Großaufnahme einer Orchideenblüte wird als Geschenk des Parlamentarischen Finanzstaatssekretärs Hartmut Koschyk (rechts) dauerhaft in Emtmannsberg bleiben. Bild Mitte: Pfarrerin Beate Wihowski.

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17.04.2013

Mittagsmenüs aus der Menüfaktur / Diakonie errichtet gemeinsame Großküche als integrative Einrichtung

Bayreuth/Kulmbach. Das Projekt schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: „Wir nehmen die Essensversorgung für unsere Einrichtungen in die eigene Hand und schaffen gleichzeitig Integrationsarbeitsplätze“, sagt Hartmut Springfeld, Geschäftsführer der Werkstätten für behinderte Menschen der Diakonie Bayreuth. Unter dem Schlagwort „Menüfaktur“ soll die künftige gemeinsame Küche der Diakonie Bayreuth, der Diakonie Kulmbach, der dortigen Geschwister-Gummi-Stiftung und  der Werkstätten für behinderte Menschen an den Start gehen. „Wir werden mit 8,5 Vollzeitstellen starten und wollen im Endausbau zwölf Vollzeitstellen haben“, so der dafür zuständige Klaus Eisenstein von der Diakonie. Die Zahl der täglich frisch zubereiteten Essen ab September beziffert er auf rund 2000.

Hintergrund der ehrgeizigen Planungen ist, dass die Diakonie Kulmbach und die Geschwister-Gummi-Stiftung bislang zwei eigenständige Küchen betrieben haben, während die Diakonie in Bayreuth und die Werkstätten für Behinderte das tägliche Mittagessen von externen Anbietern, also von Caterern, zukaufen mussten. Lediglich im Matthias-Claudius-Heim sei eigenständig gekocht worden, weiß Hartmut Springfeld.

Nachdem in Kulmbach ohnehin Erneuerungen anstanden, wurde kurzerhand auch ganz neu geplant, und zwar unter Einbeziehung behinderter Menschen. „Unsere Idee war es, einen Integrationsbetrieb daraus zu machen“, so Hartmut Springfeld. Mit aktuell bereits 1600 Mittagessen pro Tag rechne sich das auch, zumal es exakt zur Philosophie passe, Menschen mit Behinderungen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.

Unter der Bezeichnung „Diako Oberfranken“ wurde kurzerhand eine gemeinnützige Gesellschaft (gGmbH) mit Sitz in Kulmbach gegründet und ein Grundstück an der E.-C.-Baumann-Straße erworben. Direkt gegenüber dem Max Rubner-Institut (der früheren Bundesanstalt für Fleischforschung) passt die neue Menüfaktur auch thematisch gut zum Lebensmittelstandort Kulmbach.

Das Gebäude soll bereits Ende Juli eingeweiht werden, dann startet eine Art Probebetrieb, ehe die Einrichtung mit Schulbeginn im September voll ans Netz geht. „Wir haben einen ganzen Pool an Unterstützern“, sagt Hartmut Springfeld, ohne die genauen Kosten zu nennen. Die Aktion Mensch, die Oberfrankenstiftung, die Bayerische Landesstiftung, das Integrationsamt und der Bezirk Oberfranken gehören zu den Einrichtungen und Organisationen, die Gebäude und Ausstattung finanziell tragen.

Größte Abnehmer der künftigen Mittagsmenüs aus Kulmbach werden die Werkstätten für behinderte Menschen in Bayreuth und Kulmbach sowie das Heilpädagogische Zentrum (HPZ) in Bayreuth sein. Als künftige externe Abnehmer stehen bereits die Gesamtschule Hollfeld und zwei Bayreuther Schulen fest. „Gerade im Bereich der Schulversorgung sehen wir noch Potential, schließlich sind wir in Zukunft gehalten, Überschüsse zu erwirtschaften.“, so der Geschäftsführer.

Bild: An der E.-C.-Baumann-Straße in Kulmbach entsteht die neue Menüfaktur, eine Großküche, die Einrichtungen in Bayreuth und Kulmbach mit Mittagessen versorgen wird.

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12.04.2013

Zusammenhalt suchen, gestalten und stärken / Regionalbischöfin Greiner und Erzbischof Schick eröffneten Woche für das Leben

Rehau. Mehr Anerkennung für Pflegeberufe haben Regionalbischöfin Dorothea Greiner und Erzbischof Ludwig Schick gefordert. Der Altenpflegeberuf sei in eine massive Krise geraten, sagte Greiner bei der Eröffnung der Woche für das Leben am Freitag in Rehau (Dekanat Hof). Die Versuche, Pflegeberufe aus der Krise zu befreien seien nicht wirksam genug. „Unser Protest gegen die Pflegemisere ist bisher zu gering, Pflegende und Gepflegte brauchen unsere wirksame Solidarität“,  so Greiner.

Mehr Anerkennung, materiell als auch immateriell, forderte auch Erzbischof Schick. Das Motto der Woche für das Leben „Engagiert für das Leben – Zusammenhalt gestalten“ nannte er ein wichtiges Zukunftsthema für Deutschland. Dabei gehe es um das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen, von Menschen, die schon immer hier leben und Migranten und Asylanten, aber auch um das Miteinander der Generationen. Beste Beispiele dafür seien die erfolgreiche Ansiedlung von Kindergärten neben Altenheimen oder die Übernahme von Patenschaften für junge Leute durch ältere Menschen, die mit ihrem Wissen aus dem Berufsleben benachteiligten Jugendlichen helfen können.

Eine Vorzeigeeinrichtung, in der das Miteinander der Generationen bestens funktioniert ist das Mehrgenerationenhaus der Diakonie Hochfranken in Rehau, in dem die Woche für das Leben diesmal eröffnet wurde. Hier gibt es unter einem Dach mehrere Wohngruppen für zusammen 35 ältere Menschen, einen Hort für 25 Kinder, eine ambulante Diakoniestation, Tagesmüttertreffs und eine Babykrabbelgruppe.

Mehrgenerationenhäuser seien eine junge Erfindung unserer Zeit, sagte Regionalbischöfin Greiner. Dass es sie überhaupt gibt, decke einen wachsenden Bedarf unserer Gesellschaft auf: Der Zusammenhalt zwischen den Generationen müsse aktiv gesucht, gestaltet und gestärkt werden. Viele alte Menschen seien in so genannten Seniorenresidenzen und Seniorenheimen häufig unter sich. „Nicht, weil sie das so wollen, sondern weil es so ist“, sagte Greiner. Dabei sei es von Anfang der Menschheit an wohl üblich, dass Familien und Sippen generationenübergreifend lebten. Erst seit wenigen Jahrzehnten sei dieses Prinzip durchbrochen.

Die Entstehung von Mehrgenerationenhäusern nannte sie eine bewusste Gegenbewegung dazu, dass immer seltener Menschen mehrerer Generationen unter einem Dach leben. Allenfalls in bäuerlichen Kontexten oder in bewahrten dörflichen Gemeinschaften sei die generationenübergreifende Gemeinschaft noch zu finden. Doch trotz der Mehrgenerationenhäuser werde niemand das familiär–generationenübergreifende Leben, so wie es einmal war, wiederbeleben können. Allein schon die allseits erwartete Flexibilität von Menschen im Berufsleben, verschiedene Lebensentwürfe und Lebensplanungen machten diesen Prozess unumkehrbar. Greiner: „ Restaurationssehnsüchte sind sinnlos, unrealistische moralische Erwartungen an Töchter und Söhne alter Menschen deprimieren und helfen nicht weiter.“

Die Woche für das Leben ist eine Aktionswoche der evangelischen und katholischen Kirchen in Deutschland mit jährlich wechselnden Themenschwerpunkten. Sie wird seit 1991 begangen und geht auf eine Initiative der katholischen Kirche zurück. Seit 1994 nimmt auch die evangelische Kirche an dieser Initiative teil.

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26.03.2013

Bibel und  Betriebsverfassung / Eckhard „Joey“ Schneider ist seit 25 Jahren in der Betriebsseelsorge tätig

Kronach. Zwei Bücher hat Eckhard J. Schneider immer in der Aktentasche: die Bibel und das Betriebsverfassungsgesetz. Der 56-Jährige ist katholischer Theologe und der für die Region zuständige Betriebsseelsorger der Erzdiözese Bamberg.

Von Burn out und Mobbing bis hin zu Leiharbeitern und Werksverträgen: Eckhard Schneider, den alle unter seinem Spitznamen „Joey“ kennen, treibt so einiges um. 800 Kilometer legt er in manchen Wochen zurück in seinem Zuständigkeitsbereich, zu dem die Landkreise Bayreuth, Coburg, Hof, Kronach und Kulmbach gehören. „Fünf Tage, fünf Landkreise“, lautet seine Devise und ganz freimütig bekennt er: „Eigentlich ist der Beruf mein Leben.“

Das war so nicht unbedingt vorgezeichnet. Ursprünglich habe er, Sohn eines Lehrers aus Stockheim im Frankenwald, Kunst studieren wollen. Wenn nach dem Abitur am Kronacher Gymnasium dann plötzlich die Theologie dazwischenkam, dann beschreibt Eckhard Schneider das heute als seine „Form der Rebellion“. Für die Kirche habe er, der aus einem religiös geprägten Elternhaus stammt, sich schon immer interessiert, das politische und gesellschaftliche Engagement sei stärker dazugekommen und die (bildende) Kunst habe er weiter als Schwerpunkt angesehen. So etwa in seiner Seminararbeit über den russischen Maler Wassily Kandinsky oder bei Besuchen der Documenta in Kassel, wo er noch mit dem Aktionskünstler Joseph Beuys persönlich diskutieren konnte.

Das Ringen um Ästhetik, die Provokation, die Suche nach dem Glauben, das alles habe ihn umgetrieben, auch als er in den 1980er Jahren am Zaun von Wackersdorf stand. „Gott steht auf der Seite der Armen, der Bauern, der Umweltbewegung“, lautete seine feste Überzeugung. Eckhard Schneider legt einen viele hundert Seiten starken Wälzer auf den Tisch, in dem es darum geht, ob die Kirche zu politischen und gesellschaftlichen Themen Stellung beziehen darf. Es ist seine Seminararbeit.

Die erste Stelle als Theologe war 1984 die eines Pastoralreferenten für die Jugendarbeit in Nordhalben. Danach wurde er zusammen mit zwei gleichgesinnten ehemaligen Kommilitonen ab September 1985 in Kulmbach St. Hedwig tätig. Das mit dem Priester hatte sich zwischenzeitlich erledigt, denn jeder der drei war inzwischen eine Beziehung eingegangen, beziehungsweise hatte sogar schon geheiratet. Von da an war Eckhard Schneider als Pastoralreferent im gesamten Dekanat Kulmbach für die Arbeitswelt zuständig, eine Konstellation, die es damals nur noch in Bamberg und Nürnberg gab. Das Projekt lief überaus erfolgreich, so dass ab 1988 die Betriebsseelsorgestelle fest installiert wurde, zunächst nur für den Raum Kulmbach, ab 2005 für den nördlichen Teil der Bamberger Diözese. Für den Theologen ging es damit wieder zurück zu den Wurzeln nach Kronach, wo er seitdem sein Büro im Gebäude eines kleinen Klosters des Oblatenordens hat.

Eckhard Schneider versteht seine Tätigkeit als „Geh-hin-Kirche“. Drei Betriebsbesuche pro Woche sind keine Seltenheit. Betriebs- und Personalräte dienen dabei als „Türöffner“, denn längst ist auch der Mann der Kirche nicht immer willkommen. „Der Respekt hat nachgelassen, gerade bei den Arbeitgebern“, sagt er und berichtet von dem einen oder anderen Hausverbot. Der Grund: „Wir sitzen auf Seiten der kleinen Leute.“ Ein noch größeres Problem habe er damit, wenn es in vielen Betrieben keinen Betriebsrat mehr gibt. „Wie sollen wir da an die Leute rankommen?“ Und für Leiharbeiter oder Werksvertragsbeschäftigte sei ohnehin kein Betriebsrat zuständig.

Doch es gebe auch Positives zu berichten. Wenn etwa Erzbischof Ludwig Schick sich regelmäßig mit Gewerkschaftlern und Betriebsräten trifft, dann sei dies ein Riesenfortschritt, den vor 20 Jahren noch niemand für möglich gehalten hätte. Oder wenn die Erzdiözese seit fünf Jahren regelmäßig den Preis „Arbeit für Gerechtigkeit“ verleiht und Eckhard Schneider selbst zu Betriebsratsversammlungen als Hauptredner eingeladen wird, dann stimme ihn das schon sehr zuversichtlich.

Aber es gibt auch die schlaflosen Nächte, etwa wenn wieder ein Betrieb der Textilindustrie schließt und abzusehen sei, dass viele Beschäftigten auf der Strecke bleiben werden. Meist treffe es diejenigen, die eh nicht viel verdienen, sagt der Seelsorger und denkt an manche Fabrikhalle, in der früher buntes Arbeitsleben herrschte, und die heute leer steht. Nachdenklich spricht er mit Blick auf die Textilindustrie vom „Sterben auf Raten“ und mit Blick auf den Druck aus Fernost vom Lebensatem, der hier aus den Hallen zieht.

Auch wenn Eckhard Schneider sich vorgenommen hat, in den kommenden zehn Jahren noch einmal so richtig durchzustarten, seine Gedanken hat er bereits an die nächste Generation weitergegeben. Die älteste Tochter ist im Schuldienst tätig und unterrichtet unter anderem Religion, die jüngere Tochter war als Missionarin in Uganda und studiert derzeit Jura mit Schwerpunkt Arbeitsrecht und Sohn Johannes möchte nach Abitur und Schreinerlehre ebenfalls ein Theologiestudium beginnen.

Neben der Kunst frönt Eckhard Schneider noch zwei weiteren Leidenschaften, die zumindest auf den ersten Blick nicht so recht in das Bild des engagierten Seelsorgers passen möchten. Bis zum 50 Lebensjahr war er als Fußballer für seinen Verein, dem FC Stockkeim aktiv, zuletzt bei den alten Herren, daneben ist er auch leidenschaftlicher Jäger und stellvertretender Vorsitzender der Kronacher Jägerschaft. Auf dem Hochsitz kämen ihm auch die besten Gedanken, beispielsweise für die Illustration von Gedichtbänden oder Weihnachtskarten.

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18.02.2013

Tabea ist auf den Therapiehund gekommen / Labrador-Hündin Lilly unterstützt die Beschäftigungstherapie im Heiligenstädter Pflegezentrum

Heiligenstadt. Mit Therapiehündin Lilly hat das Tabea-Pflegezentrum in Heiligenstadt (Landkreis Bamberg) eine neue Mitarbeiterin. Die dreijährige Labrador-Hündin, die eher zufällig über einen neuen Mitarbeiter zu Tabea gekommen war, wird vor allem auf der Demenzstation eingesetzt. Ziel sei es, mit Hilfe des Hundes nicht nur den Alltag der Bewohner aufzulockern, sondern das Tier gezielt im Rahmen der Beschäftigungstherapie und in der Betreuung einzusetzen, so Heimleiter Urs Bruhn.

Schon allein die Nähe des Tieres wecke bei den meisten demenzbetroffenen Bewohnern vielfältige  Erinnerungen, sagt Vanessa Hertling, die Leiterin der Beschäftigungstherapie. Die Hündin habe als trainierter Therapiehund eine sehr hohe Toleranzschwelle, so dass die Betroffenen sie nicht nur streicheln, sondern sogar umarmen können, ohne dass sich Lilly in irgendeiner Form „wehrt“. Lilly sei nicht nur von Anfang an Gesprächsstoff gewesen, sondern habe im ganzen Haus eine derartige Wärme verbreitet, dass niemand mehr die Hündin missen möchte, so Silke Turich, die im Tabea-Pflegezentrum in der Betreuung von dementen Bewohnern tätig ist. Sie weiß sogar von einer dementen Bewohnerin zu berichten, die beim Anblick der Hündin zum ersten Mal seit vielen Monaten ihre Sprache wiedergefunden hat.

Die Hündin ist dabei nur ein Teil des Demenzkonzeptes, mit dem das Tabea-Pflegezentrum Betroffene anregen und aktivieren möchte. Ein weiterer Teil ist das Duftrepertoire, mit dem bei Demenz-Patienten Erinnerungen wachgehalten werden sollen. Egal ob Kuchen oder Schokolade, Lavendel oder Zitrone, Holz oder Leder: Eine Firma aus Hannover hat sich auf Duftstoffe spezialisiert, mit denen in Heiligenstadt gearbeitet wird. Über Gerüche werden Verknüpfungen zur aktuellen oder früheren Erlebniswelt der Menschen hergestellt, mit denen noch vorhandenes Potential der Betroffenen gehoben werden soll.

Sehr gute Erfahrungen hat Silke Turich auch mit den vielen gespeicherten Bildern auf ihrem I-Pad. Hier zeigt sie den Bewohnern Bilder, die sie selbst in der Region aufgenommen hat und zu denen selbst demente Personen noch einen Bezug herstellen können. Gerade bei Personen, die von Demenz betroffen sind, werde die eigene Biographie plötzlich wieder lebendig, sagt Silke Turich. Unter anderem hat sie alte Trachten und einen Kaufladen im Museum der Kaiserpfalz in Forchheim fotografiert, Bilder, die vor allem bei bettlägerigen Patienten auf großen Anklang gestoßen waren.

„Bei all diesen Teilprojekten geht es uns darum, unsere Bewohner am Leben teilhaben zu lassen“, erklärt Heimleiter Bruhn. Dabei spiele gerade das Thema Demenz eine große Rolle. Weit über die Hälfte der Bewohner seien in irgendeiner Form davon betroffen, die Tendenz ist eher steigend. „Als eine der größten Einrichtungen dieser Art in den Landkreisen Bamberg und Forchheim fühlen wir uns dem Thema verpflichtet.“. Ganz wichtig sei es dabei, noch vorhandene Fähigkeiten nicht abebben zu lassen. Deshalb sei auch eine Kochgruppe eigens für Demenzbetroffene gegründet worden, die bereits fünf feste Mitglieder hat. Zum Gedächtnistraining gehören auch Jahreszeitlich bedingte Veranstaltungen wie die Besichtigung von Osterbrunnen oder der Besuch des Nikolauses. Hier werde bei vielen Betroffenen immer wieder deutlich, dass das Langzeitgedächtnis noch irgendwie funktioniert.

Als weitere Projekte plant Heimleiter Bruhn die Einrichtung eines Demenz-Stammtisches für Angehörige zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch, sowie die Zusammenarbeit mit Schulen aus der Region. Letzteres geschehe nicht ganz ohne Hintergedanken, räumt Bruhn ein. Es gehe auch darum, junge Menschen für Pflegeberufe zu interessieren und langfristig den Nachwuchs zu sichern. Derzeit werden bei Tabea Leinleitertal sieben junge Leute zum Altenpfleger, zum Fachpfleger für Altenhilfe und zum Gesundheitskaufmann/-kauffrau ausgebildet. Getreu dem diakonischen Motto für Bayern im laufenden Jahr „Leben mit Sinn“ sollen gerade jungen Leuten sinnstiftende Berufe gezeigt werden.

Tabea-Leinleitertal ist aus dem bisherigen Familienzentrums der Evangelischen Freikirchlichen Gemeinden Nordbayerns hervorgegangen und eine der größten sozialen Einrichtungen in Oberfranken. Träger ist seit Anfang 2012 das Hamburger Diakoniewerk Tabea. Zur Einrichtung gehören ein Pflegezentrum mit rund 130 Betten, eine Diakoniestation, Betreutes Wohnen mit rund 100 Eigentums- und Mietwohnungen, ein Gästehaus, ein Tagungszentrum, ein Jugendhaus und mehrere Ferienwohnungen.

Bild: Silke Turich (links), Vanessa Hertling und Heimleiter Urs Bruhn stellten die neue Therapiehündin Lilly vor, die vor allem bei Demenzpatienten zum Einsatz kommt.

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07.12.2012

Karate, Kampfsport und Kickboxen hinter der Kirche / Diakonie Bayreuth veranstaltet Anti-Gewalttraining für Menschen mit Handicap

Bayreuth. Gleich hinter der markgräflichen Ordenskirche hat der Fight-Club Oberfranken unter der Adresse „Hinter der Kirche 1a“ im Stadtteil St. Georgen sein Domizil. Kirche und Kampfsport, das ist nur auf dem ersten Blick ein Widerspruch, denn die Diakonie in Bayreuth hat es mit einem außergewöhnlichen Projekt geschafft, beides zusammenzubringen.

Pokale, Urkunden und Trophäen zeugen von Welt- und Europameistern, die in der kleinen Trainingshalle die Grundlagen des Kampfsports erlernt haben. Kampfkunst-Trainer Roland Rausch, der den Ehrentitel „Renshi“ und den Meistertitel „4. Dan“ trägt, hat seit rund einem Jahr jeden Freitagvormittag eine ganz besondere Gruppe zu Gast: 13 Männer und zwei Frauen mit körperlicher oder geistiger Behinderung, die normalerweise in der Werkstatt für Behinderte tätig sind. Einmal pro Woche trainieren sie eineinhalb Stunden lang das, was Trainer Rausch „3R Bushido Kampfkünste“ nennt. Selbstverteidigung und Kickboxen gehört genauso dazu wie „Power Style Karate“. Möglich macht das Ganze die Diakonie als Trägerin der Werkstätten für behinderte Menschen.

„Unter dem Motto Power ohne Wut sollen Menschen mit Handicap lernen, sich im täglichen Leben selbstbewusst und gewaltfrei zu behaupten“, sagt Bildungskoordinator Bernhard Pfeiffer von der Diakonie. Die typische Sozialisation von Menschen mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung zwinge sie zu Rücksichtnahme, Dankbarkeit und Unauffälligkeit und mache sie dabei zu „leichten Opfern”, die stillhalten und still schweigen. Selbstverteidigungs- und auch Kampfkunstkurse sollen deshalb das Selbstbewusstsein stärken und helfen, Menschen mit Handicap zu starken Persönlichkeiten werden zu lassen, die zur rechten Zeit „nein“ sagen und sich wehren können. Da ihnen die meisten Kurse nicht zugänglich sind, bleibt ihnen dieser Weg oft verwehrt.

Einen tätlichen Übergriff auf einen behinderten Menschen habe es in der Region zwar nicht gegeben, doch sei die Thematik gerade in Großstädten aktuell, so Pfeiffer. Die Teilnehmer, die alle freiwillig während ihrer Regelarbeitszeit kommen, sollen deshalb auch lernen, nach außen anders aufzutreten und sich verbal und physisch im Fall des Falles wehren zu können.

Trainer Roland Rausch hat es sich zum Ziel gesetzt, für Menschen mit Handicap nicht nur die Möglichkeit eines gleichberechtigten und integrativen Trainings zu schaffen, sondern insbesondere ihnen die Gelegenheit zu geben, ihren Körper neu kennenzulernen, die Feinmotorik auszuprägen und durch den zwischenmenschlichen Ansatz an Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein zu gewinnen. „3R Bushido Kampfkünste“  bietet dazu auch die Stärkung des Selbstbewusstseins und Schulung der Körpersprache, um diese im Falle eines Konfliktes richtig einzusetzen.

Für den Profi ist das Ganze eine absolut neue Erfahrung. Anfangs sei er durchaus auch skeptisch gewesen, doch mittlerweile sei er selbst mit Feuereifer dabei und will schon bald eine zweite Gruppe gründen. „Ein solches Projekt gibt es meiner Meinung nach nirgends anders“, sagt Rausch, der es sich auch vorstellen kann, aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen Trainer für die Arbeit mit Behinderten auszubilden, die das Projekt dann in andere Städte tragen könnten.

Das Ganze habe schließlich auch etwas mit der vielzitierten Inklusion zu tun, sagt Bildungskoordinator Pfeiffer von  der Diakonie. Schließlich kommt die Behindertengruppe in die ganz normale Trainingsatmosphäre und wird von echten Profis betreut. Nicht ausschließen möchte Trainer Rausch auch, dass einige der Teilnehmer schon bald am regulären Training mit nichtbehinderten Sportlern teilnehmen können.

Bild: Kampfkunstprofi Roland Rausch trainiert zusammen mit Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung im Fight-Club Oberfranken gleich hinter der Ordenskirche in Bayreuth.

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13.11.2012

Klare Alternative zur anonymen Bestattung / In Bayreuth soll ein Friedhofswald entstehen

Bayreuth. Die Natur übernimmt die Grabpflege, die vier Jahreszeiten schmücken die letzte Ruhestätte: für immer mehr Menschen ist das die Idealvorstellung. Sie wollen keine Gräber mehr auf Friedhöfen, die später ohnehin niemand pflegen wird. Da es in Nordbayern nur wenige Möglichkeiten der alternativen Baumbestattung gibt, bemüht sich seit dem zurückliegenden Jahr in Bayreuth der Förderverein „Ruhewald Bayreuth und Umgebung“ um die Errichtung eines solchen Friedhofswaldes. Noch habe man allerdings kein Gelände in Aussicht, sagte Dr. Gerhard Böhner, früherer Sozialreferent der Stadt und Vorsitzender des Fördervereins.

Eine, die sich in besonderer Art und Weise für die Errichtung eines Ruhewaldes stark macht und die Belange vieler Bürger Bayreuths aufgreift, ist die Emtmannsberger Pfarrerin Beate Wihowski. Es sei doch offensichtlich, dass sich die Bestattungskultur verändert, sagt sie. Während Friedhöfe in den 60er und 70er Jahren erweitert werden müssten, sind viele Grabstätten heute nicht mehr besetzt oder werden nicht mehr gepflegt. Und wenn, dann trifft der Friedhofsbesucher auf einfach zu pflegende geschlossene Grabplatten oder unkomplizierte Urnenfelder. „Ich will da niemandem einem Vorwurf machen“, sagt die Pfarrerin und verweist auf veränderte Familienstrukturen,  eine zunehmende Mobilität, die demographische Entwicklung und nicht zuletzt auch eine bei vielen Menschen schwächere Finanzkraft.

Die letzte Ruhe im Frieden der Natur ist bislang nur auf dem unterfränkischen Schwanberg, im Coburger Land und seit Juli 2010 auch im Friedwald von Ebermannstadt in der Fränkischen Schweiz möglich. Hier wird die Asche der Verstorbenen in einer biologisch abbaubaren Urne am Fuß eines Baumes der Erde übergeben. Beisetzungswälder seien in der Regel Mischwälder, wegen des stabileren Wurzelfundaments und der höheren Standfestigkeit der verschiedenen Baumarten, weiß Pfarrerin Wihowski. Sie seien in der Regel zwischen 20 und 100 Hektar groß und mit dem Auto leicht zu erreichen.

Auf der einen Seite stelle der Beisetzungswald einen ganz normalen Wald dar, in dem eben zwei bis drei Bäume je zehn Quadratmeter als Bestattungsbäume ausgewiesen werden. Auf der anderen Seite werde ein derartiger Wald aber auch parkähnlich gepflegt, so dass sämtlich Wege ständig begehbar sind. Wihowski stellte aber auch klar: „Wer auf Schmuck Wert legt, der sollte einen Friedhof wählen“. Gestecke oder Porzellanengel seien im Wald ausdrücklich nicht erwünscht und würden auch entfernt. Allerdings ist der Friedwald eine klare Alternative zur anonymen Bestattung, denn an dem bestreffenden Baum gibt es in der Regel nicht nur Namenstafel, möglich seien sogar Sprüche oder Zitate. Auch die Angehörigen erhalten eine Urkunde mit der genauen Ausweisung des Bestattungsbaumes.

Aus christlicher Sicht sieht Wihowski keinen Bruch in der Bestattungskultur: „Aus christlicher Sicht ist die Baumbestattung nicht zu verneinen.“ Die Pfarrerin plädierte eher dafür, den Trend zu alternativen Bestattungsformen als Chance und Herausforderung zu begreifen. Die Menschen hätten sich bereits entscheiden, es sei eine Chance der Kirche sie begleiten und zu führen, anstatt sie an den Pranger zu stellen. Zum einen sei der Glaube an die Auferstehung nicht an eine  bestimmte Bestattungskultur gebunden, zum anderen habe die Kirche genügend Kenntnisse in Sachen Bestattung, so dass man das Thema nicht gewinnorientierten GmbHs überlassen sollte.

Betreiber der meisten Friedhofswälder in Deutschland sind die Friedwald- und die Ruheforst GmbH. Friedwald, der Name ist gesetzlich geschützt, betreibt bundesweit über 50 Wälder mit rund 15000 Grabstätten. Die Preise seien aufgrund der unterschiedlichen Leistungen und Angebote schwer zu vergleichen, sagte Wihowski.

Auf dem kleinen Friedhof von Emtmannsberg gibt es dank des Einsatzes von Beate Wihowski bereits einige Baumplätze, die immer stärker nachgefragt werden. Man müsse nicht Einwohner von Emtmannsberg sein, um hier seine letzte Ruhestätte zu finden, sagte die Pfarerrin.  Außerdem sei die Bestattung mit rund 700 Euro deutlich günstiger als in den Friedwäldern der privat betriebenen GmbHs. Weitere Baumgrabstätten gibt es in Bindlach, ab dem kommenden Jahr sollen auch Baumgrabstätten auf den Bayreuther Friedhöfen angeboten werden.

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27.09.2012

Kirche und Handwerk in Oberfranken haben die Aktion „Gott-sei-Dank-Brot“ gestartet

Kulmbach. „Das Brot ist der Inbegriff dessen, was wir zum Leben brauchen und was Gott uns schenkt.“ Das hat Regionalbischöfin Dorothea Greiner zum Start der Gott-sei-dank-Brot-Aktion 2012 im Kulmbacher Bäckereimuseum festgestellt. Die ökumenische Aktion gibt es seit dem Jahr 2007 und wird heuer zusammen mit rund 50 Bäckereibetrieben,  der Bäckerinnung und der Handwerkskammer für Oberfranken durchgeführt. Diesmal wurde die Aktion zum ersten Mal von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum bundesweiten Projekt des Monats ausgewählt. „Das zeigt, dass wir den Nerv der Zeit getroffen haben“, sagte Greiner, die zusammen mit Kindern aus dem Kindergarten der Kulmbacher Auferstehungskirche die ersten Brote in den Museumsbackofen „eingeschossen“ hat, wie es im Bäckereijargon offiziell heißt.

Die teilnehmenden oberfränkischen Bäckereien werden in den kommenden Wochen nicht nur ein spezielles Brot verkaufen, das mit einem Siegel mit der Aufschrift „Gott sei Dank“ gekennzeichnet ist. Darüber hinaus gibt es in den Bäckereien und Kirchengemeinden auch Plakate, Prospekte und Postkarten mit Tisch- und Kindergebeten sowie ein kleiner Gebetswürfel aus Pappe. In den Kirchen soll die Aktion bis Anfang November thematisiert werden, beispielsweise durch die Einbeziehung von Bäckern in den Gottesdienst.

„Die Kirche steht zum heimischen Handwerk“, sagte Regionalbischöfin Greiner. Es wäre ein Jammer, wenn der heimische Bäcker dicht machen müsse, weil er durch die Großkonzerne ausgehungert wird. Neben dem Erhalt der Bäckereikultur geht es Kirche und Handwerk auch darum, dass man für die Lebensmittel danke sagt und dies vor dem Essen in einem Tischgebet zum Ausdruck bringt. Gerade für Kinder sei oft schon selbstverständlich, dass sich zu jeder Jahreszeit sämtliche Lebensmittel hochglanzverpackt und zu jeder Zeit in den Regalen stapeln, so Museumsleiterin Sigrid Daum. Deshalb sei ein Ziel der Aktion wie auch des Bäckereimuseums, die Menschen für den bewussten Umgang mit Lebensmitteln zu sensibilisieren.

„Wir wollen mit der Aktion das Brot als etwas ganz Alltägliches wieder mehr in das öffentliche Blickfeld rücken“, sagte der oberfränkische HWK-Präsident Thomas Zimmer. Er erinnerte an die Ursprünge der Aktion, die von einer Jugendgruppe der Evangelischen Heimvolkshochschule Bad Alexandersbad ausging. Natürlich soll mit der Aktion auch für die Vielfalt des Handwerks in der „Genussregion Oberfranken“ geworben werden. Oberfranken sei sowohl bei der Zahl der Bäckereien (rund 500), der Metzgereien (rund 700) als auch der Brauereien (rund200) jeweils bezogen auf die Zahl der Einwohner des Regierungsbezirks weltweit führend.

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18.09.2012

Ängste abbauen und Bedürftigen helfen /
Oberfrankenstiftung vergab Sozialpreise 2012

Kronach. Der Hospizverein Coburg und die Benefizaktion  „1000 Herzen für Kronach“ sind mit dem Sozialpreis der Oberfrankenstiftung ausgezeichnet worden. Der Preis ist insgesamt mit 15000 Euro dotiert und wurde vom oberfränkischen Regierungspräsidenten und Stiftungsratsvorsitzenden Wilhelm Wenning sowie von Bezirkstagspräsident Günther Denzler an Barbara Brüning-Wolter und Annette Gräfin zu Ortenburg vom Hospizverein sowie an Herta und Gerhard Burkert-Mazur von der Kronacher Benefizaktion überreicht.

Der Coburger Hospizverein wurde 1995 gegründet und hat seitdem mehr als 700 Menschen und deren Angehörigen beigestanden. Der Verein kann auf über 360 Mitglieder und 64 ehrenamtliche Mitarbeiter verweisen. Neben der Begleitung Schwerstkranker und sterbender Menschen sei heute die Begleitung trauernder Menschen, gerade auch trauernder Kinder und Jugendlicher immer wichtiger geworden, sagte Bezirkstagspräsident Denzler in seiner Laudatio. Zur professionellen Trauerbegleitung gehörten in Coburg Angebote wie ein Trauercafe, Trauergruppen, Trauertage und Einzelberatungen. Mit dem Präventionsprojekt „Hospiz macht Schule“ soll außerdem auch Schulkindern das Thema Tod behutsam näher gebracht werden. Sterben, Tod und Trauer würden zu Themen im Schullalltag der 3 und 4. Klassen. Ziel dieses Schulprojekts sei es, Ängste und beängstigende Vorstellungen abzubauen.

Als zweiter Sozialpreisträger der Oberfrankenstiftung wurde die Benefizaktion „1000 Herzen für Kronach“ ausgezeichnet. Die lokale Initiative wurde 2003 anlässlich der 1000-Jahr-Feier der Stadt gegründet, Ziel ist es Spenden für unverschuldet in Not geratene Menschen aus der Stadt und dem Landkreis Kronach zu sammeln. „Wenn dringend Heizöl oder Brennholz gebraucht wird, wenn eine Stromsperrung droht, wenn eine Rente hinten oder vorne nicht ausreicht, jemand seine Lebenskosten wegen Arbeitslosigkeit nicht mehr bestreiten kann oder kein Geld für den Schulbedarf der Kinder da ist, dann helfen die 1000 Herzen“, sagte Denzler. Bedürftige müssten dazu bei der Stadt, den Gemeindeverwaltungen oder den Kirchen einen Antrag stellen, über den ein Gremium aus Sozialexperten zeitnah und ohne großen Verwaltungsaufwand entscheidet. In den zurückliegenden Jahren seit der Gründung hätten die 1000 Herzen bereits über 300000 Euro gesammelt, sagte Denzler, der das Projekt als „bürgerschaftliche Aktion im besten Sinne des Wortes, unkompliziert, schnell und regional“ bezeichnete.

Bild: Regierungspräsident Wilhelm Wenning und Bezirkstagspräsident Günther Denzler zeichneten Annette Gräfin zu Ortenburg und Barbara Brüning-Wolter vom Hospizverein Coburg mit dem Sozialpreis der Oberfrankenstiftung aus.

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17.09.2012

Auf den Spuren Martin Luthers
Teil des offiziellen Lutherweges führt künftig durch Oberfranken

Coburg. Wandern und Pilgern auf den Spuren des Reformators Martin Luther: Das ist künftig nicht mehr nur in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen möglich, sondern auch in Bayern. Am Sonntag wurde in Neustadt bei Coburg ein rund 90 Kilometer langes oberfränkisches Teilstück des offiziellen Lutherweges eröffnet.

„Mit Bad Rodach, Coburg und Neustadt bei Coburg soll der neue Weg künftig drei Stätten der Reformation verbinden“, sagt Pfarrer Dieter Stößlein vom Evangelischen Bildungswerk in Coburg. Seinen Worten zufolge geht es nicht nur um einen zusätzlichen Wanderweg „in Gottes schöner Natur“, sondern auch um die bewusste Begegnung mit sich selbst, mit Gott und den Menschen. „Der Weg soll eine Einkehr zu uns selbst sein und eine Rückbesinnung zu unseren Wurzeln“, sagt Stößlein.

Der neue oberfränkische Lutherweg führt vom thüringischen Sonneberg kommend über Neustadt bei Coburg, Fechheim und Mönchröden durch einige Gemeinden um Coburg herum direkt auf die Veste, in der sich Luther 1530 fast ein halbes Jahr lang aufhielt. Von dort aus geht es weiter in die Coburger Morizkirche, in der Luther mehrmals gepredigt hatte, ehe der Weg das Coburger Land über Wiesenfeld, Meeder, Großwalburg und Gauerstadt kurzzeitig in Richtung Heldburg in Thüringen verlässt, um gleich danach über Bad Rodach, Oettingshausen und Rottenbach noch einmal den nördlichen Landkreis zu durchstreifen und dann endgültig in Richtung Eisfeld in Thüringen weiterführt.

Nach den Worten Stößleins gilt Coburg als die bayerische Lutherstadt. Sie war Raststätte bei den Pilgerreisen von und nach Rom 1510 und 1511, auf dem Weg zur Heidelberger Disputation vom 14. bis zum 16 April 1518, im gleichen Jahr auf dem Weg nach Augsburg zum Verhör vor Kajetan sowie Aufenthaltsort vom 15. April bis zum 4. Oktober 1530 im Zusammenhang  mit dem Reichstag in Augsburg. Aus dieser Zeit sei ein wahrer Reichtum von Luthers Schaffen erhalten, so Stößlein. Als Beispiele nennt er unter anderem die Arbeiten an den Propheten Jeremia und Ezechiel, die Übersetzung der zwölf kleinen Propheten und der sogenannten Coburger Psalter (Psalm 1 bis 25). Dazu kämen zahlreiche Flugschriften und Abhandlungen in Bezug auf aktuelle politische und theologische Fragen sowie rund 120 erhaltene Briefe.

Durch Neustadt bei Coburg sei Luther mehrfach gekommen, bevor er in Coburg Station machte. Am Karfreitag 1530 soll er in der dortigen Georgskirche gepredigt haben. Bad Rodach schließlich gilt als Ort des Rodacher Abschieds, der nach dem Reichstag zu Speyer die Fortschreitung des Protestes dokumentiert und die Frage des Widerstandsrechts gegen den Kaiser behandelt habe, sagt Stößlein.

„Wir haben großes Interesse daran, Gastfreundschaft in allen beteiligten Gemeinden zu verankern“, so Stößlein. Diese Gastfreundschaft in den einzelnen Orten könnte sich unter anderem durch Kirchenführungen ausdrücken, bis hin zur Aufnahme von Pilgern. Führungen und Wanderungen will außerdem das Evangelische Bildungswerk im Dekanat Coburg anbieten.

Entlang des Weges gibt es 21 Kirchen und Kapellen, rund 500 Schilder zeigen den Pilgern, wo es lang geht. Um die künftigen Pilger noch besser zu informieren, soll noch heuer am Reformationstag ein aufwändiger Führer mit Kartenmaterial, Informationen zu allen Gotteshäusern am Weg, zu Kirchenöffnungszeiten und Gottesdiensten sowie mit Gebeten und meditativen Texten erscheinen.

Seit 2008 gibt es ein über 400 Kilometer langes Netz von Lutherwegen in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Neben dem Weg in Bayern ist auch in Hessen ein Weg entlang der historischen Strecke geplant, die Martin Luther auf seinem Weg zum Reichstag in Worms 1521 zurücklegte.

Bild: Pfarrer Dieter Stößlein zeigt am Goldbergsee den Verlauf des neuen Lutherweges der direkt auf die Veste Coburg (im Hintergrund) führt. Dort hat Martin Luther 1930 ein halbes Jahr seines Lebens gewohnt und gearbeitet.

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13.09.2012

Hier findet Leben statt: Im Wohnhaus Laineck gibt es eine eigene Seniorengruppe

Bayreuth. Am späten Vormittag ist es relativ still in den Räumen des Wohnhauses Laineck in Bayreuth. Die meisten der rund 40 Bewohner sind zur Arbeit in der nahegelegenen Werkstatt für Behinderte. Nur im oberstes Stockwerk tut sich was. Hier sind die zehn Mitglieder der Seniorengruppe zuhause. In der Küche wird gewerkelt, auf dem Balkon wird diskutiert und im Wohnzimmer läuft das Fernsehprogramm.

„Eingliederungshilfe endet nicht mit 65“, sagt Barbara Bauer, die aus Nürnberg stammt und seit 25 Jahren das unter der Trägerschaft des Diakonischen Werks in Bayreuth stehende Wohnhaus Laineck leitet. Viele wohnten hier, sei es das Haus gibt und sie bleiben natürlich auch in Laineck, wenn sie nicht mehr in die Werkstatt können oder müssen. Die älteste Bewohnerin ist derzeit Mitte 70 und genauso wie ihre Mitbewohner und Mitbewohnerinnen den ganzen Tag im Haus.

Solange keine intensive körperliche Pflege notwendig ist, muss doch niemand ins Pflegeheim, so Barbara Bauer. Aber genau das hatte sich der Sozialhilfeträger zunächst so vorgestellt. Die Sozialpädagogin setzte mit einem eigenen Konzept dagegen und entwickelte als eine der ersten in Oberfranken ein Konzept zur Tagesbetreuung für Menschen mit geistiger Behinderung nach dem Erwerbsleben für das Wohnhaus Laineck.

Kernpunkte sind unter anderem Teilhabe am gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Leben sowie die Förderung der Selbstbestimmung. Notwendig dazu sei ein Angebot, das den Tag strukturiert, Möglichkeiten der Freizeitgestaltung anbietet und dabei auf so viel Selbstständigkeit wie möglich setzt. „Es wird gemeinsam eingekauft, gekocht und gegessen“, erklärt die Leiterin, die zusammen mit den aktuell 20 Beschäftigten versucht, individuell auf jeden Bewohner des Hauses einzugehen.

Fotos an den Wänden dokumentieren nicht nur in der Seniorengruppe, dass im Lainecker Wohnhaus ein reiches gesellschaftliches Leben stattfindet. Gerade war wieder ein Sommerfest, aber auch sonst wird jeder Geburtstag gefeiert, an lauen Abenden wird gegrillt und einige Bewohner fahren sogar zusammen in den Urlaub. „Das Haus hat längst keinen Heimcharakter mehr“, sagte Barbara Bauer. Man wohnt im Haus, nicht im Heim. Das sei ein großer Unterschied, denn wohnen bedeute auch: „Hier findet Leben statt.“

Natürlich benötigt jedes Angebot auch entsprechendes Personal. Besonders schmerzhaft war für die Leiterin deshalb der Wegfall des Zivildienstes. Da seien plötzlich so einige Lücken in den Dienstplänen entstanden, die nicht so einfach mit dem Einsatz von Hilfskräften wieder zu stopfen waren. Auch die Praktikanten der umliegenden Fachschulen für Heilerziehungspflege, derzeit zwei aus Bayreuth und jeweils eine(r) aus Himmelkron und Marktredwitz, können diese Lücken nicht schließen.

Das Wohnhaus Laineck wurde 1985 eingeweiht. Heute bietet es 44 Wohnplätze in vier Gruppen. Daneben gibt es unter dem Dach der Diakonie drei Wohngruppen in der Innenstadt mit jeweils bis zu zehn Bewohnern. Im Schnitt sind die Bewohner zwischen 40 und 50 Jahren alt.

Bild:
„Man wohnt im Haus, nicht im Heim“: Barbara Bauer, die Leiterin des Wohnhauses Laineck in Bayreuth.

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30.06.2012

Real ist nur der Augenblick / Sonderausstellung im Wallfahrtsmuseum widmet sich der Kunst des Lebens und des Sterbens

Gößweinstein. Eine Ausstellung über den Tod: das kann doch allenfalls im November funktionieren. Doch da wird sie schon wieder vorbei sein, die Sonderausstellung, die derzeit im Wallfahrtsmuseum Gößweinstein (Dekanat Forchheim) zu sehen ist. Unter Motto „Kunst des Lebens - Kunst des Sterbens“ will Museumsleiterin Regine Urban nicht nur um den Tod thematisieren. Vielmehr will das Wallfahrtsmuseum aufzeigen, dass das Leben immer im gegenwärtigen Augenblick stattfindet. „Es ist immer fünf vor zwölf“ lautet deshalb auch der Untertitel zu der kleinen Schau, die sowohl im Museum, als auch auf der Wiese hinter der berühmten Basilika stattfindet.

Dort auf dem Areal des ehemaligen Friedhofs haben die Installationskünstlerin Bali Tollak und ihr Lebensgefährte Wolfgang Dennig, beide aus Oberbayern, rund 20 ihrer sogenannten Seelenbretter aufgestellt. Sie erinnern an die Totenbretter, die noch immer in der Oberpfalz und im Bayerischen Wald zu sehen sind und die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zum Transport der Verstorbenen üblich waren, bis die Sargbestattung aufkam. Doch auf den Seelenbrettern der beiden Künstler wurden keine Toten zu Grabe getragen. Sie wurden stattdessen farbenfroh bemalt und mit Bibelzitaten, Sinnsprüchen und Aphorismen versehen, die von Philosophen, Künstlern und Mystikern von der Antike bis heute stammen.

Bali Tollak ordnet ihre Bretter weder ausschließlich den Lebenden, noch ausschließlich den Toten zu. Ihr geht es vielmehr darum, beide Welten, die heute meist strikt getrennt werden, zu vereinen oder zumindest symbolisch wieder anzunähern. „Ich male keine Totenbretter, ich male Lebendbretter“, sagt sie, denn beides gehöre untrennbar zusammen.

Überhaupt spielt die Kunst bei der neuen Sonderausstellung in Gößweinstein eine große Rolle. Im Museum und auch davor sind mehrere Kleinskulpturen unter anderem von den Malern und Bildhauern Reinhard Klesse und Adelbert Heil zu sehen. Daneben zeigt die Schau aber auch zahlreiche Zeugnisse der Sterbenskultur und des Totengedenkens, Beispiele künstlerischer Grabgestaltung, sie geht Ritualen der Sterbestunde nach, vermittelt Illustrationen zur Auferstehung und widmet sich augenzwinkernd der Unterhaltungs- und Comicbranche, die, wie es scheint, den Tod zu ihrem Liebling erklärt habe, so Museumsleiterin Urban. In zahlreichen Comics, bei verschiedenen Events und Gruppierungen werde der Tod auch heute wieder überaus menschlich dargestellt.

Der dritte Teil der Ausstellung „Kunst des Lebens, Kunst des Sterbens“ erinnert schließlich an den ehemaligen Friedhof hinter der Basilika, von dem lediglich noch einige Gedenktafeln an der Rückfront der Basilika zu sehen sind. Dazu haben die Verantwortlichen historische Fotos alter Grabdenkmäler und Zeugnisse der Gößweinsteiner Friedhofsgeschichte zusammengetragen.

Zum Begleitprogramm der Ausstellung gehört unter anderem eine Aufführung des Fränkischen Jedermanns durch das „Theater Kuckucksheim“ im Pfarrzentrum am 29 Juli. Am 18. September wird Andreas Hölscher vom Archiv des Erzbistums Bamberg über Giovanni Bonalino, dem Baumeister der Gößweinsteiner Friedhofskirche sprechen und am 9. Oktober hält Anja Münzel vom Christlichen Palliativ- und Hospizdienst der Caritas Forchheim einen Vortrag zum Thema „Den letzten Weg gemeinsam gehen“.

Die Sonderausstellung „Kunst des Lebens - Kunst des Sterbens“ hat bis zum 14. Oktober im Wallfahrtsmuseum Gößweinstein, Balthasar-Neumann-Straße 2 - 4 (direkt neben der Basilika) täglich außer Montag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Seelenbretter hinter der Basilika sind frei zugänglich. Weitere Information: www.wallfahrtsmuseum.info.

Bild: Bali Tollak und Wolfgang Denning zeigen seit Jahren ihre „Seelenbretter“ im In- und Ausland. Jetzt sind die Kunstwerke, die Tod und Leben verbinden, im Wallfahrtsmuseum Gößweinstein zu sehen.

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22.06.2012

Wiedereingliederung als Ziel /
Einmaliges Therapiekonzept für Mütter mit Kindern in Süddeutschland

Hutschdorf. Rund acht Millionen Investitionsvolumen, fast doppelt so viele Plätze als bisher und ein Rehabilitationskonzept, das in Süddeutschland bislang einmalig ist: Die Fachklinik Haus Immanuel in Hutschdorf bei Thurnau im Landkreis Kulmbach nimmt künftig auch suchtkranke Frauen zusammen mit ihren Kindern bis zum Alter von zehn Jahren zur Behandlung auf. Möglich macht dies ein großangelegter Neubau, der seit März 2011 realisiert und am Freitag offiziell eingeweiht wurde.

Nach den Worten von Klinikleiter Gotthard Lehner gibt es in Deutschland nur insgesamt zehn Kliniken, die sich ausschließlich um weibliche Suchtpatienten kümmern. Mit der Erweiterung der christlich geprägten Reha-Klinik von bisher 36 auf künftig 60 Plätze trage der Neubau auch ein Stück zu mehr Wirtschaftlichkeit bei, da die bisherige Bettenzahl keine kostendeckende Belegung mehr gewährleisten konnte.

Die zurückliegenden 15 Monate Bauzeit bezeichnete Lehner als absolut turbulent, nicht nur für Patienten und Klinikpersonal, sondern auch für die Bewohner von Hutschdorf. Das sei jetzt endlich vorbei sagte der Klinikchef. „Wir hatten außerdem dringenden Sanierungsbedarf“, so Lehner, Diakon und Sozialpädagoge, der vor 20 Jahren als Therapeut in Hutschdorf seinen Dienst angetreten hatte. Deshalb sei es ursprünglich auch um die Frage gegangen, ob man die Klinik überhaupt in Hutschdorf weiterführe, oder an einem anderen Standort neu errichten sollte. Schließlich hatten sich die Verantwortlichen doch für den Standort entschieden, mit den Bewohnern des kleinen Ortes  herrsche ein gutes Miteinander. Es gebe mittlerweile niemandem mehr im Ort, der älter ist als die Klinik.

Nach den Worten von Klinikleiter Lehner (Bild links) verfolgt das Team seines Hauses mit der Kombination von medizinischer Betreuung, Psycho-, Ergo-, Physio-, Sozial- und Arbeitstherapie eine ganzheitliche und nachhaltige Behandlung suchtkranker Frauen. Die Therapiezeit, deren Kosten in der Regel von den Rentenversicherungsträgern oder den Krankenkassen übernommen wird, ist auf 15 Wochen begrenzt und gliedert sich in eine Besinnungs-, Intensiv- und Belastungsphase, in denen jeweils ganz spezifisch auf die Bedürfnisse von Frauen eingegangen werden soll. Danach bestehe die Möglichkeit zu ambulanten Weiterbetreuungsmaßnahmen. Zentrales Ziel der Therapie ist die Wiedereingliederung in das Erwerbsleben.

Neu im Behandlungskonzept ist auch, dass künftig traumatisierte Frauen, die Opfer von körperlicher oder seelischer Gewalt wurden, aufgenommen werden. „Wir wollen an die Ursachen ran“, so Lehner. Es könne nicht sein, dass die Kinder von alkoholkranken Patientinnen auch alkoholkrank werden. „Diesen Kreislauf müssen wir durchbrechen, schon allein, um den Kindern eine Chance zu geben.“

Zu den Baukosten von rund acht Millionen Euro für den Neubau haben die Oberfrankenstiftung und bayerische Landesstiftung etwa ein Viertel beigesteuert. Das neue Kinderhaus wurde unter anderem mit Mitteln der Aktion Sternstunden des Bayerischen Rundfunks und der Aktion „Ein Herz für Kinder“ finanziert. Für das neue Spielhaus flossen weitere Mittel von der Kulmbacher Raps-Stiftung. Dies alles zeige, dass der Neubau von vielen mitgetragen und unterstützt wird, sagte Lehner. Ohne all diese Gelder wäre die Realisierung weitaus schwieriger geworden. Gleichzeitig kritisierte er aber auch, dass derart wichtige Aufgaben für die Suchttherapie nur über Spenden finanziert werden müssten und andernfalls nicht realisiert werden könnten. Man dürfe nicht an der Rehabilitation sparen, sondern mit ihr. Manchmal habe er den Eindruck, dass dies nicht mit letzter Konsequenz umgesetzt werde.

Die Fachklinik Haus Immanuel in Hutschdorf  wurde vor über 100 Jahren von dem damaligen Hutschdorfer Pfarrer Ernst Keupp gegründet und gilt als älteste bayerische Suchtklinik.  In den Kriegsjahren dienten die Gebäude als Lazarett und später als Heimstätte für die sogenannte Schullandverschickung. Prominenteste Lehrerin in Hutschdorf zu dieser Zeit war Loki Schmidt, Ehefrau des späteren Bundeskanzlers Helmut Schmidt. Seit 1961 werden ausschließlich Frauen aufgenommen. Träger der Klinik ist der Deutsche Gemeinschafts-Diakonieverband mit Sitz in Marburg. Die Klinik beschäftigt derzeit 33 Mitarbeiter, mit Eröffnung des Neubaus kamen weitere zehn Beschäftigte dazu.

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21.03.2012

Wiedereingliederung als Ziel /
Einmaliges Therapiekonzept für Mütter mit Kindern in Süddeutschland

Hutschdorf – Rund sieben Millionen Euro Baukosten, fast doppelt so viele Plätze als bisher und ein Rehabilitationskonzept, das in Süddeutschland bislang einmalig ist: Die Fachklinik Haus Immanuel in Hutschdorf bei Thurnau im Landkreis Kulmbach wird ab Mitte Mai auch suchtkranke Frauen zusammen mit ihren Kindern bis zum Alter von zehn Jahren aufnehmen und behandeln können. Möglich macht dies ein großangelegter Neubau, der seit März 2011 realisiert wird und der in diesen Tagen seiner Fertigstellung entgegen geht.

Nach den Worten von Klinikleiter Gotthard Lehner (Bild unten) gibt es in Deutschland nur insgesamt zehn Kliniken, die sich ausschließlich um weibliche Suchtpatienten kümmern. Mit der Erweiterung der christlich geprägten Reha-Klinik von bisher 36 auf künftig 60 Plätze trage der Neubau auch ein Stück zu mehr Wirtschaftlichkeit bei, da die bisherige Bettenzahl keine kostendeckende Belegung mehr gewährleisten konnte.

„Wir hatten außerdem dringenden Sanierungsbedarf“, sagt Lehner, Diakon und Sozialpädagoge, der vor 20 Jahren als Therapeut in Hutschdorf seinen Dienst angetreten hatte. Deshalb sei es ursprünglich auch um die Frage gegangen, ob man die Klinik überhaupt in Hutschdorf weiterführe, oder an einem anderen Standort neu errichten sollte. Schließlich hatten sich die Verantwortlichen doch für den Standort entschieden, mit den Bewohnern des kleinen Ortes  herrsche ein gutes Miteinander. Es gebe mittlerweile niemandem mehr im Ort, der älter ist als die Klinik.

Mit der Kombination von medizinischer Betreuung, Psycho-, Ergo-, Physio-, Sozial- und Arbeitstherapie verfolge das Team des Hauses eine ganzheitliche und nachhaltige Behandlung suchtkranker Frauen. Die Therapiezeit, deren Kosten in der Regel von den Rentenversicherungsträgern oder den Krankenkassen übernommen wird, ist auf 15 Wochen begrenzt und gliedert sich in eine Besinnungs-, Intensiv- und Belastungsphase, in denen jeweils ganz spezifisch auf die Bedürfnisse von Frauen eingegangen werden soll. Danach bestehe die Möglichkeit zu ambulanten Weiterbetreuungsmaßnahmen. Zentrales Ziel der Therapie ist die Wiedereingliederung in das Erwerbsleben.

Neu im Behandlungskonzept ist auch, dass künftig traumatisierte Frauen, die Opfer von körperlicher oder seelischer Gewalt wurden, aufgenommen werden. „Wir wollen an die Ursachen ran“, so Lehner. Es könne nicht sein, dass die Kinder von alkoholkrankten Patientinnen wieder alkoholkrank werden. „Diesen Kreislauf müssen wir durchbrechen, schon allein, um den Kindern eine Chance zu geben.“

Zu den Baukosten von sieben Millionen Euro für den Neubau haben die Oberfrankenstiftung und bayerische Landesstiftung etwa ein Viertel beigesteuert. Das neue Kinderhaus wurde unter anderem mit Mitteln der Aktion Sternstunden des Bayerischen Rundfunks und der Aktion „Ein Herz für Kinder“ finanziert. Für das neue Spielhaus flossen weitere Mittel von der Kulmbacher Raps-Stiftung. Dies alles zeige, dass der Neubau von vielen mitgetragen und unterstützt wird, sagt Lehner. Ohne all diese Gelder wäre die Realisierung weitaus schwieriger geworden.

Die Fachklinik Haus Immanuel in Hutschdorf  wurde vor über 100 Jahren von dem damaligen Hutschdorfer Pfarrer Ernst Keupp gegründet und gilt als älteste bayerische Suchtklinik.  In den Kriegsjahren dienten die Gebäude als Lazarett und später als Heimstätte für die sogenannte Schullandverschickung. Prominenteste Lehrerin in Hutschdorf zu dieser Zeit war Loki Schmidt, Ehefrau des späteren Bundeskanzlers Helmut Schmidt. Seit 1961 werden ausschließlich Frauen aufgenommen. Träger der Klinik ist der Deutsche Gemeinschafts-Diakonieverband mit Sitz in Marburg. Die Klinik beschäftigt derzeit 33 Mitarbeiter, mit Eröffnung des Neubaus werden weitere zehn Beschäftigte dazu kommen.

Bereits am 1. Mai ist ein Tag der offenen Tür geplant, an dem alle Interessierten die Möglichkeit erhalten sollen, den Neubau zu besichtigen und die Klinik kennenzulernen. Der eigentliche Umzug für die Patienten steht dann am 12. Mai an, am 14. Mai werden Patienten ausschließlich im Neubau aufgenommen. Die offizielle Einweihung ist für den 22. Juni geplant.

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01.03.2012

Qualifizierte Pflegekräfte dringend gesucht /
Hamburger Diakoniewerk Tabea hat Heiligenstädter Familienzentrum gerettet

Heiligenstadt. Ekkehard Becker ist eigentlich schon seit einem Jahr in Pension. Doch Ende 2011 erreichte dem 64-jährigen Rheinländer ein Anruf des Diakoniewerks Tabea (Hamburg), ob er nicht kommissarisch das seit Mai 2011 insolvente Familienzentrum der Evangelischen Freikirchlichen Gemeinden Nordbayern in Heiligenstadt (Landkreis Bamberg) übernehmen könne. Der frühere Leiter von verschiedenen Altenpflegeheimen der Diakonie in Nordrhein-Westfalen sagte zu, und so wurde die Fränkische Schweiz für einige Wochen sein Arbeitsplatz.

Gerade hat er sein Büro allerdings schon wieder geräumt, denn mit Urs Bruhn (50) steht der künftige Leiter des konfessionell gebundenen Hauses bereits in den Startlöchern. Der neue Heimleiter und Geschäftsführer kommt aus Illmensee und leitete im dortigen Landkreis Sigmaringen zuletzt eine Behindertenwerkstatt. Zuvor war er unter anderem sechs Jahre lang Geschäftsführer des Rot-Kreuz-Kreisverbandes Sigmaringen sowie Heim- und Regionalleiter von  Pflegeheimen und Seniorenwohnanlagen in Schwäbisch-Hall. Nach dem Fall der Mauer hatte er beim Aufbau der Altenhilfe in Sachsen mitgeholfen. Bruhn hat an der Fachhochschule in Ludwigsburg studiert und eine Weiterbildung zum Heimleiter in Stuttgart absolviert. Bruhn ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

Das Heiligenstädter Familienzentrum (FZ) hat derzeit rund 100 Beschäftigte im Alten- und Pflegeheim mit seinen 130 Betten sowie im Betreuten Wohnen mit etwa 100 Eigentums- und Mietwohnungen. Zum Angebot gehören außerdem eine Diakoniestation mit derzeit 50 Patienten, ein Mahlzeitendienst („Essen auf Rädern“) und die Ferien- und Tagungsstätte für Jugendgruppen und andere Zusammenschlüsse. „Wir konnten sämtliche Mitarbeiter übernehmen“, sagt Becker. Aufgabe seines Nachfolgers wird es nun sein, neue Kräfte für Heiligenstadt zu gewinnen. „Wir suchen vor allem qualifizierte Pflegefachkräfte“, so Bruhn.

Grund für die Insolvenz war eine Großinvestition in Höhe von über neun Millionen Euro für knapp 40 neue Eigentumswohnungen im Betreuten Wohnen. Ein Großteil davon konnte nicht verkauft werden, diese Tatsache habe das gesamte System zum Einsturz gebracht. Derzeit, so Becker, stünde nur noch gut ein Dutzend der teils großzügigen und luxuriösen Wohnungen mit einem überwältigenden Ausblick in die Fränkische Schweiz leer.

Um eine Insolvenz ein für alle Mal zu verhindern, habe das Diakoniewerk Tabea das gesamte Familienzentrum gekauft und die einzelnen Bereiche zu Tochtergesellschaften umgewandelt. Mit der wirtschaftlichen und rechtlichen Trennung  liege der Betrieb des Alten- und Pflegeheimes künftig ebenso in der Hand einer GmbH wie die Diakoniestation oder die Ferien- und Tagungsstätte.

Die Tabea-Gruppe plant außerdem den Pflegebereich zu sanieren. Vor allem bei den Nasszellen gebe es erheblichen Nachholbedarf, so der Heimleiter. Bei leerstehenden Zimmern soll daher nachgerüstet werden. Auch die Wohnbereiche selbst sollen sich optisch verändern und damit an den geänderten Bedarf angepasst werden. Grund dafür ist, dass eine Zunahme der demenzkranken Menschen erwartet wird. An deren Bedürfnissen sollen die Räumlichkeiten baulich angepasst werden. Dazu gehören zentral gelegene moderne Küchen in den Wohnebenen und offene Essbereiche.

Der kommissarische Heimleiter und sein Nachfolger zeigen sich überzeugt davon, dass das Familienzentrum eine Zukunft haben wird. Zum einen werde eine ortsnahe Versorgung im Alter mit unterschiedlichsten Diensten angeboten, zum anderen spreche die freikirchliche Einrichtung auch viele Auswärtige an, die aus diesem Grund im Alter nach Heiligenstadt ziehen könnten. „Die Einrichtung ist viel zu wertvoll“, sagt Bruhn, der alles tun will, um eine nochmalige Schieflage zu vermeiden. Schließlich ist das Familienzentrum, das sich über eine Fläche von 60000 Quadratmetern erstreckt, für den Markt Heiligenstadt nicht nur ortsbildprägend, sondern auch der größte Arbeitsgeber vor Ort.

Bilder:
- Der kommissarische Leiter Ekkehard Becker, der künftige Leiter Urs Bruhn und  Tabea-Hauptgeschäftsführer Matthias Frost.

- Susanne Sponsel, Fachbetreuerin in der Altenpflege, kocht zusammen mit Bewohnern des Familienzentrums Heiligenstadt.
- Ekkehard Becker hat den Schlüssel für das Familienzentrum an den neuen Leiter Urs Bruhn übergeben.

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23.09.2011

„Alles andere als super“: Brotautomaten und Backshops verdrängen alteingesessene Traditionsbetriebe / Kirche und Handwerk in Oberfranken haben die Aktion „Gott-sei-Dank-Brot“ gestartet

Bayreuth. Mit heftiger Kritik an der Politik der Discounter, die nur allzu oft alteingesessene Handwerksbetriebe von ihren Standorten verdrängen, haben die evangelische und die katholische Kirche sowie die Handwerkskammer für Oberfranken die Aktion „Gott-sei-Dank-Brot“ eröffnet. Rund 100 oberfränkische Bäckereien werden in den kommenden Wochen ein spezielles Brot verkaufen, das mit einer eigens kreierten Banderole und einem Siegel mit der Aufschrift „Gott sei Dank“ gekennzeichnet ist. Dazu liegen in den Bäckereien und Kirchengemeinden Plakate, Prospekte und Postkarten mit Tischgebeten und ein kleiner Gebetswürfel aus Pappe aus. Auch die Kirchen wollen in ihren Gottesdiensten die Aktion zum Thema machen.

„Die Kirche steht zum heimischen Handwerk“, sagte Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner beim Start der Aktion in der Backstube des Bayreuther Innungsobermeisters Michael Rindfleisch. Die Bäckereien seien dafür ein gutes Beispiel. „Wir möchten nicht, dass überregional operierende Ketten einen im Ort seit Generationen geführten Betrieb verdrängen“, so Greiner. Dies könne jeder einzelne durch sein Einkaufsverhalten mitsteuern. Anonyme Brotautomaten und Backshops in Supermärkten seien alles andere als super. Pfennigfuchserei beim Einkauf führe zur Verarmung der Orts- und Esskultur. Die Kirche führe die Aktion deshalb ganz bewusst mit und für die heimischen Handwerksbetriebe durch.

Auch geschmacklich gebe es einen „himmelweiten Unterschied“ zwischen dem Brot aus dem Backautomaten und dem Brot aus einer handwerklich betriebenen Bäckerei, pflichtete ihr Thomas Teuchgräber, katholischer Regionaldekan aus Kronach, bei. Er appellierte an die Verbraucher, nicht ausgerechnet an der Ernährung und noch dazu beim Grundnahrungsmittel Nummer 1, dem Brot, zu sparen.

Aufgebracht hatte das Thema Innungsobermeister Michael Rindfleisch, Chef des Fuhrmann´schen Backparadieses in Bayreuth. Die vielen Discounter mit den Backautomaten seien mittlerweile zu einer ernst zunehmenden Konkurrenz geworden, sagte er. Dabei gab er zu bedenken, dass die tiefgefrorenen Teiglinge alles andere als aus der Region kämen, sondern meist tausende von Kilometern aus dem Ausland herbeigekarrt würden. Die rund 500 oberfränkischen Bäckereien, viele davon kleine Familienbetriebe mit durchschnittlich fünf Beschäftigten, hätten dagegen nicht die Möglichkeiten in die Filialisierung zu gehen. Deshalb gelte es bei der „Gott-sei-Dank-Brot-Aktion“ nicht nur darum, Gott zu danken, dass überhaupt Getreide wächst, es gehe auch um die bewusste Wahrnehmung und Wertschätzung der vielen kleinen Betriebe.

„Wir wollen mit der Aktion das Brot als etwas ganz alltägliches wieder mehr in das öffentliche Blickfeld rücken“, sagte der oberfränkische HWK-Präsident Thomas Zimmer. Mit über 100 oberfränkischen Bäckereien seien in diesem Jahr so viele Betriebe wie nie zuvor an dem Projekt beteiligt. Schon jetzt seien die 10000 gedruckten Brotbanderolen bereits vergeben. Zimmer: „Das zeigt auch, dass die Aktion ein absoluter Renner ist.“

Bild: So sieht Ökumene aus: In der Backstube des Fuhrmann´schen Backparadieses in Bayreuth haben die evangelische Regionalbischöfin Dorothea Greiner und ihr katholischer Kollege Thomas Teuchgräber aus Kronach die ersten „Gott-sei-Dank-Brote“ in den Backofen „eingeschossen“.

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20.09.2011

Denkmalschutz in seiner schönsten Form: Preis der Oberfranken-Stiftung für 13-jährige Sanierung des „Palais Pottenstein“ in Bayreuth – Prominente Kirchenmusiker Ingrid Kasper und Georg Schäffner ausgezeichnet

Thurnau – Für besonders herausragende Leistungen in der Sparte Kultur sowie im Bereich Denkmalpflege hat die Oberfrankenstiftung in diesem Jahr drei Preise vergeben. Der Denkmalpflegepreis ging an die Familie Heike und Martin Kistner, die ein bauliches Juwel im Bayreuther Röhrenseepark in 13 Jahren mühevoller Kleinarbeit und mit hohem persönlichen Einsatz aus dem Dornröschenschlaf geholt und daraus ein wahres Schmuckstück gemacht haben. Den Kulturpreis erhielten diesmal zwei Kirchenmusiker, die beide weit über die Grenzen Oberfrankens hinaus nicht nur in Fachkreisen bekannt sind: die Bamberger Dekanatskantorin Ingrid Kasper und der Gößweinsteiner Regionalkantor Georg Schäffner.

„Palais Pottenstein“ heißt das Anwesen in der Pottensteiner Straße in Bayreuth, das die Familie Kistner 1998 erworben hatte und das sich zuletzt in einem heruntergekommenen Zustand befunden hatte. Die Jugendstilvilla wurde zwischen 1902 und 1904 von dem Maler- und Tünchermeister Hans Karl Münch errichtet und diente als Wohn- und Geschäftshaus. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das stattliche Anwesen von dem Bayreuther Bäckermeister Johann Popp erworben, der 1930 als erster Bäcker der Stadt und wohl in ganz Oberfranken einen Gasbackofen in das Anwesen einbauen ließ.

Zum Haus gehört nicht nur ein großzügiger Garten, sondern auch ein Kioskbetrieb für Besucher des Röhrenseeparks, den das Ehepaar Kastner nach liebevoller Restaurierung mittlerweile verpachtet hat. Heike und Martin Kistner sowie den drei Töchtern Katharina, Anna und Eva dient das „Palais Pottenstein" heute nach 13 Jahren Umbauzeit als großzügiges Zuhause.

Bezirkstagspräsident Günther Denzler, der die Laudatio für die Familie Kistner hielt, bescheinigte ihr großes Gespür für die bauliche Substanz und jede Menge Fingerspitzengefühl für die architektonischen Details, von den Jugendstil-Schablonenmalereien an den Wänden über die Türen mit ihren Messing-Beschlägen und –Griffen bis hin zu den bauzeitlichen Treppengeländern. „Wer immer am Palais Pottenstein vorübergeht, der sieht wie Denkmalschutz in seiner schönsten Form aussehen kann“, sagte Denzler.

Der Kulturpreis der Oberfrankenstiftung ging in diesem Jahr an die beiden Kirchenmusiker Ingrid Kasper und Georg Schäffner. Ingrid Kasper ist seit dem Jahr 2000 Dekanatskantorin von St. Stephan in Bamberg und habe die Kantorei seitdem weit über die Grenzen der Domstadt hinaus bekannt gemacht, sagte Regierungspräsident Wilhelm Wenning, der auch Stiftungsratsvorsitzender der Oberfrankenstiftung ist. Ingrid Kasper hatte nicht nur mehrere Chöre gegründet und eine Chornacht ins Leben gerufen, sondern führte auch zahlreiche Konzertreisen mit der Kantorei ins In- und Ausland durch. Als Beispiel nannte Wenning einen Auftritt bei den Salzburger Festspielen mit Mozarts Requiem im Jahr 2005.

Der zweite Preisträger, Georg Schäffner von der Basilika in Gößweinstein, der unter anderem bei Papst-Bruder Georg Ratzinger in Regensburg studiert hatte, ist bereits seit 1973 als Regionalkantor tätig. Auch er wirkte bereits in den unterschiedlichsten Ensembles mit und hatte Auftritte nicht nur in ganz Europa, sondern auch in Kanada. Seine Orgelkonzerte wurden bereits mehrfach vom Bayerischen Rundfunk übertragen, auch für die verschiedensten TV-Produktionen wurde er bereits engagiert.

Mit der Preisverleihung 2011 konnte die renommierte Oberfrankenstiftung zugleich ihre 200. Stiftungsratssitzung seit 1955 feiern. Bezirksheimatpfleger Günter Dippold erinnerte aus diesem Anlass an die Gründung der Stiftung im Jahr 1927 durch den damaligen Kreistagspräsidenten (Bezirkstagspräsidenten) und früheren Bamberger Oberbürgermeister Adolf Wächter. Dippold bezeichnete es als schade, dass heute „so gar nichts mehr“ an Wächter erinnere, zumal er sich schon 1923 gegen die Nationalsozialisten gestellt habe und während des Dritten Reiches heftigen Bedrängnissen ausgesetzt gewesen sei. Obwohl die Stiftung unter den braunen Machthabern zur Beute der Partei wurde, sei 1948 eine Wiedergründung gelungen.  Seitdem hätten etliche Großprojekte, wie die Sanierung des Klosters Banz, des Langheimer Amtshofes in Kulmbach, des Schlosses Thurnau oder der Thermalbohrung in Bad Staffelstein erst durch die Oberfrankenstiftung ermöglicht werden können.

Nach den Worten von Regierungspräsident Wilhelm Wenning hat die Oberfrankenstiftung heute ein Vermögen von über 500 Millionen Euro, allein im zurückliegenden Jahr hätten Zuwendungen in Höhe von 28 Millionen Euro aus den Stiftungserträgen ermöglicht werden können.

Prominentester Gratulant zur 200. Stiftungsratssitzung war der bayerische Innenminister Joachim Herrmann. Er freute sich, dass der Stiftungsboom selbst in den Jahren der Wirtschafts- und Finanzkrise nicht zum Erliegen gekommen sei und dass es im Freistaat mittlerweile über 3000 staatlich anerkannte rechtsfähige Stiftungen gebe. Hinzu kämen noch einige tausende kirchliche Stiftungen, die unter kirchlicher Aufsicht stehen.

Bilder:
- Regierungspräsident Wilhelm Wenning, Innenminister Joachim Herrmann, und
  Bezirkstagspräsident Günther Denzler haben die Familie Kistner aus Bayreuth mit Eva, Heike,
  Martin, Katharina und Anna (von links) mit dem Denkmalpflegepreis der Oberfrankenstiftung
  ausgezeichnet.
- Regierungspräsident Wilhelm Wenning und die Bamberger Dekanatskantorin Ingrid Kasper.
-
Innenminister Joachim Herrmann und der Gößweinsteiner Regionalkantor Georg Schäffner.

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05.12.2010

„Fingerzeige Gottes“ als Segen für eine glückliche Reise / St.-Thomas-Kirche in Trockau wurde feierlich zur Autobahnkirche erhoben

Trockau – Autobahnkirchen sind neben dem hektischen Betrieb auf den Autobahnen ein Ruhepol und gelten als Rastplatz für die Seele. Menschen, die sich auf der Durchreise befinden, können hier anhalten und neue Kraft sammeln. Das wirkt sich auch positiv auf die Verkehrssicherheit aus, denn nach einer Rast fährt man gelassener und somit sicherer weiter. Seit Sonntag gibt es nun eine Autobahnkirche mehr entlang der bundesdeutschen Autobahnen: die St.-Thomas-Kirche in Trockau im Landkreis Bayreuth. Sie ist die 38. Autobahnkirche Deutschlands, die siebte in Bayern und nach Geiselwind und Himmelkron die dritte im Erzbistum Bamberg. Erzbischof Ludwig Schick und Pfarrer Josef Hell haben das Gotteshaus nun 60 Jahre nach seiner Einweihung mit einem Pontifikalamt zur Autobahnkirche erhoben. Im Anschluss daran feierten sie zusammen mit der evangelischen Regionalbischöfin Dorothea Greiner und Dekan Gerhard Schönauer eine ökumenische Andacht.

"Mögen viele Reisende in Trockau zur Ruhe kommen, entspannen, zu Gott und zu sich selbst finden", sagte Erzbischof Schick. Rasten und ausruhen sei gesund und heilsam bei langen Fahrten über die Autobahn. Schick bezeichnete die bayerischen Autobahnkirchen auch als "Fingerzeige Gottes“, die auf verantwortungsvolles Fahren hinweisen und Stätten des Segens für eine glückliche Reise sein sollen. Die Erhebung der Kirche zur Autobahnkirche sei auch ein besonderes Geburtstagsgeschenk für das Trockauer Gotteshaus. Von ganzem Herzen gönnte es der Erzbischof der kleinen Gemeinde, dass die Kirche das eine oder andere Mal vielleicht auch einen wirtschaftlichen Vorteil für Trockau mit sich bringe. Der Trockauer Pfarrer Josef Hell bezeichnete die Erhebung als Meilenstein in der Geschichte der St.-Thomas-Kirche. Künftig solle das Gotteshaus auch als Raststätte für die Seelen der Reisenden dienen und Zeugnis von der Gegenwart Gottes ablegen.

Regionalbischöfin Dorothea Greiner bezog in ihre Predigt auch die weit über 4000 Verkehrstoten des zurückliegenden Jahres mit ein und erinnerte daran, dass das Ankommen bei weitem nicht immer selbstverständlich sei. Die neue Autobahnkirche nannte sie einen „Rastplatz zum Innehalten auf unserer Lebensreise zu Gott“. Die Idee zur Anerkennung als Autobahnkirche stammte vom Sprecher der Trockauer Kirchenverwaltung Hans Hümmer. Mit einer Entfernung von rund 300 Metern zur Autobahnanschlussstelle, ausreichenden Parkmöglichkeiten und einem behindertengerechten Zugang sei die St.-Thomas-Kirche als Autobahnkirche geradezu prädestiniert, sagte Hümmer. Trockau lebe seit Jahrzehnten von und mit der Autobahn und gelte traditionell als wichtige Zwischenstation zwischen Berlin und Nürnberg.

Nach den offiziellen Richtlinien zur Erhebung von Autobahnkirchen galt Trockau lange Zeit als Grenzfall, weil sich die Kirche mitten im Ort und nicht etwa an einem Rastplatz befindet. Wenn die Kirche nun dennoch zur Autobahnkirche ernannt wurde, dann vor allem wegen ihrer exponierten Lage in Sichtweite der Bundesautobahn A9. Zur offiziellen Anerkennung einer Autobahnkirche muss ein Gotteshaus einen detaillierten Kriterienkatalog erfüllen, den die in Kassel ansässige Akademie Bruderhilfe Pax ausgearbeitet hat. Neben den Kirchen mussten auch das Bundesverkehrsministerium und das Bayerische Innenministerium zustimmen, ehe nun die entsprechenden touristischen Hinweisschilder entlang der Autobahn aufgestellt werden können.

Die Kirche von Trockau wurde 1950 erbaut und ist dem heiligen Thomas von Aquin, dem nach den Worten von Erzbischof Schick „größten Theologen des Mittelalters“ und Ratgeber von Kaisern, Königen und Bischöfen, geweiht. Erst 1960 erhielt das markante Bauwerk sein heutiges Aussehen, weil der dazugehörige Turm erst zehn Jahre nach der Weihe gebaut werden konnte.

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16.12.2009

Bedeutende historische Entdeckung: Genisa-Fund in Bayreuther Synagoge - Bei Renovierungsarbeiten sind Arbeiter auf 250 Jahre alte Schriftstücke gestoßen

Bayreuth. Die Israelitische Kultusgemeinde in Bayreuth hat auf dem Dachboden ihrer Synagoge einen bedeutenden Genisa-Fund gemacht. Dabei handelt es sich unter anderem um religiöse Schriften und Kultgegenstände, deren Ursprung bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurückreicht. Die in hebräischer und deutscher Sprache verfassten Dokumente sind offenbar seit zweieinhalb Jahrhunderten nicht mehr von Menschenhand berührt worden und haben selbst die Schändung der Synagoge durch die Nationalsozialisten unbehelligt überstanden.

Bei der Regierung von Oberfranken spricht man von einer kleinen Sensation, der Vorsitzende der Kultusgemeinde Felix Gothart bezeichnet die Dokumente als großen historischen Fund. Grund dafür ist, dass die Schriftstücke und Ritualgegenstände am Originalort in einer aktiven Synagoge aufgefunden wurden. Darüber hinaus ist eines der bereits entzifferten Dokumente auf das Jahr 1762 datiert, ungefähr dem Jahr der Gründung der Bayreuther Synagoge durch den damaligen Markgrafen Friedrich. Schriftstücke und religiöse Gegenstände, die nicht mehr benötigt wurden, seien früher häufig auf Dachböden abgelegt worden, erläutert Gothart. Hintergrund war, dass religiöse Dinge nicht einfach entsorgt oder gewaltsam zerstört werden sollten, sondern häufig regelrecht „bestattet“ wurden. Deshalb habe man ähnliche Funde auch bereits auf Friedhöfen machen können.

Aufgearbeitet wird der Schatz nun vom Jüdischen Kulturmuseum Veitshöchheim, das in der Vergangenheit bereits mehrere derartige Funde analysiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Bereits 1986 sei bei der Renovierung der dortigen Synagoge eine ähnliche Entdeckung gemacht worden, erläutert Martina Edelmann vom Museum Veitshöchheim. Viele hebräische Bücher und Stofffetzen, die heute im dortigen Museum gezeigt werden, seien damals gerade noch aus Abfallcontainern gerettet worden. Inzwischen gebe es 40 Genisa-Funde in Franken. Da in Südbayern das jüdische Leben nicht so ausgeprägt war und es kaum jüdische Gemeinden gab, konzentrierten sich die Funde nahezu ausschließlich auf Franken, so Regierungspräsident Wilhelm Wenning.

Die Entdeckung, die Felix Gothart Anfang Dezember bei einer notwendig gewordenen Freilegung von Dachbalken zusammen mit zwei Dachdeckern gemacht hatte, kommt für die jüdische Gemeinde in Bayreuth gerade rechtzeitig zu ihrem 250. Geburtstag im kommenden Jahr. Mit Hilfe eines eigenen Fördervereins will die Kultusgemeinde nicht nur die Synagoge renovieren, sondern auch eine Mikwe, ein rituelles Bad, errichten und ein eigenes Kulturzentrum mit kleinem Museum in unmittelbarer Nachbarschaft aufbauen. Dort soll später zumindest ein Teil des Fundes öffentlich ausgestellt werden.

Bis es soweit ist, wartet auf die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Elisabeth Singer und Beate Weinhold vom Kulturmuseum in Veitshöchheim viel Arbeit. Bislang sieht der Fund nämlich relativ unspektakulär aus und gleicht eher einem staubigen Haufen. „Wir erwarten uns Schriftgut aus über 150 Jahren, das über die besondere Struktur einer städtischen Gemeinde Aussagen verspricht“, so Bezirksheimatpfleger Günter Dippold. Museumsleiterin Edelmann weiß auch, dass bei Genisa-Funden immer wieder auch profane Dinge auftauchen, etwa Rechnungen, Quittungen, Schreibübungen in hebräischer Sprache bis hin zu Einkaufszetteln, die sich in die religiösen Literatur verirrt haben, aber großen Aufschluss über das alltägliche Leben der damaligen Zeit geben.

Bilder:
1. Der Vorsitzende des israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth Felix Gothart zeigt einen Thoragürtel, der jetzt auf dem Dachboden der Synagoge in Bayreuth gefunden wurde.
2.
Aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und damit aus den Gründungstagen der Bayreuther Synagoge stammen diese Dokumente des Bayreuther Genisa-Fundes.
3.
Elisabeth Singer vom Jüdischen Kulturmuseum in Veitshöchheim hat bereits einige der Schriftstücke aus dem Gebälg der Synagoge in Bayreuth geborgen.

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